Buch 12 für Schwarzleser: Der Schriftsteller erzählt

Willkommen auf der Seite für "Buch 12 für Schwarzleser." Tauchen Sie ein in eine Welt voller faszinierender Geschichten und neuer Perspektiven. Erfahren Sie, was dieses Buch so besonders macht und wie Sie Teil dieser einzigartigen Leseerfahrung werden können.

Wer ist Flaume, Robert Flaume? von Christin Blad

 

Schön,

dass Sie dieses Buch aufgeschlagen haben.

Zur Belohnung können Sie tief in das originelle Leben von Robert Flaume schauen.

Robert Flaume.

Ja. Wer war Robert Flaume?

Robert Flaume war ein Mann, der seinen Weg mit Erfolg, Karriere und Frauen pflasterte.

Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, wenn ich von seinem Leben berichte und ihnen erzähle, wie Robert Flaume sein Leben vorstellte.

Aber ich bin inzwischen zu der Auffassung angelangt, dass man im Leben viel Spaß haben kann und dann noch für so wenig Geld.

Ich möchte Sie bitten, stattdessen mein neues Buch in aller Ruhe, in einer leisen Atmosphäre zu genießen.

Bitte denken Sie daran: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Ja, ja.

Das sagte auch mal ein alter Mann.

Ein sehr alter Mann.

„Und Mitleid bekommst du geschenkt. Doch Neid musst du dir hart erarbeiten.“, das sage ich. Somit überlasse ich Sie jetzt sofort Ihrem Vergnügen.

 

Das Selbstbewusstsein von Robert Flaume ist sein kleinkarierter Egoismus.

Viele Erfolge in seinem Leben sind auch eher die Ergebnisse von seiner Zuverlässigkeit.

Robert Flaume ist tüchtig.

Alle Welt weiß.

Er beherrscht seinen Wohlstand, wie nie zuvor, jemand es in unserer Geschichte kannte. Selbstzweifel ist in seinem Leben nicht vorgesehen und öffentliche Kritik ist selten.

 

Kapitel 1

Im einundzwanzigsten Jahrhundert lebte in Deutschland ein unglücklicher Mann, der zu den genialsten und optimistischsten Gestalten dieser nicht armen Epoche gehörte. Seine Geschichte soll hier erzählt werden. Er hieß Robert, Robert Flaume. Und wenn sein Name im Gegensatz zu anderen unglücklichen Männern, wie etwa Dieter Schelm, Bert Fick oder Peter Pansen und so weiter, heute in Vergessenheit geraten ist.

Zu dieser Zeit, von der ich rede, herrschten in den Städten ein für mich moderner Mensch kaum vorstellbarer Neid und Mitleid.

Er ist tüchtig, alle Welt weiß es.

Er beherrschte seinen Wohlstand, wie ich ihn nie zuvor in unserer Geschichte kannte.

Selbstzweifel ist in seinem Leben nicht vorgesehen und öffentliche Kritik ist selten.

Warum auch, steht doch alles zum Besten, oder?

Mit dem Geld, das er sich verdiente, kaufte er sich immer mehr Wohlstand hinzu, um immer mächtiger und unangreifbarer zu werden.

Robert Flaume schaffte den Sprung an die Spitze, indem er seinem Ego einredete: Träume müssen nicht geträumt werden, sondern Träume müssen gelebt werden.

Die blassen, karrieresüchtigen Typen, die heutzutage die Gesellschaft bevölkern, haben schon zu viele Leute für sich ausgenutzt.

Angesichts der skrupellosen Art, in der sich manche von ihnen auf Kosten ihrer Leute bereicherten.

Auch mit ihrer beruflichen Qualifikation ist es offensichtlich nicht weit her.

Weil die dumpfen Klugredner der Gesellschaft mit ihrem Latein schnell am Ende sind, wenn die Probleme unübersichtlich werden, blüht das inkompetente Beraterwesen.

Motivationstrainer und Kommunikationsberater müssen es wieder richten, was die inkompetenten Klugredner und Vollidioten in der Gesellschaft verbockt haben.

Sie krempeln ganze Persönlichkeiten um, entwickeln Erfolgsstrategien und sorgen für motivierte Persönlichkeiten.

Selbst so einfache Aufgaben wie sich frei von Problemen zu machen, positiv zu denken, sich Ziele setzen und diese erreichen, erfolgreich und glücklich sowie erfolgreich und selbstbewusst zu sein.

Damit keine Langeweile aufkommt, besuchen Sie allerlei Seminare, Kongresse und andere motivierende Veranstaltungen, die selbstverständlich stets die Fortbildung für Beruf und Privatleben nutzen.

Gehemmte Redner sprechen sich frei in den Rhetorikkursen des Nikolaus B. Ja, im Fitnessstudio suchen Sie Entspannung und nehmen die wertvollen Gesundheitstipps von Spezialisten mit nach Hause.

Selbst Robert Flaume, der sich öffentliche Auftritte durchaus zutraut, macht dabei oft eine gute Figur.

Die heile Welt der Gesellschaft ruht auf festen, konservativen Fundamenten.

Sämtliche meinungsbildenden Medien, von elektronischen Medien bis hin zu klassischen Medien, haben die Motivationsfirma im Visier.

Nur wer von Optimismus, Erfolg und Glück spricht, bekommt die Medienfabrik zu spüren, was die Medienbranche zum Besten beherrscht. Angst, Opfer, Pessimismus und Skandale sind ihre Schlagwörter für hohe Einschaltquoten.

Natürlich muss es, wo Helden walten, auch Versager geben.

Doch das Negative ist stets von den Medien der Einzelfall: Nie wird die Kompetenz des Erfolgstrainers von den Besuchern infrage gestellt.

Großunternehmen beschäftigten im eigenen Haus Erfolgs- und Motivationstrainer mehr als die meisten Unternehmen.

Und selbst mittelständische Unternehmen leisten sich heutzutage Erfolgsmotivationstrainer oder besuchen ihre Kongresse.

Pausenlos informiert diese gut geölte Motivationsmaschienerie positive Erfolgsstrategien über Personen und Produkte.

So unterschiedlich diese Nachrichten auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam:

Sie sind kritisch.

Klugredner kapitulieren, wenn die motivierende und erfolgsorientierte Persönlichkeit kommt und sagt, wo es lang geht.

Passt das denn ins Schema der deutschen Ahnungslosen?

Ist es ein Wunder, wenn uns die ahnungslosen, lügnerischen Klugredner stets als hart arbeitende, durchweg erfolgreiche und moralisch über jeden Zweifel erhabene Figuren begegnen? Das Taxi wendete schwungvoll und fuhr in Richtung Kongresshalle. In Frankfurt… Frankfurt… Er war tatsächlich unterwegs. Die übliche Besucherschar hielt die Luft an, als Robert aus dem Sportwagen mit 557 PS und 320 km/h stieg.

Okay, ich sag es, wie es ist: Er sah gut aus.

Als die Natur ihre guten Gaben verteilte, bekam er aus irgendeinem Grund eine ganze Menge ab, als ihm eigentlich zustand.

Zum Beispiel, echt schwarzes Haar, blaue Augen und sein Gesicht wie die Unschuld vom Lande.

Es überraschte ihn nicht mehr, dass er auffalle, im Gegenteil.

Es überraschte ihn eher, wenn er nicht auffiele.

Das soll nicht heißen, dass Robert sich etwas darauf einbilde oder so etwas.

Er ist einfach so.

Wie auch immer, weil er so aussehe, war er jetzt auf dem Weg nach Frankfurt.

Er war für das Seminar auserkoren worden.

Das war sein Durchbruch.

Er hatte um diesen Job gekämpft, hart.

Weil, wenn ich sage, dass Robert, verglichen mit dem normalen Durchschnitt, ziemlich gut ausgebildet ist, dann bin ich andererseits selbst nur noch Durchschnitt, wenn man mich mit einem Haufen professioneller Trainer vergleicht.

Aber so merkwürdig es ist, ihn haben sie als Erfolgstrainer ausgesucht.

Das Seminar sollte ziemlich bekannt gewesen sein. Die Nachricht erreichte ihn Robert Flaume erst in aller letzter Minute.

Deshalb war seine Abreise aus Hannover eine aller letzte Hektik.

Er hatte kaum Zeit zum Packen.

Seine Fahrkarte musste er sich am Expressschalter abholen, wo schon eine lange Warteschlange stand. Er stellte sich mit seinen drei Taschen hinten an. Die Leute ganz vorn in der Schlange brauchten anscheinend eine Ewigkeit, und hinter ihnen wurden alle ungeduldig und schoben ihr Gepäck vorwärts. Und dann, gerade als er sich bis auf Armeslänge an den Tresen vorgearbeitet hatte, drängelte sich ein Mädchen einfach unverfroren an zwei Leute vor ihm in die Schlange.

„Hey!“, sagte er. Aber sie nahm überhaupt keine Notiz davon.

Sie beschimpfte die Eurostarfrau, dass sie schon zwei Züge verpasst und nicht die Absicht hätte, diesen auch noch zu verpassen.

Die genervte Eurostarfrau sagte zu ihr: „Würden Sie sich bitte am Ende der Schlange anstellen und warten, bis Sie dran sind?“

Aber das eilige, störrische Mädchen rührte sich nicht.

Dann brach ein heftiger Streit aus zwischen dem Schlipsträger und mir.

Der auch dieses freche Mädchen offensichtlich wahnsinnig toll fand und sie vorlassen wollte.

Denn das freche Mädchen sah wirklich fantastisch gut aus.

In dem Durcheinander muss die Eurostarfrau nachgegeben haben, denn das Mädchen schwirrte an ihm vorbei und stieß dabei seine Tasche um. Aber das freche Mädchen blieb nicht etwa stehen und entschuldigte sich, sondern stiefelte einfach weiter.

Sie war groß, phänomenal und irgendwie nordisch kalt.

Und sie wusste das ganz genau.

Was glaubte sie, wer sie war? Am Ende erreichte er noch seinen Zug.

Er wusste auch nicht, was die ganze Aufregung sollte.

Er ließ sich auf seinem Fensterplatz nieder und nach ein paar Minuten schlossen sich die Türen, der Zug fuhr an und rollte aus dem Bahnhof hinaus. Er war unterwegs.

Während der Zug an den ganzen vernachlässigten Hinterhöfen in den Außenbezirken von Hannover vorbeiratterte, konnte er sein Glück immer noch nicht fassen.

Er dachte zurück und ging in Gedanken den ganzen steinigen Weg, den er hinter sich hatte, noch einmal durch, bis in die Gegenwart seiner „glanzvollen Karriere“.

Es begann vor langer Zeit. Ungefähr vor zehn Jahren in Berlin.

Dort wohnte er mit seiner Freundin. Oder Verena, wie sie lieber genannt werden möchte.

Verena ist ganz in Ordnung, wirklich.

Nur dass sie eine der widerlichen Frauen des Jahrhunderts gewesen ist und obwohl sie inzwischen älter geworden ist, kann er nicht vergessen.

Manche Leute aus dem Ort können sich noch an sie erinnern: ein Mädchen, das hergerichtet war, in einem Jogginganzug.

Viele kennen das Bild nicht, weil sie aus Sachsen war, aber das war Verena.

Wie auch immer, Verena war dutzende Male bei ihrer Oma. Eine Zeit lang hat sie sogar nur den Bademantel angehabt.

Für ihr Alter, fünfunddreißig, sieht sie, glaube ich, immer noch bestens aus.

Das kann gar nicht anders sein.

Man muss sich nur mal das Arsenal ansehen, das sie im Badezimmer hortet.

Manchmal glaubte Robert, sie ganz allein sorgt dafür, dass der Kosmetiksalon „DPF“ nicht in die Pleite geht.

Und sie macht wirklich Krafttraining, sie hat sogar selbst Gewichte, ihre großen, prallen Brüste hat sie immer noch.

Dennoch geht sie jeden Tag für eine Stunde ins Fitnessstudio.

Alles, was Verena für sich an Diätkost kauft, ist fettarm oder kalorienarm oder extra light.

Robert glaubt nicht, dass er seit seiner Geburt jemals irgendetwas zu essen gekriegt habe, das noch seinen vollen Nährstoffgehalt hatte.

Er schwört, er trinkt sogar kalorienarmes Wasser. Einen ganzen heißen Sommer lang hatte er mal nichts anderes im Kühlschrank als Buttermilch und Wassermelone.

Robert Flaume hat alles darangesetzt, dass aus ihm einmal das werden sollte, wofür er sich immer krummgelegt hat, also eine Art Rugbysport mit festgezurrtem Grinsen.

Er ging zu einem Vorstellungsgespräch nach dem anderen, aber alles, was er bekam, waren ein paar inkompetente Ratschläge.

Er war bestimmt dünn genug und sein Gesicht war so, wie es sein sollte, aber er hatte eine sehr blasse Haut.

Gegen all diese Bewerber mit gebräuntem Look sah er völlig verwaschen und sterbend aus.

Dennoch setzte Robert ein freches, breites Lächeln auf und ich glaube, er sorgte dafür, dass die langweiligen Bosse einen ziemlich tragbaren, neidischen Eindruck machten.

Aber wenn er ehrlich sein soll, so als zweite Wahl vor den erstarrten Personalchefs zu stehen, war irgendwie demütigend.

Er war wohl nicht mit ganzem Herzen dabei, und das merkte man auch.

Und dann zog Ute bei ihm ein. Ute ist Roberts neueste Eroberung und einzige Strafe.

Sie hängt bloß mit den Freundinnen herum, trinkt Kaffee und guckt Talk-Shows und solches Zeug wie die Seifenopern.

Sie taugt zu nichts.

Sie lebt auf Kosten von Robert, und das Schlimmste daran ist, dass sie weiß, dass Robert sie durchschaut habe.

Zwischen Ihnen herrscht so etwas wie ein offener Krieg.

Robert kann nichts dagegen tun, weil Ute jede negative Regung von ihm als reine, unverfälschte Eifersucht interpretiert.

Robert eifersüchtig auf eine Versagerin wie Ute?

Lächerlich!

Wie auch immer, seit sie da ist, hat er das Gefühl, dass er in seiner Wohnung nicht mehr zu Hause ist. Sie macht sich ständig vor dem Fernseher breit oder liegt mit schwimmenden Brüsten und nichtsnutzig in der Badewanne oder verdreckt die Küche mit Gerüchen von Buttermilchsuppkartoffeln oder Grünkohl.

Und dauernd gibt sie ihm beim Essen einen langen Kuss mit der Zunge, sodass Robert immer kurz vor dem Würgen steht.

Und einmal ist es auch passiert, da musste Robert brechen, direkt mitten in ihrem Gesicht.

Ach, war der Robert erleichtert, als der ganze Mist nun rauskam.

Doch Ute hat ganz blöd geguckt.

Neh‘, mit der Kotze im Gesicht.

Es war an der Zeit, dass er Bianca ausfindig machte.

Bianca. Stimmt, ich habe Bianca bisher noch nicht erwähnt. Bianca war Roberts Ehefrau Nummer zwei.

Er hat sie in den Achtzigern kennengelernt, in seiner schrägen Phase, als er mit seiner Exfreundin Schluss gemacht hatte.

Als Robert dann geheiratet hatte, dauerte die glückliche Verbindung gerade noch zwölf Monate.

Bianca hat sich natürlich einwandfrei verhalten. Robert bekam das Auto und das Haus und Bianca behielt das Kind, ihren Sohn Dennis.

Man kann sagen, im Grunde ihres Herzens, wenn es um Geld geht, bedeutet Robert ihr wirklich etwas.

Deshalb wusste Robert, als die Scheidung ausgesprochen wurde, dass er immer noch mit ihr verheiratet war.

Das Flugzeug landete sehr früh in New York, etwa um fünf Uhr dreißig morgens.

Also stieg er in ein Taxi und nannte dem Fahrer die Adresse von Ute.

Robert wollte ihr die Überraschung ihres Lebens bereiten.

Im Flugzeug hatte er sich die ganze Zeit über vorgestellt, wie er bei ihr auftauchen würde und sie im leichten seidenen Morgenmantel die Tür aufmachte und völlig von den Socken wäre, wenn er dastand, aus dem Nichts hereingeschneit, und dass sie dann miteinander, ganz Mann und Frau, bei einem echt coolen Frühstück sitzen würden.

Das weiße Taxi fuhr also vor dieser aufregenden Adresse vor.

Es war eins dieser großartigen hohen Luxusapartments mit Säulen vor dem Eingang, gebaut wie eine Hochzeitstorte und in strahlendem Cremeweiß gestrichen. Direkt über der Klingel steht Ihr Name an der Tür.

Er drückte auf den runden Klingelknopf.

Er wartete eine Ewigkeit.

Robert dachte, sie schlief vielleicht noch oder stünde unter der heißen Dusche oder so was.

Er klingelte noch mal.

Aber es kam immer noch keiner an die Tür.

Der Fahrer stieg aus seinem Taxi: „Was ist los, Man?“

Langsam wurde er echt nervös.

Robert meine, er hatte sich darauf verlassen, dass Bianca da war und das Taxi bezahlte.

Er hatte sein ganzes Geld für das Flugticket ausgegeben.

In New York konnten die Taxifahrer ziemlich unangenehm werden, wenn man kein Geld hatte und nicht zahlen konnte.

Robert schüttelte den Kopf.

Er wird selten wütend. Aber jetzt glühte er vor Wut. »So schlimm ist es nun auch wieder nicht«, sagte der Taxifahrer. „Doch! Verstehen Sie doch, Sie müssen mich hier stehen lassen.“ „Ich habe überhaupt kein Geld“, sagte Robert. „Kennst du sonst noch jemand in New York?“ Robert schüttelte den Kopf. „Hör zu, ich bin ausgedörrt und wollte gerade eine Tasse, heiße Tasse Tee trinken gehen.“ Willst du nicht mitkommen? „Ich wette zehn zu eins, dass deine Blüte nachher wieder da ist.“

Und so landete Robert in dieser Hütte auf der Straße bei den ganzen Taxifahrern und aß einen großen Toast mit Butter und Nougatcreme und trank einen Becher heißen Tee.

Sie waren alle echt nett und witzig, so als wäre er die beste Unterhaltung für die seit letzter Baseballwette.

Und als sie hörten, dass er kein Geld hatte, bestanden sie darauf, für ihn zusammenzulegen. Robert hätte nie geglaubt, dass Taxifahrer derart menschlich sein können.

Es war für Robert so aufregend.

Tatsächlich, es war wahr.

Als sie zur Wohnung zurückkamen, war Bianca immer noch nicht da.

Das Einzige, was Robert einfiel, war, dass er in ihr Büro gehen könnte.

Die Adresse lag in einer Gegend, die der Taxifahrer die „Broker-City“ nannte.

Um diese Tageszeit wuselte es in der „Broker-City“ nur von Geschäftsleuten, die in ihre Büros gingen und aussahen, als hätten sie sich speziell dafür kostümiert, die Rolle des typischen Big-Business-Man zu spielen.

Mac, der Taxifahrer, sagte, er würde draußen warten, solange er in das Büro ginge, und er blieb bei laufendem Motor in seinem Taxi sitzen und las die Tageszeitung.

„Ist Bianca Brackmann da?“, fragte Robert die Frau an der Rezeption.

„Haben Sie einen Termin bei Brackmann?“, fragte sie und begutachtete seine zerrissenen Jeans und verdreckten Turnschuhe, als wäre er ein Penner oder so was.

„Ich bin Robert, Robert Flaume, ein enger netter Freund“, sagte er.

Sie schaute ihn an, als würde sie mir nicht glauben.

Ich fürchte, Brackmann ist nicht zu sprechen. »Sie ist in einer Sitzung.«

„Aber ich bin den ganzen Weg von Deutschland hierhergekommen“, sagte er.

Er glaubte, dass er laut wurde.

Sie schaute peinlich berührt, stand auf und sagte, sie würde sehen, was sie tun könnte.

Das Nächste, was passiert, war, dass Bianca den Flur entlang rannte.

„Robert. Robert.“ Was um Himmels Willen tust du hier? 

„Bianca… Freust du dich nicht, dass ich da bin?“ 

„Natürlich freue ich mich, dass du da bist“, fuhr sie ungeduldig fort. Aber ich stecke mitten in einer äußerst wichtigen Sitzung. „Du kannst doch hier nicht einfach so aus heiterem Himmel hereinschneien.“

Dann schaute sie ihn zum ersten Mal richtig an und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Bist du gerade gelandet?“ „Du siehst schrecklich aus.“

Sie legte beide Arme um meine Schulter. „Komm, Robert.“ »Natürlich freue ich mich, dass du da bist.« Aber du hättest vorher anrufen können. Ich mach dir einen Vorschlag: Du fährst zurück in meine Wohnung, gehst unter die heiße Dusche, legst dich ein bisschen schlafen und dann reden wir später darüber. Okay?

Er nickte mit dem Kopf.

„Nimm dir ein Taxi!“

„Ich hab' ein Taxi.“ „Ich brauche bloß Geld, mehr nicht.“

Bianca holte aus ihrem Büro etwas Geld und gab es Robert. „Ich muss zurück in meine Sitzung.“ »Wir sehen uns heute Abend.«

Bianca marschierte lächelnd davon.

So sah also sein Empfang in New York aus.

Bei seiner Abreise kannte er jede Ecke in Biancas Wohnung.

Ehrfurcht gebietend, echt vornehm, wie aus einer Wohnzeitschrift.

Alles von einem Innenarchitekten entworfen. Man versank knöcheltief in den farbenprächtigen Teppichen und überall standen Designermöbel herum.

Die Möbel waren aus einem glänzenden Holz, das nach Geld roch.

Bianca war nur selten da.

Die meiste Zeit verbrachte sie in Australien oder Asien oder Europa.

Irgendwo in der Welt, wo es einen neuen Job gab. Aber sie sorgte dafür, dass er alles hatte, was er brauchte.

Und natürlich war Lolita, die Hausangestellte, jederzeit für Robert da.

Sie kam jeden Tag.

Er hatte wirklich alles, was er sich wünschen konnte.

Ich glaube nicht, dass Robert jemals zuvor in seinem Leben so einsam gewesen ist.

Eines Morgens stellte er sich nach dem Aufstehen vor den Spiegel und begutachtete sich eingehend und mit kritischem Blick.

Es war an der Zeit, dass er etwas daraus machte. Aber diesmal würde er die Sache nicht so halbherzig angehen.

Er wollte sich beweisen, dass er es alleine schaffen kann.

Als es dann wirklich so weit war, dass er sich Arbeit suchte, stellte er fest, dass New York ein ziemlich herbes Pflaster war.

Vielleicht behandelte er die Leute falsch.

Sämtliche Amerikaner, denen er begegnete, besonders im Designerbusiness, machten einen unheimlich gestellten Eindruck auf ihn.

Sie legten alle so eine harte, distanzierte Haltung an den Tag, als wären sie schon allein deshalb etwas ganz Besonderes, weil sie Amerikaner waren.

Er redete einfach so mit ihnen, wie ihm der Schnabel gewachsen war.

Als könnte ihn niemand einschüchtern.

Und das brachte sie tatsächlich gegen ihn auf: Als fänden sie ihn zu ungestüm oder zu unverschämt oder einfach nur zu Deutsch.

Langsam glaubte er, er käme bei niemandem an.

So ging es, bis er Marie kennenlernte.

Er begegnete Marie in der Agentur MO’Polo.

Sie war das erste amerikanische Mädchen, das nett zu ihm war.

Bis zu dem Zeitpunkt war dieser Vormittag ein einziges Desaster gewesen.

Drei verschiedene Werbeagenturen hatten ihn ganz beiläufig angelehnt, und zu all dem kam noch, dass er bei MO’Polo die Treppen hinauf fiel.

Es war einfach demütigend.

Er trug Westernstiefel mit einer absolut tödlichen, glatten Ledersohle.

Dabei hat Robert sich außerdem noch den Knöchel verstaucht.

Aber in diesem Augenblick wendete sich sein Schicksal.

Er humpelte ins Büro und fühlte sich wie Stevie W., wenn er einen schlechten Tag hatte.

Er dachte, man würde ihm gleich sagen, er sollte seine Sachen packen und gehen, aber stattdessen forderte man ihn auf, zu sitzen auf, wobei man Robert prüfend betrachtete.

Dann verschwand einer in einem Hinterzimmer, kam mit einem Pott Eiswürfel und einem Geschirrtuch wieder und sagte, er sollte sich diese Eiswürfel um den Knöchel legen.

Und als Robert schließlich dasaß und sich fühlte, als wenn er gleich sterben würde, fing die Crew grölend an zu lachen.

Pit, der Chef der Werbeagentur, verhalf Robert zu einem Job.

Er muss sich immer noch kneifen, damit er sehe, dass er nicht träume! New York!

Sein ganzes Leben lang, praktisch seit seiner Geburt, wollte er schon nach New York.

Schon allein das Wort lässt ihm ein wohliges Schaudern über den Rücken laufen.

An diesem Punkt wurde er in seinen Gedanken unterbrochen.

 

Kapitel  2

Viele der Aussteiger, die nun nach New York einzogen, ließen sich blenden von Pumpgenies wie dem Amerikaner Donald T. Schlichtere Gemüter verfolgten mit Begeisterung den Ruhm und Reichtum. Zunächst war Robert überzeugt, dass der Erfolg jedes Mittels rechtfertigt. Die Gier nach Geld, Macht und Anerkennung erzeugte in Robert Flaume eine eigene Dynamik, nach seinen Erfahrungen.

Und er war häufig der Fähigste und Ehrgeizigste, der dann die Überzeugung verinnerlicht, alles und jedes sei erlaubt, wenn es nur Robert Flaume und seiner Karriere nützt. „Was Erfolg hat, ist erlaubt, und kriminell ist nur, wer erwischt wird“, dachte sich Robert Flaume.

Dann leben wir tatsächlich in einer brutalen Ellenbogengesellschaft, in der es keinen Gleichklang der Interessen zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft und auch nicht zwischen der Gesellschaft und dem Einzelnen geben kann.

Jeder hat dann seines Nächsten Feind, und Betrug und Täuschung sind lebensnotwendige Verhaltensweisen.

Für Robert Flaume aus Deutschland mag es schwer sein, zu begreifen, dass ein Spitzenverdiener in New York mehr als eine Million Dollar Gehalt verdient.

Roberts Ausbildung, sein Denken und seine Art zu handeln – all das dient nämlich in erster Linie dem Ziel, möglichst viele brillante Ideen zu entwickeln.

Es klingt vielleicht komisch, aber ihm war gar nicht klar gewesen, dass New York so fremdartig war.

Schon als Robert in New York angekommen war, hörte er überall nur noch Englisch-Amerikanisch.

Schnelles, fließendes Englisch, das kein bisschen Ähnlichkeit hatte mit dem Englisch aus den Unterrichtsstunden in der Schule, zu denen er nie hingegangen ist.

Ich meine, zu Hause hatte er im Englischlernen nicht viel Sinn gesehen.

Wenn man in einem langweiligen Klassenzimmer sitzt, dann ist Amerika ungeheuer weit entfernt.

Robert schleppte seinen Koffer zu einer Gepäckkarre, zu einem Caddie.

Der Caddie ist mit einer Kette gesichert und sämtliche Anweisungen, wie man ihn loskettet, waren ebenfalls auf Englisch.

Gab Robert Flaume sein Vorhaben auf?

Nein.

Er versuchte, den Anweisungen zu folgen.

Robert schaute sich um und überlegte gerade, wo er wohl ein Taxi auftreiben könnte, als ihn ein Typ auf Englisch ansprach.

„Excuse me“, sagte ich. „Do you speak English?“, was auch der einzige und perfekte, wie vollständige englische Satz ist, den er zuverlässig zustande brachte.

Nützlich vielleicht, aber beschränkt.

Da führte er seine Finger zu den Lippen und machte eine Geste, die Kaffee trinken bedeuten sollte.

„Coffee?“, fragte er.

„No, i möchte no Kaffee, i möchte one Taxi“, sagte Robert.

Er machte ein enttäuschtes Gesicht und zeigte ein Schild, zuckte die Schultern und ging weg.

Diese Amerikaner waren wirklich locker.

Zumindest ist das Wort „Taxi“ international und so stellte er sich in der Taxischlange an.

Als Robert endlich in einem Wagen saß, zeigte Robert dem Fahrer die Adresse des Hotels, wo die MO’Polo Agentur ein Zimmer für mich gebucht hatte.

„Hotel Seven“, sagte der Taxifahrer.

Das Taxi fuhr los, mitten hinein in einen ungeheuren Verkehrsstau.

Alle hupten und gestikulierten, aber der Taxifahrer ließ sich davon kein bisschen stören.

Während sie da drin fest saßen, konnte Robert die Umgebung in Augenschein nehmen.

Der erste Eindruck?

Ich gab’s zu, es waren die Plaketten, die überall hingen und auf das hinwiesen, was Robert Flaume bald als die großen Leidenschaften der Amerikaner kennenlernen sollte: Schnaps, Sex und Drogen.

Wo Robert auch hinschaute, erblickte er Bilder von dürftig bekleideten Frauen mit schamlosen Blicken.

Dann hatten Sie den Stau hinter sich und überholten alles, was in Sichtweite war, mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf der rechten Straßenseite.

Robert hielt sich fest, während das Taxi über das Kopfsteinpflaster die Straße hinunterbretterte.

Robert konnte nur noch flüchtige Bilder erhaschen. Volle Läden, an denen die Fassaden abblätterten, merkwürdige amerikanische Grabinschriften. Gebäude in verwaschenen Farben.

Wie in Terrakotta, Zink weiß, Blass blau und Grau, alles sehr alt und sehr altmodisch.

Straßenkaffees am anderen auf beiden Straßen. Überall Leute, die ultracool aussehen.

Die ganze lustige Welt hatte sich anscheinend freigenommen, saß draußen, sah chic und amerikanisch und weltmännisch aus – eben einfach unheimlich ehrfurchtsvoll amerikanisch!

