Buch 5 für Schwarzleser: Der schriftsteller erzählt

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VERGANGENHEIT - die idee hat viele väter von Betti Klein

 

Gina hat mit den Männern schon so manche Erfahrungen gemacht. Aber mit Alkohol vollgefüllten Männern langweilte sie sich nur.

Ich Ricci schwul geworden?

Und auf Pessimisten und Versager sind die Leute nicht neidisch.

Benutzt Gina die Männer und was will Gina von Pat Stevens?

 

 

Kapitel 1

Es ist ein warmer, schwüler Abend, kurz vor Einbruch der Dämmerung. Als Gina die Innenstadt von Mexiko hinter sich gelassen hatte, kurbelte sie das Fenster ihres wendigen roten Cabriolets herunter. Ein kühler, kräftiger Luftzug entstand, der die Locken ihrer langen schwarzen Haare zerzauste, aber nicht stark genug war, sie aus der Form zu bringen.

Sie atmete tief durch und bemühte sich zu entspannen. Gina hatte die Party bei einigen Freundinnen, die sie während ihres außergewöhnlichen, beruflichen Aufenthaltes kennengelernt hatte, vor dem allgemeinen Aufbruch lautlos verlassen.

Nachdem Gina ihren leidenschaftlichen Charme und übertriebene Liebenswürdigkeit nach allen Seiten versprüht hatte, war sie ohne langen Abschied gegangen.

Gina war selbstbewusst und davon überzeugt.

Ja.

Sie hatte ihr Pensum ihrer aufgelegten Freundlichkeit erledigt und ihre Pflicht getan.

Wann immer es möglich war, vermied Gina es auf diese rasante Weise, aufdringlichen oder auch nur wohlmeinenden Männern einen vollen Korb geben zu müssen.

Die unausweichlichen Erfahrungen mit dem

Männer hatten sie gelehrt, dass es immer noch jemanden gab, der mit Gina ausgehen wollte.

Zum Essen oder ins Bett.

Aber mit Alkohol angeheiterte Männer und ihre Flirtversuche langweilten sie nur.

Besonders, da Gina selber stocknüchtern

geblieben war.

Trank sie nur Orangensaft?

Ursprünglich hatte sie vorgehabt, gleich nach der Party noch ins Büro zu fahren.

Hatte sie eine geniale Idee?

Gina wollte noch ein paar Aufzeichnungen überarbeiten.

Aber jetzt stellte Gina fest, dass ein unbestimmtes Gefühl sie überkam.

Auch wenn Gina mit ganz anderen Dingen beschäftigt war, sorgte sie sich ständig um ihr Wohl.

Ich, ihr stiller Teilhaber und Geschäftsführer, pflegte Gina wegen dieser Einstellung, die ich übertrieben fand, zu hänseln.

Gina lächelte selber zuweilen über sich selbst.

Und das war auch gut so.

Aber so war Gina nun einmal.

Sie konnte und wollte sich auch nicht ändern.

Wer will das schon, sich ändern?

Auf einer Hauptstraße hielt Gina auf der unbebauten Seite.

Sie öffnete das Fenster und blickte zu einem alten Haus, wo die Kinder spielten, hinüber.

Nach kurzem, konzentriertem Überlegen stellte Gina den Motor ab und stieg aus.

Es waren nicht viele Kinder, die miteinander spielten. Ein paar Jungs spielten mit dem Lederball und die Mädchen hüpften auf dem Bemalten, was sie sich auf der Straße mit einem Kreidestift zeichneten.

Aber vor ihrem inneren Auge entstand die Illusion von eigenen Kindern.

Doch etwas beunruhigte sie: Etwas stimmte nicht.

Plötzlich entschloss sie sich, die Autotür zu öffnen, um das Fenster zu schließen, und zog den Zündschlüssel ab. Mit einer raschen Bewegung streifte sie die Kostümjacke ab, legte sie auf den Beifahrersitz und schloss den Wagen ab.

Gina war nicht bewusst, dass ihre schönen, nackten Schultern und makellosen Armen jetzt voll zur Geltung kamen. Sie tat es aus einer rein praktischen Erwägung heraus. Ihr schwarzes, enges Kleid war von raffinierteren Spaghettiträgern gehalten und in der

Taille mit einem schwarzen Lackgürtel geschmückt.

Mit leichtem Schritt versuchte sie ihren Platz zu verlassen. Gina konnte nicht so weit ausholen wie gewöhnlich in den Jeans, denn sie trug außerdem hochhackige Pumps.

Gina überquerte vorsichtig die Straße.

„He, Baby!“, ertönte eine barsche Männerstimme hinter ihr. „Wo kommst du denn her?"

Gina erschrak nicht ein bisschen, noch ließ sie sich stören.

„Dreimal darfst du raten!“, antwortete Gina mit einem ironischen Lächeln.

„Was soll das, sind wir jetzt bei ‚ne‘ Rätselsendung?“ „Oder was?“, fuhr der Mann sie abermals an.

Jetzt drehte Gina sich langsam zu ihm um und verzog keine Mimik.

Der Mann musterte Gina unverschämt. Er hatte grauenhaft wirkende Augen.

Er war jung, bald zu jung.

Er war groß, jedoch nicht zu groß.

Er war stark, aber nicht zu stark.

Ein Hut saß ihm schief auf den Locken, die schmutzigen Hosen waren eng umgürtet, damit sie ihm nicht herunterrutschten. Auf dem nackten, glatten Oberkörper hatte sich der Staub mit streng riechendem Schweiß vermischt.

Er streckte die Hand nach Gina aus.

Gina funkelte ihn mit den Augen an.

Aber dann.

Was war passiert?

Mit einem harten Griff hatte er Ginas Arm gepackt und ihr geschah etwas Seltsames. Es durchfuhr Sie wie ein elektrischer Stromstoß. Das kam so unerwartet, dass es Gina aus der Fassung brachte.

Sie war sich selber dankbar, dass sie wenigstens nicht vor Charme errötete. Aber es dauerte Sekunden, es waren lange Sekunden – jedenfalls schien es ihr so, bis sie sich wieder in der gefühllosen Gewalt hatte.

Er schluckte schwer und sagte dann Mühsam ein paar Worte: „Das hätte ich nicht gedacht.“

Der Mann war von Ginas Dasein sehr verwirrt.

Aber Gina genoss seine Verwirrung, sie war daran, ihn tiefer zu demütigen.

„Ist dir noch nie etwas passiert in diesen sozialen Vierteln von Mexiko?“, fragte er.

„Ich passe schon auf mich auf“, erwiderte Gina. „Aber wenn ich einmal Hilfe brauche und in diesem Viertel bin, werde ich mich an dich wenden.“

Ihr kalter, feministischer Spott prallte an ihm ab.

„Ich heiße Mario“, versuchte er Gina zu Ähren.

„Fein“, sagte sie, „Jetzt weiß ich also, mit wem ich es zu tun habe.“ Aber lass mich jetzt gehen. „Sonst muss ich im Dunkeln doch noch deine Hilfe in Anspruch nehmen.“

„Oh nein.“ „Das wirst du nicht“, sagte er mit einer leisen Stimme.

Gina trat selbstbewusst, aber doch ein wenig ängstlich auf ihn zu, den Kopf stolz erhoben.

Er war überraschend ein gutes Stück größer als Gina. Mehr als doppelt so stark.

Doch jetzt spürte sie, dass er sie mit seinen Blicken beobachtete.

Es prickelte in ihrem Bauch.

Aber Gina wehrte ihn mit einem ihrer funkelnden Blicke ab. Sie hatte überhaupt keine große Lust, sich mit ihm zu unterhalten.

Worüber auch?

Gina bemerkte, wie ihr Herz pochte. Sie befürchtete, er könnte es merken, wenn sie den Mund aufmachte.

So ließ sie ihn unbemerkt und ohne einen Blick zu verschwenden einfach stehen und eilte zu ihrem Auto.

Als sie aufgeschlossen und sich lässig hinter das gesetzt hatte, atmete sie befreiend auf.

„Da bin ich nach einmal davon gekommen!“, schoss es ihr durch den Kopf.

Aber nicht lange, als sie den Motor startete, begriff sie nicht mehr, was eigentlich mit ihr geschehen war. Denn sie wollte doch nur zu den Kindern sehen. Und wie hatte ein Mann sie so durcheinander bringen können? Wer war dieser Vollidiot überhaupt?

Sie schätzte ihn eher als ihren Exmann, den sie bei der Scheidung zur Kasse gebeten hatte und sie heute nicht gerade ohne Vermögen ist.

Wer auch immer dieser Mann sein mochte, es gab keinen Grund, über ihn nachzugrübeln.

Gina würde ihn nie wiedersehen.

Was sie aber nicht so schnell vergessen konnte, war die leidenschaftliche Schwäche, die sie plötzlich unkontrolliert überfallen hatte. So einen Augenblick hatte Gina noch nie erlebt, nicht einmal als junges Mädchen.

Aber heute war sie eine erwachsene Frau, eine selbstständige Frau, und sie musste ihre Gefühle unter Kontrolle halten.

Es war nicht gerade der naive, was Frauen so an Männern schätzen, sympathische und zweifellos auch mit Sexappeal ausgestattete junge Mann, der Gina erschreckt hatte.

Gina musste eingestehen, dass es ihre eigene Reaktion auf diesen Mario gewesen war. Aber niemals hatte Gina damit gerechnet.

So ist das Leben!

Aber vielleicht war es ganz gut, dass sie das jetzt erfahren hatte.

Gina war gewarnt.

Ich war im Wohnzimmer bei meinem starken, aromatisierten Becher Kaffee, als das Telefon ununterbrochen klingelte.

Ich ließ es läuten, hatte ja noch die Ruhe in mir selbst und füllte den Kaffeebecher noch einmal.

Das Telefon klingelte immer noch.

Aber mein interessierter Blick erfasste den Stand der Sonne, das offene Fenster der hübschen Blondine, die in dem Haus unterhalb wohnte, den lauten Verkehr auf der Straße.

Meine Freunde nennen mich Pat.

Und, wenn Sie auch meine Freunde sein möchten, dann können Sie auch Pat. zu mir sagen.

Vielleicht sieht oder trifft man sich einmal in diesem Leben.

Ich ging zum Telefon und nahm den Hörer ab.

„Guten Morgen.“ „Was machst du so, Ricci?“, sagte ich.

Für einen Moment war es still. Aber nur am Telefon. Dann hörte ich einen rauen Atem durch die Leitung.

„Wieso weißt du, dass ich es bin?“, fragte Ricci und nahm einen tiefen Zug von der Zigarette.

„In dieser Stadt wird spät aufgestanden.“ Keiner erhebt sich vor zehn Uhr. „Ich eigentlich auch nicht“, versuchte ich ihm zu erklären.

„Ich konnte nicht schlafen“, brummte Ricci. „Ich kam heute Morgen von einer Party.“

„Kenn' ich.“, erwiderte ich.

„Was treibst du denn so?“, fragte Ricci.

„Ich sitze hier im Sessel und trinke gemütlich meinen Kaffee“, sagte ich.

„Wie wäre es, wenn du zu mir kommst und wir frühstücken?“ „Frage Ricci entschlossen.“

„Ricci, ich frühstücke nicht, das weißt du doch.“, erwiderte ich.

Ja? „Ich auch nicht“, gab er zurück, aber ich kann nicht schlafen. „Und ich will mit dir über Frauen reden.“

„Nun bleibe locker! Du hast mich ja am Apparat.“ sagte ich.

Ricci schwieg.

Wieder hörte ich seinen heiseren Atem. Ich sag dir was, Pat. „Ich komme zu dir und wir fahren irgendwohin“, sagte ich.

„Warum fährst du nicht einfach allein spazieren?“, fragte ich genervt.

„Wie gesagt, ich will und muss dich sprechen“, erwiderte Ricci bittend.

Ich zögerte.

„Okay.“ „Ich hol dich mit dem Wagen vor dem Hotel ab.“ sagte ich.

„In einer Stunde?“, fragte Ricci.

„Ja.“, sagte ich, legte den Hörer auf und ging nach oben ins Schlafzimmer.

Ich öffnete die Tür und trat ein. Die Vorhänge waren fest zugezogen und ich sah im Dämmerschein, dass Lara, eine Prostituierte, noch fest schlief. Sie lag splitternackt auf dem weißen Lacken, die Hände über den Kopf ausgestreckt, als wolle sie gerade nach den Wolken greifen. Laras langes, blondes Haar flutete über ihren Rücken und umhüllte sie wie eine leichte Decke. Ich trat ans Bett und blickte bewundernd auf Sie hinab.

Lara lag völlig bewegungslos, ich sah sie kaum atmen.

Im dunklen Zimmer hing noch der leidenschaftliche Duft der nächtlichen, atemberaubenden und originellen Liebesspiele, wie das belebende Bukett eines alten aromatischen, herzhaften Weins.

Ich legte meine kalte Hand sanft auf ihre kleinen, elfenbeinfarbenen, knackigen Hinterbacken.

Lara drückte sich tiefer, genussvoll und mit einem leichten Stöhnen in die Matratze.

Ich spürte, wie das Feuer Ihres Körpers in meine Finger strömte.

Ohne den Kopf zu wenden, sagte sie mit schlaftrunkener, undeutlicher Stimme: „Was tust du, mein Held?" „Sobald du mich berührst, werde ich ganz verrückt.“

Ich zog verwirrt die Hand zurück, die nun auch noch sehr warm wurde, und ging ins Badezimmer.

Fünfzehn Minuten später kam ich wieder heraus. Lara saß aufrecht im Bett, streichelt sich zart und gefühlvoll.

„Du bist angezogen“, sagte sie enttäuscht. Das ist gemein. „Ich habe es für dich warm gehalten.“

Meinte Lara jetzt das Bett?

„Es tut mir leid, Lara.“, antwortete ich. „Eine Verabredung. Du verstehst?" 

„Du kannst dich ja auch einmal verspäten“, sagte sie. Komm rein ins Bett und mach es mir. »Du weißt schon.«

Lara lächelte mir zu und war ganz gierig von Ihrem Gestreichel auf mich geworden.

Aber ich blieb cool und antwortete nicht, ging quer durch das Zimmer, nahm einen dünnen Pullover aus dem Wandschrank und zog ihn an.

„Ein Chinese erzählte mir einmal ein chinesisches Sprichwort“, sagte sie mit großen Augen, die sich nach meinem Verlangen sehnten. „Kein Tag, der mit einer Nummer beginnt, kann ganz schlecht sein.“

Ich sah Lara an und lachte. Machte sich in diesem Moment lächerlich.

„Ich mache keine Witze und das kann ich auch nicht.“ Glaubst du mir?, sagte Lara. „Pat, das ist das erste Mal, dass du nein zu mir gesagt hast.“

„Einmal musste es kommen, Lara“, sagte ich genervt.

Ich blickte Sie an. In ihrer Gesichtsmiene war ein Anflug von gewaltigen und temperamentvollen Ärgern.

„Reg dich ab und nerve mich nicht, Lara“, sagte ich. „Lara, für mich bist du mein Mädchen.“

Lara zog die dünne, leichte Bettdecke über sich.

„Ich glaube, es ist Zeit, dass ich gehe.“, sagte sie.

Das glaube ich auch, dachte ich.

Aber ich antwortete ihr nicht.

„Wie lange bleibst du fort?“, fragte sie.

„Ich weiß nicht. „Den Vormittag?“, gab ich kurz.

„Dann bin ich nicht mehr hier“, sagte Lara.

„Hast du genug Geld?“, fragte ich.

„Ich schaff es schon“, sagte sie zufrieden.

Ich nickte.

„Wenn du gehst, mach die Tür zu und ich melde mich bei dir.“ „Dann also, lebe wohl“, sagte ich, als ich das Schlafzimmer verlassen hatte. Ich schloss die Wohnungstür hinter mir und ging.

Draußen schien die Sonne so herrlich, dass ich mich wohl fühlte, und ich blinzelte in ihren grellen Schein.

Langsam ging ich hinter das Haus zum Parkplatz.

Laras blaumetallicfarbener Kleinwagen stand da, er sah wirklich wie ein kleiner Sportwagen aus. Er hatte etwas beinahe Originales und Selbstbewusstes, außergewöhnlich Starkes an sich.

Aber vielleicht empfand ich das nur so.

Alle außergewöhnlichen Frauen besaßen einen kleinen Flitzer, sogar mit vier Rädern.

Ja, der Wagen hat vier Räder, war billig und brachte sie zu ihren Verabredungen und wieder nach Hause.

Und manchmal stand er einfach nur in der Garage. Früher oder später jedoch hatte die Zeit in der Luxuslimousine vom Ursprung ein Ende. Und der Mini wurde ein Teil vom bayrischen Automobilhersteller.

Ich ging ins Haus zurück.

Warum?

Das wusste ich selber nicht.

Aber ich holte ein paar Hundertdollarscheine und klemmte sie hinter dem Scheibenwischer vom Auto.

Wo Lara sie nicht übersehen konnte.

Aber Frauen haben die unglaubliche Gabe, dass sie das Geld schon von Weitem riechen können.

Ich kam mit meinem Sportwagen, natürlich deutscher Marke, mit mindestens dreißig Minuten Verspätung vor den Hoteleingang.

Ricci war noch gar nicht hinuntergekommen und ich wartete.

Ich bleibe in meinem Wagen sitzen und verflucht meine überladene Albernheit.

Aber Lara hatte Recht.

Ich hatte mir einen erstklassigen Fick vermasselt.

Das habe ich auch mal in einem Buch gelesen.

Zehn Minuten später kam Ricci langsam heraus. Der Portier öffnete meine Wagentür und Ricci stieg wie ein Oldtimer mit Anlassschwierigkeiten ein.

Er schlug die Beifahrertür zu und wir sahen uns, wie die Gladiatoren im Kolosseum, in die Augen.

Ziemlich lange.

Es schien mir so. Wie die herrenlosen Schwuchteln auf Brautschau.

Ich musste grinsen und dachte irgendwie an einen Scheiß, dass ich es nicht bin. Auch nicht, wenn ich daran denken würde.

Dann beugte Ricci sich vor und küsste mich nass auf die Wange.

„Du hast mir gefehlt.“, sagte Ricci.

Ich wurde am ganzen Körper starr und erwiderte kein Wort. Holte tief Luft und setzte den Wagen in Gang.

Ist Ricci schwul geworden?

Und ich wusste es noch nicht?

Ich fuhr durch die Einfahrt und sprach erst wieder ein Wort, als wir bei der roten Ampel an der Kreuzung anhielten.

„Ich dachte nicht, dass du zum männlichen Geschlecht rüber gelaufen bist.“, sagte ich interessiert.

Pat, du weißt es ganz genau. „Was ich getan habe, musste ich tun“, sagte Ricci.

Die Ampel wurde grün.

Ich fuhr immer geradeaus die Straße. Hinterher.

„Es spielt jetzt keine Rolle mehr“, sagte Ricci, „Es sind ja schon fast drei Jahre her.“

Was? „So lange haben wir uns schon nicht mehr gesehen?“, fragte ich neugierig. Wohin wollen wir fahren?

Ich warf ihm einen kurzen Blick zu.

Ricci zog ahnungslos die Schultern hoch.

„Wohin du willst?“, sagte Ricci, „Du kennst dich hier doch besser aus, wie ich.“

Ich fuhr einfach weiter.

„Du fragst dich wohl, warum ich nach so langer Zeit plötzlich dich angerufen habe?“, fuhr Ricci fort.

Ich antwortete nicht.

„Ich hatte das dumme Gefühl, dir etwas schuldig zu sein“, sagte Ricci.

„Du bist mir nichts schuldig“, erwiderte ich schnell und sah ihn an.

„Und das sagst du mir jetzt?“, fragte Ricci ganz erstaunt.

Ich lächelte.

Riccis dunklen Augen glänzten.

Ich lachte bitter.

Aber es tat mal gut, zu lachen.

„Erinnerst du dich, was ich dir damals sagte?“, fragte Ricci.

Ich schwieg und hielt meine Augen auf die

Straße gerichtet.

Seine Frage wusste ich nicht zu beantworten und zuckte nur mit den Schultern.

Ricci schwieg eine Weile.

„Gib mir eine Zigarette!“, sagte Ricci.

Ich grinste.

Dann öffnete ich das Handschuhfach.

„Bediene dich!“, sagte ich.

Seine Finger zitterten, während er unbeholfen seine Zigarette anzündete.

Als ich südwärts in die Sandsteinstraße einbog, stand die Sonne bereits hoch.

Ricci wollte die glühende Zigarette aus dem Fenster werfen. Ich verhinderte es gerade so und wies auf den Aschenbecher und lächelte kurz zu.

„Wie weit willst du denn noch fahren?“, fragte Ricci. „Bleibe stehen.“ „Ich muss mal pinkeln und möchte meine eingeschlafenen Beine ausstrecken.“

Ich fuhr quer und rasant über die Straße zu einem provisorischen Parkplatz. Wir stiegen aus, stellten uns an den Straßenrand und schauten in die mexikanische Landschaft hinunter. Der Sand war grau, das Land war trocken und der Wind wirbelte den feinen Sand über den ausgetrockneten Erdboden.

Es war das Paradies für Kakteen und Sukkulenten, die sich hier in der trockenen Erde sehr heimisch fühlten.

Ich wollte mir eine Zigarette anzünden und schirmte die Flamme in den hohlen Händen vor dem Wind. Plötzlich klopfte Ricci mir auf die Schulter. Ich wandte höflich um und die kämpfende Flamme erlosch.

„Weißt du, wie alt ich bin?“, fragte Ricci.

„Ricci, wenn du heute noch älter werden willst, dann lass mir meine Zigarette anzünden“, sagte ich.

„Ich bin vierzig“, sagte Ricci und starrte mich an. Denn ich war im gleichen Alter wie er und das wusste er wohl noch.

„Gut, dann bist du eben vierzig und schwul“, sagte ich.

„Ich lüge schon seit Langem bei den Frauen über mein Alter, weil ich mir höchstens wie fünfunddreißig vorkomme.“ Habe eben mal fünf Jahre unterschlagen. „Wen interessiert das schon.“

Ich sah Ricci an und zuckte mit den Schultern.

Wenn du nichts sagst, werden es deine hübschen Küken nicht merken. Aber mein Herz merkt es. „Ich kann nicht mehr so wie früher“, sagte Ricci und ich schwieg eine Weile.

„Stell dein Selbstmitleid ein und habe ein bisschen mehr Spaß am Leben“, sagte ich. Er grinste.

„Das Vögeln habe ich schon längst aufgegeben“, sagte Ricci, „ich habe sogar aufgehört, Spaß am Leben zu haben.“

„Wenn du mir erzählen willst, dass du bald sterben wirst, dann spare dir deine Worte.“ Ich dich damals schon für tot. „Du bist nur zu faul, umzukippen“, sagte ich. Ich zündete endlich meine Zigarette an und wandte mich ab.

„Irgendwie ist es so wie in alten Zeiten.“ „Und wenn ich mich umsehe, sind wir, du und ich, die einzigen hier“, sagte Ricci, deprimiert.

Schweigend starrte ich ihn eine Weile an.

Ricci nahm ein Päckchen Kaugummi aus der Hosentasche, riss es hektisch auf und sein Stück in den riechenden Mund. Er bot mir die Aufgerissene an.

„Menthol-Kaugummi.“ „Ohne Zucker.“ sagte ich.

Ich nickte mit dem Kopf.

Ricci kaute und kaute. Wie ne‘ rosarote Kuh.

„Nichts klappt mehr, wie es soll.“ Früher einmal glaubte ich, vielleicht seien Kinder und eine Frau die Lösung. Jetzt weiß ich es besser. „Hinter jedem Untergang eines Mannes steckt eine Frau“, sagte Ricci.

Ich wandte mich von ihm ab.

In diesem Moment wüsste ich gern, was ich dachte oder was mir durch den Kopf ging.

Aber in meinem Kopf war alles öde und leer, wie ein leerer Raum.

„Nein“, hörte ich mich sagen.

Ich wollte nicht so sein wie Ricci, in seinem Loch, voll mit Pessimismus und Selbstmitleid, ohne Sex und Frauen, die einen zum Laichen bringen können, und ohne Spaß am Leben.

Wir entschlossen uns, weiterzufahren und für die frische Luft.

„Wir werden noch miteinander reden.“, sagte er.

„Natürlich“, sagte ich.

Ricci betrat die Hotelhalle.

Ich ging zurück in Richtung Hotel.

Ricci hatte sich wieder gefasst und stieg aus.

Gleichzeitig beobachtete ich, wie er die kurzen Arme und Beine schwang. Ricci hatte den eigenartig aggressiven Gang der kleinen Männer.

Dann fuhr ich nach Hause.

Kaum war ich in die Wohnung rein, klingelte das Telefon.

An der Wand neben dem Telefon klebte eine Nachricht.

Ich ließ den Apparat klingeln und las den Zettel:

 

Lieber süßer Pat, geh und fick dich allein!

Deine aufrecht ergebene

Lara.

 

Das war in kleiner, ordentlicher Druckschrift geschrieben. Ich las es noch einmal, dann lachte ich und griff nach dem Hörer und ich blickte neugierig aus dem geschlossenen Fenster.

Die bunten Vorhänge im Zimmer der Nackten waren zurückgezogen.

„Hallo“, sagte ich und lächelte ihr zu.

Die Blondine kam ans offene Fenster. Sie trug nur ein Telefon in der Hand, aber sonst gar nichts.

„Wie wäre es, wenn du auf ein Tässchen Kaffee bei einer freundlichen Nachbarin rüberkommen würdest?“ „Bin sofort da“, sagte ich und legte den Hörer auf. Das war vielleicht ein aufregender und dramatischer Tag in meinem verrückten Leben.

 

 

Kapitel 2

In dem großen Bürohaus in der bewegten Straße, der Stadt, war um diese Zeit kaum noch lebendige Treiben. Als Gina aus der Tiefgarage in den dritten Stock hinauffuhr, empfand sie sehr deutlich diese einsame Leere.

Aber Einsamkeit war Gina nur echt, denn aus Erfahrung wusste sie, dass sie ihr zu stärkster Konzentration verhalf.

Gina schloss die Tür zu ihrem Büro auf und betätigte den Schalter. Der Empfangsraum, ganz in grauen und weißen Farbtönen gehalten, erstrahlte im Licht.

Die fast grelle Klarheit tat Gina wohl.

Sie ging an dem aufgeräumten Schreibtisch vorbei und legte Handtasche und Kostümjacke ab.

Gina wollte plötzlich schon ihren eigenen Raum betreten, als sie sich besann und zuerst die Toilette, kombiniert mit dem Waschraum, aufsuchte.

Die großen Räume im fünften Stock waren ursprünglich als Dachwohnungen gedacht gewesen.

Der Architekt dieses Bürogebäudes hatte es noch im Rohbau für die eigenen Zwecke des Vermieters umbauen lassen. Heute kam es zuweilen auch dazu, dass die großen Chefs hier mit ihren Liebschaften übernachteten.

Das moderne und große Bad war praktisch, aber hier ist es komfortabel und im kreativen Design eingerichtet.

Es gab eine runde Badewanne, eine freie Dusche, zwei Waschbecken und an der Schmalseite einen Einbauschrank aus weißem Milchglas. Die originellen Toiletten waren separat.

Vor dem großen eckigen Spiegel, der die Breite der Becken einnahm, lockerte und richtete mit den Fingern Gina ihr langes Haar.

Aus reiner eingespielter Gewohnheit und ohne dass es notwendig gewesen wäre, denn ihre Bluse war ohnehin nicht mehr einwandfrei und musste in die Reinigung, zog sie ihre beschmutzte Bluse aus und streifte sich die Jacke über den nackten Oberkörper.

Jetzt konnte man richtig sehen, wie sich ihre prallen Brüste hoch und ab bewegten.

Und wenn sich Gina nach vorn beugte?

Da haben die schönen musikalischen Glocken geläutet. So dass der Papst vor Neid erblasste.

Gina verließ das Bad und knipste das Licht aus.

Links vom Bad und den Toiletten lag ihr eigener Arbeitsraum.

Das Büro war bescheiden und zweckmäßig ausgestattet, denn sie benutzte das Büro nur zum Nachdenken, Vernissage zu organisieren, Schreiben und chaotische Künstler kennenzulernen.

Aber für Verhandlungen war auch das große Zimmer mit dem breiten Designertisch und den schwarzen Ledermöbeln Ihres kompetenten und verhandlungsfähigen Geschäftsführers gedacht.

Damit war ich gemeint.

Hier, in ihrem eigenen Reich, spielte der riesige Teakholzschreibtisch, den sich Gina extra ausschicken ließ, die beherrschende Rolle.

Außerdem hatte sie noch eine schmale Designercouch aus schwarzem Leder, einen bequemen Schaukelstuhl, einen Computer mit Stativ und Telefon und ein schmales Regal mit Fachliteratur.

An den Wänden hingen Bilder von Picasso und Dali.

Die Räume, die Gina liebte, waren vorhanglos und versorgten das Zimmer an hellen Tagen mit Licht.

Oft mussten allerdings Rasterleuchten und Wandleuchter dafür sorgen.

Gina kramte gelangweilt und ohne Interesse in den Papieren auf ihrem Schreibtisch und zog ein Blatt heraus, auf dem sie sich Notizen von einem kreativen und noch unbekannten Künstler gemacht hatte.

Gina war von seinen Arbeiten in seiner Mappe,

einigermaßen angetan gewesen, wenn auch noch nicht begeistert. Aber sie hatte einen Termin für die Besichtigung seiner Bilder in seiner Werkstatt ausgemacht.

Erst nachträglich war Gina eingefallen, dass er sich zu sehr von ihr beeinflussen lassen hatte. Inzwischen erschien es ihr sehr viel zweckmäßiger und befriedigender, eine Vernissage zu organisieren. Auf diese Weise konnte Gina das Feedback erkennen und möglicherweise sogar mehr Kunstsammler für ihre weiteren unbekannten, aber ausdrucksstarken Künstler gewonnen werden.

Damit hatte sie geschafft, was sie sich eigentlich für den heutigen Tag vorgenommen hatte.

Sie hatte ihre Idee auf Papier gebracht und ein paar wichtige Telefonate mit anderen Künstlern getätigt.

Gina hätte heute keine ruhige Nacht, wenn sie ihren Gedanken nicht zu Ende gebracht hätte. Morgen würde Gina keine Arbeit mehr mit nach Hause nehmen.

Gina liebte die Klarheit in ihrem Leben.

Sorgfältig räumte Gina ihren Schreibtisch auf.

Löschte alle Lichter, schloss ab und fuhr mit dem Fahrstuhl in die Garage hinunter.

Als Gina ihr Cabriolet auf die Straße hinaus steuerte, überfiel sie eine Müdigkeit, der sie sich hingeben durfte.

Gina kurbelte das Fenster hinunter, so dass der frische Fahrtwind ihr durch das lange Haar strich, ihre Stirn und ihr Nacken kühlte.

Nachdem sie die hell beleuchtete Innenstadt hinter sich gelassen hatte, bog sie in die rechte Seitenstraße ein.

Ginas Haus lag von der Straße zurückgesetzt, zwischen mächtigen alten Bäumen. Die Umrisse waren in der Dunkelheit kaum auszumachen. Die Außenbeleuchtung über der Haustür und der Garage leuchtete nur.

Dies war das dritte Haus, das Gina bezogen hatte. Das Erste hatte ihr Mann entworfen. Er war Architekt und wurde nach der Zeichnung auch aufgebaut. Ihr Mann war wesentlich älter und starb unerwartet vor zwei Jahren an einem Schlaganfall.

Gina war immer noch stolz auf Ihren Mann.

Wenn sie auch damals Manches in ihrem Leben anders gemacht hätte.

Michael, ihr verstorbener Mann, war es auch, dessen Geld den Bau überhaupt ermöglicht hatte. Michael war ein erfolgreicher Architekt.

Gina glaubte, dass es nicht sein Geld, auch nicht sein Verständnis und seine Ermunterung waren, die sie vermisst hatte.

Nein, es war Michael selber.

Er fehlte Gina sehr.

Wie immer genoss sie es, wie sie zur Garage hinauffuhr.

Von dort führte eine Tür ins Haus.

Gina raffte ihre Klamotten zusammen, trat ein und blieb lauschend stehen. Kim war im Haus, denn Gina hörte laute Musik und bekannte Geräusche. Gina schaltete die Außenbeleuchtung aus und durchquerte zügig diese Diele.

Im Wohnzimmer saß Kim, wartend, sehr gepflegt, das kurze Haar schwarz gefärbt und zu einer unkomplizierten Frisur gelegt, vor dem Fernseher. Sie trug eine blaue Jeans und ein pinkfarbenes Shirt. Ihre Füße waren nackt auf dem Sessel abgelegt, sie muffeln schon ein wenig.

„Hallo, Kim!“, grüßte Gina von der Tür her. „Ich mache mich nur frisch und dann komme ich zu dir, mein Schatz.“

Gina, sie wusste, dass Kim dazu neigte, wenn sie einen schlechten Tag hatte, auch die Bemerkung als Kränkung aufzufassen.

„Ich will nur wissen, ob der Film spannend ist.“, sagte Gina.

„Nein“, antwortete Kim und lächelte, „durchaus nicht, Schnecke.“ Jedenfalls verglich er mit dem, was du so täglich erlebst.

„Dann bin ich gleich bei dir“, schwört Gina.

Ihr großes Schlafzimmer lag im Erdgeschoss. Gina ist noch vor dem Frühstück gern in den Swimmingpool gesprungen. Das Schlafzimmer hatte mit seinen stilvollen Designermöbeln eine nahezu verspielte Note. Es wirkte aber dennoch. Die Polster und Vorhänge sind in himmelblauen und weißen Tönen gehalten. Ausgesprochen fantasievoll, ein Zimmer, das Träume wahr werden ließ.

