Buch 1 für Schwarzleser: der schriftsteller erzählt

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Hemmungslos und ohne Moral von Leon Gekko

 

Kapitel 1

Unser Zeitalter ist seinem Wesen nach tragisch, also weigere ich mich, es tragisch zu nehmen. Die Katastrophe ist hereingebrochen, ich stehe zwischen den Trümmern, ich fange an, neue kleine Gewohnheiten zu bilden, neue kleine Hoffnungen zu hegen. Es ist ein hartes Stück Arbeit. Kein ebener Weg führt in die Zukunft. Ich umgehe die Hindernisse jedoch oder klettere über sie hinweg. Wir müssen leben, wie viele Träume eingestürzt sind. Ungefähr in dieser Situation befand ich mich. Die Vergangenheit hatte das Dach über meinen Kopf zusammenbrechen lassen und ich hatte einsehen müssen, dass Leben lernen heißt! Ich heiratete 1987, als sie gerade 18 Jahre alt und volljährig wurde. Meine Flitterwochen dauerten zwei Wochen. Wir waren in den Bergen und der Rest war auch nicht berauschend. Dann ging es wieder zurück nach Hause und wir gingen unseren Berufsalttag nach – mehr oder weniger. Carola, meine Frau, war damals Lehrerin und ich war Unternehmensberater in einer angesehenen Firma. Mein Erfolgswille im Beruflichen und im privaten war erstaunlich. Ich ließ mich nicht unterkriegen. Dann wurde alles anders. Mit einem ziemlich unzureichenden Einkommen fingen wir an, eine eigene Wohnung einzurichten, damit wir einen Haushalt und ein Eheleben führen können. Carola hat eine Schwester, aber sie wohnt noch bei ihren Eltern. Ich habe eine Schwester, aber sie ist fortgezogen. Sonst gab es keine näheren Verwandten, mit denen man Kontakt haben müsste. Mein leiblicher Vater war verunglückt, gewiss. Ich war sieben Jahre alt und habe es nicht verstanden. So heiratete meine Mutter das zweite Mal. Doch nun sind auch schon viele Jahre vergangen. Ich trug einen dunkelblauen Anzug und eine elegante Krawatte. In meinem Gesicht lag der erfreuliche Ausdruck eines selbstbewussten Mannes. Ich war dem Schicksal so knapp entronnen, dass das, was mir vom Leben übrigblieb, unsäglich kostbar für mich war. Der begierige Glanz meiner Augen ließ erkennen, wie stolz ich darauf war, nach der gewaltigen Situation noch auf den Beinen stehen zu können. Eine neue Erfahrung mit den Gefühlen ist mir gegeben worden. Carola, meine Frau, war ein zartes, elegant aussehendes Mädchen mit weichem, dunkelblondem Haar und von zierlichem Wuchs. Ihre graziösen Bewegungen verrieten eine Eleganz. Sie hatte große, strahlende Augen und eine sanfte, zierliche Stimme, und es schien, als wäre sie gerade von der Modenschau gekommen. Das war aber durchaus nicht der Fall. Ihr Vater war ein Tischler in einer großen Holzfabrik. Ihre Mutter hatte in der Glanzzeit als Partei-Chefsekretärin zu den Genossen gehört. Carola und ihre Schwester Dora genossen das Landleben bei ihrer Großmutter. Wie man sagen könnte, eine ästhetisch unkonventionelle Erziehung. Eine Reise nach Paris, London und Rom ist in der Deutschen Demokratischen Republik nicht aus politischen und ideologischen Gründen gegeben worden. Die beiden Mädchen ließen sich nicht von früh auf weder durch die Mutter noch durch politische Ideen einschüchtern. Sie waren diese Atmosphäre gewohnt. Mit vierzehn ungefähr hatte Carola ihre ersten tastenden Liebeleien gehabt. Den jungen Männern, mit denen sie so leidenschaftlich diskutierten, so fröhlich auf den Partys und in solcher Freiheit unter den Bäumen kampierten, ging es natürlich um ein Liebesverhältnis. Carola und ihre Freundinnen zögerten, doch wurde so viel über die Sache geredet, dass sie wohl wichtig sein mussten. Und die Jungen waren so demütig, so voll von Verlangen. Warum sollte ein Mädchen da nicht großmütig sein und sich selber zum Geschenk machen? So hatten Sie sich denn zum Geschenk gemacht, jede dem Jüngling, mit dem sie die subtilsten und intimsten Gespräche führte. Die interessanten Gespräche, die sinnlosen und nervigen Diskussionen, das war das Größte für die Mädchen. Die erste Zärtlichkeit und körperliche Vereinigung war eher ein Verkrampfen, ein Rückfall ins Primitive. Man war hinterher weniger verliebt in den Jungen und neigte sogar ein wenig dazu, ihn zu hassen. Als hätte er die Grenzen der privatesten Sphäre der inneren Freiheit missachtet. Denn man war ja ein zickiges Mädchen, und die ganze Würde und Bedeutung, die man im Leben gewann, hing daher vom Erringen einer absoluten, einer Vollkommenen, einer reinen und edlen Freiheit ab. Was bedeutete das Leben eines konservativen Mädchens, die alten, niedrigen Bindungen abzuschütteln? Und wie sehr man sie auch mit Gefühlen aufladen möchte: Diese geschlechtlichen Dinge gehörten zu den ältesten, niedrigsten Bindungen und Abhängigkeiten. Die Traummänner, die sie verherrlichten, waren zumeist Schauspieler oder Popstars. Die Mädchen hatten immer gewusst, dass es etwas Besseres gab, etwas Höheres. Und jetzt wussten sie es entschiedener denn je. Die herrliche Freiheit der femininen Frau war unendlich wunderbar wie jede geschlechtliche Liebe. Es war ein Jammer, dass die Jungen in dieser Hinsicht so weit hinter den Mädchen hinkten. Gierig wie sabbernde Hunde waren sie auf das Sexuelle aus. Und ein sexhungriges Mädchen hatte nachzugeben. Ein starker Junge war in seinen Begierden wie ein Kind. Das Mädchen musste ihm gewähren, wonach er ihn gelüstete. Sollte er nicht unausstehlich werden wie ein Kind, im Trotz davonlaufen und zerstören, was doch eine sonst erfreuliche Beziehung war. Aber ein sexhungriges Mädchen konnte sich vor Verlangen einem Jungen hingeben, ohne zugleich auch ihr inneres, freies Wesen hinzugeben. Das schienen die Moralapostel und alle, die nur über den Sexus schwatzten, nicht genügend bedacht zu haben. Eine junge Frau, egal welcher Typus, konnte einen beliebigen jungen Mann nehmen, ohne sich selbst wirklich herzugeben. Sicherlich konnten sie ihn nehmen, ohne sich seiner Macht auszuliefern. Eher konnte sie das Geschlechtliche dazu benutzen, ihn in ihre Macht zu bekommen. Denn sie brauchte sich im gesellschaftlichen Zusammensein nur zurückzuhalten und ihn sich ausgeben zu lassen, ohne selbst zum Orgasmus zu gelangen. Dennoch konnte sie die Vereinigung hinausziehen und ihren Orgasmus sowie ihren Höhepunkt erreichen, während er nur ihr Spielzeug war. Carola und ihre Freundinnen hatten ihre Erfahrung in der Liebe hinter sich. Keine von ihnen verliebte sich je in einen jungen Mann, wenn es ihm nicht im Wort sehr nahegekommen war. Das heißt, wenn das Verlangen nach dem Gespräch nicht aus der Tiefe kam. Der wunderbare, tiefe, unfassliche Schauer, mit einem wahrhaften, klugen jungen Mann ein leidenschaftliches Gespräch zu führen, stundenlang, Tag für Tag, den Faden wieder aufzunehmen – durch Wochen hin. Doch davon hatten sie nie etwas gewusst, bis es ihnen geschah. „Du sollst Männer haben zum Gespräch!“ war nie unter Freundinnen ausgesprochen worden. Und wenn die aus diesen lebhaften und seelenerleuchtenden Diskussionen erwachsene Intimität das Geschlechtliche mehr oder weniger unumgänglich machte. Nun gut, warum nicht? Bezeichnete das Ende eines Dramas. Und es hatte auch seinen eigenen Reiz. Ja, den hat man eben so im Leben. Ein eigentümliches, vibrierendes Erdbeben innen im Körper, ein letztes Aufbäumen des Selbstbewusstseins, wie ein letztes Wort oder eine Zigarette, erregend, und jener Reihe von Sternchen wie ein Kribbeln im Bauch vergleichbar, die zuweilen den Schluss eines Dramas bezeichnen und eine neue Wendung einer Tragödie. Frauen küssen nicht besonders gut und verstehen unter Knutschen immer nur Stochern und Schlabbern mit ihrer langen Zunge. Das Schlimmste ist der Kuss als Herausforderung: Nimm mich! Und wenn es dann so weit ist, sagt sie: „Ich bin noch nicht so weit.“ » Ich brauche noch Zeit. »Nah, denken die Frauen denn, dass der Mensch unsterblich ist.« » Ich könnte morgen schon ins Gras gebissen oder den Sargdeckel zugenagelt haben, oder mein Körper ist in der Luft verflogen. « Und dann? Nichts ist passiert. An meinen ersten Kuss erinnere ich mich noch genau. Ich empfing ihn im Alter von 14 Jahren von einer gewissen Ilona, für die ich schon längere Zeit schwärmte. Dass Gefühle im Spiel waren, schien mir eine ideale Voraussetzung für diese Premiere zu sein – jedenfalls besser als die Ulknummern beim Flaschendrehen, bei denen es darum ging, in möglichst kurzer Zeit auch vielen Mädchen die Zunge möglichst tief in den Rachen zu schieben. „Es gibt ja „Minze in Gold“, ein Bonbon für alle Fälle“, dachte ich. Wie oft in der Pubertät und überhaupt im Leben kam alles anders. In meinem Mund steckte urplötzlich ein unbewegter Fleischlappen, der mir statt der erhofften Flugzeuge im Bauch einen Brechreiz bescherte. Ihr Speichel schmeckte nach irgendeiner Lakritze. Später bin ich dann doch noch auf den Geschmack gekommen. Es war wohl nur eine Frage der Zeit zu begreifen, dass das Küssen einerseits eine Sache der Übung und andererseits eine des Talents ist. Für meine Kumpels und mich wurde es in der Folgezeit ein Sport, die gute Küsserin zu finden. Mit geschlossenen Lippen. Das ist Regel eins. Die Lippen der Partnerin leicht betasten, bis sie sich auf sanften Druck hin öffnen – die Regel zwei. Wenn die Zunge erst mal drin ist, folgt Regel drei, die am einfachsten zu verstehen ist. Eine mechanische Stocherbewegung oder aber ein bewegungsloses Nassparken im Mund des Mannes (siehe Ilona). Wenn man es richtig macht, ist Küssen zum Sterben schön. Leider ist es gar nicht so leicht, Frauen zu finden, die gut küssen. Die meisten haben keine Zunge, oder sie wissen es nicht, dass man das Ding zu etwas gebrauchen kann, als nur zum Essen und Schmecken. Wenn man als Mann eine der wenigen Stecknadeln im Heuhaufen gefunden hat, dann gibt es meist kein orales Happyend. Im Laufe der Zeit werden die Küsse seltener und langweiliger. Mit zunehmender Alltäglichkeit gibt es nur noch fade Bussis zum Abschied oder leidenschaftslose Mund-zu-Mund-Beatmung vor dem „Fick“. Diese Variante ist übrigens noch schlimmer, als nur schlecht zu küssen. Wie sehr Frauen und Männer auf das Küssen abfahren und dass das Nichtküssen zu partnerschaftlichen Ausrutscherscheinungen führt. Das habe ich damals noch nicht gewusst. So ist der Kusentzug einer der häufigsten Gründe fürs Fremdgehen. Ich saß neulich in einer Männerrunde in der Sauna. Als es schließlich um Frauen ging, bekamen alle Anwesenden gierige, ausgehungerte Augen. Noch einmal so einen Sex wie bei der besten Freundin, mit allem Drum-und-Dran – dafür würde ich so manche Sünde begehen. Ich verstehe jetzt, warum ich seinerzeit Schluss gemacht habe, obwohl ich auf einer Party nur so ein bisschen herumgeknutscht habe. Im Zeitalter der Gleichberechtigung gibt es doch kaum einen Bereich, wo ich noch richtig Chef bin. In archaischen Sinnen von „Ich Mann und stark – du Frau und schwach“ oder „Ich Mann und schwach – du Frau und stark“. Beim Küssen geht es im Prinzip nichts anderes als um das Rollenspiel des Nehmens und Genehmens. „Bist du zu stark, bin ich zu schwach.“ Dennoch will im Zeitalter der Gleichberechtigung keine Frau so richtig die Hosen anhaben. Männer küssen, Frauen werden geküsst. Und mal ganz abgesehen von aller Magie der Frauen, die ich kennengelernt habe. Schließlich ist ein intensiver Kuss auch ganz pragmatisch die letzte Möglichkeit, ewig schwätzende und nörgelnde Frauen mundtot zu machen. Wer küsst, meckert nicht. „Ist das nicht toll?“, dachte ich so bei mir. Dennoch lieben die Männer die Frauen und die Frauen wollen geliebt werden. Und wer will das nicht? „Dachte ich?" " Als Carola im Sommer des Jahres 1984 nach Hause kam, war ihr klar geworden, dass sie ihre Erfahrungen in der Liebe gemacht hatte. Mochte der Himmel wissen, warum, denn sie war eine Frau mit eigenem Einkommen und eigenen Möglichkeiten. Sie gab Ihren Liebhabern die Schuld. In Wahrheit jedoch hatte sich ihrem Geist oder ihrer Seele irgendein altes Autoritätserlebnis eingeprägt, das sie nicht auslöschen konnte. Mit Falco hatte es nichts zu tun. Er überließ seiner habgierigen, feindseligen, rechthaberischen Frau seine neu renovierte Wohnung und die ganzen Möbel und fing in einer anderen Stadt ein neues Leben an. So waren die Mädchen also zufriedengestellt und kehrten zu ihrer alten Lieblingsbeschäftigung zurück. Sie liebten ihre jeweiligen jungen vermögenden Männer, und ihre jeweiligen jungen Männer liebten sie mit Leidenschaft geistiger Anziehung. All die wundervollen Dinge, die die jungen Männer dachten und aussprachen und niederschrieben, dachten und sprachen und schrieben sie für die jungen Mädchen. Carolas junger Mann war künstlerisch, der Verenas technisch interessiert. Aber eigentlich lebten sie nur für ihre jungen Mädchen, nämlich seelisch und in ihren geistigen Höhenflügen. In anderer Hinsicht waren sie abgewiesen worden, obwohl sie es nicht merkten. Auch ihnen sah man an, dass sie die Liebe erfahren hatten. Das heißt psychische Liebe. Sonderbar, welch eine feine, doch unverkennbare Wandlung sie im Körper des Mannes und auch in dem der Frau bewirkt. Das listige Mädchen gewinnt einen zarten Schmelz, unmerklich rundet und glättet sich seine junge Eitelkeit, und der Ausdruck des Gesichts wirkt begehrlich oder triumphierend. Der junge Mann wird ruhiger, mehr in sich gekehrt, die Konturen seiner Schulter und Schenkel werden unbestimmter, zögernder. Im ersten Kribbeln des ganzen Körpers erlagen die Mädchen beinah der seltsamen männlichen Gewalt. Aber sie fingen sich schnell wieder, nahmen die sexuelle Erregung als Nervenkitzel und blieben frei. Die Männer dagegen trugen den Mädchen mit einem Lächeln für die sexuelle Erfahrung ihre „Pariser“ in einer Geschenkverpackung entgegen. Und hinterher sahen die Mädchen aus, als hätten sie das Lottolos mit einer Million verloren. Carolas junger Mann konnte ein wenig verdrießlich werden und Verenas ein wenig höhnisch. Aber so sind die Männer? Undankbar und nie zufrieden. Wenn du sie abweist, hassen sie dich auch. Ganz klar. Aus nicht nur irgendeinem Grund. Weil sie niemals verstanden werden – was immer auch sie von den Frauen bekommen. Sie bekommen immer nur die Hälfte. Verena Indessen heiratete plötzlich einen zwölf Jahre älteren Mann, der schon seit Längerem ohne Frau gewesen ist. Dennoch war er ein Mann mit staatlichem Vermögen und einer angenehmen, in der Familie einbezogenen Stellung im eignen Modeunternehmen. Sie bewohnte mit ihm eine große Villa außerhalb der Stadt und bewegte sich in jenen achtbaren Kreisen der Modezaren, die nur zur Creme gehören. Leute, die wissen, worüber sie reden oder reden, als wüssten sie es.

Carola verkehrte weiter mit den naiven, rechthaberischen Bauerntäupels aus ihrer Gegend. Später hat sie einen Freund, einen jungen Mann aus der Stadt, wo er Finanz- und Wirtschaftswissenschaft studiert hatte. Vorher war er zwei Jahre in Berlin gewesen.

Beide entstammen aus einer einfachen Arbeiterfamilie. Doch er hatte andere Pläne. Mario jedoch, wiewohl von besserer Schulbildung als Carola und zur Szene gehörig, war in seiner Art viel optimistischer und erfolgsbezogener. Er fühlte sich nur wohl, wenn man ihm seinen kreativen Freiraum gelassen hatte. Um die Wahrheit zu sagen: Er fürchtete sich ein wenig vor der pessimistischen und konservativen Menschheit, die nicht seiner eigenen Gesellschaftsschicht angehörten. Sie blockieren ihn in seiner Lebensphilosophie. Es klingt befremdlich, ist aber wohl eine Erscheinung unserer Zeit. Deshalb musste das eigentümlich zierliche Mädchen wie Carola ihn faszinieren. Sie fand sich in dieser chaotischen Umwelt noch weniger zurecht als er. Dennoch war er ein Kritiker. Er kritisierte sogar seinen eigenen Großvater. Vielleicht ist das Wort „Kritiker“ übertrieben, reichlich übertrieben. Er war nur nicht immer der allgemeinen Meinung der Genossen und Genossinnen und gegen jegliche Art Autorität. Die Genossen waren lächerlich, vornehmlich, besonders starrköpfig. Und die Regierungen waren lächerlich, besonders die Partei mit ihrem „Was haben sie getan?“. Und Armeen waren lächerlich – schon gar die Unteroffiziere und Offiziere. Denn die hatten zu Hause bei ihrer Frau schon nichts mehr zu sagen. Ja, wirklich, alles war ein wenig lächerlich oder sogar sehr lächerlich. Besonders alles, was mit Autorität zusammenhing, wie in den Schulen und Universitäten, in den Chefetagen oder in der Armee. Und sofern die leitende Schicht sich anmaßte, herrschen zu wollen, war auch sie lächerlich. Alles war witzig, ganz recht. Aber wenn es einem zu nahe rückte und man selber lächerlich wurde, dann musste man sich Gedanken machen. Wenigstens gab es noch andere Menschen wie Carola, die irgendwie etwas Ernst nahmen. Die an Irgendetwas glaubten. Sie nahmen ihre Eitelkeit sehr ernst und ihre gute Garderobe und den Mangel an blauen Geldscheinen in ihrer lederbraunen Portmonee und die Sorge, einmal Mutter zu sein. Bei all diesen Dingen machten die Behörden im Westen natürlich lächerliche Fehler. Aber Mario konnte es nicht mehr erschüttern. Für ihn waren die Behörden dumm und lächerlich, nicht nur wegen ihrer Arroganz oder Bürokratie. Und die Behörden kamen sich selber lächerlich vor und benahmen sich reichlich lächerlich, und eine Zeit ging es zu wie im Irrenhaus. Bis die Dinge drüben sich zuspitzten und ein Revolutionär auftrat, um die Situation hüben zu retten. Und dann ging alles zu weit, um noch witziger zu sein. Die arroganten und versnobten jungen Leute haben nichts mehr zu lachen. Sogar das erschreckte ihn. Und dabei wusste er, dass auch dies lächerlich und witzig war in den Augen der ungeheuren, brodelnden Welt. War das nicht entsetzlich? Und gleichzeitig herrlich und außerdem vielleicht gänzlich absurd? Mario wusste so wenig von dem Westen. Dass der wahre Westen war, lebte so abgeschieden von ihm. Zu viel Neid und Gier. Ein Mann brauchte neue Herausforderungen und ein neues Umfeld. Ein Mann brauchte eine Frau, einen Freund. Ein Gefühl, sich hohen Ansprüchen zu stellen, knüpfte mein Selbstbewusstsein enger: ein Gefühl der Stärke meiner Stellung, ein Gefühl der Willensstärke trotz der negativen Einflüsse der Gesellschaft. Und das schwerblütige, starrköpfige, verschlossene Wesen der Gesellschaft, über die man sich lustig machte, obwohl sie in allem, was ihnen anging, empfindlich waren, trennte sie von ihrer eigenen Illusion. Mario war noch ohne Liebeserfahrung, als er heiratete, und das Sexuelle galt ihm viel. Sie waren einander so nah, er und sie, natürlich. Und Carola schwelgte in dieser Intimität jenseits alles Geschlechtlichen, jenseits der Befriedigung eines Mannes. Mario jedenfalls war nicht gerade erpicht auf seine Befriedigung, wie so viele Männer es zu sein schienen. Nein, nein, nein. Ihre Intimität war sehr tiefer und persönlicher als das. Ja, das Geschlechtliche war keine Nebensache, keine Hauptsache, eben ein Umstand, ein Kurioser, ein verrückter, benutzter organischer Vorgänge, die sich in ihrer Gereiztheit beharrlich erhielten, doch für die Seele notwendig waren. Was ist denn schon notwendig in einer Ehe, wenn nur die inneren Werte (Geld, Aktien usw.) eines Mannes? Trotzdem wollte Carola fünf Kinder haben. Sei es auch nur, um sich gegen ihre Freundinnen zu behaupten. Der Verstand las die Bewerbung zum hundertsten Mal und fand abermals nichts, was ihm an Mario G. missfiel, jedenfalls nicht auf dem Papier. Ich habe den Verstand, den Ehrgeiz, das gute Aussehen. Und ich war hungrig. Mit dem Hintergrund musste ich es sein. Ich war verheiratet und das war unerlässlich. Das Unternehmen hatte nie einen unverheirateten Unternehmensberater eingestellt. Sie missbilligte Scheidung ebenso wie Schützenjäger und Trinker. Ein Drogentest war Bestandteil des Vertrages. Ich war im Betriebswirtschaftswesen graduiert, hatte das Examen als amtlich zugelassener Finanz- und Wirtschaftsprüfer auf Anhieb bestanden und wollte Unternehmensberater werden, was natürlich bei einer Wirtschaftsfirma Voraussetzung war. In der Firma gab es keine Frauen. Dieser Fehler war einmal vorgekommen, Mitte der achtziger Jahre, als sie die Nummer Eins des B.G.-Jahrgangs rekrutierten, bei der es sich zufällig um eine Frau und ein Ass in Finanzsachen handelte. Sei überdauerte ein turbulentes Jahr und wurde dann schwanger. Ich sah gut aus auf dem Papier. Ich war Ihre erste Wahl. In diesem Jahr gab es nicht einmal weitere Kandidaten. Die Liste war sehr kurz. Entweder Mario G. oder niemand. Der Geschäftsführende Partner, Michael B., las ein Dossier mit der Aufschrift „Mario G.“ Es war einen Zoll dick, eng beschrieben, mit ein paar Fotos zusammengestellt worden. Mario G. war gefragt. Vor ein paar Monaten war mir bei einer Akademie Kokain angeboten worden. Ich hatte nein gesagt und war gegangen, als das allgemeine Schnupfen begann. Ich trank gelegentlich ein Bier, aber das Trinken war teuer und ich hatte kein Geld. Meine Schulden aus dem Studentendarlehen beliefen sich auf knapp 53 000 Euro. Ich war hungrig. Peter S. war fünfunddreißig und noch kein Unternehmensberater. Er war mitgenommen worden, um jung auszusehen und jung zu agieren und ein jugendliches Bild abzugeben. Eine in der Tat junge Firma. Die meisten Unternehmensberater traten mit Ende Vierzig oder Anfang Fünfzig in den Ruhestand, steinreich. Er würde es in der Firma zum Unternehmensberater bringen. Mit einer Garantie eines sechsstelligen Einkommens bis zum Ende seiner Tage konnte Peter S. sich der Maßanzüge für zwölfhundert Euro erfreuen, die so bequem an seiner hochgewachsenen, sportlichen Gestalt hingen. Er durchquerte lässig die Fünfzehntausend-Euro-Suite und goss sich eine weitere Tasse Tee ein. Er schaute auf die Uhr. Er warf einen Blick auf die beiden Mitarbeiter an dem kleinen Konferenztisch in der Nähe des sonnenverglasten Fensters. Genau um Sechzehn Uhr klopfte es an die Tür. Peter S. sah die Mitarbeiter an. Alle drei griffen nach ihren Jacketts. Peter S. schloss den obersten Knopf und öffnete die Tür. „Mario G.?“ fragte er mit einem breiten Lächeln und ausgestreckter Hand. „Ja." Sie schüttelten einander kräftig die Hand. „Freue mich, Sie kennenzulernen, Mario.“ „Ich bin Peter.“ « « „Ganz meinerseits." „Bitte nennen Sie mich Mario.“ Er trat ein und ließ den Blick schnell durch das geräumige Zimmer schweifen. „Gern, Mario.“ Peter ergriff seine Schulter und führte ihn durch die Suite zu den Mitarbeitern, die sich vorstellten. Sie waren überaus freundlich und herzlich. Sie boten ihm zuerst Kaffee oder Tee an, dann Mineralwasser. Sie saßen an einem glänzenden Konferenztisch aus Mahagoni und tauschten Höflichkeiten aus. Ich knöpfte mein Jackett auf und schlug die Beine übereinander. Ich hatte inzwischen reichlich Erfahrungen bei Vorstellungsgesprächen gesammelt und wusste, dass Sie mich haben wollten. Ich entspannte mich. Bei fünf Stellenangeboten von den angesehensten Firmen im Lande war ich nicht auf dieses Interview dieser Firma angewiesen. Ich konnte es mir leisten, ein bisschen zu viel Selbstsicherheit an den Tag zu legen. Ich war aus Neugierde gekommen. Und ich sehnte mich nach wärmerem Klima. Herr Grunewald vom Vorstand lehnte sich auf den Ellenbogen vor und übernahm bei dem einleitenden Geplauder die führende Rolle. Er war gewandt und verbindlich, mit einem angenehmen, fast professionellen Bariton. Mit sechsundsechzig war er der Großvater der Unternehmensfirma und verbrachte den größten Teil damit, den riesenhaften Egos einiger der reichsten Unternehmensberater im Lande beizustehen und sie im Gleichgewicht zu halten. Er war die Vaterfigur, derjenige, an den sich die jüngeren Mitarbeiter mit ihrem Problem wendeten. Herr Grunewald war auch für die Personaleinstellung zuständig und es war seine Aufgabe, mich einzustellen. „Haben Sie die Interviews satt?“ „Fragte Herr Grunewald.“ " „…" „Eigentlich nicht." Sie gehören nun einmal dazu. Ja, ja, stimmten alle zu. Es kam ihnen vor wie gestern, als sie selbst bei Vorstellungsgesprächen erschienen waren und Bewerbungen einreichten und eine Heidenangst hatten, dass sie keinen Job finden würden und all die Jahre Plackerei für die Katz gewesen wären. Sie wussten genau, was ich durchmachte. Darf ich eine Frage stellen? „Frage ich?“ " „Gewiss." " „Natürlich." „Fragen Sie nur.“ „Weshalb findet dieses Gespräch in einem Hotelschulungsraum statt?“ „Die anderen Firmen führen ihre Interviews in ihren Chefbüros durch.“ „Gute Frage.“ Sie alle nickten und schauten sich an und waren sich einig, dass dies eine gute Frage war. „Vielleicht kann ich Ihnen darauf eine Antwort geben, Mario“, sagte Herr Bruno, der Geschäftsführer. „Sie müssen verstehen, was es mit unserer Firma auf sich hat.“ Wir sind anders und wir sind stolz darauf. Wir haben dreiundzwanzig Unternehmensberater. Sie sind also klein im Vergleich zu anderen Firmen. Wir stellen nicht sonderlich viele Mitarbeiter ein, ungefähr einen pro Jahr. Wir offerieren die höchsten Gehälter und Zulagen im ganzen Land, und das ist keine Übertreibung. Deshalb sind wir sehr wählerisch. Wir haben Sie ausgewählt. Der Brief, den wir vorigen Monat erhalten haben, wurde geschrieben, nachdem wir mehr als dreitausend Wirtschaftsstudenten an den besten Universitäten überprüft hatten. Es wurde nur ein Brief versandt. Wir schreiben offene Stellen nicht aus und geben keine Inserate auf. Wir halten uns bedeckt und wir machen alles anders. Das ist unsere Erklärung. „Klingt einleuchtend.“ „Um was für eine Art der Firma handelt es sich?“ „Steuern.“ „Einige Wertepapier-, Versicherungs- und Immobiliengeschäfte, aber achtzig Prozent Unternehmensberatung.“ Aus diesem Grund wollten wir Sie kennenlernen, Mario. „Für den Finanz- und Wirtschaftssektor bringen Sie die besten Voraussetzungen mit.“ „Weshalb sind Sie in Hamburg auf die Akademie gegangen?“, fragte Herr Grunewald. „Aus dem einfachen Grund, weil mir dort ein volles Stipendium angeboten wurde.“ „Sollte ich das Studium nicht bezahlen können.“ „Erzählen Sie uns von Ihrer Familie.“ „Ist das Wichtig?“ „Für uns ist es sehr wichtig, Mario“, sagte Herr Bruno herzlich. Das sagen Sie alle, dachte Mario. „Okay, mein Vater kam bei einem dramatischen Unglück ums Leben, als ich sieben Jahre alt war.“ Meine Mutter hat wieder geheiratet und lebt jetzt in Brandenburg. „Ich habe eine Schwester, sie lebt in Berlin.“ „Ich hatte noch einen Halbbruder, der Uwe ist wegen einer Krankheit verstorben.“ „Mario, unsere Firma sitzt in San Francisco“, sagte Peter. „Würde Sie das stören?“ " „Durchaus nicht." „Ich bin nicht scharf auf kaltes Klima.“ „Waren Sie schon einmal in San Francisco?“ " „Nein." Wir werden Sie bald dorthin einladen. „Es wird Ihnen gefallen.“ Ich lächelte und nickte und spielte mit. Meinten diese Leute es ernst? Wie konnte ich eine so kleine Firma in einer so ruhigen kleinen Stadt in Erwägung ziehen, wo „JOHN PLAYER“ auf mich wartete? Ich wusste, dass Sie nicht auf akademischen Fragen herumreiten würden. „Warum haben Sie Hamburg gewählt?“ „Ich habe mich an mehreren Universitäten beworben und wurde überall angenommen.“ Die Universität in Hamburg bot mehr finanzielle Unterstützung. Ich fand, es war die beste Universität. „Das tue ich noch.“ „Sie haben sich gut bewährt, Mario“, sagte Herr Grunewald und bewunderte die Bewerbung. „Danke.“ „Ich habe gearbeitet.“ „Ganz besonders gut haben Sie in Ihren Steuer- und Finanzkursen abgeschnitten.“ „Das sind meine speziellen Interessengebiete.“ „Wir haben Ihre Schriftsatzprobe gelesen und Sie ist recht beeindruckend.“ „Danke.“ „Ich recherchiere gerne.“ Sie nickten und akzeptierten diese offensichtliche Lüge. Oder keine Lüge? Egal, neugierig bin ich trotzdem. Sie gehörte zum Ritual. „Erzählen Sie uns von Ihrer Frau“, sagte Herr Bruno fast demütig. Sie waren auf eine weitere Zurückweisung gefasst. Aber das war ein nicht tabuisiertes Standardterrain, das jede Firma erkundete. „Sie heißt Carola.“ „Und ist die Ehe ... „Wir sind sehr glücklich.“ »Wir kennen uns seit der Hochschule.« Herr Grunewald räusperte sich und beschloss, abermals persönlich zu werden. „Mario, unsere Firma missbilligt Trinken und Weibergeschichten.“ Wir sind keine Heiligen, aber bei uns geht das Geschäft allem anderen vor. Wir halten uns bedeckt und wir arbeiten sehr hart. „Und wir verdienen Geld – eine Menge.“ „Mit alledem kann ich leben.“ „Wir behalten uns das Recht vor, bei jedem Angehörigen der Firma einen Drogentest vorzunehmen.“ „Ich nehme keine Drogen.“ „Gut." Welcher Glaubensgemeinschaft gehören Sie an? „Keine.“ „Gut." Sie werden in unserer Firma alle möglichen Leute antreffen. Katholiken, Baptisten, Juden. Es geht uns im Grunde nichts, aber wir wissen es gern. Wir wünschen uns stabile Familien. Glücklich motivierende Unternehmensberater sind produktive Unternehmensberater. „Deshalb stellen wir diese Fragen.“ Ich nickte und lächelte dabei. Ich hörte das nicht zum ersten Mal. Die drei schauten sich gegenseitig an, dann Mario. Das bedeutete, dass sie in dem Interview an dem Punkt angelangt waren, wo von dem Interviewten erwartet wurde, dass er seinerseits ein oder zwei intelligente Fragen stellte. Ich schlug die Beine übereinander. Geld – das war die große Frage, insbesondere, wie es damit im Verhältnis zu seinen anderen Angeboten stand. Wenn es nicht genug ist, dachte ich, dann war es nett, euch kennenzulernen. Wenn das Gehalt attraktiv ist, können wir uns auch über Familie, Ehe, Tennis und Kirche unterhalten. Aber ich wusste, dass sie wie alle Firmen so lange wie möglich um den heißen Brei herumgehen mussten, und es war offensichtlich, dass sie alle erdenklichen Themen angeschnitten hatten außer dem des Geldes. Also stellte ich zuerst eine harmlose Frage. „Welche Art von Arbeit müsste ich anfangs tun?“ Sie nickten und billigten die Frage. Herr Grunewald und Herr Bruno sahen Peter S. an. Die Antwort lag bei ihm. „Wir haben so etwas wie eine zweijährige Lehrzeit, auch wenn wir es nicht so bezeichnen.“ Wir schicken Sie zu Seminaren überall im Lande. Ihre Ausbildung ist noch lange nicht abgeschlossen. Im nächsten Winter verbringen Sie zwei Wochen am American Business Institute in New York. Wir sind sehr stolz auf unseren Wissensstand und bilden uns ständig fort, alle miteinander. Wenn Sie im Wirtschaftsrecht promovieren wollen, dann bezahlen wir das. Was die praktische Arbeit angeht, die ist in den ersten beiden Jahren nicht sonderlich aufregend. Sie werden eine Menge recherchieren und anderen langweiligen Kram erledigen müssen. „Aber Sie werden anständig bezahlt.“ „Wie viel?“ Peter S. sah Herrn Bruno an, der mich musterte und sagte: „Über das Gehalt und andere Leistungen unterhalten wir uns, wenn Sie nach San Francisco kommen.“ „Ich möchte wissen, woran ich bin, sonst komme ich gar nicht erst nach San Francisco.“ Er lächelte arrogant, aber herzlich. Er sprach wie ein Mann mit drei Stellenangeboten. Die Mitarbeiter lächelten einander an und Herr Grunewald sprach als Erster. „Okay.“ Ein Grundgehalt von einhundertfünfzigtausend im ersten Jahr, zuzüglich Gratifikation. Zweihunderttausend im zweiten Jahr, zuzüglich Gratifikation. Eine zinsgünstige Hypothek, damit Sie ein Haus kaufen können. Mitgliedschaft in zwei Sportclubs. Und einen neuen Bugatti. In welcher Farbe? Bestimmen Sie natürlich. Sie konzentrierten sich auf meine Lippen und warteten darauf, dass sich meine Wangen in Fältchen legten und die Zähne zum Vorschein kamen. Ich versuchte, ein Lächeln zu unterdrücken, aber es war unmöglich. Ich lachte leise. „Das ist unglaublich“, murmelte ich. Einhundertfünfzigtausend in San Francisco entsprachen zweihunderttausend in New York. Hatte der Mann Bugatti gesagt? Mein Wagen war fünfhunderttausend Kilometer gelaufen und im Augenblick musste er angeschoben werden, bis er das Geld für einen Austauschmotor zusammengespart hatte. „Und ein paar weitere Kleinigkeiten, über die wir uns in San Francisco unterhalten können.“ Plötzlich verspürte ich ein starkes Verlangen, San Francisco einen Besuch abzustatten. Das Lächeln verschwand und ich gewann meine Fassung zurück. Ich richtete den Blick ernst und nachdrücklich auf Herrn Grunewald und sagte, als dächte ich nicht mehr an das Geld und das Haus und der noblen und schwarz polierten Luxuskarosse: „Erzählen Sie mir von Ihrer Firma.“ „Voriges Jahr haben wir als Unternehmensberater mehr verdient als sämtliche Firmen, die so groß sind wie wir oder größer.“ Das schließt sämtliche Firmen im ganzen Land ein. Wir nehmen nur liquide Unternehmen an. Aktiengesellschaften, Banken und wohlhabende Kleinunternehmen, die unsere ansehnlichen Honorare zahlen, ohne sich zu beschweren. Wir haben uns auf internationales Finanz- und Wirtschaftswesen spezialisiert, und das ist sowohl aufregend als auch sehr einträglich. „Wir arbeiten nur für Unternehmen, die Zahlen können.“ „Wie lange dauert es, bis man Unternehmensberater wird?“ „Durchschnittlich fünf Jahre, und das sind harte fünf Jahre.“ Es kommt nicht selten vor, dass unsere Berater eine halbe Million im Jahr verdienen, und die meisten gehen in den Ruhestand, bevor sie fünfzig sind. „Sie müssen etwas dafür leisten, achtzig Stunden die Woche arbeiten, aber es zahlt sich aus, wenn Sie Unternehmensberater geworden sind.“ Peter beugte sich vor. „Sie brauchen nicht, Unternehmensberater zu sein, um ein sechsstelliges Einkommen zu erreichen.“ „Ich bin jetzt zwei Jahre bei der Firma und vor einem halben Jahr über die Hunderttausend gekommen.“ Ich dachte einen Moment darüber nach und rechnete mir aus, dass ich, wenn ich dreißig bin, durchaus weit über Hunderttausend, vielleicht sogar über Zweihunderttausend sein könnte. Und das im Alter von dreißig Jahren! Sie beobachteten mich genau und wussten exakt, was ich berechnete. „Wie kommt eine internationale Unternehmensfirma nach Berlin?“ fragte ich. Das löste Lächeln aus. Herr Grunewald nahm seine Lesebrille ab und ließ sie kreisen. „Das ist eine gute Frage.“ Die Firma wurde 1962 von Herrn Schimko gegründet. Er war Unternehmensberater in San Francisco und hatte ein paar reiche Business-Angels aus aller Welt an Land gezogen. Er ging auf Achse und landete in Berlin. Dreißig Jahre lang stellte er nur Businessangel ein und die Firma wuchs und gedeihe dort. Keiner von uns stammt aus San Francisco. Es ist eine sehr hübsche Stadt. „Herr Schimko ist übrigens vor zwei Jahren gestorben.“ „Wie viele Businessangels gibt es in der Firma?“ „Fünfzehn Aktive.“ Wir versuchen, es so einzurichten, dass jeder Business-Angel einen angestellten Unternehmensberater als Mitarbeiter hat. Das ist ungewöhnlich, aber uns gefällt es. Wie ich bereits sagte: Wir machen Vieles anders. „Alle Businessangel sind im Alter von fünfundvierzig Jahren Multimillionäre“, sagte Herr Bruno. „Alle?“ „Jawohl, alle.“ „Wir garantieren es nicht, aber wenn Sie zu uns kommen, hart arbeiten, Business-Angel werden und weiter hart arbeiten und dann mit vierzig kein Millionär sind, dann wären Sie seit vielen Jahren der Erste.“ „Das ist eine beachtliche Statistik.“ „Es ist eine beachtliche Firma, Mario, sagte Herr Grunewald, und wir sind alle stolz darauf.“ Wir sind ein eng verbundenes Team. Wir sind klein und einer kümmert sich um den anderen. Bei uns gibt es nichts von der skrupellosen Konkurrenz, für die die großen Firmen berüchtigt sind. Wir überlegen uns sehr genau, wen wir einstellen, und wir sind bestrebt, jeden neuen Mitarbeiter so schnell wie möglich mit Business-Angel zu machen. Aus diesem Grund investieren wir gewaltige Mengen von Zeit und Geld für uns selbst, insbesondere unsere neuen Mitarbeiter. Es ist selten, überaus selten, dass ein Business-Angel unsere Unternehmensfirma verlässt. Es ist praktisch noch nie vorgekommen. Wir tun alles, was in unseren Kräften steht, um Karrieren zu fördern. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter glücklich sind, weil wir überzeugt sind, dass diese Vorgehensweise die profitabelste ist.“ Sie beobachteten ihn genau, um sicherzugehen, dass das alles einsank. Alle mit der Einstellung verbundenen Bestimmungen und Bedingungen waren wichtig, aber die Dauerhaftigkeit und die Endgültigkeit seiner Zusage stellten alle anderen Punkte auf der Liste in den Schatten. Sie hatten es erklärt, so gut sie konnten, fürs Erste. Weitere Erklärungen würden später kommen. „Hätten Sie Lust, mich zu besuchen?“ fragte Herr Grunewald. „Wann?“, fragte ich, von einer schwarzen und auch von einer marineblauen Luxuskarosse mit Schiebedach träumend. Der alte, klappernde Wagen mit nur noch einer Radkappe und einem Sprung in der Heckscheibe stand in der Straße Am Rinnstein. Die Räder waren zur Gehwegkante hin eingeschlagen, damit er nicht den Berg hinunterrollen konnte. Carola ergriff den Türgriff an der Innenseite, riss dreimal daran und öffnete die Tür. Sie steckte den Zündschlüssel ins Schloss, trat die Kupplung durch und drehte das abgegriffene Lenkrad. Der Wagen rollte langsam an. Als er schneller wurde, hielt sie den Atem an, ließ die Kupplung los und biss sich auf die Lippe, bis der Motor zu winseln begann. Mit einigen Stellenangeboten auf dem Tisch war ein neuer Wagen vier Monate entfernt. Sie würde es überstehen. Dreieinhalb Jahre lang haben wir die Armut in einer aus einem Zimmer bestehenden Studentenwohnung ertragen, auf einem Regal, das voll war von roten und weißen Sportwagen und eleganten Nobelkarossen. Die meiste Zeit haben wir das abschätzige Verhalten der anderen Studenten und Kollegen in diesem Viertel einfach ignoriert. Sie waren Hinterwäldler aus Niedersachsen und hatten kaum Freunde. Aber wir hatten durchgehalten und es auch allein ganz gut geschafft. Carola parkte immer vorschriftswidrig auf unserer Wohnung am nächsten gelegenen Anhöhe und ging drei Blocks zu Fuß. Unsere Unterkunft war eine von fünfzig in einem sechsgeschossigen Ziegelsteinkasten. Carola stand vor der Tür und suchte wie so oft in ihrer Handtasche nach dem Schlüssel. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen. Ich packte sie, zerrte sie in die winzige Wohnung, warf sie auf das bunte Sofa und fiel mit den Lippen über ihren Hals her. Sie schrie und kicherte. Das machen Frauen so. Während die Arme und Beine durch die Luft fuhren. Wir küssten uns, eine dieser langen, feuchten, dreißigminütigen Umarmungen mit Betasten und Streicheln und Stöhnen von der Art ohne Vorspiel, die wir als Teenager genossen hatten. Als das Küssen noch ein Vergnügen war und keiner es wissen sollte, war es das Äußerste. „Großer Gott“, sagte Carola, als ich sie freigab. „Was ist der Anlass?“ „Riechst Du etwas?“ fragte ich. Sie drehte den Kopf und schnupperte. Ja. Was ist es? „Sex, Sex, Sex.“ „Der Fick des Jahrhunderts und wer glaubt schon an Wunder.“ „Okay.“ Was ist der Anlass? „Und außerdem eine teure Champagner.“ »Sie hat sogar einen Korken.« „Was hast du verrückter Kerl angestellt?“ „Komm mit.“ Auf dem kleinen, gebeizten Küchentisch standen zwischen den Tageszeitungen und Boulevardzeitungen eine Flasche roter Wein und eine Tüte mit italienischem Essen. Wir schoben den ganzen Zeitschriften beiseite und bereiteten das Essen aus. Ich öffnete die Flasche und füllte zwei Pappbecher. „Ich hatte heute ein großartiges Vorstellungsgespräch“, sagte ich. „Mit wem?“, fragte Carola nach. „Erinnerst du dich an diese Unternehmensfirma in Berlin, von der ich vorigen Monat einen Brief bekam?“ Ja. „Du warst nicht sonderlich beeindruckt. „Genau der.“ Ich bin sehr beeindruckt. „Es ist ausschließlich Beraterarbeit und das Gehalt sieht gut aus.“ „Wie gut?“ Ich kippte uns die Pappbecher mit Champagner voll, so voll wie es nicht mehr ging. „Wie gut?“ Wiederholte sie. „Mehr als irgendeine Firma in Deutschland.“ „Mehr als ich mir erträumt habe.“ Sie trank absichtlich langsam und musterte mich argwöhnisch. Klar, das machen Frauen eben so. Carolas braunen Augen verengten sich und funkelten. Ihre Brauen senkten sich, auf ihrer Stirn erschienen Falten. Oh, Oh. Sie wartete. „Wie viel?“ „Einhundertfünfzigtausend im ersten Jahr, zuzüglich Gratifikationen.“ „Zweihunderttausend im Zweiten, zuzüglich Gratifikationen.“ Ich sagte es ganz lässig, während ich die Erdbeeren in der Schale betrachtete. „Einhundertfünfzigtausend“, wiederholte sie. „Einhundertfünfzigtausend, Baby.“ „Einhundertfünfzigtausend Euro in Berlin, dreihunderttausend Dollar in San Francisco.“ „Und ein zinsgünstiges Darlehen für eine Hypothek.“ Dieses Wort „Hypothek“ war schon seit langer Zeit in dieser kleinen Wohnung nicht mehr ausgesprochen worden. Wir konnten uns im Augenblick nicht einmal erinnern, wann wir zum letzten Mal über ein Haus oder irgendetwas gesprochen hatten, das damit in Zusammenhang stand. Carola sagte Nüchtern: „Das habe ich nicht gehört.“ „Ein zinsgünstiges Darlehen für eine Hypothek.“ Die Unternehmensfirma leiht uns das Geld für den Kauf eines Hauses. „Diesen Leuten ist sehr wichtig, dass ihre Mitarbeiter einen wohlhabenden Eindruck machen, deshalb geben sie uns das Geld zu einem erheblichen geringeren Zins.“ „Du meinst ein richtiges Haus mit grünem Rasen darum herum und Sträucher?“ Das meine ich. „Nicht eine sündhaft teure Wohnung in der Stadt, sondern ein Haus in der Vorstadt mit fünf Schlafzimmern, einer Einfahrt und einer Doppelgarage, in der wir den Nobelschlitten unterbringen können.“ Die Reaktion verzögert sich um ein oder zwei Sekunden, aber schließlich sagte sie: „Den Schlitten?“ „Wessen Nobelschlitten?“ „Unser Baby.“ Unser Nobelschlitten. Die Unternehmensfirma least einen Neuwagen und gibt uns die Schlüssel. Es ist eine Art Gratifikation für die Vertragsunterzeichnung durch den Mann, der Ihre erste Wahl ist. Er ist weitere hunderttausend im Jahr wert. Über die Farbe entscheiden wir natürlich. Ich glaube, Marineblau wäre hübsch. „Was meinst du?“ Keine Schrottautos mehr. Keine Reste mehr. „Keine billigen Klamotten mehr“, sagte sie, während sie langsam den Kopf schüttelte. Und ich kaute einen Mund voll Nudeln und lächelte sie an. Sie träumte – das war unverkennbar, vermutlich von Möbeln und Tapeten und vielleicht in nicht allzu ferner Zeit von einem Pool. Natürlich kommt auch mal die Frage: „Ich verstehe das nicht, Mario.“ Weshalb sind Sie so großzügig? Ich habe schon gedacht, dass sie die Frage vergessen hat. Doch ich war nicht doof und sagte zu ihr: „Die Frage habe ich gestellt.“ Sie sind sehr wählerisch und stolz darauf, dass Sie Spitzengehälter zahlen. „Sie nehmen nur die Besten und es macht ihnen nichts aus, für Sie zu blechen.“ „Ja, und mir macht das auch nichts aus“, habe ich mir gedacht. „Es wäre näher bei Zuhause“, sagte sie, ohne mich anzuschauen. „Ich habe kein Zuhause.“ Das ignorierte sie, wie die meisten meiner Bemerkungen. Ich nickte, biss in einer Erdbeere und stellte mir den ersten Besuch ihrer Eltern vor – diesen wundervollen Moment, wo sie mit ihrer ziemlich abgenutzten PKW-Schüssel aus PVC vorfuhren und fassungslos die neue Villa mit zwei Neuwagen in der Garage anstarrten. Sie würden vor Neid erblassen und sich fragen, wie der Junge ohne Familie und Status sich ohne Job und frisch von der Uni überhaupt leisten konnte. Sie würden sich ein gequältes Lächeln abringen und bemerken, wie hübsch das alles war, und es würde nicht lange dauern, bis die Mutter zusammenbrechen und fragen würde, wie viel das Haus gekostet hatte, und ich würde ihr sagen, sie sollte sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern, und das würde der alten Frau wahnsinnig machen. Für mich würde es eine Genugtuung sein. Ihre Eltern würden nach einem kurzen Besuch wieder verschwinden und nach Brandenburg zurückkehren, wo all ihre Freunde erfahren würden, wie gut es der Tochter und dem Schwiegersohn da unten in Berlin ging. Carola würde traurig sein, weil sie nicht miteinander auskamen, aber sie würde nicht viel sagen. Von Anfang an hatten sie mich wie einen Aussätzigen behandelt. Ich war so unwürdig, dass Sie der kleinen Hochzeit ferngeblieben waren. „Warst du schon einmal in Berlin?“ fragte ich. „Einmal, als kleines Mädchen.“ Bei einer Klassenfahrt. „Das Einzige, woran ich mich erinnere, sind die Spree und der Fernsehturm.“ „Die Unternehmensfirma will, dass wir Sie besuchen.“ Wir? „Du meinst, ich bin eingeladen?“ „Ja, Sie wollen, dass du mitkommst.“ „Wann?“ „In ein paar Wochen.“ „Wir fliegen an einem Mittwochabend hinunter und bleiben auch das Wochenende.“ „Diese Unternehmensfirma gefällt mir jetzt schon.“, sagte sie.

 

 

Kapitel 2

Im Herbst zog Carola zu ihren Großeltern. Carola ist noch immer verärgert über ihre Eltern, die einige Meinungsverschiedenheiten hatten. Auf einem Dorf war ein lang gestrecktes, niedriges, altes, braunes Fachwerkhaus, das um die Mitte des Jahrhunderts begonnen und immer mehr erweitert worden war, bis es schließlich ohne jeden eigenen Charakter einem Hasenbau glich. Es stand auf einer Anhöhe in einem sehr schönen alten Kieferpark. Ach ja, ein Dorf, das fast vor den Toren des Friedhofes anfing und sich in lähmender, hoffnungsloser Hässlichkeit über eine lange, schauerliche Meile hinzog. Häuser, ganze Reihen erbärmlicher, kleiner, schmutziger Backsteinhäuser mit roten Schieferdächern, spitzwinklig und von einer eigensinnigen, trostlosen Düsterkeit. Carola war an diesem trostlosen Dorf gewöhnt – oder an die erbärmlichen Berge oder an die eigensinnige Hochebene des Dorfes. Ja, das war Carolas verzauberte Dorf. Mit dem Gleichmut der Jugend nahm sie nach einem flüchtigen Blick die schreckliche, seelenlose Hässlichkeit des Dorfes hin und ließ es bei dem Bewenden, was es war. In den ziemlich trübseligen Zimmern im Dorf hörte sie das Pfeifen der Kinder. Und wenn der Wind, wie oft, aufs Haus stand, dann war es voll vom Gestank, den dieser Kuhmist auf dem Hof verbreitete. Doch selbst an windstillen Tagen roch die Luft immer etwas Schweine- oder Kuhmist. Nun ja, so war es eben. Dem Verderben anheimgegeben wie alles Übrige. Es war schon grauenvoll, aber warum sich dagegen auflehnen? Man konnte es doch nicht ändern. Es ging immer so weiter. Das Leben und alles andere auch. So gewöhnte Carola sich daran. Und morgens regnet es. Ich behaupte. Das Dorf hat einen grimmigen eigenen Willen und die Bevölkerung hat noch Mark in den Knochen. Carola hätte gern gewusst, was sie sonst noch hatte. Zwei Augen und in der Seele jedenfalls nichts. Die Menschen hier waren ausgemergelt, konturlos und öde wie der Landstrich und ebenso unfreundlich. Nur lag in ihrem Dialekt und ihrer Sprache etwas Furchterregendes und Fast Geheimnisvolles. Es gab auch nur eine nasskalte Autofahrt: einen dunklen, feuchten, matschigen Weg hinauf, der sich unter düsteren Bäumen dem Parkhang entgegen grub, wo graue, nasse Schafe grasten, zur Hügelkuppe hinauf, wo das Haus eine dunkelbraune Fassade hinbreitete. Es gab auf der Fahrt nicht den geringsten Verkehr. Niemand griff grüßend an die Mütze, niemand machte einen Knicks. Die Bauern glotzten nur. Wie immer. Ich vergleiche die Bauern immer mit den Stieren im Stall. Ja, die glotzen auch so, und wenn sie wild gemacht werden, hauen sie dich um. Die Geschäftsleute nahmen vor Carola die Mütze ab, als sie von der Herbertstraße aus Hamburg käme, und mir nickten sie verlegen zu. Das war alles. Eine unüberbrückbare Kluft und eine stumme Ablehnung auf beiden Seiten. Anfangs litt Carola unter der ständig vom Dorf her sickernden Ablehnung. Dann verhärtete sie sich dagegen und empfand sie als eine Art Anregungsmittel, wie etwas, gegen das sie angehen musste. Nicht, dass sie und ich unbeliebt wären. Wir gehörten nur einer vollkommen anderen Spezies von Leuten an als die Bauern. Eine unüberbrückbare Kluft, eine unbeschreibbare Spaltung, wie es sie südlich gar nicht gibt. Bleibe, wo du bist, und ich bleibe, wo ich bin! Diese Leute lassen dich eiskalt stehen, wenn du sie begrüßt. Ein merkwürdiges Verleugnen des gemeinsamen Pulsschlags der Menschheit. Theoretisch hatte das Dorf gar nichts gegen mich und Carola einzuwenden. In der Praxis aber galt „Rede über sie und nicht mit ihnen“. Der Pastor war ein netter Mann von ungefähr fünfunddreißig Jahren, durchdrungen von seiner Aufgabe, jedoch wurde das verbissene „Rede über ihn und nicht mit ihm“ des Dorfes zu einem Niemand reduziert. Dieses sture Instinktive verwirrte mich und war mir anfangs unbegreiflich. Die sonderbare, misstrauische, falsche Liebenswürdigkeit, mit der die Bäuerinnen reagierten, der merkwürdig kränkende Beigeschmack von diesem „Was will der von mir?“ Dagegen war nicht anzukommen. Es wich hoffnungslos von allem ab, was die Menschen kannten. Ich ließ die Leute in Ruhe und Carola lernte, es mir gleichzutun. Sie ging an ihnen vorbei, ohne sie anzusehen, und sie starrten zu ihr hinauf, als wäre sie in wandelnder Wachspuppe. Wenn ich mit Ihnen zu tun hatte, behandelte ich Sie hochmütig und geringschätzig. Man konnte es sich nicht leisten, freundlich zu sein. In Wirklichkeit jedoch war ich äußerst scheu und befangen. Ich hasste es, Irgendjemanden um mich zu haben, außer meiner Mutter. Carola und ich waren auf eine distanzierte, moderne Weise miteinander verbunden. Trotzdem befremdete es Carola, wie viel Beziehung ich eigentlich zu meinen Mitmenschen hatte. Dennoch: Die Bauern waren doch in gewisser Weise meine Leute. Ich sah eher Monster als Menschen in ihnen, eher konservative, naive Erscheinungen als mit mir existierende menschliche Wesen. Ich hatte in mancher Hinsicht Angst vor Ihnen. Ich konnte es nicht ertragen, dass Sie mich anstarrten. Ich hatte mit niemandem Fühlung, außer durch das enge Band der Familiensolidarität mit Carola. Darüber hinaus berührte mich nichts. Auch Carola fühlte manchmal, dass sie mich nicht wirklich berührte. Doch ich war irgendwie abhängig von ihr. Ich brauchte Sie in jedem Augenblick. So groß und kräftig ich auch war, ich war hilflos. Dennoch bin ich ehrgeizig. Ich hatte angefangen, Erzählungen zu schreiben, krasse, schöngeistige und unterhaltsame Erzählungen über Menschen, die ich kennengelernt hatte. Kluge, ziemlich boshafte und auf realistische Weise doch bedeutungsvolle Erzählungen. Mein Beobachtungsvermögen war ungewöhnlich und skurril. Es war, als ob das Ganze in einem Theater stattfände. Und da das Leben sich heute weit gehend auf einer künstlich beleuchteten Bühne abspielt, standen die Erzählungen in einem seltsamen, wahren Bezug zum modernen wissenschaftlichen Leben und zur modernen Psychologie. Ich habe mein ganzes Sein in das Schreiben gelegt. Carola half mir, so gut sie es vermochte. Am Anfang fand sie es höchst aufregend. Ich besprach alles mit ihr, wider und wieder, eindringlich, gründlich, und sie müsste darauf eingehen, so gut sie nur konnte. Ihr war, als müssten ihre Seele und ihr Leib und ihr Geschlecht sich regen und in diese Seiten eingehen. Das bewegte Carola und nahm sie ganz gefangen. Als Carolas Vater einen flüchtigen Besuch abstattete, sagte er im Vertrauen zu seiner Tochter: „Marios Schreibarbeiten sind ja ganz nett, aber es steckt nichts dahinter.“ »Sie werden keinen Bestand haben!« » Carola sah ihren Vater an, der sich sein Leben anspruchslos gut eingerichtet hatte, und ihre Augen, ihre großen, noch immer verwunderten Augen, trübten sich. Nichts dahinter! Was meinte er damit „Nichts dahinter?“ " Wenn die Rezensenten es lobten und Marios Name fast berühmt war und sogar Geld einbrachte. Was konnte der Vater dann meinen, wenn er sagte: Bei Marios Schreibereien steckte nichts dahinter? Was sollte denn sonst noch sein? Denn Carola hatte sich auf den Standpunkt gestellt: Was der Augenblick gab, war alles. Und die Augenblicke folgten aufeinander. Claudia und ich wohnten nun seit fast zwei Jahren schon zusammen, führten unser gemeinsames Leben und gingen auf. Beide Interessen hatten nie aufgehört. Wir sprachen miteinander und kämpften uns durch die Wehen der Gestaltung und glaubten, dass etwas geschähe, etwas Wirkliches geschähe, etwas Wirkliches in der Leere. Und sofern war es ein Leben in der Leere. Wir machten Spaziergänge durch den Park und durch die Wälder, die an den Park grenzten, und genossen die Einsamkeit und das Geheimnis, stießen die braunen Blätter des Herbstes fort und ich pflückte ihr ein paar Schlüsselblumen des Frühlings. Aber alles war ein Traum oder, richtiger, es war wie das Scheinbild der Wirklichkeit. Die Eichenblätter, die in einem Spiegel rascheln, sie selber eine Gestalt, über die irgendjemand von uns gelesen hatte. Sie pflückte auch Schlüsselblumen, die nur dunkle Schatten waren oder schwache Erinnerungen oder leise Worte. Der Tag hat genug an seiner Mühsal. Auch der Augenblick hat Genug am Schein der Wirklichkeit. Ich hatte ziemlich viele Freunde, eigentlich nur Bekannte, und lud sie zu einer Grillparty ein. Ich bat alle möglichen Leute zu uns. Und sie fühlten sich geschmeichelt, dass sie eingeladen wurden. Carola durchschaute das alles sehr wohl. Aber warum nicht? Es gehörte zu den vergänglichen Bildern im Spiegel. Was war denn dabei? Marie, eine alte Freundin ist auch gekommen. Sie war ein zärtliches, rotwangiges, ländliches Mädchen, das zu Sommersprossen neigte. Sie hatte große blaue Augen und braune Locken, eine weiche Stimme und ziemlich starke, weibliche Hüften und wurde aus all diesen Gründen für ein wenig altmodisch und zu „feminin“ gehalten. Sie war nicht so ein kleiner Hopser, sie war nicht wie ein Junge. Kurz, sie war zu weiblich, um wirklich modern zu sein. Doch was ist schon modern? „Ansichtssache des Betrachters“, dachte ich. Und so waren die Männer, besonders alle, die nicht ganz trocken hinter den Ohren waren, ausgesprochen reizend zu ihr. Aber da sie wusste, welche Qual es für die armen Männer bedeutete, wenn nur einer der Jungs auch nur das leiseste Anzeichen eines Flirts verspürte, der von ihr ausging, ermutigte sie niemanden. Sie war still und zerstreut. Sie hatte keinen Kontakt mit ihnen und wollte auch keinen mehr haben. Die Zeit ging dahin. Was auch immer geschah. Es geschah nichts, weil die meisten Gäste so angenehm jenseits allen Kontaktes waren. Trotzdem unterhielt ich mich mit manchen Gästen über alte Erlebnisse aus der Schulzeit und das, was die Zeit so mitgebracht hat. Die Zeit lief ab wie eine laufende Uhr. Halb acht und nicht mehr halb fünf. Der herrliche Tag geht zu Ende. Die Sonne geht unter die Mond. Sie schien zu hell für diese Nacht.

