für "Buch 17 für Schwarzleser" : Der Schriftsteller erzählt
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LIEBE - ein lächelndes aas von Rosalie Mindt
Um es mal so zu sagen:
„Der Morgen fängt gut an.“
Die Nachbarn faulenzen wie üblich auf dem Balkon, in den wunderschönen Tag hinein.
Da das Haus nicht nur dünne Wände hat, hörten die Leute Frau Fick, wie sie ein interessantes Telefonat führte.
Wer ist Mike Tiger?
Kapitel 1
Halleluja! In diesem Wunderland mit immer blauem Himmel trübt kein saurer Regen das glänzende Grün der Blätter, nicht der kleinste Pickel wölbt die Baby-Rosa-Haut der Mädchen, werdenden Frauen und alten femininen Särgen sowie niemals verunziert ein Kratzer der Luxuskarossen. Auf leer gefegten Straßen fahren junge Frauen mit langen, braun gebrannten Beinen in schimmernden Limousinen, die soeben aus der Waschanlage kommen. Spektakuläre Unfälle, gefährliches Glatteis, nervige Radarfallen von Polizisten und geplatzte Reifen sind ihnen fremd.
Die lauten Kinder hüpfen lachend um sie herum und sind sich vor Freude dank des Taschengeldes und der Kinderüberraschung. Sie weinen nicht mehr, sie stecken die Finger ihrer Mutter aus Spaß in die Steckdose, wenn sie ihren Willen nicht bekommen.
Ihre Mama, gerade zwanzig Jahre geworden, selbst noch ein Kind. Und?
Kein Gramm Zellulitis und ohne („Gott sei Dank!“) einen einzigen Schwangerschaftsstreifen. Sie wickelt die strammen Babypopos ein, doch niemals, wenn sie voll geschissen sind.
Und schließlich, „… oh Wunder!“, wird ihr Regelblut hellblau und hinterlässt keine Flecken mehr auf ihren hellblauen String-Tanga. Ja! In dieser aufregenden Zeit entwickelt die verrückte Welt sich weiter!
Gut aussehende junge Banker empfangen mich, ihren besten Freund, in ihren Bürolandschaften und versprechen mir das süße Leben.
Keine Engpässe mehr am Monatsende, Kredite, Finanzierungspläne, Rentenversicherung, Bausparpläne und so weiter – und so weiter.
Alles kein Problem!
Ehrlich.
Erleuchtet, aufgeklärt und stolz gehe ich nach Hause.
Denn jetzt ist Schluss mit der Krise, Schluss mit Entlassungen und der Arbeitslosigkeit sowie ist jetzt Schluss mit Konkursverfahren.
Mit meiner neuen Kreditkarte gehört mir die Welt. Ich kann mal eben nach Sydney oder New York jetten, auf den Malediven Haie fischen oder mich in meinem Fünf-Sterne-Hotel mit den heißen Mädchen in bunten String-Bikinis amüsieren.
Ich habe keine schlaflosen Nächte mehr.
„Lebe jetzt!“, denk ich mir. „Und nicht erst, wenn du tot bist.“
Ich trinke den Kaffee mit dem Geschmack der Leidenschaft, das Aroma des Tages und die Verführung, wenn ich keine Frau bekomme, die Sinne verspricht.
„Alles ist gut.“ Und „AIDS.“ Was ist das?
Die verbitterten Frauen, auch die, die glauben, sie wären noch das bunte Leben, aber nerven, verteilen eine grüne Wundercreme auf ihrem faltigen Gesicht. Ihre spröden Hände werden von Spülmittel gepflegt und haben lange, rot lackierte Fingernägel, die niemals abbrechen, wenn sie für Geld arbeiten müssten.
Ja. Ja. Jaaaaaaaa.
Wie ein Wunder glätten sich die Falten im Gesicht. Ihre vollen Lippen sind glänzend und üppig wie die Stars im Film, Kino oder Fernsehen.
Die Zellulitis verschwindet unter ihren weichen Händen.
Ihr Busen strafft sich und reckt sich in den Himmel, Ihr Hintern wird fest und rund.
Über Nacht bekommt sie wieder den schlanken Körper eines jungen Mädchens und die Beine eines Top-Models.
Vergessen sind Stress und Müdigkeit.
Die nackten Frauen baden in ihrer Liebe, ihre großen dunklen Augen leuchten und die Kinder machen sich inzwischen vor kopfloser Begeisterung ein Lagerfeuer.
Natürlich im Kinderzimmer.
Der Vorstand mit zahlreichen schönen Frauen in kurzen schwarzen Röcken applaudiert.
In einer solchen demokratischen Gesellschaft gibt es keinen autoritären Chef, keinen Streik und keine analphabetischen Klugredner.
Ebenso wenig gibt es unerquickliche Diskussionen um Gehälter und Behörden sowie Machtkämpfe, die sowieso jeder verliert.
Das ist gelebte Utopie.
„Wozu sich Sorgen machen?“, dachte ich mir.
Braun gebrannte Fünfunddreißiger hinter imposanten Schreibtischen kümmern sich um alles und versichern mich gerne gegen alle Risiken und alle Krankheiten.
Dennoch darf ich nicht krank werden!
Was will die Gesellschaft?
Die klugen und witzigen Menschen.
Hunde, Katzen, Ratten, Wanzen, Mäuse und Vögel und und und sind hier ausgeschlossen.
Na nischt.
Nichts!
Die Gesellschaft pennt im Waschsalon.
Das Leben ist doch schön.
Ich mache mir Gedanken: „Werden wir nicht alle irgendwie verblödet?“
Vielleicht von den Politikern und den Medien?
Die Morgensonne strahlt stark genug, um den Nebel zu besiegen, der sich die Nacht in Frankfurt, einer Stadt in Deutschland, gesenkt hatte.
Die Polizei bestimmte die Szene, und die Passanten, ein paar Frühaufsteher, sahen zu, wie die vollgedröhnten (voll mit Suchtmitteln) Leute durch die Straße ihren Weg nach Hause suchten.
Um es mal so zu sagen: „Der Morgen fing gut an.“
Die Nachbarn faulenzten wie üblich in den wunderschönen Tag hinein.
Da das Haus dünne Wände hatte, hörte man Frau Fick, wie sie ein interessantes Telefongespräch führte.
Es ging um Ihre Tochter, die am Wochenende nicht nach Hause kam.
Leider schrie ihr Mann. Sie soll doch das Telefonieren aufhören und Kaffee kochen.
Und dann der Presslufthammer vor dem Haus, wo die Bauarbeiter schon das fünfte Mal das Loch aufreißen.
Frau Schmidt kam vom Bäcker und ging ins Haus. Sie hatte dasselbe ovale Gesicht und dasselbe dunkle Haar, wie Marie, aus der Videothek. Wo ich die heißen Pornofilme holte.
Frau Lippert, eine neue Mieterin, fuhr mit dem Fahrstuhl nach oben.
Die Frau war fantastisch gebaut, schlank, mit voller Oberweite. Das schwarze Minikleid stand ihr gut. Ihre hochhackigen Schuhe klapperten Stakkato auf dem Paket, als sie zum offenen Fenster ging, um den Blick über die niedrig gehaltenen Gebäude auf der Seite der Frankfurter Straße schweifen zu lassen.
„Tatsächlich eine großartige Aussicht“, dachte sie.
Sie drehte sich um, ein kurzer Rundblick, ein Lächeln.
Dann hob sie den Kopf und dachte: „Was für ein hübsches Licht.“
Die flache, gläserne Deckenleuchte war im Art-Deco-Design gehalten.
In diesem Haus wurde wirklich an nichts gespart. Ursprünglich hatten es Eigentumswohnungen werden sollen.
Dafür ist die Miete wirklich günstig.
Ja, die Miete war happig, aber nicht indiskutabel. Die großen Räume hatten weiße Wände, frisch gestrichen, ohne hohe, breite Fensterfront, Parkettfußboden, und die Durchreiche zur Küche war seltsamerweise auch vorhanden.
Das Badezimmer war ein bisschen flattrig, aber ganz lustig gemacht.
Wie dunkel getöntes Glas an den Wänden, schwarze Sanitäreinrichtung mit chromfarbenen Armaturen, die große Wanne sehr geräumig, eine Duschkabine.
Die Einbauleuchten im Hängeschrank über dem Waschbecken und an der schwarz glänzenden Glasverkleidung an der Decke wieder eine
Art-deco-Lampe, in der Mitte ein Chrom, oval, ganz wie im Wohnzimmer.
Nur kleiner.
Das Schlafzimmer war fast so groß wie das Wohnzimmer, auch überall frisch geweißt.
Der große Einbauschrank bedeckte die ganze linke Wand, und das mit den Falltüren war eine praktische Lösung gegen unerwünschte Einbrecher.
Wieder eine großartige Aussicht aus dem Fenster. Denn das Bett stellte sie so, dass der verschlafende Blick am Morgen aufs Fenster fiel.
Ich schrieb mir ihren Namen auf: „Merlyn Lippert.“
Diese Frau war verblüffend älter, als ich geschätzt hatte.
„Siebenunddreißig“.
Ich atmete tief ein und mit einem langen, leichten Seufzer aus.
Dann schaltete ich den Fernseher an und wieder eine Talk-Show.
Das Sonnenlicht flutete durchs nackte Fenster.
Ich stellte aus Verzweiflung über das Fernsehprogramm ein anderes Programm ein. Meine Hände hielten die Fernbedienung, der Blick ruhte auf den Bildschirm.
Die Fernsehkanäle haben sich mit Werbung gespeichert.
Zappen ist angesagt.
Nachrichten. Donnerstagabend rief Merlyn die Kerstin an und sagte ihr, sie soll nun mal ihre Katze, Garfield, abholen.
„Oh, mein Schatz, ich weiß, dass es jedes Mal nach einer Ausrede klingt, aber im Augenblick passt es wirklich ganz schlecht.“ „Die Partys?“ Ich bin überall eingeladen. »Du Merlyn, behalte die Katze einfach noch ein paar Tage!« Ja?"
„Tut mir leid, das geht nicht“, sagte sie. Entweder holst du sie oder ich stelle sie raus auf die Straße. Mein Interesse an deiner Katze ist verblasst. Ich bin nicht dein Tierhotel.
Merlyn atmete tief durch und erwiderte: „Aber ja doch,…“
Sie vereinbarte, dass sie Sonntagvormittag käme, um ihre Katze abzuholen.
Danach sagten sie sich „Tschüss“ und Merlyn legte auf und dachte: „Ja, ja, die gute alte Verlässlichkeit.“
Aber da war bei Kerstin nicht viel zu erwarten.
Fährt ein Autofahrer vom Anfang bis zum Ende durch eine der langen Straßen Frankfurts, die von Norden nach Süden führen, passiert dieser fast jede Stufe der sozialen Skala, das gesamte Spektrum zwischen arm und reich.
Nirgends erlebt ein Mensch die sozialen Unterschiede einer Stadt in Deutschland drastischer als am Bahnhof.
An einem leeren Ende findet einer jener die Landstreicher, Säufer und Süchtigen, wie zum Beispiel nach Betäubungsmitteln.
Die selbst allerdings hat viel zu bieten.
Die Einwohner sind eine komische Mischung von Reichen, die hier ihre Eigentumswohnungen haben, eine Reihe von Yuppie-Typen, die aber den anderen Gruppen fremd blieben.
Auf der geraden Auffahrt des Hauses parkten ein weißer Supersportwagen, mit mindestens 557 PS und zwei marineblaue Wagen der Luxusklasse mit mindestens 400 PS.
Kein Wagen leuchtete in dem schlichten Schwarz, die anderen im legendären Metallic.
Als ob die Eigentümer keine Aufmerksamkeit erregen wollten, obwohl es kaum exotische Wagen gab.
Die Eingangstür war groß und imposant und fasste zwei gewaltige Glasfenster, keines von einem Vorhang verhüllt.
Das Fantastische stand weit genug von der Straße entfernt und hoch über den Häusern, so dass, durch Vorhänge oder nicht, die Privatsphäre der Bewohner gesichert war.
Eine junge Frau, sie hieß Svenja B., im Hausflur schien über mein Auftauchen überrascht, wie ich es gewesen war, dennoch war ich sehr erfreut über ihr Anwesen.
Sie blickte lange und starrte auf mich, dann sah sie plötzlich weg.
Ihre begrenzte Neugier war gestillt und es schien, als fände sie den Anblick ihrer Großmutter weit interessanter.
Ihre blauen Augen hatten mich aber schon verwirrt. Sie waren groß und klug, und sie hatten Röntgenstrahlen über mein Gesicht wie Körper gejagt.
Hatte sie mich in Sekunden schon durchschaut?
Wie Svenja war sie blond und traumhaft schön, aber während Svenja wie ein Supermodel wirkte, war Merlyn Lippert von weniger rigoroser, eher souveräner klassischer Schönheit.
Sie hatte ein Gesicht einer edlen Frau von zurückhaltender Gesellschaft.
Und doch regte sich etwas hinter der kühlen, wohlhabenden, vornehmen Fassade. Sorgsame Sinnlichkeit verriet sich, ein Feuer glühte, kontrolliert.
Aber heiß.
„Frau Lippert? »Ich bin Mike Tiger.«
„Ich weiß, wer Sie sind“, sagte sie ruhig.
Sie suchte keinen Blickkontakt zu mir.
Sie blickte ins Leere des Treppenhauses.
Sie schloss für einen Moment die Augen, als würde sie denken: „Wenn alle offen übers Ficken sprechen würden wie ich, gäbe es weniger Magengeschwüre, Verdauungsstörungen und Gürtelrosen!“
Dann lächelte sie nur.
Es war ein seltsames, grausames und selbstgefälliges Lächeln.
Ich schauderte.
Mein schmerzendes Gefühl signalisierte mir „Vorsicht!“.
„Haben Sie heute schon gefickt?“ „Frage Sie mich mit einem ironischen Lächeln.“
Jetzt war sie wie ein kleines, schüchternes Mädchen, das verbotene Worte in den Mund nahm, um die Großen zu schockieren.
Also, was sind sie? Eine Professionelle?
Endlich wandte sie sich mir zu, das gleiche dünne Lächeln auf den Lippen.
„Nein.“, erwiderte sie, „Ich bin eine Amateurin.“
Ich hatte längst beschlossen, dass mich Merlyn Lippert kalt ließ.
Ein erotischer Blick aus ihren dunkelblauen Augen bewegte sich wieder über mich, diesmal wie eine der Wellen vom heißen Feuer. „Ja“, sagte ich, „Ich ficke gern“.
Dann blickte sie wieder mich von Kopf bis Fuß an.
Sie erwiderte nur: „Ich bin wirklich nicht in der Stimmung, mich damit zu langweilen.“
Es war keine Trotzreaktion oder eine Zickigkeit.
Dies war eine nüchterne Mitteilung.
„Verpissen Sie sich“, sagte sie und grinste.
Sie blickte mich wieder mit ihren bezaubernden Augen an.
Ach so, sie fügte „Bitte!“ ruhig hinzu.
Ich verpisste mich und dachte: „Nettes Mädchen“.
Am späten Nachmittag eilte ich an Merlyn Lippert vorbei, stemmte beide Hände gegen die Glastür und hielt diese für sie auf.
Sie war mit zwei großen Einkaufstüten beladen. Beide voll mit Lebensmitteln.
Und weil der nette Türsteher ihr auch den Fahrstuhl zum Stehen brachte, war sie dankbar für die Hilfe.
Merlyn Lippert lächelte mir zu, als sie sich an meinen kräftigen Armen vorbeidrückte.
Ich war jung, mit blauen Augen, und gut sah ich auch noch aus.
Nur ein paar Schritte entfernt stand sie jetzt rechts neben mir. Sie schielte aus den Augenwinkeln zu mir rüber und sah, dass ich den Blick von einer Tür zur anderen pendeln ließ.
Und dann sah ich sie doch noch an und sagte: „Soll ich ihnen eine…?“
„Danke, Nein, die Einkaufstüten sind nicht schwer. Trotzdem, danke ...."
Ich lächelte ihr zu.
Es war ein umwerfendes Lächeln, breit, über ein paar Grübchen weg, und die strahlenden Augen lächelten mit.
Merlyn lächelte zurück.
Die Fahrstuhltüren glitten auf.
„Ich kenne mich hier in der Gegend gut aus.“, sagte ich.
„Also, wenn sie mal irgendetwas erklärt haben wollen über weitere Einkaufsmöglichkeiten und so…“
„Wie finden Sie denn den Supermarkt gegenüber?“, fragte ich.
„Ganz ordentlich, ich war gerade dort.“, erwiderte sie.
Ich drehte mich um, gab ihr mein umwerfendes Lächeln und sagte nur noch: „Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl hier.“
Merlyn lächelte zurück und erwiderte nichts.
Sie deutete mit dem Kopf auf die Einkaufsbeutel. „Die Dinger werden schwer.“
„Ach, du lieber Gott, „Tschuldigung!“
„Bis bald.“
„Bis bald“, antwortete sie.
Ein strahlendes Lächeln um ihre Lippen.
Doch jetzt kam ihr in den Sinn, Svenja anzurufen und vorzuschlagen, dass sie heute Abend vorbeikäme, um Garfield abzuholen.
Svenja passte das gar nicht, denn sie war schon verabredet.
Merlyn schloss ihren Anrufbeantworter an, überprüfte, ob er noch funktionierte, und ließ ihn eingeschaltet.
Danach rief Merlyn noch mal in der Werbeagentur an und ließ sich von Kim erzählen, was noch auf dem Programm liegt.
Aber da war nichts dabei, was nicht noch bis Montag Zeit hatte.
Ein Freitag, wie ein Arbeitstier ihn sich vor jedem Wochenende wünscht.
Der Himmel trug Violett und die Straßenlampen schimmerten schon.
Die verrückten Autofahrer übten Anfahren und Halten.
Merlyn rief ihre Eltern an, um zu sagen, dass es gut ihr geht.
Dann stand sie am Fenster, aß eine geschälte Banane, schaute zu den Hochhäusern gegenüber, sah den flimmernden Widerschein auf den Fassaden und warf einen Blick zur Straße hinunter, wo die Leute, wie Ameisen dahin huschten.
Sie öffnete das Fenster weit – ein paar Zentimeter, den Flügel links und den rechts.
Hier oben hörte sich der Straßenverkehr wie ein dumpfes Summen an, richtig angenehm.
Sie legte sich eine CD in den CD-Rekorder, „beautiful girl“ spielt.
Mit einem merkwürdig ungeklärten Gefühl, das sie sich selbst nicht erklären konnte, ging sie ins Schlafzimmer.
Merlyn Lippert mit der samtweichen Haut und weichem Haar, ja sogar sie mit Holz vor der Hütte und den knackigen Hintern, wurde auf die Dauer selbst langweilig.
Dreiundzwanzig Uhr Dreißig, es ist schon spät geworden.
Merlyn reckte und streckte sich lang aus, sog die Lungen voll Sauerstoff und pustete dann den ganzen riechenden Atem langsam durch die Lippen.
Eine entspannte Weile blieb sie stillliegen, dann griff sie nach einem Päckchen Papiertaschentücher auf dem Nachttisch, schwang sich hoch, ging ins Badezimmer und putzte sich die Nase.
Sie warf das vollgeschneuzte Tuch in die Toilette und drückte die Wasserspülung.
Am schwarzen Waschbecken ließ sie kaltes Wasser laufen, tupfte sich die Augen und die Wangen ab. Und das Ganze noch mal, mit einer Gesichtsseife.
Merlyn richtete sich auf und sah in den großen Spiegel.
Dann ging sie in die Küche. Noch schnell die Schokowaffeln probieren und ein Bad nehmen. Merlyn schrubbte sich mit den Fingernägeln, reckte und streckte sich noch einmal. Lässt dann das Badewasser ein und gab hin und wieder einen tüchtigen Schuss Reinigungsmilch auf den Schwamm.
Sie prüfte die Wassertemperatur mit einem kleinen Wasserthermometer, das ein kleines gelbes Badeentchen war.
Das Deckenlicht stellte sie sich am Dimmer etwas dunkler.
Sie ging ins Schlafzimmer, zog sich splitternackt aus, ohne Licht, also musste sie nicht erst die Jalousetten herunterlassen.
Merlyn öffnete dennoch das Fenster, splitternackt, lehnte sich hinaus, beide Hände auf die kupferbeschlagene Brüstung gestemmt.
Eine warme Brise des Windes umschmeichelte ihre nackte Haut.
Ihr Blick fiel auf das Dach der Zeugen Jehovas, tiefer als ihr Apartment.
Ein Puppenhaus, dachte sie lächelnd.
Merlyn ist wunderschön, wie sie so da lag, den Kopf auf den Wannenrand gelehnt und die strahlenden Augen entspannt geschlossen.
Hübsch.
Merlyn spielte mit ihren Füßen und von Zeit zu Zeit tauchte sie mit dem nassen Kopf aus dem Schaum auf. Manchmal waren es auch nur die lackierten Zehen.
Sie liebte es, sich unter Wasser zu streicheln, ohne heftige Bewegungen, nur so zur Entspannung nach dem stressigen Alltag.
Eine Hand von ihr tauchte aus dem Badeschaum auf und sie massierte sich langsam und gefühlvoll das Nacken. Auch seitlich.
Jetzt runzelte sie die Stirn.
Wahrscheinlich, weil ihr steifer Nacken schmerzte.
Sie räkelt sich unter dem lavendelduftenden Schaum. Dabei pustete sie Schaumflocken von ihren vollen Brüsten, links und rechts.
Das kitzelte auf ihren Brustwarzen, die sowieso schon frech sich reckten.
Dann hob Merlyn ein Bein aus dem Wasser und Schaumflocken tropften ihr von der Ferse. Entspannt seifte sie sich die Unterarme ein.
Kapitel 2
Mit einem Brillantenhalsband, nicht zu verwechseln mit einem Hundehalsband, werden die Frauen von ihren Männern in Szene gesetzt. Sie alle werden heiß gemacht auf einen unerreichbaren bürgerlichen Traum. Das dazugehörige, müßige und genießerische Ambiente ist die reine Lebensfreude entsprechend den idealisierten Normen reicher Ehemänner. Die Armen machen es mit dem Verschluss einer Limonadenblechbüchse. Ach, wie gut das tut, mit Vierradantrieb ans Ende der Welt zu kurven, mit knackigen Mädchen ins schäumende Nass zu tauchen und dabei Zähne bleichend zu grinsen. Meine Träume gehen unterschwellig auf meine Wünsche ein, mit einer raffinierten Illusion, die mir vorgaukelt, dass Jugend, die Gesundheit, die Männlichkeit wie die Weiblichkeit einzig davon abhängen, was wir tun.
Dabei stelle ich mir immer vor, wie es sein wird, wenn ich meine Haare verliere, weil ich nicht diese Lotion mit den außergewöhnlichen Naturextrakten verwende. Mein Zahnfleisch blutet und ist nicht fest, weil ich die falsche Zahnpasta nehme. Ich werde keine Arbeit finden, wenn ich nicht diesen Rasierapparat für Siegertypen und das dazu passende Notebook habe. Ja! Ich werde hässlich und verpasse das „wahre Leben“, das „Leben voller Leben“; Das „helle Leben“, das „Leben in vollen Zügen“, wenn ich nicht mindestens sieben Schmerztabletten jeden Tag einnehme oder die Energie-Drinks, mindestens zehn bis dreizehn Dosen am Tag, trinke.
Ich muss schon verrückt sein für diese enthusiastischen Albernheiten, die in Zeiten der Wirtschafts- und Sinnkrise mehr und mehr auf die Nerven gehen.
Ich habe schon viel zu lange auf mein Glück herumgekaut.
Mein Leben ist ein glitzerndes Spiegelkabinett.
In dem ich den Leuten immer wieder vorführe, wie viel Spaß es doch macht, glücklich wie die Blöden zu sein.
Die Leute, die ständig zur Arbeit gehen und sich abquälen, um über die Runden zu kommen, gelangen jeden Tag mehr zu der Überzeugung, sie müssten mehr arbeiten.
„Geboren, um zu arbeiten, wie der Vogel das Fliegen zum Fliegen“, hörte Merlyn von anderen Leuten, die es nicht besser wissen. Ja. Ich renne nach dem Erfolg, nach dem irren Geld. Warum nicht? In meinem Bemühen, um das Geld zu kaufen, erzeuge ich selbst und letztendlich mein bewundernswerter Optimismus.
Indem ich immer wieder aufstehe und selber anpacke. Ich mache keine Kompromisse und ich stecke die Ziele so hoch wie möglich.
Durch die ständige Verführung der Frauen von morgens bis abends fühle ich mich schließlich als Sieger.
Doch für den Fall, dass ich noch immer nichts verstanden haben sollte, schlussfolgern meine Neider und Klugredner.
Jetzt aufgepasst!
An wen wendet sich Merlyn Lippert, wenn sie allein auf der Bundesstraße eine Autopanne hat?
Wie unschwer zu erraten: Natürlich an mich, lieber interessierte Leser.
Das ist eine der ältesten Maschen, die noch aus der Epoche der Menschheitsentstehung stammt.
Einen prickelnden Augenblick mit Merlyn Lippert, die in Shorts und Pullunder im Hausflur steht.
Ein unscharfes Bild, das ist heutzutage sehr modern.
Dennoch meinen unauffälligen Blick über Merlyn in Stringtanga wandern zu lassen, ist für meine Augen nichts so anstrengend: Denn schließlich ist Merlyn Lippert eine „Madonna“.
Das unglaubliche Paradies mit Merlyn Lippert lässt sich unter der Dusche wie im Flugzeug oder im Auto finden.
Zwischen den Frühstücksflocken hätte ich es auch gern mit ihr getrieben.
Wir leben im Zeitalter des „Mach es!“ oder „Vergiss es!“.
Dennoch ist es aus der Haut zu fahren.
Sobald Merlyn den Fernseher einschaltet, ist sie eingepennt.
Die Frauen sind eben wie ein parfümiertes Stück Aas.
„Sie ist tot, aber sie lächelt mich an“, dachte ich mir. Dann walkte Merlyn sich im Fitnessstudio durch, kämpfte schweißtriefend mit dem Bizepstrainer, den Beingewichten und dem Bauchspanner.
Anschließend strampelte sie sich ein Weilchen auf dem Fahrradtrainer ab.
Später kam Merlyn aus dem Fahrstuhl und gegenüber der offen stehenden Wohnungstür stand eine fremde Frau in einem pinkfarbenen Kostüm und schrie ins Handy: „Nein, ich mein genau, wie ich's gesagt habe!“
Als sie Merlyn sah, hob sie die Hand, spreizte sie die mit Ringen beladenen Finger und führte eine kleine, lustige Pantomime vor.
Mit einem Gähnen, ein Blick zum Himmel, eine Grimasse, so voller Kummer, dass es einem das Herz zerreißen konnte.
Sie sah blendend aus wie ein Model, schlank, Anfang zwanzig und sehr blond.
Das pinkfarbene Kostüm kannte Merlyn aus einem Katalog von verschiedenen Modedesignern.
„Ach, ihr könnt mich doch am Arsch lecken, alle beide!“, fauchte die junge und saloppe Frau wütend ins Telefon und knallte den feuchten Hörer auf. „Wann sind sie eingezogen?“ „Vor einer Woche“, erwiderte Merlyn.
Dore Jendretzkie ließ ein nicht sagendes Lächeln über ihr Gesicht huschen.
„Ich bin Dore Jendretzkie.“
„Das klingt sehr hübsch.“
„Danke.“ „Ich habe ihn mir selber ausgedacht.“
„Meiner ist Merlyn Lippert.“
„Das klingt sehr hübsch.“
„Danke.“ „Den haben sich meine Eltern ausgesucht.“
„Sie sind ein großer Gewinn fürs Haus, verglichen mit den verkappten Leuten“, rief sie Merlin zu. Stand lächelnd da, in ihrem pinkfarbenen Designerfummel, eine ringfunkelnde Hand gegen den Türrahmen gelehnt, weiße Schühchen, eins übers andere gekreuzt.
Das Telefon läutete.
„Oh, Scheiße.“ „Na, wir sehen uns noch.“
„Tschüßchen, Merlyn!“
Merlyn rief zu Hause bei Ihren Eltern an und bedankte sich für den bunten Strauß Blumen.
Der machte sich gut im Wohnzimmer auf dem Tisch.
Dann gab es wieder die übliche Diskussion mit Vater, als er sagte, sie solle auf sich aufpassen.
Merlyn las die ersten vier Kapitel des Romans „Das Parfüm“, dann rief sie Svenja an.
„Swenja, das Buch, das ich jetzt lese, ist sehr spannend, der Autor schreibt sehr gut.“
„Wovon handelt es denn?“, erwidert Svenja.
„Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser nicht armen Epoche gehörte.“ Seine Geschichte wird hier erzählt ...".
Merlyn liegt auf dem Bett und erzählt interessant weiter.
„Swenja…, ja, das ist die Geschichte eines Mörders und eine große Entdeckungsreise in das sagenhafte Reich der spektakulären Düfte.“
Es ist die seltsame Geschichte eines Mörders, den nicht Hass, Liebe oder Verzweiflung treiben, sondern einzig seine Nase.