Das anschließende Bad, in türkisweißem Marmor gehalten, mit speziellen Armaturen aus Messing, war riesig und wirkte sehr luxuriös. Für Gina war es ganz selbstverständlich so, es war die harmonische Umgebung, in die sie gehörte. Ihre Mutter sagte, dass es keinen Menschen gibt, der auf arme und dumme Leute neidisch ist.

Sehr rasch zog Gina sich aus.

Dann schminkte sie sich gründlich ab.

Sie ging unter die berauschende und entspannte Dusche und wusch sich von Kopf bis Fuß.

Gina muffelte ja auch schon.

In einem leichten, pinkfarbenen und bequemen Hausanzug und Samtpantoffeln, das Haar noch feucht, kam sie wenig später wieder in das Wohnzimmer.

Sie nahm ein Glas aus der Bar und er machte sich mit Kim in einen der großen Sessel.

„Ich darf doch?“, fragte sie frech und griff lässig nach der schon halb geleerten Weinflasche.

„Die Flasche ist aus deinem Keller.“, sagte Kim.

„Das ist doch ganz egal.“ „Bitte Kim, lass die Haarspalterei und zick nicht rum!“, sagte Gina, genervt von Kim.

Gina schenkte sich ein und schnupperte genussvoll an ihrem Glas, bevor sie einen Schluck nahm.

„Jedenfalls ist er sehr gut.“, sagte Gina.

Kim war nach einer gewaltigen Auseinandersetzung mit ihrem Freund zu ihrer Freundin, Gina, geflüchtet.

Gina war ganz froh darüber, denn sie empfand deutlich, dass das Haus für sie allein zu groß war.

Wenn Kim auf die Dauer auch nicht die angenehmste Gesellschaft bot, so war sie ihr doch mit all ihren Marotten vertrauter als jeder andere Mensch auf der Welt.

Welcher Mensch will auch Kim mit ihren launischen Marotten kennenlernen?

Jetzt steckte sich Kim eine neue Zigarette an.

Der Aschenbecher auf der gläsernen Tischplatte war schon fast gefüllt mit Asche und Stummeln. Sie konnte leidenschaftlich rauchen. Viel. Dann stellte sie den Fernseher leiser. Sie hob die Schultern, um sie gleich mit einer trotzigen und riesigen Geste tief fallen zu lassen. Ich komme mir so überflüssig vor. „Keiner will mich“, sagte Kim und versank im Selbstmitleid.

„Unsinn“, sagte Gina. „Erstens bin ich froh, dass du bei mir bist, zweitens hindert dich niemand daran, dir eine sinnvolle Beschäftigung zu suchen.“ Mach dich unabhängig! „Aber darüber haben wir schon oft geredet.“

Gina unterdrückte ein Gähnen.

„Gibst du mir mal eine von deinen Zigaretten?“, fragte Gina.

Kim schob ihr die Zigarettenschachtel zu und ließ ihr Feuerzeug aufspringen.

„Danke!“, sagte Gina.

Sie zog den Rauch tief ein. Im Gegensatz zu Kim rauchte sie selten. Dann aber mit Genuss.

Sorgsam streifte Gina die Asche ihrer Zigarette ab.

Kim musterte Gina aufmerksam.

„Also, Grau kann man dich wirklich nicht bezeichnen“, sagte Kim mit einem ironischen Grinsen im Gesicht. „Bei deinen Augen!“ „Und wenn du nur noch etwas mit deinen Haar machen würdest!“, sagte Kim und sah sie mit einem fotografischen Blick an.

Gina drückte verwirrt ihre Zigarette aus und nach.

„Das ist ja vielleicht gar keine schlechte Idee“, sagte Gina.

Kim wurde lebhaft.

Gina leerte ihr Glas und stand auf. Sie lächelte Kim zu.

„Entschuldige mich bitte.“ „Ich habe einen langen Tag hinter mir“, sagte Gina.

Endlich stellte Kim den Fernseher aus.

Warum hat Kim das nicht schon eher getan, dachte sich Gina erleichtert.

„Ich gehe jetzt zu Bett“, erklärte Kim.

Gina wusste, dass das Bett im Gästezimmer gemacht war.

„Vielleicht sehen wir uns morgen noch zum Frühstück“, sagte Gina. Ich schalte jetzt die Alarmanlage ein.

Am nächsten Tag hatte ich einen Termin. Gina hatte mich zu einem Geschäftsgespräch bei sich zu Hause eingeladen. Denn heute wollte sie nicht ins Büro. Ich drückte noch einmal auf die Klingel.

Drinnen grölte die Musikanlage.

Gina antwortete noch immer nicht.

Die Tür war nur angelehnt und ließ sich öffnen. Schon beim Eintreten spürte ich, dass sie meine Rufen und Klingeln nicht wahrgenommen hatte. Ich ging durch die Diele ins Wohnzimmer und stellte die Musikanlage an.

Meine Ohren summten in der plötzlichen Stille.

„Gina!“, rief ich laut.

Keine Antwort.

Plötzlich hörte ich Sie kichern.

Ich ging zum Schlafzimmer und blieb in der offenen Tür stehen.

Aber das würde mich nicht retten, wenn ich jetzt ein Problem hätte.

Und da hatte ich auch schon das Problem.

Gina saß splitternackt mitten auf dem Fußboden, die Marihuana Kippe zwischen den Lippen.

Über sie gebeugt ein großer, kräftiger Mann mit steifen Penis, an dem Gina herummachte.

Er sah mich früher als Gina und griff entsetzt nach einem Kissen, da er seine Erektion verlor.

Sein Gesicht wurde bleich.

Gina fuhr herum.

„Pat!“, rief sie. In Ihrem Ton lag ein verärgerter Vorwurf. „Du Schlimmer, du hast ihn erschreckt!“

„Tut mir leid“, sagte ich. Aber es tat mir nicht leid.

Der Mann schreckte zurück.

„Sind sie ihr Mann?“, fragte er respektvoll.

Ich schüttelte nur meinen Kopf und musste lautlos lachen.

Er sah mich entsetzt an und versuchte seine Sachen zusammenzusuchen, um das Zimmer zu verlassen.

„Es ist mein Termin, den ich heute angesetzt hatte, aber es kann ja immer etwas dazwischenkommen.“ „Oder?“, sagte Gina.

Sie wandte sich wieder kichernd mir zu.

Der Mann brauchte keine zwei Minuten, um sich anzuziehen und zu verschwinden.

Ich schloss die Tür hinter ihm und ging ins

Schlafzimmer zurück.

Gina lag ausgestreckt mit gespreizten Beinen auf dem Bett. „ Fick mich“, sagte sie mit leiser Stimme. »So etwas regt mich sehr an, mit einem wunderschönen großen Schwanz zu spielen. « „Ziehen dich an“, sagte ich barsch. „Wir haben eine Verabredung.“ Plötzlich weinte Gina. Ob es jetzt eine miese Masche von der Frau ist, dachte ich mir. Sie vergrub ihr verschmiertes Gesicht ins Kissen, um ihr lautes Schluchzen zu ersticken. Ich setzte mich vorsichtig auf das Bett und drückte Ihren Kopf an meine Schultern. Gina zitterte. „Ich habe Angst, Pat“, flüsterte sie. „Wenn man mir weh tut, werde ich sterben, das weiß ich.“ „Niemand wird dir weh tun, Gina“, beruhigte sie sanft.

„Den ganzen Morgen habe ich hier gesessen, meine Freundin Kim ist schon weg gewesen“, sagte Gina, und wenn mein Paulo nicht gekommen wäre, hätte ich mir die Pulsadern aufgeschnitten.“

Ich zog Gina aus dem Bett ins Badezimmer und hielt ihr den Kopf, während sie sich im Stehen in das Toilettenbecken ausgepinkelt hatte. Sie zitterte, ich hüllte sie in einen Morgenmantel und hielt sie fest, bis fertig war.

„Jetzt ist mir leichter“, sagte sie lächelnd. „Hast du schon mal eine Frau beim Pinkeln zugesehen?" „Und das im Stehen.“ „Das ist doch eine Leistung, und da sollen die Leute mal behaupten, Frauen können nicht im Stehen in die Toilettenschüssel pinkeln.“

Gina war blass, aber ihre Augen waren klar.

„Geh unter die Dusche und zieh' dich an.“ Ich mach Kaffee. „Er wird fertig sein, wenn sie herauskommst!“

Sie hielt mich an der Badezimmertür fest.

„Sagst du Gina zu mir?“ „Bitte!“, sagte sie.

Ich nickte.

„Fein“, sagte sie.

Ich blieb vor der Tür stehen, bis ich das Wasser rauschen hörte.

Dann erst ging ich in die Küche, um den Kaffee zu machen.

Aber heute Morgen zum Frühstück erschien Kim natürlich nicht. Gina hatte es auch nicht erwartet, noch war Gina böse darüber.

Kim pflegte es, in den Tag hineinzuschlafen, aber heute hatte sie schon früh das Haus verlassen.

Am Abend war nur die Ecke mit dem Fernseher schwach beleuchtet gewesen. Ich hatte mich am Nachmittag auf den Weg gemacht und bin nach Hause gefahren. Gina wollte mich wieder anrufen und einen neuen Termin machen für eine Geschäftsbesprechung.

Am nächsten Morgen trank Gina zwei Tassen schwarzen Kaffee und ihr Glas Tomatensaft. Aß eine Schnitte Vollkornbrot, dick mit Butter bestrichen, wie von Muttern. Sie gönnte sich heute eine Zigarette, weil es ihr gut ging. Bevor Gina aufbrach, kontrollierte sie noch einmal ihr unauffälliges Make-up und dachte an mich, wenn ich zu ihr ins Büro erscheinen werde. Gina zog noch schnell die Lippen nach.

Dann schlüpfte sie in ihr Kostümjackett und holte ihren schwarzen Aktenkoffer aus dem Wohnzimmer und vom Schreibtisch. Dabei nahm Gina vorsichtshalber noch ihren hellen Trenchcoat mit.

Sie stieg motiviert ins Auto und war gut gelaunt.

Ein neuer sonniger Tag hatte für Gina begonnen.

Sie freute sich darauf.

„Glaubst du, ich werde je wieder ficken können nach dieser peinlichen Sache?“, fragte Gina mich, als ich sie im Büro angetroffen habe. Ich lachte. „Willst du eine Verabredung, einen neuen Geschäftstermin?“ „Ich glaube, ich könne dich nächste Woche einschieben.“, erwiderte ich lächelnd.

Ich sah sie prüfend an und grinste ihr frech ins Gesicht.

„Es war kein Scherz, Pat“, sagte sie ernst.

„Auch von mir nicht“, erwiderte ich.

„Willst du mich heiraten, Pat?“ „Ich werde dir eine gute Frau sein, ich verspreche es dir“, sagte sie plötzlich und ich war geschockt und schwieg.

Ihre Augen waren weit geöffnet und ein wenig ängstlich.

„Es ist jetzt nicht der richtige Augenblick, um darüber zu sprechen“, sagte ich freundlich. „Du hast eben erst ein unangenehmes Erlebnis mit mir hinter dir.“ „Wir können darüber reden.“

Ginas Augen suchten die meinen.

Ich lächelte ihr zu.

Gina kam auf mich zu, nahm mich in ihre Arme und küsste mich auf die Lippen.

Am Abend ging ich in den Club.

David erwartete mich. Wir begrüßten uns am Eingang und er legte mir den Arm um die Schulter.

„Ich habe uns einen Tisch in der hinteren Ecke der Bar reserviert“, sagte er. „Bad ist schon dort.“ „Er ist uns mindestens um zwei Whiskys voraus.“ „Danke, David“, sagte ich. David lächelte, seine Augen wanderten zu den lustigen Gästen, die hinter mir kamen.

Ich ging durch die Bar.

Aber vor der Theke standen die erdrückenden Reihen Gäste.

Der nette, aufmerksame Kellner eilte heran und schob mir einen Stuhl zu Recht.

Bad blickte auf. Seine Bürstenfrisur passte irgendwie zu seinem ausdruckslosen Gesicht. Seine Stimme klang konservativ, hochdeutsch, dialektunabhängig und Spaßbremsend.

Ich versuchte, mich zu setzen, und ich nickte, nickte und nickte mit dem Kopf, und es war der Anschein, als ob ich jeden an der Bar grüßen würde.

Der durchgeschwitzte und streng riechende Kellner ist an unseren runden Tisch gekommen und stellte zwei Whiskys vor uns auf den Tisch.

Bad hob die Hand.

„Noch zwei, von diesem Whisky“, rief er hinterher.

Bad lächelte mir zu und sagte: „Hatte ich dir schon erzählt, wie man mit dem Kellner hier umgehen soll?“

Ich hob ihm mein Glas entgegen und stürzte den Whisky in einem Zug hinunter.

Bad lächelte.

Ich erwiderte sein Lächeln.

„Wo, zum Teufel, warst du den ganzen Nachmittag?“, fragte er. „Du lässt mir sagen, ich soll dich hier treffen.“ Aber dann bist du von der Bildfläche verschwunden. „Das war wohl nicht der richtige Augenblick, einem Weib nachzulaufen!“

Ich lachte zynisch.

„Bad, du Hurenbock, kein Weibsbild.“ „Ich hatte eine private, delikate Angelegenheit zu erledigen, die sich nicht aufschieben ließ“, sagte ich uninteressiert.

Ich griff nach dem zweiten Glas Whisky, das wie ein Wunder vor mir erschienen war.

Bad schwieg. Er goss den Whisky hinunter und sagte noch immer nichts. Er starrte verdrießlich in sein Glas.

„Bestellen wir jetzt unser Abendessen.“ „Pat, du rufst deine Jungs an und sagst ihnen, wir treffen uns morgen Vormittag zum Brunch in meiner Wohnung“, sagte er. Im Büro wurde schon eifrig gearbeitet. Gina in ihrem Cabriolet musste sich immer durch den dichten Verkehr mit den nervenden Autofahrern, kämpfen. Kurz schoss Gina der Gedanke durch den Kopf, ob sie mir wegen ihres letzten, dramatischen Treffens unter die Augen kommen konnte. Doch Gina verwarf diesen Gedanken sofort wieder.

Der schwarze Sportwagen von mir. Auf dem Parkplatz verriet ihr meine Anwesenheit. Gina parkte, stieg aus und blieb abwartend stehen. Damit ich sie bemerken und zu ihr kommen würde, wusste sie. Aber mit Sicherheit, wie immer, würde ich mir auch die Zeit lassen, um ihr deutlich zu machen, dass ich es nicht nötig hatte, nach ihrer umgestimmten Pfeife zu tanzen.

Als ich endlich aus dem Wagen kletterte, begrüßte ich Gina mit einem frechen Lächeln. Irgendwie war es auch von mir Schadenfreude. Denn ich hatte nicht mehr für den Spott zu sorgen, der heute im Laufe noch kommen könnte.

„Guten Morgen, Pat!“, sagte Gina und lächelte mir zu.

Wir schüttelten uns die Hand.

„Irgendwelche Schwierigkeiten?“, fragte ich besorgt.

„Wie ich sehe, kommst du gut zurecht.“, stellte ich fest.

„Kann man wohl sagen, Pat.“, sagte sie und grinste immer noch.

Gina wollte etwas.

Aber was?

Ich glaube, es war mir anzumerken, dass ich mich unbehaglich in ihrer Nähe fühlte. Ich gehörte nicht zu den Männern, denen leicht fiel, zu einer Frau, Chefin, aufzusehen.

Ich hatte nicht gerade die besten Erfahrungen mit Frauen gemacht, weil sie sehr schnell ihre Macht über den Mann, im Privatleben ausnutzen.

Gina bemühte sich, diplomatisch zu sein.

Jetzt hob ich den Kopf und sah sie herausfordernd an.

„Ich weiß nicht, wem das nützen soll, wenn ich über unsere Begegnung berichten sollte“, sagte ich.

„Du kannst tun und lassen, was du willst!“ „Schließlich leben wir in einem freien Land“, sagte sie.

Gina steigerte sich, wenn auch künstlich, in eine gewaltige Wut hinein.

Ich gab ihr die Gelegenheit, auf dem Weg ins Büro sich auszutoben, wenn sie es auch dachte.

„Pat, was soll ich jetzt nur machen?“ „Soll ich mich bei dir entschuldigen?“, fragte sie.

Es ist ja nicht viel passiert, Gina. „Lass uns die Sache vergessen“, sagte ich, so kompromissbereit ich bin.

„Ich wäre dir schon sehr dankbar, wenn wir den Zwischenfall vergessen würden.“, sagte Gina.

„Wenn ich es mir recht überlege, dann… (Pause)“, sagte sie vielleicht provokant.

„Fang bloß nicht an, mich unter Druck zu setzen, Pat“, erwiderte sie, „sonst werde ich misstrauisch.“

Aber Gina lächelte mir zu, bevor wir gezielt den Weg gingen.

 

 

Kapitel 3

Wie so oft betrat Gina ihr Büro nicht als Erste in der Frühe. Ich begleitete sie heute einmal motiviert und wir lachten zusammen. Aber kaum hatte Gina ihr Jackett auf den Schreibtisch mit Schwung abgelegt, zog sie sich ihre Bluse aus und stand mit nackten Brüsten vor mir.

Gina wollte jetzt und sofort mit mir schlafen. Aber ich lehnte Ihr Angebot dankbar ab und ließ Sie stehen.

Ich ging aus dem Büro, als die Kollegen auf der Etage erschienen.

Die Begrüßung auf dem Gang war kurz und kameradschaftlich. Eben fast wie eine Familie.

Ich musste immer feststellen, dass mein Büro beeindruckend war, und es sollte auch so sein. Vor dem Schreibtisch lag auf dem Parkett ein orientalischer Perser. Der bequeme, schwarze Ledersessel dahinter war hochgelegt, wirkte seriös und konservativ. Die Stühle davor waren leicht und nicht allzu bequem. Die Sitzfläche war nicht hoch genug, um darauf in den Sitzungen bei den Mitarbeitern einnicken zu können.

Die Schreibtischlampe mit dem weißen, gläsernen Schirm war echtes Design und mehr zur Deko als zur Beleuchtung gedacht.

Der große Raum war ein schönes Zimmer und verfügte über drei große Fenster, die die richtige Tagesbeleuchtung in den Raum ließen.

„Neuigkeiten?“, fragte Gina und ließ sich in meinem Sessel, zum Schreibtisch, nieder.

Ich antwortete nicht gleich.

Ich hielt mich sehr gerade und selbstbewusst und strich mich mit der flachen Hand übers Gesicht.

Gina wusste, dass dies eine meiner Gesten war, mit denen ich Selbstzufriedenheit darstellte.

„Nun sag schon, Pat!“, drängte sie.

„Du weißt, meine liebe Gina, Namen von neuen Künstlern gebe ich grundsätzlich nicht preis, wenn ich noch nichts hundertprozentiges Gesehen habe und von ihnen überzeugt bin.“, erwiderte ich.

„Himmel, du tust, als arbeiten wir unter Konkurrenten!“, rief sie ungeduldig.

Ich weiß, ich weiß! Es könnte sich um wirklich kreative Künstler drehen. „Aber das muss ich noch sehen“, sagte ich.

„Ich habe eine Vernissage für die nächste Zeit arrangieren lassen.“, sagte Gina.

„Na und?“ fragte ich neugierig.

„Gestern hat eine Art Vorausbesichtigung stattgefunden“, sagte Gina.

Gina versuchte sich zu entspannen.

Sie versuchte, sich tief in den Sessel zurückzuschlagen, und schlug bequem die Beine übereinander.

„Aber das bedeutet doch nichts“, sagte ich nüchtern.

„Oh doch.“ „Ich bin sicher, dass einige Künstler zumindest in die engere Wahl kommen, um ihre Werke auszustellen“, sagte Gina und nahm sich eine Zigarette, zündete sie mit einem Streichholz und nahm einen tiefen Zug.

„Du hast ein zu empfindliches Gewissen, Pat“, sagte Gina.

„Wäre auch schade, liebe Gina.“ „Dich wütend zu sehen ist immer wieder ein besonderer Genuss“, erwiderte ich mit einer zynisch Stimme. Wir lachten beide.

„Nah, siehst du?“, fragte ich trocken.

„Aber manchmal habe ich Angst“, gestand Gina.

„Aber das passt gar nicht zu dir“, sagte ich.

„Ich gebe es auch nur höchst ungern zu“, sagte Gina mit einem schwachen Lächeln.

„Fürchtest du etwa, dass wir überhaupt keine Vernissage veranstaltet bekommen?“ „Immerhin haben wir schon einige Hürden ohne Schaden überstanden“, beruhigte ich sie.

Ja. „Dank deinem Geld“, sagte Gina.

Aber Gina bereute sofort, als sie es gesagt hatte.

Ich war mir meiner Bedeutung in der kreativen und flexiblen Firma und meinem Recht auf ihre Dankbarkeit ohnehin schon mehr als sicher. Denn ich bin ja kein Geldautomat oder von der Seelsorge.

Ich blickte Gina aus meinen Augen überrascht und sehr aufmerksam an.

„Was ist falsch, Gina?“, fragte ich sie.

„Nichts“, sagte Gina, „so lange du noch genug Geld für mich hast.“ „Aber du könntest doch auf die Idee kommen, dass es sicher und bequemer wäre, dein Geld an der Börse anzulegen.“

Ich sah sie mit einem schmeichelhaften Lächeln an.

„Gina! Du wirfst mir Bequemlichkeit vor?“, hackte ich nach.

„Natürlich nicht, Pat!“, sagte Gina. „Du ackerst dich für die Firma ab.“ „Gerade der könnte es dir früher oder später zu viel werden mit mir.“

Du kannst ganz unbesorgt sein, Gina. „Ich habe ein teures Leben und ich kann es mir nicht erlauben, mein Geld aus dem Betrieb zu ziehen und eingleisig mein Geld zu verdienen“, beruhigte ich sie und zündete mir eine Zigarette an. Gina atmete erleichtert auf. „Ich bin froh, Pat, dass wir darüber auch einmal gesprochen haben“, sagte Gina und legte ihre Arme um meine Schulter.

Lächelnd entblößte ich meine allzu perfekten, weißen Zähne.

„Finde ich auch.“, flüsterte ich ihr ins Ohr.

Darauf sollten wir einen guten Schluck trinken. Meinst du nicht auch? „Versuchte Gina, mich zu ermuntern!“ Sie brachte eine Flasche Champagner ans Licht. „So früh am Morgen?“, fragte ich. „Für mich nicht…“, gab sie entschlossen zur Antwort. Ich lachte. Gina lief gezielt auf mich zu, drückte mir einen flüchtigen Kuss auf den Mund. Gina fürchtete, dass mich der Kuss in meiner Unsicherheit völlig aus der Bahn geworfen hatte. Erst als Gina ihr Cabriolet aus der Tiefgarage fuhr, merkte sie, dass es leicht zu nieseln begonnen hatte. Das war nicht gerade das ideale Wetter. Um gegen die Nässe gewappnet zu sein, wechselte sie ihr leichtes Jackett gegen ihren Trenchcoat und ihre Pumps gegen ein Paar Mokassin, die sie aus dem Kofferraum holte.

Auf der Fahrt regnete es stärker, immer schneller pendelte der Scheibenwischer hin und her, her und hin. Solange, bis der leichte Niederschlag dann endlich nachließ und aufhörte.

Mexiko ist ein landwirtschaftliches und reizvolles Land, mit landestypischer oder extravaganter Architektur, wie die rustikale oder komfortable Ausstattung der Häuser. Das Sonnenanbeter und badeenthusiastische Sonnenanbeterinnen, wie Gina, begeisterte. Mexiko besitzt malerische Kolonialstädte, bunte Indianerreservate und farbenprächtige Märkte. Geheimnisvolle Pyramiden und verwunschene Dschungelstädte als Zeugen einer Jahrtausende alten Kultur faszinierten Gina ganz besonders. Aber auch die herrlichen Palmenstrände, das türkis blaue Wasser und nicht zuletzt die lebensfrohen Menschen, die sogar Gina aus Deutschland herzlich willkommen hießen.

„Bienvenido! Gina“, riefen ihr die Mexikaner zu.

Heute stellte sie ganz individuell ihre Reiseroute für uns zusammen. Ich war nicht immer ein Fan von Ginas Aktionen, aber ich

brauchte mal ne‘ Luftveränderung.

Cancun: Die Halbinsel liegt zwischen einer großen Lagune und dem karibischen Meer mit kristallklarem Wasser. Sie ist durch zwei

Brücken mit dem Festland verbunden. Gina, so schlank sie auch sein mochte, hatte eine Vorliebe für jedes Restaurant, das sich auf Meeresfrüchte spezialisiert hatte. Eine besondere Freude gaben Gina die exklusiven Geschäfte in amerikanisch geprägten Einkaufszentren. Sehr viel Spaß brachten ihr die idealen Wassersportmöglichkeiten in der Lagune und im Meer.

Abends schleppte Gina mich in zahlreiche Bars und Diskotheken. Wobei ich mich schon spektakulär von den Wassersportmöglichkeiten verdrücken konnte. Um nicht den ganzen Tag vermiest zu bekommen, hatte Gina Erbarmen mit mir. Playa del Carmen liegt nur circa eine Stunde von Cancun entfernt. Das kleine Städtchen stand heute, nach einer durchgemachten Nacht, auf Ginas Reiseroute. Dieses Städtchen hat herrlich lange Sandstrände, ein klares, türkisblaues Meer und ein vorgelagertes Korallenriff. Playacar ist eine verkehrsberuhigte Zone, das heißt, die Zufahrtsstraßen sind durch Schranken kontrolliert. Hier sieht man viele luxuriöse Privathäuser und exklusive private Wohnanlagen. Die Nacht verbrachten wir in einem billigen Hotel. Obwohl, geschlafen, haben wir wenig, denn Restaurants, Bars und einige Diskotheken waren unsere schlaflosen Begleiter.

Unsere Reisetour am nächsten Morgen ging zum Frühstück weiter. Puerto Aventuras ist eine ruhige Strandzone.

Und Ruhe ist das, was ich heute Morgen am nötigsten brauchte. Aber Puerto Aventuras ist neununddreißig Kilometer südlich von Playa del Carmen und einhundert zehn Kilometer von Cancun entfernt. Auch mit dem luftigen Cabriolet von Gina.

Gleich in der Nähe sind die Maya-Tempelanlagen von Tulum. Die kilometerlangen Sandstrände mit dem leuchtend türkisfarbenen Wasser sind für uns ein Paradies, nach der langen Fahrt gewesen. Wir waren Tauchen und Schnorcheln.

Gina kurvte am nächsten Morgen eine Weile herum, bis es ihr gelang, uns in die richtige Richtung zu fahren. Die Sonne schien durch die Wolken. Alberto, ein dunkelhaariger, in alten Jeansklamotten gekleideter Mann um die 30 Jahre, entschuldigte sich nur flüchtig. Er sei auf den Straßen aufgehalten worden. „Macht nichts“, erwiderte Gina von der abenteuerlichen Reisetour, noch gut gelaunt, „ich weiß, wie das ist.“

Seine Tussi, klein und zierlich, mit ihren ebenmäßig geschnittenen Zügen fast eine Schönheit geworden, fügte hinzu: „Es tut uns wirklich leid.“

Wollte sie Gina den Tag versauen?

Oder war sie ne‘ Lesbe?

Aber das Ding hatte sich so fest an ihrem verkifften Jungen eingehängt, dass es aussah, als klammerte sie sich an ihn.

„Schon gut“, wiegelte er ab, „Wir sind doch nicht deshalb hergekommen, Baby.“

„Alberto, du malst gute Bilder“, sagte Gina und war froh, dass sie in diesem Fall nicht zu schwindeln brauchte.

„Meine Bilder sind billig“, sagte Alberto.

„Das lässt sich rechnen.“ „Die Preise sind in den letzten Jahren ganz schön in der Kunstszene angestiegen“, befürwortete Gina.

Eine Weile blätterten sie zusammen in den Arbeitsproben, was eigentlich ganz unnötig war. Gina hatte gesehen, was sie sehen musste.

Gina ließ sich Zeit, bis sie endlich sagte:

Ganz ähnlich habe ich mir deine Arbeiten vorgestellt.

„Komm' Alberto, bitte mit!“ Ich werde dir jetzt mal andere Entwürfe von Künstlern zeigen.

Gina und ich mussten uns verabschieden und gingen voraus zu meinem Wagen. Alberto folgte uns. Seine Freundin war immer noch fest an ihren Alberto geklammert. Beide schwiegen. Das erweckte in Gina ein gutes Gefühl. Aber das hatte die eine oder andere Äußerung des Gespannt seins erwartet.

Aber es fiel kein sterbendes Wort.

Zwischendurch blickte Gina den Alberto immer wieder aufmunternd an. Gina sah, wie die Augen seiner Freundin zu glänzen begannen.

Aber die arrogante, besser wissende Tussi sah immer wieder fragend ihren Alberto an, so, als wagte sie nicht, sich ohne seine Erlaubnis zu äußern.

Das Mädchen riss die müden Augen auf und drückte den Arm von Alberto. „Wir haben inzwischen gründlich über das, was wir für unsere Vernissage wollen, nachgedacht“, sagte ich, „Vielleicht hätten wir das schon früher tun sollen.“

„Wie wahr!“, dachte sich Gina. Sie sah mich stumm und mit freundlicher Aufmerksamkeit in die Augen.

„Mein Alberto meint, dass ihr uns helfen würdet, mit den Bildern Geld zu machen.“, sagte seine Tussi.

Alberto blickte sie strafend an.

„Das wird Gina ja wohl kaum interessieren, du Dummerchen.“, sagte Alberto. Gina lächelte den beiden zu. „Aber sollten wir das nicht später lieber in meinem Büro besprechen?“, sagte ich.

„Lass uns nach Hause fahren.“ „Ich rufe euch dann an und wir sprechen noch einmal über die Vernissage“, sagte Alberto. Gina öffnete die Autotür von meinem Sportwagen.

„Also dann“, rief Gina.

Ohne eine Antwort abzuwarten setzte ich mich ans Lenkrad.

Aber ich fuhr langsam an und wir atmeten auf, als ich im Rückspiegel das Auto, eine klapprige Kiste aus

Metall, uns folgte.

Als ich diesmal bei Gina zu Hause ankam,

kannte man mich schon. Die beiden Mädchen im Wohnzimmer blickten lächelnd auf.

„ Guten Morgen, Pat“, sagten sie beinahe im Chor.

Das mussten Kim und Gina noch üben, dachte ich mir.

„Guten Morgen“, erwiderte ich.

Kim kam hinter dem Tisch hervor.

„Guten Morgen, Pat“, wiederholte sie sich schreckhaft, mit rot angelaufenem Kopf, als würde sie etwas vor mir verbergen.

„Ich habe den Schlüssel von deiner Wohnung.“ „Gina zeige mir, bitte, wie er funktioniert“, sagte Kim.

Gina nahm den Schlüssel und zeigte Kim, wie sie ihn im Schlüsselloch umdrehte.

Die Tür öffnete sich.

Ich nickte, dann lächelte Kim laut los.

Gina kam sich verscheißert vor.

„Gibt es keine Glocke?“, fragte ich interessiert.

„Nein, Oberlehrer“, sagte Gina genervt, ohne eine Miene zu verziehen. Kim streckte plötzlich ihre Hand zu mir aus. Ihre zarte Hand war kühl und ein wenig feucht. Dann aber wurde mir klar, dass Sie vermutlich ebenso nervös war wie ich.

Das machte es leichter. Aber was?

Ich lächelte und Kim erwiderte mein Lächeln.

„Ich setze mich wieder in den Sessel“, sagte Kim.

Gina beachtete uns nicht, so sehr war sie unerklärlich mit dem Schloss und der Wohnungstür beschäftigt.

Kim drehte sich um. Ich stellte fest, dass sie einen hübschen Hintern hatte, gute Beine und schlanke Fesseln. Ich folgte Kim unauffällig, dachte ich mir so.

Sie fing meinen Blick auf und da war es mit meiner Tarnung gewesen. Ich warf einen schüchternen Blick zu ihr. Plötzlich erhob sie sich, als ich Kim näher kam.

Gina lächelte. Sie war fast eine Nachbildung aus dem Playboy.

„Ich freue mich, Gina“, sagte Kim lächelnd. Kim war aus dem gleichen Holz geschnitzt wie Gina.

Nur die Haare. Sie hatten beide nicht den gleichen Friseur.

Gina öffnete die Tür zu ihrem Schlafzimmer.

Ich bleibe einen Augenblick stehen.

Das Schlafzimmer sah anders aus. Das große Bett sah neu aus, unberührt und benutzt.

Ich warf einen fragenden Blick auf sie, ging zu Kims Tisch und setzte mich auf die Couch.

„Möchtet ihr eine Tasse Kaffee trinken?“, fragte Gina.

„Gern, schwarz und ohne Zucker“, sagte ich.

„Ich mit ‚nem Schuss Milch“, rief Kim.

Gina kam nach kurzer Zeit wieder und stellte ein Tablet auf den Couchtisch.

Ich sah, wie Gina den Kaffee eingoss.

„Den Rest macht Ihr Mal selbst!“, sagte Gina.

Ich hob die Tasse an meine Lippen.

„Ausgezeichnet.“ sagte ich. Kochen kannst du auch? „Gina lächelte wieder, aber gab keine Antwort.“

„Kein Problem für mich“, sagte Kim. „Was ich bisher gekocht habe, schmeckt mir.“ „Und ich habe keinen Kochkurs absolviert.“

Gina lächelte wieder.

Kim kam zu mir und setzte sich ganz dicht neben mich. Ihr zartes Parfüm wirkte berauschend angenehm.

Das Telefon summte. Gina nahm den Hörer ab.

„Ja?“, fragte sie interessiert.

Gina sah mich an.

„Kim, ein Typ will dich sprechen.“, sagte sie.

Kim nahm ihr den Hörer ab und setzte sich auf einen Stuhl vor dem Schreibtisch.

