Buch 16 für Schwarzleser: Der schriftsteller erzählt

Tauchen Sie ein in die Welt von Buch 16, wo jede Seite eine neue Entdeckung birgt. Erfahren Sie mehr über die einzigartige Vision des Autors und wie Sie Teil dieser literarischen Reise werden können.

Das Leben  ist viel zu kurz, um… von Simon Cloude

 

Roger Muerte? Wie sollte der Traummann einer Frau sein? Wer ist Violetta? Violetta Laube? Ein kleiner, einsamer Laden am Straßenrand befand sich am Arsch der Welt, in der Mitte der endlosen weißen Strände. Mal abgesehen von den atemberaubenden Oasen von üppig blühenden Gärten und versteckten Villen der Mafioso Bosse… ist Violetta Laube sexy, verrückt oder sogar verwegen?

 

 

Kapitel 1

Ich glaube immer, dass Doofheit sich durchsetzt. Aussehen tue ich wie ein braun gebrannter Millionär. Denn ich bin ja auch gerade aus Mallorca erholt zu Hause angekommen. Was diese Loser von Anwälten aus meinem künstlichen Leben gemacht haben, ist völliger Schwachsinn. Ich war bei allen Attentaten selbst dabei. Natürlich bin ich nicht der Profikiller. Deshalb wird mein Ego von meinem Optimismus unterstützt. Wenn ich einen mit meiner Kanone umpuste, entschuldige ich mich vorher bei dem Todeskandidaten. Nee, keinen Ton, soll er mehr sagen können. Ich kann natürlich etwas singen, aber für eine Platte hat es nie gereicht. Wenn die Kunst am Töten von Können kommt, ist das bestimmt eine wertvolle Kunst. Was ist denn höher zu bewerten: irgendwelchen qualvollen Tot, wo der Todeskandidat auf den Müll elend verreckt, weil er sich später selbst für Abfall hält, oder einen schnellen Tot, den er schnell vergessen kann?

Vielleicht sollte der Todeskandidat mir ein wenig Anerkennung in seinen letzten Worten geben.

Denn mir macht das seit den 15 Jahren keine große Freude, außer hinterher deprimiert zu sein und großes Mitleid mit den anderen Vollidioten zu haben.

Wäre ich ein blinder Killer aus dem Kloster, der seine Dienste anbietet, würden die Leute mich total nett finden.

Ich schicke ja dem Todeskandidaten vorher einen netten Brief zur meditativen Vorbereitung und er kann sich schon mal darauf einstellen, dass er seinen Aufgaben dem Auftraggeber nicht gerecht wurde und auf der schwarzen Abschussliste steht.

Ohne Ende herum Eiern habe ich die Geduld nicht mehr.

Sonst musste ich mir früher immer stundenlang dasitzen, das sinnlose, leere Geplapper anhören und kein Wort dazu sagen.

Weil es ja auch nichts zu sagen gab.

Der Mann, als Killer steh ich auf Platz 1 unter Kollegen.

Nach zwei Wochen schon Gold.

Mein Geschäft läuft hammermäßig.

Ich lag vor Kurzem noch mit einer der schönsten Frauen aller Zeiten an einem traumhaften Strand auf der Trauminsel Fuerteventura.

Karibisch anmutendes Meer und goldgelber Sand verbreiten ein unverzügliches Lebensgefühl.

Wenn das eine Krise ist, dann will ich nur noch Krisen.

Ich hatte mal so ein unmoralisches Angebot von einem Auftraggeber.

Da hätte es Geld geregnet.

Aber so ist das eben im Geschäft.

Ich muss mich doch nicht dafür entschuldigen, wenn ich meinen Job gut mache, und ich gucke ein bisschen, wo das Geld bleibt.

Bin ich geizig?

Ich fliege nur Comfort-Class, habe nette Putzfrauen und die besten Gärtner, hänge ständig in den teuersten Restaurants herum und gebe Supertrinkgelder.

Mit 13 Jahren hörte ich auf, mich selbst zu befriedigen. Jede Frau erzählt mir, dass ich null spießig und hypersensibel bin.

Und da stehen sie drauf.

Die meisten hypersensiblen Männer sind verschrobene, weltfremde, heulsusige Weicheier.

Ich bin zwar verletzbar, aber auch Realist, der mit beiden Beinen im Leben steht.

Das finden die Mädels schon irgendwie gut.

Die meisten Männer haben es verlernt, Träume zu haben.

Und romantisch ist doch auch keiner mehr.

Für mich ist ein Baum noch ein Baum, der lebt.

Aber für die meisten anderen ist ein Baum bloß ein Stück Holz mit Blättern dran.

Mein Leben ist schon echt crazy.

Ich habe immer mehr das Gefühl, dass Doofheit sich durchsetzt.

Alle wollen das schnelle Geld verdienen, ohne zu arbeiten.

Ich weiß gar nicht, ob ich will, dass da einer meine Hand hält, wenn ich mal abnibble.

Vielleicht bin ich einer, der sagt: „So, jetzt ist Schluss und geht mal alle raus.“ „Ich will die letzten Minuten echt lieber alleine sein.“

Ich möchte auch ein Grab haben, das nicht gepflegt werden muss.

Man soll mich verbrennen.

Meine Asche soll der Verwandtschaft und allen meinen Feinden zugutekommen. Dann können Sie sich noch einmal eine kräftige Dosis durch die Nase schnüffeln.

Dann vergessen Sie mich nicht zu schnell.

Ich bin Roger Muerte, wie Lebensgefahr oder der Tod, und mache im Moment die Evolution in umgekehrter Richtung durch.

Ich habe es noch niemandem erzählt.

Denn ich habe keine Ahnung, wie es passiert ist. Ich weiß noch, dass er noch mein Onkel war.

Onkel Pat Muerte, er war ein Neurotiker.

Das ist etwa einen ganzen Monat und dreizehn Tage her.

Und jetzt ist er tot.

Ich habe ihn über den Kamin gehangen, wo er sich recht gut macht.

„Pat Muerte“, sage ich zu seinem Selbstbildnis im Rahmen, dem ernsten, schmalen und vorgestreckten Kopf, „verstehst du mich?“

Er starrt mich an aus Augen, so winzige wie Teertröpfchen.

Ich lasse respektvolle Tränen fallen, ein salziges und totes Meer aus mir.

An einem Tag durchläuft er glatt ein ganzes Leben. Ich bin kein Wissenschaftler, aber so ungefähr müsste es hinkommen.

In der ersten Zeit hatten Leute angerufen und nach Pat Muerte gefragt. Warum er keine Aufträge entgegennehmen kann?

Warum hat er seine Verabredungen mit diesem oder jenem Klienten nicht eingehalten?

Nach einer Woche schwieg das Telefon.

Am letzten Tag, an dem ich ihn als lebenden Menschen gesehen habe, war er sehr verschlossen gewesen.

Das war nicht so ungewöhnlich.

Er war sehr häufig mit seinen Gedanken beschäftigt, wenn er einen neuen Auftrag bekommen hatte.

An seinem letzten Tag als Lebender sagte er zu mir: „Sag mal, Roger, merkst du es denn nicht?“ Wir werden alle zu ehrlich. Unsere Gutmütigkeit wird immer größer und größer. „Die Welt ist voll mit erbarmungsloser Ungerechtigkeit und unmoralischen Angeboten.“

Der starre Blick seiner blauen Augen durchbohrte mich.

„Nimm nur uns als Beispiel, Roger“, sagte er. „Wir denken viel zu viel.“

Ich setzte mich hin und dachte wieder.

Ich dachte an das erste Mal, als ich mit einem Mädchen das erste Mal Sex hatte.

Damals hatte ich das grelle Licht brennen lassen, die Augen aufgemacht und mich mit aller Gewalt darauf konzentriert, mich gehen zu lassen.

Wohin?

Das war eine Frage, die ich mir nicht beantworten konnte.

Aber es war schön und große Titten hatte sie gehabt.

So groß wie

Dann hatte ich gemerkt, dass auch sie die Augen geöffnet hatte.

Plötzlich hatten wir uns mittendrin auf den Fußboden gesetzt und uns verrückte Sachen erzählt.

Es war alles sehr seltsam, denn ich hatte Sie zum Lachen gebracht.

Und es war alles sehr vertraut.

An einem anderen langweiligen Abend hatte sie mich im Tiefschlaf mitten in der Nacht aufgeweckt und mich splitternackt aus dem warmen Bett geholfen.

Sie führte mich hinaus zu den Sternen auf die Terrasse und flüsterte. „Sieh doch, Roger, sieh, das ist unser Platz fürs Träumen.“

Ziemlich schlaftrunken hörte ich ihr zu und tappte wieder, wie durch die Anziehung eines Magnets, ins Bett.

Plötzlich war ich hellwach, starrte zur kahlen Zimmerdecke hoch und schaffte es ganz und gar nicht, zu träumen.

Caroline, dagegen schlief sofort ein.

Ich aber schlich mich unbemerkt wieder nach draußen und verstand so langsam, was Caroline mit dem Platz zum Träumen gemeint hatte.

Ich bemühte mich, mit den Sternen zu träumen. Dabei hatte ich aber keine Ahnung, wie ich es Caroline erklären sollte.

Ich versuchte angestrengt, einen schönen Stern auszumachen, den ich dann später Caroline schenkte.

Ich hätte auch gern gewusst, was passieren würde, wenn ich ihr das wertvolle Geschenk mache.

Am nächsten Morgen stützte sie den Kopf in ihre Hände und seufzte.

Ich stand auf und übersäte ihren Nacken mit Küssen.

Ließ dabei keinen Millimeter aus.

Was wünschte ich mir?

Ich wünschte mir Gutes.

Sonst nichts.

Nur Gutes.

Schon seit Langem hatten sich meine außergewöhnlichen und originellen Wünsche verallgemeinert.

Ich hatte schnell gelernt, welche Konsequenzen spezifische Wünsche haben.

Sie sagte, sie hätte keine Lust auf Unterhaltung. Caroline wollte mir nur in die Augen glotzen.

Wir setzten uns zusammen auf den schönen grünen Rasen und rissen nur mal so Grasbüschel heraus.

Ja, daran erinnerte ich mich noch genau.

Es war so, als wäre die schöne und neugierige Zeit erst gestern gewesen.

Mein Onkel Muerte fand man in seiner Wohnung tot auf.

Er war schon kalt.

Die Polizei hatte festgestellt, dass es Mord gewesen sei und der Tot gegen Mitternacht eintrat.

Es ist eine Überdosis Heroin, das man ihm gespritzt hatte.

Aber Onkel Muerte hatte nie etwas mit Drogen im Sinn gehabt, wie ich weiß.

Die Mörder werden die Bullen nie bekommen, denn sie sind zu gut und kennen die Bullen.

Ich schwang mich aus dem Bett und setzte mich auf die harte Bettkante.

Schaute aus dem geschlossenen Fenster und sah das Morgengrauen am Horizont langsam heraufkriechen.

In meinem Kopf hämmerte es, mein Herzschlag rastete noch immer und der Mund war staubtrocken.

Ich war Anfang vierzig.

Aber an diesem Morgen fühlte ich mich wie Achtundzwanzig.

Meine Augen waren hellwach und keine Spur von Müdigkeit war zu sehen, als ich in den großen Spiegel im Schlafzimmer sah.

Eine kurze Bewegung neben mir im Bett veranlasste mich, mich umzudrehen und Violetta anzusehen.

Sie hatte sich nur leicht im Schlaf bewegt.

Ihr Engelsgesicht war ganz friedlich.

In Momenten wie diesem ist sie schön, wenn sie still war und schlief.

Denn sie konnte auch oft zicken und herumzanken.

Violettas rötlichbraunes, langes Haar floss in seidigen Wellen über das große Kissen.

Ihre nackten Schultern ragten aus den Decken hervor.

Während ich dasaß und sie betrachtete, blinzelte sie plötzlich und öffnete die Augen.

Sie wandte den Kopf zu mir und lächelte zufrieden. Als sie sah, dass ich sie wie ein Wunder anschaute, wurde ihr Lächeln zu einem Strahlen.

Ich konnte nicht anders und musste dieses liebevolle Lächeln erwidern, solange es noch anhielt.

Es war ein besonderer Tag, der gerade anbrach.

Wir wussten es beide.

Ein Tag voller neuer Möglichkeiten und Chancen, denn wir werden für eine ungewisse Zeit das Land und die Stadt verlassen.

Während Violetta wieder die Augen schloss und sich behaglich in die Kissen kuschelte, zeichnete sich in keinem Gesicht erneut Besorgnis ab.

Zwar sah es jetzt ganz danach aus, als hätte sie alles geregelt.

Das Letzte, was ich jetzt gebrauchen konnte, war eine Auseinandersetzung mit Violetta.

Manchmal kommt es mir so vor, als ob die ganze Welt hinter mir her war und mich einfach nicht in Ruhe lassen wollte.

Ich zog mich weiter an.

Für einen vierzigjährigen Gangster strotze ich an diesem Morgen geradezu vor Energie.

Ich zündete die Kippe aus dem Aschenbecher wieder an und rauchte weiter.

Gehe dann in die Küche zum Kühlschrank und gieße mir ein Glas Wasser ein.

Plötzlich kommt Violetta zu mir und nimmt mir das Glas aus der Hand.

Sie schwingt sich auf die Küchenanrichte und zieht mich mit den Füßen an sich heran.

Dann küsst sie mich.

Meine Lippen schmeckten noch nach Rauch.

„Sechs Stunden“, sagte sie, „haben wir noch Zeit, und es ist eine lange Zeit.“

„Baby“, sagte ich, „Ich fürchte, ich muss dich enttäuschen.“ Ficken will ich dich jetzt nicht. Darauf habe ich einfach keinen Bock. „Tut mir leid, wenn du etwas Anderes erwartet hast.“

Ich halte wieder das halbvolle Glas Wasser in der Hand. Violette nimmt es mir erneut ab und trinkt einen kleinen Schluck.

„Das stimmt“, sagte sie, „ich habe mir was anderes mit dir heute Morgen vorgestellt.“

Ich befreite mich mit ungewollten Schwierigkeiten von ihren klammernden Füßen und trat einen Schritt zurück.

Sie sah mir direkt ins Gesicht und lächelte mir wütend zu.

Dann macht sie sich eine Tasse Tee.

Während sie sich eine Tasse auf den Küchentisch hinstellt, verschüttet sie den ganzen Zucker über den Fußboden.

Alles klebt und sie hat den Zucker noch über die nackten Füße geschüttet.

Das stört sie sehr, sie ging immer noch wütend ins Bad und stellte sich unter die Dusche.

Als das Duschwasser das Badezimmer unter Dampf setzt, fällt ihr das Teewasser ein, das immer noch im Kessel brodelte.

Sie stürzt nackt und nass in die Küche, um nachzusehen.

Alles aus.

Sie stellt sich wieder unter die Dusche.

Als ich die spektakulären und nicht lautlosen Aktionen von Violetta bemerkte, musste ich laut loslachen und fragte mich, was das werden sollte.

Violetta schüttelt die verbleibenden Wassertropfen ab und macht einen missmutigen Eindruck.

Als wir dann endlich mit unserem Morgenritual fertig wurden, nahmen wir das Gepäck und fuhren mit dem Lift in die kühle Parkebene im Tiefgeschoss und setzten uns ins Auto, um zum Flughafen zu fahren.

Auf dem halben Weg zum Flughafen, als wir gerade bei Grün über eine Kreuzung fahren wollten, bat mich Violetta, rechts ranzufahren.

Was ist auch Tat.

Sie stieß schnell die Beifahrertür auf und kotzt in den Rinnstein.

„Und?“, fragte ich, „Wieder alles gut?“

Violetta rieb sich die Nase und nickte.

Ich rieb mir den Nacken, denn ich war irgendwie verspannt.

„Was ist los?“, fragte ich. „Habe ich was verpasst?“

Violetta blieb stumm und starrte aus dem offenen Fenster, als ich an der Kreuzung links abbiegen musste.

Sie verschränkte die Arme vor dem Körper.

„Keine Ahnung“, sagte sie.

Violetta begann zu lachen und sie streckte ihre Beine.

Sie nahm ein Buch über die Sonnenküste USA/Florida und tat so, als würde sie lesen.

Als ihr Handy klingelte, nahm sie schnell das Gespräch entgegen.

Es war ihre dicke und unzertrennliche Busenfreundin Antonia.

„Nein, echt!“, hörte ich ironisch sie sagen, „Verzeih, der Feind hört mit“, und beendete schnell das Gespräch.

„Violetta?“, fragte ich neugierig. „Ist alles in Ordnung?“

Sie drehte den Kopf zu mir und schaute mich an.

Der Flughafen befand sich auf der anderen Seite der Stadt München.

Durch die großen Eingangstüren des Flughafens erreichten Violetta und ich das Innere des Airports. Es herrschte viel Menschenbewegung, alle hatten das gleiche Ziel im Sinn: Nur weg hier.

Über eine Rolltreppe gelangten wir zu einem hell erleuchteten Restaurant im Obergeschoss.

Durch eine große Glastür betraten wir einen mit dickem Teppichboden ausgelegten Gästeraum.

Das Restaurant war bewusst elegant und aufwändig eingerichtet, mit ein paar Zimmerpflanzen und modern aussehenden Gemälden an den Wänden.

Man konnte nicht einmal den Lärm der Turbinen von den Flugzeugen hören, die wir sahen, als wir einen Blick aus dem großen Fenster machten.

„Hast du unsere Pässe?“, fragte Violetta.

Ich zog die Pässe aus der Jacketttasche und zeigte diese.

Eilig gingen wir zur Passkontrolle und nahmen den Flug USA/Florida.

Während es in Deutschland nur regnet und das Schmuddelwetter die gute Laune verdirbt, will ich mit Violetta die Sonne Floridas genießen.

Miami Beach, allein dieser Name weckt Träume.

Ich denke an strahlenden Sonnenschein, endlos weiße Strände, braun gebrannte, gut gelaunte Menschen.

Sogar für Violetta bietet Miami etwas, wie Strand, türkisblaues Meer und Sonne.

Viele Bars, Restaurants und Cafés.

Als Violetta und ich die Kabine betraten und unsere Plätze aufsuchten, saß Ceny Pitt in unserer gebuchten Platzreihe, außen und erhob sich von seinem Platz, um uns zu den Plätzen zu lassen.

Ceny Pitt war ein Mann mittleren Alters mit einer sauertöpfischen Miene, dünn und elegant, in einem konservativen dunklen Geschäftsanzug.

Er hing auf seinem Platz, die Beine lässig übereinandergeschlagen.

Er war jünger als ich, vielleicht Mitte dreißig, mit kurz geschorenem blondem Haar, das ich mehr nach einem Spießer aussehen ließ.

Ich seufzte und versuchte Violetta zu erklären: „In letzter Zeit ging es bei mir ziemlich drunter und drüber.“ Ich hatte ein paar Probleme, mein Leben in den Griff zu kriegen. „Wir streiten oft, und das ist nicht mein Ding, wenn ich ehrlich sein soll.“

Ceny Pitt lehnte sich zurück und konnte es nicht glauben, dass er sich so etwas anhören musste.

Violetta machte eine sorgfältig inszenierte Show daraus, ihre haselnussbraun lackierten Fingernägel zu überprüfen.

Ceny Pitt betrachtete mich, wie man ein Insekt betrachtet.

„Sie sind ein verdammter Trottel“, sagte er und wandte sich Violetta zu, die den Blick senkte und nicht erwiderte, was er von sich gelassen hatte.

Ceny Pitt schüttelte bedächtig den Kopf, als würde er versuchen, fiktive Gedanken loszuwerden, die ihn innig und belehrend bedrückten.

Schließlich, beinahe zögernd, glotzte er zu mir rüber.

„Du kannst dir Folgendes aussuchen“, sagte er und schlug einen dominanten Ton an.

Er hob den Zeigefinger wie ein Lehrer.

„Entweder können Sie sich bis zum Hals in einen staubigen Teppich rollen lassen und sich mit stinkendem Benzin übergießen lassen oder mit einem Streichholz lassen Sie sich anzünden.“ Sie verstehen, was ich meine? 

Ich nickte, denn ich habe nichts verstanden, was der Herr von mir wollte.

„Aber das war eine Möglichkeit“, sagte Ceny Pitt und hob seinen Zeigefinger. „Wollen Sie hemmungslosen Sex und abenteuerliche Reisen?“ „Haben Sie gerne Sex?“ „Vereisen Sie gerne?“

Ich nickte.

„Sie bewegen Ihren Arsch auf einen Flug nach Florida“, fuhr Ceny Pitt fort. „Da können Sie vor all den Zehn-Dollar-Nutten mit dem steifen Schwanz wedeln, wenn Ihre Frau Mal nicht will oder keine Lust hat.“

Stunden später sind wir im Hotel Monaco Oceanfront angekommen.

Es liegt direkt am Strand im nördlichen Teil von Miami Beach, Sunny Isles.

Violetta lehnte sich über die Balkonbrüstung und starrte auf das Meer.

Mein Gesicht entspannte sich ein wenig.

Violetta war schön, wenn sie zornig war, dann glühte sie vor Hitze und Leidenschaft.

Ich wusste, dass mein Job als Vollstrecker das Hauptproblem in unserer Beziehung immer noch war.

„Du willst mich nicht heiraten“, schrie sie mich plötzlich aus weitem Himmel an. Und so kommst du mit deinem originellen Job klar. Immer dreht sich alles nur um dich. Ja, um dein selbstsüchtiges, dir selbst dienendes, niederträchtiges, widerwärtiges Selbst!

Es fing an, peinlich und dramatisch zu werden.

„Entschuldige“, sagte ich. Aber du bekommst das Entscheidende nicht mit. „Wenn ich den Auftrag nicht ausführe, wenn ich ihn angenommen habe, dann bin ich tot.“

„Willst du etwa jetzt die Schuld verlagern?“ „Konterte sie laut zurück.“

Langsam reichte es mir.

Es reicht wirklich.

„Du bist ein Versager, Roger!“, sagte sie, denn sie hatte immer das Letzte Wort, was mich auch immer sehr genervt hatte. „Ich möchte, dass du es zugibst, dass meine Bedürfnisse dir nichts bedeuten“, fing Violetta wieder an. „Und dass du ein selbstsüchtiger und stinkender Drecksack und Lügner bist.“

Ich seufzte und versuchte, vernünftig mit ihr zu reden.

„Wenn du meinen Überlebenswillen in Egoismus umkonstruieren willst.“ – „Meinetwegen“, erwiderte ich.

Violetta starrte mich nur an. Denn damit hatte sie nicht gerechnet.

„Bastard!“, sagte sie zornig.

„Bastard?“, erwiderte ich. „Wer hat mich denn erst gestern Abend „Gott“ und „Liebling“ genannt? „Erinnerst du dich nicht?“

„Roger Muerte“, erwiderte sie. „Das Einzige, woran ich mich erinnere…“, wollte sie auch sagen, aber sie warf vor Wut mir die Vase zu.

Laut klatschend traf sie mich nicht an den Kopf.

Die wundervolle, bunte Vase zog die Erdanziehungskraft vor und viel auf den sauberen Teppichboden.

Ich ließ Violetta allein und ging an den Strand, wo ich mich erst einmal am weißen Strand mit den braun gebrannten und gut gelaunten Frauen und mit einem coolen Drink entspannte.

Überall sonst in den Dünen ist es ruhig.

In einer versteckten Düne am Strand, sonst menschenleer, hat sich die schlanke Frau unter dem dicken, schwitzigen Mann vorgearbeitet. „Und jetzt fick mich wie ein geiler Hund“, verlangt sie von ihm.

Sie dreht sich gierig, gefickt zu werden, um und ballt die Hände zu Fäusten.

Er atmete von hinten heiße Luft auf ihren Rücken, der noch mehr zu schwitzen anfing.

Sie will nicht, dass er ihr vor Geilheit verzogenes Gesicht sieht.

Es ist puterrot und glüht vor Anstrengung.

Sie schneidet im heißen Sand Grimassen.

Die leichte Brise des Windes fühlte sich kühl an.

Sie stemmt mit einer Hand in den weichen Sand, um besser zurückstoßen zu können, solange, bis sein Schwanz ihren ganzen Körper ausfüllt und nichts mehr in ihr Platz hat als nur noch der pralle, steife Schwanz.

Er sagt: „Ich habe schon immer davon geträumt, es mal mit einer heißen Braut am Strand zu treiben.“

Sie hatte die Haare streng nach hinten frisiert und trägt eine Brille.

Sie lächelte mich an.

Und erklärte mir, dass dieser Fick wichtig für sie war. Weiter erklärte sie mir, dass es im Hotel ein Hinterzimmer mit einer Couch gibt, falls an der Hotelrezeption jemand plötzliche Kreislaufprobleme bekommt.

Ob ich wohl in fünf Minuten dort hinkommen könne?

Ich nickte neugierig und überlegte in Gedanken schon, wie ich es meiner Violetta erzählen werde.

Wir treffen uns im Hinterzimmer und sie zieht das Rollo vor dem geschlossenen Fenster herunter.

Ihre Frisur hat sich gelöst.

Sie hat die Brille angenommen und ihre Sachen liegen auf dem Fußboden verstreut.

Die Frau ist die gefickte Aphrodite.

Ich betrachte Sie mit einem Blick der Bewunderung.

In der Empfangshalle des Hotels stellt die Frau überrascht fest, wie viele attraktive Männer an diesem Tag hier sich ein Zimmer nehmen.

Es wimmelte nur so von schönen Männern.

Sie sind überall. Stehen mit geradem Rücken in den Hotelbars und Nippen an Ihrem Drink.

Ihren Namen wollte sie mir nicht sagen, weil es ihr nicht darauf angekommen ist, wie der andere heißt.

Plötzlich sah ich Violetta an der Rezeption.

Sie erkundigt sich, wo man hier gut shoppen gehen kann.

Mein Gesicht hellt sich auf, aus meinen Augen strahlt rein und klar der kleine Junge.

Violetta bemerkte mich und lotste mich ins Hotelzimmer.

Zögernd gehe ich einen Schritt auf Sie zu.

Violetta hat einen wunderbaren Körper, mit vollen Brüsten und eine geschmeidige Wirbelsäule, die sie biegsam macht wie eine geschmeidige Gummipuppe.

Sie schlingt die Beine um mich, ihre Haare lösen sich und sie fickt mich, bis ich am ganzen Körper bebte und vor Verlangen laut stöhnen möchte.

Aber sie sagt ständig: „Schscht, Schscht, Schscht“.

Und das törnte sie so an, dass sie selbst dann nicht damit aufhörte und laut los stöhnte.

 

 

Kapitel 2

Heute beginnt unsere Abenteuerreise in Richtung Key West.

Die Insel ist über zweiundvierzig Brücken des Overseas Highways zu erreichen.

Wir haben eine zweistündige Fahrt vor uns.

Mit einem Geländewagen starteten wir nach dem Frühstück, also am späten Vormittag, vom Hotel. Zum Bereuen blieb also keine Zeit mehr.

Ich hielt mich an den Zeitplan, und Violetta schloss sich in die qualvolle und mühsame Reise an.

Die Langeweile beunruhigte die Nerven einer Frau.

Alles in allem war ich froh, mit dem Geländewagen in Bewegung zu sein.

Die Atmosphäre änderte sich ständig.

Key West ist die südlichste Stadt der USA in Florida, auf der westlichsten Insel der Florida Keys.

„Ja, siehst du, Violetta, ich bin zum ersten Mal in Florida“, vertraute ich Violetta an. „Und dann mit dir, mein Schatz, in Key West.“

„Ja, genau", stimmt Violetta zu. „In die richtige Stimmung kommen, das ist es.“

„Dann will ich mal sehen, was ich heute noch für dich tun kann, Violetta“, erwiderte ich optimistisch und gut gelaunt.

Als Antwort setzte sie ein Grinsen auf.

Ich hatte keinen Schimmer, was sie damit sagen wollte.

Aber der Klang der Mimik gefiel mir.

Der Autoverleiher nahm von dem Geländewagen die Papiere und zeigte mir die Stelle, wo ich ihn abstellen sollte.

„Ich habe das komische Gefühl, dass Sie und Ihre Frau hier bei uns eine Menge unangenehme Schwierigkeiten kriegen werden“, sagte der Angestellte mit einem Seufzer, sobald ich außer Hörweite war.

„Leo!“, rief er und wies den phlegmatischen Mechaniker dieses Namens an, mir zu folgen.

Leo, ein junger Mann um die zwanzig Jahre, der einen schwarzen Overall trug und mit Ölflecken versehen war, stand neben der Tanksäule und sah mir zuerst nach.

Langsam ging Leo auf eine Gruppe weiterer Mechaniker zu.

Die kräftigen Männer saßen auf alten Mülltonnen und machten eine Zigarettenpause in der heißen Sonne.

Leo deutete auf unseren Geländewagen und sagte zu seinen Kameraden: „Wer will die hübsche Braut?“

Die Mechaniker sprangen schlagartig auf und sie streckten ihre Fäuste aus.

„Nein, Nein“, sagte Leo. „So nicht.“

Es gefiel mir, dass ich kein auffälliger Typ sein würde.

Da waren freundliche Leute in ungewohnter Kleidung und kleine, spielende Kinder, denen Violetta zuwinkte.

Als der Nachmittag voranschritt und die Gegend uns ansah, nahmen wir ein kleines Zimmer.

Als Erstes machte ich das Radio an.

Nach einer Weile fing ich an, die Lieder im Radio mitzusingen.

Violetta nervte meinen schönen Gesang, als hätte ich nicht die Möglichkeit, ein Superstar zu werden.

Ich fand es sehr befreiend, aus voller Kehle und mit Gefühl zu singen, während Violetta die Fenster öffnete, in der Hoffnung, dass ich meinen ausdrucksvollen Gesang für die fröhlichen Einwohner darbiete.

Ich fühlte mich wie ein neuer Mensch.

In der Reisetasche durchwühlte ich meine bunte Unterwäsche, die dunklen Socken und die weißen Hemden.

Ich fand, was ich eigentlich suchte.

Was ich auspackte, war eine kleine Pistole, die aber einen sehr gewaltigen Durchschlag hatte.

Die Patronen lagen lose dabei.

Sechs davon steckten schon im Magazin.

Steckte dieses in den Schaft und sicherte die Pistole, bevor ich diese unter den Hosenbund schob.

Als ich mit Violetta zuversichtlich auf die Bar zuging, fiel die Pistole heraus und landete klackernd auf der Straße.

Violettas Wangen liefen rot an.

Ich hob die Pistole auf und steckte sie weg, diesmal gewissenhaft genug, damit sie nicht wieder herausrutschen konnte und Violetta nicht ganz ausrastet.

Ihre Lieblingsbeschäftigung.

Auf alles gefasst, aber mit einem ziemlich unguten Gefühl betraten wir schließlich die Bar.

Nach einer Weile betritt ein Muskelmann die Bar.

Er ist braun gebrannt und attraktiv.

Wie Silikonkissen spannen die Muskelpakete sein bunt kariertes Hemd.

Es gibt nichts, was er nicht umhauen kann – noch nie hat er etwas fallen lassen.

Die Leute sind begeistert und johlen.

Nebenbei: Er liest auch gern, sagte mir der Barmann.

Als der Muskelmann die Bar betritt und die Totenstille spürt, atmete er erleichtert auf.

Sofort fällt sein stechender Blick auf die Bar.

Er registriert die elegante Art, wie Violetta an der Bar sitzt.

Ein eindeutiges, süffisantes Lächeln auf ihren Lippen, das nur einem scharfen Beobachter nicht entgeht.

Er steuert auf sie zu, sie sieht ihn überrascht an.

Mittlerweile geht Violetta davon aus, dass alle Gäste in der Bar Bescheid wissen.

Aber in Wahrheit weiß niemand Bescheid.

Und ich am wenigsten, was jetzt abgeht.

Ich und die meisten Gäste empfinden allenfalls die Luft stickiger als sonst und haben Mühe, sich auf die anderen amüsanten Frauen und die kalten Drinks zu konzentrieren.

Aber die reizende Lolita mustert den Muskelmann und wir wollen ihn haben.

„In fünf Minuten, mein Jumbo", sagte Lolita und deutet mit dem Kopf zum Hinterzimmer.

Der ahnungslose Muskelmann nickte, ohne zu wissen, was sie von ihm wollte.

Er bestellte sich beim Barmann eine kalte Milch, aber nach fünf Minuten wird er doch neugierig und kommt Lolitas Aufforderung nach.

Das Hinterzimmer hat beigefarbene Wände und eine große Ledercouch.

Als er den Raum betritt, schlägt ihm ein intensiver Muschigeruch entgegen.

Es riecht so schlimm, dass es dem Muskelmann fast den Atem verschlägt.

Die sexbedürftige Lolita sitzt splitternackt auf der Couch.

Aber die Sache ist die, dass der Muskelmann nicht mit Sicherheit sagen kann, ob er nun davon geträumt hat.

Mit Sicherheit kann er allerdings glauben, dass es ihm nicht langweilig wird und er Spaß macht.

„He, du!“, sagte sie.

Lolita ist fasziniert vom Muskelmann seiner Schultern. Sie sieht die kostbare Last, ein Leben, das er auf dem Rücken trägt.

Am liebsten würde sie ihn anschreien.

„Du bist nicht die geile, fickende Kleopatra!“, zischt er leise.

Sie schaut ihn erstaunt an und fängt plötzlich an zu lachen und hält sich mit Ironie die Hand vor den Mund.

Aufgebracht wirft er Lolita auf die Couch zurück. Von Ihrem simulierten Weinen und Jammern nimmt der Muskelmann offenbar keine Notiz, denn er hatte schon verblüffende Erfahrungen mit solchen eiskalten Weibern gemacht, die alles dafür machen, dass sie im Mittelpunkt stehen.

„Steh auf!“, flüsterte er nur noch ihr zu, denn seine Stimme klingt gedämpft.

Nachdem Lolita nichts anderes zu tun hat, stützt sie sich mit den nackten Füßen ab und steht auf.

Mit einem Finger berührt sie ihn im Gesicht.

Sie versucht, in den Mund ein großes, breites, glückseliges Lächeln zu zaubern, und fährt mit dem Finger mehrmals die Konturen nach.

Von dort, wo Lolita steht, sieht er hübsch aus.

Er ist verzaubert von den Sonnenstrahlen, die in das Zimmer scheinen.

Plötzlich reißt Lolita ihren Mund weit auf und schreit.

Diese rauchige „Venus“-Bar hatte keine Ähnlichkeit mit all denen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe.

Es sah hier so aus, als ob hier alles passieren konnte.

Einfach alles.

Der Schuppen war dunkel, wenn ich das Mal so sagen darf. Es waren fast ausschließlich junge Männer, die meisten total besoffen, und ältere Frauen, die Vierzig, sind total hingerissen von dem jungen Fleisch.

Aber auch schon ganz schön betrunken, und wie man weiß, wird ein hässlicher Mensch nach jedem Schluck Alkohol immer hübscher und an gewissen Körperstellen immer größer.

Später gibt jeder noch seine inneren Werte preis und wirkt diese aus sich, überraschend, auch angestrengt und mit einem großen „Blub“ neben den schon bekotzten Tisch oder sonst wo hin.

Ich merkte, wie die Lautstärke nachließ, als Violetta und ich durch die Tür kamen.

Zahlreiche neugierige und zugleich freundliche Augenpaare wandten sich in unsere Richtung.

Ich bahnte uns einen Weg zur Bar und wir hofften, sinnlose Konfrontationen vermeiden zu können.

Der nette Barkeeper war ein großer Mann in den Fünfzigern, mit gesunder Gesichtsfarbe und aalglatt rasiert.

Er starrte mich beim Näherkommen mit einem Lächeln an, als ob er sagen wollte: „Du bist hier richtig, in der „Venusfalle.“

Violetta bekommt es mit, als würde sie es laut und deutlich hören.

Ein paar fröhliche und angetrunkene Leute rempelten uns an, um an die Bar zu kommen und ein paar Drinks zu bestellen.

„Es ist nett hier“, sagte ich zum Barkeeper.

„Ja, ist es“, antwortete der Mann und lächelte mir freundlich zu. „Was wollen Sie trinken?“

„Ach ja.“ „Zwei Tequila, bitte“, erwiderte ich.

Der Barkeeper griff sehr langsam nach der halbvollen Flasche, ohne dabei den Blick von Violetta zu wenden.

Ich vermutete, dass der Mann hinter der Bar hier ein Problem hatte.

Ich lächelte Violetta zu.

Sie gibt mir einen feuchten Kuss auf den Mund. Während wir vom Barkeeper noch einen großen Tequila eingeschenkt bekommen, sah ich mich in der Bar um.

„Sind sie wegen der herrlichen Sonne hier?“, mutmaßte der Barkeeper, der seine Neugier nicht zügeln konnte. „Davon gibt es hier viel: Touristen, die die Sonne anbeten.“ „Zu viel, wenn Sie mich fragen.“

„Ich frage Sie aber nicht“, unterbrach ich den Barkeeper.

Ich zog meine Geldbörse hervor und zahlte unsere Drinks.

Der Barkeeper sah auf den Fünfzig-Dollar-Scheine, dann hob er den Kopf und starrte mich an.

Einen kurzen Moment später deute er mit einer Kopfbewegung auf einem vollbesetzten runden Tisch in der hintersten Ecke der Bar.

An dem Tisch saßen betrunkene Männer und liebeslustige und jauchzende Frauen in einer Wolke von Zigarren- und Zigarettenqualm.