Das Taxi umrundete einen großen Platz und Sie fuhren an einem alten Wagen, der einen Auspuff mit knallharten Knalleffekten besitzt, vorbei.

Schließlich tauchten wir in einer verschmutzten Nebenstraße ab und kamen auf eine stark befahrene Hauptstraße.

Das hier war ein anderes Amerika.

Das Taxi fuhr langsamer, als sie auf einem riesigen Platz ankamen, auf dem zwei monumentale Säulen standen.

Der Fahrer brachte das Auto am Straßenrand zum Stehen und sagte: „Please, man.“ Hotel Seven.

Robert stieg aus. Quer über den Gehsteig verlief ein roter Teppich bis zur Stelle, an der das Taxi angehalten hatte.

Ein Portier in Uniform kümmerte sich um sein Gepäck, das unverzüglich abtransportiert wurde. Robert bezahlte den Fahrer und ging hinüber zur Rezeption.

Die Böden waren aus Marmor und spiegelblank poliert, die Wände und die Decke waren mit Goldpaneelen verkleidet, die überall mit nackten Cupidos und Ähnlichem bemalt waren.

Robert Flaume schien das alles wie eine megamäßige Kulisse für einen Hollywoodfilm.

„Sie haben reserviert, Mr.?“

Was für eine Erleichterung! Das nicht hässlich aussehende Mädchen an der Rezeption sprach Deutsch und bestätigte, dass das Hotel auf meine Ankunft vorbereitet war.

Ein anderer Portier hatte seinen Schlüssel genommen und zeigte ihm ein Zimmer im siebten Stock. Ganz oben.

Der Portier zog die blauen Rollläden hoch und riss die hohen Balkontüren auf. Robert ging auf den Balkon hinaus und hatte eine umwerfende Aussicht. Der reine, helle Wahnsinn!

Nach allen Seiten, wo er nur hinschaute, erstreckten sich weiterhin die roten Dächer.

Überall, wo es eine etwas breitere Lücke gab, blitzten eine glänzende Kuppel, eine Kirchturmspitze oder ein alter Kirchturm mit einer in der Sonne golden schimmernden Statue hervor.

Alles war gebaut in dieser endlosen, verträumten Zeit, die Kreation und Alter ausstrahlt.

Robert lehnte am Geländer und sog alles in sich auf.

Irgendwo in der Stadt läutete eine Kirchturmglocke, und ein Schwarm kreischender Vögel flog in großen Bogen vorbei. Auch kleine Kinder stritten im Machtkampf laut auf der Straße.

Robert Flaume war angekommen.

Das war New York!

War das zu glauben?

Das war doch das Mädchen aus der MO'Polo-Agentur.

Die Robert am Empfang begrüßt hatte.

So ein Zufall!

Und ihr Zimmer lag direkt neben Robert Flaume.

„Hey, was machen Sie so?“, fragte Robert ganz spontan.

Sie runzelte die Stirn. „Kennen wir uns?“, fragte sie.

„Oh, eine Zicke.“ „Wer rettet mich jetzt?“, dachte Robert plötzlich.

„Nein, ich hoffe nicht“, beantwortete Robert diese offensichtliche Abfuhr.

Sie setzte sich mit dem Rücken zu Robert in einem Liegestuhl, blätterte in einer Tageszeitung und war anscheinend ganz wild auf die Lektüre.

Mein Gott!, dachte Robert.

Die Zicke ist wohl sehr überzeugt von sich.

Für wen hält die sich denn?

Für eine Prinzessin.

Robert drehte sich um, ging durch die Doppeltür zurück ins Zimmer und setzte sich verärgert auf das Bett.

Diese Begegnung verdarb ihm wirklich die Stimmung.

Das zickige, hübsche Mädchen hatte Robert völlig aus der Fassung gebracht.

Ein schöner Empfang in New York.

Ich muss schon sagen, echt amerikanisch.

Aber das Zimmer war großer Klasse.

Alles Creme- und Goldfarben gestrichen, mit robusten anthrazitfarbenen Möbeln, wie sie die modernen Millionäre in ihren teuren Villen haben. Sehr kreativ und flexibel.

Es gab ein mit Gold und Marmor dekoriertes Badezimmer und, gleich davor, einen geräumigen, begehbaren weißen Schrank, groß genug für die gesamte Garderobe eines Künstlers.

Plötzlich entdeckte Robert noch eine Tür, von der er vermutete, dass sich dahinter ein zweiter Schrank verbarg.

Aber nichts da, dachte sich Robert.

Diese Tür führte in ein riesiges Wohnzimmer mit einem großen Fernseher, ja, so groß wie eine Kinoleinwand, einer Minibar und alten bunten Teppichen ohne Ende.

„Wow!“, dachte Robert, „Ich wohne in einer Suite!“

Robert ging zurück ins Schlafzimmer und fühlte sich gleich wieder munterer.

Er schaute auf dem Balkon nach und stellte fest, dass seine freundliche, verzickte Nachbarin reingegangen war.

Dann packte er seine Sachen aus, ging unter die heiße Dusche und rief den Zimmerservice, weil er seinen Anzug für den nächsten Tag bügeln lassen wollte.

Danach ging es Robert schon viel besser.

Robert streckte sich auf dem gemütlichen, frischduftigen Bett aus und starrte aus dem großen Fenster.

Das war New York – New York!

Was kümmerte ihn da so eine zickige, eingeklemmte Kuh von nebenan?

Erst am Morgen hatte Robert um zehn Uhr eine Verabredung bei Maik, wo er ihn in irgendein Geheimnis einweihen wollte.

Es klang ziemlich mysteriös.

Bis dahin hatte Robert nichts Dringendes vor.

Was also sollte er als Erstes tun?

Er hatte Durst, und so beschloss er, dass er sich nach draußen und eines dieser Straßencafés ausprobieren würde.

Ein paar alte Häuser weiter vom Hotel fand Robert ein typisch amerikanisches Straßencafé mit kleinen Tischen und Stühlen aus nachgemachtem Mahagoni-Holz.

Es war um halb vier Uhr nachmittags und das Café wirkte ziemlich verlassen.

Robert nahm an, dass gerade die ruhige Zeit zwischen Mittag- und Abendessen war.

Außer einem betrunkenen alten Mann in einer Ecke, der mit dem Einschlafen kämpfte und ihm, war nur noch ein Kellner da, der hinter der Bar stand und die schmierigen Gläser polierte.

„Hey!“, sagte er, als Robert eintrat.

Er war jung und ziemlich attraktiv, ein dunkler, mexikanisch aussehender Typ.

Robert traute sich nicht mit seinem deutschen Akzent korrekt „Do you speak German?“. Also ging er zur Bar und fragte:

„Sprechen Sie Deutsch?“

Der Barmann schaute Robert mit misstrauischem Blick an, als dächte er, ich wäre ein dämlicher Tourist.

Aber Robert wollte sich von ihm nicht einschüchtern lassen.

Ja, ich habe in Deutschland studiert. „In Hamburg“, sagte der Barmann.

„Haben Sie ein Wasser?“

„Ja. Mit Eis?“

„Ja… Ich setze mich da drüben in die Ecke hin“, erwiderte Robert.

Er zeigte auf einen Stuhl, von wo aus er die Straße gut überblicken konnte.

Robert setzte sich an den Tisch und zündete sich eine Zigarette an.

Der Typ an der Bar polierte seine schmierigen Gläser. Er ließ sich Zeit.

Als er seine Zigarette zu Ende geraucht hatte, schaute Robert zu ihm hinüber.

Der Typ lächelte cool zurück.

Das machte Robert total wütend.

Würde der Typ Robert nun bedienen oder wollte er zuerst den Weltrekord im Gläserpolieren gewinnen?

Robert stand auf und ging hinüber zum Typ an der Bar.

„Bringen Sie mir nun das Selterswasser mit Eiswürfeln oder nicht?“

„Vielleicht hat der Typ mich doch nicht auf Deutsch verstanden“, dachte sich Robert.

„Oh, tut mir Leid", sagte er mit ausgesuchter überspringt er Höflichkeit.

Robert wartete noch drei oder vier Sekunden, während er hinter dem Tresen herumtändelte. Dennoch dauerte es eine Ewigkeit.

Gerade wollte Robert sich erneut beschweren, da schwebte er an Roberts Tisch und servierte mit großer Geste sein Sodawasser mit Eis.

Es war ein hohes Glas mit jeder Menge Einbrocken und Zitronenscheiben.

„Sie sind wohl neu in New York“, sagte der Typ und blieb stehen, während Robert einen Schluck nahm.

„Ich bin gerade angekommen.“

Der Kellner holte tief Luft und wollte gerade Robert etwas sagen, da wurden sie unterbrochen.

Ein paar dicke, lustige Amerikanerinnen traten ein. Sie bahnten sich ihren Weg durch das Café und diskutierten darüber, welchen Tisch sie nehmen sollten.

„Gibt es hier Tee?“, fragte die eine.

„Normalen Tee.“ – „Mit Milch.“ – „Mit frischer Milch?“, betonte sie laut hinzu.

„Ich glaube, Sie haben zu tun“, sagte Robert.

„Ich glaube, Sie haben Recht.“

Er ging weg und wählte einen Tisch für die dicken Frauen aus, der nicht in der Sonne stand, an dem es nicht zog, und so weiter, und so weiter.

Robert blieb sitzen, trank sein Selterswasser und beobachtete die fröhlichen Passanten, die draußen vorbeigingen.

Man sah auf den ersten Blick, welche Touristen waren und welche New Yorker.

Die Touristen waren angezogen, als wollten sie als Reklameschilder für bestimmte Werbemarken laufen.

Durch die Bank trugen sie Jesuslatschen, die für die Pilgerwanderung getaugt hätten, und die beschrifteten Aufschriften von verschiedenen Markenprodukten, in denen selbst die fittesten Leute aussehen wie schlecht beklebte Litfaßsäulen.

Die amerikanischen Männer andererseits trugen sämtliche Leinenanzüge von Designermarken und die Frauen hatten tolle Frisuren, wie lässig und nicht mädchenhaft.

Noch nie hatte Robert so viele umwerfend aussehende Leute auf einmal auf der Straße gesehen.

Als Robert sein Wasser ausgetrunken hatte, wollte er ein wenig umherschleudern und herausfinden, was New York zu bieten hatte.

Aber zuerst musste er ins Hotel und ein paar Schuhe anziehen, in denen er sicher laufen konnte.

„Klingt blöd, was?“

Aber Robert hatte ein echtes Problem mit seinen neuen Schuhen.

Sicher, es war sein Fehler, in New York neue Schuhe zu tragen.

Als Robert ins Hotel zurückkam und seinen Schlüssel an der Rezeption holte, sagte die Empfangsdame: „Da ist eine Nachricht für die gekommen.“

Sie kam von Black and White, der Berliner Agentur, mit der seine New Yorker Agentur MO’Polo zusammenarbeitete.

Die überraschende Nachricht war auf einen Notizzettel des Hotels gekritzelt, auf Englisch, sodass Robert sie nicht lesen konnte.

„Könnten Sie das für mich übersetzen?“

„Selbstverständlich.“ Die Empfangsdame überflog die Mitteilung.

„Dort steht, dass eine Frau Lisa Fuchs um zwanzig Uhr dreißig hierher kommen und sie beide zum Abendessen ausführen wird.“ „Beide?“

„Ja, das steht auf dem Zettel.“

Robert ging hinauf in sein Zimmer und fragte sich, wer um alles in der Welt diese mysteriöse andere Person sein konnte.

Vielleicht handelte es sich um einen Irrtum.

Die Empfangsdame hatte es bestimmt falsch verstanden.

„Eine Frau lädt mich zum Abendessen ein?“, fragte Robert sich.

Bis zum Abend war noch genügend Zeit und so machte Robert einen langen Spaziergang in einem riesigen Park. Überall waren Kieswege und Statuen und Brunnen, und auf den Parkbänken lagen betrunkene Penner, die sich ihren Rausch aus schliefen. Nachdem Robert ungefähr eine Stunde herumgelaufen war, setzte er sich auf einen der bunten, nach hinten geneigten Gartenstühle, die überall herumstanden. Der Park war voller lustiger Leute, die ernsthaft damit beschäftigt waren, sich zu amüsieren. Er dachte daran, was für ein Unterschied das zu Berlin oder Madrid war, wo sämtliche Leute andauernd wie besessen irgendwelchen Geschäften hinterherhechelten. Und dann fiel ihm plötzlich auf, dass er überhaupt nicht im Schatten sitzen sollte. Er durfte auf gar keinen Fall krank werden. Also musste Robert sich in die Sonne setzen.

 

Kapitel  3

Die neue Nüchternheit, der Stil der neuen „Fan“ Jahre, war in New York geboren worden, hatte jedoch noch nicht die gesamte Bevölkerung infiziert. Es gab noch eine schwungvolle Szene in der Stadt, deren Teilnehmer sich legal mit Musik und illegal mit Drogen berauschten.

Der Kimbel-Street war einst eine schäbige Gegend mit baufälligen Wohnhäusern und überfüllten stinkenden Müllcontainern gewesen.

Die bekanntesten und schicksten Clubs von New York waren Black Jim, Herby und White Angel, ein Club mit eigenem Swimmingpool.

Die Schwulen-Schickeria gingen ins Percy.

Schwule und Heteros trafen sich in Big Mather.

Ein Diskjockey agierte in einer Glasglocke und er jagte die schrillen Klänge in den gewölbten Club, auf dessen Tanzfläche sich tausend Leute drängten.

Die ohrenbetäubende Musik war von fast physischer Präsenz.

Sie schlug Robert betäubend entgegen, als er durch den Haupteingang des Gebäudes in den eigentlichen Club kam.

Der Lärm peitschte ihn, wie ein Sturmwind und Robert spürte, dass er sich durch kämpfen musste. Die Luft war schwer von dem Geruch nach billigen Zigarettenrauch und ätzenden Schweiß, mit teurem Parfüm gemischt.

Die Leute auf der Tanzfläche warfen sich im Rhythmus hin und her.

Andere blickten grimmig, wild entschlossen, zügellos in die Nachtstunden zu stampfen.

Sie tanzten, als wollten sie sich gewaltsam in Hochstimmung katapultieren.

Die Leute mit dem eiskalten Lächeln, die an der vollen Bar standen, wollten sich sinnlos betrinken. Eine erregbare Konversation fand nicht statt.

Die Musik war dafür zu laut.

Wollte man jemandem etwas sagen, musste man sein Ohr an den Mund heranwinken und laust brüllen.

Ja, man musste sehr laut brüllen, wobei die einzelnen Leute blind auf den Ohren waren.

Robert Flaume gelang es, ein kaltes Bier zu ergattern, wobei er sich fast heiser schrie.

Dann umkreiste er die überfüllte Tanzfläche, in die Masse der Leiber starrend, auf der Suche nach ein paar Bräuten.

Es war schwindelerregend, diese dichte Ansammlung zu beobachten, der einem Ameisenhaufen glich.

Dann, mitten in der Menge entdeckte er ein nicht hässliches Mädchen.

Ein schönes braun gebranntes Gesicht.

Es war ein afroamerikanisches Mädchen.

Sie tanzte mit einer anderen weißen Frau, die Arme um die Taille ihrer Partnerin geschlungen.

Das afroamerikanische Mädchen blickte mir zu, beugte sich vor und sagte etwas zu den weißen Mädchen und sie lachte.

Arm in Arm verließen sie plötzlich die Tanzfläche, schlängelten sie sich durch das Gewühl.

Robert folgte nicht nur mit den Blicken hinterher, nein, er folgte sie.

Sie gingen in einem Raum, der nicht gerade hell beleuchtet war.

Es war ein dunkler, düsterer Raum, die schwere Luft zum Schneiden, vom Rauch, die Sicht versperrte.

Der süße Geruch von starkem Tabak und verschiedenen Substanzen war zu kristallisieren. Robert spürte, wie die schwarze Luft, sich in seine Lunge niederlegte.

Dennoch erkannte Robert alle die Gerüche, wie Crack, Marihuana, Hasch und herbes Koks, aus alten wilden Zeiten.

Muskulöse harte Männer und sexsüchtige emotionale Frauen drängten sich über die angebotenen Glücksspender.

Weggeworfenen Gasflaschen und Cola Dosen bedeckten den Boden und knirschten wie gefrorener Schnee, als er in den Raum ging.

Die kichernden Mädchen standen da.

Das Haar der Afroamerikanerin war hochgesteckt. In dem schwachen Licht wirkte sie wie eine Madonna.

Das andere Mädchen war nicht allein im Raum.

Sie stand da mit den Armen um einen großen schwarzen muskulösen Mann.

Er trug kein Hemd, ein mächtig aufgeblähter Bodybuilder, ein Torso aus eisern trainiertem Fleisch.

War er doch schwul?

So sah ihn Robert und versuchte diesen Mann nicht anzustarren.

Dieser Mann hielt eine Glasröhre mit Kokain unter den Mädchens Nase und sie inhalierte gierig.

Eine kleine Kruste Koks saß auf dem verschmutzten Rand des Röhrchens und ihre kurze Zunge schnellte vor, um davon zu lecken.

Die Afroamerikanerin entdeckte Robert und lächelte.

Er folgte ihrem Blick auf die beiden zu, seine Augen amüsiert und voller Belustigung.

Robert Flaume konnte warten.

Er wanderte durch den Club, abwartend, beobachtend.

Das Geschehen wirkte auf ihn abstoßend und zugleich faszinierend.

In den dunklen Ecken des Clubs knutschten und grapschten schemenhafte Gestalten, Männer, Männer und noch mehr Männer, Mädchen und Mädchen, eine Mischung der Geschlechter.

Die harte metallic Musik hämmerte weiter, schnitt durch die schlechte rauchige Luft.

Die Stampfenden auf der klebrigen Tanzfläche folgten jeden Beat.

Etwas zwischen entspannendem Leid und Verzückung flackerte auf den verschwitzten Gesichtern.

Die faszinierende Nacht, die lebende Stadt, die eine ganz verrückte Welt war in diesem irisierenden Raum komprimiert.

Es gab keine Vergangenheit.

Der Morgen schien keine Chance zu haben.

Es ging nur um das Hier und jetzt.

Die Gegenwart wurde nach den erotischen Sekunden bis zum nächsten geilen Tanzpartner, den heißen Minuten bis zum nächsten kalten Drink oder Kokainkonsum gemessen.

Die harte Musik dröhnte ohne Pause, gnadenlos einförmige Rhythmen und schamlos, bis unter die Haut, fickende Melodien.

Dann sah Robert sie wieder, wie sie sich zur Musik bewegte.

Sie tanzte zwischen dem weißen Mädchen und dem schwarzen Bodybuilder.

Sie bewegte sich zwischen diesen beiden, die jeweils ganz auf sie konzentriert waren.

Ihre schamlose Lust und die Musik schienen sie zu erfüllen, ihren wilden leidenschaftlichen Tanz zu stimulieren.

Das schwarze Mädchen drehte sich, sah Robert und tanzte weiter, beobachtete aus den Augenwinkeln, wie er sie ansah, mit hungrigen, schmachtenden, fiebrigen Augen.

Sie neckte ihn schamlos, brachte sich eng und warm an ihre beiden wild zuckenden Partner.

Sie pferchten das schwarze Mädchen zwischen ihre grandiosen, schwitzigen und heißen Körper und rieben ihre Hüften gegen sie.

Sie nahm ihre brennenden Bewegungen, wie selbstverständlich hin, doch ihr Blick glitt über Roberts bekleideten nackten Körper.

Das schwarze Mädchen wand sich zwischen ihren Partnern und rieb sich an ihnen, doch das Spiel ihres Körpers galt nur Robert.

Er spürte, wie ihn eine heiße Woge des Verlangens überflutete.

Plötzlich drang die ganze Atmosphäre dieses Clubs wie ein Virus in seine dicken Adern, er wurde mitgerissen in der reinen verfickten, schamlosen, modernen Kultstätte und ihrer Besucher. Im nächsten Augenblick war Robert auch schon auf der Tanzfläche, nicht mehr Beobachter, sondern ein kleiner schamloser und irritierter Teilnehmer.

Fast in Trance näherte er sich, das weiße Mädchen und das schwarze Mädchen mit den hochgesteckten Haaren, waren vor Robert, verschlang sie mit seinen Augen, während die harte Musik hämmerte und pulsierte.

Das schwarze Mädchen (sie hieß Lee, als er ihren Namen von weißen Mädchen rufen hörte) hörte auf zu tanzen und blickte Robert Flaume direkt und herausfordernd an.

Es war eine Herausforderung, die Robert annehmen wollte.

Er griff nach Lee, holte sie in seine Arme.

Sie sank leidenschaftlich und schützend hinein, küsste ihn heiß und heftig.

Robert hielt Lee an ihrem parfümierten Nacken, küsste sie wieder, seine glatte Zunge fuhr lustvoll in ihren leeren Mund.

Ihre heißen Körper pressten sich vor Verlangen gegeneinander, waren wie zusammengeschweißt. Seine starken Hände waren jetzt auf ihren festen großen Pobacken, drückte sie so fest gegen sich, dass ihre Hüften vor Erregung zuckten.

Schon glitten Roberts Hände unter ihren kurzen Rock, lagen heiß auf ihre bloße nackte warme Haut.

Sei küsste sein Ohr und flüsterte: „Komm, wir gehen!“

Sie ließen die anderen auf der Tanzfläche zurück.

Sie waren im Schlafzimmer seines Hotels, zwei nackte Körper auf das große Doppelbett gestreckt.

Robert versuchte auf ihr zu liegen, so wild erhaschte sie die Küsse, drückte sie mit seinem Gewicht, fünfundachtzig Kilo, nach unten.

Sein harter Penis war tief in ihr, die Hüften zuckten heftig.

Roberts nasse Zunge schlängelte sich über ihre Schultern bis zu ihrem Hals, dann hinunter zu der Furche zwischen den großen schwarzen Brüsten.

Die schon etwas hingen.

Dann schlossen sich die zarten Lippen über einer schwarzen Warze, saugte sie mit seinem Mund.

Lee bewegte sich unter ihm, ganz des reinen schamlos, Leidenschaftlichen, hingebend ihres Aktes.

Lee wölbte ihren Rücken und drückte ihre großen Brüste in seinem verlangenden gierigen Mund.

Sie schrie auf vor Geilheit, ein hoher Vogellaut, als Robert seine Zähne die schwarzen großen Brustwarzen trafen und kräftig zu bissen.

Lee’s Beine waren weit geöffnet, ihre Waden schlossen hinter seinem Rücken, wie eine Schlange ihre Beute schlingt.

Ihre heißen Hände waren zu scharfen Krallen gekrümmt, die schwarzen Nägel gruben sich in die weiche, schwitzende Haut auf seinen Rücken und durchfurchten sie, hinterließen blutige, brennende Spuren.

Je heftiger er stieß, desto schlimmer wurden die blutigen Wunden, doch der brennende Schmerz und die geile Lust vermischte sich bei Robert und surrten wie eine Droge durch sein aufgewühltes Gehirn.

Langsam ran dunkles Blut in warmen, salzigen Rinnsalen von seinem zerkratzten Rücken und tropfte auf das weiße Lacken.

Lee wälzte sich unter ihm vor und rollte auf den Bauch.

So lag sie da, erregt und verlangend.

Er griff hinunter und hob sie an den Hüften hoch.

Er kniete hinter sie und küsste leidenschaftlich ganz langsam ihren Rücken, seine Zunge wirbelte den Strang ihres Rückgrats hinunter.

Dann war er wieder in ihr und sie zuckt verlangend, während er wild und tief stieß.

Danach war Lee auf Robert.

Sie beugte sich zu seinem Gesicht, fuhr mit der nassen Zunge in seinem trockenen Mund.

Sie streckte ihre Arme über seinen Kopf, warf ihre großen, prallen Brüste in sein Gesicht, als sie sich bewegte.

Ihre Augen fragten.

Ja und seine Augen antworteten.

Sie nickte und begann, seine Hände auf dem Rücken zu binden, nicht straff, aber fest.

Dann nahm sie sich die Kerze auf dem Tisch und zündete sie an.

Lee leckte sich die Lippen und genoss seine Hilflosigkeit.

Einen Augenblick spürte er eine wilde Mischung aus Angst und Euphorie.

Sie tropfte den heißen Kerzenwachs auf seinen nackten Körper, ganz langsam.

Es zischte auf seiner behaarten Brust und war erregt von den schmerzen vom heißen Kerzenwachs.

Lee genoss es, wie er hilflos da lag.

Schaute Robert ganz fest in die Augen, dabei sah sie sein inneres Verlangen.

Dieses Verlangen erhitzte vor Leidenschaft Lee immer mehr.

Sie pustete die Kerze aus und legte sie weg.

Dann schob sie ihre Hüften wieder hinab, auf ihn. Es schien, als wollte sie ihn in sich ziehen, mächtig reibend.

Ihr Kopf wölbte sich zurück, ihre vollen Brüste hoch und straff.

Robert ruckte Lee entgegen, stieß seine Hüften heftig hoch.

Plötzlich kamen sie beide, gleichzeitig.

Lee atmete tief und sackte auf seine verbrannte, schmerzende Brust, ihre langen dunklen Haare fielen über sein Gesicht.

Robert spürte ihren Körper vor Lust zittern und im Delirium beben.

Robert befreite sich von seinen lockeren Fesseln, an den Handgelenken, auf dem Rücken.

Die ihn schon etwas schmerzten.

In der toten stillen, dunklen Tiefe der erotischen Nacht erwachte Robert.

Kein einziger Laut war zu hören, nur von der hellerleuchteten Straße drang ein wenig Licht herein, das den Raum beleuchtete.

Robert schwang sich zur Seite des großen Bettes und blieb dort einen Augenblick sitzen, den Kopf wie ein erschöpfter Gott gesenkt.

Er strich mit der Hand über den zerkratzten blutigen Rücken und fühlte das wunde Fleisch und die harten Krusten von getrocknetem Blut.

Lee war zusammengerollt, wie ein Igel und schlief. Robert streckte sich und stand auf, bahnte sich einen Weg durch das Chaos des von der Straße beleuchteten Zimmers.

Das helle Licht im blauen Bad traf Robert wie einen Blitz.

Er sah blass und mitgenommen aus, die Haut um seine müden Augen war schlaff und blass.

„Oh, Gott", sagte er zu seinem dunklen Spiegelbild.

Das harte Wasser aus dem Hahn war eiskalt und erfrischend.

Er nässte seine schweißbedeckte warme Haut mit dem eisigen Wasser und wurde sofort klarer im Kopf.

Hinter ihm sagte eine weiche Stimme sehr ruhig: „Wenn du mich betrügst, töte ich dich.“

Eine ungeheure Sachlichkeit lag in diesen Worten, die nahe legte, dass Lee jedes Wort vollkommen ernst meinte.

Robert blickte auf ihr Bild im Badezimmerspiegel.

Er drehte sich um und sah ihr ins Gesicht.

Lee ließ nicht dazu herab, auf seine Genitalien zu blicken.

Robert lachte kurz.

Er schüttelte den nassen Kopf, als könnte er kaum glauben, was er gehört hatte.

„Du fickst gern, wie?“, fragte er.

Lee starrte ihn lächelnd an.

„Ich mag es, wenn du so bist.“

Lee ging zu ihm, ganz nackt und rieb sich leidenschaftlich an seinen Körper.

Sie streichelte ihn mit ihrem Körper, wie eine Katze.

„Robby!“, murmelte sie wie ein kleines jammerndes Kind, das sich mit der List zu ihrem Ziel tröstete.

Als Robert wiederholt an diesem herrlichen Tag aus dem tiefen Schlaf erwachte, war Lee schon verschwunden.

Das Zimmer war nicht aufgeräumt, helles Tageslicht strömte durch die großen Fenster hinein.

Auf dem Tisch lag eine Notiz.

„Es gibt keine Frau, die man vertrauen soll.“

Robert nahm ein langes und heißes Bad, zog sich an, stieg dann in ein Taxi und ließ sich gemächlich durch die City fahren.

Er fühlte sich so entspannt und stark, wie man sich nur nach einer leidenschaftlichen Liebesnacht fühlen kann.

Gleichzeitig fühlte er auch ein leises Unbehagen, das aus der Unsicherheit er wuchs, was ihn noch später mit der Affäre mit Lee, erwarten könnte.

Robert Flaume kratzte sich fahrig an der Stirn.

Er lächelte und sah auf die Straße, wo sie dem Taxi nach schauten.

Kinder die mit dem Ball, spielten und Jugendliche die laute Beatmusik hörten, auch die Dealer waren zu sehen, die ihr großes Geschäft mit diversen Sachen sahen.

 

 

Kapitel  4

Um sieben Uhr abends war Robert wieder im Hotel. Während er gemütlich an seinen Cognac nippte, überlegte er, was er zum Abendessen anziehen sollte. In der Nachricht hatte nichts davon gestanden, ob wir ins Hotel oder zu „bics casino“ gehen würden. Schwierig, schwierig, dachte er sich. Immerhin: Diese Lisa Fuchs kam von Black and White und sie gehört zu den besten Werbeagenturen aus Deutschland.

Robert musste unbedingt Eindruck auf sie machen.

Robert zog sich aus und ging unter die heiße Dusche und wickelte sich in den großen, weißen, flauschigen Bademantel, den das Hotel Robert zur Verfügung gestellt hatte, und ging seine gesamte mitgebrachte Garderobe durch.

Unter Frau Lisa Fuchs stellte er sich eine vornehme Frau mittleren Alters vor, mit groben Falten auf der Stirn und in der Halsweite.

Da wollte Robert nicht aussehen wie ein Kind, das zum Geburtstag ausgeführt wurde.

Er probierte ungefähr drei verschiedene Outfits an, die er alle wieder verwarf, und entschied sich schließlich für seinen schwarzen Anzug vom unbekannten Designer.

Robert kam sich vor wie ein schlecht bezahltes Model vor dem Spiegel.