„Gefällt dir mein Bild, Kim?“, fragte der Typ.

Waldo, bist du es? „Ja, besten Dank“, sagte Kim. Waldo lachte. „Vergiss bitte nicht unsere Verabredung, falls ich später komme, aber ich komme“, sagte Waldo.

Kim schrie laut auf und sagte sarkastisch: „Ich werde es mir merken, Waldo.“ „Aber es wäre mir lieb, wenn du ein paar Minuten vor unserer Verabredung, ins Café kommen könntest“, sagte Kim. „Ich möchte, dass du meine Freunde kennenlernst, bevor wir ins Bett gehen.“

„Ich kann nichts versprechen, aber ich werde zehn Minuten früher da sein“, sagte Waldo.

Waldo war ein Profi, der Tollpatsche. Er trug seine Missgeschicke ohne Groll. Sein Händedruck war schlaff.

„Freut mich euch, auch, einmal Kim ihre Freunde kennenzulernen“, sagte Waldo dröhnend.

Eine Minute lang starrte er Gina etwas mit erstaunter Miene an, dann wandte er sich zu mir.

Ich lächelte und Waldo hatte plötzlich auch das begriffen. Seine Augen blinzelten erheitert und anerkennend auf.

„Ja“, sagte Waldo, „manchmal passieren die unglaublichen Sachen.“

Vielleicht hatte er es noch nicht mitbekommen, aber es war passiert. Außerdem: Ich hatte Durst und machte den sinnvollen Vorschlag, ins nette Café zu gehen.

„Okay, Freunde“, sagte ich fröhlich. Worüber ich auch ganz erschrocken war.

„Hat einer von euch daran gedacht, was wir uns bestellen?“, fragte Kim.

„Himmel!“ „Seht euch Waldo an“, stöhnte ich und streckte mich. „Die ganze Nacht muss er im Bett zu Hause aufgeblieben sein, so wie uns angähnt und überlegt, was er für Fragen stellen kann, dann kommt er auch noch pünktlich.“ Wie hast du das geschafft, Waldo?

Gina grinste. „Nur eine vernünftige Lebensweise, ohne Alkohol und Zigaretten, würde ich sagen“, antwortete Waldo mir. „Das ist sein Leben, Pat“, meinte Kim.

Ich drehte mich zu Waldo um, Kim hatte ins Schwarze getroffen.

Mein Problem würde nicht Waldo sein, sondern wenn Kim mit Waldo ein Liebespaar wäre.

Beim Friseur am nächsten Vormittag konnte mir meine nette Friseurin nicht helfen. Aber anschließend habe ich noch meinen Schönheitssalon besucht, wo sich sofort eines der Mädchen meiner annahm. Sie war eine kleine, süße Brünette, in einem ausgebleichten rosa Arbeitskittel. Sie war lustig und kaute Kaugummi, als sie mit einer entwürdigenden Gesichtsmimik zu mir in die kleine, enge Kabine hereinkam. „Unten hat jemand behauptet, eine Dame wolle sich ihr Haar schwarz färben und die – und Fußnägel schwarz lackieren lassen“, rief sie. „Stimmt“, sagte ich, „und schreien Sie nicht so laut, es ist keine Dame, dass es gleich alle hier mitbekommen.“  Ich bin es. Fast hätte sie ihren Kaugummi verschluckt. Hat man Töne? „Ich glaube, mein Schwein pfeift“, sagte sie. Sind Sie übergeschnappt? Sind sie so depressiv? „Oder sind Sie verrückt geworden und haben Ihre masochistische Depression übersprungen?“

Mir fehlten die Worte und ich konnte Ihre Fragen so schnell nicht beantworten.

Sie sah mir ins Gesicht.

„Warum wollen Sie so etwas tun?“, fragte sie mich besorgt. „Sie sehen so nett aus mit Ihrem dunkelblonden Haar!“

„Ich wollte mich erst Tätowieren lassen“, sagte ich.

„Und man könnte glauben, ich sei dafür zu alt. „Sie wollen doch nicht, dass ich selbst Hand an meinen Haaren und Nägeln, anlege, nicht wahr?“  Ich fange an, Ihr Gefühl zu melden. „Nein“, sagte sie zögernd.

Ihre schönen, aber verzweifelten Augen durch den Raum.

„Nein, das möchte ich wirklich nicht“, wollte sie mir noch einmal erklären.

„Sie brauchen mir nur einmal, das ganze Haar einzutönen“, sagte ich. „Nicht zu stark, so viel, dass

ich wieder in den nächsten Tagen auswaschen kann.“

„Ich verstehe“, sagte sie und grinste. „Das könnte ich schon machen.“

„Also los!“, sagte ich, „sonst muss ich es mir doch noch einmal überlegen und bereue meine verrückte Aktion nachher.“

Als ich ungefähr sechzig Minuten später herauskam – so genau habe ich nicht auf die Uhr gesehen – war ich bereit, zu Gina zu fahren.

Gina und Kim schnellten von der Couch hoch.

„Ich kann es nicht glauben!“, sagte Gina.

Sie umringten mich.

„Wie findet ihr das?“, fragte ich ganz stolz.

Kim schüttelte den Kopf.

„Fantastisch“, schrie Gina begeistert.

„Es macht dich nicht zum Spießer“, sagte Kim, „es gibt dir eine kreative Note und Autorität.“ „Verstehst du, was ich meine?“

Ich verstand.

Die schwarzen Haare passten zu meinem Typ. Ich sah noch nicht einmal weiblich oder wie ne‘ Tunte mit den schwarzen Finger- und Fußnägeln aus.

„Nah schön“, sagte ich.

„Einen Augenblick“, sagte Kim und gab mir einen Kuss auf den Mund. „Jetzt bist du, mein Süßer.“

Ich lachte.

„Aber, aber Kim!“ „Seit wann erlaube ich dir, meine verrückten Liebhaber zu küssen?“, sagte Gina.

Ich war in diesem Augenblick sehr verwirrt.

Die eingetretene Stille hätte man schneiden können.

Ich war allein in diesem Raum. Allein im wahrsten Sinne des unglaublichen Wortes.

Kim und Gina betrachteten mich immer noch prüfend.

„Das gefällt mir.“ sagte Gina überzeugend.

Ich spürte, wie sich ihre vollen Brüste straften.

Allgemeines schweres Aufseufzen.

Gina entschloss sich, ins Schlafzimmer zu gehen. Drei Minuten später war der Teufel los. Kim und ich gesellten uns im Bett dazu. Wir lächelten uns zu und befreiten uns von den lästigen Klamotten am Leib.

Die Liebesgötter steigen vom Olymp herab.

Gina brachte meinen schlaffen Penis zum Stehen. Kim starrte mich an. Gina lächelte und küsste meine Haut und Kim fuhr mit ihren Händen an meinem steifen und harten Penis fort.

Ich genoss es und grinste in mich hinein. Gina und Kim haben meinen Körper richtig auf Touren gebracht.

Das war auch ihre Absicht. Sie spielten eine harte Partie, der leidenschaftlichen und kompromisslosen.

„Ich meinte es im Ernst, Pat, als ich sagte, du sollst deinen knackigen Arsch in Bewegung setzen“, sagte Kim. „Okay“, sagte ich.

Gina griff die linke Seite meines Hintern und Kim die rechte Seite meines Hintern und massierten ihn mit ihren heißen Händen.

Gina ließ sich Zeit mit ihrem Mund, mir einen Abgang zu verschaffen. Denn Kim wollte auch an meinen harten Reimen lutschen.

Ich begegnete vor Lust ihren gierigen und sadistischen Blicken.

 

 

Kapitel 4

Besonders empfehlenswert war für mich als Europäer, mit ostdeutscher Vergangenheit, Mexiko zu genießen. Ich wollte die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der mexikanischen Halbinsel Yucatan entdecken. Dazu gehörten auf meiner Reisetour die Mérida, eine koloniale Stadt, und eine Bootsfahrt in der Küstenlagune von Celestun.

Am Morgen holte ich Gina von zu Hause ab. Für die Reisetour habe ich einen Land Rover uns gemietet. Das Cabriolet ist für solche Touren nicht geeignet, obwohl unsere erste Tour sehr außergewöhnlich und rasant gewesen war. Unsere Fahrtrichtung war südlich zur archäologischen Stätte Tulum. Sie ist einst eine ummauerte Stadt in herrlicher Lage auf der Steilklippe über dem türkisfarbenen karibischen Meer. Die große Karte zeigte uns den Weg zur Ausgrabungsstätte von Coba, wo wir einen abenteuerlichen Trip durch dichten Buschwald und interessante Bauten dieser einst großen Mayastadt vorfanden. Gegen Abend erreichten wir im rasanten Fahrstil Chichen Itza. Wo Gina und ich zu Abend gegessen und übernachtet haben.

Am zweiten Tag hatten wir einen entspannten und sonnigen Morgen. Nach dem Frühstück musste ich Gina überreden, dass wir uns noch am Vormittag die Ausgrabungsstätte Yucatans ansehen. Das begeisterte Interesse steigerte sich dann erst, als wir dann dort angekommen waren. Am Nachmittag fuhren wir weiter durch die Savanne Yucatans und die charakteristischen Dörfer nach Uxmal. Am Abend sind wir ganz schön geschafft gewesen, aber für den langsamen und leidenschaftlichen Sex unter der kalten Dusche war immer noch etwas Kraft übrig. Und dann? Der Tiefschlaf hatte uns überwältigt, bis zum Morgen. Am Morgen besichtigten wir noch die sehenswürdigen und interessanten Überreste der einst großen Stadt Uxmal. Danach fuhren wir, diesmal ist Gina gefahren, in die archäologische Zone von Kabah. Dort besichtigten wir den Codz-Poop-Palast. Durch typische Mayadörfer sind wir später, es war schon Nachmittag, nach Mérida gefahren. Bei einem Bummel im kolonialen Zentrum amüsierten und erholten wir uns. Dieses Zentrum führte uns zum schönen Hauptplatz mit der Kathedrale, dem Rathaus und dem Palast des Stadtgründers.

Doch dann führten unsere Füße uns ins Hotel, um zu übernachten. Also gingen wir zu unserem Land Rover und fuhren los. Diesmal überließ Gina mir das Steuer, damit sie ihre nackten, dampfenden und miefenden Füße auf das Armaturenbrett rauf konnte. Dabei ließ ich das Fenster auf, damit ich nicht beim Fahren ins Koma trete.

Heute ist der Tag. Ja, heute ist der vierte Tag unserer Reisetour. Unsere Route führt uns an die Küste des Golfes von Mexiko. Es sollte ein sonniger und entspannter Tag werden.

In der Küstenlagune von Celestun unternahmen wir eine Bootsfahrt, bei der wir dichtes Mangrovengebüsch durchqueren mussten. Ich bin fasziniert gewesen von den Herden, so glaube ich, nennt man es, rosafarbenen Flamingos.

Dieser Tag war für uns ein tolles Erlebnis, aber wir mussten wieder zurück an unsere Arbeit, Geld verdienen.

Im Büro wurden wir von einer geradezu aufgeblühten Herde von Künstlern empfangen. Carmelita, unsere Sekretärin, führte den Haufen ins Konferenzzimmer.

Gina wechselte rasch die Schuhe. In Ihren gewohnten hochhackigen Pumps fühlte sie sich gleich viel wohler.

Mit den Fingern richtete sie im Spiegel ihr Haar und stellte dabei fest, dass aus ihren grünen, schräg geschnittenen Augen der Stolz des Erfolges allzu deutlich leuchtete.

Bis die Vernissage unter Dach und Fach war, nahm sie sich vor, wenigstens ihr Lächeln und ihr Glück zu unterdrücken. Denn auf Pessimisten und Versager sind die anderen Leute nicht neidisch. Eifer zu zeigen konnte dagegen nicht.

Als Gina eintritt, hatten die warteten Künstler schon an der Breitseite den lang gestreckten Platz genommen. wählte den Sessel an der Stirnseite.

„Dann wollen wir mal loslegen!“, schlug sie vor.

„Alfredo! Setzt du dich zu meiner Linken und liebe Julia, du zu meiner Rechten hin.“ „Dann können wir uns besser sehen.“

Carmelita brachte einen Schreibblock und spitze Bleistifte herein. Gina überschlug sich bald vor Dankbarkeit und Herzlichkeit bei Carmelita. „Wollen wir nun endlich beginnen?“ „Sonst sind wir morgen noch nicht fertig“, sagte Gina dann erwartungsvoll und sah zu den Künstlern auf. Bei den sensiblen Leuten war es immer schwierig herauszukommen, wessen Wünsche entscheidend waren.

„Oder?“ Wollt ihr erst einmal 'ne Pause machen?, fragte Gina und ging. „Ich denke, unsere kalten Getränke werden kommen.“ „Nein!“, rief einer aus der Mitte am Tisch, der sich mit diesem rasanten und vorlauten Zwischenruf, die Aufmerksamkeit auf sich gelehrte. „Fangen wir nun endlich an!“, bestimmte er.

„Dafür sind wir ja hier“, fügte eine arrogante Spaßbremse mit Krawatte und im abgetragenen grauen Anzug hinzu.

„Vernissage oder nicht, das ist hier wohl die Frage für den lieben Sponsor.“ „Ich werde jetzt einmal bekanntgeben, wie viel Kosten auf euch zukommen werden“, sagte ich.

Ich begann an der Tafel, die fiktiven Kosten in Zahlen aufzulisten. Alle waren sehr von dieser Diskussion angetan, ob man nicht noch etwas einsparen an Aufwand hätte können.

„Die Räumlichkeit müsste natürlich zwei große Türen haben“, erklärte ich, „man kann von der einen Richtung hinein spazieren und an der anderen Seite wieder hinaus spazieren.“

„Der kreative Gesamteindruck wird auf jeden Fall nicht durch die Räumlichkeit allein, sondern durch das richtige Licht der Scheinwerfer insgesamt bestimmt“, fügte Gina hinzu. Carmelita kam herein und brachte ein Tablett mit Getränken. Als sie es abstellte, ging sie hinaus und ich folgte ihr.

Ich arrangierte mit Carmelita große Kaffeebecher, Sahnekännchen und Zuckerschälchen auf dem Tisch.

Vor Gina stellte Carmelita ein hohes Glas Mineralwasser mit Eis und einen Spritzer Zitrone. Gina schaute genervt auf ihre zierliche Armbanduhr. Obwohl sie ohnehin ungefähr wusste, wie spät es war.

Aber für Gina wird es langsam Zeit, sich heute zu verabschieden und damit schnell das Wichtigste noch zu klären. Alberto bot eine Runde Zigaretten an, aber nur die Spaßbremse lehnte ab.

„Wenn wir uns jetzt für eine Vernissage entscheiden, wo die Künstler sich einzeln ausstellen“, sagte Gina, „sollten wir einen Zeitplan gestalten.“ Gina nahm mir meinen blauen Kugelschreiber aus der Hand. Skizzierte eine Tabelle, mit Namen, Tag, Monat und Thema der Vernissage.

„Das wird ins Reine übertragen, kopiert und jeder bekommt ein Exemplar davon“, sagte ich.

„Es ist natürlich auch eine Frage der Finanzen“, erklärte Gina.

Nach einer Stunde hatte Gina sich entschlossen, diese Veranstaltung zu beenden. Gina hatte es jetzt eilig, mich von den chaotischen Leuten wegzuziehen. Gina wusste zwar genau, was sie wollte, aber sie wusste auch, dass ihre Aktion aus dem Mund eines Mannes glaubwürdiger wirkte. Außerdem nervte sie der Tag, die Veranstaltung, nachdem sie mit mir gerade von dem Abenteuer wiederkam.

Carmelita räumte das Geschirr auf das Tablett.

„Lass uns dann allein, Carmelita!“, ordnete Gina an.

Gina küsste mich mit einem innigen Verlangen. Dabei machte sie mir klar, dass eine Flucht für mich unmöglich war.

„Da kann doch noch jemand hierher“, sagte ich, von ihrer leidenschaftlichen Begierde überschüttet.

„Aber damit müssen wir rechnen, Mein Liebster“, antwortete Gina unbedenklich.

Ich warf Gina einen scharfen Blick zu, was Gina gleichzeitig noch mehr erregte.

„Sei mir nicht böse, Liebling, ich will dich jetzt spüren, in mir!“, flehte Gina mich an.

Sie legte ihre Arme um meine Schulter, stemmte sich hoch und schlang ihre Beine, so dass sie meinen Harten in der Hose spüren konnte.

„Genau das ist es, was ich jetzt brauche“, forderte sie von mir und küsste mich wild. „Was würde dir denn gefallen, wenn ich auf Steigerung meiner Gefühle gehe?“ „Dazu bin ich jetzt gerne bereit.“

„Ich muss schon sagen, du weißt, was du willst“, sagte ich. „Ich wusste gar nicht, dass du eine gewöhnliche Nymphomanin bist.“

„Ich ficke gern, ist das auch schon verboten?“ „Und ich nehme mir, was mir gefällt, ich ficke so oft ich will und wo ich will“, gab Gina zum Ausdruck, womit ich ja auch einverstanden war, aber es sind nicht alle Frauen so abgefahren, denn die teilen sich den dreimaligen Sex in der Woche mit ihrem Mann in einem Jahr auf, dann kassieren sie den Trottel ab, weil sie mal nass zwischen den Beinen geworden sind. Gina lachte. Ich lächelte selbstgefällig. „Lassen wir uns ruhig Zeit“, sagte Gina. Zeit, ja, das war es, denn im Moment klappte nichts bei mir. Gina nahm sich eine Zigarette und ich stand auf, um ihr Feuer zu geben und mir selbst eine Zigarette. Dabei zwinkerte ich ihr liebevoll und schüchtern zu.

„Danke, Pat“, sagte Gina und fügte im Plauderton hinzu, ganz bewusst, um das erwartungsvolle Schweigen zu brechen: „Ich habe eben deinen harten Schwanz gesucht.“

Dann ging sie um den langen Tisch herum und legte sich mit gespreizten Beinen auf ihn, so dass ich alles sehen konnte.

Sie lächelte mir fordernd zu.

Aber ich reagiere nicht auf ihr glühendes Verlangen. Man würde auch sagen können: Ich hatte keinen Bock auf einen Fick.

Und Sie? Hätten Sie Lust, die Schöpfung der uninteressanten Herren? Sie zählen nicht!

Was meinen Sie, wer sich dafür interessiert, wer mit der geilen Gina einen auf den Tisch sich ab wirkt?

„Puh!“, seufzte Gina ziemlich sauer und warf sich in den Sessel, der dort am Tisch herumstand.

„Wirklich reizend, Pat.“ Spottete Gina.

„So übel bin ich gar nicht, Gina.“ Für dich ist das eine kribbelnde Sache, in der Firma zu ficken, wenn gerade jemand dazu kommt. „Du darfst es mir nicht übel nehmen, dass ich die Gelegenheit nutze, mir es zu überlegen“, sagte ich.

„Du wirst noch eine Menge Ärger mit mir“, sagte Gina wütend und sie fühlte sich abgelehnt.

„Nein, Gina“, entgegnete ich ihr, „das glaube ich nicht.“ „Schließlich haben wir das gleiche Ziel.“

Gina knöpfte ihre Bluse zu und grinste.

Es war schon dunkl, als wir später, jeder für sich, nach Hause fuhren. Die Außenbeleuchtung Ihres Hauses brannte. Aber Kims Auto stand nicht in der Garageneinfahrt. Gina fiel ein, dass Kim vorgehabt hatte, auch am Nachmittag mit Freundinnen zu treffen.

Das fröhliche und heitere Beisammensein schien sich hinausgezögert zu haben.

Gina hätte gern noch ein paar Worte mit Kim geplaudert.

Aber vielleicht war es besser so.

Gina war immer noch wütend über mich, über ihre Abfuhr, aber sie war müde genug, mit dem Buch „Eine“ zu Bett zu gehen und nicht mehr an mich zu denken.

„ Ist der süße Pat mitgekommen?“, fragte Kim, als sie plötzlich und unerwartet im Schlafzimmer trat.

Gina schüttelte den Kopf.

„Das war doch sein Wagen, der unter der Straßenlaterne steht“, sagte Kim vorwurfsvoll.

Aber das interessierte Gina nicht und sie las in ihrem spannenden Roman, was Kim ihr sagte.

Kim zog sich aus in diesem Moment und stand nackt vor Gina, nur mit ihrem schwarzen Stringtanga bekleidet. Sie schien sich zu entspannen, ging quer durch das Zimmer und nahm ein Päckchen Zigaretten aus ihrer Handtasche.

„Pat ist dein Freund“, sagte Kim. „Es ist normal, dass er sich um dich kümmert.“, sagte Kim.

„Was verstehst du denn davon?“, schnauzte Gina Kim an. Ihre Stimme wurde plötzlich wild und verärgert. „Pat, das Schwein, liegt nichts an mir.“

„Immer mit der Ruhe, Gina“, sagte Kim.

Gina lachte bitter.

„Kim, du hast ja keine Ahnung.“ Aber warte nur, bis du ihn ins Bett genommen hast. „Ich weiß noch, was er heute mit mir im Büro veranstaltet hatte“, sagte Gina. Kim drückte ihre Zigarette aus.

„Ich will heute Nacht nicht mehr zurück in meine Wohnung.“, sagte Kim und ging mit weit aufgerissenen Augen auf Gina zu. Sie blickte zu Kim hoch, in Ginas

Augen trat ein verletzter Ausdruck von Stolz.

Kim stieg zu Gina ins Bett.

„Fühlst du dich jetzt wohler?“, fragte Kim. Sie nickte und grinste. „Ja, ja“, sagte sie.

Kim küsste Gina auf die Wange und drückte sie leidenschaftlich an sich, wobei sie mit den Händen unter der Bettdecke war. „Sehr gut“, stöhnte Gina.

„Soll ich weitermachen?“, fragte Kim und küsste sie heiß auf den Mund.

„Ja“, hauchte Gina Kim ins Ohr.

„Womit kann ich dienen?“, fragte Kim.

„Ich warte!“, erwiderte Gina.

Das war für Gina ziemlich normal, mit Kim zu schlafen.

„Noch besser ..., gut...", stöhnte Gina laut.

Gina ließ sich in ihren leidenschaftlichen und unersättlichen Gefühlen fallen und blickte Kim in die großen, feurigen Augen.

„Der Dritte“, schrie Gina.

„Nun halt dich aber fest!“, sagte Kim.

Und Gina wollte immer mehr. Die Zunge von Kim wanderte über Ginas ganzen heißen Körper, so dass sie glaubte, Kim hätte ihren Körper verschlungen. Aber es war genau das, was Gina in diesem Moment brauchte.

Sie war ja auch noch von mir ganz erregt am Nachmittag gewesen. So kam ihr Kim gerade gelegen, um sich abzureagieren.

Gina starrte Kim an.

„Weißt du, was du tust?“, fragte Gina Kim.

Kim wurde still, denn sie war kurz vor ihrem implodierenden Höhepunkt des innigen Sexus. Sie war blass geworden und hatte kleine Schweißtropfen auf der Stirn.

„Es ist guter Sex.“ sagte Kim.

Gina lächelte und berührte sich die Brustwarzen, die hart und steif herausragten.

Sie waren überhaupt nicht müde, so drängelten sie sich aus dem warmen Bett und gingen in die Küche, an den Kühlschrank.

Als sie den Kühlschrank fast leer geräumt hatten und ins Bett fielen, waren es vier Uhr morgens. Gina schlief aber sofort ein und Kim folgte ihr.

Sie konnten nicht mehr als eine Dreiviertelstunde geschlummert haben, als es draußen Sturm klingelte.

Gina hielt es für einen schrecklichen Traum in ihrem

Kopf und versuchte es abzustellen. Dann schließlich schlug sie aber doch die Augen auf. Einen Moment brauchte Gina noch, Kim drehte sich nur um und schlief weiter, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.

Die Klingel ertönte noch einmal, lauter.

Gina fuhr aus dem Bett, ging zur Tür und

öffnete.

Ich trug ein bunt kariertes Sakko und hielt einen Strauß rote Rosen in der Hand. Meine Augen sahen Gina ängstlich an.

Gina stand eine Weile da, dann trat sie zurück. Ich warf mich in ihren Armen.

Gina schloss leise die Tür.

Ich hielt sie fest. Gina blickte zu mir auf, ihre Wangen waren plötzlich voller salziger Tränen.

„Bist du mir sehr böse, Gina?“, fragte ich sie.

Gina schüttelte den Kopf und sah mir wieder in die Augen.

Die Worte sprudelten aus mir hervor.

Ich konnte es bei mir nicht mehr aushalten. Ich war allein. Immer musste ich an deine Worte denken. Da wurde mir zum ersten Mal klar, was du mir bedeutest.

Ich trank eine halbe Flasche Whisky aus, wovon mir schlecht wurde. Es schmeckte schauderhaft.

Ich versuchte es mit dem Rauchen, rauchte sieben Schachteln Zigaretten. Es half nichts. Mir war immer noch schlecht. Dann wollte ich schlafen und nahm drei Aspirin. Aber alles drehte sich, als ich im Bett lag. Ich versuchte ins Badezimmer zu gelangen und starrte in den kleinen, runden Spiegel.

Und da sah mir nur das Bild meiner Mutter entgegen, die mir mit erhobenem Zeigefinger vorschreiben will, dass ich das nicht darf. Ich dachte, ich würde so enden, wie… (Pause),

Dann hatte ich schreckliche Angst. Und ich versuchte dich anzurufen, aber ich erhielt immer die freundliche Antwort: Die Nummer ist abgeschaltet. Da war ich in hektischer Panikstimmung. „Also kam ich zu dir, so schnell ich konnte“, versuchte ich ihr leise zu erklären.

Gina fuhr sich verwirrt mit der Hand über die. Gina stand vor mir, wie die nackte, verführerische Eva den schüchternen und ahnungslosen Adam verführte.

„Lass mich nur diese Nacht hier bleiben.“ Morgen früh gehe ich wieder. Gina, bitte! Ich.

„Nun bist du hier“, sagte Gina, „also gehen wir zu Bett.“

Gina führte mich ins Schlafzimmer und sie stieg ins Bett. Wie ich mich noch schnell meiner Kleidung

entledigte, bemerkte ich, dass noch jemand im Bett gewesen war.

„Kann ich jetzt weiter schlafen?“, fragte Kim müde und genervt.

Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen. Das Lacken bedeckte es.

Ich lachte still vor mich hin. Denn das, was ich sehen konnte, war nicht übel.

Ich stieg zu Gina ins Bett. Kim machte uns Platz.

„Nein, Kim“, sagte Gina, „Ich will, dass du mich hältst.“ 

Eine Weile blieb alles still, dann setzte ich mich plötzlich auf. Mit einer schnellen Bewegung zog Kim mich wieder hinunter und schmiegte sich an mich. Was auch Gina tat, und sie begab sich auf die andere Seite, so dass ich zwischen den beiden erbarmungslos abgeliefert war.

„So ist es gut“, murmelten beide.

„Ich will deinen nackten Körper neben mir spüren“, sagte Gina.

Sie wälzte sich und zog meine Hand auf ihre nackten Brüste. Ich fühlte, wie fest sie waren, und wie sich die harten Warzen unter meinen Fingern leicht zusammenzogen. Die Hitze stieg mir zwischen den beiden hoch.

Kim nahm meinen Penis in die Hand und streichelte ihn sanft. Ihre Hand wurde wild. Ich schloss die Augen. Gina küsste mich, ihre Lippen waren erregt und leidenschaftlich, ihre nasse Zunge umkreiste mich gierig.

Kim sah mir in die Augen und ihre Stimme war nur noch ein Hauch: „Ich liebe euch beide!“

Die Wärme und der Duft vom Sex kamen von beiden Frauen und es gab die Nacht keine Ruhe für mich. Erst als beide ihren sensationellen und dramatischen Höhepunkt hatten, schlief ich endlich ein.

Am 24. August, einem Donnerstag, sollte die Entscheidung über die Künstler für die Vernissage fallen.

Jedes Mal, wenn das Telefon im Büro klingelte, nahm Carmelita das Gespräch im Vorzimmer an.

Es kamen nur die üblichen Wochenanrufe. Alberto ließ nichts von sich hören.

„Du bist ja so nervös.“, sagte Carmelita konstatiert.

„Ich erwarte einen Anruf.“, sagte Gina. „Wir haben den Alberto für die erste Vernissage.“ „Und nun soll er es auch wissen.“

Gina ließ es heute dabei. Nichts drängte sie dazu, sich dem Alberto mitzuteilen. Carmelita nahm wenig Anteil an Ginas beruflichen Sorgen und Erfolgen.

Gina hasste Mitglied. Aber sie hatte große Mühe, sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

Zwar hatte Gina nicht erwartet, dass Alberto sich so schnell zurückmeldet, aber mit einem kleinen Gefühl hatte sie doch heute mit einem Anruf gerechnet.

Am Sonntag wurde sie ruhiger.

Ich arbeitete noch bei mir zu Hause an den Vorbereitungen der Vernissage. Gina machte sich zusammen mit Kim einen faulen, gemütlichen Tag, blieb lange mit Kim im Bett, quatsche über Männer und blätterte die bunten Modezeitungen durch.

Am Nachmittag gingen beide schwimmen, alberten wie die Kinder im Fitnessraum und besuchten noch die Sauna. „Ach, Gina, was hast du es gut!“, seufzte Kim, als sie sich abtrockneten. „Genauso ein Leben wäre das Richtige für mich.“ Gina lachte.

„Dann müsstest du es genauso machen wie ich!“ „Nicht heiraten!“, sagte Gina. „Ich habe eigentlich nicht das schreckliche Gefühl, dass meine schöne und genussvolle Jugend schon vorbei ist“, sagte Kim nachdenklich. Gina warf Kim ein feuchtes Frottiertuch an den Kopf. Ein Typ fing es aber geschickt vor Kims Kopf auf. „Das Leben ist süß, aber gefährlich“, sagte der gut aussehende Mann.

Diese bewundernde Aktion amüsierte die anderen Leute.

„Mit bestem Dank zurück“, sagte er und gab Kim einen raschen Kuss auf die Wange.

Gina verstand die Absicht des Typen und lachte.

„Du bist mir schon welcher“, sagte Kim.

Später zogen sie sich in dem Damenumkleideraum ihre Sachen an. Als sie Hunger bekamen, fuhren sie in ein nobles Restaurant und nahmen dort ihr Abendessen ein.

Doch ganz konnte Gina ihre innere Spannung nicht loswerden.

Gina schlief schlecht in dieser Nacht und dachte, dass die Vernissage ein Erfolg wird.

Am nächsten Morgen verdrückte ich mich auf die Mayafestung von Tulum, eine Mayastätte, die direkt am Meer erbaut wurde und als wichtigster Handelshafen galt. Die Nacht verbrachte ich in einem Hotel in Chichen Itza. Die Besichtigung, am Morgen nach dem Frühstück, der Ausgrabungsstätten von Chichen Itza, der steinige Weg nach Uxmal, eine der berühmtesten Maya-Stätten im antiken Yucatan. Dort erkundete ich die Tropfsteinhöhle von Dzipnup. Dort sah ich außerdem einen Mayafriedhof und eine Sisalfabrik, was für mich gerade der Renner des Tages gewesen war.

Aber dann war am Abend das größte Ereignis. Ich besuchte eine der Ton- und Lichtshows in Uxmal. Da hatte ich aber auch noch das Glück, dass das Wetter gut war. Die Leute hatten mal wieder eine außergewöhnliche und spektakuläre Abwechslung in ihr Leben bekommen. Es passierte sonst nicht viel in dieser Gegend. Mit dem Land Rover machte ich am nächsten Tag eine Fahrt über den Zocalo. Der Markt war von Händlern sehr belebt und von den Einwohnern Mérida bis Cancun sehr willkommen. Es ist das Kommunikationszentrum der Leute. In Deutschland sagt man auch, das Sprachrohr der Medien sei eine Zeitung wie Klatschblätter. In Yucatan, Tulum, hatten ich und mein bürogestresster, blasser Körper ein gutes Verhältnis zur Küste, zum Badestrand. Dort genoss ich das türkisfarbene Meer und die Stille. Es war eine gute Entspannung für meine strapazierte Seele.

 

 

Kapitel 5

Am nächsten Tag, dem späten Nachmittag, kam Alberto mit seiner Freundin erst spät ins Büro. Diesmal stellte sich seine abgemagerte Tussi vor, sie hieß Sabrina. Sie hatte heute gewaschene Haare. Es sah appetitlicher aus, wenn sie ihre lange Mähne offen trug. Gina beobachtete die beiden aufmerksam, aber sie waren ganz wie immer.

Es lagen jetzt zwölf fertige Kunstwerke für die Vernissage vor. Die abstrakten Bilder und die provozierenden Aktmodelle in Skizze.

„ Ein schöner Akt“, sagte Gina anerkennend, als ich in Ginas Büro dazukam. „Das ist Pat, mein Geschäftsführer, den habt ihr ja schon kennengelernt.“ „Ja“, sagte Sabrina mit ihrer piepsigen Stimme und sah mich mit bewunderten Augen an.

Gina gab Alberto den Ort und die Zeit bekannt. Sabrina versuchte, das alles auf ein Blatt Papier mitzuschreiben, was ihr sicherlich schwer viel war, weil Gina schnell diktierte und keine Rücksicht auf Sabrina nahm. Ich musste grinsen vor Ironie und sagte: „Du sprühst mal wieder vor Energie, Gina.“

„Schade, mein Süßer, dass man das von dir nie sagen kann“, dachte sie, aber sie sprach es nicht aus.

Die herrliche Nacht war warm und voller guter Dinge. Ich wälzte mich auf den Rücken und blickte zu Gina auf. Sie saß gemütlich da, die Knie bis zur Brust hochgezogen, am Kopfende des Betts.

In der schwachen Beleuchtung sah ich die hellen Stellen auf ihrem gebräunten Körper, wo der knappe Bikini die weiblichen Stellen bedeckt hatte.