„Junge Mädchen sind die Opfer seiner Leidenschaft.“
Svenja klingt sich ein; „Das hört sich ja wie eine Geschichte mit vollen Geist, Witz und Fantasie an.“
„Ist es auch“, sagte Merlyn und betrachtete ihr kleines Ego im Deckenlicht. „Wie gesagt, es ist eine fantastische Geschichte eines Mörders.“
Später stand Merlyn vor dem Schlafzimmerspiegel und hielt sich ein paar Designerkleider an.
Na ja, Merlyns Begeisterung hielt sich in Grenzen. Bei all den vielen internationalen Restaurants, die es in der Stadt gab.
Tausende waren es.
Wer hatte das gedacht, dass sie und dieser „weiß nicht wie“, Art Direktor aus ihrer Werbeagentur, beim Mittag übereinander stolpern würden?
Unglaublich.
Obwohl das Tosca-Café ebenso eine Art Tummelplatz für Studenten und Künstler geworden war. Was ihm aber nichts von seiner Klasse nahm.
Die Gäste schwärmten besonders von den Toiletten.
Tja, das Leben verblüfft einen Menschen immer wieder mit seinen Zufällen.
Bleibe ganz ruhig, denk ich, und kein Grund zur Panik.
Zwei Tage in der Woche arbeitete Merlyn gewöhnlich zu Hause, dienstags und donnerstags.
An diesen Tagen schaffe sie, vorausgesetzt, dass Kim wirklich nur in dringenden Fällen anrief.
So viel, wie an fünf Tagen in der Agentur?
Auch abends arbeitete Merlyn meistens noch ein bisschen und drei oder vier Stunden am Wochenende und morgens von sechs bis acht.
Diese Woche blieb sie am Dienstag zu Hause. Ausgerechnet, wo alle Wetterfrösche auf allen privaten Kanälen prophezeit hatten, dass es der sonnenstrahlendste und wärmste Tag wird.
Alles sah danach aus, dass sie Recht behielten. Schön, endloses Blau am Himmel und im Grünen sonnten sich die Sonnenanbeter und reckten die dicken Hälse.
An so einem strahlenden Morgen in seiner Wohnung zu sitzen und dann einige Treatments zu schreiben für ein paar Werbespots, sogar wenn sie gute Ideen hatte, die sie gerade hatte.
Also, das war Knochenarbeit.
Merlyn drehte sich um, schob ihre Brille hoch und sah ein schnelles Düsenflugzeug am blauen Himmel.
Sie drückte die Brille auf die Nase, drehte sich zurück und las einen Absatz auf ihrem Blatt.
Machte dabei ein paar Anmerkungen.
Japste erschrocken, als das Papier zu flattern begann, weil das Fenster ein paar Zentimeter offen stand.
Bis zur kreativen Erschöpfung hielt sie durch.
Schnappte sich die Turnschuhe, die Jeans und das gelbe Sweatshirt.
Halb war sie schon ums Haus gelaufen, immer dem staubigen Weg nach, der am Absperrgitter entlang führte.
Nur die Sonnenbrille trennte Merlyn vom weiten Blau des Himmels und der klaren Luft.
Sie kam über die große Terrasse vor der Bushaltestelle.
Leute, die müßig am Brunnen lagen, andere, die etwas für die Gesundheit taten, wie, die Beine unter die Rückenlehne der Parkbank verhakt.
Ein verrückter Schwarm kleiner, lauten Kinder in weißen Karateanzügen terrorisierte die ahnungslosen Teenager in roten, engen Trainingsanzügen und schwirrten herum.
Ein Exhibitionist in rot-gelber Bekleidung versuchte Merlyn mit hektischen Bewegungen auf sich aufmerksam zu machen.
Die lauten Jugendlichen rückten an, in Zweierreihen und Trainingsanzügen in Farbe Rot-Gelb, auf das östliche Ufer zu.
Sie drehte sich um, schob sich die Sonnenbrille auf die Nase und wartete an der Straßenkreuzung mit einer Ampel auf ein grünes Signal.
Tänzelte ein bisschen auf den Zehenspitzen und schickte ein herzhaftes Lächeln hoch zum tiefblauen Himmel. In der Besprechung am Mittwoch schlug sie die drei Storyboards vor.
Bei zweien waren die Leute vom Marketing einverstanden, dem dritten Drehbuch räumten sie geringe Chancen ein wie Merlyn.
Anschließend trödelte Merlyn eine Stunde im Kaufhaus herum, kaufte sich ein bunt geblümtes Sommerkleid und ein bisschen Unterwäsche.
Ich hätte es fast geschafft, pünktlich zu meinem Drei-Uhr-Termin zu kommen.
Meinen Sportwagen hatte ich auf der Straße gejagt und war wie ein Wilder über die Autobahn gerast, alle Fahrzeuge verfluchend, die sich am Ende von der Autobahnauffahrt stauten.
Immerhin ist es ein weiter Weg zur Beate, einer Freundin von mir, die ich auf der Love-Parade in Berlin kennengelernt hatte.
Und so zeigte die Uhr schon fünfzehn nach drei, als ich die Klingel von ihrer Wohnungstür drückte.
„Tut mir leid, Beate“, sagte ich, als ich in ihre Wohnung trat. „Ich wurde aufgehalten.“ „Musste außerplanmäßig im Verkehrsstau stehen.“
Beate, Beate Schneider ist eine attraktive junge Frau, eben dreißig Jahre alt und erst wenige Monate in der Stadt Frankfurt.
Ich aber war ein alter Freund von ihr.
Freund und für kurze Zeit ihr Liebhaber.
Beate freute sich herzlich, mich zu sehen.
„Wie geht's Mike?“, fragte sie mich auch gleich.
Ich erwiderte ihr auch gleich: „Das ist sicherlich eine Fangfrage von dir, Beate.“ »Mir geht es gut.«
„Gut?“, fragte sie mich, ein Loch im Bauch. Beate lächelte und ich grinste natürlich zurück.
„Warum setzt du dich nicht einfach in den Sessel?“, fragte sie. „Und wir reden ein bisschen miteinander.“
Ich setzte mich, die Arme über meine Brust verschränkt.
Beate holte zwei Tassen Kaffee und stellte sie auf den Stubentisch.
„Gut siehst du aus“, sagte Beate, „Was machst du so? Bist du schon verheiratet?“
„Nein.“ erwiderte ich, „Oh, du meinst mein Sexualleben.“ „Mein Sexualleben ist wunderbar.“
Ich legte eine Pause ein und lächelte.
Für mich gab es wirklich keinen einzigen Grund, Beate anzulügen.
Dann erzählte ich: „Mein Sexualleben ist tatsächlich beschissen, seit ich aufhörte, mich mit dir zu treffen.“
Ich hielt beide Hände hoch, die Handflächen nach außen und sagte: „Siehst du, ich bekomme schon Schwielen an den Händen.“
Sie lächelte.
Nachdem ich meinen Kaffee getrunken habe und unsere neugierige Unterhaltung so interessant
(Ich kam mir vor wie ein Radio.) Ich beschloss, wieder nach Hause zu fahren.
Dennoch wartete ich einen Moment, ehe ich „Tschüss“ sagte.
Das Treffen mit Beate zu beenden hieß, dass ich sie nie mehr sehen würde.
Beate wollte, dass ich wieder kommen sollte.
Es erschien ihr, dass ich genau das war, was sie von mir dachte: ein normaler Mann mit einem bewegten Leben.
Beate nahm einen Schluck kalten Kaffee aus der Tasse.
Ich schlug ein warmes Lächeln auf und sagte: „Danke, danke, Beate.“
Ich bin dabei, zu gehen.
„Ich vermisse dich noch immer, Mike“, gestand Beate.
Sie sprach sanft, ebenso sanft, dass ich so tun konnte, als hätte ich nichts gehört.
Doch ich genoss geradezu gewöhnlich das mit Mühe kontrollierte Verhalten und akzeptierte das lärmende Durcheinander auf den Straßen wie eine natürliche Umgebung.
Der Menschenauflauf auf dem Zebrastreifen ist mörderisch.
„Manche Leute sind so altmodisch“, dachte ich laut.
Ja, unbedingt eine aus dem scheinheiligen Volk rempelte mich an.
Bin total erschüttert und schüttelte den Kopf.
„Sollte das ein Witz sein?“, dachte ich.
Denn diese arrogante Pissnelke ist einfach weitergegangen und ich konnte noch nicht erkennen, ob ich einen Kratzer am weißen Sportwagen habe.
„Ich bin begeistert“, sagte ich laut zu mir.
Doch dann dachte ich mir, dass diese Frau hundert Millionen Mäuse hat, so wie sie aussah.
Sie fickt mit Bankern und erfolgreichen Geschäftsleuten.
„Aber nichts davon macht sie zur Kandidatin, mir meinen weißen Sportwagen anzukratzen und dann noch abzuhauen“, sagte ich zu meinem Sportwagen. Dann rief Svenja bei Merlyn an.
„Hallo, wie geht's dir?“, schrie sie auch gleich durch den Telefonhörer.
Doren Jendretzkie klingelt an der Wohnungstür.
„Gut. Ich kann mit dir jetzt nicht reden, es klingelt an der Tür. Bitte ruf später noch einmal an!“
Doren perfekt geschminkt, in ein Duftwölkchen und ein wundervoll rosafarbenes Satinkleid gehüllt, das sie mit schwarzen lackierten Fingerspitzen im Nacken gerafft hielt.
Die ersten Knöpfe waren schon zu, aber dann hatten sich ihre Fingernägel gelöst.
Doren beugte sich nach vorn, dabei schlang sie angestrengt blinzelnd winzige Seidenhöschen über erbsengroße Satinknöpfe.
Sie drückte verlegen an ihre Fingernägel herum.
„Haben Sie vielleicht Kleber für meine Fingernägel?“
„Nein, tut mir leid. Wo wollen sie denn hin?“
„Irgendein Essen im Lokal“, sagte Doren verwirrt.
Merlyn lächelte, schlang eine winzige Seidenöse über einen erbsengroßen Satinknopf.
Danach hatte sie den obersten Knopf zu.
„Okay“, sagte sie und trat einen Schritt zurück. „Nun können Sie im Lokal „Guten Abend" sagen. Sie sehen hinreißend aus." Merlyn und Svenja bummelten am nächsten Tag über den Flohmarkt auf dem Marktplatz und kauften zwei zusammenpassende Kerzenständer aus Zinn.
Merlyn las eine Modezeitschrift.
Saß später beim Friseur.
Einmal Waschen und Tönen.
Danach aß sie beim Italiener zu Mittag.
Diese Woche blieb sie auch Mittwoch zu Hause.
Ein mieser Tag.
Nieselregen über die Großstadt.
Und trotzdem ein großartiger Tag, weil sie ja zu Hause war.
Der richtige Tag für die Wäsche wurde ihr an der Stelle klar.
Am besten ging sie gleich zu den Maschinen, die für die dreckige Wäsche zuständig sind.
Merlyn wuchtete den vollgestopften Wäschekorb aus dem großen Kleiderschrank, sammelte die Handtücher im Badezimmer und in der Küche ein und nahm aus dem Schränkchen unter der Spüle das Waschpulver und aus dem Mickymaus-Becher die Fünf-Euro-Stücke.
Nur eine Waschmaschine drehte sich rumpelnd bei rotem Signallicht. Auf dem Deckel war ein leerer, weißer Wäschekorb abgestellt.
Merlyn stellte das Waschpulver beiseite und fing an, den Wäschekorb auszuräumen, die farbigen Sachen in die eine Maschine, die weiße Wäsche in die andere Maschine.
Sie zupfte an einem Taschentuch, das sich um einen Blusenknopf verzwickt hatte.
Dann warf sie die weiße Bluse in die eine Trommel und das bunte Taschentuch in die andere Trommel der Waschmaschine.
Sie öffnete die Streulasche am Waschpulverpaket und streute Waschpulver über die Buntwäsche, hörte dann plötzlich auf und hielt das Paket mit Waschpulver, senkrecht.
Dann drückte sie die Streulasche zu und stellte das Waschpaket in den Korb.
Mit den Fünf-Euro-Stücken fütterte sie den Geldschlitz.
Eine pummelige Frau in einem bunten Faltenrock, mit einer gelben Bluse und in Hausschuhen kam hereingeschlurft, schnupperte und krauste die Stirn. Ging zu der Waschmaschine, an der Merlyn gerade noch gestanden hatte, nahm den leeren Korb herunter und öffnete den Deckel.
„Sie kommen genau richtig“, sagte Merlyn. „Eben ist sie ausgegangen.“
Die Frau drehte sich um und erwiderte: „Ääääh?“
„Ausgegangen“, sagte Merlyn verständlich. „Vor einer Minute, denke ich.“
Eine wedelnde Handbewegung.
„Schluss.“
Sie deutete auf die Waschmaschine und dachte: „Schön, wenn die Ausländer schon viele Jahre in Deutschland wohnen, leben und nicht Deutsch sprechen.“
„Ah Sie“, sagte plötzlich die Frau, lächelte, zog ineinander verschlungene Wäschestücke aus der Maschine und legte sie in den Korb.
„Si, veintecinco minutos. Exactamente. »Veintecinco minutos.«
Merlyn staunte und fragte sich jetzt. Ob Mama jetzt denkt, dass ich ihr Kauderwelsch verstehe und spreche? „Fünf Euro, keine Mark, Deutsche Mark, die gibt es nicht mehr.“ „Nur Euro!“
„Si.“, sagte die Frau.
Merlyn drückte ein paar Knöpfe, und ihre beiden Waschmaschinen erwachten zu rumpelndem Leben. Freitagabend waren ein paar Freunde bei Merlyn: Kollegen aus der Werbeagentur und dazu Svenja.
Alle ihre Gäste schwärmten von der neuen Wohnung, machten visuelle Exkursionen mit dem Teleskop, tranken Sekt, Soda oder Weißwein und redeten über die Gerüchte, dass unwichtige Werbeagenturen verkauft werden sollten, über die Lage in Russland und über den größten Schrei der Werbung im Kino und im TV.
„Eine wundervolle Deckenleuchte“, sagte Lea beim Imbiss, „hast du die anbringen lassen?“
Alle Neugierigen guckten zur Decke hoch.
Merlyn ging herum und schenkte den Gästen Sekt nach.
Etwas später trug Merlyn die Erdbeermousse herein und stellte sie auf den Esstisch.
Dirk stand auf, holte sich noch einen Whisky und entdeckte mit Überraschung, bei dieser Gelegenheit einen Rest vom chinesischen Huhn.
Die anderen tranken ihr Schlabberzeug, löffelten die Erdbeermousse und lobten mit viel ooooh und aaaaah.
Jeder, der am nächsten Morgen in die Werbeagentur kam, hatte etwas über die nette Party zu erzählen.
Ich hatte ein Referat „Angst und Liebe“ in der Nacht ausgearbeitet und war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte.
Doch ich hatte die Kraft des Stils gespürt und auch die brutale Exaktheit der Erläuterung.
Während ich mich durch die Nacht schrieb, schlug ich ein Dutzend Mal diverse Bücher über dieses Thema auf.
Kapitel 3
Ich hätte es nicht zugegeben, aber ich freute mich darauf, Merlyn Lippert wiederzusehen.
In den vielen Stunden, seit wir uns begegnet waren, hatte ich fast ununterbrochen an sie gedacht.
Es war nicht nur ihre Schönheit, die mich machtvoll anzog. Merlyn hatte eine Aura, die mich faszinierte.
Meine Gedanken kehrten beständig zu jedem Wort zurück, das wir bei unserem kurzen Aufeinandertreffen Tage zuvor gewechselt hatten.
Auf dem Weg zu ihr überkam mich innige Vorfreude auf das kommende Treffen und ich war gespannt, wie sie sich jetzt geben würde.
Der Typ des wilden, reichen Mädchens, das mit dem Feuer spielte.
Ich freute mich darauf, sie zu sehen, freute mich darauf, mitzuerleben, inwieweit er sie bringen konnte. Und wie sie sich wehren würde.
Nur eine Luxuskarosse, eine Schwarze, parkte vor dem Haus.
Aus der Tür von ihrer Wohnung drang das Klappern einer Schreibmaschine, und es verstummte plötzlich, als ich an der Tür klingelte.
„Ziemlich komisch“, dachte ich. „Eine Frau mit so viel Geld.“ Die Leute sollten annehmen, dass man sich einen Computer leisten kann. „Klingt für mich, als hätte sie eine alte mechanische Schreibmaschine.“
„Yeah, sicher.“
Merlyn schien nicht überrascht, mich zu sehen.
Ja, für einen Sekundenbruchteil zeigte ihr Blick eine Spur von Freude, als wäre sie fast angenehm erregt, dass ich vor ihrer Tür erschienen war.
Merlyn war lässig gekleidet: alte Blue-Jeans und Sweet-Shirt in verblassten Buchstaben auf ihrer straffen Brust.
Sie hatte kein Make-up aufgetragen und ihre Haut schien Frische auszuströmen.
Ihre Augen waren klar.
Ihr schönes blondes Haar straffte sich aus ihrem Gesicht nach hinten und sammelte sich in einem lockeren Pferdeschwanz.
Ich kam direkt zur Sache.
„Ich möchte, dass Sie in die Stadt mitkommen und wir ins Café gehen, damit wir uns besser kennen lernen.“
Merlyn musterte mich einen langen Augenblick mit diesem leicht spöttischen Lächeln auf den Lippen.
Merlyn Lippert zögerte einen Augenblick, als wäre sie bereit, mich zu provozieren.
„Dann machen wir uns auf den Weg“, sagte sie nur. „Hm… Aber vorher darf ich etwas Passendes anziehen?“ „Würde nur eine Minute dauern.“
Ich dachte: „Eine Minute?“ „Da würde sie als Frau einen Rekord aufstellen.“
Ich nickte.
„Gut.“, sagte sie mit einem leisen Lächeln.
Sie machte die Tür auf und gab mir ein Zeichen.
„Komm doch herein und nimm Platz!“, sagte sie und verschwand dann plötzlich in einem Raum, der an das Wohnzimmer grenzte.
Ich setzte mich auf das Sofa und blickte mich um.
Bequeme Möbel teilten sich den weiten Raum des Wohnzimmers.
An den Wänden die schönsten zeitgemäßen Künstler.
Natürlich, ein Picasso an der Wand und über den Kamin eine Imitation von einem weiblichen Akt.
Ich sah mir diesen Akt an und hob die Augenbrauen vor Erstaunen.
Weit interessanter: Auf dem Couchtisch vor mir lag ein Stapel Modemagazine.
„Wie lange wird es dauern?“, rief Merlyn aus dem Schlafzimmer. Ich hatte enorme Mühe, mit ruhiger Stimme zu antworten: „Schwer zu sagen.“ „Kommt darauf an, was wir mit dem wundervollen Tag noch machen.“
„Dann dauert es nicht besonders lange“, erwiderte sie ahnungslos.
Nun bemerkte ich, dass ich sie in dem großen Spiegel sehen konnte, in einer Ecke des Schlafzimmers.
Ich beobachtete Sie durch die halboffene Tür.
Dabei war ich mir nicht sicher, ob dies eine ungewollte Provokation war oder ob sie mich absichtlich reizen wollte.
Beiläufig streifte sie ihr loses Sweatshirt und ihre straff anliegenden Jeans ab und stand nackt in der Mitte des Schlafzimmers, mit dem Rücken zu mir.
Sie nahm das Band aus dem Haar und schüttelte ihre lange Mähne auf ihre Schultern.
Ich erstarrte.
Dann nahm sie das leichte Kleid aus dem Schrank und glitt hinein.
Unterwäsche zog sie sich nicht an.
Merlyn kam aus dem Schlafzimmer, das Haar ausbürstend, den Kopf nach einer Seite geneigt.
„Fertig“, sagte sie, die Bürste von sich werfend.
„Manche Leute fühlen sich besser, wenn sie Unterwäsche tragen“, sagte ich. „Ist oft so, hauptsächlich, wenn sie den Büstenhalter tragen.“
„Ich bin nicht manche Leute.“ Oder wollen Sie mir welche anziehen?
Ich musste mich während der Fahrt am Steuer konzentrieren, bei blendender Sicht den Windungen zu folgen.
Merlyn Lippert saß auf der Beifahrerseite und es gelang mir alle paar Meter, einen raschen Seitenblick auf sie zu werfen.
Wir waren schon einige Straßen entfernt, bevor Merlyn endlich das Schweigen brach.
Sie drehte sich und wandte sich zu mir.
„Hast du mal eine Zigarette für mich?“, fragte sie.
„Ich rauche nicht…“, erwiderte ich.
Merlyn schüttelte leicht den Kopf.
„Ich habe das Rauchen aufgegeben.“, sagte ich noch.
„Ich auch.“, erwiderte sie und grinste.
Sie drehte sich wieder nach vorne, stöberte in ihrer gelben Ledertasche.
Einen Moment später schob sie sich eine alte Zigarettenkippe zwischen die Lippen und zündete sie leidenschaftlich an.
„Ich dachte, Sie hätten keine Zigaretten mit“, sagte ich.
„Sie erwiderte nur: „Ich glaube, Sie denken zu viel.“ Fand noch eine Kippe in meiner Tasche. Möchten Sie mal ziehen?
„Ich sagte Ihnen schon: „Ich habe das Rauchen aufgegeben.“
Merlyn lächelte ihr ironisches Lächeln zu und erwiderte: „Nicht für lange!“
„Danke!“, sagte ich mürrisch.
„Puh…“, dachte ich, das Eis um diese Frau war mächtig dünn, wohin ich trat.
Jedes Wort, das über ihre Lippen kam, konnte das Schlimmste bedeuten.
Merlyn flippte ihr Zigarettenkippen in die ungefähre Richtung des Aschenbechers am Armaturenbrett.
Schweigen belebte ihre Stimmung.
Im Café der Innenstadt galt es noch als das Freundlichste und Vornehmste.
Es hatte zwei Fenster mit dem Blick auf die Stadt. Doch die Einrichtung war nobles Design.
Kleine Bambustische mit Glasplatte und ein paar dazu gehörende Stühle, Mahagoni und schwarz gepolstert.
In diesem Augenblick betraten wir das Café und Merlyn musterte die Leute mit dem neugierigen Blick. Merlyn wirkte fehl am Ort.
Doch wenn sie das auch spürte, zeigte sie es nicht.
Der Kellner blickte uns kalt an.
„Wünschen Sie etwas?“, fragte der Kellner, wie ein Pinguin.
„Ja, zwei Kaffee bitte!“, erwiderte ich und grinste ihm zu.
Die Fenster waren zu gesperrt und es war warm im Raum.
Ich mühte mich enorm, mein Grinsen zu verbergen. Ich blickte unbemerkt ihr zu.
Merlyn bemerkte den Blick und ihre Augen wanderten von Gesicht zu Gesicht.
„Ist mir etwas entgangen?“, fragte sie.
Merlyn wirkte ausgeglichen, kühl, absolut kontrolliert.
Sie zog eine Zigarette aus der Tasche, zündete sie an und warf das zerbrochene Streichholz auf den Tisch vor ihr, obwohl der leere Aschenbecher auch da platzierte.
Sie hob nur ihre nicht sagende Augenbraue.
Merlyn blies eine Ladung Rauch über den Tisch.
Und?
Direkt auf mich zu.
Die dunkle Rauchwolke in dem Gastraum erschien außerhalb des Fensters reflektiert.
Es war später Nachmittag geworden.
„Ich will Sex mit ihnen und wir sagen jetzt endlich „Du“ zueinander!“, sagte Merlyn beiläufig. „Ich mag das Ficken.“
Sie hatte mich völlig unter Kontrolle und blickte, während sie sprach, von einem Mann zum anderen.
Die Gäste in diesem Café gaben sich gern so, als hätten sie alles schon gehört, was es zu hören, alles gesehen, was es zu sehen gab, und als wären sie durch nichts mehr zu schockieren.
Und das stimmte fast.
Sie hatten Geständnisse gehört: von masochistisch leidenden Ehefrauen, tyrannisierten Ehemännern, die Eifersüchteleien von den Liebenden, Prostituierten und Strichjungen.
Doch eine schöne, reiche, wohlerzogene und gebildete Frau so offen über ihr Sexleben reden zu hören, war ziemlich schockierend.
„Bevorzugtest du jemals sadomasochistische Praktiken?“, fragte ich.
Merlyn wandte ihren Blick auf mich und hatte das dumme Gefühl, ein Leuchtturm würde auf mich blicken.
„Was genau schwebt dir vor, Mike?“, fragt sie, ganz unschuldig.
„Ich mag saubere und zarte Hände und Finger“, sagte Merlyn und spreizte ihre eigenen eleganten Hände auf die Tischplatte und blickte sie sinnlich an, als wollte sie Bilder davon beschwören.
Merlyn warf mir ein sexy Lächeln zu und blickte mir tief, ganz tief, noch tiefer, in die Augen.
„Ich habe keine festen Regeln, Mike.“ »Ich lasse mich einfach treiben.«
Die Sonne stand tief am Himmel und der Abend näherte sich rasch.
„Ich weiß, dass du nicht blöd bist, Merlyn“, sagte ich.
Merlyn sah mir eine Sekunde in die Augen, dann blickte sie hinunter auf den Tisch. Sie warf ihre Zigarette auf den Boden und zerdrückte sie mit ihrer Schuhspitze.
Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück und lächelte liebenswürdig.
Merlyn schob ihre rasierten Beine leicht auseinander, so dass ich ein Stückchen ihres Schenkels sehen konnte.
Ich genoss den gebotenen Anblick.
Doch plötzlich kreuzte sie die Beine.
Dann lächelte sie mir hinüber.
Merlyn zündete sich eine Zigarette an und blauer Rauch kräuselte sich über ihren Kopf.
Die Blicke hin und her stachen jetzt tief, als versuchten wir, in den Schädel zu dringen.
„Und doch willst du mit mir ficken, Mike.“
Ein Moment Schweigen.
Ein langer Moment.
Ich starrte sie ausdrucksvoll an.
„Woher willst du wissen, dass ich verheiratet war?“, sagte ich. Eine Frage, die in allen Köpfen war.
Sie nahm einen tiefen Zug von ihrer Zigarette.
„Möchtest du eine Zigarette, Mike?“
Ich schüttelte den Kopf und ließ meinen Blick nicht von Ihrem Gesicht.
„Keine Sorge, Mike.“, sagte Merlyn.
Ich erwiderte: „Nein.“ Oder soll ich es dir schriftlich geben?
Es regnete stark, die windgepeitschten Tropfen prasselten gegen das Glas.
Merlyn Lippert grinst süß.
„Merlyn, kann ich dich bitten, uns nach Hause zu fahren?“
Sie blickte zu mir, als sie das fragte.
„Sicher?“, wurde erwidert. „Warum nicht?“
Nachdem ich den Kellner bezahlt hatte, gingen wir.
Ich fahre einen weißen Sportwagen.
Er liegt tief und sieht gefährlich aus.
Am Bordstein der Straße geparkt, wirkte ich wie eine geladene Handfeuerwaffe.
„Nicht schlecht“, sagte sie. „Für einen namenlosen Schriftsteller.“
Ich lachte nur.
„Komm und steige schon ein!“, sagte Mike.
Der Sturm hatte den Verkehr von den Straßen gefegt und ich forderte den Motor des Sportwagens gewaltig, rammte die Nase des Automobils in die Zähne des Windes und donnerte in die Nebenstraße.
Ich schaltete zurück und preschte über die Hauptstraße.
Der Sportwagen lag tief auf der nassen Straße, und sie spürt, dass ich völlig zuverlässig war und sicher über den glitschigen Schlamm fuhr.
Musste scharf vor einer Ampel bremsen und der Sportwagen kam zum Stehen.
Dennoch zuckte ich nur mit den Achseln, wenn sie mir außergewöhnliche und originelle Fragen stellte.
Das Licht der Ampel wechselte zu schnell und ich trat nur noch aufs Gaspedal.
Merlyn Lippert gähnte und reckte sich wie eine Katze auf dem weichen Lederschalensitz.
Ihre Augenwinkel senkten sich ganz leicht.
Sie schien erschöpft zu sein.
Mike warf Merlyn einen Seitenblick zu.
„Harter Tag?“, fragte Mike vorsichtig.
Merlyn schüttelte den Kopf und sagte: „Eigentlich nicht.“
Sie sah mich wieder einen flüchtigen Moment lang an, schaute mir wieder mal direkt in die Augen, dann blickte sie weg.
Ein gewaltiger Lastwagen rauschte vorbei.
Der LKW schleudert einen großen Schwall Regenwasser hoch, der sich über die Windschutzscheibe des Sportwagens ergoss.
Für einen Moment kam ich mir vor wie in einer Autowaschanlage.
Doch schmutziges Regenwasser überschwemmte das ganze Fenster.
Mehrere Sekunden sah ich nichts, doch ich nahm den Fuß nicht einen Augenblick vom Gaspedal.
Ja, Mike dachte nicht einmal daran.
Auch Merlyn schien diese Situation nicht sehr zu stören.
Ich liebe den Regen. Oder? „Oder du nicht…“, sagt sie, als wäre sie mit nackten Füßen auf den Straßen von Frankfurt.
Mike erwiderte nur und langweilte sich schon mit sinnlosen Fragen: „Nicht besonders.“
Merlyn sah ihn von der Seite an und lächelte.
Ich fuhr den Sportwagen hoch zur Hauptstraße, auf dem langen Weg über die Ahornallee.
Der Regen strömte noch auf den Straßen, als ich mit Merlyn das Wohnhaus erreichte.
Eine dunkelblaue Luxuslimousine parkte auf der Anfahrt.
