Buch 3 für Schwarzleser: der schriftsteller erzählt
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ROXANE, was macht diese frau von Sophie Mouline
Eine selbstbewusste Frau wie Roxane Care geht ihren steinigen Weg allein.
Es gibt eben Frauen, die sind „Heiß!“.
Dennoch gibt es Frauen wie in der Männerwelt, die sind „Scheiß!“.
Es gibt Frauen, die sagen zum größten Teil ihres Lebens zu ihren Männern, was sie nicht wollen.
Roxane Care ist eine bemerkenswerte Frau, die lebt und macht, was sie will.
Kapitel 1
Ob Sie es glauben oder nicht, die asiatischen Weisheiten sind für mich in Ordnung. Sie lehren auch: Kummer und Leid sind deine Lügner, sie verdrängen die Freude im Leben. Denk daran: Ich habe mir gesagt, du bist ein Gewinner, wenn die ganze Kacke ausgestanden ist. Ein paar Tage später auf dem Fernsehturm von Berlin, Alexanderplatz, sagt mir eine Stimme: „Wenn sie nicht sicher sind zu springen, warum schauen sie dann runter, sie, blödes Weibsstück?“ „Herr Gott, was will der von mir?“, dachte ich, und geh weg. Die Leute drücken sich ihre Nasen an der großen Scheibe platt und schauen runter. Ich schaue ganz scharf runter, alle Leute sind wie kleine Stecknadeln zu erkennen und alle glotzen zu uns rauf. Sie tragen kurze Hosen mit weißen Socken und karierte Röcke und die Punks haben wilde Frisuren. „Verdammt“, sage ich, „Was soll das sein?“ Eine Anna flog vorbei, ein Transportflugzeug, noch aus der Zeit, wo es den Osten gab. Sie haben sogar primitive Landebahnen angeflogen, hat man mir erzählt. Eine Stimme erzählt: „Das ist bestimmt ein Fan von alten Flugzeugmodellen.“ „Also, für mich sehen die Dinger immer gleich aus“, sagte ich. „Stimmt, irgendwie schon.“, sagte eine andere Stimme. Hören können wir im Fernsehturm nichts, aber unsere Fantasie reicht. Ich bekam einen Gehaltscheck von einer Werbeagentur. Kaufte ein Kostüm. Marcel rief nicht an. Diesmal, nahm ich mir vor, es abzuwarten. Knetete mich im Fitnessclub durch. Nahm an einer Präsentationsbesprechung, in einer Werbeagentur teil. Ging zu einer Party. Anschließend nach Hause, wo ich den Anrufbeantworter abhörte. Ich buk mir eine Thunfischpizza, Bonnie machte große Augen.
Gleich am nächsten Morgen rief ich meine Mutter an. Ein wohltuender Anruf, keine Diskussionen über Menstruationsprobleme, keine Fragen nach Männern. Und sie freut sich auf Weihnachten, wenn ich komme. Ja, ich auch. Der knusprige Truthahn war ein wenig trocken, aber die Beilagen waren lecker. Mehr Leute am Tisch als letztes Jahr, vertraute Gesichter und neue Freunde von Mutter. Alle stellten sich vor. Die Bohnen, ein undefinierbarer Brei, der von einer Freundin mitgebracht wurde. Sie war die Einzige, die diesen Brei sich schmecken lassen hat. Ich ging nach Hause und hörte den Anrufbeantworter ab. Marcel hatte nicht angerufen. Der kalte Freitag war trostlos – wer hätte das gedacht? Grau verhangener Himmel, Schneeflocken. Ich erledigte ein paar Rechnungen, putzte ein bisschen und wechselte die Bettwäsche. Nahm ein schönes Buch, las ein paar Kapitel und ging joggen im Park. Ein Pärchen, um die Dreißig, Schulter an Schulter. Sie stritten sich offenbar. Sie hob abwehrend die Hand, er drohte mit dem Finger. Schade, dass ich es nicht von den Lippen ablesen konnte. Ich versuchte ein wenig zu arbeiten. Bonnie, auf dem Fensterbrett, rieb die Nase an seine Pfote. Ich skizzierte auf dem Blatt Papier einige Figuren herum. Merkte aber, dass es nichts wurde. Was mochte es treiben? Ich kuschelte mich aufs Sofa und sah mir eine Trickserie an: Der Pinky und der Brain. Hoffte, dass die beiden mutierten Mäuse, aus dem Laboratorium, diesmal die Weltherrschaft übernehmen würden. Susan rief an. Ich hielt eisern den Mund. Sagte nur, dass alles in Ordnung wäre. Wie gehabt. Viel zu tun. Ich sah mir jetzt „Das Raumschiff“ an. Bonnie schlief auf meinem Schoß. Ich aß einen Heidelbeeren-Joghurt. Nahm ein Bad.
Am Samstag war ich dann wieder in der Reihe. Schiebe den Fernseher in die Ecke. Putze den Rest der Wohnung. Ich ging einkaufen. Setzte mich vor den Schreibtisch und kämpfte mit dem Computer. Vor drei Wochen hatte alles angefangen. Ich polierte den Bildschirm. Ging an die Arbeit. Es lief sehr gut, ich kam schnell am Computer voran. Sauber gedruckt, Gott sei Dank. Eine halbe Stunde brauche ich noch für das Storyboard. Da klingelt das Telefon. Sechzehn Uhr zeigte die Uhr. Ich starrte aufs Telefon. Es läutete weiter. Ich nahm ab. Hallo? " „Hi, Roxane.“ Ich nahm die Brille ab. „Hi". Wie war es bei deiner Mutter? „Kalorienreich“, sagte ich. „Lustig." Und bei dir? „Ich habe gearbeitet. “ Ich habe dich beschwindelt. Aus Angst, dass wir zu tief hineinrutschen. »Jetzt tut es mir leid. » Ich streichelte mir mit der Hand den Nacken. Musste grinsen. „Mir auch“, sagte ich. „Ich liebe dich, Roxanne.“ „Oh, Marcel..." Ich schloss die Augen und atmete tief durch. „Ich liebe dich, mein Kleiner." Und wie..." „Oh, Roxane…“ Mein Gott, du hast mir so gefehlt. Da ist etwas. Darüber würde ich gern mit dir reden. Am Telefon geht das nicht. Kommt Dir das bekannt vor? Lächelnd sagte ich: „Wann kannst du kommen, heute noch, morgen?" „Nein“, sagte Marcel, „diesmal, mach mal die Tür auf.“ Oder kannst du das nicht mehr? „Na – und wie!“, sagte ich. „Ich fliege.“ Ich brauchte nicht lange, bis zur Tür. Marcel, dieser Schuft, stand überraschend vor der Tür und ich bin ihm gleich in die Arme gefallen und wir haben uns leidenschaftlich geküsst, bis wir im Wohnzimmer waren. „Du, Marcel…, du erkennst mein Appartement nicht wieder.“ Dir zu Ehren habe ich es sauber gemacht. Das war geschwindelt. Und das wissen Sie ja!
Kapitel 2
Was immer es sein mochte, wir bekamen das schon in den Griff. Jetzt, nachdem Marcel sich dazu durchgerungen hatte, mit mir darüber zu reden. Vermutlich ging es um den verdammten Sex. Ich liebe auch Frauen. Ich duschte und trimmte mich feminin, für Marcel. Denn ich rasierte mir die Beine, dann meine kurze Schambehaarung und unter den Achseln. Ich zog mir ein tailliertes blaues Kleid, Schuhe mit Pfennigabsätzen an und legte die Perlenkette um den Hals. Und als I-Tupfer, gab ich dem Ganzen, ein paar Spritzer vom Parfüm. Plötzlich klingelt das Telefon. Walter Flachmann rief an, völlig überkandidelt, überschüttete mich mit kuriosen Ideen, für den Werbespot einer Käsefirma. Drei Minuten brauchte ich, um ihn abzuwimmeln. Ja, Montag. Gleich als Erstes. Und Tschüss! Ich habe den Anrufbeantworter nicht eingeschaltet, denn ich habe den Telefonstecker aus der Buchse gezogen, um für heute keine weiteren Störungen zu haben. Und dann ist später noch Zeit, wenn es für den Anrufer wichtig und dringend ist. Lange nach dem Schlüssel: Stell schnell Bonnie Futter und frisches Wasser hin und sage ihm, ich käme bald wieder. Die Fahrstühle waren im zehnten und siebten, beide nach unten unterwegs. Ich nahm die Treppe. Ich hüpfte die Stufen hinunter, eine halbe Treppenlänge, dann kam der Treppenabsatz mit der Stockwerksnummer. Meine Schritte hallten vom Beton des Treppenhauses wider. Ich drückte auf die automatische Türöffnung des Wagens, bevor ich einsteige, und räumte die Gummibärchen von dem Sitz. Ich fahre zuerst einmal in die Innenstadt und dann zu Marcel. Hoffentlich war es meine bisexuelle Neigung. Und nicht etwa, ich habe eine andere Frau kennengelernt oder ich mache Schluss oder weiß Gott, was… hier in diesem Leben. Der Dreizehnte, ich stieß die Tür auf. Marcel pusselte in der kleinen Küche herum, graues T-Shirt und blaue Jeans, die Apartmenttür stand weit offen, Udo Lindenberg sang „Hinterm Horizont geht's weiter“. Er drehte sich um und lächelte sein umwerfendes Lächeln. „Zwei Martinie's, ungeschüttelt!“, sagte Marcel und wischte sich am Küchentuch die nassen Hände ab, „Aber, so leid es mir tut, fremde hübsche Frau, erst muss ich mich davon überzeugen, dass Sie es wirklich sind.“ Wir küssten uns leidenschaftlich, verlangend durch die letzten Takte von „Hinterm Horizont…“, durch das Disk-Jockey-Gebrabbel und durch den Anfang von „I want your Sex“. Unterwegs ins Wohnzimmer kämmte ich Marcel mit den Fingern durch das Haar. Die Rollos waren nicht heruntergelassen. An der Decke scheint das Licht von der beleuchteten Werbereklame, doch die Deckenlampe ist bis auf einen schwachen Schimmer abgedunkelt. Das Weiß tapezierte Zimmer sah ein wenig verspielt aus. Der Charme von herumliegenden Kleidungsstücken und verstreutem Krimskrams war perfekt verteilt. Aber hübsch hatte er es. Die braune Ledercouch fast in der Mitte, davor der Fernseher, links die Stereoanlage, rechts an der kahlen Wand der Schreibtisch mit dem Computer. Alles in Braun und Weiß, blaues Rollo vor dem großen Fenster, den Blinklämpchen der Stereoanlage und dem schwarzen Fernseher. „Sieht ja großartig aus.“ Sage ich. „Oh, ich habe noch nicht aufgeräumt“, meint Marcel. Er trug die Gläser zum Couchtisch. Ich lächelte ihn an und sah zu, wie er seine Gläser auf den Tisch stellte. Ich warf einen neugierigen Blick auf das große Bücherregal an der Wand. Romane, Fachbücher und einige Fotoalben. Er stellte die Stereoanlage aus, die „Wilden Herzbuben aus dem Triolerland“ verstummte. Ich fing an, mich bei Marcel wohlzufühlen. Lächelte und ging zu ihm, damit er mich in die Arme nehmen konnte. Wir setzten uns auf die weiche Ledercouch, Knie an Knie, Hand in Hand. Wie es Verliebte so machen. Stießen an. Tranken und lächelten dabei mit den Augen weiter. Stellten die Gläser auf die Korkuntersetzer ab. Marcel nahm mich an beiden Händen und sah mir in die Augen. „Zuallererst will ich dir sagen, dass ich dich liebe“, begann Marcel, beugte sich vor und küsste zart meine Lippen, die ihm ohnehin gerade entgegenkamen. Und nur deshalb erzähle ich dir das alles. Bitte, vergiss das nicht. Denn du wirst böse auf mich sein, sehr böse. Ich sag es dir jetzt schon. Man, es ist kompliziert. Roxane, denk daran, dass ich es dir nur erzähle, weil ich dich liebe. Du hast mal gesagt, ich könnte dir alles erzählen. „Jetzt nehme ich dich beim Wort.“ „Wenn du eine Frau mit Kindern hast, kratze ich dir die Augen aus." Darauf kannst du dich verlassen. „Nein, nein.“ sagte Marcel und schüttelte den Kopf. „Nein..." Er atmete tief ein, senkte den Blick. Ich sah ihn stumm an. „Sag schon und lass mich nicht betteln!“, sagte ich. Marcel atmete schon wieder so gequält. „Ich bin nicht verheiratet und habe keine andere Frau.“ Dennoch bin ich nicht allein. „Ich habe vier Kinder, von vier verschiedenen Frauen, denen ich Unterhalt zahle.“ „Na und.“ „Wie alt sind sie und was sind es für Chaoten?“, frage ich. „Also, ich war mit Zwanzig verheiratet.“ Aus der Ehe habe ich einen Sohn, er heißt Dennis. Meine Exfrau bekommt keinen Unterhalt, da die Ehe damals 1989, in Ostdeutschland geschieden wurde, und dort gab es kein Gesetz für die Frau, dass der Mann ihr Unterhalt zahlt. Doch davor hatte ich eine Freundin, mit der ich einen Sohn hatte. Er heißt Christopher. Aus der amerikanischen Serie „Dallas“ nahmen wir diesen Namen. Wir trennten uns, weil sie mir die Luft nahm, und katholisch war sie auch. Davor warnte meine Mutter mich.
Was solls? Dann bin ich 1990 mit einer Frau spontan in den Westen gegangen. Sie hat blondes Haar. Mit ihr habe ich eine Tochter. Nadine heißt sie. Sie sieht so aus, wie ich, ansonsten habe ich schon lange nichts mehr gehört von ihr. Ansonsten habe ich immer an eine Familie geglaubt, bis ich dann meine Traumfrau traf. Wir verstanden uns wie ein Traumpaar, doch dann sind wir aus der gewohnten Umgebung gezogen – eine Flucht. Vor ihren Eltern ist es gewesen. Wir zogen dann in dieses langweilige Dorf. Es entwickelte sich zu einem Horrortrip. Sie bekam dann 1997 unseren Sohn, Pascal. Ich war neun Monate, schwanger, auf jeden Fall hatte ich dieses Vatersyndrom, und sie hatte sich keine Gedanken gemacht. Ich war mit den Nerven fix und fertig. Dann waren es noch ihre Eltern. Horror und Terror waren da, wenn sie uns zu Hause besuchten. Ich sollte immer meinen Mund halten, damit Ruhe in der Familie bleibt, doch damit war ich nicht einverstanden. Kompromissvoll sein oder verständnisvoll sein und Rücksicht nehmen auf die Tyrannei ihrer Mutter – das war zu viel für mich. Und ihre Eltern stellten sich immer mehr in unsere Beziehung. Dabei habe ich echt Angst vor dem Heiraten bekommen. Ich wollte nicht mehr und habe die Beziehung beendet, damit sie mit ihrer Mutter in einem Napf essen kann. Seitdem habe ich Angst vor festen Beziehungen. Ich will nicht mehr verletzt oder ausgenutzt werden. Diese Frau ist auch mein Alptraum gewesen. „Das kannst du, Roxane, mir glauben.“ „Und das ist das große Problem, was du hast?“, sagte ich. Ja, denke ich, denn ich möchte keine Kinder mehr in die Welt setzen und nur der Zeuger sein. Ich will eine interessante Frau, die mich auch versteht und mich zum Lachen bringt, die für mich da ist, wenn ich sie brauche, und ich will für sie da sein, wenn sie mich braucht. „Und das Geld soll nicht immer zwischen uns stehen.“ „Aber, Marcel, hör mal gut zu…“ In seinen Augen funkelt es. Er umklammerte meine Hände und zitterte am ganzen Körper. „Angenommen, ich würde dir sagen, dass ich die Frau für dich sein möchte, die du dir wünschst“, sagte ich. Nahm seinen Kopf in meine Arme, der weich auf meinen Brüsten liegt. Was würdest du dazu sagen? Ich sah ihn stumm an. „Was würdest du zu mir sagen?“, drängte ich. Marcel sagte: „Ich würde zu dir sagen: Hör sofort damit auf.“ Es wäre toll, aber… „Du kannst Gott auf den Knien danken, dass wir uns getroffen haben“, sagte ich. „Mal angenommen: Ich täte es.“ Sofort die heiraten, meine ich. „Was dann?“, meint Marcel. Doch ich frage wieder nach: „Was meinst du damit? Was dann? " „Was würdest du tun, wenn ich damit aufhöre, dich zu lieben? fragte Marcel. Ich schnaufte. „Ich würde dir, so gut ich kann, beistehen.“ Ich würde versuchen zu verstehen, warum du dich überhaupt mit mir eingelassen hast. „Und dass du dich nie wieder in eine Frau richtig verlieben kannst.“ Würdest du mich hassen? „Fragte Marcel.“ „Natürlich nicht.“, sagte ich. „Sei doch nicht albern!“ „Hast du vergessen, wie sehr ich dich liebe? Marcel nickte, beugte sich vor, küsste meine trocknen Lippen. Sah ihn an. „Ich kapiere nicht.“, sagte ich. „Nein“, sagte er. „Sind dir die Kinder nicht zu viel, obwohl wir mit ihnen nichts zu tun haben werden.“ „Ich bin nur der, der dem Kind und der Frau, nebst Mann, ihren Lebensstandard finanziert, bei diesen hohen Unterhaltsforderungen.“ Ich starrte ihn an. Marcel nickte. „Ja, darum handelt es sich, Roxane.“ Aber wenn ich dich nicht kennengelernt hätte, säßen wir dann jetzt hier? Das kann doch jedem Mann passieren, von dem die Frau mit List ein Kind haben will. Dagegen kannst du nichts machen. Wenn eine Frau von dir ein Kind haben will, dann bekommt sie es auch, auch wenn der letzte Mann es tausendmal probiert hat, mit ihr Kinder zu bekommen, und sie es nicht will, dann bekommt sie es nicht. So einfach ist es. „Ihr Männer kennt' uns Frauen nicht, auch wenn ihr es denkt“, sagte ich und lege seine Hände in meinen Schoss. „Überlege doch:“ Hätte es all diese wunderschönen Dinge gegeben, die wir gemeinsam erlebt haben? Und ist es nicht so, dass ich dich jetzt wirklich kenne, durch und durch, besser als irgendjemand sonst? Weil du mir es gesagt hast, sind wir uns doch noch näher gekommen, das fühle ich. „Ich will mit dir leben, so wie du es willst, mit mir.“ „Ich hatte vor, so leid es mir tun würde und wie sehr ich dich auch liebe, unsere Beziehung einschlafen zu lassen“, sagte Marcel. „Zur Gemeinsamkeit gehört, dass man sich alles anvertrauen kann.“ Marcel zuckte die Achseln, lächelte. „Tja, nun weißt du, woran du bist.“ Wenn du mich willst, dann nimm mich. Doch wenn nicht, dann bitte ich dich, geh. „Und geh jetzt sofort.“ Ich starrte ihn an. Sah weg, aufs Glas. Griff danach. Meine Hand zitterte. Versuchte einen Schluck zu trinken. Ich schluckte. Stell das Glas ab. Sah Marcel an. Frage: „Du meinst es ehrlich?“ Marcel nickt. Ich schüttelte den Kopf. „Ich verstehe das alles nicht.“ Ich schaue an die Decke und dann fest in seine Augen. „Wie kannst du denn… wie machst du das, dass du…?" Ich mache eine hilflose, fahrige Handbewegung. Er stand auf. „Komm, ich will nicht, dass du gehst.“ Er langte nach seinem Glas und trank einen Schluck. „Ich soll nicht gehen?“, fragte ich. Marcel stellte das Glas weg und fuhr sich mit dem Handrücken über den Mund. Er ging zur Tür, blieb stehen und wartete. Ich starrte ihn an. Stand auf, stützte mich mit einer Hand auf die Rückenlehnen. Er schloss die Tür zu und steckte sich den Schlüssel in die Hasentasche. „Wenn du den Eindruck hattest, dass ich dich jetzt gehe lass, dann musst du dich geirrt haben.“ Die Diele war in blasses Grün getaucht. Marcel stand hinter mir und spielte mit dem Dimmer. Ich trat ein paar Schritte zurück, stand da und starrte ihn an. Er stellte sich links neben mir, stützte sich mit einer Hand an die Wand, drehte sich um und sah mich lauernd an. Ich drehte den Kopf und sah ihn an. „Soll ich bleiben?“, fragte ich. Er nickte. „Sag ich doch.“ Ich starrte ihn an. „Ich gebe zu, ich habe ein wenig überreagiert“, sagte er. „Ich liebe dich.“ Ich lächelte. Sah ihn an, atmete tief durch und sagte: „Es ist dir doch klar, dass das die unfairste und feigste Weise ist, mich zu halten, bei dir zu halten?“ Ich schlang die Arme um beide Schultern und ging zu ihm. „Ich liebe dich wirklich“, sagte Marcel zu mir. Marcel hielt mich ganz fest, sah mir in die Augen. Ich weiß, ich muss mich entscheiden. Ganz oder gar nicht. „Und ich entscheide mich für dich“, sagte ich. Wir sahen uns an. Marcel seufzte, sah mir in die Augen. „Es tut mir leid, dass ich dir wehgetan habe.“ Ich habe mit dir nie etwas getan, was nicht wunderschön gewesen wäre. „Oder irgendetwas sagen hören, was sich dumm angehört hat.“ Er ließ mich los. Drehte sich um und sah mich an. Er faste mich mit beiden Händen an der Taille und lächelte mich an. Dann küsste er mich leidenschaftlich lange auf den Mund. „Das hast du ja nicht ernst gemeint“, sagte ich und holte tief Luft. „Das mit dem „Gehen“ und jetzt sofort?“ Aber ja. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich nicht gehen lasse.“ Wir sahen uns tief in die Augen. umarmten uns. Küssten uns. Ich hielt ihn fest, seufzte, schüttelte den Kopf und schielte in Gedanken über seine Schulter. Meine Hand berührte seinen Penis, in der Hose. Ich wandte mich mehr in seine Arme. „Du verdammter Mistkerl machst es mir sehr schmackhaft.“ Er küsste mich auf den Mund. Dann riss ich ihm sein Hemd auf und küsste ihn die Brust, runter bis zu seinem hängenden Schwanz. Ich küsste sein bestes Stück, das nur mir gehören soll. Plötzlich stieß ich ihn weg, sah in den Spiegel und zupfte mir das Haar zu Recht. Er schloss das Appartement auf und kam auf den Flur. Ich küsste ihn kurz auf den Mund. „Du spielst zu viele Rollen auf einmal“, sagte ich. „Den Aufrichtigen.“ Den mit der Leidensmiene, weil die Frauen dich enttäuscht haben. Und den, der weiter seine kleinen, rasanten und unmoralischen Sexabenteuer haben will. Wenn ich überlege, was du alles gesehen und gehört hast! Ganz zu schweigen, mich noch ganz nackt! Was erwartest du von mir? Soll ich mich in Sack und Gelübde hüllen? Ich will dich! „Ich erwarte nichts.“ Du musst dich nicht in einem Sack verstecken. Bleibe so, wie du bist. „Ich mag‘ deine Art, wie du mich verzaubern kannst, deinen Sex und deine Leidenschaft zu mir.“ Ich drehte mich um, ging zum Fahrstuhl, drückte den Knopf und sah Marcel mit weinenden Augen an. „Komm ja nicht auf die Idee, mich heute Nacht anzurufen.“ sagte ich. „Tu ich nicht“, sagte er. Wir sahen uns an. „Marcel, wenn ich es recht überlege…“ Besser, wenn ich mich um dich kümmere. »Ich bleibe heute Nacht bei dir.« Lächelnd gingen wir zur Tür rein. „Und Grinse nicht so zufrieden“, sagte ich. „Ich habe mich verdammt verliebt in dich.“ „Mal so gesehen hat dieses Geständnis auch was Gutes für sich“, sagte Marcel. Er lag hinter mir, eng angeschmiegt. Beide Hände auf meine Brüste, das Gesicht in mein Haar gewühlt. „Besonders, wenn beide einen sturen Kopf haben.“ Marcel fängt an zu grinsen und ich lache laut los. Plötzlich sind wir still. „Gute Nacht, Marcel“, sagte ich. „Gute Nacht, Roxane.“ Er küsste mich auf den Nacken und drückte zärtlich meine Brüste. Wir kuscheln uns enger aneinander, liegen stumm da. Zu Hause drehte sich Bonnie auf den Bettlacken um die eigene Achse, direkt am Fußende. „Nebenbei gesagt.“, murmelte er, „Du duftest fantastisch." Wir lagen stumm da. „Gute Nacht, Marcel!" „Ich finde es super, dass du, Roxane, hier geblieben und nicht gegangen bist.“ „Hältst du jetzt bitte den Mund und schläfst?“ „Gute Nacht“, sagte er. Küsste mich auf den Nacken. Wir lagen stumm da. Ein dumpfer Schlag, die Zimmerdecke dröhnt. „Mein Gott!“, sagte ich. Was machen die da oben? „Ich wüsste nicht, was dich das angeht“, sagte Marcel. „Oh, scher dich zum Teufel!“ Marcel küsst mich auf den Nacken.
Kapitel 3
Unsere turbulente Fahrt zum kleinen See war eigentlich ganz okay. Nervige Kinder schreien ihre Emotionen heraus. Die gelangweilten Mütter sonnen sich auf der Decke, und ihre Männer halten sich an ihre leeren Bierbüchse fest. Richtig ruhig sind wir auf einmal, Marcel und ich. Wir gucken zum See hinaus. Eine fünfköpfige Familie steht circa zwei Meter weg vom Wasser und glotzt. Die sehen alle, wie die Ruderer in ihren zwei Booten ihre Angeln auswerfen. Sie machen ganz finstere Gesichter, als ob sie am Leiden wären, und beugen sich vor, wollen sehen, was da plötzlich in den See geplumpst ist. Marcel meint: Vielleicht sind die sauer, dass die Mutter nicht so aussieht wie du. „Pass auf Marcel“, sage ich, „sie setzt sich jetzt hin und überlegt, was sie als Nächstes machen.“ „Denn mit der gewaltigen Übergröße kommt die schlanke Mutter bestimmt nicht weiter.“ „Sie japst doch jetzt schon, bei diesem herrlichen sonnigen Wetter.“ Drei oder sechs besonders große, braun gebrannte Typen springen elegant und athletisch vom Bootssteg ins Wasser und schwimmen am Ufer. Die Mutter sitzt immer noch jämmerlich da und überlegt. Wir schauen uns das an und Marcel zischt: „Was hat die Dicke nur vor?" Ich sage: „Womöglich wird sie wütend, wenn wir sie weiter anstarren.“ „Wir sehen nicht mehr hin“, meint Marcel. „Vielleicht glaubt sie dann, wir glotzen nicht mehr und die gehen weg.“ Wir warten also, aber schon kommen sie zu uns. „Wenn sie uns fragen…, sagen wir nichts“, sagt Marcel. Ich sage: „Marcel, das ist unhöflich!“ „Sei ruhig, du blöder Kerl!" Siehst du denn nicht, dass diese Leute sympathisch sind? Dann kommt der Mann von der Familie zu uns her und fragt, wie spät es ist und wo das nächste Gasthaus ist. Sie wollen etwas Essen gehen. Die Mutter kommt mit den Kindern dazu. Der Kleine Junge hat einen Popel in der Nase stecken, einen langen, krummen Stock in der Hand und um den Hals eine Silberkette. Seine Haare sehen ein bisschen so aus, als wollten sie geschnitten werden. Wie es aussieht, ist der Vater total verdutzt, dass er uns plötzlich Auge in Auge gegenübersteht. Er ist sogar dermaßen perplex, dass er wie tot aussieht. Marcel und ich schauen auf dem See, wie die ganze Familie unter sich richtig laut wird. Dann zanken sich die Kinder. Wahrscheinlich wollen sie erst mal sehen, was nun kommt. Marcel sagt: „Geht das auch leise, wir sind hier nicht bei euch zu Hause.“ Aber einer von den Kindern schnappt sich irgendwo einen Stock, schreit los und wirft uns mit einer Wut entgegen. Von wegen artigen und ruhigen Kindern geben uns Mut, selber Kinder zu gebären. Die Mutter setzte sich dann auch schlagartig auf und hustet, pustet und schüttelt sich wie ein begossener Pudel. Mit dem Aufstehen hat es also echt gut geklappt. Bloß, was der Junge uns an den Kopf geworfen hat, ist, ein dicker Knüppel gewesen, dem wir gerade so ausweichen konnten. Wie der Blick von dem Jungen wieder auf mich fällt, wirft er die Hände in die Höhe, lässt sich vornüber mit dem Gesicht in den Sand fallen und buckelt wie ein tollwütiger Hund. Die Anderen gingen auf die Jungen zu. Die haben wohl einen ziemlichen Schreck bekommen, glotzen wie Autos und wissen nicht, was sie machen sollen. Der Junge auf dem Boden hört kurz mit seiner Verbeugerei auf und guckt hoch. Wie er den Vater sieht, ruft er ihn zu: „Ich will nach Hause!“ „Jetzt wirken Sie ganz friedlich“, meint Marcel. „Ich würde sagen, wir fahren nach Haus und ziehen uns an.“ In ein paar Minuten wollen sie… Wie sich herausstellte, ist das der größte Bockmist, den ich von Marcel je gehört habe. Marcel und ich steigen jedenfalls ins Auto und ein paar fröhliche Kinder machen „Oooh!“ und „Aaah!“. Ein Junge steht bloß da vor der Motorhaube und glotzt, wie wenn wir vom Himmel gefallen wären. Ich sage also: „Wir wollen fahren“, und gleich bekommt er leuchtende Augen und meint: „Was Sie nicht sagen!“ Mir kommt es immer noch komisch vor, dass so ein kleiner Stift sich vor das Auto stellt und uns zur Abfahrt hindert. Ich werfe’ Marcel einen charmanten Blick zu, aber ihm hat die Sprache verschlagen, also sagte er nur: „Ja, das wäre prima, wenn du vom Auto weggehst und uns fahren lässt.“ Dann findet Marcel die Sprache wieder. Und fragt dem Jungen in einem ziemlich schrillen Ton: „Du hast nicht zufällig Eltern, die wir mal anrufen könnten, oder?“ Der Junge macht ein finsteres Gesicht und schwenkt seinen Körper vom Auto weg. So konnten wir endlich fahren. Mitten im Kino haben die ein richtiges kleines Restaurant mit Kellnerin und dem ganzen Drumherum – genau wie auf der Straße. Und das Kino von der Stadt Berlin ist das Größte von allen. Der Stuhl vor dem Eingang sieht ein bisschen aus wie ein Thron, und eine alte, dicke Frau versucht mit einem kräftigen Keuchen, die Kinokarten abzureißen. Dann zeigt sie auf ein paar Stuhlreihen, wo Marcel und ich uns da hinsetzen sollen. Eine junge Frau ist die ganze Zeit hinter uns her gelatscht und hat ihren Blick von mir nicht losgelassen. Ich glaube, sie ist neidisch, habe ich mir gedacht. Neidisch darauf, wie Marcel und ich zusammen lachen und uns küssen. Plötzlich sagte sie etwas, was ich nicht akustisch verstanden hatte. Dann wurde es dunkel im Kino und man fängt an, die Werbung zu zeigen. Doch plötzlich wurde es wieder hell, ein Eisverkäufer kam durch die Reihen und wollte seine Snacks verkaufen. Ein lauter Gong ertönt und der Film beginnt. Man zeigte den Film „Speed“. Marcel erzählt mir, wo er das letzte Mal im Kino war. Da drehte sich eine Scheibe in der Mitte. Das habe ich nicht richtig verstanden, in was für einem Kino er gewesen ist oder wann er das letzte Mal im Kino war.