Robert Flaume wirkte darin wie ein Dreißigjähriger. Dazu schlüpfte er in ein paar schwarze Schuhe vom Schuhmacher, die noch handgearbeitet wurden.

Und da er nun schon so weit gegangen war, musste er es auch richtig zu Ende führen.

Also legte er heute mal ein Deodorant aus dem Supermarkt auf.

Das Ganze nahm genau eine halbe Stunde in Anspruch.

„Grr ..."

Wild und gefährlich sah Robert aus!

Wie ein Panter auf der Jagd.

Er ging ein paar Mal in seinem Zimmer auf und ab und probierte seine neuen Schuhe aus.

Er fand, dass er durchaus einen überzeugenden Auftritt hinlegen konnte.

Es war genau zwanzig Uhr siebenunddreißig, als er im Aufzug nach unten zur Rezeption fuhr.

Die weißen Türen öffneten sich und er schaute sich nach einer distanzierten Frau in mittlerem Alter um.

Aber da war niemand außer der verknallten Egotussi, die in dem Zimmer neben Robert wohnte und neben einem jungen, schlanken, fast mageren

Kerl in zerfetzten blauen Jeans und einer schwarzen alten Lederjacke saß. Ihrem Freund, wie er annahm.

Robert ging hinüber zum Empfangstresen.

„Ich erwarte eine Frau Fuchs.“

Ja, Frau Fuchs ist hier. „Da drüben“, sagte das nette, nicht hässliche Mädchen.

Er drehte sich um und im gleichen Augenblick stand eine Frau im bunten Kleid auf und kam auf Robert zu.

„Herr Flaume?“, fragte sie und hielt mir die Hand hin.

Aus der Nähe erschien sie älter und ihr Gesicht war von Lachfältchen durchzogen.

Ich bin Lisa Fuchs. „Willkommen in New York.“

Robert sagte: „Hey, schön, dass ich einen Landsmann aus Deutschland treffe!“

Das Mädchen mit dem Typ in der schwarzen Lederjacke stand ebenfalls auf.

„Kennt ihr euch schon?“, fragte Lisa. Das ist Abu. Abu Goldenbaum. „Sie ist ebenfalls gerade aus Berlin gekommen.“

„Hey“, sagte Robert. Ich glaube, wir sind uns schon begegnet. Gewissermaßen.

Abu begutachtete sein Äußeres in allen Einzelheiten.

Sie schüttelte seine Hand wie ein Berserker.

Abu hatte keine Spur Make-up aufgelegt und trug ein lockeres, geblümtes Minikleid aus Leinen und hochhackige Segeltuchsandalen.

Noch nie in seinem Leben hatte Robert sich so überdressed gefühlt.

Er merkte, wie er am ganzen Körper siedend heiß wurde. So peinlich war ihm das.

Er fühlte sich einfach so fehl am Platz.

„Also, vielleicht sollte ich mich kurz umziehen oder…“, fing er an.

Umziehen? Auf keinen Fall. „Du siehst prima aus“, sagte Lisa.

Abu sagte nichts, sie lächelte nur.

Auf Lisa Fuchs wartete draußen ein Taxi und Robert bemerkte, dass Abu an der Tür stehen blieb und darauf wartete, dass Robert sie für Abu öffnete. Dann, als Abu sich reinsetzte, rutschte sie nicht etwa weiter, damit auch Lisa und Robert noch Platz fanden, sondern blieb einfach da sitzen, sodass Lisa und Robert auf die andere Seite gehen mussten, damit sie einsteigen konnten.

Lisa Fuchs hatte mitbekommen, dass Robert zum ersten Mal in New York war, und so spielte sie auf dem Weg zum Restaurant den höflichen Gastgeber und erklärte ihm die Sehenswürdigkeiten.

Sie fuhren die Wall Street hinauf.

Oben kamen die Autos aus allen Richtungen auf sie zugeschossen.

Lisa erklärte, dass New York in einem ordentlichen, logischen Gitternetz gebaut worden ist.

Auf dem ganzen Weg zum Restaurant sagte Abu kein Wort.

Als sie ankamen, ging sie zuerst hinein, als würde sie gar nicht zu ihnen gehören.

Robert hatte das Gefühl, dass das vor allem seine Schuld war.

Das Lokal war voller betont zurückhaltender gestylter Leute.

In seinem megamäßigen Anzug erregte Robert ziemliches Aufsehen.

Und wie es der Zufall wollte, war Ihr Tisch genau am anderen Ende des Restaurants.

Ein höflicher Kellner führte sie hinaus auf eine riesige Terrasse mit einem fantastischen Blick auf eine Häuserwand.

Während sie sich zwischen den voll besetzten Tischen hindurchschlängelten, drehten sich ausnahmslos alle nach ihnen um.

Robert wäre am liebsten im Boden versunken.

Aber Lisa Fuchs machte das anscheinend überhaupt nichts aus.

Robert glaubte sogar, dass Lisa es sehr genoss.

Als sie sich setzten, flüsterte sie: „Ich frage mich, was mit dem Kerl da drüben nicht stimmt.“

„Wen meinst du?“ Wo?"

Lisa deutete auf einen unglaublich dicken, schwitzigen und unrasierten Mann in einer Ecke des Restaurants, der sich konzentriert in die Speisekarte vertieft hatte.

„Er ist der Einzige, der uns nicht angestarrt hat, als wir reingekommen sind.“ „Aber vielleicht interessiert er sich mehr fürs Essen“, sagte Lisa.

Robert hoffte, dass Abu das nicht gehört hatte.

Um die Wahrheit zu sagen: Diese ganze Aufmerksamkeit war Robert äußerst peinlich.

In diesem Augenblick hätte er alles dafür gegeben, wenn er so cool und freizeitmäßig ausgesehen hätte wie die anderen Gäste im Raum.

Lisa bestellte für alle was zum Trinken.

Abu bat um eine Campari-Soda und Robert bestellte eine eiskalte Cola Light.

„Du trinkst kein Bier?“, fragte Lisa.

Robert schüttelte den Kopf.

„Sehr vernünftig“, sagte Lisa.

„Wie alt bist du?“, fragte Abu unvermittelt und traf Robert damit ganz unvorbereitet.

„Acht…, ich meine, achtunddreißig“, sagte Robert.

„Du siehst nicht danach aus.“ Abu hob eine Augenbraue und lächelte Lisa an.

Robert fühlte sich geschmeichelt.

Denn er rennt jeden Tag ins Fitnessstudio, um fit zu bleiben.

Um sehr fit zu bleiben.

„Und wie alt bist du?“, konterte Robert.

„Sechsundzwanzig“, sagte sie.

„Also, nachdem wir nun wissen, wie alt wir sind, was essen wir?“

Die Speisekarte war auf absolut unverständlichem Englisch abgefasst. Deshalb bestellte Robert das Einzige, was er zuverlässig identifizieren konnte: „barbequed spare ribs and chef’s salad“.

Während wir auf das Essen warteten, bombardierte Lisa mit Fragen über Lokale in New York, die sie kannte.

Ob es sie immer noch gab und ob man da noch hinging.

Abu nippte nur stumm an ihrem Drink und Robert wurde langsam unbehaglich, weil er aus dem Gespräch ausgeschlossen war.

Deshalb wandte er sich an Lisa und sagte: „New York ist okay.“ „Ich meine, man muss sich doch nur umsehen.“

Robert Flaume sah aus, als würde er nur für Sie eine Show abziehen, während überall um ihn herum die Lichter der Stadt glitzerten.

„Seit ich ein kleines braves Kind war, habe ich immer davon geträumt, dass ich hierher kommen will.“ »Ich kann kaum glauben, dass das wirklich wahr geworden ist.«

Abu Goldenbaum beeindruckte das nicht.

Sie sagte nur verdrossen mit ihrem sächsischen Akzent: „Ja, es ist wohl ganz Isi.“ Aber mir persönlich gefallen die Bahamas besser. „Die Leute dort haben mehr Freude am Leben.“

Ich war noch nie auf den Bahamas. Abgesehen von zu Hause war ich bis jetzt nur in Polen und in Russland und hier bin ich ständig total aufgekratzt.

Es ist einfach ehrfurchtgebietend. Und noch etwas: Die Leute latschen nicht einfach so an einem vorbei wie in Deutschland. Heute am Flughafen, als ich ankam, stand ich verloren herum und suchte nach einem Taxi, und da kam so ein Typ und fragte, ob ich Lust hätte auf eine Tasse Kaffee. Er muss gedacht haben, ich suchte nach dem Airport Café. „Ich meine, in Deutschland würde einem so etwas nicht passieren.“

Da verschluckte sich Lisa an ihrem lauwarmen Apfelsaft.

Aus irgendeinem Grund fand sie das, was Robert gesagt hatte, anscheinend furchtbar lustig.

Sehr lustig und lachte laut.

„Der wollte sich an dich ran machen“, sagte Abu und guckte mich an.

Als wäre ich ne' Schwuchtel, das auf drei Beinen her umlief.

„Das ist die bekannteste New Yorker Anmache“, sagte Lisa.

„Hast du Lust auf einen Kaffee?“ Bedeutet: „Du gefällst mir.“

„Aha“, sagte Robert und kam sich echt blöd vor.

Sie wurden unterbrochen, als das Essen gebracht wurde.

Abu hatte einen Teller Chefs Salad mit einem amerikanischen Dressing und danach einen Kuchen mit viel Korinthen, Rosinen usw. usw...

Robert fragte sich, wie Abu es schaffte, dass sie diese Bohnenstangen behielt.

Robert muss ziemlich aufpassen mit dem, was er esse.

Ich meine, im Fitnessstudio ein strenges Training, kein Eis, keine Pommes, keine Bonbons hatten sich ausgezahlt und Robert war im Allgemeinen ziemlich sportlich schlank.

Sehr sportlich.

Aber wenn Robert sich mal richtig gehen lassen würde, könnte er schnell ein paar Kilo zunehmen und die Frauen sehen das.

Aber Lisa war so schlank wie nur was.

Fast unnatürlich schlank.

„Himmel, Lisa, du bist so dünn!“ „Du Glückliche, ich schätze, du brauchst dir nie Sorgen um deine Figur und um dein Gewicht zu machen“, sagte Robert und versuchte angestrengt, das Eis wieder zu brechen.

Lisa zuckte die Achseln.

„Ich schätze, ich habe mit manchen Dingen Glück gehabt“, erwiderte Lisa.

Lisa Fuchs lenkte ihre Aufmerksamkeit auf einen Typen am anderen Ende des Raumes.

Dort stand ein Mann mit zurückgekämmtem, nassem Haar und Dreitagebart in einem ausgebeulten Designeranzug.

Er stand mit einer etwas älteren Frau zusammen, die unglaublich breite Wangenknochen und einen riesigen Mund hatte.

Ihr Gesicht kam Robert bekannt vor, aber er konnte nicht einordnen, wer sie war.

Vielleicht aus der Werbung, eines Monatsbinde-Spots.

In diesem Augenblick stand Abu auf und ging auf die Damentoilette.

Oder auf die Herrentoilette? Wer wusste das schon?

So waren Lisa und Robert allein.

„Ach du, liebe Zeit“, sagte Lisa. „Ich glaube, diesmal bin ich wirklich ins Fettnäpfchen getreten.“

„Wie meinst du das?“

„Zicke Ernst-und-Schweigsam scheint nicht besonders erfreut.“

„Ich verstehe nicht, warum Abu so miesepetrig ist“, sagte Robert.

„Es ist doch ein wundervoller Abend, ein fabelhaftes Lokal.“ „Und doch sitzt sie hier, als wäre sie bei einem Leichenschmaus oder so was.“

„Ich wusste, dass es ein Fehler sein würde, wenn wir euch beide zusammenbringen.“

„Was meinst du damit?“

Lisa sagte nichts, sie errötete und starrte an die leere Wand.

Als Abu zurückkam, sah sie aus, als hätte sie geweint.

„Ich hab gehört, du bist wegen des Werbespots für ein Parfüm hier“, sagte Robert. „Das macht bestimmt Spaß, die ganzen Partys und…“

Sie schaute Robert herablassend an.

„Du hast nicht mal Zeit zum Essen. Partys? Du machst Witze. „Während der Aufnahmen sind sie das Allerletzte, was dich interessiert.“

Den ganzen Abend lang bemühten sie sich, Abus eisige Stimmung etwas aufzutauen.

Lisa sorgte für Unterhaltung, indem sie beide auf die merkwürdigen Berühmtheiten im noblen Restaurant aufmerksam machten und einiges über sie erzählten.

Und der da ist ein weltbekannter Regisseur. „Das Mädchen, das er dabei hat, ist nicht seine Frau, auch nicht seine Tochter.“ Was macht das schon? „Frauen, angeln sich auch die Knackärsche von der Szene“, sagte Lisa mit einem unsicheren Grinsen.

„Und die Blonde da drüben, das ist keine Sie, das ist ein Er.“

„Tatsächlich!“, sagte Robert und versuchte nicht hinzustarren.

Diese Sie oder Er sah wirklich überzeugend aus.

New York öffnete einem ganz schön die Augen.

Aber Ihr Bemühen, Abu ein bisschen Leben einzuhauchen, war eine ziemliche Zeitverschwendung. Sie sah nur wahnsinnig gelangweilt aus.

Als sie beim Kaffee angekommen waren, freute Robert sich darauf, dass er bald ins Hotel zurück und ins Bett konnte.

Robert musste früh schlafen gehen, weil er am nächsten Tag diesen Termin bei Maik hatte.

Dann, sie wollten gerade gehen, stand Abu auf und verschwand erneut aufs Klo.

Es war das siebte Mal.

Während sie auf Abu warteten, beobachteten sie die anderen Leute im Raum und hatten ein leichtes Grinsen im Gesicht.

Abu war schon eine Ewigkeit weg.

Lisa schaute immer wieder auf ihre goldene Armbanduhr.

„Vielleicht sollte ich mal reingehen und nachsehen, ob sie noch lebt.“

Im Damenklo hörte sie jemanden, wie wild die Klosettbecken betätigen, und dann kam Abu mit roten Augen aus einer Kabine.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Lisa.

„Bestens.“ „Was willst du?“, schnauzte sie.

„Tut mir Leid, dass ich gefragt habe“, entgegnete Lisa.

Meine Güte war die empfindlich.

Egal, trotz Abu war es ein fabelhafter Abend gewesen.

Robert Flaume erster Abend, mit Kollegen in New York.

Als er an diesem Abend zu Bett ging, dachte er bei sich, dass er von allen Individuen auf der Welt doch bestimmt der allerglücklichste Mensch war.

Die Werbefirma von Maik war in der Wall Street.

Am Morgen stand Robert früh auf, duschte sich heiß.

Und der Anzug, den er sich für heute ausgesucht hatte, war aus einfachem, anthrazitfarbenem Material.

Es hätte nicht schlichter sein können.

Robert hatte noch eine schwarze Jeans und ein anthrazitfarbenes Shirt mit.

Robert dachte, er hätte sich gründlich vorbereitet. Ursprünglich hatte er sich vorgestellt, dass er Maik am Flughafen begegnen würde, wenn Robert als neuer Designer in der Firma anfangen würde.

Aber anscheinend war er viel zu fein.

Maik arbeitete in einem Werbeimperium und hatte selbst ganze Hierarchien von Leuten unter sich, die die eigentliche Arbeit machten.

Gut möglich, dass ihn nie jemand persönlich zu Gesicht bekam.

Es war, als wäre er der Liebe Gott oder so was.

Als Robert das Hotel verließ, sah er nach seinen Maßstäben verdammt gut aus und brachte den Türsteher dazu, dass er ihm ein Taxi rief.

„Werbefirma Maik, Wall Street 373“, sagte er zu dem Fahrer.

Es waren keine hundert Meter.

Robert kam sich ziemlich blöde vor, als er die kurze Strecke zum Eingang fuhr.

Die Showrooms von Maik hatten ein Schaufenster, das mit sieben Puppen aus transparentem Plexiglas dekoriert war.

Die nackten Puppen trugen außer einen Tausend-Dollar-Schein in der Hand und einem schwarzen Revolvergurt nichts.

Während Robert die Glastüren aufdrückte, bemerkte er, dass sogar die Türgriffe wie die Stößel von Löwenköpfen geformt waren.

Geil.

Dennoch war cool auch das richtige Wort, denn drinnen war die Luft klimatisiert und alles war von einer eiskalten Perfektion.

Der Raum atmete so etwas wie eine frische, stärkende Aura.

Glasklare Vitrinen präsentierten die ausgestellten Einzelstücke in den Hausfarben, glänzend Schwarz, Sapphire Blau und Weiß, entworfen von der Riege der Maik-Designer.

Eine Assistentin in einem geometrisch geschnittenen schwarzen Jil S. Kostüm kam auf Robert zu und begrüßte ihn. „Can I help you, Mr.?“ Robert Flaume schaute die Frau überraschend an und wusste in diesem Augenblick nicht, was er sagen sollte. Die Assistentin fragte Robert: „Do you speak English?“ „Aber selbstverständlich“, sagte Robert und lächelte sie nur an. „Ich habe einen Termin um zehn Uhr dreißig bei Maik.“

Sie fragte nach meinem Namen und führte Robert durch das Geschäftshaus in einen Innenhof, der ringsum mit merkwürdigen exotischen Pflanzen bewachsen war.

In der Mitte wartete ein futuristischer Aufzug, ganz und gar aus klarem Plexiglas.

Robert sollte in den siebten Stock und er glitt in dem Lift wie in einer durchsichtigen Plastikblase ruhig nach oben.

Er kam sich vor wie in einem Science-Fiction-„Raumschiff Entertainer“.

Im siebten Stock hat sich der Aufzug geöffnet und er trat in einen Hunderte von Quadratmetern großen Raum, der mit Teppichen in Beige aufgelegt war.

Ein paar makellos gebräunte New Yorker rasierte Beine bewegten sich auf Robert.

„Mr. Flaume?“ „Bitte folgen Sie mir.“

Robert wurde in ein eiskaltes, klimatisiertes Konferenzzimmer geführt.

Neben Mr. Pack, dem Robert in aller Ehre vorgestellt wurde, war auch ein Mr. Gregor zugegen, verantwortlich für Marketing und Marktforschung, der ihn ebenfalls sehen wollte.

Beide Männer trugen ausgebeulte Anzüge von Kevin K. und Krawatten in den Pastellfarben.

Es war, als trügen sie alle Uniform.

Bei diesen Gedanken musste Robert beinahe kichern.

Aber er unterdrückte mit Mühe und Not den Impuls seiner Gefühle.

Alles im Firmengebäude von Maik war von einer Eiseskälte und absolut tödlichem Ernst.

Sodass es auch schon wieder witzig wird.

Robert begrüßte die Herren mit förmlichem Händedruck und dann sagte Mister Gregor, er werde ihm den „D“-Flakon zeigen.

Wie er da saß mit der Hand auf der Schachtel, die auf dem Konferenztisch lag, schien es, als enthielte sie unbezahlbare Reliquie.

Dann holte er aus und erklärte Robert, dass er zum Kreis der aufs Höchste bevorzugten Personen gehörte, denen man erlaubte, in diese magische Schachtel zu gucken.

Und Robert müsste schwören, dass er schweigen und keiner Menschenseele erzählen würde, was er gesehen hatte, bis nach der Präsentation von „D“.

Was für ein Aufstand!

Es war, verdammt noch mal, nichts als eine lächerliche, hässliche Parfümflasche.

Mister Gregor palaverte weiter über seine dämliche, hässliche Flasche, die das Ergebnis von drei kreativen Entwicklungsarbeiten und Unmengen von Verbraucherforschung wäre, und dass das alles unter absoluter Geheimhaltung vor sich gegangen wäre.

Dann, plötzlich, sah es so aus, als wollte er sie öffnen.

Er sagte: „Man kann Ihnen also vertrauen?“

Robert dachte nur: Was will der Typ von mir?

Robert nickte. „Wenn nicht, will meine Großmutter auf der Stelle tot umfallen.“

Eigentlich ist sie schon umgefallen.

Doch wem interessiert das, bei so einer Situation?

Mister Pack nickte mit einem Lächeln Mister Gregor zu.

Er öffnete die Schachtel mit großer Geste.

Darin lag, auf ein Polster aus blauem Samt gebettet, eine Parfümflasche.

Sie sah aus wie eine Lustgrotte aus Kristallglas.

Sie hatte die Gestalt einer unbehaarten weiblichen Vagina, die in fließenden Schliff gebracht wurde.

Robert fand sie hässlich, doch fragte er: „Darf ich sie anfassen?“

Mister Gregor nickte. „Nehmen Sie sie ruhig an die Hand.“ „Wir nennen sie die geflügelte Siegerin.“

Klar, irgendwie sah ja die Vagina aus wie zwei Flügel.

Warum nicht, dachte sich Robert.

Dennoch schüttelte Robert den Kopf.

Er kam sich echt dumm vor.

Er hatte keine Ahnung, wovon der Typ redete.

Und sehen Sie mal, was passiert, wenn Parfüm drin ist.

Er drehte die Präsentationskassette um und entnahm ihr eine zweite Flasche. Diese war mit einer roten Flüssigkeit gefüllt.

Robert hatte noch nie zuvor rotes Parfüm gesehen.

Während er die Flasche drehte, brach sich das Rot in dem geriffelten Glas und schimmerte, sodass die Vagina aussah, als würde sie sich bewegen.

„Vielleicht haben Sie so etwas von Maik nicht erwartet?“ 

„Nein, ganz bestimmt nicht.“

„Sehen Sie, mit „D“ hält Maik den ersten und den zweiten Platz auf dem Werbemarkt.“ Dieser Erfolg stellt uns vor besondere Probleme. Wenn wir ein neues Produkt auf den Markt bringen, dann wollen wir nicht, dass unsere Kunden einfach auf das Neue umsteigen. Das würde uns keinerlei Gewinn bringen. In der Marketingsprache nennen wir das „Kannibalismus“.

„Sie meinen, wie wenn Menschen andere Menschen fressen?“

„Wie wenn wir unseren eigenen Profit fressen würden.“

„Verstehe.“

„Deshalb geht unsere Werbestrategie dahin, dass wir ein Produkt für Menschen werben, die nie zuvor ein Produkt von diesem Hersteller gekauft haben.“

„Das hört sich an wie eine Art Kalter Krieg.“

Es ist einer. Es ist eine Schlacht, die wir schlagen müssen, damit die Fabriken weiterarbeiten können. „Damit die Jobs erhalten bleiben, von denen Tausende unserer Beschäftigten abhängig sind.“

„So hab ich es noch nie gesehen“, sagte Robert.

Mister Pack beugte sich vor und sagte zum ersten Mal etwas: „Und unser neuer Mitarbeiter selbst?“ Wie finden Sie die Flasche? 

„Ich finde Sie sehr kreativ und auffallend.“

Er lachte: „Sexy, ja?“ Aber würden Sie ihretwegen das Parfüm für ihre Frau kaufen? „Mit unserem ganzen langweiligen Marketinggeschwätz könnten wir keine einzige Flasche verkaufen, wenn sie jungen Frauen nicht gefällt.“

Es war nicht langweilig. „Ich habe nur nicht gewusst, was hinter den Kulissen alles abläuft.“

„Was glauben Sie, was wir alle in diesem großen Gebäude tun?“

Mister Back lächelte und tätschelte Robert die Schulter und sagte: „Großes Geheimnis, ja.“ „Wenn Sie es verraten, soll ihre Großmutter tot umfallen.“ Und lachte stillvergnügt.

Als Robert die Maik-Agentur verließ, war er irgendwie nachdenklich.

Dauernd war ihm von politisch korrekten Leuten zugesetzt worden, wegen der ausgeflippten Designer.

Dass er zu dieser ganzen Werbeszene gehörte, die nur darauf aus wäre, Leute zu verführen.

Zum Beispiel würde er einem Zeug, den man gar nicht braucht.

Dass es auch darum ging, dass man Fabriken am Laufen hielt und dass Menschen ihre Arbeitsplätze behalten konnten.

Auch wenn Sie es nicht wollten.

Aber andererseits: Niemand braucht wirklich Parfüm, oder?

Die Leute stinken schon so genug und es sind ihre eigenen streng riechenden gelben Parfümfläschchen.

 

 

Kapitel  5

Das Selbstbewusstsein von Robert Flaume ist sein kleinkarierter Egoismus. Er lernte frühzeitig, sich gegenüber Mitschülern und Kollegen durchzusetzen, aber niemand bringt ihm bei, wie er es anstellen soll, ein loyaler Teamgefährte zu sein. Robert Flaume ist darauf programmiert, zuerst und ausschließlich an die eigene Karriere zu denken. Sein Erfolg ist für ihn nur ein Mittel zum Zweck der Befriedigung ganz persönlichen Machtstrebens.

So kommt es, dass er hervorragende Ideen häufig zuerst entwickelt.

Wenn es aber darum geht, aus der Idee einen Marktrenner zu machen, sind die später gestarteten Konkurrenten aus Amerika meist schneller und erfolgreicher.

Wenn Robert zum ersten Mal seinen amerikanischen Konkurrenten direkt begegnet, hat sie meist schon nach kurzer Zeit das Gefühl, mehr von dem betreffenden Produkt und von seinem Markt zu verstehen.

Robert Flaume hat früh gelernt, Risiken zu vermeiden, sich anzupassen, sich abzusichern.

Erst die Vakanz an der Spitze setzte jene Energie frei, die Robert Flaume zu Höchstleitungen anspornte und ihm half, zum großen Konkurrenten der Werbewirtschaft aufzuschließen.

Viele Erfolge der letzten Jahre sind auch eher das Ergebnis seiner Zuverlässigkeit.

Ein paar Querstraßen weiter entdeckte Robert das Café, wo dieser hochnäsig mexikanisch-amerikanische Kellner mit deutschem Studium arbeitete.

Bis zum Dreh des Werbespots am nächsten Morgen hatte er nichts zu tun und er überlegte, wie er den Nachmittag verbringen konnte.

Vielleicht sollte Robert, cool und gut angezogen, wie er war, da reingehen und den Typen mal ein bisschen in die Zange nehmen.

Der hatte es nötig, dass ihm mal jemand einen Dämpfer aufsetzte.

Robert staunte hinein.

Er stand wieder hinter der Bar und polierte die schmierigen Gläser.

Als Robert eintrat, wurde er belohnt.

Er sah, dass er ihn anstarrte und dann nach Luft schnappte, als er Robert erkannte.

In den Wandspiegeln konnte er erkennen, dass er tatsächlich auffällig gut aussah.

Diesmal hörte der Barkeeper sofort auf mit seinen Gläsern, schnappte sich ein Tablett und kam an Roberts Tisch.

Robert ertappte ihn dabei, wie er selbst einen Blick auf sein Spiegelbild warf und sein Haar nach hinten strich.

Schwuler!

Robert glaubt, die Schwulen sind mindestens doppelt so eitel wie die Frauen.

„Hey!“, sagte Robert und lächelte. „Ich möchte einen Martini, aber ungeschüttelt, und eine Olive.“

Er kam zurück mit meinem Glas Martini und blieb wartend stehen.

„Thank you“, sagte Robert.

„Sie sprechen also doch Englisch.“

„Ein bisschen“, imitierte Robert seinen ungeübten Schwulenakzent.

Am nächsten Tag wurde Robert um fünf Uhr früh telefonisch geweckt.

Um sieben sollte er von einem Taxi abgeholt werden und bis dahin musste er geduscht sein und ein kräftigendes Frühstück zu sich genommen haben, das Robert den ganzen Vormittag über aufrechthalten würde.

Beim Durchschauen der Storyboards schlang er ein Müsli hinunter und trank schwarzen Kaffee dazu und unter der heißen Dusche aß er noch einen Jogurt.

Der Werbespot sollte in zwei getrennten Abschnitten gedreht werden.

Der endgültige Werbefilm würde ein typisches New Yorker Mädchen im Stadtleben zeigen, ineinander geschnitten mit den Aufnahmen von „Sky“.

Dahinter stand eine Art surrealer Idee: Jedes Mal, wenn dieses wirklich existierende Mädchen an jemandem vorbeiging und denjenigen eine Duftfahne von dem Parfüm streifte, wurde sie zu einer duftenden Wolke „Sky“ gemorpht.

Nun muss ich Ihnen erklären, was Robert Flaume mit „Morphen“ meint. „Es ist eine Technik, mit der ein Bild auf einem Film in etwas anderes verwandelt wird, etwa wenn zum Beispiel ein Engel zum Teufel wird.“

Ein Bild wird zu einem anderen, indem alle Phasen dazwischen computeranimiert werden.

Das Taxi, das Robert abholte, war scheinbar eine Ewigkeit unterwegs.

Als sie schließlich ankamen, war er meilenweit außerhalb von New York, an einer Art stillgelegter militärischer Fluglandebahn, mitten in einem riesigen stillgelegten Industriegebiet.

Die Produktionsfirma hatte für den sonnigen Tag einen kommerziellen Windkanal angemietet.

Als Robert auf dieses klobige, ausgestorbene Gebäude zuging, fühlte er sich ganz klein und unbedeutend.

Zwischen eigenartigen rostigen Flugzeugteilen, die aussahen, als wären sie über dem Atlantik verloren gegangen, Seitenrudern und solchen abgerissenen Teilen entdeckte Robert die übliche Ausrüstung für Filmaufnahmen.

Große Lastwagen mit lauten, pulsierenden Generatoren standen draußen in einer Reihe und dicke Kabelstränge führten von dort weg.

Zwischen den technischen Lieferwagen wuselten die technischen Ingenieure mit Kopfhörer herum.

Und hier stand auch der übliche große mobile Verpflegungsservice.

Auf dem ganzen Platz schwirrten sie hastig wie in einem Ameisenhaufen.

Ein Assistent der Produktionsleitung verteilte schon mal Kaffee in Pappbechern.

Die Stylistin für die Models war Italienerin, sprach aber ziemlich gut Englisch.