An einem Donnerstag um 10 Uhr hielt die Firmenlimousine vor dem Hotel an und Herr Grunewald stieg aus, er begrüßte Carola und mich. Dann fuhren wir zur Unternehmensfirma. Als wir dann ankamen, stiegen wir aus und waren überwältigt von diesem Geschäftshaus. Alles nur Glas und Spiegel. Herr Grunewald bedankte sich bei dem Chauffeur und sah dem davonfahrenden Fahrzeug nach. Es war meine und Claudias erste Fahrt in einer Limousine. Ich blieb auf dem Gehsteig neben einer Straßenlaterne stehen und bewunderte den merkwürdigen, aufregendsten und dennoch irgendwie beeindruckenden Sitz der Unternehmensfirma Schimko. Er war etwas völlig anderes als die riesigen Gebilde aus Stahl und Beton, in denen nur Namhafteste residierten, oder der gewaltige Regierungssitz in Berlin, in dem die Parteien residieren. Aber mir war sofort klar, dass es mir gefallen würde. Es war weniger anmaßend. Es war mehr wie ich. Peter S. kam durch die Vordertür und die Stufen herunter. Er rief mich an und winkte uns heran. Peter hatte uns am Abend zuvor am Flughafen abgeholt und uns im Hotel mit fünf Sternen untergebracht. Dem „Grandhotel des Südens“. „Guten Morgen, Carola und guten Morgen, Mario!“ Wie haben Sie beide geschlafen? Sie schüttelten sich die Hand wie Freunde, die lange getrennt waren. „Sehr gut.“ »Es ist ein großartiges Hotel.« „Ich wusste, dass es Ihnen gefallen würde.“ „Das Hotel gefällt jedem.“ Sie betraten die Eingangshalle, wo ein kleines schwarzes Brett die Gäste des Tages begrüßte. Eine gutgekleidete, aber nicht sonderlich reizvolle Empfangsdame lächelte herzlich und sagte, ihr Name wäre Sylvia, und wenn ich irgendetwas brauchte, solange ich hier in der Stadt war, sollte ich es wissen lassen. Ich dankte ihr. Peter S. brachte uns in den langen Flur, in dem er mit der Führung begann. Er erläuterte den Grundriss des Gebäudes und stellte mir unterwegs mehrere Sekretärinnen und Mitarbeiter vor. Im großen Hauptsaal im dritten Stock hatte sich eine Schar von Mitarbeitern zu Kaffee und Kuchen um den riesigen Konferenztisch herum niedergelassen. Sie verstummten, als wir eintraten. Herr Grunewald begrüßte mich und Carola und stellte uns den Anwesenden vor. Es waren etwa fünfzehn, fast sämtliche Unternehmensberater der Firma, die meisten kaum älter als ich. Die Businessangels waren zu beschäftigt, hatte Peter S. erklärt, und würden mich später zum Lunch treffen. Eine internationale Sitte. Wie man sagt. Er blieb am Kopfende des Tisches stehen, während Herr Grunewald um Ruhe bat. „Meine Herren, das ist Mario G.“ Sie haben alle von ihm gehört und hier ist er. Er ist in diesem Jahr unsere erste Wahl, sozusagen unsere Nummer Eins. „Er wird von den großen Tieren im Süden und Osten, und wer weiß sonst noch, wo umworben, also müssen wir ihm unsere kleine Unternehmensfirma hier schmackhaft machen.“ Sie lächelten und nickten zustimmend. Ich wurde verlegen. Herr Grunewald setzte seinen Monolog fort, als ich neben ihm stand. Erließ sich darüber aus, wie wählerisch sie immer gewesen waren, und wie gut ich mich einfügen würde. Ich steckte die Hände in die Hosentaschen und hörte auf, zuzuhören. Dabei musterte ich die Gruppe. Sie waren jung, erfolgreich und wohlhabend. Die Kleiderordnung schien streng zu sein, aber nicht anders als in anderen Business-Konzernen. Dunkelgraue oder marineblaue wollene Anzüge, weiße und blaue Baumwollhemden, mittelsteif gestärkt, und seidene Krawatten. Nichts Kühnes oder Auffälliges. Vielleicht ein paar Fliegen, aber Nichts Gewagtes. Keine Schnur- oder Kinnbärte, kein Haar bis über die Ohren. Sie waren Konformisten, aber die meisten von ihnen sahen gut aus. Herr Grunewald kam allmählich zum Schluss. „Peter S. führt mich im Haus herum, wir werden also später noch Gelegenheit haben, ein paar Worte mit ihm zu reden.“ „Heute Abend werden ihre reizende Frau und sie im Rendezvous ein Menü mit verschiedenen Steaksorten essen und morgen Abend findet natürlich das Firmenessen in meinem Haus statt“, erzählt Peter. „Und ich fordere euch auf, euch von eurer besten Seite zu zeigen.“ Er lächelte und schaute uns an. „Mario, wenn Sie von Peter genug haben, sagen Sie mir Bescheid, dann suchen wir jemanden aus, der mehr von der Sache versteht“, sagte Herr Grunewald. Als wir gingen, reichte ich allen abermals die Hand und versuchte, mich an so viele Namen wie möglich zu erinnern. „Fangen wir mit der Besichtigungstour an“, sagte Peter S., nachdem sich der Raum geleert hatte. „Dies ist natürlich der große Speisesaal, einer von drei Gleichartigen in den unteren Stockwerken.“ Wir benutzen ihn auch für große Konferenzen. Sie wanderten an dem langen Konferenztisch entlang und zwischen zwei Sitzreihen hindurch. Ja. Wir geben jährlich ungefähr eine halbe Million für Instandhaltung aus. Die Business-Angel murren immer, aber sie kämen nicht auf die Idee, den Etat zu kürzen. „Es ist einer der kultivierten Säle und wir sind stolz darauf.“ „Ziemlich beeindruckend“ und „wirklich kaum zu glauben“, dachte ich. Der zweite Stock war praktisch identisch mit den ersten und weiteren Stockwerken. Das Zentrum jedes Stockwerkes war angefüllt mit Sekretärinnen, ihren Schreibtischen, Rechnern, Aktenschränken, Kopierern und den anderen erforderlichen Geräten. „Hübsche Sekretärinnen werden Sie hier finden“, sagte Peter G., während Sie ihnen bei der Arbeit zusahen. Das scheint ein ungeschriebenes Gesetz der Unternehmensfirma zu sein. Herr Grunewald gibt sich alle Mühe, die jüngeren und reizvollen einzustellen, die er finden kann. Ja, das ist Teil der Strategie und soll uns veranlassen, fröhlich und motiviert zu sein. „Affären sind streng verboten und meines Wissens auch nie vorgekommen.“ „Und wenn es doch passiert?“ Wer weiß? Die Sekretärin würde natürlich fristlos entlassen. Und ich vermute, der Mitarbeiter würde streng bestraft werden. Es könnte ihm den Job kosten. „Niemandem liegt daran, das herauszufinden, schon gar nicht mit einem Haufen junger Küken.“ „Sie ziehen sich Hübsch an.“ „Verstehen Sie mich nicht falsch.“ Wir stellen nur die besten Sekretärinnen ein und wir zahlen mehr als jede andere Firma in Deutschland. Was Sie hier sehen, sind die Besten und auch die Freundlichsten. Wir verlangen Erfahrung und Reife. „Herr Grunewald stellt keine über Dreißig ein.“ „Eine für jeden Mitarbeiter?“ Ja, bis Sie Business-Angel sind. Dann bekommen Sie eine Zweite, und die werden Sie dann auch brauchen. „Garfield hat drei, alle mit den besten Erfahrungen, und er hält sie auf Trab.“ „Wo ist sein Büro?“ „Im dritten Stock.“ Wollte ich fragen, ließ es dann jedoch. Die Eckbüros hatten eine Größe von neuneinhalb mal siebeneinhalb Metern, erklärte Peter. Sie gehörten zu den wichtigsten Businessangels. Machtzentrum nannte er sie mit großen Erwartungen. Sie wurden ohne Rücksicht auf die Kosten nach dem Geschmack ihres jeweiligen Inhabers eingerichtet und nur geräumt, wenn er starb oder in den Ruhestand trat, wonach die jüngeren Businessangels um sie kämpften. Peter legte vor einem von ihnen einen Schalter um und trat ein, wobei er die Tür hinter sich zumachte. „Herrliche Aussicht – wie?“ sagte er, während ich an die Fenster trat und hinausblickte auf den Fluss, der jenseits des Parks träge vorbeifloss. „Wie kommt man an dieses Büro?“ fragte ich. Er betrachtete ein Flugzeug, das über die Wolken flog. „Das dauert eine Weile, und wenn Sie hier einziehen, sind Sie sehr reich und sehr beschäftigt und haben keine Zeit, die wunderschöne Aussicht zu genießen.“ „Wem gehört dieses Büro?“ „Jerry.“ Er ist Chef der Finanzabteilung und ein sehr netter Mann. Peter S. steckte die Hände in die Hosentaschen und wanderte im Raum herum. „Die Fußbodendielen und die Decken sind noch Original.“ Der größte Teil des Gebäudes ist mit Teppichboden ausgelegt. „Doch wenn Sie herkommen, haben Sie die Wahl zwischen Teppichboden und Brücken.“ „Wo ist er?“ „Im Urlaub, glaube ich.“ „Habe ich Ihnen schon von dem Urlaub erzählt?“ „Nein.“ „In den ersten fünf Jahren bekommen Sie drei Wochen pro Jahr.“ Bezahlt natürlich. Dann fünf Wochen, bis Sie Business-Angel geworden sind. Danach nehmen Sie so viel, wie Sie wollen. Die Unternehmensfirma hat eine Villa auf den Bahamas, ein Bungalow in Hawaii und zwei Apartments in der Karibik. Die Benutzung ist kostenlos, aber man muss sie zeitig buchen. Business-Angel haben Vorrang. Danach geht es der Reihe nach. Die Bahamas sind in der Firma überaus beliebt. Sie sind eine internationale Steueroase und eine Menge unserer Ausflüge dorthin wird abgesetzt. Ich nehme an, dass „Jerry“ jetzt dort ist. „Wahrscheinlich taucht er und nennt es Geschäft.“ Peter S. sprach wie ein scharfsinniger Beurteiler teurer Urlaubsreisen, der er nicht war. Abgesehen von dem dreitägigen Wochenende, das Sie als Hochzeitsreise bezeichneten. „Sie können eine weitere Woche bekommen, unbezahlt.“ Ich nickte, als wäre das akzeptabel. Wir verließen „Jerrys“ Büro und setzten unsere Wanderung fort. Der Flur bildete ein langes Rechteck mit den Büros der Unternehmensberater an den Außenseiten, alle mit Fenstern, Sonne und Aussicht. „Diejenigen auf dem Fluss waren gefragter, erklärte Peter und hatte gewöhnlich den Business-Angel vorbehalten.“ Es gab eine Warteliste. Die Konferenzräume und Schreibtische mit den Computern der Sekretärinnen befanden sich an der Innenseite, ohne Fenster und Ablenkung. Die Büros der angestellten Unternehmensberater waren kleiner. Dreieinhalb mal viereinhalb Meter, aber kostspielig eingerichtet und wesentlich beeindruckender als alles, was ich bisher an entsprechenden Büros in dieser Stadt gesehen hatte. Die Unternehmensfirma zahlte ein kleines Vermögen an Innenarchitekten, erklärte Peter. Anscheinend wuchs das Geld auf den Bäumen. Die jüngeren Mitarbeiter waren freundlich und redselig und schienen sich über die Arbeitsunterbrechung zu freuen. Die meisten hielten kurze Lobreden auf die Unternehmensfirma und auf Berlin. Irgendwie wächst einem die alte Stadt ans Herz, teilten sie mir mit, aber es dauert seine Zeit. Auch sie waren von der großen Offenheit der Menschen beeindruckt worden und sie bereuten nichts. Die Businessangels waren stärker beschäftigt, aber ebenso freundlich. Ich bin sorgfältig ausgewählt worden, hörte ich immer wieder, und ich würde hierher passen. Es war genau die richtige Firma für mich. Weiter versprachen Sie weitere Gespräche beim Lunch. „Ist das was zum Essen?“ Frage ich mich? Die Unternehmensfirma sorgt dafür, dass ich mit meiner Ehefrau ein eigenes Haus habe. Das ist eine Art ungeschriebenes Gesetz. „Warum ist das der Firma so wichtig?“ „Aus mehreren Gründen.“ Zuerst einmal will sie sie hier haben. Die Unternehmensfirma ist sehr wählerisch und in der Regel bekommt sie die Leute, die sie haben will. Deshalb muss sie mehr bieten. Außerdem stellt die Firma große Ansprüche an die jüngeren Unternehmensberater. Termindruck, Überstunden, Achtzig-Stunden-Wochen und Zeiten, in denen Sie unterwegs sind. Das ist für beide nicht einfach und die Unternehmensfirma weiß das. Der Theorie zufolge sorgt eine gute Ehe oder eine Ehe ohne Trauschein für einen glücklichen und motivierten Unternehmensberater, und ein glücklicher, motivierter Unternehmensberater ist ein guter Unternehmensberater. Was dem Ganzen zugrunde liegt, ist also der Profit. Immer der Profit. Aber es gibt noch einen weiteren Grund. Diese Männer, all diese Männer und ihre Frauen, sind sehr stolz auf ihren Reichtum, und von jedermann wird erwartet, dass er einen wohlhabenden Eindruck macht und sich entsprechend benimmt. Es wäre eine Beleidigung für die Unternehmensfirma, wenn ein junger Unternehmensberater gezwungen wäre, in einer Mietwohnung zu leben. Sie möchten Sie in einem Haus sehen und nach fünf Jahren in einem größeren Haus. Wenn wir heute Nachmittag Zeit dazu haben, zeige ich Ihnen ein paar von den Häusern der Business-Angel. „Wenn Sie die sehen, machen Ihnen die Achtzig-Stunden-Woche nichts mehr aus.“ »Ich bin jetzt schon an Sie gewöhnt.« „Das ist gut, aber das Studium lässt sich damit nicht vergleichen.“ „In der Zeit, in der die Jahresabschlüsse gemacht werden müssen, arbeiten Sie manchmal hundert Stunden.“ Susanna, Peters Frau, lächelte und schüttelte den Kopf, als wäre sie mächtig beeindruckt. „Arbeiten Sie?“ „Nein.“ Die Meisten von uns arbeiten nicht. Das Geld ist da, wir sind also nicht darauf angewiesen, und von unseren Männern bekommen wir kaum Hilfe beim Aufziehen der Kinder. „Arbeiten ist natürlich nicht verboten.“ Das private Esszimmer, wie schlicht es genannt wurde, nahm das westliche Ende des oberen Stockwerkes ein und lag hoch über dem in einiger Entfernung stiller Natur. In einer Wand war eine Reihe zweieinhalb Meter hoher Fenster eingelassen, durch die man einen faszinierenden Blick auf die Landschaft, Eichhörnchen, Vögel und Spaziergänger hatte. Der Raum war ein geschütztes Revier für Unternehmensberater, die begabt und ehrgeizig genug waren, um in der Stellen-Unternehmensfirma Schimko als Business-Angel zu fungieren. Hier versammelten sie sich jeden Tag zu Mittagessen, das Magdalena Karuso, einer massigen, temperamentvollen Südländerin, zubereitet und von ihrem Mann Pieré serviert wurde, der dabei weiße Handschuhe trug und einen schlecht sitzenden, verblichenen und zerknitterten alten Smoking, den ihnen Herr Schimko selbst kurz vor seinem Tode geschenkt hatte. Hier trafen sie sich gelegentlich auch Vormittag zum zweiten Frühstück, um Firmenangelegenheiten zu erörtern, und hin und wieder zu einem Glas Sekt am Nachmittag, um einen guten Monat oder ein außergewöhnlich dickes Honorar zu feiern. Hier hatten nur die Businessangel zuritt und vielleicht hin und wieder einmal ein Gast wie ein besonders zahlungskräftiger Mandant oder ein in Aussicht genommener neuer Mitarbeiter. Die jüngeren Unternehmensberater durften dreimal im Jahr hier speisen, nur dreimal. Es wurde auch ein Buch geführt, und auch das nur auf Einladung eines Businessangels. Ich saß mit Peter S., Herrn Grunewald und Herrn Bruno zusammen an einem. Als Hauptgericht gab es ein vorzügliches Menü mit verschiedenen Steaksorten mit geschmorten Pilzen und goldgelb gedünsteten Zwiebeln. „Heute hat man sich mit dem Fett zurückgehalten“, bemerkte Witzig Herr Grunewald. „Es ist köstlich“, sagte ich. „Ich glaube, wir alle zehn Jahre länger leben.“ „Es schmeckt wunderbar“, sagte Peter und bestrich eine weitere Scheibe Kaviarbrot mit Kräuterbutter. „Es schmeckt immer wunderbar“, setzte Herr Grunewald hinzu. „Das Essen ist üppig und macht dick, aber den Lunch versäumen wir selten.“ Ich aß vorsichtig, beteiligte mich ein wenig nervös an dem Geplauder und versuchte, einen völlig entspannten Eindruck zu machen. Es war schwierig für Claudia und mich. Umgeben von überaus erfolgreichen Unternehmensberatern, allesamt Millionäre, in ihrem exklusiven, kostbar eingerichteten Speisesaal, war uns, als befänden wir uns auf geheiligtem Grund. Peters Anwesenheit war tröstlich. Als offensichtlich war, dass ich nichts mehr zu essen gedachte, wischte sich Herr Grunewald mit der Serviette den Mund ab, erhob sich langsam und klopfte mit dem Löffel an sein Weinglas. „Meine Herren, ich bitte um geballte Aufmerksamkeit.“ Im Saal wurde es still und die Businessangels wendeten sich dem Cheftisch zu. Sie hatten ihre Servietten hingelegt und betrachteten uns. Auf dem Schreibtisch eines jeden lag eine Kopie des Dossiers. Drei Monate zuvor hatten sie einstimmig beschlossen, mich in diesem Jahr zu ihrer ersten Wahl zu machen. Sie wussten, dass ich jeden Tag dreitausend Meter lief, nicht rauchte, allergisch war gegen Katzen, meinen Blinddarm und die Mandeln noch hatte, einen Wagen (völlig wertlos) aus siebenter Hand fuhr und asiatische Kampfsportarten bevorzugte. Sie wussten, dass ich, wenn ich krank war, schnell ein Aspirin nahm, und dass ich hungrig genug war, um, wenn sie es verlangten, hundert Stunden in der Woche zu arbeiten. Sie mochten mich. Ich sehe gut aus, sportlich, das Idealbild eines Mannes mit einem brillanten Verstand und einem schlanken Körper. „Dennoch bin ich nicht schwul oder Bi“, dachte ich mir. „Wie Sie wissen, haben wir heute einen speziellen Gast.“ Mario G. und seine Gefährtin „Er wird demnächst sein Studium an der Universität mit Auszeichnung abschließen.“ „Beachtlich“, sagten ein paar ehemalige Studenten. Ja, vielen Dank. Er und seine „Frau“ Carola verbringen dieses Wochenende als unsere Gäste im Hotel. Mario rangiert unter den ersten Fünf von dreihundertfünfzig und wird von etlichen Unternehmen umworben. Wir möchten ihn bei uns haben, und ich weiß, dass Sie sich noch mit ihm unterhalten werden, bevor er wieder abreist. Heute Abend sind Peter S. und Hubert K., und morgen Abend findet dann das Essen in meinem Haus statt. „Ich rechne mit Ihrer aller Anwesenheit.“ Ich lächelte die Business-Angel verlegen an, während Herr Grunewald sich eingehend über die Großartigkeit der Unternehmensfirma ausließ. Als er geendet hatte, setzten sie die Mahlzeit fort, nachdem man das Fruchteis und Espresso serviert hatte. „Ein Cognac reicht“, warnte Hubert K. „Ich trinke nie viel.“ Sie bestellten die ältesten Conjacs des Tages und nippten an ihren Gläsern. „Trinkt Mario?“ „Sehr wenig.“ Er ist Sportler und sehr auf seinen Körper bedacht. Gelegentlich ein Bier oder ein Glas Sekt, nichts Stärkeres. Wie steht es mit Peter? „Ungefähr ebenso.“ Während seines Studiums hat er das Bier entdeckt, aber er hat Probleme mit seinem Gewicht, der „Dicke“. Die Firma missbilligt das Trinken. „Sehr lobenswert, aber was geht sie das an?“ „Weil Alkohol und Unternehmensberater zusammengehören wie Teufel und Satan.“ Die meisten Unternehmensberater saufen wie ein Loch, die ganze Branche leidet unter Alkoholismus. Ich glaube, es fängt an der Uni an. In der Studentenkneipe hatte ständig jemand ein Fass Bier angezapft. Und dann immer auf „Ex“, die Suppe. In dem Job gibt es eine Menge Druck, und das bedeutet in der Regel eine Menge Alkohol. Verstehen Sie mich richtig: Die Leute hier sind keine sturen Abstinenzler, aber sie halten es unter Kontrolle. Ein gesunder Unternehmensberater ist ein produktiver Unternehmensberater. „Also, wieder der Profit.“ „Das klingt vernünftig.“ „Ich sage daraufhin: Es gibt keine Fluktuation.“ „Es ist so wie eine Lebensstellung.“ Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Jahren, die wir jetzt hier sind, jemand ausgeschieden wäre. Die Gehälter sind grandios, und Sie überlegen sich genau, wen Sie einstellen. »Sie nehmen niemanden mit Geld in die Firmenfamilie.« „Das verstehe ich nicht.“ „Sie stellen keinen Unternehmensberater ein, der über andere Einkommensquellen verfügt.“ Sie wollten Sie jung und hungrig. Es ist eine Sache der Loyalität. Wenn alles Geld aus einer einzigen Quelle kommt, dann ist man geeignet, sich dieser Quelle gegenüber sehr loyal zu verhalten. Diese Unternehmensfirma verlangt absolute Loyalität. Peter sagt, dass über Ausscheiden nie geredet wird. Sie sind alle glücklich und entweder reich oder auf dem besten Weg dazu. Und wenn jemand gehen wollte, würde er bei einem anderen Unternehmen niemals so viel verdienen. Sie werden Ihnen alles anbieten, was erforderlich ist, um Sie hierher zu bringen. „Sie sind sehr stolz darauf, dass Sie mehr zahlen als alle anderen.“ „Weshalb keine weiblichen Unternehmensberater?“ „Sie haben es einmal versucht.“ Sie war eine regelrechte Zicke und hat ständig Unruhe gemacht. Die meisten weiblichen Unternehmensberaterinnen bilden sich ein. Sie mussten ständig kämpfen. Es ist schwer, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Peter S. sagt: „Sie scheuen davor zurück, eine Frau einzustellen, weil sie sie nicht entlassen können, wenn es nicht funktioniert, ohne dass es eine Menge Stunk gibt.“ Im Restaurant herrschte lebhafter Betrieb. Aus der Jukebox tönte leise eine musikalische Stimme. „Ich habe eine großartige Idee“, sagte Hubert. Ich kenne eine Maklerin. „Wir rufen Sie an und sehen uns ein paar Häuser an.“ „Was für Häuser?“ „Für Sie und Mario.“ Für den jüngsten Mitarbeiter von Schimko, Jessi & Friends. »Sie kann Ihnen mehrere in Ihrer Preislage anbieten.« „Zweihundert bis zweihundert fünfzigtausend, würde ich sagen.“ „Der Letzte hat ein Haus in Berlin gekauft und ich bin sicher, dass er ungefähr so viel bezahlt hat.“ Susanna beugte sich vor und flüsterte fast: „Wie hoch wäre die monatliche Belastung?“ Das weiß ich nicht. Aber Sie werden es sich leisten können. „An die Tausend monatlich, vielleicht ein bisschen mehr.“ Susanna starrte Sie an und schluckte. Die kleinen Apartments in Berlin-Mitte kosteten das Doppelte an Miete. „Rufen wir Sie an.“ Wie anders zu erwarten, war das Büro von Herrn Bruno eines der Großen mit einem prachtvollen Ausblick. Es lag in einer der viel begehrten Ecken im oberen Stockwerk, nicht weit von dem „Garfield“ entfernt. Peter S. entschuldigte sich und der Geschäftsführer forderte mich auf, an einem kleinen Konferenztisch neben der Fächerpalme Platz zu nehmen. Eine Sekretärin wurde zum Erfrischungsgetränkeholen geschickt. Herr Bruno fragte mich nach dem bisherigen Verlauf meines Besuches und ich sagte: Ich bin sehr beeindruckt. „Mario, ich möchte die Details unseres Angebotes festmachen.“ „Bitte.“ „Das Grundgehalt beträgt einhundertfünfzigtausend Euro im ersten Jahr.“ Wenn Sie das Wirtschaftsexamen bestanden haben, erhalten Sie eine Gehaltserhöhung von fünfzigtausend Euro. Keine Gratifikation, sondern eine Erhöhung. Das Examen findet im August statt und Sie werden den größten Teil des Sommers damit verbringen, sich darauf vorzubereiten. Wir haben unsere eigenen Mentoren und einige der Businessangel werden als Ihre Tutoren fungieren. Dies geschieht vor überwiegender Arbeitszeit. Wie Sie wissen, Mario, verlangen die meisten Unternehmen, dass Sie arbeiten und in Ihrer Freizeit lernen. Wir nicht. Kein Mitarbeiter dieses Unternehmens ist je beim Wirtschaftsexamen durchgefallen, und wir befürchten nicht, dass Sie die Ausnahme von der Regel darstellen werden. „Noch irgendwelche Fragen hinsichtlich des Gehalts?“ „Was passiert nach dem ersten Jahr?“ „Ihr Grundgehalt steigt jährlich um leistungsbezogene Prozente, bis Sie Business-Angel werden.“ Weder die Gehaltserhöhungen noch die Gratifikation sind garantiert. „Sie hängen von der Leistung ab.“ „Das ist korrekt.“ „Wie Sie wissen, liegt uns sehr viel daran, dass Sie ein Haus kaufen.“ Es fördert Stabilität und Prestige, und beides ist uns sehr wichtig, besonders bei unseren jungen Mitarbeitern. Das Unternehmen stellt Ihnen eine Hypothek in Form eines Darlehens zu niedrigem Zins zur Verfügung, bei fester Rate und mit einer Laufzeit von dreißig Jahren, unkündbar, falls Sie sich in ein paar Jahren zum Verkauf entschließen sollten. Das ist ein einmaliges Angebot, das nur für Ihr Haus gilt. „Danach müssen Sie selbst zusehen, wie Sie zurechtkommen.“ „Zu welchem Zins?“ „So niedrig wie möglich, ohne dass wir mit dem Finanzamt in Konflikt geraten.“ Die marktüblichen Zinsen liegen gegenwärtig bei Zwölf bis Achtzehn Prozent. Wir sollten eigentlich in der Lage sein, Ihnen das Geld zu sieben oder acht Prozent zu beschaffen. Wir vertreten einige Banken und sie helfen uns. Bei diesem Gehalt haben Sie genügend Sicherheit. „Außerdem wird die Unternehmensfirma für Sie bürgen, falls es erforderlich sein sollte.“ „Das ist sehr großzügig, Herr Bruno.“ Es ist uns sehr wichtig. Und wir verlieren kein Geld bei dem Geschäft. Sobald Sie ein Haus gefunden haben, übernimmt unsere Immobilienabteilung alles Weitere. „Sie brauchen nur noch einzuziehen.“ „Was ist mit dem Luxuswagen?“ Herr Bruno grinst. „Das haben wir vor ungefähr acht Jahren eingeführt und es hat sich als beträchtlicher Anreiz erwiesen.“ Es ist ganz einfach. Sie suchen sich einen für Sie zugeschnittenen Wagen aus und wir geben Ihnen die Schlüssel. Wir bezahlen Steuern, Haftpflicht und Wartung. Nach Ablauf von zirka drei Jahren können Sie ihn von der Leasingfirma zu einem angemessenen Listenpreis kaufen. „Auch das ist ein einmaliges Angebot.“ „Und sehr verlockend.“ „Das wissen wir.“ Der Geschäftsführer warf einen Blick auf seinen Terminkalender. „Außerdem übernehmen wir die Arzt- und Zahnarztkosten für die gesamte Familie.“ „Schwangerschaften, Vorsorgeuntersuchungen, Zahnspangen, alles wird voll und ganz von dem Unternehmen bezahlt.“ Ich nickte, war aber nicht sehr beeindruckt. Das war allgemein üblich. „Wir haben einen einzigen Rentenplan. Den unsere Unternehmensfirma investiert. Ein Teil kommt aus dem gesetzlichen Rentenfond und Sie selbst investieren mindestens zehn Prozent Ihres Gehalts. Ein Finanzexperte von der Frankfurter Börse legt das Geld an und im letzten Jahr betrug die Rendite zwölf Prozent. Nicht schlecht. „Doch wenn Sie vor Ablauf der zwanzig Jahre ausscheiden, verlieren Sie alles, bis auf das Geld, das Sie eingezahlt haben, auch die daraus erwirtschaftlichen Zinsen.“ „Hört sich bitterhart an.“ „Nein, Mario, in Wirklichkeit ist es sehr großzügig.“ Nennen Sie mir ein anderes Unternehmen, das zwei zu eins zuschießt. So viel ich weiß, gibt es keine. Das ist unsere Art, für unsere Mitarbeiter zu sorgen. Viele unserer Business-Angel treten mit fünfzig in den Ruhestand, manche schon mit fünfundvierzig. Unser Unternehmen hat keine feste Altersgrenze. Manche von uns arbeiten, bis sie in den Sechzigern oder Siebzigern sind. Jeder so, wie es ihm gefällt. „Unser Ziel ist es lediglich, jedem eine beachtliche Rente zu sichern und frühes Ausscheiden zu ermöglichen.“ „Hat Peter S. das Thema Urlaub angesprochen?“ „Ja." „Gut." Buchen Sie rechtzeitig, vor allem für Bahamas und die Karibik. Sie bezahlen nur die Flugtickets. Die Apartments sind umsonst. Wir haben geschäftlich viel auf den Bahamas zu tun und von Zeit zu Zeit werden wir Sie für drei oder sechs Tage dorthin schicken und die Kosten abschreiben. Diese Reise gilt nicht als Urlaub und Sie unternehmen ungefähr jedes Jahr eine. „Wir arbeiten hart, Mario, und wir wissen, wie wichtig Entspannung ist.“ Ich nickte zustimmend und träumte davon, an einem Strand in der Karibik in der Sonne zu liegen, ein eiskaltes Selterswasser mit viel Eis zu trinken und braun gebrannte, knackige Frauen zu betrachten. „Hat Peter S. die Einstellungsgratifikation erwähnt?“ „Oh, nein, aber das hört sich interessant an.“ „Wenn Sie in die Unternehmensfirma eintreten, geben wir Ihnen einen Scheck über zehntausend Euro.“ Wir wünschen, dass Sie den größten Teil davon für neue Garderobe ausgeben. Und legen Sie den Vertreteranzug ab! Die äußere Erscheinung ist uns sehr wichtig. Wir erwarten von unseren jungen Mitarbeitern, dass sie gut und konservativ gekleidet sind. „Es gibt keine Kleiderordnung, aber das Prinzip muss klar sein.“ Hatte er zehntausend Euro gesagt? Nur für Kleidung? Im Augenblick besaß ich zwei anthrazitfarbene Stretch-Anzüge und trug einen davon. Ich verzog keine Miene und lächelte auch nicht. Warum auch? „Noch Fragen?“ Aber ich möchte nicht für die ganze Unternehmensfirma den Papierkram ausarbeiten. Ich möchte mich mit wirklichen Mandanten und ihren tatsächlichen Unternehmensproblemen befassen. Herr Bruno hörte mir gespannt zu und wartete dann mit seiner üblichen, eingeübten Antwort auf: „Das verstehe ich, Mario.“ Sie haben Recht, das ist wirklich ein Problem in den großen Unternehmen. Aber hier nicht. In den ersten drei Monaten tun Sie kaum mehr, als für das Wirtschaftsexamen zu lernen. Wenn Sie das hinter sich haben, fangen Sie an, praktische, unterrichtsberatene Arbeit zu tun. Sie werden dem Business-Angel zugeteilt und seine Mandanten werden Ihre Mandanten. Sie erledigen den größten Teil seiner Analysen und natürlich Ihre eigenen, und hin und wieder werden Sie gebeten, jemand anderem bei der Ausarbeitung einer Analyse oder beim Recherchieren behilflich zu sein. Wir möchten, dass Sie glücklich sind. Unsere Unternehmensfirma ist stolz auf unsere Fluktuationsrate von Null Prozent, und wir tun alles, was in unseren Kräften steht, damit unsere Mitarbeiter immer auf dem Laufenden sind. Wenn Sie mit Ihrem Business-Angel nicht auskommen, stellen wir Ihnen einen anderen. „Die Unternehmensfirma wird bald eine Menge Geld in Sie investieren und wir möchten dafür etwas leisten.“ Ich trank einen Schluck Mineralwasser, das ich mir in ein Glas gegossen hatte, und suchte nach einer weiteren Frage. Herr Bruno konsultierte seine Aufzeichnungen. „Wir bezahlen Ihren Umzug nach Berlin.“ „Der wird nicht teuer.“ „Wir brauchen nur einen kleinen Möbelwagen zu mieten.“ „Sonst noch etwas, Mario?“ „Nein, Herr Bruno.“ Im Moment fällt mir nichts mehr ein. „Mario, wir wollen nicht drängeln, aber wir brauchen Ihre Antwort so bald wie möglich.“ Wenn Sie woanders hingehen, müssen wir die Suche fortsetzen. Das ist ein langwieriger Prozess und wir hätten unseren neuen Mann gern am 1. „August hier.“ „Sind sieben Tage früh genug?“ „Durchaus.“ Sagen wir bis zum 30. Juli? „Ja, aber ich werde mich wahrscheinlich schon früher melden.“ Ich verabschiedete mich und, schau da, ich stieß noch auf Peter S., der vor Herrn Brunos Büro wartete. Sie verabredeten sich für zwanzig Uhr zum Essen. Robert Niels, der Chef der Sicherheitsabteilung, saß im Größten der kleinen, schlichten Büros. Das einzige Zertifikat an den sonst kahlen, gelben Wänden – es roch stark nach Zigarrenqualm – dankte ihm für die hingebungsvolle Arbeit als Hausdetektiv. Er war stark untersetzt, hatte einen leichten Bauchansatz, massige, kräftige Schultern und einen ebensolchen Brustkorb und einen großen, völlig runden Kopf, der nur höchst widerstrebend lächelte. Sein zerknittertes weißes Hemd war gnädiger weise am Kragen nicht zugeknöpft und gestattete ihm, seinen wulstigen braunen Hals unbehindert herauszustrecken. Eine dicke, geblümte Polyesterkrawatte hing zusammen mit einem stark abgetragenen, anthrazitfarbenen Jackett am Kleiderschrank.

Am nächsten Morgen nach meinem Besuch stand Herr Grunewald vor der Metalltür und schaute in die darüber angebrachte Kamera. Er drückte zweimal auf den Knopf und passierte die Sicherheitskontrolle. Er wanderte schnell durch den Korridor und betrat das vollgestopfte Büro. Robert Niels blies den Rauch einer Havanna in einen leeren Aschenbecher und schob Papiere in alle Richtung, bis auf seinem Schreibtisch die Platte zu sehen war. „Wir hatten im Hotel die Zimmer, natürlich verdrahtet, genau wie die Limousine und das Telefon und alles andere.“ „Das Übliche." " „Kommen wir zu den Einzelheiten.“ „Irgendwelche Probleme mit der Unternehmensfirma?“ " „Im Grunde nicht.“ Mario machte eine Bemerkung über das Nichtvorhandensein von Frauen, aber es schien ihn nicht weiter zu stören. Was ist mit seiner Frau? „Die Stadt gefällt ihr und mit Peter S. Frau hat sie sich auf ihn verstanden.“ „Sie haben sich Häuser angesehen und sie hat ein paar gefunden, die ihr gefielen.“ Haben Sie die Adressen? „Natürlich.“ „Ich glaube, Sie haben sich für eines entschieden.“ In Zeuthen steht es leer. Eine Maklerin namens Linda York hat Sie begleitet. Verlangt zweihundertfünfzig, wird sich aber mit weniger begnügen. Muss es loswerden. " „Das ist eine nette, ruhige Gegend.“ Wie alt ist das Haus? „Dreißig, vierzig Jahre.“ Dreihundert Quadratmeter. In einer Art Kolonialstil gebaut. Hübsch genug für einen von unseren Jungen. Sind Sie sicher, dass es das ist, was Sie wollen? " Jedenfalls im Augenblick. Sie haben darüber gesprochen, dass sie vielleicht in einem Monat wiederkommen und sich noch ein paar weitere ansehen wollten. Vielleicht sollten Sie Sie noch einmal einladen, sobald Sie sich entschieden haben. Das ist doch so üblich, oder? " Ja. Darum kümmern wir uns. Was ist mit dem Gehalt? „Überaus beeindruckend.“ Das bisher Höchste. Sie redeten unentwegt über das Gehalt, die Pension, die Hypothek, Bugatti, Gratifikation – einfach alles, was wir besprochen haben. Sie konnten es einfach nicht glauben. „Wir müssen wirklich pleite sein.“ „Sie sind es.“  „Glauben Sie, dass wir ihn haben?“ " „Darauf würde ich meine Frau verwetten.“ Ja, ich bin sicher, dass er unterschreiben wird. " „Irgendein Argwohn?“  „Nicht eigentlich."  Hubert K. hat ihm offensichtlich gesagt, dass er sich von „Garfield's“  Büro fernhalten soll. Er hat seiner Frau erzählt, dass es nie von jemandem betreten würde, außer von einigen Sekretärinnen und einer Handvoll Businessangel. Aber Hubert hätte gesagt, „Garfield“ wäre exzentrisch und nicht gerade liebenswürdig. Trotzdem glaube ich nicht, dass er irgendwie argwöhnisch geworden ist. „Sie hat gesagt, die Unternehmensfirma kümmerte sich um Dinge, die ihr eigentlich nichts angingen.“ Zum Beispiel? „Das Intimleben, Privatangelegenheiten und so weiter.“ Sie schien ein wenig gereizt, aber ich glaube, es war eher eine Feststellung. An einem schönen sonnigen Morgen erklärte sie Mario, sie dächte nicht daran, sich von einem Haufen arroganter, konservativer Mitarbeitern vorschreiben zu lassen, wann sie Sex haben dürfte und wann sie nackt baden gehen kann. „Aber ich glaube nicht, dass da ein Problem ist.“ „Ist ihm klar, wie dauerhaft seine Stellung hier wäre?“ " „Ich denke schon…“ Es war jedenfalls nie die Rede davon, hier ein paar Jahre zu arbeiten und dann weiterzuziehen. Ich glaube, er hat die Botschaft verstanden. Er möchte Business-Angel werden, wie Sie alle. „Mario ist pleite und will das Geld.“ " „Was war bei dem Essen in meinem Haus?“ " „Sie waren nervös, haben sich aber gut amüsiert.“ " „Sehr beeindruckt von Ihrem Domizil.“ " „Sex, wie sieht es da aus?“ " „Jede Nacht.“ „Hörte sich an wie frisch Verliebte.“ " „Was haben Sie gemacht?“ „Sehen konnten wir es nicht, wie Sie wissen.“ " „Doch hören um so mehr.“ " „Ziemlich abartig.“ " „Halten Sie die Klappe, Niels.“ Beide schwiegen, während Robert Niels einen Blick auf seinen Notizblock warf. Er streifte seine Zigarre ab und Grinste. „Alles in allem“, sagte er, ist es eine gute Beziehung. Sie scheinen sehr intim miteinander zu sein. Aber ich kann das schlecht beurteilen. „Ich selbst bin einmal verheiratet gewesen.“ " „Verständlich.“ " Was ist mit Kindern? " „In ein paar Jahren.“ " Sie will erst eine Weile arbeiten, dann vielleicht schwanger werden. » „Wie ist Ihre Meinung über den Mann?“ " „Sehr gut, ein sehr anständiger, offener, junger Mann.“ Außerdem sehr eifrig. Ich glaube, er hat einen starken Antrieb und macht nicht Halt, bis er oben angekommen ist. „Falls erforderlich, wird er auf ein paar Risiken eingehen, ein paar Gesetze außer Acht lassen.“ Alle Anwesenden im Raum lächelten. „Das war es, was ich hören wollte.“ Ein Telefongespräch. Eins mit Ihren Eltern. „Nichts Aufregendes.“ „Wurde nie erwähnt.“ Herr Grunewald sprang von seinem Stuhl auf und ging zur Tür. „Beobachten Sie Mario G. noch einen weiteren Monat.“ „Wird gemacht.“ „Aber keine Sorge, Mario G. wird unterschreiben, da gehe ich jede Wette ein.“

 

 

Kapitel 3

Allmählich wurde sich Carola einer zunehmenden Unrast bewusst. Ihre Ehe war die Quelle einer Unruhe, die sich ein Wahnsinn ihrer bemächtigte. Es zuckte in ihren Gliedern, als sie nicht wollte, dass es in ihnen zuckte. Es riss sie hoch, wenn sie nicht wollte, dass es sie hochriss, sondern wenn sie lieber still dagesessen hätte. Es durchschauerte ihren Leib, ihren Schoss, bis sie meinte, ins Wasser springen und schwimmen zu müssen, um diesem „Unbekannten“ zu entkommen. Eine wahnwitzige Ruhelosigkeit. Ihr Herz wild, ohne Grund. Und sie wurde dünner. Es war nur die Ruhelosigkeit. Sie rannte dann in den Park hinaus, ließ mich allein, warf sich flach in das grüne Gras. Weg vom Hotel. Carola musste weg vom Hotel und von allem. Der Park war ihre einzige Zuflucht. Doch er war keine wirkliche Zuflucht für sie. Denn Sie hatte eine starke Beziehung zu mir. Ich war ein Ort, wo sie vor allem Anderen sicher war. Nie rührte sie wirklich an die Seele des Parks. Wenn er überhaupt etwas so Unsinniges besaß. Undeutlich wusste sie, dass sie allmählich verfiel. Undeutlich wusste sie, dass sie jede Beziehung zur wirklichen, lebendigen Wirtschaftswelt verloren hatte. Aber es war, als schlüge sie mit dem Kopf gegen eine Wand. Der Vater warnte Sie wieder: „Warum legst du dir keinen schon erfolgreichen Mann zu, Carola?" „Das ist das Einzig Richtige für dich.“

In diesem Winter kam Roy auf ein paar Tage zu Besuch. Er war ein junger Amerikaner, der mit seinen Ideen ein beträchtliches Vermögen eingeheimst hatte. Eine Zeit lang war er von der smarten Gesellschaft überschwänglich gefeiert worden, denn er verfasste smarte Konzepte. Dann ging der smarten Gesellschaft nach und nach auf, dass sie von einem lausigen Arbeitslosen lächerlich gemacht worden war, und der Wind drehte sich. Roy wurde zum Angriff all dessen, was schmutzig und naiv war. Dessen ungeachtet hatte Roy seine Apartmentwohnung im Nobelviertel der Millionäre. Jeder Zoll ein roter Sportwagenfahrer. Er hatte die besten Schneider. Ich lud den dreißigjährigen jungen Mann in einem Augenblick ein, der für die weitere Karriere dieses jungen Mannes die besten Möglichkeiten hat. Doch das hinderte mich ein bisschen. Roy hatte vermutlich Zugang zu ein paar Millionen Menschen. Er war ein erfolgsorientierter Außenseiter und würde es zweifellos zu schätzen wissen, zu diesem Zeitpunkt nach Berlin eingeladen zu werden, da die übrige große Welt ihn schon kannte. Er würde dankbar sein und mir aus Dankbarkeit drüben in Amerika ohne Zweifel „Gutes“ tun. Ruhm! Man erwirbt sich einen hohen Bekanntheitsgrad, damit sich alle Türen öffnen werden. Wenn man in der richtigen Weise über sich reden lässt, besonders „dort drüben“. Ich war im Kommen. Und es war beachtlich, was für einen sicheren Propagandainstinkt er hatte. Roy porträtierte mich schließlich aufs Nobelste in einem Stück und ich wurde so etwas wie ein Filmstar. Carola wunderte sich ein bisschen über meinen blinden, anmaßenden Trieb, bekannt zu werden in der unermesslichen, amorphen Wirtschaftswelt, die ich selbst noch gar nicht richtig wahrgenommen hatte und die mir Unbehagen und Angst einflößte. Dennoch entdeckte ich neue Wege der Propaganda. Die Verschiedensten. Ich lud mich zu allen Partys bei wichtigen Leuten ein. Ich war entschlossen, mich rasch an Reputation zu errichten, und verwendete jedes verfügbare Steinchen zum Bau. Roy kam pünktlich an, in einem sehr noblen Wagen mit Chauffeur. Er war ein ganzer Bondschnitt. Aber bei Seinem Anblick wich in mir mein Gemüt etwas zurück. Er war nicht so recht, also er war überhaupt nicht das, worauf er mit seinem Äußeren abzielte. Für mich war das entscheidend und genug. Doch ich war sehr höflich zu dem Mann und zu seinem erstaunlichen Erfolg. Die Hundegöttin Erfolg, so nennt man sie, strich knurrend und schützend um die Beine des halb ergebenen, auftrumpfenden Roy und schüchterte mich vollkommen ein. Denn er wollte sich der Hundegöttin Erfolg liebend gar selber anbieten, wenn sie ihm nur näher käme. Roy war offensichtlich kein optimistischer Mensch, trotz all der Schneider, Friseure, Hut- und Schuhmacher des besten, reichsten Viertels. Nein, nein, er war offensichtlich kein Optimist. Sein abgeflachtes, blasses Gesicht und seine Haltung und sein Groll waren von der falschen Art! Zwar verfügte er über positive Ausstrahlung, wie jeder echte, optimistisch positiv denkende Mensch sehen konnte, der sich aber schämen würde, so etwas in seinem Betragen laut werden zu lassen! Der arme Roy hatte Fußtritte bekommen und sah sogar jetzt noch ein bisschen aus wie ein ängstlicher Hund, der mit eingezogenem Schwanz umherläuft. Er hatte sich mit seinen Stücken durch schierte Instinkte und schiere Frechheit einen Weg auf die Erfolgsbühne und auf die Rampe gebahnt. Er hatte die Leute für sich eingenommen. Und er hatte gedacht, die Zeit der demütigen und harten Fußtritte sei vorbei. Doch sie war nicht vorüber. Denn er forderte in gewisser Weise dazu heraus, getreten zu werden. Er verzehrte sich danach, dort zu sein, wohin er nicht gehörte. In der reichen, konservativen Oberschicht. Und was für einen Spaß es ihnen machte, ihn zu retten! Und wie Roy sie hasste! Und trotz alledem reiste Roy mit seinem noblen Sportwagen. Irgendetwas war an ihm, das mir sehr gefiel. Er unterhielt sich mit mir vernünftig, bündig, praktisch und verständlich über alles, was ich von ihm wissen wollte. Roy machte sich nicht breit, ließ sich nicht gehen. Er wusste, man hatte ihn nach Berlin eingeladen, und wie ein Businessmann ließ er sich fragen und antwortete mit so wenig Aufwand wie möglich. „Geld!“, sagte Roy. „Geld ist eine Art Instinkt.“ „Geld zu machen, ist eine Art Veranlagung im Menschen.“ Es ist eine Natur, zu der man selber etwas beitragen muss. Kein Trick, den man anwendet. Es ist eine Art des Tuns, um Gutes zu geben. Wenn man einmal angefangen hat, bleibt man dabei, Geld zu verdienen. „Aber man muss eben anfangen“, sagte ich. Natürlich. Man muss hineinkommen. Man kann nichts tun, wenn man draußen bleibt. Man muss sich den Zugang erzwingen. „Wenn man das einmal geschafft hat, geht es immer so weiter.“ „Aber hätten Sie auch anders, außer durch Ihre Immobilien, Geld verdienen können?“, fragte ich. „Och, wahrscheinlich nicht!“ „Ich mag ein guter Berater sein, ich mag ein Scheißer sein.“ Auf jeden Fall aber bin ich Immobilienmakler. Das steht außer Frage. Und Sie glauben, dass Sie eben ein Immobilienmakler sein müssen? „Frage ich Roy?" „Genau das!“, rief er. „Das ist es nicht." Sie sind eben wie das Wetter. „So wie es sein muss, für den Augenblick jedenfalls." Roy wandte Carola seine langsamen, großen, blauen Augen zu, die in unauslotbarer Ernüchterung ertrunken waren, und sie zitterte ein wenig. „Jedenfalls ist es großartig, was Sie in Ihrem Leben schon alles erreicht haben“, sagte ich nachdenklich. Ich bin dreißig. Ja, ich bin dreißig! „Ja“, antwortete Roy scharf und jäh und er lachte dabei auf eine sonderbare Weise: hohl, triumphierend und bitter. „Und Sie sind allein?“ „Fragte ich.“ „Wie meinen Sie das?" „Ob ich allein lebe?“ Wenn ich Frauen bezahle, bekomme ich Spaß, so viel ich es will. Doch wenn ich sie heirate, dann habe ich keinen Spaß mehr und die Scheidung kostet auch noch eine Menge Geld. Allein bin ich nicht. „Das klingt, als hätten Sie schlechte Erfahrungen mit den Frauen gemacht“, lachte ich. „Immer noch offene Wunden?" Er sah Carola bewundernd an. „Ach, wissen Sie Carola, in gewisser Hinsicht ja.“ „Ich glaube, verzeihen Sie!“ Ich glaube, ich bin nicht im Stande, eine sensible, glückliche Frau zu heiraten, nicht einmal eine Deutsche. „Denn es gibt Keine.“ „Versuchen Sie es mit den Südländerinnen“, warf ich ein. „Oh, die Südländerinnen!“ Er lachte ironisch. „Nein, ich habe eine ältere Haushälterin, die mir den Haushalt führt, und eine Waschmaschine habe ich auch.“ Carola war ehrlich erstaunt über dieses merkwürdige, melancholische Produkt sensationellen Erfolgs. Es hieß, dass er allein aus der Schweiz ein Einkommen von dreihundert Millionen Schweizer Franken bezöge. Zuweilen sah er gut aus. Wenn er seitlich nach unten sah, sah er sehr fiel die stille, ewige Schönheit einer Aphrodite, mit seinen Augen und den breiten, seltsam gewölbten Brauen und dem reglos zusammengepressten Mund. Diese flüchtige, doch sichtbare Reglosigkeit, eine Reglosigkeit, eine Zeitlosigkeit, wie Buddha sie anstrebt, ohne sie je anzustreben. Etwas sehr, sehr Altes: Ein sich Fügen in die Gesellschaft. Sklave sich Fügens in der Gesellschaft statt unserer individuellen Demokratie. Und dann hindurchschwimmen wie Ratten, die einen dunklen Fluss durchqueren. Carola fühlte eine jähe, seltsame Welle der Zuneigung für ihn. Eine Welle, in der sich Mitleid und Widerwille mischten und die sich fast zu Liebe steigerte. Der Außenseiter! Der Außenseiter! Und sie nannten ihn „einen Abenteuerer!“ Wie viel gewöhnlicher und anmaßender sah ich aus! Wie viel Törichter! Roy wusste sofort, dass er Eindruck auf Carola gemacht hatte. Roy wandte ihr seine großen, nussbraunen, leicht vorstehenden Augen zu und sah sie glänzend unbeteiligt an. Er taxierte sie und das Ausmaß des Eindrucks, den er gemacht hatte. Es gab kein Mittel dagegen, dass er der ewige Außenseiter blieb und nicht einmal Liebe half. Aber Frauen vernarrten sich zuweilen in ihn. Das Frühstück wurde Ihnen in das Schlafzimmer gebracht. Ich erschien niemals vor dem Frühstück und das Esszimmer war ein wenig trübselig. Nach dem Morgenkaffee wusste Roy, die rastlose, unstete Seele, nicht, was er tun sollte.

Es war ein schöner, sonniger Tag, schön für Berlin. Ich sah auf den schönen, grünen, blühenden Park hinaus. Mein Gott, was für ein Tag! Roy und Carola saßen am Fenster einander gegenüber und unterhielten sich. Roy bat Carola das „Du“ an. Carola fand es gut und ein Lächeln sah man in ihrem Gesicht. Roy sprach vorbehaltlos von sich selbst, ganz vorbehaltlos, ohne Künstelei, legte einfach seine verbitterte, gleichgültige, stolzen Straßenköter Seele bloß, und dann glomm ein Funke rachsüchtigen Stolz auf seinen Erfolg auf. „Warum bist Du eigentlich so ein verrückter Vogel?“, fragte Carola ihn. Und wieder sah er sie an, mit seinem großen, forschenden, nussbraunen Blick. „Manche Chaoten sind eben so“, entgegnete er. Und dann, mit einem Anflug vertraulicher Ironie; „Aber sage mir, wie steht es mit Dir selbst?" „Bist Du denn nicht ein verrücktes Biest?“ Carola war ein wenig bestürzt und dachte ein paar Momente darüber nach. Dann sagte sie: „Nur in gewisser Weise!“ „Bin ich ganz und gar ein verrückter Vogel?“, fragte er und grinste dabei auf seine merkwürdige Art, wie wenn er Kopfschmerzen hätte. Er grinste so verzerrt und seine Augen blieben unverändert melancholisch oder gelassen oder desillusioniert oder ängstlich. „Nein?“, fragte Carola ein wenig atemlos und sah ihn an. „Findest Du es nicht, dass Du es bist?“ Carola spürte ein reißendes Verlangen von ihm zu ihr hinauffluten, das ihr fast den Boden unter den Füßen wegriss. „Oh, Du hast ganz recht!" „sagte er und wandte den Kopf ab, drehte ihn zur Seite und sah nach unten und hatte wieder die seltsame Unbeweglichkeit einer alten Rasse, die es in unserer Zeit kaum noch gibt.“ Und dies nahm Carola vollends die Kraft, ihn objektiv zu sehen. Roy hob die Augen zu Carola auf, richtete seinen vollen Blick auf sie, der alles erfasste, alles aufnahm. Und zugleich schrie das hilflose Kind aus seiner Brust zu ihr. So stark, dass es sie im innersten Schoss traf. „Es ist beängstigend, jedoch nett von dir, dass du dich Gedanken über mich machst“, sagte er lakonisch. „Warum sollte ich mir nicht Gedanken über Dich machen?“ Erfreute sie sich und kaum genügend Atem, es auszusprechen. Roy stieß sein verzerrtes, schnelles, zischendes Lachen aus. „Tja, aber auf diese Art!“ Er atmete tief Luft. „Darf ich einen Augenblick Deine Hand haben?“ „Fragte Roy unvermittelt und heftete mit nahezu hypnotischen Kraft seine Augen auf sie, und ein Verlangen ging von ihm aus, dass sie direkt in den feuchten Schoss traf.“ „Sie starrte ihn an, betäubt und gebannt, und Roy kam zu ihr und kniete neben ihr nieder und nahm ihre beiden zarten Füße fest in seine beiden schwitzenden Hände und vergrub das Gesicht in ihrem feuchten Schoss und verharrte reglos.“ Carola war völlig empfindungslos betäubt, sah erstaunt auf die sehr sanfte Wölbung seines Nackens nieder, fühlte, wie sein Gesicht sich an sie presste. Carola konnte nicht anders: Sie musste trotz all ihrer brennenden Bestürzung die Hand auf die schutzlose Wölbung seines Nackens legen, zärtlich und voll Mitleid und zitterte, und ein tiefer, kalter Schauer durchrang ihn. Dann sah Roy sie an, mit diesem furchtbaren schmachtenden Verlangen in den großen, glühenden Augen. Sie war vollkommen unfähig, sich ihm zu widersetzen. Aus ihrer Brust flutete die Antwort, eine ungeheurere Sehnsucht, zu ihm hin. Carola musste ihm alles geben, alles. Roy war für Carola ein seltsamer und sehr sanfter Liebhaber. Er war sehr sanft mit der Frau, zitterte unbeherrscht und war doch ganz unbeteiligt, nahm alles wahr, nahm jeden Laut draußen wahr. Dennoch bedeutete es für Carola nichts, außer, dass sie sich ihm hingab. Schließlich hörte Roy auf zu zittern und lag ganz still, ganz still, nur da. Mit Tauben und mitleidigen Fingen strich sie über seinen Kopf, der auf ihrer kleinen Brust lag. Als Roy sich erhob, küsste er ihre beiden feuchten Hände, dann beide warme Füße in den leichten Slippern, und ging schweigend zur anderen Ecke des Zimmers hinüber. Den Rücken ihr zugekehrt, blieb Roy dort stehen. Minutenlanges Schweigen Dann drehte er sich um und ging wieder zu ihr. Carola saß jetzt an ihrem alten, gemütlichen Platz am Feuer. „Vermutlich wirst Du mich jetzt hassen“, sagte er ruhig, betroffen. Sie warf ihm einen schnellen ironischen Blick zu. „Warum sollte ich?“, fragte Carola. „Die meisten Frauen tun es“, erwiderte Roy, aber fasste sich schnell: „Ich meine, man denkt, dass es so ist bei Frauen, die nicht wissen, was sie wollen.“ Doch Carola wich ihm aus. „Dies ist doch nicht so recht der Augenblick, Dich zu hassen“, sagte sie verstimmt und grinste für sich. Ich weiß! „So sollte es sein.“ Und er jammerte erbarmungswürdig wie ein Köter. Sie fragte sich, warum er in so jämmerlicher Verfassung war. Ist es Show? „Willst Du dich nicht wieder setzen?" „Fragte Sie.“ „Roy starrte zur Tür. „Doch Mario“, fing Roy an, „wird er, wird er nicht …“ Carola schwieg und dachte nach. „Vielleicht“, sagte sie dann und sah zu ihm auf. „Ich will, dass Mario nichts erfährt und auch nicht einen Verdacht bekommt.“ Es würde ihn so sehr verletzen. „Ja, wir brauchen es Mario nicht wissen lassen!“, flehte Carola. Es würde Mario so verletzen! „Von mir“, sagte Roy grimmig, „von mir wird Mario nichts erfahren.“ „Du kannst sehr ruhig sein. Mich selbst verraten! Hahaha! " Roy lachte blöd und zynisch bei dieser Vorstellung. Doch Carola sah ihn verwundert an. Roy sagte: „Darf ich Dich noch einmal küssen?" „Ich denke, ich werde in die Stadt fahren und etwas essen. Wenn ich darf, komme ich später zurück. „Und und?" „Und kann ich sicher sein, dass Du mich nicht hassen wirst?" Wirst? „Mit einem verzweifelten, ironischen Ton brach er ab.“ „Nein, ich hasse Dich nicht“, sagte sie. „Ich glaube, Du bist süß.“ „Ah!“ rief Roy ungestüm, „wie gut, dass Du mir das sagst und nicht, dass Du mich liebst!“ „Es bedeutet mir so viel mehr. Roy küsste Carola und ging. „Ich glaube nicht, dass ich diesen Mann ertragen kann“, sagte ich zum Frühstück. „Warum nicht?“, fragte Carola. „" Er ist so ein motivierter Mann unter seinem schönen Anzug.“ „Warte nur darauf, uns auszustechen.“ „Ich glaube, er hat viele schlechte Erfahrungen gemacht“, entgegnete Carola. „» » Wundert dich da ?" „Ich finde, er hat eine gewisse Großmut. " Gegen wen? " „Ich weiß nicht genau." Natürlich nicht. „Ich „Ich „Ich“ “ Ich fürchte, du hältst Skrupellosigkeit für Großmut!“ Darauf schwieg Carola. Hatte er Recht? Es war gut möglich. Doch die Skrupellosigkeit von Roy hatte einen gewissen Reiz für die. Er legte weite Strecken zurück. Auf seine Weise hatte er die Welt bezwungen. Ja, das war es, was ich auch wollte. Mittel und Wege? Waren die Roys verächtlicher als meine? War die Art, wie der verrückte Außenseiter sich seinen Pfad getrampelt und gehauen hatte, nur auf sich selbst gestellt und auf Hintertüren angewiesen. Die lüsterne Hundegöttin, Erfolg, wurde von tausend hechelnden Hunden mit triefenden Mäulern verfolgt. Wer sie als Erster einholte, war der wahre Hund unter den Hunden, wenn man nach dem Erfolg gehen wollte. Roy konnte also den Kopf hochtragen. Das Merkwürdige war. Roy tat es nicht einmal. Später dann kam Roy zurück, mit einem Arm voll langstielige Rosen und der Miene der Armsünder. Carola überlegte sich zuweilen, ob das vielleicht so etwas wie eine Maske sei, um jeglichen Widerstand von vornherein zu entwaffnen. So aufgesetzt wirkt das Gesicht. Oder war er tatsächlich so ein armer Hund? Diesen Arme-Hund-Ausdruck eines selbst zerstörenden Wesens behielt er den ganzen Abend bei, wenn ich auch darunter die eigentliche Unverschämtheit spürte. Carola spürte sie nicht. Warum auch? Vielleicht, weil sie nicht gegen Frauen gerichtet war, sondern nur gegen Männer: Gegen ihre Anmaßungen und Überheblichkeit. Allein Roys Anwesenheit war eine Herausforderung für einen Mann der Gesellschaft, wie sehr ich sie auch in angenommene, gute Manieren kleiden mochte. Carola war verliebt in Roy, aber sie brachte es fertig, mit ihrer Schreibarbeit dazusitzen, die Männer reden zu lassen und sich nicht zu verraten. Ich benahm mich vollendet, ich blieb der selbstbewusste, höfliche, akzeptierte Mann vom Abend zuvor. Aber gelegentliche Liebe als Trost und Linderung war durchaus etwas Gutes und Roy war nicht undankbar. Im Gegenteil: Roy war verzerrend, glühend dankbar für ein bisschen natürliche, spontane Liebe, fast bis zu Tränen dankbar. Unter seiner vom Sonnenstudio gebräunten, straffen, zarten Oberfläche schluchzte seine Kinderseele voll Dankbarkeit der Frau entgegen und er brannte darauf. Als Carola im Zimmer die Kerzen anzündete, fand Roy Gelegenheit, mit Carola zu sprechen. Kann ich kommen? „Ich werde zu dir kommen“, sagte sie. „Oh, gut!“ Roy wartete sehr lange auf Carola. Doch sie kam. Roy gehörte zu den bebenden, erregten Liebhabern, deren Höhepunkt schnell erreicht und vorüber ist. Er hatte etwas Merkwürdiges, Kindliches und Schutzloses. Sein ganzer Schutz lag in seinem Verstand und in seiner Gerissenheit, in seinem Instinkt für Gerissenheit, und wenn Roy damit nicht recht durchkam, schien er doppelt nackt zu sein, wie ein Spanner mitten in der Gesellschaft. Roy entfachte in der Frau wildes Mitleid und Sehnsucht und eine rasende, verzehrende, körperliche Gier. Doch diese körperliche Gier befriedigte er nicht. Roy kam immer sofort und war schnell fertig, kuschelte sich an Carolas kleiner Brust zusammen und gewann sich seine Unverschämtheit zurück, und sie lag da, benommen, enttäuscht, verloren. Doch bald lernte Carola, Roy bei sich zu halten, auch wenn sein Höhepunkt vorüber war. Plötzlich war er großmütig und seltsam potent. Roy blieb in ihr, ihr hingegeben und sie war tätig. Wild wie eine Katze, leidenschaftlich tätig, bis Carola zum Höhepunkt kam. Und wenn Roy die Wildheit spürte, mit der sie sich ihrem Orgasmus näherte, ihrer Befriedigung an seinem harten, aufgerichteten Schwanz, durchströmte ihn ein sonderbares Gefühl des Stolzes und der Genugtuung. „Ah, ich will mehr!“, flüsterte Carola bebend und wurde ganz still und krallte sich ins Fleisch seines Rückens. Er lag da, ihm fehlten die Worte. Roy blieb diesmal nur drei Tage und verhielt sich mir gegenüber unauffällig, genauso wie am ersten Tag auch Carola. Am äußeren Menschen änderte sich nichts. Roy schrieb Carola. Er schien eine hoffnungslose Zuneigung für Carola zu hegen, doch die ihm anhaftende Losgelöstheit blieb immer gleich. Carola verstand Roy niemals so recht, aber auf ihre Weise liebte sie ihn. Und die ganze Zeit fühlte sie den Widerschein seiner Hoffnungslosigkeit in sich. Carola konnte nicht vorbehaltlos lieben, so in Hoffnungslosigkeit. Und Roy, der ohne Hoffnung war, konnte überhaupt nie ganz vorbehaltlos lieben. Noch immer begehrte Carola die physische und sexuelle Erregung, die sie sich aus eigener Kraft von Roy holte, wenn sein kleiner Orgasmus vorüber war. Carola war ungeheuer lebensfroh in Berlin. Und sie wandte all ihre erwachte Lebensfreude und Zufriedenheit auf, um mich aufzuregen. In dieser Zeit schrieb ich meine besten Sachen und ich war glücklich auf meine wunderliche, zielstrebige Art. Ich erntete die Früchte der sinnlichen Befriedigung, die Carola aus Roys maskulinen Schwanz zog, die sie hart in sich immer noch spürte. Aber ich erfuhr es natürlich nie. Der alte Wagen wurde für fünfhundert Euro noch verkauft und der größte Teil des Geldes wurde sofort wieder für die Miete eines sechs Meter langen Möbelwagens ausgegeben. In Berlin würde es zurückerstattet werden. Die Hälfte des zusammengewürfelten Mobiliars wurde verschenkt oder fortgeworfen, und als der Wagen beladen war, erhielt er einen Kühlschrank, ein quietschendes Bett, einen wackligen Kleiderschrank und eine alte Kommode, einen großen Farbfernseher, Kartons mit Tellern, Kleidern und Krimskrams und ein altes Sofa, das nur aus Gefühlsduselei von Carola mitgenommen wurde und an seinem neuen Standort nicht lange bleiben würde. Carola und ich fuhren südwärts in den tiefen Süden, der Verheißung eines besseren Lebens entgegen. Drei Tage lang fuhren wir auf Nebenstraßen, genossen die Landschaft, sangen die Melodien im Radio mit, übernachteten in billigen Motels und redeten von dem Haus, dem Luxusschlitten, neuen Möbeln und Wohlstand. Wir kurbelten die Fenster herunter und ließen den Wind hereinwehen, während der Möbelwagen fast seine Höchstgeschwindigkeit von achtzig Stundenkilometer erreichte. Einmal, irgendwo auf den Straßen, meinte Carola, dass sie vielleicht einen kurzen Besuch in Potsdam machen könnten. Ich sagte nichts, wählte aber eine Route, die durch die Gegend führte und mindestens zwei Kilometer von jedem Punkt der Grenze zu Berlin entfernt verlief. Carola ließ es durchgehen. Warum nicht.