Ich kam an der Einfahrt zum Stehen, der Motor verstummte.
Das einzige Geräusch kam jetzt vom Regen, der gegen das Autodach trommelte.
„Merlyn, du scheinst verdammt viel über mich zu wissen“, sagte ich.
„Du weißt schon alles über mich, Mike“, sagte Merlyn. „Ja, dass ich nicht gerne Unterwäsche trage, das weißt du schon.“
Merlyn streifte ihre Schuhe ab und öffnete dabei die Autotür.
„War schön mit dir“, sagte Merlyn am Ende eines Rendezvous.
„Danke für die nette Einladung.“
Merlyn schlug die Tür wieder zu und ging mit nackten Füßen hüftschwingend durch die tiefen Pfützen und den Regen.
Mike saß hinter dem Steuerrad und starrte ihr nach. Mein Blick folgte ihr bis zu dem Moment, in dem sie die Haustür öffnete und im Inneren verschwand.
Dann fuhr ich in die nächste Nebenstraße und parkte den Wagen.
Im strömenden Regen rannte ich dann ins Haus. Die Pfütze, die ich mit meinen Auftritten platt machte, hatte keine Chance, zu überleben.
Auf dem nassen Weg sah ich ein Plakat.
Das zeigte ein weißes Baby in den Armen einer schwarzen Frau, die das Kind wiegt und stillt. „Warum nicht?“, dachte ich, denn es gibt ja auch schwarze Babys in den nackten Armen einer weißen Frau, bei denen ihr Ehemann einen Riesenschock und versteckte Mordgelüste bekommt.
Ein süßes Bild, würde die Frau von heute sagen.
Diese Plakate werden auf der ganzen Welt verkauft und sprechen für sich.
Dabei geht es nicht um Rassismus, sondern allein um die Zahlung von Alimenten der Pseudoväter, die nicht seine Kinder sind.
Dennoch: Gesetz ist Gesetz, sagen die Marionettenspieler.
Arbeitsplätze, Drogen, Verbrechen, Aids, Krieg, Rassismus, Erziehung, obdachlose Menschen, Umweltverschmutzung und und und sind die großen Probleme in der heutigen Zeit, bei denen die Menschen die Initiative ergreifen müssen.
Jeder Mensch kann sich denken, sollte er, dass der schnellste Weg, um mit Kino, Funk und Fernsehen und Musik, auch mit der Arbeitslosigkeit der Menschen, Geld zu machen, nun einmal Sex, die Erotik ist.
So muss man nur ein hübsches Mädchen mit hübschen Titten und schönem Arsch sein.
Es gibt auch hässliche Szenen, in denen hässliche Frauen gesucht werden.
Aber das reicht dann.
„In meinem Leben möchte ich mit der Öffentlichkeit über die Macht des Klischees und über Gemeinheiten diskutieren“, denkt sich Mike, „über Fügsamkeit und Freiheit des Geistes.“ „Über Toleranz.“
Dennoch fühlt Mike sich bei dem Ganzen nicht sehr wohl…
Klischees sind hartnäckig.
Es ist immer noch verboten und somit gefährlich, an Spekulationen und fiktiven Geschichten von Leuten zu rühren.
Das Leben geht weiter, trotz der allgemeinen Depressionen der Leute.
„Warum erhebt sich die Gesellschaft in verschiedenen Ländern und plärrt etwas von unmoralisch?“, fragte sich Mike. „Sie haben Angst.“
Ich bin neutral, leer und belanglos.
Ein buntes Bild.
Zum Wegzappen im TV, gut.
Mike glaubt schon, dass er graue Haare bekommt auf der Suche nach den passenden Argumenten, die die Öffentlichkeit von Respekt und Ehrlichkeit überzeugen sollten.
Am nächsten Morgen zog Merlyn sich die schwarzen Jeans an, dazu den beigefarbenen Pullover und flache schwarze Schuhe.
Kämmte sich das Haar, zog die Lippen mit haselnussbraunem Lippenstift nach und trug noch schnell Make-up auf.
Kurzum, sie richtete sich hübsch her.
Ein blumiger Duft von Parfüm hing in der Luft.
Sie ging zum Fenster und öffnete den rechten Flügel, der ohne Knarren aufging.
Bei ungefähr einer Handbreite rastete sie ihn ein.
Dunkler Himmel.
Unten auf der Straße, wo die Straßenleuchten rosa-mattgold schimmerten, bewegten sich die Spielzeugautos beim Anfahren und Anhalten.
Aber der Straßenverkehr war nicht hektischer wie unter der Woche.
Merlyn lauschte nach dem Fahrstuhl, ging noch mal zurück ins Schlafzimmer und öffnete auch das Fenster einen Spalt weit.
Als sie in der Diele war, spürt sie den Luftzug, kühl und voll gesogen mit Erdgeruch.
Merlyn ging ins Wohnzimmer, schaltete den Fernseher an, stellte die Schale Äpfel auf den Couchtisch, zog die Jalousie hoch und harkte sie fest.
Sie stand fest da und schaute auf einen Polizeiwagen hinunter, der die nächste Nebenstraße abbiegen wollte.
Als sie gerade zur Diele hingehen wollte, schlug die Türglocke an.
Merlyn lehnte sich vor, spitzelte durch den Türspion, löste die kurze Sicherheitskette an der Tür und öffnete.
„Hi!“, sagte sie lächelt und streckte Mike die Hand zu.
„Hi!“, erwiderte Mike, schüttelte ihr die Hand, lächelte und ging ins Wohnzimmer.
Schwarzer Sweater über das anthrazitfarbene Hemd, scharf gebügelte schwarze Leinenhose.
Die schwarzen Segelschuhe sahen neu aus.
Mein dunkelblondes Haar war noch feucht.
Deutlich zeichneten sich die Spuren ab, die der Kamm gezogen hatte.
Merlyn lächelte und schloss die Wohnungstür.
„Ich hatte gestern ein paar nette Freunde hier“, erzählte sie mir.
„Das ist ja großartig… Und was für ein Bild hängt dort?“ „Wirklich fantastisch“, sagte ich.
„Meine beste Freundin hatte es gemalt für mich“, erwidert sie.
„Tatsächlich?“, fragte ich erstaunt. „Sie muss Profi sein, da bin ich sicher.“
„Ja, sie stellt hier und Berlin aus“, sagte sie dann.
Ich kniff die Augen zusammen.
„Das Eindrucksvolle ist, wie sie diese… diese innere Anmut eingefangen hat.“ Und die Zartheit der Federn und das alles. Und dabei trotzdem nicht vergessen lässt, dass es ein Raubvogel ist.
Merlyn sagte: „Genau darauf war sie aus.“
Und sah Mike groß an.
Ich wandte mich zum Wohnzimmer.
„Du hast das großartig eingerichtet.“, dachte ich.
Eine schöne Farbkombination ist in Deiner schönen Wohnung zu erkennen.
Merlyn kam mir hinterher.
Ich schlenderte durch die Wohnung.
„Sehr hübsch… hier“, sagte ich und blieb vor dem Sofa mit einem zeitlosen Design stehen.
Ihr Lächeln galt mir und dem Sofa zugleich.
„Ich habe vor, das Sofa neu beziehen und aufarbeiten zu lassen“, sagte Merlyn.
Ich grinste nur und sah ihr in ihre bezaubernden Augen. Ich stand plötzlich rechts am Fenster, Merlyn ging zum linken Fensterflügel.
Ich pfiff durch die strahlenden, weißen Zähne eine Melodie.
„Was für eine Aussicht!“, bewunderte Mike. „Und da hinten muss der Flughafen sein.“
Doch dann fragte sie: „Worüber wolltest du denn mit mir reden?“
Mike wandte sich zu Merlyn um und schnaufte.
Ein kurzes Schulterzucken kam von Mike.
Mike seufzte und ein langes Lächeln als Zugabe.
„Merlyn, es hat noch Zeit, um dir es zu erzählen.“ Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass du zu den Frauen gehören könntest, die… die nicht aufgeben, bevor sie ein Rätsel gelöst haben.
Ein nervöses Schulterzucken von Merlyn.
Hörst du, Merlyn…? Ich darf doch Merlyn zu dir sagen?
Sie nickte und sagte: „Natürlich.“
„Ob ich wohl das Fenster schließen darf?“, fragte ich. Es ist ein bisschen kühl, wenn ich hier stehe.
„Ja, natürlich, mache es ruhig zu.“ „Und setze dich doch endlich auf deinen Hintern in den Sessel!“
Ich schloss das Fenster.
Merlyn setzte sich aufs Sofa, ganz am Ende, ein Bein untergeschoben.
Ich nahm in einem rotbraunen Ledersessel Platz und schlug die Beine übereinander.
Die messerscharfen Bügelfalten meiner Hose litten ein wenig.
Ich beugte mich vor, einen Ellbogen auf der Armlehne und die Hände gefaltet.
Merlyn lächelte mir zu.
Und ich?
Ich lächelte natürlich zurück.
„Möchtest du etwas trinken?“, fragte sie.
Ja, warum nicht? Danke. „Ein Tonic?“, erwiderte ich zurück.
„Gin Tonic?“, fragte sie zurück und stand auf. „Auch gut.“
Ich ließ den Blick durchs Zimmer schweifen und fragte sie gleich mal: „Du hast wirklich eine Menge Bücher.“
Ich holte tief Luft.
Stellte die Füße nebeneinander, beugte mich vor, die Ellbogen auf die Knie gestützt.
Ich drehte den Kopf zu ihr hin.
Sah sie nichtssagend an.
Vor einiger Zeit, als du hergekommen bist, um meine Wohnung zu besichtigen, war ich zufällig in der Poststelle. „Da hab ich dich kurz gesehen“, sagte Merlyn.
„Kurz?“, erwiderte ich überraschend und lächelte.
Sie sah mich stumm an.
Ich richtete mich auf, meine blauen Augen wurden starr, mein Blick war wie elektrisiert.
Mike stand auf und lächelte.
Was sollte er sonst auch tun?
Dann lehnte Mike sich übers Sofa, auf die prallen Polster gestützt, und lächelte sein umwerfendes Lächeln.
Merlyn sah mich nur stumm an. Hob zwei Finger und sagte: „Hier ein Gin Tonic, ohne Gin.“
Merlyn ging dann auch endlich in die Küche, atmete tief durch und nahm zwei Gläser aus dem Schrank.
Ich kam zur Durchreiche und lümmelte mich mit verschränkten Armen auf die Abstellplatte.
Sah zu, wie sie sichelförmige Eissplitter in die Gläser gab.
Merlyn goss Tonic über das Eis.
Später warf sie mir einen raschen Blick zu.
Ich grinste nur und sagte: „Ich möchte gerne wissen, was du jetzt in diesem Augenblick über uns denkst.“
Merlyn schnitt noch eine Zitrone auf und erwiderte: „Lass dich überraschen!“
Sie stand an der offenen Schranktür und hatte den Blick erwartungsvoll auf mich gerichtet.
Merlyn schloss die Schranktür.
Sie reichte mir das Glas Tonic.
„Danke“, sagte ich.
Wir nippten dann an unseren Gläsern.
Dann drehte Merlyn sich um und ging zur Tür.
Plötzlich rutschte mir das Glas aus der Hand und das Glas splitterte auf dem Fußboden.
Der Tonic schwappte darüber.
Merlyn blieb erschrocken stehen.
„Ach, scheiße, ich bin ein Tollpatsch… Es ist nicht mein Tag heute“, sagte und entschuldigte ich mich.
Merlyn grinst und meint: „Macht ja nichts.“
Sie stellte ihr Glas weg und ging zur Rolle mit den Papiertüchern.
„Das ist wieder etwas, was passieren kann.“, sagte Merlyn erklärend.
Der Teppichboden hatte etwas abgekriegt am Rand.
Und?
Natürlich meine schöne Hose.
Wir gingen in die Hocke, wischten zusammen den Fußboden auf und sammelten vorsichtig die Glassplitter auf.
„Tut mir leid, dass das Glas futsch ist“, sagte ich. „Ich hoffe, du kannst mir verzeihen.“
Wir lächelten uns an, wischten mit den Papiertüchern weiter den Boden trocken.
„Wars bei dir eigentlich purer Zufall?“ „Ich meine, dass du gleich zu meiner Begrüßung aufgetaucht bist?“
Ich grinste.
„Ich verweigere die Aussage“, sagte ich und pickte vorsichtig einen Glassplitter auf und legte diesen auf ein benutztes Papiertuch.
Ich sah eine Göttin an.
Wir trugen langsam und sehr vorsichtig die nassen Papiertücher mitsamt den eingesammelten Glassplittern in die Küche.
Merlyn goss mir ein neues Glas mit Tonic voll. Anschließend gingen wir vorsichtig mit den vollen Gläsern ins Wohnzimmer.
Wir saßen da.
Jeder in einer Sofaecke.
Wir sahen uns an und grinsten uns zu.
Jeder hatte ein Bein übergeschlagen.
Wir streckten uns die Gläser zu, stießen an und lächelten.
Ich trank oder nippte einen Schluck aus dem Glas.
Versenkte dabei den Blick ins Glas.
Merlyn sieht mich an.
Sie guckt immer noch.
Ich atmete entspannend tief durch und nahm noch einen Schluck aus dem Glas.
„Nun!“, sagte ich. „Jetzt sind wir ja schon vom Hundertsten ins Tausendste gekommen und haben dabei gelacht.“ „Dabei wollte ich dir eigentlich nur erzählen, Merlyn, dass es ein schöner Tag mit dir war.“ Aber, da ist noch was ..."
Wir lächelten uns zu und nahmen ein Schlückchen Tonic aus dem Glas.
Merlyn sah mich an, wie…
„Mike, hast du gar keine Angst, dass ich es den anderen Mietern erzählen könnte, was du für ein Mensch bist?“, fragte sie mich.
Ich schüttelte den Kopf und erwiderte: „Nein, Merlyn, das tust du nicht.“ „Du… du wirst meine Privatsphäre respektieren.“
„Woher willst du das wissen?“, fragte sie mich neugierig.
Ich zuckte überzeugend meine Schultern und meinte nur mit einem frechen Grinsen: „Ich weiß es.“
Meine lebhaften blauen Augen waren auf Sie gerichtet.
Ich sagte dann noch: „Du bist ebenso.“ Oder schätze ich dich falsch ein?
Merlyn schüttelt den Kopf.
„Nein.“, sagte sie und fragte: „Hast du jetzt Hunger?“ „Ich habe gebackene Hähnchenschenkeln und Salat im Kühlschrank, so wie, ein bisschen was von einer köstlichen Erdbeermousse ist auch noch da.“
Ich erwiderte nur noch: „Hört sich verlockend an.“
Ich lächelte sie an, unsere Blicke trafen sich und erstarrten.
„Und bei mir schlummert eine Flasche Sekt, die Marke, die sonst keiner trinkt.“ Soll ich schnell runterflitzen und sie holen?
„Warum nicht?“, erwiderte sie und lachte laut.
Etwas später, im Badezimmer, nahm ich den Arm von ihrer Schulter und ging zum Wasserhahn der Dusche, um das Duschwasser anzustellen.
Wir redeten keinen einzigen Satz.
Auch keine schamlosen Worte.
Ich leckte ihr die Wassertropfen von den Augenbrauen. Sie presste ihre trockenen Lippen an meine Kehle.
„Immerhin gehen wir ganz schön ran“, sagte ich mir ein bisschen Ironie.
Wir küssten uns leidenschaftlich und lachten laut.
Dann, küssten wir uns immer noch, richtig scharf.
„Oh, Gott!“, rief Merlyn.
Wir drehten uns, ohne die Lippen voneinander zu lösen.
„Lehne dich an“, sagte Merlyn.
„Warte einen Augenblick!“, erwiderte ich schnell.
Sie nahm den Arm von meiner Schulter, langte hinter sich und stellte das Duschwasser etwas kälter.
Am nächsten Tag kam Merlyn in die Werbeagentur gerauscht, drosselte ihren Schritt und ging wieder langsam.
Sagte guten Morgen und lächelte Kim zu.
Und hoffte, sie sähe aus wie jeden Tag und nicht wie ein frischgeficktes Huhn nach einer heißen Samstagnacht.
Natürlich, jeder brauchte es nicht gleich zu erfahren, aber Svenja konnte sie ruhig erzählen.
Am Abend, als Merlyn Svenja am Telefon hatte, war ihr sowieso schon der Mund übergelaufen.
„Er hat so lebhafte blaue Augen“, erzählte Merlyn, „und ich schwöre dir bei Gott." „Er sieht mir mitten ins Herz. Du glaubst nicht, wie feinfühlig er alles erfasst. Und fröhlich ist er. Und richtig süß. Und scharf auf mich ..."
Svenja hatte sich mit ihr gefreut.
So manchen Freundinnen es eben.
Sie freuen sich mit. Und denken dabei, dass sie vielleicht an dieser Stelle stehen würden.
Wie Merlyn so in ihrem Büro mit der voll verglasten Wand saß und den Blick auf andere Gebäude mit Büros mit voll verglasten Wänden hatte, verlangte sie sehnlich und innig, mich anzurufen.
Nur mal schnell „Hallo!“ sagen, damit sie wieder wusste, dass es mich tatsächlich gab.
Nein, Merlyn wollte Mike nicht stören.
Bestimmt, dachte sie, sitze ich jetzt in meinem unaufgeräumten Zimmer mit all den Sachen aus dem Möbelmarkt am Computer und schreibe ein neues Buch.
Und?
Merlyn hatte auch zu tun.
So drückt sie die Ruftaste und bat Kim, mit dem Terminkalender hereinzukommen.
Erst ein paar Tage später wurde es Merlyn klar.
Sie kam aus ihrer Wohnung, stolperte fast über den langen dunklen Hausläufer und fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten, zusammen mit der rothaarigen jungen Frau, voll mit Tattoos am nackten Körper und dem ziemlich korpulenten, nach schlecht riechenden Schweiß reichenden, unrasierten alten Mann.
Und fuhr noch schnell in die City, um etwas einzukaufen.
Spät abends, ungefähr – das ist jetzt auch egal, trafen sich Mike und Merlyn noch beim Italiener, bestellten sich ein leckeres Essen und eine Flasche Wein.
Ich saß da, zwischen uns das viereckige Tischchen, kaute, sah sie groß an.
Schluckte trocken.
Merlyn biss ein Stück von ihrer Tomate ab.
Nachdem ich mich mit der Serviette über die Lippen gefahren war, sagte ich: „Nachbarn machen einen immer neugierig, das geht allen Menschen so.“ Es ist so etwas wie ein vorsorglicher Abwehrimpuls. „Instinktgesteuert.“
Sie sagte darauf: „Auf einem Dorf ist es noch einfacher, dem Instinkt zu folgen, das kann ich dir versichern.“ Ich habe schon als Kind jeden Idioten in unserer Straße genau gekannt und die ganze Familiengeschichte dazu. Die Leute Ratschen und Tratschen auf dem Dorf (wie in der Stadt, im Getto).
„Es ist die Freizeitbeschäftigung der Weiber, die auch stundenlang ihren Arsch breit sitzen und auf ihre Kinder beim Spielen auf dem Spielplatz zusehen.“
Wie die Männer über ihre Weiber reden und ihr Bier trinken?
Dennoch nicht über ihre Frauen.
Ehefrauen.
Leider ist es bei Frauen anders, sie reden gerne über ihre Ehemänner.
Mike kaute und schluckte.
„Merlyn, falls du irgendetwas über mich wissen willst, nur zu, ich sag es dir gern“, sagte ich, mal so, um ein anderes Thema anzuschlagen.
Darauf erwiderte sie lächelnd: „Ich dachte schon, du würdest mich nie fragen.“
Also, fragte sie Mike, die Löcher im Bauch.
„Was treibt denn Doren Jendretzkie so?“ „Die auf meinem Flur stand.“
Ich lächelte und antwortete ihr: „Angeblich ist sie Model.“ Was meinst du dazu?
„Model oder Callgirl oder beides“, sagte sie. Ich dachte, du wüsstest es. „Ich finde Sie sehr lieb.“
Mike nahm einen Schluck Wein.
Ich mag es, wenn die Leute im Haus bunt zusammengewürfelt sind. „Ich will nicht nur stinkende Yuppie-Fuzzies um mich haben, nicht mal im Fahrstuhl.“
„Klingt vernünftig“, meint Merlyn.
„Ich bin sicher“, sagt er jetzt zu Merlyn, „Die Leute im Haus halten mich für verrückt und für einen kauzigen alten Knacker.“
Merlyn lächelte Mike zu und zuckte mit den Schultern.
„Nah, wenn schon“, sagte sie dann, „das ist das Problem der Leute.“
Wir nippten an unserem Weinglas.
Fußelten ein bisschen unter dem Tisch.
Wir blieben immer noch beim Lächeln und schauten durch das Fenster.
Dann wandte ich mich um und hielt nach der Bedienung Ausschau.
Am nächsten Tag, es ist schon Wochenende, gingen sie in den Fitnessclub.
„Ich habe noch nie so gut ausgesehen“, sagte Merlyn, als sie mit Mike in den Spiegel sahen.
Bevor sie in die Sauna gingen, beschlossen sie noch ein paar Runden Fahrrad im Wald zu fahren.
Wir gingen am nächsten Abend in eine Bar, ins Luna.
Wir unterhielten uns über viele Sachen des Alltags. Merlyn und Svenja unterhielten sich über andere Freunde, mit ihren alten Beziehungsproblemen.
Bei dem Witz, den ich anschließend erzählte, schütteten sich alle vor Lachen aus.
Ich guckte Merlyn verliebt an und sie mich.
In der Damentoilette sagte Merlyn zu Svenja: „Hab' ich es nicht gesagt?“
„Hör zu“, unterbrach Svenja Merlyn. (auf Zehenspitzen vor dem Spiegel über dem Waschbecken, weil sie, Svenja, gerade ihren Lidschatten nachbesserte), „Wenn es im Bett so fantastisch zwischen euch klappt und er außerdem auch noch Geld hat – in Gottes Namen, schnappe ihn dir!“
„Swenja…“, schrie Merlyn. „Eines Nachts, als ich bei ihm war… da hat mich Mike mit zu ihm hingenommen.“ Wir spielten Löffelchen. Er lag hinter mir und hielt meine geilen Brüste. Gott, das war alles so riesig und hat natürlich einen gewaltigen Eindruck auf mich gemacht. „Später haben wir noch in seinem Swimmingpool gesessen.“
Als beide endlich vom Damenklo wiederkamen, ließ Merlin ihre Finger über meine Handrücken gleiten und schmiegte sich fester an meine Hände.
„Du weißt doch. Nicht wahr, Schatz, du weißt es? „Es gibt nichts, was du mir nicht erzählen könntest“, sagte Merlyn und schmiegte sich ganz dicht an Mike.
Sie spürte, wie es Mike hinter ihr in der Hose versteifte.
„Was meinst du damit?“, fragte er.
Merlyn drehte sich.
Sie umschlang mich mit ihren Armen.
Außerdem sah sie, wie ich sie an der halbdunklen Bar anstarrte.
Merlyn küsste mich plötzlich auf die Nasenspitze.
Und fragte mich: „War da nicht noch was, was du mir erzählen wolltest, mein Kleiner?“
Ich starrte sie an, denn ich wusste nicht, was sie von mir wollte.
„Du musst dich doch nicht deswegen nicht schämen, wenn es nötig ist.“, sagte sie zu mir. „Jedenfalls solltest du wissen, dass ich durchaus etwas davon halte.“
Ich starrte immer noch.
„Wovon redest du überhaupt?“, fragte Mike.
Ich schluckte und sah sie eindrucksvoll an.
Merlyn nickte nur.
Ich weiß nicht, was ich dir erzählen sollte. „Du bist bei mir und ich bin bei dir.“
Merlyn vergrub ihre Nase in meiner Schulter und kicherte glucksend.
„O Gott, Schatz, entschuldige.“ Glaube mir, ich will nicht neugierig sein. Ach du lieber Himmel, „Das wird mir eine Lehre sein.“
Mike lachte nur, drückte Merlyn fest an sich, holte tief Luft und schnaufte genervt über ihre Schultern aus.
Sie stutzte mit ihren Fingern die Haare.
Am späten Abend ertönte das Telefon.
Kim rief an.
„Hallo, Merlyn!“
„Wie geht es dir und warum rufst du jetzt um diese Zeit noch an?“, sagte genervt Merlyn.
Dennoch haben Sie sich schon Tage nicht mehr in der Werbeagentur gesehen.
„Gut“, erwidert Kim, „ganz gut.“ »Ich war ein paar Tage auf den Seychellen.«
„He, das nenne ich aber eine schöne Neuigkeit. Können wir das nicht morgen im Büro besprechen?“
Merlyn legte dennoch nicht den Telefonhörer auf.
Sie hat sich wieder ins Bett gekrochen und setzte sich hoch.
Merlyn und Kim unterhielten sich noch lange über Sex und neue Freunde, die Kim auf der Reise kennengelernt hatte.
Nur eins hatte Kim nicht einkalkuliert: dass sie sich in so manchen süßen Kerl verlieben könnte.
Eine erstaunliche Sorglosigkeit, wenn Kim bedachte, wie wunderbar sie waren.
Warmherzig, klug, ehrlich, fröhlich und sexy.
Am nächsten Tag musste ich noch einige Erledigungen machen.
Doch plötzlich blieb ich an der Tür zu Merlyns Diele stehen.
Merlyn ging auf mich zu, stand vor mir und sah mir nur in die Augen.
„Swenja gibt heute eine Party“, sagte sie, „für ein paar gute Freunde, die nach Frankfurt kommen und über die Tage nicht nach Hause fahren wollen.“ Hast du Lust, mit mir hinzugehen? »Ich weiß, es ist ein bisschen spät, aber ich habe es vergessen.«
Mein Blick rutschte nachdenklich zur Seite weg.
„Ich käme liebend gern mit, Merlyn.“ Und ich freue mich, dass du mich gefragt hast. Aber, leider, weißt du. Ich habe meinem Verlag versprochen, dass ich mit dem Manuskript fertig werde. „Das schiebe ich jetzt Monat für Monat vor mir her, und nachdem ich diesmal fest zusagte, kann ich nicht schon wieder einen Rückzieher machen.“
„Verstehe ich“, sagte sie verständlich.
„Es tut mir wirklich leid“, sagte Mike.
„Ist schon gut“, sagte sie, „Ich hätte eben früher fragen sollen.“
Wir küssten uns leidenschaftlich und nahmen uns fest in die Arme.
Ich sah sie unschuldig an und machte: „Mhm-Mhm?“
Merlyn sagte: „Nein, schiebe ab.“ Ein bisschen Abstand tut uns beiden gut. Nah los! „Bis Morgen, dann.“
Wir küssten uns nochmal.
Ganz kurz.
Mindestens eineinhalb Sekunden.
Ich öffnete die Haustür und ging hinaus auf die Straße.
Merlyn sah mir noch kurz nach, wie ich das Haus verlassen hatte.
Sie ging in ihre Wohnung und legte die Türkette wieder vor.
„Habe ich irgendetwas Falsches gesagt, Mike?“, fragte mich Merlyn.
„Nein.“, gab ich zur Antwort.
„Oder?“ Oder vielleicht getan?“, fragte sie nach.
„Nein“, sagte ich, „es hat etwas mit mir zu tun.“ „Nicht mit dir.“ „Ganz ehrlich.“
Ich schloss kurz die Augen.
Merlyn küsste meine Lippen und zerzauste mir mit beiden Händen das Haar.
„Irgendetwas mit deinem Verlag?“, fragte sie nach.
„Nein.“ Das heißt doch. „Oder – nein.“, erwiderte ich.
„Ich bin nicht gerade das, was die Leute als Bestsellerautor kennen.“ Aber …?"
„Liebling, bitte – shhhhhh… lass uns nicht darüber reden, ja!“ Mund zu! „Und alles vergessen!“, flehte sie mich an und küsste meinen Mund, meine Augenlider.
Schloss dabei selbst die Augen.
Wir rissen uns die Klamotten vom Leib.
Ich drang in sie ein, wie sie es wollte und verlangte. Ich bewegte mich groß und stark in ihr.
Am nächsten Tag rief ich nicht an.
Diesmal, nahm Merlyn sich vor, Mike anzurufen, doch sie wartete noch ab.
Sie ließ sich im Fitnessclub durchkneten.
Ging in die Sauna.
Später wurde sie noch zu einer Party eingeladen.
Anschließend ging sie nach Hause.
Dort hörte sie noch Ihren Anrufbeantworter ab.
Und?
Mike hatte nicht angerufen.
Der Freitag war sonst trostlos.
Und wer hätte das gedacht?
Merlyn putzte noch ein bisschen ihre Wohnung und wechselte schnell die Bettwäsche von den Betten.
Nahm das Teleskop, beobachtete die Leute beim Sex hinter den Fensterscheiben, Jogger auf dem Weg entlang der Lindenallee und zwei Frauen um die Fünfunddreißig.
Sie stritten sich um ihre Ehemänner.
Die eine Frau hob drohend die Hand, die andere steckte der anderen den Zeigefinger fast ins Auge.
Schade, dachte Merlyn, dass sie es den beiden Frauen nur von den Lippen sehen kann, was sie sich da unten erzählen.
Merlyn versuchte noch ein wenig zu arbeiten, denn sie konnte noch nicht schlafen. Merkte aber, dass es nichts wurde.
