Buch 19 für Schwarzleser: der schriftsteller erzählt

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MOMENTE - die passieren nur einmal von Laura Stone

 

Was hat Lisa mit Benno vor?

Sie hatte das dumme Gefühl, dass Benno blendende Zähne besitzt, dennoch erschien es ihr, dass seine knirschenden Zähne wie die Fänge einer Hyäne aussehen.

 

Kapitel 1

Der charmante Benno Kaminski und seine bildhübsche Lisa Laubeta saßen in den etwas pompösen, supermodernen, schwarzen Ledersesseln des Wohnzimmers, das witzig und versnobt eingerichtet wurde.

Aber andere würden meinen, dass die Ausmaße aller Wohnlichkeit zunichte machen.

Das war deutlich der Stil neu reicher Repräsentation.

Allzu deutlich.

Hier wollte jemand, der es weit gebracht hatte, zeigen, inwieweit er es gebracht hatte.

Die gewaltigen Ledersessel standen in einem weiten Winkel zueinander, der scheinbar rücksichtslos doch eine ausgeklügelte Absicht erkennen ließ.

Benno konnte jede einzelne Bewegung, die sehr geschmeidig war, der Lisa beobachten.

Sie war seinen bewunderten Blicken ausgeliefert.

Wohl spürte sie seine analytischen Blicke und verbarg ihre spekulierenden Gefühle hinter einer betont gleichgültigen Haltung.

Benno, seine dunklen Augen und seine Mundwinkel zeigten den erschreckenden Ausdruck penetranter Zufriedenheit.

Grenzte es schon an Sadismus?

Und dabei konnte sich Benno Kaminski sehr gut amüsieren.

Lisa mied die sadistischen Blicke von Benno.

Sie war schlank, zartgliedrig und hatte etwas Verwundbares und fast Zerbrechliches.

Ihr feines, sensibles Gesicht war von der Sonne gebräunt.

Ihre tiefblauen Augen blickten ausdrucksvoll in das Glas Schampus, das sie in der Hand hielt.

So saßen sie da, während eine CD mit dem Titel „Home“ ablief.

Aus allen Winkeln des Zimmers dröhnten die übermäßig aufgedrehten Lautsprecher einer anspruchsvollen Stereoanlage.

Für Lisa war es offensichtlich ein gefühlvoller Hochgenuss und sie nahm hin und wieder einen Schluck Schampus.

Ihr spöttisches Lächeln wurde nahezu teuflisch.

Was die ahnungslosen Lautsprecher taten, das war ein Vermitteln von intimsten Worten.

Das war ein amüsantes Vergnügen für Lisa und ganz nach ihrem Geschmack.

Benno lauerte darauf und beobachtete Lisas Reaktionen.

Lisa bekam es, mit der Lust ihrer unkontrollierten Gefühle zu spielen.

Komm!“, sagte Lisa zu Benno.

Nicht hier im Bett.“, erwiderte er.

Aber, wenn dein ehelicher Rammelplatz nur eben frei ist“, erklärte ihn Lisa.

Klar“, bejahte er, „da wird mein Steifer gleich noch mal so steif, wenn wir es im Ehebett treiben.“

Lisa ist im Moment verwirrt.

Aber“, setzte er hinzu, „Jetzt will ich mich zur Abwechslung mal auf den stabilen Hocker setzen, der hier bei der Sitzecke steht. Du kannst dich auf das Schaffell knien, Lisa.“ »Da sehe ich dich im großen Spiegel.«

Oh, ja.“ „Und das macht mich ganz verrückt und geil“, sagte Lisa.

Beide verständigten sich mit sehr schmutzigen Lauten, die keiner verstand, wie Kichern, Lustlaute und antörnende Worte.

Es gab für beide den richtigen Kick.

Mein Gott, Benno.“, schrie Lisa. Mit der Hand streicht sie sich leicht über Ihre feuchte Pussy. „Hat deine Frau schon was gemerkt von deinen Affären, die du in ihrem Bett durchvögelst?“

Die splitternackte Lisa kuschelt sich geborgen und zufrieden an Bennos nackten Hintern heran.

Er war nicht behaart, aber knackig.

Du, Benno.“, sagte Lisa. „So komm ich nicht ran an deinen Süßen.“ Die Beine mehr auseinander ... !"

Sie flüsterten sich lustvolle Worte zu, grunzen und stöhnen, als Lisa seinen Süßen mit Genuss und Bewunderung lutscht.

Gefällt dir das?“, fragte Lisa mit vollem Mund. „Uh-huh… Kannst du… hapuh… mich im Spiegel sehen? So richtig wie im Pornofilm? Hupp ..."

Oh, das ist gut.“ „Rücke ein bisschen herum!“, erwiderte Benno. „Dann kann ich runterlangen und dir dabei an deiner Pussy spielen.“

Mensch, du machst mich wild und ich bin ganz heiß auf dich“, sagte Lisa, als sie an den Süßen mit der Hand rieb.

Benno lächelte nur.

Später saßen Sie noch kurz im Wohnzimmer auf der bequemen Couch.

Sie zündeten sich eine Zigarette an und tranken noch einen Schluck Schampus aus dem Glas, das Benno mit einer neuen vollen Flasche nachgegossen hatte.

Meine Frau hat niemals etwas zu mir gesagt“, sagte Benno zu Lisa. „Sie hat bis heute niemals die leiseste Andeutung eines Verdachts gemacht.“

Dann wäre deine Ehefrau, Aischa, auch das größte Dummchen auf Gottes Erden“, sagte Lisa und grinste. „Wenn sie ausgerechnet zu dir, Casanova, etwas sagen würde, wenn sie einen geringsten Verdacht hätte, von deiner Untreue.“

Lisa musste schallend spöttisch lachen.