Als Erstes musste das Model, Michel war ihr Name, einen praktisch durchsichtigen Body anziehen, und dann musste sie stillstehen, während Michel mit einem Schwamm den ganzen Körper weiß grundiert.

Nachdem das Zeug getrocknet war, verteilte die Stylistin darüber dieses blaue Farbzeug. Jeder Quadratzentimeter von Michel musste abgedeckt werden, außer ihr Gesicht und ihre Arme.

Als es trocken war, sah es aus wie ein blauer, merkwürdig majorisierender Überzug.

Es war spannend für Robert, dieses einmal zu sehen und zu fühlen, wenn Michel jetzt nichts mehr trinken kann.

Damit sie die ganze Arbeit nicht ruiniert.

Denn Robert war sehr durstig.

Dann machte sie sich über ihr Gesicht her.

Auch das wurde weiß grundiert und dann mit mauve-blauem Rouge an den Wangenknochen und der Kinnlinie modelliert, sodass es aussah, als es eine Wolke wäre.

Die Visagistin vertiefte ihre Augenhöhle mit blass blau und tupfte ihr Highlights auf die Augenbrauen.

Als Nächstes ging sie mit massenhaft metallblauem Eyeliner darüber und dann tuschte sie ihre Augenbrauen weiß, bis sie nicht mehr zu sehen waren.

Ihre Augenlider sahen jetzt aus, als wären sie aus Watte.

Als Robert Michel sich richtig anschaute, dachte er laut: „Irre!“

Als das Make-up fertig war, brachte die Stylistin das Gewand.

Es war aus feinstem silberblauem Chiffon und scheinbar mehrere Quadratmeter groß.

Sie zog es Michel über den Kopf und es fiel leicht wie ein Spinnengewebe um ihren schlanken Körper. Sie hatte das Gefühl, dass sie überhaupt nichts anhatte.

In diesem Augenblick hörte die Filmcrew eine Limousine vorfahren und dann gab es draußen große Aufregung.

Maik war angekommen.

Plötzlich geriet die Filmcrew, die bis jetzt außer coolem Rumhängen und altem Krautrauch so ziemlich gar nichts getan hatte, in Bewegung.

Die Visagistinnen machten in Windeseile sauber und wischten für Big Boss den Staub von einem wackligen Stuhl.

Als er eintrat, trat die Stylistin zurück und wartete nervös auf sein Urteil.

Er saß auf dem Stuhl und starrte Robert an.

Dann stand er auf und ging um Michel herum, zupfte hier und dort das Kleid zu Recht und drehte ihren Kopf von einer Seite an die andere.

„Bewege dich mal!“, sagte er zu ihr und blickte streng.

Michel machte ein paar Schritte.

„Dreh dich um“, befahl er, immer mit interessiertem Blick.

Und dann breitete sich auf seinem Gesicht ein Lächeln aus:

„Okay, not bad", sagte er, drehte sich um und umarmte die Stylistin.

Der Drehtag selbst war ein einziger schrecklicher Alptraum.

„Habe ich schon erwähnt, dass Robert schreckliche Höhenangst hat?“

„Nein!“

Am meisten Angst hatte er immer davor, dass ihn jemand zwingen könnte, auf den Fernsehturm in Berlin zu steigen.

Aber diese Dreharbeiten waren darauf zugeschnitten, Robert eine Todesangst einzujagen. Er musste in eine dieser Hebebühne steigen, wie sie zum Reparieren von Straßenlaternen und Ähnlichem genutzt werden.

Dennoch war damit nicht genug, denn sie hatten auch noch die Sicherheitsgeländer abmontiert.

„Cool.“ Darauf steht man im Filmgeschäft.

Michel wurde an einem Pfahl gebunden, als wollte sie sich auf dem brennenden Scheiterhaufen räuchern lassen oder so.

Runterfallen konnte Robert tatsächlich nicht von seinem Hebelkran.

Die Techniker haben jeden losen Sicherheitsring an ihm befestigt.

Aber das soll man sich mal selbst einreden, während man Tausende von Meter über dem steinigen Boden herumgeschwenkt wird.

Robert Flaume ist von Maik ein Assistent geworden, stand auf dem Hebelkran und machte Bilder mit einer Polaroid von Michel, als wäre dies die letzte Gelegenheit dazu.

Dann rief ein Irrer von unten etwas auf Englisch und ein dicker Nebel von Trockeneis stieg um Michel und Robert herum von unten auf.

Nun zitterte nicht Robert mehr nur aus Angst, sondern auch vor Kälte.

Dann, als Robert zu dem Schluss gekommen war, dass die Folter nicht mehr schlimmer werden konnte, wurde die Windmaschine angeworfen. Robert kam sich vor wie ein russischer Windhund beim Rennen.

Doch Michel klebte nun, wie ein Lutscher mit Himbeergeschmack am Stiel und starrte in einer Art Trockengefrierverfahren zu einem Eisklumpen.

Nach ungefähr dreißig Minuten brachten sie Robert und Michel wieder auf die Erde zurück.

Eine der lustigen Visagistinnen kam auf Michel zu, weil sie ihr Make-up überprüfen wollte.

„Alles in Ordnung?“

Michel schüttelte den Kopf.

Sie zitterte.

Dann rannte sie zurück und holte eine Decke, und das andere Mädchen reichte Robert und Michel einen heißen Kaffee.

Zum Teufel mit dem Body. Michel brauchte das Koffein.

Während Michel in die Decke gewickelt da saß und an ihren heißen Kaffee nippte, kam Maik zu Robert.

„Du bist kalt.“ „Was?" Robert schüttelte den Kopf. „Ist schon in Ordnung…“ „Es ist nichts.“ „Mir geht es gut.“

„Zehn Minuten – dann machen wir weiter“, sagte er.

„Ist wirklich alles okay?“

Robert grinste zurück. „Kein Problem.“

Als Robert wieder auf dem Hebelkran stand, versuchte er einfach so zu tun, als wäre er unten auf dem Boden.

Robert redete sich unaufhörlich ein, was seine Mutter immer zu ihm gesagt hatte: „Schmerz existiert nur im Kopf, mein Kind!“

Michel, das Model, stand einfach darüber und sie sagte sich: „Wenn es nicht wehtut, funktioniert es nicht.“

Sie stellte sich vor, der kalte Wind wäre warmes Wasser.

Michel zwang sich zu der Vorstellung, sie würde in warmes Wasser schwimmen.

Es war warm.

Es umspülte ihren ganzen Körper.

Sie schaffte es, dass es sich warm anfühlte.

Das Shooting dauerte fast zwei Stunden. Maik brauchte Michels Bewegungen aus jedem Blickwinkel.

Von oben, von unten, aus der Nähe, von weitem.

Als Robert schließlich wieder auf dem Erdboden stand, kam Maik zu ihm. Robert zeigte Maik die Fotos von der Polaroid. „Ist gut, ja?“ „Sehr stark.“ Er nickte.

Obwohl das Polaroid eine ziemlich miese Qualität hatte, konnte er sehen, was für eine Wirkung Robert erzielen wollte.

Es sah unwirklich aus.

Als wäre die Wolke lebendig geworden und würde durch den Wind schweben.

„Danke“, sagte Maik zu Michel und tätschelte ihr die kalte Schulter.

„Aber du bist ja eiskalt!“ „Nein, mir geht's gut, ehrlich." „Sehr starkes Mädchen", sagte Maik und nickte.

Michel zuckte die Achseln. „Das musste ich ja wohl sein.“ Maik nickte beifällig und ging weg, weil er mit den Technikern sprechen musste. Danach machten sie noch zwei weitere Takes.

Als der anstrengende Tag zu Ende war, wusste Robert, glaubt er, recht gut, wie es sich anfühlt, wenn man sich einfrieren lässt.

Es dauerte eine Ewigkeit bei Michel, bis das Make-up entfernt war.

Um neun Uhr abends war Robert wieder im Hotel. Er aalte sich in der Wanne, die er sich mit heißem Wasser hatte randvoll laufen lassen und immer, wenn es abkühlte, wieder heiß nachfüllte.

Robert schrubbte sich wieder Leben in seine eiskalten Glieder, als das Telefon klingelte.

Robert langte aus der Badewanne danach.

Ja, sogar im Badezimmer gab es ein Telefon, echt cool.

Es war Lee, das Mädchen, von dem ich schon erzählt habe, das auch bei Robert war.

„Hey.“ „Wie geht es dir?“, fragte Lee.

Ich bin völlig erledigt. „Wenn ich den Tag heute überlebe, bringt mich nichts mehr um.“ Robert gab ihr einen kurzen Überblick über seinen Tag.

„Und wie läuft's bei dir?“

Sie gab mitfühlende Geräusche von sich.

„Wann sehen wir uns wieder?“, fragte Robert.

„In ein paar Tagen ungefähr“, erwiderte Lee.

„Warum?“, fragte Robert neugierig.

„Freunde geben eine Riesenparty.“ „Wir feiern mal wieder durch.“

„Heißt das, wir müssen uns damit abfinden, dass wir überall, wo wir hingucken, grandiose, dicke Ärsche sehen werden“, fragte Robert.

„Genau“, sagte Lee.

Lee kicherte.

„Hey, Hey.“ Ich wünschte, du wärst hier mit mir in meiner heißen Wanne. „Die Einzige, die hier ist, ist diese dürre Zicke von nebenan, die mich echt auf die Eier geht“, sagte Robert.

„Wer ist das?“, fragte Lee.

„Miss Abu Goldenbaum, die Zickendiva“, sagte Robert mit lauter Stimme.

„Aber ein paar Freunde wirst du doch schon kennengelernt haben“, erkundigte sich Lee.

„Ach, na ja“, sagte Robert enttäuscht.

„Hey, erzähl weiter“, forderte Lee Robert auf.

„Da gibts nicht mehr viel zu erzählen“, sagte Robert. „Wann findet die Mega-Party denn statt?“

Lee nannte Robert das Datum.

„Du kriegst natürlich eine Einladung und du musst unbedingt kommen. Versprich mir, dass du es versuchst!“, sagte Lee.

Robert versprach es, und dann erzählte Lee ihm noch ein paar Klatschgeschichten über einige von den anderen Leuten bei der Agentur.

„Ich hatte mit Jessi, meiner Freundin, eine Wette abgeschlossen, dass sie eines Tages mit Jim gehen würde.“ Sie waren wie füreinander geschaffen. „Ich schätze, auf der Party werden wir´s merken“, sagte Lee noch ganz schnell.

Denn als Robert den Hörer auflegte, fühlte er sich total einsam.

Robert vermisst Lee. Sie war seine einzige gute Freundin auf dieser Seite des Atlantiks.

Robert dachte: Vielleicht sollte ich mir noch einen Ruck geben, mich anzuziehen und ins Café rübergehen, statt mir etwas aufs Zimmer zu bestellen.

Robert zog blaue Jeans und ein weißes Sweat-Shirt an und als er durch die Eingangshalle ging, stieß er mit Abu zusammen.

„Hey“, sagte sie.

„Hallo.“

„Wohin gehst du?“

„Bloß rüber in das Café nebenan.“ »Ich muss eine Kleinigkeit essen.«

„Vielleicht komme ich mit“, sagte sie.

Robert war so baff, dass ihm nicht mal eine Ausrede einfiel, warum das nicht ging.

„Klar, komm mit!“, sagte Robert.

Und so gingen sie schweigend nebeneinander zum Café. Abu wählte einen Tisch direkt am Fenster, wo jeder sie sehen konnte. Der Kellner kam zu Ihnen und war echt freundlich.

Abu bestellte einen köstlichen Salat mit geräuchertem Entenfleisch und Toast und eine Flasche Mineralwasser.

Wobei sie ihn keines Blickes würdigte. Warum auch?

Robert nahm etwas, was sein Lieblingsessen geworden war.

Es war reichlich viel für einen Toast mit Käse und Schinken.

Robert schmierte sich immer massenhaft scharfen Senf darauf.

Damit er nicht den Käse so schmeckte.

Während sie aßen, blieb der Kellner am Tisch und unterhielt sich mit ihnen.

Er interessierte sich, woher wir herkamen und was wir hier so machen.

Als er dann endlich gegangen war, beugte sich Abu zu Robert rüber und sagte: „Soll ich dir mal einen guten Rat geben?“

Robert zuckte verdutzt die Schultern.

„Du solltest nicht zu freundlich sein!“, fuhr sie fort.

„Die Leute könnten das ausnützen, weißt du.“ „Wer mit einem vom Fernsehen zusammen ist, für den öffnen sich Türen.“

Robert lächelte Abu zu und schüttelte den Kopf.

Aber es ist deine Entscheidung. »Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.«

Robert zitterte vor Wut, aber er würde ihr nicht die Genugtuung verschaffen, dass sie ihm das ansah.

„Erzähl doch mal, was du heute gemacht hast“, sagte Robert, entschlossen das Thema wechselnd.

Abu schwatzte ausführlich darüber, was für einen wunderbaren Tag sie verbracht hatte. Sie war zum Casting im Kelvin K.-Atelier und ihrem Bericht zufolge waren eine ganze Reihe nicht ganz unbekannter Leute vorbeigekommen.

„Und du?“, schloss sie.

Robert wollte wissen, ob er ihren nordischen Ernst durchbrechen konnte, indem er ihr eine bildhafte Schilderung lieferte, wie er tausend Meter über dem Boden den zögernden Eislutscher fotografierte. Aber Abu war so ziemlich die humorloseste Person, der er je begegnet war.

Lee kaute bloß auf ihrem Salat herum, als er ihr in allen Details von einem lustigen Besuch beim Zahnarzt erzählte.

Doch, als sie gegessen hatte, verschwand Abu mal wieder spurlos.

Der Kellner kam an den Tisch.

„Deine Freundin ist sehr schön, aber vielleicht nicht sehr freundlich“, sagte er.

„Sie ist nicht meine Freundin“, entschuldigte sich Robert. „Ich fürchte, sie hat PMS-die Monatsblutungen.“

Er lachte und sagt: „Verstehe.“

Dann beugte er sich vor und tat so, als würde er den Tisch abwischen. Plötzlich warf er einen Blick über seine schmalen Schultern.

„Der Wirt ist da“, sagte er.

Der Kellner richtete sich auf und warf Robert einen warnenden Blick zu.

Der Wirt sah zu ihnen und runzelte die Stirn, dann verschwand er hinter der Bar.

„Gibt’s Probleme?“, fragte Robert den Kellner.

„Wenn der Wirt mich dabei erwischt, dass ich mit Gästen plaudere, wirft er mich raus“, sagte er und ging eilig weg, wobei er unterwegs leere Gläser einsammelte.

Abu blieb wie üblich stundenlang weg.

Als sie zum Tisch zurückkam, fragte sie Robert: „Gehst du heute Abend zu der Party ins Lybsi?“

„Was ist das für eine Party?“, fragte Robert.

„Bist du nicht eingeladen?“ »Das ist ein eleganter Nachtclub.«

Robert schüttelte den Kopf.

„Alle Prominenten gehen dorthin, es überrascht mich, dass dich keiner eingeladen hat.“

„Ich gehöre nicht zu den Prominenten, Abu, falls du das noch nicht bemerkt hast.“ Und abgesehen davon muss ich im Morgengrauen aufstehen, ich habe morgen einen langen Dreh. Ich denke, ich werde mich jetzt zurückziehen. »Ich muss noch ein paar Sachen auf die Reihe kriegen.«

Robert nahm genügend Geld aus seiner Geldbörse, damit der Kellner ein kleines Trinkgeld bekam, und überließ Abu das Bezahlen.

Robert konnte sehen, dass des Kellners Augen Abu folgten, während er an der Fassade des Cafés vorbei und den Bürgersteig entlang ging.

Abu winkte leicht, zwinkte ihm mit einem Auge zu und grinste zurück.

„Der Kellner hatte absolut tolle weiße Zähne“, sagte Abu zu Robert. Robert war ganz erschrocken über Abus Stimmungswandel. „Frauen“, dachte sich Robert. Den Rest des Abends rauchte Robert noch eine und trank noch eine Cola und ging dann früh zu Bett. Im Fernsehen kam nichts, also legte er sich schlafen, wobei er sich wirklich wie ein Versager fühlte. Abu ging aus und machte sich einen schönen Abend in der Stadt, während er hier lag wie eine mittelalterliche Kirchenglocke. Aber er dachte, so ist das Leben. Hart und immer in Bewegung oder auch nicht.

 

Kapitel 6

Von da an wurde es heiß. Jeder Tag begann mit einem Weckruf zu einer absurden Uhrzeit wie fünf Uhr morgens, mitten in der mit fetten Wolken bedeckten Nacht. Gegen halb sechs kam die Hotelfrau und brachte Robert das Frühstück. Er bemerkte bald, warum die Agentur ihm eine Suite mitten in New York gegeben hatte. Die meisten Aufnahmen wurden im Zentrum von New York gedreht. Fünf Tage waren reserviert für die Aufnahmen der Realfilmszenen.

Darin trat das Model auf als reiche, gestylte Singlefrau, die absolute, vollkommene, junge, schlampige Diva in ihrem Alltagsleben.

In jeder Szene trug sie ein anderes Outfit, vom Scheitel bis zur Sohle schlampig und alles total abgedreht.

Robert war eigentlich nicht so richtig klar gewesen, dass bei einem Werbefilm so viel hinter den Kulissen ablief.

Jeden Tag, während Robert seine Kamera und die Objektive herrichtete, waren auch am Drehort eine Menge Leute hart am Arbeiten, damit die Kulissen stimmen.

Lange, bevor der Morgen dämmerte, besetzte die Filmcrew in den Straßen von New York ihre Stellungen.

Unansehnliche Straßenschilder und Leitungsdrähte mussten verlegt oder getarnt werden.

Straßen mussten abgesperrt werden.

Manchmal wurde sogar die jeweilige Straße für zu dreckig befunden und musste gereinigt werden.

Für die Aufnahmen am ersten Tag wurde sogar der normale Verkehr auf den mehrspurigen Straßen umgeleitet und eine Menge neuer Verkehr eigens für die Filmaufnahmen engagiert.

Als Robert in aller Ruhe ankam, gestikulierte Maik hektisch mit ein paar Jungen, die bei der Verlegung von ein paar Schildern zu langsam waren.

Und dann, es sah gerade so aus, als würde die Filmcrew mit den Aufnahmen beginnen, fing es strömend an zu regnen.

Alle, das Model und die Filmcrew, saßen weiter herum und warteten.

Die meisten Mitglieder tranken Kaffee, rauchten und spielten Karten.

Und Robert ging noch einmal das Storyboard durch.

Um zwölf Uhr mittags knurrte Robert der Magen und er wurde ganz schwach vor Hunger.

Die anderen aus der Filmcrew waren auch schon so weit.

Aber gerade, als sie zum Mittagessen gehen wollten, hörte der Regen auf und die Sonne kam heraus.

Offenbar wollte Maik die Szene im Sonnenlicht auf der nassen Straße filmen.

Daher wurde plötzlich alles ganz lebhaft.

Das Model musste im Grunde genommen nur im absolut umwerfenden Outfit die Straße überqueren. Es war aus einem eisblauen Trenchcoat mit einem extrem kurzen Minirock – einem Top, gerade kurz genug, dass es etwa zwei bis drei Zentimeter Bauch freigab.

Dazu gehörten eisblaue Stiefel, die bis zu den Oberschenkeln reichten.

Im Verlauf der Szene überquerte das Model mitten durch den ganzen bedrohlichen Verkehr hindurch und tat so, als würde sie die Autos überhaupt nicht bemerken.

Plötzlich stoppte Maik die Aufnahmen und eilte auf sie zu.

„Michel, was ist los mit dir? Du siehst aus wie ein kleines, ängstliches Rehkitz.“ „Ich möchte, dass du in großen Schritten über die Straße gehst. So!" Maik demonstrierte es so, dass Robert und die ganze Filmcrew lachen mussten.

„Wie sagt ihr ...?"

„Schreiten?“

„Schreiten, ja.“ Kopf hoch. Volles Selbstvertrauen. Denk an die Statue. Victory, eine Siegerin, ja? „Keine Versagerin.“

„Ja, natürlich, tut mir leid.“ Es ist nur […] Sind Sie sicher, dass die Autos alle anhalten? 

„Diese Fahrer sind alle sehr gut ausgebildet. Es sind Stuntmans ..."

„Genau das hatte ich mir gedacht.“

Maiks Aussage war kaum dazu angetan, dass Michel Vertrauen schöpfte.

„Wenn Sie näher kommen als sieben Millimeter, werde ich Sie hochpersönlich mit meinen eigenen Händen abschießen“, sagte Maik.

„Okay, okay, Maik, ich glaube Ihnen.“ Ich versuche es noch einmal. 

„Warte!“, sagte Maik und rief eine Stylistin herbei.

Er zeigte auf einen winzigen Dreckspritzer auf ihre Stiefel. Sie holte eine Bürste und bürstete ihn weg.

„Das nenne ich Perfektionismus“, sagte Maik.

Wie auch immer, gegen fünf Uhr hatten wir genau dreizehn Takes hinter uns und Robert war schon halb verhungert, als sich wieder die dicken Wolken auftürmten und weicher Nieselregen einsetzte.

Maik gab bekannt, dass der verrückte regnerische Tag gelaufen wäre.

Mit einem bisschen Glück konnte Robert eine halbe Stunde später vor dem Café sein.

„Werde ich noch gebraucht?“, fragte Robert.

Maik schüttelte den Kopf.

Dann sagte er: „Erst morgen früh um sechs wieder, okay?“

Robert winkte ein Taxi heran und dirigierte den Fahrer zum Café.

Natürlich wollte Robert eigentlich erst zum Hotel zurück und sich umziehen, aber er hatte solchen Hunger.

Als Robert ankam, stand der Kellner am geschlossenen Fenster und schaute hinaus auf die nasse Straße.

Er öffnete Robert die Tür und er stürmte hinein.

„Hallo! Ich sterbe vor Hunger.“

Plötzlich kam ihm der Gedanke und er sagte zum Kellner: „Wenn ich es mir recht überlege, dann möchte ich eigentlich doch nichts essen.“

Und rauschte hinaus.

Im Hotel stellte Robert sich unter die heiße Dusche und dachte an Lee.

Er zog sich einen weißen Bademantel über und verließ nachdenklich das Badezimmer.

Gerade wollte er beim Zimmerservice etwas zu Essen bestellen, als es an seiner Tür leise klopfte.

Robert machte die Tür auf, doch keiner stand da. Dann scheute er erstaunt vor die Tür, auf dem Flur entlang. Doch es war niemand zu

sehen.

Robert schüttelte den Kopf und dachte nach, wer ihm da einen Scherz gemacht haben konnte.

Dann zog er ein paar blaue Jeans an und ein schwarzes T-Shirt und ging nach unten. Schließlich hatte er nichts Besseres vor, oder?

Robert rauchte eine Zigarette.

Er ging eine Weile schweigend die dunkle Straße weiter.

Dann blieb Robert plötzlich stehen, warf seine Zigarette in eine Pfütze und starrte sie an.

Inzwischen hatte es wieder angefangen zu regnen. Er ging weiter, ja, Robert fing schon an zu rennen.

Jetzt stand er mitten auf der Straße und nahm den strömenden Regen gar nicht wahr.

Die Autos wichen zur Seite hinaus und hupten ihn an.

Robert dachte: Was mach ich denn?

Ich habe doch Hunger.

Es regnete und sein Gesicht tropfte vom Regen.

In New York herrschte reger Verkehr auf den Straßen und die Bürgersteige quollen über vor Menschen, die zur U-Bahn wollten.

Robert zwängte sich durch den Strom von Leuten, die mit gesenktem Kopf durch den Regen liefen und sich mit Schirmen vor den Wassermassen schützten.

Robert lief im Zickzack über die Straßen, wobei er nur mit knapper Not einigen Radfahrern entkam.

Schließlich blieb Robert vor einem verlassenen Café stehen.

Es war ein dunkles kleines Lokal und das Wetter machte es nicht heller.

Alles war durchnässt.

Auf den runden Tischen stand das Wasser in den Pfützen.

Robert wischte das Wasser von einem Stuhl und setzte sich für einen Moment.

Ihm war absolut nicht nach Lächeln zumute.

Denn Robert war nass.

Er war sehr nass, bis auf die nackte Haut.

Sein T-Shirt klebte ihm am Körper.

„Soll ich Ihnen einen heißen Tee bringen?“, fragte der Kellner.

„Ja“, erwiderte Robert.

Der Kellner brachte schnell den heißen Tee. Robert war überrascht.

Er starrte auf seinen heißen Tee und zündete sich eine Zigarette an, die auch schon fast durchnässt war.

Doch er konnte noch ein paar Zigaretten retten.

Danach entstand eine peinliche Stille.

Robert befällt schon ein tiefes Misstrauen, wenn Leute zu viel über andere miteinander tuscheln.

Sie argwöhnen Intrigen und Verrat, wo man vielleicht mit dem Menschen reden sollte.

Im Kästchendenken der lauten Leute ist für offene Kommunikation kein Platz.

Denn für sie muss alles schön überschaubar sein, einfach ablaufen.

Dass in solchen sterilen Menschengruppen unzählige Ideen auf der Strecke bleiben, das versteht sich von selbst.

 

Kapitel 7

Gleich am nächsten Tag, nach dem Filmdreh, ging Robert ins Hotel.

Es war wirklich ein wunderschöner Tag.

Die drei, nicht hässlichen Frauen, auf der Straße lächelten, als wäre die Sonne aufgegangen.

Sie trugen weiße, leichte, dünne Kleider.

Ein anderes schlankes Mädchen war wie ein Latino-Girl gekleidet, was ihre Figur betonte.

Jugendbanden gingen in Scharen, laut, provozierend und cool durch die Nebenstraßen von New York.

Es war das Leben, das kraftvolle Überleben der Jugendlichen.

Dennoch gab es fröhliche Menschen und aufspringendes Leben.

Robert Flaume stand vorm offenen Fenster.

Heiter war alles auf der Straße, spielende, nervende Kinder liefen munter umher.

Robert ging ins Bad, denn er wollte noch duschen.

Das Hotel stand in der Sonne.

Ein Hund bellte und dann rannte ein Junge ihm entgegen.

Und das Sonnenlicht fiel auf den rot gebrannten Boden.

Als Robert duschte, klopfte es an der Tür.

Robert hörte es schlecht, dennoch beim Öfteren lauten Klopfen bemerkte er es und hängte sich ein Handtuch um die Taille, damit man sein bestes Stück nicht erblickte.

Trotzdem war er noch ganz nass, aber das störte ihn nicht.

Er ging zur Tür, wischte sich die Tropfen aus dem Gesicht, mit einem trockenen Handtuch.

Es war Lee.

Sie musste laut loslachen und fragte: „Darf ich hereinkommen?“

„Komm nur.“

Die Sonne schien in den Raum und es roch nach frischem Duschgel.

Das Radio spielte die Top 10 der Woche.

Auf dem Tisch stand eine Flasche Mineralwasser und eine Zigarette rauchte im Aschenbecher vor sich hin.

„Du bist spät dran“, sagte sie. „Zieh dich nur weiter an, sonst komme ich noch in Versuchung.“

Sie setzte sich auf einen Sessel und goss sich in Roberts Glas etwas Mineralwasser.

„Ich musste gerade duschen“, sagte er, und er setzte sich an den Tisch und zündete sich eine neue Zigarette an.

Denn die rauchende Zigarette im Aschenbecher hat Lee schon erstickt.

Aber er sagte nichts.

Robert schien niedergeschlagen und sie fühlte, dass sie ihn belästigte.

Dennoch beachtete Lee das nicht.

Sie holte sich ein Kaugummi heraus und wickelte ihn aus dem Papier.

Nahm ihn in den Mund und lutschte auf ihn herum.

Sodass Robert es schon fast nervte.

Dann endlich kaute sie auf dem Kaugummi mit Menthol-Geschmack.

Lee stand auf und ging ins Schlafzimmer.

Einen Augenblick schaute sie Robert mit einem Lächeln hinterher.

Sie sah auf die breite Auswahl seiner Anzüge, die am Schrank hingen.

„Es ist so schön hier“, sagte sie, „diese wunderschönen großen Räume.

Er nahm einen Zug von der Zigarette, sehr langsam und lustlos.

Schweigend goss er Mineralwasser in ein anderes Glas und brachte die leere Flasche weg.

Lee ging ins Bad, um ihre Haare zu bürsten.

Sie sah in den Spiegel und musste lächeln über das, was Robert so an Kosmetik stehen hatte.

Sie nahm einen Spritzer Parfüm von K.A.A.

Und schnupperte an ihrem Handgelenk.

„Bist du sehr geschafft von deinem Drehtag heute?“, fragte sie ihn.

Er wandte ihr schnell seine Augen zu und richtete sie fest auf sie.

Geschafft? Nein, müde. Ich musste früh aufstehen, und bevor ich ins Hotel ging, habe ich die Fotos entwickelt, die ich heute gemacht habe – nun ja, mir fallen fast die Augen zu.

Robert sprach in warmer, leiser Sprache, und leidenschaftliche Erotik klang in seiner Stimme.

„Könntest du nicht ein wenig wach werden?“, fragte sie.

Ich? Vielleicht kann sein, wenn das heißen soll, wir haben noch etwas vor. Das ginge sicher! Aber ich muss dich warnen, du musst mich wach halten. Du musst mich beschäftigen. Und ich bin nicht so in Form, dass ich dich heute beschäftige. „So im Großen Ganzen geht es mir recht gut, besonders jetzt, wo du da bist.“

Wieder lächelte sie ihn an.

„Nächsten Monat verreise ich für einige Zeit“, sagte sie dann.

„So!“ „Wohin denn?“

„Nach Europa.“

„Und wo Europa?“

„Deutschland! Wie lange?“

„Einen Monat oder so“, entgegnete sie.

Eine Pause entstand.