Einen Augenblick glühte die Zigarette auf. Dabei konnte ich den düster-nachdenklichen Ausdruck auf ihrem Gesicht erkennen. Dann drückte sie, ohne ein Wort, ihre Zigarette aus und machte sich eine Prise an die Lippen.

Ich sah sie an und fühlte mich sehr zu Gina hingezogen.

„Sei nicht geizig“, sagte ich, „teil deinen genussvollen Reichtum!“

Ich nahm ihr die Zigarette aus der Hand und machte einen tiefen Zug. Jetzt wurde das Gute noch besser. Irgendjemand erzählte mir, dass es nichts Gutes gibt, außer man tut es. Ich glaube, damit hatte dieser Mensch ausnahmsweise Recht. Es war bestimmt auch kein Politiker, Denn die lügen schon, wenn sie den Menschen einen guten Morgen wünschen. Gina nahm sich die Zigarette wieder.

Ich hielt den Rauch, solange ich konnte, in der Lunge, dann ließ ich ihn langsam hinausströmen, wälzte mich herum, vergrub mein Gesicht in ihrem weiblichen, nackten Schoss und atmete ihren erregten, nassen Duft ein.

„Das ist das Richtige für mich“, sagte ich, „besser als das ganze prüde und Spaß bremsende Leben, in das man von Spießern in der eiskalten Wirtschaft gesteckt wird.“

Gina hörte mir interessiert zu, wickelte mein Haar um ihre Finger und drehte mein nachdenkliches Gesicht zu sich.

Sie schaute es lange an.

Fast zu lange. Was mich irritierte.

Ich weiß nicht, was sie sehen wollte, aber als sie mich losließ, war Ginas Miene immer noch düster.

„Du bist ja ganz woanders, Gina“, sagte ich. „Was ist los mit dir?“

Gina blieb einen Moment still, dann setzte sie sich auf die Bettkante.

Ich sah, wie sie sich ihre großen, braunen Brustwarzen bei der Berührung des kühlen Windzugs vom Fenster her zusammenzogen. Ich ging ihr nach, nahm ihr die Zigarette aus der Hand und sog daran.

Sie war bis knapp an meine Lippen herunter gebrannt. Ich spürte die heiße Glut.

Gina nahm mir den Stummel aus dem Mund, drückte ihn in den Aschenbecher aus und zog meinen Kopf auf ihren Busen. Ich hob die Hände und drückte ihre Brüste an meinen Wangen. Dabei bewegte ich langsam meinen Kopf von einer Seite zur anderen und fuhr mit meiner Zunge über ihre steifen Brustwarzen.

Gina drückte mich fest an sich und sagte mit einer Stimme, die einen seltsamen Klang hatte: „Es ist gut, ja, mach weiter!“

Sie schob mich plötzlich zurück aufs Bett, sie setzte sich auf mich und ich drang in sie ein.

Vor Lust stöhnte sie laut auf.

Ich spürte ihre feuchte Wärme über mir, als sie wild wurde. Sie stieß wie rasend auf und nieder und gab Töne, die sie immer mehr erregten.

Ich konnte nur mit größter Mühe in ihr bleiben.

Überraschend kam sie plötzlich zum Höhepunkt: Bei Ginas gewaltigen, körperlichen Einsatz brach mir fast die Achse. „Pat!“, schrie sie. Sie erstarrte. Ich gab ihr noch ein paar heftige Stöße, die sie zum Weitermachen erregten. Sie küsste mich wild am ganzen Körper. Ich wälzte mich über sie und drang hart in sie ein, bis ihr zweiter Höhepunkt mich mitriss und die Spermien in sie verströmte.

„Pat! Pat!“, schrie sie laut, und das nicht nur einmal, zweimal oder dreimal.

Ich hatte aufgehört zu zählen.

Ihre roten Fingernägel bohrten sich in meinem schwitzenden Rücken, die schon fast blutige, stechende Schmerzen herbeirufen.

Ich fasste ihre Hände und hielt sie nieder.

Da lagen wir nun, erledigt vom leidenschaftlichen Tod der Gefühle, nach Atem ringend.

Dann brüllten wir beide vor Lachen und Erfüllung.

Einige Minuten später klopfte es leise an der Schlafzimmertür.

„Ja?“, sagte ich.

„Ich bins, Kim.“ „Darf ich hineinkommen?“, rief sie. Ja. „Was hält dich davon ab?“, sagte Gina.

„Ich weiß nicht, wie ich mit euch darüber sprechen soll.“, sagte Kim und holte tief Luft. Sie kam nicht weiter und sah uns nur an.

Ich wusste zuerst nicht, worauf Kim starrte, dann bemerkte ich es selbst. An meinen Schultern und an der unbehaarten Brust sind blutige Kratzspuren. „Hat sie das getan?“, fragte Kim mich. Ihre Stimme klang zornig.

„Bevor du antwortest, Pat, sag mir Kim, auf wen bist du sauer.“, sagte Gina.

Gina sah mich noch eine Weile an, dann lächelte sie.

„Auf mich selbst, nehme ich an“, sagte Gina mit einem selbstbewussten Grinsen. „Es war mir nicht klar, dass du in Pat verknallt bist.“ Kim erstarrte.

Hatte Gina Kim an ihren Gefühlen gekratzt?

„Ich kannte schon Pat, bevor du herkamst, Kim.“, sagte Gina.

„Es gibt verschiedene Arten des Kennens“, sagte Kim. „Gina, du liebst die Männer nicht, du benutzt sie.“ „Ich hatte die verrückte Absicht, mit dir zu sprechen“, sagte Gina unbeholfen, „aber ich weiß nicht recht, wie ich es anfangen soll.“ Ich setzte mich auf, verschwand aus dem Schlafzimmer und ging in die Küche an den Kühlschrank, um etwas zu trinken. Gina setzte sich Kim gegenüber auf den Hocker.

„Kim! Es gibt Dinge, die man nicht erklären kann, weißt du, aber auf die man Acht geben muss“, fuhr Gina fort, indem sie Kims verwirrten Blicke mied. „Pat kann so liebevoll und nett sein, er…“

Gina brach ab, als sie ein leichtes Lachen in den Augen aufblitzen sah.

„Was erzähle ich dir denn da?“, sagte Gina besorgt. „Du weißt das wohl alles selbst.“

„Ja, du sexgeiles Luder“, sagte Kim lächelnd.

„Aber warum hast du mich dann nicht unterbrochen?“, fragte Gina und laut lachte mit.

„Ich wusste nicht recht, wie“, gestand Kim.

Sie lächelte.

„Ich wollte vielleicht einmal hören, wie sich das anhört, wenn Frauen von Pat Schwärmen“, fügte Kim hinzu.

Kim blickte Gina fest in die Augen.

Ich glaube, du solltest einen Job annehmen. „Es ist nicht gut für dich, wenn du die ganze Zeit hier herumhängst und über die Männer dir den Kopf zerbrichst“, sagte Gina.

„Das ist eine gute Idee“, sagte Kim.

Am nächsten sonnigen Morgen hatte ich eine Auseinandersetzung mit Gina im Haus. Als ich sie nach dem Grund fragte, schrie sie mich mit der Behauptung an, dass ich ein Schuft bin und die Herzen der Frauen breche.

„Was soll das heißen?“, fragte ich aufbrausend.

„Ich wollte Kim nicht weh tun, ihre Gefühle verletzen, aber ich habe den Eindruck, dass etwas aus der Bahn gelaufen ist“, erwiderte sie bemitleidend.

Ich schüttelte ahnungslos die Achseln.

„Soll ich mit Kim reden?“ „Wäre das in deinem Sinne, Gina?“, sagte ich.

Gina nickte den Kopf, aber gleichzeitig zuckte sie auch mit den Schultern.

„Unterstelle mir jetzt bloß nicht, ich hätte dich gedrängt oder dir auch nur geraten, mit Kim zu reden.“ „Das ist allein deine Idee“, machte Gina mir klar. Gina wandte sich zum Gehen.

„Einen schönen Tag noch!“, wünschte sie mir noch und fuhr schon mal ins Büro.

„Verdammtes Weibsbild, du herzloses Miststück“, fluchte ich leise, aber nicht so leise, als dass sie es nicht mehr gehört hätte. Gina lächelte in sich hinein.

Pat, überlegte sie, als Gina zu ihrem Büro fuhr, würde sie in Arbeit stecken, wie sie es eigentlich im Sinn gehabt hatte.

Kim nahm, drei Tage später, einen Job in einer Modeboutique von Calvin K. als Verkäuferin an. Das war eine unerwartete Aktion von Kim. Sonst redete sie nur darüber, was sie alles machen würde. Kim musste einen Antrieb bekommen, möglichst einen kräftigen in den zarten, süßen Hintern.

Um die geplante Vernissage in den nächsten Tagen wollte Gina sich sofort kümmern. Als sie ihr Büro betrat, sprang Carmelita hinter dem Empfangstisch auf und rief, munterer, als es gewöhnlich ihre Art war, nach einer durch gezechten Nacht: „Guten, Chefin!“, und sie grinste über das Gesicht.

„Guten Morgen, Carmelita!“ „Haben Sie im Lotto gewonnen?“, grüßte Gina und zog sich die Jacke aus.

„Guten Morgen, Toni, mein Süßer!“, sagte Gina gut gelaunt. Von dem rasanten Streit mit Ihrem gedemütigten Geschäftsführer war nichts zu bemerken.

Toni grinste von einem Ohr zum anderen und der Weg war lang. Aber das verstärkte Ginas wundervolle Gefühl, dass man sich einen Scherz mit ihm erlaubt.

„Der Morgen wird nicht gut, das wirst du noch heute mitbekommen, Toni“, sagte sie kühl und verkniff sich innerlich das Grinsen.

„Himmel, bist du cool!“, rief Gina.

„Gina, ich bin schon zu lange bei dir beschäftigt, dass ich auf deine öden Witze hereinfallen könnte“, sagte Toni.

Plötzlich überfiel Gina ein Schwindel.

„Du wirst ja ganz blass!“, rief Carmelita erschrocken. Setz dich schnell! Und du, Toni, hole bitte einen Stuhl! „Ich hole dir ein Glas Wasser.“

Als Gina dann saß, das Glas in einem Zug zur Hälfte geleert hatte und endlich lächeln konnte, kam ich aus meinem Büro. Gina hatte nicht mitbekommen, dass ich auch schon gekommen und anwesend war.

Gina sprang auf. „Pat! Begleitest du mich in mein Büro?“, sagte Gina.

„Nein!“ „Ich denke ja gar nicht daran!“, antwortete ich ihr. „Pat, wie redest du denn mit Gina?“, rief Carmelita.

Schmunzelnd fuhr ich mit dem Ringfinger über meine Nase.

„Was soll all der Unsinn?“, fragte Toni irritiert. „Das mache ich persönlich mit Gina ab!“, erwiderte ich, immer noch ein wenig verärgert.

Am frühen Morgen meldete sich lärmend der Fernsehapparat und weckte mich. Ich starrte die Glotze verständnislos an. Ich stand auf und holte mir aus der Küche im Kühlschrank einen Orangensaft und stellte die Kaffeemaschine an. Später ging ich ins Badezimmer und stellte mich unter die heiße Dusche.

Als ich herauskam, war der Kaffee in der Maschine durchgelaufen und fertig. Mein

Frühstück ist immer eine Tasse Kaffee, mit der Morgenzeitung in der Hand, die schon eingetroffen war. Denn der Zeitungsjunge kommt immer sehr pünktlich.

Gina schlief noch fest, als ich sie weckte. Die drei Schlaftabletten hatten schließlich doch ihre betäubende Wirkung getan.

Heute war ich früh im Büro, aber Carmelita war noch vor mir da. Ich warf die Papiere in der Mappe, die ich mit zu Gina genommen hatte, auf meinen

Schreibtisch.

Toni kam mit einem Kaffee herein. Auf dem Tablett stand auch eine Tasse für Gina, sie war leider noch eingetroffen, und eine Tasse für mich. „Keine Anrufe?“, fragte ich. Ich trank meinen Kaffee.

„Toni, wie sieht es mit der Vernissage aus?“, fragte ich.

„Wir haben sämtliche Angebote der Räumlichkeiten eingeholt.“ sagte er. „Und?“, fragte ich nach.

„Wir warten!“, antwortete er selbstverständlich. „Worauf?“, fragte ich. „Auf den günstigsten Mietpreis.“ sagte Toni verlegen.

„Mietpreise interessieren mich nicht“, fauchte ich. Wir wollen eine Vernissage veranstalten! Warum warten wir auf Angebote? „Ich bin Werbetexter.“ sagte Toni schließlich. „Mich interessieren keine Immobilien.“ Ich lächelte. „Jetzt beginnen wir, uns zu verstehen“, sagte ich und schockierte Toni.

Toni war auch erstaunt.

„Wir haben nicht mehr viel Zeit.“ sagte ich. „Ich weiß.“, antwortete Toni verständnisvoll.

Toni überlegte einen Augenblick, indem er sich eine Zigarette anzündete. Dabei bot er mir auch eine an.

„Wenn ich sofort telefoniere, kann ich noch einen Immobilienmakler erreichen“, sagte Toni.

„Dann tu es, Toni!“, sagte ich. „Du hast freie Bahn.“ Toni stand erleichtert auf.

„Pat, wir bekommen einen großen Raum für die Vernissage“, sagte Toni. Willst du noch wissen, was die Miete kostet?“

„Toni! Wenn ich es wollte, hätte ich dich doch danach gefragt“, sagte ich. „Gib mir nur den Kostenvoranschlag rein.“ „Ich werde dir den genehmigen.“

Toni wandte sich zur Tür. Dann blieb er einen Augenblick unbewegt stehen, als wenn er noch etwas sagen wollte. Dann lächelte er. Die Tür schloss sich hinter ihm.

Ich hatte das Gefühl, dass Toni das in den

Griff bekommt. Sonst ist Gina auf „hundertachtzig“, wenn es nicht klappt. Die Termine und Verträge mit den Künstlern waren schon schriftlich festgelegt.

Unmittelbar darauf meldete sich das Telefon.

„Die Chefin ist am Apparat“, sagte Carmelita.

Ich drückte den Knopf.

„Gina.“, sagte ich.

„Ich liebe dich“, sagte sie.

„Du bist verrückt.“ Ich lachte.

„Nein, im Ernst, ich liebe dich.“ „Du bist da, immer da.“ sagte sie.

„Wie fühlst du dich?“, fragte ich Gina.

„Prima!“, antwortete sie. „Mir geht’s glänzend.“ „Was treibst du?“, fragte ich. „Eben jetzt frühstücke ich in deinem Bett,

Brötchen mit Himbeermarmelade. Hoffentlich stören dich die dicken, piecksigen Krümel nicht. Und ich habe mir den Fernsehapparat angestellt.

Was siehst du dir denn an? „Einen Musiksender!“, antwortete Gina. „Ja“, sagte ich. Gina lachte und summte dabei eine rockige Melodie.

„Mir gefällt der Morgen“, sagte Gina. „Vielleicht komme ich heute gar nicht mehr ins Büro.“

„Ist mir recht“, sagte ich mit dem Blick auf die Wanduhr.

Zwölf Uhr und dreißig Minuten.

„Wann kommst du nach Hause, mein Süßer?“, fragte Gina erwartungsvoll.

„Warum fragst du?“, fragte ich neugierig.

„Ich habe einen Tisch für uns bestellt“, sagte sie. „Kaviar, Chateaubriand, Pommes soufflées, Dom Perignon, Kerzenbeleuchtung, kurzum den ganzen Zauber.“

Gina kicherte. „Ich kaufe mir gleich ein fantastisches Negligee, damit ich für heute Abend deine atemberaubende Prinzessin bin.“

Die einfallsreiche Frau des Jahrhunderts, dachte ich. Aber ich dachte auch wieder, was das kostet.

„Ich glaube, ich habe deinen Geschmack getroffen für heute Abend“, sagte Gina.

Bei diesem Preis hätte ich lieber auf das Negligee verzichtet, weil sie es sowieso nicht lange am Leib trägt.

„Gut, Gina, hab noch einen schönen Tag.“ „Jetzt leg aber auf, ich muss wieder weiterarbeiten.“ sagte ich.

„Ich freue mich schon, wenn du kommst“, sagte sie. Die Verbindung brach ab.

Ich legte den Hörer auf.

Schade, dass man das nicht ewig so weitermachen kann. Ein Leben mit Partys – mit den wunderbarsten und lustigen Frauen der Welt Liebe machen, Spaß am Leben haben und es genießen. Und das hundert Prozent. Aber meine Zeit hatte das Eigene getan. Die Zeit und drei schlechte Ehen, Alkohol, Rauschgift, aber nur ein Selbstmordversuch: Frauen, die einen benutzt haben, um schwanger zu werden, damit sie ein kreatives Baby bekommen.

Als hätte jemand an einem bestimmten Punkt den Strom abgeschaltet. Gina, du hast zu viel Talent, Baby. Jetzt kriegst du auch etwas Pech zu spüren, dachte ich mir.

Das Schicksal ist mit dir, aber nicht jetzt.

Es gab jetzt andere schöne Frauen. Gelegentlich werde ich allein Konzerte und Nachtlokale besuchen.

Aber Gina war da und blieb bei mir, denn sie war ja immer noch meine Chefin.

Ich starrte aus dem Fenster.

Zuverlässig war Gina jedenfalls, wenn sie etwas wollte.

Das Abendessen, das Gina für uns geplant hatte, bekam ich später, als ich fast verhungert war, zu

sehen.

Stattdessen saß sie, als ich gekommen war, im Bett und wollte Sex.

Und was wollte ich?

Ach, wer wusste das schon in diesem Augenblick?

Denn sie sah ja auch zum Anbeißen aus.

Wenige Tage später fuhr Gina in ihrem Cabriolet in die City. Toni saß neben ihr. Es war ein sonniger Tag, der Himmel war klar und die mexikanische Landschaft wirkte zum Greifen nah.

Aber weder Gina noch Toni hatten einen bewunderten Blick dafür.

Gina chauffierte konzentriert und ruhig und war dankbar, dass Toni sie nicht mit Fragen oder Ratschlägen belästigte.

Es war ihr nicht nach Reden zu Mute.

Aber bevor Gina ihrem Geschäftssinn nachging, besuchte sie die berühmte Basilika der „Jungfrau von Guadalupe“, den wichtigsten Wallfahrtsort in Lateinamerika. Anschließend wollte Gina noch zu den

monumentalen Pyramiden von Teotihuacan. Bevor wir dann zum Immobilienmakler fuhren, haben Gina und Toni noch einen Abstecher zu den „schwimmenden“

„Gärten“ gemacht. Toni hatte viel zu tun, bei seinen geschmackvollen Fruchtcocktails, die er sich holte, und dass er Ginas gelangweilten Fußmarsch mitkam. Aber Toni war für Gina kein letztes Rad am Wagen, denn sie hatte viel über Toni zu lachen. Und das brachte sie auf andere Gedanken. Dann verließen Sie die staubige Landstraße und fuhren in die Stadt hinein.

Da das Maklerbüro an einem großen Marktplatz lag, also innerhalb der Fußgängerzone, suchte Gina zuerst einen freien Parkplatz. Sie machten sich auf den Weg, zum Maklerbüro. Es war noch Zeit, so ließen sie sich Zeit. Sie schlenderten erst noch über den Marktplatz, mit den verschiedensten Angeboten von Stoffen, Früchten und anderen schönen Dingen. Toni war schon wieder ganz heiß auf einen Fruchtcocktail, aber er musste dringend aufs Klo und er musste einhalten, sonst wäre er noch mit seiner überstrapazierten Blase implodiert.

Gina atmete tief durch, bevor sie den Eingang zum Büro betraten.

Toni hatte eine undurchdringliche, leicht provokante Miene aufgesetzt. Und er suchte dringend ein Klo.

Am Empfang arbeitete ein junges, hübsches Mädchen mit langen schwarzen Haaren. Sie brachte das Kunststück fertig, gleichzeitig an einem Computer zu arbeiten und den Eingang zu behalten.

„Gina Antonelli“, sagte Gina, „wir werden von Senior Zanches erwartet.“

„Ja, das stimmt.“ sagte freundlich das Mädchen.

Das Mädchen, das Toni für einen bekannten Designer hielt, warf ihm einen schmeichelhaften Blick voller Hochachtung zu. „Letzte Tür, Seniora Antonelli“, sagte das Mädchen.

Gina ließ es dabei bewenden und beide wandten sich in die angegebene Richtung.

Gina hatte sich vorher noch auf der Toilette für den Termin besonders sorgfältig zurechtgemacht und sehr dezent geschminkt.

Toni war zufrieden, als er endlich eine Toilette sah und sie dann auch benutzte. Er war erleichtert und ist mindestens hundert Liter leichter gewesen, nachdem er auf dem Pinkelbecken gewesen war, und danach machte er sich noch etwas am kleinen Waschbecken frisch und kämmte sich mit einem das zerzauste Haar. Gina trug ein rotes Jackenkleid vom namenhaften Designer mit einer schwarzen Seidenbluse, die das Dunkle in ihren Augen besonders betonte. Toni trug einen grauen

Anzug vom bekannten Designer, den er bevorzugt, mit einem schwarzen Hemd und einer blauen Seidenkrawatte. Damit wirkte Toni wie aus einem Ei gepellt. Ach so, Gina trug noch hochhackige Schuhe.

Das charmante Mädchen am Empfing hatte ihr Kommen angekündigt, denn die Tür zum Zimmer des Zanches wurde von innen geöffnet, noch bevor sie diese erreichten.

Ein schlanker, dunkelhaariger Mann mit fast schwarzen Augen, die ihm die mexikanische Männlichkeit geben, lächelte ihnen strahlend.

„Bienvenido, Seniora Antonelli!“, sagte er.

Er gab die Öffnung der Tür frei, in der er Gina die ganze anmachende Aufmerksamkeit schenkte.

„Bitte, treten Sie herein!“ Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten?, fragte er.

Tonis Blase machte sich unangenehm bemerkbar. Er spürte sie etwas, wenn er das Wort „trinken“ hörte. Gina und Toni verneinten aber schon ein bewirtetes Angebot. „Aber, wollen sie rauchen?“, fragte Zanches. Gina und Toni langten zu und Zanches gab ihnen mit einem Feuerzeug, aus purem Gold Feuer. Es war beiden etwas peinlich, weil beide zugleich zu den Zigaretten gegriffen hatten.

Zanches reichte Gina einen dünnen Katalog über das Angebot von Galerieräumen zu.

Gina hielt Zanches ihre Hand hin, um den Katalog entgegenzunehmen. Er berührte sie kurz in diesem Moment, als könnte er sich an ihr schrecklich verbrennen. Zanches ließ sich wortlos in seinen großen Ledersessel fallen. Er war der gewisse südländisch wirkende, junge und gut aussehende Mann, der die außergewöhnliche Situation beherrschte.

Gina und Toni setzen sich in einen Sessel, der dicht am Schreibtisch gestanden hat. Und wer sind sie? „Doch wohl auch ein Galerist?“, fragte Zanches. „Ich muss Sie enttäuschen“, sagte Toni mit einem coolen Grinsen und zog sich achtsam die Manschetten aus den Ärmeln. Ich? Ich bin der Operator. „Ich erledige das Organisatorische,“ sagte er.

„Ja, also dann…“, sagte Zanches und wandte sich Gina zu: „… wollen sie einen Neubau oder einen Altbau, dass sie…“ Zanches geriet ins Stocken und fuhr sich mit dem Zeigefinger unter den Hemdkragen, der ihn beengte. Ginas Augen blickten ihn herausfordernd an. „Gut.“ Nah, schön. Es sind ausgezeichnete große Ausstellungsräume, zugegeben. „Selbstverständlich werden wir die Renovierungen übernehmen“, sagte er. Gina schlug die schlanken Beine übereinander. Sie wusste, dass mit weiblichem Charme vielleicht etwas mit der Miete zu erreichen gewesen wäre. Toni blieb ruhig.

Es dauerte eine gute Stunde, bis Zanches sich mit Gina und Toni geeinigt hatten, über den Preis der Miete und den angemessenen Ausstellungsraum in der City.

 

 

Kapitel 6

Drei Wochen waren seither vergangen, als ich solo in ein nobles Nachtcafé ging. Drinnen ging es wie im Irrenhaus zu, wie man sich es unter knallharten Geldsäcken und ihren heißen und lockeren Mädchen vorstellen konnte.

Es knisterte vor Spannung.

Ich drückte mich an einigen Leuten vorbei, die Tische und Stühle zu Recht geschoben, und begab mich an die Bar.

Es wimmelte vor angetrunkenen Männern, die das Geld locker in den Hosentaschen hatten, und leicht kreischenden, flachbrüstigen Mädchen wie vollbusigen Frauen, welche die Ruhe weg hatten.

Der Diskjockey schrie durch das an seiner nackten, aber mit behaarter Brust hängende Mikrofon den stimmungsvollen Leuten den nächsten Superhit, frisch aus Amerika, auf der Tanzfläche zu.

Ich schaute auf die Tanzfläche hinunter, es war brechend voll.

Kim starrte mich an. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie solche Lokalitäten bevorzugt, denn wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen. Ich drehte mich halb um, dann wandte sie sich ihrem Tanzpartner wieder zu und küsste ihn, eng umschlungen, auf seinem sabbernden Mund.

Ich drängte mich durch die Menge. Schob die Leute zur Seite, dann schubste mich einer von den aufgebrachten Männern und ich flog direkt auf die volle Tanzfläche. Plötzlich stand Kim vor, starrte mich wieder an, eine halbvolle Flasche Whisky in der einen Hand, ein volles Glas in der anderen.

„Hinaus!“, schrie sie. Ich kann nicht mehr. Verstehst du nicht? 

Ich schlug Kim das fast leere Glas, das sie an die roten Lippen führte, aus der rechten Hand und die Flasche, die sie hinter ihrem Rücken verstecken wollte, aus der linken.

Wütend und aufgebracht erhob Kim die Hand wie eine ausgestreckte Klaue gegen mich, ich fasste sie und zog sie an mich.

„Lass mich los, du gemeineres Schwein!“, schrie sie, während sie sich wand und mit dem Fuß nach mir stieß.

Ich will trinken! „Ich will mich besaufen!“, schrie sie.

Ich hielt Kim fest.

„Keinen Whisky, so war es zwischen uns ausgemacht und du machst jetzt weiter.“, sagte ich.

„Das tue ich nicht, du Arschficker!“, schrie sie.

Kim spuckte mir ins Gesicht.

Ich langte ihr eine mit offener Hand quer übers Gesicht.

Kim wandte sich um und die Menge auf der Tanzfläche sah auf mich. Sie rannte von der Tanzfläche und ich lief ihr hinterher. Dann schnappte ich Kim am Arm und zog sie an mich heran. Sie starrte mich an, nackte Angst in den Augen. Aber ich drehte mich um und schleppte sie mit zum Ausgang, was auch der Eingang gewesen war. Dort teilte die Menge sich schweigend, um uns durchzulassen.

Kim sah mich an, ihre Stimme bebte: „Ich kann nicht, ich kann nicht und lass mich los!“

Ich beobachtete Sie genau. Es war nicht zu glauben, was ich an ihr sah und hörte. Kim war das nicht, wie ich sie kannte. Aber in Kim war ein Zauber – von Schönheit und auch etwas Freude.

Dann spürte ich, wie sie zitterte.

Kim sah zu mir auf. Sie küsste mich rasch auf die Wange und lief fort.

Ich schaute ihr nach.

Ich sagte ihr nicht, dass es mir Leid tat, dass ich ihr eine gescheuert habe.

Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause, um mich noch etwas schlafen zu legen.

Ich warf einen Blick auf meine Uhr. Es war Viertel vor fünf und ich hatte noch drei Stunden zum Schlafen. Plötzlich wurde ich müde. Ich hätte eine Woche lang schlafen können. Aber dazu war keine Zeit. Ich wollte morgen früh beim Eintreffen im Büro mit Gina die Vernissage durchgehen. Es war zehn Uhr geworden, als Gina mit ihrem Geschäftsführer, also mit mir, wieder auf Geschäftsreise mit dem Flieger nach Cancun/Playa del Carmen und Flores für heute vorbereitete.

Gina war sehr in Eile und verbreitete am frühen Morgen eine spektakuläre Hektik aus. Der Abflug sollte um 15.25 Uhr sein. Und die Hotelbuchung für circa acht Tage sollte man schon festlegen. Natürlich hatte Gina nur ein Zimmer gebucht, für uns zwei.

Ein arroganter und schwieriger Künstler hatte es sich nicht nehmen lassen, uns in seine luxuriöse Villa einzuladen, wo wir ihn und seine Kunst kennen lernten.

Er, Baroni, wirkte ansonsten seriös und kompetent.

Gina befand, dass es sich mit Baroni arbeiten lassen würde. Obwohl wir stundenlang geredet und über seine Bilder gesessen hatten, waren noch nicht alle

Fragen für eine Vernissage geklärt.

Das musste noch organisatorisch geklärt werden.

Nach dem Frühstück am zweiten Tag besuchten wir im Urwald versteckte, weltberühmte Mayatempel und Ruinen von Tikal.

Über einen Zeitraum von 1100 Jahren haben die Maya hier ihre größte Stadt mitten hinein in den Urwald gebaut und sie schließlich aus bis heute nicht erklärten Gründen wieder dem Urwald überlassen.

Von den Pyramiden hatten wir einen atemberaubenden Blick über das Dach der bis zu fünfundvierzig Meter hohen Baumriesen. Am Abend übernachteten wir im Hotel.

Am nächsten Tag nach dem Frühstück sind wir in die Richtung Honduras aufgebrochen. Auf der Fahrt besichtigten wir die Ruinen von Quirigua, die wegen ihrer Steilen und Monolithen aus Sandstein berühmt geworden sind. Dort haben wir erfahren, dass diese Stelen und Monolithen bis zu fünfundsechzig Tonnen wiegen und ohne Metallwerkzeuge bearbeitet wurden.

Auf der Fahrt nach Copan in Honduras mussten wir den Grenzabschnitt übertreten.

Die nächsten drei Tage verbrachten wir am Ort und in der Umgebung. Gina brachte mich durch die Citys und die Märkte, die sehr gut von Heimischen waren, wo die Quiché-Indios ihre Ware verkaufen.

Ich überredete Gina, dass wir noch einige Stunden am See verbrachten. Wobei wir dann am Abend auch im Hotel am See übernachteten.

Der Atitlan-See ist von zwölf Dörfern umgeben, die alle biblische Namen tragen und die ich mir auch alle nicht merken konnte.

Auf einer Bootsfahrt lernten wir den Hauptort Santiago de Atitlan kennen. Dort bekamen wir interessante Einblicke in den Alltag und die Religion der hiesigen Bevölkerung.

Bevor wir nach Hause fuhren, haben wir den Künstler Baroni besucht, um die offenen organisatorischen Fragen noch zu klären. Er war sehr gastfreundlich und hatte uns einen Whisky angeboten, wo ich natürlich nicht „Nein“ sagen konnte. Denn wie sagte man schon: „Einen geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul.“ Gina nahm ein Glas Mineralwasser, denn sie musste später ja noch fahren. Unser Flieger ging am letzten Tag um 14.45 Uhr. „Auf alle Fälle“, meinte ich, während wir auf der staubigen Landstraße im Cabriolet dahin fuhren, „kannst du dir gratulieren, Gina.“ Ich hatte bei Baroni einige Whisky getrunken und sprach bei der Hitze mit schwerer Zunge. Nah, gut. Schwer war die Zunge nicht, dass sie mir bis zum Boden hing. Sie war etwas lockerer als sonst. „Dir – Uns!“, verbesserte Gina. „Nein, ehrlich, es ist dein Verdienst.“ Obwohl ich fand, dass du zu Baroni gegenüber etwas charmanter hättest sein können. „Wozu verfügst du über deinen weiblichen Charme?“, sagte ich mit einem lockeren Grinsen. Gina fing an laut loszulachen. „Bei Baroni ist mein Charme verschwendet.“ sagte Gina. Der noble und reiche Mann ist schwul und steht auf knackige und nackige Männer.

Dabei sah sie mich von Kopf bis Fuß an und gab mir schnell einen Kuss auf die Wange. Dann hielt sie den Blick fest auf die steinige und holprige Straße gerichtet.

„Aber ich habe ihm ganz bewusst schön getan“, erklärte Gina.

„Und warum?“, fragte ich schläfrig.

„Baroni, er war doch nett.“ „Oder?“, antwortete Gina Grinsend.

„Na schön“, sagte ich friedfertig, „wenn du meinst.“

Gina fühlte sich noch vollkommen munter, ja, sogar aufgedreht. Sie sah mich bedauernd an. Atmete tief ein und aus.

„Am besten fahre ich dich zu dir nach Hause,“ sagte sie. „Nicht nötig“, erwiderte ich. Gina kniff mich leicht ins Knie. Ich schreckte hoch und verstand sie nicht, warum sie mich gekniffen hatte.

Gina machte es nichts aus, dass ich etwas trank. Aber musste das während der Arbeitszeit sein?

Denn die Gespräche mit Baroni waren Arbeit gewesen.

Hätte er nicht damit bis zum Feierabend warten können, dachte sich Gina.

„Männer“, dachte Gina weiter verächtlich und nervend, „Männer!“

Gina hatte mich natürlich doch nach Hause gebracht, da ich durch das gleichmäßige Geschaukel im Wagen und das dämpfende Geräusch des Motors sanft bin.

Sie freute sich schon auf ein Date mit Kim. Sie hatten sich verabredet.

Das große Haus war von außen beleuchtet, was nichts besagte, da Gina selber ja noch auf einer Party erwartet wurde. Aber sie blieb nur eine halbe Stunde, um „Hallo!“ zu sagen, denn sie war auch schon müde geworden und die Anstrengungen vom Tag merkte sie auch schon im ganzen Körper.