Benno schnippte einen nicht vorhandenen Fusel von seiner maßgeschneiderten und super eleganten Designerhose.

Eine von ihm gern verwendete Handlung, um eine Kunstpause zu erzeugen, um seinen intellektuellen Worten, genügend viel Zeit zu lassen.

Aber es kam nichts.

Kein Satz.

Kein Wort.

Kein Atem.

Der Trick tat bei Benno auch seine eigentümliche Wirkung.

Das verwunderte Benno eigentlich nicht.

Aischa, seine Ehefrau, hatte sich einen stadtbekannten Scheidungsanwalt genommen.

Er war bekannt, dass ein ganzes Arsenal über hinterhältige Tricks verfügt.

Sorgfältig dachte der Anwalt sich diese Tricks aus und sie waren bei anderen Scheidungsfällen auch mit Erfolg erprobt gewesen.

Sie gehörten zu seinem bewährten, schmackhaften Repertoire, das er im Gerichtssaal einsetzte.

Ob er mit Aischa an den weiteren Terminen die Scheidungsgründe besprach oder nicht: Alles war stehts genau vorausberechnet.

Mit seinen skrupellosen Mitteln, gemeine Tricks, Repressalien und manchmal auch Erpressungen, kam er auch immer so gut an sein gezieltes Ergebnis.

Auch diesmal durfte der Scheidungsanwalt zufrieden sein.

Benno spielte schlecht.

Schlechter, als er es selber wusste.

Diese Ironie, die so aussehen sollte, als verberge er damit ernsthafte Gewissenskonflikte.

Aber, dachte Lisa, wo es kein Gewissen gibt, gibt es auch keine Konflikte.

Naiv?

Benno lachte bissig.

Seine blendenden weißen Zähne, so erschien es Lisa, sahen mehr denn je wie die Fänge einer Hyäne aus.

Und sie dachte, dass Benno sich in Zukunft sein Prachtstück selber wieder melken kann.

Um Verrecken nicht, hatte Benno gedacht, selbst einen Anwalt, einen guten Fachanwalt, der auch von seiner Sache was versteht, zu nehmen.

Lisa hatte plötzlich einfach abgeschaltet und hörte nicht mehr auf Benno sein Gejammer über Aischas Scheidungsabsichten.

Lisa wollte Benno schon längst verlassen und „Tschüs!“ sagen.

Aber Benno besoff sich in seinen eigenen Worten: Er machte Verstandesüberlegungen, Selbstrechtfertigungen, wie er es immer tat, um peinige Unsicherheiten, quälenden Zweifel unter einem Schutthaufen von klingenden Phrasen zu begraben.

Gab es eine Logik in seinen Worten?

Kannte Benno seine Rechte und das Gesetz, das sich ständig ändern kann?

Lisa Laubeta verehrte Aengus als Gott der Liebe.

Und wie es dem Liebesgott geziemt, überragte seine Wurzel – für Lisas Welt – das Dach ihrer Villa und war von gewaltigem Ausmaß.

Die lebensbejahende Sonne, die in der Mitte vom Dach stand, warf ihren langen Schatten direkt zwischen zwei großen Bäumen, von kräftigen Eichen, auf den schmalen Weg.

Bis auf einen durchsichtigen Seidenkimono war Lisa nackt. Lisa ging nackt auf die Terrasse, damit in ihrer eigenen fiktiven Welt Aengus sie segnete.

Beim Anblick der Sonne brach Lisa innerlich in Jubel und Erfüllung aus.

Einen Augenblick wurde sie von der Sonne geblendet.

Andy, ein Lover von Lisa, legte die Hand auf Lisas Schultern, um sie ins Bett zurückzubekommen.

Sie faste zurück nach seinem Prachtstück, das schlaff herunter hing, und sprengte mit der Hand die Gewalt und ließ ihn steif an sich reiben.

Andys Herz schlug laut.

Noch eine Handbewegung von Lisa und sie stand nackt mit den Brüsten vor ihm.

Das gegenseitige erotische Verlangen steigerte sich.

Lisa ging auf die Knie wie eine weise Frau und küsste ihn langsam und begehrend bis an die Füße.

Sie lutschte, wie an einem leckeren Himbeereis, an seinem gewaltigen, steifen Prachtstück, was ihm auch gut tat.

Lisa versucht, sich langsam zu erheben, und schnippte mit den Zähnen zu Andys Gesicht hinauf, wo sie leidenschaftlich und verlangend seinen Mund küsst.

Sie legte sich auf den Tisch und alles Übrige war Andys Fantasie überlassen.

Und Andy hatte Fantasie.

Lisa sah Andy an.

Er war ein großer Mann mit blondem, dichten Haar, das ihm bis auf die Schultern fiel.

Auch er war am ganzen Körper nackt, er war rasiert.

Andy strich sich über das Gesicht, um mit einer ungeduldigen Handbewegung, die „Komm schon!“ zu sagen schien, anzudeuten, dass sie küssen soll.

Aber, Lisa lief nackt hinaus, in den Regen, auf die Terrasse, auf den nassen Rasen, denn sie wollte plötzlich barfuß durchs hohe Gras laufen.

Frei, wie die kleinen Lämmer, war Lisa umher getollt.