„Doch vergiss mich nicht, wenn du in Deutschland bist, nicht wahr?“

Wieder hob er die Augen und richtete sie voll auf sie.

„Vergessen?“, sagte sie. „Du weißt, dass man nicht vergisst.“ »Ich komme nach Berlin.«

Robert wollte fragen: „Was sonst?“ Aber er tat es nicht. Stattdessen sagte er tonlos: „Ich freue mich, wenn du nach Berlin kommst.“

Jetzt endlich sah Robert sie an, gespannt und forschend.

Robert schwieg eine lange Zeit, dann sah er Lee wieder fest ins Gesicht.

Schweigen legte sich über Lee.

Robert starrte mit einem leisen Grinsen zum Fenster hinaus.

Er sah sie an und starrte dann wieder mit diesem sonderbaren, herzhaften Grinsen zum Fenster hinaus.

Entspanntes Schweigen herrschte.

Er brach in Gelächter aus.

»Dann hol mich der Teufel, wenn du es war, machst.« »Denn glauben kann ich es noch nicht, wenn du nach Berlin kommst.«

Ein langes, warmes Schweigen.

Lee ging zu Robert und umarmte ihn.

Er reckte sich, seine Muskeln zitterten und seine Kiefer waren merkwürdig fest aufeinander gepresst.

„Es ist kein Traum“, sagte sie, „Ich liebe dich.“

„Ach!“ sagte er und er lachte. „Ich liebe dich nämlich auch.“

Mit freudigen, offenen Augen sah er sie an.

Wenn er nur die geringste Gewalt auf sie ausgeübt hätte, hätte er sie leidenschaftlich geküsst, denn sie hatte aus Liebe keine Kraft gegen ihn.

Robert drehte sein Gesicht wieder fort und es war, als vergesse er, dass sie da war.

„Ich möchte dich berühren, wie du mich berührst“, sagte Lee.

Er sah sie an und lächelte. „Jetzt?“, fragte er.

Ja, ja! Hier, auf dem Boden! Willst du? 

„Wie berühre ich dich?“, fragte Robert.

„Wenn du mich anfasst.“

Er sah sie an und begegnete ihren verlangenden, lustvollen Augen.

„Und du hast es gern, wenn ich dich berühre?“, fragte er und lachte sie noch immer an.

Ja. Und du?

„Oh, ich!“, sagte er. „Du weißt das.“

„Hast du deine Unterwäsche weggelassen?“, fragte er.

„Ja."

„Na gut, dann ziehe ich meine auch aus.“

Sie genoss es, wie er sich die Sachen von seinem Körper streifte.

Und schüttelte ihr langes Haar.

„Lege dich hin!“, sagte er, als er splitternackt da stand.

Sie gehorchte schweigend und er legte sich auf sie.

Und er schob ihr geblümtes Kleid ganz hinauf, bis er zu ihren schwarzen Brüsten kam.

Robert küsste sie sanft, nahm die Spitzen in zarter Liebkosung zwischen seine Lippen.

Lee war sehr erregt, von seinen Liebkosungen an ihren harten Spitzen.

„Ahhh, das ist gut!“, sagte sie.

Plötzlich küsste er ihren warmen Bauch.

Und sie schlang die Arme um ihn. Sie fühlte sich geil, geil vor Verlangen nach seinem starken, weichen, nackten Körper.

Sie zuckte zurück, so war Lee erregt von seinen Küssen.

Seine Zunge spielte über ihren warmen Körper und er stieß ein gepresstes Seufzen aus, als er an ihrem Schoss angekommen war.

Und als er sagte: „Ahhh, du schmeckst gut“, erbebte etwas in ihr und in ihrem Sinn richtete sich alles nach Hingabe.

Richtete sich auf die physische Vertrautheit und die Hast, mit der Robert Besitz von ihr ergriff.

In diesem Augenblick überkam sie nicht die wilde Ekstase ihrer eigenen Leidenschaft.

Sie lag nur da, die Hände fest auf seinem sich mühenden Körper, und sie mochte tun, was sie wollte. Ihr Verstand schien zuzusehen.

Das Auf- und Ab seiner Hüften kam ihr verlangend vor, und der geile Eifer seines Penis, zur befriedigenden Entleerung zu gelangen, erschien für sie die Erfüllung.

Ja, das war die Liebe, dieses leidenschaftliche Auf- und-runter des knackigen Hinterns, dieses Erschlaffen des erhitzten, warmen, feuchten, kleinen Penis.

Das war der Fick des Jahrhunderts!

Die Menschen verachten das Wort „Ficken“, als Geschlechtsakt, und Ficken tun sie doch.

Und das ist ein tolles Gefühl, nicht nur zum Kinderzeugen.

Auch wenn sie ganz reglos da lag, trieb es sie doch, ihr Becken anzuheben und Robert hinzustoßen, sich seinem verlangenden Zugriff und dem Auf- und Niedergehen seiner Hüften zu entwinden.

Als sie so schnell vor Erregung fertig war und ganz stilllag und ins Schweigen ging, in eine fremde, reglose Ferne, die weit, weit jenseits des Horizonts ihres Bewusstseins lag, begann sie anzuweinen.

Lee konnte fühlen, wie Robert sich zurückzog und sie liegen ließ, wie einen nassen Schwamm am Ufer.

Robert zog sich zurück, denn er wusste nicht, was er tun sollte, nach Lee ihrem überwältigenden, zerreißenden Orgasmus.

Er war ahnungslos und beachtete es nicht, wie Lee nach einem Orgasmus in Tränen ausbrach.

Robert kannte so eine Situation nicht.

Die Frauen, die er jetzt hatte, waren alle mit Freude und gieriger Leidenschaft.

Aber keiner ist in Tränen ausgebrochen.

Lee schluchzte, hob sich und schüttelte sich.

Dabei schmiss sie ihr langes, seidenes, schwarzes Haar hin und her.

„Ja“, sagte Robert, „es war nicht überwältigend diesmal.“ Du fängst an zu weinen, nach deinem überwältigen und gewaltigen Orgasmus. „Das ist nicht mein Ding!“

Sie schluchzte heftiger.

„Aber was ist denn?“, fragte er. Und sie fing lauter an zu weinen.

„Ich.“ „Ich habe meinen Orgasmus so, meine Gefühle lösen sich in meinem Körper und ich fange an zu heulen.“

Robert legte sich neben ihr mit der Hand auf ihren Brüsten.

Lee aber hatte beide Hände von ihm gezogen.

Seine Worte waren nur ein geringer Trost.

Sie schluchzte laut.

Lauter.

„Nah, komm“, sagte er, „zicke jetzt nicht rum.“

Lee weinte, weinte und schluchzte: „Aber ich liebe dich.“

„Und dann heulst du?“, fragte er.

Musst eben das Gute mit dem Guten hinnehmen.

„Oder, war es anders?“, fragte sich Robert.

Er nahm seine warme Hand von ihrer süßen Brust und berührte sie nicht mehr.

Und jetzt, da Lee seine Berührung nicht mehr fühlte, empfand sie seine eiskalte Befriedigung.

Obwohl sie beide ganz schön in ihrem leidenschaftlichen Gerangel ins Schwitzen kamen.

Er stand auf, wenn es ihm einfiel, und brachte es fertig, da vor ihr zu stehen und vor ihren Augen diese lächerlichen Grimassenzuziehen.

Als Robert dann wirklich von Lee sich abwandte und still aufstand und aus dem Raum ging, klammerte Lee sich voll Sehnsucht an ihn.

„Nein! Geh nicht! Lass mich nicht allein! Sei nicht böse zu mir! Halt mich. „Halt mich ganz fest!“, flüsterte sie in verlangender Leidenschaft und wusste nicht einmal, was sie sagte, und klammerte sich an Robert mit unheimlichen Kräften.

Robert lächelte ihr zu und nahm sie in seinen Armen und zog sie an sich.

Plötzlich wurde sie klein in seinen Armen, klein und schmiegsam.

Ihre Tränen waren verflogen, sie lächelte wieder und sie schmolz in ihren Träumen dahin.

Und während sie in seinen Armen dahin schmolz, klein und wunderbar, wurde sie unendlich begehrenswert für Robert.

Ehrlich gesagt, das war Lee vorher auch schon, in der ersten Nacht.

Doch Frauen geben immer noch eins drauf.

Er spürte ihr Verlangen, ihre zärtliche Begierde, ihre Sanftheit, mit der sie in seinen Armen lag.

Sanft, mit herrlichen, schwindelerregenden Küssen, glitt seine Hand in reiner, zärtlicher Begierde über den nackten Hang ihrer Hüften und hinab zwischen ihre weichen, warmen Schenkel.

Näher, immer näher dorthin, wo sie am lebendigsten war, wo ihr Leben war.

Und Lee spürte Robert wie ein Feuer des Begehrens, eine zärtliche Flamme.

Ja, sie fühlte, wie sie dahin schmolz in der Hitze dieses Feuers.

Lee ließ sich davon treiben.

Sie fühlte seinen harten Penis sich mit lauter, wunderbarer Gewalt und Sicherheit gegen sie erheben; sie überließ sich ihm mit Wonne.

Sie bekam einen Orgasmus mit einem heftigen Schauer der Gefühle, der wie ein Tod war.

So öffnete sich Lee ihm ganz.

Die Leidenschaft des Liebesaktes überwältigte Lee so, dass ihr Verlangen nach mehr grausamen, statt zärtlichem Sex unersättlich war, Robert nicht zu widerstehen.

Sie erschauerte wieder unter dem zwingenden, unerbittlichen Eindringen seines Penis in ihren Leib, das so seltsam und doch so gewaltig erregend war.

Robert mochte mit dem Stoß seines Penis in ihren weich-saftigen Schoss kommen.

Es würde der Tod sein.

In jäh aufsteigendem Verlangen nach diesem Gefühl klammerte sie sich an ihn.

Doch er drang mit einem unerwarteten, seltsamen, ruhigen Stoß in sie ein.

Lee hielt nichts zurück.

Sie nahm sich alles, was sie von Robert kriegen konnte.

So stark waren ihr leidenschaftliches Verlangen nach dem Gefühl der Liebe und die Angst, es zu verlieren.

Ihr erhitzter, schwitzender Körper drängte sich jetzt in zärtlicher Liebe an Robert und er hob sich dem klein werdenden Penis entgegen, der sich zart, zerbrechlich, unschuldig zurückzog nach dem wilden Rammeln in ihr.

Lee liebte seinen kräftigen, gewaltigen Penis.

Und nun erst wurde Lee der kleinen, knospengleichen Verschwiegenheit und Zartheit des Penis gewahr.

Sie lächelte mit leidenschaftlicher Bewunderung und ihr brennendes Frauenherz freute sich über die zärtliche Zartheit dessen, was die Kraft war.

„Du warst so gut!“, stöhnte Lee. „Es war ein geiler Fick, wie ein kleiner Tod!“

Doch Robert sagte nichts.

Er küsste sie sanft und lag still neben ihr.

Doch Lee stöhnte vor Verlangen, als unersättliches Weib.

Und sie schreite nach Liebe.

Ihre Hände irrten über seinen nackten Körper.

Sie bewunderte seine männliche, muskulöse Kraft, das Bild eines Beschützers.

Und jetzt berührte sie ihn und es war sein erschöpfter Penis, der sich nur noch schwach regte. Lee hatte Spaß daran, ihn zu sehen.

Wie schön und zart er sich anfühlte.

Zaghaft glitten ihre Hände seinen Rücken hinab, hin zu den muskulös geschwungenen, kleinen Hügeln seines Hinterns.

Lee bewunderte seinen Hintern.

Und sie spürte das seltsame Gewicht der Kugeln zwischen seinen Beinen.

Weich und schwer ruhten die Kugeln in Ihrer warmen Hand.

Lee klammerte sich an Robert und stieß einen lauten, krassen Schrei aus, in dem das leidenschaftliche Gefühl nach Liebe war.

Robert hielt Lee eng an sich gepresst.

Er sagte nichts.

Warum wusste er auch nicht.

Lee drängte sich näher, ganz nah an Robert, näher, nur um ihn ganz nah zu fühlen.

Plötzlich spürte Lee, wie aus dem Nichts langsam anschwellend sein Penis aufstieg.

Die Macht der leidenschaftlichen Geilheit, auf die Lee wie besessen immer wieder wartete. Und diesmal, als Robert in sie einging, war es sanft, leicht und gefühlvoll, wie eine Nadel durchs Knochenmark stark.

So stark war der lustvolle Schmerz, den Lee vor leidenschaftlichen, lauten, lustvollen Schreien über sich ergehen ließ.

Ihr ging ein kalter Schauer über Ihren ganzen Körper.

Sie kam nicht darauf, was es war.

Lee konnte sich nicht erinnern, was es gewesen war.

Nur, dass es ein herrlicher und ein süßer, geiler Tod gewesen war.

War es alles, was es für Lee gab?

Oder wollte Lee mehr, immer mehr von Robert?

Doch hinterher war sie ganz still, ganz ohne Gedanken.

Und Robert war mit ihr still.

Er lag bewegungslos im selben Schweigen.

Lee klammerte sich an seine beharrte Brust und flüsterte: „Du bist mein Traum!“ „Du bist der Mann, den ich immer lieben werde!“

Robert hielt sie schweigend in seinen Armen: „Sag etwas zu mir!“ „Meine große Liebe, sprich mit mir!“

Lee lächelte mit voller Zufriedenheit.

Robert küsste sie auf dem Mund (mit trockener Zunge) und murmelte: „Ja, mein Stern?“

Aber sie wusste nicht, was Robert damit meinte.

Robert sagte nichts und sah Lee an.

„Sag, dass du mich immer lieben wirst.“ „Dass du mich nie verlassen wirst“, bat Lee drängend.

„Ja ja“, erwiderte Robert nervend. Denn so weit sollte es für Robert nie kommen.

Und Lee spürte, wie ihre Fragen Robert auf den „Keks“ gingen.

„Müssen wir nicht aufstehen?“, fragte Robert schließlich, um das Thema abzulenken.

Ganz cool antwortete sie zickig: „Nein, mein Darling.“

Lee küsste ihn mit einem zynischen Lächeln.

Er stand auf, ging ins Bad.

Dann stand er dort, ganz nackt, sein Penis, ganz abgekämpft von Sturm und Wonne. Dann schaute Robert in den Spiegel und schüttelte den zerzausten Kopf.

„Oh, Oh“, sagte er und lächelte sein Spiegelbild an.

Dann ging er unter die Dusche.

Das Wasser ließ er sich über seinen Kopf brausen. Robert versuchte sich nicht den Kopf zu zerbrechen, was geschehen war.

Lee lag nackt und überhitzt auf der Decke, mit geschwungenen, sanft nackten, schwarzen Hüften, und Robert hatte keine Ahnung, dass Lee leise in das Bad ging und ihn unter der heißen Dusche überraschte.

„Ich liebe dich dafür, dass du mich gefunden hast“, sagte sie zu ihm.

Lee, ihr Herz klopfte laut an seiner Brust.

Sie beugte sich nieder, küsste und rieb seinen Penis. Dann holte er sie hoch.

„Und du wirst niemals von mir loslassen!“, sagte sie. „Eben hast du mich geliebt, mehr, als du dir vorgestellt hast.“ Aber wer kann wissen, was passiert? Robert sagte nichts und ließ sich den heißen Wasserstrahl über seinen kräftigen Körper rinnen. Lee seifte seinen Körper ein und sie genoss das Gleiten mit den Händen über seinen muskulösen Körper. Er küsste sie, ohne ihr zu antworten. Seine Hand glitt über die Konturen ihres Körpers, fest und mit Begierde. Und sie küssten sich mit voller Leidenschaft, ohne an die Konsequenten zu denken. Warum auch?

 

 

Kapitel 8

Als Robert am nächsten Morgen an der Rezeption seinen Zimmerschlüssel ablegte, lag dort eine Nachricht von Skylla, aus der Agentur in San Agustin.

Robert sollte sie dringend zurückrufen, egal, wie spät es war.

Er ging in sein Zimmer hinauf und überlegte, was wohl passiert sein mochte.

Seinen obligatorischen täglichen Anruf nach Berlin, in der Agentur hatte er schon erledigt, bevor Robert das Hotel verlassen hatte.

Irgendetwas musste in der Zwischenzeit geschehen sein, was die Leute aus Berlin noch nicht wussten.

Vielleicht stand ein neuer Auftrag für irgendeinen wichtigen Werbespot an.

Robert hatte einen anstrengenden Drehtag gehabt und war froh, als er sein Hotel erreicht hatte.

Als Robert sie in der Leitung hatte, fragte sie: „Hast du einen leeren Terminplaner?“

„Warum?“, fragte Robert ganz erschrocken.

„Ich habe Arbeit für dich, Robert.“ sagte sie und lächelte.

„Ich bin in New York. Wie stellst du dir das vor?“

„Fliegen und dann bist du hier. Wir arbeiten und ich zeige dir San Agustin", sagte Skylla.

„Gut, aber ich kann erst zum Wochenende fliegen, dann ist der dreh' in der Schachtel.“

„Einverstanden, dann bist du am Freitag hier!“

„Ja. Wenn der Flieger in den Wolken bleibt?“

„Du Spinner. Klar bleibt der oben.“

Robert sagte „Tschüss“ und legte den Hörer auf.

Shyla Gumee war eine der ganz großen Designerin von Gran Canaria.

Sie war sehr schlank und hatte Wangenknochen, die fast bis zu den Ohren reichten.

Und ihre riesigen großen Augen faszinierten Robert. Sie war bekannt als Designerin, denn sie war die Königin der, wie man im Werbebusiness nennt.

Sie hatte gerade erst ein Hochglanzmagazin für Frauen gemacht – sieben ganze Seiten nur schwarze, nackte und muskulöse Traummänner.

Es hat ein Riesentamtam gegeben wegen des steifen Penis, eines Männeraktes.

Einer, der von diesen Moralaposteln haben sich beschwert, es wäre ein Skandal.

Sie sagen, solche pornografische Darbietung wäre sittenwidrig und nichts für die Öffentlichkeit.

„Es würde mich nicht wundern, wenn eines Tages die Menschen nur noch rumbumsen für die Moralapostel. Ja, ja, im Internet. Ist das nicht nett?

Und so harmonisch und irritierend für die sexhungrigen Leute. Verloren und verschollen im Wüstenwind.“

Moralapostel veranstalten jetzt eine wahre Hexenjagd und überprüft sämtliche Medien. Irgendein Hinweis auf Pornografie und sie sind draußen.

Da fiel Robert ein, dass er völlig vergessen hatte, etwas zu sich zu nehmen.

Er hatte zwar einen Hamburger gegessen, aber abgesehen davon hatte er im Grunde überhaupt nicht ans Essen gedacht.

Er war viel zu sehr mit Shyla Gumee beschäftigt gewesen.

Bevor Robert ins Bett ging, holte er sich die „Wirtschaftszeitung“ heraus. Er ging schnell die neuesten Börsenberichte durch.

Plötzlich lächelte Robert in sich hinein, in Verwirrung gestürzt, er dachte an Shyla Gumee in San Agustin.

War das vielleicht, was ihn umgehauen hat?

Am nächsten herrlichen Morgen stopfte er sich ein Riesenfrühstück mit Müsli und Obst rein, dann aß er am liebsten ein Rührei am Morgen.

Man stelle sich vor, er speichert sich die Kalorien, für den Winter.

Doch dann klingelte plötzlich das Telefon, wobei sich Robert erschrak.

Und er war ziemlich sauer.

Denn nicht einmal zum Frühstück hatte er seine Ruhe.

Robert nahm mit einem ungeduldigen Seufzen den Hörer ab.

Er hasste es, beim Frühstück zu telefonieren.

Es war Lee.

„Hi! Ich bin’s. Wie geht’s dir? Ich wollte nur wissen, ob du gut geschlafen hast.“

„Traumhaft, wie ein Gott. Und du?“, sagte Robert ganz spontan.

Als wüsste Robert, wie ein Gott schlafen würde.

„Ich habe überhaupt nicht geschlafen. Stattdessen habe ich einen langen Spaziergang gemacht. Ich fühlte mich viel zu gut, als dass ich hätte schlafen können."

Robert sagte nichts.

Das Leben ist viel zu kurz, um sich darüber Gedanken zu machen, dachte er für sich.

„Wann kann ich dich wieder sehen?“, fragte sie.

„Hör zu, ich weiß es nicht. Ehrlich, ich muss wieder Fliegen, Gran Canaria wird es diesmal sein. Ein großer Auftrag.“

„Wann?“, fragte sie mit hektischer Stimme.

„Das kann ich nicht sagen. Das hängt davon ab, wie lange die Aufnahmen hier in New York dauern. Sobald ich wegkomme.“

Robert legte den Hörer auf.

Mit einem Stirnrunzeln beendete er sein Frühstück und fuhr zum Dreh‘.

Die Aufnahmen, die wir machten, waren wie ein frisches Lüftchen, um die Models im Bild zu halten.

Die männlichen und weiblichen Models spielten die spektakuläre Szene, in der sie nackt im Regen, in der Straße sich duschten.

Sie nahmen ein Duschgel und mit Leidenschaft seiften sie sich gegenseitig ein.

Und das alles im künstlichen kalten Regen.

Es hat natürlich nicht geregnet, denn die Sonne schien sehr hell.

Ich weiß nicht, wer die Aufnahmen mehr genossen hat, die Models oder die Filmcrew.

Robert hatte offensichtlich noch nie so viel Spaß gehabt, wie das Filmen von nackten frierenden Models die im künstlichen Regen (Wasser aus den Hydranten) standen.

Für die Aufnahmen fuhr Robert die Kamera die ganze Zeit in einem klapprigen Lieferwagen rückwärts hinauf und er hing am Seilzug an einer Strippe über Bord, weil er einen ganz großen Winkel brauchte.

Es war wirklich ein lustiger Tag, wo die Models und die Filmcrew viel Spaß miteinander hatten.

Ungefähr nach Take fünfzehn kam Robert gerade wieder zu Atem.

Dann winkte auch schon Maiks Produktionsassistentin ihn zu sich.

Er hatte ein Gespräch für ihn auf ihrem Handy.

Shyla Gumee wollte Robert sprechen.

„Rat mal, was passiert ist. Mein Chef hat in deiner Agentur angerufen und gefragt, ob man dich noch dringend benötigt. Sie haben sich die ersten Kopien der Aufnahmen von den Drehtagen angeschaut und jetzt kannst du fliegen.“

Irgendetwas daran gefiel Robert nicht.

Es war so plötzlich.

Robert erwiderte nichts, er dachte nur in sich nach.

Dann sagte Shyla: „Du sollst noch heute den Flieger nehmen. Heute, sobald du fertig bist.“

„Aber wozu?“

„Dazu wollten sie mir nichts sagen.“

Shyla gab Robert strikte Anweisungen, dass er bei ihr anrufen sollte, sobald Robert wieder im Hotel war.

Sie würden Robert in San Agustin einen Wagen vorbeischicken.

Robbte schwirrte der Kopf.

Je länger er darüber nachdachte, heute Abend noch ab zufliegen, desto mehr fixierte er sich darauf. Diesmal hatte er ganz bestimmt ein tolles Angebot bekommen.

Sonne, Strand und Meer und ein wenig fleißig sein.

Gleich nach dem Robert im Hotel angekommen war, rief er Shyla Gumee an, dann sprang er unter die heiße Dusche.

In einer halben Stunde würde das Taxi kommen und ihn zum Airport fahren.

Robert bestellte beim Zimmerservice ein Clubsandwich aus Roggenmehl und aß es, während er noch eine rauchte.

Dann wählte er das sportliche bequeme Outfit, eine blaue Jeans, ein schwarzes T-Shirt und ein passendes schwarzes Leinenjackett.

Dazu klassische schwarze Designer-Mokassins.

Die Taxe, die Robert bestellte, stand auf die Minute pünktlich vorm Hotel.

Während sie leise durch die Straßen von New York glitt, fühlte er sich, als wäre er auf dem Weg zu seiner eigenen Hochzeit.

Je länger die Fahrt dauerte, desto nervöser wurde er.

Dies konnte leicht ein Name für seine Karriere als Designer sein.

Plötzlich sah Robert alles vor sich.

Sie würden Robert mit Jubel und Siegeshymnen empfangen.

Es würde bedeuten, dass er die Journalisten als seine Freunde sehen müsste und, obwohl er das eigentlich nicht zugeben wollte, das Schlimmste war, dass er als Chefdesigner nur noch für die Medien im Mittelpunkt steht.

Der Flieger nach San Agustin ging um dreiundzwanzig Uhr.

Der Airport war ziemlich leer.

Kein Mensch wollte um diese Zeit noch fliegen.

Robert versuchte im Flieger etwas zu schlafen und ließ sich von den Flugbegleiterinnen verwöhnen.

Ja, Robert landete auch mit ruhigen Gewissen auf dem Airport in San Agustin.

Shyla Gumee erschien schon mit ihrem Wagen, es war ein roter deutscher Sportwagen.

Der Ruhe suchende Robert Flaume wird es in San Agustin, nur wenige Kilometer von Playa del Ingles entfernt gefallen.

Er findet hier Einkaufsmöglichkeiten sowie einige Restaurants und Bars.

Im Süden der Insel liegen die Touristen, am Dünenstrand von Maspalomas.

Trotz der vielen Touristen kann man in den Dünen immer ein ruhiges Fleckchen mit Shyla Gumee finden.

Das klare, kobaltblaue Meer lädt zum Baden ein und viele Sportmöglichkeiten, wie Windsurfen, Tauchen, Golf oder Tennis gab es für Robert.

Ein vielseitiges Freizeitvergnügen für Robert, wenn ihn Shyla nicht in die Mangel nimmt.

Auf jeden Fall haben sie ein romantisches Vergnügen in den Bars und Diskotheken.

Oberhalb der Hauptstraße von San Agustin geht es zum Sandstrand.

Shyla buchte im Hotel San Beach ein Appartement für Robert, mit seitlichem Meerblick.

Das Taxi fuhr bergauf durch die gewundenen Straßen mit uralten Häusern rechts und den neuen Hotels links.

Shyla zeigte Robert während der Fahrt die Gegend, wo sie entlang fuhren.

Wir fuhren durch die hüglige Gegend.

Die steile alte Straße führte zum weißen Hotel San Beach.

Das Taxi hielt vor einem hohen weißen Gebäude, über dessen Mauern massenweise Weinreben herunter hingen.

Ein hübsches Mädchen in Jeans und einem pinkfarbenen T-Shirt vom Designer stand an der Drehtür vom Hoteleingang.

In einem langen, offenen Raum an der Rezeption checkte Robert sich ein und holte sich den Zimmerschlüssel.

Ringsherum waren riesige Atelierfenster eingelassen, von denen jedes einen umwerfenden Blick auf ganz San Agustin bot.

In der Hotelhalle herrschte selbst jedoch das absolute Chaos.

Es sah aus wie in einer Art Baustelle.

Ganze Wände voll mit angepinnten Stofflagen.

An riesigen Zuschneidetisch, vollgemüllt mit Resten von Papier und diversen Sachen in seltenen Formen, arbeiteten junge hübsche Frauen.

Auf einer Art Fantasy Island in einem klaren blauen Meer von blauen und weißen Stoffteilchen nähte eine kleine alte Dame wie wild auf einer uralten Tretmaschine.

Eine schlanke hübsche Junge schleppte Schaufensterpuppen herum, an denen fertige Kleider befestigt waren.

Überall standen Leute am schuften: Dekorieren die Wand und die Holzplatte, welche die Fantasy Island darstellen sollte, sowie dämpfen und nur aufräumten.

Es herrschte eine gut gelaunte Atmosphäre von kaum kontrollierter Nervosität, denn es musste alles perfekt sein für die Hotelgäste.

In dieser ganzen hektischen Aktivität lümmelten sich etwa sieben junge Mädchen auf ein paar weißen Sofas in einer Ecke.

Sie waren samt und Aschblond und sahen umwerfend aus.

Offensichtlich lauter Prinzessinnen?

Eine von ihnen quasselte ganz wichtig in ein Handy.

Als die frechen Mädchen Robert sahen, fingen alle an in total unverständlichen Bla Bla Bla zu reden und lächelten ihn hinterher.

Eine nach der anderen wurde die jungen hübschen Mädchen in einen anderen großen Raum gerufen. Sie blieben ungefähr zehn Minuten da drin, dann kamen sie wieder heraus, schnappten sich ihre kleinen bunten Designerrucksäcke und küssten sich ausgiebig auf beide roten Wangen.

Drei Küsse für die engsten Freundinnen.

Man suchte neue frische Models für eine neue Werbekampagne und sie waren beim Casting.

Es hat wohl geklappt, im ersten Durchlauf.

Als Robert und Shyla dem Geschehen folgten, gingen sie hinauf ins Appartement.

Robert ging schnell unter die kalte Dusche, um sich etwas abzukühlen, schlüpfte in ein Paar Jeans und dunkelblauem T-Shirt und eilte mit Shyla hinunter an die Bar, um einen Kaffee zu trinken.

Dann zeigte Shyla Robert ein wenig San Agustin, beim herrlichen Sonnenschein.

Sie verbrachten einen ziemlich überraschenden Abend.

Nachdem sie sich durch alle Diskotheken und Bars gekämpft hatten.

Viel Sehenswertes und neue interessante Leute lernten sie kennen.

Danach gingen sie auf einen Hamburger zu McDonalds.

Natürlich erinnerte Shyla Robert daran, dass das nicht gerade ist, was man gesunde Ernährung nennt, aber irgendwie brauchte er etwas, was ihn an zu Hause erinnerte.

Einen matschigen Hamburger, eine Seelennahrung vielleicht.

Und dann fuhren beide ins Hotel.

Oh ja, als Künstler führt man wirklich ein aufregendes Überlebenstraining, nicht wahr?

Am nächsten Tag hatten beide frei.

Shyla, ihr Chef rief an und teilte die erfreuliche Mitteilung mit.