Vor ihnen standen jede Menge leere Schnapsgläser und eine fast leere Flasche Tequila.

Ich wurde ganz blass im Gesicht und ich wusste ehrlich nicht, was ich jetzt tun sollte.

Daher schnappte ich mir den ersten freien Stuhl, ging zu dem Tisch und fragte so gelassen, wie es noch möglich war: „Ist dieser Platz frei?“

Als niemand antwortete, setzte ich mich cool auf den klebrigen Stuhl und schluckte.

„Ich weiß, wer du bist“, sagte einer von der Tischrunde, den die anderen nur James riefen.

„Das macht die Sache ein bisschen einfacher“, erwiderte ich.

Die sabbernden Männer am Tisch starrten Violetta an.

Sie sahen aus, als wollten sie in jedem Moment zuschlagen.

Langsam bewegte ich meine rechte Hand in Richtung Pistole.

Ich bin selbstsicher in solcher Situation und glaube dabei, wenn es losgehen sollte, auch den Überblick zu behalten.

Plötzlich änderte sich diese Situation, als James sich den Männern zu wandte und sagte in ihrer Sprache: „Es ist okay, Männer.“ »Ich weiß, was dieser Mann will.«

Was er da sagte, dass er weiß, was ich hier will, dann wusste er mehr als ich, denn so richtig wusste ich noch nicht, was ich hier in Key West sollte.

James gab Violetta einen Wink, um näher zu kommen und sich mit an den Tisch zu setzen.

„Wollt ihr einen Drink?“, fragte er freundlich.

Violetta nickte und ich meinte nur, dass es in Ordnung sei.

James schenkte für mich und Violetta, für sich selbst und dann für die anderen Tequila aus der fast leeren Flasche auf dem Tisch ein.

Er grinste Violetta träge zu und kippte sein Glas auf einen Zug hinunter.

Ich trank langsamer, denn ich ahnte, dass es besser war, seine fünf Sinne beisammen zu behalten.

„Komm mit!“, sagte James zu mir.

Mit unsicheren Bewegungen stand er auf und ging voraus zur Männertoilette im rückwärtigen Teil der Bar. James versicherte sich, ob niemand auf der Toilette ist, und verriegelte dann die Tür hinter sich, so gut es ging, und lehnte sich an ein stinkendes Wachbecken, das so aussah, als würde es gelegentlich als Urinalbecken benutzt werden.

Wie es bei öffentlichen Toiletten nun mal oft der Fall war, wurde diese nicht einmal den Hygienestandards in Deutschland gerecht.

Aber ich störte mich in diesem Moment nicht daran, denn ich wollte wieder raus zu Violetta in die Bar.

Und James?

James schien sich an diesem gewohnten, ätzenden Geruch nicht zu stören.

Langsam wickelte er ein rotes Tuch auseinander und ein großer Dolch kam zum Vorschein.

„Das ist ein Dolch, was?“, sagte er und lächelte verzückt.

Ich betrachtete die Stechwaffe und war sehr fasziniert.

Sie war sehr alt und schön, ein Dolch mit einer sehr scharfen Klinge und einem polierten Griff.

James reichte mir den Dolch und ich nahm ihn in meine feuchte Hand.

Der elegante Dolch war nicht schwerer als er aussah.

„Sieht ja ganz schön aus“, sagte ich.

„Willst du mich verarschen?“, fragte er mich und lachte. „Der Dolch wurde für einen reichen Schnösel angefertigt und ich habe ihn jetzt, denn er kann ihn dort, wo er jetzt ist, nicht mehr gebrauchen.“

Ich nickte und betrachtete die wunderschöne, handgearbeitete Stichwaffe, während James mich dabei beobachtete.

Die Straßen von Key West lagen in nicht erwartungsvoller Stille.

Aber ein kleiner bunter Vogel zwitscherte wie verrückt vom Ast, sogar der Wind zog sich leicht über die sandigen Straßen.

Jedermann wartete, dass etwas passiert.

Alle Leute aus dem kleinen Ort in der Nähe von Key West versammelten sich in der brütenden Hitze des kleinen Kirchplatzes und warteten voller Vorfreude unter der sengenden Sonne.

Sie waren alle aufgeregt und in ihren Tagesklatsch vertieft.

Auf einmal verstummte die Menge.

Plötzlich wurden die Leute fast verrückt.

Die alten Frauen seufzten, ohne Grund.

Es war das Größte von allem, was sie überhaupt gesehen hatten. Aber niemand wusste, was sie gesehen hatten.

Einige dachten sogar…

Nachdem sich die erste Aufregung etwas gelegt hatte, winkte ein Mann eine junge Frau aus der Menge zu sich und bat ihr, die Erste zu sein, einen Tanz zu diesem wundervollen Rhythmus zu tanzen.

Alle Leute fingen an zu klatschen.

Die junge Frau konnte es nicht glauben, dass sie das Glück hatte, für solche Ehre vorgesehen zu sein.

Ihre glückliche Mutter und ihr respektvoller Vater waren bei ihr und waren sehr stolz, dass ihre Tochter ausgewählt worden war.

Beide waren so glücklich, dass sie ihre stolze Tochter küssten und umarmten.

Es galt als große Ehre und ausgesprochenes Glück, die Auserwählte zu sein.

Die glückliche junge Frau hielt ihre Hände nach vorn und schnippte mit den Fingern, entzückt von dem heißen Rhythmus, den die erfreuten Leute klatschten.

Die Menschen wagten kaum zu atmen.

Die junge Frau betätigte langsam ihren ganzen wundervollen Körper.

Mit ausdruckslosem Gesicht ging der fordernde Mann zu der jungen Frau, trat an sie heran, nahm sie fest an sich und tanzte mit ihr diesen ernsten Rhythmus.

„Nach der Legende ist dieser Tanz verboten, aber auch verflucht, für die Leute“, sagte James. „Ich sehe mir den Tanz gerne an, wenn er getanzt wird. Ich finde ihn total irre, dass man ihn noch tanzt und später tanzen wird. Ich meine, du siehst solche erotischen Tanzformen auch in einer Bar, in keiner normalen Bar. Es ist aber nicht das Gleiche, als wenn du herumläufst und siehst, wie ein Liebespärchen diesen Rhythmus tanzt. „Jemand hat diesen Tanz vor hundert Jahren oder so getanzt.“

Ich betrachtete diesen Tanz mit neuer Wertschätzung und Respekt.

„Das ist ein wahnsinnig leidenschaftlicher Tanz“, erzählte Violetta. „Auch als Vorspiel gedacht, verstehst du?“ „Man möchte nicht mal wissen, was einem bei diesem Tanz so alles bewegt.“

„Du hast wahrscheinlich Recht“, erwiderte ich. „Was mich auf die unmoralische Idee bringt, ist, dass du die wertvollste Frau in meinem Leben bist und ich dich schleunigst ins Hotel bringen muss und wir diesen animalisch- und rhythmischen Tanz tanzen.“

Als Violetta im Kopfteil ein goldenes Halsband fand, wurde ihr bewusst, dass ich sie liebe.

Seit Tagen war sie schon von mir auf etwas gefasst gewesen, aber das hätte sie nie erwartet.

Eigentlich wollte sie noch abwarten, aber es gelang ihr nicht, mit ihrer Liebe zu warten.

Nun, dann musste es so sein.

Als wir miteinander schliefen und ich sie im Arm hielt, stellte sie sich wirklich manchmal vor, dass sie mir die Haut abkratzte. Immer wieder mit den spitzen, scharfen und blutigen Nägeln über die gleiche Stelle kratzen – ja, bis die einzelnen Schichten sich ablösten und sie entdeckte, dass unter meiner fleischigen Hülle reines Permutiert trat.

„Was ist das?“, würden Sie jetzt laut los schreien, aber wenn Ihr Partner so manchmal neben Ihnen liegt, hatten Sie auch schon solche Gedanken.

Oft dachte Violetta an den Tag, an dem sie zum ersten Mal festgestellt hatte, dass ihr schöne Brüste wuchsen, dass kreuz und quer über ihre normalerweise leicht olivfarbene Haut rote Dehnungsstreifen verliefen.

Die sahen aus wie eine gerade erst entdeckte, geheime Wegskizze zu Schätzen ihres wundervollen, nackten Körpers.

Nach dem langen Telefongespräch mit Ihrer Freundin legte Violetta auf und sah mich forschend an.

Ich saß bequem auf der Couch las und versuchte das Buch, eine alte Krimikamelle, zu verstehen.

„Schatz, weißt du übrigens“, sagte sie, „dass unsere Kinder, falls du dir welche wünschst, mindestens ein hübsches Mädchen und ein Junge sind?“ „Das ist doch klar, oder?“

Ich nickte und schaute interessiert ins Buch.

„Na ja, mir wäre es letztendlich egal, solange du nicht darauf bestehen würdest, sie zu langweiligen und spaßbremsenden Christen zu erziehen“, versuchte ich ihr zu erklären. „Du glaubst doch nicht an den „Heiligen Gott“, den noch Niemand auf der Welt gesehen hat und sich nur in seiner fiktiven Einbildung vorstellt, oder?“ 

„Eigentlich nicht. Aber sind wir alle nicht ein wenig „Gott“?“, erwiderte Violetta.

„Ich weiß“, sagte ich und zupfte nachdenklich an meinen Ohrläppchen, „aber nur mal angenommen?“

Ich zündete mir eine Zigarette an.

„Violetta!“, wiederholte ich. „Wir werden uns irgendwann trennen und nicht heiraten.“

Aber es gelang Violetta nicht, sich den Gedanken ans Heiraten aus dem Kopf zu schlagen.

Die Trauung in einer Kirche vollziehen zu lassen, wäre ihr größter Wunsch.

Der Pfarrer hätte bestimmt keine Haare mehr auf dem Kopf.

Langsam stellte sie sich vor mir.

Ich zog sie zu mir auf den Schoss.

Sie strich mir mit den Fingern geistesabwesend über den Handrücken.

Unbewusst glitt meine Hand unter ihre Bluse. Und es gefiel ihr. Violettas Vater ist im Knast. Und Ihr älterer Bruder? Er war schon acht Jahre bei der Polizei.

Er sah ziemlich gut aus, erzählte sie mir und zeigte, als wir uns kennen lernten, Bilder von ihrer Familie.

Einmal im Monat telefonierte oder schrieb Violetta einen kurzen Brief nach Hause.

Ihr Vater und ihr Bruder riefen nie an.

Sie besuchten Violetta auch nicht.

„Du kleiner Scheißer“, polterte Violetta los, als sie mit zwei Gläsern und einer Flasche Schampus von der Hotelbar, splitternackt, zu mir kommt.

Na, ja.

Sie trug noch einen Tanga, einen roten, seidenen String-Tanga.

Dann war sie noch nicht splitternackt.

Oder?

„Was machst du da mit deinem Buch? „So solltest du meinen fantastischen und erregten Körper lesen wollen“, sagte sie, wie Violetta es auch feststellte.

Sie lehnte sich frech mit dem Rücken an die Couchlehne, um mich beim Lesen zu stören und ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen.

„Ups…, ich wollte nur mal sehen, ob ich für dich wichtiger als dein dickes Buch bin“, sagte Violetta genervt, denn es kam keine Reaktion von mir, da ich sehr vertieft in diesem spannenden Buch war.

Und? Kommt dir schon? „Oh“, fragte Violetta, schaute mich von oben herab an und lächelte.

„Allerdings?“, sagte ich, „Jede Menge nette Mädchen, die nur noch das Ficken im Kopf haben.“

„Ja, ja, gibst du den Frauen ein wenig Alkohol, tanzen sie und machen sie alles für dich“, erwidert Violetta.

Plötzlich nahm Violetta mir das Buch aus der Hand und zog mich an den Kragen hoch. Wütend legte sie ihre kleinen Hände um meinen Hals.

„Lass bitte in Zukunft mich nicht hier so eiskalt stehen, wenn ich erregt und Sex mit dir machen will, kleiner Mann, okay?“, sagte Violetta, schüttelte mich kurz am Hals und ließ mich dann los.

„Stinker“, sagte sie und nahm einen Schluck Schampus aus der Flasche.

Ich sank wieder auf die Couch.

Violetta ging ins Schlafzimmer eine Zigarette rauchen und nahm die halbvolle Flasche Schampus mit.

Violetta hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, täglich mindestens vier Mal einen sexuellen Höhepunkt zu bekommen und mich davon zu überzeugen, dass sie die Fäden zu unserem Glück in die Hände hielt.

Wenn ich ehrlich bin, oft lag sie damit durchaus richtig.

Inzwischen haben wir jeden netten Hotelgast kennengelernt.

Mit ein paar von Ihnen hatten wir uns getroffen.

Ein paar davon haben wir durchaus anziehend gefunden.

Wir hatten schöne und witzige Rendezvous.

„Was gefällt dir an einem guten Kuss, Violetta? „So mit Zunge lecken?“ „Fragte ich sie neckisch.

Ich hob zärtlich Ihr Kinn hoch. Bevor ich meine Lippen auf die Ihren legte, rannte Violetta schreiend von mir weg ins Badezimmer.

Ich verstand die Welt nicht mehr.

Aber mir war endlich klar geworben, dass Violetta nicht die Frau ist, die sie mir vorzeigte.

Eine Antwort auf meine Frage bekam ich nicht mehr.

Violetta schmollte und zickte nur noch den ganzen aufregenden Tag herum. Auch am romantischen Abend war es sehr still und nichts mit Küssen auf dem Mund.

Fortan telefonierte Violetta mit ihrer Freundin und sie unterhielten sich über die seltsamen Geheimnisse eines guten Kusses mit einem Mann, aber auch mit einer Frau.

Das Kichern von Violetta musste ich schmerzlich ertragen.

 

Kapitel 3

Ich und Violetta wankten aus dem Hotelzimmer leise ins Freie.

Natürlich war ich nur leicht angesäuselt, aber Violetta hatte es schwer erwischt.

Sie konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Die Strandparty war mittlerweile in vollem Gange. Laute heimische Rhythmen, Schreien und Gelächter erweckten den fröhlichen Eindruck: Das Leben hat für jeden Einzelnen erst begonnen.

Ich habe erkannt, was wahre Werte sind.

Auf dem Parkplatz vor der Bar waren dieselben Typen, die damit beschäftigt waren, den Mond anzubeten.

James kam plötzlich wie aus dem Nichts und eiert auf eine Mauerruine zu, um zu pinkeln.

Er ließ einen gewaltigen Strom von Tequila und schalem Bier gegen die verwitterten Mauersteine nass dahin rauschen.

Gleichzeitig plappert er, was bei seinem Zustand wahrscheinlich nicht angebracht war.

„Ich könnte jetzt so richtig ein heißes Weib bumsen“, sagte James aus dem Nichts. „Es ist eine verdammt großartige Idee, Mann, dabei rede ich keinen Scheiß.“ Das brauche ich jetzt, um zu entspannen. Oh verdammt! Jetzt habe ich mich selbst angepisst! Scheiße! Jedenfalls brauche ich es jetzt. „Es ist so, dass ich seit Wochen schon keine Frau mehr im Bett hatte.“

„Ja, das hast du?“, erwiderte ich und lehnte mich vorn an den Wagen, wo ich darauf wartete, dass James fertig wurde und die Strandparty nicht stört.

Plötzlich gab es einen dumpfen Laut, als James vor der vollgepissten Mauer zusammenbrach.

Ich wunderte mich nicht.

So, wie James den Tequila, wie immer, geschluckt hatte, wäre es nicht anders kommen können.

Ich lachte.

Mitfühlend?

Auf jeden Fall ging ich auf die dunklen Umrisse des stinkenden Bodens, auch von fremdem und unbekanntem Urin, liegendem, jammerndem James zu.

Ich stieß James mit dem Fuß locker an.

„Komm, Arschgesicht. Komm hoch!“ „Mann, du bist mit der verdammten, stinkenden Pisse eingeweicht“, versuchte ich, ihm klar zu machen.

„Soll ich dich vielleicht tagen?“, fragte ich ihn auch noch. „Warum?“, das wusste ich selber nicht. Denn er stank, wie…

Aber James hatte es in diesem Moment kalt erwischt.

Wirklich kalt.

Stinkend kalt und nass an der Hose.

Ich seufzte laut, denn die stinkende Sache wurde mir lästig und nervte gewaltig.

Also hob ich ihn auf und trug ihn schwankend von der Mauer weg.

Es ist wirklich erstaunlich, wie schwer betrunkene Leute sind, wenn sie völlig weggetreten sind.

Ich keuchte heftig, denn der Jüngste bin ich ja auch nicht mehr, als ich so weit war, James auf einer wackligen alten, wie morschen Sitzbank mit Rückenlehne zu setzen.

Es fiel mir ein, dass es besser wäre, ihn auf die Sitzbank hinzulegen, so könnte er nicht runterfallen.

Also, schaffte ich es, keuchend und ächzend, James auf die Sitzbank zu hieven – umgefallen, sodass er darauf liegt, ist er von selbst.

Die ganze Sache ist sehr wacklig gewesen.

Der Kopf von James fiel gewaltig und mit einem lauten Knall auf die Sitzlatte und spritzte diese mit Blut voll, wovon er nichts mitbekommen hatte.

„Scheiße!“, schreie ich. „Du hast dir deine zarte Birne eingeschlagen und läufst fast aus!“

Ich blickte auf meine Hände und sah, dass sie voller Blut waren.

„Oh Scheiße!“, fluchte ich und war sehr verärgert darüber.

Ich war schlagartig nüchtern von der Strandparty geworden.

Die ängstliche und verwirrte Violetta wünschte sich, das dramatische Geschehen ungeschehen machen zu können.

Warum?

Es war passiert.

Ich zwang mich neugierig, James miefigen und dreckigen Körper abzutasten, um herauszufinden, woher, zum Teufel, noch das ganze Blut herkam.

Ich fand die Quelle schneller, wie mir lieb war.

Mir ist übel geworden und es stand mir schon bis zum Hals, aber ich konnte es noch verdrängen.

Ja. Ich musste noch nicht kotzen!

Oder mich übergeben.

Das dunkle Blut strömte aus einem kleinen, säuberlichen Loch, ganz oben, in James Kopf.

Was sehr seltsam war.

Wenn ich es bedachte?

Und was noch seltsamer war, war, wie ich es dann erschrocken feststellte.

James war verdammt tot.

Ja. Mause, Mause tot.

Er hat den Löffel abgegeben.

Die Zeitung abbestellt?

Das hätte der liebe James uns wirklich auch noch sagen können, damit wir uns darauf eingestellt hätten.

Denn, wer wird jetzt erben?

Wie durch einen plötzlichen unerwarteten Blitz aus heiterem Wunder, wunderschönem Himmel.

In der einen Sekunde pinkelte James an die Mauer und redete unklugerweise darüber, wie er eine geile, hübsche Braut flachlegen will.

Und dann?

In der nächsten unerwarteten Sekunde kriegt er eine Kugel oben in den Kopf und ist tot.

Für immer.

Ein gezielter Schuss mit einem Schalldämpfer von einem geschützten Hügel wurde zielgenau abgefeuert.

Ich sprang zur Seite, in Violettas Nähe, schlug dabei rasante Hacken und versuchte verzweifelt, weiteren Kugeln auszuweichen.

Aber es fielen unverständlich keine Schüsse mehr.

Wobei ich die Arme schützend über Violettas Kopf legte.

Ich konnte mir langsam einen Vers darauf machen.

Dann nahm ich meine Arme von Violetta und eilte um einen alten, weißen Wagen herum.

Zur Fahrerseite.

Ich schwang hinein und wahr erst einmal in Sicherheit, um so schnell wie möglich, Violetta schützend in den Wagen zu holen.

Es war eine verrückte Aktion.

Aber James war von einer Kugel aus dem Himmel getötet worden.

Abgefeuert von einem verdammten Arschloch, dem er wahrscheinlich in Schuld stand.

Ich hatte absolut keine Ahnung, was, zum Teufel, ich jetzt machen soll.

James lag da, tot, auf der alten Sitzbank.

Ich schob sicherheitshalber meine Pistole auf das verdreckte und schwarze Armaturenbrett.

Violetta beobachtete mich genau. Ihr Blick war starr.

Warum?

Das wusste sie selbst nicht, so verschreckt ist sie noch gewesen.

Nichts konnte einem die Party mehr vermiesen als ein Toter auf dem Parkplatz.

Die Leute waren alle verschwunden.

Bevor die Polizei bei ihrer Kontrollfahrt James auf dem leeren Parkplatz entdeckte.

Am nächsten Tag rief Violetta ihre Freundin Antonia an.

Denn sie war meistens zu Hause.

Bei ihrem Baby, das ich öfter im Hintergrund plärren hörte.

„Hallo, liebe Antonia!“, sagte Violetta in ihrer bedrückten und immer noch verängstigen Stimme. Hast du ein paar Minuten Zeit für mich? Ich muss unbedingt mit jemandem reden.

Auch wenn es im Moment Antonia nicht passte, ließ sich Violetta dennoch nicht abwimmeln: „Bist du und dein Baby glücklich?“ Wie alt ist dein Baby geworden? Hast du ein eher lustiges oder eher ernstes Baby? Kommt dein Baby eher nach dir oder nach seinem Vater?

Violetta übertrieb mit ihren Fragen, die Antonia auch nicht verstand: warum sie solche irren Fragen gestellt hatte.

Antonia stellte sich die Frage: „Was ist los mit Violetta?“ „Sie war doch sonst nicht so verwirrt und mit zitternder Stimme am Telefon.“

Antonia schöpfte Verdacht, dass etwas Ernstes passiert ist.

Sonst tat Violetta einfach so, als hätte sie sich verwählt.

Denn sie hörte gern Antonias Stimme.

Sie hörte sich optimistisch, aber göttlich an.

„Heute Abend leben wir unsere Träume“, verkündete ich Violetta, die vor mir saß.

„Oh Gott, was musst du im Leben für ein verrückter Chaot sein!“, meckerte Violetta.

„Keine männerfeindliche Sprüche klopfen, bitte!“, sagte ich und lächelte ihr zynisch zu. „Wenn du dich über etwas ärgerst, dann lass es nicht an mir aus.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von uns Lust hat, nach dem Ereignis mit James Spaß zu haben“, konterte Violetta ernst.

Sie musste aber im gleichen Moment grinsen wie ein nichtssagender Dämon.

„Na und?“, konterte ich zurück. „Das würde auch nichts daran ändern, dass James wieder zum Leben erwacht.“

Mit kurzen, ruhigen Schritten ging ich zu ihr, umarmte und küsste sie.

„Ich bin vielleicht ein Chaot, aber nicht verrückt.“, sagte ich.

„Lass dich nicht ärgern, mein Held“, sagte Violetta und lächelte.

„Lebe deine Träume, das ist cool, glaube mir“, sagte ich.

„Ach, Halts Maul, Spinner!“, konterte sie wieder zurück.

Violetta bohrte mir ihren Fuß in den Schoss. Im Augenblick war jede Art sexueller Betätigung verboten.

Mit einer schnellen Bewegung packte ich Violetta am Fußgelenk und drückte zu.

Zu fest?

Violetta zog den Fuß zögernd zurück, als wenn sie mich darauf provozierte und den leichten Schmerz genoss.

Und dann gab sie endlich Ruhe.

„Mehr hast du nicht zu bieten?“, fragte ich.

Ich war bei den Frauen nicht sehr beliebt.

Denn ich grinste zu viel und machte gerne Witze über sie, die entweder blöde oder wahr waren.

Ich bin ein gebranntes Kind, das schlechte Erfahrungen mit Frauen gemacht hat.

Es gab aber auch gute Erfahrungen, aber diese Frauen waren schon vergeben, mit Losern und schrecklichen Gestalten.

Andere nette und gut aussehende Frauen waren lesbisch.

Ich beobachte beim Skizzieren von irren Figuren auf einem weißen Blatt Violetta, wie sie sich vor dem Spiegel ihre Haare zurechtmacht.

Dann lehnte ich mich langsam und gemütlich zurück.

Ich malte nur noch spektakuläre Kreise und Figuren.

Das Radiergummiende vom Bleistift stellte ich auf meinen nackten, beharrten Bauch und drückte ihn hinein, bis es schmerzte.

Dabei stellte ich mir Violetta vor, ausgezehrt und splitternackt mit strähnigem Haar, wie sie sich abmühte, mit mir zu reden.

Ja, sie sollte mich um Gnade flehen.

„Fertig, Schatz!“ rief ich.

Violetta sah sich meine kreative Zeichnung an.

„Hast du von kleinen Monstermännchen geträumt?“, fragte sie mich und belächelte meine Kreativität.

„Ha ha.“ „Witzig“, konterte ich zurück.

Ich schaute im Zimmer die Runde.

Violetta kritzelte lustlos auf meine Zeichnung herum. Sie malte ein großes Auge.

Ich beugte mich zu ihr hinüber.

„Augen von der Farbe des Himmels, oder?“, fragte ich.

Sie antwortete nicht und wunderte sich nur über meine blendende Bemerkung, aber sie konnte nicht wissen, was ich damit gemeint hatte.

„Ach, bist du unter die Poeten gegangen?“, trotzte Violetta und drehte sich kurz zu mir um. „Ich habe gar nicht gewusst, dass ich einen so begnadeten Poeten neben mir zu sitzen habe.“

Violetta lehnte sich entspannt zurück.

Sie malte meine Kreise und Figuren mit schwarzem Farbstift aus.

„Ich träume vom Innenleben einer Frau“, erläuterte ich ihr. „Ich träume von weißen Engeln mit großen Brüsten.“

In einer bunten Zeitschrift sehe ich ein Foto.

Auf dem Foto war eine hübsche Frau.

Eine Mulattin mit dunklen Augen und ernstem Gesicht.

Sie streckte die Arme entgegen, als wenn sie mit mir spielen wollte.

Ich spürte sie.

Spürte intensiv, wie schwer sie mir im Arm lag, als sie einschlief und den Kopf an meine Brust schmiegte.

Sie fand Geborgenheit in den fremden Armen eines Mannes.

„Bist du mein Märchenprinz?“, hörte ich Sie fragen.

Ich betrachtete ihre Augen und sah schon jetzt den Tod der Einsamkeit darin, der sie umhüllte wie duftige Gaze, durchsichtig und zart.

Dennoch untrennbar mit ihrem Körper verschmolzen.

Ich hob einen leichten Zweig vom Boden auf und kratzte damit zärtlich über ihr sanftes Gesicht.

Die bunten Farben lösten sich ab, dünne, weiße Linien verliefen kreuz und quer über ihren winzigen Körper.

Ich radierte die ängstliche Mulattin aus, ihre Arme, ihre Augen, solange, bis sie nichts mehr war als ein Nebel in meinen Gedanken. Heute gab ich Violetta den Laufpass.

Sie weigerte sich, die Pille zu nehmen.

„Ich nehme die Pille nur, wenn du mich heiratest“, sagte sie.

Ich starrte sie verblüfft an, als wäre sie verrückt geworden.

Ich finde Kondome widerlich, meinte ich, und sie muss sich etwas anderes einfallen lassen.

„Diaphragmas vertrage ich nicht“, konterte sie zurück, „weil ich ständig Blasenentzündung kriege.“

Ich wusste nicht mehr, was ich ihr sagen sollte, denn es ist ja ihr Körper.

„Warten wir noch ab“, sagte sie und lächelte, „vielleicht nehme ich ja doch die Pille, wenn ich das Gefühl habe, dass es zwischen uns ernst wird.“

„Violetta, für mich ist es aber nicht ernst, das weißt du, und nicht der richtige Augenblick, darüber zu diskutieren.“ gab ich zur Antwort. „Ich will mich jetzt noch nicht binden, versteh das doch.“

„Vielleicht willst du es ja doch und weißt es nur noch nicht. „Du hast nur Angst davor“, sagte sie.

„Vielleicht will ich es aber nicht“, erwiderte ich verärgert. „Ich glaube, wir wollen nicht das Gleiche.“

Am Abend vereinten wir uns wieder wie ein Paar.

Wir rauchten Marihuana, alberten viel herum, sind nett zueinander und fassten uns an den Händen.

Violettas Bewegungen liefen in Zeitlupe ab.

Als ginge sie unter Wasser.

„Vertraust du mir, Violetta?“, fragte ich.

„Ja“, sagte sie.

Violetta stand mitten im Raum, die Arme an den Körper gelegt.

„Bitte nimm mich und fick mich!“, sagte sie. „Ich vertraue dir.“

Wie es sich ergab, war dies der gute Teil von Violettas Abend, natürlich auch meiner.

Warum so anspruchsvoll sein?

Der schlechte Teil sollte erst noch kommen.

Ich verließ das Hotel und hielt vor der ersten Telefonzelle, die ich sah.

An einer kleinen Tankstelle.

Der Inhaber war ein Mann mittleren Alters.

Er hatte erstaunlich traurige Augen und saß auf einem wackligen Holzstuhl.

Er sah neugierig zu, wie ich den mit Kaugummi beklebten Hörer mit Fingerspitzen abnahm.

Wie besessen wählte ich eine Nummer, die ich ausnahmsweise auswendig kannte.

Ich vertraute darauf, dass ich genug Wechselgeld in den Schlitz geworfen hatte. Wundersamerweise hatte ich so viel Wechselgeld. Rudi Weller nahm nach dem zweiten Rufzeichen ab.

Die Verbindung war saumäßig nach Hamburg.

Ich hielt mir das andere saubere Ohr zu, um besser hören zu können.

Aber, wie es kommt, es war, als würde man auf einer Baustelle mit jemandem in einem Betonmischer sprechen.

„Herr Weller, Moment!“ Hören Sie einen Moment auf zu reden. „Sie reden dauernd dazwischen“, schrie ich durch den Telefonapparat. Ich holte erst einmal Luft. „Ja, ich habe die Pistole für Ihren Auftrag.“

„Aber wie ich Ihnen anfangs gesagt habe, gibt es da ein kleines Problem“, stellte ich nachdenklich fest.

„Der Scheißkerl ist ihnen abgehauen?“, vermutete der Herr Rudi.

Herr Rudi Weller aß irgendetwas, vielleicht einen Snack.

Er schmatzte sehr geräuschvoll.

Das verbesserte die Verständigung nicht gerade.

„Er ist ein Janky und Säufer, das Stück Scheiße.“ sagte er laut. „Geh in eine andere Bar oder zu einem Treffpunkt, wo die Jankys sich immer treffen.“ „Dort wirst du ihn treffen und das Stück Scheiße kalt machen.“

Ich hätte mir immer gewünscht, dass es manchmal so einfach gewesen wäre.

„Dieser Scheißkerl ist tot.“ „Rudi, haben Sie gehört?“, versuchte ich, diesen Mann klar zu machen.

Ein Wunder war geschehen. Rudi Weller hatte aufgehört zu schmatzen.

Auf dieser unruhigen Telefonverbindung entstand eine ungewöhnlich deutliche Pause.

„Ja, ich habe es gehört“, sagte Rudi Weller schließlich. Wie konnte das passieren? 

„Er hatte Pech, da war ein Killer schneller als sie, der mich beauftragt hatte“, erwiderte ich. Er wurde von einer Kugel im Kopf getroffen. Er ist tot. Der kleine, niedliche Scheißer lag vor seinem Wagen. „Und jetzt ist er mause, mause tot und liegt in der kalten, miefigen Leichenkammer.“

„Jesus, Roger, das ist kein kleines Problem.“ Verstehen Sie das? Das ist ein großes Problem. Der Kleine Scheißer ist von den „Angels“ die zweite Hand.

Was? Was? Sie wollen mich fertig machen. „Oder?“, fragte ich nervös, denn wenn es so wäre, hätte ich viele Probleme.

„Nein, ich will sie nicht fertigmachen. Oder wussten sie es nicht, dass sie sich mit den „Angels“ anlegen?“, versicherte Rudi Weller.

Ich umklammerte den Telefonhörer und verfluchte meine übliche Situation.

So oder so.

Ich steckte mal wieder mit einem Auftrag voll in der stinkenden Scheiße.

„Diesmal haben sie wirklich scheiße gebaut“, versuchte Rudi Weller mir einzureden.

Warum habe ich diese Scheiße gebaut? Denn ich habe diesen Kerl ja nicht erschossen.

„Wie könnte ich denn auch nur irgendetwas damit zu tun haben?“, wollte ich wissen. „In der einen Minute verpisst der Scheißer sich selbst, in der nächsten Minute liegt er tot voll mit der Schnauze im Dreck“, fügte ich hinzu.

„Rühren Sie sich nicht vom Fleck!“, sagte Rudi W. Ich komme sofort. „Ich nehme den nächsten Flug und helfe ihnen, diese Scheiße bei dem „Angels“ klarzustellen.

„Mein Gott, wenn es einen gibt, Rudi.“ Was soll ich denn tun? „Wie?“, fragte ich verwirrt und ich muss auch zugeben, ein wenig Angst hatte ich auch. „Vielleicht sollte ich den Boss der „Angels“ anrufen.

Ja! Oder? Nein! , Roger ... Um Himmels Willen, nein! Ich glaube, es ist das Beste, wenn ich selbst hingehe und dem Boss der „Angels“ erkläre, was los ist. Ich mache mich fertig und komme hin. „Bleibe einfach im Hotel, wo du bist.“

Herr Heller, sie erklären es dem Boss der „Angels“, okay? Sagen sie ihm, dass ich nicht einmal wusste – jedenfalls zu dem Zeitpunkt, wer der Kerl war. Okay! „Rudi, sonst sind Sie der Nächste, der bei mir auf der Liste steht.“

Plötzlich war die Verbindung tot.

Ich atmete tiiiiiiiief durch und versuchte, gelassen zu sein. Über die tödliche Situation musste ich vernünftig nachdenken.

Dann?

Dann knallte ich erst den Hörer mit voller Wucht gegen das zerschrammte Telefon.

Während ich das tat, bemerkte ich eine neugierige und langsame Bewegung, die sich im Glas der Telefonzelle spiegelte.

Ich drehte mich um.

Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen.

Ein absolut heißer, feuerroter Karo-Ass stand neben der Telefonzelle.

Ein junger Möchtegern, Anfang zwanzig, ein Yuppie, hing aus dem Fenster an der Fahrerseite des Wagens.

Ich wunderte mich, wie der Franzose hier hergekommen ist, dann noch so schnell und unbemerkt. Das Karo-Ass sollte eine Studie bleiben. Dieser Wagen fährt mit vier Zylindern, 2,2 Litern Diesel, und hat 175 PS.

Ja, ja.

Und ist mit so viel „Schickimicki“ ausgestattet.

Plötzlich fliegen Kugeln durch die Telefonzelle, die sein Freund vom hinteren Sitz abfeuerte.

Vor Begeisterung hatte ich es nicht bemerkt, dass im Wagen noch jemand sitzt und auf mich zielt.

Aber der Schütze wollte mich nicht treffen, denn das hätte er leicht erledigen können.

Sollte es eine rasante Warnung gewesen sein?

Aber von wem?

Bin ich jemanden schon zu dicht herangetreten und habe es nicht bemerkt?

Ich erwachte schlagartig zu brüllendem Leben.

„Oh nein!“, stieß ich laut hervor.

Ich wollte die Tür der Telefonzelle aufstoßen. Dabei hantierte ich hilflos noch mit der Klinke, als der Wagen noch einmal vorbeifuhr und beschleunigte.

„Du lebst gefährlich!“, rief einer aus dem Wagen und belächelte meine schockierende Situation.

Ich fluchte.

Und wie ich geflucht habe, denn diese Spinner hätten mich ja echt treffen können.

Meine Knie wurden weich.

Auf die Bordsteinkante setzte ich mich.

Ich fühlte mich elendig, wenn ich noch Gefühle hatte.

Dabei fragte ich mich nur mal so, was ich jetzt tun soll.

Vielleicht hätte ich über den Tod so mancher Todeskandidaten hinweggesehen, wenn ich so manche brauchbare Information bekommen hätte.

So, ich bin hier in Florida und soll einen Auftrag erledigen, den ich gut bezahlt bekommen habe.

Ohne genaue Informationen über die Person bin ich total erledigt, wenn ich einen Auftrag erledige.

Ich fühle mich zum Heulen, und das kann ich fühlen. Denn ich hätte wahrhaftig losgeheult, wenn dies nicht das Ende der Straße war. Ich saß lange da und war mir sicher, es musste noch einen anderen Weg geben. Ich bin nicht der traurigste Mensch der Welt, denn keiner hätte mich getröstet. Dann hörte ich einen merkwürdigen Laut. „Iiih-aaah“. Es war ein Esel. Der da schrie, als wolle man ihn an den Kragen. Dieser Esel kam die Straße hinunter und schrie: „Iiih-aaah“. Es war der jämmerlichste und trostloseste Laut, den ich jemals gehört habe. Außer von meiner Exfrau, die mich immer noch daran erinnert, wenn sie einen Scheck von mir haben will. Aber der Laut brachte mich auf eine spektakuläre Idee. Und gute Ideen habe ich immer.

 

 

Kapitel 4

Ein paar Stunden zuvor hat Demi Lange Violetta zum Mittagessen eingeladen. Violetta machte mit Frau Demi lange in der Vorhalle des Hotels Bekanntschaft. Sie gingen shoppen und kauften sich Schuhe. Ich hatte keine Lust gehabt und war noch sehr genervt, Violetta zu erzählen, was mir passiert ist. „Ach, sag doch mal!“, fragte Violetta und fixierte Demi neugierig. „Sieht Roger nicht gut aus?“ Ich hatte mir diese arrogante, solch einen Eindruck hat sie mir gegeben, junge Frau, Demi Lange, noch nicht vorgestellt. „Er ist nicht blond“, bemerkte Demi und lachte, „falls du das meinst.“

„Ich weiß nicht, was du einst?“, sagte Violetta.