Der nächste Tag: Es ist später Nachmittag. Marcel fragt: „Wollen wir es uns gemütlich heute Abend machen?" „Ja, warum nicht?“, sagte ich. Der ganze Nachtmittag war von Anfang an etwas Besonderes mit Marcel. Wir liebten uns leidenschaftlich, irgendwie magisch – genau die richtige Mischung aus Gier und Gunsterweisung. Ja. Marcel war schamlos, was mich immer geiler machte. Wir ficken nicht nur zwei Mal oder drei Mal. Wir erfüllten uns einen Wunsch und diesen viele, viele Male. Wir ließen im leidenschaftlichen Liebesspiel keinen Körperteil unbeteiligt. Was nun ausgerechnet diese geile Nacht so besonders macht, waren die Dauer und Vollkommenheit unserer Genüsse. Ich war mal leidenschaftlich-heftig, er ruhig und zärtlich. Aber wir waren immer in hemmungsloser Aktion. Ich hatte viele Orgasmen und Marcel spritzte seinen ganzen heißen Sperma in mich. Aber auch auf mich. Geil. Als es draußen hell wurde, haben wir richtig gestaunt. Wir haben dann noch einige Stunden geschlafen, bis wir selbst aus dem Schlaf gerissen wurden. Ich und Marcel wissen nicht recht, was wir von dieser heißen, geilen Nacht halten sollen, aber ich war scheinbar im Bilde, weil Marcel ganz niedergeschlagen in der Ecke vom Bett sitzt. So circa um neun oder zehn haben wir uns immer noch nichts zum Essen gemacht und ich meine, vielleicht sollten wir etwas essen gehen. Ich will zur Tür gehen, aber Marcel springt vor mir. Ich habe mich erschrocken und schrie. Laut. Doch dann nimmt er mich in die Arme, streichelt meinen Rücken und wir küssten uns. Er sagte mir ganz leise ins Ohr, dass er mich liebt. Und das kitzelte in meinem Ohr so, dass ich grinsen musste. Ich schrie und lief ins Bad. „Schöne Aussichten sind das!“, sagte Marcel. Einen Augenblick lang ist alles ganz still, aber dann stellt Marcel das Radio an und die Ruhe war vorbei. Am nächsten Morgen sitze Marcel in der Küche. Ich komme rein und sag: „Guten Morgen.“ Hast Du gut geschlafen? Bonnie schlich sich dazu. „Nein, Herr Gott!“, beschwerte er sich. „Wie um alles in der Welt soll man bei dem Heidenspektakel da draußen schlafen?“ Ich machte ein müdes Gesicht und meine: „Ach, das tut mir aber leid.“ Nur müssen die Straßenarbeiter zum dreizehnten Mal die Straße aufreißen, mit dem Presslufthammer. Es soll eine neue Kabelleitung gelegt werden. „Wir warten schon seit 1945 darauf, dass die Stadt das Geld dafür bekommt.“ „Du willst mich verarschen, mein Liebes.“, sagt Marcel. „Aber nein, ganz im Gegenteil.“, sagte ich. „Weißt du, man kann dieses Tal der Lügner und Ahnungslosen nicht als zivilisiert bezeichnen.“ Jedenfalls nicht nach Ihren Maßstäben. Es hat nämlich eine ausgesprochene Vorliebe, ihre eigenen Leute abzuzocken. Speziell im Steuersystem. „Soll das etwa heißen, das sind Verbrecher, die Politiker im Bundestag?“ Ich zuckte die Schultern und erwiderte: „So könnte man das nennen.“ „Das ist ja widerwärtig“, sagt Marcel. „Diese Politiker haben für unsere Sicherheit und unsere soziale Gerechtigkeit in dieser Welt zu sorgen, Priorität haben doch das eigene Land und seine Bürger.“ „Nun“, meine ich, „Genau das sagen die Leute in unserer Straße auch.“ Ach, ja? sagt Marcel. „Was für ein Glück.“ „Also, du trinkst zunächst mal deinen Kaffee.“ „Ich habe das Gefühl, den könntest du jetzt gut gebrauchen“, sage ich. „Der Kaffee steht in der Kaffeemaschine, er ist gerade durchgelaufen.“ sagt Marcel. „Trotzdem, ich glaube, du würdest mit mir auch etwas frühstücken.“ Ich mache ein erleichtertes Gesicht, denn ich habe gedacht: Darauf kommt er nie. Nicke schlich sich langsam und starrte auf die Tür. „Und dann?“, fährt Marcel fort. „Würde ich sagen, wir gehen ins Hallenbad schwimmen oder in die Sauna?“ „Okay.“ „Da kannst du deinen süßen Knackarsch drauf verwetten, mein leidenschaftlicher Ficker.“ „Eine halbe Stunde.“ Marcel schloss die Tür auf. Als wir aus dem Hallenbad wiederkamen, schaltete das Licht in der Diele an. „Hoffentlich läuft was Hübsches im Fernsehen.“, sagte er und hielt die Tür auf. Manchmal bringen sie einen richtigen, spannenden Action-Film. Ach? „Vorhin hat sich es angehört, als wäre es jedes Mal, Seifenopern.“ Ich ging hinein. „Schöne Sonntagnachmittage sind nicht gerade die beste Zeit.“ Und es ist das Familienwochenende. Vergiss das nicht. Da sind alle zu Hause und möchten keine Actionfilme sehen. „Die Fernsehsender bringen eher Familiendramen und was da noch so gibt“, sagte ich. Ich stand unter der Tür zum dunklen Schlafzimmer. Zögernd tastete meine Hand nach oben, fand den Dimmer, drückte ihn, drehte den Regler voll auf. Die Leuchte warf das grelle Licht auf das nicht gemachte Bett. „Ich komme gleich.“, rufe ich. Marcel stand da und starrte auf den riesigen schwarzen Fernseher. Ich ging näher heran, die Hände in die Tasche der blauen Jeans gestemmt. Stehe hinter dem dunklen Sessel und schaute Marcel an. Eine große Design-Digitaluhr, die blau leuchtenden Ziffern nach oben gerichtet, 15:55. Auf dem Tisch steht das Telefon im Schreibblock an der Seite. Dazu ein Schälchen mit den roten Äpfeln. Appetitlich. Marcel drehte sich zu mir um. „Hast du etwa einen Wunsch, was du gerne sehen möchtest?“ Er stürzte die Hände auf die breite, dunkle Sofalehne. „Egal“, sagte ich. Als ich in die Küche gegangen bin, um den Champagner zu holen, hat er einen Sender gefunden. Ich sah ihn an. Atmete tief durch. Marcel rückt den Sessel so zurecht, dass der Blick auf den Fernsehschirm fiel. Er beugte sich über mich und küsste mir aufs Haar. Dann ging ich zur Tür und drehte den Dimmer in der Küche auf. „Ich habe noch Mineralwasser und alles Mögliche hier“, sagte ich. „Möchtest du was?“ Er schüttelte den Kopf, senkte den Blick und zappte mit der Fernbedienung durch die Fernsehkanäle. Doch Sie zeigten überall Werbung. Ich setzte mich in einen Sessel, die Beine übereinander geschlagen, die Arme gekreuzt. „Das dauert jetzt einen Moment“, sagt er, „Ich suche ein anständiges Programm.“ Im bleichen Licht sah ich seine Hand dem Schatten hinterherhüpfen. Die privaten Sender waren dran. „Falls es dich stört, Roxane, stelle ich irgendeinen Sender an.“ „Nein, schon gut.“ Ich beobachtete seine konzentrierte Miene. „Mal sehen, was Bonnie macht“, meinte ich. Und er drückt noch ein paar Knöpfe. Ich starrte auf meine Einrichtung, auf die Fenster, auf die Modezeitschrift, die im Schlafzimmer herumlag, auf meine Bücher, die Grünpflanzen, die Bilder an der Wand. „Ah, da ist er ja!“ Hi, Bonnie! Bonnie spazierte über das Schafsfell, am Bett entlang. Unter seinen Pfoten raschelt das Zeitungspapier. Er stolzierte jetzt zum Fenster, springte aufs Sims, rollte sich in der Abendsonne zusammen, reckte die Hinterpfoten nach vorn und putzte sie. Ich lächelte. Drehte mich zu Marcel und blickte auf das Fernsehbild. Man zeigt eine Reportage über einen Transsexuellen. Vor der operativen Umwandlung. Die anstrengende Hormonbehandlung hat er schon hinter sich. Aber als die Ärzte ihn dann tatsächlich unters Messer nehmen wollten, hat er es sich noch mal überlegt. Seit fast einem Jahr streiten er und sein Freund sich deswegen. „Oh Gott!“, sagte Marcel. Er drückte verschiedene Knöpfe. Ich wandte mich Marcel zu, beugte mich vor, nahm seine Hände in meine. „Marcel, ist es aufregend?“, fragte ich, „ganz egal, wie interessant, spannend und aufregend es ist.“ „Komm, wir gehen raus!“ Wir sahen uns tief in die Augen. Er seufzte, nickte. „Denk ich auch.“ Ich ließ seine Hand los. Er sah mich an. Ich stehe einen Augenblick ganz still da und sehe ihn nur an. Dann schüttelte ich den Kopf. „Nein.“ „Wie lange brauchst du noch?“ Er lacht und nahm mich bei der Hand und küsste mich auf den Mund. Und ich küsste ihn auch. Wir lachten beide über uns, das war sehr witzig. Er griff nach meinen Händen, küsste sie. Stand da, sah mich an. „Also, dass ich das Naschen an dir ganz lasse, kann ich nicht versprechen.“ Aber ich werde es einschränken. Und so bald wie möglich aufgeben. Darauf gebe ich dir mein Wort. „Du Mistkerl, du wirst noch mehr an Rumänischen, bis du platzen wirst. „Davon kann ich nicht genug bekommen, wenn du an mir naschen tust.“ Er lächelte mir zu. Hand in Hand gingen wir zum Fahrstuhl. Als Erstes rief ich meine Mutter an. Ich fragte, wie es ihr ging. Ihr ging es gut. „Hab‘ ich mir schon gedacht“, sagte ich. „Aha." „Wie hast du das erraten?“, fragte Mutter. Du bist meine Mutter. „So etwas habe ich im Gefühl.“ Eine halbe Stunde später musste ich zum Friseur. Uwe hieß er. Bei ihm fühlte ich mich wohl, denn er ist ein ungewöhnlicher Typ, mit dem ich mich intensiv unterhalten kann. Ich saß im hinteren Teil, einem kleinen Platz, ungestört. Antik eingerichtet, acht Plätze. Das Ambiente war überdurchschnittlich, die Lautstärke des Föhns auch. Wir hatten einen eckigen Tisch, nicht ganz in der Ecke. Ich trank Sekt. „Ich kann die Locken jetzt nicht ganz entfernen.“ sagte Uwe. „Du müsstest die Haare rauswachsen lassen.“ „Aber wir können etwas von den Spitzen schneiden.“ Heute habe ich hinter keinem Mann nachgeschaut, den ganzen Tag nicht. Nun sind die Männer allerdings auch nicht so toll. Über den Tag, meine ich. Abends schon. Das verstehen Sie sicher. „Was hast du so getan den Tag?“, fragte Marcel. „Bisschen durch die City gebummelt.“ „Aber, um es dir gleich zu sagen: Ich habe keine Mark ausgegeben.“ Ich wollte dich nicht aushorchen. „Ich war nur neugierig, wie du den Tag verbracht hast.“ sagt Marcel. „Ich sehe, du warst beim Friseur, siehst gut aus.“ „Und man weiß ja nie, wann ich das nächste Mal hinkomme“, sagte ich. Ich seufzte, nippte vom Kaffee. Am Abend sind wir im Restaurant. Der Kellner trug auf, Schellfisch und gedünsteten Lachs, sehr hübsch garniert, auf echtem bunten Designerporzellan. Delikat. Ich ließ ihm Kosten, er ließ ihm Kosten. Marcel erzählte mir Dies und Das. Das elegante Paar aus der Snob-Galerie kam herein. Ein Kellner begrüßte die beiden und führte sie zu einem freien Tisch. Der Dritte neben uns. „Die glotzen so blöd?“, murmelte er, „Die verrückten Hühner.“ „Meint der uns?“, fragte ich Marcel. „Uns?" Keine Spur. „Wir glotzen doch nicht wie die Hühner“, sagte Marcel. Auf dem Heimweg schauten wir in den koreanischen Delikatessenwarenladen, der so hübsch mit bunten Blumenkästen geschmückt war. Wir überquerten die Hauptstraße und warteten an der Ampel. Schauten hinauf zum Himmel, sternklar. „Ein merkwürdiges Gefühl, all die Leute hinter den Fenstern zu sehen.“, sagte ich und schmiegte mich, den Blick weiter nach oben gerichtet, enger in seinen Arm. Marcel sah mich an, lächelte. „Und ich dachte, dass einem das so einen richtigen Kick gibt, wenn man die Leute vielleicht nackig sieht.“ Ja, sicher. „Da auch.“ Wir lächelten uns zu. Kuschelten uns einer an den anderen, küssten uns leidenschaftlich. Überquerten die Einkaufspassage. Fahrstuhl „Eins“ kam. Wir fuhren schweigend nach oben. Wir sahen uns tief in die gierigen, leuchtenden Augen. „Marcel!“, sagte ich, „Du weißt, was passiert, wenn…“ Wir lächelten und sahen uns weiter an. Ich sagte: „Ich streite ja nicht ab, dass ich gerne…“ Ich gab Marcel einen langen, leidenschaftlichen Kuss. Ich seufzte. „Na gut.“ „Ich will dich!“ Wir rissen uns die Sachen vom Leib. Wir trieben es im Fahrstuhl. Wir sind so heiß aufeinander, dass der kalte Scheiß auf die salzige Haut nur an uns herunterlief. Sein heißer Atem hauchte mir in die Ohren. Seine Hand ging zwischen meinen heißen Schenkeln und wir hörten nicht auf, uns zu küssen. Es wurde immer gewaltiger, perverser und abtrünniger, unsere Leidenschaft. Später besuchten wir noch eine Disco „XXL“. Die Marcel nicht besonders gefiel, mir umso mehr. Die Großeltern wären damit zurechtgekommen. Ein junges Mädchen, das sich die Ohren zu hielt, offensichtlich, weil sie nicht hören wollte, was ihr Freund zu ihr in die Ohren schrie. Die beiden hörten sich das eine Weile an, während zwei Go-Go-Tänzerinnen nackt auf dem Podest tanzten. Ich stand mit verschränkten Armen an der Bar und schaute hinunter auf die große Tanzfläche. Ich seufzte, hob den Blick. Eine junge, unauffällige Frau an einem Tisch drüben auf der anderen Seite sah schnell weg. „Roxane?“, fragte Marcel, „Gibt es irgendwelche Probleme?“ Ich drehte mich um und lächelte. „Nur das Übliche…“ Als wieder mal der Tag gekommen war, an dem wir zu Hause nur hemmungslosen und schamlosen Sex hatten, um nur ein bisschen unsere geilen Säfte auszutauschen. „Schau!“ Meinte Marcel, „irgendwie haben wir uns verdoppelt.“ Wir sahen uns an und blieben stumm. „Jetzt ficken wir also jeden Tag.“ Und zwar da, wo es uns gerade überkommt, bergauf und bergab. „Also, wenn wir je so weitermachen, dann weiß ich mit Sicherheit: Knochenmarktspender will ich in meinem ganzen Leben nicht werden“, sagt Marcel. Ein paar Sachen sind schon passiert, seit dem ersten Tag im Bett. Marcel und ich haben erst einmal über alles geredet, dass wir keine Kinder wollen und dass ich die Pille nehme. Wir haben uns klargemacht, dass ein gutes Essen genauso viel wert ist wie der Sex in der Beziehung. Marcel ist heute im Jogginganzug zu mir gekommen und hat gemeint: „Roxane, sag mal, spielst du Tennis?“ „Nein, sag ich.“ „Nun, du bist doch eine sportliche und intelligente Frau, vielleicht willst du es lernen“, meint er. Ich nicke und lerne dann eben Tennis. Jeden Abend, wenn wir mit der Arbeit fertig sind oder so. Marcel holt mich ab und wir fahren ins Fitnessstudio und spielen bis spät. Er zeigt mir die ganzen Aufschläge. Die ersten Tage bringt er mir auch die Strategie bei. Damit hört er aber schnell auf, weil ich in zwei Sätzen schlage. Bald werden die Matchs länger – manchmal dauern sie sogar ein paar Stunden. Denn Marcel kann gegen mich einfach nicht verlieren. Er setzt sich hin und ruht sich etwas aus. Dann macht er endlich einen harten Schlag, aber ich schlage ihn dann doch jedes Mal. Manchmal wird er total wütend auf sich selber und haut sich mit dem Tennisschläger aufs Bein oder rammt den Kopf gegen den Tennisschläger oder irgendso was. „Für eine Anfängerin spielst du ziemlich gut Tennis“, sagt er immer wieder oder: „Hör mal, Roxane, warum hast du diesen Schlag gemacht?“ Ich habe dann aber nie was gesagt und bloß mit den Schultern gezuckt. Und dann hat Marcel gekocht vor Wut. Doch ich hatte jeden Tag mit meinem Muskelkater zu kämpfen. Einmal hat Marcel gemeint: „Weißt du, Roxane, es freut mich wirklich, dass du hier bist und ich jemanden zum Tennisspielen habe.“ »Nur möchte ich wenigstens ein einziges Mal gegen dich gewinnen.« Wie er das gesagt hat, habe ich noch einen Schlag darauf gelegt. Da braucht man nun wirklich keine Frau zu sein, dass einem ein Licht aufgeht. Sobald Marcel einmal gewonnen hat, ist ihm das genug. Dann verspeist er mich auf der Stelle zum Abendessen. Ich sagte mir: „Holzauge sei wachsam.“ Wenn Sie verstehen, was ich meine. Marcel und ich. Wir schauen uns an, dann laufen wir zu der Stelle in der Halle hin, wo wir am Anfang waren. Ich bin als Erster da, doch als ich mich auf die Bank stürzen will, hält Marcel mich zurück. So circa eine Stunde später taucht der Tennistrainer mit einem kräftigen Typen auf. Er strahlt über beide Backen und meint: „Marcel, ich möchte euch Ben vorstellen.“ „Hallo“, sagen wir. „Ich habe den Ben schön öfter mal im Fitnessraum gesehen.“ Ben strahlt und nickt. Ich nicke‘ zurück und der Fitnesstrainer kratzt sich am Sack.
Kapitel 4
Die Tage und Monate kommen und gehen.
Ja, sogar die Jahre.
Langsam komm' ich mir vor wie Mutter Theresa oder so.
Wenn ich mich am Abend mit Leuten unterhalten habe, erzählen sie mir ihren nervigen Kummer und die unsinnigen Sorgen, die diese Typen mit ihrem Partner haben.
Wir können inzwischen quasi miteinander reden.
Aber auch nur mit einer respektlosen Mischung aus Kichern, Gestikulieren und Grimassen schneiden.
Irgendwann kann ich mir dann einige Lebensgeschichten zusammensetzen und ein Buch darüber schreiben, über Schicksale von traurigen Leuten.
So erzählte mir einer: Als er noch ein kleiner Junge war, ist seine Mutter mal mit seinem Vater in den Park spazieren gegangen. Plötzlich tauchen irgendwelche Typen auf, schmeißen ein Fischernetz über sie und schleifen sie weg.
Er konnte sich seinem Vater und seiner Mutter anschließen, bis die ihn rausschmissen, weil er denen zu viel geschrien hatte.
Dann musste er zusehen, wo er bleibt.
Er ist einfach durch die Straßen geirrt und hat die Leute gefragt, bis eines Polizisten die Neugier gepackt hat, was wohl mit mir los sei.
So ging er mit dem Polizisten von einem Polizeirevier zum anderen Polizeirevier, bis er zu einem Sonderdezernat kam.
Er kriegte Durst und der Polizist holte ihm einen Becher Brause. Und dann kommt ein Typ vom Sonderdezernat herangeschlichen.
Er hatte noch nie so eine Pistole im Halfter gesehen. Er bleibt also sitzen und schaut die sich an.
Der Typ kommt auf ihn zu.
Er glaubt, er darf mit dem Typen mitfahren, aber von wegen. Der Typ schaute ihm ins Gesicht und schüttelte den Kopf.
Und bevor er das richtig geschnallt hat, was los ist, hat man ihm schon einen anderen Typen übergeben, wo noch mehr Kinder sind.
Zu dem Kinderheim gehörten auch noch andere Jugendliche. Sabine heißt sie und ist eine der bestaussehenden Mädchen, die er jemals gesehen hat.
Und nach einer Weile verliebte er sich auch in Sabine.
Der Typ vom Kinderheim schleppt ihn durch das ganze Haus, egal wo er hingeht. Er ist für die Bewohner die Hauptattraktion.
Dann kam es ihm so vor, dass er und Sabine in dasselbe Zimmer gesteckt werden, wo ihnen dann alle beim Bumsen zugucken können.
Ob es so ein Heim gewesen ist, hat er nie herausbekommen. Doch irgendwie war das peinlich für ihn, aber sonst haben sie ja nie eine Gelegenheit dazu bekommen.
Dann hat man ihn mal bei Adoptionseltern vorgeführt: So ein Pärchen kommt zu ihm her und will ihn adoptieren.
Und schon wird er weggebracht.
Sabine hat keine Ahnung, wohin man ihn bringt, und er ist wieder ganz alleine.
Das hat Sabines Einstellung radikal verändert.
Er ist jetzt immer total schlecht gelaunt, bei den Adoptiveltern brummt und faucht er bloß noch, und irgendwann fängt er damit an, ins Bett zu pinkeln und die Scheiße durch die Wohnung auf die Adoptiveltern zu schmeißen.
So geht das dann eine Weile, bis die Adoptiveltern die Schnauze voll hatten und ihn wieder ins Heim brachten.
Ich kann mir schon ein bisschen vorstellen, wie er sich gefühlt hat, weil er sich immer noch nach Sabine sehnt.
Kein Tag vergeht, an dem er sich nicht fragt, was wohl aus seinen Eltern geworden ist.
Aber bis heute hat man ihn über die Situation und den Verbleib seiner Eltern informiert.
Die Monate vergehen und ich habe gerade mein Auto aus der Werkstatt geholt. Marcel hat den Auflauf so gut wie fertig. Am Abend sollen einige Freunde kommen und da will er unbedingt kochen.
Die ganzen Gäste sitzen am Tisch herum und sind gespannt. Marcel und ich haben eine große Auflaufpfanne herangeschleppt und auf den Tisch gestellt.
Und die ist am Dampfen, aber Marcel meint, das wäre seine magische Kochkunst.
Wir sitzen da, erzählen über den neuesten Klatsch und Tratsch. Natürlich nippen wir auch vom Glas Wein.
Ich kann Ihnen sagen: „Ich könnte vom Essen platzen.“
Der gute Walter weiß scheinbar auch, was angesagt ist, denn er sitzt da und strahlt über beide Backen und kitzelt sich in der Achselhöhle.
Tja, bei Leuten aus Hannover ist das so. Sie verstehen erst spät den Witz.
Denn Sie schnüffeln zu oft den Kuhfurz.
Ein Glas oder zwei Gläser Sekt habe ich schon getrunken und die anderen bedienen sich beim hochprozentigen Alkohol wie Kognak, Whisky und Rum.
Und gerade sind wir am Ende der Party, wie ich auf einmal auf das Bett sehe.
Und da, schau her!
Marcel bietet mir Sex an.
Er grinst so was von breit, dass ich im Dunkeln nichts als seine Zähne sehe.
Und ich sage mir: Aus dieser Zwickmühle, mein Schatz, musst du wieder raus, sonst kotzt er dir das ganze Bett voll.
Das Dumme ist nur: Da ist absolut nichts zu machen.
Weil ich mich zu früh gefreut und nichts als Faxen im Kopf gehabt habe, sind wir schon im Bett, in einer unmöglichen Position und nirgends ein Ausweg.
Ich überlegte noch eine Weile: Meine gerunzelte Stirn runzelte sich immer mehr bei dieser Anstrengung.
Dann sag ich: „Äh, Marcel, Augenblick, ich muss mal eben pinkeln.“
Marcel grinste, nickte und rollte sich von mir runter.
Ich gehe also ins Bad und pinkel, aber nachher gehe ich nicht wieder ins Bett, sondern aufs Sofa, wie es aussieht.
Dann schlich' ich mich ins Schlafzimmer rüber und hole mir eine Schlafdecke aus dem Bettkasten.
Ich kam raus, frag mich leise, was passiert ist, legte mich auf das Sofa und kuschelte mich gut in.
Wir waren am nächsten Morgen beide nicht gut drauf und waren uns einig, dass wir versuchen, den anderen nicht laut anzusprechen.
„Also, hör mal, Marcel“, meine ich, „Hast du wirklich geglaubt, du kannst mich austricksen?“
Und er sagt: „Äh, wir wollten nur eine kleine, schnelle Nummer machen.“ Verstehst du?
Ich meinte: „Ja.“ Das versteh ich „sehr wohl.“
„Tja, Marcel“, sage ich, „Die Party hat in der Tat allen Spaß gemacht.“ Aber schau! Als Trost bleibt uns der Abwasch, wobei sich doch alle satt essen konnten. Und das muss ihnen den Neid lassen. Sie sind zweifellos die besten Esser, denen ich je begegnet bin.
„Nein, das weiß ich nicht, du Nervensäge.“, sagt Marcel. Was willst du überhaupt?
„Vielleicht können wir Sie das nächste Mal wieder einladen“, sagte ich. „Ein bisschen helles und ein bisschen dunkles Fleisch.“ Also, ich werde einen Schenkel nehmen oder vielleicht auch eine Brust. „Doch, doch, das gibt dem Ganzen eine hübsche Note.“
„Du willst kochen?“, fragte Marcel. „Der Festschmaus möge dann beginnen, wenn es so weit ist!“
Dann sind wir ins Badezimmer gegangen.
Erst habe ich mich geduscht, weil ich gemeint habe, ich wäre schneller.
Aber als ich schon unter der Dusche bin, kommt plötzlich Marcel wie aus dem Nichts.
Marcel nimmt das Duschbad und seift mich zärtlich ein, und ich konnte ihm nicht widerstehen.
Dann prasseln die heißen Wassertropfen nur so auf uns runter und ich bekomme plötzlich eine Panik.
„Roxane!“, ruft er.
Und ich huschte schnell aus der Dusche.
Marcel und ich: Wir haben keine Eile und wollen wieder zu Bett gehen, aber wir sind noch nicht lange als drei Minuten drinnen, wie wir plötzlich kopfüber uns leidenschaftlich begehren.
Wie die Kletten sind wir einander, und ich kriege mich nicht ein vor Lachen, als er Marcel auf den Mund küssen möchte.
Wir machten wilde Geräusche, aber nach einer Weile war es ruhig.
Plötzlich nimmt mich Marcel hoch und sagt: „Roxane, im Fliegen haben wir noch nicht gefickt.“
„I believe, i can fly“, dachte ich. „Für uns sieht das ganz schlecht aus.“
Am Abend gingen wir essen mit anschließendem Tanz im Restaurant Romeo. Ich habe überraschend für uns einen Tisch reservieren lassen.
Unterwegs im Taxi, die Friedrichstraße hinunter, in perlenbesticktem schwarzem Samt, mit tiefem Dekolleté und einem Webpelz-Jäckchen um die Schulter, sagte ich: „Ganz im Ernst, Marcel, mach dich auf anzügliche Blicke gefasst, möglicherweise auf schmutzige Bemerkungen.“
„Ich kenne das. Männer im gefährlichen Alter, können ganz schön bestiegen werden, speziell wenn die Frau, um die es geht, nicht gerade hässlich aussieht. Es ist ein animalischer Instinkt. „Hirsche tragen es mit dem Geweih aus.“ sagt Marcel.
„Ich sagte: „Marcel, du musst dir nicht darüber deinen schönen Kopf zerbrechen! Frauen sind nicht anders als die Männer. Schau Dir doch einmal die langweiligen Frauen im Fitnessstudio an! Sonst würden Sie doch nicht ins Schwitzen kommen. Du weißt schon ..."
„Hör schon auf damit!“, sagt Marcel. Alle werden sehr nett sein. „Ich wette mit dir um eine Massage.“
Ich drehte den Kopf zum Wagenfenster. „Du bist sowieso dran.“
Marcel lächelt.