Die Crew machte irgendwelche Luftaufnahmen, die für die MC-Szene gebraucht wurden.

Shyla und Robert wollten die Gelegenheit nutzen sich mal richtig.

Und so, was man noch macht zu zweit, im Bett.

Aber daraus wurde leider nichts, denn gegen zehn weckte sie das Telefon.

„Wer will stören?“, fragte Robert schläfrig.

„Shyla? Ich rufe aus einer Telefonzelle an. Ich bin Lara.“

Robert gab den Hörer Shyla und lächelte.

Lara war eine Freundin von Shyla.

Eine echte Gran Canaria Zicke ersten Ranges.

Sie ruft absolut nie jemanden an.

Dennoch ruft sie immer Shyla an, wenn sie Ärger mit den Männern hat.

Auf einen Schlag war Robert hellwach.

Jetzt gibt es doch keinen ruhigen romantischen Tag zu zwei.

„Ich dachte, du solltest es als Erste wissen. Jo hat mit mir Schluss gemacht", sagte Lara.

„Jo hat mit dir Schluss gemacht?“, wiederholte Shyla begriffsstutzig.

„Ja und ich weiß nicht was ich jetzt machen soll.“ sagte Lara.

„Lara, du möchtest bestimmt nicht, dass du ihn nachtrauerst ..."

Shyla schluckte.

„Nein!“

Lara weinte und stockte. „Nun ja, eigentlich hatte ich es wissen sollen, natürlich. Jo hatte immer schon solche Andeutungen gemacht. Er muss sich eine Weile klar werden, ob unsere Beziehung noch einen Sinn hat.“

Klar werden – so nannte man das also, wenn jemand Schluss machen wird.

„Was hast du heute vor?“, fragte Lara.

„Robert und ich wollten heute uns einen ruhigen Tag machen", sagte Shyla.

„Freunde geben heute eine kleine Party für Romeo. Du und Robert kommt natürlich auch", sagte Lara.

Das war offensichtlich ein Befehl, keine Einladung von Lara.

„Selbstverständlich.“

„Marc wird euch um acht Uhr abholen, er wird sich um euch kümmern. Und ... Warte eine Minute ...“

Shyla hörte eine männliche Stimme im Hintergrund.

„Und Bodo sagt, du sollst heute irgendwann in seine Boutique kommen und dir etwas zum Anziehen aussuchen, irgendwas, was dir gefällt, ein Geschenk von ihm.“

Als Shyla auflegte, lehnte Robert sich in die Kissen zurück und überlegte, ob er jetzt aufwachen würde.

Das Telefon klingelt erneut.

Robert war auch gleich am Telefon.

Es war Maik.

„Na? Wie geht’s unsern Frauenheld?“

„Ich weiß nicht.“

„Sieht so aus, als hätte deine Agentur den Geistesblitz für ein Finale gehabt, als sie dein Story Board sahen. Es wird den Werbespot nicht mit dem üblichen Werbemüll abschließen, sondern stattdessen eine Abwandlung der Werbung als Unterhaltung abschließen.“

„Ach deshalb will die Agentur mich haben“, sagte Robert.

„Wie geht’s übrigens bei den Dreharbeiten?“, fragte Maik.

„Wir haben noch mindestens ein paar Tage vor uns. Ah und heute Abend bin ich zu einer Cocktailparty eingeladen. Da werden eine Menge neugierige Leute von der Presse und ein paar Leute von der Werbung dabei sein", erwiderte Robert mit einem Lächeln.

„Meinst du, du kriegst das alles auf die Reihe, Robert?“

„Kein Problem. Ich finde es toll.“

„Okay ..., aber denk daran, wenn die Presse fragt, rede nicht viel. Zeige dich nur von deiner besten Seite und immer nur lächeln.“

„Okay Mail", erwiderte Robert.

Als Robert aufgelegt hatte, stand er auf, ging zum Fenster und schaute hinaus.

Er dachte über die merkwürdige Beziehung zwischen Lee und ihm nach.

Es war, als klammerte sie sich an ihn, wie der letzte Rest ihrer Selbstachtung.

Robert fröstelte.

Eins war jedenfalls sicher.

Was auch immer passierte, er würde Lee gerne wiedersehen.

 

 

Kapitel 9

Mit vierzig, postierte einst Robert Flaume, muss ein Mensch die letzte Station seines Karrierewegs erreicht haben.

Doch Vierzigjährige kommen heutzutage in einer Agentur so selten vor, wenn sie sich nicht eine eigene Agentur aufgebaut haben.

Doch sollte Robert Flaume dieses Alter geschafft haben, ist es ihm gestattet, in der erlauchten Runde der Topverdiener Platz zu nehmen.

Oder Robert hat geerbt oder im Lotto gewonnen.

Natürlich ist Erfahrung kein Mangel, und sicherlich ist Robert körperlich und geistig so fit, dass er unter den Anforderungen eines Stardesigners nicht zu leiden hat.

Robert hat sein ganzes Leben damit zugebracht, Spielregeln zu erlernen, sich anzupassen und die Spielregeln zu umgehen, aufzufallen, um einen guten Eindruck für die Medien zu machen.

Ja, Robert Flaume setzt Regeln außer Kraft, reißt Hürden um und stellt Andere auf die Probe.

Schon deshalb ist Robert kein „JA“-Sager. Als Kind hatte Robert sich einmal vorgestellt, ein Millionär zu sein.  Eine Fantasieinsel zu finden, die er so gestaltet, dass Robert die Träume und Sehnsüchte anderer Menschen für ein paar Tage verwirklicht. In seiner Fantasievorstellung war er der Inselchef und es war niemand da, außer er und seine Mitarbeiter und eins, zwei, drei, vier und mehr nette, gut aussehende Mitarbeiterinnen. Und Robert und diese kompetenten Mitarbeiter waren furchtbar nett zu den Inselbesuchern und hilfsbereit, während die Inselbesucher ihre Träume und Sehnsüchte genießen konnten. Schließlich kommt doch alles anders, als man es gehabt haben will. Robert hatte schon viele anspruchsvolle Berufe gehabt.  Er hat sogar auch studiert und ein tragischer Verkehrsunfall war für ihn das Aus.

Alles, was er in seinem bisherigen Leben gelernt hat, musste er abschließen.

Er sagte sich: „I believe, i can fly.“ Und studierte Design.

Dann wurde er Künstler, ein Talent für

Grafik-Design, Werbetexten und Marketing.

Nun, an dem Tag, als Shyla sich im Geschäft etwas für die Party aussuchen durfte, hatte Robert genau dasselbe Gefühl, als sie ihn mit leuchtenden, dunklen Augen ansah.

Es war, als wäre sein Traum Wirklichkeit geworden.

Bevor beide dorthin gingen, musste Shyla sich erst mal ein bisschen aufbrezeln.

Sie verwendete viel Sorgfalt darauf, bis hin zu ihrer teuersten Designerunterwäsche.

So ging Shyla, bis auf die nackte Haut in bestem Outfit, in den Showroom und fühlte sich wie eine Prinzessin auf zwei Beinen.

„Was für ein Leben!“, dachte Robert sich leise.

Ihnen wurde ein Platz auf einem großen, weißen, seidenen Zweisitzer angeboten, während Roxy aus dem Hinterzimmer kam.

Robert hatte sich vorgestellt, wenn Shyla sich ein neues Outfit aussuchen sollte, müsste sie rasch die Regale durchgehen und nachsehen, was sie vorrätig hatten.

Aber abgesehen von ein paar durchsichtigen, nackten Schaufensterpuppen mit nichts als einem Lächeln im Gesicht war keine Fetzenkleidung in Sicht.

Roxy erwartete uns bereits.

Sie war elegant, flott und effizient.

Eine echte Super-Showroom-Tigerin.

Sie fragte Shyla, was sie sich vorgestellt hatte.

Shyla erklärte Roxy das mit der Party.

Doch sie wusste anscheinend schon alle Einzelheiten und kannte auch ihre Maße.

Roxy war gründlich vorbereitet.

„Wie wär's, wenn ich dir einfach ein paar Sachen zeige? „Wir haben Sie hier“, sagte Roxy mit einem strahlenden Lächeln.

Auf ein Zeichen von Roxy kamen Assistentinnen herbei und brachten die aufregendsten Outfits von angesagten Designern der Welt.

Robert war erstaunt, denn es waren Outfits für alle Gegebenheiten.

Was ihm ganz besonders gefiel, war ein diagonal geschnittenes schulterfreies Kleid in Shyla's Lieblings-Lippenstiftrot.

Dann gab es ein paar verrucht durchsichtige Teile aus einer Mischung von Satin und fließendem Chiffon.

Bewundernswert war da eines, das aus drei Teilen glänzendem saphierblauem Satin bestand, die mit etwas zusammengesetzt waren, was aussah wie Kristalle mit Brillantschliff.

Doch Shyla hatte sich eigentlich etwas Diskretes und Elegantes vorgestellt.

Doch das hier war unwiderstehlich! Schon so sah es ziemlich spektakulär aus, aber als Shyla es anzog, entfaltete der Coutureschnitt seine ganz eigene Wirkung.

Es hatte ein winziges Oberteil, an dem zwei riesige Kristalle hingen, und im Rücken hatte es zwei dünne Trägerchen, die sich mit einem weiteren Kristall in der Taille kreuzten. Innen war es mit superweicher Seide gefüttert. Es fühlte sich an wie ein Zauberkleid von David C. Shyla machte eine Drehung vor dem großen Spiegel.

Roxy und Robert nickten beifällig.

Ich liebe es! „Das muss ich einfach nehmen“, sagte Shyla.

„Ah! Aber warte…“, sagte Roxy und winkte eine ältere Frau heran, die mit einem Nadelkissen und einem Messband danebengestanden hatte.

Shylas Ansicht nach passte das Kleid wie angegossen, aber Roxy war nicht zufrieden, bis die Änderungsschneiderin ein paar winzige Kleinigkeiten gefunden hatte, die sie noch ändern musste.

„Aber ich brauche es noch heute Abend“, wandte Shyla ein. „Es fühlt sich wunderbar an, wirklich.“

„Heute Abend um halb sieben ist es bei dir im Hotel“, sagte Roxy. „Und es wird perfekt sein.“

Was Shyla auch sagte: Roxy wollte ihr nicht erlauben, dass sie das Kleid mitnahm.

Also gab sie sich zufrieden und suchte sich noch ein paar passende Riemchenschuhe aus.

Robert und Shyla gingen mit ihrer Tragetasche zum Café, sodass alle Welt sie sehen konnte. Dabei fühlte sich Shyla trés chic.

Es war sehr heiß, Mittagszeit, und das Café war gerammelt voll mit Leuten, die zu Mittag aßen.

Sie fanden einen Tisch in einer Ecke und Robert machte dem Kellner auf sich aufmerksam.

Der dünne Kellner bediente an den Tischen, die fürs Mittagessen gedeckt waren.

Er sah aus, als liefe er sich die Hacken ab.

Er trug immer mindestens drei große Teller mit Essen auf einmal, die bedenklich wacklig auf seinen dünnen, langen Armen standen.

Der Wirt, nicht zu übersehen, stand neben den Schwingtüren und verfolgte jede Bewegung seiner Kellner, wie ein Oberfeldwebel.

Sie bestellten bei dem anderen Kellner eine eiskalte Cola Light.

Die Getränke kamen schnell, auf dem Tablett lag ein kleiner Kassenbon.

Als sie die eiskalte Cola mit einem Zug ausgetrunken hatten, legte Robert das Geld dafür sorgfältig auf die Untertasse und platzierte den zusammengefassten Kassenbon deutlich sichtbar daneben.

Shyla und Robert gingen, es war zu laut, um sich zu unterhalten.

Nach kaum einer halben Stunde rief das Mädchen von der Rezeption Robert an und sagte, dass unten jemand auf ihn wartete.

Als er aus dem Lift trat, fand er Lee in der Eingangshalle mit einer zerknitterten Tragetasche, die aussah, als hätte sie all ihre Besitztümer drin. Ihr Gesichtsausdruck war völlig entnervt.

Als Robert Lee sah, war er verwirrt.

Denn mit Lee hat er überhaupt nicht gerechnet.

Was wollte sie und woher wusste sie, dass Robert in San Agustin ist?

„Wann bist du aus New York angekommen?“, fragte Robert mit erstaunter Stimme.

„Heute Vormittag. Es war nicht einfach, dich zu finden.“, erwiderte Lee.

Robert hatte jetzt drei Probleme.

Denn Shyla war auf seinem Apartment.

Heute Abend: Die große Party mit Shyla.

Lee hatte kein Zimmer in San Agustin.

Also musste Robert sehen, dass er ein Hotel für Lee bekommt und alles Andere am nächsten Tag mit Lee klärt.

„Was machst du hier in San Agustin?“, fragte Robert neugierig. „Wir müssen erst einmal sehen, dass wir ein Zimmer für dich bekommen.“ Wo sollen wir hingehen? „Ich habe nur etwa zwei Stunden Zeit.“

Sie standen draußen auf der leeren Straße und Lee zündete sich eine Zigarette an.

Ich weiß nicht. „Irgendwohin“, sagte sie und drängte entschlossen vorwärts.

Plötzlich grinste Robert Lee an.

„Ich weiß, wo wir dich unterbringen“, sagte Robert.

„Du meinst in einen Horrorladen oder so was?“, erwiderte Lee.

„Warte es ab!“, sagte er und ging mit schnellen Schritten.

„Wenn wir noch heute da sein wollen, müssen wir uns beeilen.“ Robert nahm ihre Hand und rannte praktisch mit ihr die schlecht beleuchtete Straße hinunter.

Robert hatte es eilig.

Denn Shyla wartete in seinem Apartment.

Und wie soll er es ihr nur erzählen, dass Lee aus New York angekommen ist?

Welche Frau wird das verstehen?

Dann kamen sie an einem Hotel „Rosé“ an.

Und Robert lächelte, während sie hineingingen und sich ein Appartement mit dem Blick aufs Meer checkten.

„Genau!“, sagte Lee und zog Robert an sich.

„Dort soll ich nun wohnen und ganz allein in diesem Apartment.“ Warum? Und warum kann ich nicht bei dir übernachten? 

Jetzt hatte Robert das Problem.

Er konnte Lee diese Fragen noch nicht beantworten.

Als Robert schließlich Lee auf ihr Apartment brachte, küsste Lee Robert und umschlingte ihn mit ihren Armen.

In dieser Lage konnte er nicht mehr tun, als an Lees Körper dranzubleiben.

„Hast du eine andere Frau auf deinem Zimmer?“, fragte plötzlich Lee mit einem leichten Grinsen.

„Natürlich“, sagte er. „Sie ist eine Kollegin von mir und wir arbeiten an einem neuen Werbespot.“

„Eine Kollegin?“, erwiderte Lee mit einem Grinsen.

„Mir gefällt das hier überhaupt nicht“, sagte Robert. Warum hast du nicht angerufen? Und ich hätte Zeit für dich gehabt. „Doch du kommst hierher, mitten in meinen Arbeiten.“

„Warum hast du mich hierher gebracht, in dieses Hotel?“ „Und warum konnte ich nicht in deinem Hotel ein Apartment nehmen?“, fragte Lee mit einer lauten Stimme.

Robert legte seinen Arm um Lee.

„Schau doch mal, das sind nur ein paar Tage, und dann ziehst du in mein Hotel.“

Lee sah Robert bedrückt an und drückte ihn ein bisschen fester.

Sein Körper neben Lees war warm, und trotz der Situation war es ein gutes Gefühl, dass er ihr so nahe war.

Mit den bisherigen Freunden hatte sie nie so ein leidenschaftliches, geborgenes Gefühl gehabt.

Lee hatte sich immer danach gesehnt und immer gedacht, es wäre ihre Schuld, dass es nicht so war.

Aber jetzt war alles ganz anders.

Als Robert wieder in seinem Hotel ankam, war er so erleichtert, dass er gleichzeitig lachen und zittern musste.

Shyla begrüßte Robert in diesem Augenblick, als wäre er nicht weg gewesen.

Sie lag auf der Couch und sah sich einen Film an, einen Klassiker.

„Ah, das ist besser, wenn die beiden sich wieder vertragen“, sagte Shyla und weinte sich die Augen aus.

Viele leere Schachteln von Taschentüchern und vollgeschneuzte Taschentücher lagen neben ihr herum.

Sie lag ungestört wie in einem Meer, mitten drin.

Plötzlich bemerkte sie Robert.

Shyla drehte sich zu ihm und sah ihn an.

Ich glaube, Robert sah immer noch ziemlich erschüttert aus, denn er sagte: „Es tut mir leid.“

Und dann, ganz plötzlich, legte Shyla ihre Arme um ihn und sie küssen sich ganz wild auf der Couch.

Ein paar Motorradfahrer, die vorbeifuhren, hupten die Mädchen auf den Straßen nach.

Und dann lachten sie beide und rutschten auf den Boden und sie küssen sich noch heftiger.

Plötzlich wurden ihre Küsse leidenschaftlicher, langsamer und bedeutungsvoller.

Und dann schob Robert ihr die Haare aus dem Gesicht und sagte: „Weißt du, eine Sache beunruhigt mich an dir.“

„Was?"

„Ich denke, du hast bestimmt einen großen, starken, kräftigen Freund.“

„Und ich denke, du hast eine ganz dunkle, sexy amerikanische Freundin, sie heißt Lee oder so.“

„Hatte ich.“ Sie hieß Lee. Und woher weißt du das? 

Shyla sagte nichts, sie lächelte nur.

„Also wird sie nicht kommen und mir eine Szene machen?“ 

Robert schüttelte den Kopf.

„Wird sie kommen und mich verfolgen wie in „Eine verhängnisvolle Affäre?“

Robert schüttelte den Kopf und lächelte.

„Das ist gut.“

Dann unterhielten sie sich einfach miteinander.

Es war, als hätten sie einander unglaublich viel zu sagen.

Robert kann sich nicht mehr genau erinnern, was alles war.

Ich glaube, sie redeten über die Agentur und über ihre Liebesbeziehungen und ihre Familien und so weiter.

Robert kann sich nicht erinnern, dass er jemals mit irgendjemandem so gut über diese Themen reden konnte.

„Hey, wie spät ist es?“, fragte Shyla.

„Halb neun“, sagte Robert.

Das kann ja wohl nicht wahr sein. Wir kommen zu spät. „Wir müssen fliegen!“, sagte sie. Schnell duschten sie sich, zogen sich den schrillsten Fummel an und ließen alles so liegen. Das Apartment sah ganz verloren aus. Aber wem stört es schon? Und ehrlich gesagt sahen die beiden so aus, als ob sie geschaffen worden seien für diesen Augenblick.

 

 

Kapitel 10

Die Mega-Party fand in einem riesigen Appartement im Nobelviertel von San Agustin statt, einer erstklassigen Adresse.

Das Appartement befand sich in einem fantastischen Haus.

Sie betraten es durch riesige Glastüren. Dahinter lag ein großer Innenhof mit einem grünen Garten.

Das Haus war gebaut wie ein Palast, ganz aus Stein und voller Ornamenten und Schnörkel und kleiner Vorsprünge in Form von Früchten und Blättern.

Im Innern führte eine lange, märchenhafte, steinerne Wendeltreppe nach oben, flankiert von großen Gaslampen, in denen echtes Feuer brannte.

Ganz oben waren mehrere Zimmer voller derart schicker Leute, wie Robert sie noch nie im Leben zu Gesicht bekommen hatte.

Ist doch klar.

In Deutschland laufen die Deutschen sehr langweilig zum Finanzamt.

Und dort wird jeder Pfennig gezählt.

Auch der am Körper.

Robert war froh, dass er Shyla dabei hatte.

Shyla wusste anscheinend genau, was zu tun war.

Sie hackte ihren Arm in Roberts Arm und zeigte ihm herum, als wäre er das Größte, was der Welt seit der Evolution begegnete.

„Du musst Sharon kennenlernen“, sagte Shyla andauernd.

„Sie ist die große Neuentdeckung auf dem Laufsteg.“

Es dauerte nicht lange, bis einige Leute auf Robert aufmerksam wurden.

Shyla gab Robert Anweisungen, wann er lächeln musste.

Sagte ihm, mit wem er reden und mit wem er nicht reden sollte.

Shyla lieferte jedes Mal, wenn Robert jemandem vorgestellt wurde, den dazugehörigen vernichtenden Klatsch hinterher.

Sie kannte anscheinend absolut jeden.

„Bin ich froh, dass du hier bist“, flüsterte Robert ihr zu.

„Und ich bin froh, dass du hier bist, Robert. So viel Spaß hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr. „Hey, komm lass und Calvin begrüßen.“

In diesem Augenblick tippte Robert jemand auf die Schulter und eine Stimme sagte: „Was dagegen, wenn ich mich euch anschließe?“

Robert schaute sich um.

Es war Lee.

Sie küsste ihn auf beide Wangen, als wäre Robert ihr verloren geglaubter Bruder.

Aus einem unergründlichen Grund war sie ausnehmend freundlich.

„Tolles Kleid“, sagte sie zu Shyla und beäugte es abschätzend. „Von Calvin K. stimmts?“

„Hm“, erwiderte Shyla verdutzt.

Lee warf Shyla einen bedeutungsvollen Blick zu. Lee gehörte zu den Leuten, die einem sehr geschickt alles so im Mund herumdrehen können, dass es manipuliert klingt.

„Nur für Robert“, sagte Shyla, bevor Lee auf irgendwelche Gedanken kommen konnte.

„Oh, natürlich“, stimmte Lee zu, in einem Ton, der nicht überzeugt klang.

„Wie lange kennst du Robert schon?“, fragte sie unvermittelt.

Manchmal war Lee echt direkt. „Schon lange, glaube ich. Warum?“ „Das habe ich mir gedacht", sagte sie. Das Verhör wurde von Max Kráton unterbrochen.

Er war dicht umringt von einer Schar Bewunderer, aber er kämpfte sich frei und kam direkt auf sie zu, als er sie erblickte.

Er legte einen Arm um Lee und den anderen um Shyla und rief einen Fotografen, der einen Haufen Fotos von ihnen schoss.

Danach schien Lee viel bessere Laune und sie wurde für ihre Bergriffe recht lebhaft.

Plötzlich steckte Lee Robert zu, dass sie eine Einladung von Max bekommen hatte.

Denn sie kannten sich schon von früher, aus der Agentur in Paris.

Im Laufe des Abends wurden die Stimmen immer lauter und lauter und der Raum wurde immer voller. Als Robert sich die Leute genauer ansah, stellte er fest, dass fast alle im Mittleren Alter waren.

Langsam wurde Robert das herumgezeigte Zusehen mit fest gefrorenem Lächeln ziemlich langweilig.

So langweilig, dass er tatsächlich wider besseres Wissen ein oder zwei Gläser Jack D. getrunken hatte.

Ich schätze, Robert war es nicht gewöhnt.

Robert wurde ziemlich heiß und schummerig.

„Wie lange müssen wir noch hier bleiben?“, flüsterte er Shyla zu. „Das wird langsam echt langweilig!“

„Möchtest du irgendwohin, wo es aufregender ist?"

„Du und ich in deinem kuschligen Bett sollen das aufregendste Nachtleben der Welt haben, oder?“ 

Shyla glaubte, der Alkohol hatte Robert inzwischen fest im Griff.

„Okay“, sagte Shyla. „Gehen wir.“ Unseren Auftritt hatten wir ja. „Wir bringen uns wohin, wo es viel lustiger ist.“ „Wir?"

„Du, ich und Lee.“ »Sie wartet unten.«

Nun waren Shyla, Robert und Lee noch nie richtig miteinander warm geworden.

Ein großes Problem war, dass Robert nicht wusste, was Lee vorhatte.

Und jeder weiß, wie es um Robert bestellt ist.

Damit war die Verständigung der beiden Frauen ein Witz.

Wer sich von zwei charmanten Fremdenführerinnen das Nachtleben zeigen lassen will, engagiert am besten Shyla, Lee und eine Flasche Wodka.

Sie kannten einfach alles.

Die Kunst, so schien es, bestand darin, dass man in ein Lokal rein schneite, gerade so lange blieb, bis man bemerkt wurde, und dann wieder ging.

Sie begannen mit einer Bar mit dem Namen „I believe, voller Leute.

Reiche und gestylte Leute, die Arrogantesten von allen.

Dann gingen sie in den Club, den Lee schon genannt hatte, BASIC INSTINCT.

Offensichtlich hieß er so, weil er sich in einem Haus befand, in dem früher der Ur-Instinkt von San Agustin gewesen war.

Lee zeigte auf die Worte „Black Cat“, die immer noch außen an der Fassade standen.

In BASIC INSTINCT gab es schwarze, nackte Mannequins und der Club war so gerammelt voll mit schönen Mädchen, dass kein Blatt mehr dazwischen gepasst hätte.

Drinnen trafen sie eine Menge Fotografen von der Party, die unbedingt noch mehr Bilder von hübschen Mädchen schießen wollten, und Leute vom Film waren auch da, wo sich die wild hübschen Mädchen aufhielten.

Robert konnte sich um diese Zeit schon nicht mehr richtig aufrechthalten und die beiden Frauen mussten ihn stützen.

Robert hatte nur noch ein erstarrtes Lächeln im Gesicht.

Zum Schluss landeten sie in einem Lokal namens Angel.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Lee Robert und Shyla überzeugt, dass es gar keinen Sinn mehr hätte, zu Bett zu gehen.

Robert und Shyla klappten schon fast die Augen zu und Lee wollte absolut nicht, dass die beiden allein sind.

Denn Lee wollte Robert bei sich haben und den Ausrutscher mit Shyla würde sie ihm verzeihen, denn sie liebte ihn.

Es waren ungefähr drei Uhr morgens und die Leute wurden langsam geweckt.

So fanden sie sogar eine Ecke, wo sie sich hinsetzen konnten.

Robert schlief auf der Stelle ein.

Er kippte andauernd um und erdrückte Shyla fast, bis Lee und Shyla ihn wieder aufrichteten.

Sie starben fast vor Lachen, es war einfach so ein verrückter Abend.

Robert wurde ziemlich still und Lee saß da und beobachtete ein Paar beim Tanzen.

Plötzlich fühlte sie sich furchtbar einsam und wünschte, Robert wäre ihr ganz nah.

„Das ist wirklich nett von Euch, dass Ihr mit mir ausgeht“, sagte Lee.

„Ich habe mich seit Ewigkeiten nicht mehr so amüsiert“, sagte Shyla.

„Aber hast du nicht jemanden, eine Freundin oder so, mit der du um die Ecken ziehst?“, fragte Lee.

Shyla nickte.

„Der schläft an meiner Schulter.“

„Robert!“

„Nun, tu nicht überrascht.“ „So hässlich ist er nun auch wieder nicht.“

Manchmal glaubte Robert, er gehe mit geschlossenen Augen durch die Gegend, so gefangen ist er in seiner eigenen kleinen Welt.

Als sie wieder in Roberts Hotel waren, war es zehn vor fünf am Morgen.

Shyla und Lee wussten, sie hätten ihren Schönheitsschlaf nehmen sollen, aber hin und wieder muss man auch mal ein bisschen auf den Putz hauen.

Vor der Zimmertür stand Robert und wummerte mit den Fäusten dagegen, als wollte er sie einschlagen. Sein Gesicht verkündete ein Donnerwetter. Schuldbewusst dachte er daran, dass er bereits in zehn Minuten in die Agentur ein müsste.

Es war der letzte Drehtag, für den Werbespot.

Das Timing war absolut entscheidend, weil Sie die Morgendämmerung erwischen mussten.

Wenn sie die benötigte Szene heute nicht auf die Reihe kriegten, mussten sie das Ganze am nächsten Morgen noch einmal drehen und am folgenden Morgen wieder und so weiter, bis die Szene im Kasten war.

Das würde massig Geld kosten.

Und wer hat schon Geld? Daher war Robert ziemlich angespannt.

Unter der Dusche hörte Robert Shyla und Lee draußen vor sich hin Brummeln. Daher bestellte Robert beim Zimmerservice ein üppiges Frühstück für drei mit Orangensaft und einer Packung Aspirin. Robert da, dass das Sie besänftigen würde.

Als Robert aus dem Badezimmer kam, war das Frühstück da.

Shyla und Lee tauten ein bisschen auf, als Robert ihnen ein großes Glas mit Orangensaft eingoss.

Shyla und Lee nippten und lächelten sogar ein bisschen.

Dann warf Lee einen Blick auf die dunklen Ringe unter Shylas Augen und hielt eine ausgiebige Strafpredigt, dass man ausreichend schlafen müsse, während sie mit dem Abdeckstift zu Werke ging.

An diesem Tag hatte Lee ein Abendkleid vom letzten Abend getragen.

Es bestand buchstäblich nur aus ein paar Bahnen eisblauen Chiffons, die an einem schulterfreien Top befestigt waren.

Das Top hielt wie durch Magie.

Um ganz sicherzugehen, dass es nicht rutschte, hat Lee es mit einer Art Gummi-Teppichkleber festgeklebt.

Und sie trug winzige, hochhackige Riemchensandalen.

Verspätet ist Robert zum Dreh angekommen und alle vom Filmteam waren froh, dass Robert gekommen war, damit sie endlich mit dem Dreh beginnen konnten.

Die Szene zum Werbespot ging so: Das Model musste über die Brücke der Bühnenkulisse gehen, diese uralte Brücke über den Bootssteg. Sie sollte aussehen, als käme sie gerade von einer Party oder so. Das war ja auch nicht allzu schwierig. Sie sind ja alle Partyleute.

Weiß der Himmel, wie Robert es geschafft hatte, dass er wieder nüchtern war.

Aber er war rechtzeitig zur Stelle, meint er. Robert konnte überraschenderweise aufrechtstehen.

Sie schafften acht Takes, solange die Sonne noch tief genug stand. Und dann verkündete Gildo, dass der Tag gelaufen wäre.