Im Frühstückszimmer war es dunkel und der

Fernseher lief nicht. Aber als Gina an die geschlossene Terrassentür trat, sah sie den hellen Schein aus dem Zimmer, wo Kim laut Musik hörte, sich auf dem Wasser des Swimmingpools spiegeln.

Fast war Gina in Versuchung, sofort zu ihr hinaufzustürmen, sagte sich aber, dass es vernünftiger wäre, sich zuerst abzuschminken, zu duschen und sich etwas Bequemes anzuziehen.

Das tat Gina auch, knipste die helle Außenbeleuchtung aus, nahm ein Glas Sekt mit und ging langsam nach oben. Erst leise, dann kräftiger klopfte Gina an die Tür, wo Kim durch das Zimmer tanzte. Ihr Tanzpartner war ein Sektglas, woran sie ab und zu nippte und laut der Musik nachzusingen versuchte, wie sie lauschend erkannte.

„ Wenn Kim nun nicht allein ist?“, schoss es

Gina plötzlich durch den Kopf.

Es war zwar noch nie vorgekommen, dass Kim ohne vorher Bescheid zu sagen einen netten und charmanten Mann, der nicht schwul ist, mitgebracht hätte, aber es hätte doch sein können.

Es schien Gina geradezu unnatürlich, dass Kim so zurückgezogen lebte. Aber auf die Idee zu kommen, über sich selber nachzudenken, kam sie nicht. Dann dachte sie sich, dass Kim ihr sicherlich irgendwo eine Nachricht hingelegt hätte, wenn sie nicht gestört werden wollte. Gina drückte die Klinke nieder und trat ohne ein Wort ein. Kim blickte erstaunt hoch. „Ach, du bist es?“, sagte Kim angetrunken und gleichgültig. Kim saß in ihrem Bett, eine Zigarette in der Hand, ein Glas Whisky und eine Schale mit zerkleinerten Eissplittern neben sich.

Jetzt lachte Kim über sich selber. Und das war auch gut so.

Dumme Frage, nicht wahr? Aber ich hatte dich nicht so früh erwartet. Gut, dass du da bist, Kim.", sagte Gina

Kim war wie immer splitternackt. Sie fühlte sich so wohler, wenn sie aus den spießigen Klamotten raus war, meinte sie.

„Was machst du?“, fragte Gina neugierig.

„Ich höre Musik“, antwortete Kim, „nein, um die Wahrheit zu sagen, ich denke nach.“

„Willst du einen Schluck Whisky oder ein Glas Sekt?“ „Ich habe alle da.“, sagte Kim.

„Heute nicht, außerdem habe ich mir schon ein Glas genommen.“, erwiderte Gina kurz.

Kim schenkte sich vom Whisky ein und ein paar Eissplitter dazu, die sie sich vorher mit dem Eispickel mühevoll zerkleinerte.

Gina zog sich einen gepolsterten Hocker zu Kim hin, setzte sich und nahm das Glas von Kim entgegen.

Gina nahm einen Schluck, aber der Whisky, der sich noch nicht mit dem Eiswasser vermischt hatte, war ihr zu stark. Sie stellte Kims Glas wieder aus der Hand, wonach Kim gleich gegriffen hatte und selbst einen Schluck davon nahm.

„Zigarette?“, fragte Kim. „Danke, Kim.“ „Später.“, erwiderte ich.

„Ich habe ein neues und interessantes Buch gekauft“, sagte Kim.

„Ach was?“, sagte Gina erstaunt und ein wenig, ein kleines Bisschen spöttisch. Sie wusste gar nicht, dass Kim sich für Bücher interessierte.

„Spar dir deinen Spott und hör mir jetzt zu!“ Von einer kompetenten und aktiven Sexualberaterin. Es hat den verratenden Titel: „Wie Frauen ihren Mann mit einer anderen teilen“ oder so ähnlich.

„Wenn dich das interessiert, solltest du es mal lesen.“, sagte Kim.

„Ich will es nicht lesen“, sagte Gina genervt, „Jetzt kann es mir ja nichts mehr nutzen.“

„Aber es ist doch sonderbar“, stellte Kim fest. „Ich bin nie auf die verrückte Idee gekommen, mir Pat mit dir zu teilen!“

Gina war verblüfft.

„Das sähe dir auch gar nicht ähnlich“, sagte Kim. „Aber es ist nun mal passiert.“

Gina griff doch zu einer Zigarette.

„Aber ich habe den immer alles erzählt“, sagte Kim.

„Sicher hast du das“, sagte Gina. „Du brauchtest jemanden, bei dem du dich ausweinen konntest.“

Diese Bemerkung fand Kim so töricht, dass sie nichts sagte. Sie ließ schweigend die Eissplitter in ihrem Glas kreisen.

„Ich war in einer schlechten Phase“, sagte Kim weiter. Ich hätte Rücksicht auf Dich nehmen sollen. Alles in allem ist Pat doch kein schlechter Kerl. Oder?"

„ Wie dem auch sei“, sagte Gina. Und drückte die kaum gerauchte Zigarette aus. „Kim, es hat keinen Sinn, sich jetzt noch Gedanken darüber zu machen.“ Pat ist bestimmt nicht so unglücklich, wie du glaubst.

„Doch, das ist er, Gina.“ „Ich habe ihn in einem Nachtcafé gesehen und hatte durchaus den Eindruck.“, beichtete Kim.

„Wenn es wirklich so wäre, Kim, wer hindert Pat daran, zu dir zu kommen?“ „Er weiß doch, wo du zu finden bist.“, sagte Gina.

„Sein Stolz, Gina.“ Ja, sein Stolz! „Es ist für einen Mann nicht leicht, einen Fehler zuzugeben“, meinte Kim.

„Warum rufst du ihn dann nicht an, Kim?“ „Er muss zu Hause sein“, machte Gina den Vorschlag. „Dann wirst du sehen, wie die Dinge wirklich stehen.“

„Aber, das kann ich nicht, Gina“, jammerte Kim, „das würde ja aussehen, als liefe ich ihm nach.“

Gina war sicher, dass Kim sich nur etwas vormachte.

Kim zündete sich eine neue Zigarette an.

„Na, wie wärs?“, drängte Gina.

„Ich weiß nicht“, jammerte Kim immer noch vor sich hin.

„Doch Kim, du Luder, du weißt es sehr genau, dass du das in Wirklichkeit willst.“ „Gib es doch endlich zu!“, drängte Gina weiter. „Aber ich spüre…“, sagt Kim, und theatralisch drückte Kim die linke Hand auf ihren nackten Busen.

„Ich spüre es hier drinnen, dass er alles bereut, mit uns dreien“, sagte Gina und lachte. „Gina!“, schrie Kim. „Hör endlich auf, dir über ihn Gedanken zu machen!“ Das bringt doch nichts. „Überlege lieber, was du mit deinem aufbauenden Leben anfangen kannst!“, gab Gina ihr den Rat.

„Ja, was denn?“, fragte Kim, mit einem sarkastischen Unterton.

„Ich denke, ich habe dir schon genügend Ratschläge gegeben.“, sagte Gina. Aber auf mich hörst du ja nicht. Vielleicht mit Recht.

„Die Idee, was du selber willst, muss aus dir selber kommen.“

Was kann eine Frau allein schon anfangen? „Frage Kim Gina im Selbstmitleid.“

„Vielleicht“, sagte Gina unbedacht, „solltest du mal verreisen, wie Europa.“

Gina bereute es sofort.

Kim fuhr empört auf.

„Soll das heißen, dass du mich loswerden willst?“, schrie Kim.

Nein, natürlich nicht! „Kim, ich bitte dich…“, beruhigte Gina.

„Ich gehe dir also auch schon auf die Nerven“, jammerte Kim.

„ Nein, nein, Kim, nein, so war es nicht gemeint.“ „Eine andere Umgebung könnte dir vielleicht gut tun“, sagte Gina zu Kim und nahm ihre Hand. Und stell dir doch mal vor, du wohnst in einem Hotel. „Und du bist morgens auf dem Tennisplatz mit einem gut aussehenden Tennislehrer, mittags am Pool, abends in der Bar und lernst nette Leute kennen.“

Gina seufzte tief. Sie hatte Kim sehr lieb.

Aber Gina wünschte sich von ganzen Herzen, dass Kim endlich aufhören würde, in ihrem Selbstmitleid herumzuwühlen.

Wenn es nicht die verkorkste Kindheit war, mit der sie sich beschäftigte, dann waren es ihre bösen Männer. Zu Hause nahm ich eine Tablette gegen die Kopfschmerzen, um dann ins Bett zu gehen und zu schlafen. Aber es war vergeblich, ich konnte meinen schmerzenden Kopf nicht abschalten. Es gab noch so viel zu tun. Mit einer Vernissage, einem Abend, auch wenn es ein Riesenerfolg wurde, hatte man es noch nicht geschafft. Irgendwo im Unterbewusstsein spürte ich, dass es Schwierigkeiten geben würde.

Ich hätte nicht sagen können, welche, aber alles ging einfach zu glatt.

Vielleicht war es das.

Dann öffnete ich am Schreibtisch, da ich den Gedanken an Schlaf aufgegeben hatte, meine Aktenmappe und legte die Unterlagen vor mich auf den Tisch.

Ich holte mir ein Glas Mineralwasser aus der Küche, es war kalt. Dann zündete ich mir eine Zigarette an und sog den Rauch ein. Wenn ich nur dieses unruhige Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war, loswerden könnte!

Ich starrte auf die Unterlagen.

Dem Anschein nach war alles in Ordnung.

Die Vernissage nahm Gestalt an.

Die Kunstliebhaber dürften von nun an bittere Tränen weinen, weil es keine Vernissage mehr geben würde, wie diese. Wen kümmert es, wie oft eine Ausstellung in Mexiko-City veranstaltet wurde. Die Kunstliebhaber würden sich mit dieser Vernissage zufrieden geben.

Das Telefon klingelte.

Es war Alberto. Seine Stimme zitterte vor Wut.

„Ich dachte, ich hätte einen Vertrag bei euch“, fauchte er.

„Hast du auch, Alberto“, sagte ich.

„ Sabrina, sie meint, dass das Ganze schon so lange dauert, die haben dich bestimmt schon vergessen für die Vernissage“, erzählte Alberto ganz aufgelöst.

Ich musste los lachen.

„Alberto, beruhige dich wieder“, sagte ich, „du kommst Morgen ins Büro und wir reden über alles.“

Während ich den Hörer auflegte, nahm ich einen Zug von der Zigarette.

Ich ging ins Badezimmer, duschte heiß und zog mir den weißen Morgenmantel über. Als ich herauskam, saß ich bei einem Glas Tee im Sessel und schaute noch Fernsehen.

Ich nahm einen Schluck Tee und nahm mir noch eine Tablette, bevor ich dann endgültig zu Bett gegangen bin.

Ich schlief bis spät in den Morgen und kam absichtlich erst kurz vor elf ins Büro.

Da war schon die Hölle los.

Ja. Denn die Chefin ist da gewesen. Gina in gewaltiger Aktion.

Carmelita hatte mehr Humor, als ich dachte.

Ich ging ins Büro, legte die Mappe ab und sah aus dem Fenster. Ich öffnete es, um etwas frische Luft hineinzulassen.

Carmelita brachte mir eine Tasse Kaffee.

„Ist der Alberto mit seiner Sabrina schon da?“, fragte ich nach.

„Nein, Pat.“ „Kommen sicherlich noch.“, antwortete Carmelita und ging raus.

Ich atmete erleichtert auf. Die Sache war zwar noch nicht beigelegt, stand aber schon bedeutend besser. Aber jetzt war ich froh.

Wieder summte das Telefon.

„Die Chefin wünscht dir zu sprechen“, sagte Carmelita trocken.

„Sag bitte Gina, ich sei bei einer Besprechung und bin heute nicht mehr im Büro“, sagte ich.

Ich langte über den Schreibtisch und nahm einen Kaffee. Er schmeckte schal und fade.

Dann suchte ich die Unterlagen schnell zusammen und verließ das Büro. Auf meinem Weg zur Ausgangstür blieb ich bei Carmelita stehen.

„Adios, Carmelita!“, sagte ich leise. Sie blickte zu mir hoch und grinste.

„Immer hübsch in Deckung bleiben“, sagte ich. „Und die Chefin nie aus den Augen lassen!“

Den ganzen Nachmittag lang trank ich Kaffee. Das hielt mich in Gang und lenkte meine chaotischen Gedanken ab.

Gedanken über mich, über Gina, über Kim, über alles außer der Vollidioten, die es überall auf der Welt gibt.

Zu Hause machte ich mir einen Drink. Er war sehr gut.

Ich lachte innerlich über den Tag, über Ginas Getue und so.

Ich schüttelte den Kopf.

Nein, danke, dachte ich. Ich machte mir noch einen Drink und holte mir ein paar Eiswürfel aus dem Kühlschrank, in der Küche.

Ich nippte genießerisch an meinem Glas.

Dann setzte ich mich in den Sessel.

Plötzlich war die Wirkung des Alkohols da. Ich stellte den Fernseher an und bei dem gelangweilten Programm, schlief ich dann auch langsam ein.

Der Sommer in Mexiko gehört zum Schönsten, was ich kenne. Dann und wann blieb ich bei einer Verkehrsampel stehen? Die Sonne setzte sich auf meine weiße Schirmmütze, so dass sie aussah wie das Licht des Himmels, die Energie des Lebens. Das Erste, was ich heute Abend sah, als ich die Tür zu meinem Apartment aufschloss, waren die brennenden Kerzen auf dem Tisch.

Ich blieb stehen und war erschrocken. Ich hatte das seltsame Gefühl, in ein falsches Appartement geraten zu sein, oder jemand ist bei mir eingebrochen.

Doch dann sah ich die Riesendose Kaviar und den Champagner im Eiskübel. Es war alles da. Ein Einbrecher ist es schon einmal nicht gewesen, der in mein Leben eingedrungen ist.

„Gina!“, rief ich. Kim kam aus überraschend dem Schlafzimmer, in der Hand eine schmale Vase mit einer einzelnen roten Rose. Kim blickte mich an, aber dann stellte sie die Vase mitten auf den Tisch. „Die hat noch gefehlt“, flüsterte sie mir zu. Ich stand noch immer verblüfft an der Tür. „Kim, was gibts denn zu feiern?“, fragte ich sie. „Uns“, sagte sie lächelnd. Mir blieb die Spucke im Hals stecken und ich sagte nichts dazu. Ich ging weiter und legte meine Mappe auf den Schreibtisch. Plötzlich stand sie neben mir. „Was ist los?“, fragte sie. „Deine Stimme klingt so merkwürdig.“ „Ich brauche was zu trinken.“, erwiderte ich.

Kim füllte ein Glas Whisky für mich. Er floss mir durch die Kehle wie herrliches, flüssiges Feuer.

Ich hielt Kim das leere Glas hin und sie füllte es noch einmal. Diesmal trank ich in langsamen Schlucken.

Sie schaute mir begehrend zu.

„Wolltest du nicht wissen, wie es mir geht?“, fragte sie.

Ich schüttelte den Kopf.

Kim füllte ihr Glas und hob es mir entgegen.

Du nicht. „Du weißt immer genau, wo du stehst.“, sagte Kim etwas verärgert, weil ich mir keine Gedanken um sie gemacht hatte. Kim goss den Drink hinunter und schenkte sich noch einen ein.

„Vielleicht war die Überraschung doch keine gar so gute Idee von mir“, stellte Kim auf einmal fest.

„Es war eine glänzende Idee!“, sagte ich.

„Ich wollte dich, Pat, heute überraschen“, sagte Kim.

„Kim, ich bin überrascht.“, sagte ich.

Plötzlich verschleierte ein Tränenvorhang ihre Augen. „Ich sollte wohl lieber, wieder gehen.“, sagte Kim.

„Geh nicht, Kim.“ „Ich kann das alles nicht allein essen.“ Erwiderte ich.

Plötzlich bleibe sie stehen und fragte: „Nur deshalb willst du, dass ich bleibe?“

Sie schwieg eine Weile und sah mich verträumt, aber prüfend an.

„Pat, ich liebe dich.“ „Gibst du mir keinen Kuss?“, fragte sie enttäuscht.

Ich nahm sie in die Arme. Kims Mund war warm und feucht von den salzigen Tränen.

„Es tut mir leid, Pat“, flüsterte sie. „Es tut mir leid.“

„Da gibt es nichts, was dir leid tun sollte“, erwiderte ich tröstend.

Sie presste sich an mich. Plötzlich schlug sie erregt ihre Arme um mich und gab mir einen raschen Kuss.

„Mach die Sektflasche auf!“, sagte sie. Ich sah ihr lächelnd zu, wie sie die grellen Lampen rings im Raum löschte. Dann kam sie, nur von dem goldenen Licht der Kerzen beleuchtet, langsam auf mich zu.

Ich reichte Kim ein Glas.

„Ist es nicht hübsch?“, fragte sie.

Ich lächelte ihr zu. Was auch wie ein „Ja“ heißen sollte.

Wir stießen mit unseren vollen Gläsern an. Die Kohlensäure des Sektes kitzelte mir die Nase.

Und wir hatten noch viel Spaß am Abend.

Ja, bis zum sonnigen und frischen Morgen, nach dem schmackhaften Frühstück.

Eine Tasse Kaffee, für mich.

 

 

Kapitel 7

Über den Tag im Büro, am Schreibtisch, im Gespräch mit anderen kreativen Künstlern war der Ärger, den ich in der letzten Zeit hatte, rasch vergessen. Selbst wenn sich Gina einmal erinnerte, dann doch nur sehr flüchtig. Ich schien ihr relativ zurzeit unwichtig. Es gab viel zu tun. Dennoch vermied Gina an den nächsten Abenden, gar nicht einmal bewusst, die Verabredungen mit Kim. Kim jedoch vermutete eine berechnete Absicht dahinter und benahm sich bei der nächsten Begegnung weniger egozentrisch. Nichts wünschte Kim weniger, als die innige Freundschaft zu Ginas aufgeben zu müssen.

Gina nahm zwar wahr, dass Kim weniger jammerte, achtete aber nicht sehr darauf.

Ich war alles, was mit Ihrer Arbeit zusammenhing, viel wichtiger. Dass aber Gina selber mit dieser Einstellung der Kim gegenüber nicht ganz fair war, kam ihr nicht in den Sinn.

Heute ging es im Büro ausgesprochen lebhafter zu als gewöhnlich. Eigenartige Frauen und Männer gingen aus und ein, die Gina und ich nicht kannten.

Gina nahm auch an, dass sie sich einen Termin bei Carmelita holten, aber Gina beachtete die Leute nicht weiter.

Eines Vormittags steckte Toni, was bei ihm sonst nicht üblich war, den Kopf in ihr Büro.

„Gina!“, rief Toni.

Sie sah von ihrer Tastatur des Computers hoch.

„Du grinst ja wie einer, der ne Million gewonnen hat“, sagte sie überrascht.

„Wer es glaubt, wird selig.“, erwiderte Toni.

„Na, komm schon!“, sagte Gina. „Es ist doch sonst nicht deine Art, jemanden auf die Folter zu spannen.“

Toni hielt die Tür auf. Gina trat an ihm vorbei in den Kaffeeraum und nahm ihn mit. Draußen auf dem Gang übernahm Toni wieder die Führung.

„Darf ich?“, fragte Toni mit der ihm eigenen, etwas altmodischen Höflichkeit und ging ihr voraus.

Gina fragte sich unwillkürlich, ob Toni sie auch im Kaffeeraum verführen würde, verwarf diesen Gedanken aber sogleich als völlig abwegig. Gina schwieg.

Toni zupfte an den Manschetten und zog sie weiter aus dem Ärmel seines Jacketts.

Ein kurzes, unbehagliches Schweigen entstand.

Jetzt musste Gina, die bisher den Blick an Toni vorbei gerichtet hatte, ihn doch ansehen.

Toni lächelte, wie es Gina schien, reichlich unverschämt.

Gina reckte das Kinn vor.

„Mich würde eines interessieren, Toni, du hast doch sicher schon eine Frau gebumst.“ „Oder?“, fragte sie neugierig.

Eigentlich wollte Toni bei Gina im Büro klopfen und nur mal „Hallo!“ sagen und wieder schnell wieder gehen, bevor sie einen Einfall hatte.

Und nun?

Jetzt hat Toni ein Problem, aber wenn Gina Toni weiter so im Kaffeeraum gierig bearbeitet, hat er sicherlich mehrere Probleme.

„Ja, das stimmt“, antwortete Toni verwirrt.

„Und wo?“ fragte Gina.

„Vor ...Vor ...Vorwiegend ..." stotterte Toni.

„Ein tüchtiger, erfolgreicher Mann.“ Sagte Gina und grinste, machte dabei Toni aber immer unsicher.

Ginas Augen funkelten ihn an.

Aber Toni hielt ihren verführerischen Blick fest.

„Ich weiß, dass du die Chefin bist, ich bitte dich, dass wir wieder in unser Büro gehen sollten“, sagte Toni.

„Wie ungemein großzügig von dir!“, fiel Gina Toni ins Wort.

„Ich habe mir nur gedacht, wir sollten keinen emotionalen Fehler machen, den wir nachher bereuen“, sagte Toni. „Hast du etwas gegen mich?“, fragte Gina, als wäre sie von Toni abgelehnt worden.

„Nichts.“ „Gar nichts.“ sagte Toni mit schnellen Worten. „Gina“, setzte Toni an.

Aber Gina ließ Toni nicht aussprechen.

„Toni“, sagte sie, „wenn wir jetzt fünf Minuten zur Sache kommen würden, dann kannst du wieder in dein Büro gehen.“

„Wirklich, Gina“, fragte Toni.

Toni machte keine Anstalten, Gina näherzukommen, sondern zündete sich bedachtsam eine Zigarette an.

„Das“, sagte er auf einmal ganz cool, „solltest du die noch einmal sehr gut überlegen.“

„Ich weiß, was ich tue!“, erwiderte Gina.

„Tut mir leid, aber das kommt bei mir nicht vor, mit meiner Chefin im Kaffeeraum zu ficken.“ sagte Toni.

Toni ging wieder in sein Büro und ließ Gina stehen. Dann angelte Toni unter die Schreibtischplatte und holte seine Flasche Cognac und ein Glas hervor. Er sah aus dem offenen Fenster und atmete tief ein und wieder aus. In diesem Moment öffnete Gina leise die Tür zu Tonis Büro und schlich sich hinein. Sie setzte sich.

„Ich glaube, ich brauche jetzt auch einen Cognac“, sagte Gina.

Toni zuckte zusammen, denn er hatte Gina nicht bemerkt, als sie hineinkam.

„Aber mit Vergnügen“, sagte Toni und grinste, auch wenn er sehr erstaunt gewesen wäre. Denn dass Gina zu ihm ins Büro kommt, das hätte er nicht gedacht.

Toni drehte sich um und nahm ein zweites Glas aus seinem Schreibtisch, schenkte es voll und schob es ihr über die Tischplatte hin zu.

„Danke, Toni.“, sagte Gina. „Hast du auch eine Zigarette für mich?“ 

„Aber immer.“, sagte Toni. Er war nicht mehr so verkrampft wie im engen Kaffeeraum.

Er reichte ihr sein Zigarettenpäckchen und gab ihr Feuer.

Gina nahm einen Schluck Cognac und zog den Rauch ein.

„Du bist so zwingend logisch, Toni“, erklärte sie mit einem Spott, der selbst in ihren eigenen Ohren nicht echt klang.

„Es gibt weibliche Emotionen und Gefühle, die wir Männer nie verstehen werden“, erklärte Toni.

„Du brauchst deine Ablehnung, mich im Kaffeeraum zu bumsen, nicht zu begründen, Toni“, sagte Gina.

„Warum lächelst du jetzt?“, fragte Toni alarmierend.

„Eigentlich müsste ich niedergeschlagen sein, weil du mich nicht berühren willst, obwohl du mich haben könntest“, sagte Gina traurig und enttäuscht.

„Gina, betrachte die Situation lieber von der komischen Seite.“, sagte Toni und lächelte ihr zu.

„Ja“, sagte Gina und drückte ihre Zigarette aus. „Warum eigentlich nicht?“ 

Gina stand auf.

Toni erhob sich ebenfalls, wobei er sich mit dem Zeigefinger über seine Nase strich.

„Es muss nicht sein, Gina.“, sagte Toni und begleitete sie zur Tür.

„Ich glaube doch, ich will dich schmecken“, sagte Gina. Auch mit Ihren Augen war sie überzeugend.

„Ich muss es durchstehen“, dachte sie, ging über den Flur direkt in ihr Büro.

Irgendwo klingelte das Telefon.

Durch die Dunkelheit kämpfte ich mir den Weg frei, aber es hörte auf zu klingeln, ehe ich hinkam, nachdem ich eine Vase und eine Stehlampe zum Stürzen gebracht hatte. Aber Kim hatte schon den Telefonhörer neben ihrem Nachtstich abgenommen.

Ich hörte eine flüsternde Stimme und öffnete die Augen.

Kim legte den Hörer auf und sah mich verpennt an.

„Schlaf nur weiter!“, sagte sie zärtlich.

„Wer war das?“, fragte ich genervt.

„Deine Gina im Büro.“ „Ich sagte, du schläfst noch.“, sagte Kim.

„Mein Büro?“, fragte ich verwirrt.

Plötzlich war ich hellwach.

„Wie spät ist es, zum Teufel?“, fragte ich.

„Mittags“, meinte Kim entspannt.

„Warum hast du mich nicht geweckt?“, fragte ich nach.

„Du warst müde“, sagte Kim besorgt und lächelte. „Du schläfst wie ein Baby, weißt du.“ »Sanft und so lieb.« Ich sprang aus dem Bett. „Du hast gestern Abend fast eine Flasche Whisky und zwei Flaschen Champagner ganz allein ausgetrunken, wenn ich dich nicht gestoppt hätte“, sagte sie. „Ich erinnere mich nicht.“, erwiderte ich gestresst. „Pat, du bist schon am Tisch eingeschlafen“, sagte sie. Ich musste dich andauernd wachrütteln, um dich ins Bett zu bekommen. „Gibt es Kaffee?“, fragte ich. „Auf dem Esstisch.“ „Ich hole ihn Dir“, antwortete Kim. Als ich aus dem Badezimmer kam, stand Kim mit einer dampfenden Tasse vor mir. Ich nahm sie aus Ihrer Hand und trank sie langsam aus.

„Das hilft, sagte ich, „aber es genügt noch nicht, um mich in Schwung zu bringen."

Kim betrachtete mich, wie ich einen kräftigen Schluck aus der Tasse nahm.

Ich musterte sie schweigend. Du trinkst mehr und fickst weniger. „Typisch für einen Mann, der den Boden unter den Füßen verloren hatte.“, sagte Kim. Ich schwieg.

Kim ging ins Badezimmer und schloss die Tür. Ich schaute ihr nach.

Sie hat Recht, dachte ich. Ich stellte meine Tasse Kaffee auf den Tisch. Später, als Kim aus dem Badezimmer kam, lag ich wieder im Bett. „Was ist los?“, fragte Kim besorgt. „Fühlst du dich nicht wohl?“ Ich schwieg und dachte nach. Plötzlich lag sie auf den Knien neben meinem Bett, nahm mein Gesicht in die Hände und bedeckte es mit schnellen kleinen Küssen. „Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich“, sagte sie dazwischen. Ich zog sie neben mich aufs Bett.

Nach drei Tagen hatte ich vom ganzen Stress mit den Weibern satt. Ich fuhr mit meinem Wagen zum Flughafen und setzte mich in den Flieger nach Cancun. In Cancun nahm ich mir erst einmal ein Hotel und machte mich frisch im Badezimmer. Es sollte diesmal eine klassische Mexikorundreise werden. Am nächsten Tag wurde ich früh am Morgen am Hotel abgeholt. Die Fahrt ging dann weiter nach Chichen Itza und besuchte die Ausgrabungen der alten Maya- und Toltekenstadt. Ich fand die weitläufige Anlage als die größte und am besten restaurierte Stätte der Maya Welt. Ich sah auch den faszinierenden und spektakulären Kriegertempel, die aufwändig gebaute Pyramide von Kukulkan und das Observatorium.

Später dann fuhr ich nach Mérida, der Hauptstadt der Yucatan-Halbinsel. Diese prächtige Kolonialstadt besichtigte ich mit den anderen Reisegästen der entspannten und ruhigen Tour.

Am Abend übernachtete ich in Merida. Im Hotel nahm ich mir ein Appartement.

Zum ersten Mal seit drei Wochen konnte ich wieder richtig einschlafen, ohne dass mir Gina oder Kim in meinem Kopf surrten.

Am Mittwochmorgen fuhr ich nach dem Frühstück nach Uxmal. Die anderen Reisegäste im Bus waren sehr unterhaltsam, so dass auf der interessanten Rundreise eine gute Stimmung gewesen war. In Uxmal besichtigten wir die gewaltigen Pyramiden und den Tempel von Uxmal. Außerdem sah ich den Innenhof des Nonnenviertels, den Regierungspalast, das langweilige Schildkrötenhaus und die Pyramide des Zwergen Königs.

Als ich dann mit den anderen die historischen Bauwerke mit den heißen Sohlen abgerannt hatte, setzten wir uns in den Bus, jammerten um unsere Füße und erzählten den Fahrern, wie schön und aufregend es war. Bis der Fahrer Bobby uns nach Kabah fuhr, wo ich den 45 Meter langen und 6 Meter hohen Maskenplatz sehen konnte. Danach fuhren wir nach Campeche und übernachteten im Hotel. Wo spät, der unterhaltsame Abend eine lustige Angelegenheit gewesen war. Ich traf eine junge Mexikanerin, die mit mir an der Bar einen Drink nahm und über sich und das Land erzählte. Sie hatte ein buntes Kleid an, ihre Haare waren schwarz und die charismatischen, dunklen Augen waren bezaubernd anzusehen. „Oh Baby, heute no Sex“, dachte ich mir, denn ich war schrecklich müde und konnte mich kaum noch auf den Beinen halten.

Am nächsten Morgen ging die Fahrt nach Palenque. Wir kämpften uns durch den Dschungel und besichtigten nach der abenteuerlichen Tour die Mayastadt. Dort gab es den Tempel der Inschriften, den Regierungspalast, sowie den Sonnen- und den Kreuztempel zu sehen. Später fuhren wir weiter nach Villahermosa und übernachteten dort. Früh am Morgen kam ich die nächsten Tage schwer aus meinem Bett, denn der vorige Tag war sehr anstrengend, durch den Dschungel, aber ich glaubte, nach einer Dusche und einem kräftigen Frühstück werde ich wieder topfit sein. Nach dem Frühstück machten wir schon den nächsten Trip zum archäologischen Park von La Venta.

Ich setzte mir die Sonnenbrille auf, damit mich die heiße Sonne nicht so blendete. Eine Leiterflasche Mineralwasser hatte ich mir auch mitgenommen.

Ein großer Teil der fantastischen Steinplastiken aus der Olmekenkultur ist hier ausgestellt.

Dieser Trip, war ein kurzer Besuch, denn anschließend mussten wir unbedingt zum Flughafen, um mit dem Flieger nach Oaxaca zu kommen.

Dort, in Oaxaca, ohne Abstürze, angekommen, besichtigten wir die Stadt. Irgendwie sahen die kulturellen und archäologischen Städte Mexikos, schon alle gleich aus für mich. Aber in dieser Stadt gibt es wunderschöne Bauten aus der altspanischen Kolonialzeit.

Und nach Spanien wollte ich immer schon.

Mal ehrlich, dachte ich mir, diese Stadt bezauberte mich, und außerdem zählt sie zu den schönsten gelegenen Städten Mexikos.

Ich sah die überwältigende Kirche Santo Domingo, das ehemalige Dominikanerkloster und das interessante Museum, in dem die Goldschätze von Monte Alban aufbewahrt sind.

Am nächsten Tag unternahmen die

Reisegruppe und ich natürlich auch dabei, einen Ganztagsausflug zur Ausgrabungsstätte von Monte Alban, dem Kultzentrum der Zapoteken und Mixteken.

Deshalb hatte ich mir auch für zwei Übernachtende ein Appartement im Hotel bestellen müssen. Aber es ist auch gut so, bevor ich vor dem Hotel ein kleines Zeltlager aufgeschlagen hätte.

Dann ging es zum Sabino-Baum von Tule. Anschließend ging die rasante und schaukelnde Fahrt nach Mitla, der Totenstadt der Mixteken.

Da macht doch später das Sterben noch einmal so einen Spaß, dachte ich mir und zündete mir eine Zigarette an. Und die habe ich mir wirklich gut verdient.

Den harmonischen und sehr informativen Abschluss des Tages bildete der Besuch des Indiomarktes in Oaxaca, wo die Händler ihre kreativsten Waren aus den verschiedenen Handwerken angeboten hatten.

Heute ist Samstag.

Die Tour ging nach Puebla, einer der ältesten Kolonialstädte Mexikos mit spanischer Tradition.

Ich machte mit den anderen noch eine Stadtbesichtigung, wie man es auch nennen mag, denn meine Brieftasche war schon fast leer. Aber später ging es wieder nach Mexiko City. Dieser Ort war mir irgendwie bekannt. Aber was machte das schon, denn ich glaube, dort war ich zu Hause.

Auf dem Weg dorthin konnte ich die Vulkane Popocatepetl und Ixtacihuati sehen.

Den siebenten und achten Tag hielten sich die Reisegruppe und ich in Mexiko City auf, aber keiner von den Leuten wusste, dass ich hier zu Hause war.

Der Fahrer machte mit uns eine Stadtrundfahrt. Für mich war es immer noch die beeindruckendste Metropole Mexikos. Im Anschluss kutschte der Fahrer uns zu den Pyramiden von Teotihuacan. Am Weg liegt die Basilika von Guadalupe, der heiligste Wallfahrtsort von Amerika.