Kriechender Verkehr, die Ampeln sind dauernd „Rot“. Und doch war es atemberaubend, als wir schließlich, vor dem Eingang aufgereiht, Zoll um Zoll vorrückten, hinter uns die unzähligen Lichter des Platzes.
In der Vorhalle fasste ich Marcel an der Hand.
„Jetzt geht es los“, sagte ich.
Und wir steuerten ein grauhaariges Paar an, das in der Schlange vor einer der Garderoben stand.
„Guten Abend“, sagte die ältere Dame.
„Hi.“, sagten wir und lächelten das Paar an.
Die Cocktails wurden in der Night Bar ausgeschenkt. Alle waren sehr nett.
Pinkfarbenes Licht flutete von der Kuppel in die Bar und verebbte in gedämpften Violetttönen – alles ein bisschen wie ein Farbtopf.
Die runden Tische waren in Purpur und Violett gehalten, die hohen Kerzen in Pink.
Ein DJ spielt heiße Rhythmen, vom Schlager bis zum Rock-Pop.
Die Konversation an der Bar beschäftigte sich mit Parkplatzproblemen, der architektonischen Infrastruktur, amerikanischen Investmentstrategien, Männern und Erbstrategien.
Nach dem Cornwall-Rebhuhn fragte Marcel: „Roxane?“
Ich lächelte meinem Tischpartner zu, während ich Marcel zur Tanzfläche folgte.
Ich sagte: „Hallöchen, nach links und rechts, dann noch einmal nach links und nach rechts und tanzten mit knisterndem Abstand „I love man“.
„Dein Tischpartner hat eine bemerkenswerte Auffassungsgabe“, sagte Marcel, „und ist in allem sehr beschlagen.“
„Nicht wahr?“, sagte ich und tanzte.
„Ich hoffe, dass dieser Typ in seinem Gefühlsleben beständiger ist als sein Vater.“ Sieben Mal verheiratet, sagte er. Immer mit Frauen, die ihm das Geld aus der Tasche zogen. Ich frag mich, ob ..."
Wir tanzten inmitten anderer Paare.
„Was?“, hakte ich nach.
„Eine seiner Frau ist bei einem Unfall ums Leben gekommen“, sagte Marcel. „Auf der Brücke auf einer Autobahn.“ „Ich frage mich, ob es ein Unfall war.“
„Ja“, sage ich, „sie ist am Straßenrand gestolpert und übers Brückengeländer gefallen. Sie ist dabei abgerutscht und konnte sich nicht halten.“
„Er soll sie hinuntergestürzt haben, wird erzählt.
„Wird erzählt?“, fragte ich.
Und lächelte einem Typen zu, der mir über blonde Locken und ein paar Tanzpaare weg, zuwinkte.
„Ach, hallo!“, rief Marcel irgendjemandem zu. „Na ja, Gewisse Gerüchte, machen immer die Runde.“
„Wäre es recht, wenn wir mal tauschen?“, fragte ein unsympathischer Typ neben uns, an seinem Arm eine Rothaarige.
„Nein, ich tanze mit meinem Feuer und bin zufrieden“, sagte ich und grinste.
Der Typ hatte keine Ahnung, dass Marcel mein Begleiter ist, denn er baggerte mich so an, dass Marcel gleich aus gerastet wäre.
Der Typ fing an, mit seinen Händen, an mir herumzugraschen.
Ich drehte mich um und knallte ihm eine mitten ins Gesicht.
Der Typ ist ziemlich baff gewesen, denn damit hätte er nicht gerechnet.
Marcel stellte sich auch gleich vor mich und beschützte mich.
Es fließt Blut aus seiner dicken Lippe.
Egal, er hätte es ja nicht darauf ankommen lassen.
Marcel legte mir den Arm um die Taille und lächelte mich an.
Ein Typ im edlen Designeranzug sagte: „Ach, was sind wir aber auch heute Abend wieder gelaunt!“
Ich schaute ihn an.
Plötzlich sagte ich zu diesem Typ im Designeranzug: „Keine Ahnung.“
Marcel führte mich eng, seine Wange an meiner geschmiegt, schwenkte mich herum.
„Wer ist jetzt einem eine Massage schuldig?“
Und so tanzten wir inmitten all der anderen, unter der Glaskuppel mit ihren verchromten Stahlstreben und mit der pinkfarbenen Lichtflut, die in gedämpften Violetttönen verebbte.
Wie die Leute sich auf der Tanzfläche zum Kochen und zum Schwitzen gebracht haben, haben wir eine Pause gemacht und uns an unseren Tisch gesetzt.
„Was werde ich vorhaben, was glaubst du?“, sagte ich.
„Keine Ahnung.“ „Ist mir auch Scheiß egal!“, erwidert Marcel.
Marcel klang etwas müde und genervt von den Lauten auf der Tanzfläche, denn sie stoßen und schubsen von einer Seite in die andere.
Er hat die Schnauze voll von dieser Kacke.
„Irgendwann ist einfach genug“, meint Marcel.
Nach einem Tag oder zwei gehe ich jedenfalls ins Hotel Jagdhof. Ich befinde mich in der atemberaubenden 3000er-Kulisse des Stubaier Gletschers.
Und wie Sie sich vielleicht denken können, hat es exklusiven Luxus, eine erstklassige Küche, ein harmonisches Ambiente und natürlich ein traumhaftes Angebot rund um Schönheit und Wohlbefinden.
Für mich ist das Hotel ein belebendes Märchenland wie aus 1001 Nacht.
Hier finde ich eine Vitalwelt mit Aqua-Meditation, mein Zimmer mit Wasserbett, Tepidarium, Laconium, Zisterne, Kräuterbad, Wilderer Sauna mit offenem Feuer, Whirlpool mit Unterwasser-Liquid-Sound, Eiskristallturm und vieles mehr.
Ein alter, zahnloser Mann mit weißem Bart kommt mit einem knochigen Holzstock auf dem Weg ins Hotel entgegen. Plötzlich fällt er auf dem Weg. Ich komme dem alten Mann zu Hilfe, klopfe ihm seine Klamotten sauber und der alte Mann aus dem Tal quasselt irgendwelchen Quatsch daher.
„Will wissen, ob ich Junge oder Mädchen bin?“, fragt er.
Ich meine: „Also, da müsste es ja eine nettere Methode geben, um das herauszufinden.“
Ich denke mir: Weiter gehe ich darauf nicht ein.
Der alte Mann schaut mich ganz scharf an, dann fragt er was.
„Was meinen Sie?“, will er wissen.
Ich blieb stumm, sagte nichts, ging nur meinen Weg weiter.
Es wurde mir echt zu blöd mit dem alten Mann.
Ich zog mein Walkman aus der Tasche und steckte mir die kleinen Lautsprecher-Ohrstöpsel in die Ohren.
Ich hörte meinen Lieblingssong „BEAUTIFUL GIRL“
Der alte Mann guckt ziemlich dumm aus der Wäsche und sagt nichts mehr.
Dann habe ich es endlich gefunden: den Eingang vom Hotel Jagdhof.
Wie ich an das Hotel komme, begrüßt mich eine Hotelfachfrau an der Rezeption.
Und so tauche ich ein… und genieße die wohltuenden Spezialbäder und attraktiven Verwöhnpakete in der Beautywelt.
Nun, jedenfalls werde ich es genießen und mich freuen auf die betreuten Fit- und Funprogramme.
Ja, Herrschaften, abends treffe ich mich im „Nachtkasten“, dem Insidertreff für mich und jung gebliebene Nachtschwärmer.
Bestimmt kann jeder von ihnen seine Geschichte an eine Zeitschrift verkaufen und ein Vermögen verdienen.
Halten Sie das für möglich?
Die Typen, die hier im Hotel wohnen, werfen mir verdutzte Blicke zu, aber sie raffen es nicht.
Denn ich habe eine Entscheidung getroffen.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Mann gefunden, der mich wirklich versteht, und ich werde Marcel nicht ziehen lassen.
Fast jeden Moment bin ich mit ihm glücklich gewesen und ich werde mit ihm alt werden.
Wir werden im Dschungel der Gesellschaft ein neues Leben aufbauen und eine Familie gründen und glücklich sein bis zum dramatischen Ende unserer sonnigen Tage.
„Aber diese Männer sind alle Schweine“, meint eine Frau mittleren Alters, mit der ich im Fitnessclub trainierte.
Eine Emanze!
Und was ist die Alte männerfeindlich?
„Du bist ja nur neidisch, mein Fräulein.“, sagte ich.
Bevor die Emanze neben mir verschwindet, dreht sie sich noch mal um und winkt mir kurz zu, dann ist sie endgültig weg.
Ich gehe in die Sauna und setze mich neben die Emanze und sie fragt mich: „An was denkst du?“
Ich sage gar nichts, aber in Ihren Augen stehen winzige Tränen. Ich lege meine Arme um ihre Schultern und drücke sie ganz fest.
Die Emanze schüttelt den Kopf und weint.
„Und was ist mit dir, du „Heulsuse?“ „Hat dich dein Kerl verlassen, bevor du dir ein Zimmer im Hotel reserviert hast?“, fragte ich.
Ich schaue sie eine Weile an und sie sagte: „Jaja.“
Und wurde immer lauter mit ihrem Gejaule.
Ehrlich gesagt ist mir das schon peinlich, für die anderen Hotelgäste.
Also, mit dem Gedanken habe ich schon im Fitnessraum gespielt, aber ich wollte nichts sagen.
Ich habe selber nervige Probleme. Da muss ich mich nicht noch mit anderen ihrer spektakulären Probleme auseinandersetzen.
Kapitel 5
Es war schon in der Firma durch die verwirrten Tagträume gegeistert, während der Arbeit.
Wie entsetzlich, dass sich das alles im Appartement ereignet hatte, ausgerechnet vor der Abreise in die Schweiz, nach Tirol, ins Hotel Jagdschloss.
Da musste er ja zu Hause sein und alles miterleben.
Zumal die Party gerade anfing.
Und jetzt, als sie, Petra, hieß die Emanze, wie Lucia den einen Koffer packte und dicke Margit, die gute, arme Margit, den anderen Koffer packte, musste sie wieder daran denken.
Er, Paul, wartete drüben auf den Lieferfahrer von „Gut und Schön“-International.
Aha, da kam er schon im Fahrstuhl nach oben, zusammen mit dem Beifahrer.
Falls es sehr warm ist, nahm sie einige Badeanzüge und Sommerkleider mit.
So entstand bei ihrem Paul, im Kopf das Gerücht: Ein neuer Mann.
Was einen neuerlichen Schluss zuließ.
Petra sagte zu Paul: „Du hast zu viele Seelenklempner besucht und Talk-Shows gesehen.“ „Im wirklichen Leben steckt da mehr hinter, sonst gar nichts.“
Sie hatten ja noch ein Haus in Spanien gehabt, das Pauls Reiseziel gewesen ist, bevor ich in die Schweiz gefahren bin.
Dahin sind Petra mit Paul hingefahren.
Doch Paul hat es noch nachträglich so dargestellt, als wäre nichts gewesen.
Weil sich das, wenn jemand so kurz entschlossen das Haus aus Panik verließ, besser anhörte.
Andererseits: In ihrem Haus in Spanien haben für sie bestimmt genug Badeanzüge und Sommerkleider bereit gelegen, damit die knackigen, braun gebrannten Männer sie beachten.
Die Tür wurde von Paul geöffnet.
Petra drehte den Sessel herum und riss die Vorhänge vom Fenster auf.
Paul lächelte und er drückte hinter sich die Tür zu.
„Was möchtest du zuerst?“, fragte er.
„Irgendwas, Darling“, sagte Petra und lächelte ihn an. Petra ging in die Küche und in die Diele.
Paul saß im Sessel und sah zu, wie sie sich abmühte, beide schweren Koffer ins Schlafzimmer zu tragen.
Und wie Petra die beiden Koffer in den Wandschrank stellte.
Paul ging in die Küche.
Er packte gerade aus und legte alles auf die Arbeitsplatte.
Petra drehte sich um und sagt: „Ich mach das schon, Schatz.“
Paul meint: „Ich brauche ein bisschen Bewegung und gehe nach dem Essen zum Strand, schwimmen.“
Petra nahm die Teller vom Geschirrbord und stellte sie neben die Arbeitsplatte.
„Mhm“, machte sie, „Duftet gut.“
„Warum sie die Dinger bloß nie beschriften?“ „Paul mühte sich mit der Alufolie auf einer der Warmhalteschalen ab.“
Petra nahm Gabeln und Löffeln aus der Schublade und legte ihm die Löffel hin.
Paul drehte sich um.
Petra fasste nach seinem Arm und sah ihn an.
Plötzlich zuckte sie zusammen, presste seinen Arm.
Das Lächeln verhaschte.
Paul atmete tief durch und drückte mit beiden Daumen an der Alufolie herum.
„Ich glaube, das sind die marinierten Heringe.“ sagte Petra.
Sie stand dicht neben ihm, hielt seinen Arm umklammert und sah auf seine Hände. „Wohin wolltest du?“, fragte er.
„Zu meinen Eltern“, sagte sie, „in Schaffhausen.“ „Bist du da mal gewesen?"
„Nein, zu unserer Hochzeit sind Sie ja auch nicht gekommen“, sagte Paul.
Petra meint: „Die Eltern haben uns ein paar Mal besucht, wir sind nie dort gewesen.“
Sie küsste ihn auf die Backe.
Ja, ja. Ich glaube, Sie verstehen mich jetzt falsch.
Nicht auf den Arsch, sondern auf die Backe im Gesicht hat sie ihn geküsst. Kapiert?
Also, sie küsste ihn auf die Wange, ließ seinen Arm los und zog Papierservietten aus dem Behälter, während er den marinierten Hering auf die beiden Teller verteilte.
„Was möchtest du trinken?“, fragte Petra.
Er blinzelte, schürzte die Lippen… „Bier!“, sagte er.
„Gut“, erwiderte sie.
Legte die Gabeln und die Servietten auf das Tablett.
Ging zum Kühlschrank, zog ihn auf.
„Kannst du nicht mal ein Mineralwasser trinken?“ „Immer diese Bierfahne an dir, zum Kotzen.“
„Was geht es dich an?“, fragte er.
Sie nahm eine Dose Bier und einen Orangensaft heraus und schob die Tür mit dem Ellbogen zu.
„Ach komm!“, sagte sie.
Sie holte Gläser und stellte sie auf den Esstisch.
Er ging hinüber.
Es war Samstagnacht.
Sie saßen da und guckten Fernsehen.
Bis kurz nach zwei. „Die Nacht hat‘s in sich, ein super Abendprogramm“, sagte Petra, rutschte auf seinen Schoss herum und schlang die Arme um ihn.
Er ließ den Sessel kreisen, während er sie von sich wegstoßte.
„Deine Samstagnächte haben es immer in sich“, sagte Paul.
Sie stand auf, erschrocken, stumm.
„Ich werde die Scheidung einreichen.“ sagte er.
„Das glaube ich dir nicht“, sagte sie, während sie sich die Tränen aus dem Gesicht wischt. „Paul, du bist ein Mistkerl.“
Sie nahm den Teller vom Esstisch und warf ihn an die Wand.
„Nein, tu es nicht!“, sagte er. „Im ersten Jahr unserer Ehe habe ich es ja mitgespielt, deine Launen.“ Die anderen Jahre waren für mich noch schlimmer gewesen, besonders, wenn deine Eltern da waren. „Es war immer so viel Spektakel gewesen, wo ich nicht wusste, auf welcher Seite ich stehen soll.“
Paul zündet sich eine Zigarette an.
Petra hört mit Interesse Paul zu.
Doch dachte sie, sie hätte alles richtig gemacht in ihrer Ehe.
Paul sagte: „Jetzt mache ich mir die Mühe und fahre mit dir in unser Haus in Spanien, wo wir eigentlich ungestört wohnen und auch diesmal sind.“ Doch wenn wir zu Hause sind, hängst du schon mit deiner Mutter am Telefon und unterhaltet euch über unsere Ehe. Ich frage mich: Mit wem bin ich verheiratet? Mit deiner Mutter oder mit dir?
„Mit dir, Paul.“, sagte sie und wischte mit einer zerknüllten Serviette ihre Tränen ab.
„Richtig.“, sagte er lächelnd.
Paul schaltet alles bis auf das Licht im Wohnzimmer aus.
Sie räumte noch die Küche auf.
Petra verstand das alles nicht. Paul wollte sich scheiden lassen. Schuld sind ihre Eltern.
Tja, nun denken Sie bestimmt: Ich bin in der Sauna eingeschrumpft oder ich bin verendet.
Nein, ich kann Sie beruhigen, es ist nicht so weit gekommen. Petra hatte mir diese Geschichte erzählt, die sie mit ihrem Paul kurz vor der Abreise ins Hotel Jagdhof hatte, und fragt mich nun, was sie machen kann, um die Ehe zu retten.
Denn sie liebt den Paul über alles.
Oder hat sie Angst, allein zu sein?
Tja, da bin ich sprachlos und kann ihr kein Rezept dafür geben, weil ihre Eltern in dieser Sache verzwickt sind.
Nach einigen erholsamen und entspannenden Tagen bin ich dann nach Berlin, in mein Appartement gefahren.
Und unterwegs habe ich noch einige interessante Leute kennengelernt, aber das haben Sie doch bestimmt schon mal gehört.
Wie ich zu Hause ankam, lagen viele Begrüßungsgeschenke vor meiner Tür, und man hat echt meinen können: Die freuen sich, dass ich gekommen bin.
Dann sitze ich auf dem Sofa und gehe meine Post durch.
„Alles nur Werbung und Rechnungen“, sagte ich zu mir.
Also, als ich dann ins Schlafzimmer ging und mich ausgezogen habe, bin ich ins Bad gegangen.
Ich schaute in den großen Spiegel und zupfte mit den Händen mein Haar zurecht.
Dann ging ich ins Wohnzimmer und holte mir aus dem Barschrank eine Flasche Sekt. Ich machte sie auf und goss mir einen Schluck ins Glas.
Mit dem Glas ging ich ins Bad und ließ mir heißes Wasser in die Badewanne.
Ich trank einen Schluck von Sekt.
Nahm den Badezusatz und brachte ihn in der Wanne zum Schäumen.
Ich holte mir die Flasche Sekt aus dem Wohnzimmer und stellte sie mir auf den Wannensims. Dann stieg ich in die Wanne und ließ es mir gut gehen.
Ich atmete, rief ein und wieder aus.
Tauchte mit dem Kopf unter Wasser.
Natürlich bin ich auch irgendwann wieder aufgetaucht.
Ich schloss die Augen und streichelte mit der Hand langsam meinen zarten und zerbrechlichen Körper.
Ich unterbrach diese Hingabe von Streicheleinheiten, nahm einen Schluck aus dem Glas und goss das Glas wieder voll.
Das ist die erste vernünftige Idee, von der ich den ganzen Tag geträumt habe.
Ich musste noch an die Geschichte von Petra denken, ein trauriges Schicksal.
Na ja, das ist ja inzwischen Geschichte. Der Scheißkerl ist nämlich gestorben, während er auf seiner neuen Freundin lag, an Herzinfarkt.
Ich ging ins Wohnzimmer und schaltete mir den Fernseher an, obwohl ich ihn zurzeit nicht oft anschalte.
Zu viele schlechte Nachrichten.
Ab und zu sehe ich mir „Der Prinz von Bel-Air“, mit Will. Doch das kommt später.
Und was kommt jetzt?
Die Stunde der Wahrheit, aber das schaut man sich besser nicht an. Lauter Scheiße.
Ich frag mich, was soll das?
Dann bin ich einfach eine Weile in der Stadt durch die City gegangen.
Vor einem Geschäft haben ein Haufen Leute, ganz unbekleidet, also nackte Leute, gestanden.
Sie standen mit irgendwelchen Transparenten in der Hand.
Also, das hat mich echt überrascht: Leute, ganz nackig auf der Straße. Das hat bestimmt einige langweilige Spaßbremsen, Leute gefallen. Oder denken Sie nicht?
Die beiden Bücher, die ich mir vor einigen Tagen gekauft habe, hatte ich nur durchgeblättert, zu mehr Lust war ich nicht gekommen.
Bonnie schlich sich um meine Beine und schnurrte.
Marcel, der von seiner Geschäftsreise aus Brasilien kam, saß auf dem Sofa, den Mantel neben sich über die Sofalehne gehängt, und las die Tageszeitung.
Er schielt über die Halbbrille zu mir rüber, lächelte und stand auf.
Er gab mir einen Kuss auf die Wange, nahm die Brille ab und legte mein Buch aus der Hand.
Dann grinst er mich an. Hatte rote Wangen, was seine Gesichtskonturen und die Backenknochen noch mehr betonten.
„Ich habe einen dicken Fisch in Brasilien, auf meiner Geschäftsreise, an Land gezogen.“ sagte Marcel. „Ich bekomme sofort einen Vorschuss und noch mal einen, wenn ich die erste Hälfte abliefere.“
„Ich wusste, dass du es schaffst“, sagte ich.
Ich nahm ihn in die Agentur und ließ vom Praktikanten zwei Kaffee bringen.
Wir saßen am Fenster.
Marcel ließ den Blick über die Glaswände der Bürogebäude auf der anderen Straßenseite gleiten.
„Roxane, das ist ein Paradies für Voyeure.“ sagt er.
Ich lächelte und rührte meinen Kaffee.
Marcel lächelte, trank von seinem.
„Besser als mit Russo hätte ich es nicht treffen können.“ „Er ist im Filmgeschäft aufgewachsen.“, sagte Marcel.
„Ja und denk daran: Wenn einem das, was man zum Leben braucht, jeden Monat automatisch ins Haus geflattert kommt, verführt das dazu, furchtbar faul zu werden und sich selber zu verhätscheln“, sagte ich.
Marcel sagt: „Es ist anders bei mir.“ Ich habe nur die Schreiberei, bei der ich übrigens merke, dass sie mir immer leichter von der Hand geht. „Ich berate meine Kunden in Film, Funk und Fernsehen.“
Ich lächelte ihn an.
Marcel schaut mich ernst an und sagt: „Ich fange sogar schon an, von Talkshows zu träumen. Und davon, dass ich vielleicht die Moderation mache.
Ich lächelte. Das ist ja toll. „Ich hoffe, die Träume erfüllen sich.“
Wir tranken ein Schlückchen Kaffee.
„Wir peilen die nächste Filmproduktion an.“ Erzählt Marcel.
Ich fragte: „Würdest du mir wohl einen riesigen Gefallen tun?“
„Raus damit!“, sagte Marcel und sah mich erwartungsvoll an.
„Eine Antwort auf eine sehr moralische Frage?“
Er lächelte. „Warum nicht?“ Was ist Moral?
„Ich will dich jetzt und hier.“, sagte ich, „Willst du mit mir schlafen?“
Marcel zuckte zurück, aus dunklen Höhlen blinzelten seine Augen mich an. „Wie, in Gottes Namen, kommst du denn auf die Idee?“, fragte er.
Marcel seufzte, starrte auf die Tasse.
„Wir sind zusammen, getrennt und wieder zusammen, eine lange Zeit ging das so.“, sagte ich, „Und ich mag das Kribbeln im Bauch, wenn wir miteinander ficken, egal wo und wann.“
Ich richtete mich auf und ging zu Marcel, setzte mich mit meinen Brüsten zugewandt, ihm auf den Schoss.
Küsse seine Lippen. Meine Zunge steckte ich ihm tief in den Mund. Unsere Zungen kreisten leidenschaftlich um sich.
Nun bin ich keine von denen, die gern ein Risiko eingehen.
Dennoch wollte ich Marcel jetzt ficken und spüren. Ich hatte das Bedürfnis auf seine Leidenschaft und das Kribbeln im Bauch.
Ich knöpfte sein Hemd auf ganz langsam und küsste seine nicht behaarte Brust.
Mit der Hand zog ich Marcel die Hosen runter, wo er ein wenig nachhelfen musste.
Ich war schon vor Gier und den Gelüsten ganz feucht zwischen den Beinen.
Ich nahm seinen harten, steifen Penis und steckte ihn in mein saftiges Verlangen.
Ich fing laut an zu stöhnen – so genoss ich das, wenn Marcel versuchte, sich zu bewegen.
Doch ich hatte ihn in meiner Gewalt, wo ich den Takt angeben konnte.
Schneller und langsamer rieb ich seinen Penis in mein Verlangen, die Stöße wurden heftiger.
Ich küsste ihn mit heftiger Leidenschaft und gier, wenn ich ihm dabei tief in die Augen sah.
Ohne ihn aus den Augen zu lassen, nahm er mich im Stehen und besorgte es mir auf dem Schreibtisch.
Dann kam er laaangsam, leidenschaftlich, gewaltig laut und auch wieder leise – der kleine Tod.
Marcels Hände hielten die Kaffeetasse und er nahm ein Schlückchen Kaffee.
Ließ Sie langsam tiefer sinken. Setzte sie ab.
Ich saß da und sah ins Leere.
Die anderen aus der Agentur waren gerade zu Mittag im Café.
„Teufel auch ...", sagte Marcel.
Kratzte sich am Ohr und dabei sah er mich an.
„Weißt du, das war der Fick des Jahrhunderts?“ „Ich habe gedacht, du willst mir dein Knochenmark transplantieren.“ sagte ich.
Er lächelte und schüttelte den Kopf.
Da dachte ich, es wäre Zeit für eine Reise mit Marcel.
Marcel warf mir einen raschen Blick zu.
Ich sah ihn stumm an.
Er blickte zurück, lächelte.
Ich fragte ihn, wohin denn seine Reise hingehen würde, wenn er jetzt losfahren könnte.
Ich lächelte. „Kein Kurzurlaub.“ sagte ich.
Und er erzählte mir, während der letzte Schluck Kaffee von ihm getrunken wurde, dass er gerne New Zealand entdecken würde.
„Hör mal!“, sagte er beim Aufstehen. „Freitag nächste Woche schmeiße ich eine Party.“ „Die meisten bekannten Leute haben schon zugesagt.
„Gut.“, sagte ich, als wir zur Tür gingen.
„Ab Acht.“ Roxane, bringe deine Freundinnen mit, wenn du willst.
Ich lächelte ihn an.
Vor ein paar Tagen habe ich ein Liebespärchen unten an der Ecke schmusen sehen.
Tja, so ein großes Fenster im oberen Stock macht eben einen wie mich verflixt neugierig.
Wen nicht?
Das frage ich.
Hoppla.
Habe ich mich jetzt verplappert?
Ich habe das halbnackte Pärchen nur einmal gesehen.
Und da gibt es nichts zu lachen. Das kann ich Ihnen sagen.
Ich sah mir einen DVD-Film an.
Wandte den Kopf und blickte auf das kastanienrot getönte Haar der Frau. „Diva – Eine eiskalte Frau, die ihre Liebhaber tötet“, hieß dieser Streifen aus der Videothek.
Als diese eiskalte Frau den Mantel weghängte, läutete bei mir das Telefon.
Ich las Bonnie auf, setzte ihn auf die Schulter, küsste und streichelte ihn. Schaltete in der Küche das Licht an und erwischte den Telefonhörer, bevor es zum dritten Mal läutete und der Anrufbeantworter sich eingeschaltet hätte.
„Hallo!“, sagte ich.
„Hallo, Roxane!“ Was machst du so? “
„Du hättest mir erzählen müssen, dass du fest geleiert bist!“, sagte Susan. „Das mit Marcel Ravel.“
„Ich weiß nicht so recht, was du meinst“, sagte ich.
Denn, wenn ich ehrlich bin, wusste Susan von meinem Verhältnis mit Marcel.
Warum ruft sie mich eigentlich an?
Ich schmuste mit Bonnie.
„Susan, was soll das?“
Ich nahm den Hörer vom Rechten ans linke Ohr.
Bonnie stürzte sich von mir weg.
Plötzlich ging ich in die Hocke.
„Du glaubst doch nicht etwa, es wäre irgendeine große Affäre gewesen, was ich dir anvertraute?“ „War es ganz und gar nicht, Susan.“
„Und warum hast du mir dann nie von ihm erzählt?“, wollte Susan wissen.
„Weil es nichts zu erzählen gab. „Hast du mir etwa von jeder Tussi erzählt, mit der du dich durch die Betten gefickt hast?“
Ich sah Bonnie zu, wie er auf den Hinterpfoten stand und am Korkbelag kratzte.
Susan sagte: „Du hättest mir davon erzählen müssen.“ „Ich verstehe nicht, wieso du es mit keinem Wort erwähnt hast.“
„Es ist ja nicht so, als ob ich dich belogen hätte, Susan. Du bist damals von mir gegangen und hast mich nie danach gefragt, ob da noch etwas anderes wäre. „Schau, Susan, es ist nicht gerade mein Lieblingsthema.“
„Vielleicht hätte ich dir aufmerksamer zuhören sollen, hätte dann das eine oder andere Begriffen und irgendwann verstanden.“
Roxane seufzte.
„Für sowas kannst du dich nicht verantwortlich machen.“
„Ich weiß, sagte Susan, „aber so habe ich eben nun mal empfunden.“ „Ich nehme an, deshalb habe ich versucht, die ganze Sache zu verdrängen.“
„Lass das, Susan!“, sagte ich.
Ich bückte mich und langte nach dem Wassernapf, als Bonnie sich gerade darüber beugen wollte, und hielt ihn über die Spüle.
„Ich liebe dich immer noch und ich will dich nicht aus meinem Leben streichen.“, sagte Susan.
Ich ließ das Wasser laufen.
Es ist besser, doch wir können Freunde bleiben. Susan, über unsere schöne Zeit ist Gras gewachsen, sagte ich.
Und spülte den Napf aus.
„Für mich hört sich es genau nach dem an, wovor du mich gewarnt hast.“ „Eine alte, intime Freundin, die eifersüchtig ist und biestig wird“, sagte Susan.
„Bei Marcel ist heute eine Party.“ „Willst du auch kommen?“, sagte ich, während ich frisches Wasser in den Napf laufen ließ.
Susan fragte: „Hast du ihm erzählt, wer ich bin?"
„Nein, natürlich nicht“, sagte ich und bückte mich mit dem Wassernapf. Aber er wird es vielleicht mit uns auch so erfahren. „Sollte er dich kennenlernen.“
„Warum willst du es ihm nicht lieber von dir aus erzählen?“ „Fragte Susan.“
Bonnie schlabberte das frische Wasser, ich streichelte sie.