„Ich bin sicher, dass Roger ein sehr netter und gut aussehender Mann ist“, erwidert Demi. „Und woher sagtest du kommen seine Eltern?“

Violetta zuckte mit den Schultern und sagte verwirrt: „Keine Ahnung, Demi.“

Violetta hätte am liebsten die rot angelaufenen Wangen auf den flachen, weißen Teller gelegt und sich auf dem kühlen Porzellan ausgeruht.

„Ist auch egal“, sagte Demi Lange mit verebbter Stimme. „Aber du willst, dass es mit Roger etwas Ernstes ist?“ Ein Stück saftige Melone würde regungslos in Demis Hand verharren.

„Ist doch egal“, sagte Violetta enttäuscht, „ob ich es will oder nicht, auf jeden Fall ist es zur Zeit nichts Ernstes.“

„Nun, meine Damen, was nicht ist, kann ja noch werden“, versuchte ich, die beiden Neurotikerinnen zu beruhigen. „Oder?“

„Spricht er vom Heiraten?“, flüsterte Demi Violetta zu.

„Wir haben gestern Schluss gemacht, Demi“, sagte ich entnervt. Es ist nicht mehr wichtig. „Wir haben uns getrennt.“

„Hör bitte auf, Roger!“, bittet Violetta mich.

Ihr standen Tränen in den Augen.

Ich stand auf und beendete diesen reizenden und witzigen Abend.

Zügig, entnervt vom Gespräch der Frauen und ohne vom Weg abzukommen, ging ich ins Hotelzimmer, um mich ein wenig auf der Couch hinzulegen.

„Tut mir leid“, sagte Demi lange und lächelte.

Als Violetta später ins Hotelzimmer kam, war sie sehr mit ihren Gefühlen aufgewühlt, denn damit hatte sie nicht gerechnet, dass ich so eine faszinierende Show abziehe, gegenüber Demi Lange.

„Danke“, schrie Violetta und kommt wütend auf mich zu. „Und wie gefällt es dir, wenn du mich vor den anderen darstellst, als wäre…“

„Ach, ist schon okay.“ Meinte ich.

Später erreichten wir die Klippen über dem Strand der gegenüberliegenden Straßenseite.

In der Ferne konnte ich die winzigen Gestalten der Bewohner ausmachen.

Plötzlich hörte ich überraschend Violetta laut lachen.

„Sind wir nicht schon zu weit gelaufen?“, fragte Violetta.

„Wir drehen bald um“, erwiderte ich und schaute mich auch erst einmal um, wo wir uns jetzt überhaupt schon befinden.

Am Rand einer Klippe hielt ich sie an.

Zu Violettas gebräunten Füßen fiel das Gelände ungefähr dreizehn Meter steil ab.

Es ging unten in den Sandstrand über, um schließlich im Wasser auszulaufen.

„Wir stehen am Rand einer Klippe, Violetta“, sagte ich. Im Augenblick stand ich hinter ihr und legte meine Hände auf die nackten Schultern.

„Du machst es mir nicht leicht, Roger, aber ich will dir mal vertrauen“, sagte Violetta und lächelte zynisch und sie zweifelte doch.

Denn sie hatte da so ein gemischtes Gefühl im Bauch.

Der Wind wehte ihr weites Top-Shirt an ihren wundervollen Körper.

Sie betrachtete die seltsamen Farben am Himmel und stellte sich meinen Rücken vor, der immer kleiner wurde.

Violetta spürte Verzweiflung und Angst in sich aufkommen.

„Es ist gemein, was du mit mir machst, Roger.“, versuchte Violetta mir zu verstehen zu geben und schaute weiter in den bewölkten Himmel.

„Ich konnte es doch einfach nicht so stehen lassen, was du Demi Lange einreden wolltest“, gab ich zur Antwort.

Violetta spürte meine warmen Hände auf ihren Oberarmen.

„Ich finde dich widerlich, Roger.“ sagte sie enttäuscht.

„Sieh mal, Violetta!“, sagte ich. „Die unbeschreiblichen Augen von der Farbe des Himmels sind es, nicht die Erde, die dich erstickt, aber auch neues Leben bringt, worauf es ankommt. Weißt du?“

„Augen von der Farbe des Himmels“, erwiderte Violetta, „und nicht der Erde.“

Ich betrachtete ihr Haar hingebungsvoll.

Das Haar war dunkel und lang.

Es fühlte sich weich an, als ich es mit meinen Händen berührte.

Violetta ließ es zu.

„Aber Roger, sagte sie, „deine klaren Augen sind braun.“

Ich packte sie langsam an den Schultern und fragte mich, ob Violetta wohl fort wäre, wenn wir nach Hamburg zurückkehren und nach Hause kommen würden.

Violetta stellte sich wieder die Hochzeit vor.

Aber jetzt?

Der Pfarrer war verschwunden. Ja, auch der Bräutigam war verschwunden.

Er war einfach weg.

Nur ich und die Hochzeitsgäste waren noch da.

Violetta stellte sich vor, wie sie sich an ihrer weichen, zarten, sonnengebräunten Haut kratzte, an ihrem Arm kratzte.

Die Haut abkratzte, bis es blutete.

Sie kratzte sich so lange, bis sie schließlich unter den dünnen Fleischschichten sehen konnte, woraus sie wirklich geschaffen waren.

„Hast du Angst?“, fragte ich Violetta und hielt ihre Schultern fest im Griff.

„Sollte ich?“, fragte Violetta neugierig und mit ein wenig Ironie im Unterton.

Ich gab ihr keine Antwort.

Violetta fing plötzlich an zu zittern.

„Ja“, sagte ich, „ein bisschen hat doch jeder Mensch. Oder?"

Ich legte ihr schützend die Arme um den Brustkorb und zog sie näher an mich.

Einer meiner Daumen strich wie zufällig seitlich über ihre steife Brustwarze, die sich vor Kälte aufgerichtet hatte.

Violetta war still.

Sehr still.

„Ist es angenehm für dich?“, fragte ich.

„Mhm.“, sagte sie.

Violetta atmete aus und schloss die Augen, um zu entspannen.

Dann hatte sie das unangenehme Gefühl, dass es unter ihrer Haut schrecklich kribbelte.

„Ich bin aus Dreck geschaffen.“, schrie sie laut aus sich heraus und riss sich ruckartig von mir los.

„Sollen wir jetzt wechseln?“, fragte ich erschrocken, es war leise.

Es war zu leise gesprochen, denn die Worte waren ein dicker Kloß in meinem Hals.

Ich legte meine Arme wieder um Violettas Schultern.

Es war angenehm für sie, denn sie suchte nach einer gewaltigen Reaktion von mir.

Aber welche?

Was soll ich tun und was will sie hören?

Ups, wie ein Hauch lag meine Hand auf ihrer Brust.

„Violetta, du bist aus Gold geschaffen.“, flüsterte ich ihr leise ins Ohr.

„Nein“, sagte sie, „bist du?“

„Ach, Quatsch“, erwiderte ich flüsternd, „Sollte ich?“, konterte ich überzeugend zurück.

„Nein, mein Goldjunge.“ Gab sie mir zurück und lachte.

Ich drückte Violetta noch fester an mich und lauschte, wie die Wellen aus der Ferne heranrollten.

Am nächsten Vormittag fuhr ich mit Violetta, mit einem Geländewagen, nach Fort Meyers.

Es ist bei den Einwohnern auch als die Stadt der Palmen bekannt.

Wir sehen für die nächste Zeit einem neuen Leben entgegen.

Violettas Gedanken waren noch bei Demi lange, aber beide kannten sich nicht.

Ist das normal für Frauen?

Das ständige Geradeaus der holprigen und schmierigen Straße war sehr eintönig.

Der langweilige Weg der Fahrbahn war extrem lang, wie mit einem stumpfen Messer geschnitten.

Ich hatte das Autoradio laut aufgedreht, um mich wach zu halten.

Aber auch die bunten Vögel schlugen gleich Alarm, denn wir waren im Augenblick für sie ungebetene Eindringlinge.

Das S. D. spielte „Sweet Freedom“.

Ziemlich passend, so dass Violetta ihre zickende Laune verbesserte.

Es wurde aber zum Problem für mich: Violetta sang mit und ich musste somit sehr leiden unter ihren originellen Gesangtönen.

Dies war eine atemberaubende Reise, wie Violetta sagte, mehr als nur ein aufregender, aber langweiliger Ausflug.

Hin und wieder versuchte Violetta, auf das Spiegelbild im Innenspiegel zu schauen.

Männer hatten ihr wohl gesagt, sie sei schön, bevor sie sich mit diesem Vollidioten Roger, damit meinten diese Möchtegernmatadore natürlich mich, eingelassen hatte.

Sie dachte immer noch, dass sie ziemlich gut aussah.

Ein Hinweisschild am Rande der Fahrstrecke lieferte ein Update der noch zu fahrenden Meilen. Nur der Gedanke an die noch zu fahrenden Meilen machte uns schläfrig.

Ja, sehr schläfrig.

Als wir vor Erschöpfung nicht mehr fahren konnten, bog ich auf eine eingefahrene und plattgedrückte Ausfahrt ab, die etwas geschützt vor gewaltigen und weniger gewaltigen Unpässlichkeiten war.

Ich parkte den Wagen vorsichtig, dann öffnete ich die Fahrertür und setzte mich bequem in den Sitz, um in das Fahrtenbuch zu blättern.

Violetta stöhnte. Es war eine gewaltige Hitze an diesem Tag. Ihr war sehr warm und sie strich sich den Schweiß von der Stirn und ihrem tiefen Ausschnitt ab.

Dann nahm sie sich ein Buch in die Hand und blätterte gelangweilt darin: „Wie sollte der Traummann einer Frau sein?“

Dieses emanzipierte Buch, das Frauen selbst nicht verstehen können oder wollen, war in den letzten Monaten ihre göttliche Fibel geworden und vermittelte Erkenntnisse über eine Menge kritischer Fragen.

Violetta war vertieft in persönliche Erfahrungen und bemerkte den nackten schwarzen Adonis nicht, der auf einer Seite abgelichtet war.

Auch den nackten Weißen sah sie nicht, als sie blätterte, der bei der Konkurrenz des allseitigen Lebens stand.

Sein Kopf war nahezu kahl, bis auf ein paar Haarbüschel an der Seite.

Aber dafür hatte er einen sorgfältigen Spitzbart und sah etwas spießig aus.

Violetta trank aus der Flasche einen Schluck Mineralwasser und las, ohne sich der Tatsache bewusst zu sein, dass es mir auch etwas durstete. Ihre ganze Konzentration war auf das schreckliche und männerfeindliche Buch gerichtet, wie auf die vielen Wahrheiten und Unwahrheiten, die darin niedergeschrieben worden waren über Männer. Frauen sollen, wie bekannt sein soll, zu sehr lieben und sich dadurch zu Opfern von Männern machen.

Es gibt Frauen, die gerettet werden wollen, aber es gibt auch Frauen, die es genießen, Opfer ihrer Männer zu sein, denn sie lieben ihren Mann und vergöttern sie.

Violetta nickte immer wieder, denn es war, als ob die Autorin bei ihr durchs Schlüsselloch lauschte und sich dabei Notizen gemacht hatte.

Sind Autorinnen Voyeure, die anderen bei der Liebe zuschauen?

Das seltsame Buch traf den Punkt bei Violetta.

Ich beendete das Blättern im Fahrtenbuch, um nach dem Weg zu sehen, der uns noch vorlag, und schloss das Buch.

Violetta inspirierte sich immer mehr an ihrem originellen Buch.

Sie war jetzt bereit für neue Abenteuer, bereit für alles.

Aber erst einmal musste sie pinkeln.

Sie erhob sich plötzlich aus dem Wagen, warf ihr Buch auf den Rücksitz und durchquerte mit einem fröhlichen Gepfeife eigener Komposition das dichte Gestrüpp.

Mein verfolgender Blick folgte ihr mit einem Abstand von mindestens sechs Metern.

Und über uns folgten die Blicke der kreischenden und neugierigen Vögel.

Die Damentoilette im grünen Busch war leer. Als Violetta eine geeignete Stelle betrat, ging sie an einem Ameisenhügel vorbei, den sie aber nicht bemerkte.

Im Hocken hörte sie, wie sie aus den Bäumen von den heimischen Tierexoten beobachtet wurde.

Violetta zog sich ihren Stringtanga hoch und lief wie vom Wildschein gejagt zum Wagen.

Ich bekam fast eine Herzattacke.

Bevor ich reagieren konnte, ob es fast eine erste oder letzte Herzattacke gewesen war, reichte ich ihr meine freie Hand entgegen und zog sie in den Wagen.

Angst überkam Violetta und wimmerte.

Ich schloss die Wagentüren und bat sie nicht so laut zu schreien, denn ich war schon fast taub von ihrer unbegründeten Hysterie.

„Violetta, du musst wissen, dass ich keinen Spaß verstehe.“, sagte ich und musste mir das Lachen verkneifen. „Du wirst jetzt aufhören zu heulen und zu schreien, denn es gibt keinen Grund dafür. Kapiert?"

Sie nickte und hatte die Augen weit aufgerissen.

„Ich wusste, dass du dich benehmen kannst“, sagte ich und sie beruhigte sie auch.

Ich startete den Motor, um unsere abenteuerliche und dramatische Reise fortzufahren.

Violetta legte einen Finger auf ihren Mund.

Sie entspannte sich sichtlich, nachdem sie die Lage erfasst hatte.

Dann wandte sie sich mir zu.

Ich schluckte. Dabei glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen.

Sie küsste mich.

Auf meinen Mund, als sie mit der Hand meinen Blick zu sich zog.

Ich spürte, dass ihre Nerven nicht mehr lange mitspielen würden.

Außerdem konnte ich kaum atmen, während sie mit einer Hand in meine Hose griff.

Ihr Gesichtsausdruck änderte sich langsam.

Ich schien in gewaltiger Gefahr, die mir drohte, in Violettas fordernden Augen zu lesen.

Meine Gedanken setzten aus, denn ich musste auf den Weg achten, auf den wir zurzeit uns noch befanden.

Mitten in der Kurve wirbelte sie mit der Hand in meiner Hose und riss meinen steifen Schwanz hoch.

Ich hatte keine Chance.

Aber das änderte nichts.

Ich begann zu verbrennen.

Mein harter Speer in der Hose gab nicht auf und stach in ihren feuchten Schoss.

Violetta schrie.

Ja, sie schreit mit überschlagender Stimme.

Alles, was folgte, geschah, wie sie es wollte.

Und es geschah wieder.

Aber nicht mehr in der Kurve.

Wir verbrannten in unserer Lust.

Ich lebte noch.

Zufällig versuchte ich, mich wieder auf die Straße, voll mit gewaltigen und versteckten Schlaglöchern, zu konzentrieren.

Violetta spürte, wie mein Körper nur noch zuckte. Sie schloss die Augen und schrie vor Befriedigung.

Ich schüttelte sie lächelnd von der Seite und sie tat ihr Bestes, um sich vom Neuen zu beruhigen.

„Du wirst am Leben bleiben. Vielleicht? Wenn du das tust, was ich dir sage. „Verstehst du, was ich sage?“, fragte Violetta und ich starrte auf den rutschigen Weg.

Ich nickte.

Alles, was ich mitgekriegt hatte, war, dass sie mich bis auf das Knochenmark aussaugen wollte.

Dies war alles andere als eine zügige Art der Fortbewegung ihrer hungrigen Lustgrotte.

Bei jedem lustvollen Stoß wurden meine Hoden auf und ab gestoßen.

Ich hatte das Gefühl, dass meine tauben Beine wohl für alle Zeiten im Sitzen angewinkelt bleiben würden.

Ohne Frage war es für Violetta eine antörnende Angelegenheit, mich wie auf einem Esel zu reiten.

Bei einem „Iiih-aaah!“ war eine gewaltige Stille in mir.

Etwa alle zwei Sekunden verspürte ich irgendeinen bescheuerten Zwang, mit Violetta zu laut zu stöhnen. Es gab drei Arten von Orgasmen, die ich bei Violetta spüren durfte, wie den göttlichen, dort schreit sie immer „Oh Gott- Oh Gott- Ich kooooomme!", es gab den optimistischen Orgasmus, der mich ganz schön antörnte „Ja-Ja-Ja-Jaaa-Ja-Jaaaa-Mach weiter! Fick mich durch! Und ich bemerkte auch, wenn sie mir einen Orgasmus vorgetäuscht hat: „Ja-Ja, Roger-Roger-Ja, gleich, ich komme – Roger-Ja-Ja-Jaaaaa.“

Wenn ich es mal erwähnte, konnte Violetta darüber überhaupt nicht lachen.

Langsam ließen wir das Vorland hinter uns.

Das herrliche Morgengrauen setzte gerade ein, als wir unser Ziel erreichten und ich durch den am Abend zuvor mit dem gängigen Wagen so schnell hindurchgerauscht war.

Als ich am Ende der Route angekommen war, erwachte langsam Violetta mit einem lauten Gähnen und es war hell geworden.

Ich war erschöpft, verdreckt, verschwitzt und sehr hungrig.

Violetta saß im Autositz, lächelte, sah mich beobachtend zu und seufzte über die Verrücktheiten des Lebens.

Aber, ich blinzelte sie schläfrig an.

Violetta tätschelte mich, den armen Kerl, und setzte mühselig unseren Weg zu Fuß fort.

Wenigstens sollte es jetzt, da der Tag anbrach, etwas aufregender werden.

Wir waren gerade ein paar Meter gegangen, als ich das Geräusch eines aufbrausenden und brummenden Motors hörte.

Ich drehte mich ruckartig um und sah eine Station von Propellerbooten.

Wir mieteten uns eine von diesen Propellerbooten und wir waren von jetzt an auf dem Weg in das größte Sumpfgebiet der USA, die Everglades. Während der Erkundungsfahrt mit dem rasanten Propellerboot sahen wir die atemberaubende Tierwelt kennen.

Ich streckte den Arm aus und richtete den Zeigefinger zu, der brachte der bunten Vögel Exoten.

Violetta schüttelte den Kopf und lachte laut. Sie machte einen aufgelösten und entspannten Eindruck auf mich.

Sie verstand kein Wort von dem, was ich sagte, aber ich genoss diese herrliche Gegend.

„Können wir von hier aus zurück ins Hotel mit dem Propellerboot?“, fragte sie laut. Nein, sie schrie mir es ins Ohr.

„Ja, ja“, schrie ich zurück, es müsste schon eine Richtung dort hinführen, und schneller wären wir mit dem Propellerboot auch.

„Fahren wir!“, schrie sie zurück.

Violetta sitzt mir am Tisch gegenüber.

Sie lächelte und sah die Leute, die ebenfalls an den Tischen saßen, mit Ironie zu, wie sie ihr schmackhaftes Essen vom Teller schaufelten und ihr halb leeres Glas verkrampft in der Hand nahmen, um einen Schluck zu trinken.

Violetta fand das so lustig, dass es fast peinlich für mich wurde.

Wir essen zu Abend.

Und ich habe mir Steak mit grünen Bohnen und Salat bestellt.

Violetta bestellte sich nur einen Salat.

Auf dem Tisch stand eine weiße, bauchige Vase mit einem frischen, bunten Blumenstrauß, der einen parfümierten Duft an sich hatte.

Während wir uns unterhielten, betrachte ich den Strauß und konnte Violetta nicht sehen.

Aber ich konnte erahnen, was sie auch ohne strahlenden Augenkontakt mir erzählen wollte.

Ich stützte die Ellenbogen ungeschickt auf den Tisch, wobei ich von der Tischkante mit einem Ellbogen abrutschte.

Darüber hat sich Violetta natürlich sehr amüsiert und ich brachte sie zum Lachen.

Manchmal war es gar nicht so schwer, sie zum Lachen zu bringen.

Ich öffnete den Mund beim Kauen.

Mit der Gabel gestikulierte ich so, dass die Zinken auf Violetta gerichtet sind.

Ich nicke und nicke.

Ich kam mir plötzlich vor wie der Dackel von dem Geschenkladen für die wilden Touristen, den es im Märchenland Deutschland auf dem Flughafen gibt.

„Und ich?“, fragte Violetta, denn sie hatte Appetit auf ein Happen Steak.

Natürlich sollte es auch nur ein Stück sein, denn so ein großes Stück passte in ihrem kleinen Mund nicht rein.

Sie langt über den Tisch und spießt mit der Gabel ein Stück vom Fleisch auf.

Ich konnte nicht mit ansehen, wie Violetta das zarte Stück vom Steak in ihrem Mund verschwindet.

Es war mein Steak.

Immer müssen Männer mit den Frauen teilen, aber Frauen teilen nicht mit den Männern.

Ich musste mich zwingen, meine Hände ruhig zu halten, weil ich das Stück Fleisch am liebsten retten würde.

Ich will mein Essen retten.

Aber es war zu spät, das Stück Steak wurde von ihr mit den Zähnen zermahlen und in den engen Schlund geworfen.

Ihr leerer, knurrender Magen konnte wieder herzlich lachen, denn vom nassen Salat wurde er nicht satt und er fühlte sich wie ein abgestellter, ungenießbarer Komposthaufen.

Noch am späten Nachmittag brannte die grelle Sonne herunter und die heiße Luft war erfüllt von feinem Staub und vom Flirren der erdrückenden Hitze.

Violetta zähneknirschend sauer und ich fuhren auf dem stark verdreckten Pickup mit.

Wir saßen umgeben von Hühnerkäfigen.

Wenn die Straße nicht allzu holprig war, versuchte ich, vor mir hinzudösen.

Aber Violetta konnte es klug verhindern, dass ich ihr meine Aufmerksamkeit nicht vernachlässige.

Die zwei lustigen Kleinbauern reichten uns einen Krug mit Wasser und ein paar Snacks aus dem wackligen Fahrerhaus.

Der Wagen war nicht wesentlich schneller als ich beim Laufen.

Er holperte in einem gemessenen Tempo dahin.

Damit sich nicht die Hühner aufregen konnten.

Unsere abenteuerliche und originelle Aufmerksamkeit gaben wir einem Dorf, als wir locker und ohne spektakuläre Aufregung vorbeifuhren.

Diese Bezeichnung „Dorf“ war kaum zu erspähen. Es waren nur ein paar kleine Häuser, die aussahen, als würden sie im Zeitlupentempo in der Sonne zerfallen.

Ein kleiner Junge stand auf dem Platz und überlegte, was er tun sollte. Ich entdeckte einen alten Autofriedhof.

Nur ein Stück die Straße hinunter, wo der Junge seinen Weg nahm.

Er ging träge darauf zu.

Er war noch keine elf Jahre, aber ich hatte begriffen, dass die Dinge sich hier nicht schnell bewegten, insbesondere nicht die Füße des kleinen Jungen.

Der Autofriedhof war ein von altem Maschendraht umschlagendes Grundstück, voll von rostigen Motorteilen und einzelnen Stoßstangen.

Auch alte, stark durchgerostete Karosserien von dem seltsamsten Oldtimer, sogar noch mit Türen, waren noch zu sehen.

Einer von den Fahrern des Hühnerwagens wollte sein Vorhaben schon aufgeben, als er einen alten grünen, fahrenden Pickup überraschend bemerkte, der noch vier Räder und zwei gängige Türen hatte. Auch sonst alle notwendigen Teile zu besitzen schien wie ein Wunder zu geben, einschließlich eines hässlichen, verfilzten Langhaarhundes, der auf der Ladenfläche saß mit einer erschlafften Gummiente in der fletschenden Schnauze und den Fahrer knurrend und neugierig anstarrte.

Der Truck war einmal cremefarben gewesen und später übergespritzt worden.

Aber das war lange, lange, lange her.

Wahrscheinlich, als die Christen auf dem Wasser laufen lernten.

Trotzdem hatte dieser Pickup etwas, was ihm gefiel. Er hatte einen gewissen Nostalgiewert.

Den Charme, wie der kleine Junge mit der triefenden kleinen Nase.

Der Junge blickte sich um, als ich einen verhutzelten alten Mann erblickte, der ihn aus dem Schatten eines Blechschuppens beobachtete.

Er tat so, als wäre er der Eigentümer des Autofriedhofes gewesen.

Violetta hatte vor Wut nun schon die Geduld verloren und kam mit dem anderen ungeduldigen Fahrer auf uns zu, um zu sehen, was Sache ist.

Der Wagen wurde ja schon vorher an der Kreuzung ruckartig geschützt unter einem Baum abgestellt, was den aufgeregten Hühnern nicht bekam und ihnen sinnlosen wie übertriebenen Krach machte.

Die Sache hatte keine Ähnlichkeit mit einem Autoverkauf. Aber die zwei Pickupfahrer brauchten unbedingt einen neuen fahrbaren Untersatz.

Und jetzt?

Die zwei standen jetzt vor dem heiklen Teil, der knallharten Geldfrage.

Ein unmoralisches Angebot?

Unglücklicherweise besaßen die beiden Pickupfahrer keinen einzigen Cent, bis auf ein paar verlorene Münzen in ihrer Hosentasche.

Einer von ihnen nahm seine Armbanduhr ab.

Nah, gut. Es war kein Designerwecker, ein Werbegeschenk, aber für ihn war diese Armbanduhr sehr wertvoll.

Er gab sie dem alten Mann und zeigte auf den Pickup.

Der alte Mann runzelte die Stirn, eigentlich hoffte er auf Bargeld.

Bares Cash, harte Dollar, Schweizer Franken.

Aber keine Armbanduhr aus dem Spielzeugladen.

Nichtssagend untersuchte er die Uhr genau und hielt sie ans Ohr, um das gewaltige Ticken zu hören.

Auf diese Weise kamen Sie bald ins Geschäft.

Violetta begriff nicht, was da vor sich ging, aber Autos sind Männersache.

Der alte, muffige Mann legte die elegante Armbanduhr um sein mageres Handgelenk und begleitete uns alle zu dem neuen Fahrzeug, wo der kleine Junge im Fahrerhaus schon Rennfahrer spielte.

Der braune Köter vom Schrottplatz saß immer noch auf der Ladefläche und besabberte alles, was er in die Schnauze bekam.

Was ein geringfügiges Problem darstellte.

Der Hund starrte mich nur an, weigerte sich, zu weichen. Die anderen konnten sich mit dem alten Mann dem Wagen nähern.

Ich hatte noch nie einen so schmuddeligen, hinterlistig aussehenden Köter gesehen, dem noch dazu ein paar Zähne fehlten und aus dem Maul stank, wie ein Stinktier aus dem Arsch.

„Sie haben einen tollwütigen Hund!“, rief ich und wurde vorsichtig, Violetta bekam es mit der Angst und suchte hinter meinem Rücken Schutz.

Die beiden Fahrer amüsierten sich prächtig über uns.

„Dagegen müssen Sie was unternehmen!“, rief ich noch einmal.

Der alte Mann bemerkte mich nicht und nahm mein neurotisches Verhalten nicht einmal zur Kenntnis. Aber der Hund rührte sich noch immer nicht vom Fleck.

Mutig streckte ich den Arm aus. Aber das erwies sich als gewaltiger Fehler. Denn der Hund knurrte und biss mir fast die Hand ab. Der alte Mann lachte und schüttelte den Kopf. Dann ging er zum Fahrerhaus, nahm eine Hundeleine heraus und gab sie einem der Fahrer. Mit der ironischen Geste, die besagte, dass der treue und liebevolle Hund zu dem Pickup gehörte.

 

 

Kapitel 5

In Miami Beach, am endlosen weißen Sandstrand, mit seinem türkisblauen Meer und strahlenden Sonnenschein, handelte ein temperamentvoller junger Mann mit Dreitagebart aus. Ware gegen Cash. Bares Cash. „Die bunten Tabletten kommen da hinein“, sagte er zu sich, lecker, lecker, und die weißen, kleinen, süßen, dort hinein. „Er brachte die kleinen Flaschen mit den Tabletten unter die Menschen.“ Zwei Wochen später fielen draußen in der bunten Welt Menschen, die diese Tabletten gekauft hatten, tot um. Der ahnungslose Mann las davon in der Tageszeitung. Ein eigenartiges Gefühl von Bedeutung wallte sehr gewaltig in ihm auf und er fand es an der Zeit, sich aus dem Staub zu machen. Er rief sofort beim Boss, seinem Auftraggeber, an und sagte, dass er nicht mehr mitmachen würde. Er würde auch nicht mehr kommen, um „Tschüs!“ zu sagen. „Warum?“, fragte der Boss interessiert.

„Haben Sie die Zeitung noch nicht gelesen?“, fragte er hektisch und beängstigend.

Er legte den Telefonhörer auf.

Dies war bereits der siebente Job, dessen er innerhalb eines Monats übers Ohr gelegt wurde. Aber manchmal wurde er auch überdrüssig geworden.

Drei Tage zuvor hatte er einen Job. Er sollte Immigranten die deutsche Sprache beibringen.

Wo spricht einer schon die deutsche Sprache?

Keiner.

Er hatte zu seiner Belustigung ihnen alles falsch beigebracht.

Denn er sagte zu den Ahnungslosen: „Möse oder Muschi heißt Frau und Arschloch heißt Freund.“

Aber nun war es an der Zeit, sich wieder zu verändern.

Der Mann wurde manchmal in seinem verrückten Leben seinem Namen gerecht, denn er hieß Hannibal Loserfield.

Er band sich eine blauschwarze Krawatte um, betrachtete sich im Spiegel und lächelte.

Dieser motivierte Anblick zwang ihn immer dazu, „Ja, Ja, Ja, ich bin der Beste“ aus sich heraus zu schreien.

Dieser Mann war ein gut aussehender Lebenskünstler.

Er war ein hübsches Kind und als Teenager sind die frechen Mädchen ihm hinterhergelaufen.

Diese unmoralische Gesetzmäßigkeit empfand Hannibal Loserfield als sehr störend.

Violetta nahm sich vor, einen entspannten Schönheitsabend einzulegen, und lag in der Badewanne, um sich vom Schaum, der nach duftenden Rosen roch, zu inspirieren.

Das ist so ein Zeitpunkt, wo sie überhaupt keinen Nerv für mich hatte und ich mich stillschweigend aus der Wohnung verzog.

Heute nahm ich mir vor, einmal in die Bar zu gehen, um ein paar Leute kennenzulernen.

Ohne es zu bemerken, verschwand ich aus dem Hotelzimmer.

Als ich die Bar „Arni“ betrat, wurde ich sofort von den Leuten begafft. Ich nickte, was bedeutete „Hallo ihr Hosenscheißer!“.

Ich setzte mich neben einen Mann, der nachdenklich an die Wand starrte.

Es war Hannibal Loserfield, der sich einen alkoholischen Rausch antrinken will und über sein Leben nachdenkt.

Er hatte beschlossen, für eine Weile einer ruhigen, wenig aufregenden Tätigkeit nachzugehen.

Etwa Briefträger?

Aber hier fand er seinen Meister.

Ich, ja, ich war der Meister, den er zuerst zum Drink einladet.

Heute trug ich ein goldenes Kettchen um den Hals und sprach sehr intellektuell.

Und war ehrlich.

Glaubte ich.

Hannibal machte sich zur Gewohnheit, den Leuten immer direkt in die Augen zu schauen, wenn sie ihm etwas erzählen wollen.

„Also, jetzt will ich dir mal meine ehrliche Meinung sagen“, sagte Hannibal Loserfield, was er dann auch tat. „Ich kann dich aus verschiedenen Gründen nicht leiden.“

„Wirklich gut gesagt“, sagte ich und lächelte.

Hannibal Loserfield holte, ohne damit aufzufallen, seine Pistole aus der Tasche.

Ich hatte meine im Hotel gelassen, denn dieses Ding wird mit der Zeit lästig, wenn ich sie nicht benutze.

„Hallo, du Klugscheißer.“, murmelte Hannibal. „Ich werde dich bestehlen, dich ausrauben, beklauen.“

Ich verstand nicht, was der Typ von mir wollte.

„Du willst mich… Was?“, konterte ich zurück. „Sprich lauter, dass ich dich verstehen kann.“

„Bestehlen.“ sagte Hannibal, so laut er es konnte.

Was durchaus nicht sehr laut war, denn die anderen in der Bar haben es noch nicht verstanden gehabt.

„Ich will jetzt verschiedene Sachen stehlen“, erklärte er mir, „dein goldenes Kettchen zum Beispiel, deine Armbanduhr zum Beispiel.“ „Deine Frau zum Beispiel, wenn du überhaupt eine süße Maus hast, so wie du nach Nuttendiesel stinkst.“

Ich wurde wütend.

„Tu dir keinen Zwang an!“, erwiderte ich, völlig entspannt.

Schnell fühlte sich Hannibal von mir verarscht und feuerte einen Schuss ab und traf einem unbekannten Gast ins Knie.

Der Mann schrie auf und setzte sich jammernd auf den Fußboden.

Hannibal strafte die breiten Schultern und nahm sich aus der Kasse, was er kriegen konnte.

Zunächst befahl er und schreit einer zitternden Frau zu, dass sie an der Tür warten soll.

Er versuchte, einen Angst einflößenden Blick auf ihr Hilfe suchendes Gesicht zu werfen.

Hannibal Loserfield wollte auch wissen, welche exotische Art von Frauen sich gut aussehende Typen von Mann wohl an den Nagel reißen.

Aber unter den langen schwarzen Haaren, die ihr ins Gesicht hingen, konnte er kaum etwas erkennen.

Anschließend befahl er mir, die goldene Halskette abzunehmen, die er anschließend glückstrahlend über seinen eigenen hässlichen Kopf streifte.

„Ich hatte bis jetzt nie eine goldene Halskette“, murmelte Hannibal zufrieden.

Schließlich streifte er durch die Bar auf der Suche nach einem Spiegel.

Aber, er kam an mehreren langweiligen, kahlen Wänden vorbei.

Als er um eine Ecke bog, fand er wieder nicht, wonach er gesucht hatte.

Direkt gegenüber dem großen Klavier, wo keiner saß, hing an der Wand ein riesiges, rechteckiges Bild von einem unbekannten Maler, in einem protzigen Goldrahmen.

Vor überwältigender Verzückung leise murmelnd hob er das Bild behutsam und mit Respekt ab.

Das wertvolle Bild hatte über viele Jahre hinweg das Vermächtnis des schönen, kreativen Malers wiedergegeben.

Es war also überaus wahrscheinlich, dass der Maler sich sogar gegenüber den groben Pinselzügen der Natur nachsichtig zeigte.

Hannibal warf einen verstohlenen Blick auf das Bild und unterdrückte gewaltsam den aufkeimenden Funken Hoffnung in sich.

Er hatte alle Mühe, sich das riesige Bild schräg unter den Arm zu klemmen.

Beim Hinausgehen schubste er die verängstigende Frau beiseite, um durch die Tür zu kommen.

Als Hannibal aus der Bar war, bemerkte er, dass er mit seiner Aktion voll überfordert gewesen war.

Ihm wurde leicht schwindlig und er taumelte zu seinem Wagen.

Mich ließ er brüllend in der Bar, am Tresen, zurück.

Hannibal ließ den Motor an und fuhr los.

Aus den Augenwinkeln heraus warf er seinen Blick auf das Bild neben ihm.

Er betrachtete die ausdrucksvollen Farben und suchte nach dem über schätzbaren Wert.

Wie eine billige Kopie sah es nicht aus.

Es sah aus, wie ungefähr Rubens oder A. Dürer.

Hannibal Loserfield hatte seinen Blick stur geradeaus gerichtet.

Nach einer Viertelstunde hielt er den Wagen an, um am Fahrbahnrand auszusteigen.

Außerdem musste er nachdenken.

„Es tut mir leid“, sagte er zu sich, „es tut mir leid“, schrie er hinaus, als wolle er sich bei den Leuten in der Bar entschuldigen.

Mit großen Augen schaute er von der anderen Seite der Scheibe auf das Bild.

Er sah in den Seitenspiegel.

Er hat von der Kette einen Ausschlag am Hals bekommen.

„Oh Gott, das Scheißding ist aus Nickel“, sagte er und fluchte.

Hannibal kratzte sie wie ein Besessener am Hals.

Bevor er weiterfuhr, nahm er sich eine Zigarette und eine Schachtel Streichhölzer aus dem Handschuhfach.

Wie ein gesuchter Penner auf der Flucht trat er das Gashebel durch.

Weniger als eine Meile später bremste er ruckartig und fuhr an den Fahrbahnrand.

Er spürte förmlich diesen unförmigen Klumpen von Gesicht, der verschwommen und ängstlich ihn auf dem Hals erschien.

Hannibal wartete darauf, auf der Fahrbahn erblickt zu werden.

Ich stand unter Schock.

„Kommen Sie, bleiben Sie cool!“, flüsterte der Barkeeper mir zu. „Locker geht es am besten.“

Die junge Frau stand immer noch wie erstarrt, als sie plötzlich zu den Toiletten gehen wollte.

Auf ihrem Rock war hinten Blut zu sehen, das auch auf dem Fußboden lag.

Als würde sie innerlich ausbluten.

Ich fühlte mich unwirklich, wie in einem Traum.

Die Leute in der Bar schienen einen Bogen um sie zu machen.

Aber einige sagten sie besorgt an und die meisten blickten weg. Sie wollten in nichts hineingezogen werden.