Ich blieb bei der Reisegruppe und verdrückte mich nicht in meinem Apartment. Nein, ich erlebte am letzten Tag, den Achten, den krönenden Abschluss, noch einmal eine Zusammenfassung mexikanischer Geschichte im weltberühmten anthropologischen Museum. Man. War das spannend? Ich liebe Mexiko.

An einem regnerischen Montagmorgen erschien ich wieder im Büro. Carmelita folgte mir, fast erdrückt von der Last der Papiere, die sie mir brachte, in mein Büro. Sie legte sie auf den Schreibtisch. „Du siehst gut aus, Pat, schön braun bist du.“, sagte Carmelita. „Danke, ich war in der Sonne.“ Erwiderte ich. „Gab es etwas Besonderes?“

Sie verzog nachdenklich das Gesicht.

„Gina auf Panik“, sagte Carmelita. „Niemand wusste, wo du warst, und alle haben geglaubt, ich wüsste es und wollte es nicht sagen.“

„Tut mir leid“, entschuldigte ich, „wenn du Unannehmlichkeiten hattest.“

„Das gehört zu meinem kreativen Job, an der Anmeldung, Pat.“, sagte sie. „Ich sagte den neidischen Leuten, ich sei die Sekretärin und nicht deine Mutter.“

„Gescheite Carmelita!“, sagte ich und bewunderte sie, denn das hätte ich nicht gedacht von ihr.

Ein skeptischer Blick auf den erstarrten Haufen. Ich packte das Ganze und warf es in den Papierkorb.

„Wie wäre das als Ausgangspunkt?“, fragte ich Carmelita.

„Prima“, sagte sie, ohne mit der Wimper zu zucken.

Sie schaute in ihr Notizbuch.

„Nun die Telefonanrufe: Du möchtest Baroni anrufen und Zanches…“, sagte sie.

„Lass die Anrufe.“ sagte ich.

Ich stand auf und marschierte zur Tür.

Unwillkürlich stellte sie mir die Frage: „Wohin willst du jetzt?“ 

„Ein paar Türen weiter“, erwiderte ich.

Als ich Ginas Büro betrat, blickte sie überrascht auf.

„Ich wollte dich eben anrufen, Pat“, sagte Gina und hielt mir ein Blatt Papier entgegen.

„Ich gratuliere!“, sagte sie.

Ich sah mir das Papier gar nicht erst an und legte das Blatt Papier auf Ihren Schreibtisch.

„Ich verstehe nicht“, sagte ich.

So ging es mir erst auch. „Aber Jetzt verstehe ich alles“, sagte sie. „Wir bekommen das Geld von der Bank.“

Ich sah Gina eine Weile wortlos an.

Dann nickte ich und fragte: „Einfach so?"

„ Einfach so“, erwiderte Gina fröhlich und zufrieden.

Ich schwieg einen Augenblick.

„Ich hatte eigentlich nicht die Absicht, mit dir ein Glas Sekt darauf anzustoßen“, fuhr ich fort.

Gina ging, ohne mich anzusehen, von ihrem Schreibtisch zum Fenster und öffnete es.

Schweigend nahm ich das Blatt Papier vom Schreibtisch. Es war eine Vertragsänderung, meine Gehaltserhöhung.

Ich las es nicht weiter.

„Das hättest du mir sagen können!“, sagte ich.

Gina drehte sich langsam um, sah mich an und ihre zarten Lippen verzogen sich zu einem müden Lächeln.

„Pat, du hast mir doch gar keine Gelegenheit dazu gelassen.“, sagte sie.

Ich las es noch einmal durch.

Es war Viertel vor acht Uhr, wir waren noch immer nicht zum Abendessen ausgegangen oder hätten ein Anzeichen gemacht, die passende Garderobe dazu anzulegen.

Gina und ich lagen im Bett.

Ich ließ meine Finger über ihren sanften Rücken gleiten und wölbte meine Hand um ihre knackige Hinterbacke. Ich drückte sie. Fest. „Machst du das gern?“, fragte sie.

Ja. Ich habe eine Vorliebe für schöne Popos. „Ich dachte, du weißt das“, antwortete ich.

„ Pat, du hast allerlei Vorlieben, auch für Kim“, sagte sie ohne darüber nachzudenken und zog an ihrer Zigarette.

Ich nahm sie ihr aus dem Mund, wälzte mich zufrieden, aber gefasst, auf den Rücken und ließ den Zigarettenrauch tief in die Lunge. Gina stand plötzlich auf und holte sich eine Marihuana-Kippe, zündete sie sich an und setzte sich wieder in das Bett neben mir.

Ich sah sie lächelnd an und fragte: „Ist noch Champagner in der Flasche?“ „Ich sehe nach“, sagte sie.

Sie setzte sich auf die Bettkante und griff nach der Flasche im Kübel. Gina füllte mein Glas, reichte es mir und goss sich selbst etwas ein.

Unübertroffen. Alles funktionierte bestens. Gina spürte das Prickeln bis zu den Zehen hinunter.

Ich stellte das Glas auf den Tisch, legte meinen Zigarettenstummel daneben und griff nach ihr.

Sie lag gelassen in meinen Armen und gab mir einen tiefen Zug von der Marihuana-Kippe. Dann legte ich ihre Marihuana Kippe aus der Hand und nahm ihre vollen Lippen.

„Du bist warm“, sagte ich, „innen und außen.“

„Ich liebe dich“, sagte sie.

Ich saugte an Ihren dunklen Brustwarzen, als das Telefon plötzlich begann zu klingeln.

Mit der Zunge wanderte ich hinunter zu ihrem Bauch.

„Das Telefon klingelt“, sagte sie.

„Zum Teufel damit!“, meinte ich genervt.

Ich war in Ihrem Schoss angelangt. Aber Sie hatte den Hörer bereits abgehoben.

Ginas Gesicht nahm einen merkwürdigen Ausdruck an.

„Kim ist unten und ruft mit dem Handy an, sie will heraufkommen“, sagte sie.

Ich riss ihr den Apparat aus der Hand.

„Ja“, schrie ich in den Hörer.

„Kann ich raufkommen?“, fragte Kim.

Ich sah Gina an.

Gina sah mich an.

„Ja.“ antwortete ich.

Ich legte auf und sprang aus dem Bett. Im Badezimmer spülte ich mir den Mund, spritzte mir etwas Wasser ins Gesicht und kämmte mein Haar. Ich schlüpfte schnell in meine Jeans und T-Shirt und ging zurück ins Schlafzimmer.

Gina hatte ihr schwarzes Jerseykleid übergezogen und saß im Bett. Ich beugte mich zu ihr nieder und gab ihr einen Kuss.

„Geh nicht fort“, sagte Gina. „Ich werde Kim schnell los und komme dann gleich wieder.“

Kim kam genervt durch die Tür und jammerte gleich los, wie das Leben ungerecht wäre.

Plötzlich lächelte Gina.

„Sieh mich doch an!“, sagte Kim.

Gina trat hinter Kim, umfing ihre Taille und legte ihre gewölbten Hände um ihre großen, hängenden Brüste.

„Lass mich dein Büstenhalter sein“, flüsterte Gina.

„Gina, du freches Luder.“, entgegnete Kim.

„Was hast du gegen große Titten?“, fragte Kim.

„Ich bin so ungeschickt“, schluchzte Kim, „Nichts kann ich richtig machen.“

„Beruhige dich doch, Kim“, sagte Gina.

Ich kam unauffällig dazu und sagte: „Ich will mir nur einen Drink mixen.“ „Wollt ihr auch einen?“

Kim erblickte mich und Gina antwortete: „Ja, Pat.“ „Mach uns auch einen leckeren Drink.“

Ich machte die Drinks gut zurecht.

Kim kostete, zog ein Gesicht und stellte das Glas auf den Tisch. „Schmeckt scheußlich“, sagte sie. „Gib mir lieber eine Zigarette!“ Ich zündete eine für Kim und Gina an und gab sie Ihnen. „Ich bin fertig“, schluchzte Kim immer noch. „Noch nie im Leben war ich so fertig wie jetzt.“ Kim erzählte aber immer noch nicht, dass ich der Grund war für ihr Jammern. „Trink das Glas aus und es wird dir besser gehen“, sagte Gina. „Hast du vielleicht zufällig einen Mariohuanastängel da?“ „Oh“, fragte Kim, im Selbstmitleid versunken. Gina antwortete nicht. Kim griff nach dem Glas und schluckte in einem Zug das Glas leer. Ich sah mich um. Kim vergnügte sich, sie zeigte einer ihrer Intrigen und versaute Gina und mir den schönen Abend, der gerade angefangen hatte. Gina unterhielt sich mit Kim anscheinend ausgezeichnet, jedenfalls war sie es, die am meisten lachte. Ich lächelte in mich hinein.

 

 

Kapitel 8

Ich lehnte das freundliche Angebot von Gina ab, mich mit dem Cabriolet direkt nach Hause zu bringen, ab und ging zu Fuß durch die warme, klare Sommernacht.

Plötzlich entschied Gina, dass sie mich begleiten möchte und ihren Wagen hier stehen lässt.

In der City sah ich mir die Schaufenster an. Hell erleuchtet und in vielen bunten Farben zeigten sie Mode von den verschiedenen internationalen Designern.

Gina schien in Gedanken versunken. Wir gingen weiter.

Sie sprach erst wieder, als wir an der Ampelkreuzung um die Ecke bogen.

„Weshalb liegt dir was an mir und Kim?“, fragte sie.

„Keine Ahnung.“ „Möglich, weil ihr verschieden seid“, erwiderte ich zögernd, aber unlogisch, wie ich später bemerkte.

„Ist denn das so schwierig?“, fragte sie in einem lauten Ton. „Ist es der Sex?“

„Sicher“, antwortete ich, „aber wie lange glaubst du, wird das mit uns drei noch so weitergehen?"

„Du verbrauchst mehr Kalorien im Bett in einer Woche als ich durchschnittlich in einem Jahr“, sagte Gina.

„Wieso glaubst du das, Gina?“, fragte ich nach. Ich sah Sie an.

„Ich brauche dich, Pat.“ „Und ich will dich nicht an Kim verlieren“, sagte Gina.

Wir waren inzwischen bei mir angelangt.

Wir betraten das Hochhaus und stiegen in den Fahrstuhl.

Gina wollte etwas sagen, behielt es jedoch nach einem Blick auf den Fahrstuhl für sich, bis wir in mein Apartment kamen.

Sie ließ sich erschöpft in einen Sessel, weiß mit Stoff bezogen, fallen.

„Gott sei Dank gibt es die Klimaanlage bei dir“, sagte sie, „du kannst dir nicht vorstellen, wie mich die fertig macht.“

„Wolltest du nicht eben noch etwas sagen?“, fragte ich nach.

„Ach ja“, sagte sie.

Mit dem Zeigefinger juckte sie sich nachdenklich die Nase und zündete sich eine Zigarette an.

„Dass ich Kim an deiner Stelle nicht trauen würde“, erwiderte sie.

„Hast du dafür Gründe?“, fragte ich erstaunt.

„Kim ist allein und kann somit auch schnell schwanger werden, wenn du mit ihr schläfst.“ Du kannst nicht kontrollieren, ob sie ihre Pille wirklich nimmt oder nicht. Auch wenn du einen Kondom nimmst, hast du keine hundertprozentige Sicherheit, dass sie nicht schwanger wird. „Denn wenn eine Frau ein Kind haben will, bekommt sie auch eins“, sagte Gina mit voller Überzeugung.

„Ich bin ganz verschwitzt“, sagte ich und roch mich unter die Achseln, was meiner Nase schlecht bekam. „Ich werde duschen und dann ins Bett gehen.“

Als ich im Badezimmer war, befreite sich Gina von ihren, vom heißen Tag, muffigen Klamotten. Schlich sich langsam, splitternackt und auf Zehenspitzen, in das Badezimmer, wo ich unter der Dusche stand.

Gina öffnete die Duschkabine und seifte mir den Rücken. Ich drehte mich um, wir küssten und leidenschaftlich, und unsere Hände schlingen die nassen und heißen Körper ganz fest an sich.

Später im Bett ließ ich meine Hand über die Mitte Ihres Rückens kreisen.

„Bitte, massiere mir den Rücken“, sagte sie plötzlich.

„Gut so?“, fragte ich.

„Ein bisschen tiefer“, stöhnte sie.

Ich tat, was Sie verlangte.

„ So ist es recht“, sagte sie und hatte ihre Augen geschlossen.

Sie schwieg eine Weile und genoss es, wie mit den Händen ihren Rücken massierte.

„Gina, bist du eifersüchtig?“, fragte ich.

Ja, verdammt, da hast du Recht. „Wenn du glaubst, mir ist es recht, so gräulich auszusehen, während das nasse Fötzchen, wie Kim, dir ihre vollen Titten unter die Nase hält und dich anfleht, sie zu ficken, dann bist du eben ein totaler Vollidiot!“, sagte sie und lächelte mir zu.

Plötzlich kicherte sie.

Dann schwieg sie einen Augenblick.

Ich wollte meine Hand wegziehen.

„Nicht aufhören.“, sagte sie, „Du machst mich so angenehm lüstern.“

„Aber an mich und meine Hände denkst du gar nicht?“, sagte ich.

Gina langte vorsichtig mit der warmen Hand nach hinten und fand mich.

„He du!“, rief sie nach mir suchend.

Gina wollte sich zu mir umdrehen.

„Rühr dich nicht!“, sagte ich, legte meine entkräfteten Hände um ihre Hüften und zog sie näher an mich heran.

Gina, ihr Schoß war weit offen für mich.

Ja. Sie genoss es, wie ich ganz langsam mit dem harten Penis in sie hineindrang.

Ich hörte sie keuchen, als ich mit dem Zauberstab mich langsam rein und raus bewegte.

„Ich kann nicht mehr atmen!“, rief sie. „Pat, ich spüre dich bis in meine Kehle hinauf!“

Ich versuchte mein Lachen zu unterbinden und ließ meine Hände nach oben gleiten, um ihre prallen und erregten Brüste zu umfassen. Dann beugte ich mich über ihre Schultern und ließ meine feuchte Zunge seitlich über ihre Wange zum Hals gleiten. Ihre Hinterbacken waren fest und rieben sich an meinem Bauch.

Gina tat ihr Bestes und bewegte sich heftiger, um mich noch tiefer in sich aufzunehmen.

„Ich wusste schon damals, dass du ein guter Ficker bist.“, flüsterte sie, als sie meinen Penis immer tiefer in sich spürte.

Plötzlich schrie sie laut auf: „Ja... Ja...Ja...mach weiter...Jaaaaaaa!"

Ich stieg später aus dem Bett.

Gina hob den Kopf und sah mich verblüfft an.

„Meine Muschi ist noch dieselbe?“ „Ich meine, ist sie nicht ausgedehnt oder…“, sagte Gina mit leiser und zurückhaltender Stimme.

„Sie ist besser, meine Prinzessin“, sagte ich. „Enger, feuchter und wärmer.“

„Dann bin ich froh.“ sagte sie beruhigend und zufrieden und legte den Kopf wieder an meine Schulter. „Pat, es tut mir leid, dass ich so missmutig war, aber in den letzten Wochen hatte mich alles nervös gemacht.“ Die Hitze, die Nerven. „Wenn ich nur ein bisschen frische Luft haben könnte.“

„Das ist einfach“, unterbrach ich sie. „Wie wäre es mit Puerto Aventuras?“ Eine sehr ruhige Gegend. Du hast nur wenige Minuten zum gemütlichen Jachthafen mit kleinen Geschäften und Restaurants. Dort kannst du dich direkt am Strand verwöhnen lassen. Das Hotel Puerto Aventuras ist genau nach Deinem Geschmack. Es bietet eine kleine Lobby mit Bar, Restaurant, Zimmerservice, Minimarkt, großen Swimmingpool und kleinen Jacuzzi. Und die Strandbar Gina, in der tropische Cocktails serviert werden.

Für deine gute Figur kannst du noch ins Fitnessstudio gehen.

Und du würdest dich nicht langweilen.

Da ist immer was los.

„Und du?“, fragte sie mich. „Ich könnte nachkommen“, antwortete ich. Aber darin irrte ich.

Das erste Wochenende, an dem sie fort war, verbrachte ich in Südamerika, eines unserer Büros in Brasilien, genau auf Costa do Sauipe. Dort erwartete mich ein sechs Kilometer langer, mit palmengesäumtem Sandstrand der Nordküste von Bahia. Die Hauptattraktion für mich ist immer die Vila Nova da Praia, ein Einkaufszentrum mit einem Vergnügungspark im Kolonialstil. Natürlich gibt es dort auch eine Vielzahl von Restaurants mit regionalem und internationalem Angebot.

Hier legt man Wert darauf, den Charme, die Einzigartigkeit, die Bedeutung der bahianischen Kultur zu unterstreichen und zu erleben.

Was ich auch erleben konnte: Arbeit war Nebensache.

Ich hatte eben eine Besprechung mit den Künstlern begonnen.

Carmelita begleitete mich.

Als sie in mein Büro in Vila Nova Praia kam, entschuldigte sie sich: „Ich weiß, du sagtest, ich sollte hier keine Telefongespräche durchgeben.“ „Aber Gina ruft an, sie sagt, es sei dringend.“

Ich nahm den Hörer ab.

Gina sprach, bevor ich ein Wort sagen konnte.

„Kim ist vergewaltigt worden, Pat. „Ich meine, du solltest sofort herkommen.“, sagte sie. Ich war geschockt, sagte nichts und machte mir die verrücktesten Gedanken. „Was ist passiert?“, fragte ich.

„Ich weiß es noch nicht, Kim kann bis jetzt noch nichts erzählen, sie ist ganz durcheinander und heult schon die ganze Zeit.“ „Ich war beim Frühstücken, als es plötzlich klingelte, und fand Kim vor der Wohnungstür in einer Blutlache auf dem Fußboden.“ „Wie geht es ihr jetzt?“, fragte ich und war in Sorge. „Kim ist gerade in einem Rettungswagen auf dem Weg ins Krankenhaus.“, antwortete sie. Ihre Stimme brach. „Komm, so schnell du kannst!“, bittet sie mich. Ich warf Carmelita einen Blick zu. Unnötig, ein Wort zu sagen.

Carmelita konnte die Nachricht auf meinem Gesicht lesen. Sie griff nach dem Hörer und charterte für uns einen privaten Flieger.

In weniger als zwei Stunden nahm ich an und kam mit dem Flieger dort an.

Gina saß im Warteraum des Krankenhauses und weinte bitterlich.

„Wie geht es ihr?“, fragte ich Gina.

Ich weiß nicht. „Seit sie hier ist, liegt sie im Operationssaal“, sagte sie.

Ich lief durch den Korridor zum Schwesternzimmer.

„Ich bin Pat Steawens“, sagte ich zur

Schwester. „Kann ich eine Auskunft über Kim Lavel bekommen?“ »Sie wurde vor wenigen Stunden hier eingeliefert.«

„Einen Augenblick, Senior Steawens, ich werde erkundigen.“, antwortete sie mir freundlich.

Sie ging ans Telefon und wählte eine Nummer.

„Information über eine Neuankunft.“ „Seniora Kim Lavel“, sagte sie und sah mich dabei an.

Die Schwester lauschte einen Augenblick, dann nickte sie. Dann drückte sie auf den Anschlag und wählte nochmals.

Sie blickte lächelnd zu mir herüber.

„Ich frage im Operationssaal an.“, sagte sie.

Es wurde geantwortet.

„Wie geht es Seniora Lavel?“, fragte sie. „Ihr Mann ist hier.“

Nach ein paar Minuten legte sie auf und kam auf mich zu.

„Sie ist auf dem Weg in ihr Zimmer“, sagte sie in jenem berufsmäßig beruhigenden Ton, der einem nicht hilft. „Würden Sie bitte in den Warteraum zurückgehen, Senior Steawens?“ „Dr. William kommt dann gleich zu Ihnen.“

„Danke!“, sagte ich und kehrte zu Gina zurück.

Es dauerte.

Bis der Doktor plötzlich kam, dauerte es zweiunddreißig Minuten.

Er war jung, aber sein Gesicht wirkte grau und müde. Seine dunklen Augen waren von der Anstrengung rot gerändert. Er vergeudete keine überflüssigen Worte.

„Wenn sie mit mir kommen wollen, werde ich ihnen unterwegs alles erklären.“, sagte er.

Wir gingen in die Halle und stiegen in den Personalfahrstuhl. Er drückte auf einen Knopf.

Die enge Kabine steigt so langsam hoch, wie das nur Hospitalaufzüge tun.

„Ihre Frau ist sehr schwach.“, sagte er mit seiner ruhigen Stimme. Gina sah mich verwirrt an und wurde vor Eifersucht ganz rot im Gesicht, denn ich war ja nicht mit Kim verheiratet, aber es war eben Schicksal, weil man mich als ihr besorgter Mann sah. „Sie hatte schon sehr viel Blut verloren.“ Nach der Vergewaltigung musste sie noch reglos lange auf dem Boden gelegen haben. Dann versuchte sie, Hilfe zu holen, sie war schon zu schwach und erlitt noch einen Kollaps. Ich würde sagen, es muss fast drei Stunden, bevor sie bei ihnen ankam, geschehen sein. Ein Wunder, dass sie noch am Leben war. „Als sie bei uns mit dem Krankentransport eingeliefert wurde.“

Die Tür öffnete sich und wir gingen langsam durch die große, helle Halle.

Vor der Tür ihres Krankenzimmers blieben wir stehen.

„Wie sind ihre Aussichten?“, fragte Gina.

Ihre Worte klangen seltsam unpersönlich in meinen Ohren.

„Wir tun, was wir können.“ „Wir mussten fast ihr ganzes Blut erneuern“, antwortete er.

Der Doktor sah Gina direkt in die Augen.

„Ich habe mir die Freiheit genommen, einen Priester kommen zu lassen, falls sie Katholiken ist“, sagte er.

„Das ist sie aber nicht, Doktor.“, sagte Gina.

Ich trat ins Zimmer.

Eine junge Schwester blickte über die Schulter, sah uns und verließ ruckartig ihren Platz neben dem Krankenbett auf Rädern. Ich schaute traurig auf Kim nieder.

Eine Transfusion lief in ihren Arm, ein dünner Schlauch ging durch ihr Nasenloch. Kim war weiß, so weiß, wie ich noch nie einen Menschen gesehen hatte.

Ich und Gina traten ans Krankenbett. Gina griff nach Ihrer Hand.

Nach einer Weile schien sie mich wahrzunehmen. Ihre Lider zuckten und öffneten sich langsam. Ihre trockenen Lippen versuchten sich zu bewegen, aber ich konnte nichts hören.

Ich brachte mein Gesicht ganz nah an ihres.

„Sprich nicht, Kim“, sagte ich. „Es wird alles wieder gut werden.“

Ihre müden Augen blickten in die Meinen.

Ein schwaches Lächeln erschien plötzlich in ihren Augen.

„Ich liebe dich“, flüsterte sie angestrengt.

„Ich liebe dich auch, Kim, du schaffst es.“, erwiderte ich.

Ein leises, glückliches Aufseufzen, und dabei öffneten sie ihre Lippen.

Gina blickte mich mit Tränen in den Augen an und die Worte, die sie Kim gern sagen wollte, blieben ihr im Hals stecken.

„Wir haben dich immer geliebt“, sagte ich und mir brachen die Tränen aus den Augen, die ich die ganze Zeit innegehalten hatte.

Aber Kim erfuhr es nicht mehr, was ich ihr sagte. Sie würde es nie wissen. Ich merkte gar nicht, dass Kim tot war, bis der Doktor kam und meine Hand sanft aus ihrer löste.

Gina kam langsam zu mir und fiel mir um die Schultern, um Halt zu finden. Wir erstarrten miteinander.

Keiner konnte ein Wort sagen.

Nach dem traurigen Begräbnis fuhr ich mit dem Sportwagen in mein Apartment, schloss die Tür ab und vergrub mich. Ich wollte niemanden sehen oder sprechen.

Auch nicht Gina.

Am nächsten Morgen regnete es, aber immerhin so fein, dass Gina auf die Straße mit einem kleinen Schirm gehen konnte.

Gina zog sich sehr sorgfältig an und wählte ein leichtes, schwarzes Kleid, das ihren schlanken Körper umschmeichelte und die Farbe ihrer dunklen Augen betonte.

Vor dem großen Spiegel in ihrem Schlafzimmer betrachtete sie sich mit Genugtuung.

Dann aber wurde ihr bewusst, dass sie dieses sehr feminine Kleid noch nie im Büro getragen hatte.

Was war nur in Gina gefahren?

Was wollte sie damit bezwecken?

Mit trotziger und unzufriedener Bewegung öffnete Gina den Reißverschluss im Rücken, ließ das Kleid zu Boden gleiten und stieg langsam heraus.

Statt dieses zog Gina eines ihrer strengen

geschnittenen, grauen Kostüme mit hochgeschlossener weißer Bluse an.

Sie tupfte den Lippenstift ab und auch das

Make up.

Ausnahmsweise kam sie etwas später als die andern ins Büro. Aber keiner hatte sie schon vermisst.

Gina hatte sich vorgenommen, noch in aller Ruhe zu frühstücken. Toni war in seinem Büro oder auch nicht, das war unwichtig.

Aber ich war nicht zu sehen.

„Wo ist Pat?“, fragte sie sofort.

Keiner gab eine Antwort.

Gina ging ins Büro, zog ihre Jacke aus, setzte sich auf den Stuhl zum Schreibtisch und sah ihn.

Eine knappe halbe Stunde später erschien ich. Ich war nicht so elegant wie zuvor, sah aber dennoch in blauen Jeanshosen, einer schwarzen Lederjacke und braunen Westernstiefeln aus Rauleder.

Meine Schultern zeichneten sich deutlich in der Lederjacke ab. Ich hatte mir die Zeit genommen, mich zu rasieren.

Gina begrüßte mich am Emfing bei Carmelita. Sie machten sich über mein Outfit lustig, fanden es aber männlich. Bald zu männlich, für mich, dachten sie.

Diesmal war Gina auf meine Begegnung gewappnet, dennoch überfiel sie wieder jenes kribbelnde Gefühl, das sie nervös machte.

„Gut, dass du noch gekommen bist, Pat“, sagte Gina mit erzwungener Freundlichkeit, „wir ersticken momentan in Arbeit.“

„Das habe ich nicht gewusst, sonst wäre ich…“, fing ich an, aber dann wurde ich unterbrochen.

„Schon gut, schon gut!“, Pat winkte Gina ab. „Jetzt bist du ja da.“

Meine Gedanken waren immer noch bei Kim. Ihre fünf Peiniger konnte die Polizei nicht fassen, aber die Ermittlungen wurden nicht abgeschlossen.

Gina ging mir voraus, drehte sich dann aber noch einmal zu mir um. Während sie vor mir herging, überlegte sie sich, ob sie diesen Tag nach Kims Tod überstehen wird.

Aber damit war tatsächlich bei diesem Tagespensum nicht zu rechnen. Sie erinnerte sich, wie viel Mühe es sie gekostet hatte, die Vernissage auf die Beine zu stellen.

„Warum sollte sie sich nicht entsprechend um Pat kümmern?“, dachte sie sich.

Es wurde ein warmer Sommer.

Gina wollte auf andere Gedanken kommen, nach Kims Tod, aber ich hatte noch meine Gedanken bei Kim. Es war nicht so einfach und ich konnte nicht loslassen.

Gina gab zwei gelungene Dinner und eine Cocktailparty in ihrem Privathaus, bei denen es ihr gelang, interessante Menschen und chaotische Typen zusammenzubringen.

Ginas überraschendes Verhalten machte mich praktisch sprachlos.

Manchmal, wenn sie inmitten ihrer schamlosen Gäste auf ihrer schönen Terrasse stand, oder auch wenn sie mit Rosana und Maria nackt um die Wette schwamm, wünschte sie sich, ich könnte dabei sein.

Aber den Mut, mich tatsächlich nackt zwischen den nackten Frauen den anderen zur Schau zu stellen, hatte ich nicht.

Dabei war nicht zu übersehen, dass ich mich auf besondere Art um Sie kümmerte.

Früher hatte Gina immer, also fast immer, das Büro als Letzte verlassen.

Das kam nie mehr vor.

Ich blieb bis zu Ihrem Aufbruch.

Wenn Gina mich nach dem Grund fragte, hatte ich immer einen plausiblen Vorwand. Ich behauptete, dass ich diese oder jene Arbeit noch dringend fertig machen oder mich auch nur mit alten Vernissage, die noch abgerechnet werden müssen, beschäftigen wollte.

Aber es war offensichtlich, dass es mir wichtig war, Gina nicht allein zu lassen. Nie ließ ich mir nehmen, sie in die Tiefgarage bis zu ihrem Wagen zu bringen.

Ich störte Gina nicht.

Niemals betrat ich unaufgefordert ihr Büro, bediente aber, wenn ein später Anruf, das Telefon.

Wenn sie sich blicken ließ, fragte ich: „Soll ich uns einen starken Kaffee machen?“ „Oder einen Tee?“

Beides konnte ich besonders gut.

Für den Tee brauchte ich zwei Kannen, damit der Tee nicht nachdunkelte und genau die richtige Stärke hatte. Für den aromatischen Kaffee bestand ich darauf, die Bohnen frisch zu mahlen.

„Du verwöhnst mich, Pat.“, sagte sie dann, wenn ich die Tasse mit dem duftenden Getränk vor sie auf den Schreibtisch stellte.

„Das gehört sich doch so, Chefin!“, sagte ich und Gina lachte plötzlich darauf los.

Es schockierte mich und machte mich nachdenklich.

Manchmal kam es aber auch vor, dass wir uns zusammensetzten und miteinander romantisch plauderten.

Aber immer sprachen wir nur über berufliche Dinge.

Ich konnte mir das kuriose und spektakuläre Leben, das sie geführt hatte, ungefähr vorstellen. Aber es drang genug davon in die neugierige und neidische Öffentlichkeit, die nicht wussten, wie man an sich selbst herumspielte.

An einem Abend sagte ich, während ich ihr langsam aus der Kleidung half: „Wir fliegen Morgen nach Playa del Carmen, Gina.“

Sie wandte sich um.

„Müssen wir?“, fragte sie überrascht, „Aber wieso denn?“

„Gina, wir hatten uns doch eine kurze Auszeit vorgenommen“, sagte ich.

„Ja, ich weiß“, sagte sie und stöhnte genervt.

„Was sind denn das für Sitten?“, fragte sie mich, als wollte sie mit mir einen Streit anzetteln.

Ich setzte eine verlegene Mine auf.

„Na schön, dann fliegen wir, mein…!“, sagte sie plötzlich, als sie wie ausgewechselt vor mir stand. „Warum denn nicht?“ „Wann geht der Flieger?“

„Zehn Uhr“, antwortete ich und war froh, dass Gina mir den Flug nicht absagte.

„Es ist ja lieb von dir“, sagte sie in milderem Ton, „dass du dich Sorgen um mich machst, nach Kims Tod. Ich bin so etwas nicht gewohnt, aber ich weiß es zu schätzen. „Ich bin froh dich als Beschützer zu haben, wirklich, Pat.“

Gina wandte sich zu mir. Sie schwieg. Ich zog sie fester an mich und küsste sie.

Das exklusive All-Inclusive-Hotel liegt am weißen Sandstrand der Urbanisation Playacar.

Ich buchte in einer privaten Hotelzone, deren Mittelpunkt ein 18-Loch-Golfplatz bildet.

Schräg gegenüber dem Riu Palace Mexico befindet sich ein Einkaufszentrum, wo sich Gina sicherlich wohl gefühlt hatte. Um nicht ganz von der Arbeit entfernt zu sein, besuchte ich öfter, wenn Gina ihren Bummel im Einkaufszentrum machte, das Internetcafé, wo ich mit Carmelita in Verbindung stand.

Die Entfernung zum direkt angrenzenden lebhaften Ort Playa de Carmen beträgt circa drei Kilometer. Aber es sind schon sechzig Kilometer, wenn wir nach Cancun gefahren sind, zum guten Einkaufscenter.

Eine ganze Woche haben wir in einem eleganten und luxuriösen, voll klimatisierten All-Inklusive-Hotel übernachtet. Diese Hotelanlage, war ideal für uns Sonnenanbeter. Wir waren tauchen, surfen und Wasserski fahren.

Am Abend waren wir an der Bar und entspannten uns mit coolen Drinks und lockeren Gesprächen mit anderen Leuten aus dem Hotel. Manchmal spielte auch eine Kapelle. Eine Salon Bar gab es auch, für echte Mexikaner.

Jedenfalls für einen Abend.

Gegessen haben wir nach Appetit im Spezialitätenrestaurant oder im Hauptrestaurant. Wir reservierten Plätze auf der Terrasse bei der Hitze.

Es gab auch eine Nichtraucherzone. Aber die Leute zählten nicht, denn dort saßen die krassen Spaßbremsen aus Europa.

In der schönen und zwanzigtausend Quadratmeter großen Gartenanlage dicht am weißen Strand gab es ein Themenrestaurant sowie eine Poollandschaft mit Aquatikbar und Whirlpool.

Im Außenbereich gibt es zusätzlich noch eine Pavillonbar, die wir auch nutzten.

Lagen wir am Strand, besorgte ich uns ein paar Liegen und einen Sonnenschirm. Bei Gina war dann auch der Tag gelaufen und sie rührte sich nicht mehr unter dem Sonnenschirm weg.

Da musste ich mir immer etwas einfallen lassen, damit sie ins Wasser kommt.

Oder das Wasser kam zu ihr. Und das war ganz schön witzig, fand ich. Palmen standen am Strand, die vor der heißen Sonne Schutz gegeben haben.

Badetücher bekamen wir vom Hotel. Und die waren gut, wie neu.

Wenn die langweilige Gina im Strandkorb meist abgehangen hatte, verdrückte ich mich an die kleine Strandbar und bestellte mir einen kalten Fruchtdrink.