Ich sagte: „Es ist jetzt noch nicht die Zeit, doch wenn ich so weit bin, dann sage ich es Marcel.“
Ich stellte das Wasser ab.
„Oh, Susan.“, sagte ich. „Lass mich mal machen!“
„Du bist immer noch böse auf mich, gib es zu“, sagte Susan.
Ich streifte mir die Schuhe ab.
„Nein, nein.“ „Wirklich Susan.“
„Ich liebe dich“, sagte Susan.
Wir schmatzten Küsschen, legten auf.
Ach so, ich glaube, das habe ich vergessen. Der Fitnesstrainer heißt Christian, Ihnen zu sagen.
Marcel fragt mich: „Roxane, gehen wir noch in die Sauna?“
Ich nicke.
Er nimmt unsere Tennissachen und zieht mit mir in die Sauna.
Kapitel 6
Die in der Agentur haben zwar gesagt, ich bekomme kein Geld, aber einer von diesen Knalltypen hat mir dann doch ein paar Euro für meine Arbeit gegeben, bevor ich aus der Agentur gegangen bin.
Bei der nächsten Gelegenheit rufe ich also meine Mutter an und will ihr sagen, dass es mir gut gehe.
Doch ich habe Sie nicht erreichen können.
Ich muss Sie noch diese Tage erreichen, sag ich mir.
Aber besonders eilig habe ich es damit ehrlich gesagt, nicht. Denn ich höre Sie schon heulen und jammern und ein Mordstheater machen, weil ich von Zuhause weggegangen bin.
Ja, das ist so sicher, wie es gleich zum Regnen anfängt.
Und wie der Regen anfängt!
Gießt es in Strömen.
Ich stell mich unter eine Markise, bis so ein betrunkener Typ aus der rauchigen Kneipe herauskommt und mich vollquatscht.
Ich bin klatschnass und friere.
Plötzlich, als ich an einem großen Kaufhaus vorbeikam, sehe ich einen großen Plastikmüllsack mitten auf dem Gehweg zum Haupteingang, kurz vor der Tür, liegen.
Dieser Sack bewegte sich ein bisschen, wie wenn da was drin wäre.
Ich geh hin, nahm meinen ganzen Mut zusammen und stupse mit der Fußspitze diesen Plastikmüllsack an.
Plötzlich springt der Sack einen guten Meter zurück und eine Stimme sagt: „Scher dich zum Teufel und lass mich in Ruhe!“
„Wer ist denn da drin?“, frage ich.
Die Stimme antwortet: „Das ist mein Gitter.“ „Such dir ein eigenes!“
„Von was reden Sie denn?“, frag ich.
„Das ist mein Gitter“, sagt die Stimme. „Runter von meinem Gitter!“
„Was für ein Gitter?“, will ich wissen.
Plötzlich wird der Sack ein bisschen angehoben.
Und, ein unrasierter, streng riechender Typ steckt den Kopf raus und blinzelt zu mir rauf, als ob ich einer von seiner Sorte wäre.
„Du bist wohl neu in Berlin, oder was?“, fragt er.
„Eigentlich schon und auch wieder nicht.“, antwortete ich. „Ich versuch bloß, aus dem Regen zu kommen.“
Der Typ unter dem Müllsack sieht ziemlich mitgenommen aus.
Er hat eine Glatze und total blutunterlaufene Augen und fast keine Zähne mehr, und seit Monaten hat er sich nicht mehr rasiert.
Er suchte Unterschlupf in der Kirche, doch die wurde ihm verwehrt.
Ganz klar: Er zahlt ja auch keine Kirchensteuer und die Sonne scheint auch nicht.
„Na ja.“ sagt er, „Wenn das so ist, dann geht das erst mal in Ordnung." Da!"
Er streckt mir einen richtig schön sauberen, zusammengefassten, großen Müllsack hin.
„Und was mach ich jetzt damit?“, frag ich.
„Falte ihn auseinander und hocke dich drunter, mein Dirn.“ Hast du nicht gesagt, du willst aus dem Regen kommen?
Und dann zieht er seinen Müllsack wieder auf den Boden runter.
Ich habe dann gemacht, was der Typ gesagt hat.
So übel war es ehrlich gesagt gar nicht.
Aus dem Gitter ist warme Luft zugeströmt, unter dem Müllsack ist es richtig schön warm geworden und den Regen hat er auch angehalten.
Wir haben also Seite an Seite auf diesem Gitter gehockt, mit den Säcken über uns drüber.
Nach einer Weile fragt der Typ mich: „Wie heißt du denn überhaupt?“
„Roxane“, sagte ich.
„Ach ja? Ich habe mal eine Frau gekannt, die Roxane hieß. Das ist schon lange her und da hatte ich noch einen Job in der oberen Etage bei einem großen Autokonzern. „Dieser Konzern lebt heute noch in Glanz und Glimmer, doch ich lebe auf der Straße.“
„Und wie heißt du?“, frag ich.
„Ach, wer weiß das schon? „Meine Freunde nennen mich „Black Man“, meint er.
Seine Frau ist mit einem Fernsehproduzenten abgehauen, der wohl in New York lebt.
Sie hat die Scheidung eingereicht wegen „Vernachlässigung in der Ehe“.
Er fängt an zu trinken, verliert seinen Job und macht erst mal eine Weile überhaupt nichts.
Dann räumen ihm Einbrecher sein Haus aus, ihm bleibt gar nichts, und die Versicherung hat den Schaden auch nicht bezahlt.
Nach ein paar Jahren, sagt er, hat er einfach aufgegeben und nun lebt er eben wie ein Penner.
Jeden Monat gibt es ein bisschen Geld vom Sozialamt, was nicht hinten und nicht vorne reicht.
„Also, ich weiß nicht, Roxane.“, sagt er. „Wahrscheinlich warte ich nur noch auf den Tod oder so.“ „Doch der kommt auch nicht vorbei.“
Ich drücke ihm ein paar Geldscheine in die Hand und meine: Gleich um die Ecke ist ein Imbissstand und Sie können sich etwas Warmes zu essen besorgen.
„Roxane!“ Sieh mal genau hin! Wozu tauge ich denn noch? Ich bin ein gottverdammtes Monster. Ein Penner. Ein Säufer. „Ein achtunddreißigster Stadtstreicher.“
„Könnte alles noch schlimmer sein?“, sag ich.
„Ach ja? „Nämlich wie?“, fragt er.
Und weil ich nichts darauf zu sagen weiß, sagte ich nichts mehr und verstummte.
„Aber wie kommt es dann, dass du hier mit mir unter einem Plastiksack auf diesem Gitter hockst?“, fragte er mich.
„Weiß ich nicht“, sag ich, „aber ich habe nicht vor, lange zu bleiben.“
„Hast du Bestimmtes im Sinn?“
„Sobald es aufhört zu regnen“, sage ich, „Setze ich meinen dicken Hintern in Bewegung und mache mich auf den Weg und setze mich in die U-Bahn.“
„Wo ist sie?“, fragt er.
„Weiß ich auch nicht, aber ich werde das schon herauskriegen.“
„Das klingt, wie wenn du ein bisschen Hilfe brauchen könntest“, meint er.
Seine Augen glänzen hinter seinem Bart.
Also, irgendwas sagt mir: Wenn einer von uns beiden Hilfe braucht, dann er, aber das geht schon in Ordnung.
Er ist über Nacht ins Obdachlosenasyl gegangen, weil es überhaupt nicht aufgehört hat zu regnen.
Ich bin dann gelaufen, habe einen anderen Passanten gefragt, wo eine U-Bahn in der Nähe ist, und habe mich sofort dorthin begeben.
Am nächsten Morgen leiht mir Marcel ein paar Mark.
Dann habe ich Susan angerufen.
Sie ist total überrascht, wie sie meine Stimme hört.
„Roxane!“ „Ich kann es gar nicht glauben!“, ruft sie.
Ich fragte sie, ob sie nun mit zur Party kommt.
Doch sie konnte sich noch nicht entschließen.
Ich sag ihr, sie soll auf sich aufpassen. Falls sie nach Berlin kommt, soll sie unbedingt vorbeischauen.
„Spielst du noch Gitarre?“, will sie wissen.
„Ja, ab und zu“, sag ich.
Ich bin zu Marcel gegangen und habe ihm alles erzählt.
„Also, ich war zwar noch nie in New Zealand, aber da soll es übers Jahr ganz schön sein, habe ich mir sagen lassen.“
Ich saß da, starrte ins Buch, las Worte und konnte den Gedanken nicht loswerden, dass Susan mich womöglich schon wieder belog.
Dass sie sich darauf verstand, ohne Stottern und durchaus überzeugend, hatte sie ja bewiesen.
Was, wenn wir dem Wesen nach doch zusammengepasst hätten?
Wenigstens recht und schlecht?
Und ich doch nur eine Affäre mit Marcel gehabt hätte?
War Susan von mir genauso fasziniert gewesen?
Ja, fasziniert, das war das richtige Wort.
Fasziniert davon, das wahre Leben zu leben wie der Liebe Gott.
Einen Splitter davon.
Ich schlug die Seite um.
Ich konzentrierte mich auf den Text.
Der bis jetzt nicht gerade berauschend war.
Schon wieder einer, der hysterische, emanzipierte Frauen vergewaltigte und umbrachte.
Konnte kaum den Drang unterdrücken, nach einer Zigarette zu greifen.
Kratzte mich aber stattdessen nur im Genick, während ich nach dem Glas Wein griff.
Das Telefon läutete.
Nahm beim zweiten Läuten ab.
„Hallo?“, fragte ich in den Hörer.
„Bedeutet das etwa, dass ich nicht den absurden Anrufbeantworter dran habe?“ „Gott im Himmel, wenn du mich hörst, ich kann es kaum glauben.“
„Hi, Agnes.“, sagte ich. „Tut mir leid, ich habe bis über beide Ohren in Arbeit gesteckt.“
„Kann ich mir vorstellen.“
„Rate mal, wer nächstes Jahr im April eine Ausstellung in New York hat?"
„O Gott, Agnes, das ist ja super!“ Herzlichen Glückwunsch! „Erzähl Mal!“
Agnes erzählte es mir.
Und auch vom Unfall, den sie vor einigen Monaten hatte.
Und von den Plänen für Weihnachten.
Und dann von dem Liebesfilm, den sie gesehen hatte.
„Sag mal, dir geht es gut!“
„Ja, prima.“, sagte ich. „Bis auf den Umstand, dass mir vor Arbeit der Kopf in der Schleuder steht.“
„Du, liebe Zeit, warum hast du denn nichts gesagt?“ „Tschüßchen, Tschüßchen!“ „Und Grüß Marcel von mir.“
Wir legten auf.
Saß da und las.
Kratzte mich im Genick.
Ging in die Badewanne.
Sah auf einmal hinter der beschlagenen Glastür eine Bewegung.
Die Tür wurde aufgeschoben.
Und Marcel kam mit einer Flasche Schampus und zwei Gläsern herein.
Nackt.
Lächelnd.
„Überraschung!“, sagte er, stieg in die Wanne, zuckte etwas, weil das Wasser so heiß war, und schob mich mit den Füßen nach oben an den Wannenrand.
„Owwweee …"
Ich schnappte nach Luft.
„Ich komme ganz gut in der Wanne aus“, sagte ich.
„Entschuldigung!“
Er zieht mich an sich heran, küsste mich auf die Wange.
»Guck mal, habe ich gedacht, du musst bloß dich noch ausziehen und kannst gleich mit reinschlüpfen.« »Ich konnte einfach nicht widerstehen.«
Ich sagte: „Ich wusste, dass du kommen würdest.“
„Ich wusste, dass du es wusstest“, sagte er.
Lächelte und goss uns den Schampus in die Gläser.
Ich sah weg.
Er küsste mich, gab mir das Glas und jeder von uns nahm einen Schluck von den teuren Tropfen.
So saßen wir in der heißen Wanne und leidenschaftlich küssten wir uns. Meine Zunge spielte mit seiner und seine mit meiner.
Am nächsten frühen Vormittag versuchte ich, mit dem Auto durch die City von Berlin zu fahren – hatte aber kein Glück. Zuerst einmal fährt vor mir so ein Typ mit einem großen LKW in einem Stau in der Hauptstraße, aber dann will einfach keiner mehr weiterfahren.
Wahrscheinlich sieht das eben total merkwürdig aus, wie ich hinter dem LKW stehe.
Wieso habe ich die U-Bahn nicht genommen, habe ich mich immer wieder gefragt.
Ich habe ehrlich gesagt ein schlechtes Gefühl, dass ich hier noch zum Ziel komme.
Doch irgendwie sage ich mir, ich will ja mit dem Auto in die City.
Ich bin also mit dem Auto hinter dem LKW gefahren. Sogar einen Parkplatz habe ich dann im Parkhaus bekommen.
Auf der ganzen Fahrt habe ich geflucht und sagte immer wieder, wie beschissen dieser Straßenverkehr doch ist, und diese Sonntagsfahrer in der Stadt haben wohl ihren Führerschein beim Schneckenrennen gemacht.
Vielleicht hatte ich ja Recht.
Woher soll ich das wissen?
Schließlich bin ich bloß eine gutaussehende Frau.
Und wie ich am Parkhaus noch herumstehe und überlege, was ich jetzt mache, kommt ein kleiner Türkenjunge an, gelatscht und fragt: „Willst du Rose kaufen?“
Ich frage eine ältere Dame, wie ich zum Einkaufszentrum komme.
Und sie erklärte mir, dass das Einkaufszentrum einhundert Meter die Straße entlang ist.
Ich mache mich gleich auf den Weg.
Nach einer Weile hören die Gehwege auf und es erscheint ein Tunnel, der in die verschiedensten Straßen verläuft.
Eine junge Frau kommt mit einem Kinderwagen nicht mehr weiter. Da fasse ich eben mit der Frau an den Kinderwagen und weiter geht es im Takt.
So ungefähr um Mittag herum, sehe ich eine große Weltzeituhr, auf der die Uhrzeit aus verschiedenen Ländern drauf steht, und auf dem Alexanderplatz sind auch noch verschiedene Einkaufhäuser.
Einige Männer wollen lieber draußen warten, weil ihre Frauen immer so lange brauchten, um etwas zu kaufen.
Ich gehe rein und frage die Frau bei der Information, wo das Kundenrestaurant ist.
Sie sagt, dass es sich ganz oben befindet.
Also, ich fahre mit der Rolltreppe ganz nach oben zum Kundenrestaurant und holte mir eine grüne Götterspeise mit Vanillesoße und einen schwarzen Kaffee.
Eine ganze Menge Leute steht dort an der Ausgabe.
Dann sehe ich einen gut aussehenden Mann an der Kasse stehen.
Ich suchte mir einen schönen Platz, wo ich ihn mir besser betrachten kann.
Ich gehe rüber und schlich mich quasi an.
Er setzte sich an einem Tisch, an dem noch drei Stühle frei waren, und ich setzte mich dazu, ohne ein Wort zu sagen.
Doch dann nahm ich meinen Mut zusammen und sagte: „Das sieht aber recht nach einem guten Mittag aus.“
Er schaute nicht einmal an.
Er starrt einfach geradeaus und meint: „Das ist meine erste sensationelle Anmache heute.“ „Drängeln Sie immer so den Männern beim Mittagstisch ein Gespräch auf?“
„Nein, ich bin ja nicht jeden Tag hier.“, erwiderte ich.
Ich kann Ihnen sagen, das ist das peinlichste Erlebnis in meinem ganzen Leben gewesen.
Der Typ steht auf und stellt sich vor: Ich mache genau dasselbe.
Er sagte: „Jacky Kohlmann.“
Ich sagte: „Roxane Care“.
Jacky sagt: In so circa einer Stunde hat er Feierabend.
Jacky und ich wollen dann in so eine kleine Bar gehen und etwas trinken.
Dann will Jacky mich noch überraschen und ich liebe Überraschungen.
Wir gehen in die Bar. Jacky trinkt ein Glas Whisky, denn Wein trinkt er nicht.
Ein Haufen anderer Typen hat sich auch noch angetroffen: alles Bürohengste aus der Verwaltung, wie es nach ihrer konservativen Kleidung aussah.
Die haben sich erst einmal zwei Flaschen Sekt bestellt. Erzählten über dies und das.
„Roxane.“, flüsterte Jacky nach einer Weile. „Was meinst du, kann das Riesenbaby da drüben, es mit dem hübschen Mädchen aufnehmen, so wie der sie anbaggert?"
Ich sage „Weiß ich nicht.“
Dann meint Jacky: „Wir wetten um einhundert Mark, dass er es nicht schafft.“
Ich gehe also rüber und frage das Mädchen: „Hat der Dicke hier eine Chance bei dir?"
Sie schaut hoch, grinst und meint: „Nein, das ist mein Bruder.“
Ich setze mich also hin und wir reden noch über dies und das und dass ich jetzt einhundert Mark verloren habe.
Ich war nicht gerade begeistert, aber ich habe Jacky die einhundert Euro (damals noch Mark, die DM, die Deutsche Mark) gezahlt, bin vom Tisch aufgestanden und auf das Klo gegangen.
„Jacky!“, sagte ich, „Du hast Glück gehabt, dass ich so die Wette durchgelassen habe.“ „Eigentlich steht es ja unentschieden.“
Ich frage ihn, ob wir noch etwas trinken wollen, und diesmal sollte er zwei Gläser Champagner bestellen.
Jetzt weiß ich, dass Jacky Kohlmann ein Spielertyp ist.
Kapitel 7
Wir sind nach dem Glas Champagner zu meinem Auto gegangen, denn Jacky war mit der U-Bahn ins Büro gefahren.
Er wohnt in einem kleinen Apartment, wo die nicht armen Leute zu Hause sind.
Jacky hat alles richtig nett eingerichtet mit Designermöbeln wie Sofa, Sessel, Couchtisch und Schreibtisch.
Natürlich bin ich auch neugierig und habe mir sein großes Schlafzimmer angeschaut.
Ein Märchentraum von einem Bett.
Sein Kühlschrank ist leer, und er machte den Vorschlag, dass wir einkaufen gehen und uns ein Hähnchen holen.
Jacky kocht für uns und erzählte mir alles, was er so macht und gemacht hat, seit er in Berlin lebt.
Vor allem interessiere ich mich für seinen beruflichen Werdegang. Ich meine, für mich wäre das Leben die letzten zwei, drei Jahre auch nicht gerade ein Honigschlecken gewesen.
Jedenfalls arbeitet er mit circa fünfzehn Leuten in der Firma zusammen und die sind nicht gerade auf seiner Wellenlänge.
Die Frauen tragen keine Unterwäsche und nichts unter dem Rock, und die Klospülung ist auch andauernd verstopft.
„Weißt du, Roxane?“, sagt er. „Ich habe sogar versucht, mich in eine Frau zu verlieben, aber da war nichts zu machen, weil ich immer daran denke, dass sie keine Unterwäsche trägt.“
Na ja, Jacky war jedenfalls pleite, bevor er nach Berlin kam. Seitdem hat er einfach auch nur an sich selbst gedacht und nur an das Arbeiten gedacht.
Ich nehme ihn in die Arme und halt ihn ganz fest. Jacky meint, er muss mal pinkeln und geht ins Bad.
Wie er im Bad und beim Pinkel ist, frage ich, ob er beim Pinkeln Hilfe benötigt.
„Nein.“, sagte er ganz erschrocken.
Er schüttelte den Kopf und er schüttelte seinem schlaffen Penis die letzten Tropfen ab.
Was soll ich Ihnen sagen?
Es ist nun ein geiler Anblick, wenn ein Mann sich von einer Frau beim Pinkeln den Penis halten lässt und das empfindliche Stück in das Klo hält.
Wir deckten uns den Tisch. Jacky kochte uns Hühnerfrikassee.
Beim Essen unterhielten wir uns.
Irgendwann gehe ich nach Hause, denn Jacky ist wie eine Schlaftablette gewesen.
Obwohl er gut aussieht und zum Anfang einen sehr intelligenten Eindruck gemacht hatte.
Doch der Sex mit ihm, muss sehr prüde und langweilig sein. Herausbekommen wollte ich es jetzt nicht mehr und ich musste die ganze Zeit an Marcel denken.
Gleich in der ersten Woche passiert etwas anderes, was mein Leben total verändert.
Irgendwann kommt nämlich ein Typ mit schwarzem Anzug, weißem Hemd und einem Haufen Goldklunkern um den Hals zu uns nach Hause.
„Ich bin Kevin Sabatini“, sagt er, „und ich habe viel von dir gehört.“
„Was denn?“, fragte ich, und Kevin meint: „Du sollst das kreative Potenzial besitzen, was ich suche für meine Filmproduktion.“
„Und was heißt das?“, fragte ich.
„Ich glaube, ich habe einen Auftrag für sie, wobei sie verdammt viel mehr Geld verdienen können als mit diesen Kinkerlitzchen von Aufträgen, die ihnen die Werbeagenturen gaben.“ Meint Kevin Sabatinie.
„Nämlich, was für einen?“, fragte ich.
„Ein spannendes Drehbuch schreiben für einen amerikanischen Erotikthriller“, sagt Kevin.
Ich lächelte und hörte Kevin Sabatinie interessiert zu.
Er meinte dann: „Also, ich bin sicher, in kürzester Zeit wird man von ihnen sprechen, weil die Leute ihre Arbeit im Fernsehen sehen.“
„Ich weiß nicht recht.“, sag ich. „Eigentlich habe ich mir gedacht, ich mache meine eigenen Sachen, solange ich noch die Ideen und das kreative Potenzial habe.“
„Mensch, mit dieser Sache können Sie fünfzig Mal mehr Kohle machen.“ Sie brauchen das ja nicht ihr ganzes Leben lang zu tun. Nach ein paar Jahren haben sie ein schönes Polster auf ihrem Konto. „Es ist beruhigend, glauben Sie Frau Care, ein gefülltes Bankkonto oder einen anständigen Notgroschen zu haben.“
„Vielleicht sollte ich erst mit Marcel darüber reden und eine Nacht darüber schlafen.“, sage ich.
„Roxane, hören Sie mal“, meint Kevin, „ich komme hierher und biete Ihnen eine einmalige Chance. „Wenn sie nicht interessiert sind, brauchen sie es nur zu sagen: Dann sag ich Tschüss und bin weg.“
„Nee, nee.“, meine ich.
Dann schaut er mich an.
Marcel kommt aus dem Bad und sagte: „Schau mal, Roxane, das ist nicht ganz falsch, was Herr Sabatinie sagt.“ Ich meine: Wie willst du denn sonst Erfolg in deiner Branche machen, wenn du nur die kleinen Aufträge an Land ziehst?
„Wissen Sie was?“, meint Kevin. „Sie können sogar Ihren Marcel mitnehmen, wenn Sie Berlin verlassen müssen.“ Und Sie können jederzeit aussteigen. „Na, was sagen Sie?“
Ich lass mir das eine Minute durch den Kopf gehen.
Zündete mir eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug.
Ich goss uns frischen, heißen Kaffee aus der Kaffeemaschine nach und nahm einen Schluck vom Kaffee.
Klingt echt nicht schlecht, aber in der Regel ist bei solchen Sachen irgendwo ein Hacken.
Ich mach trotzdem meine große Klappe auf und sag das verhängnisvolle Wort: „Ja.“
Dann werde ich eben Copy-Chef. Cheftexter in einer Filmproduktion.
Der Laden von Kevin Sabatinie ist ein großes Studio im Zentrum von Hamburg und fast jeden Tag nehme ich Marcel mit ins Studio.
Kurz gesagt: Ich konnte eigentlich nichts mit Marcel im Studio anfangen, aber nachdem ich abends das Studio verlassen hatte, bin ich nur für ihn da gewesen.
Ich bekomme alles Mögliche bei den Aufnahmen zu sehen, wie die Darsteller, den Regisseur, den Aufnahmeleiter und viele andere.
„Großer Gott!“ „Soll das ein Witz sein?“, ruft Kevin und schüttelt den Kopf.
Kevin schaut mich an, lächelt mich an und meint: „Ja, das musst du noch einmal überarbeiten.“
So circa eine halbe Stunde später kommt Kevin Sabatinie ins Arbeitszimmer gelaufen.
„Ich hab's!“, ruft Kevin.
„Was?“, fragte ich.
„Die lesbische Szene!“ Roxane, da muss mehr Leidenschaft rein und Sie müssen sich aktiv bewegen! Die Mädchen sind doch nicht im Kloster und haben ein Gelübde abgegeben. „Und Sie sollen sich Zeit bei dieser Lesbenszene lassen!“
Ich lasse mir das durch den Kopf gehen.
„Ich weiß nicht recht“, sagte ich dann, „irgendwie gefällt mir das nicht.“ „Klingt so, als wolltest du einen langweiligen Pornostreifen aus dem Liebesfilm machen.“
„Das ist doch bloß für die Szene“, meint Kevin. „Der Dreh wird doch noch für das Kino geschnitten, und so ungefähr muss die Spannung schon sein.“ Das machen alle großen Filmproduktionen. „Und was wäre besser als das Kribbeln im Bauch, wenn man einen Film im Kino sieht?“
Dabei ist es dann eben geblieben. Nachdem ich das Drehbuch neu überarbeitet habe, ist endlich auch Kevin mit einer bestimmten Lesbenszene zufrieden.
Wie ich am Abend nach Hause komme, gehe ich ins Bad, ziehe meinen grauen kurzen Rock, die weiße Bluse, den weißen Büstenhalter und meinen weißen Nylon-String-Tanga aus und ging nackt ins Wohnzimmer.
Marcel sitzt am Schreibtisch vor dem Computer und Bonnie liegt auf dem Sofa und macht sein Schläfchen.
Doch Marcel sieht auf, wie ich nackt zu ihm heran stolzierte.
„Roxane, was zum Teufel…?“, sagt Marcel.
„Das ist ein Kostüm.“ sagte ich.
„In diesem Kostüm siehst du aus, wie ein Engel“, meint Marcel.
„Du musst das anders sehen.“ Sage ich. „Das ist, genauso, wie ich in deinem Traum der sexuellen, perversen, zügellosen Leidenschaft mitspiele oder so.“
„Trotzdem siehst du aus wie ein unschuldiger Engel.“ Ich glaube es einfach nicht. „Du schaust seelenruhig zu, wie du mich zum Schmelzen bringen kannst.“
„Ich will, dass du mich zum Teufel machst und mich richtig durchfickst!“, sage ich.
Statt mit einem Tuch bindet Marcel mir mit seiner Krawatte die Hände auf den Rücken.
Dann greift er um meine Hüften und küsst mich am Hals.
Über den Kopf stülpt er mir einen Büstenhalter, der auf dem Sofa lag, der die Augen mit den Büsten verdeckte.
Plötzlich ging er mit seiner Zunge in meinen Bauchnabel und strich mit der nassen Zunge meinen Bauch hoch zu meinen Brüsten. Er liebkoste meine Brustwarzen, so dass sie hart wurden und ich ganz wild wurde – ein teuflischer Augenblick. Mit der Zunge nahm er sich den Weg in meinen Mund und unsere Zungen gingen rechts herum und einmal links herum.
Marcel drückte mich auf den Boden, genauer gesagt auf den weichen Plüschteppich. Er zog sich nackt aus.
Dann spürte ich seinen Atem auf meinen heißen Körper.
Mit meinen Beinen umschlich ich seinen Kopf und drückte ihn in meinen Schoss. Er biss mich ganz kurz in die glattrasierten Schamlippen, so dass ich einen lauten, geilen Schrei gab, und ich ließ ihn aus meinen Zwängen wieder heraus.
Eine ganze Weile kochte ich vor leidenschaftlichem, gierigem Verlangen auf dem Teppich, denn von Marcel war nichts zu hören und zu spüren.
Er war in der Küche und sah nach, was wir noch im Kühlschrank hatten.
In der Kühltruhe fand er Himbeereis.
Mit dem Löffel verteilte er das kalte Eis auf meinen heißen Bauch.
Es war sehr erregend für mich, denn Marcel schleckte es ganz langsam von meinem glühenden Bauchnabel und meinen harten Brustwarzen, und wir küssten uns sehr leidenschaftlich.
Er legte sich auf mich und ich spürte, wie langsam er in mich eindrang.
Eine Wonne von Gefühlen spürte ich in meinem ganzen Körper.
Ich spürte seinen Atem, seine Gewalt, seine Zärtlichkeit und seine Begierde.
Bonnie kam uns dazwischen und wollte mitspielen.
Ich versuchte Bonnie klar zu machen, dass er nicht dabei sein kann.
Diese Sache gefällt mir gar nicht.
Doch ganz im Ernst: Hätten Sie jetzt aufgehört?
Ich nicht und Marcel wollte es auch nicht. Bonnie wurde es zu wild, sie miaute und sprang davon.
Wie die Anderen es machen, interessiert mich nicht.
Ich ging ins Bad und stellte mich unter die heiße Dusche. Marcel kam mir nach und machte die Tür zum Badezimmer zu, so dass uns Bonnie nicht noch einmal stören könnte.
Also, unter der heißen Dusche war alles ganz anders. Irgendwie heißer.
Ob Marcel mich zum Teufel gemacht hat?
Weiß der Teufel, wie das geht.
Wir sahen bei den Freunden rein, wie Nicke, Ralf, Susanne, Cindy und Sammy, der diese Woche sein neues Appartement im Linden-Allee-Viertel bezogen hat und zufällig gerade Gäste hatte.
Ich sah Sammy an.
Er warf mir einen kurzen Blick zu.
Ich lächelte. Sagte: „Kannst du dir denken, was ich jetzt gerne trinken möchte?“
„Was?“, fragte er.
„Ein Glas Schampus“, sagte ich.
Sammy grinste. „Ich dachte schon, du würdest mich nie danach fragen.“
Er ging zum Tisch hinüber, zwinkte mit den Augen mir zu und sagte: „Augenblickchen.“
Ich bin neugierig auf Sammys neue Wohnung, bemerkte Marcel.
Doch das störte mich nicht.
Ich schaltete das Licht an.