„Bitte, bitte helfen Sie mir!“, flehte sie voller Angst.

Aber niemand griff ein.

Hörte man ihre flehende Stimme nicht?

Wer sie sah, erblickte, wo das Sonnenlicht ihre geweiteten Pupillen wie ein gleißender weißer Schleier traf.

Die schwache Frau bekam nicht genug Sauerstoff.

Sie rang schwer nach Atem.

Schon vor Jahren hatte sie Angstattacken wie diese gehabt.

Aber damals war es nur die Angst, die sie sich selbst einbildete.

Die Frau ist schwanger und hat einen Blutsturz bekommen.

Sie muss sofort ins Krankenhaus.

Ich nahm mir noch einen kräftigen Mann und hob die Frau vorsichtig auf.

Wir gingen zwischen den Reihen der parkenden Autos entlang.

„Verdammter Mist!“, fluchte der Mann plötzlich und verharrte schlagartig. „Nun sehen Sie sich das an!“

Ich verstand nicht.

Aber soweit ich es begriff, blockierten zwei Sportwagen seinen Geländewagen.

„Wo ist ihr verdammtes Auto?“, fragte ich ärgerlich und tat so, als würde ich es nicht wissen, dass sein Geländewagen von zwei Sportwagenfahrern blockiert wurde.

Er nickte in die Richtung, in der sein Geländewagen parkte.

Jede Verzögerung, ins Krankenhaus zu kommen, verschlechterte den Gesundheitszustand der Frau.

Es waren zu viele Wagen auf dem Parkplatz abgestellt: alte und neue Luxuskarossen, Oldtimer von Anno, ich weiß nicht mehr, und andere, nichts sagende Karossen.

Aber der weise Mann war nicht blöd.

Er sah seinen Wagen sofort, als wir um die Ecke bogen.

Er führte uns direkt darauf zu.

Es war ein weiterer Schock für die Frau, als der Mann ihren schnellen roten Wagen erkannte.

Eine nicht sagende Marke, wie…

„Oh mein Gott!“, schreit plötzlich jemand.

Es musste jetzt schnell gehen.

„Machen Sie schon“, drängte ich, „die Schlüssel!“

Seine Hand zitterte so heftig, dass er die Schlüssel nicht aus der engen Hosentasche herausbekam.

Ich musste es für ihn tun.

Dabei bekam er einen Harten in der Hose.

Erschrocken dachte ich nicht darüber nach.

Ob er schwul war?

Ich öffnete den Wagen und schob die Frau auf den Beifahrersitz.

Der Mann übernahm das Lenkrad und ließ den Motor an. Ich setzte mich mit auf den engen Beifahrersitz, damit sich die Frau stabil im Sitz hielt und ich sie halten konnte, wenn es zu einer brenzligen Situation kommen würde.

Und soweit es ging, rangierte er schlingend vom Parkplatz, wobei er Dutzende von Wagen verfehlte, wie auch die zwei Sportwagen, die ihn eingekeilt hatten.

Rücksichtslos jagte er auf die Ausfahrt zu.

„Sind Sie schwer verletzt?“, fragte ich.

Sie weinte wieder.

„Nein“, sagte sie, aber dann sagte sie auch „Ja“, „Ich weiß nicht…“

Sind wir jetzt beim Quiz?

Und plötzlich schrie sie: „Ein Truck!“

Entsetzt und schockiert zeigte sie auf einen Dreißig-Tonner, der direkt auf uns zu donnerte und nicht auswich.

Der Mann zog nach rechts und entging dem Zusammenstoß um Haaresbreite.

Wie viel mehr kann ein guter Mensch an einem durchschnittlichen und schönen Nachmittag verkraften?

„Anhalten!“ Fahren Sie an die Seite. „Sonst kotze ich euch den Wagen voll“, rief sie.

„Unterdrücken Sie es.“ „Versuchen Sie es wieder hinunterzuschlucken und kotzen Sie bitte nicht in meinen Wagen!“, schrie der Mann.

Aber mir wurde auch schon ganz schlecht.

Ich kann nicht. „Es kommt mir hoch“, schrie sie, als ihr schon die leckeren Reste vom Mittag im Hals steckten.

Der Mann manövrierte den Geländewagen abrupt von Fahrspur zu Fahrspur und scherte auf den Seitenstreifen aus, verfolgt vom wütenden Hupen der anderen Autofahrer, fast wie in Deutschland.

Dort hat nur die Vorfahrt, wer am schnellsten von der Kupplung kommt und die besten Beleidigungssprüche drauf hat.

Ich stieß die Beifahrertür auf, sie wankte über mich zum Böschungsrand und kniete sich hin, wie es am besten ging.

Ich war dankbar für die vorübergehende Bewegungslosigkeit.

„Ich werde's schon schaffen“, sagte sie und ich sah sie an, „es ist okay“, sie bestand darauf.

„Es ist nicht okay“, konterte ich verärgert, „stimmts?“

Sie hat die Augen verdreht. Genau, wie es Frauen eben machen, wenn es nicht so läuft, wie sie es gerne hätten. „Denn Sie entschied sich bewusst dafür, nicht hören zu wollen.“

„Warum bin ich nicht tot?“, fragte ich mich.

„He, he, jetzt bleiben Sie aber auf dem Teppich, verdammt noch mal!“, rief der genervte Mann. „Sie sind nicht tot.“ „Sie wären es jetzt, wenn wir ihnen nicht das Leben retten würden und sie so schnell wie möglich ins Krankenhaus fahren.“

„Was ist los mit Ihnen?“, fragte ich die jammernde Frau. „Möchten sie sich auf dem Rücksitz hinlegen?“

„Nein, ich glaube nicht“, erwiderte sie. Ihre Stimme klang dünn und verängstigt.

Ich sah sie an und seufzte.

Neue Tränen rinnen über ihr verschmiertes Gesicht.

Der ungeduldige Mann im blauen Anzug starrte die Frau durchdringend an, wie sie auf dem Rücksitz sich hinsetzte.

Sein nachdenklicher Gesichtsausdruck zeigte, dass sich in ihm der unangenehme Verdacht regte, die Begegnung werde in der dramatischen Weise ausgehen.

Wahrscheinlich würde es mit der verletzten Frau alles noch viel komplizierter werden.

Der Mann seufzte schwer.

„Nun, egal, was geschehen ist, ist geschehen und es gibt keinen Weg mehr zurück“, sagte er. Ich stecke wegen euch in der Scheiße. „Es ist bekannt, dass gewisse Leute, die in der stinkenden und schmierigen Scheiße stecken, ein bisschen unberechenbar werden, was ihre ungewisse Zukunft betrifft.“

„Ist Ihr Einschätzungsvermögen umnebelt?“, fragte ich ihn.

„An diesen Gedanken sind eine Menge intellektueller Leute interessiert“, erwiderte der Mann. „Die überforderte Situation, mit der wir es hier anscheinend zu tun haben, könnte man mit „Wer die Frau hat, hat viele Probleme“ überschreiben.“

Der Mann startete den Motor und fuhr weiter.

Die Frau konnte nicht glauben, was sie hörte.

„Das ist mal wieder typisch Mann“, sagte die Frau übellaunig und blickte mich an. „Hören Sie, Sie und ihr Kumpel, damit meinte sie mich, haben beschlossen, mich ins Krankenhaus zu fahren. Okay. Ende."

„Sie scheinen ein nettes Mädchen zu sein“, sagte der Mann unerwartet.

„Danke.“ antwortete sie würdevoll. „Aber es ist eine subjektive Tatsache, dass ein lebendes Individuum in lebensbedrohenden Situationen, was es auch sein mag, nach jemandem sucht, zu dem es aufblicken kann.“

„Lebensbedrohende Situationen?“, fragte ich nach.

„Ich bin, wie ich glaube, in so einer Situation“, stellte sie fest. „Sie kennen mich nicht.“ „Es ist nur menschlich, dass Sie alles tun und sagen werden, um mit heiler Haut aus der Situation herauszukommen.“

„So könnte die Psyche bei dem Menschen arbeiten.“, sagte ich und lächelte.

„Also werden wir, wie gesagt, sie schnell ins Krankenhaus fahren?“, sagte der Mann.

„Sie sehen also, es gibt nicht den geringsten Grund zur Besorgnis“, sagte die Frau.

„Großartig“, sagte der Mann.

Ich schüttelte niedergeschlagen den Kopf.

„Warum musste ich die verletzte Frau retten und warum bin ich nur hier?“, fragte ich mich selbst.

„Violetta“, sagte ich, „Ich bin müde.“

Ich streckte ein Bein aus und legte es auf die Couch.

„Du bist immer müde“, stellte Violetta fest, beugte sich vor und legte ihr Knie auf ihr Knie.

Ich drückte mich tiefer in den großen Sessel, den weichsten Sessel, den es auf der ganzen weiten Welt gab. Wenn diese noch solche Sessel kennen.

„Komm, gib mir bitte das Kissen herüber“, sagte Violetta und rauchte ihre Zigarette.

„Nein.“ Konterte ich höflich zurück.

Violetta streckte den Arm aus und packte mit der Hand ihren stinkigen Fuß.

Ich seufzte und spürte plötzlich das warme Gefühl in meinem Mund aufsteigen.

Das entspannende Gefühl, dass ich ruhig einschlafen würde, wenn ich nur ganz still wäre. Deutlich spürte ich meine Zunge im Mund.

Ich spürte, wie eigenartig sie darin Platz fand.

Violetta beugte sich zu ihren unlackierten Zehen und sprach merkwürdig zu ihrem Knie.

„Dann penn du nur wieder ein“, sagte sie, „Roger, du schläfst ohnehin viel zu viel.“ „Und du bist gerade erst aufgewacht.“

„Das weiß ich schon“, antwortete ich und wischte mir mit der Hand übers verschlafene Gesicht, „du hast recht.“

„Und jetzt gib mir das Kissen bitte!“, sagte Violetta, „damit ich auch ein Nickerchen machen kann.“

„Und ich kann darüber nachdenken“, sagte ich und lachte.

„Roger“, sagte Violetta und wechselte ihr Bein, „reiß dich zusammen, sonst…“ Violetta war die einzige geduldige und verständnisvolle Frau, die bei mir geblieben war. Sie machte viele Kompromisse, aber machte sich nicht abhängig von mir. Alle anderen Pleiten lebten in einer Märchenwelt und hatten meine Telefonnummer verloren.

Sagten diese Frauen jedenfalls.

Was ich nicht geglaubt habe, denn sie waren trotzdem alle fasziniert von mir. Ich bin charmant, habe Witz, und was dann noch kommt.

Violetta saß den ganzen Tag nur herum und blätterte in den neuen Modezeitschriften.

Während sie eine durchschnittliche Kolumne las, beschloss sie, ein Buch, einen Roman, zu schreiben.

Sie tippte mit atemberaubender Geschwindigkeit, so um die hundert Anschläge pro Minute.

Ihr war es viel lieber, zu wollen als zu bekommen.

Natürlich verhielt es sich mit Männern ebenso.

Mittlerweile hatte sie zwei hochkarätige Ringe aus aufgelösten spektakulären Verlobungen.

„Tut mir leid“, hatte sie den dummen und naiven Männern gesagt, „den kann ich nicht behalten.“

Aber merkwürdigerweise hatten alle beide darauf bestanden.

Offenbar wirkte Violetta auf sehr großzügige Männer besonders anziehend.

Ich machte mit meiner Zange herum.

Violetta schüttelte den Kopf und meinte, dass ich mich nicht so kindisch haben sollte.

Die Zunge fühlte sich weich und körnig an.

Wenn ich kräftig zudrückte, spürte ich gar nichts.

„Hast du heute Abend was vor?“, fragte sie neugierig und drückte ihr Gesicht wie eine angenehme Massage.

„Ich?“, brabbelte ich, denn ich drückte immer noch gelangweilt an meiner Zunge herum „Heut' Abend?“

Violetta stellte ihre schlanken Beine wieder auf den Fußboden.

Sie hielt sich an der Lehne des Sessels wie an einer Ballettstange fest und trainierte gekonnt ein paar Pliés.

Ich ließ plötzlich meine Zunge los und schluckte wieder normal.

„Heut Abend?“, wiederholte ich, diesmal klar und deutlich.

Violetta gab keine Antwort.

Ich wartete.

Mitten in einem Plié schmunzelte sie.

„Was genau hast du gesagt?“, fragte sie mit einer gewöhnlichen Ironie.

Ich kratzte mich zynisch am Kopf. Ich wusste nicht einmal, ob es wirklich so war, was sich jetzt abgespielt hatte.

Aber es machte mir gewaltigen Spaß, Violetta neugierig zu machen.

Sie machte eine gedehnte Rumpfbeuge und berührte mit der Stirn ihr an gebeugtes Knie.

„Ich habe ohnehin was anderes vor“, sagte sie mit gedämpfter Stimme.

Ich wurde hellhörig, denn ich konnte es nicht leiden, wenn Violetta allein ausging.

„Roger!“, sagte sie und schüttelte die Beine aus und warf mir einen stechenden Blick zu. „Geh an die frische Luft.“

Violetta ging zu mir und strich mir übers Haar.

Ich schmiegte den Kopf in ihrer Hand. Überraschend roch sie nach Vanille und Schweiß.

Sie streichelt meine rote Wange und bleibt kurz neben mir stehen. Violetta seufzte laut und verschwand ins Bad.

Nach neunzig Minuten erschien sie wieder.

Ich bin eingenickt vor der höllischen Ruhe und habe es nicht bemerkt.

„Roger!“, rief sie. „Wach auf! Ich muss dich was fragen."

Violetta drehte sich um die eigene Achse.

„Was meinst du?“, fragte sie. „Hohe Absätze oder nicht?“

Mit der Hand rieb ich mir erst einmal den Schlaf aus den Augen.

Ich schaute sie angestrengt an und versuchte, mich auf sie zu konzentrieren.

„Ja, lass es krachen!“, sagte ich nach einer Weile mit krächzender Stimme und rieb mir immer noch ein juckendes Auge. „Du siehst scharf aus.“

Violetta steckte mir die Zunge raus und verschwand pfeifend im Schlafzimmer.

Zwei Stunden später kam sie wieder heraus, mit nackten Füßen.

„Hübsch“, sagte ich.

Es klopfte an der Tür.

„Das wird er sein“, konstatierte Violetta. „Barry Lyth, ein Verleger.“

Violetta warf schnell einen Blick auf ihre Armbanduhr.

„Erwartest du jemanden?“, fragte ich neugierig und innerlich wühlte es an unbegründeter Eifersucht.

Violetta lachte.

Damit setzte sie noch einen drauf: auf meine Gefühle.

„Mein heimlicher Geliebter und Bewunderer“, scherzte sie.

Es klopfte wieder.

Violetta ging an die Tür und linste durch den Spion.

„Da draußen steht ein gut aussehender Mann.“, sagte sie.

Violetta schaute mich an und verdrehte die Augen.

Ihre frischgewaschenen Haare hängen ihr ins Gesicht.

Sie machte die Tür auf und lächelte Herrn Barry Lyth zu.

„Hallo.“, sagte Violetta. „Ist es denn schon so weit?"

Sie machte die Tür weiter auf.

Ich machte keine Anstalten, aufzustehen.

Violetta fixierte mich mit bösem Blick.

„Sie sind ja noch fixer als ich“, konstatierte Violetta Barry Lyth anerkennend.

Herr Lyth lächelte und fühlte sich geschmeichelt.

„Geh nur, Violetta!“, sagte ich.

Sie überlegte nicht lange.

Violetta lächelte und betrachtete sich ein letztes Mal prüfend im Spiegel.

Gleich nachdem die Hotelzimmertür ins Schloss gefallen war, nahm ich die Fernbedienung vom Fernseher und zappte das Programm hastig durch.

Die Luft war stickig und schwül.

Keine Violetta da, die für frischen Wind gesorgt hätte.

Und die vertraute Schwere nach dem unbeschreiblichen Sex wollte und wollte sich nicht einstellen.

Ein unbändiges Verlangen nach der erotischen Behaglichkeit überkam mich.

Das Hotelzimmer erschien mir doppelt so groß und doppelt so schrecklich einsam.

Schwer kam ich auf die Beine und wankte ins Bad. Ich fragte mich, ob man davon sterben kann, wenn die eigene Freundin, wenn auch Frau, ihre eigenen unbegründeten Wege geht und dann noch mit einem anderen Mann.

Bei Violetta war es ganz klar, denn sie war von einer erschreckenden Art hektischer Aktivität getrieben.

Zweifellos gab es etwas in ihr drinnen, das ihr den wahnsinnigen Antrieb gab.

Violettas innerer Rhythmus hingegen war so verwirrend, dass ich mich schon fragte, ob der Begriff Rhythmus bei mir überhaupt angebracht war.

Im Bad öffnete ich den kleinen Schrank der Hausapotheke über den Waschbecken.

Manchmal nahm Violetta ein paar Schlaftabletten und ein paar Packungen Schmerztabletten für die Reise mit, die sie nahm, wenn sie zu sehr aufgedreht war oder wieder einmal starke oder leichte Migräne hatte.

Was oft der Fall war.

Mit einer Hand hielt ich die Spiegeltür auf und mit der anderen nahm ich eine Packung Schmerztabletten aus dem Schrank.

Auf dem Etikett las ich, dass die maximale Dosis zwei Tabletten sind, die dreimal täglich bei Schmerzen einzunehmen sind. Ich drückte mir zwei Tabletten aus der Alufolie in die hohle Hand. Mit einer Handvoll Wasser aus dem Wasserhahn spülte ich diese großen Dinger hinunter. Müsste eigentlich wirken, dachte ich mir. Schließlich muss ich heute Abend auf Violetta verzichten und obendrein bin ich so wütend, dass ich wahnsinnige Kopfschmerzen bekam. Ich muss einfach schlafen, dachte ich. Ich setzte mich auf den nassen Kachelboden im Bad und wartete darauf, dass mich ein unbekanntes Gefühl übermannte. Dabei schloss ich die Augen und durch jede kleinste Ritze des Hotels kroch die unendliche Dunkelheit und dramatische Ruhe.

 

 

Kapitel 6

Ein kleiner, einsamer Laden am Straßenrand befand sich am Arsch der Welt, in der Mitte der endlosen weißen Strände.

Mal abgesehen von den atemberaubenden Oasen von üppig blühenden Gärten und versteckten Villen der Mafiosi-Bosse.

Da ich wie immer keine Landkarte besaß, war ich nicht ganz sicher, wo ich war.

Violetta war auch noch nicht im Hotel, als ich mich auf die Socken machte, um die Gegend am sonnigen Arsch der Welt von Florida zu erkunden.

Ich wusste nicht, wie die Bäume in so einer heißen Vegetation überleben konnten.

Ich selbst fühlte mich trocken und verwelkt.

Es war Nachmittag und ich stand vor dem Telefonautomaten an der Vorderseite des kleinen Ladens.

Ich lehnte mich an die sonnenheiße Mauer. Jetzt wünschte ich mir eine eiskalte Cola, die ich gerne gehabt hätte, vielleicht sogar auch mehrere.

Ich nahm den Telefonhörer in die Hand, um Violetta anzurufen.

Aber es nahm niemand ab.

Ich wartete noch einen Moment, vielleicht ist sie ja auch im Bad und steht unter der Dusche oder schläft noch, vielleicht in einer Villa beim Verleger, Barry Lyth, im Bett.

Dabei musste ich feststellen, dass ich einen toten Hörer in der schwitzigen Hand hielt.

Dann hatte ich endlich genug davon, Violetta anzurufen und sie nicht zu erreichen.

In diesem Augenblick knallte ich wütend über Violetta und entnervt von der Hitze den Hörer auf die Gabel und ging zurück auf die Straße.

Dann sah ich etwas Unglaubliches.

Eine schnelle Metallkarosse, die auch Rennschaltung bedeuten könnte, kam die Straße entlang gebrettert in meine Richtung.

Ich konnte es einfach nicht fassen.

In diesem offenen Sportwagen schaltet der Fahrer die Gänge so ähnlich ein, wie man sonst die Lichthupe betätigt.

Das heißt, mit Zeigefinger.

Und natürlich auch der Mittelfinger.

Wenn man diese noch an der Hand hat.

Ganz einfach.

Anfangs war es nur ein roter Punkt am Horizont. Aber nach und nach wurden bekannte Formen daraus.

Es schien unmöglich, einen rasanten, schnellen Wagen der Nobelklasse mit seinen zwei Füßen und einem freundlichen Lächeln zu verfolgen.

Aber ich war entschlossen, es wenigstens bis an der Ampelkreuzung zu versuchen.

Aber, wenn er an der Ampel anhalten muss und vergessen hat, dass das Auto keinen Schaltknüppel besitzt, versprüht der anspruchsvolle Fahrer keine Hektik, wie ich beim Verfolgen dieses Sportwagens. Die Automatik schaltet dann von selbst in den ersten Gang.

Beim Beschleunigen drückt er das rechte Bein durch und mit der rechten Hand wippt er nur bis in den fünften Gang.

Dann würde ich etwa bei 220 km/h sein, dann schalte ich in den Sechsten und der weiße Sportwagen im Rückspiegel wird allmählich kleiner.

Ich spuckte und fing an, im qualvollen Laufschritt anzuhoppeln, was ziemlich bekloppt aussah.

Trotz meiner Entschlossenheit sah ich sehr bald ein, dass es hoffnungslos war.

Ich sah nur noch, wie der Sportwagen weit voraus auf der staubigen Straße verschwand.

Ich fluchte über mich selbst und fragte mich, ob mein demütigendes Schicksal jemals etwas ändern würde.

Doch dann, nur wenige Minuten später, änderte sich mein Schicksal tatsächlich.

Ich war in die Versuchung gekommen, mich selbst zu kneifen, um sicherzugehen, dass ich nicht träume.

Denn ein Stück weiter, direkt an der Straße, war ein herunterkommendes Spielkasino.

Auf dem unbewachten Parkplatz neben dem Casino stand der Sportwagen der Nobelklasse, den ich gesehen hatte und dem ich wie ein besessener Vollidiot nachgelaufen bin. Ich grinste. Es war niemand sonst auf dem Parkplatz. Die Spieljungkies waren im Casino und genossen vermutlich ein eiskaltes Spiel am Rouletttisch. Ich stieg in den Sportwagen und griff unter das Armaturenbrett und ein breites Lächeln erhellte mein Gesicht. Mein Traum ist in Erfüllung gegangen.

Nach zehn Jahren Entzug, sitze ich wieder in einem Sportwagen, einem gängigen Sportwagen.

Die Sache fing an, mir Spaß zu machen.

Ich legte, wie man es bei der Fahrschule gelernt haben sollte, den Sicherheitsgurt an.

Aber dann?

Tat ich das Gaspedal gekonnt durch und jubelte die Maschine hoch. Plötzlich krachte es so, dass es mich sehr erschrak und schockiert hatte.

Es musste natürlich ausgerechnet mir passieren, und dann jetzt, zu diesem Zeitpunkt, rammte ich mit der Flanke des schwarzen Sportwagens. Es war nicht sehr befriedigend, das Geräusch von splitterndem Glas und knirschendem Metall zu hören. Es war mein schlimmster Alptraum, als ein paar Männer aus dem Casino strömten, um auf dem Parkplatz nach dem Rechten zu sehen und was da ablief.

Ich erkannte einen der neugierigen Männer, einen kleinen, dünnen Burschen von Mitte zwanzig, glaube ich.

Es waren überraschend Hannibal Loserfield und der Eigentümer des Casinos.

Beim ertappten Anblick des zerstörten Sportwagens weiteten sich ihre Augen unglaublich. Ernsthaft sauer und schreiend kamen sie auf mich im Sportwagen zu.

Ich ließ mich über das Lenkrad sacken, um so zu tun, als habe ich das Bewusstsein verloren.

Das hilft immer.

Na gut, fast immer.

Hannibal Loserfield sah den Chef vom Casino und zuckte mit den Schultern.

Sobald die Männer nahe genug heran waren, griff ich unters Armaturenbrett und ließ mit dem Überbrückungskabel den Motor an und verließ den Parkplatz in einer gewaltigen und stickigen Staubwolke.

Ich glaubte es nicht, dass ich es geschafft habe, die beiden Vollidioten mit den unwiderstehlichen Blicken dort stehen zu lassen, und ich war so glücklich wie schon lange nicht mehr.

Nachdem ich mich von dieser spektakulären Aktion erholt hatte, holte ich tief Luft und bereitete mich darauf vor, neue, erlebnisreiche Abenteuer entgegenzugehen.

Ich zupfte mir die Haare im Rückspiegel etwas zu Recht, damit ich wieder gut aussehe.

Dann lenkte ich den überprüfenden Blick in den Seitenspiegel und konzentrierte mich auf die Straße.

Keiner verfolgte mich mit dem Wagen.

Ich beschloss heute Nacht, unter einem Busch zu schlafen.

Es war kein besonders guter Schlafplatz.

Aber egal.

Ich würde heute im Hotel nicht gut schlafen, wenn Violetta noch nicht eingetroffen ist.

Deshalb ist mir alles recht.

Dass ich mit der Wange auf der Erde liege und neben mir der Sportwagen steht.

In einem Sportwagen ist es auch nicht besser.

Ich werde von einer Frau träumen.

Ich träume, dass sie von der Sonne braun gebrannt und nackt zum Kühlschrank geht und mir ein paar leckere Sandwiches machen will.

Danach möchte sie mit mir Splitternackt einen ausgedehnten romantischen Spaziergang am weißen Strand machen und im türkisblauen Meer fangen spielen.

Wenn ich aufwache, werde ich das eigenartige Gefühl haben, dass ich endlos mit der Frau fangen spiele, ohne müde zu werden.

Aber bevor ich einschlafen werde, nehme ich eine der Zigaretten aus dem Sportwagen und rauche sie.

Es ist schon lange her, als ich heute das letzte Mal geraucht habe.

Da ist der endlose Straßenrand.

Da bin ich.

Allein.

Ohne einen Cent.

Genau jetzt könnte durchaus ein Wunder geschehen.

Und ich warte immer noch darauf, dass dieser Gott mit mir spricht, den so manche Leute anhimmeln.

Ein paar Autos kommen vorbei und bremsen kurz.

„Haben Sie eine Panne, soll ich sie mitnehmen?“, fragte sie hilfsbereit. Aber, ich schüttelte nur den Kopf. Nein. Nicht etwa, weil ich Angst hätte, beraubt oder vergewaltigt zu werden.

Nein, ganz bestimmt nicht.

Hier draußen sind die angenehme Stille und die unbeschreiblich berauschende Atmosphäre viel friedlicher als in einem Hotelzimmer.

Ich zündete mir noch eine Zigarette an und spitzte die Ohren und horchte die Stille, so gut es mir nur irgendwie möglich war.

„Ich spreche Deutsch, Spanisch und Englisch, aber wenn ich in die Situation komme, mit dir zu sprechen, kann ich auch deine Sprache“, erzählte ich leise dem Busch. „Bestimmt.“ Sprich mit mir! Und ich höre zu. Mindestens zehn Meilen noch vor Key West bog ich im schwitzigen Hemd auf eine Tankstelle und parkte neben einer Telefonzelle an der Seite des Gebäudes.

„Was haben Sie vor?“, fragte mich der Mann aus der Tankstelle.

„Ich will ein R-Gespräch führen“, erwiderte ich.

„Mit wem?“, erwiderte er spitz.

Der Tankwart war ziemlich gereizt.

„Mit dem Monaco Oceanfront Hotel“, erwiderte ich ruhig und verlangen Sie Violetta Laube.

„Violetta Laube?“, fragte der Mann nach und schrieb mit einem Bleistift den Namen auf ein Stück verschmutztes Papier, wo sein Essen drauf lag.

„Ja. „Aber schnell, wenn ich bitten darf!“, sagte ich, wobei ich schon von diesen nach Knoblauch miefigen Typen sehr genervt wurde, denn er wurde neugierig wie ein altes Weib.

„Das ist alles?“, fragte er mich.

Ja, ja. „Wenn sie es tun, dann tun sie es jetzt und sofort“, sagte ich und wurde schon ungeduldig.

„Also gut.“ Ich rufe an. „Wie ist die Nummer?“, sagte er.

Ich starrte ihn an.

„Sie haben die Nummer“, erwiderte ich verwirrend auf seine Frage.

„Habe ich nicht“, wollte er mir weiß machen. „Sie müssen die Nummer schon haben.“

Ich hörte nicht auf, sein faltiges Gesicht zu mustern.

„Sie wollen mir sagen, dass Sie keine Nummer haben?“ „Von keinem Hotel, keinem Motel – nichts?“, fragte ich ihn und verlor die Geduld.

„Weshalb sollte ich eine Nummer haben?“, fragte er mich und grinste.

Ich schien nicht sicher zu sein, ob ich dem Scheiß glauben sollte oder nicht.

Dann durchwühlte ich meine Hosentaschen, um einen Zettel oder Irgendetwas zu finden, wie ein Streichholzschachtel aus dem Hotel.

Aber da war nichts.

„Ich glaube, Sie haben ein Problem“, sagte der Mann höhnisch.

Ich sah ihn wütend an.

Der Mann ließ sich auf seinen Stuhl herab und war mit ihm selbst zufrieden.

Als ich sein blödes Zunge schnalzen hörte, sanft, und dass die ganze sinnlose Aufregung nach der verflixten Nummer ihn nichts angeht.

„Das ist mein Job. Wissen Sie? „Ich meine, ich kann davon leben“, sagte der Mann und versuchte zu atmen, aber er fing stark an zu husten – vielleicht war es auch Asthma – und nahm sich eine von den dicken Zigarren, die auf dem Tisch lagen. Ich hatte kein Interesse an seiner Geschichte über sein langweiliges Leben. Wütend stürmte ich zum Wagen und fuhr weiter. „Warum muss immer nur mir so etwas passieren?“, dachte ich. „Eine Tankstelle, die keine Telefonnummer hat.“ Um vier Uhr früh drehte sich ein Schlüssel leise im Schloss.

Violetta schlich auf Zehenspitzen und sah, wie sich mein Brustkorb hob und senkte.

Ein entspanntes Gefühl von Stolz übermannte sie. Stolz darüber, dass sie lebte und viel Spaß hatte.

Violetta setzte sich mir gegenüber auf den breiten Sessel und befreite sich von ihren Pumps.

Der überraschende Abend war für Violetta bestens verlaufen.

Barry Lyth hatte zu der Art von Männern gehört, die so leidenschaftlich und innig küssten, als wollten sie dabei ihre Gesichter miteinander verschmelzen.

Aber in Anbetracht dessen, dass es ihr Erstes und letzten Treffen gewesen war, hatten sie auch ziemlich heftig geknutscht.

Und Violetta gefiel so etwas.

Sie ließ die schwarzen Pumps neben der Couch stehen, als sie rücksichtsvoll auf Zehenspitzen ins Bad ging. Sie knipste das Licht an.

Ich wurde erschrocken wach, streckte einen Arm aus und blinzelte mit einem Auge zum Badezimmer.

„Hast du einen schönen Abend verbracht?“, fragte ich lässig und noch müde.

Violettas Gesicht war ganz entspannt und ich fand, dass sie schön aussah.

„Kann man wohl sagen“, antwortete Violetta. „War echt gelungen und nicht nur der Abend.“ „Das Konzept zu meinem Roman hat ihm sehr gefallen.“

„Na, dann kann ich ja beruhigt sein und brauche mir keine Sorgen, um dich zu machen“, erwiderte ich.

„Okay“, sagte sie und kam, nur mit einem bunten Badetuch umgelegt, aus dem Bad. Sie legte mir die Hand auf die Schultern und flüsterte mir ins Ohr: „Vielleicht bleibe ich noch ein bisschen auf.“ „Bist du sicher, dass dir nichts fehlt?“

„Ich bin völlig in Ordnung“, konterte ich zurück und nahm ihre Hände von meiner Schulter.

Violetta hob ihre Pumps auf und verschwand im dunklen Schlafzimmer.

Während der Nacht ging Violetta ins Badezimmer, um zu pinkeln.

Abgesehen davon war es sehr still.

Viel zu still für diese Nacht, wo zuvor endlich Violetta beschlossen hatte und von ihrem Verleger wiederkam.

Nach einigen Stunden sickerte allmählich herrliches Sonnenlicht ins Hotelzimmer.

Ich beobachtete spannend, wie zwei Tautropfen sich auf der Fensterscheibe einem Wettrennen unterzogen hatten.

Allmählich hatte keiner eine Chance und die verschwanden plötzlich.

Während in Deutschland die muffigen Spaßbremsen den Regen und das Schmuddelwetter genießen, verderben sie anderen die gute Laune.

Florida, der Sonnenstaat der Vereinigten Staaten, war für mein angeknackstes Immunsystem die beste natürliche Waffe gegen die stinkende Seuchengefahr und die chronische Atomenergie. Nicht nur das tropische Klima und die weißen Strände brachten riesigen Spaß den ganzen Tag, auch das lebendige Treiben auf den Straßen und in den vollen Cafés.

Am Mittag fuhren wir mit nicht schnellem Tempo an der Küste entlang.

Ein perfekter Tag.

Violetta saß auf dem Beifahrersitz und stellte keine Fragen.

Zum Beispiel, woher ich plötzlich den Sportwagen herhatte.

Sie musterte mich etwas erstaunt und versuchte, aus diesem faszinierenden Mann, also meiner Einen, schlau zu werden.

Der gerade erst so mühelos wie erbarmungslos getötet und unschuldige Menschen entführt hatte.

„Er ist ein sehr sanft aussehender Mensch“, dachte sich Violetta leise.

Das war nicht das Aussehen, das Violetta bei einem schrecklichen und eiskalten Gangster vermutete.

Auch ich musterte Violetta, indem ich meinen prüfenden Blick abwechselnd zur Seite und wieder auf die leere Straße richtete.

„Also, was gab es, mit deinem Verleger am Abend zu essen?“, fragte ich.

Violetta wusste plötzlich nicht, warum, zum Teufel sie mir, diesem Kerl, der vor Eifersucht glüht, von ihrem persönlichen Date erzählen sollte.

Aber es rutschte ihr sowieso heraus.

„Ich will einen Roman schreiben. Dann mache ich Karriere als kreative Schriftstellerin. Die können viel Geld verdienen. Man muss die richtige Hand und die Idee haben, wenn man schreiben will. „Das habe ich und ich habe noch viel mehr kreatives Potenzial.“

Ich nickte.

„Sag mir bitte eines“, bat ich. „Wie kommt es, dass du mit diesem arroganten Kerl ausgegangen bist?“

„Kennst du ihn?“, fragte sie mich. Ich schüttelte den Kopf und fragte wütend: „Woher sollte ich diese Typen kennen?“

„Diesem Typ, wie du ihn nennst, fällt es schwer, seine Gefühle auszudrücken“, erklärte Violetta überzeugend. „Er hatte eine sehr verkorkste und schreckliche Kindheit.“ „Seine Mutter war verrückt, eine der vielen Frauen, die ständig unter Strom stehen.“

„Ich halte nichts von diesen dramatischen Lebensstorys, denn eine beschissene Kindheit mit einer drogensüchtigen Mutter, die ihre unschuldigen Kinder gedankenlos in die Welt bringt, vielleicht schon mit zwölf Jahren, wie einem alkoholsüchtigen und arbeitslosen Vater, hatte doch fast schon jeder von uns. „Oder?“, konterte ich unverständlich zurück. „Die sitzen dann doch nur noch hilflos und verkommen in den Ecken herum, betteln um einen Cent die Leute an und rauchen Joints.“

„Mag sein“, stimmte Violetta mir zu. „Aber das ändert nichts an der Tatsache.“

„Nun“, bemerkte ich, „eine Menge Leute glauben, dass sie sich aussuchen können, wen sie benutzen. Was wollen Sie? Sein Ego brechen? Ja, das tun Sie. „Sie brechen sein Selbstbewusstsein.“

„Glaubst du das wirklich?“, fragte sie zurück und starrte mich entrüstet an.

„O ja.“ Versicherte ich. „Glaube mir, Erfolg ist alles.“

Während der nächsten Fahrstrecke fuhren wir ohne zu sprechen.

Es war beruhigend und entspannend, wie wir den südlichsten Punkt der USA erreichten.

„Weist du…“, bracht Violetta mit einem Lächeln schließlich das Schweigen der Natur. Du bist ein sehr sensibler Mensch. Und das für einen kaltblütigen Killer?

Ich konnte darauf nur lächeln.

Dann fing Violetta an zu weinen.

Sie riss sich den Büstenhalter unter der Bluse weg, der ihr beim Atmen zu eng geworden war, und schmiss ihn jubelnd aus dem Sportwagen.

„Was ist das?“ fragte ich.

„Schaut her!“ „Es ist Zeit für die Befreiung der Frauen und wirft eure Tittenbecher weg!“, schreit sie laut zur leeren Straße. „Diese Brustverformer nehmen uns den Raum zum Atmen.“

Manchmal weiß ich wirklich nicht, was ich noch sagen oder glauben soll.

Dann lass ich Violetta einfach treiben.

Die Straße ist jetzt grau und gepflastert.

Der Himmel ist wolkenlos.

Nach einer Weile bin ich erschöpft und ich habe das krasse Gefühl, ich müsste schlafen.

Immer nur Schlafen.

„Ich fühle mich jetzt unglaublich gut“, meint Violetta, „nur meine Kehle ist trocken und ich brauche jetzt etwas Wasser, sonst verdurste ich.“

Später, als noch mehr Hunger und noch viel mehr Müdigkeit mich übermannen, stehen wir, wie ein Wunder, vor einem Haus.