Ihr Fuß traf, wie aus dem Nichts, einen kleinen scharfen Stein, so dass sie vor Schmerz laut aufschrie.

Die besorgten Rufe von Andy, was los sei, kamen bei Lisa wie aus weiter Ferne an, denn sie spürte einen großen Schmerz im Fuß und ließ die Worte wie im Traum klingen.

In Lisas Ohren dröhnte ihr Herzschlag, wie das Brechen der Wellen am Strand.

Für einen kurzen Augenblick war sie ein kleines, verspieltes und lustiges Mädchen.

Hinter Lisa stand, splitternackt und nass verregnet, Andy.

Seine Hoden waren von Apfelgröße.

Da Lisa sich langsam rückwärts treiben lässt, landet ihre Hand auf dem nassen Haar.

Wenn sie den Kopf zurückzog, hielt ihre Hand das Haar fest und zerrte an der Kopfhaut.

Ihr leicht verletzter Fuß trat abermals auf einen spitzen Stein und fing an zu bluten.

Lisa brach wieder in Tränen aus.

Andy, ganz nass, versuchte, Lisa tröstend in die Arme zu nehmen, aber Lisa wehrte sich und ließ sich auf den nassen Grasboden jammernd fallen.

Sie schüttelte abwehrend den Kopf.

Ihr nasses Haar flog um die Schultern und fiel wieder zu Boden.

Das Geschrei von Lisa konnte Andy nicht mehr ertragen.

Und jetzt wurde sie von Andy bedrängt, mit ins Haus zu kommen.

Lisa fuhr mit der Hand über ihre schmale Hüfte, als sie lauter schrie und sich zu den zwei Stufen der Terrasse schleppte.

Am Fuß der Stufen zur Villa richtete Lisa sich auf, um einen neugierigen Blick hinter sich zu werfen, wo Andy mit einem großen roten Badetuch wartete.

Lisa grinste.

Sie musterte Andy, der ohne die Spur eines Lächelns wieder da hockte und die Finger der einen feuchten und klebrigen Hand mit der anderen rieb.

Lisa blickte zu Andy auf.

Seine Männlichkeit sprang zwischen den Beinen hervor. Sogar von hier unten konnte sie sehen, dass sie riesig war, fast so groß wie die eines Pferdes.

Lisas Beine waren weich wie Butter.

Sie fürchtete sich, die zwei Stufen zu überwinden, und schaute Hilfe suchend zu Andy hinauf.

Andy ging grinsend ihr entgegen, fasste sie unter den Arm und führte sie in die Villa hinauf, indem er sie halb schleppend zog, dann aber auf den Armen trug.

Mit einem Schlage trat Stille ein, die nur draußen vom Regen durchbrochen wurde.

Mit einem weißen Seidenlack bedeckte Andy Lisa auf der Couch, die am ganzen Körper zu zittern begann.

Lisa umfasste Andys Mitte und zog sie wärmend zu sich.

Ihre Hände fühlten sich weich an.

Ein hübsches Vögelchen, dachte sich der hungrige und durstige Andy. Die Schenkel braun gebrannt, ihre Höhle rosa wie die Rosen am Flussufer.

Wie angenehm sie roch?

Nach Thymian, Äpfeln und jungem Fleisch.

Kleine Regentropfen glänzten immer noch auf ihren Brüsten.

Mit der Zunge berührte Andy die Regentropfen, um sie eine nach der anderen aufzulecken.

Mit den Lippen und der Zunge beginnt er in der Höhlung ihrer Kehle, dann das Salz ihrer Haut zwischen den Brüsten aufzunehmen, und gelang an der Innenseite ihrer Schenkel.

Damals hatte sich Andy noch gefragt, ob der Duft eines Mädchens ihn zum Grinsen bringen würde.

Aber er fand keine Antwort.

Dann schnippte er kurz Lisa in die linke Brustwarze.

Hübsche Brüste“, sagte Andy.

Lisa zuckte leicht am ganzen Körper und grinste.

Er kniff sie überraschend in die andere Brust.

Zarte Spitzen“, sagte er. „Brustwarzen mit einem großen dunklen Warzenhof wie von einer Frau, die ich begehre.“

Andy kniff sie fester an beiden Brustwarzen.

Mit einer heftigen Handbewegung schlug Lisa seine Hände weg.

Andy schnappte sich flink Lisa und hielt ihre beiden Hände fest.

Deine schönen vollen Brüste sind mir am liebsten“, sagte Andy, ganz stolz. „Große Brüste mit der fantasievollen Rundung der Weiblichkeit.“

Er fuhr mit dem Finger von den Brüsten über den Bauch und stieß zwischen ihre Beine.

Du hast eine hübsche, zarte Höhle“, sagte Andy. „Bald wird sie mein starker Schwanz besetzen und zum Leben erwecken, wie ein Feuerwerk.“

Lisa lachte.

Sie bemerkte, dass es nicht mehr die Finger von Andy waren, die in sie eindrangen.

Es war etwas Glattes, Hartes, das sie durchdrang. Lisa spürte erregt, wie Andy sie mit seinem Splitter teilte.

Lisa entspannte sich.

Sie hatte das Gefühl, dass sie sich wie eine Auster öffnete und wieder verschloss, wobei Andy das rosige Innere ihres Fleisches verborgen blieb.

Lisa verspürte Lust zwischen ihren Beinen.

Andy drang öfter in sie ein, als sucht Andy ihr glühendes Herz von unten her.

Sie hatte das Gefühl, er würde so weit vordringen wollen, bis er durch ihren Mund wieder herauskäme.