Sammys Schlafzimmer aus dem Möbelmarkt, unaufgeräumt wie immer.
Es war so, wie Sammy es uns immer erzählt hatte.
Ich überflog, was in den anderen Zimmern zu sehen war.
Sammy war wieder da. „Jetzt kommen die besseren Sachen“, sagte er.
Ich machte ihm ein Zeichen mit der Hand.
„Willst du bitte ein einziges Mal stillhalten?“, fragte ich, während er einen Schwaps Sahne in meine Tasse gab.
Sammy setzte sich im Sessel und sagte zu Susanne: „Du könntest es glatt auf vier- oder fünftausend bringen und sogar noch mehr.“ „Und steuerfrei.“
Sammy raucht dann in Ruhe seine Zigarette.
Ich schaute ihm zu, wie er den Rauch seiner Zigarette einatmete.
Nun sahen wir uns alle gegenseitig an.
„Gott im Himmel, bin ich dick.“, stöhnt Cindy.
„Bist du nicht“, widersprach Marcel, „du siehst blendend aus.“
„Oh Gott, Baby, das tut gut.“, keuchte ich, quer auf dem Sofa ausgestreckt.
Mit der Hand streichelte Marcel meine rechte Brust, mit den Lippen verwöhnte er meine Lippen.
Er zog mich am Arm. Ich stand auf und setzte mich auf seinen Schoss.
Und so haben wir da gesessen und grinsten die anderen an.
Ich beschloss am nächsten Tag, Montag, zu Hause zu bleiben.
Das war nicht eingeplant, aber ich war zu müde, um früh aufzustehen.
Ich lümmelte mit den Ellbogen auf der Tischplatte, sah zu, wie das Knack- und Back-Brötchen in dem Backofen aufblühte und wie Bonnie sich auf die Hinterpfoten stemmte und schnupperte.
„Ich muss heute Nachmittag mal kurz weg.“, sagte Marcel.
„Kommt mir gerade recht“, sagte ich, schenkte mir Kaffee ein.
„Für mich wird es Gott Zeit geben, dass ich mit meiner Arbeit vorankomme.“ Wo willst du denn hin?
„Oh. In die Stadt.“ „Mein Schatz“, sagte Marcel lächelnd. „Nur ein bisschen spazieren gehen.“ „Hat aber nichts zu tun mit jemandem, den du kennst.“
Marcel half mir beim Abräumen.
Wir küssten uns unter der Tür.
„Ruf mich an, wenn du später kommen solltest“, sagte ich.
Marcel lächelt mich an.
„Ich liebe dich“, sagte er.
„Ich liebe dich, Marcel, noch viel mehr.“, erwiderte ich und sah ihm in die Augen.
Wir küssten uns.
Ich rief in Hamburg an und habe für heute alle Termine abgesagt. Dabei sind mir ein paar passende Ausreden eingefallen und ich habe gleich neue Termine vereinbart.
Plötzlich hatte ich Kevin Sabatinie an der Strippe, was ich unbedingt vermeiden wollte.
„Geht es Ihnen gut?“, fragte er.
„Danke, ja“, sagte ich. „Ich liege nur noch weiter zurück, als ich bisher schon befürchtet hatte.“
Ganz zu schweigen davon, dass ich allmählich durchdrehte.
Ich saß am Schreibtisch und starrte aus dem Fenster.
Bonnie schlief auf dem Bett.
Das Telefon klingelt. Es sind dreißig Minuten nach eins.
„Na, wie geht es denn so?“, fragte Ralf.
„Ganz prima“, sagte ich, „Ich bin ein tüchtiges Stück weitergekommen.“
„Schlechte Neuigkeiten.“ »Cindy ist gefeuert.«
„O Verdammt“, sagte ich, „diese Knalltüten von Managern.“
„Praktisch die ganze Abteilung in der Bank.“
„Wie hat sie es verkraftet?“
„Sie trägt es gelassen.“ „Die Abteilung wurde schon informiert. Wenn sich die beiden großen Banken zusammenschließen, dann gibt es Entlassungen.“
Ich sagte: „Mir ist gerade so durch den Kopf gegangen, ob ich nicht ins Café gehe und einen Cappuccino trinke, während ich an meinem Drehbuch arbeite.“
„Hast du Lust? „Ich kann ja später nachkommen.“ sagte Ralf.
„Ja, bitte“, sagte ich, „Ich glaube, ich tu's.“ „Wo das Café „International“ ist, weißt du ja.
„Ja“, sagte ich.
„Dann bis später.“, sagte Ralf.
Ich legte auf.
Saß da und starrte auf den aufgeschlagenen Terminkalender.
Zwei Minuten las ich noch im Terminkalender und schrieb mir die neuen Termine ein.
Stand auf, ging ins Bad, dusche mich.
Für den heutigen Tag ziehe ich mir die blaue Jeans und ein weißes T-Shirt an.
Sagte Bonnie, ich wäre bald zurück.
Nahm den Fahrstuhl hinunter zum Ausgang.
So schlecht sah ich, alles in allem, gar nicht aus.
Ich sah im Spiegel vom Fahrstuhl den Innenraum, richtete mir die Haare und zupfte mir den schwarzen Fusel von der Schulter.
Ein paar Sonnenstrahlen tasteten sich durch die schmalen Gänge, fielen auf den Bürgersteig und blendeten die Leute auf der Straße.
Ich ging zur nächsten Straßenkreuzung, wo die Ampeln „Grün“ geworden sind.
Zwängte mich durch die Haufen Leute, drückte die Typen von mir und stand plötzlich auf der anderen Straßenseite.
Ich ließ den Blick durch die Hauptstraße schweifen.
Überall laufen hektische Leute herum.
„Ralf?“, rief ich laut.
Ich ging zum Café „International“, wo Ralf schon gewartet hatte.
Sah mich im Café um.
Warf einen Blick auf das Klo.
Die braune Ledercouch.
Wo sich schon Ralf für uns einen Platz ausgesucht hat.
Zurück ins Café. Ich zieh mir die schwarze Lederjacke aus und setzte mich am runden Tisch, zu Ralf auf die Ledercouch.
Das dunkle Holz vom Tisch fühlte sich glatt an, nirgendwo ein auffälliger Spalt.
Ich drückte, presste.
Ich wollte irgendetwas zerstören. Es ist eben in diesem Moment so gewesen.
Ich fühlte mich einfach zum Kopfzerren.
Oder nicht?
Doch ich kann Ihnen sagen: Da rutschte nichts seitwärts weg, da kippte nichts hoch.
Ich probierte es mit Ralf.
Ein Stück von meiner Hand legte ich auf seine Schenkel.
Ich hakte die Fingerspitzen nach.
Ralf schrie nicht auf, oder es störte ihn nicht.
Ich gab nicht nach.
Ich kniff ihn an seinem anderen Schenkel.
Keine Regung von Ralf.
Doch dann wollte ich es wissen und kniff ihn in seinem Penis.
Er schreit erbärmlich laut.
Die anderen Leute dachten, ich hätte ihn gefoltert.
Versuchte, mich an diese Blicke zu erinnern. Probierte, diesen Blick nachzustellen.
Ich fand es lustig.
Ein italienischer Kellner bringt uns dann endlich unsere zwei Tassen Cappuccino, den Ralf schon seit einer halben Stunde bestellt hatte.
Ich zündete mir eine Zigarette an und gab Ralf auch eine, obwohl er mir gesagt hatte, dass er nicht mehr Rauchen würde. Doch ich bin der Meinung, dass er wieder anfängt.
Und warum jetzt nicht?
Ich rauche nicht gern allein.
Ich spürte, wie er nach dieser Zigarette schmachtete.
Ralf war mir auch nicht mehr böse, wegen meinem Fehlgriff an seinem empfindlichen Körperteil.
Ich glaube, er kann ihn wieder gebrauchen.
Vielleicht bin ich doch ein wenig sadistisch gewesen.
Ich hätte mit mehr als dreißig Minuten rechnen sollen, an einem Montag nach einem heißen Wochenende.
Die italienischen Kellner krochen im gewaltigen Krebstempo durch das Café.
„Schon fünfzehn vor vier“, zeigte die Uhr.
Aber immerhin brachten sie schmeichelnde Musik im Radio.
Ralf lächelte, die Füße hoch, die Hände auf dem sportlichen Bauch gefaltet.
Wer hätte gedacht, dass Ralf je eine interessante Frau fände, die das alles mit ihm teilte.
Der er sein Auto, einen weißen Luxuswagen mit 240 PS starker Dreiliter-V6, sogar für eine Weile zu treuen Händen anvertrauen konnte.
Eine, die durch und durch Frau war, mit ihren Kleidern, ihrer Taille, ihren vollen Brüsten.
Und leidenschaftlich mitging.
Wie recht hatte er doch daran getan, das Risiko einzugehen und ihr alles aus seinem Leben zu zeigen.
Er seufzte Tief.
Gab es irgendjemanden, der glücklicher sein konnte?
Da werde ich ja noch neidisch, wenn ich mir Ralf so ansehe.
Am Abend wieder zu Hause.
Marcel war nicht zu Hause gewesen.
So habe ich mir die Tageszeitung genommen und schaute mir die Schlagzeilen an. „Die Frau von dem Tennisprofi Boris Becker lässt sich scheiden“ und „Der Papst hat jetzt endlich eine Frau kennengelernt und will unbedingt heiraten“, ein Bild vom Bundeskanzler, wie ein Steckbrief aus Amerika.
Skandale, Skandale, nur Skandale bei der Zeitung, egal welches Blatt erscheint und welchen Tag ich diese Zeitschrift aufschlage.
Da bekommt ich ehrlich schon Alpträume wie „Ich sitze auf einem Strommast und es rauben mich die vogelartigen Menschen.“ „Sie bringen mich dann auf einen anderen Planeten und rauben mich meinen Augen, meiner Zunge und meinen Gefühlen.“
Ich glaube, Sie sind überall.
Der Bundeskanzler, die Steuerbehörden und die Juristen – ja, auch die Bischöfe wissen, wer diese Vögel sind.
Drehte den Kopf und schaute hinaus auf die Straße.
Aus dem offenen Fenster einer dunklen Limousine, glotzte ein Dobermann, die Pfoten auf die schwarz schimmernde Metallic-Lackierung gestemmt.
Er drehte sich zur anderen Seite.
Sah einen alten Opa im Schneckentempo vorbeischleichen.
Die Tür zum Appartement ging auf, Marcel kam herein und begrüßte mich mit einem dicken Kuss.
Ich schaute weiter aus dem Fenster.
Marcel ging ins Badezimmer.
Die Dusche rauschte.
Seine schwarze Jeans und die Leinenschuhe legte er auf die Kacheln am Boden.
Das Schwarze Hemd legte er dazu.
Marcel unter der heißen Dusche.
Mein großer Schatz.
Meine große Liebe.
Ich schloss die Augen.
Machte ich schnell wieder auf.
Sah, wie die Tür der Duschkabine aufgeschoben wurde und Marcel das Badetuch vom Haken nahm.
Schnell entfernte ich mich vom offenen Fenster, bis Marcel, das Badetuch um die Hüften geschlungen, aus der Duschkabine gehoppelt kam.
Er schlich bis zur Badematte, blieb stehen, starrte mit gesenktem Kopf nach unten.
Beugte sich vor, knickte mit dem linken Bein ein, reckte den rechten Fuß nach hinten in die Luft und langte mit der linken Hand nach unten.
Und dann fuhr sein Kopf zur Tür herum.
Ich atmete tief durch.
Ging zu Marcel ins Bad, stehe vor dem Spiegel, ließ den Kopf sinken und wühle mir ganz wild in den Haaren.
Richtete mich auf, fuhr mir mit beiden Händen durchs Haar, atme tief durch.
Grapschte nach Marcel und küsste ihn auf seine warmen Lippen.
Meine Gedanken überschlugen sich.
Ich machte Kehren.
Hast du ins Schlafzimmer?
Als ich die Tür aufriss, kam er mir hinterher. „Was ist los?“, fragte er.
Ich machte eine ahnungslose Grimasse und rieb mir den Nacken. „Ich weiß nicht.“ Meine Stimme zitterte.
„Oh, mein Gott“, sagte ich, „ist dir was passiert?“
„Ich weiß nicht, was du meinst?“, fragte er. „Ich glaube nicht.“
„Tut es dir im Genick weh?“, fragte er.
„Ja, ein bisschen“, sagte ich.
Er drehte sich herum und fasste nach meinem Nacken.
Als er anfing, ihn abzutasten, gab ich ihm einen Kuss auf die Wange.
Marcel kann das gut wie ein Gott und ist immer noch knetend und massierend mit meinem Nacken beschäftigt.
„Du solltest lieber zum Arzt gehen und dich untersuchen lassen.“, sagte Marcel.
Ich drehte mich um. „Wenn Morgen noch was weh tut, geh ich“, versprach ich.
„Kennst du einen guten Arzt in der Nähe?“
Ich nickte.
Wir sahen uns an.
Ich legte die Hand auf seinen steifen Penis.
„Marcel, mein Prinz“, sagte ich und lächelte ihn an. Nahm ihn in die Arme.
Er drückte mich an sich.
Wir lächelten uns laut an.
Küssten uns leidenschaftlich.
Kapitel 8
Die Rückfahrt nach Hamburg war ziemlich ungemütlich.
Marcel und ich haben praktisch gar nichts gesagt und ich habe total verwirrt und abgeschlagen am Lenkrad gesessen.
„Der Abend, den wir gestern Abend hatten, da war Spitzenklasse, Roxane.“ sagte Marcel. Besonders der Sex am Schluss: Ich war ganz leidenschaftlich besessen von dir!
„Das ist leidenschaftliche und gefühlvolle Liebe“, sagte ich.
„Ach, Quatsch.“, sagte Marcel. „Einer muss nun mal zeigen, was er für den anderen fühlt.“ Weißt du was? Ich sehe zu. Das nächste Mal, Roxane, werde ich dich überraschen. Na, wie findest du das?
„Ich werde es dann erleben.“ sagte ich.
„Ich habe heute den ganzen Tag gute Laune, oder?“, fragte Marcel.
„Na ja, das war die erste Runde.“ Aber hör mal her! „Das nächste Mal gib ich alles von mir und du wirst dich wundern“, sage ich.
„Und wie wär’s, wenn du unter den Rock keinen Slip trägst, wie diesen Stringtanga in der Jeanshose und keinen Büstenhalter?“, fragte Marcel.
Ich bin schockiert, aber ich lächelte, damit er davon nichts mitbekommt.
„Davon wäre ich ganz begeistert“, meint Marcel. „Das gibt dir die besondere geile Note.“
Ach, ja? Was würdest du das auch sagen, wenn du keine Unterwäsche tragen müsstest? „Fragte ich."
„Ich bin schließlich keine Frau“, antwortet Marcel.
„Halt bloß die Schnauze und komm nicht mit sowas“, fauchte ich.
Ich habe jedenfalls ein Wort gehalten.
Das nächste Mal bin ich nackt bei Marcel angetreten.
Marcel steckt nackt in seinen Klamotten mit einem steifen Rüssel in der Hose.
Ich schmeiße ihn gleich auf das Bett, und am Schluss setzte ich mich mit nacktem Hintern auf sein Gesicht, und mit seinen kalten Lippen gibt er mir den leidenschaftlichen Rest meiner explodierenden Gefühle.
Ja. Und die ganze Zeit stöhnte und brüllte ich vor Lust.
Das war eigentlich kein schlechter Deal.
Aber noch was anderes muss ich Ihnen erzählen:
So langsam war ich bei Marcel mit meinen obszönen Sexpraktiken enorm beliebt.
Ich habe das Doppelte wiederbekommen, wie ich es mag, mit ihm zu schlafen.
Marcel und ich kommen eigentlich ganz gut klar miteinander.
Wenn wir von einigen Meinungsverschiedenheiten absieht.
Wenn ich am Abend nach Hause komme, kochen wir uns immer was.
Manchmal gehen wir auch Chinesisch essen.
Und dann sitzen wir im Wohnzimmer herum und schmieden Pläne.
Wir wollen nach New Zealand, wo das Paradies in den Tropen ist.
Wir müssen aber noch ein bisschen Arbeiten und alle möglichen anderen Sachen erledigen.
Und dann, meint Marcel, müssen wir auch noch sehen, dass wir für die Zeit für keinen Menschen erreichbar sind.
Alles in allem, schätzt er, brauchen wir so einhundertzwanzig Tausend Euro, um für die erste Zeit alles geregelt zu kriegen. Dann müssen wir sehen, wie wir klar kommen.
Jetzt bekomme ich allerdings Schwierigkeiten mit Marcel.
Er sagt: Wir haben doch schon einhundert Tausend. Wieso packen wir nicht unsere Sachen und fahren los?
Da ist schon was dran, aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass ich noch nicht recht weg will.
Das Geschrei hätten Sie mal hören sollen, wie ich das zu Marcel gesagt habe.
Zuerst mache ich Marcel ganz scharf auf die Reise – am besten noch heute losfahren, nach New Zealand – dann sagt er: „Komm, wir fahren.“
Und ich sage jetzt nicht:
Doch er beruhigte sich wieder.
Marcel hatte aber Recht und es war berechtigt, sich aufzuregen. Wenn ich etwas verspreche, sollte ich es auch halten.
Aber irgendwann meinte ich, wie ich von der Agentur nach Hause komme: „Marcel, wir müssen mal miteinander reden.“
Wir gehen also in den Park und an einem kleinen Bach spazieren und Marcel sucht einen Platz, wo wir uns hinsetzen können.
Und dann meine ich: „Marcel, diese Streiterei, ich finde, das reicht jetzt allmählich.“
„Wie meinst du denn das?“, fragt er. Obwohl er es sich schon denken kann.
„Na ja, wir zerreißen uns bald wegen jeder Kleinigkeit, also mehr als sonst.“
„Und ich frage mich eben, warum du trotzdem noch bei mir bleibst, obwohl ich dich dauernd anziehe.“
„Ich liebe dich“, sagt er. Ich muss an unsere schönen Sekunden, Minuten und Stunden denken. Schließlich bin ich dein Freund und dein Geliebter. „Ich kann nicht einfach alles hinschmeißen und abhauen.“
„So ‘n Blödsinn!“, rufe ich. „Was meinst du denn mit Freund und Geliebter?" Die ticken doch alle nicht richtig? Erwachsene Männer, die so tun, als ob sie dich verstehen würden. Und wo gibt’s denn so was, dass sich Frauen mit den Männern verstehen?
„Was ist denn da dran auszusetzen?“, fragte Marcel.
„Nun, was glaubst du wohl?“ „Weit und breit kennt jeder den fantastischen, gut aussehenden Mann, den ich liebe.“
„Und alle Frauen beneiden dich um mich“, meint Marcel.
„Scheiß drauf!“, sage ich. „Wir brauchen keine ahnungslosen, verstaubten und prüden Weiber, damit bei uns etwas losgeht.“
Marcel lächelte nur.
„Vielleicht bringen wir es sogar zu einem kleinen Haus mit einem Garten und legen uns einen Hund zu oder Irgendwas“, sagte ich.
„Roxane, Kinder möchte ich keine in unserem Leben haben, das sagte ich dir schon.“ Ich möchte einfach nur mit dir das Leben genießen, und mit Kindern ist alles vorbei, dann sind wir uns nicht mehr wichtig. „Außer du kommst immer zu mir und möchtest Geld haben“, meint Marcel. „Unglücklich war ich, als das Kind sich bei der Exfrau angemeldet hat.“ „Ich will ein glückliches Leben führen.“
„Also, ich finde, das ist meine Sache, ob ich ein Kind haben will oder nicht“, sage ich. „Ewig warte ich auch nicht, aber ich hätte nicht gedacht, dass du das ernst meinst.“
Wir gingen ins Apartment.
Er schloss die Tür auf.
„Hast du schon deinen Jogurt gegessen?“, fragt er, während er den Trenchcoat auszog.
„Oh.“, machte ich, half ihm mit dem Trenchcoat. Nein. „Ich bin da noch nicht gekommen.“ Kevin aus Hamburg hat kurz angerufen. „Ich muss nachher noch zurückrufen.“
„Ach, wirklich?“
Er drehte sich um und nahm mir den Trenchcoat ab.
Ich wollte Dir deswegen einen Zettel schreiben. „Er hat heute schon einmal angerufen und hat mir mitgeteilt, dass er dich wegen des Drehbuches sprechen möchte und dass er dich Laufe des Tages zurückrufen wird.“
Ich stand da und hörte ihm zu.
„Du bist sicher ein Gewinn für ihn“, meint Marcel und massiert sich die verschwitzte Schulter. Nicht wahr? „Er glaubt, dass die Chancen gar nicht so schlecht stehen.“
Ich ging in die Küche.
„Gib mir auch einen, Schatz.“
Ich sah in den Kühlschrank. „Blaubeere oder Cocos?“, fragte ich.
„Cocos.“
„Ich weiß.“ Ich nahm die beiden Jogurts heraus, drückte die Kühlschranktür mit den Ellbogen zu und holte zwei Löffel und zog zwei Servietten aus dem Behälter.
Als ich ins Wohnzimmer kam, saß Marcel im Sessel, mit dem Telefonhörer am Ohr.
Er lächelte mir zu, als ich ihm den Jogurt hinstellte und den Löffel und die Serviette dazulegte.
„Hier ist Marcel Ravel.“, sagte er ins Telefon. „Ich war heute um siebzehn Uhr bei Ihnen verabredet – Richtig.“
Ich setzte mich, stellte den Jogurt weg und sah, wie er mich angrinste.
„Ich bin in einem Unfall rein geraten“, sagte er und klemmte den Telefonhörer zwischen Kopf und Schulter fest. „Auf dem Weg zu Ihnen.“ Hat mich ein bisschen mitgenommen. Könnten wir einen neuen Termin ausmachen? Sagen wir… für Mittwoch, gleiche Zeit?
Ich öffnete beide Joghurtbecher, behielt aber Bonnie im Auge.
„Tut mir Leid wegen heute, auf Wiedersehen.“
Marcel hängte auf. Notierte was auf einem Zettel.
„Die haben es vielleicht wichtig mit ihren Gemälden“, meinte Marcel.
Ich pfiff leise durch die Zähne.
Wir aßen unseren Jogurt.
„Ich muss noch mal weg“, sagte ich und stand auf.
Ich sammelte die leeren Becher ein, stopfte die Servietten hinein und steckte die Löffel dazu.
„Geht es dir auch wirklich gut?“, frage ich.
„Bestens“, sagte er, nahm die Hand vom Nacken und blinzelte mich an.
Er nickte.
„Ich werde gegen acht zurück sein“, sagte ich, „es sei denn, wir gehen irgendwo noch was trinken.“
Ich beugte mich zu ihm hinunter, küsste ihn auf die Wange.
Er wandte mir sein Gesicht zu.
Und wir küssten uns auf die Lippen.
Ich ging in die Küche, warf die Becher und die Servietten in den Abfall, spülte die Löffel ab und legte sie in den Besteckkasten.
Ging in die Diele, hatte schon die Tür in der Hand.
„Oh, dein Schlüssel, wenn du auch noch weg willst.“, fiel mir ein.
„Behalte ihn, Schatz“, rief er mir zu.
Die Hände in die Hosentasche gestemmt, betrachtete ich ihn, wie er sich die Zigarettenschachtel nimmt und sich eine Zigarette anzündet.
Ich warf ihm ein Küsschen zu.
Er warf mir ein Küsschen zurück.
„Du solltest ein heißes Bad nehmen.“ Möglichst lange. „Sonst kann es passieren, dass du nachher mit einer Grippe im Bett liegst.“ sagte ich.
„Du hast Recht“, sagte er. »Mach, ich.« Ich will nur noch meine Zigarette rauchen. »
Wir lächelten uns zu.
Ich öffnete die Tür und ging hinaus. Zog die Tür hinter mir zu.
Ging zu den Fahrstühlen, drückte den Knopf. Atmete tief durch.
Eine Ausrede zu erfinden war für eine wie mich, die sich so meisterhaft aufs Lügen verstand, ein Kinderspiel.
Doch das war in diesem Fall absolut nicht nötig, Marcel zu belügen.
Gott sei Dank hatte er mich nicht gefragt, wohin ich gehe.
Und Gott sei Dank war das auch kein Anlass, wieder mit Marcel zu streiten.
Er würde wohl kaum auf die Idee kommen, mir hinterher zu spionieren.
Vermutlich war Marcel es egal gewesen, wohin ich gehen würde.
Jetzt kam es darauf an, ganz ruhig zu bleiben und so zu tun, als hätte ich wirklich vor, mich bei Freundinnen zu treffen.
Und eine Auseinandersetzung mit ihm war das Letzte, was ich mir wünschte.
Ich ging zurück ins Apartment.
Dabei hatte ich kaum den Türknauf gedreht. Da war auch schon Bonnie da und rieb sich an meinem Fußgelenk.
„Hi, Bonnie.“, sagte ich leise, hob ihn hoch, küsste ihn auf die Nase und setzte ihn mir auf die Schulter.
Der Fernseher lief und es kam ein Krimi „Mord ist ihr Hobby“.
Ich ließ Bonnie auf das Bett purzeln, zog meine Sachen aus und ging nackt, wieder ins Wohnzimmer.
Ich stellte das Radio an, man spielte „Milk and Honey“ von F. Ging zum Fenster.
Hängte den Blick in den grauen Himmel über die beleuchteten Straßen von Berlin.
Bonnie, auf dem Fenstersims, rieb die Nase an seinen Knie. Ich kraulte ihm den Kopf.
Ich ging ins Bad. Marcel hörte Musik mit seinem Walkman.
So konnte er mich auch nicht hören.
Ich deckte von hinten mit den Händen seine Augen zu.
Erschrocken, zuckte er zusammen.
Ich freute mich und musste laut loslachen.
Ich beugte mich nach vorn, er griff nach mir und wir verursachen eine enorme Überschwemmung im Bad. Möglicherweise war zu Wasser für uns zwei in der Wanne.
Ich prüfte die Wassertemperatur und stellte das Wasser für die Wanne heißer.
Legte mich in Marcels Armen.
Doch vorher legte ich schon mal ein paar Badetücher auf den Fußboden.
Und grübelte, während Marcel mich einseifte, ob er, den ich liebe, meine spontane, verrückte Überraschung gelungen ist. Denn eine Überschwemmung im Badezimmer war nicht eingeplant.
Wir mussten Stunden gebraucht haben, um das Badezimmer wieder trocken zu bekommen.
Ein Ereignis besonderer Art.
Ich wischte mit der Hand über das Fensterglas und späte nach draußen.
In ein leeres Stadtviertel.
Was ich mir immer einbildete.
Wir spülten uns unter der heißen Dusche noch einmal ab. Ganz ruhig.
Alles, was ich vorhatte, mich mit Marcel zu versöhnen und zu überraschen.
Ich schob die Tür auf, nahm das Badehandtuch vom Haken und gab es Marcel, und ich nahm mir ein anderes Badehandtuch vom Haken.
Wir trocknen uns ab.
Ich gebe Marcel einen langen, leidenschaftlichen Kuss auf seine Lippen.
Wir gingen ins Schlafzimmer und setzten uns aufs Bett.
Zog den seidenen Kimono an, stand auf, zupfte und schob, bis er richtig saß.
Marcel langte nach meinen Brüsten, streifte mit den Händen über die Brüste, so dass ich gleich Gänsehaut bekam.
Gingen, während ich es genoss, zum Fenster.
Hängten unseren Blick in den grauen Himmel und Marcel berührte mich leicht am ganzen Körper.
Eine Gewitterwolke, ja, das konnte stimmen.
Der kalte Wind blies Runzeln und alte Plastikbeutel in das große Viertel. Nur wenige Jogger waren unterwegs.
Ich ging ans Fensterende und zog die Vorhänge zu.
Marcel drehte mich um, küsste mir auf den Nacken, dann biss er leicht in das Ohr und küsste mich auf meine Lippen.
Meine Zunge ging in seinem Mund und unser Verlangen wurde heftiger.
Er streifte mir den Kimono runter, streichelte den Rücken und wühlte mir mit den Händen im Haar.
Wir küssen uns, mal rauf, mal runter.
Es war wie eine heiße Lawine, die über mich kam, als ich seinen heißen Atem auf meine Haut spürte.
Oh, Guter Gott im Himmel, ein kräftiges und gewaltiges Eindringen mit seinem Penis in mich, mit dem Marcel mich willenlos machte.
Was mich glücklich machte.
Ich sehnte mich danach, mit Susan darüber zu sprechen.
Marcel lag geschafft, halb zugedeckt, im Bett.
Ich ging ins Wohnzimmer, bürstete mir unterwegs das Haar, stellte mich ans Fenster, dicht an den Sims, die Stirn an die kalte Scheibe gedrückt.
Tief unten kreisten die roten Lichter. Feuerwehrwagen ein paar Straßen weiter vor dem Asylheim für Ausländer.
Winzige Spielzeugmännchen, die hektisch ins Haus hochwanderten, bis aufs Dach.
Keine Flamme, kein Rauch.
Falscher Alarm?
Ich ging ans Fenster und zog die Vorhänge zu.
Ein paar Falten bauschten sich auf dem Sims.
Zurück ins Schlafzimmer.
Nach einem Abstecher in die Küche, wo ich einen Schluck Orangensaft getrunken habe, weiter ins warme Bett, zu Marcel.
Während ich die Hand um Marcel legte, ging mir durch den Kopf, dass ich noch gar nicht richtig befriedigt wurde. Andererseits, ist Marcel so müde, dass ich ihn in diesem Augenblick zu nichts bewegen könnte.
Ich lag sanft neben ihm.
Mit wild hämmernden Herzen.
Starrte auf die Vorhänge.
Auf die offene Tür.
Bonnie hatte ich nicht mehr gesehen, seit ich zu Marcel in die Wanne geschlüpft bin.
Ich holte tief Luft und ließ mich tiefer in das Bett sinken.
„Marcel, bitte…“, flüsterte ich.
„Ich tue es nicht, mich zu dir umdrehen.“ „Ich brauche ein bisschen Zeit, um ein paar Dinge zu Ende zu denken.“
„Gut, du kannst so viel Zeit haben, wie du willst.“, sagte ich und drehte mich um.