Maurice, der Fahrer der Agentur, wartete mit einem Taxi, das am Bordstein geparkt war.

„Passt du auf, dass ich dir nicht zu nahe komme?“, fragte Robert.

Er schüttelte den Kopf.

„Ich bin rein dienstlich hier. Shyla sagt: „Ich sollte dich ins Hotel zurückbringen zum Umziehen, und dann müsstest du gleich in die Agentur“, verkündet er.

„Aber ich habe noch keine Minute geschlafen!“, erwiderte Robert.

„Und wer ist daran Schuld?“, sagte Maurice und drohte Robert mit dem Finger.

Robert dachte, dass es Lee und Shyla nach dem letzten Abend vielleicht noch schlechter ging als ihm.

Maurice wartete, während Robert sich im Hotel umzog. Dann gab er dem Fahrer die Anweisung, er solle ihn in die Agentur bringen.

Als Robert in der Agentur das Studio betrat, fiel sein Blick als Erstes auf Lee.

Sie hatte, was Robert nicht wusste, auch mit der Agentur geschäftlich zu tun.

„Hi“, sagte sie.

Da saßen noch drei Mädchen auf dem bunten Sofa und rauchten.

Lee kannte sie anscheinend alle, aber sie stellte Robert nicht vor.

Sie redeten über verschiedene Werbeagenturen, aus Hamburg und Frankfurt am Main, und eine Menge anderer Agenturen, bei denen sie alle zusammenarbeiteten.

Eines der Mädchen, ihr Englisch klang australisch, beklagte sich mit leidender Stimme bei dem Mädchen neben Robert, dass es den ganzen Weg in die Karibik geflogen wäre und dann festgestellt hätte, dass zu viele Models für den Werbespot gebucht worden waren und er nicht gebraucht worden wäre.

Das Mädchen, mit dem es sprach, rauchte starke Zigaretten.

Sie nickte verständnisvoll und blies einen perfekten Rauchring in die Luft.

Sie erzählte: „Wenn ich nachzählen würde, wie oft ich schon achtkantig wieder rausgeschmissen worden bin.“ Ach, was weiß ich. Die Leute behandeln dich wie Vieh, es sei denn, du hast einen Namen. „Ich würde zusammenbrechen, wenn ich nicht immer noch Sinn für Humor hätte.“

„Es geht, wenn man einen Werbefilm kriegen kann“, klinkte die Australierin ein. „Das Geld reicht für ein Jahr oder noch länger.“

Lee sagte nichts, sie schlug die Beine übereinander und stellte sie wieder nebeneinander und starrte unbewegt aus dem offenen Fenster.

„Wie lange wartet ihr schon?“, fragte Robert die Mädchen.

„Erst zwei Stunden“, sagte ein Mädchen.

„Ich war schon mal bei der Anprobe, aber dann kamen ein paar Top-Models und mich haben sie wieder zurückgeschoben“, sagte ein anderes wartende Mädchen mit genervter Stimme.

„Weißt du, wer gerade drin ist? The Pretty Baby. Sie ist einfach direkt reingeschwebt. „Es geht bloß darum, wer du bist, Baby“, sagte das blonde Mädchen mit der Zigarette und blies noch einen Ring.

„Hier, rauchst du? Wie heißt du?"

„Shyla“, sagte sie. Aber die Zigarette lehnte sie ab. Sie fand, dass sie für heute schon genug zum Ruin ihrer Gesundheit beigetragen hatte.

„Du bist Shyla Gumee?“, fragte sie und schaute sie an, als würde sie ihr nicht glauben.

„Genau", sagte sie und wunderte sich, woher sie ihren Nachnamen kannte.

In diesem Augenblick schwebte The Pretty Baby wieder heraus.

Die Assistentin vom Casting-Team steckte ihren Kopf aus der Tür und erblickte Robert.

„Robert…!“, rief sie laut. Also hast du es geschafft. Kannst du gleich reinkommen? 

Robert stand auf, so müde er auch war.

Ihm war heiß geworden, der Alkohol ließ seine letzte Wirkung spüren.

Er hörte die Mädchen, die auf dem bunten Sofa zurückblieben, murren.

Der Agenturchef war noch aufgeregter als das letzte Mal, als Robert ihn gesehen hatte.

Sein Schreibtisch sah aus wie nach einem Erdrutsch, voller Papiere, Zeichnungen und Set-Mappen.

Er rauchte wie verrückt Zigarre und versuchte an jedem Ohr ein Handy zu balancieren, während er seiner Assistentin mit mehreren Blättern Faxpapier zuwinkte.

„Unternimm was wegen Paris.“ Das M&E-Magazin wird mich kreuzigen, da bin ich ganz sicher. Und schick Carol Rosen. „Sie hat eine Erkältung“, sagte der Agenturchef. „Robert, du bist auch da, gut!“ Wie war der Dreh? Erzähl es mir nicht. „Wenn wir noch einen Tag anhängen müssen, überziehen wir das Budget.“

Er wurde hastig und er brummte nur noch ins Telefon.

Und ließ sich mit Luke verbinden: „Okay, Luke, klappt alles beim Dreh?“ „Bring sie auf Trab!“ Du musst Ihnen drohen. Sag Ihnen, Sie stünden auf der schwarzen Liste. Tu, was du kannst ... okay!"

Die Anproben der Mädchen dauerten länger als eine Stunde.

Sie konnten nichts machen.

Robert gab eine endlose Reihe von Kleidungsstücken angezogen und später wieder ausgezogen, bis er sich für sieben Stücke entschieden hatte und sie entlassen wurden.

Lee kam zu Robert.

Im Vorbeigehen zischte sie ihm leise zu: „Hast dir ja ganz schön Zeit gelassen.“

Robert reagierte nicht.

Was hätte er auch sagen sollen?

Es war nicht seine Schuld.

Lee setzte Robert mit Überzeugung in ein Taxi und überschüttete ihn mit Ermahnungen. „Ich will, dass du jetzt ins Hotel mit mir fährst und wir uns hinlegen.“ Versprich mir das. Tu gar nichts. Wir legen uns nur in die Badewanne und ruhen uns aus. Wir essen was. In diesem Moment muss sie in Roberts Gesicht gesehen haben, denn sie fügte hinzu: Es wird fantastisch sein. Das weißt du doch, oder? Robert nickte schwach. Er war schon halb eingeschlafen. Als Robert seinen Schlüssel holte, schob ihm die Empfangsdame eine Nachricht über den Tresen, die auf ein Blatt Hotelpapier gekritzelt war. Ich war da, aber du nicht. Ich komme wieder. Keine Unterschrift war auf dem Papier und Robert konnte sich auch nicht denken, wer das sein sollte. Vielleicht in Fan. Er machte sich keine Gedanken.

 

 

Kapitel 11

Die Alm Beach war eine Bar an der Strandseite, ein paar Häuser vom Hotel entfernt. Es war eine Yuppie-Bar, aber wie die Yuppies von San Agustin selbst befand sich die Bar in einem Übergangsstadium. Einst war sie eine typische Tränke der Millionäre gewesen, wie man sie ähnlich in Sylt, Frankfurt, Paris und New York entdecken kann.

Überall bilden die Yuppies die zweite Generation und die dritte Generation von konservativen, harten Burschen.

Harte Drinks an einem Ort ohne Atmosphäre: die Küche, ein wohlschmeckender Hort der Feinschmecker.

Aber das Bild der Yuppies von San Agustin wandelte sich.

Die Älteren, Altmodischen, verschwanden und die Jüngeren rückten nach.

So servierte die Alm Beach das Designerbier wie auch Budweiser.

Hier trafen sich die Regisseure, Kameraleute, Schauspieler, Models und andere reiche Leute, die den Eintritt genießen durften.

Alte Geldleute, wie die es mal waren, was sie waren, und ihresgleichen und smarte Typen, mit guten Anzügen und gepflegten Frisuren.

Die Oldtimer saßen hinten, süffelten in aller Ruhe ihre Drinks und warteten auf ihre Nächsten.

Ein Yuppie, man nannte ihn Glatze, er hatte wirklich eine Glatze, stürzte sich auf ihn, ehe Robert die Chance hatte, die Bar zu passieren.

„Hör mal, wie ist das mit den Weibern, oder bist du schwul?“ Willst du eine Zigarette? 

Robert sagte nichts, er nickte.

„Hey“, sagte der Barkeeper. „Ein doppelter Black J.?“

Ja. „Einen doppelten Black J., Eis“, antwortete Robert.

Der Barkeeper stellte ein Glas Black J. mit Eis auf die Bar.

Während Robert zu einem Tisch ging, nahm er einen tiefen Schluck und das halbe Glas war verschwunden.

Dann atmete er zufrieden aus und leckte sich die Lippen.

Es schmeckte gut.

Zu gut.

Robert stürzte die starke braune Flüssigkeit hinunter, als brachte er sie, um die nächsten Minuten seines Lebens zu überstehen.

„Gott“, sagte Glatze, „Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.“ Komm, mach doch nicht einfach einen Rückzieher? »Vielleicht trinken wir noch einen.«

Robert schüttelte langsam den Kopf.

Plötzlich sah er müde aus, verbraucht und älter als seine jungen Jahre.

Robert war stur, wie ein Fighter, der seinen Gegner, die Glatze, nicht beachten will.

Denn er hatte überhaupt keinen Schneid, irgendwie Zoff zu haben.

„Du kannst mich… am Arsch…“, sagte Robert beiläufig.

„Also, wenn es so ist.“ „Du kannst mich auch“, sagte die Glatze, „Du kommst schon noch dran.“

Die Glatze schüttete den Rest des Drinks hinunter und winkte mit dem leeren Glas dem Barkeeper zu.

„Wie wär’s mit noch einem doppelten Black J.?“, sagte die Glatze.

„Sicher, warum nicht“, sagte Robert.

Der Barkeeper brachte zwei große, starke Drinks nicht persönlich an den Tisch.

Stattdessen kam ein geröteter Mann mit schwarzem Haar und stellte die Gläser vor Robert.

Seine dunklen Augen waren von überreichlichem Alkoholgenuss ganz glasig und er schwankte am Tisch.

„Hier Ihr Hosenscheißer“, sagte er mit einem bösartigen Grinsen.

„Schluck weg den Scheiß!“ Wieder beim Black J. gelandet, wie Hosenscheißer?

Robert nahm den Drink, sah aber nicht zu seinem Quälgeist hoch.

Der gerötete Mann mit den schwarzen Haaren sagte: „Cheers!“ Ich bin Markus, aber meine Freunde nennen mich Mark. „Also, ihr könnt mich Mark nennen!“

Mark, der neben Robert Flaume saß, spürte, wie sich sein Partner straffte, wie gesprungener Stahl, dicht davor, auf Robert loszugehen.

Roberts Hände ballten sich unter dem Tisch zu harten Fäusten.

Mark legte eine Hand auf seinen Unterarm, um seinen Partner festzuhalten, falls er zuschlagen wollte.

Robert schluckte heftig, hielt sich eben zurück.

Er bemühte sich, seine Wut in seiner Stimme zu kontrollieren.

Ein kalter, frischer Windzug fuhr durch die Bar, als plötzlich Lee von der Straße in den Raum schob. Sie kam überrascht ins Alm Beach, um zu sehen, wie Robert die Mädchen anbaggerte – beinahe.

Es waren ja keine hübschen Mädchen da, die Robert anbaggern konnte.

„Hör auf, mich anzumachen, Glatze“, sagte Robert, oder ich ramme dir deine verdammten Goldzähne in den Rachen.

„Hey, Hey, was ist denn in euch gefahren?“ „Lee“, sechzig Kilo leicht, trat zwischen die beiden Hosenscheißer. „Regt euch ab.“

„Kein Problem, Baby“, sagte Glatze grinsend. „Kein Problem.“ „Jetzt, wo dem Lutscher seine Tante da ist, gerade rechtzeitig, um ihren Lieblingsbubi zu retten.“

Die Glatze umhalste Lee verschwitzt, benebelt, betrunken wie ein schrecklicher Alptraum.

Lee schüttelte empört ihn ab. „Pfoten weg von mir!“

„Kinder, amüsiert euch gut!“, sagte er mit einem kernigen Lachen und schwankte stark davon.

So schnell jedoch beruhigte Robert Flaume sich nicht. Er sah Glatze nach. Seine Augen funkelten, bohrten sich wie Nadelstiche in seinen Rücken.

„Er wollte Zoff haben und ich bin nicht in der Stimmung, ihm den zu geben.“

Lee setzte sich zu Robert. „Sicher, so ist es richtig gewesen.“

Robert atmete tief durch, als ob dies allein das Feuer seiner Wut löschen könnte.

Doch er spürte, dass er mehr brauchte.

„Du willst hier weg?“, fragte er Lee.

„Ja“, sagte Lee.

Sie schob ihren Arm in seinen, eine liebevolle und besitzergreifende Geste.

„Gut." Er drehte sich zurück zu Mark und warf ein paar Banknoten auf den Tisch.

„Zahl für mich, Mark“, sagte Robert. „Und trink einen auf meine Rechnung.“

Robert steuerte Lee zum Ausgang der dunklen Straßen entgegen.

Die Leute an der Bar sahen ihnen nach, dann wandten sie sich ihren Drinks zu.

„Sind sie nicht ein reizendes Paar?“, sagte einer der lustigen Leute.

Die erreichende Wut, die sich an diesem Abend in Robert Flaume gesammelt hatte, kühlte in dem Moment ab, als er und Lee sein Appartement betraten.

Als sie dabei war, Licht zu machen, griff er nach ihr, packte sie, küsste sie heftig hungrig und presste sie gegen die Tür.

Er war nicht gerade ungemein grob und eine Welle der leidenschaftlichen Angst durchlief ihren Körper.

Sie versuchte, Robert fortzustoßen, und spürte seine leidenschaftlich spontane Entschlossenheit, ihren Widerstand zu brechen.

Lee ließ ihn zappeln und machte es ihm nicht so leicht.

„Nein, bitte nicht.“ Nicht - bitte Robert ..."

Er reagierte nicht mit Worten, aber eindeutig.

Dass Lee auch wieder gefiel, und ließ von sich keinen Widerstand zu.

Er grub seine Hand unter ihr enges Kleid und riss den Stoff mit großen Anstrengungen auseinander. Eine heiße Hand fuhr ihren Schenkel hoch zu ihrem Stringtanga aus Seidengewebe. Seine Nägel kratzten an dem zarten Gewebe.

Robert zog das Kleid von ihren Schultern und stieß seine Hände unter ihren seidenen Büstenhalter. Schaufelte ihre prallen Brüste heraus.

Lee's Stimme war voll leidenschaftlicher Panik. „Bitte nicht - nein ... "

Robert senkte seinen Mund auf ihre zarte Schulter, atmete hastig und biss ihr in die Haut und zog sie auf den Boden.

Plötzlich richtete er sich auf, um sein Hemd zu öffnen und seine Hose herunterzuzerren.

Rasch drang er mit einem Stoß in sie ein.

Lee jedoch war keine Frau mit zaghaften, weichen Vergewaltigungsfantasien.

Bei diesem harten, leidenschaftlichen Sex spürte sie große, leidenschaftliche Lust auf Robert.

Ja, sie verspürte großes Verlangen und wachsende Lust.

Robert stieß und bockte und rastete aus, als könnte seine bloße Wildheit den leidenschaftlichen Schmerz unterdrücken, den er ihr zugefügt hatte.

Als könnte Robert sie irgendwie zwingen, Lust zu spüren.

Doch die gierige Leidenschaft, die er ihr mit seinem Körper bereitete, ließ verlangend schöne Regung aufkommen.

Sie wollte es nicht, dass er fertig war, und hoffen, dass er sie immer wieder mit seinem harten Penis in sie stößt, als er es schon gewaltig getan hatte.

Es kam Robert schnell, das Sperma schoss heraus. Robert war geschafft, in seinem Gehirn summte es, ein weiteres Verlangen überkam ihn, sein Hunger und sein Bedürfnis waren ungestillt.

Robert wälzte sich von Lees warmem Körper herunter.

Er lag neben Lee und startete zur weißen Decke.

Jetzt, da es vorbei war, schmiegte sie sich an Robert. Sie zitterte vor Erregung am ganzen Körper. Lee berührte leicht die wunde Stelle an ihrer Schulter und setzte sich aufrecht und sah ihn mit einem Lächeln an.

Robert streckte seine Hand aus, um Lee zu berühren, um sie vielleicht zu besänftigen.

Es gefiel ihr und wieder schmiegte sie sich ganz nah an.

„Robert ..."

„Wie war sie?“

„Wer?“

„Shyla Gumee.“

„Warum fragst du, meinst du, es sei wichtig, wenn ich mit dir im Bett liege?“

„Ich weiß, dass es nicht richtig ist, dass ich jetzt danach frage, Robert.“

„Lee ..."

Stille, beide schwiegen und starrten an die Decke. Lee zündete sich eine Zigarette an.

„Nein, ich sage dir, wie sie im Bett gewesen ist, Lee.“

Robert schwieg einen Augenblick.

„Sie war anders, aber nicht so gut wie du.“

Lee lächelte und gab Robert einen Zug von ihrer Zigarette.

Sie küsste ihn und griff mit ihrer linken Hand Robert zwischen seinen Beinen.

Direkt in seine Hoden.

Robert verspürte einen leichten Schmerz.

Er lächelte, setzte sich auf und küsste sie genau auf den Mund. In diesem Augenblick sah er die Schulterpartie, in die er vor wenigen Minuten gebissen hatte.

Lee regte sich nicht.

Es war, als würde er glühende Holzkohle küssen.

„Ich liebe dich, Robert“, sagte sie.

„Wie?“

„Ich werde dich nicht teilen müssen, wenn du noch einmal mit Shyla ins Bett gehst.“

„So viel haben wir gemeinsam.“ Ich glaubte, mit uns ist es vorbei.

Oder ist dir das nicht aufgefallen?“

„Ist es nicht.“

Shyla und Lee waren im gleichen Alter.

Sie hatten beide eine schlanke Figur und sahen nicht hässlich aus, etwa zur gleichen Zeit.

„Du hast nicht viel an mich gedacht, Robert.“ Und noch weniger in den letzten Tagen.

Lee blickte Robert scharf an.

„Du hast dir lange Zeit gelassen, Lee.“

Du nicht? Ich hatte Liebe mit dir gemacht, Robert. »Ich wollte es.«

Sie starrte ihn eindringlich an, als wollte sie bei dem schwachen Licht in seinem Gesicht lesen. „Warum… warum gerade ich?“

Plötzlich stand Lee auf und schob ihr zerrissenes Kleid um ihre nackten schwarzen Schultern zu recht.

„Ich mache gerne mit dir Liebe, Robert.“

„Ich fick dich auch gern, Lee.“ „Ich brauche eine Zigarette“, sagte Robert.

„Nimm sie dir aus der Schachtel“, sagte Lee.

Die Leidenschaft zog sich hin wie ein langer, langer Ärmelkanal.

Noch nie hatte Robert eine Frau, die so verlangend und leidenschaftlich nach Sex war.

Sie bestand aus einem Material, das aussah wie ein Diamant, und seitlich hatte sie die Form von einer Gazelle.

„Was ist das für eine Perlenkette?“, fragte Robert.

„Frag nicht!“, sagte sie.

„Hat offenbar ein kleines Vermögen gekostet.“

Lee lächelte.

Robert stand auf und machte sich das Radio an. Der Sender spielte gerade den „THE BC FEELING SONG“.

Robert summte den Song nach und Shyla dachte irgendeiner Sache nach, die Shyla betraf. „Was ist mit Shyla?“, dachte sie leise.

Robert wurde von der lauten Musik inspiriert, die aus dem Radio kam.

„FEELING…“, sang er mit brummender Stimme.

„Was ist das?“, fragte Lee sich laut.

„Das ist die Musik fürs Glück und Spaß am Leben.“ Das heißt: „Leb so, wie du dich fühlst“, erwiderte Robert.

„Das passt“, sagte Lee. „Das sieht doch toll aus, oder nicht?“ 

Die Modenschau fand im weißen Sand unter Palmen statt.

Der ganze Bereich war für die Öffentlichkeit gesperrt worden und es wimmelte nur so von Sicherheitsposten.

Doch Robert hatte an alles gedacht und er hatte Ausweise, mit denen sie reinkamen.

Plötzlich standen sie in einem Bereich unter einem Palmdach, das ganz unter Fächerpalmenblättern gehalten war.

Robert ging voran durch den luxuriösen Zuschauerraum mit bunten Teppichen und dann in den kleinen Raum, wo sich die Models umziehen mussten.

Robert sah den Raum hinter dem Laufsteg.

Der stand in auffälligem Farbton zu den bunten Teppichen, den Blumen und den großen grünen Palmen, die in große Tontöpfe gebracht wurden.

Hier gab es nur eine Menge behelfsmäßiger runder Holztische und stapelbarer geflochtener Palmenstühle.

Im kleinen Raum waren bereits zwei Mädchen, die sich bereits umzogen. Sie waren nackt und völlig unbekümmert, obwohl jeder sie so sehen konnte.

Eine kleine, vollschlanke, großbrüstige Frau ging einen Kleiderständer durch, an dem Etiketten hingen, auf denen der Name der Models stand.

„Das bin ich“, sagte Jessi.

Jessi war eine Freundin von Lee und sie freuten sich, dass sie sich hier in S. Agustin trafen. Allerdings war Lee sehr überrascht.

„Jessi“, sagte die Frau. „Ich bin deine Garderobiere, Mauna.“

Sie schaute auf einen großen Zettel, der sich in der Tasche ihrer Latzhose gesteckt hatte. „Ich bin gerade dabei, alles durchzuchecken. „Ich kann keine weißen Schuhe für das Finale finden.“

„Jessi“, sagte sie. „Es ist doch immer das Gleiche.“ „Einmal musste ein Mädchen barfuß laufen, weil die Schuhe zu spät zum Auftritt kamen, diese Panik.“

Jessi und Lee warfen einen Blick auf die Kleiderständer.

Da hingen nur einige Kleider in ihren verschweißten, durchsichtigen Kleiderbeuteln.

„Ja“, sagte Mauna, die ihren Blicken mit professioneller Missbilligung gefolgt war.

Sie sagte: „Nur die Hälfte von dem, was ich brauche, ist hier.“ „Ständig ändert sich alles, bis zur letzten Minute!“

„Okay“, sagte Robert. Und sagte zu Lee: „Ich lass dich jetzt allein.“ „Ich gehe mit ein paar Werbe- und Modedesignern einen trinken.“

„Du meinst, du willst ihnen erzählen, wie toll ich bin?“

„So ungefähr“, sagte Robert.

„Okay“, sagte Lee.

Langsam hatte Lee Schmetterlinge im Bauch.

Und ihre verwirrten Nerven wurden nicht besser durch das Treffen mit Jessi.

„Hi“, sagte Lee zu sich erschrocken.

Denn Jessi stand plötzlich hinter ihr. „Du hast Glück, dass es eine Probe gibt.“ „Das ist deine erste Schau, stimmts?“, sagte Lee.

Ein paar von den anderen Mädchen sahen auf und starrten neugierig zu Lee herüber.

„Du musst lauter sprechen, Lee.“ „Ich glaube nicht, dass sie dich dahinten gehört haben“, sagte Jessi.

Dann ging sie die Kleider auf ihrem Ständer durch und schnauzte genervt ihre Garderobiere an, dass sie nicht in der richtigen Reihenfolge hingen oder irgendso etwas.

Eines der anderen Mädchen kam auf Jessi zu.

Es hatte gebräunte Haut und sah toll aus mit ihrem unschuldigen Gesicht.

„Das ist doch nicht wirklich deine erste Schau, oder?“, fragte sie mit einem osteuropäischen Akzent.

Jessi lächelte.

„Mach dir keine Sorgen.“ Ist ganz leicht. Mach einfach alles genau wie wir. „Für die Probe brauchen wir kein Make-up, es geht nur darum, dass wir die Kleider anziehen und die Bewegungen durchgehen.“

Jessi als Erste dran, sodass Lee von der Seite beobachten konnte, wie die Mädchen nacheinander auftraten.

Eine Frau namens Susanna stand mit Kopfhörern daneben und rief jede von ihnen im richtigen Moment auf. Es war ziemlich einfach. Nur einmal die Länge des Laufstegs abschreiten, dann anhalten und posieren, dann umdrehen und noch mal umdrehen, noch eine Pose und dann wieder geradeaus zurück. Die Probe lief wirklich gut für Jessi. Sie biss die Zähne zusammen und ging langsamer, immer drei Takte pro Schritt, satt zwei. Plötzlich stolperte sie und jemand klatschte in die Hände und die Musik stoppte abrupt. „Können wir das noch mal von vorn machen, bitte, okay?“, ertönte eine Stimme sehr verärgert. Diesmal zitterten Jessi die Knie und ihr Knöchel schmerzte von der Anstrengung. Sie spürte, wie ihr Gesicht flammend rot wurde. Die anderen Models waren aus dem Hotel gekommen und am Eingang stehen geblieben. „Wir machen es noch einmal, von Anfang an.“ Und diesmal klappt es, sagte Antonio von der Choreographie, ruhig.

 

 

Kapitel 12

„Nah, wie war die Probe?“, fragte Robert, als sie etwa eine Stunde später im Café Coco saßen.

Sie schüttelte den Kopf. „Frag nicht.“ „Ich hoffe nur, dass Jessi es morgen besser läuft.“

„Ja, sicher, aber der erste Auftritt ist auch so, als wäre er der einzige Auftritt“, sagte Robert. „Ach und noch was: Meine Freunde bei der Zeitung haben schwer gearbeitet.“ Ich habe ein paar Fotos über den Partyabend. Schau mal. „Sieht ziemlich gut aus.“

Robert holte einen losen Stapel Fotos aus seiner Jackentasche.

Als er sie auf dem Tisch ausbreitete, entdeckte Lee mehrere Fotos mit Shyla und Robert.

„Das ist genau das, was die Agentur braucht, damit sie den neuen Werbefilm mit der Nachtcreme NIGHTS machen kann“, sagte Robert.

Lee schaute den Stapel durch.

Es gab eine ganze Menge tolle Fotos von ihr Schulter an Schulter mit vielen kleinen Berühmtheiten auf dieser schicken Party.

Und dann gab es noch andere Bilder von ihr und Robert, die gemacht worden waren, als sie kaum auf die Fotografen geachtet hatten, in ihrer wilden Nacht in der Stadt.

Eins davon zeigte Robert auf einem Foto, wo er sich völlig betrunken über Lee beugte.

Robert sah aus, als sabberte er ihr buchstäblich voll.

Als würde er ihr in den Nacken beißen oder so.

Lee lächelte laut vor sich hin.

„Wenn du ganz nach oben willst, Lee, meine Praline.“ „Dann musst du dich an ein paar Dinge gewöhnen.“

Schweigend nippte Lee an ihrem Getränk.

Langsam kam sie sich vor wie ein Gebrauchsgegenstand.

Ach so, sag mal. Kannst du heute Abend das aufregend schwarze Teil anziehen, was du mir zeigtest? 

„Eigentlich wollte ich heute früh ins Bett, um mich von gestern Abend zu erholen.“ Robert, du erinnerst dich? 

„Lee, nur eine kleine Party für die Agentur.“ „Tu mir bitte den Gefallen“, sagte Robert. „Es wird nicht länger dauern als eine Stunde, versprochen.“

Nur ein paar Drinks mit dem Kreative-Directory und mit dem Agenturchef, damit die Torte noch einen Spritzer kriegt.

„Wird Shyla auch da sein?“

„Nein.“ Das Letzte, was ich von ihr gehört habe, war, dass sie versucht hat, eine Einladung zur Fernsehgala zu ergattern. Seit der Szene mit

Eddy gibt es Gerüchte, dass sie sich darum bemüht, woanders unterzukommen.

Also, gut. Wann muss ich fertig sein? 

Robert war total kaputt, aber es hatte den Anschein, als wäre Müdigkeit ein Luxus, den er sich nicht leisten konnte. Als Robert ins Hotel kam, lag dort ein Päckchen für ihn.

Es war eine große und dicke Set-Mappe, und er dachte, es handelte sich um einen neuen Auftrag, den er auf den Bahamas drehen wollte.

Er legte sie auf das große Bett und ging unter die kalte Dusche.

Danach setzte er sich im Badehandtuch in einen Sessel und schaute sie flüchtig durch.

Es waren keine Farbfotos.

Es waren Schwarzweißfotos von Models, aufgenommen im Regen und am Strand.

Er breitete einige auf dem Bett aus.

Robert war völlig von den Socken.

Es waren keineswegs glanzvolle Werbefotos oder sowas.

Sie waren einfach unglaublich anrührend.

Es gab Fotos, auf denen die Models ganz unbewegt waren, als wäre sie der einzige ruhende Pol in einer rasenden Welt.

Und dann gab es eins, wie das Model in dem traurigen kleinen Café saß.

Einfach nur ein Mädchen nackt in einem Trenchcoat, das aussah, als wäre ihr Leben noch nie so schön und so lebenswert gewesen, trotz des strömenden Regens, der über das Gesicht ran brach.

Im nächsten Augenblick rief Robert unten bei der Rezeption an. „Wann ist dieses Päckchen für mich abgegeben worden?“

„Vor zwei Stunden ungefähr.“

Ohne Worte legte Robert den Hörer wieder auf.

Er machte sich für die Party zurecht.

Er zog sich seinen dunkelblauen Anzug an und dachte darüber nach, wie Lee wohl aussehen mochte.

Auf jeden Fall machte Lee eine harte Zeit durch, aber das musste sie schließlich nicht an Robert auslassen.

Und dann, kurz bevor er ging, schaute er sich noch einmal die Fotos an, die auf seinem Bett verstreut lagen.

Die Fotos waren wirklich großartig.

Plötzlich hatte er eine Idee.

Robert sammelte die Fotos ein, steckte sie in den Umschlag zurück und nahm sie mit. Die Party war wieder einer dieser förmlichen Anlässe, bei denen man sich zeigte.