Lisa schreite vor Lust und mehr Verlangen auf.

Zwischen Lisas Beinen war Bewegung.

Sie fühlte, was er in sie gesteckt hatte.

Und noch immer hielten Andys Hände Lisas Arme fest.

Plötzlich schrie Lisa vor Erregung und voller Glücksgefühle, als Andy seinen Samen in sie spritzte und aufschreite.

Lisa Laubeta lebt zurzeit in Costa Rica, auch wenn sie schon mal in Deutschland geboren wurde. Ihre Mutter wollte es so und den Namen Lisa bekam sie auch von ihr.

Die Pazifikküste mit den langen, tropischen Stränden und der außergewöhnlich üppigen Vegetation.

Die Playa Tambor ist über vier Kilometer lang und bekannt für ihre geschützte Lage.

Die schöne, weiße Playa Tamarindo ist für Lisa ein beliebtes Badeziel.

Die Playa Conchal bietet natürlich Schatten.

Puntarenas am Golf von Nicoya liegt auch günstig zu den Nationalparks und hat einen schönen dunklen Sandstrand vulkanischen Ursprungs.

Eine moderne und großzügig gestaltete Villa hat Lisa in Costa Rica zu stehen.

Sie lebt sonst in absoluter Einsamkeit, begleitet durch Regenwälder und Vulkane, wenn sie Bekannte und Freunde in den kleinen Städten oder Dörfern besuchen will.

Lisa suchte schon immer das Paradies in unberührter Natur.

Sie fühlt sich wohl in den idyllischen Buchten und ihrer reizvollen Villa in einer traumhaften Umgebung.

In Muelle genießt Lisa ein entspanntes Bad in den Tabacon-Thermalquellen, wenn sie in dieser Gegend einen Freund besucht.

Den Arenal, einen der noch aktivsten Vulkane der Erde.

Ab und zu besucht Lisa den Chef, auch einen Freund, die Bananenplantagen in Matina.

Mit dem Geländewagen genießt Lisa die ungebundenen Regionen des Landes und die herrliche Landschaft Costa Ricas.

Heute fährt Lisa an die Karibikküste Costa Rica und erlebt wie immer die Freundlichkeit der Ticos.

Durch kleine Dörfer geht es an die Küste.

Und übernachtet dort im Hotel.

Hier will sie einen Tag entspannen, wie mit dem Boot herausfahren, um zu schnorcheln.

Sie will einfach genießen und relaxen am wunderschönen Strand.

Am nächsten Tag hatte sie unwahrscheinliches Glück und der Abend war sehr klar am Himmel, denn sie hatte einen herrlichen Blick auf den majestätisch gelegenen Vulkan Arenal.

Am frühen Morgen hatte sie sich ein Pferd ausgeliehen. Ob man es so nennen darf, wenn man es gesehen hätte. Dieses Ross sah sehr klapprig aus und es war nicht gewiss, ob das Ross den Ausflug noch überlebt, um durch das Vulkangebiet zu durchstreifen.

Am Abend ist Lisa Laubeta wieder zu Hause, ohne eine Panne, mit dem Geländewagen angekommen, und das alte Ross hatte die Tour durch den tropischen Regenwald auch überstanden gehabt.

Der Himmel lag wie eine niedrige Decke über dem Gebiet und drückte Lisa schwer auf den Kopf.

Warum kann es nicht regnen?“, fragte Lisa.

Maria, eine ihrer Freundinnen, zuckte mit den Schultern.

Sie erschien unerwartet.

Andy hatte keine Lust, auf Lisa zu warten, bis sie von ihrem Ausflug wieder kommt, und verdrückte sich zu seinem Freund, Jacob, in die Stadt.

Maria beobachtete ihre Freundin Lisa.

Die Sache mit Andy gefällt mir nicht“, sagte Maria auch schon vor einer Woche.

Aber Lisa hörte nicht darauf.

Man kann sich nicht heraussuchen, wen man gerade liebt, Maria“, hatte Lisa protestiert.

Doch das kann man“, konterte Maria zurück, „Man liebt sich selbst, man liebt seine Freunde, aber man lässt nicht einfach seinen Gefühlen freien Lauf und liefert sich damit einem anderen Menschen aus.“

Lisa macht eine Faust und droht Maria.

Man nimmt sein Leben selbst in die Hand!“, sagte Lisa. Verstehst du das? Und dirigiert es dorthin, wo man es haben will.

Lisa glaubte, dass Maria nichts über ihr langweiliges Leben herausließ.

Maria plauderte nicht hier und da etwas aus und verschwendete wertvolle Lebenskraft.

Sie hatte sogar einen neuen Namen angenommen, sich Maria statt Lilien genannt.

Glaubte Maria, eine Hexe zu sein?

Marias Gedanken waren selbst süchtig.

Sie würde so lange Schicksal spielen, bis sich ihr Aberglaube, wie die fiktive Einbildung, auf die Menschen übertragen hat.

Lisa legte sich öfter mit Maria an, um dem Rausch ein Ende zu setzen.

Eine Stunde später plauderten beide bei einem Glas Rum, als wäre nie etwas gewesen.

Dann wurde es still und niemand sagte ein Wort, man hörte nur einen schweren Atemzug.

Lisa ruhte auf der Couch, als Maria in Gedanken war.

Plötzlich schlich Maria sich von hinten an, packte Lisas lange Haare und schlang sie ihr in gespieltem Würgegriff um die Kehle.

Lisa hob erschrocken die Hände, als wolle sie sich ergeben.