Wir trafen an einem Donnerstagmorgen in Berlin ein. Der Rasen war dicht, grün und frisch gemäht. Die Hecken waren beschnitten. Die Rosenbüsche blühten. Die Schlüssel lagen, wie abgesprochen, unter einem Eimer im Geräteschuppen. Wir entladen rasch den Möbelwagen, bevor die Nachbarn unsere kümmerlichen Habseligkeiten inspizieren konnten. Der Möbelwagen wurde zur Verleihfirma zurückgebracht. Eine gut aussehende Innenarchitektin, die gleich auch mein Büro einrichten würde, erschien um die heiße Mittagszeit mit Mustern für Teppiche, Farben, Fußbodenbeläge, Gardinen, Vorhänge und Tapeten. Nach unserer kleinen Wohnung in Brandenburg kam Carola der Gedanke an eine Innenarchitektin ein wenig absurd vor, aber sie spielte mit. Wie es Frauen so machen. Ich war ziemlich schnell gelangweilt und entschuldigte mich, um den Luxusschlitten auszuprobieren. Ich kreuzte durch die baumgesäumten, stillen, schattigen Alleen dieses hübschen Viertels, in dem ich jetzt mit meiner Frau ansässig war. Ich lächelte, als Jungen auf Fahrrädern anhielten und bewundernd hinter meinen neuen Wagen hinterherpfiffen. Ich winkte dem Briefträger zu, der heftig schwitzend auf dem Gehsteig entlangging. Um drei begleiteten wir die Innenarchitektin in ein nobles Möbelgeschäft, wo uns der Geschäftsführer höflich informierte, dass Herr Grunewald bereits die erforderlichen Schritte für einen Kredit unternommen hatte und dass es für das, was wir zu kaufen und zu finanzieren gedachten, kein Limit gab. Wir kauften ein Haus voll. Ich runzelte von Zeit zu Zeit die Stirn und lehnte des Öfteren irgendwelche Dinge als teuer ab, aber an diesem Tag hatte Carola das Sagen. Die Innenarchitektin beglückwünschte uns wieder und immer wieder zu unserem hervorragenden Geschmack und sagte, sie würde mich gleich am Montag aufsuchen, um mein Büro einzurichten. Wunderbar, sagte ich. Mit einer Straßenkarte machten wir uns auf die Fahrt zum Haus der Familie Hubert K. Carola hatte das Haus während unseres ersten Besuchs gesehen, wusste aber nicht mehr, wie man hinkam. Es lag in einem noblen Stadtteil und Carola erinnerte sich an die baumbestandenen Grundstücke, die großen Häuser und die von Landschaftsgärten angelegten Vorgärten. Wir parkten auf der Auffahrt hinter der Nobelkarosse und dem weißen Sportflitzer.

Das Haus war hell und still. Keine Stimmen, überhaupt nichts. Ich bewunderte mit Carola das Mobiliar und wartete. Und warteten, murmelten leise, dann wurden wir ungeduldig. Ja, stimmten wir überein. Wir waren in der Tat für diesen Abend, zwanzig Uhr, zum Essen eingeladen. Ich sah wieder auf meine Armbanduhr und murmelte etwas von Unhöflichkeit. Wir warteten weiter. Ja, wir warteten und warteten. Von der Diele her erschien Hubert und versuchte zu lächeln. „Er sollte sich nicht zu sehr anstrengen mit seinem gezogenen Lächeln“, dachte ich mir. Ihre Augen waren starr und verquollen. Tränen flossen ihr über die Wangen. „Was haben wir bloß getan, dass wir so empfangen werden?“, habe ich mir so dabei gedacht. Sie hielt ein Taschentuch vor den vor den dendenden Mund. Hat sie Mundgeruch? Sie umarmte Carola und ließ sich neben ihr auf das lilafarbene Sofa sinken. Sie biss in ihr nasses Taschentuch und weinte noch lauter. Passiert? Passiert? Passiert? Passiert? „Ich war emotional betroffen und kniete vor ihr nieder.“ Hubert, was ist bloß passiert? Passiert? „Sie biss noch fester zu.“ Es sah aus, als bekäme sie einen Krampf im Kiefer. Dabei schüttelte sie ihren verweinten Kopf. Carola umfasste ihr zitterndes Knie und ich klopfte ganz vorsichtig auf das Andere. Sie musterte sie besorgt, rechnete, rechnete mit dem Schlimmsten. Was ist los? „Es hat einen tödlichen Unfall gegeben“, sagte sie leise schluchzend. Ich hatte davon nichts richtig verstanden. „Wer ist es?“, fragte ich. Sie wischte sich die nassen Augen und holte tief Luft. „Zwei Angehörige der Unternehmensfirma, Uwe B. und Silvio K., sind heute ums Leben gekommen. … „Wir standen uns sehr nah.“ Ich setzte mich auf den Hocker. Ich erinnerte mich dabei an meinen letzten Besuch im Frühjahr bei Uwe B. Er hatte sich Hubert und mir angeschlossen, als wir zum Essen in ein Restaurant in Hamburg an der Alster gingen. Er wäre der nächste gewesen, der zum Business-Angel befördert wurde. Schien aber alles andere als begeistert zu sein. An Silvio K. konnte ich mich nicht erinnern. „Was ist passiert?“, fragte ich noch einmal. Hubert hatte aufgehört zu weinen, aber die salzigen Tränen flossen nur so weiter. Sie wischte sich abermals das Gesicht ab und sah ihn an. Das Wissen wir nicht. Sie waren in der Karibik beim Korallentauchen. Es gab eine Explosion auf einer Segeljacht, und wir nehmen an, dass sie ertrunken sind. Hubert sagte, die Einzelheiten wären unklar. Vor ein paar Stunden fand in der Unternehmensfirma ein Meeting statt und alle Mitarbeiter wurden darüber informiert. „Hubert ist gerade erst nach Hause gekommen.« „Wo ist er?“ er?" „Draußen am Pool.“ „Er wartet auf Sie.“ Er saß auf einem weißen Gartenstuhl neben einem kleinen Tisch mit einem kleinen bunten Sonnenschirm, ein paar Meter vom Rand des Pools entfernt. Neben einem Rosenbeet drehte sich ein Rasensprenger. Er ratterte und zischte und spritzte Wasser in einem perfekten Bogen, der den Tisch, den Schirm, den Stuhl und Hubert voll mit einbezog. Er war nur ein bisschen nass geworden. Wasser tropfte von seiner Hose, seinen Ohren und seinem dunklen Haar. Das blaue Baumwollhemd und die wollene Anzughose waren klatschnass. Er hatte weder weiße Socken noch blaue Schuhe an. Hubert saß reglos da, ohne bei jeder weiteren Dusche zusammenzuzucken. Er war weggetreten. Voll weg. Irgendein ferner Gegenstand auf einem Zaun hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und gefesselt. Eine ungeöffnete Flasche Whisky stand in einer Pfütze auf den Gehwegplatten neben seinem Stuhl. Ich ließ einen Blick über den nassen Rasen des Hintergartens schweifen, zum Teil, um mich zu gewissern, dass die neugierigen Nachbarn uns nicht beobachten konnten. Sie konnten es nicht. Eine drei Meter hohe Zypressenhecke gewährleiste völlige Abgeschiedenheit. Ich ging um den Pool herum und blieb am Rande der trocknen Fläche stehen. Hubert bemerkte mich, nickte, versuchte ein schwaches Lächeln und deutete auf einen nassen Stuhl. Ich zog ihn ein Stück beiseite und setzte mich in dem Augenblick, in dem die nächste Ladung kaltes Wasser niederging. Huberts Huberts Huberts Blick richtete sich wieder auf den Zaun oder was immer es sein mochte, das sich in der Ferne befand. Eine Ewigkeit saßen wir da und lauschten dem klatschenden Geräusch des Sprengers. Hin und wieder schüttelte Hubert den nassen Kopf und murmelte etwas. Dass Dass, das Dass Dass, das ich nicht verstand. Ich lächelte nur verlegen, weil ich nicht wusste, was oder ob überhaupt etwas gesagt werden musste. „Hubert, es tut mir sehr leid“, versuchte ich es schließlich doch. Hubert nahm es zur Kenntnis und schaute mich nur an. „Ich wollte, ich könnte etwas anderes sagen.“ Sein Blick verließ den Zaun und er drehte den Kopf in meine Richtung. Sein dunkles Haar war durchnässt und fiel ihm mitten ins Gesicht. Die Augen waren gerötet und voller Schmerz. Er starrte ins Leere, ins Nichts und wartete, bis die nächste Dusche kaltes Wasser vorbei war. „Ich weiß.“ „Aber es gibt nichts zu sagen.“ Was soll ich auch sagen? Es tut mir sehr leid, dass das ausgerechnet heute passieren musste. Kein Essen. „Euch, euch, euch war nicht nach Kochen zu muten.“ „Das sollte die geringste Sorge sein.“ „Denn mir ist auch der Appetit vergangen.“ „Beiden?“ „Ich erinnere mich an Herrn B., aber nicht an Herrn K.“ „Uwe B. war einer meiner besten Freunde.“ Aus Leipzig. Er ist drei Jahre vor mir in die Unternehmensfirma eingetreten und wäre nächster Business-Angel geworden. Ein großartiger Unternehmensberater – einen, einen – einen, einen, einen, den wir alle bewunderten und um Rat baten. Wahrscheinlich der beste Unternehmensberater in dem Unternehmen. „Sehr kühl und unerschütterlich unter Druck.“ Hubert wischte sich die Brauen ab und starrte auf den Boden, während er redete. Er schloss die Augen, biss sich auf die Lippen und begann betroffen zu weinen. Ich wäre gern gegangen. Ich versuchte, Hubert nicht anzusehen. „Es tut mir leid, Hubert.“ „Ungeheuer, ungeheuer, ungeheuer, leid.“ Nach ein paar Minuten hörte das Weinen auf, aber das Wasser kreiste weiter. Ich suchte den geräumigen, geräumigen, geräumigen, geräumigen, geräumigen, nassen Rasen nach einem Wasserhahn ab. Des Öfteren brachte ich schon den Mut zu Fragen auf, ob ich den Sprenger abstellen sollte. Hubert schaute auf die Uhr. In einer halben Stunde würde es dunkel werden. »Was ist passiert? »Frage ich schließlich. »Uns wurde nicht viel gesagt. « Sie waren beim Korallentauchen und auf der Segeljacht gab es eine Explosion. Ihr Begleiter ist gleichfalls ums Leben gekommen. Ein Einheimischer von der Karibikinsel. »Sie versuchen, die Leichen heimzubringen. « Wo waren ihre Frauen? Frauen? Frauen? »Zu Hause, Gott sei Dank. « Es war eine Geschäftsreise. Mit allen zehn Fingern kämmte Hubert sein nasses Haar gerade zurück. Er stand auf und begab sich auf trockenes Gelände. Wasser tropfte von seinen Hemdzipfeln und den Aufschlägen seiner Hose. Hubert blieb neben mir stehen und startete stattdessen auf die Baumkronen des Nachbargrundstückes. Man sah ja auch nichts Anderes. „Wie ist der Luxusschlitten von…?“ "Großartig. Ein herrlicher Wagen. Danke fürs Besorgen. Besorgen. Besorgen. „Wann sind Sie angekommen? “ „Heute Vormittag.“ „Ich habe schon fünfhundert Kilometer auf dem Tacho.“ „Ist die Innenarchitektin erschienen?" „Ja, Sie und Carola haben das Gehalt des nächsten Jahres ausgegeben.“ „Prima." Hübsches Haus. Wir freuen uns, dass Sie hier sind, Mario. Mir tun nur die Umstände. Es wird Ihnen hier gefallen. Fliegen. „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen“, sagte ich dann zu Hubert. Ich kann es immer noch nicht glauben. „Ich bin taub, wie gelähmt.“ Die Frauen erschienen, überquerten die hölzerne Sonnenterrasse und stiegen die Stufen zum Pool hinunter. Hubert fand den Wasserhahn und der Sprenger verstummte. Die Dicken, Carola und ich, sagten Tschüss und fuhren in dichtem Verkehr nach Hause, auf die Innenstadt zu und in die untergehende Sonne hinein. Von Zeit zu Zeit blickten wir uns an, sprachen kaum. Ich öffnete das Schiebedach und die Fenster. Carola durchsuchte eine Box mit neuen CDs und fand ihren Lieblingshit. Die Stereoanlage funktionierte einwandfrei. Der Hit tönte durch die Fenster. Mit der Dunkelheit legte sich die klebrige, feuchtwarme Sommerluft von Berlin über uns. Tennisplätze erwachten zum Leben, als Mannschaften von dicken, dicken, dicken, fetten Männern mit engen Polyesterkniehosen und limonengrünen und colourierenden, gelb giftigen Polohemden Kreidelinien zogen und Anstalten trafen, sich in dem Match zu stürzen. Wagen voller halbstarker halbstarker halbstarker halbstarker halbstarker halbstarker Teenager drängten sich an den Fast-Food-Lokalen, um ein kaltes Bier zu trinken, den neuesten neuesten neuesten neuesten Klatsch auszutauschen und das weibliche Geschlecht zu erkunden. Ich begann zu lächeln. Ja, ich konnte nicht anders. Denn ich war auch in diesem Alter. Eine wunderschöne Frau, ein neues Haus, einen neuen Wagen, einen neuen Job, einen neuen akademischen Grad. Einen brillanten Verstand und gesunden Körper, der kein Fett ansetzt, ansetzt, ansetzt und viel Spaß in seinem Leben benötigt. Kleinigkeit. Ich fuhr an die große Tankstelle und tankte sieben Liter. Ich bezahlte drinnen und kaufte ein Sechserpack Mineralwasser. Carola öffnete zwei Flaschen und wir glitten wieder in den engen Verkehrsstrom hinaus. Jetzt lächelte ich doch. „Lass uns Essen Essen Essen Essen Essen Essen gehen", sagte ich. Und Carola darauf. „Wir sind nicht richtig angezogen.“ Frauen. Ich betrachtete ihre langen, brauen Beine. Sie trug einen schwarzen Baumwollrock, der über den Knien aufhörte, aufhörte, aufhörte, aufhörte, aufhörte, und eine dunkle, dunkle, dunkle, dunkle, dunkle, luftige Bluse. „Ich hatte einen marineblauen Zweireiher mit einem schwarzen T-Shirt und schwarzen Schuhen an.“ „Mit Beinen wie deinen würde man dich in ganz Deutschland in jedes Restaurant lassen.“ „Was ist mit dem Grillhaus „Rendezvous?“ „Was die Leute da anhatten, kam mir leger vor." „Gute Idee!" „Wir bezahlten die Gebühren auf einem bewachten Parkplatz in der Innenstadt und wanderten drei Blocks weit durch die geschlossenen Einkaufsstraßen.“ Der Duft von gegrilltem Fleisch vermischte sich mit der Sommerluft und hing wie Nebel über dem Gehsteig. Er sickerte sanft durch Nase, Mund und Augen und löste ein Kribbeln tief im Magen aus. Das „Rendezvous“ lag im Keller eines uralten Ziegelsteingebäudes, das ohne den berühmten Mieter des Kellers schon vor Jahrzehnten abgerissen worden wäre. Das Grillhaus war immer brechend voll und es gab eine Warteliste, doch heute schien relativ wenig Betrieb zu sein. Wir wurden durch das höhlenartige, ausgedehnte und laute Restaurant zu einem kleinen Tisch mit einer blauen Decke geführt. Unterwegs gab es Gestarre. Immer gestarrte Männer hörten auf zu essen. Aus dem Mund lief das Fett von den deftigen Holzfällersteaks, die sie gegessen hatten. Als Carola vorbeiglitt wie ein Model auf dem Laufsteg. Bewundernde Blicke und Rufe gehörten zu ihrem Leben. Und ich musste mich daran schwer gewöhnen. Dennoch war ich sehr stolz auf meine schöne Frau. Ein Riese von Kellnern mit einer schwarzen Lederschürze stand vor uns. „Was kann ich Ihnen Ihnen bringen?“, wollte er nur wissen. Gut, die Speisekarte lag auf den Platzdecken und war völlig unnötig. Es gab zu dieser Zeit sowieso nur noch Holzfällersteak mit Pommes. „Zweimal Holzfällersteak, ein Krug Bier und noch ein Krug Bier“, bestellte ich. Der Kellner schrieb nichts auf, sondern drehte sich um und brüllte in Richtung Eingang: „Zwei Holzfäller und zwei Krüge!“ „Als er gegangen war, ergriff ich Carolas Bein unter dem Tisch.“ Doch Sie gab mir einen Klaps auf die Hand. „Du bist wunderschön“, sagte ich. „Wie lange ist es her, seit ich dir das letzte Mal gesagt habe, dass du wunderschön bist?“ „Ungefähr zehn Sekunden.“ „Wie rücksichtslos von mir!“ Es passe auf, dass es nicht wieder vorkommt. Dann griff ich wieder nach ihrem Bein und rieb ihr Knie. Jetzt ließ sie es zu und lächelte mich verführerisch an. Es. Es bildeten sich vollkommene Grübchen. Zähne leuchteten in dem trüben Licht, blassbraune Augen funkelten mich an. Ihr dunkel brünettes Haar war glatt und hing ein paar Zentimeter über die Schultern herab. Das kalte Fassbier kam und der Kellner füllte wortlos und mit gefalteter Stirn zwei Krüge. Carola trank einen kleinen Schluck und hörte auf zu lächeln. „Ich mag keine Beerdigungen, überhaupt keine, auch wenn ich die Toten nicht kenne und aus Anstand daran teilnehme.“ „Ich habe einige üble Erfahrungen mit Beerdigungen." „Reden wir über etwas anderes.“ Die Holzfällersteak kamen. Sie wurden auf Papptellern serviert. Eine kleine Schüssel mit Krautsalat und eine weitere mit Speckbohnen umgaben ein etwa gut gegrilltes Holzfällersteak, das großzügig mit Pfeffersouse beträufelt war. Wir langten mit den Fingern zu. „Frag sie." „Worüber würdest du denn gern reden?" „Frage Sie über Sex?“ „Ich weiß, worauf warten wir noch?“ „Mario, du tust gerade so, als wärest du vernachlässigt worden.“ „Bin ich auch, seit heute Morgen. Morgen. „Ich schlage vor, wir tun es, sobald wir heimgekommen sind.“ „Das findet sich." „Ist das ein Versprechen? "„Guck mal, siehst du den Kerl da?“ Er bricht sich fast den Hals, um ein Stück Bein zu sehen. „Eigentlich.“ Eigentlich sollte ich hinübergehen und ihm eine auf seine Augäpfel hauen. Ja. Es ist ein Versprechen. Und mach dir dieser Kerle wegen keine Gedanken. Sie starren dich an, weil ihre Alte zu Hause wie ein Drachen aussieht und den ganzen Tag mit Bademantel herumrennt und das Fitnessstudio umgeht. „Sehr witzig!“ Ich putzte nicht das ganze Holzfällersteak weg, Carola auch nicht. Das Bier war alle. Darauf bezahlte ich die Rechnung und ging die leeren Straßen hinauf. Ich fuhr vorsichtig durch die Stadt und fand einen Straßennamen, der mir von einer meiner vielen Rundfahrten an diesem Tag in Erinnerung geblieben war. Nach dreimaligem falschem Abbiegen fand ich dann das Haus von uns. Die Matratzen und die Sprungrahmen lagern auf dem Fußboden des Schlafzimmers, umgeben von schweren, großen Kartons. Und dabei gingen wir zum Thema Sex über. Warum nicht zwischen den Kartons, Sprungrahmen und Matratzen?

Fünf Tage später, an dem Tag, der eigentlich mein erster an meinem neuen Schreibtisch hätte sein sollen, schlossen wir uns den verbliebenen Mitarbeitern und ihren reizenden Frauen an, um die letzte Ehre zu erweisen. Die Kathedrale war voll. Herr Grunewald hielt eine Gedenkrede, die so beredt und rührend war. Carola traten beim Anblick der Witwe und der Kinder Tränen in die Augen. Am Nachmittag kamen sie noch einmal in der Kirche im Süden der Stadt zusammen, um von Silvio Klage Abschied zu nehmen. Der kleine Flur war leer, als ich, wie verabredet, genau um neun Uhr eintraf. Ich summte und hustete und wartete nervös. Hinter einem Aktenschrank tauchte eine bejahrte, rothaarige Sekretärin auf und warf mir einen finsteren Blick zu. Als mir bewusst wurde, dass ich hier nicht willkommen war, stellte ich mich vor und erklärte, dass ich um diese Zeit einen Termin habe. Doch sie lächelte und sagte, sie heiße Christin und sei Herrn Herrn Herrn Herrn Herrn Herrn Brunos Privatsekretärin. Kann ich Ihnen einen Kaffee bringen? Ja, sagte ich, schwarz und ohne Zucker. Hinsichtlich: Sie verschwand und kehrte mit einer Tasse heißen Kaffee zurück. Dann informierte sie Ihren Chef über die Gegensprechanlage und forderte mich auf, Platz zu nehmen. Jetzt hatte sie mich wiedererkannt, nach langer Überlegung. Eine der anderen Sekretärinnen hatte gestern während der Beerdigung auf meinen gut aussehenden Kerl hingewiesen: Sie entschuldigte sich für die triste Atmosphäre, die im Geschäftshaus herrschte. Niemand war nach Arbeiten zu Mute, erklärte sie, und es würde Tage dauern, bis wieder alles normal verlief. Es klingelte das Telefon und sie sagte, Herr Bruno befände sich in einer wichtigen Besprechung und wollte nicht gestört werden. Das fängt ja schon gut mit den Chefs an. Dennoch läutete es abermals. Sie. Sie hörte zu und führte mich dann ins Büro des geschäftsführenden Businessangels. Herr Grunewald und Herr Bruno begrüßten mich und stellten mir einen weiteren Businessangel vor: „Jerry und Franz Lothar.“ Sie saßen an einem kleinen, dunklen Konferenztisch. Christin wurde gebeten, mehr Kaffee und Tee zu holen. „Jerry“ war Chef der Steuerabteilung und Lothar mit vierzig einer der jüngsten Businessangels. „Mario, wir entschuldigen uns für einen so deprimierenden Start“, sagte Herr Bruno. „Unser Unternehmen weiß, weiß, weiß, weiß, weiß, weiß, Ihre Anwesenheit bei den Beerdigungen gestern zu würdigen, zu würdigen, zu würdigen, zu würdigen, zu würdigen, und es tut uns leid, dass Ihr erster Tag als Mitarbeiter des Unternehmens ein so trauriger war.“ „Ich hatte das Gefühl, dabei zu sein zu müssen“, sagte ich. „Gut Mario, wir sind sehr stolz auf Sie und haben große Pläne mit Ihnen.“ Christin erschien mit einem Tablett. Eine Kaffeekanne und Tassen mit Untertassen, feinstes Porzellan. Herr Bruno konsultierte ein paar Notizen auf seinem Block. „Mario, ich glaube, wir haben bereits darüber gesprochen.“ „In diesem Unternehmen teilen wir jeden jungen Unternehmensberater einem Business-Angel zu, der als sein Chef und Mentor fungiert.“ .“ Diese Beziehungen sind sehr wichtig. Wir versuchen, versuchen, Ihnen einen Ihnen einen Business-Angel zuzuweisen, mit dem Sie sich gut verstehen und mit dem Sie eng zusammenarbeiten können. können. können. Und gewöhnlich treffen wir die richtige Wahl. Aber wir haben auch schon Fehler gemacht. »Wir sind auch nur Menschen, die Fehler machen können.« „" Mario, Ihr Businessangel wird Franz Lothar sein. »Ich lächelte meinen Business-Angel an.« Sie haben seine Anweisungen zu befolgen, zu befolgen, zu befolgen, zu befolgen, zu befolgen, und die Firmenanalysen. „An denen Sie arbeiten, werden sie sein." „Praktisch.“ „Es ist mir recht.“ „Bevor ich es vergesse, ich möchte, dass wir heute zusammen zum Essen ausgehen und uns kennenlernen“, sagte Lothar. „Ich." „Gerne“, sagte ich. „Nehmen Sie meinen meinen meinen meinen meinen meinen Dienstwagen“, sagte Herr Grunewald. „Lothar! Lothar! Wann bekomme ich einen Dienstwagen? " „Fragte ich." Sie lächelten und schienen froh zu sein über die Ablenkung. „In ungefähr zwei Jahren“, sagte Herr Grunewald. Ich kann warten. Wie ist der neue Flitzer?, fragte Jerry. „Spitze.“ „Die fünftausend Kilometer Inspektion sind fällig.“ „Hat mit dem Einzug alles geklappt?" „Ja, alles in bester Ordnung.“ Ich weiß die Hilfe des Unternehmens zu schätzen. „Carola, Carola, Carola und ich sind Ihnen überaus dankbar.“ Herr Bruno hörte auf zu lächeln und kehrte zu seinem Notizblock zurück. „Wie ich Ihnen schon sagte, Mario, das Wirtschaftsexamen hat Vorrang." Sie haben drei Wochen, um dafür zu lernen, und wir helfen Ihnen auf jede erdenkliche Weise. Wir haben unsere eigenen Repetitoren, die von unseren eigenen Fachleuten erarbeitet wurden. Alle Bestandteile des Examens werden durchgenommen und von Franz genau überwacht. Sie werden zumindest die Hälfte jedes Tages mit Lernen verbringen und außerdem den größten Teil Ihrer Freizeit. „Bisher bin-Bisher bin-Bisher bin ich noch kein Mitarbeiter dieses Unternehmens durchgefallen.“ „Ich werde nicht der erste sein.“ Ich bekam Lampenfieber und mir wurde ganz heiß, als ich es sagte. „Wenn Sie durchfallen, nehmen wir Ihnen den Bugatti weg“, sagte Lothar mit einem bescheuerten leichten Grinsen. „Ihre Sekretärin wird eine Dame namens Nina H. sein.“ Sie ist eine kompetente Mitarbeiterin, sehr hübsch, sehr fleißig. Sie weiß eine Menge von juristischen Dingen und neigt dazu, Ratschläge zu erteilen, besonders den jüngeren Unternehmensberatern. Es wird Ihre Sache sein, sie in ihren Schranken zu weisen. Wenn Sie nicht mit ihr auskommen, muss sie das Unternehmen verlassen. Wo ist mein Büro? „Im zweiten Stock, auf dem gleichen Flur wie das von Franz.“ „Die Innenarchitektin kommt heute Nachmittag, damit Sie sich den Schreibtisch und die Möblierung aussuchen können.“ „Halten, „Halten.“ „Halten Sie sich so weit wie möglich an Ihre Vorschläge.“ Dann meldete Herr Bruno sich zu Wort. „Mario, ich fürchte, ich habe eine Sache vergessen, die schon bei Ihrem ersten Besuch hier hätte zur Sprache kommen müssen.“ „Er wartete und machte es spannend“, fragte schließlich: „Okay, um was geht es?“ Die Business-Angel beobachtete, beobachtete und beobachtete Herrn Bruno genau. „Wir haben nie zugelassen, dass ein junger Unternehmensberater seine Laufbahn unter der Last der Schulden beginnt, die er während seines Studiums gemacht hat.“ Wir ziehen es vor, dass Sie Ihren Kopf über die Dinge zerbrechen und andere Möglichkeiten finden, Ihr Geld auszugeben. Wie hoch sind Ihre Schulden? Ich trank einen Schluck Selterswasser und rechnete schnell nach. „Mindestens Fünfzigtausend.“ „Sie meinen, das Unternehmen übernehme die Schulden. „Das ist bei uns üblich.“ „Sofern, sofern, sofern Sie keine Einwände erheben." « Keine Einwände." »Ich« Ich weiß nicht, was ich sagen soll. „Sie brauchen nichts zu sagen.“ „Sie müssen nur die Rechnungen bei Christin abladen.“ Abladen abladen. „Das ist sehr entgegenkommend, Herr Bruno." „Ja. Das. Das. „Das ist doch selbstverständlich für unsere Mitarbeiter.“ Franz redete ununterbrochen, während sich der Dienstwagen langsam seinen Weg in Weg in Weg in den dichten Mittagsverkehr bahnte. Franz L. hatte eine Frau und vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter. Er sprach aber kaum über seine Familie. Er redete von Geld. Seine Leidenschaft, so nannte er es. Die erste Million war bereits auf der Bank. Die Zweite würde in den nächsten Paar Jahren voll sein. Bei einer sechsstelligen Zahl Brutto im Jahr ging das ziemlich schnell. Seine Spezialität war die Gründung von neuen Wirtschaftsunternehmen. Er war der absolute „Guru“ auf seinem Gebiet und arbeitete für fünfhundert Stunden, Stunden, Stunden, sechzig, manchmal sogar siebzig Stunden in der Woche. Ich würde mit zweihundert Euro pro Stunde anfangen, jeden Tag mindestens fünf Stunden, bis ich das Examen bestanden und meine Zulassung erhalten habe. Dann würde man acht Stunden von mir erwarten. Im Unternehmen drehte sich alles nur um Beförderung, Gehaltserhöhung, Gratifikationen, Erfolg, Überleben. Alles hing davon ab, wie viel anrechenbare Zeit man vorzuweisen hatte. Besonders die neuen Mitarbeiter. Der schnellste Weg, sich eine Rüge einzuhandeln, war das Vernachlässigen des täglichen Stundennachweises. Franz konnte sich nicht an eine derartige Rüge erinnern. Es war einfach noch nie vorgekommen, dass ein Angehöriger des Unternehmens vergessen hatte, die anrechenbare Zeit festzustellen. Man hat einen Haufen Unternehmensberater, die auf der Basis von Stundenhonoraren arbeiten, arbeiten, arbeiten, und baut eine Dynastie auf. Je mehr Unternehmensberater man einstellt, desto mehr Geld scheffeln die Business-Angels-Angels. Mario, vergessen Sie nie, Ihre Stunden in Rechnung zu stellen. Das ist die erste Überlebensregel. Die Konkurrenz zwischen den Businessangeln und Businessangeln ist gewaltig, aber es gibt kein böses Blut. Schließlich werden Sie alle reich, nicht wahr? Es ist überaus motivierend. Der Dienstwagen bog zwischen zwei hohen Geschäftshäusern in eine Nebenstraße ein und hielt. Franz schaute auf die Uhr und wies den Chauffeur an: „Seien Sie um vierzehn Uhr hier.“ Zwei Stunden für das Essen, dachte ich. Was für eine Verschwendung! Die „Picasso“-Stube befand sich im obersten Stockwerk eines zwanziggeschossigen Geschäftshauses, das zuletzt Anfang der siebziger Jahre voll belegt gewesen war. Franz bezeichnete das Haus als Kaschemme, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die „Picasso-Stube“ das exklusivste Lokal in diesem Stadtzentrum war. Hier konnte man in Gesellschaft ausschließlich in gepflegter Umgebung vorzüglich essen. Ein sehr gutes Essen für mächtige Leute wie Bankiers, Businessangels, Anwälte, leitende Angestellte, Unternehmer und so weitere Schlipsträger. Der Lieblingstisch wartete in der Ecke. Ein höflicher Kellner namens Detlef brachte die Speisekarte. „Das Unternehmen gestattet kein Bier zum Essen“, sagte Franz, als er die Speisekarte aufschlug. „Ich trinke nichts zum Essen.“ Das ist gut. Was möchten Sie? „Cappuccino.“ „Cappuccino für ihn“, sagte Franz zu dem Kellner. „Für mich bringen Sie ein Glas Selterswasser mit viel Eis.“ Ich biss mir auf die Zunge und lächelte hinter der Speisekarte. „Bei uns gibt es zu viele Vorschriften“, murmelte Franz. Er bestellte für beide. Irgendwelchen gebratenen Fisch. Die Spezialität des Tages. Er achtete sehr auf sein Gewicht, sagte er. Außerdem trainierte er täglich in einem Fitnessstudio, seinem eigenen Fitnessstudio. Er lud mich ein, ihm dabei Gesellschaft zu leisten. Der braun gebratene Fisch war halb roh und die gebackene Kartoffel hart. Ich stocherte auf meinem vollen Teller herum, aß langsam meinen Salat und hörte nur zu. Die Atmosphäre war stickig. Franz zufolge war jedes Fitnessmitglied eine wichtige Persönlichkeit. Beide bestellten sich noch ein kühles Fruchteis. Es wurde erwartet, dass ich jeden Morgen ab neun in der Firma zur Verfügung stand, erklärte Franz, während er sich einen Kubaner anzündete. Die Sekretärinnen kamen um halb neun. Von neun bis fünf – aber niemand arbeitete acht Stunden am Tag. Was Franz selbst betraf, so war er um acht im Büro und ging selten vor zwanzig Uhr. Dem Unternehmen war es gleich, ob ich um sechs oder um neun erschien, solange die Arbeit getan wurde. „Wann werden die Türen aufgeschlossen?“, fragte ich. Jeder hat einen eigenen Schlüssel, erklärte Franz. Er konnte also kommen und gehen, wie es ihm passte. Stechuhren gibt es nicht, erklärte der Business-Angel. Sie können kommen und gehen, wie es Ihnen gefällt. Hauptsache, die Arbeit wird getan. Ich sagte, ich hätte verstanden. Sechzehn Stunden am Tag waren für mich Nichts Neues. Franz äußerte sich anerkennend über meinen neuen Anzug und meine Krawatte. Es gab eine ungeschriebene Kleiderordnung und es war offensichtlich. Franz Lothar hatte einen Maßschneider, einen alten Franzosen, den er empfahlen würde, sobald ich ihn mir leisten konnte. Mindestens siebzehnhundert für einen Anzug. Ich sagte, damit würde ich noch ein paar Jahre warten. Um zwei ging dem Essen der Businessleute der Dampf aus und die „BIM BAM BU“-Stube leerte sich. Franz unterschrieb die Rechnung und der Empfangschef geleitete uns zur Tür. Der Chauffeur stand pünktlich am Heck der Limousine. Ich stieg hinten ein und ließ mich auf den dicken Ledersitz sinken. Ich betrachtete die Gebäude und den Verkehr. Ich musterte die Fußgänger, die auf dem Gehsteig sich die Schuhsohlen abwetzten. Ich lächelte und hatte ein gutes Gefühl.

Meine Vergangenheit war vergessen. Ich hatte es geschafft. orientalisch. Im Büro wartete die Innenarchitektin. Franz entschuldigte sich und bat mich, in einer Stunde zu ihm zu kommen, damit er mit der Arbeit anfangen konnte. Sie hatte Kataloge voller Büromöbel und Mustermuster von allem möglichen Möglichen. Ich bat sie, mir Vorschläge zu machen, hörte mit so viel Interesse zu, wie ich noch aufzubringen vermochte. Dann. Dann. Dann erklärte ich ihr, ich verließe mich voll und ganz auf ihr Urteil und sie sollte aussuchen, was sie für angebracht hielt. Ihr gefielen der kreative Designerschreibtisch ohne Schubladen, Ohrensessel aus weinrotem Leder und eine sehr teure orientalisch-orientalische Brücke. Ich erklärte, das wäre wundervoll. Sie ging und ich ließ mich in den Ohrensessel aus weinrotem Leder nieder. Wenn man sich den Hals verrenkte, konnte man im Südwesten gerade noch einen Blick auf den Fluss erhaschen. Die Wände bestanden aus weißen Gipsplatten und waren kahl. Sie hatte ein paar Bilder ausgesucht. Für die „kreative Wand“ wählte ich die dem Schreibtisch gegenüberliegende, hinter den Ohrensesseln/Ohrensesseln. Meine Zeugnisse und Diplome mussten aufgezogen und gerahmt werden. Das Büro war groß, groß genug für mich. Viel größer als die Kabuffs, in die man die Anfänger steckte. Für ein paar Jahre würde es seinen Zweck erfüllen. fünfundzwanzig. Frau Nina H. klopfte an seine Tür und stellte sich als die Sekretärin vor. Sie war eine charmante, charmante, gut aussehende Frau von fünfundzwanzig, fünfundzwanzig, und man brauchte nur einen Blick auf sie zu werfen, um zu verstehen, weshalb man mit guter Laune ins Büro geht. Da sie keine Familie zu unterhalten hatte, gab sie offensichtlich ihr gesamtes Geld für Klamotten und Make-up aus. Ich fragte mich, wann sie nur ins Fitnessstudio geht. Sie teilte mir unumwunden mit, dass sie mir jeden Wunsch erfüllen würde. Wenn ich Fragen hätte, sollte ich mich an Sie oder Sie wenden. Dafür bedankte ich mich schon mal bei ihr. Sie war im Schreibbüro gewesen und dankbar, wieder als Sekretärin arbeiten zu können. Ich nickte, als könnte ich das voll und ganz verstehen. Sie fragte mich, ob ich wüsste, wie man mit Diktiergeräten/Diktiergeräten/Diktiergeräten umging. Ob sie wusste, wusste, wusste, dass ich zum Techniker-Techniker-Techniker nicht die beste Beziehung habe? Gerade wenn es um Diktiergeräte ging. Doch ich ließ mir nichts anmerken. Ja, sagte ich. Aber ich versprach, wenn ich ein Problem hätte, würde ich Sie fragen. „Wie heißt Ihre Frau?“ „Wollte sie wissen.“ „Warum ist das wichtig?“ „Fragte ich.“ „Wenn sie anruft, wüsste ich gern Ihren Namen, damit ich am Telefon richtig nett und freundlich sein kann." „Carola.“ „Wie möchten Sie Ihren Kaffee?"  „Schwarz, aber ich mache ihn selber.“ „Es macht mir nichts aus, für Sie Kaffee zu machen.“ „Das gehört zu meinem Job.“ „Trotzdem, ich mache ihn selber.“ „Alle Sekretärinnen tun das.“ „Sie sind nicht alle Sekretärinnen.“ Wenn. Wenn. „Wenn Sie jemals meinen Kaffee anrühren, sorge ich dafür, dass Sie in den Postraum versetzt werden und Briefmarken anlecken müssen.“ „Das tut bei uns eine Maschine.“ „Ach so, es ist ja auch nur so eine Redensart.“ „Gut, ich habe mir den Namen Ihrer Frau gemerkt und wir sind uns über den Kaffee einig.“ Ja. " „Morgen früh.“ „Seien „Seien „Seien Sie um halb neun hier.“ „… Jawohl, Big Boss.“ Sie ging und ich lächelte. Sie war ein verrücktes Küken, aber es würde Spaß machen, mit ihr zu arbeiten. Der nächste Nächste war Peter S. Er war spät dran für eine Verabredung, wollte aber trotzdem schnell bei seinem Freund hereinschauen. Er freute sich, dass unsere Büros nahe beieinander lagen. Ich war zu sehr damit beschäftigt, die Ereignisse des Tages Revue passieren zu lassen. Ja, ich und Hubert mit seiner Frau würden um acht kommen, um das neue Haus und die Möbel zu besichtigen. „Ich bin ein wenig überrascht, dass man Sie Lothar zugewiesen hat“, sagte Peter S., nachdem er sich mit den fünf Fingern durch das Haar streifte. „Weshalb?“ „Ich glaube nicht, dass er je mit einem jungen Unternehmensberater zusammengearbeitet hat.“ „Gibt es dafür einen besonderen Grund?“ „Eigentlich nicht.“ Es ist ein guter Kumpel, aber nicht gerade mit einem Teamgeist. Eine Art Einzelgänger, der es vorzieht, für sich allein zu arbeiten. Er und seine Frau haben Probleme miteinander und es wird darüber geredet, dass sie getrennt leben. „Aber, aber.“ „Aber das behält er für sich.“ Ich schob meinen Teller von mir und trank einen Schluck Mineralwasser. „Ist er ein guter Unternehmensberater?" „Ja, ein sehr guter. “ Sie sind alle gut, sonst wären sie nicht Businessangels geworden. Viele seiner Mandanten sind reiche Geschäftsleute mit Millionen, die Sie gerne unterbringen möchten. Die meisten seiner Mandanten nehmen jedes Risiko auf sich. Sie werden eine Menge Analysen erstellen und nach Mitteln und Wegen suchen, die Wirtschaft auszunutzen. „Das dürfte Ihnen Spaß machen.“  „Wir stehen ständig unter dem Druck, mehr und mehr anrechenbare Stunden zu erbringen.“ „Das ist sehr wichtig.“ Alles, was wir zu verkaufen haben, ist unsere Zeit. Sobald Sie das Wirtschaftsexamen bestanden haben, werden Ihre geleisteten Stunden allwöchentlich von der Geschäftsführung begutachtet. Das geht alles über den Computer und Sie können auf den Pfennig genau berechnen, was Sie erbringen. „Das sind eine Menge Stunden.“ „So hört es sich an, aber das täuscht.“ Die meisten Unternehmensberater können acht oder neun Stunden pro Tag arbeiten und zwölf in Rechnung stellen. Das nennt man Aufpolstern. Es ist nicht gerade fair dem Mandanten gegenüber. Was solls? Die großen Unternehmen sind dadurch groß geworden, dass sie ihre Akten aufpolstern. Das gehört zu den Spielregeln. „Klingt unmoralisch.“ Doch Menschen, die die Moral als Lebenselixier benutzen, sind feige. „Dennoch sind es die Anwälte, die Leute dazu überreden, auf Schadenersatz zu klagen.“ Es ist unmoralisch, wenn ein Rauschgiftanwalt sein Honorar in der Bar akzeptiert, solange er einen Grund zu der Annahme hat, dass es schmutziges Geld ist. Es gibt eine Menge Dinge, die unmoralisch sind. Was ist mit einem Arzt, der dreihundert Kassenpatienten pro Tag abfertigt? Oder mit einem der unnötigen Kfz-Reparaturen vornimmt? Einige der unmoralischen Leute, die mir je begegnet sind, waren meine eigenen Klienten. Es ist einfach, einen Vorgang auszupolstern, wenn man weiß, dass der Mandant ein Politiker ist, der den Staat prellen möchte und von einem verlangt, dass man es legal tut. Auch die Kirche macht es, den Gläubigern das Geld aus den Taschen zu ziehen. „Doch glauben Sie mir, Mario, wenn Sie erst einmal ein Jahr bei uns sind, dann wissen Sie, wie man zwölf Stunden arbeitet und doppelt so viele in Rechnung stellt.“ Peter ließ seine Eiswürfel klirren und dachte einen Augenblick lang nach. „Es ist erstaunlich, wie viel Schufterei man ertragen kann mit zweihunderttausend im Jahr.“ „Schufterei?“ „Meine Einstellung zum Leben hat sich seit Kurzem von Grund auf geändert.“

 

 

Kapitel 4

Carola hatte schon immer geahnt, dass ihre Affäre mit Klaus eine hoffnungslose Sache war. Andere Männer schienen ihr jedoch nichts zu bedeuten. Sie fühlte sich zu sehr mit mir verbunden. Klaus konnte einfach nichts aufrechterhalten. Es gehörte zu seiner Natur, dass er jede Beziehung abschüttele und wieder ungebunden, abgesondert, ganz und gar ein verlassener Hund sein musste. Es war eine höhere Notwendigkeit für ihn, wenn er auch ständig sagte: Sie hat mir den Laufpass gegeben!

Es heißt, die Welt sei voller Möglichkeiten. Aber in der persönlichen Erfahrung schrumpfen sie auf eine verschwindend geringe Anzahl zusammen. Viele gute Fische schwimmen im Meer – vielleicht, aber die meisten scheinen Haie zu sein, und wenn man selbst kein Hai ist, wird man es schwer haben, auch nur ein paar gute Fische im Meer zu finden. Ich eilte dem Ruhm und sogar dem Geld mit langen Schritten entgegen. Man suchte mich auf. Carola hatte fast ständig irgendjemanden zu Gast. Was einer in seiner Sphäre trieb, war seine ureigene Angelegenheit und hatte nicht viel zu sagen. Niemand kommt auf den Gedanken, sich zu erkundigen, zu welcher Stunde der und der auf die Toilette geht. Das interessiert niemanden außer den Betreffenden. Und so ist es mit den meisten Dingen im täglichen Leben. Wie du dein Geld verdienst oder ob du deine Frau liebst oder ob du „Affären“ hast. Alle diese Fragen betreffen nur den Betreffenden und sind, wie das Aufsuchen der Toilette, für niemand anderes von Belang. Das Ganze ist höchst sinnlos und witzlos. „Ein amüsanter Gedanke, dass Sexualität nur eine andere Form des Gesprächs ist.“ Mit dem Unterschied, dass die Worte praktiziert werden und nicht gesprochen. Wahrscheinlich ist das ganz richtig. Wahrscheinlich können wir mit Frauen ebenso gut Sinnesempfindungen und Gefühle austauschen wie Gedanken über das Wetter oder so. Sexualität ist vielleicht so etwas wie eine ganz natürliche, physische Unterhaltung zwischen einem Mann und seiner Frau. Du unterhältst dich nicht mit einem Menschen, wenn du nicht in bestimmten Punkten konform mit ihm bist. Ich meine, du unterhältst dich dann nicht mit irgendwelchem Interesse. „Wenn man die richtigen Gefühle oder Sympathien mit einer Frau teilt, sollte man mit ihr schlafen“, fiel mir so ein. „Das ist das Einzige Anständige, das man mit ihr tun kann.“ Ebenso wie es das einzige Anständige ist, das Gespräch zu Ende zu führen, wenn man ein Interesse daran hat, mit dem anderen zu reden. Man klemmt sich nicht, prüft die Zunge zwischen die Zähne und beißt darauf. Man lässt nicht ungesagt, was man zu sagen hat. Vielleicht ist es so. Verheiratet oder nicht. Du magst dir die Reinheit und Unversehrtheit deines Geistes bewahren, aber er wird verdammt dürr. „Dein reiner Geist wird so trocken wie ein Strohhalm, soweit ich das beurteilen kann.“ Unsere Gäste brachen in Gelächter aus. „Und was ist mit dir, Mario? Glaubst du auch, dass das Sexuelle ein Dynamo ist, der dem Mann im Leben zum Erfolg verhilft? Ich gab bei solchen Themen selten etwas von mir. Ich konnte nie mithalten und war zu schüchtern, über solche Sachen zu reden. Jetzt wurde ich rot und sah verlegen auf. Ich, stand da verlegen wie eine Jungfrau bei solch einem Gespräch. „Also, Hans und ich glauben, dass Sexualität eine Art Verständigungsmittel ist, wie die Sprache. Lass irgendeine Frau eine sexuelle Verständigung mit mir anfangen, und es ist ganz natürlich für mich, dass ich mit ihr ins Bett gehe, um die Sache zu Ende zu führen. Ein Schweigen entstand. Die vier Männer rauchten. Und Carola saß da und nahm einen Schluck Bier aus der Flasche. Wie viele Abende hatte Carola dagegen gesessen und den Diskussionen dieser vier Männer gelauscht! Sie hatte es gern, sie reden zu hören, was sie zu reden hatten. Es war komisch. Statt dass die Männer einen küssten und einen berührten, enthüllten sie einem ihren Geist. Ja, es war sehr komisch. Zum Lachen. Und dann war es auch ein wenig aufreizend. Carola gefiel das geistige Leben recht gut, es erregte sie. Aber sie dachte, dass es sich selbst ein wenig zu wichtig nahm. Sie hatte es gern, dort zu sitzen, eingehüllt in den Tabakrauch dieser berühmten Kumpanenabende, wie sie sie im Stillen nannte. „Wahres Wissen kommt aus dem gesamten Gefüge des Bewusstseins.“ Aus deinem Bauch und deinem Penis ebenso wie aus deinem Gehirn und deinem Geist. Der Geist kann nur analysieren. Lass den Geist und die Vernunft die Oberhand über all das andere gewinnen und alles, was sie zu können, ist kritisieren und alles tot reden. Ich sage alles, was Sie tun können. Das ist ungeheuer wichtig. Mein Gott, die Welt hat es eben verdammt nötig, dies zu kritisieren. Darum lasst uns das geistige Leben leben, uns an unserer Bosheit ergötzen und mit dem Affentheater aufhören. Aber wohlgemerkt: Die Sache ist so: Während man sein Leben lebt, bildet man gleichsam eine organische Ganzheit mit allem Leben. Doch sobald man mit dem geistigen Leben anfängt, reißt man den Apfel ab. Man trennt die Verbindung zwischen Apfel und Baum, die organische Verbindung. Und wenn man nichts Anderes im Leben hat als nur das geistige Leben, dann ist man selber ein abgerissener Apfel. Ein vom Baum gefallener Apfel. „Und dann ist es eine logische Folge, boshaft zu sein, ebenso wie es für einen gepflückten Apfel eine natürliche Folge ist, zu faulen.“ Ich machte große Augen. Das waren alles böhmische Dörfer für mich. Carola lachte im Stillen. Ich wusste nicht, dass Sex so kompliziert ist. „Nah schön, dann sind wir eben alle abgepflückte Äpfel“, sagten die Anderen ziemlich bissig und gereizt. „Lasst uns also Most aus uns machen“, schlug irgendeiner vor, der auf dem Klo war. „Liebe ist auch nur so ein blödsinniges Spektakel unserer Zeit. Kerle mit Wackelhüften, die kleinen Lesben mit Jungspopos wie zwei Kragenknöpfen ficken! Meinst du diese Art Liebe? „Nein, mein lieber Junge, ich glaube nicht daran!“ „Aber du glaubst doch an irgendetwas?“ Ich? Oh, mit dem Verstand glaube ich daran, dass man ein gutes Herz haben soll, einen munteren „Schwanz“ eine lebhafte Intelligenz und die Courage, in Gegenwart einer Frau „Scheiße“ zu sagen. „Na, das hast du ja alles.“ Mike brüllte vor Lachen. „Es gibt nette Frauen in der Welt.“ „Wo.“, dachte ich. Carola hob ganz stolz den Kopf und sagte endlich auch etwas. Das möchten die Männer gar nicht. Nein, es ist hoffnungslos! „Ja, das Leben ist eben viel zu einfach!“ Um sechs Uhr früh schrillte der Wecker auf dem neuen Nachttisch unter der neuen Lampe und wurde sofort abgestellt. Ich taumelte durch das Haus und ging ins Bad unter die Dusche. Zwanzig Minuten später fand ich meine Frau unter der Bettdecke und gab ihr einen Abschiedskuss. Sie reagierte nicht. Ohne Verkehr brauchte ich bis ins Büro nur zehn Minuten. Ich war entschlossen, der jüngste Business-Angel in dem Unternehmen zu werden. Die freie Fläche neben dem Schimko-Geschäftshaus war von einem drei Meter hohen Maschendrahtzaun umgeben und streng bewacht. Drinnen befand sich ein Parkplatz, auf dem zwischen den weißen Linien Namen gesprüht waren. Ich hielt am Tor an und wartete. Der uniformierte Wachmann tauchte aus der Dunkelheit auf und kam auf die Fahrertür zu. Ich drückte auf einen Knopf, ließ das Fenster heruntergleiten und zeigte ihm eine Plastikkarte, die mein Foto trug. „Sie müssen der Neue sein“, sagte der Wachmann, während er die Karte inspizierte. „Ja. Mario G.." Ich kann lesen. Ich hätte den Wagen erkennen müssen. Wie heißen Sie? Fragte ich. „Max Ziegler.“ „Hab vierzig Jahre bei der Polizei gearbeitet.“ „Nett, Sie kennenzulernen, Max.“ „Gleichfalls."»Sie sind mächtig früh dran.« Ich lächelte und steckte den Ausweis wieder ein. „Ich dachte, es wären schon alle da.“ Max brachte ein Lächeln zu Stande. „Sie sind der Erste.“ „Die Nächsten werden auch bald kommen.“ Das Tor schwang auf und Max winkte mich durch. Ich fand, nach langem Suchen meinen in weißer Schrift auf den Asphalt gesprühten Namen und parkte den makellosen Luxuswagen mutterseelenallein in der zweiten Reihe. Ich holte meinen weinroten Schlangenhautkoffer vom Rücksitz und schloss leise die Tür. Ein weiterer Wachmann wartete am Hinterausgang. Ich stellte mich vor und schaute zu, wie die Tür aufgeschlossen wurde. Ich sah auf die Uhr. Genau halb sieben. Ich war froh darüber, dass das zeitig genug war. Ich schaltete in meinem Büro da Licht ein und legte den Aktenkoffer auf den galanten Schreibtisch. Dann machte ich mich auf den Weg zum Kaffeeraum am Ende des Flurs und schaltete unterwegs sämtliche Lichter ein. Die Kaffeemaschine war eines von diesen Ungetümen im Industrievormaat mit mehreren Ebenen, mehreren Wasserbehältern für mehrere Kannen und allem Anschein nach keinerlei Hinweisen darauf, wie sie zu bedienen war. Toll, diese Technik in der heutigen Zeit. Ich betrachtete die Maschine einen Moment, dann kippte ich erst einmal ein Paket Kaffee in den Filter. Ich goss einfach Wasser in eine der Öffnungen an der Oberseite und lächelte noch dabei, als es plötzlich an der richtigen Stelle zu tröpfeln begann. In einer Ecke meines Büros standen noch drei Kartons, angefüllt mit Büchern, Akten, Notizbüchern und allen möglichen Aufzeichnungen, die sich im Laufe der vorausgegangenen Jahre angesammelt hatten. Ich stellte den ersten davon auf den Schreibtisch und machte mich ans Auspacken. Der Inhalt wurde sortiert in säuberlichen Stapeln auf dem Schreibtisch aufgeschichtet. Nach drei Tassen Kaffee fand ich im dritten Karton das Material für das Wirtschaftsexamen. Ich ging ans Fenster und öffnete die Jalousien. Draußen war es noch dunkel. Ich bemerkte die Gestalt nicht, die plötzlich an der Tür erschienen war. „Guten Morgen!“ Ich drehte mich um und starrte den Mann an. „Sie haben mich erschreckt“, sagte ich und atmete tief ein. „Tut mir leid.“ Ich bin Bert. „Ich glaube, wir sind uns noch nicht begegnet.“ „Ich bin Mario G., der neue Mann.“ Sie reichten sich die Hand. Wie echte Männer. Ja, ich weiß. Ich bedaure, dass ich noch nicht das Vergnügen hatte, aber bei Ihren bisherigen Besuchen war ich beschäftigt. Ich glaube, ich habe Sie bei den Beerdigungen gesehen. Ich nickte und war mir ganz sicher, dass er nie auch nur auf fünfzig Meter Entfernung an Bert herangekommen war. Sonst hätte ich mich erinnert. Es waren die Augen, die kalten, schwarzen Augen, umgeben von Schichten aus schwarzen Fältchen. Sein Haar war weiß, auf dem Schädel gelichtet und um die Ohren herum dicht, und dieses Weiß kontrastierte scharf mit dem Rest seines Gesichts. Wenn er sprach, verengten sich die Augen und die schwarzen Pupillen funkelten grimmig. Unheimliche Augen. Wissende Augen. „Kann sein“, sagte ich. Fasziniert von den bösartigsten Augen, die ihm je begegnet waren. „Kann sein.“ „Sie sind offenbar ein Frühaufsteher.“ „Ja." „Nun, schön, dass Sie bei uns sind.“ Bert Friedel zog sich von der Tür zurück und verschwand. Ich warf einen Blick auf den Flur, dann machte ich die Tür zu. Ja, es sind die kalten Augen, sagte ich mir abermals, als ich die Füße auf den Schreibtisch legte und meinen heißen Kaffee trank. Die Augen. Wie ich erwartet hatte, brachte Nina H. etwas zu essen mit, als sie sich pünktlich zur Stelle meldete. Sie bot mir einen Pfannkuchen an und ich nahm auch gleich zwei. Sie erkundigte sich, ob sie ihm jeden Morgen genügend zu Essen mitbringen sollte, und ich sagte, es wäre nett, wenn sie das täte. „Was ist das? „Frage Nina H. und deutete auf die Stapel Akten und Notizblöcke auf meinem Schreibtisch.„Das ist unsere heutige Beschäftigung.“ Wir müssen ein wenig Luft in dieses Zeug bringen. „Keine Diktate?“ „Noch nicht.“ Ich treffe mich in ein paar Minuten mit Franz L. Ich möchte, dass Sie das Ganze nach irgendeinem System sortieren. „Wie aufregend“, sagte Nina und verschwand in den Kaffeeraum. Da wartete er, Franz L., mit einer dicken Akte, die er mir dann auch aushändigte. Diese Akte ist ein Teil der letzten Gesellschaft, die Franz für den Mandanten gegründet hat. Sie enthält unter anderem eine Analyse, eine Übereinkunft zur Gründung einer Gesellschaft, Absichtserklärungen, Eröffnungsurkunden und das eigentliche Gründungsdokument. Lesen und studieren Sie jedes einzelne Wort. Danach möchte ich, dass Sie einen ersten Entwurf des Gründungsdokuments für das neue Unternehmen ausarbeiten. Noch Fragen? " Wie steht es mit den Recherchen? „Das Meiste davon ist auf dem neuesten Stand, aber Sie müssen es überprüfen.“ „Also, arbeiten Sie sorgfältig." Ich blätterte die Akten durch. „Wie viele Stunden am Tag muss ich daran arbeiten?" „So viele wie möglich.“ Ich weiß, dass das Wirtschaftsexamen wichtig ist. „Ich werde mich hineinknien.“ „Ich weiß, dass Sie das tun wären.“ Wie ich schon sagte, sind Zweihundert Euro die Stunde. Nina wird später die Formulare mit Ihnen durchgehen. Denken Sie immer daran, sämtliche Stunden aufzuschreiben. Wie könnte ich das vergessen?