Genau an diesem Haus klopfte ich.

Nicht nur Violetta redete vor Aufregung und Gespanntheit auf mich ein. Nein, im Haus antwortete auch jemand, es war eine männliche Stimme.

Es ist nett hier.

Die netten Leute gaben uns zu essen, zu trinken und eine Stelle zum Schlafen.

Hier unter diesem Dach, so erfuhren wir von den Gästen, quartierte sich der berühmte Schriftsteller Hemingway ein, und wir sitzen in seine Lieblingskneipe Sloopy Joes.

Gerade als ich dabei bin, einzuschlummern, seit Langem wirklich schlafen zu wollen, kuschelt sich Violetta ganz nah an mich und befummelt mich, um auf ihre erotischen Spielchen einzugehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass sie nicht einmal bemerkt hat, dass ich schon tief eingeschlafen bin. Violetta schien heute den ganzen sonnigen und wolkenfreien Tag damit zu verbringen, von einer Damentoilette zur anderen zu gehen.

Da ich Mitleid mit ihr hatte, bog ich schnell von der Fahrbahn ab und steuerte rasant auf eine alte Tankstelle zu. Ich ließ Violetta nicht aus den Augen. Sie rannte schnell zum Tankwart, um sich einen Toilettenschlüssel zu holen. Denn hier war es nicht wie in einer Stadt, wo es keine vernagelten Donnerbalken, mit einem Smogabzug in der Tür, was immer wie ein Herz aussah, für so manche entspannende Sitzungen gibt. Als wenn das wacklige Scheißhaus ein romantischer Ort zum Verlieben wäre. Es gab auch schon Leute, die sind im stinkenden, süffigen Scheißbottich qualvoll ersoffen.

Ich wartete beim Tankwart und kaufte mir noch eine Schachtel Zigaretten.

Hier stand ein alter großer Spiegel und ich dachte mir so: „Es würde mir nicht schlecht zu Gesicht stehen, wenn ich ein bisschen abnehmen würde.“ Besonders am Bauch, denn ich sah mittlerweile aus, als würde ich unter dem Hemd ein Fass Bier mit mir herumschleppen. Ich trinke kein Bier und in meinem Job ist es nicht leicht, sich vernünftig zu ernähren, vor allem wegen des Stresses und der unregelmäßigen Arbeitszeit. „Woran denken Sie?“, fragte mich der Tankwart und lächelte, „von einem lebendigen Mann oder einem toten Mann?“ „Lebendig“, erwiderte ich und sah ihn erstarrt an. Nun, was dieser Typ auch gesehen und gesagt haben mag: Er hatte Glück. Denn es gibt immer wieder Leute, die sich ihr Grab mit der sabbernden Zunge schaufeln.

 

 

Kapitel 7

Es war einmal eine Frau wie Violetta, die ständig zu spät kam, wenn sie sich verabredete. Damit niemand merkte, dass sie nicht pünktlich war und das Beste verpasst hatte, zickte sie mit jedem herum. Klar, dass keiner ihr widersprach, um nicht noch mehr angenervt zu werden. Violetta spielte den Männern ständig Streiche. Ja. Das ist jetzt kein Streich gewesen.

Violetta hatte da noch ein paar Freundinnen, deren Eltern ein tragisches Schicksal verfolgte, denn sie waren drogenabhängig.

Aber auf Partys war sie die Größte.

Violetta ist eine richtige Diva gewesen.

Sie machte den Männern eindeutige Angebote.

Sie erzählte Storys über Sex im Fahrstuhl, im Auto, im Park, in der Sauna und im Zugabteil.

Violetta brüstete sich schon manchmal damit, sich mit Männern auszukennen.

Und keiner dieser Kerle wagte es, ihre heiligen Worte anzuzweifeln.

Was die heiratsimpulsive Violetta nicht wusste, war, dass es in Deutschland eine wunderschöne Meerjungfrau gab.

Auch sie war mein Typ, Frau.

Sie trug weite, rote Röcke, keinen String hatte sie an und die Schuhe dazu waren auch passend.

Sie lief wie eine Feder über den Boden und bewegte sich auch sehr elegant dazu.

Sie war ein stilles Mädchen, diese Frau, diese Meerjungfrau.

Komisch, sie war eine charmante und intelligente Frau, die um keinen Preis auffallen wollte.

Sie war sehr schön, woran ich mich noch erinnerte.

Sie hatte bräunlich schimmerndes Haar und schwarze Augen.

Und die Frauen, die sie kannten, hielten sie für arrogant und snobistisch.

Die Männer mit ihrem unglaubwürdigen Jagdinstinkt, die nicht bei ihr landen konnten, stießen einander an und fanden das auch, was die Frauen meinten.

Von Bier wurde die Meerjungfrau beschwipst.

Sie vertrug keinen Alkohol, hatte sie gesagt.

An einem schönen Abend torkelte sie singend und lustig aus einer kleinen Kneipe.

Ich bemerkte es sofort.

Schau an, dachte ich, diese Frau ist kein Kind von Traurigkeit. Sie ist süß, die beschwipste Meerjungfrau.

Der schreckliche und unanständige Gedanke, mich auszuziehen, als wir bei mir zu Hause angekommen sind, quälte mich sehr.

Ihre Hand berührte lustvoll mein Knie und meine Augen starrten sie verwirrt an.

Ich fand Sie unglaublich sexy an diesem beschwipsten Abend.

In ihrem Kopf drehte sich alles und ihre Haare fühlten sich lebendig an.

Als sie in der Hocke den Erdboden berührte, musste sie husten.

Ja, husten und nicht kotzen.

Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.

Am liebsten hätte ich mich auf die Zunge gebissen, als ich sie mit nach Hause nahm.

Die Meerjungfrau hob den Kopf.

„Was hast du gesagt?“, fragte sie mich und es drehte sich, wie in einer Schleuder, in ihrem Kopf.

Ich setze mich neben sie und rückte ihr ein Stück näher.

Ich hatte nichts gesagt und war auch in diesem Moment still.

Die Meerjungfrau drehte vorsichtig den Kopf andeutungsweise in meine Richtung, sagte aber nichts, denn sie kotzte mir direkt vor die Füße.

Eine Wonne, das ganze Menü des ganzen Tages war versammelt in einer Lache von unverdautem, sauren, organischen, menschlichen Abfall.

Sie lief verwirrt ins Badezimmer.

Der Boden war eben und die ganze ätzend riechende Kotze lief nicht in den kahlen Ecken des Schlafzimmers.

Ich legte schnell die kurzen Läufer mit kreativem Muster zusammen und entsorgte sie im Müllschlucker, auf dem Stockwerk.

Ich hob eine weggeworfene Zigarettenkippe aus dem Aschenbecher auf, zündete sie und zog daran.

Diese Kippe schmeckte auch schon nach eckiger Kotze.

Alles in der Wohnung roch nach Kotze und das, was ich gegessen hatte, schmeckte nach Kotze.

Dieser Abend war echt, zum Kotzen.

Die Meeresjungfrau saß am Wannenrand und war nervös.

Hoffentlich ist er jetzt nicht böse, dachte sie sich und weinte.

„Was für ein Angeber“, würde sie Morgen sagen, „große Töne spucken und nichts dahinter!“

Ich ging ins Bad, klopfte vorsichtig an der Tür und sah sie da, weinend sitzen auf dem harten Wannenrand.

„Du hast schöne Haare“, sagte ich normal, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte.

„Danke“, sagte sie.

Aber sie schwieg und betrachtete mich einen langen Augenblick.

Dann sagte sie überraschend: „Wenn du willst, kannst du sie anfassen.“

„Wirklich?“, fragte ich, denn nichts wünschte ich mir sehnlichst.

„Aber ja“, sagte die Meerjungfrau und lächelte mich ermunternd an. „Und sei sehr zärtlich, bitte.“

Ich ließ die gequälte Zigarettenkippe im Stich und schmiss sie ins Waschbecken, steckte die Hand aus und strich über ihre feinen, langen Strähnen.

„Weich.“, sagte ich stilvoll.

Die Meerjungfrau, eine Frau, die im Schlafzimmer abgekotzt hatte und sehr langes Haar hatte, fing plötzlich an zu zittern.

Denn jede zarte Berührung ihres Haares am Kopf schickte winzige Wellen der Erregung durch ihren zarten Körper.

Ich streichelte ihre schimmernden Haare von den Haarwurzeln bis hinunter zu den Spitzen.

Und ich genoss es, Sie vor glühender Erregung zittern zu sehen.

Die Frau war still.

Ich hörte keinen Atem.

Sie schloss die Augen.

„Ich weiß, dass du mich bumsen willst.“, sagte die Frau, die auch eine Meerjungfrau ist.

Meine Hand erstarrte mitten in der Bewegung.

„Nicht aufhören“, sagte sie und schmunzelte, „bitte!“

„Woran hast du es bemerkt?“, fragte ich interessiert.

„Das weiß doch schon jede Frau, was Männer von den Frauen wollen“, erwiderte sie mit einer herzhaften Ironie.

Instinktiv verkrampfen sich meine Finger.

Warum eigentlich?

„Autsch!“, sagte die Meerjungfrau. „Nicht so fest, meine Lieber!“

„Willst du mich jetzt nicht mehr?“, fragte ich.

„Ach wo“, sagte die Frau, „ich mag dich.“

„Ehrlich?“, fragte ich.

„Aber klar“, erwiderte sie, „du bist süß.“

„Süß.“ Süß. „Süß“, trällerte ich und sie fing laut an zu lachen und zu schreien, weil sie es witzig fand.

Ich berührte Ihren Arm.

„Nein“, ermahnte sie mich, „nur die Haare, mein Freund.“

Ich zuckte zusammen.

Und ich strich weiter, über ihre Haare, und das langsamer als zuvor.

Ihr blasses Gesicht bekam allmählich gesunde Farbe.

Allmählich luden sich ihre Haare statisch auf und klebten unangenehm an meinen Fingern.

Meine Beine drehte ich nach innen und nach außen, denn es wurde mir schon fast ungemütlich in der höckerigen und dazu noch unbequemen Stellung.

Aber, ich hörte nicht auf, ihre Haare zu streicheln, denn sie könnte ja vor Erregung explodieren und sofort Sex haben wollen.

Ich hielt aber inne und meine Hand schwebte nur noch über ihren Kopf.

„Nicht aufhören!“, bat sie erneut und lächelte mir zu.

Von oben nach unten und wieder von oben bis unten zu ihrem knackigen Po.

„Deine Haare sind wirklich hübsch“, flüsterte ich.

Sie war still und genoss diese Zeremonie.

„Du kannst meine Haare schön streicheln.“, stellte sie fest. „Kannst du es auch so hingebungsvoll in meinem Schoss?“

„Wo war ich stehen geblieben?“, konterte ich irritiert zurück und schaute sie an.

Sie hatte aber die Augen wieder geschlossen und atmete schneller.

„Hast du was?“, fragte ich.

„Nicht aufhören!“, bat sie und atmete ganz flach.

Ich versuchte dahinterzukommen, was in ihr vorging.

Ganz ruhig blieb ich jetzt, und in diesem Augenblick streckte sie ihre Hand keuchend aus, packte und umklammerte fest an sich.

Dann machte sie den grandiosen Vorschlag, ein heißes Bad einzulassen und mit mir zu baden.

Hinterher war ich vielleicht entspannt und ich riss in der Wohnung die Fenster auf, um den würgenden Geruch der Kotze von der Meerjungfrau zu entfliehen.

Übrigens habe ich dann auch noch Ihren richtigen Namen erfahren.

Sie, Eva Klingenberg, war Innenarchitektin.

Und das ganze Missverständnis zwischen Männern und Frauen hat ja erst mit Adam und Eva angefangen, wenn ich mich schwach daran erinnern kann.

Ich befand mich merkwürdig auf einem völlig anderen Fahrtziel, ungefähr tausend Meilen weiter südlich, unterwegs mit einem Dieb und einem widerwärtigen Hund, die ich als Tramper auf der Strecke aufgelesen hatte.

Der Hund blinzelte bemitleidend am Straßenrand, als ich vorbeibrausen wollte.

Ich legte vorsichtshalber meine ungesicherte Pistole im Handschuhfach.

Eine Stunde später erreichte ich die einsame Stelle in der Gegend, wo der Dieb mal anhalten musste. Es war keine Gegend, die man für umwerfende Ansichtskarten für die neidische Verwandtschaft fotografiert hätte.

Ich hielt neben einem großen Baum.

Das Gras drumherum war platt, versengt von der glühenden Sonne, die auf den Erdboden herabbrannte.

Merkwürdig, dass ich nicht genau wusste, weshalb er sich die Mühe machte, dass ich mich unbedingt hier halten sollte.

Letzten Endes hatten wir uns ja nur ein paar Stunden gekannt.

Aber es bereitete mir trotzdem ein Unbehagen, diesen Mann in meinem Sportwagen zu haben.

Nach einem Morgen in der glühenden und schweißtreibenden Sonne sah er schon nicht mehr so gut aus.

Nachdem er im Erdboden mit den Händen eine alte große Reisetasche wie ein Besessener herausgegruben hatte, kam er langsam zum Sportwagen zurück.

„Wenn du mich töten willst“, sagte ich zynisch und gleichzeitig neugierig, „dann habe ich wenigstens das Recht, zu wissen, was du in dieser Tasche hast.“

Im gleichen Augenblick, als er sich auf den Beifahrersitz wieder setzte, nahm ich meine Pistole in die Hand.

Ich seufzte und senkte schützend die Waffe.

„Hör zu“, sagte er, „Ich werde dich nicht töten.“ Okay?

„Aber ich“, konterte ich zurück, „ich tue es nicht gern, aber wenn du mir den kleinsten Anlass gibst, dann kannst du die Engel da oben, von mir grüßen.“

„Aber warum gerade du?“, fragte er mich.

„Weil du mir nicht sagst, was los ist“, erwiderte ich ihn, mit ernster Mimik. Ich will nämlich nicht, dass du mir Schwierigkeiten machst. Kerle wie du ziehen unvorhergesehene Situationen wie ein Misthaufen die Fliegen an.

„Und ich vertraue dir nicht einmal so viel, wie eine heiße Muschi pfeifen kann.“

„Ich werde dir keine Schwierigkeiten machen“, versprach der Dieb heftig. „Wenn du mich an der nächsten Kreuzung rauslassen kannst?“ „Du wirst mich dann nie wieder sehen!“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Dies ist hier mitten in der Einöde und überall ist hier Sumpfgebiet.“ „Du wirst viel Zeit brauchen“, gab ich dem Dieb zu verstehen, „den nächsten Ort zu erreichen.“

„Genug Zeit, um zu tun, was ich tun muss“, sagte der Dieb.

„Also wirst du noch auf mich schießen?“ „Wie?“, fragte er besorgt um sich.

„Es ist die feine amerikanische Art“, erklärte ich ihm. Ich hob die Waffe erneut. „Aber ich komme aus Deutschland.“

Der Dieb war in schrecklicher Panik.

„Wie viel willst du haben?“, fragte er.

Wie viel? Was? Konterte ich fragend zurück.

„Ich habe mindestens drei Millionen Dollar in der Reisetasche“, erklärte er mir ängstlich.

„Da, wo ich herkomme“, gab ich ihn zu verstehen, „gilt es als ziemlich fair.“ »Die Hälfte!«

Da es Sinn machte für den gemeinen Dieb, eine Kugel zwischen den Augen zu bekommen, war er durchaus zur Mitarbeit bereit. Auf dem Weg ins Hotel, wo Violetta schon warten könnte oder mit dem Verleger noch verschiedene Details in einem gemütlichen Ambiente bespricht, sehe ich eine Frau in einem sehr kurzen Oberteil, das ihren süßen Bauchnabel freilässt. Der Bauch ist sportlich wohlgeformt, die Haut zieht sich in den Nabel und lässt ihn wie ein abgrundtiefes Loch erscheinen. Die Musik dröhnte laut aus dem Sportwagen. Ich spüre das unbändige Verlangen, meinen Schwanz in dieses tiefe, dunkle Nabelloch zu stecken und die Frau mit dem kurzen Oberteil zu ficken.

Sie auf dem Gehweg flachzulegen und zu nehmen.

Aber dieser leuchtende Stern, diese faszinierende Frau, geht vorüber. Ich Trottel gehe vorüber und setze meine Fahrt ins Hotel gelangweilt und geil auf Sex fort.

Natürlich passiert nichts.

Aber ich kann mir genau vorstellen, wie es ist, in eine Frau einzudringen, wenn sie feucht zwischen den Beinen ist. Da ich das Gefühl habe, ich hätte es schon einmal getan.

Mein heißer Körper liegt auf ihren glühenden, besoffen von der Eroberung.

Ich gleite langsam mit meinem Schwanz in sie hinein, und die Reaktion meiner Hüften, der Stoß.

Und dann?

Dann schreit sie meinen heißen Erguss, ohne Gnade, in sich.

Aber, ich denke an das Nabelmädchen.

Ich denke daran, dass ich Sie schockieren würde.

Das gefällt mir?

Mir gefällt es, Mädchen dahin schmelzen zu sehen.

Bei Frauen ist es verdammt schwer, sie zu fassen, denn kein Mensch weiß, was sie denken, wenn ihre Hormone verrückt spielen.

Am Abend gehen Violetta und ich auf eine Party, wo wir von unbekannten Leuten eingeladen wurden, aber das kann sich ja noch ändern.

Wie auch immer sitzen wir mit Leuten herum, die wir auch nicht besonders gut kennen oder mögen.

Aber wir unterhalten uns über die chaotischen Filme, die wir alle blöd fanden.

Violetta trägt einen kurzen schwarzen Rock von Jean P. G., aus fließendem Stoff, und eine transparente Rosé-Bluse mit sehr tiefem Einblick auf ihr Body.

Sie sieht zum Anbeißen aus.

Auf dieser Party lernt Violetta einen chaotischen Mann kennen, der sie etwas zu trinken bringt.

Er hatte ungepflegte rote Haare und Schwielen an den Händen, von einer Gitarre oder vom Golfen, denn der Kerl hatte Geld wie Heu.

In einer stillen Minute in einer ungestörten Ecke nimmt Violetta meine Hand und legt sie auf ihre Brust.

Nach drei Bier wird sie ziemlich mutig auf der Party.

Und ich?

Im Moment habe ich gerade Lust.

Erst war ich wohl verblüfft, dann aber hellte sich mein Gesicht erfreut auf und sie griff mit der anderen Hand nach mir und legte meine Hand um die schlanke Taille.

Violetta schmelzt, und sie schmälzte, wie ein toller Traum sich dahin öffnet.

In dieser heißgeliebten Nacht gehörte ich Violetta, bis die gnadenlose Wärme abflaut.

In dieser Nacht küsste ich nicht einmal miserabel, aber dafür hatte ich ganz empfindsame Hände.

Rein zufällig war die Party nur ein paar Blockhäuser vom Hotel entfernt.

Ich küsste sie auf den Nacken.

Wir rissen uns schnell die Klamotten vom Leib, wie man sich eben seiner überflüssigen Klamotten entledigt, wenn man heiß aufeinander ist.

Im Zimmer ist es halbdunkel und im Moment würde Violetta mit dem Ficken nie mehr aufhören wollen.

Ich sage ihr einfach nette Sachen über ihren wunderschönen Körper.

Während Violetta mich fickt, stellt sie sich vor, eine Frau zu ficken.

Sie ist zu dritt im Bett, ich, Violetta und der Mann von der Party, der rothaarige Typ mit den super empfindsamen Händen.

Er hält Violetta wohl für irgendein Silikon-Baby, ein Material-Girl, ein College-Baby oder eine Professional.

„Aber auf alle vier Frauentypen können die armen Männer nicht verzichten, sonst wäre ihr Leben einfach langweilig“, dachte sich Violetta. „Roger hat keine Ahnung, was ich denke, wenn er mich jetzt fickt.“

„Violetta weiß nicht“, ging mir durch den Kopf, „dass ich ein Schatten auf ihr bin, der ruckartig hineinstößt.“

„Aah“, sagte sie ständig, „Aah“.

Vor lauter Konzentration, dass Violetta keinen falschen Männernamen schrie, hat sie die Augen geschlossen.

Wenn wir miteinander schlafen, umarmt und krallt sie mich mit ihren langen Fingernägeln so fest in den Rücken, als liebte sie mich wirklich.

Also, nach meiner Erfahrung, wenn man zum ersten Mal mit einem Mädchen ausgeht und mit ihr bumst – die ganze Nacht – wenn sie so lange kann, umarmt sie einen viel leidenschaftlicher als die nächsten Male.

Denn die erwartungsvollen Nächte können wirklich nach hinten losgehen mit den Sätzen „Ich will nicht." Ich kann nicht. Und ich mache es nicht.

Beim ersten Dat springt der ahnungslose Mann sozusagen für irgendeinen Mann ein, den sie als letzten neurotisch geliebt hat, oder jemanden anderen umschwärmt und nicht kriegen kann, weil der schwul ist.

Wenn er dann aber endlich vollcheckt, sie spielt mit dir, kriegst du die netten, übriggebliebenen, inszenierten Gefühle wie einen abgenagten Knochen vorgesetzt.

Violetta und ich saßen an einem Tisch in dem „Coffeeshop“ in Fort Lauderdale, dem Venedig Amerikas, auf dem größten Flohmarkt des Landes.

Der Flohmarkt war voll von einheimischen Bewohnern und Umgebung.

Entweder kamen sie von der Glücksinsel oder sie wollten dort noch hin, in die Stadt des Wunschdenkens.

Einige der gut gelaunten Leute sahen aus, als ob sie wirklich gewonnen hätten, die meisten aber machten den unheimlichen Eindruck, als hätten sie wirklich den Jackpot gewonnen.

Violetta kostete die köstlichen Melonen und anderes frisches Obst, was hier so auf dem Früchtebuffet angeboten wurde.

Sie sagte, sie mache gerade eine Diät und das reichhaltige Angebot kommt ihr gerade Recht.

„Man kann das auf verschiedene Art und Weise betrachten“, sagte ich zu ihr, lachte und gab ihr einen Klaps auf den Po.

„Wieso?“, fragte sie mich und grinste. „Sex ist, egal was die Leute meinen oder denken, ein sehr wichtiger Bestandteil im Leben. Auch für meine Figur.“ „Kapiert, mein Süßer?“

Die Tatsache, dass ich ein aufmerksamer Liebhaber bin, besagt ja, dass es damit in Ordnung ist.

Bevor Violetta noch ein Drama daraus machen könnte.

Ja, ja. „Das ist ein wahres gutes Argument.“ Stimmte ich ihr zu und dachte darüber noch einmal konzentriert nach.

Violetta sah mich erstaunt an, denn sie konnte es nicht glauben, dass ich ihr Recht gab und plötzlich aufhörte zu reden.

Sie drückte ihre Zigarette aus und sah einen Mann an, der nicht weit entfernt am Tisch saß und seinen Whisky nippte.

Ich folgte Ihrem starren Blick.

Der Mann am Tisch war Mitte Dreißig, gut aussehend, freizeitmäßig gekleidet in blauen Jeans, einem weißen T-Shirt und ausgelatschten Turnschuhen von Puma.

Seinen neugierigen Blick traf mein Blick. Dann sahen wir beide uninteressiert rückwärts weg.

„Wie auch immer“, fuhr ich fort. „Was ich zu sagen versuche ... "

„Was war das eben?“, unterbrach mich Violetta.

„Was?“, fragte ich schockiert.

„Das, was der Typ da gerade gemacht hat“, erwiderte sie.

„Was gemacht?“, fragte ich interessiert.

„Ich weiß nicht“, sagte sie und starrte zu dem Typen weiter rüber.

„Und sie, sind sie schwul oder wollen sie mich ficken?“, frage plötzlich Violetta den Typen an, genervt.

„Nein.“ „Es ist nur…“, versuchte der Typ ihr zu erklären, und ich war schon ziemlich sauer von seiner Anmache.

„Ich fragte, ob sie mich bumsen würden, wie vergewaltigen“, schreit Violetta den Typen zu.

Alle Leute, die eben mit sich selbst beschäftigt waren, schauten geschockt zu uns rüber.

Mir wurde das Ganze auch schon zu blöd.

„Aber, es wäre absurd zu glauben“, fuhr Violetta provozierend fort, „Sie würden mit mir Sex haben wollen.“

„Nun, Vergewaltigung ist ein aus erregter Wut angezogenes Verbrechen“, erwiderte der Typ. „Es ist keine Sache der Zuneigung.“ „Verstehen Sie das?“

Außerdem sind Sie nicht abstoßend.

Und warum wollen Sie von mir vergewaltigt werden?

„Sind sie schwul?“, konterte sie zurück und lachte.

Ich lachte nur darüber, was sie für ein gefährliches Spiel mit dem schüchternen Typen treibt.

Der Typ blieb still und antwortete nicht zurück.

„Ich wusste es!“, sagte sie triumphierend.

„Wollen Sie eine Reise zum Mond oder was?“, entgegnete er, aber irritiert. „Dass Sie einen Homosexuellen entlarvt haben?“

Violetta grinste.

„Sind sie es volle Kanne, Stock schwul?“, fragte sie noch einmal.

Ich zwang mich zu einem Lachen.

Ja, ich denke, das bin ich. „Volle Kanne, schwul“, gab er ihr selbstbewusst zur Antwort.

„Okay, aber mir kommt es so vor, als ob es in der reizenden Umgebung nicht gerade förderlich ist, schwul zu sein.“, erklärte ihn Violetta.

„Haben Sie einen festen Freund?“, fragte sie nach.

Er schüttelte den Kopf.

„Zurzeit nicht.“, erklärte er, und Violetta sah grinsend zu mir rüber. „Ich habe verzweifelte Probleme damit, Beziehungen intakt zu halten.“

„Sieht so aus!“, erwiderte sie. „Heutzutage hat wohl jeder damit Probleme, Beziehungen intakt zu halten.“ Ich zündete mir noch eine Zigarette an und sah dabei erneut den Mann am Tisch rüber.

Fasziniert beobachtete Violetta, wie ich ungewollt ein leichtes Grinsen andeutete, der schwule Mann am Tisch aber zurück lächelte.

Das Grinsen vom Typen wurde breiter.

Was Violetta betraf, fand sie es großartig.

Weil sie wusste, wie ich zu der Sache stehe. Ein Schwuler? Violetta fand es süß. Warum nicht, dachte sie sich still, und man lebt in einer bunten Welt der Gleichberechtigung. Auch für Schwule? Unerklärlicherweise fühlte sich der aufgedrehte Typ irgendwie sicherer.

 

Kapitel 8

Wie könnte es anders sein?

Bevor ich aufwachte, flitzte Violetta ins Badezimmer, weil sie nachsehen wollte, wie sie aussieht.

Und tatsächlich, stellte sie fest, dass sie ziemlich gut aussieht.

Strahlend rosig und überdurchschnittlich fickbar.

Violetta kommt zurück.

Ich liege immer noch ausgestreckt im kuscheligen Bett.

Sie schmiegt sich wieder an meinen geilen Körper und überlegt sich, wie ich sie am besten vorfinden soll, wenn ich irgendwann aufwachen sollte.

Dabei fällt Violetta ein, wie gut sie schon auf dem Gymnasium im Vorspielen falscher Tatsachen war. Einmal war sie tatsächlich die naive Nachdenkliche, dann wieder die konservative Unbekümmerte.

Was Violetta die heißen Jungs damals ausgetrickst hat, erinnerte sie sich und schmunzelt vor sich hin. Sie dachte daran, wie sie da saß, auf einer Seite die Haare hinterm Ohr und vermeintlich in ein Buch, einen Liebesroman, vertieft.

Dabei dachte sie immer das Gleiche und las immer wieder denselben Satz, genau an der Stelle, wo sie sich liebten und sie von ihren Liebsten leidenschaftlich geküsst wurde.

Sie wartete darauf, dass die Anderen sie bemerkten und sie begehrten, hingerissen von ihrem Augenblick als Bücherwurm, die diese braven Jungs nicht beachtet.

Wie viele Jungs hatten Violetta damals an der Nase herumgeführt?

Oder haben die Jungs Violetta damals an der Nase herumgeführt und sie wusste es nur noch nicht?

War die sensible Violetta denn geheimnisvoll für die schlauen Jungs gewesen?

„Ach, lieber Gott!“, dachte sie, „Ich habe wirklich keine Ahnung, was die anderen Mädchen von mir gedacht haben, und dabei kreisen meine verwirrten Gedanken immer nur darum, wie ich in diesem Augenblick aussehe – ja, immer nur denke ich daran, dass die Gedanken anderer nur mir gehören.“

Angekuschelt an mich in der Löffelstellung, schläft Violetta schließlich wieder ein.

Als sie dann plötzlich erschrocken aufwacht, bin ich auf der anderen Seite des Zimmers.

Das herzliche Morgenlicht scheint mir auf den nackten Rücken.

Violetta hatte natürlich wieder diese kreativen Gedanken im Kopf, dass ich durchsichtig und wunderschön aussehe.

„Roger Muerte, wer von den Frauen, die du schon hattest, war deine Wichtigste und Liebste?“, fragte Violetta. „Es gibt mir ein schlechtes Gefühl, wenn ich es nicht weiß.“

„Was meinst du mit „wichtigste Freundin?“, fragte ich, und in meiner Stimme liegt ein Gähnen, weil mich solche Fragen gelangweilt haben, wenn Frauen auf diese Art und dramatische Weise wissen wollten, ob sie die Einzige sind, die Auserwählte.

„Na, die, genau die unmoralischen Mädchen, die du am meisten durchgefickt und geliebt hast“, erwiderte sie.

Ich nahm die Zigarettenschachtel aus meiner Hosentasche und zündete mir nachdenklich eine Zigarette an.

Violetta starrte mich eifersüchtig an und möchte am liebsten an meinen sportlich, braun gebrannten Körper kleben.

Und das bis ans Lebensende.

Ich ging durch das Zimmer und betrachtete ab und zu in Gedanken Violetta.

Auf einmal springt sie aus dem Bett, hebt den Telefonhörer ab und ruft ihre unzertrennliche Busenfreundin, die dicke Antonia, an. Sonntagmorgen ist sie bestimmt schon früh auf, wenn sie nicht auf einer langweiligen Party war, mit den anderen zickigen Freundinnen, die keinen Spaß vertragen, auf.

„Hallo?“, fragte Violetta. Deine Stimme ist tiefer als meine und hört sich an wie die einer älteren Frau, der man den vierzig prozentigen Alkohol und den Tabak entzogen hat.

„Violetta, wie geht es dir, was meinst du, soll ich mir die Haare kurz schneiden lassen?“, fragte Antonia. „Stell dir vor, ich bin splitternackt und strecke die Beine in die Luft, weil sie am besten aussehen.“ „Die ganze schlaffe Haut rutscht nach oben und lässt die paar Muskeln hervortreten.“

„Antonia“, ruft Violetta in den Hörer, „wenn du sie abschneiden willst.“ „Tu's!“ „Antonia ist immer depressiv.“ „Antonia ist fett“, flüsterte ich. Plötzlich legte Violetta ihre Hand auf die Sprechmuschel, sodass Antonia sie nicht mehr verstehen konnte, und fragte mich, ob ich große Lust hatte, mit ihr Schoppen zu gehen, denn sie brachte etwas anzuziehen.

„Jetzt ist es noch ein bisschen zu früh, aber vielleicht später“, erklärte ich ihr höflich und grinsend.

Violetta nahm ihre Hand vom Hörer und überprüfte, ob Antonia noch am Hörer ist, auf der anderen Seite.

„Antonia?“, schreit sie, und fing an laut zu lachen. „Bist du noch am Apparat?“

„Ja, willst du mit mir noch sprechen?“, konterte Antonia beleidigend zurück.

„Nein.“ sagte Violetta und legte den Hörer auf.

„Antonia fragte mich, ob ihr kurze Haare stehen würden“, sagte Violetta mir. „Roger, weißt du, was ich jetzt denke?“ Dass ich gerne Karate lernen will. Denn ich finde es geil, die Hände auf diese typische Art zu halten, um die Männer flach zu kloppen. „Das würde mir sicher viel Spaß machen.“

Ich drückte im Aschenbecher die Zigarette aus und es war mir auch egal, dass Violetta heute Karate lernen will.

Nur was will sie morgen?

Fliegen?

Ich führe mir mit großem Interesse den gefühlsgeladenen Wirtschaftsteil und den sensationellen Gesellschaftsteil der Tageszeitung zu Gemüte.

Einmal schaut Violetta kurz zu mir herüber, lächelt und stolziert mit ihrem knackigen Arsch durch das Zimmer umher, damit sie ihr Interesse bei mir nicht verliert, um für sieben Sekunden Sex zu bekommen.

In gedämpfter Stimmung, von Violettas Gefühlsbarometer, fuhr ich einfach so die Gegend herum.

Vor einem kleinen Laden am Fahrbahnrand hielt ich dann unerklärlicherweise.

Wenigstens hatte ich die Brieftasche mit dem Geld nicht vergessen.

Ich ging den steilen Weg aufwärts, wenn auch nur ein bisschen.

Dennoch war es im Moment noch schwer, den vollen Enthusiasmus wieder aufzubauen.

Ich kaufte mir eine eiskalte Cola und eine Schachtel Kippen.

Dann ging ich zum Telefon an der Seite des Ladens, und ein paar Minuten später kam ich durch zu Violettas Anrufbeantworter im Hotel, den sie angestellt hatte.

Sie muss wohl selbst Einkäufe machen, dachte ich mir.

„Hey, hier spricht ihr Gewissen.“ „Sie wissen, was Sie tun müssen?“ „Dann tun Sie es!“ Ich hängte ein, aber ich wusste wirklich nicht, was er damit gemeint hatte. „Sie wissen, was Sie tun müssen.“

Ich wollte doch nur Violetta kurz sprechen.

Später machte ich mich auf den Weg ins Hotel und hörte den schwarzen Hund vom Ladenbesitzer bellen.

Plötzlich stand neben meinem Sportwagen ein Streifenpolizist und sieht sich mein Nummernschild an.

„Guten Tag!“ „Ist da Ihr Sportwagen?“, fragte der Cop auf Englisch und lächelte.

Dieser Cop war ein dicker Mann.

Mitte Vierzig.

Er hatte einen schwarzen Schnauzbart und ein breites, faltiges Gesicht.

Der fette, schwitzende Cop hatte etwas an sich, was mir überhaupt nicht gefiel.

Ja.

Diese gelbliche Uniform war nicht sauber.

Im Gegensatz zu seinem breiten Mund lächelten seine geschwollenen dunklen Augen nicht.

„Sozusagen“, antwortete ich vorsichtig. „Ich fahre ein wenig spazieren.“

„Toller Flitzer“, sagte der Polizist, während er den Sportwagen bewundert.

Ich lächelte und hoffte, dass die delikate Sache damit erledigt sein würde.

Aber der neugierige Cop fing erst an.

„Ist das ihr Wagen?“, fragte er noch einmal, als er das Nummernschild genauer ins Augenschein nahm.

„Es ist ein Leihwagen.“ „Ich bin Deutscher.“ Erwiderte ich freundlich.

„Ist nicht wahr, wirklich?“, sagte der Cop sarkastisch.

„Nun, ich bin Russe.“, konterte er zurück und lachte laut, als würde der schwitzende Dicke mich verscheißern wollen, und er nahm mir nicht ab, dass ich aus Deutschland bin, da ich gutes Amerikanisch reden kann.

„T.“, erwiderte ich.

„Haben Sie einen Pass?“, fragte er dann.

Ich griff langsam, aber zielgenau ins offene Handschuhfach und zog den Pass hervor, der vom Reisen schon ein wenig zerknautscht war.

Der Cop sah sich skeptisch den Pass interessiert an und blätterte die Seiten durch.

„Roger Muerte, Deutschland und sie kommen aus…“, sagte er dann. „Darf ich Sie etwas fragen, Roger?“ Wie lange sind Sie schon in Florida?“

„Noch nicht lange“, erzählte ich dem Cop, „ein paar Tage?“ „Ich mache Urlaub.“

„Tja.“ „Ein paar Tage“, sagte er und schaute in den Pass, als er noch einmal suchend drin rasch blätterte.

Der Cop lächelte.

Und er lächelte.

Es stellte sich heraus, dass ich meine erholsame Spazierfahrt weitermachen kann.

Warum erst so ein Gewese, mit der schnellen Nobelkarosse?

Ich lachte und dachte mir, dass dieser Cop so fett ist, dass er die Stadt mit seinem ganzen Körper ficken kann.

Eigentlich laberte ich die ganze Zeit und der Cop laberte mir die Ohren voll.

Aber diese riskante Begegnung war unglaublich aufregend.

Später bin ich in eine Bar gegangen und bestellte mir ein kühles Bier.

Der Barmann tut zuerst so, als wäre ich Luft für ihn. Andauernd quatscht er mit dem Mädchen, das einen offenen Pferdeschwanz trägt, neben mir.

Die ganze Show dauerte mindestens eine halbe Stunde und meine Schachtel Zigaretten ist auch schon leer.

Ich habe es jetzt satt, nicht mehr zur Kenntnis genommen zu werden, ging hinter dem Tresen und bediente mich selbst, nahm eine Flasche aus dem Kasten und öffnete sie.

Ich nahm dann einen langen und herzhaften Schluck, auch wenn es den Barmann nicht interessierte, was ich da machte.