„Was Mike jetzt wohl treibe?“, fragte sie sich selbst.
Merlyn kuschelte sich auf das Sofa und sah sich eine Talk-Show an.
Plötzlich klingelte das Telefon.
Merlyn sprang wie eine Springmaus auf, denn sie erwartete ja noch einen Anruf von Mike.
Als sie den Telefonhörer abnahm, sprach sie mit Svenja. Sie sagte nur: „… dass alles in Ordnung wäre.“ Wie gehabt. Viel zu tun.
Merlyn sah sich jetzt einen Horrorfilm an.
Aß einen Apfel.
Später nahm sie noch eine heiße Dusche, bevor sie zu Bett ging.
Am Samstag.
Merlyn putzt den Rest der Wohnung.
Ging in den Supermarkt einkaufen.
Setzte sich bequem in das Sofa, las und blätterte in eine Modezeitschrift.
Da klingelte das Telefon.
Merlyn starrte aufs Telefon erschrocken.
Es läutete weiter.
Sie nahm den Telefonhörer ab.
„Hallo?“, meldete sie sich.
„Hallo?“, sagte auch Mike.
Sie nahm ihre Lesebrille ab. Hallo? „Mike?“, sagte sie dann noch einmal. „Wie waren die letzten Tage bei dir?“, fragte er. „Stressig“, erwiderte sie nur kurz. „Lustig.“ Und bei dir? Merlyn schwang ihren Drehsessel hin und her. „Ich liebe dich, Mike, und ich vermisse dich sehr“, sagte sie sehnsüchtig. Sie schloss ihre Augen und sagte es wieder: Ich liebe dich. Und wie –? Das kann ich dir zeigen, wenn du bei mir bist.
Kapitel 4
Das Leben ist vereinfachend, manchmal allzu platt, aber eines kann Merlyn wirklich: Sie gibt mir Glück.
Ich bleibe wie angenagelt vor ihr stehen. Ein Verharren vor ihrer Aura. Mike glaubt, er wird von Merlyns Aura angezogen.
Ja, Merlyn möchte ich berühren und erhaschen. Ihre Lust, begehren und spüren.
Ich will Sie mit meiner leidenschaftlichen Lust anregen.
Merlyn, die Frau.
Sie ist nicht die Normalität, sie ist die Abnormität. Das Normale an Merlyn interessiert mich nicht und berührt mich nicht.
Doch, wie weit kann sie mit der Abnormität gehen und provozieren?
Dennoch ist Merlyn provozierend, irritierend, unerträglich und an der Grenze.
Oder nicht?
Dramatisch, eben weil es ein Drama mit ihr ist.
Merlyn ist provozierend, sie lässt innehalten.
Sie ist anziehend, sie gibt mir ein schönes, offenes Bild von sich. Sie hat eine Ausstrahlung wie ein Diamant.
Ja, Merlyn kann auch unerträglich sein.
Sehr unerträglich.
Sie ist zickig.
Hat eine masochistische und sadistische Neigung.
Ich glaube, es gibt Dinge, die die Leute einfach nicht zeigen, da sie verwirren, weil das Leid, das es auslöst, unerträglich ist.
Pervers.
Mit den Gedanken über Sex ihres Alters und die im Sonnenstudio gebräunte Hautfarbe, einzeln in Rechtecken, verließ ich das normale Tagesgeschehen und kehrte zu den aufregenden Tabus zurück.
Mit diesem unerklärlichen Gedanken stelle ich mir auch die Frage, ob allein der Blick ihres splitternackten Körpers wie der Blick ins Gesicht genügt, um uns wiederzuerkennen.
Eigentlich gibt mir ihr Gesicht Aufschluss über ihren Charakter, das Schicksal, sogar über ihre soziale Herkunft.
Aber ihren Sexus?
Schwierig.
Alle, die dafür posierten, machten das anonym hinter einem Vorhang.
Ich bin auch heute nicht in der Lage, Ihren Geschlechtstrieb einem Gesicht zuzuordnen.
Auch nicht dem Meinigen.
Wieder einmal zensiert mich Merlyn mit ihren großen Augen.
Auch als ich Fotos machte, waren sie ganz nackt wie eine weiße Rose vom Morgentau umhangen.
Eine Grenze gab es nicht für mich.
Merlyn gab sich emotional Ihrer geilen Lust ergeben.
Ich, ein Schriftsteller, bin es sich schuldig, durch meine Arbeit schon Vergessenes zum Leben erwecken, einen kritischen Sinn, einen verwirrenden Stil oder neue Auffassungen einzubringen.
Dennoch einige Dummköpfe animiert es immer wieder, „Skandal“ zu schreien.
Dabei danke ich Merlyn dafür, diese Fotoaufnahme von ihr gemacht zu haben.
Was immer es sein mochte, Merlyn bekam das schon in den Griff.
Jetzt, nachdem Mike sich durchgerungen hat, mit ihr über alles zu reden. Vermutlich ging es um den verdammten Altersunterschied.
Merlyn duschte und trimmte sich auf betörend und dreißig, höchstens.
Schwarze Hose im Knautschlook, flache Schuhe, weißer Pulli.
Sie schaltete den Anrufbeantworter ein und langte nach dem Wohnungsschlüssel.
Der Fahrstuhl war nach unten unterwegs.
Sie nahm die Treppe.
Hüpfte fast die Stufen hinunter, eine Treppenlänge links läufig, die nächsten rechts läufig, dann kam plötzlich der Treppenabsatz mit der Stockwerksnummer.
Ihre gewaltigen, harten Schritte gaben ein Echo vom grauen Beton der Treppenstufen wieder.
Hoffentlich war es der Altersunterschied.
Und nicht die Putzfrau oder die Exfreundin oder Gott – was im Leben so alles passiert.
Sie stieß die Tür vom Treppenaufgang auf.
Ich bin in der Küche.
Habe ein schwarzes Hemd und Jeans mir heute angezogen und die Wohnungstür stand zufällig, weil ich gerade aus dem Supermarkt komme, mit einem großen Einkauf, offen.
„Ass time goes by.“ Ertönte gerade im Radio.
Plötzlich stand Merlyn in der Tür und überraschte mich.
Wir redeten nicht viel, denn wir küssten uns durch die letzten Takte von „Ass Time goes by“ und durch den Anfang von „Pure Love“.
Unterwegs ins Wohnzimmer kämmte sie mir wild mit den Fingen durch das Haar.
Die Fenster Rollos waren immer noch im Schlafzimmer hinuntergelassen und die eigentliche Deckenlampe bis auf einen schwachen Schimmer abgedunkelt.
Die weiß tapezierte Wohnung sah ein wenig steril aus, der Charme von herumliegenden Kleidungsstücken und wahllos verstreutem Krimskrams fehlte.
Aber hübsch hatte es Mike in seiner Wohnung.
Die schwarze Ledercouch fast in der Mitte, da vorne der Fernseher, rechts die Stereoanlage, links in der Ecke der Schreibtisch mit dem Computer.
Alles in Schwarz und Weiß, abgesehen von den Blinklämpchen der Stereoanlage und dem Fernseher.
„Deine Wohnung sieht ja großartig aus.“, sagte Merlyn. „Du hattest Recht, ich hätte deine Bude nicht wiedererkannt.“
„Ich habe meine Wohnung ein wenig entrümpelt“, erwiderte Mike.
Ich trug die Gläser mit den Flaschen Sekt zum Couchtisch und die frischen Erdbeeren dazu.
Merlyn warf einen Blick auf das Bücherbord über dem Schreibtisch und sie sah eine Enzyklopädie von A bis Z in 24 Bänden.
Ich schaltete da Radio aus.
Merlyn lächelte mir zu und kam zu mir.
Wir saßen auf der schwarzen Ledercouch, Knie an Knie und Hand in Hand.
Ich schenkte dann die Gläser voll mit Sekt.
„Ach, wie süß…“, dachte und sagte Merlyn.
Sie nippten vom Glas Sekt.
Tranken und Bissen in eine Erdbeere.
Dabei lächelten sie mit ihren Augen weiter und stellten die Gläser auf Untersetzer aus dunklem Kork ab.
„Zuallererst will ich dir sagen, dass ich dich liebe“, begann ich, beugte mich vor und küsste ihre Lippen, die mir ohnehin gerade entgegenkamen. „Und nur deshalb erzähle ich dir das alles.“ Erzählte ich weiter, „Bitte, vergiss das nicht.“ Denn du wirst auf mich böse sein, sehr böse. Ich sage dir es jetzt schon. Also, denk daran, dass ich es dir nur erzähle, weil ich dich liebe. Du hast mal gesagt, ich könnte dir alles erzählen. „Jetzt nehme ich dich beim Wort.“
„Wenn du eine Frau und Kinder hast, kratze ich dir die Augen aus, darauf kannst du dich verlassen“, sagte Merlyn, mit ein wenig Ironie im Ton.
„Nein, Nein“, erwiderte ich und schüttelte den Kopf. „Nein…“
Ich senkte den Blick nachdenklich.
Merlyn sah mich stumm an.
„Merlyn, hör mal gut zu!“, sagt ich.
In meinen blauen Augen funkelte es, ich umklammerte mit meinen Händen ihre Hände. „Angenommen, ich würde dir erzählen, dass ich ein Zuhälter bin…“ Nein, ich bin natürlich kein Zuhälter. Aber nimm mal an, das wäre es, was ich dir gestanden hätte. Was würdest du dazu sagen? Mal ehrlich! „Wenn ich dir so etwa gestanden hätte.“
Merlyn sah mich stumm an.
„Was würdest du mir sagen?“, drängte ich. „Das ist alles nur so ein „Was – wäre“-Spiel, ich schwöre dir.“
Merlyn antwortete mir mit trockener Zunge: „Ich würde zu dir sagen: Hör damit auf!“ Es ist schlecht und ein großer Blödsinn.
„Mal angenommen, ich täte es.“ Sofort aufhören, meine ich. „Was dann?“, sagte ich darauf.
Merlyn war jetzt irgendwie irritiert und fragte: „Was meinst du damit, wenn ich damit aufhöre?“
Sie schnaufte und sagte: „Ich würde versuchen zu verstehen, warum du dich überhaupt auf solche blöde Sache eingelassen hast.“ „Und ich würde dir helfen, dass du es selber begreifst.“
„Würdest du mich immer noch lieben?“, fragte ich.
„Ja, natürlich.“, sagte sie. „Sei doch nicht albern!“ „Hast du vergessen, wie sehr ich dich liebe?“
Ich nickte, beugte mich vor und küsste ihre Lippen.
Sie starrte mich an.
Ich hatte vor, unsere Beziehung einschlafen zu lassen. „Aber ich schaffe es nicht“, sagte Mike. „Du und ich, das bedeutet mir zu viel.“ »Ich liebe dich zu sehr.«
Ich zuckte die Schultern, lächelte.
„Tja, nun hast du mich in der Hand.“, redete ich weiter. „Wenn du Schluss machst, stecke ich ganz schön in der Tinte.“
Merlyn starrte mich immer noch an.
Sie sah dann weg.
Stellte das Glas Sekt ab.
Sah mich an.
Ich stellte mein Glas auf den Tisch und fuhr mir mit dem Handrücken über den Mund.
Merlyn stand auf und stützte sich mit einer Hand auf die Rückenlehne.
Ich folgte ihr und faste mit beiden Händen von vorne ihr in die Taille und lächelte sie an.
Küsste sie auf die Wangen.
Wir sahen uns an.
Wir umarmten uns.
Wir küssten uns.
Plötzlich hielt sie mich ganz fest, seufzte, schüttelte dabei den Kopf und schielte über meine Schultern.
Sie trat dann einen Schritt zurück und musterte mich.
„Es ist das Faszinierendste, Merlyn.“, sagte ich. „Dramatisch, spaßig, herzerweichend, sexy, kurzweilig, lehrreich…“
Ihre Hände berührten meine Wangen und sagten: „Live is live“ und „Das Leben ist ein Traum.“
„Ja.“, erwiderte ich, „Das Leben?“ Die Erfüllung, wie der Liebe Gott sie sieht? Ein kleiner Splitter davon. „Nicht das, was uns irgendeiner als Wahrheit verkaufen will, so wie die Anwälte, Vertreter und Beamten.“
Merlyn drehte sich aus meinen Armen, mit einem nachdenklichen Blick.
Ich streckte beide Hände nach ihr aus, aber sie stieß mich weg und wandte sich zur Diele.
„Oh, mein Gott!“, schrie Merlyn laut und verzweifelt.
Sie sah in den Spiegel und zupfte sich das Haar zurecht.
Merlyn und ich gingen auf den Flur, um den Schalter vom Fahrstuhl zu drücken.
Ich schloss noch schnell die Wohnungstür ab und prüfte, ob die Tür richtig zu war.
„Mike, du spielst zu viele Rollen auf einmal“, sagte sie dann. „Den Aufrichtigen.“
Merlyn blickte mich nachdenklich an und riss das Gespräch an.
Sie zupfte den Sitz ihrer Kleidung.
„Wenn ich es mir recht überlege?“ „Besser, wenn ich dich zu mir nehme“, sagte sie.
Mit ausdrucksloser Miene sah ich sie an und fing plötzlich an zu grinsen.
Wir waren an Merlyns Wohnungstür angekommen.
„Und Grinse nicht so zufrieden!“, sagte sie. „Ich kann es mir noch mal überlegen und bilde dir nichts darauf ein.“
Merlyn ist eigentlich froh, Mike jetzt bei sich zu haben.
Denn dieser Kerl fehlte ihr sehr.
Abends dann, lag ich im Bett hinter ihr, eng angeschmiegt. Eine Hand lag auf ihrer zarten, weichen Brust, das Gesicht in ihr duftendes Haar gewühlt.
„Schlaf gut, Mike“, sagte sie.
„Du auch, mein Engel.“, erwiderte ich und küsste sie auf den Nacken und knetete mit der Hand zärtlich ihre Brust.
Warum auch nicht.
Denn Merlyn mochte es sehr.
Wir kuschelten uns enger aneinander und lagen stumm da.
Ja. Merlyn und Mike lagen stumm da.
Und sie lagen immer noch stumm da.
Plötzlich ein dumpfer Schlag, die Zimmerdecke dröhnte.
„Oh Gott!“, sagte sie, „Was machen die da oben?“
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht“, sagte ich genervt.
Das Pink war eine Bar in der Innenstadt, nur ein paar Blocks entfernt.
Einst war sie eine typische Tränke von Homosexuellen gewesen, wie die Leute sie ähnlich in Köln, Düsseldorf und Hamburg entdecken konnten.
Aber das Bild der Homosexuellen wandelte sich. Die älteren, altmodischen Schwulen verschwanden, die Jüngeren rückten nach.
Hier trafen sich die Yuppies am Abend.
Alte und meinesgleichen und smarte Typen, mit guten Anzügen von Designern und gepflegten Frisuren.
Ein paar Freunde aus dem Fitnessstudio von mir saßen hinten in der Ecke, süffelten ihre Drinks und warteten schon auf mich.
Ich hatte nicht gesagt, dass ich heute erscheinen würde, aber sie wussten, dass ich schließlich auftauchen musste, wie eine Krähe, die auf das nächste Opfer wartete.
Kurt stürzte auf mich, um mich etwas zu fragen, ehe ich die Chance hatte, die Bar zu passieren.
„Hören Sie mal, Dirk, wie ist das mit dieser Merlyn, die Sie immer Mike nennt?“
„Hey, Mike“, sagte der Barkeeper. „Das Übliche? – Mit Soda?“
„Sie kannten Merlyn schon, stimmt es, Mike?“, ragt Kurt.
Harald, der Barkeeper, stellte meinen Drink vor mich auf die Bar.
„Danke, Harald.“, sagte ich. „Sei so nett und schreib es auf! Ja?"
„Sicher, Mike.“, erwiderte Harald.
Während wir zu einem Tisch gingen, nahm Dirk einen tiefen Schluck aus seinem Glas und das halbe Bier war verschwunden.
Er atmete zufrieden aus und leckte sich die Lippen trocken.
„Es schmeckt gut.“, sagte er dann. „Zu gut.“
„Sagen Sie mir es doch mal, Mike!“, beharrte Kurt. „Damit ich es ganz genau weiß.“ Und Sie haben Merlyn Lippert im Fitnessstudio kennengelernt?
„Richtig“, erwiderte ich, um meine Ruhe zu bekommen.
Kurts Augen verengten sich argwöhnisch und er fragte provokant nach: „Sind sie sicher?“
„Sicher“, erwiderte ich genervt.
„Lassen sie die Finger von ihr, Mike“, bettelte Guido, „Tun sie sich einen großen Gefallen!“ Und was ist das überhaupt mit dir und dieser anderen Hexe? „Mike, lass es dir von mir gesagt sein, du bist zu alt, um dich von einer Puppe verrückt machen zu lassen.“
„Gott!“, sagte ich. „Wenn ich euch so höre, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.“
Kurt schüttelte langsam den Kopf.
Plötzlich sah er müde aus, verbraucht und älter als seine vierzig Jahre.
„Ich verstehe dich nicht, Mike“, entgegnete Guido. Und ich habe immer geglaubt, ich verstünde dich ziemlich gut. „Bist du scharf auf ihren Körper?“
„Sie können mich, Guido“, sagte ich beiläufig. „Machen Sie sich nicht so viel Gedanken um mich.“
„Also, wenn es so ist, Mike.“, entgegnete Guido beleidigt. „Sie können mich auch!“
Ein kalter Windstoß fuhr durch die Bar, als sich Mandy T. von der regengepeitschten Straße in den Gastraum schob.
Mandy kam eben rechtzeitig ins Pink.
Oder auch nicht.
„Hör auf, mich anzumachen, du Weibermacho“, brüllte ich zu Kurt, „oder ich ramme dir die Zähne in die Speiseröhre.“
„Hey, Hey, was ist denn in euch gefahren?“ „Oh“, rief Mandy und mischte sich ein.
Mandy, fünfundsechzig Kilo leicht, trat sich zwischen uns.
„Regt euch ab!“, sagte sie weiter.
„Kein Problem, Mandy“, sagte ich grinsend.
So schnell jedoch beruhigte ich mich nicht.
Ich sah dem Weibermacho nach.
Mikes Augen funkelten, bohrten sich wie Messerstiche in seinen Rücken.
„Er will Zoff haben?“, sagte ich wütend. „Ich bin genau in der Stimmung, ihm den zu geben.“
Mandy zog mich zum Tisch zurück und sagte: „Sicher, so ist es richtig, spiel ihm nur in die Hände." „Davon träumt Kurt doch.“
Mike atmete tief durch, um sich wieder zu beruhigen, und dachte sich, als ob dies allein das Feuer seiner Wut löschen könnte.
Doch Mike spürte, dass er mehr brauchte.
„Du willst hier weg?“, fragte ich.
„Ja“, sagte Mandy und schob ihren Arm in meinen, eine liebevolle und besitzergreifende Geste.
„Gut“, erwiderte ich und drehte mich zurück.
Ich warf dem Barkeeper ein paar Geldscheine auf die Bar und sagte noch: „Rest ist für dich!“
Ich steuerte Mandy zum Ausgang, den regendurchpeitschten Straßen entgegen.
„Sind Sie nicht ein reizendes Paar“, rief eine Person plötzlich.
Es war Kurt. Und sagte: „Ich dachte, es wäre aus zwischen ihnen.“
„Vielleicht gilt das nicht für heute Abend“, entgegnete Mandy, „Vielleicht ist es heute Abend noch mal wie in alten Zeiten.“
Die Wut, die sich an diesem Tag in mir gesammelt hatte, kochte in dem Augenblick über, als ich und Mandy Ihre Wohnung betraten.
Als sie dabei war, Licht zu machen, griff ich nach ihr, packte sie, küsste sie heftig, hungrig und presste sie gegen die Tür.
Ich war ungemein grob, dennoch wollte sie es so. Eine Welle der Angst durchlief ihren Körper und Mandy versuchte, mich wegzustoßen.
Sie spürte plötzlich meine schreckliche Entschlossenheit, ihren Widerstand zu brechen.
„Nicht, bitte!“ „Nicht Mike!“, rief sie, und dennoch dachte sie still: Ja, mach weiter, kräftig! Nimm mich, stoß mich hart in meinen Arsch. Ich will dich.
Ich reagierte nicht mit Worten, aber eindeutig.
Denn ich grub meine Hand unter Ihrem Kleid und riss heftig den Stoff auseinander.
Eine Hand fuhr ihren Schenkel hoch zu ihrem Seidenhöschen. Meine Fingernägel kratzten unvermeidlich an dem zarten Gewebe.
Ich zog das Kleid von ihren Schultern und stieß meine Hände unter ihren Büstenhalter heraus.
Ihre Stimme war voll ängstlicher Leidenschaft: „Bitte nicht.“ Nicht ..."
Ich senkte meinen Mund auf ihre Schulter, knurrte und biss ihr in den Nacken.
Dabei zog sie mich auf den Boden.
Ich richtete mich wieder auf, um mein Hemd zu öffnen und meine Hose herunterzuziehen.
Ausgehungert drang ich in sie ein und fickte sie im Arsch.
Mandy jedoch war eine besondere Frau mit tief verborgenen Vergewaltigungsfantasien.
Sie spürte jeden Funken leidenschaftliche Lust.
Ich stieß, bockte und rastete, als könnte ich Sie irgendwie zwingen, Lust zu spüren.
Doch die schlimmste Qual, die ich ihr mit meinem Körper bereitete, ließ jede schöne Regung bei ihr aufkommen.
Es kam wie ein Knall, das Sperma schoss heraus.
Mike war geschafft, in seinem Gehirn summte es nur noch, sein Hunger und sein Bedürfnis waren irgendwie ungesalzen.
Ich wälzte mich von Mandy herunter, lag neben Mandy und starrte zur Decke.
Jetzt, da es vorbei war, spürte Mandy keine Angst, keinen Hass.
Nur einen kalten Schauer spürt sie über ihre Haut. Sie berührte die wunde Stelle an ihrer Schulter und setzte sich aufrecht und war unfähig, Mike anzusehen.
Ich streckte meine Hand aus, um ihre Hand zu berühren, damit sie aufstehen konnte.
Mandy nahm meine Hand und ihr Körper zitterte voller sexueller Leidenschaft.
„Mandy?“, fragte ich vor Verlangen.
Ich küsste sie genau auf die Schulterpartie, in die ich vor wenigen Minuten gebissen hatte.
„Du hast nicht viel beim Ficken an mich gedacht, Mike.“ Seit langer Zeit mal wieder. „Und noch weniger in den letzten Tagen und Wochen.“ Mandy blickte Mike scharf an, „Ich sage es dir jetzt.“ Ich hätte Liebe mit dir gemacht, Mike. Ich wollte es, wie du mich genommen hast. „Doch du warst noch nie so.“
Mandy starrte Mike eindringlich an, als wollte sie bei dem schwachen Licht in meinem Gesicht lesen. Doch sie stand plötzlich auf und schob ihr zerrissenes Kleid um ihre nackten Schultern zu Recht.
„So? Mit wem habe ich gefickt, Mike? „Wer hatte mich eben in den Arsch gefickt?“, wollte Mandy wissen. „Ich kenne dich nicht so, Mike.“
„Ich brauche eine Zigarette“, gab ich ihr zur Antwort.
Mandy konterte und fragte: „Ich dachte, und du sagtest, dass du mit dem Rauchen aufgehört hast.“
„Menschen ändern sich mal, auch ich ändere mich“, erwiderte ich genervt, denn ich wollte nur eine Zigarette.
„In der unteren Schublade sind Zigaretten, in der Diele.“ – sagte Mandy barsch. „Nimm sie dir beim Rausgehen!“
Als ich dann endlich bei mir zu Hause angekommen bin, schloss ich die Wohnungstür auf.
Langte nach innen, schaltete das Licht in der Diele an.
Merlyn kam um die dunkle Ecke des Hausflures und freute sich, mich noch anzutreffen.
Wir gingen hinein.
Merlyn stand im Türrahmen zum Wohnzimmer. Zögernd tastete ihre Hand um die Ecke, fand den Dimmer, drückte ihn, drehte den Regler voll auf.
Der Deckenstrahler warf Licht in den ganzen Raum.
Merlyn stand da und starrte auf den großen Buddha, der auf der Vitrine in der Ecke stand.
Sie ging näher an den Buddha heran, die Hände in die Tasche der Jeans gestemmt.
Dann stellte sie sich hinter den rotbraunen Ledersessel und starrte weiter durch den Raum.
Mandy entdeckte eine digitale Funkwanduhr, die weiße Leuchtziffern nach oben richtete: 24:00.
Ein kabelloses Telefon.
Eine Glasschale mit den saftigen Früchten. Appetitlich bunt. Mike ließ die Wohnungstür ins Schloss fallen.
Plötzlich stand Mike neben Merlyn.
Sie drehte sich zu mir um.
„Hast du mich erwartet?“, fragte Mike.
Ich stützte müde die Hände auf die schmal auslaufenden Ledersessellehne.
„Ja.“, erwiderte Merlyn und sah Mike an.
„Ich habe Wasser und alles Mögliche hier“, sagte ich. „Möchtest du was trinken?“
Sie schüttelte zufrieden den Kopf, senkte den Blick und rieb sich den Handrücken.
Merlyn saß einen Augenblick ganz still da und sah mich nachdenklich an.
Dann schüttelte sie den Kopf.
„Nein, Mike!“ Ich habe es mir anders überlegt. Ich spiele nicht die ganze Zeit das brave Mädchen. „Das ist nicht die Beziehung, wie ich sie mir zwischen uns wünsche.“
Ich seufzte und gestand: „Du packst mich jetzt an meinem Ego.“
„Ja.“, sagte sie mit einem lauten Lächeln.
„Du zwingst mich jetzt ganz schön in die Ecke“, sagte ich mit voller Ironie.
Ich griff nach Ihren Händen und küsste sie einfach. Ich saß da und sah Sie nur an.
„Also“, sagte sie dann, „dass ich das Naschen ganz lasse, kann ich nicht versprechen.“
Ich lächelte ihr zu und sah sie an.
„Ich glaube, mir geht es gut, wenn du bei mir bist.“, sagte Mandy.
„Ja?“, erwiderte ich.
Auf dem großen Sofa kuschelten wir uns zusammen und küssten uns.
Dann schliefen wir zusammen auf dem Sofa bis zum nächsten Morgen.
Am Vormittag trieben wir uns im Fitnessclub den Schweiß auf die Haut am Bizepstrainer.
Seite an Seite.
Schwitzten später in der Sauna, aber richtig.
Am Abend dann besuchten wir mit Svenja eine Diskothek, die uns nicht besonders gefiel.
Svenja gefiel diese Diskothek umso mehr.
Später lud Svenja uns noch auf einen Drink zu sich ein.
Aber wir entschuldigten uns und wollten nur noch nach Hause.
„Was für ein Interesse hatte Svenja?“, fragte ich Merlyn und zog sie enger an mich.
Sie lächelte und sagte: „Keine Ahnung, und wer ist jetzt wem eine Massage schuldig?“
Ein paar Tage später.
Die Bars schließen morgens um vier in Frankfurt und so hatte ich fast drei Stunden noch Zeit, um in einem üblen Schuppen eine Zigarette zu rauchen und dazu einen Drink zu nehmen.
Als der Laden dann auch schloss, fand ich ein Lokal südlich von Frankfurt und trank noch ein paar Gläser.
Und als dieses Lokal auch noch dicht machte, raffte ich meinen Arsch hoch und fuhr mit der Taxe nach Hause.
Ich erwachte mit hämmernden Kopfschmerzen, die so heftig waren, als würde mir jemand mit dem Presslufthammer die toten Zellen zum Erwachen bringen.
Als ich endlich in den Verlag kam, war die ganze Mannschaft schon Stunden im Backs Büro versammelt.
Die Begrüßung war nicht gerade überwältigend.
„Mike, sie sehen aus wie Hundescheiße“, sagte Piere, ein Mitarbeiter.
„Hundescheiße sieht oft besser aus“, stellte ein anderer laut fest und lachte.
„Ja, meine Oma sah auch besser aus, als sie ins Gras gebissen hat.“ Entgegnete ich diesem Spot.
„So schlecht siehst du nicht aus.“ „Nur ein bisschen abgefuckt, das ist alles“, sagte Marie, denn sie hatte etwas Mitleid mit meiner schwierigen Lage.
„Alles Scheiß-Spaßvögel“, knurrte Mike.
Ich goss mir heißen Kaffee in eine Tasse und trank ihn so gierig.
„Mein Gott, ist diese Brühe heiß?“, schrie ich plötzlich.
„Das Erste, was sie tun können, Mike. Stecken Sie Ihren Kopf in einem Eimer Eiswasser! Dann nehmen Sie den Eimer und steigen splitternackt hinein!“, sagte der Chef.
Ich war schlauer und holte mir noch einen Becher Kaffee, den ich gemütlich in meinem Sportwagen schlürfte.
Denn ich hatte kurz beschlossen, den Termin heute platzen zu lassen.
Ich kurbelte alle Fenster meines Sportwagens herunter und ließ den Wind um mein Gesicht sausen.
Die Luft war von dem letzten Sturm noch frisch und belebend.
Aber die Wolken hingen noch tief am Himmel und drohten mit weiterem Regen.
Doch so schwer es Mike fiel, musste er sich die Wahrheit eingestehen.
Denn er wollte unbedingt Merlyn Lippert wiedersehen.