Die Überbleibsel meiner Stundenzeit wurden auf dem Fußboden gestapelt und auf dem neuen Schreibtisch ausgebreitet. Am Mittag brachte mir Nina eine Pizza mit und ich aß sie, während sie den Papierberg auf dem Fußboden sortierte und ablegte. Das Wirtschaftsexamen würde vier Tage dauern und aus drei Teilen. Am ersten Tag findet eine vierstündige Prüfung über Ethik statt, mit einem Fragebogen, bei dem jeweils die richtigen Antworten angekreuzt werden müssen. Ralf S., einer der Businessangels, ist der Experte der Unternehmensfirma für Fragen der Ethik und würde mich auf diesen Teil der Prüfung vorbereiten. Am zweiten Tag des Wirtschaftsexamens folgte eine vierstündige Prüfung. Ach, hier müssen auf einem Fragebogen die richtigen Antworten angekreuzt werden und die Fragen sind sehr tückisch. Dann kommt die Schwerstarbeit. Am dritten und vierten Tag würde die Prüfung jeweils acht Stunden dauern und fünfzehn Gebiete des materiellen Rechts umfassen. Vertragsrecht, Allgemeines Handelsrecht, Immobilien, Schadenersatz, Familienrecht, Erbrecht, Eigentumsrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht, Verfassungsrecht bei Amts-, Landes- und Bundesgerichten, Strafrecht, Kommanditgesellschaften, Versicherungen und das Schuldner-Gläubiger-Verhältnis. Alle Antworten müssen in Form von kurzen Abhandlungen gegeben werden. Die Unternehmensfirma hat Repetitoren für sämtliche Teile. Ich werde im Laufe der nächsten sechs Wochen, mindestens einmal pro Woche, mich mit den Business-Angel zusammensetzen und gehen das Material durchgehen. Jede Sitzung wird ungefähr zwei Stunden dauern, damit muss ich mich einrichten. „Ich schlage den Mittwoch vor, jeweils um fünfzehn Uhr.“ „Ist mir recht“, sagte Geraldé Nazar, ein Businessangel. „Wie Sie wissen, gehören Vertragsrecht und Allgemeines Handelsrecht eng zusammen, also habe ich das Handelsrecht mit einbezogen." „Wir gehen beides durch, aber dazu brauchen wir mehr Zeit.“ Im Wirtschaftsexamen spielen geschäftliche Transaktionen normalerweise eine wichtige Rolle. Diese Probleme liefern prächtige Fragen für die Abhandlungen, das Repertorium ist also sehr wichtig. Ich habe Fragen einbezogen, die bei früheren Wirtschaftsexamen gestellt wurden, zusammen mit Modellantworten. Ich kann es kaum abwarten. " „Gut." „Also, bis nächsten Mittwoch um drei.“ Die Prozession dauerte den ganzen Nachmittag hindurch an, bis ungefähr die Hälfte der Business-Angel mit Ringbindern, der Zuteilung von Hausaufgaben und der Festlegung wöchentlicher Treffen erschienen war. Nicht weniger als sechs wiesen mich darauf hin, dass noch nie ein Mitarbeiter der Unternehmensfirma durchgefallen war. Um siebzehn Uhr verabschiedete sich meine Sekretärin. Eine Stunde später schoss mir der Gedanke an Essen durch den Kopf. Dann dachte ich zum ersten Mal seit zwölf Stunden an Carola. Ich rief Sie an. „Ich muss noch eine Weile hier bleiben“, sagte Ich. „Aber ich mache gerade das Abendessen.“ Es folgte ein kurzes Schweigen. Wann kommst du nach Hause? fragte sie mit langsamen, erwarteten Worten. „In ein paar Stunden.“ „In ein paar Stunden?" „Du hast doch schon den ganzen Nachmittag hinter dir.“ „So ist es und ich habe noch viel zu tun.“ „Aber das ist dein erster Tag.“ „Wenn ich dir erzählen würde, wie er aussieht, würdest du es mir nicht glauben.“ „Ist alles in Ordnung?" Ja, alles bestens. »Ich werde heute noch kommen.«

Stunden sind vergangen. Das Anlassen des Motors weckte Max und er sprang auf. Er öffnete das Tor und blieb daneben stehen, als der letzte Wagen den Parkplatz verließ. Ich hielt neben ihm an. „Gute Nacht, Max“, sagte ich. „Sie fahren jetzt erst nach Hause?" Ja. „War ein arbeitsreicher Tag.“ Max richtete die Taschenlampe auf sein Handgelenk und sah auf die Uhr. Halb zwölf. „Fahren Sie vorsichtig“, sagte Max. „Mach ich.“ »Wir sehen uns in ein paar Stunden schon wieder.« Der Luxuswagen bog in die Straße ein und verschwand in der Dunkelheit. Ein paar Stunden, dachte Max. Diese neuen Peeple waren wirklich erstaunlich. Achtzehn, zwanzig Stunden am Tag, sechs Tage in der Woche. Manchmal sieben. Alle wollten sie die großartige Business-Angel der Welt werden und über Nacht eine Million Mark scheffeln. Manchmal arbeiteten sie rund um die Uhr und schliefen an ihren Schreibtischen. Das hatte er alles schon erlebt. Aber das konnten sie nicht durchhalten. Der menschliche Körper war auf einen solchen Missstand nicht eingerichtet. Nach ungefähr sechs Monaten ließ der Dampf ab. Sie reduzierten auf fünfzehn Stunden pro Tag, sechs Tage pro Woche. Dann fünfeinhalb. Dann zwölf Stunden pro Tag. Niemand konnte länger als sechs Monate hundert Stunden in der Woche arbeiten.

Am nächsten Tag durchwühlte eine Sekretärin einen Aktenschrank auf der Suche nach etwas, was Franz dringend brauchte. Eine andere Sekretärin stand mit einem Stenoblock vor seinem Schreibtisch und notierte die Anweisungen, die Franz erteilte, wenn er gerade nicht ins Telefon schrie oder dem zuhörte, was sein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung zu sagen hatte. Auf dem Apparat blinkten drei rote Lichter. Während er ins Telefon sprach, warfen sich die Sekretärinnen hitzige Bemerkungen zu. Ich wanderte langsam auf das Büro zu und blieb an der Tür stehen. „Ruhe!“, schrie Franz die Sekretärinnen an. Die eine an dem Aktenschrank knallte vor Wut die Schublade zu und wechselte zum nächsten Schrank hinüber, wo sie sich bückte und die unterste Schublade aufzog. Franz schnippte mit den Fingern nach der Anderen und deutete auf seinen Terminkalender. Franz legte sehr freundlich auf, ohne sich zu verabschieden. „Welche Termine habe ich heute?" „Frage er, während er hektisch nach einer Akte auf seinem Ablagetisch griff.“ Sein Terminkalender ist voll wie die Wassertonne nach dem Regen. „Morgen sind Sie den ganzen Tag beim Finanzgericht und den heutigen Tag wollten Sie ausschließlich für die Vorbereitung darauf verwenden.“ „Großartig.“ Alles absagen. Erkundigen Sie sich nach den Flügen Samstagnachmittag nach Leipzig und dem Rückflug Montag früh. Ganz früh." „Ja, Herr Lothar.“ Ich spürte einen nervösen Schmerz in seinem leeren Magen. Einer meiner Sekretärinnen zeigen wir Nina, wo sie in der Datenbank die Vertragsformulare finden kann. Das spart einiges Diktieren und Tippen. „Gut." „Kommen Sie morgen früh um acht, damit wir feststellen können, wo wir stehen.“ Franz drückte auf einen der blinkenden Knöpfe und redete in den Hörer. Ich kehrte in sein Büro zurück. Nina steckt ihren Kopf zur Tür herein. „Herr Grunewald möchte Sie sprechen.“ „Wann?“, fragte ich. „Sobald Sie bei ihm sein können.“ Ich sah auf die Uhr. Vier Stunden im Büro, und mir war, als hätte ich bereits ein Tagewerk hinter mir. „Hat das Zeit bis später?" „Ich glaube nicht, dass Herr Grunewald gewöhnt ist, auf irgendjemanden zu warten.“ „Dann gewöhnt er sich mal daran“, dachte ich. Ich verstehe. " „Sie sollten gleich hingehen.“ Was will er denn? „Das hat seine Sekretärin nicht gesagt.“ Ich zog mein Jackett an, rückte die Krawatte gerade und rannte hinauf, wo Herr Grunewalds Sekretärin auf mich schon wartete. Sie stellte sich vor. Sie war die zweite Sekretärin, die Herr Grunewald eingestellt hatte, nachdem er nach Berlin gezogen war. Lydia R. war ihr Name, aber alle nannte sie „Lyd“. Sie führte mich in das große Büro und machte die Tür hinter sich zu. Herr Grunewald stand sehr arrogant hinter seinem Schreibtisch und nahm seine Lesebrille ab. Er lächelte so richtig ironisch und legte seine qualmende Pfeife auf den Messingständer. „Guten Morgen, Mario“, sagte er ruhig, als bedeutete Zeit überhaupt nichts. „Setzen wir uns dort drüben hin.“ Er deutete auf die Couch, „Möchten Sie einen Kaffee?“, fragte Grunwald. „Nein, danke.“ Ich versank tief in die Couch und der Business-Angel ließ sich auf einem steifen Ohrensessel nieder, einen halben Meter entfernt und einen ganzen Meter höher. Ich knöpfte mein Jackett auf und versuchte, mich zu entspannen. Ich schlug die Beine übereinander und betrachtete mein neues Paar Gucci-Schuhe. Weiter versuchte ich, mich zu entspannen. Aber ich konnte die Panik in Franzs Stimme spüren und die Verzweiflung in seinen Augen lesen, als er den Hörer am Ohr hatte. Dies war mein zweiter voller Tag und mein Kopf dröhnte und mein Magen schmerzte. Herr Grunewald lächelte mit seinem schönsten und aufrichtigsten Großvaterlächeln auf mich herunter. Er trug ein strahlend weißes, maßgeschneidertes Oberhemd aus reiner Baumwolle mit einer dunklen Seidenkrawatte, die ihn überaus intelligent und weise erscheinen ließ. Wie immer war er auch braun gebrannt, was ihm das Sonnenstudio üblicherweise hervorbrachte. Seine Zähne funkelten strahlend weiß. „Nur ein Paar Dinge, Mario“, sagte er. „Wie ich höre, sind Sie sehr beschäftigt.“ „So ist es.“ „In einem großen Wirtschaftsberatungsunternehmen gehört Panik zum Alltag und es gibt dabei Mandanten, die Magengeschwüre verursachen. „Unsere Mandaten sind unsere einzigen Aktivposten, deshalb bringen wir uns für sie um.“ Ich lächelte nur und runzelte gleichzeitig die Stirn. „Zweierlei, Mario.“ Zum Ersten möchten meine Frau und ich, dass Sie und Carola am Samstag mit uns essen. Wir essen oft außerhalb und haben dabei gern Freunde bei uns. Ich bin selbst kein schlechter Koch und ich weiß, gute Speisen und Getränke zu würdigen. „Würde es Ihnen und Carola am Samstag passen?" Natürlich. Außerdem haben wir noch ein paar Gäste eingeladen. Lassen Sie sich überraschen! „Wir kommen gern.“ „Gut. Mein Lieblingsrestaurant in Berlin ist Das Lulu. Ein altes französisches Lokal mit vorzüglicher Küche und einer eindrucksvollen Weinkarte. Sagen wir, um acht? Wir werden da sein. „Zum Zweiten ist da noch etwas, worüber wir sprechen müssen. Ich bin sicher, dass es Ihnen ohnehin klar ist, aber es sollte nicht unerwähnt bleiben. Für uns ist es äußerst wichtig. Das Verhältnis zum Mandanten ist rechtlich geschützt und niemand kann Sie zwingen, etwas von dem preiszugeben, was ein Mandant Ihnen mitgeteilt hat. Das ist streng vertraulich. Wenn wir über die Angelegenheiten unserer Mandanten reden, verstoßen wir gegen die Ethik unseres Berufs. Nun, das gilt für jede Unternehmensberatungsfirma, aber in dieser Unternehmensfirma nehmen wir dieses Vertrauensverhältnis ganz besonders ernst. Wir reden mit niemandem über die Angelegenheiten unserer Mandanten. Auch nicht mit unseren Frauen. Manchmal nicht einmal untereinander, zu den Mitarbeitern. „Worauf will er hinaus?“, fragte ich mich. In meinem Büro nahm ich die Repetitoren für das Wirtschaftsexamen und stapelte sie in einer kahlen Ecke. Ich holte tief Luft und begann zu lesen. Jemand klopfte an die Tür. Auch das noch, sagte ich mir. Was ist? Nina steckte ihren Kopf herein. „Ich störe Sie ungern, aber Ihre neuen Möbel sind da.“ Ich rieb mir die Stirn und murmelte ein paar zusammenhanglose Worte. „Sagen Sie alle Termine ab.“ Ich bringe das später in Ordnung. „Das ist unklug.“ „Tun Sie, was Ihnen gesagt wird.“ „Sie sind der Boss.“ „Danke" Aber jetzt, da plötzlich der Wohlstand ausgesprochen war, wurde es Zeit, dass Carola kochen lernte. In der ersten Woche hatte sie jeden Abend ein neues Gericht zubereitet und wir hatten gegessen, wann immer ich nach Hause gekommen war. Sie plante die Mahlzeiten, studierte die Kochbücher, probierte Saucen aus. Aus keinem ersichtlichen Grund mochte ich die italienische Küche, und nachdem Spagetti und Cappelini ausprobiert und vollkommen waren, war jetzt die Zeit für eine Kalbspiccata gekommen. Sie klopfte die Kalbsmedaillons mit einem kleinen Hammer, bis sie dünn genug waren. Dann panierte sie sie in mit Salz und Pfeffer gewürztem Mehl. Carola setzt einen Topf mit Wasser für die Pinguine auf. Sie füllte ein Glas mit Chablis und stellte das Radio an. Sie hatte seit Mittag zweimal im Büro angerufen und ich hatte nicht die Zeit gefunden, mich zu melden. Sie dachte daran, noch einmal anzurufen, dann entschied sie sich dagegen. Jetzt war ich an der Reihe. Sie würde das Essen zubereiten und wir würden es verzehren, wenn ich nach Hause kam. Die Medaillons wurden drei Minuten in heißem Öl gebraten, bis das Fleisch gar war, und dann herausgenommen. Sie goss das Öl aus der Pfanne, gab Wein und Zitronensaft dazu, ließ die Sauce aufkochen und rührte, bis sie eingedickt war. Sie legte die Kalbsmedaillons wieder in die Pfanne und tat Pilze, Artischocken und Butter dazu. Dann legte sie den Deckel auf und ließ sie schmoren. Sie briet Speck, schnitt Tomaten, kochte die Pinguine und schenkte sich ein weiteres Glas Wein ein. Davon ist sie auch schon leicht beschwipst. Das Essen war fertig. Tomaten mit Speck und TubetTINI, KalbsPICCATA und Knoblauchbrot im Herd. Ich hatte nicht angerufen. Carola nahm ihren Wein mit auf die Terrasse hinaus und ließ den Blick über den Hintergarten schweifen. Sie wartete darauf, durch das Terrassenfenster das Telefon läuten zu hören. Carola drehte sich um und schaute auf das Terrassenfenster. Sie hörte das Telefon klingeln und lief ins Haus. Das Läuten hörte auf, als sie den Hörer abnahm. Es war um halb zehn, schon fast dunkel. Sie rief im Büro an, aber niemand meldete sich. Vielleicht war Mario auf der Heimfahrt.

Eine Stunde vor Mitternacht läutete nervend das Telefon. Meine Füße lagen auf dem neuen Schreibtisch, an den Knöcheln übereinandergeschlagen und taub von mangelnder Durchblutung. Der Rest des Körpers ruhte bequem in dem ledernen Schreibtischsessel. Ich war zu einer Seite gerutscht und gab von Zeit zu Zeit die Geräusche tiefen Schlafs von mir. Ein höchst beeindruckend aussehendes Schriftstück hielt ich fest gegen den Bauch gedrückt. Meine Schuhe standen auf dem Boden, neben einem Stapel von Dokumenten. Zwischen den Schuhen lag eine leere Tüte, die mit gegrillten, leckeren Hähnchenschenkeln gefüllt war und die gut waren. Als es des Öfteren geläutet hatte, bewegte ich mich, dann stürzte ich mich auf das Telefon. Es war Carola. Jetzt gibt es Ärger, ging mir gleich durch den Kopf. „Warum hast du nicht angerufen? „Frage Sie verärgert, aber mit einem Anflug von Besorgnis.“ „Tut mir leid.“ Ich bin eingeschlafen. Wie spät ist es? Ich rieb mir die Augen und versuchte, meine Uhr zu erkennen. „Elf." „Du hättest anrufen können.“ Ich habe angerufen. „Aber es ist niemand an den Apparat gegangen.“ „Zwischen acht und neun.“ Wo warst du? Carola antwortete nicht. Sie wartete. „Kommst du nach Hause?" „Nein.“ »Ich muss die ganze Nacht durcharbeiten.« „Die ganze Nacht?“ „Du kannst nicht die ganze Nacht arbeiten, Mario.“ Natürlich kann ich die ganze Nacht arbeiten. Das ist hier nichts Ungewöhnliches. „Es wird erwartet.“ Ich hatte damit gerechnet, dass du nach Hause kommen würdest, Mario. Du hättest zumindest anrufen sollen. „Das Essen steht immer noch auf dem Herd.“ Frauen können vielleicht nerven. Und immer das gleiche Blablabla. Du kannst doch nicht. Es tut mir leid. » Ich entschuldige mich dafür. » Carola schwieg einen Moment und dachte über die Entschuldigung nach. „Wird das zur Gewohnheit werden, Mario?“ „Durchaus möglich.“ Ich verstehe. Was meinst du, wann wirst du heimkommen? " „Hast du Angst? " Nein, ich habe keine Angst. »Ich gehe schlafen. « „Ich komme gegen Sieben, um zu duschen.“ „Schön." „Wenn ich schlafe, dann weck mich nicht auf.“ Sie legte auf. Ich betrachtete den Hörer, dann legte ich ihn auf. Carola wartete noch, als die Sonne zwischen den Eichen aufging. Sie trank Kaffee. Carola hatte kaum geschlafen. Eine heiße Dusche hatte die Müdigkeit kaum vertreiben können. Sie trug einen weißen Frotteebademantel, einen von meinem und sonst nichts. Ihr Haar war nass und straff zurückgekämmt. Eine Wagentür klappte zu. Sie hörte, wie ich die Haustür aufschloss, und wenig später habe ich die Schiebetür zur Veranda geöffnet. Ich legte mein Jackett auf eine Bank neben der Tür und kam auf Carola zu. „Guten Morgen“, sagte ich leise, dann setzte ich mich ihr gegenüber an den Korbtisch. Carola bedachte mich mit einem falschen Lächeln. „Den wünsche ich dir auch.“ „Du bist früh auf“, sagte ich, um Freundlichkeit bemüht. Es funktionierte nicht. Sie lächelte wieder und trank einen Schluck Kaffee. Ich holte tief Luft und ließ den Blick über den Garten schweifen. „Bist du immer noch sauer wegen gestern Abend?“ „Eigentlich nicht. „Schmollen liegt mir nicht.“ „Ich habe gesagt, dass es mir leid tut, und das tut es wirklich. „Ich habe versucht, dich anzurufen.“ „Du hättest noch einmal anrufen können.“ „Bitte, lass dich nicht von mir scheiden, Carola. Ich schwöre, es wird nicht wieder vorkommen. „Aber verlass mich nicht.“ Jetzt brachte sie ein echtes Lächeln zu Stande. „Du siehst grauenhaft aus“, sagt sie. „Was ist unter dem Bademantel?  „Nichts.“ „Lass sehen.“ „Warum legst du dich nicht ein Weilchen hin? Du bist total übernächtigt. „Danke.“ „Versuchen sie, dich schon in der ersten Woche umzubringen?" „Ja, aber das schaffen sie nicht. Ich bin Manns genug, das zu überstehen. „Lass uns duschen.“ Ich habe schon geduscht. „Nackt?“ „Ja.“ „Erzähl mir davon.“ „In allen Einzelheiten.“ Carola trank ihren Kaffee. Sie war wunderschön. Mit müden Augen, ohne Make-up und mit nassem Haar war sie wunderschön. Ich stand auf, trat hinter sie und küsste sie auf den Hals. „Ich liebe dich“, flüsterte ich ganz leise ihr ins Ohr. Dennoch ergriff sie meine Hand, die auf Ihren Schultern lag. „Geh unter die Dusche.“ „Ich kümmere mich inzwischen um das Frühstück.“ Der Tisch war makellos gedeckt. Zum ersten Mal im neuen Haus hatte sie das Geschirr von ihrer Großmutter aus dem Schrank geholt. Kerzen brannten in glasklaren Leuchtern. Orangensaft füllte die geschliffenen Glasgläser. Leinenservietten, die zur Tischdecke passten, lagen gefaltet auf den Tellern. Als ich geduscht und einen neuen Versage-Anzug angezogen hatte, kam ich ins Esszimmer und stieß einen leisen, fröhlichen Pfiff aus. Was ist der Anlass? „Es ist ein ganz spezielles Frühstück für einen ganz speziellen Mann.“ Ich setzte mich. „Was gibt es?“, fragte ich. Sie deutete auf die Terrine und er nahm den Deckel ab. Erstarrte hinein. „Oh, was ist das?" „Fragte ich.“ „Kalbspiccata.“ „Kalbs was?" „Na, KalbsPICCATA.“ Ich schaute auf die Uhr. „Ich dachte, es wäre Frühstückszeit.“ „Ich habe es gestern zum Abendessen gemacht und ich empfehle dir, es zu essen.“ Wenn nicht. Dann haben wir einen Mord. Sie lächelte entschlossen und schüttelte leicht den Kopf. Ich schaute wieder in die Schüssel und analysierte ein oder zwei Sekunden lang die Lage. Schließlich sagte ich zu ihr: „Riecht gut.“

 

 

Kapitel 5

An einem frühen Morgen haben ich und Carola einen Spaziergang durch den Park und dann durch den Wald gemacht. Das heißt, ich und Carola, Hand in Hand.

Die frische Luft war noch immer ein wenig kalt, aber wir waren beide daran gewöhnt. Um den nahen Horizont lag ein kleiner blauer Himmel. Das Leben ist immer ein Traum oder eine Raserei mit der Zeit. Im frischen, grünen Gras des Parks flitzten die Eichhörnchen von Baum zu Baum. Ein Trampelpfad führte durch den Park zum Holzgatter. Ich steuerte vorsichtig den Hügelhang vorm Haus hinunter. Vor uns lag der Wald. Erst das Haselstrauchdickicht und dahinter die dichte Purpurwand der Eichen. Am Waldrand hoppelten und nagten Kaninchen. Saatkrähen stoben in jähem, schwarzem Zug auf und strichen über den kleinen Abhang. Carola stieß das Gatter auf und ich ging langsam auf den breiten Reitweg, der zwischen den sauber beschnittenen Haselsträuchern einen Hang hinaufführte. Dieser Wald war ein letzter Rest des großen Forstes und der Reitweg war eine uralte Überlandstraße. Jetzt war er nur ein Pfad durch einen Privatweg. Die Straße schwenkte nach Norden ab. Im Wald regte sich nichts. Ab und zu flatterten viele kleine Vögel durcheinander. Ich liebte den Wald. Ich liebte die alten Eichen. Langsam tuckerte ich den Hügel hinauf, stolperte über einen Hügel. Dabei habe ich vergessen, dass ich meine Füße heben müsste im Wald. Und plötzlich tat sich zur Linken eine Lichtung auf, wo nichts war außer totem Farngestrüpp, spindeldürren, schiefen Schösslingen hier und da, mächtige Baumstümpfe, die ihre Sägeflächen zeigten und suchenden Wurzeln. Und schwarz verkohlte Erde, wo die Holzfäller Abfälle verbrannt hatten. Als wir die Höhe des Hanges erreicht hatten, hielt ich an. Ich sah den grünen Pfad nach. Ein deutlich sichtbarer Weg im Farngestrüpp und zwischen den Eichen. Wie still die Bäume waren mit ihren unzähligen gegen den Himmel gekrakelten Zweigen und den störrischen, grauen Stämmen, die aus dem Farngestrüpp stiegen! Wie sicher die Vögel in ihnen flatterten! Ich saß auf einem Baumstamm in der bleichen Sonne. Das Licht lag auf meinem weichen, ziemlich dunkelblonden Haar, mein gerötetes, volles Gesicht unergründlich. Schweigen. Carola beobachte einen braunen Yorks-Terrier, der aus einem Seitenpfad hervorgelaufen war und unter leisem, flaumigem Gebell mit hochgestreckter Schnauze zu uns herübersah. Eine Frau folgte dem Hund, mit raschen, kurzen Schritten. Es war eine Frau in aufgerissenen Designer-Jeanshosen und barfuß, mit gebräuntem Gesicht und einer fröhlichen Ausstrahlung. Sie schritt rasch den Hügel hinab. Als wir zum Haselgehölz kamen, lief Carola plötzlich voraus und öffnete die Pforte zum Park. Sie hielt sie auf, und als ich ankam, sah ich sie an, rührend und mit einem sonderbaren, ganz unpersönlichen Blick, als wollte ich es wissen. „Warum bist du so gelaufen, um aufzumachen?“ „Frage ich mit einer ruhigen, lustigen Stimme.“ „Ich dachte, du würdest gleich in die Unternehmensfirma weiterfahren wollen“, antwortete Carola. „Ach, weißt du, ich renne manchmal sehr gern.“ Carola verlangsamte den Schritt. Der Tag war dunkel geworden. Der kleine blaue Himmel, war wieder fest geschlossen. Es würde regnen. Alles grau. Die Welt sah erschöpft aus. Ich sah mich nach Carola um. „Nicht müde, oder?“, fragte ich. „O nein!“ erwiderte sie. Dennoch war sie müde. Ein sonderbares, erschöpftes Sehnen, eine Unzufriedenheit regte sich in ihr. Ich merkte es. So etwas merkte ich immer schnell. Alles in Carolas Welt, in ihrem Leben, schien verbraucht und ihre Unzufriedenheit war älter als das Universum. Doch sieh schwieg. Und verschwommen ging ihr eins der großen Gesetze der menschlichen Seele auf. Wenn das Gemüt einen verwundenden Schlage erhält, der den Körper nicht tötet, scheint es wieder zu genesen, wie der Körper genest. Aber es scheint nur so. In Wirklichkeit ist es nur der Mechanismus der wiederaufgenommenen Gewohnheit. Langsam, langsam fängt die Wunde der Seele an, sich bemerkbar zu machen, wie eine Verletzung, die nur allmählich furchtbaren Schmerz vertieft, bis er die ganze Psyche ausfüllt. Dann müssen wir es mit den schrecklichen Nachwirkungen in ihrer schlimmsten Phase aufnehmen. So war es mit mir. Als ich erst einmal wieder in Berlin war, und trotz allem, schien ich zu vergessen und meinen ungeschmälerten Gleichmut wiedergefunden zu haben. Doch jetzt, als die Wochen verstrichen, langsam, ganz langsam, fühlte Carola, wie die Wunde der Angst an die Oberfläche kam. Inwendige Furcht, Leere, Gleichgültigkeit allem gegenüber breiteten sich in ihrer Seele aus. Wenn ich durch irgendetwas motiviert war, konnte ich immer glänzende Worte finden und über die Zukunft verfügen. Meinen Erfolg zum Beispiel, die Hundegöttin! Gewiss. Wo der Intellekt steckte, sah Carola nicht ganz. Es dauerte bei ihr immer etwas länger. Ich war wirklich geschickt, wenn es darum ging, Menschen und Motive auf leicht humoristische Art zu analysieren. Sexuell war Carola mit voller Leidenschaft, wie ein Feuer. Eine Leidenschaft, ein Spiel mit dem Teufel. Geld war es nicht, worauf ich es abgesehen hatte. Und ich war nie in erster Linie aufs Geld aus gewesen, wenn ich s auch nahm, wo ich nur konnte, denn Geld ist Siegel und Stempel des Erfolgs. Und Erfolg, das war es, was ich wollte. Ich glaube, dafür kann ich die Hand ins Feuer legen. „Und was für eine Art gutes Leben?“  „Fragte Carola." Sie starrte mich noch immer mit einem Staunen an, das wie Erregung wirkte, „Jede Art von gutem Leben, jede!“ Kleider, Schmuck bis zu einem gewissen Grad, jeden Menschen kennenlernen, den du willst, überall mitmachen. Reisen und immer jemand sein, wohin du auch kommst. „Jede Art von gutem Leben eben!“ Ich sprach dies alles mit einem nahezu motivierten, erfolgreichen Feuer aus und Carola sah mich an, als wenn sie geblendet wäre. Ein stolzes und glückliches Empfinden dafür kam in ihr auf. Sie saß da und schaute mich strahlend an und ihre Gefühle waren wie eine Fahrt in der Achterbahn. Ich lief im Zimmer auf und ab und steckte die Hände in die Hosentasche. In dieser Nacht war ich ein erregter Ehemann als sonst, in meiner eigentümlichen, knabenhaften, zarten Nacktheit. Es war Carola unmöglich, zu ihrer Befriedigung zu kommen, bevor ich die meine erlangt hatte. Und ich rührte eine sehnsüchtige Leidenschaft in ihr auf mit meiner knabenhaften Nacktheit und Weichheit. Als ich beim ersten Mal fertig war, musste ich sie fortfahren im wilden Tumult und auf und ab ihren Hüften, während ich mich heroisch aufrecht und bereit in ihr hielt, mit meiner ganzen Willenskraft und dem Wunsch, mich hinzugeben, bis sie unter geisterhaften kleinen Schreien zu ihrem Orgasmus kam. Und das zwang Carola, selber tätig zu sein. Aber du willst doch, dass ich weitermache und auch zu meiner Befriedigung komme? „Fragte sie.“ Ich fühlte mich gut und lächelte. „Ob ich will?“, sagte ich. Du bist gut! Mir macht es Spaß. „Ich will dich?“, flüsterte sie. Durch die heißen und unanständigen Worte und das gierige Verlangen zu mir war sie so stark, dass sie durch mich zu ihrer Befriedigung kam. Dennoch gibt es Weiber, die entweder überhaupt nicht kommen, als ob sie tot wären da drinnen, oder sie warten, bis man endgültig fertig ist, und fangen dann an, sich selber so weit zu bringen, und man muss stillhalten. Ich habe bisher noch nie eine Frau gehabt, die im selben Augenblick gekommen wäre wie ich. Carolas gesamtes sexuelles Empfinden für mich ist in dieser Nacht stärker gebunden. Ihr Leben schmiedete uns richtig zusammen, als hätte es uns schon immer gegeben. Lächelnd und glücklich ging sie durch die Tage.

Samstagmorgen. Ich schlief zu Hause und fuhr erst um sieben ins Büro. Ich rasierte mich nicht, trug Jeans, ein T-Shirt, keine Socken und schwarze Slipper. Ich bat Nina auch am Samstagvormittag zu kommen. Sie kam gegen neun, in Jeans, eng wie ein Schlauch. Um zehn hatte ich einen Termin mit Franz. Samstags ging mit dem Büro eine Veränderung vor. Sämtliche angestellten Unternehmensberater waren da, ebenso die meisten Businessangels und einige der Sekretärinnen. Es gab keine Mandanten und deshalb auch keine Kleiderordnung, dafür aber um so mehr Jeansstoff, dass es für einen Ritt mit den Mustangs gereicht hätte. Keine Krawatten. Einige der Modesnops trugen ihre besten gestärkten Baumwollhosen mit gleichfalls gestärkten Baumwollhemden und schienen beim Gehen zu brechen. Aber der Druck war da, zumindest für mich, den jüngsten Mitarbeiter der Unternehmensfirma. „Arbeiten sie morgen?“, fragte Franz. Das hatte ich eigentlich nicht vor. „Meine Frau besteht darauf, dass wir in die Kirche gehen.“ Franz schüttelte den Kopf. „Frauen können ganz schön lästig sein, nicht wahr?" Ich erwiderte nichts. Franz schwelgte in dem Gedanken an einen Mandanten, der zahlen würde, so hoch die Rechnung auch ausfallen mochte. Ich verabschiedete mich und kehrte in mein Büro zurück. Es ist spät geworden, ungefähr um die Zeit, als die Cocktails ausgetrunken waren, während wir die Weinkarte studierten und zuhörten, wie Herr Grunewald die Nuancen und die feinen Unterschiede der französischen Weine miteinander verglich, ungefähr um die Zeit, als ich und Carola das Gefühl hatten, dass wir lieber zu Hause mit einer frischen, knusprigen Pizza vor dem Fernseher säßen. Die gebratene Makrele wurde serviert. Nach einer halben Stunde war die Party zu Ende gewesen. Es ging Licht im Schlafzimmer an. Wir waren geschafft vom anstrengenden Tag. „Margot ist ein Biest“, sagte Carola. Je mehr sie getrunken hatte, desto biestiger wurde sie. „Ich glaube, Sie hat ein bisschen arrogantes Blut in den Adern“, erwiderte ich. „Ihr Mann ist in Ordnung, aber Sie ist wirklich eine widerwärtige Zicke“, sagte Carola. „Bist du betrunken?“, fragte ich. „Fast. „Und bereit zu leidenschaftlichem, wildem Sex." „Zieh dich aus“, verlangte Carola von mir. „Das haben wir schon eine ganze Weile nicht mehr getan“, sagte ich ganz unschuldig. „Und wessen Schuld ist das?“, fragte sie. Aber ich habe es noch nicht verlernt. „Du bist bezaubernd.“ „Ab ins Bett“, sagte sie. Beim allmonatlichen Treffen der Businessangels verkündete Franz stolz, dass Marios Arbeit für einen Anfänger wirklich bemerkenswert war. Die Arbeiten umfassten vierhundert Seiten, alle einwandfrei durchgearbeitet, aufgesetzt und überarbeitet, von Mario. Dennoch hatte Herr Grunewald Bedenken wegen des Wirtschaftsexamens, das in nur drei Wochen stattfinden sollte, und allen war klar, dass ich noch nicht hundert Prozent darauf vorbereitet war. Franz sagte, sie sollten sich keine Sorgen machen, sein Junge würde es schaffen. Fünfzehn Tage vor dem Wirtschaftsexamen beklagte ich mich schließlich. Ich würde durchfallen, erklärte ich Franz beim Essen, und ich brauchte Zeit zum Lernen. Eine Menge Zeit. Doch wenn ich die nächsten zwei Wochen Tag und Nacht büffelte, würde ich es vielleicht um Haaresbreite schaffen. Aber ich muss in Ruhe gelassen werden. Keine Termine. Keine Notfälle. Keine Nachtarbeit. Ich flehte ihn an. Franz hörte genau zu und entschuldigte sich. Er versprach, mir die nächsten beiden Wochen in Ruhe zu lassen. Ich bedankte mich.

Am ersten Montag im Monat wurde eine Versammlung im ersten Stock einberufen. Ich wanderte zu der Wand und betrachtete die Gemälde. Neben den Großen hingen drei kleinere, aber nicht minder würdevolle Porträts. Das Verhalten der Frau erregte meine Aufmerksamkeit. Auf der Messingplatte stand „Simone K. 1961-1990." „Sie war ein Irrtum“, sagte Franz leise, der neben seinen Mitarbeiter getreten war. „Wie meinen Sie das?" „Die fragte ich neugierig. Typische Mitarbeiterin in unserer Unternehmensfirma. Hat immer darunter gelitten, dass sie eine Frau war. Hielt alle Männer für Sexisten und war überzeugt, dass es ihre Mission wäre, der Diskriminierung ein Ende zu bereiten. Ein unausstehliches Weib. Nach sieben Monaten hassten wir Sie alle, konnten Sie aber nicht loswerden. Sie zwang zwei Businessangels zum vorzeitigen Ausscheiden. „Jerry“ behauptet noch heute, sie wäre an seiner Herzattacke Schuld gewesen. » Er war ihr Businessangel. Wie war sie sonst? " „Sie war ungeheuer streitsüchtig.“ „Was ist mit ihr passiert? " „Verkehrsunfall.“ Sie wurde von einem betrunkenen PKW-Fahrer umgebracht. Es war wirklich tragisch. War sie die erste Frau hier? " „Ja und auch die Letzte, sofern man uns nicht verklagt.“ Morgens von fünf bis sieben Uhr war das Schimko-Geschäftshaus leer und still. Ich schätze die Ruhe der frühen Morgenstunden. Ich stellte meinen Wecker um eine halbe Stunde vor. Nachdem ich mir zwei Becher Kaffee gemacht hatte, streifte ich durch die Flure, machte überall Licht und inspizierte das Geschäftshaus. Gelegentlich, an einem klaren Morgen, stand ich in meinem Büro am Fenster und beobachtete, wie die Sonne aufging, und zählte die Leute, die eilig über die Brücke gegangen sind. Aber ich vergeudete nur wenig Zeit. Ich büffelte für das Wirtschaftsexamen.

Am Samstagmorgen nach dem Wirtschaftsexamen mied ich mein Büro und mein Haus und verbrachte den Vormittag damit, den Rasen zu mähen. Inzwischen war die Renovierung abgeschlossen und das Haus präsentabel, und die ersten Besucher mussten natürlich Carolas Eltern sein. Carola hatte eine Woche geputzt und poliert und jetzt war die Zeit gekommen. Carola versprach, dass ihre Eltern nicht lange bleiben, nicht länger als ein paar Stunden. Ich versprach, so nett wie möglich zu sein. Ich hatte noch die beiden Wagen gewaschen und einen gewachst. Gegen Mittag kamen Carolas Eltern an und ich verließ widerstrebend den Vorgarten. Ich lächelte und begrüßte Sie und entschuldigte mich dann, um mich zu waschen. Ich spürte, dass Sie sich unbehaglich fühlten, und so wollte ich es auch. Ich duschte ausgiebig, während Carola ihnen jedes Möbelstück und jeden Quadratzentimeter Tapete zeigte. „Hübsches Haus, das du da hast, Mario“, sagte ihr Vater in einem Versuch, das Eis zu brechen. Sie hatten sich am Esstisch niedergelassen. „Alles ist so reizend“, schwärmte ihre Mutter in meine Richtung. „Danke, danke, danke.“ „Wir sind stolz darauf, Mutter“, sagte Carola. Die Unterhaltung wendete sich sofort wieder der Renovierung zu. Die hungrigen Männer aßen schweigend, während die Frauen sich endlos darüber ausließen, was die Dekorateurin mit diesem Raum und jenem getan hatte. Zeitweise war Carola gerade verzweifelt bemüht, Gesprächslücken mit Wörtern über Dinge zu füllen, die ihr gerade einfielen. Sie tat mir fast leid. „Du hast also einen Job gefunden?“, fragte der Klugredner von Vater. Ja. Ich fange übernächsten Montag an. „Unterricht bringt nicht viel Geld ein“, sagte ihr Vater. Der Kerl ist unerbittlich, dachte ich. „Mir geht es nicht um das Geld, Dad.“ Ich bin Lehrerin. Für mich ist das der allwichtigste Beruf im Leben. „Wenn es mir um Geld gegangen wäre, hätte ich Anwältin studiert.“ „Wie war das Wirtschaftsexamen, Mario?“, fragte der Schwiegervater. Das könnte interessant werden, dachte ich. „Anstrengend.“  Carola kaute nervös auf ihrem Essen herum. Was meinst du, hast du bestanden? " „Ich hoffe, es." Wann wirst du es wissen? „In vier bis sechs Wochen.“ „Wie lange hat es gedauert? " „Vier Tage.“ „Seit wir hier eingezogen sind, hat er nichts getan außer arbeiten und lernen. „Ich habe in diesem Sommer nicht viel von ihm zu sehen bekommen“, sagte Carola. Ich schmunzelte Carola an. Die außer Haus verbrachte Zeit war schon ein Wunderpunkt zwischen uns und es amüsierte mich, zu hören, wie Carola mich entschuldigte. „Was passiert, wenn du nicht bestanden hast? „Fragte ihr Vater mich.“ Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. „Bekommst du eine Gehaltserhöhung, wenn du bestanden hast?" Ich beschloss, nett zu sein, wie ich versprochen hatte. Aber es war sehr schwierig. „Ja, eine hübsche Gehaltserhöhung und eine hübsche Gratifikation.“ Die Schwiegermutter zündete sich eine Zigarette an und qualmte uns das Zimmer voll. Wo ist dein Büro? „In der Innenstadt.“ Können wir es sehen? „Fragte sie.“ „Vielleicht ein andermal.“ »Für Besucher ist das Geschäftshaus geschlossen.« Die Antworten machten mir langsam Spaß. Für Besucher geschlossen, als ob es ein Museum wäre. Wenn Neugier eine Krankheit sein würde, dann würden die Schwiegereltern schon tot sein. Carola spürte die bevorstehende Katastrophe und begann, über den Urlaub zu reden, den sie sich geplant hatte. Ein ungemütliches Schweigen folgte. Das Gespräch war an einem toten Punkt angelangt. Qualm ruhig weiter deine Zigarre, alter Mann, dachte ich. Qualme ruhig weiter. „Den Nachtisch können wir auf der Terrasse essen“, sagte Carola. Sie ging daran, den Tisch abzuräumen. Das Einzige, was ich konnte, war den Rasen zu mähen und die Hecke zu schneiden. Ich konnte auch den Rasensprenger bedienen, aber das machte Carola. Carola servierte „Kalte Schnauze“ mit einem Schuss Cognac in der Schokolade und Kaffee. Sie warf mir einen hilflosen Blick zu, aber ich blieb neutral. „Das ist wirklich ein hübsches Zuhause, das ihr da habt“, sagte ihr Vater zum dritten Mal, während er den Blick über den grünen kurzen Rasen schweifen ließ. Ich konnte sehen, wie sein Körper arbeitete. Er hatte das Haus und die Umgebung abgeschätzt und jetzt wurde die Neugier unerträglich. Wie viel hat das gekostet, verdammt noch mal? Das war es, was er wissen wollte. Wie viel als Anzahlung? Wie viel monatlich? Alles. Er würde, solange um den heißen Brei herumreden, bis er die Fragen irgendwo einbringen konnte. Auch ihre Mutter sagte zum zehnten Mal: „Das ist wirklich ein schönes Haus.“ „Wann wurde es gebaut?", fragte ihr Vater. Ich stellte seinen Teller auf den Tisch und kochte schon innerlich. Ich spürte, dass es gleich kommen würde. „Es ist ungefähr dreißig Jahre alt“, erwiderte ich. „Wie viel Quadratmeter?“ „An die dreihundert“, antwortete Carola nervös. Ich funkelte sie an. Meine Gelassenheit geriet in Wanken. „Es ist eine hübsche Gegend“, setzte ihre Mutter Link hinzu. „Neue Hypothek, oder hast du die alte übernommen?“ „Fragte ihr Vater, als säße vor ihm ein Mann, der ohne ausreichende Sicherheit eine Hypothek beantragen wollte.“ „Es ist eine neue Hypothek“, sagte ich ihm, dann wartete ich ab. Carola wartete gleichfalls und betete. „Was habt ihr dafür bezahlt“, fragte ihr Vater neugierig. Ich holte erst einmal tief Luft und war im Begriff zu sagen: „Zu viel.“ Doch Carola war schneller. „Wir haben nicht zu viel dafür bezahlt, Papa“, sagte sie entschlossen.  Ich brachte ein Lächeln zu Stande, während ich mir auf die Zunge biss. Schwiegermutter stand auf. „Machen wir eine Spazierfahrt, ja?“ Ich möchte mir die Gegend ansehen. Wollen wir? Komm schon, Vater. Er wollte weitere Informationen über das Haus, aber jetzt zerrte seine Frau an seinem Ärmel herum. „Gute Idee“, sagte Carola. Wir stiegen in die glänzende neue Nobelkarosse und fuhren los, um die schöne Natur zu betrachten. Carola bat uns, in dem neuen Auto nicht zu rauchen. Ich fuhr stumm und versuchte, nett zu sein. Einfach nur nett.

 

 

Kapitel 6

„Warum mögen sich Männer und Frauen heutzutage nicht wirklich gern? „Fragte Carola." „Hm, Sie mögen sich aber doch!" Ich glaube nicht, dass es je seit der Erfindung der menschlichen Spezies eine Zeit gegeben hat, in der Männer und Frauen sich gemocht haben. Nimm beispielsweise mich: Ich habe dich als Frau wirklich lieber als Mann. Frauen sind mutiger, denken nicht darüber nach, was sie tun, und ich kann mit ihnen besser Sex machen. Es gibt aber auch Ausnahmen von Frauen. Carola dachte darüber nach. „Aha, ja, aber Du hast nie etwas mit anderen Frauen zu tun!" „Sagte sie dann." Ich? Was tue ich denn in diesem Augenblick anderes, als mit dir zu reden und dich zu lieben? " Ja, reden. Und was könnte ich mehr tun, wenn du ein Mann wärst? " „Nichts.“ Aber eine Frau ..." „Eine Frau will, dass man sie bewundert und mit ihr redet und gleichzeitig, dass man sie liebt und begehrt.“ Dennoch sollte das Wasser nicht so nass sein, wie es ist. Denn es übertreibt mit seiner Nässe. Doch es ist nun einmal so. ich liebe dich. Carola lächelte mich an. „Wirklich?“, fragte sie, Männer können Frauen lieben und gleichzeitig mit ihnen reden. Wie ist so etwas möglich? „Nun, ich weiß nicht“, erwiderte ich. „Liebst du mich wirklich?" „Sehr!“ Carola wusste, dass ich es ernst gemeint habe. Sie fühlte sich sicher, sicher in meinen Armen. Was für einen Sinn hatte sie und überhaupt alles? Verstehe einer die Frauen. Ihre Jugend war es, die sich auflehnte. Diese Männer waren „Machos“ und waren kalt im Umgang mit den Mädchen. Und die Halunken, die so taten, als ob, und mit dem Sexualspiel anfingen, die waren die Schlimmsten. Sie begriff vollkommen, warum die Leute Cocktailpartys veranstalten und Grillabende machen, bis sie umfielen. Man musste sie ausleben, die Jugend, so oder so, sonst hat man etwas verpasst. Aber was für eine abenteuerliche Sache, Jugend! Man fühlte sich wie die gewisse Sharon oder Kim, und doch summte und prickelte es in einem und ließ einem keine Ruhe. Ein vergewaltigendes Leben! Und abenteuerliche Aussichten! Das war auf jeden Fall besser, als sich allmählich ins Kloster zu spinnen. An einem ihrer launischen Tage ging sie allein in den Wald hinaus, gedankenschwer, achtlos, nicht einmal wissend, wo sie war. Als sie den Pfad entlang ging, hörte sie Stimmen und lief zurück. Menschen! Sie wollte absolut keine Menschen um sich. Doch ihr feines Ohr nahm einen anderen Laut wahr und sie wurde aufmerksam, ein Rehkitz. Das Kitz ganz erschrocken, lief dann ins Gehege zurück. Carola ging langsam heim. „Heim“, das war ein warmes Wort für das große neue Haus. Aber schließlich, es war auch ein Wort, das überholt war. Es war irgendwie von der Gesellschaft annulliert worden. All die großen Worte, so schien es Carola, waren für die neue Generation annulliert worden: Liebe, Freude, Glück, Heim, Mutter, Vater, Gatte – kraftvolle Worte waren halb gestorben und sterben von Tag zu Tag. Heim, das war der Platz, wo man wohnte, Liebe war etwas, um dessen Willen man sich nicht zum Narren machte, Freude war ein Wort, das man bei einem guten Freund anwandte. Glück war ein Pseudonym der Heuchelei, das man benutzte, um andere Leute zu bluffen. Ein Gatte war ein Mann, mit dem man lebte und mit dem man sein Geld gut aufbewahrte. Und Sexus, das ziemlich ausgestorbene Letzte der Worte, das war das Geilste für eine Aufreizung, das einen für eine Weile auf „Wolke Sieben“ gebracht hat und dann müder und ausgebuffter denn je war. Darin lag ein Vergnügen. In dem Erleben des Fallenlassens Einfallen lassen in die Tiefe der unendlichen Illusion. Das wäre es also! Geld? Vielleicht konnte man dabei nicht dasselbe sagen. Geld wollte und will man immer. Geld, Erfolg, die Hundegöttin, wie ich es hartnäckig sagte. Man kann nicht seinen letzten Pfennig ausgeben und abschließend sagen: Das wäre es also! Nein, selbst wenn man nur noch fünf Minuten zu leben hätte, brauchte man noch ein paar Mark für dieses oder jenes. Einfach, um sich eine letzte Zigarette zu gönnen, braucht man Geld. Denn wer schenkt dir schon etwas? Man muss es eben haben. Geld muss man haben. „Du kannst deine nervige Mutter fragen: „Mutter, warum hast du mich geboren?" „Bevor ich da war, war ich schon verloren.“ Und ich machte es ihr nachdenklich bewusst: "Schließlich ist es nicht deine Schuld, dass du geboren bist.“ » Wenn du aber einmal auf der Welt bist, ist Geld eine Notwendigkeit, die einzige unabdingbare Notwendigkeit. Carola stand da und lauschte, und ihr schien, als höre sie Laute von der Rückseite des Hauses. Da es ihr schien, als höre sie Laute von der Rückseite des Hauses. Da es ihr nicht gelang, sich bemerkbar zu machen, war ihre Unternehmungslust angespornt. Sie ging also ums Haus herum. Der Boden dahinter stieg steil an. Carola Bog um die Hausecke und behielt den leisen Schritt. Doch Sie konnte nichts entdecken. Carola machte kehrt und rannte um die Hausecke. Ich stand im Bad und machte mich ein wenig frisch. Carola versteckte sich und sah mir zu. Ich war nackt bis zum Gürtel, meine Jeanshosen waren über die schmalen Hüften geglitten: Und mein gebräunter, biegsamer Rücken beugte sich über eine große Schüssel seifigen Wassers, in der ich kurz mal den Kopf tauchte. Dann frottierte ich meinen Kopf mit schnellen kleinen Bewegungen. Carola war getroffen. Ich dusche mich. Alltäglich genug. Es hatte sie mitten in den Leib getroffen. Sie hatte gesehen, wie die Jeanshosen niederglitten über die reinen, schmalen, braunen Hüften. Dann, wenn ein wenig die Knochen hervorragen, überwältigte sie. Vollende, gebräunte, geile Nacktheit eines Wesens, das nicht mehr allein ist, auch innerlich. Doch mit dem Verstand neigte sie dazu, alles ins Lächerliche zu ziehen. So entfernte sie sich von selbst. Sie war zu verwirrt, zu denken. Dennoch schlenderte sie langsam zurück und lauschte. „Carola!“, sagte ich. „Komm doch herein!“ Ich war so unbefangen und gut in meiner Art, und sie trat über die Schwelle in das Bad. Wieder sah Carola mich an. Meine Augen lächelten ein wenig spöttisch, aber warm und mit vollem Verlangen. Sie war verwundert über mich. Ich behielt meine Jeanshosen an und trug ein T-Shirt. Mein Haar war weich und noch nass, mein Gesicht erschöpft und müde. Wenn die Augen aufhörten zu lachen, sahen sie aus, als hätten sie viel gelitten, ohne dass sie dabei ihre Wärme verloren. Sie wollte so viel sagen, aber sie sagte nichts. Carola sah nur wieder zu mir auf und fragte: „Hoffentlich habe ich dich nicht gestört?“ Das kaum merkliche, spöttische Lächeln verengte meine Augen. Habe mir nur das Haar gekämmt. Doch, als sie an mir vorbeiging, war etwas Junges und Leuchtendes in meinen hellen Haaren, in meinen lebhaften Augen. Sie dachte sehr viel nach über mich. Ich war so gar nicht wie die anderen Männer, die Sie kannte.

Der nächste Tag. Meine Sekretärin kam ins Büro gestürmt mit einem Stapel Papierkram, den sie mir auf den Schreibtisch packte. „Ich brauche Unterschriften“, erklärte sie und reichte mir meinen Federhalter. „Was ist das alles?“, wollte ich wissen, während ich pflichtbewusst meinen Namen schrieb. „Fragen Sie nicht, Vertrauen Sie mir einfach.“ „Wie lange wollen Sie heute Abend arbeiten?" Ich überflog die Dokumente und zeichnete alle ab. Ich weiß es noch nicht. Warum? „Sie sehen müde aus." Warum gehen Sie nicht einmal zeitig nach Hause? Ihre Augen fangen schon an, auszusehen wie eine Alte, die innerlich vertrocknete. „Sehr witzig." Ihre Frau hat angerufen. „Ich rufe zurück.“ Als ich fertig war, stapelte sie die Briefe und Dokumente wieder auf. „Es ist fünf." Ich gehe jetzt. Herr Grunewald erwartete mich. „Herr Grunewald?" Er erwartet mich? " „Genau das habe ich gesagt.“ Ich rückte meine Krawatte gerade, rannte den Flur entlang und die Treppe hinunter und betrat dann gemessenen Schrittes den Konferenzraum. Herr Grunewald, Franz und anscheinend der größte Teil der Business-Angel saßen am runden Tisch. Im Raum herrschte Schweigen, das fast beängstigend war. Niemand lächelte. „Setzen Sie sich, Mario“, sagte Herr Grunewald ernst. „Wir haben etwas mit Ihnen zu besprechen.“ Man schloss die Tür. Ich setzte mich und suchte nach irgendwelchen beruhigenden Anzeichen. Doch es gab keine. Alle Anwesenden schauten mich an. Um was handelt es sich? „Frage ich ängstlich mit einem ratlosen Blick. Über meinen Brauen erschienen kleine Schweißtropfen. Mein Herz klopfte wie ein Schmiedehammer. Mein Atem ging schwer. Herr Grunewald lehnte sich über die Tischkante und nahm seine Lesebrille ab. Er runzelte ernst die Stirn, als würde es ernst werden. „Wir haben gerade einen Anruf erhalten, Mario, und darüber wollen wir mit Ihnen sprechen.“ Das Wirtschaftsexamen. Ja, das Wirtschaftsexamen. Kurz: Das Wirtschaftsexamen war Geschichte geschrieben worden. Der erste Mitarbeiter der Unternehmensfirma Schimko war beim Wirtschaftsexamen durchgefallen. Ich starrte Franz an und hätte am liebsten geschrien: „Das ist allein Ihre Schuld!“ Franz runzelte die Stirn, als hätte er einen Migräneanfall, und vermied den Blickkontakt. Grunewald beäugte argwöhnisch die anderen Businessangels und wendete sich dann wieder an mich. „Das es so kommen würde, haben wir alle befürchtet, Mario.“ Er wollte klar machen in seiner Ausführung, dass ich eine weitere Chance verdient hätte, dass das Examen in einem halben Jahr wieder abgehalten würde und ich es dann schaffen würde, dass ich sie nicht noch einmal in diese Verlegenheit bringen würde. Ein dumpfes Unwohlsein überfiel mich in der Magengegend. „Ja, sagte ich demütig, enttäuscht.“ Grunewald machte sich bereit, mir den Gnadenstoß zu versetzen. „Normalerweise erfahren wir dergleichen nicht, dass Sie beim Wirtschaftsexamen als Bester abgeschnitten haben.“ „Herzlichen Glückwunsch.“ Mir viel alles in die Hose, ich war erfreut über dieses bestandene Ergebnis. Ich hätte alles drücken können, sogar meine Schwiegermutter. Lachen und Beifallklatschen kamen wie eine Brandungswelle auf mich zu. Die Mitarbeiter umringten mich, schüttelten mir die Hand, klopften mir den Rücken und lachten mich an. Franz kam mit einem Taschentuch herbei und wischte sich die Stirn. Dann stellten sie zu Feier des Tages, drei Flaschen Champagner auf den Tisch und ließen Korken knallen. Eine Runde wurde in Pappbecher eingeschenkt. Ich bekam endlich Luft und brachte ein strahlendes Lächeln zu Stande. Ich stürzte den Champagner hinunter und sie füllten meinen Pappbecher wieder. Grunewald legte mir einen Arm um den Hals und sagte: „Mario, wir sind sehr stolz auf Sie. Das verlangt nach einer kleinen Gratifikation. Ich habe hier einen Scheck über dreitausend Mark, den ich Ihnen als kleine Belohnung für diese Leistung überreiche. Es gab laute Pfiffe und gratulierende Zurufe. „Das ist natürlich zusätzlich zu der beträchtlichen Gehaltserhöhung, die Sie sich gerade verdient haben.“ Weitere Pfiffe und Zurufe. Wie auf einem Fußballplatz. Ich stand da und war verlegen. „Ich danke Ihnen“, sagte ich mit kräftiger Stimme.

Drei Tage später veröffentlichte die Firmenzeitung die Namen der Unternehmensberater, die das Wirtschaftsexamen bestanden hatten. Carola schnitt den Artikel aus der Zeitung aus und schickte Kopien an ihre Eltern. Ich hatte einen Schnellimbiss entdeckt, drei Blocks vom Schimko-Geschäftshaus entfernt, nahe am Fluss. Es war der angesagte Imbiss mit wenigen Kunden und vielen Burgern und anderen imponierenden Gerichten. Ich möchte es. Eine Woche, nachdem mein Name in der Zeitung gestanden hatte, saß ich für mich allein an einem Tisch im Hintergrund des Schnellimbisses und aß ein wenig von den Köstlichkeiten. Das Lokal war leer. Ich lass eine dicke Zeitung. Ich war beeindruckt vom Ausmaß der Verschwiegenheit. Eine kurvenreiche Platinblondine in einem engen Lederrock und dazu passenden schwarzen Stiefeln fragte nach meinem Namen und deutete auf einen leeren Holzstuhl neben einem Fenster. Der Aschenbecher auf ihrem Tisch war voll von mit Rosa-Lippenstift verschmierten Zigarettenkippen. Mit der rechten Hand zog sie mit einer präzisen Bewegung eine neue Zigarette aus der Packung und steckte sie zwischen die klebrigen Lippen. Mit bemerkenswerter Koordination ließ sie mit der linken Hand etwas auf schnippen und eine Flamme schoss zum Ende einer sehr dünnen und unwahrscheinlich langen Filterzigarette. Als die Flamme verschwand, pressten sich die Lippen instinktiv zusammen und verhärteten sich über dem kleinen Ding, das zwischen ihnen hervorragte, und der gesamte Körper begann zu inhalieren. Schließlich, als zwei Zentimeter der Zigarette zu Asche geworden waren, schluckte sie, nahm sie mit zwei knallroten Fingernägel aus dem Mund und atmete kraftvoll aus. Der Rauch wogte zu der weißen Gipsdecke hinauf, wo er eine bereits vorhandene Wolke aufstörte und um eine Leuchtstoffröhre herumwirbelte. Sie hustete. Es war ein trockener Reizhusten, der ihr Gesicht rötete und ihre vollen Brüste in Bewegung brachte, bis sie hüpften. Sie griff nach ihrer Tasse Kaffee und trank etwas, dann steckte sie die Filterzigarette wieder in den Mund. Nach fünf Minuten begann ich, eine Vergiftung mit Kohlendioxid zu befürchten. Mir war schlecht. Hinter mir war weiterer Husten und Keuchen zu hören. Ich versuchte das Fenster zu öffnen. Gerade als ich das Fenster öffnete, hörte das Rauchen auf. Sind Sie Unternehmensberater? Ich drehte mich vom Fenster weg und sah die Blondine an. Sie saß jetzt mit überschlagenen Beinen auf der Stuhlkante und der schwarze Lederrock endete weit oberhalb der Knie. Sie trinkt einen Schluck Kaffee. „Ja." In einer großen Unternehmensfirma? " „Ja." „Das dachte ich mir. Das war schon an Ihrem Anzug und dem schicken Hemd mit der seidenen Krawatte zu erkennen. „Ich weiß immer, ob es sich um einen Juppy aus einer großen Firma handelt oder einen von den Typen, die immer als Handelsvertreter herumlungern.“ Der Rauch zog ab und ich atmete leichter. Ich bewunderte ihre Beine, die sich im Augenblick genau in der Position befanden, die Bewunderung verlangte. Jetzt betrachtete sie meine Schuhe. „Der Anzug gefällt Ihnen?“, sagte ich. „Er ist teuer. Das sieht man. Und die Krawatte auch. Beim Hemd und den Schuhen bin ich nicht so sicher. Ich betrachtete die Stiefel, die Beine, den Rock und den engen Pullover über den großen Brüsten und versuchte, mir etwas Nettes einfallen zu lassen. Sie genoss seinen an ihr entlangwandernden Blick und trank wieder einen Schluck Kaffee.