Dann stellte ich die halb leere Flasche auf den Tresen, lächelte und ging wieder.

Und der eindrucksvolle Barmann unterhielt sich immer noch mit dem amüsanten Mädchen, das gern über seine kaputten Witze lachen konnte.

Ich fahre die Straße hinunter mit dem Biergeschmack im Mund.

Warm, bitter und wunderbar.

Ich wollte es nicht glauben, aber da ist das Mädchen wieder, das Nabelmädchen, das diesmal ihre großen, wackligen Titten herausstreckt und ungeniert diese wunderbaren Brüste herzeigt.

Dabei wird ja jede frigide, Spaß bremsende Frau neidisch.

Ach ja.

Als sie an mir mit einem alten Wagen vorbeifährt, würde ich sie am liebsten packen und aus dem Wagen zerren.

Sie schaut mich an und lächelt ungemein erotisch.

Weiß sie, dass sie von mir nichts zu befürchten hat?

„Ich hätte gute Lust, dich niederzubumsen“, sagte sie.

Ich möchte ihr wehtun, weil sie aussieht, als wäre sie glücklich vom Barmann gefickt worden.

Und wenn nicht?

Ich entschloss mich, sie zu ficken.

Es ist mir egal, wie viele Leute sie dort, wo sie wohnt, lieben.

Aber, ich fahre weiter, immer weiter.

Und schließlich bin ich in der Nähe des Hotels angekommen.

Ich parke den Sportwagen in einer Seitenstraße, gehe am Hotel vorbei und sehe hinter dem Fenster des Hotelzimmers Violettas Gestalt, die mit einer Zigarette in der Hand aus dem Fenster starrt.

Ich gehe weiter und beachte das Mädchen im alten Wagen nicht mehr.

Denn ich habe keine Lust, mich mit ihr zu unterhalten, und bestimmt habe ich auch keine Lust, Stress mit dieser unbekannten Dame zu bekommen.

Als ich meinen Nacken berührte, fand ich, dass es sich gut anfühlte.

Im rasanten Zickzack fahre ich durch die Seitenstraße, bis ich direkt vor dem Hotel stehe.

Ich gehe hinein und drinnen stehen ein Haufen alter, reicher Männer.

Unbewusst steuere ich schnurstracks auf Sie zu.

„Na, wie sieht‘s aus?“, fragte mich plötzlich einer von der Seite, spendierte mir einen coolen Drink und gab mir das volle Glas in die Hand.

Alle lächeln.

Ich sah eine kleine rote Ledercouch und ließ mich darauf vorsichtig fallen.

Ein anderer alter Mann kommt zu mir herüber.

„Ich würde Sie gerne auf einen Drink einladen“, sagte er.

Ich lächelte ihn freundlich an.

Er hat graue Haare. Aber sonst?

Der Alte sah manierlich aus.

„Aber gern. Bestellen Sie mir, was Sie wollen. „Aber keine Milch!“, erwiderte ich.

Ich lehne mich wieder gemütlich zurück und schloss kurz die Augen, während er an die Bar geht.

Eine junge Frau kam auf mich zu, grinste und setzte sich in den großen Ledersessel.

Sie strahlte eine gewisse Unbefangenheit und unverhüllte Sexualität aus.

Sie spreizte die schlanken Beine gerade so weit, dass ich die unter dem leichten, dünnen Kleid verborgenen und dunklen Geheimnisse erahnen konnte.

Die Frau breitet ihre Arme auf der breiten Rückenlehne aus, um das alles nur mir zu signalisieren.

Sie ist wahnsinnig selbstsicher.

Der Alte kommt mit zwei harten Drinks zurück.

Nach fünf Minuten bin ich voll besoffen. Ich konnte aber noch die heiße Braut sehen, die immer noch mit ihren einfältigen Sprüchen und erotischen Blicken mich weich und gefügig machen will.

Sie fragte mich auf eine ganz raffinierte Art und hinterlistige Weise aus, wie es eben Frauen mit ihren weiblichen Reizen machen.

Ich durchschaute ihr verdorbenes Spiel und lügte, so charmant, wie ich nur sein konnte.

Ich gab ihr Antworten, die sie wissen wollte, nur in einem ganz anderen Paket verpackt, sodass es sich nicht wie eine Lüge anhörte.

Und dann will sie wissen, ob ich mit ihr auf ein Hotelzimmer gehen möchte.

Der Alte grinste und ich weiß nicht recht, ob ich möchte, aber der Alte machte einige Kopfbewegungen und ich gehe mit.

Es ist ein paar Etagen über unserem Hotelzimmer.

Die Frau hatte eine Suite.

Sehr hübsch und mit goldenen Wasserhähnen.

Auf dieser Suite hatten wir einen galanten Ausblick auf die Brücke und die Stadt.

Ich stehe hinter ihr und ziehe den Reißverschluss ihres Kleides auf.

Einfach so.

Sie schließt die Augen.

Im Moment machte ich mir um Violetta Gedanken, wo sie sein könnte.

Oder vielleicht tut es mir auch nachher leid, dass ich mit dieser fremden Frau geschlafen habe.

„Ich bin jetzt in einer Suite in diesem Hotel, und jetzt gleich wird mich dieser kleine Stinker durch die Suite ficken“, dachte sich die Frau.

Sie hält die Augen erwartungsvoll geschlossen und spürt meine zitternden Hände überall auf ihrer dunklen Haut.

Sie denkt an meinen schönen Körper, ob er wohl schon runzlig ist und lange, lockige und eklige Haare auf der abgedienten Brust hat.

Aber am liebsten würde ich ihm den Hals mit einem langen, scharfen Messer langsam durchschneiden. Und bei dem skrupellosen Gedanken spüre ich, wie ich feucht werde und langsam zum Höhepunkt kommen werde.

Ich sagte nichts.

Ihre Augen sind immer noch geschlossen.

Ich küsste sie.

Der Kuss ist ganz okay, dachte ich mir.

„Riecht gut.“ sagte sie, als sie mein Gesicht hielt.

Sie führte mich zum Bett.

Dabei bemerkte sie nicht einmal, dass ich sie schon mal nackt ausziehe und auf dem Bett hinlege.

Sie atmete jetzt anders als vorhin, als ich mit meinem steifen Schwanz in sie drang.

Ich habe nicht einmal bemerkt, wie sie langsam und still gekommen ist.

Ich rutschte von ihr herunter.

Unbefriedigt und verspannt verdrückte ich mich lautlos ins Badezimmer.

Sie öffnete die Augen.

Ihr Gesicht ist krebsrot und irgendwie verschwitzt. Und ein dämliches und zufriedenes Grinsen hat sie im Gesicht.

Sie kam mir hinterher, zu den antiken goldenen Wasserhähnen, den kleinen Plastikflaschen mit Hotelshampoo.

Sie setzte sich auf die Toilette.

„Charlotte“, sagte sie. Was so heißen sollte: Ich heiße Charlotte. Und wie ist dein Name?

Einen Augenblick hatte ich plötzlich ein merkwürdiges Gefühl.

Aber der gewisse Augenblick war vorüber, als sich die gut gelaunte Charlotte Splitternackt vor dem Spiegel ihren makellosen Körper betrachtete.

Später stand sie wieder vor dem Spiegel und betrachtete ihren Körper in dem Kleid, das sie gerade trug.

Und ich versuche zu vergessen, dass ich gerade mit einer Frau mit dem konservativen alten Namen Charlotte gefickt habe, wo ich keinen spektakulären Höhepunkt bekam.

Ich denke im Badezimmer immer noch über meine feuchten Muschis nach und bemühe mich, mir selbst einen Abgang zu verschaffen.

Und ehrlich gesagt verspüre ich überhaupt keine Lust, Charlotte zu ficken, wenn sie jetzt noch einmal zu mir kommen würde.

Nach einer Weile verließ ich ohne ein Wort zu vergeuden die Suite.

Aus dem Fahrstuhl kommen drei lachende Mädchen in kurzen bunten Röcken und schimmernden kurzen Haaren.

Es ist eine verdammt traurige Sache, wenn man seine menschliche Freiheit verliert.

Ein stufiger Übergang vom Status der Freiheit zu einem anderen Status des Sinnes, in dem eine Persönlichkeit nicht mehr das eigene Sagen hat.

Ich stand schon einmal hinter Gitterstäben der deutschen Gefängniszellen.

Ich war nicht gerade super überglücklich über diese dramatische Lage in der Geschichte.

Aber es musste so sein, meinte der Richter.

Ich war nicht glücklich.

Aber wer ist das schon?

In der Luft lag der üble Geruch von kaltem Tabak, Brotwein, Urin und stinkendem Männerschweiß.

Am schlimmsten war, wenn die Schließer die Zelle durchsuchten und den Koks gefunden hatten. Manchmal hatte ich auch eine selbstgebastelte Waffe unter der Fußbodendiele versteckt, aber die wurde auch von den Schließern gefunden.

Sie mussten irgendwie eine dicke Nase dafür gehabt haben.

Sonst saß ich hinter einem kleinen, von Papier übersäten Schreibtisch auf der anderen Seite der Gitterstäbe und schrieb an einem Roman.

Mein Zellenhöhlenmensch, der mit mir auf einer Zelle lag, hatte mir gerade erzählt, was er von der Sage des Knastes bislang gehört hatte.

„Ich fürchte, das stimmt ganz und gar nicht“, sagte er. „Der Schließer hat diese Waffe in der Tat einem Häftling beschafft, aber die Geschichte war etwas düsterer, mein guter Freund.“

Ich hätte schwören können, dass die Augen des Zellengenossen glitzerten.

In der Stadt lebten zwei Heilerinnen.

Eine hatte eine Feuerhand, die andere eine Eishand.

Die Hände aller übrigen Einwohner waren normal.

Und meine auch noch.

Die Mädchen lernten sich in der Kirche kennen und waren etwa drei Wochen lang Freundinnen.

Ihre Eltern waren überglücklich.

Insbesondere die Mütter der beiden hingen stundenlang am Telefon und erzählten sich immer wieder, wie entsetzt sie am schönen Tag der schmerzenden Entbindung gewesen waren.

Horror?

Ich erinnere mich noch genau, wenn man mich lässt.

Es war an einem herrlichen Nachmittag auf dem Parkplatz.

Das Feuermädchen packte plötzlich die Hand des Eismädchens.

Und?

Von einer Sekunde auf die andere neutralisierten sich beide Elemente.

Die Hände verwandelten sich in saftiges Fleisch und rotes Blut.

Das Feuermädchen erschreckte sich.

Und ich erst einmal?

Ich war geschockt, aber wieder fasziniert.

Sie spürte, wie ihr Feuer wieder aufflammte, während sich beim anderen Mädchen das Eis wie ein kalter Handschuh wieder um ihre zarten Finger schloss.

Ich glaube sogar, sie führten ihren faszinierenden Zaubertrick eine Weile lang gegen bares Geld vor und verdienten ein hübsches Sümmchen dabei.

Die ahnungslosen Leute waren begeistert, wenn vor ihren Augen die beiden Mädchen mit ihren winzigen, aber mächtigen Fäusten, in den lebensgefährlichen Elementen hermachten.

Nach einer sehr langen Weile versuchte das Eismädchen dem anderen Feuerteufel zu erklären, dass es keine Lust mehr hat, den Zaubertrick vorzuführen.

Damit war auch ihre Freundschaft zu Ende.

Seitdem sah ich die beiden nie mehr zusammen auf dem Marktplatz.

Das Feuermädchen hatte ein freundliches Gesicht, wie Schweiß tropften aber die Funken von ihren Fingerspitzen.

Sie war einsam.

Manchmal war sie bei den Rauchern sehr begehrt, denn sie war das coolste Feuerzeug, das man je bekommen konnte.

Als ich dann das Eismädchen wiedersah, trug sie einen Pferdeschwanz und die Eishand behielt sie immer in der Tasche.

Aber es ließ sich nicht verbergen, dass es sie gab, denn ständig tropfte es aus der Tasche.

Ich begab mich erneut in die Mitte der Stadt.

Violetta ging aufmerksam neben mir.

Während wir uns dem zentralen Platz näherten, schaute Violetta zu einem Mädchen, das uns genau beobachtete.

Als das Mädchen merkte, dass Violetta sie ansah, erwiderte sie sehnsuchtsvoll ihren Blick.

Für jeden, der diese atemberaubende Szene hätte beobachten können, war es offenkundig, dass die beiden sehr ineinander verliebt waren.

Waren Sie aber nicht!

Ich schüttelte den Kopf.

In diesem unerwarteten Augenblick wurde eine Bombe von elf Metern Entfernung mit einem Fernzünder in einem kleinen Spirituosenladen gezündet.

Die Menge konnte diesem Anschlag nicht zurückweichen.

Schützend warf ich mich blitzschnell auf Violetta. Es war wie ein Reflex gewesen.

Ein Gefühl?

Ich hob den Kopf, um zu sehen, ob alles so weit in Ordnung sei.

War es Schicksal, von dem die Leute reden, dass uns nichts passiert war?

Denn wir waren nicht weit entfernt von dem kleinen Spirituosenladen.

Frauen und Kinder wurden hauptsächlich schwer verletzt.

Da sich nur Männer in diesem Laden aufgehalten haben, musste damit gerechnet werden, dass niemand von ihnen überlebt hatte.

Ich nickte einem kleinen armen, weinenden Jungen zu, damit er dort bleibt, wo er sich Schutz suchte, und zitternd hielt ich meine Pistole in der Hand. Gleichzeitig hatte ich die Gegend im Blickfeld.

Es krachte wieder.

Es waren volle Weinflaschen, die dort zur Lagerung standen, und keine weitere Bombe.

Die schockierten Leute schauten ungläubig und schreiend in der verwüsteten Gegend umher, um Hilfe zu bekommen oder um das Leid ihres Nächsten.

Der kleine Junge signalisierte laut der Menge, dass ihm eigentlich nichts geschehen war.

Ein Beifallsgebrüll erhob sich.

Unmittelbar schwang die Tür des Ladens, die noch den Anschlag überlebte, langsam auf.

Die schreiende Menge wurde plötzlich still und ein betrunkener Mann schwankte raus.

Er hielt sich den blutüberströmten Bauch und wankte durch die Menge.

Die Leute, die ganz verwirrt und schockiert waren, machten ihm den Weg frei.

Er ging oder schleppte sich mindestens noch zehn bis dreizehn Meter.

Dann fiel er tot um.

Einige Leute bekreuzten sich und schüttelten den Kopf.

Dann hatte ich dieses eigenartige Gefühl: „Es gibt Gutes“ und „es gibt Böses“. Aber es gibt Zeiten, in denen das „Gute“ das „Böse“ ist.

Vom Attentäter ist keine Spur, welche die Polizei verfolgen konnte.

Die ängstlichen Leute erzählten aber, dass es Krieg gibt und dass sich eine skrupellose und machthaberische Straßenbande mit der Mafia angelegt hat.

 

Kapitel 9

Key West ist ringsum vom türkisblauen Meer eingerahmt. Daran lag es wohl, dass nie jemand eine Elbe, eine Spree und die Oder in Deutschland kannte. Nur ein einziger junger Mann schaffte es, diese Flüsse zu kennen. Er war der beste Student in Deutschland von den Austauschschülern gewesen. Heute hält er in Florida überall Vorträge. Dieser junge Mann war ein Weisenjunge, der nicht allein lebte. Er kam sehr selten unpünktlich in die Schule und hatte aber eine Vorliebe für gutaussehende Mädchen. Immer ritzte er ihre Namen in einem großen alten Baum am kleinen Teich. Dieser schöne Platz war sein Lieblingsplatz, wenn er mal allein sein wollte. An einem Sonntag hatte ich Langeweile und machte einen Abstecher in eine Bar, die gleich in der Nähe war.

Dort traf ich diesen Mann wieder, er heißt Michel, zufällig auf dem Herrenklo und er zeigte mir, was er sich schon alles in die Haut tätowiert hatte.

Auf seinem breiten, muskulösen Oberarm prangten die Worte: „Glaube nichts!“ Fürchte nichts! „Bitte um Nichts!“

Ich streckte die Hand aus und berührte einen Frauenakt auf dem Rücken.

Den Akt zu berühren, kostete mich ziemliche Überwindung.

Ihre vollen Brüste fühlten sich immer noch wie lebendig an und sie konnten wippen, wenn er sich bewegte.

Genau weiß ich nicht, bei welcher Gelegenheit wir uns kennen lernten, aber wir verbrachten die Zeit. „Irgendwie.“, dachte ich mir.

Ich drehte mich um und ging davon.

Meine Hände zitterten, denn ich hatte ein eigenartiges Gefühl, als ob was passieren würde. Ich musste mich zwingen, wegzugehen.

Aber viel lieber wäre ich geblieben und ging.

Ich blieb erst stehen, als ich die Stadt umrundet hatte.

Gut, fast umrundet.

Am nächsten schönen Tag sahen ich und meine erotische Violetta richtig glücklich im Spiegel aus.

Violetta brachte keinen einzigen Laut mehr übers Heiraten und verwöhnte mich, wo sie nur konnte und wann sie es auch konnte.

Sie lächelte mich an, wenn sie mich nur sah.

Das hatte sie doch vorher nicht getan?

Aber trotzdem versuchte ich an ihr zu erhaschen, was ich konnte, wenn ich an ihr vorbeiging.

In Ihrer Nähe duftete es nach einem angenehmen Parfüm. Was mich sehr erotisierte.

Ich bin geil davon geworden.

Und?

Wir hatten dann Sex, den sie auch wollte.

Violetta wollte mehr und öfter.

Aber irgendwann ist die Pumpe leer.

Ist sie süchtig nach meiner innigen Liebe geworden?

Oder war es nur der heiße Sex, in den sie so versessen ist?

Es macht mir Spaß.

Am menschenleeren Strand packte sie mit ihren Händen mich am schlaffen Unterarm und hinterließ dort blutige Abdrücke ihrer langen Fingernägel, auf die ich so stehe.

Ich musste nicht ins Krankenhaus gebracht werden. Violetta linderte meinen erbärmlichen Schmerz auf eine ganz eigenartige Weise.

Ich dachte daran, dass sie verrückt sei und dass sie eine Wilde sei.

Später, wieder im Hotel, lag ich wach auf dem Bett, um mich ein wenig auszuruhen, und musste immer wieder daran denken, wie sie mich mit voller Konzentration am Strand gefickt hat.

Ich dachte daran, wie Sie stoßweise ihren Atem mir ins Gesicht geblasen hatte.

Falls jemand überhaupt ein paar erklärende Antworten für mich hätte, dann Violetta, dachte ich.

Sie hielt gerade ihre Hand auf mein bestes Stück, der wunden Stelle am ganzen Körper.

Ihr heißer Atem zog sich über mein Gesicht.

Violetta schaute mich an.

„Wer bist du?“, fragte ich.

„Ich?“, fragte sie verwirrt.

Violetta sagte kein Wort und lächelte, als im gleichen Moment ihre Hand in meine Hose rutschte und mein schlaffes Glied in die Höhe trieb.

Ich schaute sie an und sah den entzückenden Ausdruck in ihrem Gesicht.

„Ich kann mir nicht vorstellen“, bemerkte ich, „dass dir das hier wirklich Spaß macht.“

Violetta sah mich an und gab darauf keine Antwort.

Sie lächelte und konterte: „Komm, fick mich!“

Sie schob ihre schmalen Augenbrauen.

„Ich verbringe genügend Spaß mit dir“, sagte sie, „es ist nur, dass ich noch nie zum originellen, zerreißenden Orgasmus gekommen bin.“

Violetta strahlte mich an.

Ich gab nur ein schwaches Lächeln zurück. Dann hustete ich nachdenklich und schlug die Beine übereinander.

„Wie fühlst du dich?“, fragte sie mich.

„Gut“, konterte ich zurück.

Sie nickte nur und ließ den unberührten Blick über die weiße Decke schweifen.

Ich ärgerte mich.

Weil ich mich nützlich machen wollte, zog ich ihr halb gegen ihren ausgesprochenen Willen die Hand aus meiner Hose.

Violetta war erstaunt und plötzlich empfand ich auch Mitleid mit ihr.

Ich lag da wie ein großer kalter Felsbrocken.

Offenbar zweifelten wir beide daran, ob es wieder funktionieren würde, denn ich hatte große Mühe, Violetta in diesem Augenblick überhaupt noch zu berühren, geschweige noch in die Augen zu sehen.

Violetta begann plötzlich an zu zittern und schloss die Augen.

Aber sie blieb neben mir auf dem Bett sitzen und ließ mich nicht los.

Sie zuckte und allmählich färbte sich ihr Gesicht rot.

Ich fühlte mich benutzt.

Aber sie fühlte sich sichtlich unwohl in ihrer Haut.

Violetta stand auf und ihre purpurrote Farbe wich aus ihrem Gesicht.

„Es ist schrecklich, was ich dir gesagt habe“, sagte sie und schüttelte ihr Handgelenk. „Ich würde am liebsten alles ungeschehen machen. Verstehst du, Roger?"

„Lass mich in Ruhe!“, sagte ich. „Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.“

„Meinst du“, erwiderte ich, „das würde etwas ändern?“

Violetta zuckte ahnungslos mit den Schultern.

„Keine Ahnung“, erwiderte sie, „aber vielleicht wäre es einen neuen Anfang wert.“

Ich nahm sie von hinten in den Armen und küsste ihren Nacken, zärtlich und heiß.

„Das geht aber schnell“, stellte sie fest.

Ich dachte, vielleicht nehme ich mir doch mindestens dreißig Minuten Zeit, bis sie endlich zum Orgasmus kommt.

Denn ich habe mal gehört, dass es Frauen gibt, die brauchen unheimlich lange.

Deshalb besorgen sich die naiven Männer auch ein Potenzmittel, wie zum Beispiel Viagra.

Ich bin ja nicht der Meinung, dass es an dem Mann liegen soll, wenn er keinen mehr hoch bekommt.

Es liegt einfach an manchen Frauen, wenn sie nur da liegt und wartet, bis sie ihren Eisprung kriegt.

Wie soll das einen Mann antörnen, dass er einen Steifen in der Hose oder in der freien Atmosphäre bekommt?

Violetta führt Selbstgespräche und atmet jauchzend.

„Es würde alles um so vieles leichter machen“, murmelt sie. „Mach es mir bitte! Fick mich richtig durch, bis ich meinen gewaltigen Höhepunkt kriege.“

Violetta zeigte volle Erregung.

Ich blieb an ihren Brüsten und mit der Hand rieb sie mir den harten und steifen Schwanz.

Ich hätte sie am liebsten durch das ganze Zimmer gefickt. Dabei holte ich erst einmal tief Luft.

Dann kniete sie nieder, legte ihre Hand um meinen Soldaten und steckte ihn langsam in sich.

Ich bumste sie an und ihr Stöhnen ging mir durch und durch. Dabei musste ich zusehen, dass ich nicht zum Erguss komme.

„Nein, nein“, flehte Violetta, „bitte nicht aufhören, bitte, bitte nicht!“

Aber war es schon zu spät?

Nun entflammte sich Ihr Körper.

„Nein!“, schrie sie und versuchte mit dem Arm, mich ganz nah an sich zu klammern. „Nein, nein!“

Violetta schweigt.

Ich versuchte, die richtigen Worte zu finden.

Ihr Körper brannte zweimal so stark und zweimal so laut und zweimal so kräftig vor Erregung.

Was hab ich getan?

Als ich ging, wollte ich schon jeden einzelnen Knochen meines ganzen Körpers spürte, setzte Violetta sich gerade hin und richtete sich ihr langes Haar.

„Du lieber Himmel!“, lachte Violetta.

„Das klingt so, als würdest du „Gott“ um Verzeihung beten, weil wir miteinander geschlafen haben, oder weil du endlich in deinem verrückten, aber unzufriedenen Leben einen sexuellen Höhepunkt hattest.“ Wies ich ihr zurecht.

„Nein, nein, nein“, erwidert Violetta und lacht. „Unser Sex hat schon was unterschwellig schamloses Verkommenes.“

Violetta ahnt ja nicht, was alles meine Vorlieben sind.

Denn sie reizt mich nicht besonders und ich frage mich, warum ich überhaupt mit ihr zusammen bin.

„Jeden Tag bekommst du mindestens einmal Sex von mir“, sagte Violetta. „Ich habe auch frivolen Spaß für eine sexhungrige Wölfin.“

Ist Violetta einfach nur eine geile Frau oder eine einfache, stinknormale Durchschnittstypin?

„Ich mag auch Pornovideos, aufblasbare Puppen, mit einem riesigen Männerschwanz dran“, bemerkte sie, „künstliche Schwänze, aber groß und dick muss er sein und all dieses Zeug.“

„Ach, wirklich?“, fragte ich. „Mein Schwanz reicht dir nicht aus?“

„Nein, nicht nur“, sagte sie überzeugend, „ich treib es auch mit attraktiven Frauen.“

Es berührte mich auf seltsame Weise.

Violetta mit einer anderen Frau herummachen zu sehen, ließ mich daran denken, es mir einmal zu wünschen, dass eine dicke und vollbusige, vor Geilheit schreiende Frau es wäre.

Aber plötzlich verbannte ich den treibenden Gedanken rasch aus meinem Kopf.

Mein selbstsüchtiges Arschloch, mein Ego, ließ wahrscheinlich gerade in irgendeinem Hotel die Sau raus und dachte nicht im Entferntesten an Violetta.

An diesem Tag saß ich im Sessel und dachte an meine lebenslustigen Fickfrauen.

Und nun stand ich damit meinen verwirrenden Gedanken, wenn es die anspruchsvollen Frauen nicht geben würde.

Seltsam war nur, was alles geschah, bevor wir nach Florida geflogen sind.

Sie machte Schluss mit ihrem Freund und ging fort von ihm.

Am Tag vorher lernte ich Violetta zufällig auf der Straße kennen.

„Na, wie gehts?“, fragte ich in einem Café.

Violetta drehte ihr Gesicht zur Seite.

Sie konnte mir nicht in die Augen schauen.

Einen schüchternen Eindruck macht sie.

Unschlüssig und belästigt von mir, saß sie da und zog an ihrer Zigarette.

„Wissen sie eigentlich“, sagte sie, „dass sie mir auf den Keks gehen?“

Sie tat zu übertreiben.

„Stellen Sie sich einmal vor“, sagte sie, „wer das wissen möchte, wie es mir wirklich geht.“

Ich konnte mich nicht beherrschen und war irgendwie sauer auf ihre plumpe Reaktion.

Ihre Augen huschten kurz über mein Gesicht.

Ich beobachtete sie und dachte daran, welchen Gesichtsausdruck sie hätte, wenn wir uns besser kennenlernen würden.

Vermutlich hätte sie einen anderen Augenblick erhofft, wenn ich sie angesprochen hätte.

Und nicht in einem Café.

Ich nickte und sah Sie an.

Violetta nahm einen letzten Schluck von ihrem Cappuccino und wandte sich zum Gehen, das mich nicht überraschte.

„Ich muss jetzt wieder ins Büro.“, sagte sie. „Tschüss.“

„Irgendwie war es ein wunderbares Gefühl, was sie mir gab“, dachte ich leise.

Einen langen Augenblick sei es mir vorgekommen, als hätte ich die ganze Welt umarmt.

Im Hotel tanzten Violetta und ich im Zimmer bis spät in die wunderschöne Nacht, und wir waren mit fortschreitender Zeit zunehmend betrunken und extrem ausgelassen.

Plötzlich trug sie nichts mehr am Körper.

Violetta konnte sich nur schwer erinnern, wann sie das letzte Mal so entspannt und albern gewesen war.

Sie ließ sich hemmungslos lachend auf die Couch fallen.

Ich plumpste neben Sie.

Total erledigt und erschöpft von der Hitze.

Auf einmal fühlte sich Violetta ohne Vorwarnung niedergeschlagen und schrecklich allein.

In der Tat dachte ich in diesem Augenblick nicht an Violetta.

Violetta tat ihr Bestes, um quietschvergnügt und putzmunter zu wirken.

Aber sie konnte die fröhliche Fassade nicht aufrechterhalten, da ich sie schon kannte.

Sie wandte sich ab von mir.

„Stimmt was nicht?“, fragte ich.

„Weist du, wie es ist, wenn du in einer kaputten Beziehung steckst und dich trennst?" „Wie“, fragte sie besorgt und hatte Angst.

„Mach dir keine Sorgen“, erwiderte ich.

Sie sah mich an, unter Tränen und lächelte dabei.

„Roger, möchtest du, dass ich bei dir bleibe?“, fragte sie sanft.

Ich beugte mich vor, als wollte ich Violetta umarmen und ihr einen Kuss geben.

Aber es war keine Umarmung.

Violetta warf einen raschen Blick an die Decke. Dabei kam ihr der Gedanke, dass ich ein Schwein sei.

Ich nickte wenig begeistert, als ob ich ihre wütenden Gedanken gehört hätte.

„Du Schuft!“, rief sie. „Liest du etwa meine Gedanken?“ 

Zehn Minuten später ließ ich Violetta schlafend auf der Couch und ging ins Bett.

Wenige Minuten später kam Violetta zu mir hinüber.

„Geht es dir schon besser, was?“, fragte ich mit leiser Stimme.

Ich lag nackt unter der Decke.

In dieser Nacht lagen wir im Bett und lauschten nur dem romantischen und beruhigen Rauschen der Bäume.

„Hier gibt es keinen Regen heute Nacht“, stellte Violetta fest, „so wenig Regen.“

Sie kreuzte die Arme vor ihrem Körper und faste sich mit den Händen an den Schultern.

Um uns fühlte sich alles leer und still an.

Ich kniff kurz die müden Augen zu.

Wenn ich aufmerksam genug lauschte, glaubte ich, das Schlagen der Wellen zu hören.

Beim Einschlafen schmiegte Violetta sich zufrieden von hinten an meinen angespannten Körper.

Sie träumte vom Glück.

Vom Wunder, wie kleine duftende Tröpfchen aus reinen Diamanten die Innenseite ihrer heißen Schenkel strahlend und kitzelnd hinaufwanderten.

„So würde ich gerne bleiben“, flüsterte sie.

Ich nickte.

Eines Morgens saß sie am Schreibtisch und bereitete die Aufzeichnungen, die ihr Roman weiterbringen sollen, vor.

„Was ist das?“, fragte ich sie.

Aber sie sagte nichts und sah mich nur an.

Ich fand nichts dabei, die Recherche für den Roman zu lesen.

Schließlich bin ich ja sozusagen der Held Ihres Romans.

Oder?

Mit aller überaktiven Kraft stieß Violetta mir immer wieder die harte Faust in den Rücken.

„Du tust mir weh.“, sagte ich.

„Du bist ein Schuft, ein Schuft, ein Schuft“, schrie sie, „und du hast kein Recht, meine Aufzeichnungen zu lesen.“

Sie packte ihre Aufzeichnungen, legte sie in eine Mappe, floh vor mir und lief aus dem Hotel.

Violetta irrte in der Stadt herum, bis sie einen ruhigen, schattigen Platz fand.

Mit der Zeit heilten die seelischen Wunden an diesem Vormittag, und sie nahm ihre Aufzeichnungen, die sie in Ruhe und besonnener Harmonie vervollständigen konnte, und sie ging ins Hotel zurück.

„Irgendwann“, dachte sie, „bin ich schön, noch viel schöner, berühmt als Schriftstellerin, vermögend und habe jede eine Menge kluge Verehrer.“ „Aber im Moment bin ich unglücklich.“

Plötzlich blieb ihr der Gedanke im Halse stecken.

„Was ist das?“, fragte sie sich.

Violetta rang erschwert nach Luft, die Kinnlade klappte nach unten und sie suchte irgendwo Halt.

Als sie eine Hand tastend an der Häuserwand führte, um Halt zu bekommen, konnte sie im nächsten Augenblick ein aufsteigendes Gefühl der Erleichterung spüren.

Als Violetta das Hotel erreichte, hatte ich mir schon verdammte Sorgen gemacht.

Ich wartete zufällig vor dem Hotel und hielt Ausschau, als im gleichen Moment mit einem Lächeln Violetta eintraf.

Sie beklagte sich nicht über meine Neugier.

Das bedeutete eine enorme Verbesserung gegenüber meiner bisherigen Lage.

Auf dem Hotelzimmer dann sah ich durch das offene Fenster.

Die Nacht war schlagartig hereingebrochen.

Aber von irgendwo war entfernte Musik zu hören und ein Liebespärchen amüsierte sich und lachte. Dabei war ich froh, dass es noch ein paar sorglose Menschen auf der verrückten Welt gab.

Ja.-Ja.-Ja.

Ich freute mich selbst auf eine sorglose Nacht.

Früh am Morgen erwachte Violetta mit Kopfschmerzen.

Sie hob Ihren Kopf vorsichtig und sah sich langsam um.

Ich lag noch neben ihr und schlief, musste sie feststellen.

Violetta tappte mit nackten Füßen ins Bad.

Die Toilettenspülung schnitt die Ruhe und ich wurde wach.

Als Violetta aus dem Bad kam, war ich noch im Bett und stellte mich schlafend.

Was unter den gegebenen Umständen nicht einfach war.

Später am Vormittag war es still in der Stadt.

Inzwischen hatte sich Violetta eine Kopfschmerztablette nehmen müssen, auch wenn sie Tabletten unter starkem und masochistischem Protest einnimmt.

„Weist du ... ", wollte ich sagen.

„Ich hab‘s dir schon mal gesagt, Roger“, unterbrach sie mich, „Frauen sind ein chronisches Problem, mit denen du Kompromisse eingehen musst.“ „Weißt du?“

Irgendwie war ich verwirrt, denn ich wusste nicht, was Sie von mir jetzt wollte.

„Du hast das richtige Mädchen noch nicht getroffen, Roger.“, sagte sie. „Roger, du kapselst dich ab von mir und merkst es nicht.“

„Jedes Mädchen kann die richtige Frau sein“, erwiderte ich schmunzelnd, „wenn sie mir den Kopf verdreht und ich es zulasse.“

Violetta starrte mich an.

„Und du weißt das?“, schrie sie mich an und starrte mir wild und besessen in die Augen. „Du weißt es die ganze Zeit, nicht wahr?“ „Du Schwein.“

Violetta war stinksauer.

„Zum Teufel mit dir!“, sagte sie.

„Ich bin der Teufel. „Man sagt auch, ich sei der Satan, nur ich weiß es noch nicht“, erwiderte ich zynisch zurück.

„Komm, Roger, jetzt geh mir nicht auf den Sack!“, erwiderte Violetta und grübelte über etwas nach.

Ich seufzte und schüttelte den Kopf.

Mir gefiel das Ganze nicht.

Violetta saß auf der harten Bettkante und legte die feuchten Hände in den warmen Schoss.

Ich nickte bedächtig und fragte mich, ob Violetta und ich aus der selbst gemachten Scheiße heil herauskommen, um später mal in Ruhe und Seelenfrieden leben zu können.

Irgendwie glaubte ich nicht daran.

Es war einmal ein alter Mann, würden die Leute von uns reden wie eine alte Frau.

Die beiden träumten die gleichen Träume.

Sie waren erstaunlich seit sechzig Jahren verheiratet.

Ihre alte Haut auf ihren bleichen Armen warf trockene Falten um ihre schmerzenden Handgelenke wie ein abgestrampeltes, von Urin beflecktes Bettlacken.

Gut möglich, dass sie die ältesten Menschen auf der ganzen bekloppten Welt waren.

Denn Sie saßen einträchtig vor ihrer bunten Villa in teuren Schaukelstühlen.

Und nicht anders hätte man es von alten Leuten erwartet.

Die beiden gemütlichen Alten berührten sich an den Ellbogen und beobachteten die Menschen, die an ihnen vorübergingen.

Gelegentlich riefen sie den Göttern oder einem anderen Gott ihre Traumbilder der vergangenen durchgefickten Nacht zu.

Die meisten zynischen und arroganten Leute lächelten ihnen kurz zu und wandten dann ihren neugierigen Blick wieder auf die leere Straße zu.

Und wenn plötzlich die Nacht hereinbrach, schlurften der alte Mann und die alte Frau in ihr vertrautes Schlafzimmer.

Sie schlugen beide die weißen Federbetten zurück.

Deckten sich damit zu und erlebten gemeinsam das, was darunter verborgen lag und andere neidische und prüde Leute gerne gehabt hätten. Ich saß nachdenklich, aber auch verzweifelt über die Zeit, die kommen würde, auf der Couch und betrachtete Violetta, wie sie im Bett lag und schlief.

So friedlich.

Ich hielt meine Pistole ins Morgenlicht, du polterte daran.

Eine Waffe konnte auch so friedlich sein, so beruhigend, glaube ich.

Nach einer Weile stand ich auf und öffnete das kleine Fenster zum Zimmer.

Violetta schlief, wie ein unschuldiger Engel.

Die ganze Welt schien sich auszuruhen. Den chaotischen Eindruck hatte ich gehabt, als ich aus dem offenen Fenster sah.

Unvermittelt erschien Violetta, ganz verschlafen noch und benommen von der Hitze, in der Tür und sah mir friedlich und lächelnd zu. Sie ging zur Toilette und ins Bad.

„Gut geschlafen?“, fragte ich, während sie laut und in Strömen pinkelte. Dabei beugte sie sich nach vorn, um mit dem Kopf zu mir her vorzulügen.

Ja. Und du? Nuschelte sie.

Violetta verzog so eigenartig das Gesicht und betrachtete dabei sehr merkwürdig ihren Arm im Spiegel.