„Was ist los, Marcel?“
Bevor ich was sagen kann, meint Marcel: „Ich will jetzt nicht darüber reden.“
„Na ja“, sagte ich. „Das kann ich verstehen.“ „Schlaf dich erst mal richtig aus.“ Ich komme morgen früh gleich zu dir, wecke dich und dann können wir bei einem schönen Frühstück darüber sprechen, okay?
„Geht in Ordnung“, meint Marcel. Ich gehe ins Wohnzimmer und lege mich aufs Sofa.
Am nächsten Morgen gehe ich ins Schlafzimmer.
Und ich traue meinen Augen nicht.
Marcel ist weg.
Seine ganzen Sachen hat er mitgenommen.
Ich finde auf dem Wohnzimmertisch einen Zettel und lese ihn mir laut vor.
Liebe Roxane,
Ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich habe versucht, mit Dir über meine Gefühle zu sprechen, aber Du scheinst Dich nicht dafür zu interessieren. Was Du heute mit mir machst, ist besonders schlimm, weil es unredlich ist. Ich glaube, ich kann nicht länger mit Dir zusammenbleiben.
Vielleicht liegt das zum Teil an mir, da ich ein Alter erreicht habe, in dem man in einer Beziehung ehrlich miteinander umgeht.
Ich kenne Dich schon einige Jahre, Roxane.
Also, habe ich miterlebt, wie Du zu einer hübschen, charakterstarken und intelligenten Frau wurdest. Als ich endlich merkte, wie sehr ich Dich liebe, war ich der glücklichste Mann der Welt.
Dann hast Du mit mir gespielt und Dich mit diesen lesbischen Frauen eingelassen.
Oft habe ich Dich vermisst und war froh, als Du zu mir zurückgekommen bist.
Liebe Roxane, du hast Dich auch verändert. Nicht bewusst, glaube ich, denn Du warst schon immer eine besondere Frau, aber offenbar haben wir nicht mehr die gleichen Vorstellungen.
Dir stehen beim Lesen dieser Zeilen Tränen in den Augen. Trotzdem müssen wir uns trennen. Versuche mich bitte nicht zu finden.
Ich wünsche Dir alles Gute, meine Rose – Tschüss.
In Liebe
Marcel
Ich stehe einfach nur da und lass diesen Brief aus der Hand fallen.
Zum ersten Mal in meinem Leben ist mir wirklich klar, was es heißt, einen Menschen zu verlieren.
Kapitel 9
Danach war ich nur ein seelisches Frack.
An diesem Tag bin ich in dem Apartment geblieben, aber am nächsten Morgen steckte ich mich in viel Arbeit, die noch liegen geblieben ist.
Die ganze Nacht habe ich kein Auge zugetan.
Dauernd ist mir durch den Kopf gegangen, dass Marcel drauf und dran ist, abzuhauen.
Er hat getan, was er konnte.
Es ist einzig und allein meine Schuld, dass Marcel mich verlassen hat.
„Wie auch immer“, dachte ich, „Ich halte es jedenfalls nicht mehr für richtig, dass Marcel mich im Stich gelassen hat.“
Das Telefon klingelt.
„Hallo, ich bins!“
Susan? Schön, dass du mich anrufst. Marcel hat mich verlassen.
Ich fing an zu weinen und holte mir ein Papiertaschentuch aus der Küche.
Wir haben dann noch lange geredet. Schließlich fühlte Susan sich mit mir.
Ich sagte ihr, dass Marcel seine ganzen Klamotten mitgenommen hat.
„Sag Roxane, hast du schon gegessen?"
Ich erzähle ihr, dass ich vor einer Stunde einen Apfel und eine‘ Banane gegessen habe.
Susan meint: „Wie wäre es, ich bin im Hotel Merkur, wenn ich dich zum Essen einlade?"
Ich sag, das finde ich okay. Und wir gehen ins Restaurant vom Hotel.
Beim Essen sagt Susan: „Also, um sicher zu gehen, müsstest du mich noch einmal kneifen, aber wenn wir zusammen heute Abend nach Hause fahren, sind wir vielleicht einer der größten verliebten Paare. „Ich würde gern bei dir sein heute Nacht, um zu sehen, was passiert.“
Ich erzähle ihr, dass ich etwas ganz Großes vorhabe und ins Modebusiness einsteigen will und überhaupt.
Aber Susan sagt: „Roxane, womöglich wäre das für dich eine einmalige Chance.“ „Du könntest viel Geld verdienen in diesem Geschäft.“
Susan meint, ich soll mal darüber schlafen.
Dann nimmt Susan meine Hände und wir schauen uns tief in die Augen. Nachdem wir lecker gegessen und einen Schwips vom Wein hatten.
Lächelten wir uns den Kellner heran und bezahlten.
Wir gehen raus auf die Straße.
Susan und ich gehen eine Weile in der Gegend herum, doch in Berlin gibt es viel zu sehen.
Und schließlich setzen wir uns in ein Café.
Ich denke nach, wobei ich ja so meine Schwierigkeiten habe. Ich muss herausbekommen, welche meine stärksten Eigenschaften sind.
Ich weiß.
Sie denken bestimmt an.
Nein, diese Stärken meine ich nicht.
Vor allem denke ich immer noch an Marcel, wo er jetzt wohl ist.
Er hat ja geschrieben, ich soll nicht nach ihm suchen und nichts.
Aber irgendwo ganz tief drin, bin ich mir sicher, Marcel hat mich nicht vergessen.
Ich habe ihn eingeengt und die Pistole auf die Brust gesetzt, weil ich Kinder haben möchte.
Das ist mir klar.
Das kommt wahrscheinlich davon, dass ich mich nicht bemüht habe, das Richtige zu tun.
Aber jetzt weiß ich wieder nicht, wie ich es richtig anfing.
Also, ich bin praktisch ohne Mann.
Und ohne Mann kann ich keine Familie haben.
Bloß könnte man meinen: Ich verbrenne mir jedes Mal meinen dicken Arsch, wenn ich mir was anderes vornehme, wie mit Susan eine Modefabrik aufzumachen.
Da stehe ich nun wieder und weiß nicht, was ich mache.
Ich komme aber gar nicht groß zum Überlegen, weil schon der Ober kommt und uns zwei Gläser Rotwein bringt.
Und Susan will wissen, an was ich jetzt gegrübelt habe.
Ich sage, ich sitze bloß da und denk nach.
Und sie meint, bei Nacht draußen im Café zu sitzen und nachzudenken: Das ist eine Sünde.
Ich nippte an einem Glas Wein.
Es ist noch keine Minute vergangen. Susan bietet mir eine Zigarette an.
„Du rauchst wieder?“, fragte ich.
Wieso? „Ich rauche schon immer und habe noch nie aufgehört.“
„Okay“, sagte ich. Was machst du denn so, seit wir das letzte Mal telefoniert haben?
„Gar nichts.“, sagt sie.
Und ich meine: „Das habe ich mir doch gleich gedacht.“ Du kommst nachher mit zu mir und kündigst dein Hotelzimmer. „Das ist auch für Dich billiger.“
Wir gehen zu mir ins Apartment, Susan fühlt sich wohl.
Am nächsten Morgen sage ich ihr, sie kann sich bei mir fühlen, als wäre sie zu Hause, und Telefongespräche kann sie auch führen.
Sie sagt: „Ich kenne sowieso keinen, wie dich.“
So circa eine halbe Stunde später decken wir uns den Tisch. Ich besorgte uns ein delikates Frühstück und meine: „Susan, wie wäre es, wenn wir nachher in die Sauna gehen?" Ich zahle. Mir scheint, wir können eine Entspannung gebrauchen, und mich würde es ehrlich gesagt auf andere Gedanken bringen. Na, was hältst du davon? "
„Ich habe schon Lust, aber ganz nackt in der Sauna, mit den Männern?“, sagte Susan.
„Hey, bist du jetzt Prüde geworden oder hast du ein Keuschheitsgelübde abgegeben?“, sag ich und lächelte.
„Nein, es ist nur…“, meint Susan.
„Die Männer baggern dich schon nicht an, wenn sie „Hallo“ zu dir sagen. „Ich passe auf dich auf, damit dich keiner von den Männern entführt.“
Ich nehme Susan in die Arme und sie sagte: „Ja, wir gehen und werden ganz heiß schwitzen.“
Ich klappte das Buch zu.
Nahm die Brille ab.
Schaute hoch zum Deckenlicht.
Ich sagte: „Susan, es ist schön, dass du wieder bei mir bist.“
Saß da, starrte hoch zum Licht.
Starrte auf das Buch in meinen Händen, von vorn, von hinten.
Das Telefon läutet.
Ich drehte mich zur Wand. 10:55 zeigte die Uhr.
Susan legte den Abwasch in den Automaten.
Das Telefon läutete weiter.
Ich legte die Brille auf den Couchtisch, das Buch daneben, richtete mich auf.
Das Telefon läutete weiter.
Bonnie schlich sich um meine Beine.
Ich nehme den Telefonhörer ab.
„Hallo!“, sagte ich.
Es meldete sich keine Stimme, weil der andere am Telefon wieder aufgelegt hatte.
Ich legte den Telefonhörer neben den Apparat und stand auf.
Ging in die Küche, sah Susan an.
Wir küssten uns.
Dann starrte ich auf den Fußboden, auf den Wasser- und den Futternapf in der Ecke.
Auf den Katzenbaum an der Wand.
Der Telefonapparat an der Wand, das Haustelefon.
Susan ließ Wasser in den Teekessel laufen, stellte ihn auf die Elektroplatte und drehte auf zwölf.
Löffelt den grünen Tee in die Teekanne mit dem großen Teebaum.
Ich stand da und schaute auf den summenden Kessel.
Schiele auf das Messer im Bord mit den Küchengeräten.
Susan trug die Teegläser ins Wohnzimmer.
Griff nach dem Telefonhörer, setzt sich in den Sessel und hält sich den Hörer ans Ohr.
Ich rief: „Susan, es tut mir leid, ich brauche Zeit.“ „Verdammt noch mal, ich weiß noch nicht, was ich machen soll…“
Sie drehte sich zur Seite, schob ein Bein unter und sah mich mit großen Augen an.
Schüttelte den Kopf.
Seufzte.
„Oh Gott, Roxane…“, sagte Susan, „Ja, weil du Angst hast?“ Sie saß da, schaute mich nur an. „Ist das der Grund, Roxane?“
Ich seufzte, setzte mich auf das Sofa.
„Ja.“ Sage ich.
Susan sitzt da und schaute mir verliebt in die Augen. In der einen Hand das Teeglas, in der anderen die Zigarette.
Ich glaube, ich sollte dazu nichts mehr sagen. „Sonst könnte ich dich womöglich nachher nerven.“
Ich nahm einen Schluck heißen Tee. Schaute zu Susan, auf die Zigarette.
„Roxane!“, sagte sie, „Du weißt, dass du nicht so weitermachen kannst wie bisher.“ Früher oder später wirst du es bereuen. „Und je später es ist, desto schwieriger wird es für dich.“
„Du willst, dass ich es tue.“
„Ja, ich glaube, das wäre vernünftig“, sagte Susan. „Die größte Gefahr im Leben ist, dass du zu vorsichtig wirst.“
„Oh ja, an Motivation würde es nicht fehlen, das stimmt.“ Kannst du dir eigentlich vorstellen, wir beide?
Susan seufzte, zuckte mit den Schultern.
„Trotzdem glaube ich, dass es das Beste ist, was du tun kannst.“, sagte sie.
Susan trank einen Schluck.
Schaute hoch an die Decke.
„Natürlich ist es das“, sagte ich. „Lass uns in die Sauna gehen!“
Susan saß da, lächelte. „Gut.“ sagte sie, „Gut, wir gehen unsere Säfte austauschen.“
Für Bonnie ist genug zu fressen im Futternapf.
Es hatte zu regnen begonnen.
Unten in der Lobby prasselt beim Hereinkommen der Regen herein.
Susan setzt sich auf dem Sofa, ganz rechts in der Ecke, inzwischen in trockenen Jeans, die angezogenen Knie umschlungen, die nackten Füße auf dem Polster.
Sie aß ein Stückchen Kuchen.
Beobachtete, wie ich mich im Schlafzimmer umgezogen habe.
Ich lege die Brille auf den Couchtisch.
Susan schaute, immer noch die Knie umschlungen, zu mir. Atmete seufzend ein.
Ich setze mich in den Sessel und lehnte mich zurück.
Spielte mit einem Knopf an der Bluse.
Was Susan, als ich ein bisschen daran zerrte, einen hübschen Einblick verschaffte.
Susan setzte sich hoch, stützte sich auf die Rückenlehne, reckte den Kopf und schaute zu mir.
Plötzlich senkte ich den Kopf und saß da, ohne mich zu rühren.
Ich lehnte mich zurück.
Streckte die Beine aus, kreuzte die Füße.
Spielte mit dem Blusenknopf, während Susan mich weiter betrachtet.
Die engen Jeans spannten sich an meinen Hüften und Schenkeln.
Straffen sich über dem V dazwischen.
Ich streckte die Arme aus und lehnte mich zurück.
Ich spiele mit dem Blusenknopf, liege auf dem Sessel, die Füße gekreuzt.
Ich schaute zu Susan.
Susan beobachtete mich.
„Roxane.“, sagte sie, „Vielleicht habe ich eine Idee, wie wir das Beste aus uns machen.“
„Was für eine?“, frage ich.
„Bist du auf alles gefasst?“, fragte Susan. „Du wirst ziemlich verblüfft sein, aber ich glaube, wir sollten ganz im Ernst darüber nachdenken.“
„Ich bin auf alles gefasst“, sagte ich.
„Wie wäre es, wenn wir heiraten?“
Wir starrten uns an und grinsten.
„Du hast recht“, sagte ich, „Ich bin ziemlich verblüfft.“
„Sage es mir, wenn ich das falsch sehe.“, sagte Susan.
„Ich weiß nicht“, sagte ich, „ich habe noch nicht über alle Aspekte nachgedacht.“ Aber – mein Gott, Roxane, wird denn einer von uns je wieder jemanden finden, der so gut zu uns passt? Denk doch nur an den Spaß, den wir miteinander hatten, an den fantastischen, leidenschaftlichen Sex… Und du bist immer noch du, egal, was passiert ist. Ich kann meine Gefühle nicht einfach ausknipsen. Und ich habe auch ein bisschen in mich hineingehört. Du musst nicht glauben, dass mir Geld völlig gleichgültig ist. Nein, so ist das nicht. „Und dann möchte ich mit dir ein geräumiges Apartment nehmen, mit drei knackigen, süßen Angestellten.“ Ich lächelte. „Was hältst du davon? “
Susan sagte: „Hört sich großartig an.“ Aber woher soll ich wissen, ob du es wirklich ernst meinst? „Könnte ja sein, dass wir uns wieder trennen.“
Ich seufzte, spielte mit dem Blusenknopf.
„Klar, dass du so was denkst“, sage ich, „aber – Susan, je mehr ich über dich nachdenke und über Marcel… Mein Gott, es wäre wunderschön.“ Und wenn ich daran denke, dass uns ein Stück mehr harmonische, leidenschaftliche Liebe geschenkt würde… Was geschehen ist, ist geschehen, niemand kann es ungeschehen machen.
Susan seufzte, schüttelte den Kopf.
Sah mich verliebt in die Augen, kam auf mich zu und küsste mich auf die Lippen.
„Ich werde wenigstens über deinen Vorschlag nachdenken.“, sagte ich.
„Wir müssen freilich in Kauf nehmen, dass wir unser Leben eher mit Katzen als mit Kindern verbringen werden.“ sagt Susan.
Ich nahm den linken Fuß vom Rechten, zog das Knie an und schaute mit verblüfften, großen Augen zu Susan.
Ich spielte mit dem Blusenknopf.
Susan beobachtet mich.
Bonnie schläft im Schlafzimmer, auf dem Bett.
Ich lächelte. Massierte mir den Hals.
Susan zuckte zusammen. „Oh“, stöhnte sie, „das alles hat mich ganz schön mitgenommen, ich bin richtig verspannt.“ Und faste sich am Genick.
Ich sagte: „Warum nehmen wir uns denn nicht ein entspannendes Bad?“
Susan schaute mich an, lächelte. „Gute Idee!“
Susan beobachtete mich, als ich mich auszog.
Wie in den alten Tagen.
Was Susan unheimlich anmachte.
Mich auch.
„Du da im Schlafzimmer, mit den wunderschönen Titten!“, rief Susan.
Susan zieht sich im Wohnzimmer aus und geht ins Bad.
Sie lächelte mich an.
Ich ging zur schaumknisternden Wanne und drehte das heiße Wasser ab.
Drehte mich zum Wachbecken um. Susan und ich steckten uns nackt vor den Spiegel, das Haar hoch.
Wir nehmen ein Bein hoch und setzen den Fuß in den warmen Schaum.
Und Schwaps.
„Ich bin's“, sagte ich. Susan nahm die Kopfhörer ab und blickte zu mir rüber.
Ich trug einen hellen Seidenpyjama und setzte mich mit gekreuzten Beinen auf das Sofa.
Stocherte im Becher. Ich brachte zwei Becher Eiskrem und zwei lange Löffel zum Vorschein.
Lächelte Susan an.
Wir schleckten die Eiskrem mit dem Löffel und schauten uns lächelnd an.
„Haben wir etwas zum Feiern?“
„Ich weiß nicht.“, sagte ich. „Morgen Früh sag ich es dir.“
Ich stocherte im Becher.
Schaute zu Susan und schleckte mein Eiskrem.
Susan lächelte und sagt: „Ich glaube nicht, dass wir diese schöne Nacht ungenutzt verstreichen lassen.“
Ich schaute zu Susan.
„Ich liebe dich, Roxane.“, sagte Susan.
„Tu nichts, was dir hinterher leid täte“, sagte ich.
„Du auch nicht.“, sagte sie.
Am nächsten Morgen sagte ich, ich brauche noch mehr Zeit.
„Ich verstehe nicht, warum…“, sagt Susan.
„Weil ich immer noch glaube, dass es nicht gut gehen wird mit uns, sobald wir verheiratet wären.“
Susan spielt mit ihrer Haarsträhne, die sich zwischen ihren prallen Brüsten ringelt.
Ich sagte: „Ich möchte gern etwas einkaufen gehen.“
Das kannst du Morgen tun. Heute regnet es sowieso. Ziemlich heftig sogar. „Heute lässt man keine Hunde auf die Straße.“
Ich setzte mich aufrecht hin. Schnitt eine Grimasse zu Susan, streckte die Zunge heraus.
Stand auf und ging zum Fenster. Zog mit beiden Händen an der Gardinenschnur.
Mit gekreuzten Armen stand ich da, schaute auf die harten, großen Tropfen, auf die nasse, mit großen Pfützen belegte Straße.
„Gestern Abend habe ich in deinen Notizblock geschnüffelt und erfahren, dass du heute Geburtstag hast“, sagt Susan. „Warum hast du mir nichts gesagt?“
„Oh.“ „Habe ich ganz vergessen.“ sagte ich.
„Wollen wir eine Party geben und du ladest noch ein paar Freunde ein?“, sagte Susan.
Susan beobachtete mich, wie ich mit dem Staubsauger im Wohnzimmer hantierte.
„Heute Abend um acht Uhr dreißig kommen sie.“ Meinte ich ganz desinteressiert, nur ein Dutzend interessante Leute oder so. „Ich weiß, dass du dich freuen würdest, wenn du meine Freunde kennen lernst…“
Susan sagt: „Wird mir Spaß machen, mal wieder über irgendetwas anderes zu reden als nur übers Wetter.“
„Da hast du recht.“, sagte ich lächelnd.
Susan atmete tief durch.
Streichelte Bonnie, die auf dem Sessel schlief.
Sah zu, wie ich mir im Bad vor dem Spiegel, meine Brüste betrachtete.
Susan versuchte, sich Geschenke einfallen zu lassen, die sie für mich besorgen könnte.
Etwas, was nicht zu aufwändig, aber persönlich ist, dabei doch jenes Maß an Witz und Geschmack aufwies.
Ich stand am Couchtisch und schaute zu Susan.
„Was zu viel ist, ist zu viel.“, sagte ich zu meinem kleinen Ego. „Es ist, verdammt noch mal, acht Uhr dreißig.“ „Und mir fällt allmählich die Decke auf den Kopf, und von den Dutzend Freunden ist auch noch keiner da.“
„Susan, lass uns gehen und einen Hamburger essen oder Irgendwas.“
Bonnie lief im Wohnzimmer, schaute sich um und miaute.
Ich schloss die Augen und atmete tief durch.
Öffnete die Augen und sah, wie Bonnie Richtung Küche tapste.
„He, Dummerchen, wart auf mich!“, rief ich und lief hinter ihm her. Bonnie blieb stehen, drehte den Kopf und sah mich an.
Bonnie reckte sich wohlig.
Ich öffnete den Schrank und nahm eine Dose heraus.
Bonnie miaute neben mir.
„Nur Geduld“, sagte ich, während ich den Öffner aus der Schublade nahm.
Warf Bonnie rasch einen Blick zu, als er unter dem Tisch auftauchte. „Hi“, sagte ich.
„Halihalo.“ Susan lächelte und sah sich, die Hände in die engen Jeanstaschen gestemmt, in der Küche um. Unter dem leichten, weißen Hemd sah ich ihre schönen Brüste.
„Sieht aus, als wäre es meine Küche“, sagte sie.
Ich hantierte mit dem Dosenöffner und sagte: „Ob du es glaubst oder nicht, dein leichtes, weißes Hemd gefällt mir.“
„Ist schon alt.“, sagt sie.
Ich kniete mich auf den Boden und löffelte Futter in den Napf. Von Bonnie, die dabeistand und mich aufmerksam beäugte.
Ich schaute kurz zu Susan hoch.
Sie lächelte und schüttelte den Kopf.
Ich löffelte weiter.
Und zu welchem Entschluss bist du gekommen? „Fragte Susan.“
Ich warf die leere Dose in den Abfall und legte den verschmierten Löffel in die Spüle.
„Wie wäre es mit einem Burger im Imbiss, und Salat?“, fragte ich. „Ich halte es in der Wohnung nicht mehr aus.“
Susan sagte: „Lass uns erst über alles reden, Roxane!“ „Ja.“
Ich spülte den Wassernapf aus und füllte ihn, stellte ihn Bonnie hin.
Ging zu Susan, lächelte, küsste sie auf die Lippen. „Möchtest du einen Drink?“
Sie schüttelte den Kopf und küsste leidenschaftlich lang zurück.
Wir gingen, die Finger ineinander verhakt, ins Wohnzimmer.
Ließen uns am Sofa los.
Susan setzte sich, ich ging zum Fenster. „Es fängt wieder an zu regnen“, sage ich, „Ich würde trotzdem gern ausgehen.“
Susan saß in der rechten Sofaecke, ein Bein untergeschlagen, eine Hand auf dem Knie.
Und beobachtete mich.
Ich steuerte auf die andere Sofaecke zu, blieb aber am Couchtisch stehen.
Stand da und sah Susan an.
Susan saß da, sah mich an.
„Du unterschätzt, wie viel du mir bedeutest.“ Und wie sehr mir das… Das mit der Heirat Angst macht. „Ich sag ja nicht, dass ich in Glückseligkeit schwimme und nicht manchmal innerlich daran nage.“ sagte ich.
„Oh, komm!“, sagte Susan.
Trat einen Schritt zurück bis zum Sessel, setzte sich auf die Lehne und schüttelte den Kopf. „Nein, du hast bloß Angst, dass ich dich einengen würde.“
Bonnie spazierte vor mir über den Teppich und schwenkte die gekrönte Schwanzspitze.
Wir sahen zu, wie Bonnie sich auf dem bunten Kissen unter dem Fenster niederließ, sich die schwarzen Pfoten leckte und am Kopf kratzte.
Wir sahen einander an.
Susan saß da, die Hand auf dem Knie, sah mich an.
Ich beugte mich vor.
Sie atmete tief durch.
Ich lächelte.
Susan saß da und sah mich stumm an.
Ich saß kerzengerade da und kreuzte die Arme vor der Brust.
Saß da und sah sie an, wie sie ihre Zunge zu mir heraussteckte.
Ich löste die Arme und lächelte.
Ich seufzte, warf einen Blick auf die Uhr.
Susan lächelte mich an.
„Mach schon.“ sagt sie, „Küss mich!“
Susan schloss die Augen und ich griff nach ihr.
Das Licht im Schlafzimmer war eingeschaltet.
Die Vorhänge waren zugezogen.
Wir gingen ins Schlafzimmer, standen da und starrten. Küssen uns.
Lehnten uns an den Türrahmen.
Schlossen die Augen.
Unsere Gefühle ließen wir laut vor Verlangen herausstöhnen.
Gingen ins Zimmer, lassen uns ins weiche Bett fallen.
Ich lag da, umklammerte Susan mit beiden Händen den Hintern.
Und spürte, beim Küssen, wie ihre Augen feucht wurden.
Mit der trocknen Zunge wischte ich ihr Tränen aus den Augen.
Susan ging zum Fenster.
Schob die Gardinen nach rechts, öffnete das Fenster.
Der kalte, nasse Wind blähte ihre leichten Haare zur Seite, breitete die Arme aus und stützte die Hände auf das kalte Außensims.
Beugt sich hinaus in den Wind und den harten Regen.
Starrte hinunter auf die nasse Straße.
Und als der stürmische Wind für einen Augenblick den Atem anhielt, hörte ich, wie die Falttür am Schrank aufgestoßen wurde.
Kapitel 10
Marcel guckt mich irgendwie komisch an und fragt mich: „Also, mein himmlischer Engel, was wollen wir Susan sagen?"
„Das wird eine Geburt werden“, sage ich. „Frauen sind untereinander bösartig, angriffslustig und gemein.“
Später erfahre ich dann, dass Susan sich mit anderen Typen aus der Hotelbar ihren Spaß geholt hat.
Wie sie mich damals das erste Mal verführt hatte.
Im Moment habe ich aber keine Zeit zum Denken, weil Susan schon wieder mosert, kreischt laut, sehr laut herum und meint: „Du musst doch irgendwie Verantwortung haben, wobei du nur auf meine Gefühle herum trampelst.“
Wir zicken also einfach weiter und hoffen, dass irgendetwas passiert.
Auf einmal stehen wir stumm da.
Und ich sage mir: Ich werde jetzt einfach nach draußen gehen und in den Modeboutiken Schoppen.
Susan findet ihren Büstenhalter unter dem Sofa.
Aber sobald ich mit ihr reden will, merke ich, ich rede ins Leere.
„Tschüss!“, sage ich.
Und ging.
Ich guck mich draußen um und winke nach einem Taxi.
Doch es war schon besetzt.
Ich schaue hoch ins Leere und Susan kommt in großen Sätzen die Stufen runtergesprungen.
Schließlich ist sie unten, sie verzeiht mir und will mit.
„Und was machen wir jetzt?“, frag ich.
Ein Taxi hält vor uns.
„Ich muss noch unbedingt Wechselgeld von der Bank holen“, sage ich, „Ich brauche unbedingt etwas Neues zum Anziehen!“
„Wo wollen wir denn hin?“, fragt Susan.
„Egal wohin!“, sage ich, „Wir laufen dann eben die City runter.“
Nach einer Weile sehen wir ganz oben in der Hauptstraße ein großes Schild, auf dem „MODERN FASHION“ draufsteht.
Susan meint: „Wir müssen dort runter.“ „Dann kann ich mir was Süßes zum Anziehen kaufen.“
Wir gehen gerade aus, zwischen den Haufen Leuten.
„Müssen uns die Leute hinterher starren?“ „Fragte Susan.“
Ich zuckte mit den Schultern und sagte nichts.
Susan und ich gehen jedenfalls weiter und immer noch schauen uns die Leute hinterher.
Irgendwann kommen wir dann zu einer breiten Straße.
Ich sage: „Großer Gott, da ist ja schon der Beach Boulevard!“
Ein paar Autos, die an der Kreuzung stehen, hupen die Leute. Wie wir die Straße überquert haben, biegen ein paar Autos ab.
„In dieser Stadt kriegst du immer einen Mann ab, das verspreche ich dir“, sagt Susan zu mir und lächelt mich an.
Wir gehen noch ein Stück weiter, dann seufzt Susan: „Endlich, wir sind da.“
Ich schaue in die Boutique. Gleich um die Ecke ist der Stand für Damenmode.
Susan tippt mir auf die Schulter und zeigt rüber. Ich lächelte laut und sage: „Wirklich!“ Zu Papagallo doch nicht!
Wen soll ich denn heute noch aufreißen? „Da falle ich lieber, gleich splitterfasernackt, dir um den Hals.“
Wir gehen also noch ein Stück weiter.
Und dann meint sie: „Da! Vivienne!“ „Die haben wirklich ein paar hübsche Sachen.“
Da gehen wir dann auch hin.
An der Tür steht eine hübsche Verkäuferin mit einem Papagallo, mit einem tiefen Dekolleté.
Susan konnte ihren Blick von ihr lassen.
„Süß, das Mädchen.“, sagte sie.
„Womit kann ich dienen?“, fragt sie.
Wir wurden ganz rot im Gesicht, als sie uns ansprach, und ich hoffe, die süße, hübsche Verkäuferin, dunkelbraune Hautfarbe und schwarze Haare bis zum Hintern, hat unsere peinliche Verlegenheit nicht mitbekommen.
Ich kann Ihnen sagen, das wäre ganz schön peinlich für uns.
„Wir möchten ein Kleid kaufen“, sagte wir im Chor.
„Woran dachten Sie denn?“, wollte sie auch noch wissen. Denn so richtig wussten wir es selber noch nicht.
„Irgendetwas Hübsches und Nichts Ausgefallenes!“, sagte Susan.
Die Verkäuferin zeigt auf ein paar Kleiderständer und meint, da müssten sie eigentlich etwas in ihrer Größe finden.
Susan geht also rüber und guckt die Kleider durch.
Es waren Designerklamotten, die hier auf dem Ständer hängen, und so billig.
Ein paar Kinder drücken sich am kleinen Schaufenster die verschnupften Nasen platt.