Am späten Nachmittag trudelte ich endlich wieder ein und wollte meinen Sportwagen parken.
Der schwarze Sportwagen stand am Straßenrand und der Motor klickte beim Abkühlen.
Ich konnte mir gut vorstellen, wie ich das kraftvolle Automobil auf der Bundesstraße stimuliert, als wäre es aus Fleisch und Blut und nicht aus Stahl und Gummi, wie ein Reiter sein Rennpferd durch die scharfen Kurven und auf den kurzen Geraden ließ. Schaltend und kuppelnd, den Motor mit voller Kraft aufheulen zu lassen, wenn Benzin in die Zylinder gepumpt wurde.
Die Nacht kündigte sich an.
Ein Licht ging an in einem der oberen Fenster und Merlyn Lippert huschte wie ein Phantom hinter der Fensterscheibe vorbei.
Einen Augenblick später kam Merlyn zum Fenster zurück und schaute durch das verschlossene Fenster hinaus.
Ich fuhr aus Ihrem Blickfeld, aber sicher hatte sie mich in meinem Sportwagen gesehen.
Merlyn aber, starrte schon, wie hypnotisiert, hinaus auf die beleuchtete Reklame in der Innenstadt.
Lässig begann sie ihre Bluse aufzuknöpfen und streifte sie ab.
Für einen Moment stand sie dann mit nackten Brüsten da, denn sie hatte keinen Büstenhalter getragen.
Dann zog sie den Vorhang zu, ihre Silhouette zeigte sich hinter dem Stoff.
Das Licht im Zimmer ging aus und ich stellte mir vor, wie sie allein in ihr makelloses Bett splitternackt glitt.
Noch in derselben Stunde war ich in meiner Wohnung angekommen und habe einen Parkplatz für meinen Sportwagen gefunden.
Eine Stunde später, war ich immer noch über ein Manuskript vor dem Computer schreiben.
Meine Finger flogen über die Tastaturen.
Ich tippte (ein Stück aus seinem Manuskript): Sie sah aus wie eine Rose, roch wie in Rose, doch wenn ich reingebissen habe, schmeckte sie bitter.
Beim Denken hielt ich plötzlich den Atem an.
Ich schrieb wie ein Besessener an meinem Manuskript.
Dann tippte ich weiter: Nette kleine Hausfrau mit drei Kindern. Netter Mann, immer anständig, keine finanziellen Probleme. Keine Spur vom Fremdgehen, nichts. Und dann eines Tages steigt diese unschuldige Mutter und Hausfrau aus dem Bett und hat urplötzlich die Idee, den Männern allen es zu besorgen. Später erledigte sie mit einem Messer ihren ahnungslosen Gatten, tranchierte ihn blutig wie einen Truthahn zu Weihnachten, dann ihre kleinen Kinder. Ihr Heim sah wie ein Schlachthaus aus, als sie fertig war. Aber warum? Warum tat sie das? Niemand weiß es.
Psychologen machen sich heute noch Gedanken über diese Geschichte. Denn als die Frau ihre ganze Familie abgeschlachtet hatte, rief sie die Polizei an und fand sie im Wohnzimmer sitzend. Das scharfe, große und spitze Messer im Schoss. Kein Leugnen, kein Schaum vor dem Mund.
Kein gar nichts.
Mike schauerte es selbst, als er diese Zeilen schrieb.
Eiskalter Schweiß ging ihm den Rücken hinunter.
Ich versetzte mich immer mehr in diese merkwürdige Geschichte.
Denn es war die wahre, nackte Realität im Alltag.
Kapitel 5
„Du hast schon zu viele Horrorromane und Thriller geschrieben.“, rief ich mir zu.
Am nächsten Morgen schrieb ich immer noch an meinem Manuskript.
Drehte mich in meinem Drehstuhl herum und sah erschrocken Merlyn mit einer grauen, vollen Einkaufstüte in die Diele kommen.
Sie hatte einen Schlüssel.
Ich lächelte überrascht.
Merlyn drückte hinter sich die Wohnungstür zu.
„Morgen!“ „Was möchtest du zuerst?“, fragte sie.
„Irgendwas, Schatz“, sagte ich.
Merlyn kam dichter zu mir ran und schaute mir über die Schulter.
„Spannend“, sagte sie, „ein Drama von einer skrupellosen Frau.“
Merlyn küsste mich am Ohr.
In der Küche zog sie Papierservietten aus dem Behälter.
Während ich die Garnelen und die Scheiben frisches Brot auf die Teller verteilte.
„Was möchtest du trinken, Mike, mein Schatz?“, fragte sie.
Ich blinzelte, schürzte reflexartig mit der Hand die Lippen und sagte: „Kaffee.“
„Gute Idee.“, sagte Merlyn und machte sich an die Kaffeemaschine heran.
Ich legte mal schon die Gabeln und die Servietten auf das Tablett und die Brotscheiben in einen Brotkorb.
Ging dann zum Kühlschrank, um noch Wurst herauszuholen.
Merlyn scherzte mit mir.
„Den Kaffee mit Eis oder ohne Eis, geschüttelt oder ungeschüttelt?“, fragte sie mich.
„Natürlich, wie du ihn auch magst“, erwiderte ich spontan.
Merlyn nahm zwei große Becher für den Kaffee aus dem Schrank.
Es war Samstagnacht.
Wir saßen im Wohnzimmer und guckten das Fernsehprogramm rauf und runter.
Bis kurz nach zwei.
„Die Nacht hat es in sich“, sagte Merlyn, rutschte auf Mikes Schoss herum und schlang die Arme um ihn.
Sie küssten sich lange leidenschaftlich.
Ficken tun Sie dabei auch ganz schön lange.
Später nahm Merlyn die Teller vom Tisch und sammelte die Servietten ein.
Dann räumten beide noch in der Küche auf.
Die beiden Storyboards, die am Mittwochnachmittag zu Diskussion standen, hatte Merlyn nur noch einmal angeschaut – zu mehr war sie nicht mehr gekommen.
Aber bei der Präsentation spielte Merlyn ihren Part mit Bravour.
Sie war sogar in ihren Argumenten überzeugender als sonst gewesen, gestand sie sich ein.
Weil sie eben diesmal den Wald und die einzelnen Bäume vor Augen gehabt hatte.
Kai saß im Vorzimmer des Besprechungsraumes, den Trenchcoat neben sich über die Stuhllehne gelegt, und las eine Zeitschrift.
Er schielte durch die halboffene Tür über seine Sonnenbrille zu ihr hinüber, lächelte und stand auf.
„Hall!“, sagte er, nahm die Sonnenbrille ab und legte die Zeitung weg.
„Hallo, Kai!“, sagte Merlyn, während sie auf ihn zuging. „Kim hat mir schon erzählt, dass Sie vorbeikommen wollen.“
„Sie können mir gratulieren“, rasselte das Reibeisen in seiner Kehle und schüttelte ihr die Hand, lächelte. „Ich bin jetzt Art-Director in einem angesehenen Verlag in Berlin.“
„Oh, das ist großartig.“ „Da gratuliere ich aber wirklich.“, sagte Merlyn und umarmte Kai, auch umgekehrt (Kai umarmt Merlyn).
Er grinste sie an und hatte rote Wangen, was das Netz aus Blasenfarben betonte.
Merlyn ließ Kim zwei Tassen Kaffee bringen.
Merlyn und Kai standen am Fenster und er ließ den Blick über die Glaswände der Bürohäuser auf der Straßenseite gleiten.
„Ein Paradies für Voyeure“, sagte er, als Kim mit den Tassen Kaffee ins Büro kommt.
Merlyn lächelte, nahm zwei Stück Zucker und rührte mit dem Löffel ihren Kaffee um.
Er grinste nur und trank von seinem Kaffee.
„Ich bin Ihnen wirklich dankbar“, sagte er. „Für mich ist auf einmal alles anders geworden.“ Wenn einem das, was der Mensch zum Leben braucht, jeden Tag automatisch ins Haus geflattert kommt, verführt das dazu, furchtbar faul zu werden und sich selber zu verhätscheln. „Ich habe nicht nur die Schreiberei, bei der ich übrigens merke, dass sie mir leichter von der Hand geht.“
Kai lächelte Merlyn zu und sie sagte zu ihm: „Das ist ja toll.“ »Ich hoffe, die Träume erfüllen sich weiter.«
Merlyn fragte Kai noch, wohin denn seine abenteuerliche Reise damals gegangen wäre.
Kai erzählte Merlyn während des letzten Schlucks Kaffee von einem kurzen Leben in New York, wo er schon ein Jahr gelebt hatte.
„Hören Sie, Merlyn!“, sagte er, als er sich vom Stuhl erhebt. „Freitag nächste Woche schmeiße ich 'ne heiße Party, am dreizehnten.“ Möchten Sie auch kommen? Viele bekannte und verrückte Leute werden da sein.
„Ich glaube, für ein Stündchen oder so könnte ich schon mal reinschauen“, erwiderte Merlyn.
„Gut.“, sagte Kai, als sie zur Tür gingen.
„Ab zwanzig Uhr und bringen Sie Ihren Freund mit, wenn Sie wollen“, sagte er noch.
Kai nahm seinen Trenchcoat vom Hacken, den Kim dort in der Zwischenzeit angehängt hatte.
Und verabschiedete sich auch von Kim.
„Die Party wird bestimmt lustig.“, sagte Merlyn zu Kim.
Merlyn, wieder am Abend zu Hause.
Und sie dachte noch an Kai und seine Einladung am Dreizehnten.
Worauf sie sich schon sehr freute.
Als sie ihren roten Trenchcoat weghängte, läutete auch schon das Telefon.
Schalte in der Küche noch schnell das Licht an und erwischte den Telefonhörer nicht mehr, als es zum zweiten Mal läutete.
Sie streifte sich die Schuhe ab.
Merlyn saß da, starrte auf die Tageszeitung und überflog beim Lesen die Schlagzeilen.
Sie kratzte sich im Nacken. Dabei ging sie ins Badezimmer, zog sich splitternackt auf dem Weg aus, ließ ihre Sachen auf den Fußboden fallen und ging unter die Dusche.
Plötzlich sah Merlyn auf einmal hinter der beschlagenen Glastür von der Dusche eine Bewegung.
Die Tür wurde aufgeschoben und Mike ging hinein. Natürlich Splitternackt, denn er hatte auch einen Schlüssel für die Wohnung.
„Überraschung!“, sagte Mike und umarmte sie.
Mike zuckte reflexartig zurück, weil das Wasser zu heiß war, und stellte es etwas kälter.
„Owwweeeeee…“, schrie Merlyn überrascht und schnappte nach Sauerstoff.
„Ich komme ganz gut ohne diese Psychomasche aus“, sagte sie mit zickiger Stimme.
„Tschuldigung!“, sagte ich leise und zog sie zu mir heran und küsste sie an allen Körperstellen. Ich dachte, überrasche sie doch mal. „Als du dann so unter der Dusche standst, musste ich gleich mit rein schlüpfen und ich konnte einfach nicht widerstehen.“
„Ich wusste, dass du es bist, du schlimmer Junge.“, sagte sie grinsend und amüsierte sich über Mikes Verlegenheit, in die sie ihn gebracht hatte. „Hat mich aber ganz schön angemacht…“
Mike faste sie leicht am Kinn und drehte ihr Gesicht zu sich herum.
Küsste sie und hielt sie fest in seinen Armen.
So standen sie unter dem rauschenden, warmen Wasser und ihre Zunge spielte mit seiner Zunge, wie Mikes mit ihrer Zunge.
Es war ihr nicht bewusst geworden, wie ich in die Wohnung kommen konnte. Obwohl sie es sich eigentlich denken hätte müssen.
Den Zweitschlüssel hatte sie mir irgendwann mal gegeben. Ich kam kurz nach zwölf Uhr mittags, am nächsten Tag, bei mir zu Hause an.
Merlyn hatte noch den Schlüssel von mir und öffnete plötzlich die Wohnungstür.
Sie trug ein eng anliegendes, kurzes schwarzes Kleid.
Es schmiegte sich an wie eine glänzende, schwarze zweite Haut, kontrastierte effektvoll zu ihrem blonden Haar und ihren Augen.
„Hey!“, rief sie schlicht. „Störe ich dich etwa?“
„Nein!“, erwiderte ich, und blöde Frage, dachte ich mir.
Merlyn ging ins Wohnzimmer.
Mein scharfer Blick war auf ihre prallen und festen Hinterbacken vom Arsch geheftet, der sich unter ihrem Kleid hin und her bewegte.
Sie lächelte.
„Schatz, möchtest du auch einen Drink?“, fragte ich. „Denn ich wollte mir eben ein Drink nehmen.“
Merlyn blieb stumm.
„Willst du mit mir ficken?“, fragte ich nur mal so, ob sie mich überhaupt hört.
Sie blieb immer noch stumm.
Merlyn kam dann zu mir in die Küche, wo ich anfing, mir das Eis aus der Gefriertruhe zu Recht zu hacken.
Ein Eispickel war jetzt in Merlyns Händen und begann an dem Eisblock zu hacken.
Das Eis krachte und splitterte durch die Küche, als sie immer wieder mit dem Eispickel darauf einstach.
„Ich mag grobe Splitter.“, sagte sie und grinste mich an.
Hingebungsvoll bearbeitete sie das Eis.
Sie zerhackte es in winzigen Stückchen.
Es machte ihr große Freude, immer wieder mit dem Eispickel auf den Block einzustechen.
Merlyn war jetzt mit dem Eis fertig und warf den Eispickel zur Seite.
Sie schaufelte eine Handvoll Schotter vom Eisblock in die Gläser und füllte diese mit Whisky voll.
„Sag mir, Mike, wie fühlst du dich, wenn jemand anderes in deiner Wohnung sich wie zu Hause fühlt?“, wollte sie nur mal so wissen.
Aber eigentlich fragte Merlyn in demselben Tonfall, in dem ein Moderator, ein Talk-Gast, eine Frage zur Unterhaltungssendung stellen möchte.
„Wie ich mich fühle?“, fragte Mike nach. „Ich weiß es ehrlich nicht.“
Ohne den Blick von meinem Gesicht zu wenden, nahm sie einen Schluck aus ihrem Glas.
Ihre helle Haut schimmerte so zart, dass ich einen Augenblick fast glaubte, ich könnte die braune Flüssigkeit vom Whisky ihre glatte Kehle hinunterrinnen sehen.
Merlyn nippte weiter von ihrem Glas und betrachtete mich hinweg.
„Was ist passiert?“, fragte sie mich sanft.
Je sanfter ihre Stimme wurde, desto bohrender wirkten Merlyns Worte.
Ich weiß nicht, was zum Teufel du wissen willst. Ich bezweifle, ob du es selbst weißt. „Du bist doch nur eine wohlhabende Frau, die ihre Spiele spielt, so lange das Feuer noch brennt.“ Erwiderte ich.
Merlyn war jetzt näher auf mich herangetreten.
Hat das Glas abgestellt.
„Du könntest es mir ruhig sagen, Mike!“ – „War sie gut im Bett? Hat sie deinen Schwanz richtig genommen und ihn mit dem Mund zum Spritzen gebracht? War sie wild wie eine Katze, die mit ihrer Maus spielt? Nichts, wofür du dich rechtfertigen müsstest. „Geiler wilder Sex?“, sagte Merlyn und grinste ironisch.
Merlyn brachte ihre Hand sanft an meinen nackten Körper, den sie von den Klamotten befreite.
„Du kannst es mir ruhig sagen, Mike!“, hauchte sie mit ihrer Stimme, samtweich und verführerisch.
Als ob es Merlyn anmachte, wenn Mike mit einer anderen Frau seine sexuellen Fantasien gelebt hat.
Ich packte grob ihre Hand und sagte: „Ich habe keine andere Frau gehabt.“
„Doch, du hast!“, schrie sie.
Merlyn war mir jetzt so nahe, dass ich ihren Atem auf meinem Gesicht spürte.
Plötzlich wurde es kühler im Zimmer.
Die Wohnungstür hatte sich aus unverständlichen Gründen geöffnet und Svenja stand da.
Ihre Haare waren straff über ihrem Kopf hochgebunden und sie war ganz in Schwarz gekleidet.
Schwarze lederne Motorradjacke über einem schwarzen T-Shirt, schwarze Jeans und die Beine in schwarzen hohen
Stiefel gesteckt.
Und?
Sie schleuderte mir einen schwarzen Blick entgegen.
Merlyn riss sich von mir los.
„Hey, Schätzchen“, sagte Svenja, wie eine fröhliche Ehefrau, die aus dem Büro kommenden Gatten begrüßt.
Sie ging zu Merlyn und küsste sie leicht auf die Lippen.
Es konnte einfach eine der Schickeria entsprechende Begrüßung sein.
Aber es konnte auch mehr bedeuten.
„Oder bin ich in einem anderen Film?“, fragte sich Mike selber.
Mike hatte genug gehört.
Die Wut begann hinter seiner Stirn zu kochen.
Spielerischer Sünde und weiblicher Anziehungskraft stieg eine Gewissheit: Merlyn Lippert mochte eine außerordentliche Frau sein, doch sie war keine Hellseherin.
Ich ging an Merlyn und Svenja vorbei, mit vollbrennender Wut, weiß und glühend wie eine Magnesiumflamme.
„Du gehst doch nicht aus deiner Wohnung.“ Oder? „Mike?“, fragte Merlyn und ich sah die Unschuld auf ihrem lieblichen Gesicht.
„Es ist noch früh.“
„Lass uns gehen, Schatzi!“, sagte Svenja. Aber zu wem?
Ich beherrschte mich. Mein Gesicht war so starr wie eine antike Maske geworden.
Ich verließ meine eigene Wohnung und stürmte hinaus.
Ohne mich ein einziges Mal umzublicken.
„Du wirst ein guter Lover abgeben in meinem Lebensabschnitt, Mike“, rief Merlyn mir nach.
Ich achtete nicht darauf.
Im Augenblick interessierte mich die Realität mehr als jeder noch so spannende Lebensabschnitt einer Frau.
Ich ging durch die Straßen der Stadt spazieren, um meinen Kopf wieder etwas freizubekommen.
Wurde sogar begleitet von anderen Spaziergängern.
Plötzlich wandte ich mich einem großen Dornbusch in einem Park zu und stellte mich breitbeinig in Position, so aufrecht und arrogant wie je und je.
Pinkelte im hohen Bogen in die Dornenhecke.
„Hasta la Vista!“, sagte ich zu mir und meinem Schwanz.
Die Leute, die zufällig vorbeikamen, schauten neugierig und lachten.
In Amerika hätte ich dafür verhaftet werden können. In Deutschland schauen und lächeln die Leute.
Manchmal bewundern die Frauen die Männer dafür.
Der nächste Tag, am frühen Morgen, hörte ich die ganze Palette der Rockmusik rauf.
Und wieder runter.
Ich war noch die Generation, die nicht so werden wollte wie die Eltern.
Die Generation, die Langeweile ebenso hasste wie die stumpfsinnige Arbeit, wie die Ehe fürs ganze Leben, wo die Frauen immer nur bei ihren Ehemännern absahnen wollen, Politik, Schule, die Konservativen und die Klugredner, die beim Ficken die Augen schließen.
Ich lehnte mich gegen alles und alle auf, die andere Leute zum Objekt machen wollen.
Es gab auch Leute, die bestaunten mich wie ein Exot.
Merlyn und ich fuhren zu den Städten, um auf Rockkonzerte zu gehen und andere Leute anzubaggern.
Wir wollten alles neu und besser erfahren.
Wie unsere Musik, unseren Stil, eine neue Art zu leben, zu lieben und zu arbeiten.
Wir ließen uns nicht vom Gedanken ans Geld beherrschen, was unserer Kreativität nur förderlich war.
Und doch hatten wir immerhin genug Asche, um uns unabhängig zu fühlen.
Wir kamen immer durch und machten einzig das, worauf wir Lust hatten.
„Erinnerst du dich, Mike?“, fragte Merlyn. „Auf der Wiese, wir waren voll in sexueller Ekstase und die Leute gingen an uns nur vorbei.“ »Ich fand das aufregend.«
Am Donnerstag gingen wir in den Zoo.
Jedes Mal ging Merlyn mit mir an eine neue Stelle, um ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Und jedes Mal erfand ich eine neue Stellung beim Ficken, die mir besser gefiel als die Spanische und dazu die Französische, ein drittes Mal die hängende Position. Ich verstand bald: Die sexuellen Möglichkeiten waren endlos.
Merlyn zog an den Tagen vor Geilheit dieselbe Show ab, und dennoch war jede Sekunde reich und interessant.
Ich schulte mich selbst und entdeckte, dass selbst die einfachste, immer wieder gleiche Bewegung vor Aufregungen und Stellungen beim sexuellen Verkehr nur so strotzt.
Langsam fing ich endlich in meinem Leben an zu verstehen.
Um Etwas Unbekanntes zu machen, muss der Mensch seine alten, versteiften Gedanken ändern. Für sich einen Ansatzpunkt dabei finden.
Eine spektakuläre Vision entwickeln, sich ohne Unterlass darin üben, die Regeln zu ändern, Schwierigkeiten positiv umzusetzen, mit sich selbst ringen und um alte Klischees zu vermeiden.
Wenn ich nicht selbst etwas im Leben riskiere, wenn ich es nicht wage, dem Unbekannten entgegenzutreten, erschaffe ich nur wieder etwas, was es schon gibt. Ich gebe den falschen Klischees und falschen Gewohnheiten nach.
Manchmal denk ich mir: „Ich habe keine Zeit, um das zu machen. Dennoch möchte ich von manchen Schwierigkeiten profitieren können.“
Ich habe das Zweifeln gelernt und ich habe auch gelernt, allen zu trotzen und trotz alledem zu lieben.
Später sprach mich ein etwa vierzigjähriger sympathischer Typ beim Mittagessen an.
Er diskutierte über dies und das Thema und ich erzählte ihm Ähnliches mehr.
Der Typ erklärte, er sei gerade in einer Scheidung mit seiner Frau und sei auf der Suche nach einem guten, sehr guten Scheidungsanwalt.
Er fragte mich: „Was haben Anwälte und Frauen gemeinsam?“
Ich wusste es nicht einmal. Und wie peinlich es mir gewesen ist.
„Das kann ich Ihnen nicht sagen“, gestand ich ihm.
„Sie lügen so lange, bis sie Ihr Ziel erreicht haben“, erwiderte der Typ.
Und er hatte ein großes Problem, da alle Anwälte, die auch Scheidungsfälle übernehmen, ihm nicht gefielen.
Aber wirklich, diese Paragraphenknaller überhaupt nicht.
Diese Anwälte wirkten auf diesen Typen inkompetent und schlicht angestaubt.
Was er brauchte, war ein neuer Blick zum Schutz der Männer in Deutschland.
Viele sonnige Tage und Wochen vergingen und ich hatte auch schon die Sache mit Merlyn und Svenja vergessen.
Da rief heute Abend völlig aufgeregt Merlyn bei mir an: „Mike, ich muss dich unbedingt sehen!“, teilte sie mir mit. Wann und wo können wir uns treffen? »Ich muss dir da unbedingt etwas erklären.«
Ich stotterte irgendetwas Dummes daher, da unterbricht Merlyn mich auch schon: „Mike, hör mir genau zu, du bist der Mann, den ich will.“ Ich liebe dich. Du wirst zu mir kommen und mit mir sprechen. Ich will mich ändern. „Ich will dir noch so Vieles sagen.“
»Gut…«, sagte ich und dachte mir: „Mamma mia!“ Das habe ich nun davon, wenn ich die Frauen unsicher mache. »Ich muss locker bleiben.«
Ein paar Tage später klingelte ich an ihrer Wohnungstür.
Merlyn erwartete mich schon, so wie sie aussah. Dennoch wusste sie es nicht, dass ich heute bei ihr erscheine.
Als sie mich sah, fielen ihr die Augen fast aus dem Kopf.
Ich war angezogen wie ein Papagei, schreie gelb und kardinalrot, trug Ringe an den Ohren und an den Fingern und bekam plötzlich schulterlanges Haar (vom Friseur angeknotet).
„Ein süßer Paradiesvogel!“, sang Merlyn geschockt.
Als sie mich noch einmal betrachtete, musste sie laut los lachen. Ihre weitere Reaktion: „Wie siehst denn du aus?“
Ich fühlte aber, dass sie schockiert, zumindest nachdenklich war.
Sie wollte, dass ich mich im Wohnzimmer in den Sessel setze.
Schließlich fragt sie mich auch noch: „… und mit wem wolltest du dich jetzt treffen?“
Großes Schweigen zog sich durch den Raum.
Merlyn stand eher auf Schlipsträgern als auf Papageien, in Format.
Also, gingen wir in meine Wohnung und kleideten mich neu an, perfekt für Merlyn.
Ich verdiente in meinem Job genug, um auf meine Weise zu meinen alten Zeiten und frei zu leben.
Ich aber, perfektionierte meinen Lebensstandard und verschlang sämtliche Frauen, die mich interessierten.
Ich liebte es, als ich noch ein kleiner Junge war, denn ich ging ohne Gewissensbisse.
Ich ging jeden Abend tanzen, ich kaufte mir Designerklamotten und die Frauen emanzipierten sich.
Es war die Geschichte von der Sau und dem Frosch aus der M-Show. Konservative Leute mokierten sich über die Yuppies, die Hippies, die fröhlichen, unbesorgten Menschen, die sangen und sich pausenlos amüsierten.
Merlyn beschloss am nächsten Tag, zu Hause zu bleiben.
Das war nicht geplant, aber sie war noch zu müde, um früh aufzustehen.
Ich war über Nacht geblieben.
Ich lümmelte, wie immer, mit den Ellbogen auf der Platte von der Durchreiche und sah Merlyn zu, wie das Brötchen im Backofen aufblühte.
„Ich muss heute Nachmittag kurz weg“, sagte ich ihr.
„Das kommt mir gerade recht.“, sagte Merlyn und schenkte uns den frischen Kaffee ein. „Für mich wird es, weiß Gott Zeit, dass ich mit meiner Arbeit vorankomme.“ Ich mache noch ein paar Hausaufgaben für das Büro fertig. „Wo willst du denn eigentlich hin?"
„Oh, in die Stadt“, sagte ich lächelnd.
Ich half noch beim Tischabräumen und wir küssten uns noch dabei.
„Ich liebe dich“, sagte ich.
„Ich liebe dich, Mike!“, sagte sie und sah mir dabei in die Augen.
Merlyn rief Kim im Büro an und bat sie, alle Termine heute abzusagen, sich ein paar passende Ausreden einfallen zu lassen und neue Termine zu vereinbaren.
Später rief Merlyn Mike an.
„Geht es dir gut?“, fragte sie.
„Danke, ja.“, erwiderte ich.
Ganz zu schweigen davon, dass Merlyn Lippert allmählich durchdrehte. Sie saß am Schreibtisch und schrieb einen Einkaufszettel.
Sie sagte dann: „Schatz, mir ist gerade so durch den Kopf gegangen, ob ich vielleicht zu dir komme.“
„Hast du Lust?“, fragte ich.
Ja, natürlich. Dann bis später. „Ein Küsschen“, erwiderte sie.
Ich schmatzte auch ein Küsschen hinterher und sie sagte noch: „Ich liebe dich.“
Merlyn stand vom Schreibtisch auf und ging ins Badezimmer.
Sie duschte sich.
„Er ist verrückt.“, ging Merlyn durch den Kopf. Mike, ein fantastischer Mann mit gestörter Beziehung zu seiner verrückten Umwelt.
Trotz all seinem Charme, all seinem Humor und all der Liebe, die er ihr schenkte. Und Mike liebte Merlyn wirklich, dessen war sie sich sicher.
Sie war seine Muse und seine Leidenschaft.
Merlyn ließ den Kopf sinken und wühlte in ihr nasses Haar.
Richtete sich wieder auf, fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar und atmete tief durch, um sich zu entspannen.
Aber ihre Gedanken überschlugen sich.
Merlyn stellte das Radio an und ging zum offenen Fenster.
Hängt den Blick in den blauen Himmel über den grünen Park.
Im Radio spielten sie gerade „Egoist“.
Sie ging zum Kleiderschrank und öffnete die Türen. Sie wählte das weiße Sommerkleid.
Legte es auf das Bett bereit.
Nahm noch einen Stringtanga und einen Büstenhalter heraus.
Langte dann nach dem Büstenhalter und streifte ihn über die zarten Brüste.
Ging wieder, während sie die Harken vom Verschluss des Büstenhalters einhakt, zum Fenster. Merlyn sah in den blauen Himmel und rückte sich den Büstenhalter zurecht.
Sie sah, wie ein paar Jogger unterwegs waren. Dann machte sie einen Abstecher in die Küche, wo der Wasserhahn noch tropfte.
Während sie letzte Hand an ihre Frisur legte, ging ihr durch den Kopf, wer noch alles bei Svenja sein würde.
Doch dann dachte sie, dass das alles nur ungelegte Eier sind, über die sie sich den Kopf zerbricht.
Merlyn ging ins Schlafzimmer und griff nach dem String-Tanga.
Das Telefon läutet.
Sie nahm den Zweithörer auf den Nachttisch und war darauf gefasst, dass es Kim war.
„Hallo?“, fragte Merlyn neugierig.
„Hallo.“, sagte Kim. „Was ist los?“
„Kim!“, erwiderte ich schnell, „Ich kann jetzt wirklich nicht, denn ich muss los.“
Denn bis Mike erscheint, wollte sie noch einige Besorgungen machen.