Vormittags besuchte ich das Fitnessstudio und Gina ging in die Massage, wo der Masseur sie richtig in die Mangel nahm.

Unser Appartement ist geschmackvoll und komfortabel eingerichtet gewesen.

Sogar mit Klimaanlage und Deckenventilator, der bei Funktion Ginas Haare durcheinander wirbelte.

Sogar eine Terrasse hatte unser Appartement.

Das Essen ist delikat gewesen.

Wir bekamen jeden Morgen ein kräftiges Sektfrühstück, frische Früchte und Säfte.

 

 

Kapitel 9

In den ersten Tagen nach unserem erholsamen Urlaubstrip versuchten mich viele Leute anzurufen, aber ich antwortete nicht. Wenn jemand zu mir kam, wurde er zu Toni geschickt.

Toni war davon nicht sehr erfreut.

Aber er hatte begriffen.

Kim war immer noch in meiner Wohnung. Überall.

Ihr Parfüm war im Bett, ihre Kleider zum Wechseln hingen im Schrank, ihr Make-up war im Badezimmer.

Jetzt war es wirklich still. Totenstill, wie im Grab. Wie dort, wo Kim jetzt war.

Irgendwann klingelte es draußen an der Tür.

Ich richtete mich nur von der Couch auf.

Wieder klingelte es.

Hartnäckig.

Ich stand auf.

„Wer ist dort?“, fragte ich genervt durch die verschlossene Tür.

„David“, erwiderte er.

Ich öffnete die Tür.

„Was willst du?“, fragte ich.

David musterte mich.

David Klein. Er wurde seit meiner Anreise für mich ein guter Freund in Mexiko. Er hatte eine Modelagentour und war vermögend.

„Es ist Zeit, dass wir mal etwas unternehmen.“, sagte er.

Ich ging zurück zur Couch.

David folgte mir.

„Warum lässt du mich nicht in Ruhe?“, fragte ich ihn genervt.

„Ich sollte es.“ „Eigentlich habe ich andere Sorgen“, erwiderte David.

„Stimmt“, sagte ich und lächelte ihm zu.

David bemerkte die Speisereste auf dem Tisch.

„Wann hast du das letzte Mal gegessen?“, fragte er.

Ich zuckte mit den Schultern.

„Wenn ich Hunger bekomme, rufe ich beim Restaurant an“, antwortete ich.

Ich ging zur Bar und holte eine Flasche Scotch heraus, füllte zwei Gläser Rand voll und ging zu David auf die Couch.

„Hier, ich brauche einen Drink“, sagte ich.

„Ich will keinen“, sagte er mit einer energischen Stimmlage.

David nahm mein Glas aus der Hand und stellte es auf den Tisch.

Und du brauchst auch keinen! „Du hast genug“, sagte David und für einen Moment blieb er still. „Sie ist tot!“, sagte er scharf.

Ich holte mit der Faust zum Schlagen aus, aber David packte meine Handgelenke und hielt sie schützend fest.

„Tot.“ Und das musst du endlich begreifen. Pat! Kim ist tot und du wirst sie nicht ins Leben zurückrufen. „Also, gib es auf, zu Kim ins Grab steigen zu wollen.“

Ich beruhigte mich wieder und David ließ meine Handgelenke wieder los.

„Wein doch!“, sagte er.

Ich habe vergessen, wie man weint. Als ich das letzte Mal weinte, war ich ein kleiner Junge. „Aber jetzt bin ich erwachsen.“, sagte ich. „Pat!" „Versuch es!“, riet er, „es wird dir helfen, mit deinen verbitterten Schmerzen fertig zu werden.“ „Du musst es mir zeigen müssen“, sagte ich gehässig.

Es wurde still zwischen uns und David starrte mich an.

Ich öffnete den trockenen Mund, doch meine Stimme versagte mir den Dienst. Ich fühlte brennende Tränen aufsteigen. Im gleichen Moment nahm ich meine Hände und bedeckte mein Gesicht.

„Kim!“, schluchzte ich und musste anfangen zu weinen.

Irgendwie hatte David seine dramatische und lehrreiche Psychotherapie angeschlagen, aber am nächsten Morgen erwachte ich mit schwerem Kopf. Ich fühlte mich wie betäubt.

Eine Weile blieb ich ruhig liegen, dann setzte ich mich im Bett auf.

Die Tür öffnete sich und David stand da. Er war über Nacht geblieben und legte sich auf die Couch. Davids Vorhaben, ins Nachtlokal zu gehen, hatten wir erst einmal verschoben.

„Nah, bist du so weit?“, fragte er.

„Mir ist scheußlich schlecht“, antwortete ich jämmerlich, „als ob ich den Mund voller saurer Milch hätte.“

„Kein Wunder“, sagte er ungerührt. „Musstest du denn gestern Abend den Scotch austrinken?“

„Schimpf nicht mit mir!“ „Du bist nicht meine Mutter.“ sagte David versöhnlich. „Ich habe stechende Kopfschmerzen.“

David schwieg einen Augenblick.

„Bringst du mir Kopfschmerztabletten aus dem Medizinschrank, im Badezimmer?“, fragte ich. „Ja.“, erwiderte David.

David ging ins Badezimmer, während ich mühselig aufstand. Ich fluchte über meine Kopfschmerzen.

David hörte mich, als er zurückkam.

„Das kommt vom sinnlosen Trinken“, sagte er und gab mir das Schmerzmittel und ein Glas Wasser.

Ich nahm drei Tabletten aus der Packung und schluckte sie mit verzogenem Gesicht.

„Kaffee und Toast?“, fragte David, „sind fertig.“

Ich blieb auf dem Weg zum Badezimmer stehen und warf ihm einen Blick zu.

„Dazu vier Eier, Schinken, Brötchen, alles, was dazu gehört.“ „Ich brauche Energie.“ sagte ich hungrig.

David lächelte.

„Pat. Wir gehen frühstücken.“ „Ich bin nicht mit dir verheiratet“, sagte David und schmunzelte.

Dann ging ich endlich ins Badezimmer, nachdem wir uns über das herzhafte Frühstück einig waren.

Wie gewöhnlich klingelte das Telefon, während ich auf dem Klo saß und meine Notdurft verrichtete.

David schrie durch die Tür: „Für dich, Pat.“

Und schon konnte ich nicht mehr… Verdammt! „Sag ihm, ich komme gleich“, rief ich.

Ich zog die Wasserspülung und rannte nackt ins Schlafzimmer. Dort nahm ich den Hörer ab.

„Ja.“, sagte ich genervt und in Eile. „Unsere Plätze für den Flug nach Playa del Carmen sind gebucht.“ „Pat, neun Uhr, heute Abend.“ Und ein wenig zögernd fragte sie: „Bist du ganz entschlossen, mitzufliegen?“

Gina, ganz aufgelöst, war am Telefon und freute sich wie beim hohen Lottogewinn. So ne' Million.

Ja, darüber würde sich Gina sehr freuen. „Natürlich!“, fauchte ich.

Ich wusste, wann ich bei Gina nachgeben musste.

Wann kommst du heute ins Büro?, fragte sie.

„In ungefähr eine Stunde.“ „Ich gehe mit David frühstücken, dann fahren wir von dort aus in die City“, antwortete ich.

Als ich den Hörer auflegte, stand David neben mir.

„Du und Gina?“, fragte David.

Ich nickte.

David lächelte.

Gina und ich trafen uns am Flughafen.

Hektik breitete sich am Schalter aus, die reiselustigen Passagiere wollten alle in den Flieger. Ich wartete immer noch auf Gina, die schon verspätet zehn Minuten hatte.

Dann kam sie mit dem Reisekoffer, vielleicht war es auch ihr Kleiderschrank, in der Hand, jammernd durch den breiten, offenen Airport-Eingang. Sie hatte sich bequeme Schuhe angezogen, damit sie sich besser fortbewegen konnte. Sie trug ausgewaschene blaue Jeans und eine schwarze Jeansjacke, die ihre Schultern betonten.

Ich hörte ein leises Klicken und war sofort wach. Die Kabine war nur in Schummerbeleuchtung, das Lichtsignal für die Sitzgurte war eben ausgegangen.

Ich warf einen müden Blick auf Gina.

Sie schlief und schnarchte nicht in der bequemen Stellung, die im Flugzeug möglich war.

Plötzlich musste ich behutsam über Ginas ausgestreckten Beine in den Mittelgang und tappte durch die Kabine nach vorn.

Alles schien zu schlafen. Einige sabberten und schnarchten dabei.

Ich schlüpfte überraschend durch den Vorhang in den Gesellschaftsraum. Meine Augen zwinkerten im grellen Licht.

Die nette Stewardess, die dort einsam saß, sprang auf. Sie musste wohl einmal beim Militär gewesen sein, so exakt, wie sie hochsprang.

„Kann ich etwas für sie tun?“, fragte sie. Ich lächelte. „Whisky und Wasser, bitte.“, sagte ich. Während sie in die Kombüse ging, setzte ich mich. Sie stellte den Drink vor mir hin.

Ich nahm das Glas und trank beinahe das ganze Glas in einem Zug aus. Ich sah Sie an. „Bringen Sie die Flasche und setzen Sie sich zu mir“, bat ich Sie freundlich. „Das ist gegen die Vorschrift, Senior.“, verneinte sie.

Sie warf mir einen geschmeichelten Blick zu.

Aber dann holte sie die Flasche aus der Kombüse, stellte sie auf den Tisch und setzte sich mir gegenüber.

Ich goss etwas Whisky in mein Glas und trank davon, diesmal langsam. Ich betrachtete Sie.

„Machen Sie diesen Job gern?“, fragte ich.

„Dieser Job gibt mir eine sichere Existenz“, gab sie zu Antwort. „Ich bin jetzt ganz zufrieden.“

„Wirklich?“, fragte ich provokant nach.

Fünf Minuten später saß ich fest eingeschlafen auf meinem Platz und öffnete die Augen erst wieder, als der Flieger auf dem Flughafen aufsetzte.

In Playa del Carmen angekommen, direkt am weißen Sandstrand der Urbanisation Playacar, einer privaten Hotelzone, deren Mittelpunkt ein 18-Loch Golfplatz bildete.

Die Leute berichteten uns, dass sich das Einkaufszentrum gegenüber dem Riu Playacar befindet.

Die Entfernung zum direkt angrenzenden lebhaften Ort Playa del Carmen beträgt circa drei Kilometer.

Meine Füße wollten es nicht glauben, aber Gina wanderte gerne. Ich mietete mir einen Wagen, im Hotel an der Rezeption. Worüber Gina auch glücklich war.

Das herrlich gelegene Strandhotel, das Gina für uns gebucht hatte, war ideal für uns Sonnenanbeter und rasanten Wassersportler.

Das Hotel wurde im Stil einer mexikanischen Hazienda erbaut.

Ein Hauptgebäude mit Rezeption, Lobby Bar und klimatisiertem Restaurant mit Nichtrauchern, diese zählten nicht. Eine Terrasse gibt es dort, wie Boutiquen, die das Geld den Touristen aus den Taschen zogen.

Am Abend schwingten wir unser Tanzbein in einer stimmungsvollen Diskothek.

Am nächsten Tag gingen Gina und ich ein wenig bimmeln, in der „Mexikanischen Straße“. Natürlich war Ginas Ziel der Juwelier mit seinem außergewöhnlichen und originellen Angebot. Sie fand Gefallen an dem Funkeln der Steine.

Wenn sich Gina beim Friseur verwöhnte, bin ich ins Fitnessstudio gegangen und ließ mich auf meine Art und Weise in der Massage entspannen und verwöhnen.

Das Hotel Riu Yucatan liegt inmitten üppiger Vegetation. Der Garten des Hotels grenzt direkt an den Strand. Der schön gestaltete Süßwasserpool ist umgeben von der Sonnenterrasse, die uns zum Entspannen und Sonnenbaden eingeladen hat.

Aber für mich gab es einen Bar-Salon „El Templo“, wo ich meinen qualvollen Durst stillen konnte.

Wir bekamen Liegen, die Sonnenschutzdächer waren fest installiert.

Als hätten wir diese mitnehmen wollen.

Aber, die bunten Badetücher gab es kostenfrei. Wie diese vom stechenden Design gestaltet waren, klaut man diese auch nicht, auch nicht als preiswertes und dekoratives Souvenir.

Am Strand spendeten uns Palmen den angenehmen Schatten, die bunt gestreiften Liegen bekamen wir dort auch, ohne einen „müden Penni“ zu bezahlen.

Nach dem sonnigen Strandbesuch blieben wir in Strandnähe und gingen ins Restaurant „La Margarita“. Dort wurden wir kulinarisch vom freundlichen Chefkoch verwöhnt. Unsere moderne und geschmackvoll eingerichtete Suite war mit Terrasse ausgestattet. Also, eine sehr luxuriöse Ausstattung. Es ist eine Suite mit Bad, einem Föhn für schnell trockene Haare, einer zentral gesteuerten Klimaanlage und einem Deckenventilator, der mir irgendwoher bekannt vorkam.

Mit einem Satelliten-TV konnte ich sogar fernsehen.

Die Minibar und zusätzliche Auswahl an alkoholischen Getränken im Getränkespender waren gut für den körperlichen Wasserhaushalt.

Damit unsere Seele mit dem Körper im Einklang ist, nahmen wir den Massagesalon fast jeden unternehmungsfreien Tag in Anspruch.

Das Kuriose war gewesen, dass man die Männer gebeten hatte, abends mit langen Hosen im Restaurant Platz zu nehmen.

Na gut, manche behaarten Prothesen sahen auch aus wie deformierte Zahnstocher.

Die harmonische und leichte Beziehung zwischen Gina und mir wurde von Tag zu Tag im Hotel Riu Yucatan inniger.

Ganz instinktiv versuchte Gina, vor den anderen im Büro zu verbergen, wie es um sie stand, aber das konnte natürlich nicht völlig gelingen.

Ich war schon aufgefallen, dass ich nie pünktlich das Büro verließ, sondern immer einen fiktiven Anlass fand, länger zu bleiben.

Ich war ja Geschäftsführer.

Schon als wir eine lockere Art miteinander hatten, war im Büro darüber gemunkelt worden, was wohl abends vor dich ging, wenn wir beide miteinander allein waren.

Jetzt verrieten unsere Blicke und ein gewisses Lächeln, das wir nicht unterdrücken konnten, sehr deutlich, wie es um uns stand.

Eines Tages stellte Carmelita Gina eine neugierige Frage, was die glückliche und verliebte Gina nicht anstößig fand: Wie Frauen ebenso sind: Sie teilen sich immer die indigsten Geheimnisse der Männer mit, und da das Team sowieso fast wie eine Familie gewesen war.

„Gina, hast du wirklich mit Pat ein inniges Verhältnis?“, fragte Carmelita Gina auf den Kopf.

„Gefühle, meine Liebe Carmelita, richten sich leider nicht nach dem Verstand.“ „Das solltest du am besten wissen“, erwiderte Gina glücklich.

Carmelita funkelte Gina an.

„Ich will mich nicht in dein Privatleben mischen“, fuhr Carmelita fort, „Das geht mich nichts an.“

„Wie gut, dass du das einsiehst!“, dachte Gina, hielt aber weiter den Mund.

„Aber für die Atmosphäre hier in der Agentur trage ich die Verantwortung“, sagte Gina und bestand darauf.

„Nur du?“, platzte Carmelita.

„Du natürlich auch“, erwiderte Gina, „wir beide.“ »Ich bin froh, dass du das begreifst.«

„Ich finde das Betriebsklima besser denn je.“, meinte Carmelita überzeugend. „Noch nie ist so flott gearbeitet.“ Alle harmonieren miteinander.

Gina wandte sich von Carmelita ab und verließ sie.

In Ihrem Büro rauchte Gina eine Zigarette.

Sie wollte nicht mehr an Ihren Berechnungen für die Vernissage arbeiten.

Das Vernünftige war, dass sie sich auf und davon nach Hause machte.

Die Arbeit musste für heute liegen bleiben. Aber was sollte sie mit den freien Stunden anfangen? Nach Hause fahren? Hatte sie keine Lust.

Nach einigen Überlegungen entschied sie die Zeit für eine längst fällige Routineuntersuchung bei Gina. Dort ging sie nicht gerne hin, denn sie besuchte lieber ihre Zahnärztin.

Sie rief an und bekam, wie nicht anders zu erwarten war, auf Grund ihrer persönlichen Beziehungen sofort einen Termin.

Gina verabschiedete sich nur von Carmelita. „Kommst du noch einmal?“, fragte sie. „Heute nicht mehr.“, antwortete Gina noch schnell.

Ohne Toni Gelegenheit zu geben, ihr die Tür zum Treppenhaus zu öffnen, eilte sie davon.

Die Gynäkologin, Frau Dr. Kylie Schade, eine große, grob knochige Frau mit klugem Pferdegesicht, begrüßte sie, indem sie Gina kurz in die Arme nahm und sie beide Wangen küsste.

„Lange nicht mehr gesehen, Gina.“, sagte Frau Dr. Schade.

„Kylie, soll das ein Vorwurf sein?“ „Ich finde, ich komme ziemlich regelmäßig.“ Erwiderte Gina mit einem kurzen Grinsen.

„Was die Regelmäßigkeit deiner Besuche betrifft, so kann man sie als „gut“ bezeichnen“, sagte Frau Dr. Schade. Ich habe sie im Computer nachsehen lassen. „Du warst fast ein Jahr nicht mehr bei mir.“

„Ist mir gar nicht aufgefallen“, erwiderte Gina, „Weißt du, ich hatte so viel zu tun.“

„Du bist doch Chefin, Gina, du hast doch bestimmt einen Terminkalender“, stellte Frau Dr. Schade fest.

„Den führt meine Sekretärin, Kylie“, erwiderte Gina.

„Dann kann die doch deinen neuen Termin eintragen“, sagte Frau Dr. Schade. „Nächstes Jahr die gleiche Zeit.“

„Das schiene mir denn doch nicht ganz passend“, sagte Gina.

„Anders wirst du keine Ordnung in deinem Privatleben bringen.“, sagte Frau Dr. Schade.

„Nein“, sagte Gina, „es sieht danach aus.“

Gina hatte schon während des Gesprächs begonnen, sich fast auszuziehen, denn sie wusste, dass das miefige Wartezimmer voll war.

„Na, dann wollen wir mal sehen“, sagte Frau Dr. Schade, „untersuchst du wenigstens deinen Busen, wie ich dir geraten habe?“

„Doch, schon“, behauptete Gina, „jedes Mal, bevor ich mich in meinen Swimmingpool stürze.“

„Du schwindelst, Gina“, sagte Frau Dr. Schade und warf Gina einen prüfenden Blick zu.

„Ach, weißt du, ich komme mir so blöd dabei vor.“, entschuldigte sich Gina.

Gehorsam bestieg Gina das schwarze Ungetüm, das für sie wirklich alles andere als ein „bequemer Frauenstuhl“ war.

„Nein, noch nicht die Beine hoch“, rief Frau Dr. Schade Gina zu, „erst will ich mir mal deine Brust vornehmen.“

Mit sensiblen Fingern begann die Ärztin sie zu betasten.

„Hübscher Busen, Gina“, konstatierte sie, „straff und ohne Makel.“ „Du solltest ihn wirklich nicht vernachlässigen.“

„Tu ich ja auch gar nicht“, antwortete Gina zickig.

„Jedenfalls: Diagnose negativ.“ »Nicht die Spur eines Knötchens.«

„Na, wunderbar“, sagte Gina beruhigend und zufrieden.

Gina legte die Knie über die Stützen.

Frau Dr. Schade hatte sich dünne Gummihandschuhe übergezogen und untersuchte Gina.

„Sag mal, wann hast du das letzte Mal deine Tage gehabt?“, fragte sie.

„Meine Tage?“, wiederholte Gina naiv.

„Nun komm mir nicht dumm!“, tadelte Frau Dr. Schade barsch.

„Du bist schließlich kein kleines, dummes Mädchen mehr“, sagte Frau Dr. Schade. Ich frage dich nach deiner Menstruation. „Wann hattest du die zuletzt?“

„Warum fragst du danach?“, fragte Gina verwirrt und in leichter innerlicher Panik.

„Das werde ich dir sagen, sobald ich deine Antwort habe“, erwiderte Frau Dr. Schade.

Die Ärztin nahm ein Stäbchen und machte den nötigen Abstrich.

Gina nahm die Beine herunter und stand auf.

Tut mir wahnsinnig leid, gestand Gina, „aber ich weiß es nicht genau.“

Frau Dr. Schade arbeitete interessiert mit dem Rücken zu ihr.

„Was soll das heißen, Gina?“, fragte die Ärztin.

„Dass ich nicht darauf geachtet habe“, antwortete Gina verwirrt.

„Nun, du wirst es doch wenigstens ungefähr wissen“, sagte Frau Dr. Schade. „Stehst du kurz, bevor deine Gebärmutter leicht geschwollen ist, was darauf schließen lässt.“

Gina begann sich wieder anzuziehen und glaubte, sich noch daran zu erinnern.

„Ich habe keine Ahnung“, gab sie mit Skepsis zu Antwort, „wenn ich darüber nachdenke.“ „Aber ich glaube, ich hatte den ganzen Sommer nichts mehr damit zu tun.“

„Also, schon Monate nicht mehr?“, fragte Frau Dr. Schade.

„Muss wohl so sein“, gab Gina zu Antwort.

„Und du hast dir nichts dabei gedacht?“, fragte die Ärztin nach.

„Nichts weiter.“ Ich habe es als ganz angenehm empfunden. „Jedenfalls habe ich sie nicht vermisst.“, erwiderte Gina unbesorgt.

Jetzt drehte sich Frau Dr. Schade wieder zu Gina um und sah ihr voll ins Gesicht.

„Du bist unglaublich, Gina!“, sagte Frau Dr. Schade mit einem ironischen Lächeln.

„Hätte ich deswegen etwa zu dir kommen sollen?“, fragte Gina nach.

„Unbedingt“, bejahte es die Ärztin.

„Warum?“, fragte Gina nach.

„Weil das Ausbleiben der Regel normalerweise jede Frau beunruhigt“, erklärte Frau Dr. Schade.

„Mich nicht.“, antwortete Gina und nahm ihren Blick zum Fußboden.

Frau Dr. Schade sah Gina prüfend an.

„Du kannst also ganz sicher sein, dass du nicht schwanger bist?“, fragte die Ärztin.

Gina hielt dem Blick Stand, aber ihre Augen vergrößerten sich. „Schwanger?“, dachte sie in meiner Situation. Ein Kind von Pat. Aber abtreiben lassen könnte ich es nicht. Das brächte ich nicht übers Herz.

„Nun?“, drängte Frau Dr. Schade.

„Ich kann mir das nicht vorstellen“, erwiderte Gina, „ich habe kein Gramm zugenommen, leide weder unter Bauchschmerzen, noch Heißhunger.“ „Nein, es gibt keinerlei Symptome, die auf eine Schwangerschaft hindeuten.“

„Außer dass deine Regel ausgeblieben ist“, wiederholte Frau Dr. Schade.

„Könnte das nicht auch andere Ursachen haben?“, fragte Gina nach.

„Oh ja!“ „Könnte es durchaus, Gina.“ sagte die Ärztin.

„Warum erschreckst du mich dann so?“, fragte Gina. Ihr stehen die Tränen schon fast in den Augen.

„Weil ich es für richtig halte, den Dingen auf den Grund zu gehen.“ „Bist du damit einverstanden, dass wir einen Test machen?“, erklärte die Ärztin.

„Aber ich fühle mich wirklich nicht so, Kylie.“ Erwiderte Gina. Jetzt bekam sie richtig Angst vor einer unerwarteten Überraschung.

„Du lieber Himmel! Gina!“, antwortete Frau Dr. Schade, „Gefühle!“ In meine Praxis kommen täglich Frauen, die sich fest einbilden, schwanger zu sein, nur weil sie sich ein Kind wünschen oder Angst haben, eines zu bekommen. Erzähl mir bitte nichts von Gefühlen, Gina! „Lass und lieber den Tatsachen ins Auge sehen.“

„Nah schön, wenn du meinst!“, sagte Gina erstaunt.

„Dann kremple deine Ärmel hoch!“, forderte die Ärztin.

Gina tat es.

Frau Dr. Schade legte einen Druckverband um den Oberarm und zog ihn fest an. Mit einer Spritze entnahm sie etwas Blut.

„Wenigstens stellst du dich nicht an“, sagte die Ärztin, als sie die Einstichstelle desinfizierte und mit einem Pflaster abdeckte.

„Danke.“, sagte Gina und strich den Ärmel wieder herunter.

„Ein bisschen Blass um die Nase bist du doch geworden.“ „Setz dich lieber!“, sagte die Ärztin. Sie wies auf den Stuhl vor ihrem kleinen Schreibtisch. „Es wird ein paar Minuten dauern, bis ich es heraushabe.“

Tatsächlich fühlte Gina sich etwas weich in den Knien. Der kleine, spektakuläre Piekser hatte ihr zwar nichts ausgemacht, aber der Anblick ihres Blutes hatte eine leichte Übelkeit in ihr aufsteigen lassen.

„Was würdest du denn machen, wenn sich herausstellt, dass du wirklich in anderen Umständen bist?“, fragte die Ärztin.

„Was schon?“, Gina zuckte die Achseln. „Mich darauf einstellen.“ Was sonst?

„Aber kannst du dir ein Kind überhaupt erlauben?“, fragte Frau Dr. Schade.

„Was heißt schon erlauben, Kylie?“ Ich würde ein paar Wochen ausfallen, aber ich habe einen guten Geschäftsführer und gute Mitarbeiter. „Das wäre also halb so schlimm“, sagte Gina und dachte daran, wie sie es ihrem Geschäftsführer Pat, erklären sollte.

Ein paar Wochen? „Nur ein paar Wochen?“, fragte die Ärztin neugierig nach. Gina schlug die Beine übereinander.

„Jetzt weiß ich wieder, warum ich so ungern zum Arzt gehe. Die Patienten kommen gesund in die Praxis. Vielleicht mal eine gute Unterhaltung über die letzten Skandale der Welt zu hören. „Der Onkel Doktor gibt sich so besorgt, als würde man aus dem letzten Loch pfeifen.“, stellte Gina mit einer bemerkenswerte Ironie fest. Frau Dr. Schade lachte.

Dann gab es eine ängstliche, aber erwartungsvolle Stille im Raum.

Die Ärztin nahm das Auge vom Mikroskop, durch das sie Ginas Blutprobe hatte.

„Entschuldige, bitte, Gina.“ Manchmal kann ich wahrscheinlich deine verdammte Selbstsicherheit nicht vertragen. „Du gibst dich so, als könnte dich nichts umwerfen.“, sagte die Ärztin.

Aber Gina hörte nur Flucht zu, weil ihre Gedanken bei dem voraussichtlichen Ergebnis des Blutes waren.

„Ein Baby bestimmt nicht“, sagte Gina, „wenn man genügend Geld und Raum hat, lässt sich doch so etwas bestimmt arrangieren.“ Man müsste nur eine Person finden, die…

„Vergiss es, Gina!“ „Du bist nicht schwanger.“ Unterbrach die Ärztin Gina plötzlich.

Gina stand auf und ihr viel ein Stein vom Herzen.

„Habe ich es mir doch gedacht, Kylie!“, sagte Gina und trat zu der Ärztin, die sich die Hände wusch. „Aber was ist dann mit mir los?“, sagte Gina verzweifelt.

„Mit Bestimmtheit kann ich dir das erst sagen, wenn ich den Befund bekomme“, sagte sie und drehte sich zu Gina. „Es ist allerdings nicht wahrscheinlich, dass er positiv ausfällt.“

„Na, das klingt ja immerhin tröstlich.“, sagte Gina.

Frau Dr. Schade setzte sich an ihren Schreibtisch.

„Ich nehme an, es ist die beginnende Klimatisierung“, sagte die Ärztin dann.

Was? „So früh schon?“, fragte Gina überrascht.

„Bei manchen Frauen geschieht das früher, bei anderen später“, gab die Ärztin zu Antwort, „bei dir hängt es bestimmt mit dem Stress zusammen, indem du lebst.“

„Soll das heißen, ich werde nie wieder Blutungen haben?“, fragte Gina.

„Vielleicht ja, vielleicht nein“, sagte Frau Dr. Schade, „das ist schwer vorauszusagen.“ Hattest du in den letzten Monaten seelische Schwierigkeiten, Depressionen, innere Unruhe? 

„Ganz im Gegenteil, Kylie“, sagte Gina, „ich habe mich verliebt.“

Gina sah ihre Freundin herausfordernd an.

„Gina, es bedeutet nichts weiter“, sagte die Ärztin, „als dass dein Körper keine befruchtungsfähige Eizellen mehr produziert.“

„Na dann ist doch alles in Ordnung“, sagte Gina glücklich. Die Idee ihres Vaters war immer gewesen, dass er einmal kleine Enkel von seiner Tochter bekommt, aber Gina wollte ihr Leben leben und Karriere machen. Auch jeder Versuch, Gina darauf anzusprechen, den Vater, war vergebens. Ihre Mutter konnte es verstehen, denn sie musste in ihrem Leben viele Kompromisse machen und auf vieles verzichten. Aber sie wollte, dass es ihre Tochter besser haben kann.

„Vielleicht solltest du doch mit deinem Geliebten darüber sprechen“, sagte Frau Dr. Schade.

„Über so etwas habe ich noch nie mit einem Mann geredet. Ich habe auch keinen gekannt, den das interessiert hätte.“ „Außerdem bin ich sicher, dass er nicht scharf darauf ist, dass ich ein Kind von ihm bekomme“, sagte Gina.

Auf der Heimfahrt überlegte Gina, den Frauenarzt zu wechseln, wusste aber gleichzeitig, dass sie es doch nicht tun würde. Kein Gynäkologe würde sich so sehr um Gina bemühen wie Kylie, wenn sie wirklich einmal krank sein würde.

Wahrscheinlich stieß sich ihre sensibel, neidische Freundin daran, dass sie immer gesund und munter war und ihr nie etwas fehlte.

Dass Gina ins Klimakterium gekommen sein sollte, nahm sie nicht ernst. Sie hatte oft genug davon gehört, dass die Menstruation in Stresssituationen monatelang ausbleiben konnte. Wenn es aber tatsächlich endgültig bei ihr damit aus sein sollte, war es ihr auch egal. Gina fühlte sich jung, seelisch und körperlich fit, dass das nahende Alter noch keine Bedrohung für sie darstellte.

 

 

Kapitel 10

Ich legte mir ein weißes Badetuch um, das gleichzeitig als Handtuch diente.

Ich ging zur Bar und goss mir einen doppelten Scotch ein, obwohl mir das Zeug immer auf den Magen schlug. Dann ging ich damit zum Fenster und blickte hinaus.

Der Blick auf den wolkenlosen Himmel besserte meine Laune. Ich hob das Glas und trank der gut gelaunten Sonne zu.

Das nervige Telefon rief mich vom Fenster weg.

Ich hob den Hörer ab.

„Ja.“ sagte ich mit brummender Stimme.

„Pat Steawens?“ Hier spricht Alberto. Es meldet sich ein unverkennbarer Junkie-Akzent.

„Alberto?“ Ja. „Kenne ich.“ Erwiderte ich mit einem ironischen Sarkasmus. „Und was kann ich für dich tun?“, fragte ich nach.

„Sie könnten mir eine Stellung geben“, sagte Alberto.

„Als Was?“, fragte ich verblüfft. „Was immer du willst“, sagte Alberto ganz im Ernst. „Als Ihr Übersetzer, Chauffeur, Sekretär.“ Ich habe Erfahrung. Zwei Jahre Marketing und ein Jahr Werbung. Gute Referenzen. Außerdem bin ich ehrlich. Ich bin so wie die meisten hier, die einem den letzten Pesos klauen, wenn man nicht die ganze Zeit die Hände in den Taschen behält.

„Du bist waschechter Mexikaner?“, fragte ich.

Ich bin Mexikaner. Aber meine Eltern waren Deutsche, wie du. „Ich bin in Mexiko geboren“, antwortete Alfredo.

„Okay“, sagte ich. „Ich möchte ganz gern mit dir reden und schau morgen bei mir im Büro vorbei.“

Dann hatte ich den Hörer aufgelegt und legte mich noch einmal ins Bett.

Das Zimmer war dunkel.

Nach zehn Minuten spürte ich den Druck einer kalten Hand auf meiner Schulter. Ich wälzte mich herum und seufzte tief auf. „Es ist beinahe zehn Uhr“, sagte Gina. „Maria Grunewald, vom Marketing, wird jeden Augenblick hier sein.“ „Verdammt, ich muss mich duschen“, sagte ich.

Ich stand auf. „Gina! Bestell mir einen Tisch zum Abendessen im Galano.“, sagte ich.

„Ich habe das Abendessen schon bestellt, Pat“, erwiderte Gina.

Ich sah Gina erstaunt an.

„Hältst du das für klug?“ „Die ist nicht irgendein Vötzchen, weißt du“, sagte Gina und grinste.

Ich antwortete nicht.

Auf dem Weg ins Badezimmer sagte ich nur: „Wenn sie kommt, leiste ihr bitte Gesellschaft, bis ich angezogen bin.“

Tatsächlich kam Maria eine Stunde zu spät.

Gina und ich waren schon sehr verärgert. Aber so ist es in Mexiko: Locker bleiben und immer lächeln.

Als es an der Tür klingelte, erhob ich mich leicht. Gina öffnete mit einem Lächeln. Maria trat ein. Mir stockte der Atem.

Das war die Wirkung auf mich, es war unglaublich.

Marias Schönheit und Weiblichkeit verursachten mir Schmerzen in den Eingeweiden.

Sie kam direkt auf mich zu.

Ich küsste Sie auf die Wange.

Meine Nase füllte sich mit Ihrem warmen Duft.