Ich will wissen…“, wollte Maria sagen, als Lisa sich aus dem Würger befreite, dann anfing zu husten und nach mehr Luft schnappte.

Bist du verrückt, Maria?“, fragte Lisa entsetzt.

Mensch, Mädchen, sei nicht so empfindlich!“ Kannst du denn keinen Spaß verstehen? „Ja“, erwiderte Maria zynisch und lachte.

Das beruht auf Gegenseitigkeit“, sagte Lisa, mit bedenklichem Unterton.

Können wir uns endlich wieder vertragen?“, sagte Maria.

Lisa fuhr sich mit den Fingern durch das zerzauste Haar.

Sie dachte, dass Maria nicht als übermäßig attraktiv bei den Männern galt.

Maria war nicht die Frau, wonach sich ein Mann die Finger hinterher ablecken konnte.

Ihr leuchtend rotes Haar und die schrecklichen, marienkäfergroßen Sommersprossen stachen merkwürdig von der dunklen Haut ab.

Maria war immer anders gewesen, auch wenn sie versuchte, es nicht zu sein.

Denn sie war unfähig, ihre Neugierde zu zügeln. Ihre eigene Welt vergrößerte sich ständig.

Lisas Haare fielen von dem zulaufenden Haaransatz zur Seite.

Ihre geheimnisvollen dunklen Augen verengten sich, wie bei einer Katze, zu einem schrägen, leicht nach oben gezogenen Schlitz.

Maria sah sie an.

Am nächsten Morgen stand Lisa früh auf.

Maria trug das weiße Satinhemd.

Schweigend wie immer, mit einem gezwungenen Lächeln auf den trockenen Lippen, ging sie ins Bad.

Es wird heute bestimmt ein gutes Wetter“, sagte Lisa.

Sie fühlte, wie sich Marias Kopf vor dem Spiegel auf und ab bewegte.

Lisa wälzte sich aus dem Bett im Schlafzimmer und ging vom Wohnzimmer in die Küche, wo sie den Kaffee mit der Kaffeemaschine zubereitete.

Das Schweigen folgte ihr wie ein dunkler Schatten.

Als Maria vor dem Badezimmerspiegel stand, als sie aus der Dusche kam, fuhr sie sich mit einem nassen Kamm durch das Haar.

Sie sah ihr Gesicht, ohne sich damit, wie andere Frauen es tun, mit den Models aus der Modezeitschrift zu identifizieren.

Maria schlug auffällig mit dem Kamm auf das weiße Porzellanbecken und stieß mit dem Zeigefinger gegen den Spiegel.

Sie deutete auf ihr Gesicht.

Das Gesicht im Spiegel mit den Sommersprossen deutete auf Maria.

Was glaubst du, wer du bist?“, murmelte sie in den Spiegel.

Aber Sie bekam keine Antwort.

Als Maria fertig war, ging sie zu Lisa in die Küche, um einen Becher frischen Kaffee zu trinken.

Andy kam eine Stunde später auf dem Gelände an und sprang lächelnd und vergnügt aus seinem Jeep.

Er fand, dass sein Ego nicht genug Raum in der Welt einnahm.

Daher hatte er sich Eisenbeschläge auf seine Stiefelsohlen nageln lassen.

Auf diese rasante und originelle Weise kündigte sich sein Kommen an, lange bevor er zu sehen war.

Wenn er Fußball spielte oder eine Schlägerei auf sich zukommen sah, drehte er sein langes Haar zu einem Zopf.

Manchmal war er stolz auf die Narbe, die seine linke Augenbraue teilte, und auf die andere unter seinem rechten Auge, die einem Pfeil glich.

Was für ein ehrfurchtsvoller Mann“, neckte Lisa, wenn Lisa Andy dabei erwischte, wie er seine Narben mit Respekt befühlte.

Bewirte doch nicht immer deinen Andy“, schimpfte Maria. „Ich kann nicht mit ansehen, wie du diesen Kerl verwöhnst.“

Lisa sah verwirrt Maria an.

Sei still und halt die Klappe!“, sagte Lisa.

Du bist nur eifersüchtig“, bemerkte Andy. „Nach dir würden sich die Männer nicht mal umdrehen, wenn du hier splitternackt mit deinen flachen Titten durchmarschieren würdest.“

Bring mich nicht auf die Idee“, sagte Maria und lachte.

Frauen, die hinter Andy her waren, machten kecke Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand und kicherten entrüstet über das, was sie sich von ihm erzählten oder träumten.

Andy betrachte manchmal das Schauspiel in der Diskothek und schüttelte den Kopf.

Andy betrachtete Lisa eine Zeit lang.

Er hätte nicht sagen können, warum er sie so anziehend fand.

Maria schaute Andy überrascht an.

Sie galt, was Männer anging, nicht besonders liberal.

Dann nahmen alle noch einen Schluck aus dem halbvollen Becher Kaffee und beschlossen, das Haus zu verlassen, um in die Stadt zu fahren.

Mit Aischa und Benno ging es also auseinander.

Das schmerzte Aischa, denn sie wusste, wie das jetzt seinen Lauf nahm.

Ihre bescheidene Ehe endete in einem widerwärtigen, ekelhaften Sumpf der Gefühle.

Wobei die privatesten Dinge in der Scheidungssache auf dem Gericht in Wort und Bild gezeigt wurden.

Mit Tonbandaufnahmen und Infrarot-Fotos, die der Scheidungsanwalt jedes Mal einem staunenden Richter und schockierenden Publikum präsentierte.