Wahrscheinlich hat sie einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf der Fahrt zur Tankstelle erzielt.
Später sprang Merlyn aus dem Aufzug im zehnten Stock der Werbeagentur und hetzte den Flur hinunter in ihr Büro.
Kim hörte für eine Schrecksekunde mit dem Tippen am Computer auf.
Das Telefon klingelte in Merlyns Büro, wo sie heute den ganzen Tag arbeitete.
Die Lachkonserven kreischten hysterisch und lieferten lärmende Heiterkeitsausbrüche zu irgendwelchen drittklassigen Scherzen, die Mikes Fernsehapparat am Abend ausspielte.
Ich saß vor dem TV-Gerät und starrte auf den Bildschirm, wobei ich die Flasche Whisky mit dem Glas in der Hand, wie eine rasierte Muschi auf meinen nackten Schoß hin und her wiegte.
Eine rauchende Zigarette baumelte in meinen Lippen.
Der Aschenbecher neben meinem Ellbogen quoll bald über und die Flasche Whisky war auch schon fast leer.
Ein unbefangener Psychologe hätte in diesem Augenblick meinen können, Mike würde einen schwierigen russischen Film in spanischer Sprache verfolgen und mit griechischen Untertiteln.
Doch in Wahrheit war mir das egal, was im Fernsehen läuft. Ich hätte nicht einmal sagen können, worauf sich meine juckenden Lachkrämpfe bezogen haben.
Wie ein betäubendes Gift ist Merlyn Lippert in mein Bewusstsein gedrungen.
Sie hat jeden Teil meines Wesens erfasst.
Meine Verwirrung, meine Zerrüttung, waren wie ein Fieber.
Ich sah, kristallklar, doch gleichzeitig auch fremd, wie durch einen fantastischen Filter, eine ganze Reihe von merkwürdigen Bildern.
Ich sah mich, wie ich Liebe mit ihr machte.
Leidenschaftlich.
Zärtlich
Ich sah mich, wie ich sie aus dem zehnten Stock kaltblütig erledigte.
Verwirrend für mich.
Meine Bilder waren so unklar, wie ich sah, wie ich Merlyn so richtig durchgefickt habe, wie sie es wollte.
Und ich sie dabei aus dem zehnten Stock stürzte.
Ich hatte keine Ahnung, wie lange jemand an der Wohnungstür geklopft hat, und ich regte mich kaum, als ich Merlyns gequälte Stimme von draußen rufen hörte.
„Mike!“ Mike, ich weiß, dass du da bist. „Bitte, mach auf!“, schrie sie.
Meine Augen zuckten zur Wohnungstür, als könnte ich Merlyn dahinter sehen. „Ein bisschen“, dachte ich.
„Hau ab, Merlyn!“, schrie ich, „Ich sehe mir gerade meine Lieblingssendung an.“
Ihre Stimme klang flehentlich: „Mike, bitte!“
„Ich will dich nicht sehen!“, rief ich unfreundlich.
Einen Moment herrschte Stille und ich dachte schon, die Zicke wäre einfach gegangen.
Aber dann wurde das Geräusch eines Schlüssels laut, der sich im Schloss drehte, und der Riegel glitt zurück.
Die Wohnungstür schwang auf und Merlyn stand schon fast vor mir, zögernd und angstvoll.
„Ich habe noch denen Schlüssel“, sagte sie und hielt den Schlüssel hoch und zeigte ihn vor, als würde ich es ihr sonst vielleicht nicht glauben.
Ich zog das letzte Nikotin aus dem Zigarettenstummel in meinen Mund ein.
Ja, ich inhalierte, bis die Kippe zum Filter hinunterbrannte und meine Lippen versenkte.
„Ich sagte, ich will dich nicht hier haben, Merlyn“, gab ich ihr noch einmal zum Ausdruck und griff nach einer weiteren Zigarette und zündete sie schwankend an.
„Geh!“, laberte ich laut.
Jetzt wurde Merlyn aber wütend.
„Verdammt, Mike, gib mir jetzt keinen Tritt in den Hintern.“ „Du schuldest mir etwas anderes als das.“, sagte sie, echt sauer.
Ich versuchte aufzustehen, stellte die leere Flasche schwankend irgendwo ab.
„Ich schulde dir gar nichts, Merlyn.“, lallte ich. „Du schuldest mir auch nichts.“ „Wir waren zusammen im Bett. Na ja."
„Ich wusste nicht, dass du dich daran noch erinnern kannst“, sagte sie tonlos.
„Bilde dir darauf nichts ein, Merlyn.“, versuchte ich sie zu dämpfen. „Es war nicht so berauschend.“
Ihre Augen verengten sich, schleuderten Blitze des Abscheus auf ihr gegenüber.
„Manchmal hasse ich dich wirklich“, sagte sie, als sie dabei lächelte und mir von hinten zwischen die Beine griff.
Ich unterbrach einen Augenblick, um an meiner Zigarette zu ziehen.
„Wie du siehst, so ersparst du mir eine Tragödie.“, sagte ich gelassen.
„Tragödie? Wovon zum Teufel sprichst du?“, fragte sie neugierig.
„Vielleicht kannst du es schaffen, mal aus dir herauszukommen, ehe ich vor Langeweile sterbe“, sagte ich.
Merlyn zuckte zusammen, als hätte sie einen Schlag mitten ins Gesicht bekommen.
Meine giftdurchtränkten und feindseligen Worte hingen einen Augenblick zwischen uns in der Luft.
Dann ergossen diese Worte sich wie Benzin ins Feuer.
Merlyns Lippen zuckten und sie warf sich plötzlich, wie eine wilde Katze, auf mich.
Die Hände zu Klauen gekrümmt und die feuerroten Fingernägel wie Krallen.
Ich spürte noch ihre Hitze der Wut, die wie Lava kochte.
Sie wollte mir tatsächlich die Augen auskratzen.
Sie wollte mein Blut auf Ihren Lippen spüren, das noch mit Whisky gemischt war.
Sie wollte mir körperlich mehr wehtun, als mir je wehgetan worden war.
Ich erwischte sie an den Handgelenken und hielt sie auf Distanz.
Was in meinem betrunkenen Zustand nicht so einfach war.
Ich spürte Merlyn, wie der Abscheu vor mir in ihren Adern pochte und in ihren Muskeln und Sehnen pulsierte.
Merlyn zappelte einen Augenblick, ihre Wut brannte, loderte aber so heiß, dass sie vor Zorn fast implodierte.
So rasch der heilige Zorn aufgeflammt war, war er auch schon verraucht und Merlyn lag kraftlos in meinen Armen.
Für einen Moment vergrub Merlyn verzweifelt ihr Gesicht in den Händen und zitterte, an die Erbitterung denkend, die sie erst vor Sekundenbruchteilen gespürt hatte.
„Tut mir leid!“, flüsterte sie. „Tut mir leid!“ „Ich mache so was sonst nicht.“
Ich musterte sie nachdenklich und in meinem Blick lag fast etwas wie Mitleid.
Tränen traten in die Winkel von Merlyns großen Augen.
Einen Augenblick war ich versucht, sie in die Arme zu nehmen und zu trösten, doch dann brachte ich es nicht.
„Mike, bitte!“ „Ich liebe dich!“, sagte sie in Tränen. „Geh jetzt, Merlyn!“, sagte ich. Stunden später, tief in der Nacht, sah Mike nur noch auf dem Bildschirm ein flirrendes Nichts. Ich schlief im Wohnzimmer, auf dem großen Sofa. Irgendwo in meinem Gehirn wusste ich, dass ich dieses Töten beenden musste. Ich musste. Da! Oh Wunder. Ertönten die Kirchglocken. Sie übertönten das schrille Läuten des Telefons, das aber riss mich erbarmungslos aus meinen Träumen.
Kapitel 6
Ich stürzte mich auf das Telefon, als hing mein verdammtes Leben davon ab.
Die Worte, die ich hörte, drangen wie vergiftete Pfeile durch den Nebel in meinem Gehirn.
Ich spürte den Bonbontümpel in meinem Magen schwappen, wie das Bildgenwasser eines Bootes.
„Yeah.“, brachte ich hervor. „Okay.“
Ich konnte der Stimme am anderen Ende der Leitung keinen Namen geben.
Dann legte ich wieder auf.
Ich bin noch fast betrunken aufgewacht, als die Sommersonne durch den Morgennebel dringt.
Mehrere Augenblicke verstrichen, bevor ich die Kraft fand, mich hochzuwinden und mich durch die Wohnung zu schieben.
Ich fand später das übliche Menschengewimmel auf dem Parkplatz.
Der Menschenauflauf ist noch größer als sonst.
Als ich aus meinem Sportwagen stieg, hatte ich fast das Gefühl, dass die Leute mich genau registrierten.
Ein paar Yuppies standen um eine rote Sportkarosse.
Keiner von Ihnen war von meinem Erscheinen begeistert.
Andererseits setzte auch ihr Anblick mich nicht eben in Entzücken.
Die Meute von neugierigen Leuten teilte sich, wie ich mich näherte, als hätte ich die Pest.
Merlyn kam gerade auf mich zu.
Dunkle Ringe waren unter ihren Augen, als wäre sie die ganze Nacht wach gewesen, nicht nur von schlechten Träumen aus dem Bett geholt.
Sie blickte mit besorgten Augen auf mich.
„Und jetzt erscheint Mutter Theresa für Leute, die verrückte Dinge tun“, sagte ich zu ihr.
Ich fragte mich: „Merlyn Lippert, sie ist die letzte Person, die ich auf der Szene wünsche.“ „Ich sie, meine persönliche Seelenmasseurin?“
Merlyn grinste nur, eben ihr nichtssagendes Grinsen, und lehnte sich entspannt an meinen Sportwagen.
„Und jetzt?“, fragte ich sie.
Ich bleibe auf dem Parkplatz noch eine Weile stehen, bis ich meine Zigarette aufgeraucht habe. Merlyn wollte mit mir reden, aber ich hatte keine Lust zu reden.
Dabei wertete ich auch noch, bis Merlyn mit ihrem Wagen in der Menge der Leute verschwand.
Ich fuhr nicht nach Hause, sondern machte einen Kurztrip in die Natur.
Als ich auf der Landstraße in den Rückspiegel sah, fragte ich mich: „Bringt Merlyn mich um den Verstand? Soll ich ihr am besten aus dem Weg gehen?“
Dann geht mir auch was ganz Unanständiges durch den Kopf: „Nehme ich nur einmal an, Merlyn ist eine Frau, die vor allem ihren Körper ausstellt und dabei sehr wenig an hat.“ Ein kurzes Hemdchen und eine ausgewaschene, zerrissene Jeans? Ja. Mode ist die geschmückte und bekleidete Nacktheit. Und Eleganz heißt nicht, ins Auge zu fallen! „Sondern im Gedächtnis zu bleiben!“
Eine Moralin aus der deutschen Frauenbewegung erzählte Mike, was eine deutsche Frau ausmacht: „Deutsche Frau: „Betrage dich, wie es sich gezieme!“, Deutsche Hausfrau: „Rauche nicht!“, Deutsche Dame: „Prieme!“.
Damit gab Mike ihr im Punkt „Betragen“ Recht. Dennoch, wenn eine gute Ehe funktionieren soll, sollte die Frau im Wohnzimmer eine gute Dienerin, in der Küche eine gute Köchin und im Schlafzimmer eine gute Hure sein.
Ein Zitat von Shakespeares Hamlet geht Mike dabei durch den Kopf: „Das Gewissen macht alle Menschen zu Feiglingen.“
Und dafür fehlt Mike dann das jegliche Verständnis: Ein nackter Mann, der an ein Kreuz genagelt ist, ein Mahl mit einer Kannibalismusparodie, eine Steinigung, eine Umarmung von Aussätzigen, überall Menschen im Elend, abstoßende Kranke, eine Geburt in einem Viehstall inmitten von Tierscheiße, Stunden beispielloser Qual, Blut, das unter Hammerschlägen hervorspritzt, und der Schmerz einer Mutter an der Seite ihres sterbenden Mannes.
Meine echten Emotionen verdanke ich meiner kreativen und flexiblen Lebenseinstellung.
Ich lebte dort, wo ich mich zuhause fühlte.
Gegenüber meinem Bett hing eine weibliche Aktfotografie, die mich sehr beeindruckte.
Sie zeigte einen Frauenakt mit viel Ausstrahlung, mit der Bürstenhaltegröße DD, und dazu eine Modefigur.
Welche Kraft?
Wer war sie?
Jeden Morgen erblickte ich sie, wie Tausende, fast andere Frauen in ganz Deutschland.
Ich erinnere mich schon an meine ersten Liebhabereien mit den Mädchen, die es auch wissen wollten, wie sie ihre Votze benutzen können.
Eine ganze Zeit lang, glaubte ich, dass die Jungfrau Verena, die mein pulsierendes Herz hält, ein Porträt der Hure sei.
Denn damals gab es noch kein Fernsehen und kaum Pornofilme.
Sexualkunde im Biologieunterricht: Über die Bienen, die Bilder in der Sauna, die Gemälde oder Landkarten (vom Samenerguss, Sperma), in meinem Bettlacken waren für mich die ersten Erfahrungen zu sehen.
„Was für ein Leben?“, fragte ich mich ständig.
Ja.
Mitleid bekommt der Mensch geschenkt.
Den Neid muss der Mensch sich schwer verdienen.
Merlyn ist in ihrer Wohnung, klappte das Buch zu.
Nahm die Lesebrille ab und schaute nachdenklich hoch zum Deckenlicht.
Merlyn dachte, dass sie jetzt gerne in die Küche gehen würde und sich eine Kanne Kaffee machen.
Das Telefon läutet.
Von der Nase, legte Merlyn ihre Lesebrille auf den Tisch.
Sie stand am Couchtisch und schaute auf den Kerzenleuchter.
„Was zu viel ist, ist zu viel!“, sagte Merlyn zu ihrem kleinen Ego. „Mir fällt die Decke auf den Kopf.“, sagte sie zu Mike. „Lass uns, Mike, ausgehen und etwas Essen gehen oder irgendetwas.“
Sie schloss die Augen und atmete tief durch.
Uns blieben fast wenige Minuten.
Ohne abenteuerliche Schwierigkeiten.
So lange benötigte ich mit meinem Sportwagen, um durch den eiskalten und brutalen Straßenverkehr zwischen der Wohnung und dem chinesischen Restaurant Fing Bo zu kämpfen.
Eine seltsame Überraschung wartete schon auf einer Stufe des Restaurants.
Und zwar?
Natürlich in einer schrecklichen Gestalt, die wie Svenja aussah.
Meinen Sportwagen parkte ich am Randstein.
„Was ist passiert, Svenja?“, rief Merlyn überrascht. „Du bist nicht in Leipzig?“
Merlyn grinste innerlich und musste sich zusammenreißen, damit sie nicht laut über Svenjas Erscheinen losbrüllen musste.
Ich war echt nicht in der Stimmung, mich in das nervige Gespräch einzuklinken.
„Mike, Svenja mag mich überhaupt nicht.“, sagte Merlyn. „Weil sie glaubt, dass ich nicht die richtige Frau für dich bin.“
Ich erwiderte gelassen: „Da hast du wahrscheinlich recht.“
„Ich bin schon gelang auf den Beinen“, sagte Svenja und gähnte, „dass ich euch verlassen muss und nach Hause fahre.“ Svenja nimmt sich eine Taxe, die auch gleich angekommen war, und hielt an.
Svenja verabschiedete sich und stieg in das Taxi.
Merlyn und Mike sahen ihr noch hinterher.
Ich sah hinterher, so dass sich mein Blick fast erstarrt hatte, denn Merlyn fragte mich: „Kommst du jetzt? Oder nicht?"
Dennoch warf Merlyn Mike ein reizendes Lächeln zu.
„Ich dachte, du würdest mich nie fragen“, erwiderte ich mit einem ironischen Schlag.
„Ich schätze, Mike“, sagte Merlyn dann neugierig, „du kennst Svenjas Charakter nicht so gut, wie du geglaubt hast.“
Wir begaben uns endlich in das Restaurant und ließen uns von einem netten Kellner einen Platz zuweisen.
Merlyn ging voran und wir ließen uns einen Platz am Fenster geben.
„Ich lerne.“, sagte Merlyn. „Ich lerne alles über Svenja und sehr bald werde ich sie besser kennen, wie sie über sich selbst. Mike, ich sagte dir auch, dass Svenja meine Freundin ist und sie mich im Umgang schon mit anderen Männern kennt, wie mir lieb ist.“
„Glaube ihr bloß nicht!“, sagte Mike.
„Warum nicht?“, erwiderte sie mal wieder unverständlich.
„Svenja verfolgt nur ihr eigenes Interesse.“, sagte ich warnend zu Merlyn. „Du bist vielleicht enttäuscht, wenn du scheiterst.“ „Aber du bist verloren, wenn du es versuchst, Svenja etwas nahe zu kommen.“
Mike versucht, nicht finster zu blicken, und Merlyn versucht, nicht zu lachen.
„Spielen ist eine Kunst“, sagte ich zu Merlyn, „Aber aufhören zu spielen?“
Wir schauten immer noch in die Speisekarte und ließen dann etwas vom Kellner kommen, nachdem wir uns etwas bestellt hatten.
Dennoch stand der Kellner ein, zwei Minuten lang, stumm neben den Tisch, nahm eine Platte krustig-gebackene Ente, mit wilden Pilzen und Reis, für zwei Personen, eine Flasche Weißwein und eine Flasche Mineralwasser, mit Eissplitter oder Eiswürfel, aufs Papier (kleiner Notizblock) mit einem Stift auf.
Merlyn zündet sich eine Zigarette an.
Ich nahm mir eine Zigarette und zündete diese an.
Merlyn sah das und sagte: „Mike, ich habe es dir prophezeit, dass du wieder anfangen würdest zu Rauchen.“
Mike spürte ihr Lächeln.
Sie sah mich an.
„Merlyn, in der Vergangenheit hat mich meine Exfrau so angesehen“, sagte Mike, er war auch etwas genervt.
Sie lächelte wissend und erwiderte: „Ich weiß, Mike, aber es gefällt mir.“
Merlyn sprach den Namen „Mike“ wieder so bedächtig aus, als müsse sie ihn und ihre Zunge hinunterschlucken.
Dann kam auch schon der Kellner mit unseren kalten Getränken.
„Ich bin ein Miststück, meistens“, gestand Merlyn Mike, „dennoch ein Liebes-Miststück.“
Eine Sekunde lang, schien eine Spur von verbittertem Schmerz über ihre klaren Augen zu huschen.
„Mike, du hast nicht vielleicht ein bisschen Koks?“, fragte sie, „Ich liebe Koks.“
„Koks?“, fragte ich verwirrt und ahnungslos. „Der Kellner kann dir noch eine Cola bringen.“
Merlyn lächelte und schüttelte leicht den Kopf.
„Ist nicht das Gleiche.“ Erwiderte sie irgendwie nicht ernst genommen. „Oder?“
„Merlyn, meinst du nicht, es ist nicht das Wahre, zu koksen?“, fragte Mike und kommt ihr näher.
Ihre Körper berührten sich fast.
Mike roch ihr Parfüm und spürte ihren Atem auf seine Wange.
„Was soll das werden?“, fragte Merlyn Ruhig.
Ihre Gesichter wahren sich jetzt sehr nahe und die Lippen leicht geöffnet.
Mike stellt plötzlich eine Frage: „Was, zum Teufel, willst du von mir, Merlyn?“
Ich beugte mich zu ihr hinab, um sie zu küssen.
Aber?
Sie wich mir aus.
Wie ein eiskalter Kämpfer, einen kräftigen Schlag.
„Mike, ich habe dir etwas mitgebracht“, sagte sie ironisch.
Merlyn wühlte in ihrer Handtasche und grub ein abgegriffenes Taschenbuch heraus.
Sei drückte es Mike nichtssagend in die Hand.
Eine weltliche Sündenfibel und ich blätterte kurz mal durch.
Natürlich nur aus Neugier.
Dann las Mike eine Überschrift: „Nach meiner ersten Scheidung…“
Er blätterte einen Moment interessiert im Buch.
„Danke, Merlyn.“, sagte ich. „Aber worum geht es hier?“
Merlyn grinst und erwidert: „Um die Sünden im Leben.“ „Die Sünde ist auf dieser Welt wie Mohn im Ährenfeld.“
„Wirklich?“, fragte ich und grinste.
„Mike, ich bin der Meinung, dass die Weiber von allen Eigenschaften des Mannes die Grausamkeit am meisten schätzen.“ „Da ihre Instinkte von einer wundervollen Primitivität sind“, erzählt Merlyn, und Mike staunt, wie ein Bauklotz. „Frauen sind auf dem Wege, sich zu emanzipieren.“ Dessen ungeachtet werden sie Sklaven bleiben, die Gehorsam der Winke ihres Herren harren. „Du wirst von einem Weibe nur geliebt werden, wenn du es beherrschst.“
Mike blickt Merlyn scharf nachdenkend an.
„Es ist wie ein Spiel“, sagte sie. „Manchmal ist es auch ein grausames Spiel für Frau und Mann, weil Sie sich lieben.“
Merlyn schüttelte den Kopf und ließ dabei ihre langen Haare wehen.
Sie nahm ihr Glas Wein in die Hand, denn sie hatte kaum davon getrunken.
Der Kellner ist noch nicht mit dem Essen gekommen und ihr Glas Wein ist jetzt auch schon halb leer.
Mike und Merlyn haben jetzt beschlossen, zu gehen und das Essen wieder abzubestellen.
„Wenn der Kellner kommt, sollte noch ein Kellner hier arbeiten, bezahlen wir und gehen“, sagte Mike.
„Gut!“, erwidert Merlyn und lächelt.
Mike und Merlyn haben dann das Restaurant verlassen und haben das Geld für den Wein auf das Tresen gelegt.
Sehr erfreut war der Kellner nicht über unseren endgültigen Entschluss.
Wir gingen natürlich zum Griechen, der uns dann das Essen sofort brachte.
Am Wochenende fuhr ich nach München, um mich ein wenig zu erholen und um mein Buch zu schreiben.
Merlyn hatte noch am Wochenende Pläne mit Svenja.
Also habe ich mir Fahrkarten für den Morgenzug gekauft.
Die neue Nüchternheit, der Style der neunziger Jahre, war in München geboren worden.
Hatte dennoch nicht die ganze Bevölkerung infiziert.
Es gab noch eine schwungvolle Szene in der Stadt, deren Leute sich legal mit Alkohol und Musik berauschten.
Und illegal?
Mit einem Arsenal von Drogen, natürlich.
Der „Englische Garten“ ist östlich der Universität in wenigen Minuten erreichbar.
Zu jeder Jahreszeit lädt Münchens größter Park zu reizvollen Spaziergängen zwischen „Monopteros“ und „Chinesischem Turm“ ein.
Da gab es mal einen König Ludwig II. von Bayern, menschenscheu und romantisch veranlagt.
Der sich auf einem einsamen Felsen nahe dem kleinen Dorf Schwangau das Schloss Neuschwanstein errichten ließ.
Zusammen mit dem nahe gelegenen Schloss Hohenschwangau aus dem 12. Jahrhundert.
Das Schloss Lindenhof war das Lieblingsschloss von König Ludwig II. von Bayern.
Am Abend gelang es mir alle Tage, in einer Diskothek einen Plastikbecher mit Alkohol und viel Eis an der Bar zu ergattern.
Wobei meine Stimme schon fast versagt hat.
Ach, was hatte ich eine Riesenfreude mit dem Barkeeper.
Dann umkreiste ich die volle Tanzfläche, in die Masse der Leiber starrend, auf der verräterischen Suche nach einem nicht hässlichen Mädchen.
Es war schwindelerregend.
Aber dann, mitten in der schwitzigen Menge entdeckte ich ein nicht hässliches Mädchen.
Ein schönes Gesicht blickte mir zu, das mich zwang, sie für einen Augenblick anzustarren.
Es war ein bezauberndes Wesen, von weiblicher Gestalt.
Sie tanzte mit einer anderen Frau, die Arme fest um die Taille ihrer Partnerin geschlungen.
Wie es so Lesben machen.
Das nicht hässliche Mädchen, auch schon eine Frau, beugte sich vor und schrie laut etwas zu dem Mädchen.
Laute Musik verschlang ihre Worte.
Sie lachten und nickten nur.
Arm in Arm verschließen sie plötzlich die Tanzfläche und schlängelten sich durch das Gewühle der anderen stylelosen Tänzer.
Ich folgte den beiden unauffällig.
Sie eilten zu der Tür für „Herren!“, wie ich hätte meinen können.
Der Raum „!HERREN!“ war keineswegs allein den Männern vorbehalten.
Denn es war ein dunkler, düsterer Raum.
Die Luft war schwer vom Zigarettenqualm und anderen merkwürdigen, verschiedenen Substanzen.
Ich spürte, wie die schlechte Luft in meinen Lungen drang.
Dennoch waren mir alle diese Gerüche bekannt, wie Crack, Hasch, Marihuana und herbes Koks.
Die Männer und die Frauen drängten sich in die geisterhafte Finsternis und beugten sich über die angebotenen Glücksspender.
Weggeworfene leere Gasflaschen von Feuerzeugen und dreckige, alte Pappbecher bedeckten den Fußboden, als ich knirschend durch den Raum ging.
Plötzlich hörte ich, wie die beiden Frauen sich ihren Vornamen zurufen.
Eine von ihnen hieß Ricky.
Die andere war Kylie und Kylie stand nur da.
Ihr Haar war hoch gesteckt. Ihr Make-up war wie bei Ricky aufgetragen.
In dem schwachen Licht wirkten beide Frauen noch sehr jung.
Eine Toilette war in diesem Raum, die von den Frauen wie von den Männern benutzt wurde.
Kylie war nicht allein in der Toilettenzelle.
Sie stand da, mit den Armen umschlang sie einen großen, schwarzen Mann.
Der Schwarze trug kein Hemd.
Ein mächtig aufgeblähter Bodybuilder mit einem Torso aus eisern trainiertem Fleisch.
Er hielt eine Glasröhre mit Kokain unter Kylies Nase und sie inhalierte gierig.
Eine kleine Kruste Koks saß auf dem Rand des Röhrchens.
Sie schnellte ihre Zunge vor, um davon zu lecken.
Dann entdeckte sie mich, grinste mir zu und ging mit der nassen Zunge über ihre vollen Lippen.
Dabei flüsterte sie ihrem muskulösen Kerl etwas zu.
Der schwarze Muskelprotz folgte Kylies Blick auf mich und lächelte mir nichtssagend und mit voller Verachtung zu.
Das Geschehen wirkte auf mich abstoßend und zugleich faszinierend.
In den dunklen Ecken knutschten und grapschten schemenhafte Gestalten, die schon fast nackt waren.
Männer mit Männern, Frauen mit Mädchen, Frauen und Männer mit geilen Frauen. Eine faszinierende Mischung der Geschlechter.
„Ach, ist das süß“, würde jetzt meine Großmutter sagen, dachte sich Mike.
Die knallharte Popmusik hämmerte jeden Abend, sie schnitt durch die schlechte Luft.
Etwas Leid und Verzückung flackerte in den Gesichtern, wie auf den verschwitzten, nackten Körpern der wild gewordenen Tänzer.
Die herrliche Nacht, die aufregende Stadt und die ganze Welt waren in diesem irisierenden Raum komprimiert. Es gab keine Vergangenheit. Dabei ging es nur um das Hier und Jetzt. Die Gegenwart wurde nach den Sekunden bis zum nächsten Tanzpartner und den Minuten bis zum nächsten Drink oder Drogenkonsum gemessen. Kylie neckte mich mit ihren Augen, ihrem Lächeln und ihrem Mund. Sie brachte sich dabei eng und warm an ihre beiden wild zuckenden Tanzpartner. Im nächsten Augenblick war ich auch schon auf der Tanzfläche von den anderen alkoholisierten und stimmungsvollen Frauen mitgerissen worden.
Kapitel 7
Tage später in meinem Hotel war ein splitternackter Körper auf das große Messingbett gestreckt.
Mike war es unerklärlich, wie sie in sein Zimmer gekommen war.
Ihr Liebestaumel reflektiert von einem Dutzend Spiegeln.
Nur ein Spiegel an der Wand.
Der an der Decke fehlte.
Mike lag auf Kylie und drückte sie mit meinem Gewicht nach unten.
Sein steifer Penis stieß sich tief in ihre Votze, so dass beide Hüften kräftig mit ruckten.
Seine flinke Zunge schlängelte sich über ihre Schultern bis zum Hals.
Hinunter lief er zwischen ihren Brüsten und mit den Lippen schnappte er ihre harten, steifen Brustwarzen und saugte sie in seinem Mund.
Kylie ist ganz animalisch ihres Aktes hingegeben. Sie wölbte ihren Rücken und drückte ihre Brust verlangend in Mikes Mund.
Kylie schrie plötzlich auf, ein hoher Vogellaut, als Mike seine Zähne die harten Brustwarzen trafen und kräftig kurz zubissen.
Kylie's Beine waren weit geöffnet, ihre Waden geschlossen hinter Mike seinem Rücken, wie die Schale eines Gürtels.
Ihre Hände waren zu Krallen gekrümmt.
Die roten Fingernägel gruben und durchfurchten sich in die Haut auf Mikes Rücken.