Susan und ich nehmen die acht oder neun Kleider zum Anprobieren in die Umkleidekabine mit.
Nach einer Weile kommen wir wieder heraus und ich frage Susan: „Was hältst du von dem?“
Das Kleid hat eine Elfenbeinfarbe und ist tief ausgeschnitten.
„Ach, ich weiß nicht recht, meine Liebe“, sagt Susan.
„Also, irgendwie sitze das heute nicht an meinem zerbrechlichen Körper“, sage ich.
Ich gehe wieder in die Kabine und probiere was anderes an.
Die Verkäuferin meint zu Susan: „Großartig!“ „Das weiße Kleid steht Ihnen fantastisch, die Männer werden bei Ihnen Schlange stehen.“
„Was soll das heißen?“, fragte Susan. „Ich liebe Frauen!“
Die Verkäuferin starrte Susan an und blieb stumm.
Ich war unzufrieden und hatte keine Lust, noch die anderen Kleider zu probieren.
Ich zieh mir meine Klamotten an und komme enttäuscht aus der Kabine.
Die Verkäuferin fragt uns: „Wie möchten Sie das Kleid bezahlen?“
Ich sah Susan an, denn Sie war damit gemeint.
„Nur, mit Bargeld, Scheck oder Kreditkarte“, fragte die Verkäuferin.
„Mit Kreditkarte.“ sagte Susan.
Susan sah sich die kleine Verkäuferin genau an und fragt sich, ob es noch jemand gibt, der solche Brüste hat.
Jetzt sitze ich also wieder mal im Safari-Fahrzeug.
Susan und ich wollen diesmal auf versteckten Pfaden, die Flüsse, Täler und Ebenen durchqueren.
Wir werden traumhafte Strände und einsame Seen, verlassene Goldgräberstädte und von Menschenhand unberührte Regenwälder entdecken. Susan und ich wollen hautnah die Natur, Menschen und Tiere dieses faszinierenden Landes erleben.
Große Teile der abenteuerlichen Strecke führen durch privates Farmgebiet.
Drei robuste Safari-Fahrzeuge kommen angerast.
Einer von den Fahrern fragt uns Touristen: „Nun, was liegt an?“ “
Wir Ahnungslosen gucken uns nur verwirrt an und stehen stumm da.
„Kommt und setzt euch hier rein – mit nichts als einer Wasserflasche – und euer Gepäck kommt in die Gepäckablage“, sagt der Fahrer.
Zu den zwei anderen Fahrern kann ich eigentlich nichts sagen.
„Ich bin Jeano!“, brüllt er.
„Und ich bin Joe, der gute Mann, der schon auf seinen dicken Hintern sitzt, ist Bad“, sagt Joe.
Die Fahrt beginnt in Auckland und führt zunächst in die Bay of Island, wo wir einen freien Tag in Russel haben.
Hier machten wir einen unvergesslichen Bootsausflug in die Inselwelt.
Über Auckland geht es zur Coromandel-Halbinsel mit Stopp am Hot Water Beach.
In Rotorua besuchen wir das Thermalgebiet und abends wird an einem traditionellen Hangi teilgenommen.
Sie glauben, es hat uns nicht gefallen.
Nein, uns hat es gefallen.
Wir haben viele interessante Bewohner aus dem Ort kennengelernt.
Am nächsten Tag begann unsere aufregende Fahrt im Geländegang.
Jeano brachte uns an den Kraterrand des Mt. Tarawera. Anschließend sind wir in den Wangani Nationalpark gefahren.
Per Jet Boot erreichten wir dann unsere Unterkunft.
Wo wir dann einige Tage verbracht haben.
Nach einer Woche erreichen wir wieder Wellington und setzen auf die Südinsel über.
Sehr aufregend ist es gewesen, als wir die Gelegenheit hatten, Wale zu beobachten.
Über die größte Rinderfarm und einen Gebirgspass erreichen wir den Nelson Lakes Nationalpark.
Auf Allrad-Terrain mit steilen Tracks durch prähistorische Rimuwälder und eine Kohlebergwerks-Geisterstadt geht es durch den Park.
Doch ich bin noch nicht ganz geschafft, denn Susan bringt mich immer wieder auf Trab, indem sie mich nur ärgert.
Dabei durchqueren wir die Insel und erreichen die Westküste bei Punakaiki, wo die berühmten Pancake Rocks besichtigt werden.
Also, vorbei an den Gletschern der Südinsel geht es über den Haast-Pass nach Wanaka.
Und kein Telefon, damit ich meine Mutter anrufen kann.
Doch wer wollte das Wissen, denn die Männer waren froh, einmal von ihren Frauen unerreichbar zu sein.
Bei manchen Männern konnte ich das wirklich verstehen, als Sie mir ein Bild ihrer leblosen Hüllen zeigten.
Ich glaube, eine Frau hält ihren lieben Mann, wenn sie in der Küche wie ihre Mutter ist.
Doch im Bett sollte sie wie eine Hure sein.
Wenn sie mich fragen: Ich versage immer, wenn ich in die Küche muss.
Am nächsten Tag erreichen wir das berühmte Queenstown. Hier steht ein Tag für diverse Aktivitäten zur Verfügung.
Dazu gehört auch, dass ich meine Mutter anrufen werde.
Am nächsten Tag befahren wir die Geländewagenstraßen, die die meisten Schlaglöcher zählen können. Mein demolierter Hintern, mit Hämatomen gesät, kann ich später beim Orthopäden abgeben.
Ich hoffe, dass diesen Schaden die Krankenkasse zahlt.
Susan muss andauernd grinsen und macht sich lustig über meinen kaputten Hintern.
Echt, wir fahren in die Einsamkeit des trockenen Hochlandes, bis wir den türkisblauen Gletschersee Lake Tekapo erreichen.
Mäh, Mäh, Mäh.
Hier übernachten wir auf einer Schaffarm.
Ist das nicht super?
Ich bin froh gewesen, als wir am letzten Tag die Fahrt durch die Rakaia-Schlucht und die Canterbury Plains nach Christchurch machten.
Wir übernachteten dort noch einmal und dann nahmen wir einen Flug zurück nach Auckland.
„Komm, Susan.“, sage ich. „Wir Zwei haben noch eine Menge zu erledigen.“
Wie wir wieder im Hotel sind, setzt sich jeder in einen Sessel und sagt kein Wort.
„Also, problematisch ist das schon, mit Marcel in einer Stadt von Neuseeland?“, meint Susan. „Denk nur daran, dass ihr ein Liebespaar gewesen seid, und jetzt bist du, Roxane, mit mir wieder zusammen.“ „Mit einem eifersüchtigen Mann zu reisen ist sehr schwierig, machen wir uns da nichts vor.“
Ich erzähle Susan, wie sehr ich an sie hänge und wie Marcel mich psychisch und sadomasochistisch gerettet hat und so.
„Nun, das kann ich verstehen.“ sagt sie. Ich bin bereit, einen Versuch zu machen. „Aber Marcel muss sich benehmen, sonst bekommen wir wirklich die größten Schwierigkeiten.“
„Er wird sich benehmen.“ Sage ich.
Susan nickt und grinst richtig auf.
Am nächsten Tag ist dann die große Begegnung.
Ich treffe Marcel Ravel. Marcel ist mit mir und Susan in einen Klamottenladen gegangen und hat sich einen weißen Leinengewand gekauft.
Susan beobachtet mich wie eine giftige Schlange, nah ihrer Beute. Ich darf also keinen Fehler machen.
Wir Drei gehen dann weiter in die Boutiquen und schnörkeln ein wenig herum und umher.
Und Marcel sitzt schon am Tisch im Café und starrt mich bitterböse an.
Als wenn er mich gerne töten würde.
Wie ich hingehe und Platz nehme, brummt er bloß irgendwas, was keiner von uns verstehen kann.
Der Marcel bestellt sich einen Drink mit viel Eis.
Und das macht er auch ganz gut.
Ich und Susan, zünden uns erst einmal eine Zigarette an.
Wir machen beide noch ein paar Züge und bestellen beim Kellner jeder ein Mineralwasser, mit viel Eis.
Marcel zieht sich eine Zigarette aus der Zigarettenschachtel und zündete die sich an.
Glücklich ist Marcel gerade nicht darüber, aber wie es aussieht, kommt er gut damit zurecht, dass Susan und ich ein Paar sind.
Da lass ich mich aber nicht darauf ein, denn er macht sich immer noch Hoffnungen, mich zurück zu bekommen.
Marcel macht irgendwie einen frustrierten Eindruck und verknotet seine Finger und beißt sich auf die Unterlippe.
Ich schaue zu ihm rüber. Susan lächelt mich an und sagt in Lippensprache: „Jetzt.“ Ich weiß, was Sie damit meint.
Ich habe nämlich ein paar Tricks auf Lager, die mir Susan gezeigt hat.
Die stehen in keinem Sprachbuch.
Marcel sagt nichts.
Er muss den Braten schon vorher gerochen haben.
Und ich habe ernste Probleme. Ich habe ganz arg gehofft, dass es mit uns drei klappt.
Susan schaut zu mir rüber und nimmt meine feuchte Hand.
Marcel ist jetzt total still.
Man könnte eine Stecknadel fallen hören und ich könnte platzen vor Aufregung.
Wie ich zu Marcel hinüberschaue, guckt er nach oben.
Mein Herz schlägt zum Zerspringen und Marcel sieht mir direkt in die Augen.
Wie das dann passiert ist, kann ich ehrlich nicht sagen. Wahrscheinlich, weil die Luft zwischen uns gebrannt hat oder so.
Susan ist erst mal ganz baff und wirft die Servietten in die Luft. Die anderen Gäste um uns herum fangen an zu maulen und ich werde rot wie eine Tomate.
Aber als es wieder ein bisschen ruhiger wird, schaue ich zu Susan und sie blickt mir tief in die Augen.
Marcel holte sich eine Tageszeitung und blätterte darin herum, bis er eine Schlagzeile fand, die heißt: „Junge Mutter erstickt ihr eigenes Kind in der Wäscheschleuder“.
Er blättert noch ein bisschen in den Sportseiten hektisch herum und findet eine Stelle, wo steht: „Die Fußballspieler schauen sich ihr Spiel immer dreimal an.“ „Weil sie es nicht glauben können, dass sie verloren haben.“
Marcel kratzt sich eine Minute lang am Kinn und grinst dabei.
Plötzlich stürzt ein junger, eleganter Mann rückwärts über einen Stuhl und im Fallen reißt er einer dicken Frau, um die dreißig Jahre alt, die aussieht, als wenn sie für einen Juwelierladen Reklame machen würde, ihr halbes geblümtes Kleid vom Leib.
Sie fängt an, um sich zu schlagen, und brüllt wie am Spieß: „Hilfe!“ „Hilfe Ein Perverser will mich vergewaltigen!“
Als ob diese schreckliche Frau jemand anfassen würde.
Es herrscht eine richtige Panik und ihre dicken Brüste wippen wie das Euter einer Kuh.
Ich dachte mir, vielleicht braucht sie Schlagsahne für ihre Geburtstagsfeier.
Marcel packt mich und Susan am Arm und sagt: „Los, verschwinden wir hier.“
Da muss ich ihm Recht geben.
Wir gingen zurück ins Hotel.
Doch Marcel meint, ich gehe in mein Appartement.
„Roxane“, sagt er, „es hat mich gefreut, mit euch den Tag zu verbringen.“
„Was heute Nachmittag so alles passiert ist, war, gelinde gesagt, bizarr“, meint Susan.
Ich nicke, doch Marcel macht einen ziemlich geknickten Eindruck.
Er lässt ein Taxi kommen und fährt ins Hotel.
„Also dann, viel Glück, Roxane“, sagt Marcel und gibt mir die Hand. „Hier, meine Karte.“ „Meldet euch doch mal und berichtet mir, wie ihr angekommen seid, ja!“
Ich nehme seine Karte und gebe ihm noch mal leidenschaftlich die Hand und bin richtig traurig, dass er weggeht.
Weil Marcel ein echt guter Mann ist und ich ihn enttäuscht habe.
Susan kommt uns entgegen und verabschiedet sich von Marcel.
Dann setzt er sich ins Taxi, schaut noch einmal aus dem Fenster und fährt weg.
Susan und ich sind wieder auf Achse.
Und in dieser Nacht träume ich von allem möglichen, wie vom Heimfahren, von meiner süßen Mutter, vom enttäuschten Marcel und vom Modebusiness, und natürlich auch von Susan Delon.
Und mehr als alles in der Welt wünsche ich mir. Ich wäre so gern Millionär.
Kapitel 11
Nun sind wir also tatsächlich wieder zu Hause.
Das Flugzeug ist circa um drei Uhr früh auf dem Flughafen gelandet. Wir haben unser Gepäck geholt und es in der Gepäckaufbewahrung stehen lassen.
Kein Mensch war zu sehen, wie bloß ein Typ, der den Boden fegt, und ein anderer, der im Wartesaal auf einer Bank döst.
Susan und ich gehen in Richtung Innenstadt und schließlich finden wir ein Nachtcafé, wo wir uns noch einen Kaffee bestellen konnten.
Zu essen gab es nichts mehr, doch wir konnten zwei, drei Stunden bleiben.
Am frühen Morgen besorgen wir uns im Restaurant ein großes Frühstück mit Müsli, Eiern mit Speck, Brötchen und allem Drum und Dran.
Dann sage ich mir: Jetzt musst du aber endlich in die Gänge kommen und wir machen uns auf den Weg.
Unterwegs kommen wir auch an dem Alexanderplatz vorbei, wo früher mal ein Straßenmusikant mit seiner alten Gitarre gestanden hat, aber jetzt ist da nichts mehr als ein Haufen Leute, die in der Hektik ihres Einkaufsrausches untergehen.
Ich bekomme ein mulmiges Gefühl. Wir gehen sofort weiter.
Wie wir an der U-Bahn-Station ankommen, sage ich zu Susan: Sie soll mit dem Gepäck warten, damit ich uns ein paar Fahrkarten kaufen kann.
Ich hol Susan und wir steigen in die U-Bahn.
Ein Paar Nonnen sitzen auf der Sitzbank.
Wir gehen hin und stellen uns daneben, von denen schaut Susan an und meint: „Hätte ich mir ja eigentlich denken können.“
Susan und ich gehen da hin und ich sage zu der redseligen Nonne: „Haben Sie die Nacht mit dem Teufel geträumt?“ Ich habe einen Pakt mit dem Satan. „Und der wird sie holen, wenn sie jetzt nicht ihre Klappe halten.“
Wie sie das hört und mich ansieht, lässt sie alles stehen und liegen und verlässt den Teil des Wagens.
Ach so, sie hatte nichts bei sich, außer die schwarzen Klamotten, die sie getragen hatte.
Der Schneider muss sie mir noch einmal verraten.
Sie heult und krampft ihre Hände zusammen und betet.
Genau wie früher, im kalten, dunklen Kloster.
Die arme frigide Nonne.
„Ach, Roxane.“, sagt Susan. „Musst du denn alte, zerbrechliche Nonnen erschrecken?“
Das überrascht mich nun nicht besonders. Ich frage nach der nächsten Station.
Keine Sekunde hat es gedauert und schon meldet sich ein leicht angetrunkener Kerl.
Der alte Kerl ist ungefähr sechzig.
„Nonnen und die ganze christliche Gemeinschaft haben keine Moral.“ Du kannst keinen trauen. „Ich sage nur „Negation der Negation“, das habe ich einmal in der Schule gehört“, schreit er uns entgegen, „Sie sind wie die Gottesanbeterin. „Erst beten sie dich an und dann fressen sie dich auf.“
Genau in diesem Moment kommt aus der Menschenmenge eine laute Stimme: „Betrunkener Ungläubiger, hast du etwa ein Gewissen?“
„Oh Gott!“, ruft eine Nonne und betet ihren Gott an und bittet um Verzeihung für den betrunkenen Kerl.
Und irgendwelche Leute ärgern sich und fluchen um den betrunkenen Kerl.
„Raus hier!“ »Verschwinde!«, schreit ein Typ. Das ist der Gipfel! „Du wirst hier den Herrgott nicht verpönen und sogar noch verpennen!“
Eine alte Frau jammert und weint, und ein blasser Typ geht auf den betrunkenen Kerl zu und sagt: „Wer zum Teufel sind sie denn?“
„Ein Optimist.“ sagt er, der blasse Typ, mit der krassen Akne im Gesicht meint: „Dann machen sie, dass sie hier wegkommen, verdammt noch mal.“ „Ihren Optimismus nehmen Sie gleich mit.“
„Ich rate ihnen, nicht so einen Ton zu reden, wenn sie heute noch nicht ihre „Mutti“ gefickt haben“, sagt der betrunkene Kerl und er gibt zurück: „Ach ja?“ Und was willst du dagegen machen?
Da zeigt er es ihm eben.
Er schnappt ihn und kneift ihm mit der Hand voll in die Beine.
Die U-Bahn hat nun unsere Station erreicht.
Wie wir aussteigen, versucht der betrunkene Kerl, aus der aufgebrausten Menge der Leute, auch auszusteigen.
Was ich nur noch von dem Kerl sehe, ist sein nackter, behaarter Arsch, der ihm aus der Hose rutscht.
Wir sind zu Hause angekommen. Jetzt habe ich mir vorgenommen, vor dem Schlafengehen noch Mutter anzurufen.
Ich drücke die Telefonnummer am Telefon.
Ich höre es klingeln.
Plötzlich meldet sich eine traurige Stimme.
„Ja, wer ist da?“, sagt sie.
„Mutter, ich bin’s, Roxane.“, sage ich.
„Ach Roxane, jetzt habe ich meine Stelle verloren!“, sagt Mutter, heult und tupft sich mit dem Taschentuch die Augen.
„Mach dir mal keine Sorgen“, sage ich ihr, „Das wird schon, denn ich habe große Pläne.“
„Wie kannst du Pläne haben, Roxane?“, jammert sie.
Du bist doch eine Frau. „Und du hast noch keinen reichen Mann getroffen, der dich heiraten wird.“
„Du wirst schon sehen“, sage ich und bin jedenfalls froh, dass ich eine schöne, interessante und abenteuerliche New Zealand-Reise gehabt habe, und heute ist mein erster Tag zu Hause.
Susan und ich sind zu der Pension gefahren, wo Mutter gewohnt hat. Natürlich mit meinem Auto.
Wie ich ihre Susan vorstelle, meint sie: „Ich finde es schön, dass du überhaupt eine gute Freundin hast.
Ich und Susan haben dann mit Mutter in ihrer Pension zu Abend gegessen.
Sie hat für uns extra leckere Sachen eingekauft, wie Ananas und anderes Obst, Käse und sowas.
Hinterher bin ich mit Susan nach meinem alten Zuhause gefahren, das ja inzwischen schon abgebrannt ist und wo auch an diesem Ort die Familie von Dirk Jahnke zu Hause ist.
Mutter steht auf dem Balkon und schaut uns nach.
Natürlich wischt sie sich die Augen und weint.
Ich habe ihr ein wenig Geld gegeben, damit sie für die nächste Zeit über die Runden kommt und dass sie gut versorgt ist.
So brauche ich nicht so ein schlechtes Gewissen.
Wie wir dann an dem Ort, in Brandenburg, sind, finden wir das Haus von meiner Familie zuerst in einem Zustand wie nach einem Krieg.
Es ist erschreckend. Ich musste an die schöne Zeit, als ich darin mit Mutter lebte, denken.
Es war eine schöne und harmonische Zeit in diesem schönen Haus.
Susan und ich gingen noch einmal um das Haus und ich sah mich als Kind dort herumlaufen.
Das alte Haus von Dirks Leuten fanden wir ohne Schwierigkeiten, und das Grab von Dirk war ungepflegt, und auf dem Grabstein steht: „Hier ruht in tiefer Trauer unser Sohn.“ Dirk Jahnke. „Er lebt bei uns weiter!“
Es ist so circa acht Uhr abends. Es klingelt an der Tür. Nach einer Weile mache ich die Tür auf und frage, was er will. Er sagt mir, wer er ist und dass er von einer großen Werbeagentur kommt.
Ich mache ihn wohl ein bisschen nervös, aber ich meine, er möchte hereinkommen.
Zu dem jungen, nicht hässlichen Mann, habe ich gesagt: Er möchte in das Wohnzimmer gehen und sich in den Sessel setzen.
Der Mann heißt Chris Beyer und ist jedenfalls der Art-Director von der „Sky“-Werbeagentur und ich biete ihm eine Tasse Kaffee an.
Aber er wollte lieber ein Glas Mineralwasser, sonst könnte er heute Abend nicht mehr einschlafen, wenn er zu Hause ist.
Und ich stelle ihm jede Menge Fragen und so.
Dennoch will er alles von mir wissen, wie es mir in der Werbung gefällt und all sowas.
Und ich erzähle ihm das so gut wie ich es kann.
Schließlich meint er: „Eine Sache mit dem Werbeplakat ist mir in der ganzen „Luks“-Kampagne nicht aus den Kopf gegangen.“ Warum haben Sie für ein Parfüm „Luke“ so ein Layout angefertigt? Was glauben Sie? “
„Weil ich damit den Punkt getroffen habe“, antworte ich, aber er sagt: „Nein, das meine ich nicht. Warum sitzt das Model splitterfasernackt in einem Haufen Strohbündel?
Ich überlege mir das eine Weile und sag: „Also, ich wollte eben jeden Verbraucher ansprechen, der auf Freiheit, frischen Duft und Natur steht.“ „Ach, eigentlich habe ich nur gemacht, was die Frauen wollen.“
„Und glauben Sie, das hat sich gelohnt?“ Was Sie da gemacht haben? Das Parfüm unter die Frauen gebracht? „Fragt er.“
Und ich sage: „Also, wissen Sie, ich bin bloß eine Kommunikationsdesignerin.“ „Aber wenn Sie wirklich meine Meinung hören wollen, glaube ich, das war eine ganz große Sache.“
Der Herr Beyer nickt.
„Zu diesem Ergebnis bin ich auch gekommen“, sagt er.
Dann erzählt Herr Chris Beyer mir, warum er überhaupt noch so spät gekommen ist und wie er und ich in Paris ins Modebusiness einsteigen können.
Und dass er schon viele internationale Modedesigner getroffen hat, wie ich in Neuseeland gewesen bin.
Ja, doch, dieses interessiert mich und ich stelle einen Haufen neugieriger Fragen.
Auf einmal kommt Susan aus dem Schlafzimmer.
„Ich muss ihnen was sagen“, sage ich und erzähl ihm, dass Susan meine Lebensabschnittsgefährtin ist.
Jedenfalls meint Herr Beyer: Ich könnte über Nacht ins Hotel gehen und morgen früh sprechen wir, bei einem ausgiebigen Frühstück noch einmal über das große Angebot und es ist ja auch eine große Chance, um weiterzukommen.
Und dann wollen wir mal sehen, ob ich Sie nicht überreden kann.
Am nächsten Morgen sind wir schon mit den Hühnern aufgestanden.
Ach so, ich weiß nicht, ob Sie es schon wussten.
In Berlin gibt es keine Hühner.
Ist das nicht komisch?
Nun gut, ich kann es ja mal probieren.
Susan und ich haben einen großen Hunger mitgebracht und ein Megafrühstück wurde für uns gemacht.
Mit Jogurt, Müsli, frischen Eiern und Brötchen.
Später sind wir noch im Hotel runter in die Dampfsauna gegangen.
Es ist ganz ruhig und in der Kabine starker Nebel.
Ab und zu husten einige Typen im Radetzkymarsch.
„Da drüben kommt der heiße Wasserdampf rein.“ sagt Susan und zeigt mir die Stelle.
„Wenn Sie wollen, können Sie hier noch drin bleiben.“ „Ich muss hier raus.“ sagt Herr Beyer.
Er geht raus, wir hinterher und er meint: „Die finnische Sauna kann ich besser vertragen, dort schwitze ich richtig.“
Susan und ich schauen uns an und grinsen.
Dann gehe ich unter die kalte Dusche und Susan kommt mir nach, so dass ich mich erschrocken habe, als ich mich umdrehe.
„Also, ich kann Ihnen sagen, meine Damen, richtig ideal diese Sauna im Hotel“, sagt Herr Beyer.
Außerdem ist Herrn Beyer aufgefallen, dass wir beide eine gute Figur machen.
Ich glaube, die Hauptsache ist, dass er es nicht zu dick aufträgt.
Beyer und ich haben also noch am gleichen Tag angefangen.
Er hat mich ins Hotel zurückgefahren und dann sind wir in die City gegangen und haben die ersten Sachen eingekauft.
Später meint er nur, er hätte ja sein Auto nehmen können.
Susan ist zu Hause geblieben und hat sich ein wenig Arbeit vorgenommen.
Plötzlich fängt es an zu regnen und es regnet auch ganz ordentlich.
Wir machten schnell auf den Weg, dass wir uns noch irgendwo unterstellen konnten, bevor wir klitschnass bis auf die Knochen geworden wären.
Am nächsten Morgen stehe ich einfach nicht auf und dreh mich im Bett noch einmal um.
Susan macht uns in der Zeit schon ein köstliches und nahrhaftes Frühstück.
Fast einen Monat hat es gedauert, bis Herr Beyer und ich das Projekt ins Rollen gebracht haben.
Erst mussten wir ein Gebäude bewohnbar machen, den Tresen für eine Bar, den Laufsteg für die Modeschauen installieren und eine große, leere Wand für die Galerie verschiedener Künstler bereitstellen.
Dann ist es endlich so weit, dass wir die Tische und Stühle reinstellen können.
Ich habe verschiedene Künstler finden können, die ihre Sachen präsentieren.
Beinah den ganzen Tag waren eine Menge interessierter Leute in unserer Modegalerie „Chic“.
Am Abend haben wir bestimmt das doppelte Publikum gehabt. Die Resonanz der interessierten Leute ist groß.
Die Leute bewunderten unsere Idee und haben uns zu der Neueröffnung gratuliert.
Am nächsten Morgen haben sich gleich fünfhundert Künstler gemeldet, aus verschiedenen Bereichen, wie junge Modedesigner, Grafik-Designer und Autoren.
Hundert habe ich gleich unter Vertrag genommen, dass die Modegalerie was zu zeigen hat.
Workaholics sind wir und arbeiteten hart den ganzen Sommer. Ja!
Wir machten es auch den ganzen Herbst, Winter und Frühling, bis wir schließlich expandieren konnten, in andere Großstädte in Deutschland.
Abends setze ich mich immer mit Susan ins Wohnzimmer und spiele auf meiner Gitarre.
Und am Samstag gehe ich mit Susan in die City und kaufen schöne Designerklamotten, lassen uns im Wellnesscenter so richtig verwöhnen und zum Abschluss gehen wir in ein schickes Restaurant und essen vom Feinsten.
Endlich habe ich das Gefühl, ich gehöre wohin und mache richtige Arbeit.
Und ich sage mir: Wenn wir die erste Million haben, ist es vielleicht okay, dass ich nach Marcel suche und schaue, ob er immer noch sauer auf mich ist.
Oder auch, ob ich noch sauer auf Marcel bin.
„He, Bonnie, hau ab!“, sagte ich.
Bonnie tapste über das Fenstersims auf mich zu.
„Hau ab, habe ich gesagt!“
Bonnie blieb stehen, sah mich an.
Tapste weiter.
Bis zu den Fingern, die ich vom Bett runterhängen ließ. Schnupperte daran.
Bonnie zuckte zurück. Fauchte.
Sein Fell sträubte sich.
Ich kam vom Bett hoch.
„Verzieh dich!“, sagte ich. „Mama hat keine Zeit für dich.“ »Sie ist gerade dabei, zu denken.«
Bonnie beugte sich vor.
Schnuppert an meinen Beinen.
Tapste noch einen Schritt weiter.
Schnüffelte wieder an den Füßen.
Drehte sich.
Miaute.
„Verpiss dich, Bonnie!“, sagte ich. „Oder willst du, dass ich dir eins mit dem Ding.“
Bonnie schoss miauend weg.
Weit und breit keine Menschenseele auf dem Flur.
Als die Fahrstuhltüren hinter uns zuglitten, vergewissert Susan sich durch einen Blick auf die Uhr.
„Es ist Punkt neun.“, sagt sie.
Ich warf einen prüfenden Blick in den großen Spiegel. Rotäugig.
Richtete mir die Haare und ging auf Susan zu.
Ein Stöhnen, von Susan.
Sie öffnete die Fahrstuhltür und musste sie auf stemmen.
Ein Liebespaar kam uns entgegen.
So stießen wir alle lächelnd, die Tür weiter auf.
Als ein Streifenwagen mit Sirene vorbeiraste, starrte ich in das blendend, grelles Licht.
Überall standen dicht geparkt PKWs und Busse. Einer kam gerade in wilder Fahrt um die Ecke geprescht.
Wir fuhren in die City, um einen Burger zu essen.
So, wie ich es wollte. Vielleicht, glaube ich, wollte es Susan auch.
Später machte Susan Kaffee, richtigen Kaffee.
Wir tranken ihn auf dem Sofa.
Bonnie schlief zusammengerollt auf dem Sessel.
Susan sagt: „Du bist auf dem besten Weg, die berühmteste kreative Unternehmerin im ganzen Land zu werden.“ „Ich glaube, sogar die Topdesigner werden sich um dich reißen, deine Bekanntschaft zu machen.“
Ich nahm einen Schluck aus dem Becher, nickte und sagte: „Was dazu führen könnte, dass du und ich eine Menge Spaß haben.“
Susan lächelte, sah mich von der Seite an, trank einen Schluck und schielt mich an.
„Unglaublich.“, murmelte sie.
„Verrückt nach Erfolg. „Ich glaube, im Grunde war es vorauszusehen, dass früher oder später jemand kommt und dir die Tür öffnet.“ sagt Susan.
„Es ist verdammtes Glück, das ich habe“, sagte ich. „Irgendwo da draußen gibt es Leute, die das auch bringen könnten.“ Und ein paar andere wieder nicht. Susan ..."
Ich wandte mich ihr zu, sah sie an.
„Höre Susan, ich möchte, dass du eins weißt: Susan, du gehörst dazu.“ „Das war die Bedingung, die ich von Anfang an dem Herrn Chris Beyer gestellt habe.“
„Nett von dir, dass du so entschieden hast.“, sagte Susan.