Da wurde alles gezeigt.

Selbst die intimsten Details von Benno in Film und Bild und sogar in Ton.

Und Benno dabei in Großaufnahme mit seinen Liebsten, wie es am besten zu beobachten war.

Dem Opfer, also Benno, blieb kaum ein Hoffnungsschimmer, aus einer vom Scheidungsanwalt seiner Frau Aischa Kaminski inszenierte Katastrophe noch irgendetwas zu retten. Benno wurde nicht nur finanziell ruiniert.

Das war nicht genug.

Auch seine berufliche Existenz musste zerstört werden.

Lisa kannte diesen Scheidungsanwalt.

Sie kannte seine Tiefschlagpraktiken.

Seine eiskalten Methoden, mit denen er seine Klientinnen anstachelte, aus der gewünschten Trennung einen barbarischen Stierkampf zu entfesseln.

Dabei wird das gedemütigte Opfer vor überfüllter Arena erst gequält und dann auch noch qualvoll abgestochen.

Der erfolgreiche und unmoralische Scheidungsanwalt besaß eine hypnotische Faszination, was ihn wieder bei den Frauen erotisch machte.

Dem Scheidungsanwalt gelang es fast immer, eine Klientin wie Aischa, mit gebrochenem Herzen, verletzt und ratlos, in eine rasenden Furie zu verwandeln.

Aischa bekommt dabei unersättlichen Hunger nach Geld und noch mehr Geld, und mit einem wilden Rachedurst, und sie würde keine steifen und verkrampften Schwierigkeiten haben, Benno bis zum Ausbluten zu bringen.

Aischa konnte noch so astronomische Summen fordern, sie würde sie bekommen.

Damit vervielfachte Aischas Scheidungsanwalt seine astronomischen Honorare.

So baut er sein Image immer auf, wie er als junger Anwalt angefangen hatte. „Der beste und erfolgreichste Scheidungsanwalt in Costa Rica“, mit anderen Worten, „der gefährlichste und skrupelloseste“.

Aber Aischa wollte noch nicht aufgeben und Benno verlieren.

Sie hatten nur ein paar Sekunden Pause im Gerichtssaal gemacht.

Jetzt steuerte Aischa auf Benno zu und fing das Thema Sex an.

Nur von einer anderen Richtung.

Ich gebe ja zu“, sagte Aischa, „was da auf dem Tonband zu hören war, das machte mich richtig krank. Mir wurde übel. „Benno, ich wollte rauslaufen und mich übergeben.“

Oh, das glaube ich dir gern, Aischa“, erwiderte Benno, „dass dir Kotzübel wurde.“ Das waren keine Sachen für das Gemüt meiner Frau, die sonst stocksteif wie ein Brett im Bett liegt. „Schließlich habe ich mich fünf Jahre lang mit dir und deinen neurotischen Komplexen in unserem ehrenwerten Ehebett abgeplagt und ich dann später endgültig irgendwann aufgab.“

Aischa hörte Benno zu, denn sie wollte nicht feige weglaufen und er konnte nicht aufhören zu reden, denn sie musste es einmal loswerden.

Es war schrecklich für Aischa, diese Demütigungen zu hören.

Sie will und kann Benno nicht mehr hören.

Mit den Händen halten Sie sich die Ohren zu.

Aber Benno redete weiter: „Das war auch zum Kotzen, keusches und prüdes Weib!“ Immer nur die eine super brave Stellung. Für dich war es aufregend und spaßig, wenn du schön brav unten und ich brav oben lag. Und dabei durfte ich mich noch nicht einmal bewegen. Aischa, das hat mich immer sehr angetörnt, dass ich dabei bald eingeschlafen wäre. Verstehst du das? „Licht aus!“, sagtest du immer, wenn du splitternackt gewesen bist. „Bloß nichts sehen von all den widerlichen Sachen.“ O nein! Bei dir war höchstens zu hören: „Bitte... nein... Benno... das... nicht" oder „O nein... Benno... das... das... das kann ich... einfach... nicht... ich... ich kann’s nicht... bitte..." oder „Nein... oh, Benno... nicht doch... solche Ausdrücke ... die klingen so primitiv und abstoßend ... so schrecklich, Benno! „Danke bestens für den Sex des Jahrhunderts! Ich hoffe, deine platten Gefühle haben sich jetzt nicht überschlagen?“

Benno, hör mal.“ „Wenn du…“, wollte Aischa anfangen zu erwidern.

Oh, du lieber Gott!“ Jetzt kommt mir aber das große Kotzen! Der herzergreifende und letzte, allwissende Spruch des Jahrhunderts. Und das noch aus dem Munde einer stocksterilen Frau. „Die hysterischste Frau der Emanzen, eine übertroffene Meisterin der unglaubwürdigen Scheinschwangerschaften“, blockte Benno wütend. „Dass ich nicht lache!“ „Hahahahaaa, wenn ich deine lügnerischen Tränen sehe.“ „Aber du machst dich, immerhin, deine Lügen werden immer perfekter“, fügte er noch mit ätzender Schärfe hinzu, und diese letzten Worte brüllte er noch gegen die Tür, die Aischa hinter sich hysterisch und weinend vor Wut zugeschlagen hatte.

Benno holte öfter tief Luft und atmete entspannend ruhig wieder aus, als er dann eine Weile da stand und aus dem Fenster sah, um dem Spiel der Brandung zuzusehen.

Dann war er im Augenblick mit sich zufrieden und lobte sich selbst.

Schließlich ist er ganz gut vorangekommen.