„Ich bin froh, dass du mir nicht böse bist, Pat.“, sagte sie.

Gina lächelte und kochte vor Wut.

„Wer könnte einer so schönen Frau böse sein?“, fragte ich höflich.

Maria fühlte sich geschmeichelt und lächelte.

Sie sah ein Bild an der Wand und sah es sich an. Ein Picasso ist es gewesen, sie staunte und bewunderte es.

Maria schien nicht zu bemerken, dass Gina und ich ins Schlafzimmer verschwunden waren. Gina sah sich die anderen bewundernswerten Bilder an.

Das Telefon klingelte.

„Es ist eine Freundin, sie wollte sich melden“, sagte Gina, „ich werde im Schlafzimmer sprechen.“ „Willst du mich bitte entschuldigen?“

Ich nickte und lachte Maria zu, als ich wieder das Schlafzimmer verlassen hatte.

„Okay, Maria, ich will dich nicht länger in Anspruch nehmen.“ So oder so. „Ich bin dabei.“ sagte ich.

„Glaubst du das wirklich, Pat?“, fragte Maria skeptisch. Sie fühlte sich abserviert, was ihr nicht gefallen hatte. Ich nickte.

Maria kehrte mir mit einem heimlichen Lächeln in den Augen das Gesicht zu.

Ich errötete.

Sie kam gelassen zu mir, ihre Finger fanden den Reißverschluss und öffneten ihn.

Plötzlich ließ sie mich stehen und verabschiedete sich.

„Ich ruf dich an, im Büro“, sagte sie noch, bevor sie die hinter sich Tür schloss.

Am nächsten Morgen erschien Toni nicht zur Arbeit.

Zuerst zwang Gina sich, sein Fernbleiben zu ignorieren.

Sie wollte nicht den Anschein erwecken, dass sie sich mehr Gedanken um ihn machte als um jeden anderen ihrer Mitarbeiter.

Am frühen Nachmittag fragte Gina dann aber doch mich: „Pat, was ist eigentlich mit Toni?“ „Er hatte sich krank gemeldet“, erwiderte ich. Dabei ließ Gina es bewenden und zog sich in ihr Zimmer zurück.

Sie nahm sich Zeit, gönnte sich einen Blick in den Spiegel, räumte schnell ihren Schreibtisch leer und ging in die Tiefgarage zu ihrem Wagen.

Bevor sie startete, zog sie den Stadtplan aus der Seitentasche der Autotür und entfaltete ihn, um sich zu orientieren. Sie steckte dann den Stadtplan an seinen Platz zurück und fuhr los.

Immer gerade aus.

Gina parkte später auf der unbebauten Seite.

Plötzlich, schossen ihr ganz widersprüchliche Gedanken durch den Kopf.

„Was ist mit mir los?“, dachte sie sich.

Ein junger Mann, der ihr entgegenkam, sah Gina bewundernd an, aber das merkte sie gar nicht.

Plötzlich wurde Gina bewusst, dass ihr Vorgehen, hier auszusteigen, unsinnig war.

Trotzdem ging sie ziellos weiter.

In meinen Träumen war alles immer groß.

Das betraf zuerst die eigene Person. Im Traum war ich eins, achtzig groß, schlank, sportlich, breitschultrig und schwarzhaarig, der American-Latin-lover-Mann, dem die Frauen seufzend mit feurigen Blicken nachschauten.

Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass ich trotz aller Streckungen nie größer werden würde als die Körpergröße von eins dreiundsiebzig, die meine Eltern mir mitgegeben hatten.

Da fasste ich einen genialen Entschluss.

„Aber welchen?“, dachte ich mir.

Wenn ich nicht eins achtzig groß werden konnte, musste ich eben so handeln, als wäre ich eins achtzig.

Ich liebte Actionfilme, Pornos. Jeden Einzelnen, gut oder schlecht. Ich sah alle, wenn sie schließlich im Fernsehen gespielt wurden oder in der Videothek auszuleihen.

Manche davon zwei- oder dreimal.

Auch viermal, wenn ich Besuch von meinen

Freunden bekam.

Und wieder begann ich zu träumen.

So war es auch an jenem Morgen, als ich gegenüber dem Kino aus der Bar kam.

Es war warm.

Eine flimmernde Hitze lag bereits über den Straßen von Mexiko City.

Ich stand an der Ecke und schaute hinüber.

Eine große bunte Leuchtreklame war über der breiten Eingangstür angebracht.

Darüber war in schwarzen Blockbuchstaben der Hauptfilm angekündigt: Die Machenschaften der Firma mit SIDNEY P. und TOM C.

Und ausgewählte Kurzfilme im Vorprogramm.

Ich überquerte die Straße und blieb bei der Kasse stehen.

Der Hauptfilm lief schon.

Von der Kasse nahm ich mir ein buntes Programmheft und sah mir die Hauptfilme für die nächste Woche an. Plötzlich hörte ich, wie sich die Tür hinter mir öffnete. Ich wandte mich um.

Es war Nina, von der Kasse, die ich schon von meinem ersten Kinobesuch kannte.

Sie schaute mich vorwurfsvoll an.

„Du hast gestern Abend nicht mal angerufen“, sagte sie.

„Es war schon spät. Ich bin erst um eine Uhr morgens aus dem Büro gekommen. „Ich glaubte, du würdest schon schlafen“, antwortete ich.

„Ich hatte dir doch gesagt, ich bleibe wach und warte auf deinen Anruf“, sagte Nina.

Das hatte man davon, wenn man nett zu den Frauen war. Man fickt sie zweimal, nah gut, es kann auch dreimal gewesen sein – schon glauben sie, man gehört ihnen.

„Ich war müde.“ sagte ich genervt.

Nina schloss sorgfältig die Tür hinter sich.

„Bist du es noch immer?“, fragte sie mich fordernd und grinste dabei.

Ich verstand Ihre Frage und musste lächeln.

„So müde wieder nicht“, antwortete ich.

Sie drehte den Schlüssel um und kam auf mich zu. Sie war groß, fast auf meine Größe. Ich mochte diese Frau und sie war überall groß, was mich faszinierte. Große Titten, großes Hinterteil.

Wir umarmten uns. Während wir uns küssten, lehnte sie sich an die Wand, um im Stand fester zu sein. Meine Finger fummelten an den Knöpfen Ihrer weißen Bluse.

Nina lachte ein wenig, aber nun war sie ihrer Sache sicher.

Mit einem raschen Griff öffnete sie ihre Bluse und die schwer im BH liegenden Brüste quollen erregt hervor.

Ich machte mich am Verschluss zu schaffen und entblößte sie.

Mit einem fast animalischen Schrei vergrub ich mein Gesicht in Ihrem Busen.

Mit einer Hand drückte sie meinen Kopf fast an sich, mit der anderen öffnete sie den Reißverschluss meiner Hose.

Ninas Hand umfasste mein angeschwollenes Glied.

„Hast du was…?“, flüsterte sie mir zu.

Ich starrte sie an.

„Hier? „Ich hab doch nicht erwartet…“, antwortete ich verwirrt.

Nina zog ihre Hand zurück, als ob sie ein heißes Eisen angefasst hätte.

„Dann hören wir lieber auf, Pat“, sagte sie. „Ich darf nichts riskieren.“

„Mein Gott!“, sagte ich und war verärgert. Du wirst doch jetzt nicht aufhören. „Ich zieh ihn raus, bevor es mir kommt.“

„Versprichst du es mir?“, fragte sie.

Nina wollte es, denn sie war auf erregten Hochtouren mit ihrem Libido.

„Ich verspreche es“, sagte ich.

„Ich will kein Kind bekommen“, sagte sie und ließ ihren Rock fallen. Sie hatte keinen Tanga drunter.

„Dreh dich um“, sagte ich und legte ihre Hände an die Wand, so dass sie halb gebückt stand.

Ich ließ die Hose fallen und drang vorsichtig in sie ein, während ich sie mit den Armen umfasste und ihre hängenden Brüste in die hohlen Hände nahm.

„Oh Gott! Du stößt dich ja voll durch!“, schrie sie. „Mach weiter, ich will dich härter und tiefer spüren!“

Ich hielt sie fest, schob mich eng an sie und entschwand in meine eigne Welt voller fantastischer Brüste, Hinterbacken und wollüstiger Höhlen. Ich schloss für einen Moment die Augen.

Dann, plötzlich erfolgte die Explosion. Ich zog mein Glied aus ihr raus und spritzte auf ihr Hinterteil. Nina geschah es im gleichen Moment, zu explodieren, und sie schrie vor Erfüllung. Einen Augenblick standen wir regungslos da und rangen nach Luft.

Sie drehte sich zu mir, um mich zu küssen. Ihre Arme drehten mich mit dem Rücken an die Wand, das Gewicht ihres heißen Körpers stemmte mich fester.

Dann bewegte sie sich und umschloss mit ihrer feuchten Hand mein schlaffes Glied, um es wieder anschwellen zu lassen.

Ich nahm Sie zur Seite und zog meine Hose hoch.

„Zieh dich an“, sagte ich. „Ich glaube, jemand hat uns zugesehen.“ Ich sah mich um.

In der Ferne hörte ich das Geräusch eines Motorrades. Es war reines Glück, dass wir nicht mitten auf der Straße zu sehen waren. Idiotisches Glück. Ich saß mit unbehaglichen Gefühlen im Wohnzimmer bei Gina, während sie in der Küche das Essen zum Abend vorbereitete.

Ab und zu warf Gina einen Blick zu.

Ich lächelte, beobachtete Gina und überschlug gleichzeitig mein Guthaben im Kopf.

Dann kam auch Gina aus der Küche und brachte das Abendessen und stellte es auf den Tisch. Ich öffnete eine Flasche Wein dazu. „Probieren geht über Studieren“, sagte Gina. Ich nickte.

Gina schwieg eine Weile.

„Nah?“, fragte sie mich, als ich den Kaviar probierte.

„Magst du auch eine Zigarette?“, fragte Gina.

„Gern“, sagte ich.

Gina holte vom Schreibtisch eine Schachtel, die dort irgendwo lag. Sie steckte sich eine Zigarette zwischen die Lippen, bevor sie mir eine davon gab. Ich zündete ein Streichholz an und gab ihr Feuer.

Dann lehnte ich mich bequem in meinem Sessel zurück.

Wir schwiegen eine Weile und nippten am Glas Wein.

Und plötzlich?

Beide begannen gleichzeitig zu sprechen.

„Verzeih mir“, sagte sie.

Ich zögerte und sah ihr in die Augen.

„Tut mir leid“, sagte ich.

Wieder schwiegen wir.

„Du weißt, dass ich keine Kinder bekommen kann?“, fragte sie mich.

Ich war verwirrt und wusste nicht, was Gina von mir wollte. Eigentlich wollte ich ihr ja die Affäre mit Nina gestehen.

„Ja“, sagte ich und sah sie dabei an.

Zwei Wochen nachdem Gina bei der Frauenärztin Frau Dr. Schade gewesen war, wusste sie, dass sie es mir erzählen würde.

„Mach die einen Drink zurecht“, sagte Gina, „das Geschirr stell ich schnell in die Küche."

„Gut“, erwiderte ich. „Ich mach dir einen mit, Gina“, rief ich ihr nach.

„Heute Abend läuft im Fernsehen ein guter Film“, rief Gina aus der Küche.

Ich lächelte.

„Ja, das ist eine gute Idee.“, antwortete ich.

Gina kam aus der Küche und ging auf mich zu. Sie legte ihre Arme um mich und wir küssten uns mit voller Leidenschaft.

Ihre Augen waren fester als ihre Stimme.

„Du bist ein Mann“, sagte sie, „mit dir verglichen sind alle anderen kleine Jungs.“

Gina drehte sich um und setzte sich auf die Couch.

Ich ging ihr nach, setzte mich neben ihr und nahm ihre Hand.

Sie blickte zuerst auf den Fernseher, dann auf mich.

„Ich möchte, dass du dir einen neuen Anzug kaufst“, sagte sie plötzlich.

„Wozu denn?“ Ich habe mir doch erst einen gekauft. „Das genügt doch.“, erwiderte ich naiv.

„Ja, für einen schimmligen Beamten in einer langweiligen Behörde“, sagte Gina. „Nicht für einen erfolgreichen Geschäftsmann.“

Und damit war der Fall erledigt. Glaubte Gina. Bis ich mich am nächsten Morgen anziehen wollte.

Ich rannte durch das Wohnzimmer ins Badezimmer.

„Gina! Wo sind denn alle meine Anzüge, zum Teufel?“, schrie ich.

„Pat, mein Süßer, du schreist“, sagte sie, „das ist ungesund.“

„Ist es gesund, nackt herumzulaufen?“, brüllte ich. Was hast du mit meinen Anzügen gemacht?

„Den Pennern auf der Straße gegeben“, sagte sie und grinste mir in die Augen. Ich war sprachlos. „Ich habe dich beim Maßschneider angemeldet“, sagte sie beschlossen. „Heute Morgen um zehn, ich gehe mit dir hin.“

„In Gottes Namen.“ „Aber was soll ich inzwischen anziehen?“, fragte ich hilflos.

„Den knittrigen Anzug, den du gestern getragen hast“, sagte sie und sah mir in die Augen, dass sie es wirklich ernst meinte.

Wir bestellten die eleganten, maßgeschneiderten Anzüge, alle vom gleichen Schnitt, drei in Schwarz, drei in Dunkelblau.

Aber ich musste auch nachher zugeben, dass ich besser aussah.

Die neuen Schuhe mit dem eingebauten Innenabsatz waren auch kein Fehler.

Einige Tage später wartete Gina in meinem Büro, das wir gemeinsam benutzten, bis ich mit einem neurotischen Künstler von Villahermosa genug gestritten und geschrien hatte.

„Warum brüllst du so?“, fragte Gina ruhig. „Bei dieser Lautstärke könntest du dir die Kosten für ein Auslandsgespräch bei der Telefongesellschaft sparen.“

„Was soll ich denn machen?“, brüllte ich, „wenn der Hurensohn versucht, mich um drei Tausender zu bescheißen?" „Du schreist schon wieder“, sagte sie, „und ich sitze doch nur einen Meter, interessiert, von dir entfernt.“

„Natürlich schreie ich“, schrie ich lauter, „und ich schreie so viel ich will.“ „Ich bin wütend, wenn mich jemand verscheißern will.“

„Du könntest mit leiser Stimme ebenso wütend sein und die Leute würden mehr Respekt vor dir haben.“, sagte sie.

Gina erhob sich.

„Pat, du hast es nicht mehr nötig, zu schreien“, sagte sie hinzu, „damit die Leute dich anhören.“ Du hast Erfolg. Du bist ein großer Mann. „Man wird dich auch anhören, wenn du flüsterst.“

Gina verließ das Büro und ich folgte ihr mit den Augen.

Dann kehrte mein Blick zu meinem Schreibtisch zurück.

Das war der Haken mit den Weibern, dachte ich leise. Sie waren nicht glücklich, bevor sie einen nicht umgekrempelt hatten.

Und dann verlassen sie dich, mit der Hälfte deines Vermögens und dem Rest der heilen Seele. Das ist dann dein Untergang. Ein Stück „Tita“

Aber Gina hatte vielleicht nicht ganz Unrecht. Wie damals mit den Anzügen.

Man konnte es immerhin versuchen. Wenn es nicht klappt, würde ich weiter schreien.

Als wir abends im Bett lagen, sagte ich: „Gina?“ „Du hattest ganz recht, weißt du.“

„Womit?“, fragte sie neugierig.

„Mit dem Schreien, meine ich.“ Es ist eigentlich unnötig. „Wahrscheinlich ist es nur eine schreckliche Gewohnheit, vielleicht nur meine originelle Art zu zeigen, dass ich das Sagen habe“, sagte ich. Ich zog Gina an mich. Gina wertet mich ab. „Pat, ich möchte noch etwas mit dir besprechen.“, sagte sie. „Hat das nicht Zeit bis Morgen?“, fragte ich wie ein kleiner Junge. „Jetzt möchte ich vögeln“, sagte ich wie ein Mann. „Darüber will ich jetzt mit dir reden“, sagte sie. Ich tastete zur Nachttischlampe, knipste sie an und setzte mich auf. Also, was ist los? „Wie?“, fragte ich schnell, um endlich vögeln zu können.

Gina war errötet. „Ich kann nicht reden, wenn das grelle Leicht brennt und du mich so erwartungsvoll anstarrst“, erklärte sie.

Ihr Gesicht war ganz rot, sie senkte bedrückt den Blick.

„Das ist es eben.“ „Pat, du bist so ungeduldig“, sagte sie, „immer bist du in Eile.“

„Wovon redest du eigentlich?“, wollte ich wissen. Gina sah mich an.

„Wir vögeln seit langer Zeit miteinander“, sagte sie leise. „Und ich habe, scheint mir, erst drei Orgasmen gehabt, seitdem wir zu zweit ficken.“ „Als Kim noch dabei war, war es anders.“ Jetzt klang meine Stimme besorgt. „Warum hast du mir das nicht schon früher gesagt?“, sagte ich. „Vielleicht sollten wir eine neue Freundin an unser Sexleben mitfühlen lassen, dass es wieder bei dir stimmt, wenn du mit einer Frau und einem Mann ficken kannst.“ „Ich liebe dich, das weißt du“, sagte Gina. „Ich liebe dich auch“, sagte ich, „und ich möchte es mit zwei Frauen treiben, ohne Kompromisse.“ „Dabei kann ich länger und ich komme besser auf Touren.“

Ich knipste die Lampe aus, beugte mich zu ihr nieder und küsste sie. Sie führte meinen Kopf zu ihren Brüsten und drückte mich fest an sich.

Bald darauf drang ich geschmeidig in sie langsam ein, bis sie laut und leidenschaftlich aufstöhnte.

„Spürst du mich in dir?“, flüsterte ich. „Wundervoll“, erwiderte sie warm und zärtlich.

Ich wurde stärker in ihr.

Gina erwiderte meine kräftigen Stöße. „Ich bin bald so weit.“, flüsterte ich heißer.

Fest mit ihren langen, roten Fingernägeln, an mir geklammert hob und senkte Gina sich wie eine wilde Katze mit mir, bis die Erregung in uns verströmt war.

Dann lagen wir still und die Schlaffheit überkam uns. Gina spürte meinen heißen Atem an Ihren Wangen und öffnete die Augen.

Mein Blick lag auf ihr und mein Gesicht entspannte sich zu einem Lächeln.

Ich blickte auf, als Toni ins Büro trat. Toni legte ein Blatt Papier vor mir hin.

„Das sind die letzten Zahlen von der Vernissage in Havanna.“ „Was sagst du dazu?“, sagte Toni. Ich zuckte die Schultern. Toni starrte mich wortlos an. „Aber du bist ja der Fachmann“, fuhr Toni spöttisch fort. „Die Vernissage wird die Größte sein, hast du gesagt.“

„Nur nicht so stürmisch, Toni!“, fuhr ich Toni an. Die Vernissage ist großartig. „Ich habe die besten Künstler ausstellen lassen, und die Käufer waren begeistert.“ Begeistert? „Gut.“, sagte Toni.

„Okay, Toni, du bist angespannt, darauf nehme ich Rücksicht“, sagte ich leise. „Geh jetzt wieder in dein Büro und beruhige dich.“ „Wir reden über die jetzige Vernissage, die in den nächsten Tagen festgelegt ist, wenn du nicht so angespannt bist.“ Ich suchte aus den Papieren auf dem Schreibtisch einen Brief heraus, an dem ein Scheck befestigt war. Als ich abends, nicht nach Haus fuhr und zu Gina kam, begab ich mich geradewegs ins Schlafzimmer, wo Gina war, um sich umzuziehen. Sie schlüpfte in einem bequemen weißen Hausanzug, steckte die Füße in pinkfarbene Plüschpantolette und ging ins Wohnzimmer.

Der Whisky und die Eiswürfel standen schon auf dem Tisch. Ich mischte mir einen Drink, als ich mich von meinen unbequemen Sachen befreit hatte und fast nichts mehr am Leib trug, außer ein dünnes, schwarzes Sweatshirt von Gina und meine gestreiften engen Shorts. Ich setzte mich auf die Couch.

Dann nahm ich einen großen Schluck von meinem Drink und blickte auf den Fernsehschirm, wo die Werbung lief. Ich wechselte die Kanäle mit der Fernbedienung, bis ich etwas fand, das mich interessierte. Dann lehnte ich mich bequem auf der Couch zurück und wartete auf Gina, die immer noch im Badezimmer gewesen war. Ich goss ein wenig Whisky in ein Glas, hielt es in der Hand, bis Gina, nach öfteren Rufen, mit neuem Eis wiederkam, warf einige Würfel hinein und rührte mit dem Finger um. „Eine schreckliche Angewohnheit“, sagte Gina ärgert. „Aber es erhöht den Wohlgeschmack.“, sagte ich. Gina schaute auf den Bildschirm.

„Schon wieder eine Action?“, stöhnte Gina. „Siehst du dir nie etwas Anderes an?" „Wie romantische Filme.“

„Mir gefallen die Actionfilme“, verteidigte ich mich.

„Ich geh zu Bett.“, sagte Gina und verließ das Zimmer, ehe ich antworten konnte.

Ich blieb noch ein paar Minuten sitzen, dann erhob ich mich und folgte ihr mit dem halbvollen Glas in der Hand ins Schlafzimmer.

Ich trank einen Schluck aus meinem Glas.

„Du hast dich verändert, Pat“, sagte sie, „Ich weiß nicht, was in dich gefahren ist.“ „Früher warst du nie so.“

„Nein“, sagte ich überrascht.

Ich stellte das Glas hin und trat auf Sie zu. Gina ließ sich von mir umarmen und ich legte ihren Arm an meine Brust.

„Ich mach mir Sorgen, Pat“, sagte sie.

„Ich auch“, gestand ich.

Plötzlich standen dicke Tränen in ihren Augen.

Sie ging zur Kommode und nahm ein Papiertaschentuch aus der Schublade.

„Ich hätte gern was zu trinken.“, sagte sie plötzlich und überraschend. Wir gingen ins Wohnzimmer und ich mixte die coolen Drinks. Als wir uns wieder setzten, begann eben ein neues Programm.

Gina sah eine Weile zu. „Für mich ist der Film genauso wie alle anderen“, sagte sie dann. „Immer schießen Sie aufeinander oder hauen sich mit der Faust ins Gesicht!“

Ich war gefesselt von den Vorgängen auf dem kleinen Bildschirm.

 

 

Kapitel 11

Das kleine Flugzeug schlingerte, als einem übel wurde, als es über die Berge zum Flugplatz Cancun niederging. Der Pilot fluchte auf ein wenig Spanisch und ein wenig Portugiesisch, während er den Stabilisator regulierte. Dann wandte er sich laut an den nach Whisky stinkenden Jacko, um ihm rasch etwas zu erklären.

Jacko nickte.

„Der Pilot möchte sich wegen des leichten Schwankens entschuldigen“, sagte er zu mir, weil ich hinter ihm saß. Er hat schon lange keine kleinen Flieger geflogen und ist nun ein wenig aus der Übung. Er steuert gewöhnlich große Constancy, aber er sagt, wir sollen uns keine Sorgen machen.

Ich spürte ein unangenehmes Gefühl im Magen, als das Flugzeug so plötzlich an Höhe verlor.

„Er sucht sich einen komischen Moment aus, um uns das Mitzuteilen“, stellte ich fest. „Er soll üben, so viel er will, aber in seiner Freizeit und nicht, wenn ich mit ihm in einem Flugzeug sitze.“

Vorn beim verrückten Piloten schnatterte der Sprechfunk.

Er antwortete laut, mit verzögerter Stimme.

Der Pilot brachte das Flugzeug im weiten Bogen über das Meer hinaus.

„Was ist denn jetzt los?“, fragte ich nervös.

„Nichts.“, schrie Jacko. „Wir haben die Landegenehmigung erhalten.“

„Was treibt er denn?“, fragte ich. „Will er das klapprige Flugzeug zum U-Boot machen und zum Tauchen ansetzen?“

Jacko musste laut los lachen. Er fand, dass es ein guter Witz war.

Es war ein strahlend sonniger Tag, das Meer war ruhig und türkisblau.

Da und dort tauchten die Segel einiger Schiffe auf.

Das Flugzeug kam ordentlich hinunter und setzte auf der Piste auf.

Ich stieß einen hörbaren Seufzer aus, als die Räder den Boden berührten. Der außergewöhnliche Pilot, mit seinem rasanten Flugstil rollte mit uns auf das kleine Flughafengebäude zu.

Nun war ich gelandet auf der westlichen Yucatan-Halbinsel.

Ich hatte eine großartige und atemberaubende Aussicht über das Karibische Meer.

Ein Platz zum Träumen.

Ich war vierundachtzig Kilometer vom Flughafen Cancun und siebenunddreißig Kilometer der antiken Stätten von Tulum entfernt.

Und außerdem gibt es auch vierhunderttausend Quadratmeter tropischen Küstenurwald.

Der weiße, feinsandige Strand, wird durch ein vorgelagertes Riff geschützt. Der Strand läuft zu einer Seite weit aus. Die Strandbreite ändert sich je nach Jahreszeit durch die Brandung.

Auf der Yucatan-Halbinsel spricht man schon Deutsch, Englisch und Spanisch.

„Der Wagen wird uns erwarten“, sagte Jacko, „er bringt uns ins Hotel.“

Dort werde ich rasch duschen, bevor ich mich schon mal auf der Halbinsel kundtue, dachte ich.

„Zur Mittagszeit, da arbeitet hier niemand.“, sagte Jacko. „Also Wundert euch nicht!“

Wir fuhren über den Hauptplatz mit der unvermeidlichen Kirche und waren kurz darauf an Ort und Stelle. Ich zwinkerte.

Eben hätte ich noch geschworen, ich sei ins sechzehnte Jahrhundert zurückgesetzt.

Aber das Gefühl hatte ich schon, als ich den Boden von Mexiko betrat. Alles hatte so alt gewirkt: die Menschen, die Häuser. Der Fahrer parkte den großen Ford, der bei der Fahrt einen rasanten Seegang besaß, auf einem Parkplatz direkt am Hotel. Er beugte sich vor auf das verdreckte Armaturenbrett, als wolle er seinen Wagen beglückwünschen, weil er so tapfer durchgehalten hatte. „Va bene“, sagte er. Ich stieg aus und sah mich um. Jenseits der Straße spielten ein paar ältere Männer auf einem Platz Boccia.

Andere lagen phlegmatisch im Schatten und rührten sich nicht, einige hatten den Hut über das braune Gesicht gezogen und schliefen. Wer noch wach war, begegnete seinem Blick mit träger Neugier.

Und ihnen entging kein spektakuläres Geschehen.

Aber, mehr wäre bei den Männern bei der Hitze zu anstrengend gewesen.

Ich drehte mich wieder um und beobachtete den kleinen Mann neben der Palme. Unter dem breitrandigen Hut konnte ich nur die dunklen Augen erkennen. Seine Augen waren überall. Wie eine Kamera. Ich ging auf mein Hotelzimmer und zog mich um, denn ich wollte schnell in den Swimmingpool springen.

Später ging ich ins Strandrestaurant, um etwas zu essen.

Es war nach zehn Uhr abends, als Katharina und Sonja, zwei süße Mädchen, die ich in der Bar kennengelernt habe, hinter uns die Tür verschlossen hatten, und ich lehnte mich erschöpft und ausgepumpt an die Wand.

Nach einer Weile ging ich ins Zimmer.

Im Eiskübel schwammen noch ein paar Würfel – vielleicht würde uns noch ein Drink Katharina ein wenig aufmöbeln.

Sie warf Eis in zwei Gläser, goss Whisky drüber, fügte etwas kaltes Wasser, das noch auf dem Tisch stand, hinzu und kam zu mir heran.

Dann ließen Sie sich auf die Couch fallen. „Wann fliegst du wieder zurück?“, fragte sie. „Ich weiß es nicht“, antwortete ich. Unwillkürlich blickte ich auf ihre nackten Finger.

Ich musterte sie.

Nach einer Weile nahm sie meine Hand und führte mich zum Bett.

Einen Augenblick herrschte Stille.

„Ich habe gehört, dass ihr Mädchen eine Cola und Likör zum Duschen verwendet, aber hast du es schon mal mit 55igern versucht?“ „Das muss doch besser sein“, sagte ich.

Katharina lachte.

„Was hast du gesagt?“, fragte Katharina unverständlich.

„Da wir schon so viel Zeit vertrödeln, warum wir nicht ins Bett gehen?“, sagte ich.

„Ich habe nichts dagegen“, sagte Katharina.

Die Schlafzimmertür schloss sich hinter uns und ich wandte mich Katharina zu.

Ich warf einen Blick über Sonjas nackter Schulter in das Zimmer.

Plötzlich lagen beide Mädchen splitternackt und ineinander verschlungen im Bett. Sie streiften sich nur ihr Kleid ab, darunter waren sie schon nackt.

„Mir scheint, die beiden pflegen die Liebe“, dachte ich.

Ein Ausdruck der Bewunderung, trat in mein Gesicht.

Ich lächelte den beiden freundlich zu.

Sonja erwiderte mein Lächeln und befeuchtete sich mit der Zunge ihre Lippen.

„Willst du uns nur anstarren?“, fragte Katharina.

„Ich habe keine Eile.“ Erwiderte ich.

„Und dabei hieß es immer, dass es keine Männer gibt, die Frauen in ihrer sexuellen Erregung schwitzen lassen“, sagte Sonja erstaunt.

„Du solltest damit anfangen, dich zwischen uns zu legen, den Rest machen wir dann schon.“, sagte Katharina.

„Da müsste ich verrückt sein, wenn ich Euer Angebot nicht annehmen würde!“, sagte ich. „Ich weiß, dass ich so eine Gelegenheit nicht so schnell wiederbekomme.“

„Glaubst du wirklich?“, fragte Sonja.

„Ich bin davon überzeugt.“, sagte ich überzeugt.

Wie küssten und streichelten uns zur leidenschaftlichen Erregung hoch. Sonja nahm meinen harten, steifen Penis in die Hand und küsste ihn begehrend. Mit dem Kopf legte ich mich in Katharinas heißen Schoss, wobei sie vor Geilheit laut aufstöhnte, als ich mit der feuchten Zunge sie berührte.

Dann wandte sich Sonja zu Katharina und küsste sie auf den Mund, dann auf ihre Brüste. Ihre Knospen waren hart und steif, wie in frischer Rose im Tau.

Am nächsten Tag warf sich Gina wieder ganz ihrer Arbeit. Da ich ausfiel, gab es mehr als genug zu tun.

Es kam Gina anfangs seltsam vor, wieder allein zu Hause zu fahren und nicht mehr in Begleitung.

Aber sie gewöhnte sich daran.

Ich rief Gina nicht an.

Pat musste wissen, dachte sich Gina, dass sie sich Sorgen um ihn machte.

Aber würde Pat ihr Angebot, für eine Weile ganz zu ihr zu ziehen, nicht unterschlagen?

Keinesfalls sollte ich den Eindruck gewinnen, dass Gina Pat nachliefe.

Es war nicht so, dass Gina sehnsüchtig ein Lebenszeichen von mir erwartete.

Sie war zwar sicher, dass ich den Frieden des Hauses stören könnte. Nichts konnte Gina weniger brauchen, als private Spannungen.

Selbst wenn ich gar nichts mehr von mir hören lassen sollte, fühlte sie sich durchaus im Stande, das zu verschmerzen.

Dann würde Ginas innige Beziehung zu mir nichts als ein spannendes Abenteuer sein, an das sie sich vielleicht gern erinnerte, das sie aber auch vergessen konnte.

Als das Telefon klingelte, zögerte Gina, den Hörer abzunehmen, denn das Wochenende hatte für sie gerade begonnen und sie wollte sich nicht mehr mit beruflichem Ärger belasten.

Nichts konnte so wichtig sein, dass es sich nicht auch noch am Montag regeln lassen würde.

Aber als das Telefon immer weiter läutete, ging sie doch an den Hörer.

„Ja?“, meldete sie sich kühl, fast abweisend.

„Kann ich Seniora Gina Antonelli sprechen?“, fragte eine männliche Stimme.

Gina wusste sofort, dass ich es war.

„Ich bin selber am Apparat.“, sagte sie, nicht eine Nuance freundlicher.

„Ich habe schon ein paar Mal vergeblich dich zu erreichen“, sagte ich, auch nicht gerade freundlich.

Gina schoss der Verdacht durch den Kopf, dass Carmelita sie absichtlich nicht verbunden haben könnte.

„Tut mir leid“, erklärte sie, „davon weiß ich nichts.“

„Wann“, fragte Gina, „hast du versucht, mich zu erreichen?“ 

„Gestern Nachmittag.“, antwortete ich.

„Ach so.“, sagte Gina erstaunt.

Eine kurze Pause entstand.

Gina spürte, dass ich etwas von ihr wollte. Genau das aber wollte sie nicht. Etwas von ihr wollen.

Allerdings ging sie auch nicht so weit, schlicht anzufragen, wann sie mich denn wieder im Büro erwarten könnte.

„Verdammt noch mal, mach es mir doch nicht so schwer!“ „Kann ich zu dir kommen?“ „Ich habe dich vermisst.“ sagte ich.

„Ja, ich weiß.“, erwiderte Gina.

Sie lachte, sie hatte mich genug geärgert.

„Also, komm zu mir.“ Ich fahre jetzt gleich nach Hause. Aber lass mir bitte einen kleinen Vorsprung. Es wäre gut, wenn ich vor dir da wäre. „Bis später dann!“, erinnerte ich Gina. „Ich hab schon recht gehabt mit Pat, dem kleinen, süßen Schweinehund“, dachte sich Gina, „unmöglich, wenn er pleite ist oder er kein Sex hatte, und unausstehlich, wenn er bei Kasse ist oder der Sex ihm keinen Spaß gemacht hatte.“

 

 

Anhang

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