 

 

Kapitel 7

Als Carola im Schlafzimmer war, tat sie etwas, was sie seit langer Zeit nicht getan hatte. Sie streifte ihr Kleid ab und stellte sich nackt vor den hohen Spiegel. Sie wusste nicht genau, wonach sie suchte und warum, doch sie rückte die Lampe so lange hin und her, bis sie voll auf ihre Gestalt schien. Und sie dachte, was sie so oft gedacht hatte: Was für ein zerbrechliches, leicht verletztes, rührendes Ding das ist. Ein nackter weiblicher Körper, ein wenig unfertig, unvollkommen irgendwie! Sie war eigentlich darauf angelegt, eine recht gute Figur zu haben, eine Spur weiblich und nicht knabenhaft. Sie war nicht sehr groß, aber sie hatte eine gewisse fließende, abwärts gleitende Anmut, die man hätte Schönheit nennen können. Ihre Haut war leicht gebräunt, in ihren Gliedern lag eine gewisse Ruhe und ihr ganzer Körper hätte eine volle, abwärts sich rundende Reife. Ihre Brüste waren ziemlich klein und senkten sich birnenförmig. Aber sie waren unreif, ein wenig bitter, hingen ohne Sinn dort. Und ihr Bauch hatte den frischen, runden Schimmer verloren, den er besaß, als sie jung war, damals, in den Tagen ihres jungen Mannes, der sie geliebt hatte. Und auch ihre Schenkel, die in ihrer weiblichen Rundung immer so lebensvoll und schimmernd gewesen waren. In Kurs stehende Frauen hielten ihren Körper durch äußere Sorgfalt schimmernd wie feines Porzellan. Innen im Porzellan war nichts. Eine Welle von Schwindel überspülte Sie. Sie sah in den anderen Spiegel, auf ihren Rücken, ihre Taille, ihre Hüften. Sie wurde schlanker. Als sie sich nach hinten drehte, um besser sehen zu können, sah sie frisch aus. Wie die Zeit verging! Dieser Junge mit seiner gesunden, unbeholfenen Sinnlichkeit, die sie so verachtet hatte! Das Schönste an ihr, dachte sie, waren noch immer die lang abfallende Linie der Hüften, von der Senke des Rückens an und die schlummernde, runde Stille ihres Gesäßes. Gleich Hügeln aus Sand, wie die Araber sagen, sanft und abwärts gleitend in langem Gefälle. Sie zog sich das Nachthemd an, legte sich ins Bett.

Aber am Morgen war sie gleichwohl um sieben auf und kuschelte zu mir herüber. „Ich finde dich ganz großartig“, sagte sie zu mir. „Du hast Wunder vollbracht. „Ich habe vorher nie gemerkt, dass ein Genie in dir schlummert, und nun ist es das Gespräch der Tage.“ Schweigen. „Ich fühle mich in letzter Zeit nicht wohl und ich weiß nicht, was mit mir ist“, sagte sie. „Aber Carola!“, sagte ich. Was ist denn los?  „Nichts“, antwortete Carola ziemlich verlegen. Streitlust leuchtete aus Carolas Gesicht. So weich und still sie auch schien. Ich dachte, wie hübsch sie aussah, aber zugleich zog ich mich zurück vor ihr. Die Familie meiner Frau besaß nicht meinen Stil noch meine gesellschaftlichen Umgangsformen. Ich hielt sie für Klugredner, die auf der Intelligenzstufe Siebenjähriger stehen. „So kann es nicht weitergehen“, sagte sie mir. „Was kann nicht so weitergehen?“, erwiderte ich. Schweigen, war angesagt. „Ich brauche Abwechslung, gründliche, gesunde Abwechslung.“ Ich vergeude meine Lebenskräfte, ohne neue zu sammeln. „Das kann nicht so weitergehen, hörst Du.“ Ich sagte, „Du bist ein Schatten deiner selbst! Mein Gott, ich habe noch nie so eine Veränderung gesehen! Warum hast du mir überhaupt nichts gesagt? " „Sonne, das ist es, was du brauchst, natürlich und ein bisschen normales Leben!" Meine Mutter starb an Krebs, weil sie sich so aufgerieben hatte für andere Leute. »Wir wollen lieber kein Risiko eingehen.« Und so schlug ich am nächsten Tag vor, den ganzen Tag für Sie Zeit zu haben. Und sie wirkte so jung! Wie hitzig ihr das Blut in die sonst so bleichen Wangen steigen konnte! Während Carola so redete, trat eine merkwürdige Mischung von Gefühlen zu Tage. Sie hatte mich sehr gern. Der Optimismus und die Offenheit von mir berührten sie sehr. Sie machte eine neue Erfahrung. Die schöne Blume ihrer Vertrautheit war für sie eher eine weiße Orchidee, eine Knolle, die parasitisch auf dem Baum Ihres Lebens saß. Ich wünschte mir die Abende vertrauter Gespräche mit Carola, wollte reden. Franz L. lächelte beim Anblick des Computerausdrucks. „Im Oktober haben Sie im Durchschnitt einundsechzig Stunden pro Woche gemacht." „Ich dachte, es wären dreiundsechzig gewesen“, sagte ich. „Einundsechzig ist genug. Bisher hat noch keiner in seinem ersten Jahr einen so hohen Durchschnitt erzielt. Ist alles legitim? " „Ja, da ist nichts aufgepolstert.“ »Ich hätte ihn noch höher treiben können.« „Wie viele Stunden arbeiten Sie in der Woche?" „Zwischen fünfundachtzig und neunzig. „Ich könnte fünfundsiebzig in Rechnung stellen, wenn ich es wollte.“ „Davon würde ich abraten, zumindest fürs erste. Das könnte ein bisschen böses Blut geben. „Die anderen jungen Unternehmensberater behalten Sei sehr genau im Auge.“ „Ja, Sie wollen, dass ich es ein wenig langsamer gehen lasse?“ Natürlich nicht. Wir sind ungefähr einen Monat im Rückstand. Ich bin nur etwas besorgt wegen langer Arbeitszeit. Nur etwas besorgt. Die meisten jungen Unternehmensberater legen los wie die Wilden, arbeiten achtzig oder neunzig Stunden in der Woche. Doch länger als ein paar Monate halten Sie das nicht durch. Fünfundsechzig bis siebzig Stunden sind machbar. Aber Sie schienen ein ungewöhnliches Durchhaltevermögen zu besitzen. „Ich brauche nicht viel Schlaf.“ Was hält Ihre Frau davon? Weshalb ist das wichtig? „Stört sie die lange Arbeitszeit?“ Ich musterte Franz und dachte einen Augenblick an den Wortwechsel am gestrigen Abend, als ich drei Minuten vor Mitternacht zum Essen nach Hause gekommen war. Wir hatten uns beide unter Kontrolle gehabt, aber es waren die bisher bittersten Worte gefallen und alles deutete darauf hin, dass weitere folgen würden. Carola sagte, der Nachbar von nebenan wäre ihr vertrauter als ihr Mann. „Sie versteht es." „Ich habe ihr gesagt, ich würde in ein paar Jahren Businessangel werden und mit Vierzig in den Ruhestand treten.“ „Es sieht jedenfalls so aus, als versuchte sie es.“ Franz legte den Ausdruck an die kahle weiße Wand und warf mir einen verdrießlichen Blick zu. „Ich möchte nur nicht, dass Sie sich kaputtmachen oder zuhause Ärger bekommen.“ Ausgerechnet ein Mann, den seine Frau verlassen hatte, wollte mir Eheratschläge erteilen. Franz beugte sich vor. „Hören Sie, Mario, ich bin nicht sonderlich gut in solchen Sachen. Dies kommt von höher oben. Grunewald und Bruno machen sich Sorgen, dass Sie sich vielleicht ein bisschen zu sehr ins Zeug legen. Ich meine, fünf Uhr am Morgen, jeden Morgen, manchmal sogar am Sonntag. Da ist ziemlich hart, Mario. Was haben Sie gesagt? " „Nicht viel.“ Ob Sie es glauben oder nicht, Mario, diese Männer machen sich wirklich Gedanken über Sie und Ihre Frau. Sie wollen glückliche Unternehmensberater mit glücklichen Familien. Wenn alles zum Besten steht, dann sind die Unternehmensberater produktiv. Grunewald ist besonders fürsorglich. Er hat vor, in ein oder zwei Jahren aufzuhören, und versucht, durch Sie und die anderen jungen Leute seine beste Zeit noch einmal zu durchleben. „Sagen Sie Ihnen, mir geht es gut, Carola geht es gut, wir sind alle glücklich und ich werde produktiv sein.“ „Gut, nun, wenn das aus dem Wege geschafft ist, kann ich Ihnen mitteilen, dass wir beide morgen in einer Woche auf die Bahamas fliegen." Ich muss mich dort wegen dreier Mandanten mit einigen Bankern treffen. Vorwiegend geschäftlich, aber wir schaffen es immer, zwischendurch auch ein bisschen zu tauchen und zu schwimmen. Ich habe dem Vorstand gesagt, dass ich Sie brauche, und der Vorstand war einverstanden. Sie meinten, die paar Tage Ruhe würden Ihnen vermutlich gut tun. Möchten Sie mitkommen? " Natürlich. Ich bin ein wenig überrascht. „Da es eine Geschäftsreise ist, werden unsere hübschen Frauen nicht dabei sein.“ „Sie kommen also mit?" Natürlich komme ich mit. Wie lange werden wir dort sein? Ein paar Tage. Wir wohnen in einem der noblen Apartments der Unternehmensfirma. „Ich versuche, den Firmenjet zu bekommen, aber möglicherweise müssen wir eine Linienmaschine nehmen.“ „Das macht mir nichts aus.“ Passagiere, die in Berlin an Bord des Fliegers gingen, trugen Markenanzüge und Krawatten, und nach der ersten Runde Champagner nahm auch Franz seine Krawatte ab und stopfte sie in die Tasche seines Jacketts. Der Champagner wurde von hübschen, braunen Stewardessen mit bildschönen Augen und anmutigen Lächeln serviert. Ich saß am Fenster und versuchte, mir die Aufregung über meine erste Reise ins Ausland nicht anmerken zu lassen. In einer Bibliothek hatte ich ein Buch über die Bahamas gefunden. Hingetupft wie Sommersprossen liegen die Inseln unter kobaltblauem Himmel im smaragdfarbenen Wasser. Pudrig-weiße oder zart rosafarbene Sandstrände und das satte Grün der tropischen Natur verzaubern ein.

Ungefähr 80 Kilometer südöstlich von Florida und 100 Kilometer nördlich von Kuba erstrecken sich die Bahamas in einer Ausdehnung von rund 250 000 Quadratkilometern. Mindestens 700 Inseln sollen es sein, lediglich 30 davon sind bewohnt und nur 15 vollständig. Über 1.200 Kilometer weit reichen die Bahamas von Nord nach Süd. Sie unterteilen sich in New Providence (Hauptstadt Nassau) mit Paradise Island, der beliebten Insel Grand Bahamas und den Out Islands, zu denen die Abaco-Inseln, Andros, Berry Islands, Bimini, Cat Island, Eleuthera, Exuma, Inagua, Long Island und San Salvador gezählt werden. Die Maschine landete in Florida. Von hier aus haben wir Anschluss mit Bahamasair auf die Bahamas. Die nationale Fluglinie Bahamasair fliegt 21 Ziele auf den Bahamas an. Franz hätte auch einen Privatcharter für uns nehmen können. In nur circa einer halben Stunde sind wir dann in Nassau gelandet. Die Maschine landete fast in einer Lagune, aber im letzten Moment tauchte eine schmale Landebahn auf und fand das klapprige Flugzeug ab. Wir stiegen aus und bahnten uns den Weg durch den Zoll. Ein kleiner, fröhlicher, schwarzer Junge griff sich mein Gepäck und warf es zusammen mit dem von Franz in den Kofferraum einer 1972er PKW-Karosse. Ich gab ihm ein großzügiges Trinkgeld. „Ins Hotel!“, sagte Franz und trank den Rest seines letzten Champagners aus. „Okay, Man“, murmelte der Fahrer des Taxis. Er gab Gas und brauste in Richtung Hotel. Das Radio dröhnte Reggae. Der Fahrer zuckte und klopfte ununterbrochen auf dem Lenkrad den Takt. Er fuhr auf der falschen Straßenseite, aber das taten auch alle anderen. Ich ließ mich in den durchgesetzten Sitz sinken und schlug die Beine übereinander. Der Wagen hatte keine Klimaanlage, bis auf die offenen Fenster. Die schwüle Tropenluft fegte über mein Gesicht und ließ mein Haar flattern. Und das gefiel mir.

Auf den Bahamas gibt es nur zwei Jahreszeiten. Sommer und Winter. Tropisches bis subtropisches Klima beschert den Inseln Temperaturen, die im Sommer 32° C selten überschreiten und im Wasser nicht unter 16° C sinken. Das Wasser ist hier durchschnittlich 23 °C bis 27 °C warm. Auf den Bahamas sind Juli und August die heißesten Monate des Jahres. Dennoch gibt es im Sommer kurze, heftige Regenschauer, die hier im Volksmund gerne als „liquid sunshine“ bezeichnet werden. Die Bahamaser sind ein sehr religiöses Volk. Auf den Inseln gibt es zahlreiche Kirchen unterschiedlichster Konfessionen. Es gibt anglikanische Gemeinden, Baptisten, Juden, Zeugen Jehovas, Lutheraner, Methodisten, Presbyterianer, Katholiken, Siebentags-Adventisten und Moslems. Es herrscht Religionsfreiheit. Englisch ist auf den Bahamas offizielle Amtssprache. Es wird mit einem bahamasischen Akzent gesprochen. „Schön, es grüßt meine Englischlehrerin“, ging mir immer so durch den Kopf. Einige Wörter aus dem Indianischen sind auch noch im Gebrauch, wie cassava (Maniok), guave (tropische Frucht). Hier in Nassau sind die Taxipreise festgelegt oder man einigt sich vor Fahrtantritt auf einen Preis. Die Minibusse sind hier die günstigsten Verkehrsmittel. Doch wir zogen es vor uns, einen Mietwagen auszuleihen. Unser Hotel hatte eigene Mietwagen. Wir hatten Glück, dass unser deutscher Führerschein für drei Monate lang anerkannt wurde. Und dann der Linksverkehr. Eine Katastrophe. Die Häuser waren kleine, eingeschossige Gebäude und sind hier häufig in Pink gestrichen, und der Nationalvogel der Bahamas, der Flamingo, trägt diese Farbe schließlich auch. Als wir uns der Stadt näherten, traten Läden an die Stelle der Wohnhäuser. Die Touristen unter den Markisen suchten Zuflucht vor der heißen Sonne. Ich habe richtig bemerkt, dass die Bahamesen hier sehr glücklich sind, und dieses Gefühl ist ansteckend. Ich hoffe, dass wir bei unserem Geschäftsaufenthalt die Ruhe und Erholung finden. Ich komme mir vor, wie in einem Paradies. Franz übernahm die Rolle des Reiseleiters. „Hier gibt es Banken.“ „Die üblichen Öffnungszeiten der Banken sind Montags bis Donnerstag von neun Uhr dreißig bis fünfzehn Uhr und Freitags von neun Uhr dreißig bis siebzehn Uhr.“ 

Zum Glück, dass wir in Deutschland noch das deutsche Bargeld in US-Dollar gewechselt haben, denn die bahamasischen Banken wechseln kein deutsches Bargeld. Das Taxi kam in dem dichten Verkehr nur langsam voran und der Fahrtwind ebbte ab. Die überfüllte Straße machte eine Biegung und schnitt eine andere. Hinter der Kreuzung erstreckte sich das funkelnde Blau des Karibischen Meers bis zum Horizont. „Paradise Island“, sagte Franz. Paradise Island ist durch eine Mautbrücke, zwei $-Brückenzoll, mit Nassau verbunden und steht mit seinen noblen Hotels, Restaurants und Geschäften für modernen, unbeschwerten Aufenthalt. Ruhe finden wir auch hier in den grasbewachsenen Terrassen des Versailles Gardens mit üppiger Vegetation und den Ruinen eines Kreuzganges aus dem vierzehnten Jahrhundert, der sechshundert Jahre nach seiner Errichtung Stein für Stein von Frankreich hierher transportiert und wieder aufgebaut wurde. Die Gewässer vor Paradies Island erlangten auch auf der Filmwand Ruhm. Hier wurden die James-Bond-Thriller „Feuerball“ und „Sag niemals nie“ gedreht. Ich lächelte, als glaubte ich diese Geschichte. Der Fahrer lächelte in den Rückspiegel. Franz wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Es wird behaftet, dass sich auf Out Islands kaum etwas verändert hat, seitdem sie von Kolumbus entdeckt wurden.“ Inseln und Inselchen von jeder beliebigen Größe mit völlig unterschiedlicher Vegetation: Von dichten Nadelwäldern über Seenlandschaften bis zu Traumstränden á la Robinson Crusoe findet man hier alles. Dieses Meer, das von Aquamarin bis Türkis in allen Blauschattierungen leuchtet. Es sind vor allem Nassaus Architektur, viktorianische Herrenhäuser, Kirchen und Festungen aus dem achtzehnten Jahrhundert, die noch heute die bewegte Geschichte der Stadt widerspiegelt. Von der legendären Piratenrepublik unter Kapitän Blackbeard stieg sie zum pulsierenden Geschäftszentrum auf. Unter vielen anderen spielten die Amerikaner eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Stadt. Zweimal besetzten sie Nassau. Siebzehnhundertsechsundsiebzig feierten hier übermütige amerikanische Revolutionäre drei Tage lang ihren Sieg über die britische Monarchie. Zwei Jahre später kamen Loyalisten mit ihren Sklaven nach Nassau und veränderten die politische, soziale und kulturelle Struktur der Inseln für immer. Heute ist das lebhafte und geschäftige Nassau ein Finanzzentrum mit vierhundert Banken. Dabei gehört die Finanzindustrie zu einem der wichtigsten Industriezweige der Inseln. Auch ausländische Investoren fühlen sich wegen der Steuerfreiheit willkommen. „Ja, Mario, hier werden Ihre Träume war.“ „Wirklich?“ fragte ich ihn. Schließlich wurde auf den Bahamas die Hängematte erfunden. Aber Sie können natürlich auch aktiv werden. „Sie werden kaum vielfältige Möglichkeiten finden.“ „Stimmt, Man“, erwiderte der Fahrer. „Ein Abenteuer ganz anderer Art erwartet sie, Mario, unter den smaragdfarbenen Wogen des Meeres.“ Sie können Fischschwärme und Korallen, Seeanemonen, Schwämme und Conchamuscheln in Ihrer natürlichen Umgebung erleben. „Dabei müssen Sie noch nicht einmal schwimmen können.“ Vor der Küste Nassau werden Unterwasserspaziergänge in flachen Gewässern angeboten. Das in allen Blau- und Türkistönen schimmernde Wasser der Bahamas bietet jedoch auch von oben betörende Ausblicke. Etwa, wenn man in einem Powerboat einen Tag lang dem Rausch der Geschwindigkeit hingibt. Pfeilschnell bringen einen die schmalen, länglichen Boote mit ihren neunhundert PS starken Motoren von Nassau aus zu dem stillen, ursprünglichen Exuma Cay. Vor ihrer Küste können sie unter fachkundiger Anleitung schnorcheln und beim anschließenden Picknick am Strand halbzahme Iguanas aus der Nähe betrachten. Ich lächelte und betrachtete das Hotel, an dem wir vorbeifuhren. Ich erinnerte mich an das Gespräch in der Firma, bei dem Herr Grunewald uns eine Predigt darüber gehalten hatte, wie sehr die Firma Scheidungen und Schürzenjägerei missbilligte. Sowie Alkohol. Vielleicht war Franz diese Predigt entgangen. Aber vielleicht auch nicht. Die Apartments lagen im Zentrum von Nassau. Wie nicht anders zu erwarten, waren die firmeneigenen Apartments geräumig und kostspielig eingerichtet. Franz sagte, jedes von Ihnen würde mindestens eine halbe Million einbringen, aber sie standen nicht zum Verkauf. Sie konnten auch nicht gemietet werden. Sie waren Zufluchtsorte für die abgekämpften Unternehmensberater von Schimko, Grunewald & Friedel. Und für ein paar besonders geschätzte Kaufleute. Vom Balkon des Schlafzimmers aus beobachtete ich die kleinen Boote, die ziellos über die funkelnde See glitten. Die Sonne begann zu sinken und die kleinen Wellen reflektierten ihre Strahlen millionenfach in alle Richtungen. Dutzende Leute wanderten am Strand entlang, kickten Sand auf, plantschten im Wasser, jagten Sandkrabben und tranken das wohlschmeckende Kalik-Bier und eine Bahama Mama, diese Köstlichkeit aus gut einem Drittel Rum, etwas Likör und Fruchtsaft, um die Leichtigkeit des Seins zu spüren. Und doch, der hochprozentige Cocktail gehört auf den Bahamas einfach dazu. Ein Schluck und plötzlich fließt das Blut im Limbo-Rhythmus.  In einer Grashütte in der Nähe mieteten sich die Leute Schnorchelausrüstung, Katamarane und Volleybälle. Franz kam auf den Balkon, angetan von leuchtend orange und gelb geblümten Shorts. „Er sieht aus wie ne‘ Schwuchtel“, habe ich mir so gedacht. Sein Körper war hart und mager, ohne schlaffes Fleisch. Er ging in einen Fitnessclub in Berlin und trainierte jeden Tag. Anscheinend gibt es in diesem Club auch Sonnenbänke. Ich war nicht gerade beeindruckt. Denn ich steh‘ nicht auf Männer. „Wie gefällt Ihnen mein Outfit?“ fragte Franz. „Gut." „Sie sehen aus, als wollen Sie zur Schwulen-Party.“ „Ich kann Ihnen auch Welche geben.“ Ich glaube, er hat es nicht gerafft. „Nein danken. »Ich bleibe bei meiner Jeans.« Franz nippte an einem Drink und nahm die Szenerie in sich auf. „Ich war schon ein Dutzendmal hier und ich finde es immer noch aufregend.“ »Ich habe schon daran gedacht, mich hier zur Ruhe zu setzen.« „Gute Idee!“ „Dann könnten Sie am Strand entlangwandern und Sandkrabben jagen.“ „Und Sandburgen bauen und Bahama Mama trinken.“ „Haben Sie schon einmal Bahama Mama getrunken?“ „Nicht, dass ich wüsste.“ „Dann wollen wir uns eins geben lassen.“ Die Freizeitbar hieß Mama Leone. In ihr drängten sich durstige Touristen und ein paar Einheimische, die an einem Holztisch saßen. Franz bahnte sich einen Weg durch die Menge und kehrte mit zwei Flaschen zurück. Wir fanden Sitzplätze neben zwei Touristen. „Ich glaube, genau das werde ich tun, wenn ich aufhöre zu arbeiten. Ich komme hier herunter und verdiene mir meinen Lebensunterhalt mit einer Bar. „Es ist schön hier.“ „Und wenn ich keine Lust mehr habe, dann lasse ich für mich arbeiten.“ Er deutete auf eine Ecke, wo ein paar betrunkene Engländer sich gegenseitig verfluchten. „Und wenn ich auch zu Nichts mehr eine Meinung habe, wer weiß, was ich dann tue.“ „Entschuldigen Sie mich.“ Franz strebte auf einen Tisch zu, an dem sich gerade zwei bunte String-Bikinis niedergelassen hatten. Er stellte sich vor und sie luden ihn ein, sich zu ihnen zu setzen. Ich holte mir ein weiteres Bahama Mama und ging an den Strand. In der Ferne konnte ich die Palmeninseln sehen und ging auf sie zu. Das Essen war auf Klapptischen rund um den Pool herum angerichtet. Gegrillter Barsch, Makrele, Schrimps, Schildkröte, gebratener Hai, Austern und Hummern. Alles aus dem Meer und alles frisch. Die Gäste umdrängten die Tische und bedienten sich selbst. Ich erinnerte mich, wie es morgens in der S-Bahn, mit einem Gedränge abgeht. Und die vollschlanken Weiber ihren Busen einem mitten ins Gesicht drücken. Sie aßen an kleinen Tischen im Hof mit Blick auf das Meer. Eine Reggae-Band begann zu spielen. Die Sonne verschwand zuerst hinter einer Wolke und dann hinter dem Horizont. Ich folgte Franz durch das Buffet und, wie erwartet, zu einem Tisch, an dem die beiden Frauen saßen. Sie waren zweieiige Zwillinge, beide Ende Zwanzig, beide geschieden, beide halb betrunken. Nah? Und was macht man da? „Nein…“, das habe ich nicht gedacht. Die eine, die Cherley hieß, war scharf auf Franz und die andere, Steffi, begann sofort, mir schöne Augen zu machen. „Ich fragte mich, was Franz Ihnen erzählt hatte.“ „Wie ich sehe, bist du verheiratet“, sagte Steffi, nachdem sie näher an mir herangerückt war. „Ja und zwar glücklich.“ Sie lächelte, als nähme sie die Herausforderung an. Franz und sein Mädchen zwinkerten sich zu. Ich griff mein Schlabberwasser und stürzte ihn hinunter. „Was für ein Zeug diese Bahama-Mama“, habe ich mir so noch denken können. Ich stocherte immer noch in meinem Essen herum und konnte nichts anderes denken als an Carola. Tja, das würde schwer zu erklären sein, falls eine Erklärung erforderlich sein sollte. Essen mit zwei scharfen Frauen, die kaum etwas anhatten. Da gab es nichts zu erklären. Die Unterhaltung am Tisch geriet ins Stocken und ich trug nichts zu ihr bei. Ein Kellner stellte einen großen Krug auf den Tisch und er wurde schnell geleert. Franz wurde widerlich. Er erzählte den Frauen, ich hätte als Stuntman beim Film gearbeitet und zweimal mit Sharon S. gespielt. Hätte eine Million Märkerchen gemacht, bis eine schwere Schädelhirnverletzung ihm die Karriere verdarb. Ich schüttelte den Kopf und trank noch etwas mehr. Steffi himmelte mich an und rückte noch näher heran. Ganz nah heran. Die Reggae-Band erhöhte die Lautstärke und es war Zeit zum Tanzen. Die Hälfte der Gäste begab sich auf eine hölzerne Tanzfläche zwischen dem Pool und dem Strand. „Wir wollen tanzen!“ rief Franz und packte sein Mädchen. Sie eilten zwischen den Tischen hindurch und waren rasch in der Menge der schiebenden und stoßenden Touristen verschwunden. „Ich spürte, wie Steffi noch näher heranrückte, dann lag ihre Hand auf meinem Bein.„ „Möchtest du tanzen?“, fragt sie. „Nein.“ „Gut, ich auch nicht.“ „Was würdest du denn gern tun?“ Sie rieb ihre vollen Brüste an meinem Bizeps und bedachte mich mit ihrem verführerischsten Lächeln, aus aller nächster Nähe. „Ich habe nicht vor, irgendetwas zu tun.“ Ich entfernte natürlich ihre Hand. „Nun komm schon“, bettelte sie. „Lass uns ein bisschen Spaß haben.“ »Deine Frau wird es nie erfahren.« „Du bist ein geiles Mädchen, aber mit mir vergeudest du deine Zeit, dir einen wirklich tollen Hahn zu angeln.“ „Du bist süß.“ Die Hand war wieder da und ich holte tief Luft. Wenn ich das noch könnte. „Warum verschwindest du nicht einfach?“ „Wie bitte?“ Die endliche Hand war fort. „Ich habe gesagt, du sollst verschwinden.“ Sie wich zurück. „Was stimmt nicht mit dir? „Bist du schwul?“ „Nein.“ Ich habe eine Allergie. „Verschwinde.“ „Verschwinde du doch.“ „Das ist eine großartige Idee.“ Ich glaube, ich werde verschwinden. „War ein Vergnügen.“ Ich stand auf und bahnte mir meinen Weg durch die Tänzer zur Bar. Ich ließ mir ein Bahama Mama geben und setzte mich in eine dunkle Ecke der Terrasse. Der Strand lag vor mir und er war menschenleer. Die Lichter von einem Dutzend Booten bewegten sich langsam übers Wasser. Hinter mir die laute Musik und das Gelächter der fröhlichen, angetrunkenen Leute. Schön, dachte ich, aber mit Carola wäre es noch schöner. Vielleicht können wir im nächsten Sommer hier Urlaub machen. „Was beobachten Sie?“ Die leise Stimme schreckte mich auf. Sie kam an den Tisch und setzte sich neben mich. Sie war eine bezaubernde Einheimische, mit dunkler Haut und blauen oder braunen Augen. Unmöglich, das in der Dunkelheit festzustellen. Aber es waren schöne Augen, warm und ohne Hemmungen. Ihr krauses, dunkles Haar war streng nach hinten gekämmt und reichte ihr fast bis zur Taille. Sie war eine exotische Mischung aus Schwarz, Weiß und vermutlich Lateinamerikanisch. Und vermutlich noch weiterem. Sie trug ein schneeweißes Bikinioberteil, das sehr tief ausgeschnitten war und ihre prallen Brüste kaum bedeckte, und einen langen, pastellblauen, bis zur Taille geschlitzten Rock, der, wenn sie saß und die Lagen Beine übereinander geschlagen hatte, alles sehen ließ. Keine Schuhe. „Den Himmel, die Sterne“, sagte ich. Sie war jung, mit einem verzauberten Lächeln, das perfekte Zähne entblößte. „Wo kommen Sie her?“ „Aus Europa.“ Sie lächelte und kicherte. Wie die Mädchen es immer so machen, wenn sie etwas nicht verstehen. „Natürlich. Aber von wo? Sie sprach mit einer weichen Stimme ein verständliches Englisch, für mich. „Berlin.“ „Du bist hier Zuhause?“ „Ja. Solange ich labe. Meine Mutter ist eine Einheimische. Mein Vater stammt aus Amerika. „Er ist wieder fort, dorthin, von wo er gekommen war.“ „Möchtest du einen Drink?“ fragte ich. Inzwischen bat ich ihr das Du an. Ja. „Rum und Soda.“ Ich stand an der Bar und wartete auf die Drinks. Ein dumpfes, nervöses Etwas pochte in meinem Magen. Ich konnte in die Dunkelheit gleiten, in der Menge verschwinden in mich in die Sicherheit des Apartments zurückziehen. Ich konnte die Tür abschließen. Der Verstand und mein Magen sagten mir, dass das Mädchen harmlos war. Wir würden ein paar Gläser zusammen trinken und uns dann gute Nacht sagen. Ich kehrte mit den Drinks zurück und setzte mich ihr gegenüber an den Tisch, so weit fort wie möglich. Wir waren auf der Terrasse allein. „Bist du Taucher?“ „Nein.“ Ob Du es glaubst oder nicht, ich bin geschäftlich hier. Ich bin Unternehmensberater und Morgen früh mit ein paar Bankern und Unternehmern verabredet.“ „Wie lange wirst Du hier bleiben?“ Ein paar Tage. Ich hielt mich zurück. Je weniger ich sagte, desto sicherer war ich. Sie schlug die Beine wieder übereinander und lächelte unschuldig. Ich fühlte mich sehr schwach. „Wie alt bist Du?“ fragte ich. „Ich bin zwanzig und heiße Marie. »Ich bin alt genug.« „Ich bin Mario.“ Mein Magen zuckte und ich war ein wenig benommen. Ich trinke rasch noch einen Schluck Bier. Dann sah ich auf die Uhr. Marie beobachtete mich mit ihrem verführerischen Lächeln. „Du siehst sehr gut aus.“ „Danke.“ „Du bist sehr muskulös und stramm.“ Ich bewunderte Ihren Körper und versuchte, mir ein Kompliment einfallen zu lassen, das nicht anzüglich war. Es gelang mir nicht. Sie nippte an ihrem Drink. „Magst Du Den Strand?“ fragte sie. „Er ist herrlich:“ „im Mondlicht ist er noch schöner.“ Wieder dieses Lächeln. Darauf wusste ich nichts zu erwidern. „Ungefähr eine Meile den Strand hinunter gibt es eine bessere Bar“, sagte sie. „Lass uns einen Spaziergang machen.“ Ich weiß nicht. Eigentlich sollte ich mich zurückziehen. „Ich muss morgen früh noch etwas arbeiten.“ Sie lachte und stand auf. „Auf den Bahamas geht niemand so früh schlafen.“ Komm Mario. „Ich schulde Dir einen Drink.“ „Oh, nein, lieber nicht.“ Marie ergriff meine Hand und ich folgte ihr von der Terrasse herunter an den Strand. Wir gingen wortlos nebeneinander her. Der Mond war jetzt heller und stand genau über uns und der Strand war menschenleer. Marie ließ etwas aufschnappen und nahm ihren Rock ab. Darunter war nichts als eine Schnur um ihre Taille und eine Schnur, die zwischen ihren Beinen hindurchführte. Sie rollte den Rock zusammen und legte ihn um den Hals. Marie nahm meine Hand. Irgendetwas sagte mir: Lauf weg. Lauf, als wäre deine Schwiegermutter hinter dir her. Lauf, lauf. Dennoch sagte mir etwas: Beruhige dich. Keine Panik. Wir gingen eine Meile und es war keine Bar in Sicht. Der Strand war dunkler. Der Mond hatte sich passenderweise hinter den Wolken versteckt. Marie zog mich zu zwei Plastikliegestühlen, die dicht am Wasser standen. „Machen wir eine Pause“, sagte sie. Ich trank mein Bier aus. „Du sagst nicht viel“, sagte sie. „Was möchtest Du denn hören?“ „Findest Du mich schön?“ Du bist sehr schön. „Du hast einen wunderbaren Körper.“ Marie saß auf der Stuhlkante und plätscherte mit den Füßen im Wasser. „Gehen wir schwimmen.“ „Dazu habe ich überhaupt keine Lust.“ Und mir war so schlecht. „Komm schon, Mario.“ »Ich liebe das Wasser.« Ich dachte nur: Was ich so alles liebe, danach fragt mich keiner. „Geh nur, Marie.“ Ich sehe zu. „Aber versuche nicht zu ertrinken!“ Marie kniete sich neben mir in den Sand und sah mir ganz tief ins Gesicht. In Zeitlupe griff sie in ihr Genick. Sie hakte das Bikinioberteil auf und es viel herunter, ganz langsam. Aber wirklich ganz langsam. Ihre prallen Brüste, jetzt viel größer, lagen auf meinem linken Unterarm. Sie reichte mir das Bikinioberteil. „Hebe das für mich auf.“ Es war weich und weiß und federleicht. Ja, und es roch auch sehr gut. Ich war wie gelähmt, und das Atmen, nur Sekunden zuvor noch schwer und mühsam, war nun völlig zum Stillstand gekommen. Marie ging langsam ins Wasser. Von hinten gesehen verdeckte die weiße Schnur überhaupt nichts. Das lange, dunkle, schöne Haar hing bis zur Taille herab. Sie watete knietief hinein, dann drehte sie sich zum Strand um. „Komm, Mario.“ »Das Wasser ist herrlich.« Sie lächelte strahlend und ich konnte es sehen. Ich war noch benommen und schwach. Ich wollte einfach sitzen bleiben und vielleicht würde sie verschwinden. „Komm, Mario.“ Ich zog mein Hemd aus und WATETE ins Wasser. Sie beobachtete mich mit einem Lächeln, und als ich sie erreicht hatte, ergriff sie meine Hand und führte mich in tieferes Wasser. Sie legte mir die Arme um den Hals und sie küsste mich. Ich fand die sich trübe. Wir küssten uns abermals. Marie hörte abrupt auf und machte sich wortlos auf den Rückweg zum Strand. Ich beobachtete Sie. Marie setzte sich zwischen den beiden Stühlen in den Sand und legte den Rest ihres Bikinis ab. Ich tauchte ins Wasser und hielt eine Ewigkeit lang den Atem an. Als ich wieder hochkam, hatte sie sich zurückgelegt und lag auf die Ellenbogen gestützt im Sand. Ich ließ den Blick über den Strand wandern und sah natürlich niemanden. Genau in diesem Augenblick verschwand der Mond wieder hinter einer Wolke. Auf dem Wasser bewegte sich nichts und niemand, kein Boot, kein Katamaran oder Dingi, kein Schwimmer oder Schnorchler. „Komm schon, Mario. »Niemand wird es erfahren.« Niemand wird es je erfahren. Niemand. Ich ging langsam auf Sie zu. Franz und ich hatten sich verspätet. Wir hatten verschlafen und nicht gefrühstückt. Wir beide fühlten uns nicht sonderlich wohl. Franz machte einen besonders mitgenommenen Eindruck. Franz, seine Augen waren blutunterlaufen und sein Gesicht war blass. Er hatte sich nicht rasiert. Die Hitze und die Luftfeuchtigkeit waren schon jetzt erstickend. Der Kaufmann war Ralf Schulz, in einem weißen Zweireiher mit Hornbrille, einer hohen, glänzenden Stirn und einer dicken Nase. Er begrüße Franz wie einen alten Freund und stellte sich mir vor. „Was genau brauchen Sie, Franz?“ fragte Schulz mit einer rauchigen Stimme. „Fangen wir mit einem guten Cognac an.“ „Ich brauche Zusammenfassungen sämtlicher Tochtergesellschaften.“ „Ja, und wie weit möchten Sie zurückgehen?“ Sechs Monate. „Sämtlichen Wirtschaftsanalysen.“ Schulz schnippte mit den Fingern nach seiner Sekretärin. Sie ging und kehrte mit einem Notizblock zurück. Die Sekretärin machte Notizen von unserem Gespräch. „Natürlich brauchen wir sehr gute, kompetente Manager für unsere Unternehmen“, sagte Schulz. „Welche Referenzen sollen sie dann haben?“, fragte Franz, während er seinen Aktenkoffer auspackte. „Ja, wir brauchen frischen Wind. Wir brauchen Neues. »Für jedes Unternehmen.« „Nah und?“ Franz schob einige Personalakten über den Tisch. „Hier sind sie.“ „Alles auf dem neuesten Stand.“ Er zwinkerte mir zu. Die Sekretärin nahm die Personalakten und breitete die ersten drei auf dem Tisch aus. Jede Personalakte wurde von der Sekretärin und anschließend von Schulz selbst begutachtet. Schulz nahm einen Schluck aus seinem Schwenker. Schulz lächelte und sagte: „Scheine ja Top-Leute zu sein.“ „Ich muss drei neue Firmen gründen. Zwei für die Produktion und eine für den Verkauf. Wir halten uns an das übliche Verfahren. „Die Bank fungiert als lizenzierte Agent und so weiter.“ „Ich kümmere mich um die erforderlichen Firmenanalysen“, sagte Schulz und sah seine Sekretärin an. „Sonst noch etwas?“ „Das ist im Augenblick alles.“ „Schön.“ „Wollen Sie mit mir essen?“ „Tut mit Leid, Schulz.“ Ich muss leider ablehnen. Mario und ich sind schon verabredet. »Vielleicht Morgen.« Ich wusste nichts von einer Verabredung, zumindest keiner, die auch ihn betraf. „Vielleicht“, erwiderte Schulz. Er verließ mit einem Lächeln das Zimmer mit der Sekretärin. Franz machte die Tür zu und zog sein Jackett aus. Er trat ans Fenster und trank seinen Cognac. „Hören Sie, Mario, es tut mir leid wegen Gestern.“ Ja, es tut mir sehr leid. Ich hatte zu viel getrunken und dabei aufgehört zu denken. „Es war falsch, Ihnen diese hübsche Frau aufzudrängen.“ „Ach, Entschuldigung angenommen. „Aber es sollte nicht wieder passieren.“ „Das wird es nicht.“ »Ich verspreche es.« „War sie besser?“ Ich glaube schon. Ich kann mich kaum erinnern. „Was haben Sie mit ihrer Zwillingsschwester gemacht?“ „Sie sagte mir, ich sollte Land gewinnen.“ „Ich bin am Strand spazieren gegangen und habe mit den Sandhügeln gekämpft.“ „Sie wissen, dass ich mich von meiner geldgierigen Frau getrennt habe.“ Wahrscheinlich werden wir uns in einem Jahr scheiden lassen. Ich bin sehr diskret, weil die Scheidung unerfreulich und eine Menge Geld kosten wird. In der Unternehmensfirma gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, wie Sie wissen. Was wir hier tun, bleibt in Berlin unbekannt. Verstanden? „Sie wissen, dass ich nichts sagen werde.“ „Mario.“ »Ich weiß es.« Ich war froh, von dem ungeschriebenen Gesetz zu hören, obwohl ich mit der Gewissheit aufgewacht war, das vollkommene Verbrechen begangen zu haben. Ich hatte im Bett an Carola gedacht, unter der Dusche, im Taxi, und nun hatte ich Mühe, mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Meine Gefühle sind richtig durcheinander. Ich habe etwas falsch gemacht. „Ich habe eine Frage“, sagte ich. Franz nickte. „Bei dem Einstellungsgespräch, das ich vor ein paar Monaten mit Grunewald und Bruno hatte, wurde ich wiederholt darauf hingewiesen, dass die Unternehmensberatungsfirma Schimko, Frauengeschichten, Alkohol und Drogen missbilligt – alles außer Arbeit und Geld.“ Deshalb habe ich den Job angenommen. Ich habe die harte Arbeit und das Geld gesehen, aber jetzt sehe ich auch andere Dinge. Das, was hinter dem Vorhang geschieht. „Machen das alle vom Schimko-Clan?“ „Ihre Frage gefällt mir nicht.“ „Ich weiß, dass Sie Ihnen nicht gefällt.“ „Welche konsequenten, direkten Fragen gefallen einem schon?“ „Aber Sie können mir eine Antwort geben.“ „Okay.“ Ich bin der größte Hauptgewinn in der Firma und ich habe einiges auszustehen, wenn ich die Scheidung erwähne. Ich nehme mir hin und wieder eine Superfrau, aber niemand weiß davon. Zumindest können Sie mir nichts nachweisen. Ich bin sicher, dass auch andere Businessangels das tun, aber auch Ihnen kann man nichts nachweisen. Nicht alle, aber einige. Ein so schlechter und übler Kerl bin ich nicht, Mario. „Das habe ich ja auch nicht zu Ihnen gesagt.“ „Ich bin nicht vollkommen.“ Wer ist das schon? Doch einige sind es. Das können Sie mir echt glauben. Sie sind Maschinen, Roboter. „Ich habe nur ein Leben und möchte gern ein bisschen Spaß.“ „Man muss schon ein starker und kalter Mann sein oder schwul, um seiner Frau treu zu bleiben und den Versuchungen zu widerstehen, denen wir gestern Abend ausgesetzt waren.“ Ich bin nicht so stark. „Und ich will es auch nicht sein.“ Versuchungen. Ich hatte daran gedacht, in der Mittagspause die Schmuckgeschäfte in der Innenstadt zu inspizieren. „Hören Sie, Franz, ich bin kein Moralapostel oder ein Mensch mit großem Gewissen. Ich bin auch nicht schockiert. Ich urteile über niemanden. „Ich bin mein ganzes Leben lang von irgendwelchen Klugrednern beurteilt worden.“ „Die Gesetze sind unveränderlich.“ Sie sind auf einem Grabstein aus Granit gemeißelt worden. „Verstoßen Sie gegen viele und Sie sind draußen oder lassen Sie sich nicht erwischen.“ „Klingt erleuchtend.“ Schulz und seine Sekretärin kehren mit Computerausdrücken und Stapeln von Ordnern zurück. Sie machen ordentliche Haufen auf dem Tisch und sortieren sie alphabetisch. „Damit sollten Sie ein bis zwei Tage beschäftigt sein“, sagte Schulz mit einem gezwungenen Lächeln. Er schnippte, ganz cool, mit den Fingern und die Sekretärin verschwand. „Ich bin im Büro, wenn Sie, meine Herren, mich brauchen. „Ja danke“, sagte Franz mit schwerer Stimme und nahm sich den ersten Stapel Ordner vor. Ich zog mein Jackett aus und lockerte endlich meine eng sitzende Krawatte. „Was genau tun wir hier?“ fragte ich. „Zweierlei.“ Zuerst überprüfen wir die Eintragungen in jeder Unternehmensanalyse. Wir achten vor allem auf die Personalkosten, wie viel und so weiter. Ein Mandant, zum Beispiel, deponiert seine Zinsen zurzeit auf fünf verschiedenen Banken auf den Bahamas. Es macht ihn glücklich. „Denken Sie daran: Wir arbeiten für Leute, die Millionen investieren und Millionen verdienen.“ „Ein paar Tausender an Wirtschaftsberatung spielen keine Rolle.“ Franz bereitete die Unternehmensanalysen an einem Ende des Tisches aus und machte sich daran, die Eintragungen zu überprüfen. Ich beobachtete ihn. Das Schweigen wurde schwerer. Ich krempelte die Ärmel auf und die Hitze machte mir zu schaffen.

Am Mittag erfuhr ich, mit wem Franz verabredet war. Seine flotte Biene wartete im Apartment auf ihn. Daher schlug Franz ein paar Stunden Pause vor und empfahl mir eine Erfrischung in der Innenstadt. Ich sah aus dem Fenster. Ich schaute genauer, denn da war ein älterer Mann, den ich zuvor auf der Straße in der Nähe des Hotels gesehen hatte. Er saß am Steuer einer verbeulten roten Oldtimer, die in einer schmalen Gasse parkte. Ein untersetzter, dunkelhaariger, kräftiger Typ mit einem gelben Unterhemd und einer billigen, dreckigen, grauen Hose und einer schwarzen, dunklen Sonnenbrille. Der gleiche Oldtimer fährt hier des Öfteren durch die Innenstadt. Doch dann faltete ich eine alte Zeitung zusammen und steckte sie in mein Jackett. Ich ging über den Flur und ließ mich an einem Tisch nieder. Ich las in der Zeitung und hörte genau, wie eine einheimische Frau die Treppe heraufkam, mich ausmachte, hinter mir vorbeiging, kurz innezuhalten schien, als ob sie feststellen wollte, was ich las, und dann wieder die Treppe hinunterstieg. Ich blätterte die Zeitung auf dem Tisch und überflog die Anzeigen. Berlin. Ich fuhr mit meinem Luxuswagen auf den Parkplatz zwischen dem neuen Wagen und einem alten Oldtimer. Carolas weißer Sportwagen parkte fünf Plätze weiter. Ich kam unerwartet. Das Flugzeug war eine halbe Stunde früher als vorgesehen gelandet und ich war zuhause vorbeigefahren, um mich umzuziehen. Ich wollte sie hier sehen, in der Schule, ungemeldet. Ein Überraschungsangriff. Ein Gegenzug. Ich würde Hallo sagen. Sie hatte mir gefehlt. Ich konnte es nicht erwarten, sie wiederzusehen, also war ich zur Schule gekommen. Ich würde mich kurz fassen, die erste Berührung und die ersten Worte nach diesem Vorfall am Strand. Vielleicht könnte sie es in meinen Augen lesen. Nein, nicht, wenn mein Besuch ihr schmeichelte. Ich umklammerte das Lenkrad und starrte auf Ihren Wagen. Plötzlich öffnete ich die Wagentür, dachte an Carolas schöne Lächeln, ihr vertrauensvolles Gesicht, und mir wurde nicht übel. Ich musste nicht kotzen. Nur ein leichtes Drehen tief in meinem Magen. Ich ging ganz langsam durch den leichten Wind zur Vordertür. Der Flur war sehr leer und totenstill. Zu meiner Rechten lag das Büro des Rektors. Ich wartete einen Moment, wartete darauf, endlich gesehen zu werden, aber es war ja auch niemand da. Ich ging langsam weiter. Ich hörte die Stimme meiner Frau und ging ins dritte Klassenzimmer. Sie erstarrte, dann kicherte sie. Sie entschuldigte sich bei den Schülern und sollen der Tafel die Lexion zu Ende schreiben. Was machst du denn hier? „Frage sie, als ich sie ergriff und sie ganz fest in die Arme nehme.“ Sie sah sich nervös auf dem leeren Flur um. „Du hast mir gefehlt“, sagte ich wahrheitsgemäß. Ich hielt sie eine gute Minute eng umschlungen. Ich küsste sie auf den Hals und schmeckte die Süße ihres Parfüms. Wann bist du angekommen? „Fragte sie, strich das Haar aus dem Gesicht und ließ den Blick wieder über den leeren Flur schweifen." „Vor ungefähr einer Stunde.“ Du siehst erholt aus. Ihre Augen waren feucht. Diese wundervoll strahlenden Augen. „Wie war die Reise?“ „Du hast mir sehr gefehlt.“ Ihr Lächeln wurde breiter und sie schaute beiseite. „Du Mario, hast mir auch gefällt.“  Sie hielten sich fest bei den Händen und gingen auf die Vordertür zu. „Ich möchte mich für heute Abend mit dir zu einem Roundeveu verabreden“, sagte ich, mit verliebter Stimme. „Du musst nicht arbeiten?“ „Nein.“ Ich arbeite nicht. Ich gehe mit meiner bezaubernden Frau in ihr Lieblingsrestaurant. „Wir werden Essen und guten Wein trinken und lange ausbleiben und uns nackt ausziehen, wenn wir noch nach Hause kommen.“ „Ich habe dir wirklich gefehlt.“ Carola küsste mich mehrmals, auf den Mund, dann suchte sie wieder den Flur ab. „Du solltest lieber verschwinden, bevor dich jemand sieht.“ Sie ging schnell zur Tür, ohne gesehen zu werden. Ich atmete tief die frische Luft ein und kehrte zu meinem Wagen zurück. Sie war gerührt und sogar ergriffen. Robert Niels wanderte hinter seinem Schreibtisch herum und sog nervös an einer Havanna. Dann setzte er sich auf seinen lederbezogenen Drehstuhl und versuchte, sich auf eine Aktennotiz zu konzentrieren, sprang nervös auf und wanderte besessen herum. Er starrte auf seine Armbanduhr. Er rief seine Sekretärin an. Er rief Grunewalds Sekretärin an. Dann wanderte er weiter herum. Auf Niels' Gesicht erschien ein verschlagenes, bösartiges Grinsen. Grunewald kam ins Niels Büro und gab ihm einen Aktenordner. Dabei starrte er auf das große Gemälde von Dali. Grunewald lächelte nur und verließ das Büro wieder. Niels lief vor Lachen rot an, dann schloss er einen Aktenschrank.

 

 

Kapitel 8

Es war ein sonniger Tag.

„Warum machen wir denn nicht mal einen Spaziergang durch den Wald und sehen uns die Narzissen an?" Sie sind der hübscheste Anblick weit und breit. Und wir können ein paar ins Zimmer stellen. Wilde Narzissen sehen immer so freundlich aus, findest du nicht? " Ich nahm es wohlmeinend hin. Und dachte: „Wilde Narzissen!“ Im Wind glitten negative Phrasen endlos durch ihr Bewusstsein. Kleine Fahnen aus Sonnenlicht wehten seltsam hell und entzündeten das Schleierkraut am Waldrand unter den Haselruten. Gelb und leuchtend flimmerte es dort. Und der Wald war still, ganz still, durchweht nur von der einfallenden Sonne. Carola war im Wald seltsam erregt. Farbe stieg in ihre Wangen und brannte blau in ihren Augen. Langsam und schwer ging sie weiter, pflückte ein paar Wiesenblumen. Süß und frisch rochen sie, süß und frisch. Und sie trieb weiter, ohne zu wissen, wo sie war. Bis sie zu der Lichtung am andern Ende des Waldes kam. Und sie waren da, die kurzstieligen Blumen, raschelten und flatterten und erschauerten, leuchtend und lebendig. Carola fing sogar den leisen, honigen Duft der Blüten auf. Sie stand auf, ein wenig steif, brach ein paar bunte Blumen und ging hinab. Es widerstrebte ihr, die Blumen abzupflücken, aber sie wollte nur ein Paar mit sich nehmen. Als Carola heimkam, fragte ich sie: „Wo warst du?" „Im Park und dann im Wald!“ Schau, sind die kleinen Wiesenblumen nicht schön? „Wenn man denkt, dass Sie aus der Erde kommen!“ „Ebenso sehr aus der Luft und dem Sonnenschein“, erwiderte ich. „Aber geformt werden Sie in der Erde“, gab sie mit promptem Widerspruch zurück, der sie selber ein wenig überraschte.

Am nächsten Nachmittag ging sie wieder in den Wald. Sie folgte dem breiten Pfad, der im Bogen zwischen den Lärchen hin anstieg zu einer Quelle. Die kleine Quelle sprang sanft aus ihrem winzigen Bett reiner, rötlicher Kiesel. Wie kalt und klar sie war, wie glitzernd! Carola hörte das leise Plätschern des Wassers, wenn die winzige Flut überquillt und hügelabwärts rieselte. Die Quelle musste eine Trinkstätte gewesen sein. Sie erhob sich und ging langsam heimwärts. Sie ist traumbefangen, ohne Gefühl für Zeit und Umgebung. Sie war so versunken, dass man diesen Ausdruck in ihrem Gesicht sehen konnte. Plötzlich erschrocken, fand Carola wieder zu sich zurück. Sie ging weiter. Der Nachmittag glitt in den Abend hinüber. „Habe ich mich verspätet?“, fragte Carola. Es kam keine Antwort. Sie ging ins Arbeitszimmer, wo ich noch ein wenig den Aktenordner durchschaute. „Habe ich mich verspätet, Mario?" „Fragte sie und legte die wenigen frischen Blumen hin.“ „Es tut mir leid“, sagte sie. Ich sah zu ihr auf. „Was hast du den ganzen Nachmittag getrieben?“, fragte ich. „Spazieren gegangen und Rast gemacht an einer sonnigen Stelle.“ Weißt du, dass an den meisten Stellen noch Beeren sind? Carola stellte den Wiesenstrauch in einer Vase vor meine Nase, damit ich an ihnen riechen könnte. „Es ist erstaunlich“, sagte Carola, „wie anders man sich an einem wirklich frischen, schönen Tag fühlt.“ Meist hat man das Gefühl, dass sogar die Luft halb tot ist. Die Menschen vernichten die Luft. „Glaubst du, dass die Menschen das tun?“, fragte ich. „Ja, die Ausdünstung von so viel Langeweile und Unzufriedenheit und Ärger, die von den Menschen aufsteigt, tötet einfach die Lebenskraft der Luft.“ Ich bin ganz fest davon überzeugt. „Vielleicht drückt irgendeine Beschaffenheit der Atmosphäre auf die Lebenskraft der Menschen?“, meinte ich. „Nein, der Mensch vergiftet das Universum“, Carola bestand darauf. „Beschmutzt sein eigenes Nest“, bemerkte ich. Sie ärgerte sich über mich, ich machte alles zu Worten. Flieder war die Hoffnung und weiße Rosen waren die Unschuld. Wie sie es hasste, die Worte, die sich immer zwischen sie und das Leben stellten. Geschändet! Wie geschändet konnte man sein, ohne dass man je berührt worden war. Geschändet von passiven Worten, die geil und toten Gedanken, die zur Besessenheit geworden waren. „Warum redest du so mit mir?“, fragte sie ängstlich. Ich? „Ich dachte, ich rede so, wie ich denke.“ Ein paar Augenblicke schwieg sie wütend. Sie wurde noch ärgerlicher. Wieder sah ich sie mit meinen begehrenden Blicken an. Mit unerklärlicher Verwunderung hörte sie mir zu.  „Warum sollte ich etwas dagegen haben, dass du redest, was du denkst?“ „Fragte sie.“ Ich sah Sie merkwürdig an. „Mir ist es auch lästig“, sagte ich kurz, aber nachdrücklich. Carola wurde rot. „Na schön“, sagte sie abschließend. „Ich will dich nicht stören.“ Der Satz klang sonderbar, sie wusste nicht, warum. Aber Sie dachte nicht darüber nach. Ich sah sie an, mein ganzes Gesicht flimmerte vor stolzes Grinsen. „Und ich finde, du bist unverschämt“, sagte Carola. Das Blut schoss ihr ins Gesicht und sie war ein bisschen atemlos. „Nein, nein!“, sagte ich schnell. Das darfst du nicht sagen. Nein, nein, so hab ich’s nicht gemeint. „Ich habe nur gedacht, wenn du so verrückte Dinge machst.“ Fassungslos machte Carola sich aus dem Arbeitszimmer. Sie war nicht ganz sicher, ob sie beleidigt sein und herumzicken sollte. Carola ging verwirrt, ohne zu wissen, was sie dachte oder fühlte.