Gar nicht so schlecht, dachte Benno.

Und jetzt?

Benno machte mal wieder Inventur.

Eine alte liebe Gewohnheit, die immer so ein angenehmes Gefühl hinterließ.

Denn da wusste er dann genau, wo er stand und wer er war.

Eine Autorität?

Eine Macht?

Die neue Villa am Strand von Puerto Viejo war vor kaum einem knappen Jahr gebaut worden.

Diese Hütte war gut und gerne eine sechsstellige Zahl von Dollars wert.

Und keine Hypothek drauf.

Nicht einen Cent Schulden hatte er gemacht.

Das ist auch nicht sein Stil.

Dann seine akzeptable Praxis, Psychoanalytiker.

Hier hatte er 450.000 Dollar Netto im letzten Jahr, 2000. Dieses verflixte Jahr, 2001, war schon eine ganz erhebliche Steigerung der Einnahmen vorherzusehen.

Nebeneinnahmen wie süße Geschenke von den verzweifelten Ehefrauen und sonstige akzeptable Präsente nicht mitgerechnet.

Für den bewundernswerten und charmanten Seelentröster fiel immer Manches ab.

Was Benno da so an Sex durch die Finger ging und zur Verfügung stand.

Selbstverständlich nur Luxusklasse.

Und praktisch?

Natürlich unbegrenzt.

Mehr jedenfalls als Benno beim besten Willen verkraften konnte.

Aber er angelte sich nur die aller feinsten Goldfische aus dem Teich.

Das hatte er auch von seinen Patientinnen aus der Praxis gelernt und sie zeigten ihm, wie man als Mann die Frauen zur Kasse bittet.

Was diese auch gern taten, weil es ihnen gut tat und sie befreite, von der schweren Last loszukommen, denn es war ja das Geld ihrer Ehemänner.

Und Aischa machte das alles perfekt.

Aischa hatte alles erst möglich gemacht.

War diese Ehe Bennos Seitensprung zum Erfolg?

Es gab zwar eine gewisse unumgängliche Bindung.

Aber was störte Benno das?

Aischa war damals ganz brav. Wie treu ergeben, ja unterwürfig, ohne eigenen Willen und ohne Rückgrat.

Und im Bett?

Ja, Aischa!, dachte Benno.

Im Bett ist sie ein langweiliger Körper in Form einer starren Frau.

Aber fürs Bett hatte Benno auch andere, die richtig die „Sau“ rauslassen.

Benno lachte in sich hinein.

Sein angekurbeltes Selbstwertgefühl war ihm irgendwie unheimlich geworden.

Aber es tat Benno gut.

Er sah auf seine Armbanduhr.

Das kostbare Geschenk einer dankbaren, deprimierten Patientin.

Er hatte sie gut bedient, und das in mehr als einer Sitzung.

Es war schon spät geworden.

Benno wusste, Aischa lag jetzt verheult im Bett.

Er brauchte nur ins Schlafzimmer zu gehen.

Den Mann mit den zerbrochenen Gefühlen zu spielen.

Ein paar spektakuläre Phrasen von Entschuldigung, Reue und so zu murmeln.

Und schon konnte er mit ihr ficken.

Aischa war von einer geradezu pathetischen, um nicht zu glauben hysterischen Dankbarkeit erfüllt.

Und sexuell entflammt bis zur äußersten Grenze ihrer verklemmten, sittlichen Möglichkeiten.

Aber immerhin doch eine rechte Strapaze für Benno.

Aischas ganze prüde Getue.

Sie hat ja ein hübsches Gesicht, dachte sich Benno.

Und einen Körperbau?

Gar nicht zu verachten, wie es Benno wusste.

Aber, was hat Benno davon?

Er muss natürlich immer das Licht ausmachen, wenn Aischa anfängt, sich langsam zu entkleiden, und dann darf er nur dahin fassen, auf die eine Art und Weise, die Aischa nach Lust und Laune vorgeschrieben hatte.

Verdammter Bockmist!“, fluchte Benno laut. Aischa, glaubte er, wird wieder mal ihre sentimentale, romantische Tour kriegen.

Das Übliche?

Aber schließlich will Benno ja bloß mit Aischa ficken.

Nichts anderes, wie wenn man seine Spannungen und Verkrampfungen loswerden will.

Benno Kaminski, sein strammer Boy, rebellierte in der Designerhose.

Angeschwollen und kräftig war er geworden.

Er stand bereits kerzengerade in die Höhe.

Seine bunte Shorts war schon etwas feucht.

Ein blöder Zustand?

Benno stieg die kurze Treppe hinauf zum Schlafzimmer.

 

 

Kapitel 2

Lisas rechter Oberschenkel begann unangenehm zu jucken. Das aufregende Jucken wurde zum stechenden, glühenden Schmerz, der von der hakenförmigen Narbe ein paar Zentimeter über der Kniekehle ausging.

Lisa hätte ihre Hand auf die rote Stelle legen und die juckende, brennende Haut mit einem Stückchen Eis kühlen mögen. Ihr Bein pochte.

Die Narbe brannte immer stärker.

Ein plötzlich kühlender Luftzug entstand in diesem Augenblick und linderte Ihren juckenden Schmerz.

Lisa wusste, dass der juckende Reizschmerz Gefahr ankündigte, aber sie hatte ihre deprimierten Angstzustände satt.

Als Kind hatte Lisa Laubeta unter panischer Angst so heftig gelitten, dass sie schon glaubte, sie würde eines Tages mit diesem qualvollen Leben ein Ende machen wollen.