Es war ein kleiner Pickel, den Sie entdeckte.

„Dieser kleine Miesling soll sich aber schnellstens verpissen, den mag ich nicht“, sagte sie und dachte, dass sie ihn auch nicht will.

Wir verließen später noch einmal das Hotel durch die offene Eingangstür und traten hinaus in den strahlenden Sonnenschein von Florida, Key West.

Den Sportwagen holte ich selbst und ging die Straße hinunter.

Violetta stellte immer noch keine neugierigen Fragen, woher ich ihn habe oder so.

Sollte ich ihr sagen, dass ich den Sportwagen mitgehen lassen habe als Entschädigung.

Sie achtete weder auf den Sportwagen, den ich dicht am Hotel parkte, noch auf mich hinter dem Lenkrad.

Er war ein großer, sportlicher Schwarzer, den sie gesehen hatte.

Teuer gekleidet.

Seine Augen verbarg er hinter einer teuren Sonnenbrille und seine rechte Hand trug eine Lebensversicherung.

Diese Herrenarmbanduhr strahlte vor Reichtum auf seinem Arm.

Abgesehen davon war Violetta in bemerkenswerter guter und unternehmungslustiger Verfassung für jemanden, der gerade eine depressive Lebenskrise überwunden hatte.

 

Kapitel 10

Eine Kellnerin kam an unserem Tisch vorbei und brachte zwei Tassen Kaffee.

Sie war echt schon Mitte Fünfzig.

Und wie sah sie aus?

Als ob sie vor vielen Lebzeiten, verfolgt vom lebenserfahrenen Schicksal, ein tanzendes Showgirl gewesen war.

Alles, was von ihrem früheren Glamour geblieben war, waren Mascara, gebleichtes blondes Haar, die großen Silikonbrüste und eine faszinierende Stimme, so heiser, dass sie den anspruchsvollen Krähen Konkurrenz machen konnte.

Als die Kellnerin sich endlich verzog, fuhr Violetta impulsiv fort mit dem – von einer fantasiereichen Liebesgeschichte, die wie ein Vulkanausbruch begonnen hatte und plötzlich und überraschend im heißen Sande verlief.

Wie Violetta da saß und offen und überzeugt mit mir redete, sah sie aus wie eine nervige Kundin, die unter dem Haartrockner sitzt und mit ihrem schwulen Friseur tratscht.

Ich lachte sarkastisch.

Ich war nicht sicher, aber ich glaubte zu sehen, dass salzige Tränen in ihren Augen traten.

„Violetta“, sagte ich, „Das Leben kann sich ändern.“ Menschen können sich ändern. „Auch ich kann mich ändern.“

War das nicht bedeutungsvoll?

„Es kann auch dir passieren.“ Bemerkte ich noch schnell.

„Sie mich nicht an!“, sagte sie. Du machst es nur noch schlimmer. Wer bist du jetzt? Ein Seelsorger?

Violetta grinste und musste sich das Lachen verkneifen, als sie sah, wie ich darauf reagierte.

„Sehe ich vielleicht aus, wie ein Pastor?“, konterte ich zurück.

„Es ist einfach wunderschön, wenn du dich Gedanken um mich machst“, antwortete sie, ehrlich beeindruckt.

„Lass uns jetzt über was anderes reden“, schnaufte sie immer noch, in dem sie sich abwandte.

Wie ein Wunder sah ich an der Bar zwei Personen, die einen Whisky tranken und mit dem Barkeeper einen Witz machten.

Es war Bobby Ewing, mit Sue Ellen Ewing, aus Dallas.

Sie sind alt geworden, im Fernsehen sehen sie jünger aus.

Aber das ist absolut nicht mein Problem gewesen, denn ich wollte mit ihnen Bekanntschaft machen. Und sie machen mir ein unmoralisches Angebot: Sie überweisen mir ein paar kleine Millionen auf meine Schweizer Bank.

„Worüber möchtest du denn mit den Ewings reden?“, fragte mich Violetta.

Wenn ich das gewusst hätte, dann würde ich ihr eine Antwort geben.

Prof. Dr. hc. J. R. E. Bommel, der mörderische Schatten aller Gewinner im Ölbusiness, war nicht mit dabei.

Vielleicht, wie viel Öllöcher sie noch haben, und was ihre gut aussehende Sekretärin so verdient.

Ich wandte mich wieder Violetta zu.

Dann kam plötzlich ein Taxi.

Der Taxifahrer rannte locker zur Bar und kündete beim Barkeeper sein Erscheinen an.

Violetta starrte mich an.

Das Taxi war für die Ewings.

Ich wollte gerade sagen, dass ich die Ewings sehr wohl kannte.

Aber da war ein neuer Ausdruck in Violettas Augen, als ich sie enttäuscht ansah.

Der Ausdruck sagte mir: Bleibe bei deinem Gleichen, nicht bei Leuten, die nur dein Geld wollen.

Dies war ein Sommer, in dem ich einen neuen Job angenommen hatte.

Violetta sprach ausschließlich davon, dass sie eine abenteuerliche Kreuzfahrt in der Karibik machen will.

Ich hatte keine Lust, ihr weiter zuzuhören, und bin durchaus zufrieden mit dem Leben.

Vielleicht ein wenig stressig in der Branche, aber auf der Straße ist es gefährlicher.

Und abgesehen davon hatte meine Mutter schon gesagt, dass ich allein vom Arbeiten nicht reich werden kann.

Ich hatte damals absolut keine Lust gehabt, Abitur zu machen, aber aus unerfindlichen Gründen hatte sie sich nichts Sehnlichster gewünscht.

Manchmal beobachtete ich zufällig, wie ihre Hände zitterten, als sie das Schulzeugnis von mir las.

Ich fragte mich, welche Gedanken ihr dabei durch den Kopf gingen.

Meine Mutter hatte tagaus, tagein nichts anderes zu tun, als mir bei den Hausaufgaben an der Seite zu sitzen.

Meine Nachmittage verbrachte ich damit, Lernaufgaben zu machen, und dabei musste ich auch noch auf meine kleine, launische Schwester aufpassen, die immer anfing zu heulen, wenn sie etwas von mir wollte.

Ebenso gut hätte sie auch heulen können, wenn sie nichts haben wollte.

Ich fühlte mich dabei nicht gerade toll, wenn meine Mutter dann kam und mir mit der Hand an den Kopf schlug.

Immer wieder, immer wieder schlug sie mir an den Kopf, nur weil meine Schwester heulte, ohne einen Grund zu haben.

Sie weinte, sie heulte, sie flennte und schrie nach Mama.

Ekligen Rotz und salziges Wasser hatte sie geheult.

Mein Vater hatte es gern, wenn ich mich auch für seine kreativen Hobbys interessierte.

Ich erzählte oft meinem Vater von Hartmut auf dem Hof, dem dicken Jungen mit Topfrisur, mit dem ich oft Fußball gespielt habe, und er stand immer im Tor, weil er so fett war. Eines frühen Morgens wachte ich schweißgebadet aus einem verrückten Traum auf.

Violetta sah mich ängstlich an und brabbelte etwas dahin.

Ich sprang auf und eilte ins Bad, um mir mit kaltem Wasser das Gesicht abzukühlen. Ich trocknete mir die Hände im Handtuch.

Violetta kam zu mir hergerannt und versuchte, aus mir etwas herauszubekommen, und hörte mir zu, was ich nicht sagte.

Sie starrte mich an und sprach zu mir, was denn mit mir los sei.

Und ich versuchte ihr zu erzählen, was ich geträumt hatte: „Keine andere Frau neben mir, sonst muss ich sterben, sterben, sterben, hat die Alte gesagt.“

Violetta stand aufgeregt neben mir und dachte, was sich in der nächsten ungewissen Zeit noch auf sie zukommen wird.

„Was meinte die Alte mit Sterben?“, fragte ich und zitterte plötzlich am ganzen Körper.

Mir war sehr kalt geworden.

Ihre Augen waren auf mich gerichtet.

„Hmmm.“, sagte sie. „Hmmm.“

Ich ließ den Blick über ihre Augen schweifen.

Nun sah ich aus wie ein ersehnter Kalkstein, der auf seine spektakuläre Enthüllung des Jahrhunderts wartete.

Später, vom Hotel aus, gingen ich und Violetta eine staubige, unbefestigte Straße hinunter.

Hier war das totale Chaos, voll von nervigen und neugierigen Kindern und verschiedenen Tieren, die auf diese Straße hin schifften oder ungeniert hinkackten.

Violetta dachte sich, dass Key West mit all seiner Farbenpracht und lockeren, wie freundlichen Art gefallen würde.

Aber auf diesem Trip hatten Sie und ich viele Sachen im Kopf.

Bei meinem letzten Auftrag als Killer muss ich überleben.

Ich wünschte mir nichts so sehr auf der Welt, als dass ich noch einmal von vorne anfangen könnte. Das würde nicht meine gesamten Probleme lösen, aber es würde helfen.

Unterdessen erzählte Violetta Schauergeschichten über diesen Fredy, der sich in seine Wohnung eine Geisel genommen hatte.

Diese fiktiven Geschichten haben mir sogar Angst gemacht.

Der Fredy beunruhigte mich, wenn ich ihm im Dunkeln begegnen würde.

Denn, so einer ist ein neurotischer Psychopath.

„Ich meine, dieser kaputte Typ hat seine eigene Mutter getötet“, fing Violetta an zu erzählen und grinste dabei, als ob ihr das nichts ausmachen würde. „So verrückt ist der Typ.“ Und weißt du, Roger, was er dann getan hat, nachdem er sie umgebracht hatte? „Er hat sie in kleine Stücke geschnitten und eingepackt in Plastesäcken, in die Tiefkühltruhe gestapelt.“

„Sicher“, antwortete ich, ohne es zu glauben.

„Hör mal!“, sagte Violetta. „Wenn ich bei der Presse einen Typen, nur einen einzigen kaputten Typen, erzählen würde, hättest du deine arme Mutter in Stücke zerteilt und in der Tiefkühltruhe aufbewahrt.“ „Hättest du auch so einen Ruf?“

„Ob es nun stimmt“, versuchte ich ihr verständlich zu erklären, „das spielt überhaupt keine Rolle.“ Sei nicht so naiv, Violetta. Der Typ ist ein Verrückter, der seine Mutter in Stücke schneidet und in der Tiefkühltruhe aufbewahrt. Für wen? Und für was?

„Also, weshalb machst du dir denn so einen Stress?“, fragte Violetta. „Wenn er ein Angeber und ein Spinner ist?“

„Was mich stört, Violetta, ist die Tatsache, dass er kein Auftragskiller ist. Er tötete aus Liebe, Neid und Gier, auf das Erbe seiner Mutter.

„Violetta fing an, mir gewaltig auf die Nerven zu gehen.“

Sie wandte sich ab und beschleunigte ihre Schritte. Als sie sich noch einmal umschaute, warf sie mir einen vernichtenden Blick zu.

„Danke“, rief ich ihr zu.

Jetzt fühle ich mich super.

Auf dem Marktplatz war ein unglaubliches Durcheinander von Trödel.

Wohin wir blickten, konnten.

Töpfe und alte Pfannen, alte Radios, asiatische Armbanduhren, Antiquariate, Musikinstrumente, billige Designerklamotten, Strohhüte, Autoteile von Nobelkarossen und was man sich nur vorstellen konnte, wurde hier für einen Spottpreis verhökert.

Ich entdeckte sogar eine neue Schachtel mit funktionierenden Handschellen, die so aussahen, als ob sie vor mehr als fünfzig Jahren zur diversen Polizeiausrüstung gehört hatten.

Ein alter Mann musterte Violetta teilnahmslos.

„Haben sie einen Augenfehler oder haben sie den Eindruck, dass ich nicht ihre Sprache spreche?“, fragte ich.

Violetta versuchte es auf eine nette und sanfte Art.

Sie lächelte den Alten ermutigend zu.

Der alte Mann blickte von dem einen Passanten zum anderen.

Schließlich seufzte er verächtlich und nickte.

Irgendwie war ich beeindruckt von dem Alten.

Und der alte Mann nahm ein paar Handschellen aus der Schachtel.

„Vielleicht würden sie einmal nützlich sein.“, sagte der Alte, gab mir die Handschellen und lächelte dabei Violetta ironisch zu.

Sie musste natürlich zurück lächeln.

„Das ist nichts Persönliches, verstehst du?“, sagte der alte Mann.

Ich zuckte schicksalsergeben mit den Schultern.

Violetta seufzte, schüttelte den Kopf und blickte dann zu mir auf.

Der Alte nickte und sah uns entgeistert an.

„Ist das nicht verrückt?“, fragte ich Violetta.

„Ja, es ist verrückt.“, erwiderte sie.

Aber Violetta konnte nur verwirrt noch den Kopf schütteln.

Dabei gab es keine Logik, was eben geschehen war.

„Du bist der Mann, Roger“, sagte Violetta und warf mir ein paar Handschellen aus der Schachtel zu und lachte.

„Komm! Du bist der Mann, Roger!“, wiederholte sie, lachte laut und provozierte mich auf eine erotische Art und Weise.

Später im Hotelzimmer kam Violetta zu mir rüber, setzte sich neben mir auf das Bett und hielt meine Hände in das Eisengitter.

Sie lachte laut.

In diesem Augenblick, als ich nicht darauf achtete, legte sie mir blitzschnell die Handschellen an.

Dann verließ sie das Hotelzimmer und das Hotel ganz.

Eine Schar von alten Kerlen sah ihr nach, wie sie lustig und vergnügt das Hotel hinter sich ließ. Zuversichtlich überquerte sie die Straße, mit neu gewonnener Entschlossenheit.

Violetta lächelte und dachte sich: „Jetzt muss er mich heiraten.“

Ich wachte allein auf in dem Bett, wo Violetta mich mit den Handschellen gefesselt hatte.

Die Klimaanlage summte.

Der Geruch von erkaltetem Zigarettenrauch hing in der Luft.

Und ein Rauchen könnte ich jetzt auch.

Die Tür stand offen, aber Violetta war nirgendwo zu sehen, weder noch zu hören.

Ich nahm an, dass sie etwas Essen gegangen war.

Der Aschenbecher war voll und auf dem Tisch standen halbvolle Gläser mit Orangensaft.

Leise kehrte Violetta von ihrem emotionalen Ausflug zurück und steuerte gezielt auf die Dusche zu, in der großen Hoffnung, dass heißes Wasser und viel Dampf sie in ein menschliches Wesen zurück verwandeln würden.

Bevor sie das Bad betrat, machte sie sich die Mühe, mich von den Handschellen zu befreien.

Ich war still und sagte nichts.

Als Violetta die Dusche aufdrehte, stieg ich aus dem Bett. Und als sie in die Duschkabine trat, pirschte ich splitternackt mit den Handschellen durch das Hotelzimmer auf das Bad zu.

Sie legte die Arme um meine Schultern und küsste mich innig und gemein.

„Ich wollte oft wie meine Mutter sein“, sagte sie, „weil sie lange Haare hatte, die rötlich schimmerten.

Violetta knisterte innerlich vor Erregung.

Sie hatte offenbar irgendein Gen in sich, das ihr erbarmungslose und zielstrebige Impulsivität verlieh.

Ein sensibles Gen, das mir ganz und gar fehlte, musste ich feststellen.

„Einmal nur“, fing sie an zu erzählen, „als das Licht der untergehenden Sonne ins Hotelzimmer fiel, musste ich erleben, dass meine Haare rot aussahen, wie die meiner Mutter.“ Fasziniert sah ich, wie die Sonnenstrahlen ein paar Minuten lang meinen Kopf in Brand setzen. Ich fasste mir ins lockere, glänzende Haar, hielt es neugierig hoch und ließ die einzelnen roten Strähnen nach und nach wieder fallen. Dabei hatte ich das atemberaubende Gefühl, in einem falschen Körper zu sein. „Schweißperlen liefen mir über den Rücken.“

Einen Augenblick spürte ich, mit einer anderen Frau unter der Dusche zu sein.

Wie ein Riss meiner Gedanken fing Violetta ihren Körper unbarmherzig mit einer Bürste zu schrubben, als gehörte er nicht ihr.

Für einen Moment war ihr Körper nicht jung, nicht elastisch und nicht neugierig genug.

Ich versuchte mir vorzustellen, wie es ist, sich nichts zu wünschen.

Dann werde ich von den Frauen nicht mehr so enttäuscht.

Aber, ich versuchte, alle meine Wünsche durch den Abfluss rinnen zu lassen, sie unter mir, zum Schweigen gebracht, davon wirbeln zu sehen.

Nur bei Violetta funktionierte es nicht.

Sie träumte, sogar am Tag, immer noch dieselben Träume, aber sie sprach nie direkt darüber.

Violetta machte immer solche Andeutungen, dass sie heiraten wolle.

Aber wen?

Und wie sollte er aussehen? Die ganze Stadt war mittlerweile in ängstlicher Aufregung, durch die Mafia stieg die Anspannung ständig.

Der ungewöhnliche Tagesablauf der herzhaften Bürger war geprägt von äußerster Vorsicht.

In ihren Köpfen spukte ständig das Gebot, wie das Zweite.

Denn sie passten höllisch auf, nicht den einen letzten Fehler zu begehen.

Aber es passierte gar nichts.

Trotzdem gingen die Leute nur mit rotem Kopf nach Hause und die Mütter drückten ihre Kinder ein wenig fester an die Brust als sonst, wenn sie durch die Stadt eilten.

Eine alte Frau genoss die direkte Aufmerksamkeit ihres ängstlichen Publikums.

Denn sie bemerkte offenbar nicht, was in der Stadt vor sich ging.

Die Alte stellte den Leuten wissensdurstige Fragen, aber keiner hörte ihr zu.

Nachdem aber ein kleines Mädchen sie sah, nickte die alte Frau im richtigen Augenblick.

Das fröhliche Mädchen pflückte eine wohlriechende Blume aus dem Garten und schenkte sie der Alten, bevor sie sich auf den Heimweg machte.

Die alte Frau nahm die Blume in die Hand und saß friedlich und geduldig, die Fingerspitzen über die Blüte, da.

Ich fuhr mit Violetta schweigend zum Hotel zurück.

Überrascht sah Violetta, dass sich auf dem Parkplatz unseres Hotels eine Menschenmenge gebildet hatte.

Beim Näherkommen hörten wir laute Gesprächsfetzen.

„Was ist denn hier passiert?“, fragte ich Violetta, die neugierig dem impulsiven Geschehen aus dem Sportwagen nachschaute.

„Jemand soll sich das Leben genommen haben“, antwortete Violetta in sachlichem Ton, als würde es regelmäßig zum Freizeitsport gehören.

„Selbstmord?“, fragte ich noch einmal, um mich zu vergewissern, was wirklich passiert war.

Ja, doch. „Kopfsprung, direkt vom Balkon“, erwiderte sie und schaute der Menschenmasse immer noch nach.

„Komm!“, sagte ich, ergriff Violettas Arm und führte sie unauffällig ins Hotel.

Rasch durchquerten wir die Lobby, auf die Fahrstühle zu.

Als wir in unserer Etage aus dem stickigen Fahrstuhl stiegen, erblickte ich als Erstes, verblüfft mehrere uniformierte und nicht uniformierte Cops, wie sie an jede Zimmertür klopften und über Walkie-Talkies mit ihren Kollegen im Erdgeschoss sprachen.

Mit einem coolen Lächeln gingen wir zügig den Gang auf der Etage entlang und ich öffnete unbekümmert die Tür vom Hotelzimmer.

Violetta ging als Erstes hinein.

Im Nebenzimmer stand die Tür halb offen und laut lief das Radio noch.

Die Glastür zum großen Außenbalkon stand offen, die langen Gardinen bauschten sich im leichten Wind.

Ich drehte mich langsam, nichts sagend zu Violetta um.

Plötzlich wurde an die Zimmertür geklopft.

Ich bat Violetta, still zu sein, indem ich den Zeigefinger auf den Mund legte.

Erneut wurde geklopft.

Aber lauter diesmal.

Ich deutete Violetta mit einem kurzen Handzeichen, sich nicht zu rühren und zu bleiben, wo sie war.

Dann ging ich und öffnete die Tür.

Violetta lehnte sich leise an die Wand und versuchte nicht zu weinen.

Sie war nicht sicher, ob sie sich noch lange auf den Beinen halten konnte.

Sie horchte, wie ich den Cop draußen auf dem Flur abwimmelte.

„Guten Tag, bitte entschuldigen Sie die Störung“, sagte der Cop, „Aber ich fürchte, es hat einen schrecklichen Vorfall gegeben.“ Darf ich fragen, wer sich alles in ihrem Zimmer aufhält?

Ja. Warum nicht? „Nur meine Frau und ich“, antwortete ich.

Der Cop im elfenbeinfarbenen Anzug und krasser bunter Krawatte sah sich neugierig um und ich stellte fest, dass ähnliche Verhöre zwischen Cops und Gästen überall in den Korridoren geführt wurden.

Das Zimmer neben uns würde als Nächstes dran sein.

„Okay, Sir.“ Vielen Dank. „Tut mir Leid, dass ich Sie in einer heiklen Situation gestört habe“, sagte der Cop.

„Kein Problem“, sagte ich verständnisvoll.

Nachdem der Cop weg war, ging ich ins Nebenzimmer, wo Violetta an der Wand „klebte“ und immer noch schluchzte.

Sie fühlte sich wie ein Zombie.

Denn sie hatte keine Kraft, sich zu bewegen.

Ich jedoch setzte mich in den Sessel und machte mir Gedanken.

Ich wandte mich dem offenen Fenster mit der flatternden Gardine zu.

Mein Gesicht löste sich augenblicklich aus der Erstarrung.

Dann starrte ich, wie ein Sadist zu seinem Diener, auf den Fußboden und bemerkte etwas Glitzerndes auf dem grauen Teppich, direkt neben meinem Fuß.

Es war Violetta, goldenes Fußkettchen.

Ich beugte mich vor und hob es auf.

Das Kettchen war zerrissen, weil das weiche Metall auseinandergebrochen war.

Ich schüttelte anteilmäßig den Kopf, seufzte und versuchte, meine unbeschreiblichen Gefühle im Zaun zu halten.

Gefühle waren bei keinem Job gut.

Das wusste ich genau.

Ich zündete mir eine Zigarette an und warf das erloschene Streichholz in den Aschenbecher auf dem Couchtisch.

Violetta kam auf die Couch und nahm mir die Zigarette aus der Hand, zog daran und blies den inhalierten Rauch mir ins Gesicht.

Es war sonderbar.

Da waren etliche ausgedrückte Kippen und ein Berg von Zigarettenasche, das war schon ziemlich abstoßend, im Aschenbecher, und keiner leerte ihn.

Mit meiner letzten Zigarette ging Violetta, ohne ein winziges Wort zu verlieren, ins Bad und stellte sich vor das Waschbecken, legte die glühende Zigarette auf den trocknen Rand des Waschbeckens und klatschte sich kaltes Wasser ins Gesicht.

Sie konnte nicht aufhören zu weinen, was sich schon eine lange Zeit hingezogen hatte.

Ich glaube, das ist die Lieblingsbeschäftigung der Frauen.

Sie weinen, wenn sie nichts zu reden haben.

Gefühlsmäßig gesehen steckte sie aber ganz schön neben sich.

Und körperlich?

Natürlich auch.

Sie hätte sich gewünscht, ich wäre bei ihr gewesen und hätte ihr verheultes Gesicht mit dem nassen Handtuch abgetupft und beruhigend auf sie eingeredet.

Bin ich vielleicht Ihr schwuler Friseur?

Bin ich ihr Seelendoktor?

Nein.

Erschrocken drehte Violetta sich um, weil sie dachte, ich stehe hinter ihr.

Aber es war nicht ich, sondern ein Geist, den Sie sah.

Sie brauchte etliche Sekunden, um ihre Augen und ihr Gehirn in Einklang zu bringen, denn was sie sah, war eindeutig unmöglich.

Aber was ist schon unmöglich, wenn man an Gott glauben soll!

Violettas Augen weiteten sich vor Angst.

Doch bevor sie lautlos schreien konnte, nahm sie noch einen tiefen Zug von ihrer Zigarette.

In diesem Moment hatte Violetta keine Ahnung, wohin ich gegangen sein konnte.

Aber sie hoffte sehr, dass ich nicht weit weh war.

Sie folgte ihrem ängstlichen Blick und sah, dass die Zimmertür erstaunlicherweise weit offen stand.

Violetta hatte ein Gefühl, das sie nicht sofort einordnen konnte.

Dann, unvermittelt, feuerte jemand auf die Tür und schoss das ganze Magazin leer.

Der Lärm war ohrenbetäubend.

Das Krachen der Schüsse und das Geräusch des splitternden Holzes halten die kahlen Wände zurück.

Als der kräftige Mann mit der großen Narbe im Gesicht überzeugt war, dass hinter der Tür niemand überlebt haben konnte, riss er die durchgeschossene Tür weg.

Aber da war niemand.

Violetta konnte sich noch in letzter Minute hinter der Couch verstecken und suchte dort Schutz.

Auf der anderen Seite des Zimmers steckte ich vorsichtig meinen Kopf zwischen den wehenden Gardinen hervor.

„Du dämliches Arschloch“, schrie ich laut, um den Kerl abzuschrecken. Das hilft ungemein und man hat einen Vorteil.

Manchmal auch zwei.

Der Kerl, mit der fiesen Narbe im Gesicht, hatte keine Chance.

Ich begann zu feuern.

„Hasta la vista, Baby!“, schrie ich, „Hasta pronto!“, „Im nächsten Leben.“

Schuss um Schuss – und der fette Klops wurde gegen die Wand zurückgeschleudert und fiel wie ein stinkender Matschklos auf den Fußboden.

Immer wieder wurde der Kerl getroffen, bis plötzlich überraschend mir die Pistole aus der Hand flog und auf dem Teppich landete. Doch der Kerl lag da, keuchte vor unangenehmen Schmerzen und wollte nicht sterben. Wieder versuchte er mit letzter Kraft, sich aufzusetzen, als ich erneut feuerte. Aber dann stand ich direkt über dem nach Luft hechelnden Mann und zielte mit der Waffe direkt in sein vernarbtes und grinsendes Gesicht. „Du bist gut angezogen, um zu sterben“, sagte ich und lächelte zynisch. Das muss man dir lassen. Aber du bist trotzdem ein bescheuertes Arschloch. Trägst Designerklamotten, stimmts? „Roger, tu es nicht!“, sagte Violetta atemlos. „Bitte tu es nicht!“ „Meinst du, ich sollte auf sie hören?“, fragte ich, ohne den Blick von dem Mann abzuwenden, um kurz nach Violetta zu blicken. „Ja?“, hechelte der Mann fast unverständlich, „Nun, möchtest du es wirklich wissen?“ Wie ich den Pistolenlauf auf seinen Kopf richtete, grinste er mich noch einmal frech an. Ich drückte ab.

 

 

Kapitel 11

Am Nachmittag ging Violetta spazieren, um das, was passiert ist, zu versuchen.

Als es neun Uhr wurde, machte ich mir Gedanken.

Nach einer Weile drehte ich den Fernseher an, obwohl mir klar war, dass die Kiste mich nur an plärren würde und ich mit meinen Gedanken bei Violetta bin.

In der Zwischenzeit hatte ich schon die Leiche im Busch, ganz weit draußen im Sumpfgebiet, tief vergraben.

Und das Hotelzimmer habe ich auch so weit von dem stickenden Dreck gesäubert.

Denn damit kenne' ich mich schon gut aus und hinterlasse keine Spuren.

Um elf Uhr abends begann ich mir richtig Sorgen zu machen.

Mit dem Sportwagen irrte ich durch die Stadt und suchte nach Ihrem vertrauten Gang.

Es war aber niemand auf der Straße außer betrunkenen Ganoven, die sich auf den Gehwegen aneinander vorbeidrängten.

Als ich zurück ins Hotel kam, war der Fernseher immer noch an gewesen.

Klar, den hatte ich vergessen auszustellen.

Minuten später hörte ich die Zimmertür leise gehen und Violettas zurückhaltende Stimme kam aus der Dunkelheit.

„Roger!“, rief sie. „Roger Muerte!“

„Violetta!“, erwiderte ich überraschend. „Mach dir keine Sorgen, Liebling. Es ist schon alles passiert.“

„Vielleicht sollte ich die Polizei verständigen“, sagte sie.

„Nein“, sagte ich, denn ich war im Augenblick voller Panik von ihr versetzt worden.

Violetta wusste, dass ich Unrecht hatte, mit ihrem enormen Gerechtigkeitssinn.

Aber das verrückte Leben ist nun mal gefährlich, wenn man so einen Job hat.

Aber zu meiner Beruhigung blieb ich die ganze Nacht vor dem laufenden Fernseher sitzen.

Dabei achtete ich kaum auf das spannende Programm, sondern betrachtete die Lampe an der Decke, bewegte ab und zu mein Handgelenk und schaute zu Violetta, nur um sicherzugehen, dass sie noch da war.

Und nicht zu den Bullen geht.

Der nächste Tag, am späten Abend im Hotel, schrieb Violetta immer noch an ihren Roman.

Sie war gut im Schreiben.

Violetta war ehrgeizig.

Sie hörte, wie das Telefon klingelte.

Merkwürdig, dass jemand so spät am Abend noch anrief.

Nach einer Weile wurde ich neugierig, ging hinüber und nahm den Hörer ab.

Es war Antonia.

Und ich fragte mich: Warum, zum Teufel, ruft sie jetzt an?

Ich wollte wieder den Hörer auflegen, wenn mich Violetta nicht gefragt hätte, wer am Apparat ist.

„Antonia“, erwiderte ich sarkastisch.

„Verdammter Hurensohn!“, schrie sie und war empört darüber, dass ich ihr nicht Bescheid gesagt habe. „Warum sagst du nichts und gibts mir den Hörer?“

Zuerst war Violetta wütend.

Absolut sauer.

Doch dann durchdachte sie die Sache gründlicher, denn Antonia hatte jetzt im unpassenden Augenblick angerufen.

Ein Lächeln zeigte sich in Ihrem Mundwinkel.

Sie machte es sich auf der Couch gemütlich und telefonierte mit Antonia, der Klatschtante der Nation.

Dabei hätte ich in einem Café sitzen können und Violetta wäre dabei gewesen.

Aus dem offenen Fenster sah ich das Flugzeug, wie es ohne mich in den Wolken fliegt.

Diesmal fühlte ich mich extrem gestresst.

Ärger und Enttäuschung hatten mir leichtes Sodbrennen und stechende Kopfschmerzen gleichzeitig eingebracht.

Auch ein paar Kilo habe ich auf den Leib zugenommen.

„Viel mehr kann ein Mann nicht mehr verkraften“, dachte ich.

Um Violettas Willen blieb ich vor ihr stehen und versuchte an etwas Schönes zu denken.

Irgendetwas, wie an schmutzigem Sex.

Es war in diesem Moment nicht leicht für mich, aber nachdem ich einen Augenblick überlegt hatte, erkannte ich, dass es ein paar Dinge gab, die ich als einen Segen betrachten konnte.

Welche waren es jetzt, wenn ich sie aufzählen muss?

Es war geradezu so, als würde mein Unterbewusstsein einen eigenen Willen haben und sich weigern, die paar Dinge zu sagen.

Das Mondlicht sickerte durch das vordere Fenster.

Es waren jetzt vier Uhr morgens.

Wir hatten mehrere erotische Stunden intensiven Zusammenseins hinter uns.

Gegenseitiger Fantasieaustausch der leidenschaftlichen und schmutzigen Gefühle.

Wenn ich ehrlich war, konnte ich es nicht fassen, was für einen Mut Violetta nach der Flasche Schampus hatte.

Verdammt, Violetta hatte versucht, mich wieder ans Bett zu fesseln, indem sie die Handschellen von irgendwo plötzlich herholte.

„Ich verhungere“, stöhnte sie und stellte sich vor, ich sei ein Hero-Hamburger mit kleinen, süßen, aber pikanten Mixed-Pickels, Zwiebeln (wie pervers), Schweizer Käse, Tomaten, Salat, roten Paprika und einer Extraportion Mayonnaise und scharfen Senf.

„Gehen wir noch einmal zurück zu dem, wo wir gerade stehen geblieben waren?“, schlug ich vor.

Violetta verdrehte die Augen.

„O Mann!“, sagte sie. „Ja, sicher, gehen wir noch mal für eine Sekunde zu der schönsten Sache zurück." Bist du dir im Klaren über die Ausmaße dessen, was du von mir verlangst? Heiraten ist eine große, große romantische Sache. Und außerdem reden wir über etwas, das dir sowieso nicht mehr gehört. „Dein kräftiger und steifer Kolben, den ich jetzt fest in der Hand halte, wie du es spüren kannst.“

„Du irrst dich, Schatz, du irrst dich“, sagte ich, besorgt um mein schönstes Glied zwischen den Beinen, wenn ich es retten kann.

„Verstehst du, was ich meine?“ Abgesehen davon: Wenn unsere Tochter kommt und ihren armen Daddy sieht, werde ich ihr sagen müssen: „Verdammt!“ „Bist du schwanger?“, fragte ich und fühlte mich hintergangen und überrumpelt. Ich dachte darüber nach.

Die krasse Vorstellung, dass sie schwanger ist, war eine lausige Neuigkeit, so oder so.

Heiraten würde ich nicht, wenn Violetta schwanger wäre, damit sie mir meinen Rest des Lebens versaut und mir die Luft zum Atmen nimmt.

Das Leben ist kurz, aber der Tod ist sehr lang.

Sehr sehr lang.

Aber dann kann sie sich von mir ein Kind wünschen, wenn ich in der Kiste liege.

Es war von Violetta Erpressung der grausamsten und schockierenden Art.

„Du verstehst verdammt gut, Roger.“, sagte sie nachdenklich.

„Hör zu“, sagte ich, „ich habe niemals vorgehabt, in den USA zu heiraten, geschweige denn in Deutschland.“ Ich bin ein schwieriger Kerl, was das Zusammenleben angeht. Ich halte an meinen originellen Gewohnheiten fest. Die Tatsache, dass du dir eine süße Tochter wünschst, hat einfach nichts mit mir zu tun. Du bist gesund und stark. „Und sehr gebärfreudig, mit deinem Arsch.“

„Das glaube ich auch“, seufzte sie und weinte.

Ein rosiges Morgengrauen berührte die geschlossenen Fenster des Hotels und sehr bald erblühte der herrliche Morgen, mit all seiner schwülen Hitze, seinem Lärm und seinem feinen Staub.

Für mich war es eine sehr lange Nacht gewesen und ebenso für Violetta.

Als der wunderschöne Tag anbrach, war Violetta immer noch mit dem verrückten Plan beschäftigt, in einem harmonischen Leben des wunderbaren Wohlstands zu leben – mit einer Tochter und ihrem erfolgreichen Mann, wie eine Familie.

„Es ist nicht so einfach“, widersprach ich und versuchte Violetta es noch einmal zu erklären.

Aber sie wollte nichts von mir erklärt haben und rannte ins Bad, wo sie laut schrie und fluchte und vor gewaltiger, egoistischer Wut weinte.

Ich hörte später, wie die Badezimmertür geöffnet wurde.

Ich reckte den Hals und von den Füßen aufwärts sah ich eine sehr hübsche junge Frau.

Es war Violetta, die sich wieder gefangen hat.

Sie war attraktiv, sinnlich im splitternackten Outfit.

Eine Göttin.

Ich fand keine Worte.

Mit leicht wiegendem Gang nährte sie sich mir.

Eine ihrer liebreizenden Augenbrauen war besorgt hochgezogen.

Aber als sie sah, dass mir nichts fehlte, glättete sich ihre Stirn.

Sie lächelte.

Ihr Lächeln war wie die Sonne, die nach Sturmwolken zum Vorschein kommt.

Wie ein Regenbogen.

„Es tut mir leid“, flüsterte sie schüchtern.

Ich sagte nichts, denn ich wollte sie nicht unterbrechen.

Violetta wandte sich mir ganz zu und sah mich mit ihrem lieben und atemberaubenden Lächeln an.

Wir redeten nicht mehr, aber dafür sahen sie uns in die Augen, als wenn sie reden würden.

Violetta beugte sich herüber und küsste mich fröhlich auf die Wange.

Am nächsten Abend nach dem Abendessen hatten wir immer noch keine richtige Lösung für das Heiraten.

Violetta brachte mir frische Milch und Schokokekse und setzte sich dann zu mir ans Bett.

Sie warf mir einen Blick zu, den ich schon kannte, und legte den Zeigefinger auf meine Stirn.

„Du bist ein hübscher Mann, du kannst auch verständnisvoll sein, wenn du nur willst, Roger.“, sagte sie. „Solltest hin und wieder unter lustige Leute gehen, so wie immer.“ „Musst es doch inzwischen satt haben, mit mir hier, der depressiven und melancholischen Kuh, rumzuhängen?“

„Nein“, sagte ich und suchte überraschend und verwundert nach passenden Worten. „Nein.“

Sie schaute mich an und tätschelte mir diesmal den Kopf.

Was ich nicht mochte. Aber Sie wusste das.

Sie spürte, wie ich innerlich lächelte – aber nicht, weil mir das riesigen Spaß machte, nein, es nervte mich.

Um zehn rief sie übers Handy an.

Violetta war in einer Bar in der Stadt und auf dem Weg ins Hotel. Zu Fuß.