Wir hoben die Becher, stoßen an, und tranken einen Schluck.
Susan sah mich an.
Ich nickte.
„Ich denke, es wird schon mit uns klappen. „Und wenn nicht, nehme ich es auch“, sagte ich.
Sie kratzte sich hinter dem Ohr.
„Nah, schön…“, sagte sie, „ich denke, ich sollte das nicht so negativ sehen.“ „Obwohl ich fürchte, dass ich so gut wie keine Ahnung habe.“
„Was soll das heißen: so gut wie keine Ahnung?“, frage ich.
Ich beugte mich vor und stellte den Kaffeebecher ab.
Doch Susan antwortete nicht.
Susan nahm Bonnie in die Arme, er stemmte sich hoch und sie drehte sich zu mir um.
Sie machte eine schmerzverzerrte Grimasse und schüttelte ein Bein aus. „Oh Gott, meine Knie sind eingeschlafen.“
„Ahh“, machte Susan mit gleichfalls schmerzverzerrtem Gesicht und sah mich, während ich aufstand, an.
Sie legte Bonnie in die Sitzdelle der Polster, beugte sich zu ihm hinunter, küsste Bonnie auf den Kopf. „Braver Kater“, sagte sie, hauchte ihm einen Kuss auf die feuchte Nase.
„Ach, haben wir einen braven Kater!“ „Von heute an, gibt es nur noch Tunfisch für dich.“
Ich lächelte.
Bonnie schmiegte sich in der grauen Decke, schnurrte wohlig mit geschlossenen Augen.
Seine Schnurrbarthaare zuckten.
Ich ging in die Diele.
Und sagte: „Jede Wette, dass hier im Haus noch keiner schlafen gegangen ist.“ Die sitzen bestimmt noch da und reiben sich die Finger zwischen den Beinen wund. „Weil keiner von den Typen, den anderen sagen will, dass er oder sie den anderen liebt.“
Ich ging wieder ins Wohnzimmer und stellte den Dimmer leiser.
Und als ich auf Susan zugehe, sagte sie: „Ich hätte nichts dagegen, dir zu sagen, dass ich dich liebe.“
Kapitel 12
An einem richtig schönen Tag wie heute haben wir uns gesagt: Jetzt ist es Zeit, mal richtig ranzuklotzen.
Ich und Susan sind schon bei Sonnenaufgang aus den Federn gekrochen und haben neue Pläne gemacht.
Am Abend hatten wir so circa dreihundert neue Künstler an Land gezogen.
Die haben wir dann für ein neues Programm gecastet.
Am nächsten Morgen haben wir Getränke in der Brauerei bestellt.
Fast zwei Wochen lang haben wir hart gearbeitet.
Wie wir schließlich unsere Abrechnung machen, haben wir insgesamt 248 000 000,62 Deutsche Euro verdient.
Unsere Modegalerie „Chic“ ist ein Erfolg!
Also, ich kann Ihnen sagen, das war ein freudiges Ereignis. Susan, ich und Herr Beyer haben sehr guten Schampus getrunken und wir haben uns riesig gefreut.
Er ist stolz auf uns, und wenn es bloß so bleiben wird.
Ich und Susan. Wir sind mit Chris zum Feiern, in ein Restaurant.
Als Allererstes musste ich meine Mutter anrufen und erzählen von meinem großen Erfolg und so.
Und Sie werden es nicht glauben: Sie bekommt gleich wieder feuchte Augen.
„Ach, Roxane“, sagt sie, „Ich bin stolz auf dich.“ „Was du eben in die Hand nimmst, glückt dir immer.“
Ich erzähle Mutter jedenfalls von meinen Plänen, nämlich dass wir nächstes Jahr auch ins Ausland gehen wollen.
„Soll das heißen, du musst aus Berlin wegziehen?“, fragt die Mutter.
„Nein, Mutter, das nicht.“ „Aber ich muss dann viel reisen und ich werde dir jeden Tag eine Karte schicken.“
„Was soll ich denn da mit mir anfangen, wenn du so weit weg bist?“
„Karten lesen“, sage ich.
Dann bin ich ins Restaurant gegangen und habe mich an den Tisch gesetzt, wo Chris und Susan schon warteten.
Und dann haben wir uns zu Essen bestellt, mit allem Drum und Dran.
Doch dann haben wir drei beschlossen: Wir gehen noch tanzen, in einer Nachtbar.
Wie wir dann an einer schummrigen Nachtbar vorbeigehen, hören wir tolle Tanzmusik heraus.
Als wir hineingingen, hörte ich eine laute Stimme und sagte mir: Die Stimme kenne ich doch, auch nach all den Jahren.
Ich steck' meinen Kopf durch die Tür.
Und Richtig!
Es ist der gute alte Sammy von der Agentur, wo ich früher einmal für sie gearbeitet habe.
Sammy freut sich riesig, dass er mich sieht.
Sein Kumpel nennt ihn ein Arschloch und einen Saftsack und was ihm sonst gerade noch für hübsche Sachen einfallen.
Wie sich herausstellte, ist er nach der Werbung ins Fotogeschäft eingestiegen, aber die haben ihn rausgeschmissen, als er die Chefin gefickt und sie dann abserviert hatte.
Er hat noch ein paar Jahre in anderen Filmproduktionen mitgearbeitet, aber dann hat er sich als Kameramann verdient gemacht.
Und er meint, der Job ist gerade richtig, bei dem, was er sonst so in den Studios verdient hat.
Sammy spendiert uns jedenfalls ein kaltes Bier.
Wir unterhalten uns über alte Zeiten.
Natürlich haben wir auch getanzt, ganz eng.
Der DJ spielte „I believe, I can fly“ von R., mein Lieblingslied. Dabei könnte ich schmelzen, wie ein Eiszapfen.
Nach ein paar Drinks kommt mir eine prima Idee.
Und ich weise Sammy gleich ein.
„Wie wäre es, wenn du für mich arbeiten würdest?“, frage ich.
Er verstummt und hat nicht einmal eine Reaktion.
Ich erzähle ihm also von der Modegalerie „Chic“ und da ich ins Ausland expandieren werde.
„Ja.“ sagte Sammy, dein Angebot kommt mir jetzt gerade recht.
Den ganzen Sommer und Winter und den nächsten Frühling haben wir dann kräftig malocht, also ich, Susan, Chris und Sammy. Sogar für andere qualifizierte Leute gab es einen festen Job.
Es könnte überhaupt nicht besser laufen.
Für mich ist es allerdings auch keine ganz so glückliche Zeit, weil ich andauernd daran denken muss, was wohl aus Marcel geworden ist.
Irgendwann in meinem Leben habe ich dann beschlossen: Da kümmerst du dich jetzt mal darum.
Gleich, an einem Sonntag, da habe ich mich in dem besten Outfit geschmissen und mein Auto genommen und bin zu Marcels Haus gefahren.
Wie ich an der Haustür klingle, öffnet mir eine ältere Frau. Es ist seine Mutter.
Ich sage ihr, wer ich bin, und sie meint: „Roxane Care!“ Ich kann es einfach nicht glauben. „Komm doch rein!“
Na ja, schöne Begrüßung.
Sie fragt mich auch gleich nach meiner Mutter, was ich so mache, und schließlich frage ich dann nach Marcel.
Sie hat mich kaum zu Wort kommen lassen. Ich glaube, das können Sie.
„Oh, viel lässt er nicht gar von sich hören“, meint Frau Ravel. „Soweit ich weiß, wohnt er irgendwo in Leipzig.
Ich nickte und schrieb mir seine neue Anschrift auf.
„Ach, weißt du das nicht, Roxane?“, meint sie.
„Marcel ist verheiratet.“
„Verheiratet?“, sage ich schockiert.
„Schon seit einem halben Jahr.“ „Er hat ein Fotomodell geheiratet.“ sagt Frau Ravel. „Soll ich für Marcel etwas anrichten, wenn ich von ihm höre?“
„Nein, Frau Ravel“, sag ich, „eigentlich nicht.“ „Das heißt, vielleicht könnten Sie ihm sagen, dass ich ihm alles Gute wünsche.“
„Mach ich.“, sagt Frau Ravel. „Es hat mich wirklich gefreut, dass du vorbei geschaut hast.“
Also, mir ist klar: Eigentlich hätte ich ja auf so eine Vorstellung gefasst sein müssen, ich war es aber nicht.
Und das ärgert mich und macht mich wütend.
Mein Herz schlägt wie wild und ich bekomme kalte, feuchte Hände.
Ich will mich bloß noch irgendwie ganz klein zusammenrollen, wie damals, wo ich noch in Mutters Bauch gewesen bin.
Ich weiß nicht, wie lange ich so da gelegen habe.
So circa neun Monate, glaube ich.
Marcel mache ich keine Vorwürfe, er hat bloß getan, was er tun musste.
Ich bin nun mal eine langweilige Frau, die in manchen Beziehungssachen einen langen Atem braucht.
Nun sagen zwar viele Männer: Wer will so eine langweilige Spaßbremse heiraten, die zum Ficken eine Woche Bedenkzeit braucht, aber die können sich gar nicht vorstellen, was ihnen blühen täte, wenn sie mal irgendwann eine wirkliche Spaßbremse heiraten würden.
Vor allem tue ich mir selber leid, weil ich mir so lange eingeredet habe, dass Marcel und ich eines Tages zusammen sein werden, bis ich fest daran geglaubt habe.
Doch wie ich nun von seiner Mutter erfahren habe, dass er geheiratet hat, ist das so, wie wenn ein Teil von mir für immer abgestorben wäre.
Denn heiraten ist was anderes, als wenn jemand wegläuft. Das kann ich Ihnen sagen.
Heiraten ist eine richtige, ernste Angelegenheit mit Herzschmerzen und Liebe, und so.
Dieses Gefühl kennen Sie bestimmt.
In dieser Nacht habe ich nur geheult, aber das hat auch nicht viel geholfen.
Am Nachmittag bin ich dann irgendwann aus meinem Bett vorgekrochten und wieder nach Berlin gefahren.
Was passiert ist, habe ich aber keinem erzählt – auch Susan nicht, denn ich habe mir gesagt, das bringt sowieso nichts.
In der Modegalerie „Chic“ gab es einiges zu tun.
Rechnungen schreiben und all sowas.
Das habe ich dann eben ganz alleine gemacht.
Bis ich fertig bin, ist es schon dunkel und ich fasse den Entschluss: Ich fahre nach Hause.
Das mache ich dann auch.
In diesem Jahr machen wir über eine Million Deutsche Euro Umsatz.
Und das Geschäft wächst derart, dass ich neue Leute einstellen muss, die die Gäste bewirten und den Laden schmeißen können.
Bald bekommen die Zeitungen Wind von unserem Geschäft und schicken einen Haufen Reporter vorbei.
Auch das Fernsehen interessiert sich für unsere Modegalerie „Chic“, und die schicken uns die Redaktion vorbei, mit Kameramann, Reporter und ein paar Kabelträgern.
Der Medienrummel ist ganz schön laut. Um mich und mein Team.
Und diese Leute stellten alle die gleichen Fragen, wie warum, weshalb, weswegen, wie viel und mit welcher Haarspülung ich mir die Haare spüle.
Bekloppt sind die Leute.
Das kann ich Ihnen sagen.
Nachher fragen die Typen mich noch, was ich geschissen habe, und wollen mich beim Bumsen filmen.
Ehrlich gesagt, das ist alles nur eine Geldfrage. „Wie viel?“
Dabei habe ich schon viele Leute ertappt, die gesagt haben, ich ziehe mich nicht aus vor der Kamera.
Doch dann haben zwei, drei Hundert Mark gewunken. So schnell haben die Tussis sich noch nicht einmal bei ihrem Freund ausgezogen gehabt.
Also, das erscheint dann am Mittwoch mit einem geilen Foto in Farbe von mir und meinem Team der Modegalerie „Chic“.
Und dann lautet die Schlagzeile:
„Eine weltbekannte kreative Kommunikationsdesignerin bringt junge Designer aus verschiedenen Künstlerbereichen zum Erfolg.“
Na ja.
Mutter meint dann später: Ich brauche jemanden, der dir in der Buchhaltung hilft und in finanziellen Dingen durchblickt, weil ich jetzt so viel Geld verdiene.
Ich überlege mir das eine Weile, dann fällt mir ein: Ich könnte mich mit einem weiteren Steuerberater in Verbindung setzen, bevor der andere sich zu Ruhe setzt.
Er freute sich, dass ich anrief, und sagt mir, er kommt gleich mit dem nächsten Flugzeug.
Wie er dann eine ganze Woche da ist, meint Herr Hoffmann, der neue Steuerberater. Wir müssen uns zusammensetzen und alles durchsprechen.
„Frau Care“, sagt er, „Was Sie hier geleistet haben, ist ganz erstaunlich, aber jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem eine ernsthafte Finanzplanung nötig ist.“
Ich frage mal: „Für was denn?“
Und er fängt an, mir das zu erklären: „Investitionen!“ Disqualifizierung! Schauen Sie, soweit ich es überblicke, werden Sie im laufenden Steuerjahr einen Gewinn von circa drei bis vier Millionen Deutsche Euro erwirtschaften. Und das nächste Jahr dürften sie dem Zweifachen echt nahekommen. Bei derartigen Gewinnen muss man reinvestieren. Sonst schlägt das Finanzamt erbarmungslos zu. „Reinvestieren sind das A und O des mörderischen Geschäftslebens!“
Herr Hoffmann managt diese Sache.
Und wir gründen ein paar mehr Galerien weltweit.
Beinahe eintausend kompetente Angestellte haben wir jetzt.
Die Bereiche Werbung und Öffentlichkeitsarbeit haben wir selbst übernommen.
Denn wir sind ja vom Fach.
Wir sind jedenfalls ganz groß im Geschäft der kreativen Künstler.
Zu unserer Firma gehört ein eigenes Bürogebäude.
Einen Haufen Geld haben wir in Immobilien angelegt, wie in Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden.
Einen seriösen und kompetenten Immobilienmakler mit ausreichenden, sehr guten Referenzen haben wir auch noch eingestellt.
Meine Mutter hat einfach einen Auftrag einer Baufirma gegeben und hat eine Villa „M“ bauen lassen, mit allem Drum und Dran.
Sie ist der Meinung, das gehört sich nicht, dass eine erfolgreiche Geschäftsfrau in einem kleinen Apartment wohnt.
Ich trage jetzt auch die besten Designerklamotten.
Wie eine Rechtsanwältin. Ja, das kann ich Ihnen sagen.
Andauernd muss ich auf strapazierten Versammlungen einen Haufen Klugredner über mich ergehen lassen, was sich anhört wie auf der Hühnerfarm.
Ja, dann sind auch einmal ein paar Leute bei mir im Büro vorbeigekommen und haben gemeint, ich soll ein paar Modefirmen übernehmen, die kurz vor dem „Aus“ stehen.
„Sie, Frau Care, sind wie geschaffen dafür“, behauptet einer von den Typen, der Georg heißt, einen dunkelblauen Zweiereier trägt und eine dicke Zigarre raucht.
„Schauen Sie her“, sage ich zu ihm, „habe ich es nötig, alte Baustellen zu kaufen?“
„Von der Bauindustrie versteh ich nichts.“
„Wir brauchen gute Leute wie Sie, Frau Care“, sagte Georg.
Ich halt von dieser Idee genauso wenig wie von den meisten anderen, was sich irgendwelche Leute für mich ausgedacht haben.
Ich kann Ihnen sagen.
Wie es mit der Modegalerie „Chic“ angefangen hat, machte mir die Arbeit ziemlich viel Spaß.
Mit den Hühnern aufstehen, Frühstücken mit Susan, Schampus trinken und so weiter.
Dann kann die Firma expandieren und neue Modegalerien in Paris, Mailand und New York öffnen, wo eben die Prominenz residiert.
Jetzt ist alles noch aufregender.
Ich geh andauernd zu irgendwelchen Abendgesellschaften, und da gibt es jede Menge Speisen zu essen.
Die mich zum Nachdenken animieren, wie ich bei meiner schlanken Figur bleibe.
Die dicken geschminkten Damen, in dem Designerkleid und den dicken Brillantringen an den Fingern, das ist der Supergaudi des Abends, für die Unterhaltung der Gäste.
Ich behaupte, wenn alle Menschen wüssten, was sie voneinander sagen, dann würde es keine Freunde, sondern nur noch Feinde geben.
Den ganzen Tag klingelt das Telefon. Irgendwelche Leute wollen wissen, was in den nächsten Tagen in der Modegalerie läuft.
Dazu kann ich nur kurze Antworten geben und sage: „Kommt einfach vorbei.“
Ich habe aber auch so schon überhaupt keine Zeit für irgendwelche „Bla Bla Gespräche.
Keine Zeit für mich und irgendwie rennt das Leben an mir vorbei.
Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich mich nicht. Ich sehe nur noch eine Hülle vom Körper.
Ich weiß, das Geschäft läuft prima, aber bei mir selber habe ich das Gefühl, ich dreh mich nur im Kreis.
Wieso mach ich das eigentlich alles, frage ich mich immer wieder.
Vor langer Zeit habe ich mir vorgenommen, eine Modegalerie zu eröffnen, doch da ist jetzt mehr daraus geworden, als ich mir hätte träumen lassen, aber was soll es?
So viel Spaß für wenig Geld.
Ich wäre vielleicht enttäuscht, wenn ich gescheitert wäre, aber ich wäre verloren, wenn ich es nicht versucht hätte.
Neider nennen mich eine Feministin, wenn ich Gefühle ausspreche, die mich von einem Dienstmädchen oder einer Prostituierten unterscheiden.
Und ich weiß nicht, warum Frauen irgendetwas von den Dingen haben wollen, welche die Männer haben.
Ich bin der Meinung, dass die Frauen von allen Eigenschaften die Grausamkeit am meisten Schätzen, da ihre Instinkte von einer wundervollen Primitivität sind.
Ein Geistlicher sagte einmal zu mir: „Jesus spricht davon, dass wir vollkommen sein sollen.“
Nicht in Disziplin, die wir nicht beherrschen, sondern in dem, was wir alle können: im Lieben.
Irgendwie merke ich jedenfalls, ich muss weg hier.
„Warum sagen wir nicht einfach allen, du machst einen langen Urlaub, Roxane?“, schlägt Chris vor.
So machen wir das dann auch.
Ich sage Chris und Susan auf Wiedersehen und gehe dann bei allen vorbei und sag „Tschüss“
Wie ich dann am nächsten Morgen aus dem Bett mich quäle, hat es geregnet wie verrückt. Ich bin ins Café und habe mir ein schönes Frühstück bestellt.
Dann habe ich mir überlegt, was ich jetzt mache.
Viel ist mir nicht eingefallen. Kann ich Ihnen sagen? Oder haben Sie eine Idee?
Wie es aufhörte zu regnen, habe ich beim netten Kellner bezahlt und ich bin in den Park gegangen.
Ich setze mich auf eine Bank, wo lauter Zigarettenkippen umherlagen, aber die anderen Bänke im Park sahen genauso aus.
Doch dann habe ich eine Idee.
Ich weiß es nicht mehr.
Am nächsten Morgen besorge ich mir im Supermarkt etwas zum Frühstück.
Nachher, als ich fertig gefrühstückt habe, bin ich unter die heiße Dusche gegangen.
An diesem Tag habe ich einfach keine Lust gehabt, irgendetwas zu tun.
Am Montag darauf bin ich in einen kleinen, gemütlichen Musikladen gegangen.
Ich wollte einmal sehen, ob ich eine neue Konzertgitarre finde, weil die alte Gitarre schon den Geist aufgegeben hatte.
Ich sehe, dass der Verkäufer hinten in der Ecke eine zu verkaufen hat.
Ich frage diesen Verkäufer, wie viel er dafür haben will.
Und er sagt, eigentlich vierhundert Euro, aber er macht mir einen Sonderpreis. Ich glaube, er hat mich trotzdem beschissen.
Ich kaufe die Gitarre also.
Irgendwann, als ich früh am Morgen gerade zum Park gehe, fängt es mal wieder an zu regnen.
Das ist nichts Neues.
In Deutschland gießt es jeden zweiten Tag wie aus Kübeln, und das Tief der Schlechtwetterperiode hat immer nur Frauennamen, wie Carola, Silvana oder so.
Was sonst?
Frauen sind doch schlecht.
Oder nicht?
Wer ist dafür?
Mal die Hände hoch, und so hoch wie es geht!
Okay!
Und wer nicht?
Ich winke ab.
Du zählst nicht!
Ich kann Dir sagen: „Es gibt zwei Arten zu leben. Du kannst Dich heraushalten, und die Gleichgültigkeit wird zur Gewohnheit, zur Rüstung.
Dann bist Du sicher gelangweilt.
Oder du nimmst Anteil und lebst aus dem Vollen.
„Bis dir das Leben auf deinem Rad zerbricht.“
Ein Yuppie steht unter seinem Schirm auf dem Gehweg, direkt vor einem großen Plastiksack.
Unter dem Sack ist jemand, aber von dem sieht man nicht die schmutzigen Hände.
Ich gehe über die stark befahrene Straße und schau mir die Sache aus der Nähe an.
Und was meinen Sie?
Ich traue meinen Augen kaum!
Ich könnte platzen vor Freude und gehe hin und reiß den Müllsack weg.
Und tatsächlich ist es der Mann, den ich damals auch im Regen traf.
„Was treibst du denn hier, Roxane?“, fragte der Mann.
„Nach was sieht es denn aus?“, frage ich zurück. „Ich gammele jetzt hier so herum.“
„Ich habe meine Exfrau gesehen – Splitternackt, im Fernsehen, unter den Nummern 0190 81 6666“, sagt er.
„Echt?“, frage ich. „Hast du angerufen?“
„Nein“, sagt er.
Und grinst mich an.
Im Obdachlosenheim will er nicht. Dort klauen die anderen Typen wie die Raben.
Und sonst hatte er keine Klamotten mehr, wenn er eine Nacht dort schlafen würde.
Er erzählt, was er gemacht hat.
Er hat sich einen Job in einer Autowerkstatt besorgt, wo er in der Autowaschanlage die Autoscheiben geputzt hat.
Aber irgendwann, sagt er, hat er die Schnauze voll gehabt von dem ganzen Dreck und den Silicon betonten, arroganten Weiber in den Autos.
Dann hat er es eine Weile mit Betteln versucht, aber bald wieder aufgehört, weil das für ihn los ist.
„Was meinst du, sind die Titten, die dort gehen, echt? „Fragt er.“
Ich wurde stumm und musste diese Frage erst einmal schlucken.
Ich zuckte mit der Schulter.
Ich bin jetzt wohl schon einen Monat aus der Firma.
Und es läuft mit mir ziemlich gut.
Irgendwann taucht ein Journalist von der Zeitung auf und fotografiert mich und bringt das Bild auf die Titelseite.
Ich habe dafür ganz schön Geld als Fotomodell bekommen. Ich bin der richtige Frauentyp, für diese Kampagne, einer Versicherungsgesellschaft gewesen.
Ich gehe in der Innenstadt shoppen, um mir neue Klamotten zu kaufen.
Eine gut gekleidete Frau steht am Schaufenster einer Boutique.
Sie lächelt nicht und gar nichts, als wenn sie heute Morgen ihren G-Punkt nicht gefunden hat, aber ihre Augen leuchten etwas.
Das erinnert mich auf eine ganz merkwürdige Art an Irgendetwas. Ich schaue hoch, neben den ganzen Leuten steht ein netter Mann, und als ich ihn sehe, falle ich beinahe in Ohnmacht.
Ich kann es kaum glauben, aber es ist Marcel Ravel.
Er hat schwarze, kurze Haare und ein bisschen reifer sieht er aus, aber es ist Marcel.
Ich bin so was von überrascht, dass ich kurz eine Melodie
Gepfiffen haben.
Doch Marcel kommt zu mir her und nimmt mich an die Hand.
Seine Augen leuchten, wie ich sage: „Marcel, ich habe gleich gewusst, dass du das bist, als ich dich dort stehen sah.“
„Was machst du denn hier?“, frage ich.
„Ich bin geschäftlich hier“, sagt Marcel.
Die Menge auf dem Bürgersteig verläuft sich.
„Wie kommt es, dass du dir hier einen Bummel in der Innenstadt leisten kannst?“, fragt Marcel. „Meine Mutter hat mir geschrieben, dass du im Modebusiness eine riesige Karriere gemacht hast und Millionärin bist.“
„Das ist eine lange Geschichte.“ Sage ich. „Eigentlich habe ich bekommen, was ich wollte.“
Dann umarmt Marcel mich.
Nicht fest, aber trotzdem.
Wir gehen in ein Café in der Straße, wie wir es immer taten, wenn wir uns etwas sagen wollten.
Wir bestellten zwei Cappuccinos und ein Schokoladeneis für mich.
Marcel setzt sich ganz nah zu mir und ich tätschle sein Bein.
„Ich kann es manchmal gar nicht glauben.“, sage ich. „Wir kennen uns jetzt schon viele Jahre und es ist immer so, als wäre es das erste Mal für mich.“
Die Sonne scheint durch die Bäume direkt auf mein Gesicht. Wenn Marcel und ich zusammen sind, dann explodieren meine leidenschaftlichen Gefühle und ich weiß nicht, was es ist.
Doch ist da irgendwas, ein Herzschlag vielleicht? Ich kann es nicht sagen, obwohl ich genau weiß, was es ist.
„Ich kann es einfach nicht glauben“, sagt Marcel und beugt sich zu mir rüber und küsst mich auf die Stirn.
„Was denn?“, frage ich.
„Man lebt nicht, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben.“ Kann es das denn geben? „Was ist der Sinn des Lebens denn, wenn ich morgens lange penn‘ und abends im Fernsehen mir die Serien anschaue?“, fragt Marcel. „Roxane, wie soll ich nach Erkenntnis streben, wenn im Fernsehen soeben, von Arbeitslosigkeit gesprochen wird?“ Und alle Fragen: Arbeit, wie…?
Und dann steht er auf, holt den Aschenbecher vom Tresen und zündet sich eine Zigarette an.
Und schon ist mir klar, Marcel sucht einen Job.
Kapitel 13
Nachher habe ich dann ein paar Sachen geregelt.
Erst einmal habe ich der Personalabteilung am Telefon gesagt, sie sollen die Einstellungsformulare für Marcel Ravel fertig machen, und alles andere werde ich einleiten.
Nach dem Abendessen mit Marcel habe ich mich in den Sessel gesetzt und mir die ganze Nacht Gedanken gemacht, obwohl mir das nicht leicht gefallen ist.
Denn zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass Marcel von seiner Frau geschieden ist.
Dennoch habe ich mir später Folgendes überlegt: Jetzt habe ich nach so langer Zeit Marcel gefunden und vielleicht können wir unsere Beziehung irgendwie kitten.
Aber je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Das kann nicht funktionieren.
Ein paar Tage später bin ich dann mit Susan und Marcel auf eine Geschäftsreise gemacht.
Erst sind wir nach Paris geflogen, dann nach Mailand und zum Schluss nach New York.
Also, in New York stört es keinen, was einer treibt.
Und wir drei fühlen uns sauwohl.
Wir haben uns ein Fahrrad gekauft, um jeden Sonntag durch New York runterzuradeln.
Einige Wochen später sind wir abgereist und jeder ist in seiner gewohnten Umgebung.
Die Fahrräder stifteten wir den Armen und Weisen von New York.
Die Leute haben sich sehr gefreut darüber.
Marcel schreibt mir so ungefähr einmal im Monat und berichtet mir von seiner Arbeit in Leipzig.
Auf dem letzten Brief, den ich bekommen habe, hat er mir ein paar nette Zeilen geschrieben: Gehe aufrecht wie die Bäume, lebe dein Leben so stark wie die Berge, sei sanft wie der Frühling, bewahre die Wärme der Sonne im Herzen, und der große Geist wird immer mit dir sein.
Und dann ist da noch eine junge Frau, die ich kennen lernte. Die hier in Berlin in so einem Striptease-Schuppen als Bedienung jobbt, und mit der treffe ich mich ab und zu.
Angela heißt sie.
Denn Susan ist aus meinem Appartement verzogen und blüht richtig auf in meiner Firma in Paris.
Oft fahre ich mit Marcel, wenn er am Wochenende zu mir kommt, einfach in Berlin herum. Wir gucken uns dann alles an.
Da sind wir nicht die
Einzigen gestressten Leuten, die so ein seltsames Bild abgeben, das können Sie mir glauben.
Die Leute sehen zum Teil aus wie Überreste aus der Genforschung oder irgend so was.
Irgendwann kam ein Journalist von der Boulevardzeitung vorbei, der wollte einen Artikel über mich machen.
Weil er meint, ich bin eine super Karrierefrau, in Deutschland, wovon er je gehört hat.
Er stellt mir jede Menge Fragen über mein Leben.
Und dabei erzähle ich ihm die ganze Geschichte.
Aber ich bin noch nicht einmal bei der Hälfte – bricht er sofort ab.
Solche Sachen kann ich nicht drucken, sagt er, weil er mir einen Buchverlag gibt.
Aber ich kann Ihnen sagen: Dieses Buch hat einen echten Erfolg und hat bei den konservativen, prüden, langweiligen Spaßbremsen eingeschlagen.
Wie jeder Mensch habe ich noch meine Träume.
Und ab und zu überlege ich mir, wie alles hätte sein können, wenn ich nur einen stinknormalen Beruf als Beamter gehabt hätte.
Ja, dann bin ich auf einmal vierzig, fünfzig und kassiere mir in Spanien, die Vollpension der Beamten ein.
Aber, was soll es?
Kann schon sein, dass ich eine verrückte, abenteuerliche Frau bin, aber meistens wollte ich alles kennenlernen und richtig machen.
Und Träume sind Schäume, wenn ich sie nicht lebe, oder?
Also, ganz egal, was so alles passiert ist, eins ist sicher: Ich kann jederzeit zurückschauen und sagen: Wenigstens ist mein Leben nicht so langweilig gewesen wie deines.
Verstehen Sie, was ich damit meine?
Anhang
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