Doch Shyla war nicht dabei.

Sie fand im San statt.

Langsam kam es Robert vor, als setzte er sich in eine Überdosis Goldverzierungen und Kronleuchter.

Egal: Ich schätzte, Robert machte alles richtig.

Lee absolvierte ihre übliche Vorstellungsrunde und ich glaube, Robert lächelte an den richtigen Stellen und bei den richtigen Leuten und in die richtigen Kameras.

Lee spielte ziemlich beeindruckend ihre Rolle als „Lee das Supermodel“.

Aber die ganze Zeit behielt Robert die Tür im Auge, damit er Maik nicht verpasst.

Er ist direkt angereist für diese Party.

Er war einer der Letzten.

„Robert, wie geht es dir?“, sagte Maik.

„Dürfte ich dich um einen Gefallen bitten?“, fing er an.

„Ich wollte dich bitten, dir ein paar Fotos anzusehen und mir deine Meinung zu sagen.“

„Du hast Schnappschüsse?“

Maik runzelte die Stirn.

„Nah, schön.“ Lass sehen!

Als Robert den Umschlag holte, dachte er, dass er wahrscheinlich ständig von irgendwelchen Leuten auf diese Weise belästigt würde.

Maik betrachtete die Fotos mit ernstem Gesicht.

„Ich glaube, du hast ein eigenes Interesse, stimmts?“

„Woran merkst du das?“

„Diese Fotos sind Spitze.“

Robert merkte, wie er rot wurde.

„Aber wie findest du die Models, als Foto?“

„Ich denke, wenn du noch mehr solche Aufnahmen hast, würde ich sie gerne kennenlernen.“

Wirklich? Im Ernst? Nicht nur deshalb, weil du mir einen Gefallen tun willst? 

„Nicht im Geringsten, weil ich dir einen Gefallen tun will.“ „Ich brauche neue Gesichter, die noch auf keinem Werbeplakat waren“, sagte Maik mit einem lächelnden Gesicht.

Robert sah ihn an und lächelte und nippte von seinem Drink.

Ich habe viel zu tun. Aber wenn du morgen deine Fotos zur Schau mitbringst, werde ich mir Zeit nehmen und sie noch einmal durchsehen.

Robert sagte zu Maik, dass er nun schon länger als die gewollte Stunde dageblieben ist, und machte sich dann mit Lee so schnell wie möglich vom Acker.

Als die beiden die Treppen zur Eingangshalle herunterliefen, begegneten ihnen jede Menge Leute, die offenbar zur Party kommen wollten.

Plötzlich stand Robert Lee von Angesicht zu Angesicht gegenüber.

Er sah sie bedeutungsvoll an.

Er sah das Kleid und wurde ein wenig verlegen.

„Du siehst bezaubernd aus in deinem Kleid“, sagte Robert.

„Vielleicht habe ich Angst, dass du mich heute Abend „Niet“ sehen würdest, wenn ich das Kleid nicht angezogen hätte.“

Lee küsste Robert auf den Mund.

Und Robert fehlten die Worte.

Sie nahmen ein Taxi zurück zum Hotel und Lee überlegte, ob sie mit Robert ins Hotel fahren solle. Sie hatte keine Ahnung, ob Shyla auf ihn schon wartet. Sie hatte nicht einmal seine Telefonnummer.

Und sie kannte auch niemanden, der ihn kannte. Abgesehen von dem Hotel.

Die charmante Frau an der Rezeption würde ihr wohl kaum weiterhelfen.

Aber da fiel ihr ein, dass sie mit Robert ins Hotel fährt.

Das wäre in ihrem Sinne und sie wüsste, ob Shyla in Roberts Hotel ist.

„Stopp“, sagte Robert zu dem Taxifahrer, als sie das Hotel von Lee erreicht hatten.

Sie hatten offenbar gerade dicht gemacht.

Alle Stühle standen auf den Tischen und die Türen waren abgeschlossen.

Lee rüttelte daran.

Eine Gestalt kam von hinten und Robert sah, dass sie Glück hatte.

In diesem Augenblick ging Robert auf Lee zu.

„Komm“, sagte er, schüttelte den Kopf und zeigte auf das Taxi, das vor dem Hotel wartete.

Lee seufzte und schüttelte den Kopf.

„Geschlossen?“, sagte Lee.

„Lee“, sagte Robert und winkte sie zu sich.

Lee schüttelte den Kopf, sie verstand nicht.

„Was willst du?“

„Komm!“, sagte er.

Dann öffnete er die Wagentür vom Taxi und Lee stieg wieder ein.

Dann sprudelte sie einen Schwall unverständlicher Wörter heraus, die sich anhörten wie: „Aus dem Kerl wird man nicht schlau.“

Lee machte ihm ein Zeichen, dass sie einen Stift bräuchte, und er zog einen aus der Tasche.

Sie zögerte einen Moment, dann schrieb sie auf der Rückseite einer Zigarettenschachtel: „Robert, du bist fantastisch.“ „Ich habe Dich sehr vermisst.“ Morgen, dann erkläre ich dir alles. Lee."

Robert war nachdenklich und sie fuhren ins Hotel.

Die Nacht war heiß und es wehte kein Lüftchen. Robert riss die Fenster weit auf, sie setzten sich auf den harten Boden, mit den Rücken gegen den Fensterrahmen, und schauten in die heiße Nacht hinaus.

Immer wieder ging Lee in Gedanken mit Jessi über den Laufsteg.

Es war eine Lehre.

Was, wenn sie an irgendeiner heiklen Stelle ausrutsche und das ganze Finale platzen ließ?

Von weit unten dröhnte der Lärm von betrunkenen Touristen an Ihren Ohren.

Schlafen die Touristen denn nie?

Dann muss Robert wohl abgedriftet sein, genau an der Stelle, an der Robert gerade saß, denn irgendwann wachte er schweißgebadet auf.

Er hatte geträumt, dass er in einem Bärenfell eine Art endlosen Gletscher hinunter schlitterte, verfolgt von lauter Frauen mit Mistgabeln.

Als er zu sich kam, merkte er, dass es wirklich komisch war.

Dass tatsächlich Frauen mit Mistgabeln ihn verfolgten.

Robert sticht sich mit der Hand über das verschwitzte Gesicht.

In diesem Augenblick war draußen irgendetwas los.

Robert ging hinaus auf den Balkon und schaute nach unten.

Dort hatte sich eine kleine Menschenmenge versammelt und die Leute starrten alle zu ihm herauf.

Dann stand dort noch ein Feuerwehrauto mit brummendem Motor.

Irgendjemand rief etwas über ein Megafon und ein Scheinwerfer wurde auf das Dach über Roberts Zimmer gerichtet.

Als er sich umdrehte und hinaufschaute, blieb ihm einen Moment die Spucke weg und er rief laut: „Lee“.

Auf einem Mauervorsprung direkt über ihrem Appartement kauerte eine unbekannte Frau.

Ihr scheinbares Alter war fünfundzwanzig Jahre.

Sie hielt sich mit einer Hand fest und mit der anderen schirmte sie ihre Augen gegen das grelle Licht ab.

Sie schrie: „Ich will nicht mehr.“ Geht weg. „Keiner kann mir mehr helfen!“

Einen Moment war es still.

Der Polizist mit dem Megafon rief Robert zu: „Sie müssen mit ihr sprechen!“ „Ja."

Robert konnte in dem sich hin und her bewegenden Lichtschein ihre verkrampfte Gestalt erkennen.

Lee schaute weg, sie versetzte sich in Panik, was jetzt nicht zu gebrauchen war.

„Aber ich kann nicht an sie herangehen“, rief Robert dem Polizisten mit dem Megafon zu.

Robert kletterte auf die Balkonrüstung, von wo er sie besser im Blick hatte.

Zwischen ihnen war jetzt nur noch ein Sims, so schmal, dass Robert ganz schlecht wurde, aber es war der einzige Weg zu der Stelle, wo sie stand.

„Komm nicht näher, sonst spring ich“, sagte sie mit brüchiger ängstlicher Stimme.

„Ist in Ordnung.“ „Ich komm nicht näher“, sagte Robert.

Um die verstörte junge Frau zu beruhigen.

Robert Flaume warf einen Blick nach unten.

Sie befanden sich in schwindelerregender Höhe. Robert vergaß, dass er nicht schwindelfrei ist und Höhenangst hat.

Die neugierigen, lauten Leute da unten sahen winzig aus.

„Komm wieder runter! Bitte“, sagte Robert.

„Wozu?“, fragte sie bitter und weinte.

„So schlimm kann es doch gar nicht sein“, sagte Robert verständnisvoll.

„Du verstehst gar nichts“, schluchzte sie.

„Vielleicht doch?“, erwiderte Robert.

„Ja, vielleicht doch ..."

Die ängstliche Frau bespuckte Robert geradezu mit den Worten.

Dann sprudelte sie plötzlich heraus, dass ihr Freund mit einer anderen Schlampe ins Bett gestiegen ist. Und er war alles, was sie noch hatte.

Denn sie hatte niemanden mehr: keine Eltern und auch keine Geschwister.

Sie war Einzelkind.

„Leute an der Bar haben es mir erzählt, als sie mich anmachen wollten und ich mich nicht so haben soll“, schloss sie bissig.

„Aber das ändert nichts daran, dass du Hilfe brauchst“, sagte Robert.

Sie antwortete nicht, sie schluchzte nur.

„Hör zu, vertrau mir“, sagte Robert.

„Warum sollte ich dir vertrauen?“ „Kai habe ich auch vertraut.“

„Aber es sind nicht alle, wie der Kai.“ „Würde ich mich sonst hier hinstellen und mit dir reden, wenn ich solche Höhenangst habe, und ich würde mich freuen, wenn wir beide hier heil runterkommen“, sagte Robert und zitterte vor Angst.

„Sag den Leuten, sie sollen aufhören zu schreien und mit diesem Licht in die Augen zu leuchten“, sagte sie schwach.

„Mach ich, jetzt sofort.“

„Aber geh nicht weg.“

Robert sah, dass die Frau von Kopf bis Fuß zitterte. Von dem Sims, auf dem sie stand, bröckelten dauernd winzige Krümel ab und rieselten herunter mit einem Geräusch, das klang wie ein Minierdrutsch.

Es sah aus, als könnte das alte Zinkblech unter ihr jeden Moment nachgeben.

In Roberts Appartement hörte er das Telefon klingeln, aber er traute sich nicht, sie allein zu lassen.

Robert hatte einfach das Gefühl, dass er sie vom Springen abhalten konnte.

Er musste nur solange weiter mit ihr reden.

Lee ging ans Telefon und nahm den Hörer ab.

Ein Neugieriger aus einer Telefonzelle und von der Presse war am Telefon und wollte für seine Story einige Informationen haben.

Doch Lee ließ sich nicht von dem rasenden Journalisten beeinflussen und legte den Hörer wieder auf.

Ich gehe nirgendwohin. „Ich bleibe hier bei dir“, sagte Robert.

„Lass niemand anderen in meine Nähe kommen, sonst spring ich“, schluchzte sie.

„Niemandem.“ Versprochen.

Robert konnte den Hotelmanager in seinem Appartement sehen.

Er machte ihm ein Handzeichen, dass er zurückbleiben sollte.

Das Nächste, woran ich mich erinnere, war, dass Robert ein Handy in die Hand gedrückt wurde.

Eine laute, brummige Stimme aus dem Telefon sagte: „Ganz ruhig bleiben.“ Reden Sie einfach nur immer weiter mit ihr. Es ist ganz egal, was Sie sagen. Halten Sie nur Kontakt. »Wir schaffen Ausrüstung heran, mit der wir sie erreichen können.«

Und daran hielt Robert sich.

Er hatte keine Ahnung, worüber um alles in der Welt er reden sollte, aber er redete immer weiter.

Lee unterbrach Robert und sagte ihm ziemlich direkt, dass er es ganz gut macht.

Daraufhin erzählte er ihr ein paar Dinge über die Schwierigkeiten, die er hinter sich hatte.

Diese ganzen Beziehungen, was er gelebt hatte und dass er wie ein Esel behandelt worden und einer egoistischen, geldgierigen Frau in die Hände gefallen ist, die ihn bis auf das Letzte ausgenommen hatte.

Da heilte sie ein bisschen und dann brachte sie sogar so was wie ein Lachen zustande.

Es war ein trockenes, bitteres Lachen.

„Ich mache mir zu viele Gedanken und habe alles vermasselt, was?“ Ich schaff' ja nicht mal das hier. Wie soll ich denn die Männer schaffen? 

„Weißt du, wozu richtig Mut gehören würde?“ „Ich heiße Dani“, sagte sie lächelnd. „Nein.“ „Wenn du einfach runterkommen würdest, jetzt gleich.“ Sie fing wieder an zu zittern.

„Das ist es doch.“ Ich kann nicht. »Ich kann mich nicht bewegen.«

Das Zinkblech machte ein knirschendes Geräusch, als würde es gleich abreißen.

Zwischen ihnen war nur dieser Sims, etwa sieben Zentimeter breit und drei Meter lang.

Robert kletterte auf der Balkonbrüstung noch ein Stück höher.

Ja, Höher. Bis heute weiß ich nicht, wie Robert das gemacht hatte, aber er hielt sich mit der linken Hand fest und bewegte sich langsam auf sie zu, während er ihr die rechte Hand entgegenstreckte.

Robert wurde ganz übel dabei. Natürlich, mir auch. Ich konnte einfach nicht hinsehen.

„Schau her, Dani“, sagte Robert. „Es ist überhaupt nichts dabei.“ „Schau einfach geradeaus und komm zu mir.“ Sie schaute Robert nur stumm an.

„Nicht runterschauen, Dani.“ Schau nur mich an. Du kannst es. »Ich weiß, dass du es kannst.«

Das Zinkblech unter ihr ächzte wieder.

Robert redete ihr weiter zu, dass sie sich langsam bewegen sollte.

Dann plötzlich kam sie langsam wie eine Nachtwandlerin über den Sims auf Robert zu. Näher und näher, Schritt für Schritt, Tropfen für Tropfen, bis Robert ihre Hand hielt.

Er packte sie mit all seiner Kraft.

Das ständige Powern im Fitnessstudio kam ihm zugute.

Nur er wusste, wie er Kräfte einsetzen musste.

In diesem Augenblick legten sich zwei starke Arme um ihn.

Und dann war alles vorbei.

Irgendwie hatten die Feuerwehrleute sie beide sicher auf den Balkon zurückgeholt.

Nach diesem Spektakel mussten lästige Erklärungen ohne Ende abgegeben werden.

Der Platz schwirrte vor Polizei und Feuerwehr.

Dani war zu einem Häufchen Elend zusammengesunken und ein Mann, der aussah wie ein Arzt, hatte ihr eine Beruhigungsspritze gegeben und sie dann weggebracht.

Ich weiß nicht, wohin.

Robert Flaume befand sich in einer Art Dämmerzustand.

Er wollte nur noch Ruhe und Frieden und sich entspannen.

Lee nahm Robert in den Armen und beruhigte ihn. Als alle weg waren, stand er einen Augenblick im Badezimmer und fragte sich, ob er jetzt kotzen müsste oder nicht.

Lee sah Roberts Ebenbild im großen Spiegel.

Sie war stolz auf ihn gewesen. Das Hemd war zerrissen und der Rest seiner Kleidung verdreckt von rotem Ziegelstaub und irgendwelchem undefinierbarem Zeug. Es klebte an ihm.

 

 

Kapitel 13

Die beruflichen Pläne und Karriereziele von Robert Flaume musste er nicht aus dem Sinn gehen lassen. Er träumte von einem mühelosen Aufstieg ohne Risiko. Schnell musste Robert Flaume erkennen, wer Freund und wer Feind ist. Es ist durchaus denkbar, dass Robert Flaume, der sich auf diese Weise an die veränderten Bedingungen anpasst, künftig schnell flexibler und kreativer und erfolgreicher sein wird. Für Robert Flaume ist es ein Lebenslauf, der sich durch eine Reihe abwechslungsreicher Tätigkeiten und frühzeitige Übernahme von Verantwortung auszeichnet. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“, sagte sich Robert Flaume. Robert Flaume ist ein Mann mit drei hervorstehenden Eigenschaften: Er hat eine Witterung für profitable Geschäfte, kann strategisch denken und mit Menschen umgehen.

Fachwissen, das sich ohnehin schnell überholt, eignet er sich bei Bedarf an.

Ja, Robert Flaume legt keinen Wert auf Status- und Abgrenzungssymbole, sondern er überzeugt durch Aufrichtigkeit und Kompetenz.

Er wird, wenn ein Geschäft mit einem Bekleidungshersteller oder einer Werbeagentur winkt, überlegen, wie das auf seine Kunden wirkt und auf sein Image, und dann im Zweifelsfall eher darauf verzichten.

Dabei ist Robert Flaume beileibe kein blasser Moralist, sondern ein Kerl, wie zum Beispiel die Frauen ihn haben wollen. Doch für Robert Flaume zählt nach wie vor nur das, was der eigenen Karriere nutzt.

Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass es ihm gut geht. Damit er es aber kann, muss er glaubwürdig bleiben.  Und auch die Aussagen, die die Menschen in der Öffentlichkeit machen, etwa über die Werbung und Interviews, müssen glaubwürdig sein.

Die Frage nach dem Sinn seines Handelns enthält nämlich eine Menge Motivation- oder Demotivationskraft, je nachdem, wie sie von Robert Flaume beantwortet wird.

In manchen Situationen und Momenten seines Lebens sagte Robert zu sich selbst: „Man muss Mut haben zum Leben.“ „Aber auch einen langen Atem und den Glauben an sich selbst.“

Als Robert Flaume noch ein Kind war, sagte sein Sportlehrer immer: „Wenn du vor etwas Angst hast, dann denk‘ an was Schlimmeres.“ Oder… „Wenn du vor etwas Angst hast, dann tu es einfach.“

Auf eine verrückte, unlogische Weise funktionierte das auch bei Robert.

Vielleicht war es das, wovor Robert Angst hatte, Angst vor der eigenen Angst zu haben.

Jedenfalls, als Robert am nächsten Tag in die Hotelhalle kam, sah er Dani lange und eingehend an.

Das war gar nichts. Verglichen mit dem Sims, den Robert gestern Nacht entlanggegangen war, war das ein Blick der Freundschaft.

Es gibt nur zwei Worte, die so manche Augenblicke beschreiben, was im Leben vor sich geht.

Das Erste ist Chaos und das Zweite ist Panik.

Als sie zusammenstanden, wurde es plötzlich still. Vermutlich hatte es ein Gerücht über die Ereignisse der vorigen Nacht gegeben.

Einige von den besorgten Leuten kamen auf sie zu und fragten, ob alles in Ordnung wäre.

Und alle wollten hören, wie es Dani ging.

Robert spielte das Ganze herunter.

Er erklärte lediglich, Dani hätte ein paar Probleme, mit denen sie fertig werden müsste.

Sie hatten nicht viel Zeit zum Reden, weil sie noch an den Strand wollten, und Dani ging danach noch ein wenig shoppen.

Es war für Robert ganz erholsam, dass er mal einfach nur am Strand daliegen und schauen konnte, wie die hübschen braunen Latinofrauen am Strand liefen.

Während die Stunden verstrichen, kamen ein paar Top-Models.

Sie stolzierten am Strand wie königliche Hoheiten und zogen die Aufmerksamkeit aller auf sich.

Eine ganze Armee von sexhungrigen Männern versammelte sich in Ihrem kleinen Bereich.

Die Frauen und die Männer hatten gerade einen freundlichen Wortwechsel in schnellem „bla-bla-bla“.

Es war so weit. Dani lag mit Kopfhörern mitten auf der Decke und wedelte mit den Armen.

Ihr wurde es zu warm von der Sonne. Die Spannung knisterte wie Elektrizität.

Lee schlich auf Zehenspitzen zu Robert und Dani und flüsterte: „Hallo, ihr Schokokrossis.“

Robert schreckte hoch und Dani bemerkte nichts. Klar, sie hatte ja die Kopfhörer auf.

„Los geht’s. Ins Wasser!“, rief sie laut und zog das letzte Mal an der Zigarette, die sie kurz bevor anzündete.

Robert stellte sich taub, als ob er ihren Spruch nicht bemerkt hätte.

In diesem Moment hatte Lee Robert an der Hand und war schon im Nassen.

Wie eine Katze im Badebecken wehrte er sich.

Und dann sagte Lee: „Ob du willst oder nicht.“ »Ich will, dass du mit mir gehst.«

Sein Auftritt wurde von Dani mit tosendem Applaus begrüßt, der ihm wie Adrenalin in den Kopf schoss. Es war für Robert ein Gefühl, als schwebte er über einem 10-Meter-Turm.

Als Dani lächelnd dem Robert und der süßen Lee entgegenrannte, grinste sie ihn an.

Er erreichte das Ende des Bootsstegs, er stoppte, drehte sich, posierte und drehte sich den Frauen zu.

Sie schwammen zurück, an einem badenden Pärchen vorbei, das ein Gesicht machte, als wäre ein dummes Gesicht zu machen ihr ganzes Leben.

Als sie aus dem Wasser gekommen waren, suchte Lee mit den Augen im Publikum ihren Liegeplatz.

Robert wollte die Hoffnung schon aufgeben, als Dani ihn, ganz am Ende, mit einem flüchtigen Blick erhaschte.

Er saß erschöpft im weißen, heißen Sand und hielt seine Kamera schussbereit.

Er hatte es also geschafft.

Plötzlich mussten Dani und Lee sich in einem Affenzahn umziehen.

Sie wollten noch shoppen gehen, Geld ausgeben. Beschlossen Sie ganz spontan.

Für Robert war es ein Schock: Keine Fotos von Dani und Lee.

Und sie gingen ins Hotel zurück.

Robert hatte wirklich das Gefühl, in der Luft zu schweben.

In diesen wenigen Minuten, die es dauerte, bis Robert den weißen Strand verlassen hatte, schien es ihm, als würde die Zeit buchstäblich stillstehen.

Wenn man sich auf so etwas wie Instinkt verlassen kann, dann hatte Robert die beste Aufnahme in diesem Moment gemacht.

Oben am Bootssteg drehte sie sich zu ihm zu. Seine Kamera zeigte zu ihr hin, einem super hübschen Mädchen. Ihre Haut war dunkel und ihr Haar war lang und schwarz.

Danach gab es ein strahlendes Lächeln.

Das unbekannte Mädchen ging auf Robert zu.

Er bemerkte es, der Schweiß lief ihm über die Stirn und er strahlte übers ganze Gesicht.

Er nahm sie an die Hand. Kaum dass sie es wusste, was geschah, gingen sie den Bootssteg hinunter. Hinter ihnen die anderen Leute warteten und sahen, was passierte.

Die Leute waren begeistert.

Robert machte einige Aufnahmen mit der Kamera und ihre stylischen und eleganten Posen waren sehr gut. Sie kamen von ihr selber, ohne dass Robert etwas sagen musste.

Sie bewegte sich wie ein Top-Model.

Als Robert wieder im Hotel war, strömten schon Dani und Lee herein.

Er schaffte es gerade noch, sich ein frisches T-Shirt über den Kopf zu ziehen.

Aber keiner von den beiden nahm auch nur die geringste Notiz von Robert.

Sie diskutierten darüber, wer das beste Kleidungsstück eingekauft hatte.

„Robert, ich muss mit dir reden“, sagte Lee.

„Nicht hier“, sagte Robert. „Können wir nicht irgendwo hingehen, wo wir noch etwas trinken können?“ 

Wohin? „Ich habe nur eine halbe Stunde, höchstens.“

Dani versuchte, Robert und Lee zusammen zu fotografieren.

„Da ist ein Café, in der Hotelhalle, hinter der großen Palme.“

Robert lächelte.

Sie wurden von einer Flut von Touristen aus dem Fahrstuhl auseinandergerissen.

Eine Menge Leute brach schon zur Heimfahrt auf.

Robert konnte Lee gerade noch aufschnappen. Genau gegenüber vom Café. Eine alte Frau polierte gerade die Messingteile auf dem Gang.

„Hier bin ich“, sagte eine Stimme und Shyla trat aus dem Schatten heraus.

„Hast du Lee getroffen?“, fragte Robert.

„Habe ich.“ „Und nun ja… vor dir steht eine neue Praktikantin für ein Mode-Design-Studium.“

„Aber das ist doch wunderbar!“

„Es ist ein sehr wichtiger Augenblick für mich.“ Es wird mir gestattet sein, dass ich für dich arbeite.

„Aber es ist doch klar, oder?“

Ja. Und deswegen bin ich gekommen, weil ich mich bei dir bedanken will. „Es ist, wie du immer sagst: Es gibt nichts Gutes, außer an Tut es.“

Robert schwieg.

„Können wir uns setzen?“, bat sie. „Meine Füße brennen teuflisch.“

„Hast du denn Zeit?“, fragte Shyla.

„Was meinst du damit?“, fragte Robert.

„Wolltest du nicht mit Lee etwas trinken?" „Nicht in diesem Moment.“ „In diesem Augenblick möchte ich mit dir zusammen sein“, sagte Robert. „Und Lee holt sich noch eine Schachtel Zigaretten aus dem Tabakladen.“

Shyla lächelte und atmete tief ein und wieder aus.

„Was ist mit deinem Freund?“, fragte Robert.

„Was für ein Freund?“

„Ach, Julio meinst du, den ich mal erwähnte.“

Robert hob die Schultern.

Shyla zog ein Foto aus ihrer Handtasche.

„Es ist nur ein guter Freund und sonst nichts“, sagte Shyla.

Robert beugte sich vor und betrachtete eingehend das Foto. „Sicher?“

„Also, ist es keine Romanze wie Romeo und Julia?“, sagte Robert.

„Ich denke, drei wären dafür ein bisschen viel, oder?“, erwiderte Shyla.

Robert lächelte in sich hinein.

Dann schaute er sich Shyla von der Seite an.

„Das bedeutet, du hast immer noch keinen Freund gefunden?“

Shyla schüttelte den Kopf.

Robert rutschte näher und legte einen Arm um ihr.

„Würdest du eventuell einen dritten guten Freund in Betracht ziehen?“, fragte Robert.

„Ich denke, ein dritter guter Freund wäre ungefähr genau das Richtige gegen meine guten Launen.“

„Meinst du, es ist in Ordnung, wenn man sich hier küsst?“ „Als sehr gute Freunde?“ Was meinst du? 

„Ich glaube, wenn zwei sich wirklich lieben, drückt Gott vielleicht ein Auge zu, nur für einen Moment…“, sagte Shyla leise und lächelte dabei.

 

 

 

ENDE

 

 

 

 

Anhang

Jede, wie auch immer gestellte Ähnlichkeiten mit Büchern, lebenden oder toten Personen, deren Haustiere und Bekleidungsstücke, et cetera, et cetera,…, ist weder beabsichtigt oder weder noch so gemeint, auch anders und in jedem Fall rein zufällig und ein nicht wirklich gemeinter Zufall.

Die Bücher sind für Leser unter 18 Jahren nicht geeignet. Für künstlerische Darstellungen und originelle Texte in Wort und Bild auf dieser Homepage/Website „HB-TheArtGalery.com“ trägt der Designer und Autor keine Haftung! Sollte denn noch beim Leser in diesen Büchern wie auf der Homepage beim Betrachten der Skizzen und Bilder in den Inhalten rechtswidrige, obszöne, rassistische, diffamierende, pornografische oder bedrohliche Ansichten, die Persönlichkeitsrechte Dritter verletzen oder in sonstige Weise abzulehnende oder schädliche Inhalte handeln, so ist das nicht gewollt oder beabsichtigt.

Jeglicher Verdacht, Spekulationen oder Analysen werden vom Autor zurückgewiesen und trägt dafür nicht die Verantwortung! Der Autor übernimmt keine Haftung für die sorgfältige Erstellung der Manuskripte und Bilder. Der Autor übernimmt jedoch keine Gewähr für die Vollständigkeit oder Eignung für bestimmte Verwendungszwecke.

Für Druckfehler übernimmt der Autor keine Haftung.

Für weitere Rechtschreibfehler und Grammatikfehler trägt der Autor keine Verantwortung und Haftung. Da aus der Vielfalt von Rechtschreibprüfungen verschiedene Fehler auftreten können.

 

Copyright 2026

published by CoolLibri.de

Biographische Informationen der

Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der deutschen Nationalbibliographie;

detaillierte biographische Daten sind im Internet über

http:///dnb.de abrufbar.

 

Die Rechte für die deutsche und internationale Ausgabe beim Autor,

Info: H. Kluge – youandhenry.k@web.de

 

Die Kasse: So erhalten Sie Ihr Buch

Ihnen hat die streng limitierte Auswahl an interessanten und spannenden Büchern aus verschiedenen Rubriken gefallen. Wir freuen uns über Ihre finanzielle Wertschätzung. Überweisen Sie eine finanzielle Aufwandsentschädigung von 3,50 Euro für ein einzelnes Buch, das Sie lesen.

Kontonummer:
Begünstigter: Henry Kluge
IBAN: DE21 1203 0000 1069 4185 47
BIC: BY LA DE M 1001
Bank: DKB Bank

Vielen Dank!

Für wen ist dieses Buch?

Dieses Buch ist für alle, die eine tiefergehende Perspektive auf Geschichten schätzen und gerne direkt vom Schöpfer erfahren möchten. Der Schriftsteller erzählt aus seinen Büchern, was eine einzigartige Verbindung und Einsicht in die literarische Welt bietet.

Was "Buch 12" einzigartig macht

Die Besonderheit von "Buch 12 für Schwarzleser" liegt in seiner exklusiven Verfügbarkeit und der persönlichen Note, die der Schriftsteller durch seine Erzählungen einbringt. Es ist nicht nur ein Buch, sondern eine Einladung, Teil einer besonderen Lesergemeinschaft zu werden, die Wert auf Qualität und Tiefe legt.