An einem Freitag verabschiedete sich Carola am Mittag von ihren Schülern und ging in die Schulferien. Um eins fuhr sie auf einem mit roten Sportwagen, schwarzen Luxuswagen, weißen Cabrio Sportwagen und weiteren Nobelkarossen vollgestellten Parkplatz und eilte durch den kalten Regen in das überfüllte Terrarium, in dem sich die wohlhabenden jungen Leute versammelten, um zwischen den Pflanzen Bohnensuppe und Brennsesselsalat zu essen. Dies war Hubert K. augenblickliches Lieblingslokal, auf Vegetarisch. Hubert kam verspätet, wie üblich. Es war eine Freundschaft, die sich noch im Anfangsstadium unserer Entwicklung befand. Carola, von Natur aus zurückhaltend, war nie jemand gewesen, der sich sofort mit Fremden anfreundete. Sie hatten mehrmals im Haus von Hubert gegessen. Sie waren sich bei Firmenessen und anderen Anlässen begegnet. Carola hielt Abstand und ließ nur langsam an sich herankommen. Unterhalb von Carolas Tisch stand auf der ersten Ebene die Nachbildung einer Jukebox aus den fünfziger Jahren neben der Bar, an der zahlreiche Leute trinkend darauf warteten, dass Tische frei wurden. Nach zehn Minuten tauchte Hubert in dem Gewühl an der Eingangstür auf und schaute zur dritten Ebene empor. Carola lächelte und winkte. Sie umarmten sich und hauchten sich Küsse auf die Wangen, ohne ihren Lippenstift zu übertragen. „Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe“, sagte Hubert. „Macht nichts.“ „Daran bin ich gewöhnt.“ „Der Schuppen ist ja knallig voll“, sagte Hubert, während er sich erstaunt umschaute. „Die Schule ist also aus.“ Ja. Seit einer Stunde. „Ich habe Ferien.“ Carola bestellte einen gemischten Salat mit American Dressing, aber Hubert blieb bei dem, was er immer zu essen pflegte: Brokkoliauflauf. Welche Pläne haben Sie in den Ferien? „Fragte Hubert.“ „Bisher noch keine.“ Ich würde gern nach Hause fahren und meine Eltern besuchen, aber ich fürchte, Mario würde nicht mitkommen. „Ich habe zweimal Andeutungen fallen lassen und er hat sie beide ignoriert.“ „Er hat immer noch nichts für Ihre Eltern übrig?" „Es hat sich nichts geändert.“ „Wir reden nicht einmal über Sie." „Die Schuld lag bei meinen Eltern, aber ich brauche sie immer noch.“ „Es schmerzt, wenn der einzige Mann, den ich je geliebt habe, meine Eltern nicht ausstehen kann.“ Carola trank einen Schluck Wein und schaute über das Geländer hinunter zur Bar. „Wie schön.“ „Ich bin mit einer Legende verheiratet.“ „So schlimm kann es doch nun wirklich nicht sein, Carola.“ „Ich liebe meinen Mann, aber er denkt an nichts anderes als an diese Firma.“ Hubert langte über den Tisch und ergriff sanft Carolas Hand. „Das kommt alles wieder in Ordnung“, sagte er mit entschlossenem Lächeln und wissendem Blick. „Das erste Jahr ist das Schlimmste." »Es wird besser, das verspreche ich.« Carola lächelte. „Tut mir leid.“ Der Kellner kam mit unserem Essen und wir bestellten noch einen Schoppen Wein. Hubert zog ein Stück Brokkoli heraus und kaute darauf herum. Ich will meinen Mann wiederhaben. Die Unternehmensberatungsfirma ist dabei, ihn mir wegzunehmen. Wenn sie ihm nicht ständig im Genick sitzen würde, könnten wir vielleicht ein normales Leben führen. Der Schoppenwein kam und das Essen kühlte ab. Carola aß sehr langsam und trank ihren Wein. Hubert suchte nach einem weniger verfänglichen Thema. „Es wird besser werden, Carola, das verspreche ich.“ Sie müssen begreifen, dass Ihr Mann ein sehr guter Unternehmensberater ist, aber einen solchen Haufen Geld würde er woanders nicht verdienen. „Und Sie und ich würden einen gebrauchten Japaner fahren, anstatt einen neuen deutschen Sportwagen und einen neuen teuren Luxuswagen.“ Das Weinglas war leer. „Ich weiß, Hubert, ich weiß.“ „Aber zum Leben gehört wesentlich mehr als ein Haus und ein Sportwagen.“ „Sie sind erst ein paar Monate hier.“ Im Laufe der Zeit wird Mario es langsamer gehen lassen und sie werden wieder ein normales Leben führen. Glauben Sie mir, Carola, es wird alles viel besser werden. „Sie machen eine Zeit durch, die alle von der Firma durchgemacht haben, und wir alle haben sie überstanden." „Danke, Hubert. „Ich kann hoffen, dass Sie Recht haben.“ Ein Stadtstreicher rollte unter dem Denkmal heraus und fiel auf den Weg. Er grunzte, kam mühsam auf die Beine, ergriff seinen Pappkarton und seine Decke und verschwand in Richtung Bahnhof. Ein Polizist fuhr herum und beobachtete ihn. Carola nickte, sagte aber nichts. Hubert zündete sich eine Zigarette an. „Sie können mich jederzeit anrufen. Und passen Sie auf sich auf. An der Kreuzung vom Kuhfürstendamm hatte man die alten Gebäude renoviert und in Bars, Nachtlokale, Fashion-Läden und ein paar gute Restaurants umgewandelt. Hier spielte sich der beste Teil des Nachtlebens von Berlin ab. Am Wochenende wimmelte es hier von Touristen und Geschäftsleuten. In der Woche waren die Restaurants zwar gleichfalls gut besucht, aber ruhig und nicht überfüllt. Mit dem plötzlichen Wohlstand war auch eine Kollektion von Kreditkarten gekommen. Ich saß an einer Ecke der Bar, trank Kaffee und beobachtete die Eingangstür. Carola eilte herein und sah sich nach mir um. Ich ging ihr entgegen und küsste sie auf dem Mund. Sie zog ihren Mantel aus und wir folgten dem Kellner zu einem kleinen Tisch in einer Reihe von kleinen Tischen, die alle mit Leuten in Hörweite besetzt waren. Ich hielt nach einem anderen Tisch Ausschau, fand aber keinen. Ich dankte dem Kellner und ließ mich Carola gegenüber nieder. „Was ist der Anlass? „Fragte sie argwöhnisch.“ „Brauche ich einen Anlass, um mit meiner bezaubernden Frau essen zu gehen?" Ja. Es ist acht Uhr an einem Montagabend und du bist nicht im Büro. Das ist überaus ungewöhnlich. Ein dicker Kellner zwängte sich zwischen unseren Tisch und den nächsten und fragte, ob wir etwas zu trinken haben wollten. Zwei Glas Sekt, bitte. Was ist los, Mario? Ich legte meine Hand auf die ihre und hatte einen offenen Blick. „Carola, wir müssen miteinander reden.“ Ihre Hand zuckte und sie lächelte. Worüber? Ich senkte die Stimme. „Über etwas Sehr Erfreuliches.“ Sie atmete tief Luft ein und wieder aus und sagte: „Hat das Zeit, bis der Sekt da ist?"  „Vielleicht brauche ich ihn.« „Du machst mir Angst“, sagte sie. Ich drückte ihre Hand. „Es ist alles in bester Ordnung.“ Carola saß regungslos da, starrte mich an. Wir werden in Zukunft für uns mehr Zeit haben. Und ich denke, dass wir am Wochenende irgendwo hin fahren können, wo uns keiner beim Sex stören kann. Die Bar war dicht besetzt mit gutgekleideten Leuten, die sich angeregt unterhielten. Carola hing mir an den Lippen, stellte aber noch keine Fragen. Aber wo wollen wir am Wochenende hin? „Das verrate ich nicht, vertraue mir.“ Ich lächelte Sie an. Der Sekt tat seine Wirkung. Der dicke Kellner wartete in der Nähe mit der Speisekarte. „Mehr Sekt“, sagte ich und deutete auf die Gläser. Carola beugte sich neugierig bis in die Nähe der Kerzen vor und sah mich zufrieden an. „Mario, das ist einfach unglaublich. Wie bist du auf diese Idee gekommen? " Ich lächelte und schaute in das leere Sektglas. „Ich habe keine Ahnung, mein Baby.“ Nicht die geringste Ahnung. Der Kellner stellte die beiden vollen Sektschalen auf den Tisch. Carola faltete langsam die Hände auf dem Tisch und sah mich mit einem verführerischen Lächeln an. „Ich kann das einfach nicht glauben. Ich sitze hier und höre dir zu, was du mir erzählst. Hast Du eine bessere Idee? „Daran habe ich auch schon gedacht.“ „Im Augenblick weiß ich deinen Sinn für Humor zu würdigen.“ „Lass uns so leben, als ist alles in Ordnung, Carola.“ Wir müssen Geduld haben. Wie üblich? „Wenn ichs recht bedenke, hat es in letzter Zeit in unserem Schlafzimmer kaum irgendwelche Gespräche gegeben.“

 

 

Kapitel 9

Carola war erstaunt über ihre Zuneigung für mich. Mehr noch: Sie fühlte, dass sie mich wirklich brauchte. Sie liebte mich, es war Leidenschaft in diesem Gefühl. Sie hegte eine tiefe, physische Zuneigung für mich. Fast schien es ihr, als hätte sie geheiratet, weil sie mich auf eine geheime Weise besitzt. Aber in Wahrheit hatte sie sich mit mir verbunden, weil ich sie geistig anzog und erregte. Ich war in ihren Augen gleichsam ihr Meister gewesen, ihr überlegen. Nun hatte sich die geistige Erregung gesteigert und war eingebrannt und Carola empfand viel mehr in ihrem Innern. Sie entsprang tief in ihrem Innern und sie erkannte, wie viel dieses Gefühl von ihrem Leben verzehrt hatte. Sie fühlte sich stark und doch so schrecklich allein. Das Geld und die so genannte Liebe sind ihre beiden Manien. Das Geld in erster Linie. Geld und Liebe. Dennoch: Ich faszinierte sie, weil ich immer ihren Willen außer Kraft setzte, als besitze ich einen feinen Instinkt dafür. Ich hatte einen feinen, geschliffenen Willen zur Selbstbehauptung als Carola. Das fesselte sie so an mich. „Ein herrlicher Tag heute!“, sagte ich mit einer streichelnden, überredenden Stimme. Aber kein Wunder, dass ich eingenommen war von meiner Frau! Sie betete mich an auf ihre beharrliche Weise und war mir vollkommen hingegeben. Sie ließ mich über Sie verfügen, wie immer ich wollte. Kein Wunder, dass ich geschmeichelt war! Die Art, wie unser Gefühl verströmt und stockt, das ist es, was im Grunde unser Leben bestimmt. Jetzt erkannte ich den Unterschied zwischen Popularitätserfolg und Arbeitserfolg. Ich, als Unternehmensberater, hatte das Geld durch harte Arbeit für meinen gepflegten, luxuriösen Wohlstand. Und ich habe Erfolg. Ich erkannte jetzt, dass die Hundegöttin Erfolg mit zwei Hauptbegierden hatte. Eine nach Schmeichelei, Lobhudelei, Streicheln und Kitzeln. Und ich triumphierte. Ich war endlich aus mir selbst herausgegangen. Ich hatte meine lebenslange, geheime Sehnsucht erfüllt, aus mir selbst herauszukommen. Ich war mir nicht bewusst, wie sehr ich Carola brauchte. Ich wusste nicht, wie sehr ich von ihr abhing. Aber dennoch war deutlich, dass meine Stimme einen selbstbewussten optimistischen Tonfall annahm, wenn ich mit Carola zusammen war. Carola verhielt sich ein wenig steif. Ich fühlte, dass sie mir alles geben möchte, solange ich sie lieben würde. Ich sagte sehr wenig. Ich breitete die Morgenzeitung auf dem Boden aus und tat so, als konzentrierte ich mich darauf, während Carola ihr Gepäck in den Wagen lud. Zum ersten Mal in unserer Ehe war richtig Geld da, das wir für Träume ausgeben konnten. „Ich fahre jetzt“, sagte sie leise, aber entschlossen. Ich stand langsam auf und sah sie an. „Ich wollte, du kämst mit“, sagte sie. „Vielleicht nächstes Mal.“ Es war eine Lüge und wir wussten es beide. Aber es klang gut. Es war vielversprechend. „Fahr bitte vorsichtig.“ „Bestell deinen Eltern einen schönen Gruß!“ „Ja, werde ich machen“, sagte sie mit enttäuschter Stimme. Ich ergriff ihre Schultern und küsste sie auf die Wangen und dann auf den Mund. Ich sah Sie an und lächelte. Sie war schön. Wir gingen gemeinsam zum Carport und ich half ihr beim Einsteigen. Wir küssten uns noch einmal, dann setzte sie auf der Auffahrt zurück. Nachdem ich fast eine halbe Stunde lang die Wände anstarrte und im Sessel saß, warf ich drei Garnituren Kleidung in den Nobelwagen und verließ die Stadt. Ich fuhr auf der Autobahn nach Süden, in Richtung München. Die Autobahn war leer, aber ich behielt den Rückspiegel im Auge. Nach fünfmaligem Anhalten war ich sicher, dass ich bis München nicht mehr anhalten werde. Nach mindestens acht Stunden war ich in München. Ich hielt zum Tanken an einer durchgehend geöffneten Tankstelle, wo noch ein Tankwart beschäftigt war, der ungewöhnlich nett zu sein schien. „Hotel Jedermann?“, fragte ich. „Ja, ja“, sagte der junge Tankwart und deutete nach Westen. „An der zweiten Ampel rechts und dann die erste links.“ Da ist das Hotel. Die Gegend war eine gepflegte Vorstadt am Münchener Hauptbahnhof. Dicht am Hauptbahnhof und in der Innenstadt. Direkt im Herzen von München. Ich fuhr langsam, verfolgte angespannt die Leuchtreklame von den Hotels und registrierte die zahlreichen Nummernschilder aus anderen Staaten und Bundesländern. Die Straße war leer, bis auf die geparkten Autos und das bestellte Taxi. Das Hotel mit der Aufschrift meines Hotels war ein kleines, eingefasstes Gebäude. Es sah aus, als wäre es das kleinste Hotel in der Münchener Vorstadt, aber das Innenleben war riesig und sehr komfortabel. Das war das, was ich wollte. Komfortabel, aber kein Luxus und schick. Das Hotel war leer, aber geöffnet. Ich stellte den Wagen auf den Hotelparkplatz und trug mich unter dem Namen Mario G. aus Berlin ein. Ich bezahlte in der Bar für ein Einzelzimmer mit Dusche. Ich lag quer auf dem Hotelbett und ließ mich einfach entspannt fallen. Es war elf Uhr abends. Ich hatte drei Stunden geschlafen. Ich rief noch ein Taxi, über die Rezeption. Das Taxi brauchte nicht einmal zwei Minuten, bis es am Hotel vorfuhr, und der Fahrer begann langatmig zu erklären, dass er am Taxistand vor dem Bahnhof stand, als die Vermittlung anrief. Ich warf ihm einen Fünfziger über die Lehne. Ich hatte es nicht kleiner. Und bat ihn, mich irgendwohin zu fahren, wo noch etwas los ist. „Wollen Sie Unterhaltung?“, fragte der Fahrer. „Fahren Sie mich hin.“ „Spaß, stimmt's?" Er lachte und murmelte vor sich hin. Er drehte am Radio und fand seinen Lieblingssender. Radio „Klick mich aus!“ Er warf einen Blick in den Spiegel, schaute aus dem Fenster, pfiff ein bisschen, dann sagte er: „Was führt sie nach München?" Ich suche Jemanden. Eine Frau? „Tun wir das nicht alle?“ Eine spezielle Frau? „Eine alte Freundin, aus der Schweiz.“ Und die ist in München?  „Sind Sie Journalist oder so etwas Ähnliches?" „Nein.“ „So fragt man Leute aus.“ „Weshalb fahren Sie nicht einfach und verschließen Ihre Lippen?“ Die Diskothek war eine alte große Lagerhalle, von einer in Konkurs gegangenen Motorenfabrik. Mit einem Dutzend Tischen und einem langen Tresen. Eine Wand neben den Tischen bestand aus großen Fenstern, so dass man die Gäste, die Go-Go-Tänzerinnen, sehen konnte. Der kleine Parkplatz war fast voll und ich dirigierte den Fahrer zu einem freien Platz in der Nähe des Gebäudes. „Steigen Sie aus? „Frage der Fahrer. „Nein.“ „Lassen Sie den Zähler laufen.“ „Mann, das ist irre.“ „Sie werden dafür bezahlt.“ „Das will ich hoffen.“ Ich beugte mich vor und stützte die Arme auf die Lehne des Vordersitzes. Der Taxameter klickte leise, während ich die Leute drinnen musterte. Der Fahrer schüttelte den Kopf und sackte in seinem Sitz zusammen, schaute aus Neugierde aber gleichfalls in das Lokal. In der Ecke neben dem Zigarettenautomaten stand ein Tisch, an dem fette Touristen mit langen, verschwitzen Hemden, käsig weißen Beinen und weißen Socken mit bunten Ringen saßen. Bier tranken und alle gleichzeitig redeten, während die dicken Touristen die Speisekarte lasen. Der Anführer – ein dicker Mann mit einem offenen Hemd, einer schweren, billigen Goldkette auf der beharrten Brust und dicken Koteletten. Mit denen er sich Zöpfe flechten konnte. Und eine Baseballmütze, ließ den Blick auf die Suche nach einer Kellnerin wiederholen. „Sehen Sie sie?“, fragte der Fahrer. Ich sagte nichts, beugte mich vor und runzelte die Stirn. Dennoch entspannte ich mich. Der Taxameter kickte leise. „Ist sie das?“, fragte der Fahrer. „Ja." Und was jetzt?  „Ich weiß es nicht.“ „Nun, wir haben sie gefunden, stimmt's?" Ich folgte ihr mit den Augen und sagte nichts. Sie kellnerte in dem Lokal. Sie schien auf Draht zu sein. Als sie die Bestellung notiert hatte, riss sie ihnen die Speisekarten aus den Händen und sagte etwas Höfliches, lächelte beinahe und verschwand dann. Sie bewegte sich flink zwischen den Tischen umher. Sie schenkte einem Mann, der allein an einem Tisch saß, Kaffee ein. Er sagte etwas und sie lächelte. Ein wundervolles, anmutiges Lächeln. Ein Lächeln, das er im Dunkeln tausend Mal gesehen hatte. Das Lächeln seiner Mutter. Ein leichter Sprühregen setzte ein und die Scheibenwischer putzten alle zehn Sekunden die Windschutzscheibe. Es war fast Mitternacht. Der Taxifahrer trommelte ungeduldig aufs Lenkrad. Er ließ sich noch tiefer in die Kuhle seines Sitzes sinken, dann suchte er einen anderen Sender. Wie lange wollen wir hier noch herumsitzen? „Nicht lange.“ „Mann, das ist irre.“ „Sie werden dafür bezahlt.“ „Halten Sie endlich den Mund, okay?" „Okay.“ Wollen sie nicht mit ihr reden? „Nein.“ Nicht jetzt." Ich lehnte mich in meinem Sitz zurück und schaute auf die dunkle Straße. „Fahren wir.“ Am Morgen zog ich Jeans und ein Sweatshirt an, Mokassins, aber keine Socken. Ich nahm einen Spaziergang durch die Innenstadt vor. Die Sonne stieg leuchtend über die Häuser. Ich setzte mich auf eine Bank und zitterte im kalten Morgenwind. Meine nackten Füße waren erstarrt. Die Straßen waren noch menschenleer. Zwei Touristen neben mir auf der Sitzbank, sprachen mit den harten, präzisen Worten von Menschen aus dem Norden. Ich hörte lange genug zu, um zu erfahren. Trifft man einen Doofen, kommt der aus Hannover. Will er auch studieren, wird er es nicht kapieren. Ich betrachtete die Schaufenster. Und dachte einen Augenblick an das Mädchen, dann war es verschwunden. Der Teufel hole das Mädchen.

Nach drei Tagen ohne anrechenbare Zeit, ohne Produktivität, mit Putenkeulen und Schinken. Die Kollegen saßen wie angeklebt in ihre komfortablen Schreibtischsessel, tranken literweise Kaffee, brüteten über ein- und ausgehende Briefe und Wirtschaftsanalysen und sprachen hitzig in ihre Diktafone. Grunewald wanderte auf den Fluren herum, lächelte befriedigt und lauschte den Geräuschen der Produktivität, aus den einzelnen Büros. Am Mittag. Essen? „Fragte Peter." „Nein.“ Danke. »Ich bin im Rückstand. Sind wir das nicht alle? Ich dachte, wir könnten zum Chinesen hinuntergehen. „Sie müssen schon ohne mich gehen.“ Ich schaute auf meine Uhr. Peter richtete sich hoch auf, lächelte stolz. „Heute in einem Jahr werde ich Business-Angel der Unternehmensberatungsfirma Schimko sein.“ Ich bin als Nächster an der Reihe. „Also kommen Sie mir in diesem Jahr nicht in die Quere.“ Peter hatte gerade das Büro verlassen, als Nina mit einem Stapel Ordner hereinkam. Sie legte auf eine Ecke des voll bepackten Schreibtisches. Ich gehe zum Essen. Soll ich Ihnen etwas mitbringen? „Nein, danke.“ „Ja, ein Mineralwasser.“ Auf den Fluren wurde es still, als auch die Sekretärinnen das Geschäftshaus verlassen hatten und einem Dutzend kleiner Straßencafés und Schnellimbissen in der Innenstadt zustrebten. Ich fand auf Ninas Schreibtisch einen roten Apfel und rieb ihn ab. Ich trat einen Schritt zurück und betrachtete den Kopierer. Der Apparat war neu. Ich kehrte in mein Büro zurück, um einen Ordner herauszusuchen. Am gleichen Nachmittag um vier Uhr kam Herr Grunewald in mein Büro und reichte mir eine handgemachte Havanna und wir zündeten sie an. „Nun, wie ich sehe, sind wir alle sehr beschäftigt“, sagte Grunewald höhnisch. „Was ist passiert?“, fragte Grunewald. „Nicht viel.“ Meine Frau fuhr zu ihren Eltern nach Brandenburg. „Dort ist sie immer noch.“ Ich nickte und lächelte, als wollte ich sagen: Das ist schon okay. Ich lächelte und trank einen Schluck von meinem Mineralwasser.

 

 

Kapitel 10

Carola war sehr viel allein jetzt. Sie war nicht einmal frei, denn ich musste sie um mich haben. Nervös schien ich zu fürchten, dass sie mich verlassen könnte. Der seltsame, gallertartige Teil, der emotionale und menschlich-individuelle Teil in mir, war angstvoll abhängig von ihr, wie ein Kind. Carola wurde sich dieser ungewöhnlichen Abhängigkeit voller Entsetzen bewusst. Ich bekam einen scharfsichtigen Einblick in die Dinge: über meine Macht, meine geistig-kompetente Macht über Menschen, die man Männer der Praxis nannte. Ich war ein Mann der Praxis und der Realität geworden. Dann, eines Tages, eines herrlichen sonnigen Tages, bei ihren Eltern, kam sie am Nachmittag an einer Holzhütte vorbei. Als Kind spielte sie schon gerne mit ihren Freundinnen in dieser alten Holzhütte. Plötzlich stand über Carola ein Mann über sie gebeugt. Er lachte und hockte sich neben sie, mit gespreizten Knien, und ruhig und vertrauenerweckend gab er seine Hand. „Da!“, sagte er und zeigte ihr das Rehkitz im Gebüsch. „So Süß!“ „So ohne jede Angst!“, sagte sie weich. Es war kein unbekannter netter und höflicher Mann – es war ihr Klassenkamerad von damals, als Kind. Plötzlich sah er, wie eine Träne auf ihr Handgelenk niederfiel. Er sah sie an. Das Feuer tief in seinen Lenden flammte plötzlich heftiger. Ihr Gesicht war abgewandt und sie weinte. Sein Herz schmolz plötzlich wie ein Tropfen im Feuer. Er streckte seine Hand aus und legte sie auf Ihr Knie. „Du darfst nicht weinen“, sagte er weich. Doch sie schlug die Hände vors Gesicht und fing jetzt erst richtig an zu weinen, und alles war jetzt gleichgültig. Er legte ihr die Hand auf die Schulter und sanft, zärtlich wanderte sie die Wölbung ihres Rückens hinab – blind, mit blind streichelnder Bewegung, hinab bis zur Beuge ihrer kauernden Hüften. Und seine Hand strich weich, sanft über die geschwungene Linie, in blinder instinktiver Liebkosung. Carola, an ihren Namen erinnerte er sich noch. „Carola, komm mit in die Hütte“, sagte er mit ruhiger, ausdrucksloser Stimme. Und sanft schloss er die Hand um ihr Oberarm, zog sie hoch und führte sie langsam zur Hütte und ließ sie nicht los, bis sie drinnen waren. Dann schob er den Stuhl und den Tisch beiseite, nahm eine alte da liegende Decke und breitete sie langsam auf den Boden. Carola sah in sein Gesicht. Während sie reglos dastand, erinnerte sie sich an seinen Namen. Heiko hieß er, ein Musterknabe aus der zehnten Klasse. Sein Gesicht war bleich und ohne Ausdruck. Wie das eines Menschen, der sich dem Schicksal ergibt. Carola legte sich auf die Decke nieder. Und dann spürte sie, wie die sanfte, streichelnde, hilflos sehnsüchtige Hand ihren Körper berührte und nach ihrem Gesicht tastete. Weich streichelte die Hand ihr Gesicht, weich und unendlich lindernd und vertrauenerweckend, und dann spürte sie die sanfte Berührung eines Kusses auf ihre Wangen. Carola lag ganz still, wie im Schlaf – einem Traum. Dann bekam Sie eine Gänsehaut. Sie fühlte, wie seine Hand sanft, doch mit seltsam widerstrebender Unbeholfenheit über ihr Kleid tastete. Langsam, behutsam zog er die leichte Hülle herab, ganz herab, und streifte sie ihr, beim Küssen auf dem zarten Mund und in ihrem duftend-lieblichen Nacken, über die Füße. Und mit einem Schauer unvergleichlichen Genusses berührte Heiko den warmen, weichen Leib und streifte ihren Nabel in einem hingehauchten Kuss. Es war ein Moment der sexuellen Gier für beide, die dabei an sich dachten und ihre Lust dem anderen zu spüren gaben. Sie lag still, wie im Schlaf, die ganze Zeit wie im Schlaf. Selbst die fest umschlingenden Arme, selbst die heftige Bewegung seines Leibes und seinen spritzenden Samen in ihr empfing sie wie in einem Traum, aus dem sie nicht eher erwachte, als bis Heiko leise keuchend an ihrer zarten Brust lag. Heiko lag im geheimnisvollen Schweigen. Was empfand er? Was dachte er? So neugierig sie auch war, er sagte es nicht. Er lag nur da, die Arme um sie geschlungen, seinen Körper an ihren, mit seinem nassen Körper den ihren berührt, so eng, wie nie zuvor. Dann öffnete Heiko ruhig die Tür und ging hinaus. Sie zog sich ihr Kleid über und ging hinaus. „Willst du gehen?“ sagte er. „Ja.“ „Ich bringe dich ein Stück.“ Er zog sich ein paar Sachen an und verriegelte die Hüttentür. Und bereust du es? „Fragte sie, als sie neben ihm herging.“ „In einer Weise“, erwiderte er und sah zum Himmel. „Ich dachte, ich hätte das alles hinter mir. „Nun habe ich wieder angefangen.“ „Angefangen?“ Was? „Den Beziehungsstress.“ „Den Beziehungsstress?“ Das Echo hörte sie mit seltsamem Erschauern. „Das ist das Leben“, sagte sie. „Man kann sich nicht frei machen davon.“ „Und wenn man sich doch frei macht, kann man ebenso gut sterben.“ „Es ist einfach kribbelnder genussvoller Sex“, sagte sie fröhlich und ausgeglichen. Plötzlich hielt er sie wieder an seine Brust gepresst. Er küsste sie sanft, ganz zärtlich, mit Küssen der Leidenschaft. „Ich komme nicht weiter mit“, sagte er. „Nein.“ Und sie streckte die Hand aus, als wolle sie sich verabschieden. Aber er nahm sie in seine beiden Hände. „Wollen wir uns wieder treffen, an der Holzhütte?“, fragte sie sehnsüchtig. Ja? Ja! Carola trennte sich von ihm und ging weiter den Weg nach Hause. Heiko blieb zurück und sah ihr noch nach, wie sie ins Dunkel ging, der Blässe des Horizonts entgegen. Sie hatte ihm, der doch allein sein wollte, seine Bindungslosigkeit genommen. Heiko ging zurück, seinen Weg nach Hause. Alles war still, der Mond ist untergegangen. Er nahm die Laute der Nacht wahr, den Verkehr auf der Hauptstraße. Er wusste aus Erfahrungen, was das mit Carola bedeutete. Es war nicht die Schuld einer einsamen Frau, nicht einmal die Schuld der Liebe oder des Sexus. Mit unendlicher Zärtlichkeit dachte er an die zauberhafte Frau. Zart! Sie hatte etwas Zartes, etwas von der Zartheit der knospenden Rose, etwas, was die Silikonfrauen von heute nicht mehr besaßen. Heiko ging heim, heim zum dunklen Haus, machte das Licht an, machte Feuer im Kamin an und aß sein Abendbrot. Brot und ein paar Spiegeleier und ein Hefeweizen. Heiko war allein, eingehüllt in einer Stille, die er nicht ertragen konnte. Er ging ins Zimmer und machte den Fernseher an. Sein Zimmer war sauber und aufgeräumt, doch sehr modern eingerichtet. Das Feuer aber flammte hell. Er saß ganz nackt am Feuer, rauchte eine Zigarette und hatte ein Glas Hefeweizen in Reichweite. Und er dachte an Carola. Um die Wahrheit zu sagen: Heiko bereute das, was geschehen war. Vielleicht am meisten um seinen Willen. Die sexhungrige Frau! Das Verlangen regte sich wieder, sein Penis stieg auf wie ein lebendiger Stab. Er streckte sich mit seltsam gähnender Begierde. Seit drei Jahren hatte er allein gelebt, keinen Beziehungsstress von Mann und Frau. Heiko hatte die erregende Unruhe seines Penis, das erregende Kribbeln in seinen Lenden. Als Carola jedoch in ihrem Zimmer war, fühlte sie sich noch immer benommen und verwirrt. Sie wusste nicht, was sie denken sollte. Was für ein Mensch war Heiko eigentlich geworden? Egal, er war ein leidenschaftlicher Mann, gesund, stark und leidenschaftlich.

Am nächsten Tag ging sie in den Wald. Es war ein schöner, sonniger Nachmittag. Heute konnte sie es fast in ihrem eigenen Körper spüren, das leichte Drängen des Saftes in den wuchtigen Bäumen, wie Blut. Sie kam zur Lichtung, aber Heiko war nicht da. Sie hatte mit ihm nicht gerechnet. Dennoch setzte sie sich auf einen kahlen, gefällten Baum und wartete. Sie wartete nur. Sie wartete. Die Zeit verstrich mit traumhafter Trägheit und er kam nicht. Carola musste nach Hause gehen, ihre Eltern erwarteten sie schon. Doch sie musste sich zwingen zu gehen. Eine Tasse Kaffee kann sie auch später trinken. Carola wurde schon von ihren Eltern erwartet. Ich fühle mich so merkwürdig. „Ich möchte mich lieber ein wenig hinlegen“, sagte sie. „Ganz wie du willst.“ Aber du fühlst dich nicht richtig schlecht, nicht wahr? „Nein!“ »Nur ziemlich müde.» Carola ging in ihr Zimmer. Doch dann hatte sie das Verlangen, Heiko zu sehen, und nahm sich eine Jeansjacke und ging noch einmal zur Holzhütte. Mit einem stabilen Holzstab brach sie die Hütte auf. Alles war sauber. Die Decken lagen sauber gefaltet auf dem Bord. Die Sturmlampe hing an einem Nagel. Tisch und Stuhl waren dorthin zurückgesetzt worden, wo sie gelegen hatte. Sie setzte sich auf einem Stuhl am Fenster. Wie still alles war! Die Nacht zog schon herauf, sie müsste bald gehen. Doch plötzlich trat er auf die Lichtung. Er streifte die Hütte mit einem flüchtigen Blick und grüßte halb. Endlich kam er langsam auf Sie zu. Sie saß noch immer auf dem Stuhl. Er stand vor ihr unter dem überhängenden Dach. „Du bist also gekommen“, sagte er erstaunt. „Ja“, erwiderte sie und sah zu ihm auf. „Du kommst spät.“ „Hm“, sagte er und sah in die Wolken. Langsam stand sie auf und zog den Stuhl beiseite. „Wolltest du hereinkommen?“, fragte sie. Zum ersten Mal sah er sie voll an, sah er in ihre Augen. Sie sah, dass seine Augen dunkel wurden, ganz dunkel, als er die ihren sah, und dass seine Pupillen sich weiteten. Dann beugte er sich über sie und küsste ihr glückliches Gesicht. Er legte seine Hand gegen ihre Wangen und küsste sie wieder. „Jetzt lass uns reingehen“, sagte er weich. „Ich habe noch eine saubere Decke mitgebracht“, sagte Heiko, „Wir können dann eine über uns legen, wenn wir wollen.“ „Ich kann nicht lange bleiben“, sagte sie. „Meine Eltern warten um halb acht, zum Abendbrot.“ Er blickte sie kurz an und sah dann auf die Armbanduhr. „Schon gut“, sagte er. Heiko schloss die Tür. Sorgfältig breitete sie die eine Decke aus und ließ die andere gefaltet, für ihren Kopf. Dann setzte er sich einen Augenblick auf den Stuhl und zog Carola an sich, umschloss sie fest mit einem Arm und suchte mit der freien Hand nach ihrem nackten Körper. Sie spürte, wie sein Atem plötzlich stockte, als er sie fand. Sie war nackt in Ihrer Jeanshose. „Mein Gott, ist es gut, dich zu spüren!“, sagte er, und seine Finger glitten liebkosend über die zarte, warme, verborgene Haut ihrer Taille und Hüften. Er beugte den Kopf und rieb seine Wangen an ihrem Bauch und ihren Schenkeln, wieder und wieder. Und wieder wunderte sie sich ein wenig, wie ihn das aufgeilte. Sie begriff die Schönheit nicht, die Heiko in ihr fand. Sie spürte das Gleiten seiner Wangen an ihren Schenkeln, an ihrem Bauch, an ihren Hüften, das nahe Streifen seines Dreitagebartes und seines weichen, dichten Haars, und ihre Knie begannen zu zittern. Tief innen in sich fühlte sie etwas sich regen, eine neue Nacktheit erfahren. Wie eine Schlange umschlingt er sie, mit seinen Liebkosungen. Sie fühlte sich ein wenig übergangen. Und sie wusste, dass es zum Teil ihre eigene Schuld war. Sie lag mit lautem Stöhnen, fühlte, wie er sich in ihr regte, fühlte seine tief in sie eingedrungene Gestrafftheit, seine jähe Erschauern, als sein Samen tief in ihr hervorspritzte, dann das allmählich besessene, geile Stoßen. Dieses Auf- und Ab, den Hintern fand sie sehr herausfordernd. Wenn man eine Frau war und recht aktiv beteiligt an der ganzen Sache, war dieses Aufundniedergehen des Mannes mit seinem Hintern sicher in höchsten Grade zur Geilheit aufgefordert. Der Mann war in dieser Haltung und bei diesem Akt sicher ein Sexobjekt. Doch sie war aktiv, sie wollte es wissen. Selbst als er fertig war, bewegte sie ihre Hüften, um zu ihrer weiteren Befriedigung zu kommen, wie sie es bei mir getan hatte. Carola ist noch geil gewesen und mit ihren Augen zog sie Heiko an sich. Auch er wollte mehr von Ihrer Geilheit spüren. Er hielt sie eng umfasst und versuchte, ihre nackten Beine mit den seinen zu decken, damit er sie ganz spüren konnte. „Willst du mehr?“, fragte er ganz zart, leise, als wäre sie ganz nah, so nah. Plötzlich sagte sie: „Ich muss gehen.“ Heiko richtete sich auf, kniete sekundenlang neben ihr und küsste die Innenseite ihrer Schenkel und wandte sich nicht einmal zur Seite. Er zog seine Jacke an. „Dann komm“, sagte er und sah mit seinen warmen, friedvollen Augen auf sie nieder. Carola stand langsam auf. Sie wollte nicht gehen. Sie wollte aber auch nicht bleiben. Heiko half ihr in den Sachen und achtete darauf, dass sie ordentlich aussah. Dann öffnete Heiko die Tür. Draußen war es schön, ein leichter Wind zog um die Hütte. Er ging dicht vor ihr auf dem schmalen Weg. „Es ist Viertel nach Sieben“, sagte er, du wirst es noch schaffen. Sie spürte die magische Kraft, mit der es ihn wieder nach ihr verlangte. „Nein, ich muss mich beeilen“, sagte sie ein wenig heftig. „Natürlich“, sagte er, plötzlich verändert und ließ sie los. Sie wandte sich um, doch im selben Augenblick drehte sie sich ihm wieder zu und sagte: „Küss mich.“ Sie hielt ihm ihren Mund hin und er berührte ihn sanft, zog seine Lippen aber sofort zurück. Er hasste dieses Nippen beim Küssen. „Morgen komme ich wieder.“ Sagte sie, während sie ging. „Wenn ich kann“, fügte sie problemlos hinzu. „Hm, aber nicht so spät“, erwiderte er. Sie konnte ihn schon nicht mehr sehen. Die Haustür war noch nicht verschlossen und ungesehen schlüpfte sie in ihr Zimmer. Als sie die Tür zumachte, wollte sie ein Bad nehmen. Carola musste ein Bad nehmen. Am nächsten Tag ging sie nicht zur Hütte. Sie ging weder an diesem Tag zur Holzhütte noch am nächsten noch am übernächsten. Sie ging nicht, solange sie fühlte oder glaubte, dass Heiko auf sie wartete oder nach ihr verlangte.

Am vierten Tag jedoch war sie schrecklich kribblig in den Lenden. Sie sträubte sich noch immer, in die Holzhütte zu gehen und ihre Schenkel wieder Heiko zu öffnen. Sie ließ alles durch den Kopf gehen, was sie unternehmen könnte: Freundinnen besuchen, ins Museum fahren, und der Gedanke an all diese Dinge widerstrebte ihr. Dennoch fasste sie den Entschluss, einen Spaziergang zu machen. Nicht zur Holzhütte, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Sie würde zum Gasthof gehen. Es war ein schöner, strahlender Tag, beinahe warm. Durch ihre Geistesabwesenheit schritt sie ziellos dahin, tief in Gedanken, deren sie sich nicht einmal bewusst war. Sie war sich eigentlich keiner Sache außerhalb ihrer selbst bewusst. Erschrocken fuhr sie aus ihren Grübeleien auf und stieß einen kleinen, lauten Schrei aus. Ein Mann stand dort. Es war Heiko. Er stand wie ein sturer Maulesel auf dem Pfad und versperrte Carola den Weg. „Nanu“, sagte er überrascht. „Wie kommst du denn hierher? „Fragte sie schüchtern.“ Und du? Warst du bei der Hütte? „Nein!“ Nein! Ich war bei einer Freundin. Heiko sah sie sonderbar forschend an und ein wenig unschuldig senkte sie den Kopf. Und bist du jetzt auf dem Weg zur Holzhütte? „Fragte er geradezu streng." „Nein.“ Ich kann nicht. Niemand weiß, wo ich bin. Ich habe mich verspätet. »Ich muss mich beeilen. Carola konnte nichts tun. Sie konnte ihn nicht halten und ihre Befriedigung von ihm erzwingen. Sie konnte nur warten, warten, als sie ihn umarmte. Als sie ihn in die Hose griff und stöhnte, spürte sie, wie er sich zurückzog, sich in ihrer Hand zusammenzog und es zu dem schrecklichen Augenblick kam, da sein Schwanz ihr ganz aus der Hand gleiten und fort sein würde. Während doch ihre Lustgrotte offen war und weich und sanft nach ihm schrie. Ja. Nach ihm schrie, dass er wieder steif werde und ihr Erfüllung bringe. Wild vor Leidenschaft, klammerte sie sich an ihn und glitt mir ganz aus ihrer Hand. Sie setzte sich vor ihn und küsste seinen Schwanz und nahm ihn tief in den Mund. Und sie fühlte, wie seine weiche Eichel sich in ihrem Mund regte und seltsame Rhythmen sie durchspielten, mit seltsamer, rhythmischer, wachsender Bewegung, schwollen, schwollen, bis sie ihr ganzes triebseeliges Bewusstsein überfluteten, und dann begann wieder die unsagbare Bewegung, die keine wirkliche Bewegung war, sondern reiner, immer tiefer starkes Verlangen des Empfindens. Schneller und immer schneller bewegte sie ihre Hand an seinem Schwanz, mit besessener Geilheit in ihrem Bewusstsein, Bis sie ein einziges, sattes, konzentrisches Fließen des Gefühls war und schrie, in unbewusster, verlangter Hingabe. Sie war gefangen im sanften Taumel des Glücks. Dennoch musste sie Abschied nehmen, denn ihre Eltern warteten schon. Carola versprach Heiko heute nichts, denn sie wusste, dass sie sich wiedersehen würde. Heiko riss das blutende Verlangen ab, das ihn zu ihr hingezogen hatte. Er hatte es abgerissen, weil es sein musste. Es musste von beiden Seiten ein Zueinanderkommen sein. Und wenn sie nicht zu ihm kam, wollte er ihr nicht nachspüren. Er durfte nicht. Er musste weggehen, bis sie kam. Sie musste zu ihm kommen, es hätte keinen Sinn, ihr nachzugehen, keinen Sinn! Um fünf Uhr, am späten Nachmittag, schaltete ich das Licht in meinem Büro aus. Auf dem Weg zum Fahrstuhl begegnete ich Franz. Wir zwingten uns in den kleinen Fahrstuhl und fuhren ins Erdgeschoss hinunter. Draußen trennten wir uns dann, jeder ging seinen eignen Weg nach Hause. Ich sah Carola, die an der Schuhboutique wartete, und schob sich schnell durch das Gedränge. Ich warf die Zeitung an die Wand und nahm sie in die Arme. Wir küssten uns wieder und wieder und unterhielten uns flüsternd. „Gehen wir miteinander aus?“, fragte ich. „Das Essen steht auf dem Tisch und der Wein im Kühler“, sagte sie. Wir hielten uns bei den Händen und bahnten uns einen Weg durch die Menge. Carola lächelte mich an, „Komm, gib mir einen Kuss.“ Ich küsste sie auf den Mund und wir sahen uns lächelnd in die Augen. Ich küsste sie auf die Wangen. Carola lächelte mich an. Ich lächelte und sah Sie verträumt an. Du hast mir gefehlt, Carola. Mehr, als mir je ein Mensch in meinem ganzen Leben gefehlt hat. „Ich finde, du bist großartig, einfach bezaubernd.“ Am Steuer Ihres Sportwagens überquerte ich den Kurzzeit-Parkplatz, bezahlte den Wächter und brauste in Richtung Innenstadt davon. Nach zehnminütigen Schweigen beugte sie sich zu mir hinüber. Weiteres Schweigen. Carola legte den Handrücken auf den Mund und konzentrierte sich auf die Schlusslichter vor ihnen.

Am nächsten Morgen saß ich bei geschlossener Tür in meinem Büro und starrte die Wand an. In meinem Hinterkopf entwickelte sich eine Migräne und mir wurde schlecht. Es wurde an die Tür geklopft. „Herein“, sagte ich leise. Franz steckte den Kopf herein, dann kam er an den Schreibtisch. Wie wäre es mit einem kleinen Essen? „Nein, danke.“ „Ich habe keinen Hunger.“ Der Business-Angel schob die Hände in die Hosentaschen und lächelte herzlich. „Legen wir eine Pause ein.“ Ich muss zu einem Termin in die Innenstadt. Wir könnten uns um eins im Marco Polo Café treffen, in aller Ruhe etwas essen und über einige Dinge reden. Ich habe uns einen Tisch reserviert. Ich brachte ein Grinsen zu Stande, als wäre ich überrascht. „Ja gut, Franz.“ „Warum nicht?“ „Gut.“ „Wir sehen uns um eins.“ Viertel vor eins ging ich durch die Vordertür.

 

 

Kapitel 11

Carola war dabei, eine der Rumpelkammern von ihrem Elternhaus durchzukramen. Es gab viel altes Gerümpel, die Bodenkammer war eine große Gerümpelkiste und die Familie hat niemals etwas weggeworfen oder verkauft. Carola hatte alte Puppen gesammelt, die Mutter hatte Kleider, die sie nicht mehr trug, und der Vater hatte noch eine alte Autorennbahn, mit der er sich mit Begeisterung gewinnen ließ. Beide selbst hatten eine große Schwäche für Antiquitäten. So setzen die Eltern es sich fort durch die Generationen. Der Vater sammelte sehr moderne Bilder zu sehr billigen Preisen vom Flohmarkt. So waren auch diese Kunstwerke in eine Menge Staub gehüllt. Sorgsam gegen Beschädigung und Holzfäule verpackt, stand dort die alte Standuhr aus Rosenholz. Carola musste sie auspacken, um sie ansehen zu können. Carola besaß einen gewissen Charme. Carola betrachtete sie lange. „Jammerschade, dass man sie nirgendwo hinstellen kann“, seufzte sie. „Wenn solche Standuhren heute auch aus der Mode sind.“ „Sie könnte wieder in Gebrauch kommen.“ „Möglich, wem dann die Stunde schlägt“, sagte Carola beiläufig. Stilles Schweigen – von den Eltern. Die Mutter stockte sekundenlang den Atem. Sie stand da, wie vom Hammer getroffen. Dennoch wollte sie es nicht wahrnehmen. „Nicht wahr?“, sagte Carola. Unter anderen Monstrositäten gab es in dieser Rumpelkammer ein ziemlich großes, Buchenlackgebeiztes Holzkästchen. Eine vortreffliche, kunstvolle Arbeit, die alles nur Erdenkliche enthielt. Zuerst eine vollständige rote Toilettengarnitur. Ja. Auch Bürsten, bunte Flakons, Spiegel, saubere Kämme, geblümt bemalte Döschen, sogar alte, schöne kleine Rasiermesser in Sicherheitshüllen, eine Rasierseifenschale. Alles von der besten Qualität und wurde vortrefflich zusammengestellt. Dazu stand auch eine bauchige Wochenendreisetasche. Carola jedoch war entzückt. Seht doch nur die schönen Bürsten – so teure und die Rasierpinsel ganz tadellos. Nein, und diese Scheren! „Wirklich das Beste, was man für Geld haben kann!“