Sie hinterließen blutige Spuren.
Je heftiger Mike seinen Penis in ihre Votze stieß, desto schlimmer wurden die Wunden auf seinem Rücken.
Doch der Schmerz und die Lust vermischten sich bei ihm und surrten wie eine Droge durch sein aufgewühltes Gehirn.
Langsam rann Blut in warmen, salzigen Rinnsalen von seinem Rücken und tropfte auf das weiße Laken.
Kylie wälzte sich erregt unter Mike hervor und rollte auf den Bauch.
So präsentierte sie sich ihm.
Mike griff sie unter ihren Hüften und hob sie hoch. Mike kniete hinter sie und küsste sanft ihren Rücken.
Dann war er wieder mit seinem harten Penis in ihre saftige Votze und sie ruckte vor Geilheit, während er wild und tief mit seinem Penis zu stieß.
Plötzlich war Kylie auf Mike gerutscht.
Sie beugte sich zu seinem Gesicht und fuhr mit der Zunge in seinen Mund.
Dabei streckte sie ihre Arme über seinen Kopf.
So warf sie ihre Brüste in sein Gesicht, als sie sich bewegte.
Kylie leckte sich die Lippen und genoss Mike seine Hilflosigkeit.
Einen Augenblick spürte er eine Mischung aus Angst und Euphorie.
Ihr Kopf wölbte sich zurück. Dabei erschien ihre Brüste hoch und straff.
Sie ruckte vor Verlangen und rieb sich mit ihrer nassen Votze an seinem harten Penis.
Plötzlich sind beide zum Höhepunkt gekommen. Gleichzeitig.
Kylie atmete tief und sackte auf seine nackte Brust. Ihre Haare fielen über sein Gesicht.
Mike spürte ihren erregten Körper vor Lust zittern und im Delirium beben.
In der stillen, dunklen Tiefe der Nacht erwachte Mike plötzlich.
Kein Laut war zu hören. Nur vor der Straße drang ein wenig Licht durch das Fenster herein, das sich im großen Spiegel reflektierte.
Kylie war neben Mike zusammengerollt und schlief. Er streckte sich und stand leise auf, bahnte sich unbemerkt einen Weg durch das Chaos des Zimmers.
Das helle Licht im Badezimmer traf Mike wie ein Hammerschlag.
Er sah blass und mitgenommen aus, die Haut um seine Augen war im Moment schlaff.
„Oh Gott!“, sagte er leise zu seinem Spiegelbild.
Das Wasser aus dem Wasserhahn ist kalt und erfrischend.
Er hielt seinen Kopf unter dem kalten Wasser und wurde sofort etwas klarer im Kopf.
Mike sah wieder in den Spiegel und sagte zu seinem Spiegelbild: „Die Frau ist der originelle Fick meines schönen Lebens.“
Er lachte kurz in den Spiegel.
Kylie lag wie in Trance zwischen Schlafen und Wachen.
Sie rieb sich an Mike, als er wieder ins Bett geglitten war.
Dann streichelt sie ihn wie eine Katze.
„Mike!“, murmelt sie wie ein kleines Kind.
Als Mike das zweite Mal an diesem Tag aus seinem tiefen Schlaf erwachte, war Kylie schon verschwunden.
Helles Tageslicht strömt durch die großen Fenster herein.
Auf dem Nachttisch liegt eine Notiz: „Himmel und Hölle sind in unserem Herzen, K.“
„Was will Kylie damit sagen?“, dachte sich Mike kritisch und glaubt, dass er nie eine Antwort bekommen wird.
Er nahm eine lange und nicht so heiße Dusche.
Mike zog sich an, seine lässigen Klamotten.
Also, eine Jeans mit zerrissenem und abgetragenem Design und ein ausgewaschenes Shirt.
Alles von bekannten Designern.
Später stieg er in seinen Sportwagen und fuhr einfach los.
Mike fühlte sich so entspannt und stark, wie ein Mann sich nur nach einer leidenschaftlichen Liebesnacht fühlen kann.
Gleichzeitig fühlte Mike auch ein leises Unbehagen, das aus der Unsicherheit erwächst.
„Was für ein unerwarteter Empfang erwarte mich bei Merlyn?“, dachte er sich ständig.
Merlyn sitzt im Wohnzimmer, als hätte sie schon mit meinem Erscheinen gerechnet.
Sie blätterte ungeduldig in einem Modemagazin.
„Hallo!“, sagte ich, als ich die Wohnungstür öffnete und sie erblickte.
Merlyn nickt mir zu, als wäre ich nur ein flüchtiger Bekannter von der Straße.
Ich blickte zu Merlyn und sah sie verliebt an, als sie sich leicht bewegte, und einen kurzen Augenblick sah sie mir zu.
„Schätze, du kommst nicht sehr gut damit zurecht.“, sagte Merlyn wütend, ließ es sich dennoch nicht anmerken.
„Womit?“, fragte Mike verunsichert.
„Mit uns.“, erwiderte Merlyn.
„Wenn ich weg bin und mit anderen Weibern bumse“, erklärt Mike.
„Mike! Woher willst du es wissen? „Nein“, fragte Merlyn provokant.
„Du glaubst es vielleicht, damit zurechtzukommen.“, erwiderte Mike. „Dass es dich kalt lässt, wenn ich mit anderen Weibern bumse.“
Merlyn drehte sich um und sah mich an, mit blitzenden Augen, und ihr zartes Lächeln wurde weicher.
Ich grinste zurück.
Merlyn lächelte ihr wissendes Lächeln.
„Sage mir, Mike!“, rief sie mir über ihre nackte Schulter zu. „Hattest du Spaß letzte Nacht?“
Ich blieb plötzlich in diesem Augenblick vor ihr stehen.
„Das ist der Punkt, wie?“ Das macht die Sache mit uns so kompliziert. Nicht wahr?“, fragte Merlyn. „Du solltest dieses Spiel mit mir nicht spielen!“
Sie stand auf und ging nachdenklich zum Fenster.
Ich folge ihr.
„Warum nicht, Merlyn?“, fragte ich sie.
„Mike! Du steckst bis zum Hals in der Scheiße drin. Und es wird nicht so aussehen, wie du es willst.“, Sagte sie und lächelte mir frech zu.
Mike packte Merlyn leicht an den Schultern, um sie mit dem Blick zu ihm zu drehen, und sagte: „Oh doch.“
„Nein!“, erwiderte sie ihm. „Ich liebe dich!“
Merlyn versucht sich wegzudrehen.
Doch Mike hielt sie fest in den Armen.
Das Babett ist eine Tages Bar, auch als gemütliches Lokal von den Gästen anerkannt.
Ein Laden mit einer guten Jukebox und gutem Bier vom Fass.
Zwei eigenartige Dinge, die Bernd Kern, ein Kumpel aus der Bar, schon einige Male in dieser Tages Bar gelockt hatte.
Mike fand Bernd Kern an der Bar, über einem kühlen Glas Bier gebeugt.
Wie viele andere Gäste in dieser Bar war Bernd mit Bluejeans und weißem Hemd ausstaffiert.
Bernd starrte Düster auf sein Bier.
Mike schwang sich auf den Hocker, neben Bernd und seiner Depression.
„Dachte schon, dass ich dich hier finden würde“, sagte ich.
Bernd drehte sich auf dem Hocker, um Mike zu erblicken, und sagte überrascht: „Wo zum Teufel warst du die Zeit überhaupt?“ Ich bin schon zu deiner Wohnung gefahren. „Niemand da.“
Bernd sprach laut, zu laut, und seine Worte kamen schleppend.
„Immer sachte, Bernd!“ „Ich war nicht zu Hause.“, erwiderte Mike.
Bernd nahm einen langen Schluck von seinem Bierglas und starrte auf Mike.
Er sah aus, als wollte er ein kompliziertes Problem lösen, wobei sein alkoholvernebeltes Gehirn den Dienst versagte.
Doch endlich hatte er eine Antwort.
Sein Gesicht, mit einem Dreitagebart verschleiert, verdüsterte sich.
„Mike! - Du bist mal wieder in München gewesen?“ „Ich kann es nicht glauben.“, sagte Bernd.
„Rege dich ab, Bernd!“, versuchte Mike, ihn wieder emotional runterzukommen. „Kein Grund, durchzudrehen!“
Bernd schob sich, nicht verstanden, von seinem wackligen Barhocker und wankte sich der Ausgangstür entgegen.
„Das nächste Mal kann ich dich mitnehmen.“, schrie Mike ihm noch nach.
„Hei Bernd, die Zechpreller!“, rief der Barkeeper und schleuderte ihm noch ein paar Zahlen nach.
Der Barkeeper wedelte aufgeregt und genervt mit einem Zettel seiner Rechnung.
Bernd schaute zurück und hörte die Worte des Barkeepers: „Überlege mal, hast du nicht etwas vergessen?“
Der Barkeeper war froh gewesen, Bernd wieder einmal unter seinen Gästen begrüßen zu können, aber er war deshalb noch lange nicht breit, auf sein Geld zu verzichten.
Mike regelte die Sache und wandte sich zurück zur Bar.
„Wie viel?“, fragte ich.
„Fünfunddreißig!“, erwiderte der Barkeeper.
„Drinks oder D-Marks?“, fragte ich ironisch nach.
„Nein, Mike, harte Dollars“, erwiderte der Barkeeper und lächelte.
Mike nahm sich die Geldscheine aus der Hosentasche und warf zwei Scheine, die mit einer Zwanziger Geldnote bedruckt sind, auf die Bar.
„Der Rest ist für sie!“, sagte Mike noch, als er ebenfalls die Bar verließ.
Ich holte Bernd Kern auf dem Gehsteig vor der Telefonzelle ein, als er auf zwei Frauen im mittleren Alter starrte.
Beide Frauen in sexy Fummel gekleidet. Sie wollten Spaß und in die Bar.
„Ficken!“, tönte Bernd ihnen hinüber.
„Glaubst du wirklich, Mike, dass ich in meinem Alter nicht mehr ficke?“, sagte Bernd.
Bernd winkte den beiden nicht hässlichen, angejahrten Frauen alkoholbeflügelt zu.
„Ich meine“, sagte Bernd, in seinem Alkoholrausch, „sicher, ich kann vernascht werden.“ Von verdammten, geilen alten Schachteln, wie den beiden hier. Aber ich mag sie nicht. Weißt du, Mike? „Ich mag sie ganz einfach nicht.“
„Das ist kein Problem“, erwiderte Mike und drängt Bernd weg von den beiden beleidigten Frauen, die Straße hinunter.
„Wohin bringst du mich, zum Teufel?“, fragte Bernd.
„Es ist höchste Zeit, dich und mich ein wenig auszunüchtern.“ „Etwas Kaffee und ein paar Bissen in den Bauch“, sagte Mike.
„Einen deftigen Happen wäre echt nicht schlecht“, erwiderte einsichtig Bernd.
Das Barbett ist ein richtig anständiges Lokal, das auch die ganze Nacht über geöffnet blieb.
Es lag mitten in der Stadt, nahe dem Theaterbezirk. Dieses Lokal zieht Theaterbesucher und Touristen an.
Und an diesem Abend war jeder Platz besetzt.
Bernd starrte mal wieder auf die nicht hässlichen Frauen an der Bar.
Eine Frau davon war eine süße Touristin, wie das ihre Neugier verriet.
Einen Moment lang hatte es den Anschein, als würde Bernd gleich etwas zu ihr sagen.
Zweifellos etwas ziemlich Beleidigendes.
Ich wollte es verhindern und bugsierte Bernd zu einem separierten Tisch und setzte ihn dort auf einen Stuhl.
Das Essen im Babett ist gut und der Kaffee noch besser.
Ich sorgte dafür, dass Bernd mehr als seinen gerechten Anteil bekam, und bestellte ihm noch eine gewaltige Portion Rühreier und dazu noch Chili mit Käse.
Und saure Gurken.
„Ess! Bernd, das wird dir gut tun.“, befahl ich.
Dieser Aufforderung kam Bernd mit wohligen Schmatzen nach und hastig stürzte er den heißen Kaffee herunter.
Seine Ess- und Trinkgeräusche waren einige Minuten lang die einzigen Geräusche an dem Tisch. Er schaufelte sich eine Gabel voll Chili und Ei in den Mund.
„Als Nachtisch, könnte ich die Blonde noch bumsen“, nuschelte Bernd sich dahin.
Gestörte Leute sahen jetzt ihm zu und warfen böse Blicke in seine Richtung.
Bernd schien diese Blicke, die töten könnten, nicht zu bemerken.
Falls doch, dann schienen diese Gesten ihn nicht zu stören.
Bernd wurde noch lauter und redete: „Wir haben hier in dieser Stadt sowieso zu viele verdammenswerte Touristen.“ „Noch viel, viel zu viel verdammenswerte Touristen…, Mike.“
„Bernd, komm jetzt!“, erwiderte ich.
Ich schüttelte langsam und genervt meinen Kopf.
„Ich habe keine Angst vor diesen Pussys“, sagte Bernd. „Sie sehn dich an mit ihren nassen Pussys, wenn die Weiber dich besteigen wollen.“
Die getakelte Touristin an der Bar nippte an ihrem Glas Apfelsaft und warf einen giftigen Blick auf Bernd.
Doch er beantwortete diesen mit einem leutseligen Grinsen und Winken.
„Ja, das stimmt. Bernd, du hörst auf ihre Pussys. Weil ich weiß, dass du nicht auf deinen eigenen Verstand hörst.“, antwortete Mike.
„Mike, ich weiß, was ich tue“, sagte Bernd.
„Nein, du weißt es eben nicht.“, erwiderte Mike.
Bernd trank noch seinen Kaffee und strich mit den Fingern durch seine Haare.
Stierte obszön auf die aufgetakte Frau, gaffte wirklich mit großen Augen auf diese… „Komm' jetzt endlich!“ „Zum Teufel, hauen wir hier ab!“, forderte Mike ihn genervt auf.
„Okay, Mike“, erwiderte Bernd in Gedanken.
Als wir es bis zum Taxi geschafft hatten, fiel es Bernd sehr schwer, die Autotür zu öffnen.
„Bernd!“, sagte ich.
„Verpiss dich, Mike!“, bekam Mike zur Antwort.
Mike ging und schwang sich in ein anderes Taxi, wo der Fahrer schon den Motor aufheulen ließ.
Drei Blocks weiter dachte Mike noch über Bernds Aktion nach und schüttelte darüber nur noch den Kopf.
Er war so tief in Gedanken versunken, dass er nicht bemerkte, wie ein Wagen sich hinter ihn setzte und ihm im Taxi folgte.
Erst als der Wagen mächtig aufdrehte und ihm im Taxi nahekam, wurde Mike darauf aufmerksam.
Kein Motorgeräusch gleicht völlig einem Sportwagen mit 360 PS auf vollen Touren.
Der rote Sportwagen rast die schmale Straße herab wie eine Artilleriegranate und schoss auf den Fußgänger zu.
Der Taxifahrer erhaschte einen Blick auf den schnell fahrenden Sportwagen, als der Fußgänger auf den Sportwagen prallte und über die Motorhaube schleuderte.
Der Sportwagen bremste brutal und kam kreischend zum Stehen.
Der Motor brüllte, der Rückwärtsgang wurde eingedrückt und der Sportwagen fuhr aus dem Taxi zu.
Der Taxifahrer schlug das Lenkrad noch rechtzeitig zur Seite, um nicht mit dem Sportwagen zu kollidieren.
Der Fahrer des Sportwagens – ein Fahrer? Eine Fahrerin? – schien zu entscheiden, dass gleich zwei Mordversuche mit dem Sportwagen genug für den Abend sind.
Der Sportwagen warf sich auf die Straßenkante und bog mit kreischenden Bremsen nach rechts ab.
Der Taxifahrer war in Sekunden hinter dem Sportwagen gerast und nahm mit grimmiger Entschlossenheit die Verfolgung auf.
Mike sah den roten Sportwagen in einem ganz kurzen Moment, wie er von der Hauptstraße nach links abbog.
Der Sportwagen wandte sich über die hügligen Straßen und meisterte die steile Strecke mühelos. Der Sportwagen fegte durch die grell glitzernde Zone von Nacktbars und Pornokinos und schoss mit überhöhter Geschwindigkeit den Hügel hoch.
Ich machte dem Taxifahrer den Vorschlag, dem Sportwagen auf den Fersen zu bleiben.
Der Motor des Taxis röhrte machtvoll.
Eigentlich ist die Rostlaube dieses Taxis für eine abenteuerreiche Verfolgungsjagd ungeeignet. Dennoch hämmerte der Taxifahrer seinen Fuß auf das Gaspedal und raste direkt hinter dem Sportwagen her.
„Wir sind verrückt!“ „Echt verrückt!“, dachte sich Mike und schrie aus dem Taxi.
„Die Sau werden wir kriegen!“, schrie der Taxifahrer ärgerlich und sehr, sehr wütend.
Der Fahrer des roten Sportwagens verlor die Nerven und er versuchte, auf der schmalen Straße auszuweichen.
Doch es war kein Platz.
Mit kreischendem Motor schoss der Sportwagen über eine alte Holzrampe einer Lagerhalle, die wie eine Ruine aussah.
Es war eine Ruine, wo sich der Sportwagen dreimal überschlug.
Landete knirschend auf der Seite und schliff sich noch fünfzehn Meter weg.
Der Motor vom Sportwagen war tot.
Und die Fahrerin auch.
Wie Mike und der Taxifahrer einige Augenblicke später feststellen konnten.
Die wahnsinnige Fahrerin war Silke.
Sie hatte dann die Wahnvorstellung der herzzerreißenden Eifersucht.
Silke lag zusammengesackt und hing halb aus der offenen Wagentür.
Der Taxifahrer telefonierte sofort mit der Polizei und dem Rettungsdienst, der mit dem Unfallarzt kommen sollte.
Nicht weit entfernt heulten auch schon etwas später die Polizeisirenen.
Der Rettungswagen kam dann auch.
Silke ist an einem Halsbruch zu Tode gekommen, sagte der Unfallarzt, und der ganze Körper von ihr ist überströmt mit Blut gewesen.
Ich spielte vorbildlich den anständigen Bürger.
„Es war ein Unfall.“, sagte ich.
So machte ich meine Aussage vor einem Polizisten, der diesen Unfallbericht eifrig in einem Schreibblock überträgt.
Später übergab dieser Polizist meine Zeugenaussage zur Unterschrift.
Es stellte sich dann heraus, dass es keineswegs ein gewöhnlicher Unfall war.
Gewöhnliche Autounfälle erhalten nicht die Aufmerksamkeit der Mordkommission.
Eine wahnsinnige Frau mit Eifersuchtsproblemen, die vor skrupellosen Mord nicht zurückschreckte.
Ich stand unter Schock.
Der verwirrte Taxifahrer beendete seine chaotische Schicht und fuhr nichtssagend weg.
Ich steckte mir eine Zigarette in den trockenen Mund und zündete sie mit dem Feuerzeug an.
Der Kommissar, der jetzt auch schon eingetrudelt war, sagte: „Damit ich das klar verstehen soll,
„Herr… – und sie erzählen, es war ein Unfall?“
„Also!“, erwiderte ich. „Ich glaube nicht, dass die Frau über die Rampe fahren wollte. „Oder glauben Sie das, Kommissar?“
Ein anderer Polizist mischte sich ein und wollte wissen: „Kennen Sie den vollen Namen der verstorbenen Person?“
Ich antwortete natürlich, dem diensteifrigen Polizisten, der auch noch andere Fragen beantwortet haben wollte: „Zufällig ja, Silke Kuhblank und die letzte Adresse war irgendein Dreckloch in Hannover.“
Der Polizist klappte geräuschvoll sein Notizbuch zu.
Der Kommissar stellte auch noch neugierige Fragen an mich: „Sie kannten sie, stimmt es?“
Ich zuckte in einer Geste erzwungener Gleichgültigkeit mit den Schultern und sagte: „Ich hatte mit ihr keinen Fick gehabt, Kommissar.“
Der Kommissar war dicht davor, an die Decke zu gehen.
Er hatte ein sehr beängstigendes Temperament.
Aber es war keine Deckenwand da. Ich warf meinen noch glühenden Zigarettenstummel in den Dreck und drückte ihn mit dem Fuß aus. Der nachdenkliche Kommissar stampfte ein paar Schritte dahin und blieb einen Augenblick stehen. „Altes Arschloch“, dachte ich mir, weil der Kommissar nicht wusste, was er tat. „Ich wünsche, dass sie morgen früh, neun Uhr, in das Polizeibüro kommen“, sagte der Kommissar.
Kapitel 8
Merlyn stand in der Küche und machte sich einen Kaffee.
„Was zu viel ist, ist zu viel!“, sagte sie zu ihrem Ego.
Sie kam zu mir.
Lächelte.
Und küsst mich auf die Lippen.
„Möchtest du einen Drink?“, fragte sie mich beim Küssen.
Ich schüttelte nur den Kopf und küsste sie weiter zurück.
Außerdem war ich noch ganz durcheinander und ich wollte auch Merlyn nicht beunruhigen.
Also, ließ ich kein einziges Wort über den Unfall, über meine Lippen.
Wir gingen, die Finger ineinander verhakt, ins Wohnzimmer.
Ließen uns dann los, als wir das Sofa erreicht haben.
Merlyn setzte sich, ich ging zum offenen Fenster und hob mit einem Finger den weißen Seidenvorhang.
Ich sah durch den Spalt des Vorhanges nach draußen auf die Straße.
„Mike! Ich würde heute Abend gerne ausgehen“, sagte sie und saß plötzlich in der rechten Sofaecke. Ein Bein untergeschlagen und eine Hand auf dem Knie.
Ich steuerte auf die andere Sofaecke zu.
Bleibe dann aber am Couchtisch stehen.
Ich stand da und sah sie an.
„Du weißt, wie viel du mir bedeutest.“, sagte Merlyn mit verliebten Augen.
Doch ich?
Ich zuckte nur mit den Achseln.
Wir sahen dann einander an.
Lange.
Sehr lange.
Doch dann fragte Merlyn: „Was kann ich tun, um dich zu überzeugen, dass ich es ernst meine?“
„Gar nichts!“, erwiderte ich und faltete die Hände zwischen den Knien, saß nur da und sah sie an. Plötzlich seufzte ich dahin und warf einen gelangweilten Blick auf die Uhr an der Wand.
Lächelte sie an.
Merlyn beugte sich über den Couchtisch und griff nach mir.
Bei dem spaßigen Gerangel, kippte eine Stehlampe um.
Und auf einmal hatten wir beide im heftigen, aber lustigen Gerangel keinen Halt mehr und lagen auf dem Teppichfußboden.
So rollten wir über den Boden.
Sie kam für einen Augenblick nach oben und versuchte in der Eile, meine Hand zu packen und mich auf den Mund zu küssen.
Doch ich?
Ich umklammerte sie mit der anderen Hand und drückte sie auf den Boden.
Merlyn schlang ihre Arme um mich.
Ich ließ sie wieder los und rappelte mich vom Teppichboden hoch. Fast ausgepowert stand ich vor ihr und wir lachten über uns.
„Ich bin flexibel.“, sagte ich. „Schatz, wir können auch gleich hier bumsen.“
Sie erwischt mit ihren Händen das Sofakissen und traf mich damit so heftig an den Kopf, dass ich schon leichte bunte Flecke an der Decke sah.
Ich blieb in der Hocke sitzen und jammerte ein wenig herum, um etwas Mitleid zu erhaschen.
Sei aber lächelte und tröstete mich leidenschaftlich und behutsam.
„Merlyn?“, sagte ich fragend.
Sie aber, reagierte nicht, schloss die Augen und atmete tief ein und verständnisvoll wieder aus.
Aber mit einem Seufzer.
Sie ging ins Schlafzimmer und legte sich auf das Bett.
Lag da, umklammerte mit beiden Händen die Oberarme.
Als ich zu ihr ging, spürte ich, wie ihre Augen feucht wurden.
Mit der Hand wischte sie sich die salzigen Tränen aus den Augenwinkeln.
Merlyn verließ nachdenklich das Bett, ohne mich zu beachten, und ging zum Fenster.
Sie schob die Gardinen bei Seite, die sich im Wind blähten.
Breitete die Arme aus, stützte die Hände auf das kalte Außensims und beugte sich hinaus in den frischen Wind.
Merlyn startete hinunter auf die Straße, zu den Autos, die wie Spielzeugautos aussahen, und zu den kleinen laufenden Leuten.
Ich war früh zu Bett gegangen.
Nüchtern.
Allein.
So sah ich gut und erholt aus, als ich am nächsten Tag in das Polizeirevier kam.
„Ich freue mich über Ihr Erscheinen“, sagte der Kommissar, der sich gerade einen Kaffee in seine Tasse gegossen hatte.
Der Kommissar hieß Vogel.
Er sah auch aus wie ein Vogel mit seinem bunt gestreiften Anzug.
„Warum setzen Sie sich nicht?“, fragte er mich.
„Großartige Idee.“, sagte ich kommunikativ.
Wieder stimmten wir in ein gezwungenes Grinsen.
Ich setzte mich.
Zwei Polizisten musterten mich einen langen Augenblick.
Doch ich starrte zurück.
Endlich brach dem Kommissar Vogel auch das Schweigen.
„Sie, Herr…!“, sagte Herr Vogel.
Ich kreuzte mit Entschiedenheit die Arme über meine Brust.
Der Kommissar Vogel warf seinen Kollegen einen gequälten Blick zu und beschloss, die Sache auf einem anderen Weg zu bearbeiten.
Seine Stimme war entgegenkommend und fast schon onkelhaft.
Sein Lächeln war warm und er zeigte seine schönen weißen Zähne.
Die Dritten.
„Sagen Sie mir, Herr…, wenn Sie zurück an Ihre ganzen Affären denken.“ Vielleicht auch an die Affäre mit Silke Kuhblank. Sind dann ihre Erinnerungen angenehm? Oder bedrücken diese Erinnerungen manchmal?
Ich bemerkte, dass der Kommissar nie meinen Namen erwähnt.
Und…?
Den Kommissar blickte ich eine lange halbe Minute an, dreißig Sekunden der Wut und der Ungläubigkeit.
Es gelang mir, die Wut aus meiner Stimme herauszuhalten.
„Okay!“, sagte ich recht ruhig und sehr direkt: „Nummer eins: Ich weiß nicht mehr, wie oft ich mit ihr gefickt habe.“ Nummer Zwei: Silke Kuhblank hat mich nicht angeekelt, als ich mit ihr im Schlafzimmer war.
Der Kommissar: „Bitte! Herr…!“
Und? „Nummer drei?“, fragte ich. „Ich pisse nicht ins Bett oder jemanden an.“
„Ich muss Sie bitten, Herr…“, sagte der Kommissar schon mit lauter Stimme.
„Herr Kommissar! Sie können sich selbst einen wichsen, weil ich jetzt abhaue“, sagte ich ziemlich genervt von diesem Verhör des Kommissars.
Ich stand auf und stampfte aus dem Verhörraum und ging weiter den Gang auf dem Flur hinunter.
Ich erreichte später noch Merlyn Lipperts Wohnung. Zu mir, in die leere Wohnung, wollte ich heute nicht mehr.
Allein wollte ich auch nicht sein.
Es war eine ungewöhnliche Stille im Hochhaus und es wirkte irgendwie verlassen.
Merlyn reagierte nicht auf mein Klingeln.
Zögernd und unsicher öffnete ich die Wohnungstür, mit dem Wohnungsschlüssel, den ich noch hatte.
„Merlyn!“, rief ich.
Keine Antwort.
Die Wohnung ist dunkel und düster.
Alle Vorhänge sind geschlossen.
Ich stand in der dunklen Wohnung und lauschte. Über die Schwelle der Stille kam ein Laut.
Ein winziges kurzes Geräusch.
Ein Knarren alle paar Sekunden.
Regelmäßig, wie ein Stundenschlag von der Uhr.
Ich ging durch die Wohnung und folgte dem Geräusch, wie ein Jagdhund seiner Spur.
Ich blieb nach wenigen Schritten immer wieder stehen, um zu lauschen.
Merlyn saß unbemerkt in einem Schaukelstuhl in der Ecke des Wohnzimmers und bewegte sich sanft auf den Kufen vor und zurück.
Sie saß mit großen Augen, die mit roten Augenringen verziert waren, auf Ihrem Schaukelstuhl.
Ihre Haare waren in wirrer Unordnung, ihre Wangen hohl und eingefallen, ohne Schlaf.
Sie hatte nicht geschlafen.
Merlyn blickte von mir weg.
Nach einer Weile des Schweigens wandte sie sich zu mir.
Sie sah mich an mit demselben Blick, den ich anfangs bei unserem ersten Treffen bemerkt hatte.
Ich kniete neben sie und legte meine Hände auf ihre Schultern und massierte diese sanft und auch mal stark, mit meinen sanften Händen.
Meine Berührungen ließen Sie am ganzen Körper zittern.
Denn meine Hände glitten hinunter, öffneten ihre Bluse und streichelten zart ihre Brüste.
„Das tut gut“, flüsterte sie mir zu, als sie ihr Gesicht gegen meinen Arm rieb, wie eine Katze, die um die Zuwendung betteln.
„Bitte!“, flüstert sie, „Schlaf mit mir!“
Das einzige Licht im Wohnzimmer strömt vom Mondlicht durch die Fenster.