Sie hatte noch ungefähr zweihundert Meter vor sich und sie wollte, dass ich von ihrem unerwarteten Eintreffen Bescheid wusste.

Violetta sagte, dass ihre Füße schon voller Blasen seien, denn sie hätte sich gut amüsiert und viel getanzt.

Ich teilte ihr mit, dass ich mir echt Sorgen gemacht habe und ich hatte keine Ahnung, wo sie ist.

„Ich bin müde“, sagte sie.

Violetta war sichtlich glücklich, meine Stimme zu hören.

Sie hatte erwartet, dass ich aufbrausen und ihr vorwerfen würde, dass ich vor Sorge fast gestorben war.

Das sagt man so, „gestorben war“, klingt echt dramatisch.

Oder?

Aber ich hörte mich kein bisschen wütend an.

Die stille Nacht war warm und klar.

Nirgendwo in der Nähe des Hotels brannte unerklärlich das Licht.

Die grünen Vorgärten lagen verlassen da.

Ich blickte aus dem offenen Fenster und blieb mit meinem suchenden Blick vor dem alten Sockel stehen und schaute die kontrollierende Runde.

Der Park war leer.

In der ganzen Umgebung waren die Fenster dunkel. Die Menschen schliefen und ihre unerreichbaren Wünsche haben sie fest an sich gedrückt.

Ich konnte meinen Atem hören, wie er sich unbegreiflich im Stehen beschleunigte.

Eingehüllt war ich von einer weiten, leeren, ungewöhnlichen Stille.

Ich versuchte zur Ruhe zu kommen, damit sich mein Atem beruhigte.

Auf einmal stellte sich Violetta hinter mir und hielt sich an meinen Schultern fest.

Dann schmiegte sie sich eng an meine Brust.

„Roger!“, flüsterte sie.

Und während sich mein Atem beruhigte, spitzte ich die großen Ohren und war darauf gefasst, wenn sich irgendetwas veränderte.

Ich war verwirrt, als Violetta mir ins Ohr flüsterte.

„Schatz, wo bist du?“, flüsterte sie wieder.

„Ich weiß nicht, ob ich es dir erzählen sollte.“, erwiderte ich. „Hast du auch nur die leiseste Vorstellung, was ich in den letzten Scheißtagen durchgemacht habe?“

„Roger“, sagte Violetta. „Was immer du durchgemacht hast, dann multipliziere es und du fängst an, zu verstehen, wie es bei mir aussieht, wie ich mich fühle.“

Ich nickte und versuchte zu multiplizieren.

„Du Scheißkerl, denkst du, dich gibt es nur allein auf dieser scheißbekotzten Welt?“, schrie sie auf einmal wütend.

„Oh, da haben wirs!“ „Wie du mir, so ich dir“, sagte ich und sie provozierte mich zum Schreien, was mir überhaupt nicht liegt.

„Hör auf, mich anzuschreien, du Arschloch, verdammt noch mal!“ Bist du okay? „Wo bist du?“, schrie sie zurück. „Die Dinge sind beschissen, Roger.“ „Wirklich beschissen!“

Violetta weinte jetzt und es brach regelrecht aus ihr heraus.

Ich rieb mir genervt die müden Augen und ich dachte, dass es wirklich die Härte mit Violetta ist.

„Beruhige dich, Violetta!“, sagte ich. „Violetta, beruhige dich.“ Du sollst wissen, dass ich ein Profi bin und weiß, was ich tue. „Violetta, du bist was ganz Besonderes für mich.“

Violetta konnte wirklich nicht glauben, was sie hörte.

Sie verliebte sich in einen Killer, einen Auftragskiller.

Nachdem ich aufhörte, zu quatschen, machte ich mich auf der Couch zu schaffen.

Ich steckte versehentlich meine Hand in eine schmale Ritze von der Couch und fand einen Diamantring!

Oh Gott, ich musste mich zusammennehmen, um nicht laut herauszuschreien, was ich gefunden hatte.

Dann spürte ich, wie es mir in den Fingern kribbelte, und ich machte mich ins Badezimmer.

Ich starrte mich im Spiegel an.

Dann hatte ich das Gefühl, dass ich in diesen ganz besonderen Spiegel aussah, wie ein erwachsener kleiner Junge, der mit sich selbst verliebt ist.

Dem Diamantring gab ich schnell einen Kuss und starrte ihn hingebungsvoll an.

Ich streifte ihn über den Finger.

Während Violetta aus dem Fenster sah, schnalzte sie zufrieden mit der Zunge, und ihre Augen zuckten keiner Wimpern.

In dieser Nacht schliefen wir miteinander.

Obwohl Violetta ihrer nackten Haut süß schmeckte, hatte ich größte Schwierigkeiten, mich in dieser knisternden Nacht auf sie zu konzentrieren.

Nachdem wir mit dem Ficken fertig waren, stellte ich mich unter die kalte Dusche, um den Schweiß abzuspülen, der mich in dieser schönen und unbeschreiblichen Nacht überkam.

„Schatz, komm wieder ins Bett!“, sagte sie, als ich den Ring in der Bodycremetube verschwinden ließ.

Es war nicht einfach, diesen Ring vom Finger abzubekommen, und dass in der Zwischenzeit Violetta es nicht mitbekommen hatte, dass ich diesen Diamantring am Finger hatte.

„Augenblick noch.“, erwiderte ich.

Am nächsten Morgen war ich ziemlich locker und ließ mir nichts anmerken, vom gestrigen, aufregenden Tag.

„Liebling!“, sagte Violetta, „der Ring, den ich auf meinem Ringfinger trage, ist ziemlich locker, dass ich ihn irgendwann verlieren werde.“

Ich kam aus der Dusche.

„Liebling, diesen Ring müssen wir dann zum Goldschmiede bringen, damit er wieder richtig auf deinem Finger sitzt.“

Mitten in der Nacht wachte ich auf und schaute im Badezimmer nach, ob die Bodycremetube auch nicht benutzt wurde.

Ich stieg leise wieder ins Bett.

Am nächsten Tag und eine Stunde nach dem schmackhaften Mittagessen gingen wir zum Swimmingpool, nicht weit weg vom Hotel – drei, vier Schritte.

Wir waren von der zweiten Pina Cola da leicht angesäuselt.

Violettas Ring, mit einem Opal, der ihr locker auf dem Finger sitzt, rutschte ihr ab und an auf den Boden.

Soweit das Auge reichte, rollte er dahin.

Violetta wurde blass und begann an zu heulen.

Aber nichts passierte.

Ihre Finger waren nackt.

Sie erkannte ihre eigenen Hände kaum wieder.

Jetzt begann sie erst richtig an zu heulen.

„Mein Ring war von riesigem Wert.“ „Erinnerungen stecken in ihm“, sagte Violetta und heulte. „Es war der Ring von meiner Mutter.“

Sie heulte und heulte.

Ich lief die Straße hinunter, um Ausschau nach dem Opal-Ring zu halten.

Ein Ring, der viele Meter hinter sich gelassen hatte und sich irgendwo in einer unüberschaubaren Ritze oder in der kleinsten Ecke versteckt hatte.

Es wäre katastrophal für Violetta, wenn ich diesen Ring nicht wieder finde.

Violetta und ich kehrten ins Hotelzimmer zurück.

Sie setzte sich ins Badezimmer und faltete das Toilettenpapier aus ihrer Verzweiflung.

Als Violetta ins Schlafzimmer kam, sagte sie, dass sie auf den Bettlaken wilden Sex mit mir haben will.

„Nein“, sagte ich.

Ich liebe dich doch. „Liebst du mich auch noch?“, erwiderte sie und heulte. „Aber das war der Ring von deiner Mutter.“ sagte ich. „Und ich kann mir nicht vorstellen, dass du so gefühllos zum anderen Thema übergehen kannst.“ Ich nahm ihr Gesicht in meine Hände.

Sie schaute nachdenklich ins Leere.

„Hör zu!“, sagte sie, „Ich bin durcheinander.“

Wir gingen aufeinander zu.

Unsere Umarmung fiel etwas seltsam aus.

Sie hielt sich an meinem Ellenbogen fest und grub mein Kinn in ihrem Hals.

Ich machte mich los und hielt den Diamantring in die Höhe.

„Schau mal her!“, sagte ich, „Vielleicht hilft dir das, deinen Kummer zu vergessen.“

„Was ist das?“, fragte sie.

„Das ist ein Ring“, erwiderte ich und grinste.

„Ach“, sagte sie. „Nah und?“

Violetta war ein bisschen aufgeregt, aber sie ließ sich nichts anmerken.

Also steckte sie den Ring auf ihren Finger.

„Mmmmmmmm.“, sagte sie.

Der Ring glitzerte auf ihrer Hand.

„Steht mir wirklich gut“, sagte sie.

„Merkst du irgendeine Veränderung, in deinen Gefühlen?“, fragte ich.

„Noch nicht.“, erwiderte sie und fing laut an vor Freude zu lachen.

Violetta rückte immer näher an mich heran.

„Sssssssscht!“, sagte sie und küsste mich und plötzlich rutschte ihre Hand in meine Hose.

War es schon eine Vergewaltigung?

Ich werde es bloß keinem verraten, dachte ich.

Violetta und ich saßen entspannt nebeneinander auf dem Bett und warteten darauf, dass jemand etwas sagt.

Violetta beobachtete mich, wie sie kam.

Die stickige Luft war warm und duftete, aber viel exotischer als die deutsche Luft.

Bei einer anderen Gelegenheit hätte Violetta es womöglich romantisch gefunden, an einem fremden und schönen Ort zu sein.

Aber nicht heute.

Selbst unsere Laune schien nicht die beste zu sein.

„Violetta, ich möchte dir eine Frage stellen“, wandte ich mich an sie. „Es ist eine schwierige und komplizierte Frage.“ Also denke in aller Ruhe darüber nach, ehe du dich traust zu antworten. Violetta war sehr gespannt auf eine neugierige Frage. Ich musste leicht grinsen. „Wann bist du an dem Punkt, der da heißt „Genug ist genug?“ Ich blickte auf ihr mokkabraun lackierte Fußnägel.

„Du weißt genau, wo ich stehe, Roger. Ich habe genau nachgedacht. Leider weiß ich die Antwort bereits. »Man weiß, wann es vorbei ist.«

Violetta unterbrach sich und wechselte die gedankliche Ebene.

Es war ihre Art.

„Ich bin zufällig ein eigenes Produkt meiner unerklärlichen, aber wahren Gefühle." Dennoch bin ich dagegen, ein manipuliertes Produkt meiner melancholischen Umgebung zu sein. »Ich brauche Sonnenschein, um zu wachsen, okay?«

Ich starrte sie an und versuchte, irgendeinen Sinn in ihrer Erklärung zu finden.

Lag es an der Sensibilität, die sie hat?

Mehr oder weniger verstand ich, was Sie gerade gesagt hatte.

„Violetta!“, sagte ich, „Sieh mal, in meinem Geschäft bin ich von Einsamkeit umgeben.“ Egal, wie deine Vorstellung vom Leben nach dem Tod aussieht: Es ist furcht einflößend. „Aber die Menschen verdrängen es.“ Violetta runzelt nachdenklich die Stirn. „Diejenigen, die ich ins Jenseits befördere, kennen die leidenschaftliche Liebe.“ „Die meisten davon, die einem anderen etwas von sich selbst gegeben haben und versucht haben, etwas Gescheites aus diesem beschissenen Leben zu machen, hatten Angst, es wieder zu verlieren.“

Ein kleines, wissendes Lächeln ist in ihren Augen.

Ich sehe das von Zeit zu Zeit. „Es flößt mir Furcht und schreckliche Angst ein“, sagte Violetta. „Vielleicht würde ich dies nicht sagen, wenn das mit dem Typen, einer deiner Freunde, auf die du auch gut verzichten könntest, nicht gewesen wäre, der uns überraschend über den Haufen schießen wollte.“

Violettas Argument war stichhaltig, aber sie war trotzdem nicht sicher, wie es mit mir und ihr weitergehen sollte.

Wir lagen im Bett und direkt in der Sonne, die mit voller Lebensenergie durch das offene Fenster strahlte.

Nach einer Weile seufzte Violetta und ich öffnete meinen Koffer.

Ich wühlte verstohlen in der Unterwäsche und zog mir ein frisches Oberhemd über, das ungebügelt aussah.

Ich steckte das weiße Hemd mit langen Armen in den engen Hosenbund.

Ich sah Violetta, wie sie sich aus dem Bett bewegte, bevor sie mich sah.

Sie saß zusammengesunken und doch sexy auf der Bettkante.

Es war eine spektakuläre Körperhaltung, die ich kannte.

Sie stützte das Kinn nachdenklich in der Hand.

Dabei sah sie gut aus.

Eine Augenweide, auch wenn sie nicht das Kinn stützte.

Hauptsache splitternackt und geil.

Sie nur anzusehen, bewirkte, dass mein heißes Blut in Wallung geriet.

Ein gewaltiger Knoten in meiner Brust schien sich gerade vor Erleichterung aufgelöst zu haben.

Ich beobachtete Violettas von der Hitze errötetes Gesicht.

Im ersten Moment schien sich ihre Miene zu erhellen, doch nur für einen winzigen Moment.

Das kurze Aufleuchten ihrer Augen wurde sofort abgelöst von einem zornigen, düsteren Blick.

Sie lenkte ihre Aufmerksamkeit aus dem vorhandenen gefährlichen und maskulinen Element, dem Mann.

Damit bin ich gemeint.

Violetta musterte mich.

Sie sah, dass ich eine Waffe unter das Hosenbein gesteckt hatte.

Was dazu führte, dass die Situation nicht gerade herzlich und freundlich war.

Weder Violetta noch ich sagten ein Wort.

Es war eine schwere Stille.

Sie war mit unausgesprochenen Vorwürfen belastet.

„Roger, hör mal!“, sagte Violetta schließlich. „Du und ich, oder ich und du sind jetzt ein bisschen schlecht drauf.“ „Wir besorgen uns von der Küche was Leckeres zu essen und gehen dann an den Strand.“

„Ich bin einverstanden“, sagte ich. „Lass uns einfach die Klappe halten und die angenehme Sache durchziehen.“

„Du sagst mir nicht, dass ich die Klappe halten soll, Roger.“, erwiderte Violetta, denn sie wollte respektiert werden mit ihrer Meinung.

„Ich kann es nicht erwarten, wenn du einmal deine Klappe halten würdest.“, murmelte ich.

„Ach, halt die Klappe!“, verspottete sie mich.

Dieses Gezanke hielt die ganze Zeit und Violetta hörte nicht auf, während sie per Telefon in der Küche was zu essen bestellte – eine winzige Kleinigkeit.

Ich fühlte mich immer angespannter.

Ein bezahlter Killer mit einer nörgelnden Freundin an seiner Seite.

Der Horror.

Ich hatte genug.

Einfach genug.

Violetta drohte Roger damit, dass sie eines Tages, sie schwört, es bei Gott, ihn und seinen Sportwagen zu Schrott fahren lässt.

Oder verunglücken lassen wird.

So richtig hatte Roger sie mit ihren zerfetzten Wortlauten nicht folgen und verstehen können, bei ihrem unverständlichen Geschrei im Hotelzimmer.

„Hast du verstanden, du Scheißkerl? „Oh“, brüllte Violetta. Ich werde es tun. Sag noch ein Wort! Ein einziges Wort! Dann ..."

„Hältst du jetzt den Mund!“, brüllte ich zurück.

Violetta kreischte laut los.

„Roger!“ sagte sie plötzlich leise und schrie nicht mehr, als hätte sie ihre Maske abgesetzt. „Ich möchte, dass du es weißt, denn du bist das verrückteste Arschloch, dem ich je begegnet bin.“

 

 

Kapitel 12

Als ich zu Mittag von einem meiner Auftraggeber ins Hotel kam, hatte meine Liebe Violetta sich schon einen duftenden Kaffee vom Zimmerkellner bringen lassen. Sie schaute aus dem Sessel zu mir hoch.

„Möchtest du auch einen Kaffee?“, fragte sie. „Wir können einen Kaffee irgendwo in einem guten Straßencafé trinken.“, erwiderte ich kompromissbereit. „Nein“, sagte sie. Ich hockte mich fix und fertig auf den Fußboden, um das Gewicht, es scheint schon, mein totes, zartes männliches Fleisch zu sein, gleichmäßiger verteilen zu können. Dann rollte ich die Schultern einige selbstmörderische Male vor und wieder zurück. „Müsstest du nicht schon längst bei deinem Verleger sein?“, fragte ich, nur mal so. Violetta zuckte mit den Schultern. Damit war für mich auch die Sache erledigt. Es herrschte eine erdrückende Hitze, wie im Hochofen. Gnadenlos und flimmernd stand die Hitze über der leeren Straße. Ich dachte mir, dass ich mir vorkomme, als wäre ich am Arsch der Welt. Aber soweit das triefende Auge reichte, gab es nur Sand, Meer, gar nichts mehr.

Etwa alle fünf Minuten sauste ein Wagen auf der von der glühenden Sonne gebackenen Fahrbahn vorbei.

Es kam mir manchmal vor, als sei ich ziemlich an einem trostlosen Ort, von dem so mancher sich vorstellen konnte, dort möglichst niemals einen Tripper haben zu wollen.

Am Nachmittag machten wir eine Fahrt.

Miami Beach.

Allein dieser Name weckt Träume.

Ich denke an strahlenden Sonnenschein, endlos weiße Strände.

Braun gebrannte und gut gelaunte Menschen wie im Film.

Interessant sind für mich, egal wo ich hinkomme, die Bars und Cafés.

Außerdem gibt es auch viel zu sehen.

Deutsche mit weißen Socken und am Arsch, die schrecklichsten bunten Badeshorts.

Das war ein Witz!

Man kann auch gut die echten schlanken Frauen mit knackigen Hintern und von der Sonne gebräunte Haut sehen.

Und sie lächelten den ganzen Tag.

Das ist mir in Deutschland noch nie passiert, dass mich eine Frau zum Lachen gebracht hätte.

Violetta stieg ohne etwas zu sagen aus dem Sportwagen aus und knallte wie eine Bekloppte die Beifahrertür hinter sich zu.

„Geh schon!“, schreit Violetta. „Geh zu deinen Weibern, den du nur hinterher starren kannst.“

Sie warf mir einen vernichtenden Blick zu, dann drehte sie sich einfach wieder um und ging weg, vorübergehend wortlos.

Auf jeden Fall hätte ich sie nicht verstanden, wenn sie etwas geflüstert hätte.

Ich beobachtete Violetta, wie sie die Straße, wo die Leute mit ihren Inlinern fuhren, überquerte und dann die Böschung auf der anderen Seite zum Strand hinunter lief.

Während ich sie so davongehen sah, schrumpfte mein Zorn zusammen wie der Reifen, den ich einmal platt gefahren hatte.

Ich wusste, ich hatte alles verdorben.

Wirklich?

Es half nichts, dass ich fortwährend den Kopf schüttelte und damit sagen wollte, dass meiner einer, schon viele Rosenkriege erlebt hatte.

Dabei ging es viele Male hart zur Sache.

Aber es gibt nie etwas so Brutales wie bei einem Mann und einer Frau, die sich liebten, im Rosenstreit.

Ich stiege aus und hatte die Schnauze voll von Violettas miesen Launen, wie es ihr so gepasst hatte.

Allein auf dem Beifahrersitz überlegte ich scharf, was ich tun musste, damit ich die dramatische Sache wieder in den Griff kriegte.

Ich war beauftragt worden, einen Koffer Kokain nach Deutschland zu schmuggeln.

Das war der Anfang und das Ende meiner Mission als Drogenkurier.

Nur hatte sich die Sache überhaupt nicht als einfach erwiesen.

Ich ertappte mich dabei.

Das erschien mir vielen zu einfach, aber andererseits gibt es Drogenbosse, die wie Amateure arbeiten und nicht wie Profis.

Nach einer Weile, nur um meine Neugier zu befriedigen, wollte ich das Handschuhfach im Wagen öffnen.

Aber es war verschlossen.

Warum und wer hatte es verschlossen?

Ärgerlich und wütend hieb ich mit der Faust gegen die Klappe.

Sie sprang überraschend auf.

Und da war der Grund, warum das Handschuhfach verschlossen wurde.

Eine Pistole lag drin.

Ich nahm sie heraus und betrachtete sie gründlich.

Die Waffe war viel leichter als sie aussah, sehr solide gearbeitet.

Violetta hatte noch nie eine Waffe gehabt.

In gewisser Weise, selbst ein Killer, wusste ich: Violetta, die tödliche Schönheit, hat sich eine Waffe zugelegt.

Ich legte die Pistole behutsam, mit Bedenken, in das Handschuhfach.

Die Klappe schloss ich wieder und das Schloss war auch wieder funktionstüchtig.

Ich ging in die Brusttasche meiner karierten Jacke und zog meine Pistole heraus, um zu checken, dass alles in Ordnung ist.

Dann blickte ich auf meine Armbanduhr.

Es war noch genug Zeit, um alles Notwendige zu erledigen.

Dieser neue Job, die Drogen aus dem Land zu bringen, war verwirrend für mich gewesen.

Und dann noch, die Sache mit Violetta, hatte eine Menge von Emotionen in mir aufgeweckt, die ich lieber unter dem Deckel gehalten hätte.

Ich hatte mich von Violetta aus der Bahn werfen lassen.

Das war fatal für mich in meiner Lage.

Eigentlich wusste ich, was ich jetzt tun musste.

Ein Lächeln umspielte Rogers Mundwinkel, als er erkannte, wie einfach es sein kann.

Wie schön, wenn Violetta nicht ihren eigenen Kopf durchsetzen will.

Ich zündete mir eine Zigarette an, inhalierte träge und sah Violetta grinsend vom Strand kommen zu.

„Nah, wieder abgeregt?“, fragte ich zynisch Violetta, während ich an der Zigarette zog.

Vier Stunden sind vergangen.

Für Violetta war es zu blöde, um noch auf diese Frage zu antworten.

Auf der Straße herrschte im Augenblick kein Verkehr.

Ich lächelte ein wenig, einfach um zu zeigen, dass ich es ihr nicht wirklich übel nahm.

In meinem delikaten Beruf gewann der eine und verlor der andere.

Dabei bin ich natürlich immer der Gewinner.

Violetta lächelte plötzlich so eigenartig, mit einem Ausdruck im Gesicht, den ich nicht kannte.

„Ich will ins Hotel“, schluchzte sie.

Stillschweigend fuhren wir auf der zweispurigen Straße zurück.

Die Fahrt schlug mich in einen Bann, der mich fast hypnotisierte.

Meile um Meile.

Violetta spürte einen seltsamen Frieden, wie sie früher als Kind, wenn sie lange, sehr lange und ausgiebig geweint hatte.

Aber Sie machte sich Sorgen um mich.

Immer wieder sah sie mich von der frechen Seite an.

Es war die rechte Seite.

Ich saß aber bewegungslos da und starrte wie ein Zombie durch die Frontscheibe auf die Fahrbahn.

Als ich einen coolen Blick zur Seite machte, konnte ich ihre roten, geschwollenen Augen einfangen.

Ich hatte absolut keine Ahnung, was sie dachte. Dabei hätte ich mir so sehr gewünscht, irgendwie zu ihr vordringen zu können.

Aber ich wusste nicht, wie.

Am späten Nachmittag kamen Roger und Violetta wieder im Hotel an.

Ihre deprimierende Stimmung war immer noch leer.

Mehrere Male versuchte ich sie anzusprechen, aber meine arschkriechenden Worte prallten an ihr ab.

Violetta und Roger saßen schweigend nebeneinander auf der Couch und versuchten nicht zu grinsen.

Plötzlich stand sie auf und sah Roger an, als ob sie verzweifelt versuchte, etwas zu sagen.

Aber sie seufzte nur, schüttelte den Kopf und wandte sich ab.

Violetta ging hinüber zu dem großen Glasfenster, durch das sie auf den Swimmingpool hinabblicken konnte.

Sie konnte ein paar badelustige Leute unten schwimmen sehen.

Ich blickte zurück, wo Violetta am Fenster stand, doch ich senkte unauffällig rasch den neugierigen Blick.

Dennoch war ich mir nicht sicher, ob sie mich gesehen hatte.

Wahrscheinlich nicht, dachte ich.

„Sprichst du jetzt gerade mit deinem Gott?“, versuchte ich, aus ihr herauszubekommen.

Ich versuchte auch, Violetta dazu zu bringen, dass sie sich umdreht und zu mir zurückblickt.

Aber sie drehte sich nicht um, keinen Millimeter.

Hatte ich sie schon verloren?

Violetta spürte Übelkeit in der Magengegend.

Sie war auf einmal benommen, umso mehr sie über die Sache nachgedacht hatte, und verwirrt und schlimmer verletzt als jemals zuvor in ihrem Leben.

Ich drehte mich nicht mehr um und wollte um zu pinkeln ins Badezimmer gehen, doch zu meinem grenzenlosen Erstaunen war sie auf einmal da und stand einfach vor mir.

Alles in allem glaubte ich nicht, dass ich noch sehr viel länger warten musste.

Wie immer hatte ich verdammtes Glück.

Der Schmusesong im Radio ging gerade zu Ende.

Violetta lächelte in diesem Augenblick, zufrieden mit sich selbst.

Das Leben war gut, dachte sie sich, wenn man ein Hai in einem Becken voller Guppys war.

Roger musterte Violettas Gesicht, um festzustellen, ob sie ihm etwas vormachte.

Er glaubte es nicht.

Violetta lachte.

Das war kompletter Wahnsinn.

Sie lachte nur, ohne einmal dabei zu atmen.

Auf einmal wurde sie im Gesicht seltsam ruhig und hörte auf zu lachen.

Violetta starrte mich an und ihre kalten Blicke hielten sich fest.

Ich bin unsicher, was ich jetzt tun sollte.

Sie sah mich nur noch an und blieb still.

„Magst du Sex und willst du Schwein, auch Sex?“, fragte sie ich und lachte wieder.

„Ja, in der Tat“, antwortete ich.

„Falsche Antwort!“ konterte sie zurück und kam auf mich, wie eine Irre, zu. Sie schlug mit den Fäusten, den Händen und Füßen auf mich, wie besessen, ein.

Der Lärm war gewaltig.

Tatsächlich konnte ich es nicht fassen.

Ich staunte darüber, was Sie getan hatte.

Denn ich habe mich nicht gewährt, obwohl sie mich andauernd darum bittet, sie zu schlagen.

Aber ich schlage keine Frauen.

Einen Augenblick später begriff Violetta, was sie getan hatte.

„Oh.“, sagte sie und weinte.

Dann sah sie mich an, versuchte mir fest in die Augen zu sehen und nickte, als wollte sie fragen: „Bitte, verzeih mir!“

Ich kniete später neben ihr nieder, als sie sich verzweifelt auf den Teppichboden fallen ließ und weinte.

Erstaunlicherweise – ich konnte in diesem Augenblick auch denken, dass es wirklich noch Wunder gibt – gluckten wir ganz eng beisammen.

Als wir uns küssten, wussten wir nicht mehr, was uns geschehen war.

Meine Hände schwitzten.

Ich wischte Sie an meinen verkrampften und schmerzenden Schenkeln ab.

„Ich liebe dich mehr als ich mich selbst“, sagte ich.

Violetta sah auf, als wäre sie gerührt.

Aber es war für sie alles so verwirrt und sie wusste nicht mehr, was sie denken oder glauben sollte.

Rogers Vergleich beeindruckte Violetta nicht allzu sehr.

Denn Roger hatte keine Angst vor dem Sterben, sonst hätte er diesen Job nicht gemacht.

„Vielleicht solltest du es lassen, mich zu lieben“, schlug Violetta vor.

Ich schwieg und gab ihr keine Antwort.

Ich sah Sie nur an.

„Unser sinnloses Streiten ist ja nervtötend“, stellte Violetta fest.

Kniend in der unbequemen Hocke, sagte sie seufzend: „Ich muss aufs Klo, pinkeln.“

„Dann geh doch!“, sagte ich. Und was hindert dich daran? Sie stand auf und ihre Knie zitterten. Das Bad duftete porentief rein, noch von der Putzfrau heute Morgen, die Fliesen blitzten. Alles glänzt wie neu, es ist geputzt. Und gebleicht? Ein Desinfektionspalast.

 

 

Kapitel 13

Violettas Eltern sind Alkoholiker und dauernd betrunken.

Deshalb fällt es Ihnen nie auf, dass Sie nie zu Hause ist.

Vielleicht bilden ihre Eltern sich ja ein: Sie bringt noch einige Flaschen billigen Fusel, den vom besten Schnapsbrenner und vielleicht noch ein paar Freunde, die richtig mit saufen können.

Ich stelle mir vor, dass bei Violetta zu Hause alle in gelber Unterwäsche oder nackt herumlaufen und das die Luft so richtig mit Wodka geschwängert ist, dass man regelrecht blass und impotent davon wird.

Dass ich solchen unwissenden Eindruck von Violettas zu Hause hatte, bekam sie mit.

Sie sagte und meinte, das stimme nicht.

Violetta nimmt überraschend meine Hand und streichelt meine Finger mit ihren Fingern und zeichnet die stark betonten Linien in meiner Hand nach.

„Roger, du hast eine lange Lebenslinie“, sagte und stellte sie fest.

„Das stimmt gar nicht“, sagte ich.

Meine Hand lässt sie nicht los.

Jetzt küsst sie meine Hand. Ihre vollen Lippen sind ganz weich.

Ich halte Violettas unwiderstehlichem Blick stand.

„Keine Angst“, sagte ich.

Behutsam und vorsichtig küsste ich sie auf den Hals, die Schultern, das Kinn und auf noch viel mehr.

Hatte Roger auch nur den Bruchteil einer unvergleichbaren Sekunde lang geglaubt, dass ihre emotionale Leidenschaft entfacht war?

Roger Muerte, der elegante Mann, lächelte zufrieden.

Violetta war überwältigt vor Freude, mit den flatternden Engeln in ihrem Herzen.

„Liebst du mich, Roger?“, fragte Violetta und schmiegte sich an mich. Sie hielt den Diamantring an ihrem Finger in die Mittagssonne.

„Du weißt, dass ich das tue, Liebes“, erwiderte ich.

„Dann sag es noch mal“, sagte sie. „Ich will es einfach noch mal hören.“

Ich bleibe still und schwieg.

Der Sportwagen fuhr über eine Kreuzung.

Die Hitze flimmerte heute wie eine Fata Morgana über die Straße.

Ich strich mir mit der Hand über das Haar und legte meinen Arm um ihre Schultern, während ich fuhr.

Sie schloss geborgen und müde die Augen.

Violetta sah alles so deutlich vor sich: in einer kleinen Kirche den gut aussehenden jungen und intelligenten Mann und sie, die schöne junge Frau, eine Prinzessin im weißen Hochzeitskleid mit langem Schleier.

Alles vermischte sich jetzt erschreckend, mit ihrem eigenen und Roger Muertes leben.

Mit einem Taxi fuhren wir am nächsten Tag zum Airport.

Und mit einem Gefühl der Zufriedenheit verschenkte ich den geklauten Sportwagen einem glücklichen Pärchen aus der Stadt, die noch einige Besorgungen machten.

Klar, dass man da einen richtigen Wagen braucht, wenn der Mann mit seinen liebsten Schoppen geht.

Trotz der vielen Hindernisse war ich immer noch am Leben. Ich hatte meinen Teil der Geschäfte erfüllt und mit einem bisschen Glück würde der Untergrund des Verbrechens kapieren, dass ich Schluss mit meinem Job gemacht habe.

Im Grunde, so wurde mir klar, war ich immer ein Optimist.

Ich überlegte noch immer, wo ich die Waffe für den Flug nach Deutschland verstauen sollte. Im Augenblick kämpfte ich mich durch das Gewühl der Leute und schlüpfte in die Herrentoilette.

Die Pistole hat mir schon Sorgen bereitet, denn die Kontrollen sind hier in Florida stärker als in Europa. Da hatte ich die Waffe in Einzelteilen zerlegt und gut im Gepäck verstaut, bevor ich abgeflogen bin.

Vom Gefühl her hatte ich diesmal keine Zeit.

Ich schloss mich in eine Toilettenkabine ein und nahm die Waffe, aus dem Pistolenhalfter heraus. Einen kurzen Moment hielt ich die Waffe in der Hand und dachte nach.

Ich musste mich zwingen, und das sollte jetzt schnell gehen, denn Violetta wartete draußen vor Ungeduld auf mich.

Die Waffe ließ ich langsam im Spülkasten versinken, dort, wo man sie nicht finden konnte und nicht zu sehen war.

Ich verließ unauffällig die Toilette und ging durch den überfüllten Flughafen zum Ticketschalter, wo Violetta auf mich schon wartete.

Ihr war auch anzusehen, dass sie zu wenig Schlaf hinter sich hatte.

Die Frau am Schalter war eine attraktive Dunkelhaarige, mit einem Lächeln, das recht freundlich war.

Aber es schien ihr auf sadistische Weise Freude zu bereiten, die hektischen und neurotischen Leute warten zu lassen.

So kam die Schlange nur im Schritttempo voran.

Und das in Zeitlupe.

Dann, welch ein Glück, endlich kamen wir am Schalter an.

Die nette, dunkelhaarige Angestellte nahm freundlich mein altes Rückflugticket und begann, geschäftstüchtig in ihren Computer zu tippen.

Unterdessen hatte ich den Eindruck, dass der arrogante Typ hinter mir in der wartenden Schlange ein bisschen zu nahe stand.

Schwul? „Oder was?“, fragte ich ihn.

Der Typ glotzte mich nur an und sagte: „Sorry. I don't no.“

Typisch: Er verstand kein Deutsch.

Aber wir Deutschen müssen uns vergewaltigen lassen, vom amerikanischen und englischen Dialekt.

Plötzlich befestigte die dunkelhaarige Frau am Ticketschalter ein Etikett an unserem Gepäck.

Und nervös sah ich zu, wie es auf dem Fließband davon ruckelte.

„Ich muss nur noch Ihren Pass sehen“, sagte die Nette, Dunkelhaarige.

Violetta kam zu mir heran, um ihren Pass mir zu zureichen, damit die Frau ihn auch sehen kann.

Ich griff in meine Jackentasche, holte meinen Pass heraus und überreichte der Frau unsere beiden Pässe.

Sie öffnete meinen, sah das Foto und dann mich an.

Das Gleiche machte sie auch mit Violettas Pass. Doch sie betrachtete Violetta ganz besonders, mit einem frechen Grinsen auf dem Passbild.

Später standen Roger und Violetta nebeneinander in der Halle des Flughafens und sahen zu, wie die gerade aus Europa, Mexiko und Asien eingetroffenen Passagiere die Zollkontrolle passierten.

Es waren Urlauber, sonnengebräunt und mit bunten Hemden.

Während Violetta die Passagiere vorüberziehen sah, glichen ihre Gefühle im Moment dem dramatischen und spektakulären Untergang der „Ti“, hinab in die aller tiefsten Tiefen des Meeres.

Es überraschte sie, denn sie hatte sich nicht eingestehen wollen, wie sehr sie sich darauf gefreut hatte, wieder zu Hause zu sein und ihre Freunde zu sehen.

Violetta begann zu schniefen, das Schniefen wurde zum leisen Schluchzen.

Und sehr bald heulte sie wie ein Schlosshund.

„Schatz, erinnerst du dich, was ich dir zu Anfang gesagt habe?“, fragte ich. „Wenn nicht alles total schiefläuft, werden die Dinge in Ordnung gehen.“

Violetta sah mich an.

„Was ist?“, fragte sie.

Ich sah auf meine Armbanduhr.

„Komm!“ „Hinter dem Horizont geht es weiter“, sagte ich.

„Hinterm Horizont?“, wiederholte sie spöttisch.

Ich lächelte.

„Ich hoffe, dir wird im Flugzeug nicht schlecht.“, sagte ich besorgt.

Violetta Laube, sexy, verrückt und so surreal wie verwegen.

Sie hat dann ihren Roman veröffentlichen lassen und es wurde unverhofft ein internationaler Bestseller.

Das Päckchen mit den Drogen hatte ich vor der Abreise per Post abgesendet.

Es ist auch ohne einen Transportschaden in München mit dem Kurierdienst angekommen.

Meinen letzten Auftrag habe ich erledigt und abgeschlossen, als ich das Päckchen dem fiesen kleinen Ungeheuer im Designeranzug von der Stange überreichte.

Es war ein unbekannter wie unauffälliger Barbesitzer, der mit den ansehenden Leuten, die das dicke Geld haben, Umgang hatte auf seinen originellen Partys.

Tja, Gegensätze ziehen sich manchmal an.

Ehrlich gesagt habe ich nie etwas mit Drogen zu tun gehabt.

Aber, man weiß nie, was einem im Leben geschehen wird.

Und jeder ist für das Gute selbst verantwortlich.

Also, Finger weg von den harten Drogen, dachte ich mir.

Es kommt immer alles anders, als man es sich erträumt hat.

Ich kehrte wieder auf den seriösen Weg zurück und das freute Violetta sehr.

Unsere gemeinsamen Träume erfüllten sich und die Liebe ist groß.

 

Ach so,

ich bin jetzt und lebe in Berlin auf dem Kurfürstendamm. Dort habe ich mir auch ein gemütliches Café aufgemacht.

„Es wird alles besser und es wird alles gut, wenn man seine alten negativen Grundsätze im Leben loslässt.“ Hat mir ein alter, sehr alter Mann auf meinen Reisen erzählt.

 

 

 

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