Am nächsten Tag ordnete Carola hohe weiße Rosen in einer Porzellanvase. „Carola“, sagte ihre Mutter, „wusstest du, dass ein Gerücht umgeht, du würdest einen Sohn bekommen?“ „Carola, ihr Gesicht färbte sich rötlich vor Schreck, doch sie blieb ganz ruhig, die Hände an den Blumen.“ „Nein!“ Erwiderte sie. „Soll das ein Scherz sein?“ „Oder ist es Neid?“ Sie schwieg einen Augenblick, dann sagte sie: „Keins von beiden, hoffe ich.“ Ich hoffe, es ist eine Prophezeiung. Carola beschäftigte sich weiter mit ihren Blumen. Sie trug die weißen Rosen zum Fenster. Was würde danach kommen? Carola war es immer, als gäbe es keinen interessanteren Tratsch in der Gemeinde. Die Welt war so kompliziert und unheimlich und grausig. Die dummen Menschen redeten lieber über die Menschen, anstatt mit ihnen zu reden! So dachte Carola, als sie draußen den Weg zur Holzhütte nahm. Die Sonne schien. Gewaltig und heiß. Sehr heiß. Sie weinte ein paar bittere Tränen und Carola weinte noch mehr. Es war ein warmer Tag mit einem Duft nach frischer Erde und bunten Blumen, und die Lichtung war im Saft des Sonnenscheins gebadet. „Es ist schrecklich, wenn einem einmal ein Mann ins Blut gegangen ist“, dachte sie. Und das ist es, was einen so verbittert. Neunzehn sonnige Tage und neunzehn kalte Nächte lang verlief das gestörte Leben von mir und Carola ruhig und ohne Einmischungen von den Schwiegereltern oder einer Carolas Freundinnen. Die Alltagsroutine kehrt zurück. Ich arbeite einundzwanzig Stunden am Tag und verließ das Büro nur, um heimzufahren. Mein Essen nahm ich in der Innenstadt ein. Mit jedem ereignisvoll verlaufenden Tag habe ich mich glücklich und zufrieden gefühlt und in mir wuchs die Hoffnung, dass das Schönste noch vor mir liegt. Vielleicht würde ich reich werden, Business-Angel werden und alles kaufen, was das Herz begehrte. Carola kam nach Haus, obwohl sie noch geblieben wäre. Sie verbrachte viel Zeit damit, in den Park spazieren zu gehen, in den Ladenstraßen herumzuwandern und schöne Markenkleidung zu kaufen, und sie fuhr jeden Tag zum Einkaufen. Sie musterte jedermann, insbesondere Männer in dunklen Anzügen, die sie ansahen. Carola trug eine dunkle Sonnenbrille, damit die Männer ihre strahlenden Augen nicht sehen konnten. Auch wenn es regnete, trug sie diese Sonnenbrille. Wenn sie am späten Abend nach dem einsamen Abendessen auf mich wartete, sah sie TV-Fernsehen und kämpfte mit der Fernsehzeitung, mit einem unterhaltsamen Programm. Carola telefonierte auch gerne mit ihren Freundinnen und ihrer Mutter. Mehr als einmal dachte sie daran, sich Briefpapier zu kaufen, damit sie sie schreiben konnte. Also telefonierte sie lieber. Carola telefonierte gern. Sie unterhielt sich, darüber, wie der Tag gewesen war, über das Wetter, über dieses und jenes. Ach so, auch über ihre Schüler, in der Schule. Über meine Arbeit im Büro konnte sie nicht viel erzählen, da ich zu Hause nicht viel darüber sprach. Dies ist mein Kodex gewesen, Geschäftliches und Privates zu trennen. Als ich noch studierte, hatten wir uns oft und leidenschaftlich geliebt. Jetzt kam es praktisch überhaupt nicht mehr vor. Die folgenden Tage brachten eine neue Variante, um die Ehe zu retten. So war ich schon um acht Uhr abends erschöpft und beschloss, nach Hause zu fahren. Wie gewöhnlich ging ich den Flur entlang. Ich überprüfte im Vorbeigehen jedes Büro, um zu sehen, wer noch arbeitete. Niemand. Ich verabschiedete mich am Tor von Max und fuhr nach Hause. Carola rechnete um diese frühe Stunde noch nicht mit mir. Ich schloss leise die vom Carport ins Haus führende Tür auf und schlich in die Küche. Ich schaltete das Licht ein. Carola war im Schlafzimmer. Sie ist im Bett, dachte ich. Sie war im Bett und las bei eingeschaltetem Fernseher. Ich öffnete die Schlafzimmertür und Carola fuhr erschrocken auf. Bevor Carola erkannt hatte, wer der Eindringling war, hätte sie mich fast angeschrien. „Du hast mich erschreckt, Mario!“ Ihre Augen funkelten vor Freude. „Wieso bist du schon Zuhause?“ Wollte sie wissen, setzte sich im Bett auf und lächelte. Sie lächelte? „Ich wohne auch hier“, sagte ich müde. „Warum hast du nicht angerufen?“ „Muss ich anrufen, bevor ich nach Hause kommen möchte?“ Wir schweigen. Es war alles in bester Ordnung. „Schön, dass du da bist.“ „Komm her und küss mich.“ Ich beugte mich über das Bett und küsste sie auf dem Mund. Ich lächelte sie an und küsste sie abermals. Carola schlüpfte in ihre Jeans und ging in den Hintergarten. Ich auch. Carola trat neben mir und ich nahm ihre Hand. „Was gibt es zu essen?“ „Warum gehen wir nicht aus?“ »Wir könnten feiern, dass du ausnahmsweise einmal zu einer vernünftigen Zeit nach Hause gekommen bist.« Wir gingen durch die Tür. „Gute Idee“, sagte ich. Wir verschließen das Haus, über die Terrasse. Am nächsten Morgen waren schon die ersten Mandanten im Geschäftshaus. Ein Mandant, mit ernstem Gesichtsausdruck, lehnte sich an die Rückwand des Fahrstuhls und bewunderte von hinten den schwarz ledernen Minirock. Er folgte ihm abwärts bis oberhalb der Knie, wo die Nähte der schwarzen, gemusterten Nylons anfingen und sich hinabzogen zu den schwarzen Pumps mit Pfennigabsätzen. Dann gingen seine Blicke langsam wieder den Nähten hoch. Er hielt einen Moment inne, um die Rundungen des knackigen Hinterteils zu bewundern, dann weiter aufwärts zum schwarzen Kaschmirpullover, der aus dieser Perspektive wenig bot, aber, wie er in der Halle bemerkt hatte, überaus beeindruckt war. Das blonde Haar hing bis auf die Schulterblätter herab. Er wusste, die hochhackigen Pumps, den schwarzen Ledermini und den engen Pullover und das, was vorne darin steckte, dass dies eine Frau war, die er haben konnte. Am liebsten hätte er sie gleich hier in diesem Gebäude gehabt. Sie war eine Sekretärin aus unserer Unternehmensfirma. Die gerade in ihr Büro gegangen ist. Der Fahrstuhl hielt. Die Tür glitt auf und er folgte ihr auf den engen Flur. „Sie müssen auch hier entlang?“ fragte er. „Ja.“ erwiderte sie. Während er unwichtige Dinge erzählte, ruhte sein Blick auf den schwarzen Minirock. Er folgte Ihren Schritten. Plötzlich blieb sie am Treppenaufgang stehen. Sie zuckte weder zusammen, noch wendete sie den Blick vom Fenster ab. Sie zog den rechten Fuß aus dem Schuh und rieb sich mit ihm die linke Wade. Die Naht, stellte er fest, zog sich um den Absatz herum und über die ganze Fußsohle. Die Zehennägel waren in einem warmen Rot! Sie schwenkte ihr zartes Hinterteil nach links und lehnte sich an die weiße Fensterbank. Sie drehte sich plötzlich um und da waren sie. Der Kaschmirpullover spannte sich straff über Ihnen. Sie sah sich ohne Interesse um. Sie summte eine Melodie, die ihr im Kopf umherging, und zündete sich eine Zigarette an. „In welchem Stockwerk sind wir hier?“ fragte er. „Im Siebenten.“ Dann steckte sie die Zigarette zwischen ihre klebrigen Lippen, nahm einen Zug, trat an den Tisch und drückte ihre Zigarette aus. Er beschloss, das Gespräch abzubrechen, und ging zum Fahrstuhl zurück. Am Mittag des folgenden Tages arbeitete ich und steckte die Nase tief in die Stapel von Ordnern und Unternehmensanalysen. Ich war zu beschäftigt. Nina brachte mir etwas vom Chinesen, als sie nach dem Essen das Gebäude verließ. Ich aß es, während ich versuchte meinen Schreibtisch aufzuräumen. Dann rief Carola an und sagte, dass ich heute Abend pünktlich sein möchte. Ich holte tief Luft und schloss die Augen. Um halb zehn am Dienstagmorgen ordnete Nina die Ordner und Abfälle auf meinem Schreibtisch in säuberliche Stapel. Sie genoss das allmorgendliche Ritual des Aufräumens und der Planung meines Tages. Der Terminkalender lag unübersehbar aufgeschlagen auf einer Ecke des Schreibtisches. Sie las daraus vor. „Sie haben einen sehr unterhaltsamen Tag heute, Mario.“ Ich blätterte in einem Ordner und versuchte, Nina zu ignorieren. „Jeden Tag gibt es viel Spaß für so viel Geld.“ „Ich kann es kaum erwarten“, murmelte ich. „Um elf werden Sie in Herrn Franz Lothars Büro erwartet.“ „Es geht um die Polo-Unternehmensliquidation und seine Sekretärin hat mir gesagt, es würde über die Mittagspause dauern.“ „Warum gerade die Mittagspause?“ „Ich werde nicht dafür bezahlt, solche Fragen zu stellen, Mario.“ „Und um halb vier sollen Sie bei Jerry sein.“ „Weswegen?“ „Noch einmal, Mario, Fragen stehen mir nicht zu.“ „Gut." „Sonst noch etwas?“ „Soll ich Ihnen etwas zum Stärken mitbringen?“ „Nein.“ Ich kaufe mir unterwegs ein Sandwich. „Sehr schön.“ Haben Sie sonst alles für Ihre Termine? Ich deutete auf den schweren, schwarzen Ordner und erwiderte nichts. Sie ging und Sekunden später ging ich den Flur entlang, die Treppe hinunter und zur Vordertür hinaus. Ich blieb einen Moment an einem Tabakladen stehen, dann ging ich schnell in Richtung Innenstadt. Es war ein Spaziergang durch die Innenstadt. Zwei Verliebte, die Händchen hielten und dabei die großen Einkaufstaschen trugen, machten einen Einkaufsbummel. Ich hatte zwei Tage, um mich auf die Termine vorzubereiten. Mit Business-Angel, so reich und so kompetent sie auch sein möchte, zu essen, zu lächeln, zu plaudern und konservativ zu denken, war mir mehr zuwider, als mit einem Stadtstreicher unten am Busbahnhof einen Teller Suppe zu teilen. Aber eine diskrete Ablehnung wäre ein schwerer Verstoß gegen die Tradition gewesen. Und wie die Dinge lagen, war mein Verhalten ohnehin schon sehr offen und direkt. Das den meisten Schlipsträgern aus dem Anzug gehoben hat. Also saß ich mit dem Rücken zum Fenster da und rang sich Lächeln und Geplauder in Richtung Franz, Bruno und natürlich auch Grunewald ab. Ich hatte gewusst, dass ich mit diesen Schlipsträgern an einem Tisch sitzen würde. Ich wusste, dass sie sich kein Wort entgehen lassen würden, ganz gleich, was ich von mir geben würde. Ich wusste, dass sie Lob und Versprechungen für ihr gutes Image machen würden. Herr Grunewald war nie so liebenswürdiger gewesen. Alle Businessangels waren verblüfft und entzückt, wobei ich mich im Raum umschaute. Ich rang mir ein Lächeln ab. Die anderen Businessangels, erstaunt oder gleichgültig, unterhielten und konzentrierten sich. Ich sah einige Business-Angel, die nicht mit der richtigen Garderobe erschienen sind, erkennbar an Khakihosen und lockeren Pullovern, und sie hatten ein entspanntes Aussehen. „Sie verfügen über eine bemerkenswerte Ausdauer, Mario“, sagte Herr Bruno, als er sich ein Schluck Sekt aus dem Glas nahm. Ich nickte höflich. Ja, ja, ich trainiere meine Ausdauer ununterbrochen, dachte ich bei mir. Soweit es mir möglich war, verdrängte ich meinen Tiefpunkt in dieser Gesellschaft. Dennoch: Es war mir möglich. „Sie und Carola wollten also nächste Woche in die Karibik“, sagte Herr Grunewald. Ja. Sie hat Ferien und wir haben uns vor zwei Monaten für eines der Apartments angemeldet. »Wir freuen uns schon darauf.« „Einen passenden Zeitpunkt hätten Sie sich nicht aussuchen können“, sagte Franz. „Wir sind schon jetzt einen Monat im Rückstand.“ „Wir sind immer einen Monat im Rückstand, Franz.“ Was macht eine weitere Woche da schon aus? „Vermutlich möchten Sie, dass ich meine Arbeit mitnehme?“ „Keine schlechte Idee.“ »Ich tue es immer.« Ich lächelte ihm ganz locker zu, ohne ihn wahrzunehmen. „Tun Sie das nicht, Mario“, sagte Grunewald in gespieltem Protest. „Sie und Carola haben eine Woche Ruhe verdient.“ „Es wird Ihnen gefallen“, sagte Bruno. „Wann fliegen Sie ab?“ fragte Grunewald. „Montagmorgen.“ Ganz früh." Nehmen Sie die Privatmaschine von der Firma? „Nein.“ Grunewald und Bruno tauschten einen schnellen Blick, der mir nicht entging. Es gab andere neidische Blicke von den übrigen Tischen, gelegentlich, schnelle, neugierige Blicke, die ich bemerkt hatte, seit ich den Raum betreten hatte. „Tauchen Sie?“ fragte Grunewald, in Gedanken immer noch mit dem Fliegen beschäftigt. „Nein, aber wir haben vor, ein bisschen zu Schnorcheln.“ Nach einer kraftentzogenen Stunde mit gewichtigen Worten und guten Ratschlägen löste sich die Gesellschaft auf. Während sich ein Business-Angel nach dem anderen von mir verabschiedete und den Raum verließ. Sie waren stolz auf mich, sagten sie. Ich war der leuchtende Stern der Zukunft. Die Zukunft der Schimko-Unternehmensberatungsfirma. Ich lächelte und dankte den steifen Schlipsträgern. Carola stand an einem offenen Fenster im Lehrzimmer, trank Kaffee und schaute durch die Lindenbäume hindurch über den Spielplatz hinweg auf den fernen Parkplatz. Sie konnte Ihren Sportwagen sehen. Sie lächelte und schaute auf die Uhr. Sekunden später kam ich zur Vordertür des Schimko-Gebäudes heraus und reckte mich. Ich holte tief Luft und schaute die Lindenallee hinauf und hinunter. Ein wunderschöner Tag. Ich stellte fest, dass an einem Block weiter südlich an einem Fenster die Jalousien heruntergelassen waren. Ich lächelte, holte noch einmal tief Luft und kehrte in mein Büro zurück. Um vier Uhr in der folgenden Nacht glitt ich aus dem Bett und schlüpfte leise in verblichene Jeans, ein schwarzes T-Shirt, ein paar Turnschuhe, aber trug keine Socken. Ich wollte nur raus auf die Terrasse, um frische Luft zu holen, denn ich konnte nicht schlafen. Wortlos küsste ich Carola, die wach war, und ging nach draußen. Zeuthen war still geworden, genau wie alle anderen Straßen zwischen meinem Haus und der Innenstadt. Ich holte tief Luft und fühlte mich schwach. Daher machte ich mir einen Tee mit Honig. Ich freute mich schon auf die Reise, in die Karibik. Endlich habe ich für Carola mehr Zeit. Viel Zeit. Ich ging wieder ins Bett und schmiegte mich an Carola. Der wolkenfreie Himmel und der strahlende Sonnenschein hatten die Touristen längst den Strand eingenommen, als wir durchschwitzt und müde, in Marbella ankamen. Carola wollte nicht die Firma im Urlaub haben, so hatten wir das Urlaubsziel spontan geändert. Wir waren auch froh, als wir im Hotel mit den Luxusapartments eintrafen. Von der Farbe und der Innenausstattung schien es gemütlich zu sein. Der Schlüssel passte und wir ergriffen eiligst unser Gepäck und brachten es hinein. Sobald wir drinnen waren und nicht mehr durstig, packten wir im Schlafzimmer aus. Es lag im Obergeschoss und hatte einen langen Balkon, der auf den weißen Strand hinausging. Wir inspizierten das Apartment. Der Kühlschrank war leer, aber die Bar war gut bestückt. Ich mixte gleich noch zwei Drinks, Cola mit Rum, zu Ehren unseres ungestörten und stressfreien Urlaubs. Wir saßen mit nackten Füßen auf dem Balkon und schauten zu, wie das Meer gegen die Küste brandete. Carola gähnte und ließ sich tiefer in den Holzsessel sinken. Sie schloss die Augen. Marbella ist intim und mondän und die heimliche Hauptstadt der Costa del Soll, in der man erst am frühen Morgen ins Bett geht. Marbella pflegt ein ausgiebiges Nachtleben in den Clubs und Edeldiskotheken. Zur Marbella gehört weiter eine intakte Altstadt mit verwinkelten Gassen und mediterranem Charme. „Das ist wirklich großartig.“ „Unsere erste Auslandsreise, unsere ersten richtigen Flitterwochen und zehn Minuten nach der Landung schläfst du ein.“ Ich bin müde, Mario. „Während du geschlafen hast, habe ich die Nacht gepackt.“ Du hast acht Koffer gepackt. Na klar, sechs für dich und zwei für mich. Du hast von dir jedes Kleidungsstück eingepackt, das du besitzt. „Kein Wunder, dass du dazu die ganze Nacht gebraucht hast.“ „Ich wollte nicht, dass wir knapp an Kleidung sind.“ „Knapp an Kleidung?“ Wie viel String-Bikini hast du eingepackt? Achtzehn? Zwanzig? „Nein, Sechs.“ Das ist ja großartig. Einen für jeden Tag. „Warum zeihst du nicht gleich einen davon an?“ „Wie bitte?“ fragte sie mit kreischender Stimme. Du hast es doch gehört. Zieh diesen kleinen Schwarzen an, den, der an den Beinen ganz hoch ausgeschnitten ist und vorn nur aus ein paar Schnüren besteht, den, der ein halbes Gramm wiegt und fünfzig Mark gekostet hat und in dem dein geiles braunes Hinterteil voll zur Geltung kommt. »Das möchte ich sehen.« Ich lächelte und begann, ihre zarten Beine zu streicheln. Mir gefällt das sonnige Wetter. Ich hoffe sogar, dass es die ganze Woche sonnig ist. „Dann müssen wir nicht drinnen bleiben, im Bett, Rum trinken und versuchen, uns gegenseitig herumzukriegen.“ Was, Mario? Du meinst, du willst tatsächlich harten Sex? „Wir haben es diesen Monat doch schon einmal getan.“ „Nein, Zweimal.“ „Ich dachte, du wolltest die ganze Woche tauchen und schnorcheln.“ „Gegen wir uns ausziehen“, sagte ich mit einem Lächeln. Touristen schlenderten durch den weißen Sand dem Wasser entgegen. Die Band nebenan stimmte die Instrumente. Ich und Carola wanderten ziellos am weißen, heißen Strand entlang in Richtung Jachthafen. Die Ölscheichs ankern hier ihre Jachten und setzen mit dem Helikopter an Land. Auch Andalusiens Adel macht hier Badeferien und Carolines Ex Philippe Junot junge Blondinen an. Die Golfer Bernhard L. und Franz B. Golfen am liebsten im La Zagoleta. Sean Connery dagegen bevorzugt den Club Las Brisas. Rentner Dr. Helmut T. K. ist in Marbella daheim und J. P. Belmo auch. Ja, nicht zu vergessen der deutsch-österreichische Adel, etwa Bea von Auersperg und Sophie von H. H.. Sehr ängstlich und vorsichtig steuerte Carola den amerikanischen Jeep, den wir uns gemietet hatten, durch den frühmorgendlichen Verkehr des Einkaufsviertels. Ich gab Anweisungen und behielt den Rückspiegel im Auge. Auf den engen Straßen und Gehsteigen drängten sich schon jetzt die Touristen, die die in den Schaufenstern ausgestellten Waren, wie farbenfrohe Kleider, außergewöhnliche Düfte von Parfüms und extra originelle Schuhe betrachteten. Flanieren, sich zeigen und gesehen werden. Marbella steckt voller Leben. Ich deutete auf eine versteckte Seitenstraße und der Jeep schoss zwischen zwei Touristengruppen hinein. Ich küsste Sie auf die Lippen. „Wir treffen uns um halb Vier wieder.“ „Sei vorsichtig“, sagte sie verwirrt. „Ich gehe zuerst ein wenig Schoppen, dann halte ich mich in der Nähe des Apartments am Strand auf.“ Am Strand gab es weiter eine kalte Dusche, Kioske und Restaurants. Ich schlug die Tür zu und verschwand zwischen zwei kleinen Palmen. Eine Gasse mündet in eine breitere Straße, die zum Touristenschopp führt. Ich schlüpfte in einem überfüllten Jeansladen mit Gestellen und Regalen voller T-Shirts, Strohhüten und Sonnenbrillen. Ich schaute mich nur um. Zwei Minuten später spurtete ich aus dem Laden auf den Rücksitz eines gerade vorbeifahrenden Taxis. Der Fahrer sagte nicht, sondern fuhr erst einmal ohne Zielangabe. „Fahren Sie einfach weiter“, sagte ich. Zehn Minuten später hielt er vor dem Golfplatz. Ich zog mir Geld aus der Tasche, warf dem Fahrer einen Zehner über die Rückenlehne und ging zum Einlass. In einem Golf-Fashion-Laden kaufte ich mir einen Becher Kaffee. Wir hatten Glück gehabt, dass wir so kurzfristig eine Unterkunft gefunden hatten. Die hübschen Hotels standen näher beieinander und das Meer kam zum Vorschein. Ein Stück weiter stand ein Dutzend strohgedeckter Hütten. Neben der Pier gab es eine Freiluftbar, namenlos. Ich lehnte mich auf meinem Stuhl zurück und nahm einen Schluck von meinem Kaffee. Dann suchte ich in meiner Hosentasche etwas Kleingeld, bezahlte und ging. Gleich nach dem Mittagessen ging Carola in den Park. Es war wirklich ein wunderschöner Tag. Überall bunte Bette von Blumen und aufspringendes Leben. Heiter waren auch die Menschen, die spazieren gingen. Carola erinnerte sich an ihr Wiedersehen mit Heiko bei ihren Eltern in Brandenburg. Und setzte sich auf die grüne Parkbank. Ja, sie erinnerte sich, wie sie zur Villa ging und ihn finden wollte. Die Villa stand in der Sonne, außerhalb des Waldschattens. Die weit offene Tür! So sah man, wie er zu Hause war. Und das Sonnenlicht fiel auf die Marmorplatten des Fußbodens. Als sie den Weg hinaufging, sah sie ihn durchs offene Fenster. Er rauchte eine Zigarette und trank ein Schluck aus der Bierflasche. Heiko stand auf und kam zur Tür, noch immer rauchend. „Darf ich hereinkommen?“ fragte sie. „Komm nur“ Die Sonne schien in den kreativ eingerichteten Raum. Es standen Designermöbel in diesem Zimmer, die ein wenig kosteten. Sie setzte sich in einen schwarzen Ledersessel, der sehr bequem war. „Möchtest du etwas zu trinken?“ fragte er. „Willst du ‚ne Tasse Tee oder ein Glas Wasser?“ Er hob sich vom Hocker. „Wenn du mich das selbst machen lässt“, sagte sie und stand auf. „Nah schön, die Teekanne ist da“, er zeigte auf einen kleinen anthrazitfarbenen Eckschrank und „und Teegläser auch. Und der Tee ist im Schrank über deinem Kopf. Sie holte die schwarze Teekanne heraus und die chinesisch-bemalte Teebüchse vom Bord. Dann spülte sie die Teekanne mit heißem Wasser aus. Wie schön es hier war, so still, richtig beruhigend. Es standen Buchen vor der Villa und die roten Buschrosen gaben das Gefühl von Leidenschaft und Behaglichkeit. Draußen sah Carola auf die breite, Sandsteinplatte der Schwelle. „Es ist so schön hier, sagte sie, „diese wunderschöne Stille, alles lebendig und still.“ Er zündete sich noch eine Zigarette an, sehr langsam und mit Genuss, und sie spürte, wie er sich freute. Schweigend goss sie den schwarzen Tee auf und stellte die Teekanne in den Teekannenwärmer. Sie stellte die beiden Teegläser auf den Tisch und goss den Tee hinein. „Der Zucker ist im Schrank und ein Sahnekännchen steht im Kühlschrank“, sagte er. Mit einem ironischen Lächeln sah er zu ihr auf. „Wo sind die Löffel?“, fragte sie. „In der Schublade“, erwiderte er. „Freust du dich?“ fragte sie ihn. Er wandte ihr schnell seine blauen Augen zu und richtete sie fest auf sie. Wieder lächelte er sie an, mit charmantem Humor. „Aber warum sollte ich nicht guter Laune sein?“ fragte er. „Nächsten Monat verreise ich in die Karibik für einige Zeit“, sagte sie dann. „So!" „Wohin denn?“ „Nach Lanzarote! Mit deinem Mann? „Wie lange?“ „Einen Monat oder so“, entgegnete sie. Eine Schweigepause entstand. „Du vergisst mich nicht, wenn ich weg bin, nicht wahr?“ Wieder hob er die Augen und richtete sie voll auf sie. „Vergessen?“ sagte er. „Du weißt, dass man nicht vergisst.“ »Das hat nichts mit dem Gedächtnis zu tun.« Sie wagte nicht, ihn anzusehen. Heiko schwieg eine lange Zeit, dann sah er ihr wieder fest ins Gesicht. Schweigen legte sich über sie. Er starrte mit einem leisen Grinsen zum Fenster hinaus. Sie hasste sein Grinsen. „Carola, hast du die Pille genommen, damit du kein Kind kriegst?“ fragte er plötzlich. „Wir haben kein Kondom genommen.“ „Nein“, erwiderte sie leise, „Ich hasse so etwas.“ Er sah sie an und starrte dann wieder mit diesem sonderbaren, bösen Grinsen zum Fenster hinaus. Gespanntes Schweigen herrschte. Endlich wandte Heiko sich ihr zu und sagte beißend: „Deshalb also hast du dich mit mir zusammengetan, um ein Kind zu kriegen!“ „Ja, für uns Frauen gibt es den Zeuger-Mann und den Spieler-Mann.“ „Mario ist mit seiner Firma verheiratet.“ Carola senkte den Kopf. Er brach in Gelächter aus. Ein langes, kaltes Schweigen. „Nah schön“, sagte er schließlich. Heiko reckte sich so sonderbar, seine Muskeln zitterten und seine Kiefer waren so sonderbar, und seine Kiefern waren merkwürdig fest aufeinander gepresst. „Aber ich habe mich nicht an dich bedient“, sagte sie. „Nein“, sagte sie, „Ich liebte deinen starken Körper.“ „Ach!" sagte er und er lachte. „Dann sind wir ja quitt.“ „Ich glaube, deinen Körper liebte ich auch.“ Mit seltsam verdunkelten Augen sah er sie an. „Hast du Lust, damit weiterzumachen, womit wir angefangen haben, und wir gehen rauf ins Schlafzimmer?“ fragte er sie mit zurückhaltender Stimme. „Nein, nicht hier und nicht jetzt!“ sagte sie benommen. Dennoch hatte sie großes sexuelles Verlangen, wenn er nur die geringste Gewalt auf sie ausgeübt hätte. Er drehte sein Gesicht wieder fort und es war, als vergesse er, dass sie da war. „Ich möchte dich berühren, wie du mich berührst“, sagte sie. „Ich habe dich niemals richtig berühren können.“ Heiko sah sie an und lächelte wieder. „Jetzt?“ fragte er. Ja. „Nimm mich in deinen Armen“ sagte sie. „Wie berühre ich dich?“ fragte er. „Wenn du mich anfasst.“ Er sah sie an und begegnete ihren brennenden, teuflischen Augen. „Und hast du es gern, wenn ich dich berühre?“ fragte er und lachte sie noch immer an. Ja. Und du? „Ich muss gehen“, sagte sie. „Du willst schon gehen?“ fragte er enttäuscht. Sie wünschte sich, er würde sie zart berühren, etwas Bezauberndes zu ihr sagen, doch er schwieg und stand nur wartend da. Carola bemerkte nicht, wie sie von Heiko seine Liebe fordert. Danke für den Tee, sagte sie. Etwas anderes viel Carola auch nicht einzusagen. Sie ging den Weg hinunter und er stand an der Tür und grinste. Doch sie wusste, dass Heiko dort stand und ihr nachsah, mit diesem unbegreiflichen Grinsen im Gesicht. Carola musste etwas tun. Sie musste zur Villa zurückgehen. Ohne Umwege schritt sie auf ihn zu. „Du siehst, ich bin gekommen“, sagte sie. „Ja, ich bin ja nicht blind“, erwiderte er, kam aus dem Türrahmen heraus und sah sie leise belustigt an. Ein hilfloses Schweigen entstand zwischen dem starken Mann und der liebebedürftigen Frau. „Wollen wir nach oben gehen?“ fragte er schließlich. „Willst du mich denn?“ fragt sie mal ganz dumm. Sie sagte nichts. „Dann komm“, sagte er mit einem ironischen Betteln. Und sie ging mit ihm ins Schlafzimmer. Es war ganz dunkel, als er die Tür zugemacht hatte, und so zündete er ein kleines Kerzenlicht an. „Hast du keine Unterwäsche an?“ fragte er. „Ja." „Nah gut, dann ziehe mich aus!“ sagte er. Sie schüttelte ihr Haar. Er setzte sich auf das Bett, zog Schuhe aus und knöpfte seine Jeanshose auf. „Leg dich hin“, sagte sie. Mit ihren schnellen Händen zog sie ihm sein T-Shirt aus. Ihre langen Haare ließ sie über seinen Körper streichen, bis zum Bauchnabel, wo sie dann seine Hose mit seinem Tanga herunterstreifte. Mit den Haaren ging sie bis zu seinem Penis und streichelte sein bestes Stück, das sie so faszinierte. Sie küsste ihn, bis er hart wurde. Heiko legte sich auf den Bauch und hockte sich auf. „Carola, leg dich hin“, sagte er, als er nackt vor ihr stand. Sie gehorchte schweigend und er legte sich neben sie und zog die Decke über sie beide. „Ah, gut!“ sagte er. Und er schob ihr rotes T-Shirt ganz hinauf, bis er zu ihren zarten Brüsten kam. Er küsste sie sanft, nahm die Spitzen in die Liebkosungen zwischen seinen Lippen. „Ahhh, das ist gut!“ sagte sie. Er rieb plötzlich mit schmiegenden Bewegungen das Gesicht an ihrem warmen Bauch. Und sie schlang die Arme um ihn. Sie wollte ihn, seinen nackten Körper und sein bestes Stück, seinen Penis. Der ihr ganz ohne Scham, nackt, ohne Behaarung, die Befriedigung geben konnte. Sie zuckte vor Erregung, als er in sie sanft eingedrungen war. „Ahhh, das ist gut!“, erbebte etwas in ihr und in ihrem Sinn richtete sich etwas auf zu starren Widerstand. Richtete sich auf gegen erschreckende Vertrautheit und gegen die sonderbare Hast. Und diesmal überkam sie nicht die Ekstase ihrer Leidenschaft. Sie lag nur da, die Hände tot auf seinem mühenden Körper, und sie wollte tun, was sie wollte. Ihr Verstand schien zuzusehen. Das Auf- und Ab seiner Hüften kam ihr lächerlich vor und der Eifer seines Penis, zu anstrengenden Entleerungen zu gelangen, erschien ihr absurd. Ja, das war die Liebe. Eine Frau liegt ohne Beteiligung da, kalt und findet das Rauf und Runter des Hinterns und dieses Erschlaffen des erogenen, feuchten, kleinen Penis lächerlich. Schließlich hatten die modernen Menschen wohl doch Recht, wenn sie sagten: Eine Prostituierte gibt dem Mann, was er sich wünscht. Doch das konnte Carola nicht von sich sagen. Sie findet es lächerlich, im Fliegen zu ficken. Der Mensch ist geschaffen, um einen finsteren Sinn für Humor zu haben. Die Menschen verachten den Geschlechtsakt und vollziehen ihn doch. Selbst im einundzwanzigsten Jahrhundert gibt es solche Menschen, die bei dem Thema Sex einen Hormonüberschuss bekommen. Alle machen es, ficken, und doch reden sie darum herum. Kalt und geringschätzig stand ihr seltsamer Verstand daneben, und wenn sie auch ganz reglos dalag, trieb es sie doch, ihr Becken anzuheben und dem Aufundniedergehen seiner Hüften zu erwidern. Vor sich selbst wollte sie beschützt werden, vor ihrem eigenen inneren Gefängnis und Widerstand. Doch wie mächtig war der innere Widerstand, in dem sie gefangen war! Heiko nahm Carola in seine Arme und zog sie an sich, und plötzlich wurde sie klein in seinen Armen, klein und schmiegsam. Alles war verflogen und sie schmolz wie ein Eisberg. Und während sie in seinen Armen dahin schmolz, klein und wunderbar, wurde sie unendlich begehrenswert für ihn. All seine Blutgefäße siedeten vor wallender, doch zärtlicher Begierde nach ihr. Nach ihrer hauchdünnen Sanftheit, nach der zerbrechlichen Schönheit, mit der sie in seinen kräftigen Armen lag und die in sein heißes Blut überfloss. Dennoch sanft, mit herrlicher, schwindelerregender Liebkosung, glitt seine zitternde Hand in reiner, zärtlicher, verlangender Begierde über die sanften Kurven ihrer Hüften, hinab zwischen ihre weichen, heißen, glühenden Schenkel, näher, immer näher dorthin, wo sie am lebendigsten war, wo ihr Leben war. Und sie spürte ihn wie eine Flamme des Begehrens, eine Zärtliche doch, und sie fühlte, wie sie hinschmolz in der glühenden Flamme. Sie ließ sich von ihren Gefühlen davontreiben. Sie fühlte seinen gewaltigen Penis sich mit schweigender, wunderbarer Gewalt und Sicherheit gegen sie erheben und sie überließ sich mit ihrer ganzen Geilheit ihm. Sie ergab sich ihm mit einem kalten Schauer, der wie Tod war, und öffnete sich ihm ganz. Und wenn er jetzt grausam mit ihr wäre, wäre sie ganz geöffnet für ihn und wehrlos. Sie zitterte wieder unter dem zwingenden, unerbittlichen Eindringen in ihren weichen Leib, das so lustvoll war, und nach mehr verlangen. Er mochte mit dem harten Stoß seines gewaltigen Penis in ihren weich geöffneten Schoss kommen, und das würde der Orgasmus sein, in dem beide einen kleinen Tod spüren. Carola klammerte sich fest an ihn. Doch er drang mir einen seltsamen, ruhigen Stoß der Ruhe in sie – mit dem dunklen Stoß der Ruhe und einer schweren, erdrückenden Zärtlichkeit. Und die erregende Lust in ihrer Brust wurde stärker. Sie wagte es, sich dieser Ruhe zu überlassen, und sie hielt nichts zurück. Sie wagte es, alles hinzugeben, ihr ganzes Selbst und sich von der reißenden Flut davontragen zu lassen. Ihr war, als sei sie der Fluss, heller, steigender und fallender Fluten, von einem mächtigen Strom getragen, und langsam geriet ihre ganze Helligkeit in Bewegung, und sie war der Fluss. Und auf dem steinigen Grund ihres Innern teilte sich die Tiefe und wogten auseinander von dem weichen Mittelpunkt sanften Eindringens aus. Als sein gewaltiger, harter Penis tiefer eindrang, immer tiefer, sie immer tiefer berührte, und tiefer, tiefer, tiefer wurde sie bloßgelegt. Sie verging, sie war nicht mehr, sie wurde neu geboren: ein geiles Weib. Ihr zitternder Körper drängte sich jetzt in zärtlicher Liebe an den unbekannten Mann. Blind hob er sich dem klein werdenden, schwachen Penis entgegen, der sich zart, zerbrechlich, unschuldig zurückzog, nach den wilden Stößen seiner Kraft. Als er ihr aus ihrem Schoss entglitten wollte, stieß sie einen lustvollen Schrei aus, einen Schrei, der ungesättigt war, um ihren Verlust zurückzuholen. Es war so geil gewesen! Und sie liebte den Genuss der verlangenden Geilheit. „Es war so gut!“ Stöhnte sie. „Es war so gut!“ Aber er sagte nichts, küsste sie nur sanft und lag still über ihr. Ja, sie stöhnte vor Verlangen nach seinem Körper, als eine Frau der Bedürfnisse. Ihre zarten Hände irrten über seinen schwitzigen Körper. Wie schön er sich anfühlte. Wie herrlich, wie gut, wie stark und doch wie rein und zart, diese Stille des empfindlichen Körpers! Zaghaft glitten ihre Hände seinen Rücken hinab, hin zu den sanft geschwungenen, kleinen Hügeln seines knackigen Hinterns. Die unaussprechliche Gestalt, die in Berührung des warmen, lebendigen Hinterns lag! Faszinierend, das seltsame Gewicht der harten Kugeln zwischen seinen behaarten Beinen. Sie klammerte sich an ihn und stieß einen stöhnenden Laut aus. Sie drängte sich näher zu ihm hin und sie spürte, wie anschwellend sein kleiner Penis aufstieg. Und ihr Herz wurde schneller. „Du liebst mich, nicht wahr?“ Flüsterte sie in seinem Ohr. „Ja, du weißt es doch!“ Erwiderte er. „Aber sag es mir!“ Verlangte sie. „Nu, nu!“ „Hast du es denn nicht gemerkt?“ sagte er und sie presste sich eng an ihn, ganz eng. „Du liebst mich“, flüsterte sie dann voller Zuversicht. „Sag, dass du mich immer lieben wirst“, bat sie drängend. „Ja“, erwiderte er abweisend. Und sie spürte, wie ihre Fragen ihn von ihr wegtrieben. „Müssen wir nicht aufstehen?“ fragte er schließlich. „Nein!“ Entgegnete sie. Doch sie konnte fühlen, dass sein Bewusstsein abirrte und in ihren Gedanken lauschte. Dann stand er dort und knöpfte seine Hose zu und sah auf sie nieder. Sein Gesicht war ein wenig gerötet und sein Haar zerzaust. Es trieb Carola, sich an, ihn zu klammern, ihn festzuhalten. Sie hätte schreien können, sie wollte ihn fassen, ihn haben. Doch sie würde ihn niemals haben. „Heiko, ich liebe dich dafür, dass ich dich getroffen habe.“ „Magst du mich auch?“ fragte sie und ihr Herz klopfte. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich dich benutzen wollte, nicht?“ „Wieso?“ Ein stilles Schweigen, von beiden. „Dann komm, du musst gehen“, sagte er, neigt sich vor und streichelte über ihren nackten Schoss und ihre prallen Brüste. „Bist du eine gute Votze?“ Die beste Votze, die man nur in diesem Jahrhundert finden kann. Wenns dir Spaß macht! Wenn du willst. „Was ist das, eine Votze?“ fragte sie und wurde ganz rot im Gesicht. „Das weißt du nicht?“ Votze! „Das bist du selber, zwischen deinen Schenkeln und das, was ich fühle, wenn ich in dir drin bin.“ „Das Ganze zwischen meinen Schenkeln!“ zog sie ihn auf, indem sie ihre Schenkel spreizte und mit ihren Fingern an ihren Schamlippen spielte. „Votze!“ „Das ist also, wo du mit deinem strammen Penis mich ficken kannst.“ Sie richtete sich auf und küsste ihn auf die Lippen, die so weich und so unsagbar warm waren. „So?“ Erwiderte sie. „Und du hast mich lieb?“ Er küsste sie auf die Lippe, ohne ihr zu antworten. Als sie in Gedanken bei ihm, nach Hause lief, war die Welt wie ein Traum. Die Bäume im Park hoben und senkten sich. Ein kleiner Junge spielte Ball und schoss aus Versehen den Ball zu Carola an die Bank. Dabei ist sie erschrocken aus ihrer Erinnerung aufgewacht. Ziemlich zerstört warf sie dem kleinen Jungen den Ball zu. Er freute sich und bedankte sich bei ihr. Als Carola im Zwielicht nach Hause lief, kam es ihr vor, als ob sie mit der Strömung des Flusses ging. Dann, Donnerstag, als ich und Carola im Lighthouse an der Straße nach Norden gegrillten Barsch aßen, waren wir elegant gekleidet. Um acht Uhr am nächsten Morgen passierte ich die Sicherheitskontrolle vom Parkhaus und ging durch das Labyrinth aus kleinen Kammern und Büros. Nina erwartete mich. Ich machte die Tür hinter mir zu und ging an meinen Schreibtisch. Ich bewegte mich nicht ganz so flink wie sonst. Die Nächte waren eine lange, aufregende erotische Begegnung mit meiner Frau. Meine Augen waren rot und mit jedem Atemzug bemerkte ich, wie ausgepowert ich noch war. „Was ist mit dir, Mario?“ fragte Nina. „Ich hatte mit meiner Frau eine wundervolle Woche verbracht“, erwiderte ich. „Was Sie nicht sagen.“ Sekunden später musste ich zu einer Besprechung. Ich war wieder einmal Zeuge von Franz' chaotischen Reisevorbereitungen, während er dabei ins Telefon schrie. Ich saß mit einem Notizblock auf der Couch und schaute zu. Mein Business-Angel hatte vor, zwei Tage auf Hawaii zu verbringen. Der 14. August und damit der Termin zur Abgabe der Urlaubsanträge und fertiggestellten Wirtschaftsanalysen von Telekommunikationsgesellschaften. Es war nichts als Arbeit, behauptete Franz. Er hatte schon Wochen von der Reise geredet und sich gefreut. Er würde dann bald fliegen wollen und er wartete auf die Bestätigung von Herrn Bruno. Franz knallte den Hörer auf die Gabel und griff seinen Trenchcoat. Nina kam herein und wendete sich an mich. „Mario, ihre Frau ist hier.“ Sie sagt, es wäre etwas passiert. Das Chaos verstummte. Ich sah Franz fassungslos an. „Wo ist sie?“ fragte ich, bereits stehend. „In Ihrem Büro.“ „Mario, ich muss los“, sagte Franz. Ich rufe Sie morgen früh an. „Ich hoffe, es ist nichts Ernstes. „Ich auch.“ Ich folgte Nina wortlos den langen Flur entlang in mein Büro. Carola saß an meinem Schreibtisch und ihr flossen die Tränen über das Gesicht. Ich machte die Tür hinter mir zu und musterte sie. „Mario, ich muss nach Hause, zu meinen Eltern.“ Warum? Was ist passiert? „Mein Vater hat gerade in der Schule angerufen.“ Sie haben in Mutters Brust einen Tumor entdeckt. »Sie wird morgen operiert.« Ich holte tief Luft. „Das tut mir sehr leid.“ Ich nahm sie in den Armen. Sie weinte sehr. „Mario, ich muss fahren.“ „Ich habe mich schon in der Schule beurlauben lassen.“ „Für wie lange?“ fragte er nervös. Sie schaute an ihm vorbei durch das offene Fenster. Ich weiß es nicht, Mario. Wir müssen uns eine Weile trennen. Im Moment habe ich eine Menge Dinge satt und ich brauche Zeit. Es liegt nicht an dir. »Ich glaube, das wird uns beiden gut tun.« „Lass uns darüber reden.“ Zum Reden bist du viel zu beschäftigt. „Ich versuche seit Monaten, mit dir zu reden, aber du hörst mich nicht.“ „Wie lange willst du fortbleiben, Carola?“ Ich weiß es noch nicht. Kommt auf Mutter an. „Nein, es kommt auf eine Menge Dinge an.“ „Du machst mir Angst, Carola.“ „Ich komme wieder, das verspreche ich.“ Ich weiß nur noch nicht, wann. Vielleicht in einer Woche. Vielleicht in einem Monat. »Ich muss mir über Vieles klar werden.« Ich weiß es einfach nicht, Mario. Ich brauche einfach Zeit. Ich weiß. „Ich muss jetzt dringend nach Hause und ein paar Sachen einpacken und in ungefähr einer Stunde fahre ich los.“ „Gut." „Und pass auf dich auf.“ „Ich liebe dich, Mario.“ Ich nickte und sah zu, wie Carola die Tür öffnete und ging. Carola fuhr in Richtung Brandenburg, traf dort aber nicht ein. Eine Stunde westwärts verließ sie die Autobahn und bog nordwärts auf die Bundesstraße ab. Sie fuhr zeitweise zwei hundertzwanzig, dann ein hundertachtzig. In einer kleinen Stadt, an einer Kreuzung bog sie ab und fuhr nach Osten. Zweieinhalb Stunden später war sie in Hamburg angekommen und der weiße Porsche verlor sich im Stadtverkehr. Sie stellte ihn auf den Langzeitparkplatz am Flughafen von Hamburg und stieg in einem Zubringerbus zum Terminal. In der Damentoilette im großen Wartesaal zog sie sich um, Jeanshose, Mokassins und weißen Pullover. Die Kleidung war der Jahreszeit recht angemessen, dennoch: Sie war auf dem Weg in ein wärmeres Klima. Sie raffte ihr schulterlanges Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen. Sie setzte eine Sonnenbrille auf und stopfte ihr buntes Kleid, die hochhackigen pinkfarbenen Schuhe und die Strumpfhosen in eine Reisetasche. Fast fünf Stunden, nachdem sie Berlin verlassen hatte, trat sie an den Lufthansa-Schalter und zeigte ihr Ticket vor. Sie bat um einen Fensterplatz. Glücklicherweise brauchte sie nicht zwischenlanden. Sie war nervös, versuchte aber nicht daran zu denken. Sie trank ein Glas Wein und las ein Buch. Einige Stunden später landete sie in Albufeira und verließ das Flugzeug. Carola ging rasch durch das Flughafengebäude und registrierte die Flughafenhalle. Am Schalter der Fluggesellschaft legte sie ihr Rückflugticket vor und dazu, wie gefordert, ihre Geburtsurkunde und ihren Führerschein. Clevere Leute, die auf den Albufeira. Sie lassen einen nicht ins Land, wenn man nicht zuvor ein Ticket gekauft hat, mit dem man es wieder verlassen kann. Bitte kommen Sie, geben Sie Ihr Geld aus, aber dann fliegen Sie wieder ab. Bitte. Carola saß in einer kahlen Ecke des überfüllten Raums und versuchte ihr Buch zu lesen. Ein junger Mann mit einer hübschen Frau starrten sie ständig an. Ich ging in ein Bistro, holte mir an der Bar einen Kaffee und drängte mich durch die Menge und setzte mich an einen Tisch, wo ich mich nach den Frauen umsah. Während ich selbstbewusst am Tisch saß, erschien eine dunkelblonde Spanierin, aus dem Fitnessstudio und ließ sich ein wenig nervös, aber äußerlich gelassen auf einem Barhocker nieder. Sie musterte mich. Ihre Sonnenbräune stammte von der Sonnenbank. Manche Stellen waren stärker als andere, aber aufs Ganze gesehen war es eine beneidenswerte Bräune. Ihr Haar war fast schwarz, das Make-up war nicht auffallend. Ihr Kostüm war vom Designer, das Aufmerksamkeit verlangte. Die großen Brüste formten Ihre Oberweite. Sie war fünfundzwanzig, und fünfundzwanzig Augenpaare folgten ihr zur Bar, wo sie sich ein Gin-Tonic bestellte und eine Zigarette anzündete. Sie rauchte und beobachtete mich. Ich war ein Wolf. Ich sah gut aus und wusste es. Ich nippte an meinem Kaffee und musterte langsam sämtliche Frauen. Ich fand eine junge Blondine und schien im Begriff, mich auf sie zu stürzen, als ihr Mann auftauchte und sie sich auf seinen Schoss setzte. Ich nippte an meinem kalten Kaffee. Ich bestellte eine Club Soda mit einem Spritzer Zitrone. Sofort fiel der Blick des Wolfes auf die lockeren, großen Brüste und ich beobachtete, wie sie in meiner Richtung hüpften. Ich wurde nervös. „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ fragte sie. Ich erhob mich halb und griff nach dem Stuhl. „Aber gern.“ Es war ein großer Augenblick für mich. Unter all den hungrigen Wölfen, die an der Bar lauerten, hatte sie mich ausgewählt. „Ich bin Mario.“ „Nett, Sie kennenzulernen.“ „Ich bin Susanna.“ Sie war Susanna. Sie trug keine Ehrringe. „Was führt Sie hierher?“ „Bin nur auf Durchreise und fahre heute Abend in die Schweiz, um eine alte Freundin zu besuchen.“ Sie kicherte wie ein kleines Mädchen. „Was trinken Sie?“ fragte ich. „Gin und Tonic.“ „Mit einem Spritzer Zitrone.“ Ich begab mich zur Bar, kehrte mit den Drinks zurück und rückte meinen Stuhl näher an den Ihren heran. Jetzt berührten sich unsere Beine. Ihre großen Brüste ruhten bequem auf dem Tisch. „Sind Sie allein?“ Überflüssige Frage, aber ich musste sie aus Prinzip stellen. Ja. Und Sie? „Auch. Haben Sie schon Pläne bis zur Abfahrt? „Eigentlich nicht.“ „Gut.“ Drüben im Eleganz-Studio wird in ein paar Minuten eine Modenschau gezeigt. Viele interessante Leute, Champagner. Alles, was dazugehört. „Ich komme mit.“ Sie rückten noch enger zusammen und plötzlich war meine Hand zwischen ihren Knien. Es war ihr nicht unangenehm. Denn sie lächelte. Ich lächelte natürlich auch. Sie musterte mich einen langen Augenblick und gab mir einen Kuss auf die Lippen. Es war nur ein kurzer Weg von den Apartments zum Strand. Als sie Zimmer 196 erreicht hatte, lag es nach vorn heraus, mit Ausblick auf den Pool. Sie schwitzte, als sie an die Tür kam. Carola riss sie auf. Legte sich auf Bett. Dann wischte sie sich mit einem Handtuch das Gesicht ab und öffnete eine Flasche Club Soda. ES war ein Einzelzimmer mit einem breiten Bett. Die bunte Couch und der kleine Holztisch standen noch im Zimmer. Eine nackte Glühbirne hing von der Decke herab und lockte Hunderte von Mücken an. Carola trank einen Schluck Club Soda. Instinktiv knöpfte sie ihre Jeans auf und ließ sich aufs Bett fallen, um ihre Jeans auszuziehen. Ihr Blick kehrte zum Fenster zurück und dann ließ sie die Hand an ihrem Bein aufwärts gleiten. Carola kippte zur Seite auf ihr Kissen. Dann schloss sie die Augen. Sie hob ihre Beine aufs Bett und deckte sie zu.

 

 

Kapitel 12

Am Sonntag wollte ich einen Spaziergang durch den Park machen. Es war ein herrlicher Morgen. Ich war in Hochform an diesem strahlenden Morgen. Die Lerchen oben über dem Park trillerten Hell. Mir gingen so viele Gedanken durch den Kopf und ich dachte über Vieles nach. Wenn ich mit meinen Gefühlen über die Beamten in Fahrt geriet, hatte Carola Angst. Ich sah Carola, wie sie mir entgegenkam. Sie hörte das Hämmern eines Spechtes und den Wind, der weich und geisterhaft durch die Lärchen strich. Sie sah empor. Weiße Wolken segelten durch den blauen Himmel. „Wolken!“, sagte sie. „Aber nur weiße Schläfchen“, erwiderte ich. „Ich möchte wissen, ob es Regen geben wird“, sagte sie. Ich erwiderte nicht. Wir machten uns auf den Rückweg und kamen zum dunklen Grund der Senke, wandten uns nach rechts und bogen nach fünfzig Metern zum Fuß des langen Hanges ein, wo das Sonnenlicht stand. Es war ein steiler und holpriger Anstieg. „Hast du jemals „Faust“ gelesen? „Fragte ich sie.“ „Ich hab es versucht, aber er langweilt mich.“ „Er ist wirklich außergewöhnlich.“ „Möglich!“ Aber er ist mir zu langweilig, all diese Tragödien! Er hat zu viel Tragik, er hat nur endlose Worte über Gefühle und Liebe. Ich bin diese überheblichen Dramen leid. Würdest du überhebliche Glücksgefühle vorziehen? „Vielleicht!“ „Aber man könnte doch wohl etwas finden, das nicht überheblich ist.“ Carola gab keine Antwort und ging so bald wie möglich ins Schlafzimmer und legte sich frühzeitig schlafen. Um halb elf jedoch stand sie auf und trat hinaus, um zu horchen. Kein Laut war zu hören. Carola ganz nackt ging die Treppe hinunter. Ich schaute noch Fernsehen und war geschafft von der Firma. Carola hatte noch eine Verabredung, von der ich nichts wissen sollte. Es war Mark, ein alter Liebhaber, mit dem Sie sich treffen wollte. Carola kehrte in das Schlafzimmer zurück, zog sich ihre Jeanshose an, einen warmen Pullover, aber trug keine Unterwäsche und schlüpfte in ihre Mokassins. Und sie war fertig. Wenn sie jemandem begegnete, ging sie nur auf ein paar Minuten an die Luft. Und am Morgen, wenn sie wieder zurückkam, würde sie lediglich einen kleinen Spaziergang durch den Tau gemacht haben, wie sie es oft tat vor dem Frühstück. Als Carola den Weg zum Park ging, hörte sie im Dunkeln das Rascheln eines Strauches. Mark war also da und hatte sie gesehen. „Lieb von dir, dass du so früh kommst“, sagte er aus dem Dunkel. „Ging alles glatt?" ging einfach. „Er ist auf der Couch vor dem Fernseher eingeschlafen.“ Sie gingen schweigend nebeneinander her. Nach einer Weile sah sie in der Ferne ein grelles Licht. „Da ist ein Licht“, sagte sie. „Es scheint bei mir.“ „Ich lasse immer Licht im Haus brennen“, erwiderte er. Sie ging weiter an seiner Seite, ohne ihn zu berühren. Und Carola fragte sich, warum sie überhaupt mit ihm ging. Er schloss auf und sie traten ein und er schloss hinter ihnen die Haustür zu. Mit der Fernbedienung stellte er das Licht im Zimmer an und von der Stereoanlage ertönte leise, gedämpfte Soulmusik. Eine Flasche Champagner im Kühler und zwei Gläser standen auf dem Glastisch. Carola setzte sich in die rotbraune, lederne Couch. Es war warm hier nach der Kühle draußen. „Ich werde meine Schuhe ausziehen“, sagte sie. Carola saß da, die nackten Füße auf dem blanken Glastisch. Ihr wurde warm. Sie zog sich die Sachen aus. Er ging ins Bad und machte sich am Waschbecken etwas frisch. Carola hatte sich nackt, ein wenig in der Wohnung umgesehen. Wie stilvoll die große Wohnung war. An der Wand über die rotbraune lederne Couch, hing ein altes Meisterwerk von Goja, „Die nackte Maja“. „Du stehst auf antike Kunstwerke?“, fragte Carola. „Ja, habe ich auf einer Auktion, für einen guten Preis ersteigert. Mit Bewunderung sah sie das Bild an. „Magst du es gern?“ „Wollte Carola wissen.“ Ob ich es mag? Ja! »Ich vergöttere es sogar. « Er drehte sich um, um die Flasche Champagner zu öffnen und die Gläser vollzugießen. Er grinst plötzlich und ah sie an. Als er ihr ein Glas gab, setzte er sich. „Hast du schon viele Frauen geliebt? „Fragte Carola. „Geliebt?“, wiederholte er. „Hast du schon viele Männer geliebt? “ Aber Carola wollte sich nicht abspeisen lassen. „Aber du hast sie gern gemocht?“, beharrte sie. „Gern?“ Er grinste. Seine Augen weiteten sich. „Warum nicht?" Aber er schüttelte den Kopf und grinste noch. Scharf sah er zu ihr auf. „Und dann die, die tot sind da drin, einfach tot, hast du sie auch gemocht?“ fragte sie ihn, dabei fest sie sich zwischen die Schenkel. „Es ist erstaunlich, wie lesbisch Weiber sind, ob sie es wissen oder nicht, fast alle sind lesbisch“, sagte er. „Und das macht dir nichts aus? „Fragte Carola.“ „Ich könnte sie begehren. „Wenn ich mit einer Frau zusammen bin, die im Grunde lesbisch ist, bin ich ganz wild darauf, sie zu bekommen.“ Und was tust du dann? „Ich nehme mir Zeit und genieße es.“ „Aber hältst du lesbische Frauen akzeptabel als homosexuelle Männer?" „Ganz bestimmt!" Wenn ich an schwule Männer gerate, die mich anmachen wollen und ihre Blicke nicht von mir loslassen, sehe ich rot. Nein, nein! Ich will mit denen nichts zu tun haben. „Ich weiß, auf welcher Seite ich stehe.“ Der Champagner hat ihn etwas im Gesicht errötet und der nackte Anblick von Carola machte ihn ganz heiß. Er lachte. „Du scheinst tatsächlich schreckliche Erfahrungen mit schwulen Männern gemacht zu haben“, sagte sie. „Verstehst du, ich bin Hetero und ich kann mir nichts vormachen.“ Die meisten Männer tun das, wenn sie einen getrunken haben, und kommen so zu Rande. Sie nehmen es wie’s ist und belügen sich selbst. „Ich hab mir nie was vorgemacht, wusste immer, was ich mit einer Frau wollte.“ Sie schwieg. Es wurde spät. „Und du glaubst, es ist wichtig, ein Mann und eine Frau?“ " Ich denke ja. Was andere machen, ist mir egal, dafür bin ich nicht verantwortlich. Dennoch sollten sie sich nicht selbst belügen, nur weil sie schlechte Erfahrungen, mit den Frauen hatten. Sie sah ihn an und nahm einen Schluck aus dem Glas. „Hm." Er stand auf und legte eine neue CD auf. Als er sich umdrehte, sagte Carola: „Ich möchte auch noch für eine Minute hinausgehen.“ Sie zog sich einen knielangen weißen Pullover über und ging hinaus ins Dunkel. Sterne standen über ihr. Sie roch den Blumenduft in der nächtlichen Luft. Und sie fühlte den frischen Rasen unter ihren Füßen. Es war kühl geworden. Sie schauerte und kehrte ins Haus zurück. Er saß im Sessel und sah sich die Bilder in einer Tageszeitung an. „Huhu!“ Kalt!" Sie schüttelte sich und nahm seine Hand. Sie rutschte zu ihm hinüber und schmiegte sich in seinen Armen, wie er da, so in dem Sessel saß. Sie schwiegen. Plötzlich sagte er: „Ich glaube doch noch an etwas.“ Ich glaube an Leidenschaft. Ich glaube ganz besonders an kribbelnde Leidenschaft in der Liebe, ans Ficken mit heißem Blut. Ich denke auch, wenn die Männer mit heißem Blut ficken und die Frauen es mit heißem Blut erwidern würden, wäre alles gut. Diese kaltherzige Fickerei ist gefühlsmörderisch und nicht emotional. „Aber du fickst nicht ohne Gefühl und Emotionen?“ „Fragte sie erregt." „Ich will dich überhaupt nicht ficken“, sagte er spöttisch. „Oh!“ machte sie und küsste ihn mit einem spöttischen Lächeln. Er lachte und setzte sich bequem aufrecht. Ja, ja. „Lieber Sterben, als noch einmal von einer heißblütigen Frau leidenschaftlich gefickt zu werden.“ Sie sah ihn an. Er stand auf, nahm sie in die Arme, presste sie gegen seinen muskulösen Körper. Und da hielt er sie und da blieb sie. Bis seine Hände blind hinunter tasteten und nach ihr suchten, unter dem knielangen Pullover nach ihr suchten, dort, wo sie zart und weich war. Sie hob das Gesicht und sah ihn an. Mit großen, ruhigen Augen sah sie ihm ins Gesicht. Sein Körper wurde still, vollkommen still, doch er zog sich nicht zurück. Dann gingen sie schnell zu Bett, denn ihr Blut fing an zu kochen, und sie hatten sich einander erregt. Carola schmiegte sich ganz an ihn, fühlte sich klein und ganz umschlossen. Seine Hand strich über sie hin und sie öffnete ihre staunenden, glücklichen Augen und lächelte unbewusst in sein Gesicht. „Bist du glücklich?“, fragte sie. Er sah in ihre Augen. Er lächelte und küsste sie. Sie setzte sich auf. Sah sich um in dem weißen, großen Schlafzimmer, dessen weiße Vorhänge zugezogen waren. Das Zimmer war asiatisch mit kleinen Hockern und Schränken und einem großen, niedrigen Bett, in dem sie lag, eingerichtet. Er lag neben ihr und betrachtete sie und streichelte mit seinen Fingern ihre Brüste. Wenn er da so lag, sah er jung und hübsch aus. Seine Augen konnten so warm sein. Carola fühlte sich duftend und frisch wie eine junge Blume. „Ich möchte dir das ausziehen“, sagte er, raffte den hochgezogenen Pullover zusammen und streifte ihn über den Kopf. Mit bloßen Schultern saß sie da. Er liebte den Anblick, ihrer Brüste leise schwingen zu lassen, wie himmlische Glocken. „Du musst dich auch ganz nackt ausziehen!“, sagte sie. Und er zog seine schwarzen Jeanshose hinunter, Unterwäsche trug er nicht. Für Carolas Augen war er plötzlich durchdringend schön. Er stand vor ihr, den Rücken ihr zugekehrt, nackt und weiß und sportlich. Sein Rücken war weiß und breit, der kleine Hintern schön und von erlesener Männlichkeit, sein Nacken rötlich und kräftig. „Du bist so schön!“, sagte sie. Er zierte sich, seiner erregten Nacktheit wegen. Sie streichelte sich die Brüste. „Ich will dich!“ Sie betrachtete mit Begehren, seine Schenkel und seinen schlanken Bauch und den aufgerichteten Penis, der sich heiß aus der dunkelblonden Scharmbehaarung erhob. Sie brannte ein wenig in ihrem Schoss und spürte das Kribbeln in ihrem Bauch. Das Haar auf seiner straffen Brust war dunkel, fast schwarz. Aber an der Wurzel des Bauches, wo der aufgerichtete Penis, dick und gekrümmt war, war es kraus behaart. Sie zog die Unterlippe zwischen die Zähne. Schweigend sah der Mann auf den gestrafften Penis hinab, der sich stark erregte. Sie rutschte auf Knien über das Bett zu ihm und schlang die Arme um seine schmalen weißen Hüften und zog ihn an sich, dass ihre hängenden, schwingenden, vollen Brüste die Spitze des sich harten, stehenden Penis berührten und den Tropfen Feuchtigkeit auffingen. Carola hielt den Mann fest. „Leg dich hin!“ sagte er. „Leg dich hin!" Lass mich zu dir! Er hatte es eilig, sie zu ficken. Danach, als sie ganz still dalagen, musste Carola dem Mann seinen Penis betrachten. „Und jetzt ist er ganz winzig und weich wie ein Zwerg, der nichts zu sagen hat!“, sagte sie und nahm den weichen, kleinen Penis in die Hand. „Ist er nicht schön!“, und sie nahm den Penis in den Mund und verwöhnte ihn mit ihren Lippen. Er genoss es, wie sie den Penis auf und ab zwischen ihren Lippen bewegte, und sie hielt den Penis sanft in ihrer Hand. Und immer wieder küsste sie den harten Penis an seiner Eichel, die ganz erregt schwoll aufsah. Ein Schauer rann durch den Körper des Mannes, als der Bewusstseinsstrom wieder die Richtung änderte und abwärts kreiste. Dennoch war er hilflos, als der Penis sich langsam, mit weichen, schnellen Stößen füllte und schwoll und sich wieder erhob und hart wurde und hart und herrisch dastand in seiner sonderbar ragenden Art. Carola erbebte auch, als sie ihm zusah. Ja! Nimm ihn Dir! Er gehört dir, sagte er. Und Carola zitterte, ihr Bewusstsein löste sich auf. Scharfes, gieriges Verlangen und unaussprechliche Lust lagen da, als er in sie eindrang und die seltsame, geschmolzene Erregung in ihr weckte, die sich ausbreitete und ausbreitete, bis sie mitgerissen wurden von den letzten Wellen seines Stoßen der Leidenschaft. Er zuckte zusammen und barg sein Gesicht zwischen ihren Brüsten und drückte ihre weichen Brüste gegen seine Ohren. „Du musst wohl aufstehen?“, murmelte er. „Wie spät ist es?" „Kam eine leise Stimme.“ „Es ist gerade sechs Uhr.“ „Dann muss ich wohl.“ Er richtete sich auf und sah, ohne sie zu beachten, aus dem Fenster. Dann sah er sie an, mit Augen, die noch immer verdunkelt waren, fast wie von Schlaf. „Eine Frau ist etwas Schönes, wenn man sie tief ficken kann. Ich bewundere dich und deine Beine und deine Figur und das vollschlanke Weib an dir. Ich begehre das geile Weib, das du bist. Ich begehre dich mit meinen harten Eiern. Sanft legte er die Hand über ihren Venusberg, streichelte sie mit dem Finger zwischen ihren Schamlippen, auf das weiche gelockte Haar. Sie schaute ihn ganz erhitzt an und im Gesicht war sie ganz rot. Sie schloss die Augen und genoss seine Berührungen. Er saß ganz still und nackt auf dem Bettrand, das Gesicht reglos. Nach einer Weile langte er nach seinem Hemd und zog es an, zog sich schnell und schweigend an, sah einmal zu ihr hinüber, wie sie so nackt und schimmernd auf dem Bett lag, wie ein Diamant, und dann ging er hinaus. Carola lag da und dachte nach. Und sie seufzte und stieg aus dem Bett. Die Morgensonne fiel früh durch das große Fenster auf ihren nackten Körper. Er war geduscht und frisch. „Willst du einen Kaffee?“, fragte er. „Nein. „Leih mir einen Kamm.“ Sie folgte ihm in das Bad und kämmte sich das Haar vor dem großen Spiegel. Dann war sie fertig zum Aufbruch. Sie stand in dem kleinen Vorgarten und holte tief Luft, um ein wenig wach zu werden. „Es war eine schöne Nacht“, sagte sie, als sie sich von ihm trennte. Er lächelte und sagte nichts. Leise und unbemerkt kam sie ins Haus und ging ins Schlafzimmer. Eine Woche hatten wir Workaholics von Schimko, Grunewald und Bruno das Höchstmaß an Stress und liefen auf vollen Touren, angetrieben von purem Adrenalin. Und Angst. Angst davor, den Hörer abnehmen und dem Mandanten mitteilen zu müssen, dass die Wirtschaftsanalyse für sein Unternehmen fertig sei, aber leider müsste er zusätzlich neun hundert tausend zahlen. Um fünf Uhr morgens war der Parkplatz voll. Die Sekretärinnen arbeiteten zwölf bis dreizehn Stunden am Tag. Die Stimmung war gereizt, private Unterhaltungen selten. Ohne Frau, die zu Hause auf mich wartete, arbeitete ich rund um die Uhr. Franz hatte mich beschimpft und gemeinsam hatten wir uns durch die Pop-Ordner durchgewühlt, suchend und fluchend. Ich fand fünf überaus fragwürdige Scheinfirmen. Pop sagte, er überlegte, ob er sich nicht eine andere Unternehmensberatungsfirma suchen sollte. Eine in München. Sechs Tage vor Ablauf der Frist verlangte Pop ein Treffen mit Franz in Leipzig. Franz flog am späten Abend noch ab. Ich fuhr ihn zum Flughafen. Kurz nach halb eins kehrte ich ins Büro zurück. Auf dem Parkplatz standen noch drei rote Sportwagen, eine weiße Nobelkutsche und zwei schwarze Luxusflitzer. Der Wachmann hielt die Hintertür auf und ich fuhr mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock. Am Ende des Flurs war eine Stimme zu hören. Jerry saß an seinem Schreibtisch und verfluchte seinen Computer. Die anderen Büros waren dunkel und abgeschlossen. Ich hielt kurz den Atem an. Im Geschäftshaus herrschte Totenstille. Ich schaute zur Decke empor. Auf meinem Schreibtisch lagen fünfzehn Ordner, die darauf warteten, unterschrieben und eingereicht zu werden.

Einige Tage später, am Donnerstag, nachmittags war bei Schimko, Grunewald und Bruno Feierabend. Der Parkplatz war leer und die teuren Wagen trafen drei Kilometer entfernt hinter einem chinesischen Restaurant wieder zusammen, das Ming hieß und auf Meeresfrüchte spezialisiert war. Für die alljährlich stattfindende Gelage war ein kleiner Saal reserviert worden. Sämtliche angestellten Unternehmensberater und aktive Businessangels waren anwesend. Eine festliche Stimmung herrschte, und bereit, um sich die Birne vollzuschütten. In dieser Nacht waren die strengen Vorschriften für ein sauberes, mäßiges Leben außer Kraft getreten. Platten mit kalten, gekochten Schrimps und rohen Austern standen auf Tischen an der Wand. Ich ließ das Essen unbeachtet und nahm eine riesige Flasche Whisky zu einem Tisch neben dem Flügel mit. Peter folgte mir mit einer Schüssel Schrimps. Wir sahen zu, wie unsere Kollegen sich auf das Buffet stürzten. „Ja. Mit meinen bin ich gestern fertig geworden. Franz und ich haben die ganzen Tage durchgearbeitet, aber jetzt ist die POP-Wirtschaftsanalyse fertig. „Wie viel? “ „Eine Viertelmillion.“ „Au." Peter hob die Flasche und nahm einen kräftigen Zug. „Er ist wütend. Ich verstehe den Mann nicht. „Er hat aus allen möglichen Unternehmen glatte sieben Millionen herausgeholt und nun ist er stocksauer.“ „Was ist mit Franz?“ „Er macht sich Sorgen. Pop hat ihn mit nach Leipzig beordert und es ist nicht gut gelaufen. Gab Franz die Schuld an allem. „Sagte, er würde sich eine andere Unternehmensberatungsfirma suchen.“ „Ich glaube, das sagt er jedes Mal. Noch einen Schluck Whisky? „Wie geht’s Carola' Mutter?“ " Ich nahm mir einen Schrimp und pulte es aus. „Es geht ihr den Umständen gut, jedenfalls zur Zeit. Sie haben ihr eine Brust entfernt. Und wie geht es Carola? Ich öffnete mir eine Flasche Selterswasser. „Sie ist verwirrt und macht sich Sorgen." „Wissen Sie, Mario, unsere Kinder gehen in der Schule, wo Carola unterrichtet.“ Dort ist es kein Geheimnis, dass Carola sich hat beurlauben lassen. Sie ist jetzt seit zwei Wochen fort und wir machen uns Sorgen. „Das kommt bestimmt schon ins Lot.“ " Sie will eine Weile für sich allein sein. Das will doch jeder mal! Ich weiß nicht recht, Mario. Ich finde, es ist ziemlich beunruhigende Sache, wenn ihre Frau einfach wegfährt, auf unbestimmte Zeit. „Das jedenfalls hat sie dem Direktor der Schule gesagt." „Das stimmt, sie weiß noch nicht, wann sie zurückkommt. Es fällt ihr sehr schwer, sich mit der Arbeitszeit im Büro abzufinden, und dann bin ich abends auch ganz schön geschafft. “ Alle Unternehmensberater waren endlich eingetroffen und einer schloss die Tür. Im Saal wurde es lauter. „Haben Sie schon daran gedacht, es langsamer gehen zu lassen?“ „Fragte Peter.“ „Nein, eigentlich.“ Warum sollte ich? " „Hören Sie, Mario, ich bin schließlich Ihr Freund." Ich mache mir Sorgen um Sie. „Sie können nicht im ersten Jahr eine Million machen.“

Oh doch, dachte ich. Ich habe vorige Woche eine Million gemacht. Doch binnen zehn Sekunden war das Konto aufgelöst und das Geld lag sicher bei einer Bank in der Schweiz. Ah, die Wunder der Computerüberweisung. Ich leerte die Flasche und machte mich an die zweite Flasche Mineralwasser. „Ich weiß, Peter, aber ich habe nicht die Absicht, es langsamer gehen zu lassen.“ „Carola wird sich daran gewöhnen und dann ist alles wieder in bester Ordnung.“ Franz ließ sich mit einem neuen Teller voll Schrimps ihnen gegenüber am Tisch und begann sie auszupulen. „Wir haben gerade über Pop gesprochen“, sagte Peter. „Das ist ein unerfreuliches Thema“, erwiderte Franz. Ich beobachtete eingehend die Mitarbeiter, wie sie sich mehrere Häufchen von den Schrimps auf ihren Teller auspulten. Franz funkelte mir mit erschöpften, müden Augen an. geröteten Augen. Er bemühte sich um eine angemessene Bemerkung, dann begann er, eine Melodie von einer Rockband zu pfeifen. „Ich finde die Rocker gut“, sagte er und trommelte mit den Händen auf der Tischkante. Ich begann mit einem Löffel die Melodie auf den halbleeren Gläsern zu trommeln. „Habe ich seit jeher gehört.“ Peter hörte auf zu essen und starrte uns an. „Ihr macht wohl ne‘ neue CD?“ „Nein“, sagte Franz. Früher, als Jungen, sind wir immer mit unseren Recordern losgezogen und haben eine Party mit den Weibern gemacht. Peter ging, um eine Runde Bier zu holen. Die Erschöpfung, die Müdigkeit und die Nachwirkungen des Stresses vermischten sich rasch mit dem Alkohol und der Lärm nahm zu. Sogar Bert Friedel lächelte und redete laut. Um halb elf fing das Singen an. Die Krawatten hingen über die Stuhllehnen und der DJ spielte „Ich bin der Toni aus Tirol“. Das Restaurant war jetzt geschlossen, also wen kümmert es schon? Vierundzwanzig unbegabte und betrunkene Stimmen sangen glücklich mit. Ich entschuldigte mich und verdrückte mich auf die Toilette. Ein Kellner schloss die Hintertür auf und ich war auf dem Parkplatz. Aus dieser Entfernung hörte sich der Gesang erfreulich hitverdächtig an. Doch ich machte mich auf den Weg zu meinem Wagen, trat dann aber stattdessen an ein Fenster. Ich stand im Dunkeln da, nahe der Ecke des Gebäudes und beobachtete und lauschte. Jetzt spielte der DJ einen ausgelullten Song, und Sie sangen auch noch den Refrain im Chor. Und das war ein Chor? Echte Männer. Fröhliche Stimmen von reichen und glücklichen Leuten. Ich musterte sie, einen nach dem anderen, rings die Tische herum. Ihre Gesichter waren gerötet. Ihre Augen funkelten. Jetzt war ich Millionär. Erstaunlich, was in einem Jahr alles passieren kann. Singt weiter, Zombies. Ich machte ein Kreuz und ging davon. Gegen Mitternacht fuhren die Taxis am Ming-Restaurant vor und die reichsten Unternehmensberater Deutschlands wurden auf die Rücksitze getragen und gezerrt. Natürlich war der Grunewald von allem der Nüchternste und er leitete den unauffälligen und peinlichen Rückzug. Fünfzehn Taxis insgesamt und überall lagen betrunkene Leute herum. Man konnte nicht erkennen, dass diese Leute hochangesehene Unternehmensberater sind. Ich verknotete die Schnürsenkel meiner Adidas Joggingschuhe und setzte mich dann auf die Couch und wartete neben dem Telefon. Um genau elf Uhr Fünfzehn läutete es. Es war Carola. Es gab kein emotionales „Mein Schatz“ oder „Mäuschen“. Die Unterhaltung war sehr kalt und gezwungen. „Wie geht es deiner Mutter?“, fragte ich. Es geht so. Sie ist auf, hat aber noch ziemliche Schmerzen. Über Ihre seelische Verfassung möchte ich erst gar nicht sprechen. „Nun gut." Und dein Vater? " „Wie üblich.“ Immer beschäftigt. Was macht die Arbeit? „Bei allen hat sich die Stimmung erheblich gebessert." „Die meisten Businessangel sind in den Urlaub gefahren, deshalb läuft der Laden jetzt viel ruhiger.“ „Ich nehme an, du hast deine überzogenen Stunden am Tag zurückgeschaltet?" „Wann kommst du, Carola, nach Hause?" Ich weiß es nicht.  Mutter braucht mich noch ein paar Wochen. „Und Vater ist keine große Hilfe.“ Sie wurde mit ihrer Stimme immer leiser, als käme gleich ein harter Schlag. „Ich habe die Schule angerufen und gesagt, dass ich in diesem Semester nicht mehr zurückkomme.“ Das Semester dauert noch zwei Monate. Und du willst in den nächsten zwei Monaten nicht wiederkommen? „Ich brauche einfach Zeit.“ „ZEIT wozu?“ „Lass uns nicht schon wieder damit anfangen, okay?“ „Für einen Streit bin ich nicht in der rechten Stimmung.» Wofür bist du dann in der rechten Stimmung? Sie war erschrocken von dieser Frage und es trat eine lange Pause ein. „Ich muss Jetzt Schluss machen“, sagte sie. „Es wird Zeit, dass ich Mutter ins Bett bringe." „Rufst du Morgen wieder an?" Ja. „Um die gleiche Zeit. Sie legte auf, ohne „Bis Morgen“ oder „Ich vermisse dich“ oder etwas dergleichen. Ein Zeichen, dass sie mich liebt. Nein, sie legte einfach auf. Ich stopfte mein schwarzes T-Shirt in die Hose. Ich schloss die Haustür ab und trabte die dunkle Straße entlang. Ich war dann auf dem Sportplatz von einer Aschenbahn umgeben, die sich bei den Joggern der Nachbarschaft großer Beliebtheit erfreute. Die lange Bahn war menschenleer und das konnte mir nur recht sein. Die Abendluft war sanft und kühl und ich schaffte die erste Meile in acht Minuten. Die nächste Runde begann ich zu gehen. Bert Friedels alljährlicher Wochenurlaub war gestrichen worden. Grunewald und Bruno stellten den neuen Geschäftsplan zusammen. Die Businessangels waren auch sehr gut über ihre Angestellten informiert. So berichtete Robert Niels von meiner Person. Mit Interesse hörte ich Herrn Grunewald und Herrn Bruno zu. „Seine Frau verlässt ihn.“ Erzählt man sich im Haus. Sie sagt, sie fährt zu ihrer Mutter, die schwer krank ist. Und dass ihr eine Menge Dinge gegen den Strich gehen. Sie hat dann und wann auf ihn herumgehackt, wegen seiner langen Arbeitszeiten. Sagt, sie wüsste nicht, wann sie zurückkommt. Schließlich ist ihre Mutter krank. „Eine Brust wurde ihr abgenommen.“ „Gibt es Nichts Neues, was man sich so im Haus erzählt?" „Nein.“ Robert N. wanderte hinter seinem Schreibtisch herum. Er funkelte Grunewald an. Beide nickten, sagten aber nichts. Im Büro war es ruhig. Eine Handvoll Business-Angel und ein Dutzend der angestellten Unternehmensberater liefen im Geschäftshaus in Jeans und T-Shirt herum. Sekretärinnen waren nicht im Haus. Ich las meine Post und diktierte Briefe. Nach zwei Stunden ging ich. Es war Zeit. Drei Stunden fuhr ich auf der Autobahn nach Osten. Fuhr wie ein Wahnsinniger. Erst neunzig, dann hundert fünfundvierzig. Mehrfach bog ich von der linken Fahrspur plötzlich in der Ausfahrt ab. Bei einer Unterführung hielt ich an und rauchte eine Zigarette. In der Abenddämmerung parkte ich den Sportwagen auf der dunklen Seite eines Parkhauses in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt. Ich ließ den Zündschlüssel stecken und verschloss die Tür. Ich hatte einen Ersatzschlüssel in der Tasche. Massen von Leuten, die Feierabendeinkäufe machten, drängten sich durch die Türen vom Kaufhaus. Ich mischte mich unter Sie. Drinnen kam ich in der Herrenabteilung an, sah mir Socken und Unterwäsche an. Dann verließ ich das Kaufhaus und mischte mich in das Gedränge in dem Einkaufszentrum. Ein schwarzer Herrenanzug im Schaufenster von Designerklamotten erregte meine Aufmerksamkeit. Ich ging hinein, probierte ihn an und erklärte. Er gefiele mir so gut, dass ich ihn gleich anziehen wollte. Dann fuhr ich mit einem Fahrstuhl ins Obergeschoss des Einkaufszentrums. Inzwischen war die Dunkelheit hereingekommen, die kühle, frühe Dunkelheit des Abends. Ich ging gemächlich auf den Taxistand zu. „Alex“, sagte ich zu dem Fahrer und verschwand auf dem Rücksitz. Die Fahrt zum Alex dauerte zehn Minuten. Hotel? fragte er. Das Taxi suchte sich seinen Weg durch den weitläufigen Komplex und fand ein Hotel am Alex. Ich warf einen Zwanziger über die Rückenlehne und schlug die Tür zu. Der Flur auf der Etage des Baptist Hospitals war leer, bis auf einen Pfleger und eine Schwester, die etwas auf einem Clipboard notierte. Die Besuchszeit war in diesem Hospital durchgehend gewesen. Ich schlich den Flur entlang, sprach mit dem Pfleger, wurde von der Oberschwester ignoriert und klopfte an. „Herein“, sagte eine leise Stimme. Ich stieß die schwere Tür auf und trat an das weiße Stahlbett. „Hallo, Mario“, sagte Franz. „Ist das zu fassen?“ " Was ist passiert? „Mitten in der Nacht, so um drei Uhr bin ich mit Magenkrämpfen aufgewacht.“ Dachte ich jedenfalls, spürte einen heftigen Schmerz hier in der Schulter. Das Atmen fiel mir schwer und ich fing an zu schwitzen. Ich dachte, verdammt noch mal, doch nicht ich! Schließlich bin ich erst vierzig, in der besten Verfassung, trainiere regelmäßig, esse bescheiden und trinke vielleicht ein bisschen zu viel. Ich rief meinen Arzt an und er sagte, ich sollte zu ihm ins Krankenhaus kommen. Er meint, es wäre eine leichte Herzattacke gewesen. „Er wolle mich in den nächsten Tagen erst einmal gründlich untersuchen.“ „Eine Herzattacke.“ „Das hat der Arzt gesagt.“ „Das überrascht mich nicht, Franz.“ „Es ist schon ein Wunder, wenn ein Unternehmensberater dieser Firma die fünfundvierzig erreicht.“ „Daran ist das Pop-Unternehmen Schuld, Mario.“ Das ist seine tötende Herzattacke. Er hat gestern angerufen und gesagt, er hätte eine neue Unternehmensberatungsfirma in München gefunden. Will sämtliche Unternehmensanalysen haben. „Er ist es nicht wert, dass man sich seinetwegen umbringt.“ Eigenartig. Heute Morgen hatte ich einen schrecklichen Traum. „Ich ging unter die Dusche und spürte einen heftigen, stechenden Schmerz hier, in der Schulter.“ Das Atmen fiel mir schwer und ich fing an zu schwitzen. „Doch nicht ich!“, habe ich gedacht. Ich bin sofort aufgewacht. „Ich war verängstigt. Wenn man einen derartigen Schrecken bekommt, fängt man an, über alles Mögliche nachzudenken. Ist der Tag in meinem Leben, an dem mir der Gedanke an den Tod gekommen ist. Und wenn man nicht über den Tod nachdenkt, weiß man das Leben nicht zu würdigen. Dann habe ich mich kalt geduscht, angezogen und bin sofort hergekommen. Ich blickte mich nach einem Tropf um, sah aber keinen. Da waren weder Flaschen noch Drähte. Ich setzte mich auf den einzigen wackligen Holzstuhl. „Uschi hat die Scheidung eingereicht.“ Ich habe es gehört. Das ist doch keine Überraschung, oder? „Das Einzige, was mich überrascht, ist, dass sie es nicht schon im vorigen Jahr getan hat.“ Ich habe ihr ein kleines Vermögen als Abfindung angeboten. »Ich hoffe, sie nimmt es.« Ich möchte eine hässliche Scheidung vermeiden. Wer möchte das nicht, dachte ich. Franz sprach langsam, bemüht und hin und wieder mit schwacher Stimme. Er wirkte gespielt. Er sprach einen Satz. Später vergaß er sie und kehrte zu seiner normalen Stimmlage zurück. „Ich glaube auch, bei diesem Stress, dass Sie einen Psychiater brauchen." „Danke, Mario.“ Was ich brauche, ist ein Monat in der Sonne. Der Arzt hat gesagt, er würde mich in drei oder fünf Tagen entlassen und in den nächsten drei Monaten dürfte ich nicht arbeiten. Neunzig Tage, Mario. „Ich dürfte in den nächsten neunzig Tagen keinesfalls auch nur in die Nähe des Büros kommen.“ Wie geht es Carola? „Gut, nehme ich an.“ Ich habe sie seit Längerem nicht gesehen. „Sie sollten zu ihr fahren." Mario, wenn Sie mehr arbeiten, machen Sie nur Ihre Ehe kaputt und bringen sich selbst um. Ich wollte, ich hätte mein Leben anders gelebt. „Verdammt noch mal, Franz." Sie liegen nicht im Sterbezimmer. Der alte Pfleger kam herein und warf einen finsteren Blick auf mich. Ich muss jetzt gehen. Ich versetzte Franz einen Klaps auf die schwitzigen Füße und verließ das Krankenzimmer. Wie sehen wir uns in ein paar Tagen? „Danke für den überraschenden Besuch." „Grüßen Sie Carola von mir.“