Unser Liebesakt war intensiv gewesen, kraftvoll wie zuvor.
Doch ohne den Schmerz und die schlimmen Spiele. Es war die sanft stimmende, harmonische Liebe von zwei Liebenden gewesen, nicht die wilde, gierige Raserei erotischer Rivalen.
Merlyn hatte sich in meinem Arm gekuschelt, zufrieden, aber auch von jener Melancholie ergriffen, die einem Liebesakt manchmal folgt, als Reflex auf die Rückkehr in die gewöhnliche Welt.
Merlyn schwieg lange.
Dennoch sehr zufrieden.
Dann flüsterte Merlyn: „Woran denkst du, Mike?“
Ich küsste leicht ihre Stirn und gab ihr zur Antwort: „Schatz, ich denke vielleicht, was du jetzt denken könntest.“
Merlyn zuckte schwach am ganzen Körper, als hätte ich sie gepickt.
Sie dreht sich.
Ihr Kopf ruhte auf meiner nackten Schulter und ihr Haar ergoss sich zu einem goldenen Vlies.
„Mike! Ich habe kein Glück bei Männern.“, sagte sie plötzlich unverstanden.
Ich grinste und erwiderte: „Schatz, ich habe auch kein Glück bei den Männern. Oder waren es die Frauen?“
Sie ignorierte mein seichtes Gerede und musste sich wirklich das Grinsen verkneifen.
Plötzlich erklärte sie mir ihre Situation und erzählte: „Da war ein süßer Junge, als ich auf der Akademie war, schlief ich einmal mit ihm.“ Er ..."
Merlyn legte ihre Hand auf den Mund, als wollte sie sich selbst hindern, mehr zu verraten.
Sie fing an zu weinen. Ihre Tränen rinnen ihr Gesicht hinunter.
„Was war mit ihm?“, fragte ich neugierig nach. „Hat er dir wehgetan?“ „Was macht er heute?“
Doch Merlyn schüttelte nur nichtssagend den Kopf und weinte.
„Mike, er war besessen von mir und machte viele Bilder von mir.“ Das trieb mich fast in den Wahnsinn. „Er kaufte sich einen Haarersatz, wie meine Haare sind, und kleidete sich wie ich.“
Merlyn schauderte bei dieser Erinnerung.
„Es war grässlich, das kannst du mir glauben, Mike“, sagte Merlyn.
Ich streichelte leicht und sanft ihr Haar, als würde ich ein kleines Baby beruhigen.
Sie sah mir hilfeflehend in die Augen.
„So redete ich noch nie mit jemandem darüber, Mike.“, sagte sie, „Nie, bis jetzt.“
Tageslicht strömte durch die offenen Fenster, als ich erwachte.
Ich war allein und drehte mich noch einmal im warmen Bett um.
Später erwartete ich, eine Notiz auf dem Tisch zu finden, die besagt, dass Merlyn ins Büro gefahren wäre.
Aber!
Nichts lag da.
Und ich legte mich auch noch einmal hin.
Kein Geräusch kam aus dem Wohnhaus.
Ich wusste nicht mehr, wie ich liegen sollte, und ging ins Badezimmer, um mich zu duschen.
Ziehe meine Jeans an und dann noch mein T-Shirt. Trank einen Becher Kaffee, der von Merlyn noch übrig war.
Ich erinnerte mich an den Herrn B. und die Dame C. Die beiden haben gezeigt, was Kugeln wirklich anrichten. Jede Menge Blut und verbranntes Fleisch.
Vorbei die entsetzlichen Schlägereien aus den Westen und Kostümschinken, wo die Leute sich gegenseitig mit Tischen bewerfen, wo eigentlich die Elefanten diese Tische niederstrecken müssten. Und der Held mit strahlendem Lächeln und vor allem mit komplettem Gebiss wieder aufsteht.
Heute zählen der eiskalte Wahnsinn, purer Sex und Sinnentaumel, die Schrecken des Krieges, Verbrechen, gefährliche Leidenschaften, nackte Gewalt, Mystik, das Heilige und vieles mehr.
Mein verrücktes Leben hat die Krisen, die Entdeckungen und Tragödien begleitet.
Merlyn wurde provokanter, tragischer und subversiver.
Und jedes Mal wird ihr klar, wie lächerlich sie sich gemacht hat, wie altmodisch sie ist und dass sie sich nur an ihre Vorrechte klammert. Ich schrieb ihr einen langen Brief. Viel zu lang für diese Welt:
Liebe Merlyn, Du bist wirklich etwas ganz Besonderes. Ich mag Dich so, wie Du bist. Auf der ganzen Welt gibt es tatsächlich keine Frau, die so ist wie Du. Es hat keine Frau wie Dich je zuvor gegeben und es wird auch nie so eine liebevolle Frau wie Dich geben. Liebling, du bist einzigartig vom Scheitel bis zur Sohle. In mancher Hinsicht magst Du vielleicht wie andere Frauen aussehen, klingen oder handeln, doch Du bist nicht sie. Ich wollte etwas Ganz Besonderes. Jetzt weiß ich, dass DU es bist. Ich möchte keine andere Frau haben. Ich mag Deine Gefühle, Deine Gedanken und Deine Art. Du hast eine positive Ausstrahlung auf mich. Du bist voller Leben. Du bist eine ganz besondere Frau, die zu einer ganz besonderen Zeit in mein Leben getreten ist. Du bist aufregend. Es macht Spaß, mit dir zu ficken. Ich bin gern mit Dir zusammen. Du hast Interessen an dem, was ich sage und denke. Merlyn, ich liebe Dich so, wie Du bist. Mike
Merlyn sah diesen Brief auf dem Couchtisch, als sie spät abends nach Hause gekommen war. Mike war abwesend und las diesen seltsamen Brief.
Sie lächelte kalt und redete dahin: „Mike, hast du denn nicht verstanden, dass unsere Beziehung bloß eine schöne Illusion ist?“ Wir sind nur ein Traum! Die Menschen brauchen keine wahre Beziehung; sie könnten ohne besser leben und tun sich selbst einen großen Gefallen, wenn sie es akzeptieren. „Denk nicht immer so viel und genieße das, was die Frauen dir geben!“ Merlyn kniet sich im Schlafzimmer im Bett auf ein Kissen und fing laut an zu weinen. Hannover, die langweiligste, stillste und konservativste Stadt Deutschlands. So konnte diese Stadt jedenfalls einen letzten Platz unter den letzten zehn dieser Kategorien beanspruchen. Es liegt in Niedersachsen und ist der letzte größte Ort vor Celle. Im Unterschied zu anderen Städten selbst hatte Hannover, bis auf die Weltausstellung im Jahr 2000, keinerlei Attraktionen aufzuweisen.
Dennoch konnte nicht jeder Bundesbürger diese Weltausstellung besuchen.
Das nötige Geld fehlte den Menschen dafür.
Viele der Städte wie Leipzig hatten jenes leichte internationale Flair, das viele Landschaften umgibt, gute Restaurants und anspruchsvolle Läden.
Alles in allem: Hannover schien ein unwahrscheinlicher Schauplatz für Ahnungslose, zumal für einen so ausgefallenen Standort für Studenten.
Als ich mich dem Stadtrand näherte, fiel mir ein, dass ich kürzlich von Hannover gehört habe.
Die Fahrstrecke von Frankfurt nach Hannover ist nicht ohne landschaftlichen Reiz.
Von der Autobahn haben die Leute einen großartigen Ausblick auf die Fahrzeuge und auf die weite und flache Autobahnstrecke.
Wenn ich aus dem Sportwagen zurückblicke, sehe ich den Stau der stehen gebliebenen Fahrzeuge. Ich hatte schon lange aufgehört zu zählen, wie viele Karossen mich überholt haben.
Ich preschte auf die linke Seite der, über die Autobahn.
In Teilen der Stadt Hannover schien die Zeit stehen geblieben zu sein.
Nur die Leute nicht.
Sie rennen und rennen und rennen.
Als wären sie auf der Flucht.
Hannoveraner sollen neugierig sein?
Wo sind diese Menschen?
In der Kirche?
Punks schwärmen durch die Straßen, angetan mit schwarzen Lederhosen und bunten Kurzfrisuren. Weite Wandflächen sind bedeckt mit Graffiti, Postern und Posterfetzen.
Die Punks sehen aus wie aus einem Action-Film, und ich konnte mir vorstellen, wie diese Leute zusammenkamen, um einen Joint zu rauchen und die glorreichen Zeiten zu genießen.
Aber hier waren die Dinge etwas anders.
Obwohl die Universität von Hannover noch genug wissensdurstige Studenten hatte, waren die meisten Studenten nicht nur mit ihrem Studium beschäftigt. Glücklich an einer großen Universität gelandet, mühten sie sich eifrig um herausragende Leistungen und spekulierten auf hochbezahlte Stellungen in dem Beruf ihrer Wahl.
Der Anzug und die Krawattenmode haben in den Universitäten schon fast ausgedient.
Die Studenten kleiden sich in Jeans und Shirts. Schon auf diese chaotische Weise demonstrierend, dass sie wenig anderes im Sinn hatten, als rasch Karriere zu machen.
Ich genoss das Gehen und betrachtete dabei wohltuend die hübschen Studenten.
Mit mehr Zeit und in freier Stimmung hätte ich das Mädchen mit dem betörenden Lächeln zu einer Tasse Kaffee eingeladen.
Am Ende des Ganges, rechts, hatte ich erfahren, war das Hauptverwaltungsgebäude mit dem Register aller Studenten.
Aus diesem Büro kommt eine Frau kaum über zwanzig Jahre entgegen.
Ich hielt diese Frau für eine Studentin, denn sie setzte sich im Saal an den Computer und machte ihn betriebsbereit.
Ich ging zu ihr hin und erklärte: „Tag! Ich brauche Ihre Hilfe!“ Denn ich benötige eine Information über einen Universitätsprofessor. Sein Name ist Detlef Cecla.
Sie lächelte mir zu und sagte: „Natürlich, kann ich machen, besonders, wenn der Kerl so süß ist wie sie.“ Haben Sie ein Jahr? „Die Unterlagen sind nach Jahren geordnet.“
„Ich glaube etwa 1980 oder 1981“, erwiderte ich.
„Sie glauben?“, fragte die Frau, die keine Studentin war.
Ich bemerkte ein großes, dickes und aufgeschlagenes Aufzeichnungsheft neben dem Computer und ich wagte einen Blick hinein.
„Ein Professor Detlef Cecla?“, fragte sie plötzlich und ihre Augen überflogen die Kolonne von Studienreferenten auf dem Schirm.
„Bodo Cecla, Udo Cecla, und, und, und – tut mir leid, kein Professor Detlef Cecla.“ „Sind Sie sicher mit der Jahreszeit und an dieser Universität?“, stellte sie fest.
Ich war verwirrt und hätte schwören können, dass Professor Detlef Cecla an dieser Universität tätig war.
Die junge Frau betrachtete mich kühl.
„Danke!“, sagte ich und grinste, „Danke vielmals für diese Info.“
„Keine Ursache.“, sagte sie und wandte sich wieder ihren Aufzeichnungen zu.
Ich fuhr direkt auf der leeren Autobahn nach Hause und steuerte den Sportwagen nahe an den Bordsteig heran und stellte mich ans Garagentor.
Meine Gedanken schwirrten immer noch über die Information meines Professors.
Dennoch konnte ich nichts daran ändern.
Aber ich hätte mich gefreut, wenn er mir einige Fragen über so manche Dinge beantwortet hätte.
„Gut!“, dachte ich mir und ging zu Merlyn.
„Hallo Merlyn, ich muss dich sprechen.“, sagte ich ihr. „Sieh mal, ich schreibe über ungewöhnliche Leute.“
„Schreiben ist eine Sache“, erwiderte Merlyn.
„Manchmal bringen mich meine Recherchen den ungewöhnlichen Menschen näher.“, sagte ich.
„Passiert eben, zum Teufel!“, sagte sie genervt.
„Was zum Teufel, soll das heißen Merlyn?“, fragte ich sie.
Aber sie schwieg und küsste mich auf die Wange. Es war ein warmer und zärtlicher Kuss.
„Mist, ich muss völlig verrückt sein, Merlyn über meine Arbeit zu berichten“, murmelte und dachte ich leise. „Das könnte mir einen Tritt in den Arsch einbringen, und…“
Kapitel 9
Merlyn schien nicht sonderlich überrascht zu sein, mich in ihrem dunklen Wohnzimmer vorzufinden, als sie diesen Abend mal nach Hause kam. Sie blieb sonst bei ihrer Freundin. Oder? Es war fast so, als hätte Merlyn mich schon erwartet. Dennoch machte ich mir die große Mühe, meinen eigenmächtigen Einlass zu entschuldigen, denn ich glaubte, dass ich ihr den Wohnungsschlüssel wieder gegeben habe. „Merlyn, du solltest deine Tür nicht unverschlossen lassen.“ „Du weißt sonst nie, wer hier hereinspaziert“, sagte ich ihr.
Merlyn drückte den Lichtschalter neben der Tür herunter. Und es wurde hell.
Sehr hell, für mich.
„Was willst du, Mike?“, fragte sie mich. „Ich bin sehr müde.“
Sie sah mich für einen Augenblick an.
„Wie wäre es, wenn ich es von dir höre?“, fragte ich neugierig.
Merlyn zögerte einen Moment und es herrschte eine ungewöhnliche Stille im Zimmer.
„Was soll ich sagen?“, erwiderte sie mit schüchterner Stimme. Doch dann wurde Merlyn plötzlich laut und sagte: „Hey Mike, ich bin nicht lesbisch oder irgendso was.“ „Aber es war nun mal so, dass ich es mit einer Frau tatsächlich getrieben habe.“
Merlyn wandte sich ab von mir und ihre Arme sind beleidigt vor der Brust verschränkt.
„Es war das einzige Mal, dass ich mit einer Frau zusammen war“, erklärte sie weiter.
„Merlyn, du glaubst, ich bin schockiert gewesen?“ Um Gottes Willen. „Das glaube ich nicht“, sagte ich.
Ja, Mike. „Das würdest du“, sagte sie und versuchte ihre Gedanken zu sammeln. „Aber nun, das ist nicht wichtig für mich.“, sagte ich.
„Was denn?“, fragte sie.
„Merlyn, du bist wichtig für mich.“, erwiderte ich ihre Frage.
Dann merkte Merlyn, dass mich etwas beunruhigte, und fragte mich: „Was ist eigentlich los mit dir?“ „Und ich dachte, wir würden keine Spiele mehr spielen.“
„Das dachte ich auch“, sagte ich und schwieg.
Ich stand auf und ging, ohne mich zu verabschieden.
Bei mir angekommen, schloss ich die Wohnungstür auf. Ging aber nicht hinein.
Sondern blieb vor der Wohnungstür stehen, als wollte ich den Zugang versperren.
Ich traute Merlyn immer noch nicht.
Denn Frauen sollte man im Auge behalten, dachte ich mir auch.
Merlyn folgte mir und schubste mich plötzlich durch die Wohnungstür.
Es ist dunkel, viel zu dunkel für meine jetzige Situation.
Merlyn verfolgte ihr Ziel.
Also, mich zu überzeugen.
Im Wohnzimmer hörten wir Jugendliche von draußen, die wie die Verrückten mit dem Moped durch die Straßen rasen, um den langweiligen Mädchen zu imponieren und vor den Kumpels anzugeben.
Ein Fetzen Stoff streifte ihre Hand, denn sie packte zu, um mich zu berühren.
Sie spürte mich und schwang mich herum.
Ich grapschte auch mit der anderen Hand und sie hing irgendwie an mir.
Sie strampelte mit einem lauten Lachen mit den Beinen in der Luft.
Ihre nackte Schulter schlug gegen das Mauerwerk und ihre Füße suchten den Boden und rutschten zum Fußboden ab.
Sie starrte nach oben, wurde ernst und sah mich an.
Merlyn sah, wie ich auf sie hinunterstarrte und küsste.
Und gerade, als sie sich streckte und nach meinen Schultern griff, erst mit einem Arm, dann mit beiden, riss sich ein weiterer Schlitz in ihrem Kleid ein. Merlyn zog sich an mir höher und scheuerte mit den Füßen an meinen Beinen, drückte mit den Knien nach, wie mit den Hüften, zerrte auch mit den Händen und spannte die Arme an.
„Scheiße!“, sagte ich und schüttelte den Kopf. Schnitt unbemerkt eine unbedeutende Grimasse und sagte: „Scheiße!“
Sie sah mich schockiert an und lachte nur.
Ich musste auch lachen und drückte sie von mir weg.
„Oh schade, es hat so einen Riesenspaß gemacht.“, sagte sie spöttisch und lachte.
Merlyn stand auf und ging ins Schlafzimmer, um einen prüfenden Blick in den Spiegel zu machen.
Ich rückte mir die Klamotten am Leib zurecht.
Die Tür zum Schlafzimmer hatte sie offen gelassen.
„Alles in Ordnung, Schatz?“, fragte ich neugierig und ging ins Schlafzimmer.
Da steht Merlyn splitternackt vor mir und sie nimmt meine Hand und küsst mich innig auf den Mund.
Sie führte mich beim Küssen ins Badezimmer und ließ warmes Wasser in die Badewanne.
In der Zwischenzeit haben wir es schon mal ganz wild getrieben.
„Ich liebe dich“, sagte sie mir ins Ohr.
Als das wohlriechende Badewasser ausreichend in die Wanne gelaufen ist, haben wir uns hineingesetzt.
„Au! Ist das heiß?“, sagte ich.
„Stell dich nicht so an!“, erwiderte Merlyn, als sie nach der verchromten Armatur faste, um sich zu stützen.
Führte den Art-Deco-Regler in ihrer Hand und drehte das kalte Wasser auf.
Natürlich spritzte sie mich mit dem kalten Wasser.
Merlyn machte Kaffee, richtigen Kaffee.
Also, keinen Malzkaffee.
Wir tranken dann splitternackt den Kaffee auf dem Sofa. Merlyn sah mich interessant an und wir lächelten.
Ich kratzte mich verlegen hinter dem Ohr.
Und wir schwiegen uns für einen Augenblick an.
Merlyn beugte sich vor, ihre Brüste wippten mit, und stellte ihren Kaffeebecher ab.
Sie nahm sich eine Zigarette, zündete diese an und ein Modemagazin, stemmte sich hoch und drehte sich zu mir, um mir eine scherzhafte Grimasse zu zuwerfen.
Dann schüttelte sie sich das linke Bein, das schon etwas kribbelte, und schrie: „Oh mein Gott, mein Knie.“
Ich schwieg uninteressiert von Ihrer Panik.
Doch plötzlich sagte sie: „Mike, jede Wette, dass hier im Haus noch keiner schlafen gegangen ist.“ Die liegen bestimmt da und spielen im Fliegen. „Fick mich doch!“
„Ich glaube, das werden wir wohl nie erfahren“, sagte ich und später verließ Merlyn nichtssagend meine Wohnung.
Ihre Klamotten nahm sie nicht mit, denn die wollte sie dann die Tage später mitnehmen.
Ich war wirr im Kopf, und was ich am dringendsten brauchte, war eine gut bemessene Dosis klaren Denkens.
Ich rief meinen Freund Kurt Lamm von einer öffentlichen Telefonzelle an, die an der Straßenkreuzung steht.
Wir verabredeten uns auf der Südseite von Frankfurt.
Da wir uns ein nettes und ruhiges Treffen wünschten, wählten wir das Lokal Seven.
„In deinem Hirn flattern einige verdammt harte Klötzer herum, so hörst du dich an“, sagte Kurt.
„Zum Teufel, nein“, erwiderte ich und grinste über seine Bemerkungen.
„Glaubst du, Mike, ernsthaft, Merlyn und du, ihr werdet rammeln wie die Kaninchen, um eine Rattenbrut großzuziehen, und glücklich und zufrieden weiterleben?“ Oh Mike! „Bitte erzähl deinem alten Freund Kurt nicht, dass du das denkst!“, sagte Kurt.
Etwa in dieser Art hatte ich es mir schon gedacht, aber ich brachte nicht den Mut auf, Kurt das so zu erzählen.
„Ich weiß nicht, was ich zum Teufel denken soll“, sagte ich nur noch.
„Gut.“, sagte Kurt mit einem Seufzer der Erleichterung. „Es gibt noch Hoffnung für Dich.“
Mit dem Fahrstuhl fuhr ich direkt zu meiner Wohnung hoch.
Es war kein Mitbewohner des Wohnhauses zu sehen.
Plötzlich hörte ich laute Musik aus meiner Wohnung.
Ich blieb erst einmal vor meiner Wohnungstür stehen und lauschte.
Ich schloss leise die Wohnungstür auf und spähte hinein.
Merlyn steht am Fenster.
Sie trug schwarze enge Jeans und ihre geliebte schwarze lederne Motorradjacke.
„Ich habe dich so sehr vermisst.“ sagte sie mit leuchtenden Augen.
„Merlyn, ich war nicht lange genug weg, um von dir vermisst worden zu sein“, erwiderte ich ziemlich salopp.
„Schatz! Hast du mich vermisst?“, jammerte sie.
„Nein“, erwiderte ich genervt.
Merlyns Lippen zeigten ein leichtes Schmollen und sagte: „Komm her zu mir und sage, dass ich dich sehr vermisst habe!“
Ganz langsam begann sie ihre Motorradjacke zu öffnen.
Während sich die Zähne ihres Reißverschlusses trennten, wurde mir sichtbar, dass sie nichts unter dem Leder trägt.
Merlyn schnappte mich und zog mich fest an sich.
Wir liebten uns hastig und hungrig auf dem Teppichboden meines Wohnzimmers.
Es war sehr hart, aber die intensive Glut, die wir füreinander spürten, strömte durch unseren Körper, heiß und rasch, wie eine Lava auf der Straße.
Als wir mit dem knallharten Ficken und dem leidenschaftlichen Liebesgesülze fertig waren, fummelte ich in meine Hose nach Zigaretten und fischte mir endlich eine Kippe aus meiner zerknitterten Schachtel.
Ich zündete die Kippe an und sog mir den Rauch in die Lungen.
Dann gab ich ihr die glühende Kippe weiter.
„Ich muss morgen etwas erkunden.“, sagte Merlyn unbegründet.
„Ich bin gut im Recherchieren. „Merlyn, ich kann dir helfen.“, sagte ich.
„Mike, nein.“, erwiderte sie trocken.
Merlyn macht sich gar keine Vorstellungen davon, wie sehr sie mit ihrem Verhalten dazu beiträgt, das eigene Gesicht zu verändern.
Einstweilen übernimmt sie die ungewöhnliche Rolle einer Domina.
Eigentlich hat Merlyn nur die ehrenwerte Aufgabe, Mike davon zu überzeugen, dass ihre so gesunden Sexpraktiken, ihre ach so wahren animalischen Sexpraktiken auszuleben, und die einzig akzeptable Leidenschaft sind.
Dennoch: Dank Cybersex-Verbindungen besteige ich ein virtuelles Modell mit mindestens zwölf elastischen großen Brüsten und ich kann am schwarzen Knöpfchen drehen, um das Höchste der Gefühle zu erreichen.
„Hurra!“, schrie ich, „Hurra, das Glück ist für mich da.“ Wenn aufgeschlossene Leute diese Moralisten, Feministen und Leute, die diese sexuellen Vorzüge nicht bekommen, so hören, könnte Mike glatt meinen, dass heutzutage niemand mehr ohne Cybersex auskommt. „Wer sagt denn, dass die einzige Alternative zum Ficken Cybersex ist?“, fragte sich Mike. „Das ist doch idiotisch.“ Genauso können Frauen ihre Männer in den Zoo sperren, damit sich die Frauen es sich selbst zwischen den Beinen machen können. Während bekloppte Leute vor der Cybersex-Verbindung hängen, spiele ich lieber mit meinem Merlyn. Ficken für die Welt und wir genießen den wundervollen Sonnenuntergang. Manchmal diskutieren wir auch mit Freunden.
Kapitel 10
Es gab ein Geräusch in Merlyns Wohnung. Ihre Wohnungstür stand offen. Es war das Geräusch des Laserprinters ihres Textverarbeitungssystems, der die Seite einer Werbekampagne herunterratterte. Aber von Merlyn war nichts zu sehen. Dennoch war irgendjemand da, der den ersten Stapel bedrucktes Papier herausgenommen hatte.
„Du bist noch gekommen?“, fragte Merlyn und stand in der offenen Wohnungstür. Sie drückte ihre Zigarette auf dem Teppichboden aus.
„Lebe wohl, Mike!“, sagte sie.
„Lebe wohl!“, erwiderte ich mit einem leichten Stottern, und angewurzelt blieb ich stehen.
„Was willst du, Mike? „Blumen zum Abschied?“, fragte sie mich.
„Was soll das?“, fragte ich genervt, „Eine Art Scherz?“
„Mike, du hattest Recht.“ „Es war der Fick…“, sagte Merlyn.
„Lass den Scheiß, Merlyn?“ „Wovon zum Teufel redest du?“, fragte ich, denn das fand ich gar nicht komisch.
Aus der Küche rief plötzlich eine Frau: „Merlyn?“
Es war eine alte, unbekannte Stimme, der Ruf einer älteren, dicken und fetten Frau. „Also, oben dick und unten fett.“, dachte sich Mike und grinste, denn sobald er so mal werden würde, wäre er ein toter Mann.
„Ich komme gleich, Inge.“, erwiderte Merlyn erwartungsvoll.
„Das ist meine Mutter, Mike.“ „Tschüss, ich denke, du gehst jetzt.“, sagte sie noch.
„Oh, du gehst fort?“, fragte er noch einmal.
„Mike, ich meine es ernst.“, sagte sie.
Es war etwas in ihrer Stimme, was Mike sagte, dass das ein Abschied sei.
Ich ging zu meinem Sportwagen unten in der Tiefgarage und fuhr mit hoher Geschwindigkeit meinen Kopf leer.
Irgendetwas habe ich in unserer Beziehung nicht verstanden gehabt.
Die Straße war meine, ich ließ jeden parkenden Wagen stehen.
Die nicht hässlichen Frauen standen am Straßenrand und winkten mir zu.
Nach ungefähr einer Stunde kam ich dann bei mir zu Hause an.
Merlyn wartete unerwartet vor meiner Wohnungstür. Sie trug kein Make-up und wirkte jung, frisch, verletzlich und verstört.
Ich hätte ihr Schattendouble sein können.
„Mike, ich darf es mir nicht erlauben“, sagte sie mit Tränen im Gesicht. „Ich darf es mir nicht mehr erlauben, dir nahe zu sein.“
Diese Worte sagte sie mir oft und heulte dabei, wie ein Schlosshund.
Die salzigen Tränen durchnässten ihre Ärmel.
„Ich darf nicht!“, jammerte sie mit leiser, unglücklicher Stimme, „Ich darf nicht!“
Ich trat auf sie zu, legte meine Arme um sie und drückte sie an mich.
Merlyn drückte mich fester an sich, küsste uns und sie führte uns in meine Wohnung, direkt ins Schlafzimmer.
Sachte streifte ich ihr Kleid ab und warf sie behutsam auf das Bett.
Merlyn streifte hastig ihren Tanga und Büstenhalter vom Leib.
Dabei küssten wir uns heftig und gierig.
Ihre Arme schlängelten sich hoch über ihren Kopf. Ihr bloßer, geiler, nackter Körper ruckte gegen meinen nackten Körper.
Dann war ich auf ihr, wir machten leidenschaftliche und knallharte Liebe, auch sanft und zärtlich.
Fast unmerklich bewegte ich mich in ihr.
Tief, sehr tief, so dass sie bei jedem Stoß aufschrie.
Wir kamen im gleichen Augenblick zum Höhepunkt. Sanfte Wogen der Wonne spülten über uns, die übermächtige Lust trieb uns durch die stillen und dunklen Minuten der Nacht.
Wir lagen still nebeneinander auf dem Bett.
Meine müden Blicke hafteten an der Deckenwand, zudem der Rauch meiner Zigarette langsam hochstieg.
Merlyn hatte sich zur anderen Seite eingerollt und ihr Gesicht war versteckt.
„Was machen wir jetzt, Mike?“, fragte sie mich mit leiser, zarter und zerbrechlicher Stimme.
Nach einer kurzen Stille im Raum beantwortete ich ihre Frage: „Schatz, wir bumsen wie die Glücklichen und leben glücklich und zufrieden weiter.“
Merlyn glitt weiter auf ihre Seite, ihr Haar fiel über den Rand. Ihre Arme ließ sie über die Bettkante baumeln und die Hände berührten dabei den Teppichboden.
Ihr Gesicht war plötzlich ausdruckslos, dennoch drehte sie ihren splitternackten Körper und sah mir direkt in die Augen.
„Ich liebe dich!“, flüsterte sie und küsste mich leidenschaftlich und gierig.
Merlyn drückte mich hinab auf meinen Rücken, setzte sich mit gespreizten Beinen auf mich und ihre Brüste wippten auf und ab.
Sie küsste mich bohrend, feucht und heiß.
Ich schob Merlyn auf ihren Rücken und drang mit einer glatten und starken Bewegung in sie ein.
Mike dachte nur an die gierige Lust dieses Augenblicks und das dringende Bedürfnis unserer splitternackten und eingeheizten Körper.
Dennoch hatte Mike Tiger, sein Glück, keine Ahnung von Merlyns Plänen, die er in ihrem Gesicht sah.
ENDE
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