 

 

Kapitel 13

Ein Brief von Verena, meiner alten Schulfreundin, lag im Postkasten. „Verena fährt diese Woche nach Berlin und wenn sie es schafft, möchte sie vorbeischauen.“ Wahrscheinlich bleibt sie über Nacht, so dass ich dann Plätze beim Italiener-Mittagsessen bestelle. Dann könnten wir nach dem Kaffee aufbrechen und ihr vielleicht Berlin zeigen. Es hat keinen Sinn, wenn sie dazu keine Lust hat. „Wenn Sie trotzdem etwas unternehmen möchten, können wir ja in den Tierpark gehen.“ Ich graute mich davor, wenn sie kommt, weil Verena mal meine Ex war und sie hatte eine erotische Ausstrahlung mit großen Brüsten und aufregendem Sex. Lange habe ich sie nicht gesehen. Ich denke, dass sie heute noch besser aussieht. Ich wusste, ich würde schwach werden, wenn ich sie sehe. Aber wenn es so wäre, könnte ich versuchen, der Versuchung nicht zu erlegen zu sein. Welch ein Wahnsinn? Es war Wahnsinn, und es durfte eines Wahnsinnigen, Erfolg darin zu haben. Nun, ich war ein wenig wahnsinnig. Carola kam es so vor. Ich habe erst nicht darüber nachgedacht, was ich tat. Ich tat es einfach! Ich sprach zu ihr über alle meine Erlebnisse und Verena hörte mir staunend zu und ließ mich reden. „Ich bin in Frankreich gewesen, in Amerika und in Australien, sagte sie. „Bist du dort auch schon gewesen?" „Nein, konnte ich nicht“, erwiderte ich langsam. „Oder willst du nicht?“ „Fragte sie." Ich will schon. »Ich bin nur noch nicht so weit gekommen. » „Es wäre für mich eine neue Erfahrung.“ „Oh, wie herrlich und entspannend ist es!“ „Aber ich müsste mich scheiden lassen, wenn ich meine Interessen verwirklichen möchte.“ „Es gab so viel zu bedenken, über Kompromisse in der Ehe.“ An einem anderen Tag fragte sie mich nach mir selbst. Wir waren zu Hause und draußen tobte ein Gewitter. „Du warst glücklich, als du geheiratet hast?" „Glücklich?“ " Ja, schon. „Ich habe Carola geliebt.“ Und sie hat dich geliebt? „Ja, in einer Weise.“ „Erzähl mit mehr von ihr.“ „Was ist da zu erzählen? Sie kam aus einer einfachen Arbeiterfamilie. Sie liebt ihre Familie. Sie war zwei Jahre jünger als ich, ist eine kluge Frau und ganz allein, wie so jemand eben ist. Eine leidenschaftliche Frau in gewisser Weise. Ich stand ganz unter Ihrem Einfluss, solange ich mit ihr zusammen war. Sie hat so ziemlich mein Leben gelenkt. „Und ich habe es heute bereut.“ Schweigen, kam auf. „Aber als ich das kapierte, wusste ich, dass wieder ein Teil von mir nicht gelebt hat.“ Na, schließlich hatte ich immer gewusst, dass es mit dem Leben aufhört. „Das ist mit allem so.“ Verena saß da und dachte nach. Draußen krachte der Donner. Es war, als säßen wir in einer kleinen Arche mitten in der Sintflut. „Du scheinst viel hinter dir zu haben“, sagte sie. „Meinst du?“ “ Mir kommt es vor, als wäre ich schon ein paarmal gestorben. „Trotzdem sitze ich jetzt hier und mache weiter und halse mir wieder Scherereien auf.“ Verena dachte anstrengend nach und lauschte gleichzeitig auf den Sturm. Verena lachte. Der Regen rauschte herab. „Das ist nun mal das Schicksal der Menschheit“, sagte Ich. „Die gesamte Gesellschaft. Ihr Optimismus ist hin. Ich sage dir, jede Generation züchtet eine funktionierende Generation. Tötet alles Menschliche einfach ab, himmelt alles Mechanische an. Geld, Geld, Geld! Die ganze Gesellschaft heutzutage ist nur darauf aus, die alten menschlichen Gefühle abzuwürgen und dem alten Adam und der alten Eva den Graus zu machen. Sie sind alle gleich. Die ganze Welt ist so: Abschaffen! Was die Menschen schon besaßen. Was ist Beischlaf schon anderes als Cybersex! Es ist überall dasselbe. Zahl ihnen Geld und du hast 'ne Massenfickerei. „Zahl ihnen Geld, Geld, Geld und du bist ein Ersatzteillager für lauter alberne kleine Maschinen.“ Doch jetzt horchte er mit einem Ohr auf den Sturm. „Aber wird es nie zu einem Ende kommen? „Fragte sie." „Doch, es wird.“ „Wenn der letzte wirkliche Mensch umgebracht ist und Sie alle zahm sind.“ „Du meinst, sie bringen sich gegenseitig um?" „So ist es, Verena.“ Wenn wir so weitermachen mit unserem wahnsinnigen Tempo, dann gibt es in hundert Jahren keine Menschen mehr. „Haben sich gegenseitig liebevoll aus dem Weg geräumt.“ Der laute und gewaltige Donner rollte weiter weg. „Dran zu denken, wie die menschliche Spezies sich selbst ausrotten, und dann die lange Pause, bevor eine neue Spezies den Kopf rausstreckt.“ Verena lachte, aber nicht sehr fröhlich. Ich schwieg. Draußen war nur das Rauschen des Regens. „Es ist nicht wahr!“, flüsterte sie. Es ist nicht wahr! „Es gibt noch eine andere Wahrheit!" Sie fühlte jetzt, wie sehr ich sie brauchte. Und das freute sie fast. Sie riss meine Kleider auf und entblößte meinen Bauch und küsste meinen Nabel. Dann legte sie ihre Wangen an meinen Bauch und schlang um meine warmen, stillen Hüften. Sie fühlte den seltsamen Schauer wechselnder Bewusstheit und Entspannung durch meinen Körper rinnen. Sie rieb sanft ihre Wangen an meinem Bauch und nahm meine Hoden in die Hand. Der Penis rührte sich in seltsamem Leben und er wurde ganz hart. Draußen schlug prasselnd der Regen. Ich schwieg und es wurde sehr still. Verena war dabei, an der nackten Wurzel meines Körpers, meine glattrasierte Haut zu streicheln. Draußen war die Welt still geworden. „Du hast keine Haare“, sagte sie. „Deine Brust ist nackt und deine Scham ist ganz nackt.“ „Es ist schön, dich zu lieben.“ Der Donner draußen hatte aufgehört, der Regen, der leiser geworden war, strömte wieder rauschend nieder, von verlassenden Blitzen durchzuckt und vom abziehenden Unwetter durchgerollt. Verena war beklommen. Ich hatte lange gesprochen, eigentlich mehr zu mir selber als zu ihr. Die Verzweiflung schien jetzt endgültig über mir zusammenzuschlagen. Sie fühlte sich so glücklich und hasste meine Verzweiflung. Sie öffnete das Fenster und schaute in den schweren Regen hinaus. Ein stählerner Vorhang, und es befiel sie das jähe Verlangen. Verena streifte flink ihr Shirt ab, dann die Jeanshose und ihren String-Tanga. Ihre großen, prallen Brüste wippten und schwangen, als sie sich bewegte. Mit nackten Füßen und einem wilden, kurzen Lachen rannte Verena hinaus. Hielt ihre Brüste dem schweren Regen entgegen und breitete die Arme aus und lief, vom Schleier des Regens verhüllt, hinaus mit den leidenschaftlichen und leichten Tanzbewegungen. Es war eine fröhliche, braune Gestalt, die sich da hob und senkte, unter dem Regen bog, dass er ihre Kurven gleißend peitschte, dann aufschwang und mit vorgestrecktem Körper herankam und wieder sich neigte, so dass die Fülle ihrer Hüften und Lenden mir sich darbot wie in einer Huldigung, einer wilden Ekstase. Ich lachte glücklich und warf meine Kleider ab. Es war zu viel. Ich sprang hinaus, nackt, braun und erschauernd, in den harten, peitschenden Regen. Verenas blondes Haar war nass und klebte an ihrem Kopf. Sie wandte mir ihr heißes Gesicht zu und sah mich an. Ihre strahlenden Augen loderten vor Erregung, als sie umkehrte und, seltsam stürmisch davon rannte, wo die nassen Zweige sie peitschten. Ja, sie rannte, und ich sah nichts als den runden, nassen Kopf, den im Fliehen vorgebeugten nassen Rücken, die runden, regenglänzenden, braunen, knackigen Hinterbacken. Es war eine wunderbare, gedruckte weibliche Nacktheit auf der Flucht. Als ich sie einholte und meinen nackten Arm um ihre weichen, Nacktsamer Mitte schlang, schrie und bäumte sie sich auf und die Fülle ihres weichen, durch kühlten Fleisches fiel gegen meinen Körper. Ich presste Verena an mich, rasend, die Fülle des weichen, kühlen, weiblichen Fleisches, das unter der Berührung Blut warm erblühte wie eine Flamme.  Der Regen strömte auf uns nieder. „Komm ins Haus“, sagte ich und wir rannten zurück. Ich mochte nicht, den Regen. Als sie außer Atem ins Haus kam mit ihrem durchkühlten und nassen, nackten Körper, zitterte sie sehr. Ihre prallen großen Brüste hoben und senkten sich, ihr blondes Haar straff vom Regen, ihr Gesicht rot überhaucht, und ihr nackter Körper glitzerte und tropfte. Ich nahm ein frisches Badetuch und rieb sie ab. Sie stand da wie ein Kind. Dann trocknete ich mich selbst ab und zog meinen Bademantel über. Sie wuschelte den Kopf ins Badetuch und trocknete sich das glänzende blonde Haar. Verena sah einen Augenblick auf, unter wild zerzaustem Haar. Ich schaute auf den schönen Schwung Ihrer Kurven. Das üppige Gefälle zur schweren Rundung der Hinterbacken, zwischen denen, eingenistet in geheimnisvolle Wärme, die geheimen Öffnungen waren. Ich streichelte die schöne Wölbung mit meiner Hand, leicht und genießerisch ging ich den Kurven und erotischen Rundungen nach. „Du hast so einen schönen, knackigen Hintern“, sagte ich. „Du hast den schönsten geilen Arsch, den ich kenne.“ Das ist überhaupt der schönste braune, geile Weiberarsch, den es gibt. Du bist nicht von diesen Mädchen, die einen Knopfarsch haben und lieber Jungen werden wollten. Du nicht! Du, Verena, hast einen richtigen, weichen, runden Arsch. Einen, bei dem es bei mir durch und durch geht. „Du hast einen geilen, knackigen Arsch, wie er die Welt zusammenhalten könnte, das steht fest.“ Und die ganze Zeit, während ich redete, strich ich ganz weich und zart über ihren runden Hintern, bis es war, als spränge eine gleitende, heiße Flamme von ihm in meine Hände über. „Und wenn du pisst, das gefällt mir.“ „Ich mag keine Frau, die nicht pissen kann.“ Verena lachte erstaunt. Und ich redete weiter:

„Du bist richtig, das bist du!“ Geil, wie ein Nutte. Hier pisst du und hier fickst du. Ich liebe dich dafür. Du hast einen anständigen Weiberarsch und der ist stolz auf sich. „Er geniert sich nicht, wenn er scheißen muss, der nicht!“ Ich legte meine Hand fest und eng zwischen ihre Schenkel. „Ich liebe sie“, sagte ich, „Ich liebe ihn!" Und wenn ich nur noch zehn Minuten zu leben habe. Werde ich mich zwischen deinen Schenkeln streicheln und deinen geilen Weiberarsch? Und ich habe ein glänzendes Leben gelebt. Verstehst du das? Scheiß auf die gefühlskalte, unsensible, tote Gesellschaft! „Dies hier ist mein nacktes, geiles Leben.“ Verena drehte sich um und kletterte auf meine Knien hinauf und hielt sich an mir fest. „Küss mich“, flüsterte sie verlangend zu. Sie saß auf meinen Schenkeln, den Kopf an meine Brust geschmiegt, und die schlanken braunen Beine baumelten herab. „Du nimmst es mir doch nicht übel, dass ich morgen wegfahre?" Fragte sie nachdenklich und sah in mein Gesicht hinauf." „Tu, was du meinst“, sagte ich. „Aber ich würde nicht fahren, wenn du es nicht willst“, sagte sie und klammerte sich an ihn. Sie schwiegen. Sie wartete auf eine Antwort, doch ich sagte nichts. Verena schlingt die Arme um seinen Hals. Er schwieg. „Mach es mir nicht schwer!“, bat sie. „Schwer?" Was?" „Heimzufahren und alles zu vergessen.“ Ein leises Lächeln, ein Grinsen fast, flackerte über mein Gesicht. „Ich mache es dir nicht schwer“, sagte ich. „Ich möchte nur herauskriegen, was du eigentlich willst.“ „Aber du hast doch Vertrauen zu mir, nicht wahr? „Fragte sie." „Oh, warum nicht!“ Verena hörte den Spott in meinem Ton. „Sag mir“, fragte sie dann geradezu, „hieltest du es für besser, wenn ich nicht morgen Heim fahre?“ “ „Ich bin sicher, es ist besser, dass du morgen nach Hause fährst“, entgegnete ich in meinem kühlen Ton. „Du weißt, dass ich Morgen ganz in der Früh fahre?" „Fragte sie." Ja. „Oh, Gewiss!“ Wieder schwiegen wir. „Ich bin so glücklich“, sagte sie. „Hm, was wollte ich denn nur sagen?" Ich hatte es vergessen. Und es war eine Enttäuschung für Verena, dass ich nie zu Ende sprach. Ein heller Sonnenstrahl strich über die Bäume hin. „Die Sonne!“, sagte ich. „Und Zeit, dass du fährst.“ Zeit für dich. Ich langte nach meinem T-Shirt. „Sag Tschüss, zu deinem dicken Schwanz“, sagte ich und sah zu meinem Penis hinunter. Und ich zog mein T-Shirt über den Kopf. Ich setzte mich und zog meine Strümpfe an. Ich legte meine Hand auf ihre runden Hüften. „Sei nicht traurig!“, sagte ich. „Vielleicht wirst du zu Hause einen Mann haben, der dir deine Votze fickt und dir die Leidenschaft zum Erschüttern bringt.“ „Sag so etwas nicht!“ rief sie. „Du sagst das nur, um mich zu verletzen.“ „Nah schön, ich sag nichts mehr.“ Schluss aus. „Aber du musst dich anziehen.“ So zog sie sich an und machte sich bereit, zu fahren. Ich begleitete Sie bis zum Weg. Wünschte ihr viel Glück, wandte mich um und ging. Dienstagmorgen schwirrte das Büro vor Anteilnahme für Franz Lothar. Er ließ Untersuchungen über sich ergehen. Überarbeitet. Zu viel Stress. Das Pop-Unternehmen war schuld. Die Scheidung war schuld. Er brach Erholungsurlaub. Nina brachte einen Stapel Briefe, die noch unterschrieben werden mussten. „Wie geht es Carolas Mutter?" fragte Nina. „Viel besser.“ Ich fahre zum Wochenende hin. Ich musste zu Grunewald ins Büro. „Grunewald wartet.“ Herr Grunewald deutete auf die harte, schwarze Ledercouch und bestellte Kaffee, in einer Tasse. Ich saß steif aufgerichtet in einem dunkelledernen Ohrensessel und hielt meine Tasse. „Ich mache mir Sorgen wegen Franz“, sagte er. „Ich habe ihn gestern besucht“, sagte ich. „Die Ärzte haben ihm mindestens zwei Monate Zwangspause verschrieben.“ „Ja, deshalb habe ich Sie auch kommen lassen. Ich möchte, dass Sie in den nächsten zwei oder beiden Monaten mit Jerry zusammenarbeiten. Er übernimmt den größten Teil von Franz Mandanten. „Sie arbeiten also auf Vertrauensgelände.“ Ist mir recht. »Jerry und ich sind gute Freunde. » Großartig, dachte ich. Ich glaube, Sie werden gut miteinander auskommen. Versuchen Sie, irgendwann heute Vormittag bei ihm hereinzuschauen. Und noch etwas. Auf den Bahamas laufen noch ein paar Sachen, die Franz nicht bearbeiten konnte. Er ist oft hingeflogen, wie Sie wissen, um sich mit verschiedenen Banken zu treffen. Es war vorgesehen, dass er Morgen für ein paar Tage dorthin fliegen sollte. „Er hat mir heute Morgen erzählt, dass Sie mit den Mandanten vertraut sind, deshalb müssen Sie an seiner Stelle hin.“ Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Es reimte sich nicht zusammen. „Auf die Bahamas?“ „Morgen?“ Ich kehrte in mein Büro zurück und verschloss die Tür. Ich streifte meine Schuhe ab, legte mich auf den Boden und schloss die Augen. Ja, ich fliege morgen Mittag und komme Freitag Abend mit einer Linienmaschine zurück. Das Taxi hielt in der Innenstadt von Berlin vor einer roten Ampel und ich stieg mit steifen, schweren Beinen aus und hinkte durch den morgendlichen Verkehr über die belebte Kreuzung. Die Gebäude der Straße waren hohe Glaszylinder in der Form eines spitzen Fingerhuts. Das Glas war dunkel gefärbt, fast schwarz. Es ragte stolz empor, ein Stück von der Straßenecke zurückgesetzt, aus einem Labyrinth von Fußgängern, Springbrunnen und gepflegtem Grün. Ich ging zusammen mit einem Schwarm Menschen auf dem Weg zu Ihrer Arbeit. Ich bog ab und ging in eine Bank durch eine Drehtür. In dem mit Marmor ausgekleideten Foyer fand ich einen Wegweiser und fuhr mit dem Lift in den ersten Stock. Ich öffnete eine schwere Glastür und trat in ein großes, fünfeckiges Büro. Eine elegante Frau von etwa fünfundvierzig Jahren saß hinter einem gläsernen Schreibtisch und musterte mich. Ein Lächeln kannte sie nicht. Sie machte eine Handbewegung, „Nehmen Sie Platz!“ Herr Schindel vergeudete keine Zeit. Er war so unfreundlich wie seine Sekretärin während ihrer Menstruation. „Kann ich etwas für Sie tun?" fragte er grimmig. Ich erhob mich. Ja. Ich möchte ein bisschen Geld überweisen. » „Haben Sie ein Konto in der Schweiz?“ " „Ja." Und ihr Name.  „Es ist ein Nummernkonto.“ Mit direkten Worten: Einen Namen bekommen Sie nicht von mir. Einen Namen benötigen Sie nicht. „Gut." Folgen Sie mir. Sein Büro musste wieder renoviert werden, ein dunkler, verrauchter Raum. Auf einem robusten Eichentisch stand eine Reihe von Tastaturen und Monitoren. Ich versuchte, mich zwischen die Ordner auf einen Stuhl zu setzen. „Ihre Kontonummer bitte." Ich hatte Sie im Kopf. „357-46-99.“ Herr Schindel gab die Zahl auf einer der Tastaturen ein und schaute auf einen Monitor. „Das ist ein Code-Drei-Konto, eröffnet von H. Brackmann, zugänglich nur ihr und einer Person, auf die die folgende Beschreibung zutrifft: männlich, ungefähr eins dreiundsiebzig groß, Gewicht dreiundsiebzig Kilo, graugrüne Augen, dunkelblondes Haar, etwa siebenunddreißig Jahre alt.“ Sie entsprechen dieser Beschreibung. Herr Schindel schaute auf den Bildschirm. Und die letzten vier Ziffern Ihrer Sozialversicherungsnummer? „1204.“ „Sehr gut.“ Sie sind legitimiert. Und was kann ich für Sie tun? „Ich möchte Geld auf Bahama Hemingway Bank überweisen.“ Ich lächelte und schlug meine Beine übereinander. Und die Details der Überweisung? „Dreißig Millionen Deutsche Mark per Datenübertragung auf Konto 663-38-62 bei dieser Bank.“ Ich werde warten. „Es ist nicht erforderlich, dass Sie warten.“ „Ich werde warten. Bis das Geld eingegangen ist. Es wird nicht lange dauern. Möchten Sie Kaffee? " „Nein, danke.“ Ich nahm mir eine Zeitung aus dem Zeitungsständer. Schlug die Zeitung auf und überflog die weiteren Seiten. Schindel kehrte allein zurück. Jetzt war er freundlich, bestimmt nicht zu mir, sondern zu meinem Geld. Ja, er war fast kumpelhaft. „Die Überweisung ist erledigt.“ Das Geld ist eingegangen. Und was können wir noch für Sie tun? „Nein, danke.“ Herr Schindel gab mir die Bestätigung. Ich verließ in saloppen Schritten die Bank. Womit bist du gekommen, Carola? „Fragte ich." „Mit meinem Sportwagen.“ Dann verstehe ich nicht, warum du dich nicht gemeldet hast, dass du kommst. Schließlich müssen wir über vieles reden und überhaupt. Ich finde, wir sollten abhauen und ganz neu anfangen. „Nein, Mario.“ „Ich muss mich von meinen Eltern verabschieden und Mutter wird davon nicht begeistert sein.“ „Habe ich nicht Tag und Nacht gearbeitet, damit wir es besser haben und du dich wohl fühlst?" Ja, doch, Mario. Das ist aber nicht alles, was mich glücklich macht. Wir machen einen gemütlichen Spaziergang und reden in Ruhe darüber. Dann packen wir unsere Sachen. Klingt das nicht aufregend?

 

 

Kapitel 14

Bei diesem schönen Wetter! Ausnahmsweise ließ ich mich einmal so weit gehen, dass ich mich in einen Zustand glücklicher Zufriedenheit hineinsteigerte. Ich sah in den warmen, wolkenlosen Himmel hinaus, als bedeutete er einen neuen Anfang der Welt. Immer mehr steigerte ich mich in meinem Traum. Carola versuchte mich, wieder mit beiden Beinen auf den Boden zu bekommen. „Du wirst mit mir glücklich sein, wenn wir alles hinter uns gelassen haben.“ „Mach dir keine Sorgen, deinen Eltern wird es schon gut gehen.“ „Ich mag es nicht, dass du solche großen Schritte ohne mit mir geredet zu haben unternimmst. Ich mag nicht, dass du überhaupt solche Pläne machst. Ich konnte Carola darauf nicht antworten. Ein langes Schweigen war zwischen uns. Die Zeit verstrich und noch immer hatte sich Carola nicht beruhigt. „So hat es doch keinen Sinn!“, sagte ich. „Du darfst es mir nicht Übel nehmen, dass ich so ausgerastet bin.“ Aber ich mache mir große Sorgen um uns. „Und da dachte ich, dass es besser wäre, wir reden über unsere Ehe.“ Sie sprach nervös Carola konnte auf meinem Gesicht noch den offenen, glücklichen Ausdruck sehen und meine gegen sie gerichtete Enttäuschtheit fühlen. „Natürlich“, sagte Carola. Und mehr konnte sie nicht sagen. Schweigend gingen wir den Weg. Als wir uns dem Haus näherten, ging Carola mit großen Schritten voraus. „Wie unverschämt von Mario, solche Pläne zu machen!“, sagte sie schließlich verärgert und im Grunde mehr zu sich selbst. „Männer!“ Carola wurde bei diesen Zukunftsplänen noch röter vor Zorn. Doch solange sie mit den Gedanken bei Ihrer Mutter war, konnte sie nicht nachgeben. Sie konnte noch nicht einmal so tun, als sei es ihr egal. „Ach, meinetwegen!“, sagte Carola. „Wenn es so sollen sein, dann soll es so sein.“ „Ja, aber es ist doch alles in Ordnung“, sagte ich. Ich sah sie an mit meinen unschuldigen Augen. Carola hatte plötzlich Gewissensbisse. „Also, wirklich“, sagte sie, milder jetzt. „Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass du mir so eine Mitteilung machst.“ Sie sprach ganz gleichmütig. Schließlich, warum noch mehr Wirbel machen? Misstrauisch sah ich sie an. „Du musst verrückt sein!“, sagte sie. Warum? Weil ich meine Träume lebe? Und wie wollen wir leben? „Mit einem Feigenblatt am Strand.“ Sie lachte wieder. Und angenommen, es wäre so? „Fragte sie.“ Carola sprach mit ironischer Unbefangenheit. Typisch, dass eine Frau das so selbstverständlich über die Lippen brachte. „Und angenommen, es kommt so, dass ich nackend mit einem Feigenblatt, am Strand herumlaufe wie eine Verrückte?“ „Ich vermute, ich würde den Schreck meines Lebens bekommen und wäre verblüfft, so offen bist du gar nicht.“ Noch immer schaute ich sie an. Was in meinem Unterbewusstsein vorging, würde ich niemals wissen. Und ich war auch zu verdutzt, um einen bewussten, klaren Gedanken formen zu können. Und ich bewunderte sie. Ich konnte mir nicht helfen, ich musste sie bewundern. Sie sah so blühend und erotisch und frech aus. Einfach zum Verlieben. „Jedenfalls kannst du froh sein, dass ich nicht schon das Haus verlassen habe“, sagte ich optimistisch. „Oh, ich kann froh sein?“, erwiderte sie. Sie dachte bei sich an die Worte des anderen Mannes: Du hast die hübscheste Votze zum Ficken! Nah, schön. Sie gab sich wie eine eingeschnappte Zicke und ging ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Diesen Abend wollte ich nett zu Carola sein. Ich war gerade dabei, eine Flasche französischen Rotwein zu öffnen. „Was hältst du von diesem französischen Rotwein? „Fragte ich und griff nach der Flasche.“ Carola hörte zu und wartete auf Weiteres. Doch ich beherrschte mich. Überrascht sah sie mich an. „Diesen Wein können wir uns zu Gemühte führen“, sagte sie. „Nein.“ Aber im Ernst, Spaß beiseite jetzt: Glaubst du, dass du auf den Bahamas glücklicher wärst? Sie sah mich wieder an. „Psychischer Verfall?“, wiederholte sie. „Ich sehe, wie unzufrieden du bist, und selber nerve ich mich auch.“ „Glaubst du, die Sonne ist größer als hier in Deutschland?“ „Na gut, hör zu: „Langsam schreitet es so fort, mit einer Schnelligkeit, die unsere Zeitmessung nicht einzugreifen vermag, neuen schöpferischen Konditionen entgegen, in der Mitte die hektische Leistungsgesellschaft, wie sie uns jetzt vertraut ist.“ Mit einem Grinsen von Belustigung hörte sie zu. Aber sie sagte nur: Was für eine Analyse! Als ob dein großer, hochintelligenter Verstand etwas von diesen Dingen ändern kann, die so schnell vor sich gehen! „Magst du dein Leben denn?“, fragte ich. „Ich liebe es!“ Und die Worte gingen ihr leicht über die Lippen. „Aber das ist ziemlich erstaunlich, denn es lässt sich nicht leugnen, dass Das Leben ein Witz ist.“ Andererseits vermute ich, dass eine kluge Frau ihr höchstes Vergnügen im Leben nicht unbedingt im Geistigen vervollkommnet. „Höchstes Vergnügen?“, sagte Carola und sah zu mir hoch. „Ist dieser Blödsinn das höchste Vergnügen des Verstandes?“ Nein, danke! Dann lass mir meine Gefühle. Ich glaube, dass die Gefühle eine größere Wirklichkeit sind als der Verstand, der den Körper richtig zum Leben bringt. „Aber so viele Leute, wie die Klugredner da, haben nur einen Verstand, der ihren holen Körper angehängt hat.“ Verwundert sah ich Carola an. „Was hat diesen außerordentlichen Wandel in dir verursacht? Splitternackt mit einem Feigenblatt am Strand zu laufen? Sensationshunger oder eine exhibitionistische Ader angeschlagen? „Beides!" Findest du es pervers, wenn ich mich so freue, dass ich nackt am Strand mich entspanne? „Fragte sie.“ „Nein, ich wundere mich nur, so kenne ich dich nicht.“ „Dann hast du mich noch nie herausgefordert.“ „Oh, kannst du mir noch einmal verzeihen?“ Ich habe fast das Gefühl, als wäre ich der Moralapostel und Sittenwächter. „Also, warum können wir nicht noch einmal neu anfangen?“  „Wir haben darüber schon zur Genüge gesprochen.“ Und, um die Wahrheit zu sagen: Ich habe den Verdacht, dass deine größte Freude daher rührt, allen hier den Rücken kehren zu wollen. Nichts ist im Augenblick aufregender für dich als dies. Habt-euch-wohl-alle-miteinander! Aber jede Trennung in deinem Leben bedeutet eine neue Begegnung irgendwo. „Und jede neue, kribbelnde Begegnung bedeutet eine neue Bindung in deinem Leben.“ Ich konnte nicht schlafen und scheute noch Fernsehen. Und es näherte sich der Tag. Ich redete mit Carola über den letzten Abend, dachte laut über meine letzten Lebensjahre nach und wie sagte schon Winston Churchill: „Man kann die Menschen in drei Klassen einteilen: solche, die sich zu Tode arbeiten. „Solche, die sich zu Tode sorgen und solche, die sich zu Tode langweilen.“ Diese Worte erschreckten Carola. „Glaubst du, dass man nur einmal leben kann?„ Fragte sie." „Oder nie.“ Die meisten Menschen leben niemals, fangen niemals damit an. Sie wissen nicht, was es bedeutet. Und glaubst du, dass die Menschen schneller sterben? Ja! „Wenn man ihre Lieblingsbeschäftigung entzieht.“ Carola dachte darüber nach. Und wieder schlug ihr das Gewissen, weil sie sich nicht entscheiden konnte. „Setz dich doch, Mario“, sagte Carola. „Soll ich Kaffee machen oder irgendetwas anderes, oder möchtest du einen O-Saft?" „O-Saft“, sagte Carola. „EISKALT?“ Ich sah zu ihr hin und blinzelte. Als ich mit den Gläsern, mit O-Saft gefüllt, zurückkam, hatte mein Gesichtsausdruck sich wieder verändert. Carola setzte sich draußen auf den frischgemähten grünen Rasen. „Ach ja, Zigaretten“, sagte ich, „Ich rauche nämlich wieder.“ Mit einem kaum merklichen, leisen Grinsen fing ich Ihren Blick auf. „Du hast doch vorhin Hochdeutsch gesprochen“, sagte Carola. „Tat ich das?" Ist mir nicht aufgefallen. „Du berlinerst?" " „Vielleicht.“ „Es klingt ein wenig affektiert“, sagte Carola. „Besser, als erst Plattdeutsch zu sprechen und Hochdeutsch zu lernen.“ Wieder sah ich Carola an, seitwärts über meine Backenknochen hinweg, mit einer sonderbaren, abschätzenden Distanz, als wolle ich sagen: „O je, wer bist du denn schon?“ " Einen Augenblick lang sprach niemand. „Küss mich“, murmelte sie. Das belustigte sie, Sie hielt seinen Arm, ohne zu sprechen. Sie war froh, mit mir zusammen zu sein, gerade jetzt. Wo Carola mich braucht. „Wollen wir nicht reingehen?“, sagte sie. Ich ergriff sie und betrachtete die vollen Rundungen ihrer Hüften, während sie die ersten Schritte hineinging. Es wurde eine sinnliche Leidenschaft, dennoch fürchtete sich Carola ein wenig und war fast unwillig. Doch wieder war sie durchbohrt von den durchbohrenden Sensationen der Sinnlichkeit, die anders waren, schärfer, schrecklicher als die der sensiblen Zärtlichkeit. In diesen verlangenden Momenten jedoch begehrenswerter. Obgleich Carola erschrocken war, ließ sie mich gewähren, und die rücksichtslose, schamlose Sinnlichkeit erschütterte sie. Sie wollte keine leidenschaftliche Liebe. Es war harter, nackter, schamloser Sex. Es war eine neugeborene Sinnlichkeit, scharf und glühend wie Feuer, die verbrannte die Seele zu lebender Asche. Alle ungewollte Scham ausbrennend, die tiefste, älteste Scham, an den geheimsten, geilen, sensibelsten Stellen. Es kostete sie Überwindung, mir gewähren zu lassen, mich mit ihr tun zu lassen, was ich wollte. Sie musste ein passives, willfähriges Geschöpf sein, eine Jungfrau und eine Hure. Doch das sexuelle Verlangen umzingelte sie, verzehrte sie – und als Carola die sinnliche Flamme ihre Eingeweide und ihre erregten Brustwarzen durch senkte, war ihr, als müsste sie sterben. Ein kleiner, herrlicher Tod, im Netz der Befriedigung. Carola hatte immer gedacht, einen Jungfrau müsste sterben dabei vor Scham. Stattdessen starb die Scharm. Scham, die Angst ist, wie die tiefe, organische Scham, die uralte physische und psychische Scham, die wie auf einer CD in unserem Körper nistet und nur vom sinnlichen Feuer vertrieben werden kann. Carola fühlte, dass sie jetzt auf den wahren Grund ihrer Gedanken gestoßen war, und wurde schamlos im Innersten. Sie war ihr sinnliches Selbst, nackt und ohne Scham. Das ist das Leben! Sie teilte ihre äußerste Nacktheit mit einem Mann, den sie kennt und doch nicht kannte. Der Schwanz zwischen den Beinen allein vermochte mich bloßzulegen. Und wie er in sie gestoßen war! Wie Carola mich gehasst hatte, in Angst! Doch wie Sie mich in Wahrheit gewollt hatte! Ganz tief in ihrem Innern, hatte sie diese phallische Austreibung gebracht. Sie war schamlos in der tiefsten Nacktheit. Die Sonne schien auf die zarten grünen Blätter des Tages. Sie richtete sich im Bett auf und schaute Traumverloren zum offenen Fenster hinaus, mit den nackten Armen die nackten, weichen Brüsten zusammenpressend. Ich kleidete mich an. Sie träumte vom glücklichen Leben, von einem erfüllten Leben mit mir, einfach vom Leben seiner Träume. Ich ging, ich floh vor ihrer gefährlichen, hockenden, verlangenden Nacktheit. „Weißt du, Stefanie, eine Freundin aus der Studienzeit, die zu Besuch in Berlin angereist ist“, sagte Carola, „Du hast weder richtige Zärtlichkeit noch richtige Sinnlichkeit gekannt.“ „Doch wenn du sie kennenlernst, mit demselben Mann, dann macht das einen großen Unterschied.“ „Gib doch nicht so an mit deinen Erfahrungen!“, sagte Stefanie. „Ich bin dem Mann noch nicht begegnet, der mit einer Frau zu einer Intimität fähig gewesen wäre, bei der er sich ihr ganz hingegeben hätte.“ „Ich glaube, du bist die ganze Zeit zu sehr auf dich selbst bezogen“, sagte Carola zu Stefanie. „Ich hoffe zumindest, ich bin keine Hure in mir“, erwiderte Stefanie. „Aber vielleicht bist du eine! »Vielleicht bist du eine Hure deiner eigenen Vorstellung von dir.« Carola und Stefanie gingen umher in ihren sommerlichen, geblümten Kleidern. Ja, es gab eine Party, wo sie eingeladen waren. Es gab Dutzend von Leuten, denen Sie bekannt waren. In einer Weise war es vergnüglich. Fast zum Ablachen, später musste man sich auch vom Sich Freuen übergeben. Aber irgendwie, mit all den bunten Cocktails, all dem fettigen Aalen, den Sonnenbädern in heißem Sand unter heißer Sonne, dem Lambada, Bauch an Fettbauch mit irgendeinem schwitzigen Mann in warmer, feuchter Nacht, der Abkühlung mit Eiscremes. Ein reines Narkotikum. Dennoch, war es das, was alle Neurotiker wollten: eine Droge. Von jedem etwas. Etwas Koks, ein paar leichte Hanfkekse, ein wenig Hasch und LSD. Und ein paar willige Mädchen. Einfach sei gut drauf! Stefanie fand es ganz angenehm, unter dieser Droge zu stehen. Sie hatte Spaß daran, all diese Frauen zu betrachten und Vermutungen über sie anzustellen. Die Frauen waren ganz besessen von ihren Interessen an anderen Frauen. Wie sieht sie aus? Was für eine Kerl hat sie sich eingefangen? Was für Vergnügen schlägt sie daraus? Stefanie hatte Spaß am Lambada, weil sie dabei ihren Schritt gegen irgendeinen so genannten Mannespressen und ihn ihre Bewegungen vom Eingeweidezentrum aus übers Parkett steuern lassen konnte. Stefanie benutzte nur ihre Männer. Die reiche Carola war glücklich. Sie wollte Lambada, weil sie mit jedem Mann am besten flirten konnte. Am glücklichsten war sie, wenn sie Stefanie dazu überreden konnte, mit ihr hinüber zur See, weit weg zu einer einsamen weißen Sandbank, wo sie ganz ungestört nackt baden konnten. Carola hatte Augenblicke wie in einer Betäubung, benommen vom Sonnenlicht, von der Salzigkeit ihrer Haut, von der Weite, von der Leere, vom Nichts, benommen von Gesundheit. Es war angenehm, und sie wurde ganz eingewiegt davon, und sie kümmerte sich um nichts. So wurde die leichte Betäubung durch das Sonnenlicht und das Baden im See und das Sonnen auf grünen Rasen, durch diese zusätzliche Fülle an Gesundheit zufrieden gemacht und betäubt. Carola dachte an die letzte Nacht, die sie mit mir verbracht hatte, und bekam Gänsehaut. Es war sehr erregend. Carola hatte nun einen Gefühlsumschwung zur Geborgenheit. Was hatte ich getan? Was hatte ich ihr, Carola, anderes getan, als ihr einen emotionalen, sinnlichen Genuss verschafft und ein Gefühl von sexueller Freiheit und harmonischen Leben? Ich hatte den aktiven, eigenen Strom Ihres Sexus freigemacht. Dabei fühlte Carola, wie meine Hand sich warm und weich über ihren knackigen Hintern legte, über ihre geheimen, erogenen Stellen. „Vielleicht wirken nur verliebte Menschen, die eines wahren Zusammenseins fähig sind, so, als wären sie allein im Universum“, sagte Carola. „Die anderen kleben einfach, sie kleben an der kalten Masse, wie die, die Niemand sind“, dachte Carola für sich.

Ich landete am Freitag vor Sonnenaufgang in Sydney. Henry B., ein Mitarbeiter der Unternehmensberatungsfirma Schimko. Er war schon dort, um bestimmte Vorbereitungen zu treffen, wartete mit einer Limousine. Während die Limousine in der endlosen, unbefahrbaren Straße nach Osten fuhr, erstattete er mir über die Ereignisse der letzten Woche Bericht. Nach einer Stunde des Informierens erreichte uns ein zwölfgeschossiges Hotel, das Sydney hieß und mitten in der aufregenden Metropole Sydneys steht, eine halbe Stunde von Paradies Beatch entfernt. Das Penthouse im obersten Stock war für nur fünftausend Dollar pro Woche für uns gemietet. Das war ein Sonderpreis außerhalb der Saison. Im größten Zimmer des Penthouses mit Blick auf den ruhigen, türkisfarbenen Ozean.  Wir verlangten Frühstück, jedoch ging ich erst einmal unter die Dusche. Wir tranken Kaffee, beobachteten, wie sich die Sonne über dem Horizont erhob. Ich nahm mir die Morgenzeitung und überflog sie. Auf der obersten Hälfte der Titelseite las ich mit Interesse die Geschichte über die Unternehmen und den Wetterbericht. Und dann wurde Carola erwähnt. Ich stand mit der Sonne auf. Ich warf einen eingehenden, verlangenden Blick auf das Zimmermädchen mit langen blonden Haaren und hörte auf, an Sex zu denken. Ich ging in dem großen Zimmer herum ins Bad, duschte rasch und schlüpfte in eine blaue Jeanshose, die ich in der Gänsepassage in Hamburg gekauft hatte. Ich ging einen Kilometer am weißen Strand entlang, bis ich einen kleinen Supermarkt gefunden hatte. Ich kaufte ein Pack Mineralwasser, Zigaretten, eine Sonnenbrille und einen Hut. Als ich zurückkehrte, wartete Henry. Um zehn rief ich Carola an. Sie hatte sich sehr gefreut. Sie berichtete mir über ihre Entscheidung, dass sie mit auf die Bahamas kommt. Ich bat Sie, nichts zu überstürzen. Bis Mittag waren alle geschäftlichen Angelegenheiten erledigt und wir gingen an den Strand. Nach dieser kleinen Erfrischung hatte ich noch bei Best Fighter einen Geschäftstermin. Ich trug einen schwarzen Anzug und eine dunkelblaue Krawatte und saß am Kopfende des Konferenztisches im Big Room des Best Fighters. Auf den fünfzehn Stühlen, die um den Tisch herumstanden, saßen die besten und intelligentesten Männer. Normalerweise hätte ich gelächelt über ihre konservative Aufmachung, aber die Lage verbot das Lächeln. Ich hörte zu. Zu meiner Rechten saß Henry und sämtliche Ohren im Raum waren gespannt, während die Mitarbeiter sich über den Tisch hinweg die harten Bälle zuwarfen. Henry: „Ich bin schon einmal hier gewesen.“ „Im Winter.“ erinnert er sich. Er kennt diese Gegend, also glaubt er, die Wirtschaftslage gut einschätzen zu können. Im Grunde keine schlechte Idee. Ich habe in Berlin angerufen. Sämtliche angestellten Unternehmensberater, die schon länger für uns arbeiten, sind auf dem Wege hierher. Alle Blicke schossen um den Tisch herum und konzentrierten sich dann rasch auf mich und Henry. Herr Schneider, der Chef von Best Fighter, trank schwarzen Kaffee aus einer Tasse. Seine schwarzen Stiefel lagen auf dem Konferenztisch im Raum. Manager kamen und gingen, nahmen sich Kaffee, flüsterten und tauschten die jüngsten Neuigkeiten aus. In dem Konferenzzimmer herrschte eine Aktivität wie in einem Bienenkorb. Die schwarzen Stiefel prallten auf den Boden. Herr Schneider deutete auf mich und wir gingen in ein kleines dunkles Zimmer, das als Bar fungierte. „Sie sind brillant, Mario.“ „Diesen Erfolg von Best Fighter haben Sie schon seit Monaten geplant.“ „Offensichtlich.“ „Ich gebe mir große Mühe.“ „Sie haben einmal die Bahamas erwähnt.“ „Ja, Herr Schneider.“ „Ich hoffe, wir können noch einmal darüber reden und ich glaube, wir sollten abziehen“, sagte Herr Schneider. „Bis morgen Früh müssten wir die Auswertung der Big-Fighter-Analyse abgeschlossen haben.“

 

 

Kapitel 15

Samstag, 8 Uhr morgens. Ich schaute aus dem Fenster, dann ging ich schnell über den Flur zur Hotelrezeption. Ich klopfte leise an. Nach kurzem Zögern fragte Susi, eine Hotelmitarbeiterin: „Wer ist da? " „Mario G.“, erwiderte ich. Die Tür ging auf und die Frau, die eine Ähnlichkeit mit Madonna hatte. Kam heraus. Ihr Haar war kurz und blond. „Guten Morgen, Mario“, sagte sie höflich, während ich den Blick über das Sekretariat schweifen ließ. „Guten Morgen.“ „Ich war nicht ganz sicher, ob Sie überhaupt hier sind.“ Ich nickte und behielt weiterhin das Sekretariat im Auge. „Ich meine, nachdem Sie in der vergangenen Nacht durch die halbe Sydney gelaufen sind. " Ja, ich habe es auch noch nicht gewusst. „Doch ich bin ganz gut durchtrainiert.“ „Die Leute erzählen sich, sie waren an verschiedenen Orten von Sydney.“ Ziemlich merkwürdig, habe ich gedacht. „Dennoch war ich die ganze Nacht hier, habe gearbeitet und aufgepasst.“ „Vor Sonnenaufgang bin ich über den Strand in ein kleines Café gegangen und wie gewöhnlich saßen da ein paar Touristen.“ Ich habe mich zu Ihnen gesetzt. Nach dem, was sie sagten, ist die Suche nach Arbeit in dieser Gegend abgebrochen worden. Sie sagten, auch die Aussteiger wären abgezogen, nachdem die letzten Anstrengungen vergebens waren. Auch die meisten auswärtigen Leute aus Australien haben die Stadt verlassen. Gerüchten zufolge holen sie sich Hilfe von außen und sie versuchen, auf die Bahamas einzusteigen. Sie hörte aufmerksam zu und beobachtete mich ganz genau und sah mir dabei tief in die Augen. Ich war tief in Gedanken versunken und sagte nichts. Ich schien nicht nervös zu sein. Susi musterte eingehend mein Gesicht. „Sie scheinen sich nicht gerade zu freuen“, sagte Susi. „Ich meine, schließlich ziehen die Touristen ab und stellen ihre Aktivitäten ein. Das ist doch prima, oder nicht? “ „Susi, kann ich Ihnen etwas sagen?" „Natürlich, immer.“ „Ich habe Angst, dass mir dieser neue Anfang, über den Kopf wächst.“ Susi dachte einen langen Moment darüber nach, dann sagte sie: „Wieso das?" „Die Touristen wollten mir die Hoffnung nehmen, Susi.“ „Aber es gibt auch Leute, die mich beneiden wollen.“ Susi kniff das rechte Auge zusammen und startete mich an. Sie trat einen Schritt zurück. Susi machte die Tür zum Hotel auf. Ich zuckte nicht zusammen und zeigte auch sonst keine Reaktion. Ich behielt meine ausdruckslose Miene bei und schaute über den Strand hinweg aufs Meer. Susi wusste sofort, dass ich Energie aus der Morgensonne schöpfe. „Dies könnte ein sehr schöner Tag werden.“, sagte ich. Ich kehrte ins Hotelzimmer zurück. Henry und ich genossen ein leichtes Frühstück aus Bananen, Orangen, Weintrauben und Ananas. Henry war ganz wild auf ein kaltes Bier, aber keine von uns wollte einen Ausflug in den Supermarkt machen. Wir aßen und verfolgten die Frühnachrichten. Einige Minuten nach neun an diesem Samstagmorgen stellte ich den Fernseher an und imitierte die Alten von der Mega-Show. Henry ergriff den Telefonhörer und ließ sich auf das Einzelbett in seinem Zimmer fallen. Er war erschöpft, wütend, verzweifelt und stocksauer auf seine Frau Helga. Es war Samstag, 13.30 Uhr. Er rief in Berlin an. Seine Sekretärin hatte nichts zu berichten, außer dass Helga angerufen hatte und mit ihm sprechen wollte. Henry erreichte den Strand. Er sah mich und deutete auf ein braun gebranntes schlankes Mädchen. Sonst war der Strand menschenleer. Es war fast Mitternacht, Samstag, und auch das Mädchen hatte den Strand bereits verlassen. Ich legte mich in einem Liegestuhl unter einem zusammengeklappten Sonnenschirm. Sieben Meter entfernt saß Henry im Dunkeln auf einer kleinen Mauer. Sie sahen sich den Sonnenuntergang an. Dabei schauten sie auf ihre Uhren. Ich saß auf der Kante des Liegestuhls und beobachtete angespannt das Meer. Sie saßen da, wie zwei Eulen auf dem Ast, betrachteten die Leuchtbojen und die Markierungen der Fahrrinnen und warten darauf, dass der Messias übers Wasser wandert. Die einzigen Geräusche waren das leise Klatschen der Wellen auf dem Ozean. Morgendämmerung. Sonntag. Henry saß in einem vom Scotch ausgelösten Koma auf der Couch. Ich war irgendwo und machte ein Nickerchen. Ich setzte mich auf die Decke und trank kalten Kaffee. Dann faltete ich eine alte Tageszeitung zusammen und machte einen langen, gemütlichen Spaziergang. Unter einer Palmengruppe fand ich endlich Schatten und setzte mich hin. In einer Zeitung aus Deutschland waren die Namen sämtlicher Konkursunternehmen aufgeführt. Ich las Sie langsam. Das Lesen der Namen bereitete mir Freude. Klugredner taten mir nicht leid. Ich sah ihre falschen Gesichter vor mich. Dabei schaute ich auf das funkelnde Wasser hinaus und dachte darüber nach. „In Wirklichkeit wollte ich ohnehin nie Arbeiter oder Angestellter werden“, sagte ich. „Tatsächlich?“, fragte Henry. „Nein.“ Insgeheim wollte ich immer Millionär werden. „Ist das dein Ernst?" Hast du schon einmal eine Frau im Fliegen geliebt? " Ich zögerte den Bruchteil einer halben Sekunde. „Äh. Nein." „Dann trink aus, Millionär.“ „Wir wollen uns betrinken, bis der Arsch im Sarge liegt.“ Carola musste sich entscheiden, was sie tun sollte. Sie war von einem merkwürdigen, unbesorgten Gefühl erfüllt und ganz optimistisch. Sie weigerte sich sogar, sich Stefanie anzuvertrauen. Carola hasste diese stickige Vertraulichkeit zwischen Frauen, welche die Freundinnen von ihr immer mit großer Intensität eingingen. Carola, sonnenverbrannt und hübsch, saß schweigsam da und hatte keine Gedanken mehr. Wie stellst du dir das vor? „Fragte Carola und sah mir in die Augen.“ Sie waren groß und hell und waren vertrauensvoll und von Liebe. „Ich glaube schon, dass du Lust hast, mit mir auf die Bahamas zu fliegen“, erwiderte ich. Warum nicht? Na schön! Der Horizont geht weiter. Deutschland besteht und wird weiter bestehen. Die Welt ist mehr oder minder eine feststehende Angelegenheit, und nach außen hin müssen wir uns ihr anpassen. Im Privaten wie im Intimen, das ist meine Ansicht, können wir tun, was uns Vergnügen macht. Gefühle ändern sich. Heute magst du den einen Mann gern haben und am nächsten Tag einen anderen. Aber Deutschland bleibt bestehen. „Und übrigens Tu, was die gefällt.“ Ich lehnte mich zurück und lächelte. Carola erwiderte nichts. Da stand ich dann glücklich und lächelnd und so ein ganz anderes Gefühl hatte ich. Einen Anzug vom Designer zog ich mir an. Ich besaß eine natürliche Vornehmheit. Da sah sie mich sofort, dass ich mich überall zeigen konnte. „Wie gut du aussiehst!“, sagte Carola. Lächelnd sah sie mir ins Gesicht. Meine Augen lächelten sie an und sie fühlte sich bei mir geborgen. Irgendetwas strahlte physisch von mir aus, das ihr innerlich die Ruhe gab und sie glücklich machte. Auch spürte sie die Geborgenheit. Mit dem offenen Instinkt einer Frau für Glück registrierte sie das sofort. „Ich bin glücklich, wenn du da bist“, sagte sie. Ich sah Sie an. Eine lange Pause trat ein. Ich dachte eine Weile nach. „Hm“, sagte ich schließlich, wie zu mir selbst, „Ich glaube, ich bin genauso glücklich.“ Schweigen. Zwischen uns entstand das Feuer der Leidenschaft. „Aber du willst doch nicht, dass ich in Deutschland bleibe?“, fragte sie. Was willst du selbst? „Fragte ich dagegen.“ „Ich will mit dir leben“, erwiderte Carola einfach. Gegen meinen Willen rieselten kleine Flammen über meinen Körper, als ich sie das sagen hörte. Dann sah ich wieder ins Leere. Ich schwieg eine Weile und dachte nach. Dann nahm ich meinen Faden wieder auf. „Die Frauen haben immer gesagt, ich hätte zu viel Feminines an mir.“ Aber das stimmt nicht. Ich bin doch nicht feminin, weil ich keine Katzen jage oder mich beim Pinkeln hinsetze und viel reden kann. Ja, die Frauen mochten mich und sie hatten Vertrauen zu mir, wenn sie sich mit mir unterhielten. Ich mag Frauen. Männer mag ich nicht. Ich kann die alberne, wichtigtuerische Unverschämtheit der Homosexuellen nicht ausstehen, die diese Welt vom Schwulsein überzeugen wollen. Ich hasse die Unverschämtheit der Kakerlaken und ich hasse die Scheinheiligkeit der Ratten. Also, aufregender kann mein Leben gar nicht sein. Mario, wir lieben uns einfach, sagte sie. Ja, ja! Leben ist Bewegung, Vorwärtskommen. Mauern zu brechen und Berge zu überwinden. Mein Leben läuft nicht gleich wie bei den anderen Menschen. „Und ich fühle mich wertlos, wenn mein Leben nicht irgendetwas leistet und irgendwohin kommt.“ Das Grinsen flackerte über mein Gesicht. „Und wird mein Dasein weniger Sinn haben, wenn wir zusammen auf den Bahamas leben?" Ich schwieg eine lange Zeit, bevor ich sagte: „Vielleicht.“ Auch Carola dachte darüber nach. Was macht dir Angst, Mario? „Ich sage dir ja, ich möchte nicht enttäuscht werden.“ „Ich denke, dass sich Frauen und Männer vertrauen können, wenn man den richtigen Partner getroffen hat.“ Sie sah mir in die Augen. „Soll ich dir etwas sagen?“ „Fragte sie." „Soll ich dir sagen, was du hast und was andere Männer nicht haben und was die Zukunft bestimmen wird?“ Soll ich es dir sagen?" „Sag es mir“, erwiderte ich. „Der Mut deiner Zärtlichkeit, das ist es!“ „Zum Beispiel, wenn du eine Hand auf meinen Körper legst und ihn eincremst und massierst.“ Das Grinsen flackerte wieder über mein Gesicht. „Ja“, sagte ich. Ja, wirklich, Zärtlichkeit. Das Bewusstsein, dass ich einen Penis habe. Sexualität bedeutet im Grunde die Ängste aller Fühlungen. Und gerade vor der Fühlung haben die Menschen Angst. Die Menschen müssen lebendig und bewusst werden. Besonders die Deutschen haben es nötig, in Fühlung miteinander zu kommen, ein bisschen feinfühlig zu werden und ein bisschen zärtlich. „Sie müssen lernen, ihren Nachbarn zu achten und zu respektieren.“ Sie sah mich an. „Aber kannst du uns, zwischen dir und mir nicht vertrauen?“ „Frage Carola und sah mich verliebt und ängstlich an. Carola sah, wie mein Gesicht ganz sanft wurde und ein Grinsen hervorkam. „Ich will“, sagte ich. Wir schwiegen beide. „Ich möchte, dass du mich ganz fest in den Armen nimmst“, sagte sie. „Ich möchte, dass du mir sagst, du bist froh, dass ich dich habe.“ Carola sah so hübsch aus und so warm und sehnsüchtig! Etwas in mir regte sich und ging zu ihr hin. Sie hatte, wie es scheint, gleiche  Erregungen in ihren Lenden. Denn sie zog sich aus und drängte mich, es auch zu tun. Sie war bezaubernd. „Ich wollte keinen Sex mit dir machen“, sagte ich ganz cool. „Nein!“, schrie sie. „Lieb mich! Fick mich und sag, dass du mich halten wirst, wenn ich versuche zu fallen! Sag, dass du mich halten wirst! Sag, dass du mich nie mehr gehen lassen willst! Sie schmiegte sich eng an mich und hielt sich ganz fest an meinem muskulären, kräftigen, nackten Körper. Ja, ich hielt Sie auch ganz fest umschlungen. So dass wir bald keinen Atem mehr hatten. „Küss mich!“ „Küss meine Votze und sag, du freust dich, dass es mich gibt.“ Leidenschaftlich und Stück für Stück küsste ich ihren Körper, bis hin zu ihrem Schoss. Sie erregte sich immer mehr und ließ ein sanftes Geströpfe aus ihrem offenen Mund. „Küss mich!“ In diesem Augenblick empfand ich reine Liebe für Carola. Ich küsste ihren nackten, zarten Körper und ihren Venusberg und küsste mich bis zum Schoss vor. „Oh, du liebst mich!" „Du liebst mich!“, schrie sie leise auf und es klang wie ihr blindes, unartikuliertes Stöhnen. Ich drang ganz sanft in sie ein und fühlte, wie der Strom von Zärtlichkeit aus meinem Innersten in das ihre überfloss, und sie loderte im Zusammenklang des Empfindens. Doch ich erkannte, als ich in sie kam, dass es dies war, was ich zu tun hatte. Mit einem Erguss zukommen in zärtlicher Fühlung, ohne meinen Stolz zu verlieren. Und als meine heiße Quelle in sie strömte, strömte auch meine Seele ihr zu in diesem schöpferischen Akt, der nur eine sexuelle, leidenschaftliche und gefühlvolle Befriedigung war. Carola war ganz entschlossen jetzt, dass es zwischen mir und ihr keine Trennung geben sollte. „Deine anderen Frauen, wie hast du sie lieben können?“, fragte Carola. „Ich fing an, Sie zu lieben.“ Aber irgendwie haben sie immer wieder alles kaputtgemacht in mir. Nein, Carola, las uns nicht darüber sprechen. Ein böser Traum war das mit den Frauen. Diese letzte Frau aus der Beziehung hätte mit einem Fluch gehen müssen, wenn ich daran glauben würde: einem tobenden, streitsüchtigen und masochistischen Weibsstück! Wenn ein Weibsbild besessen ist von ihrem eigenen Willen und ihrem Willen, allem entgegenstemmt, dann ist es entsetzlich. „Und sollten Männer nicht gekreuzigt werden, wenn ihr Wille Gewalt über sie gewinnt?“ „Nein, denn ihre Männer sind immer so, was ihre Frauen aus ihnen machen oder mit sich machen lassen.“ Aber ich muss loskommen von der beschissenen Vergangenheit, dennoch erinnern die meisten Weibsbilder einen immer daran, dass man mit ihnen geschlafen hat. Ich wollte Dir das sagen. Sie küsste mich schließlich und wiegte mich an ihrem zarten, weichen Busen. „Küss mich!“, sagte sie. „Ich möchte leben und verheiratet sein mit dem Mann, den ich liebe, Mario.“ „Ich glaube dir das, Carola.“ „Das Beste ist, wir fliegen morgen“, sagte Carola. So verbrachten Carola und ich also die halbe Nacht damit, ausschließlich unsere persönlichsten Dinge zusammenzupacken.

Am Morgen riefen wir ein Taxi. „Ich muss mich von unserem Zuhause verabschieden, Mario.“ Carola ging in das Haus, sah sich in den Räumen um und erinnerte sich an die erfreulichen Erlebnisse, die sie in dieser Zeit hatten. So fuhren wir dann zum Flugplatz und wir flogen mit der nächsten Privatmaschine auf die Bahamas. Ich legte den Beruf des Unternehmensberaters ab und wurde Designer und gründete ein internationales Unternehmen für kreatives Design. Natürlich mit weltweitem Erfolg. Wir kauften uns eine komfortable Villa und lebten unseren Traum.

 

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