Aber in dem Sommer, als Lisa volljährig wurde, verlor sie die Geduld mit sich.

Lisa bekam die Narbe und sie setzte ihrer panischen Angst endlich ein Ende.

Was geschah?

Das Meer hatte sie verlockt.

Es war von klarem Smaragdgrün, wo Lisa bis zum Grund sehen konnte.

Der Sand sah weich aus.

Lisa Laubeta mied sonst immer überfüllte Strände und bevorzugte die einsamen Buchten am Strand.

Sie schaute ins Wasser.

Es schwappte sanft gegen die Wellenbrecher aus aufgetürmten Felsen, plätscherte gleichmäßig wie ein Taktmesser hin und her.

Er hatte seine eigene Sprache, die Lisa an jenem Tag hörte.

Kühles Wasser rauschte es.

Herrlich kühles Wasser.

Lisa saß an den steilen Klippen und ließ einen Fuß vorsichtig am Stein hinunter gleiten, um das Wasser auf ihrer Haut zu fühlen.

Ihr nackter Fuß glitt ins Wasser.

Tränen füllten plötzlich Lisas Augen.

Sie schauderte.

Ich habe es satt“, schrie sie aufs Meer hinaus, „ist mir egal, was passiert!“

Lisa sprang mit den Füßen voraus die Klippen hinunter, obwohl sie nicht schwimmen konnte.

Das Wasser war ruhig und peitschte nicht gegen die Brandungen, so dass Lisa es leicht hatte, wieder aus dem seichten Wasser mit Händen und Füßen zu paddeln.

Es war ein Kampf mit sich selbst und sie wollte es schaffen.

Das Meer war ungewöhnlich warm und das Wasser löste ihre heftigen Angstkrämpfe und trug sie fort.

Lisa Laubeta erinnerte sich.

Dass es der spektakuläre und aufregende Tag war, an dem ihre teuflische Angst zerbrach.

Am selben Tag verfing sich an der Rückseite ihres Oberschenkels ein mörderischer Angelhaken, der von einem unerfahrenen Angler, einem Tourist aus Deutschland, wie sich später herausstellte, an einer nahen Klippe ausgelegt worden war. Sie bemerkte es nicht gleich.

Der Haken saß nicht tief.

Lisa konnte ihn daher leicht unter Schmerzen ruckartig herausreißen.

Jetzt, da sich Lisas Angst beschränken ließ, war sie in der glücklichen Lage, den Schmerz und die kleine Narbe zu ignorieren.

Lisa Laubeta war nicht mehr vor Angst gelähmt, der lästige Schmerz spornte sie im Leben eher an.

Lisa Laubeta war mit Freundin Maria Koralis bei Freunden am Rande der Stadt gewesen.

Kaum zurück, suchte sie ihren Freund.

Andy Pala.

Nah, mein Herzensbrecher!“, murmelte Lisa halblaut vor sich hin, während sie sich in einem Sessel gegenüber von Andy bequem machte.

Du, das hab ich eben nicht ganz mitgekriegt, Lisa…“, sagte Andy interessiert. „Schönen Dank!“ „Für alle Fälle, schon mal.“ Und Andy grinste.

Nach der vergangenen heißen, wilden Nacht mit Lisa und Andy konnte Andy vieles glauben.

Für Lisas Reize, die Andy ja ausgiebig kannte, war das für ihn einfach, an alles zu glauben.

Als Lisa plötzlich aufstand und gezielt an die Wohnungstür ging, wartete schon ungeduldig eine Weile Clarisa Zaris auf Lisa.

Als Clarisa ins Zimmer trat, war Andys Ausdruck von Neugier und guter Laune einfach fällig.

Clarisa war neunundzwanzig und war eine üppige Rotblonde.

Eine totale Sinnlichkeit in Person.

Mit Clarisa konnte man wirklich alles, aber auch alles anstellen.

Was später Andy Pala feststellte.

Auch Lisa war dabei und alle erfüllten ihre Wünsche.

Clarisa war ein Naturtalent.

Sex in allen Variationen.

Ja, das war bei ihr so selbstverständlich wie Atmen.

Und ebenso lebensnotwendig.

Lisas Augen, groß und feucht, bekamen so einen verschleierten Blick.

Bettaugen?“, fragte Clarisa Lisa, denn sie blieb noch ein paar Tage bei Andy und Lisa zu Gast, was sich spontan ergab.

Na ja, du weißt… Das ist auch schon wieder eine ganze Weile her“, erwiderte Lisa.

Hm“, Andy nickte in Gedanken und hob seine linke Augenbraue.

Was ich so die letzte Zeit an Männern hatte“, sagte Clarisa, „lauter Gesocks.“ „Quer durch den ganzen Gemüsegarten.“

Lisas lächelnder Blick zu Andy hinüber konnte vielerlei bedeuten.

Und überhaupt Andy, dein Psychoanalytiker?“ Ich denke, jede Frau unter vierzig, der die Gunst deiner wertvollen Hilfe zuteilwird, kippen später um und machen die Beine breit, wie? Das ist doch Tradition. „So heißt es jedenfalls in den Kreisen der deprimierten und verheirateten Frauen“, sagte Clarisa überzeugt und ließ sich von Andy nicht unterbrechen.

Andy blätterte interessiert, aber gelangweilt in einer Zeitung.

Da bin ich nun keineswegs einzigartig“, erwiderte Andy zynisch. „Frag mal jeden Scheidungsanwalt, auf dessen ehrliche Antwort du dich verlassen kannst.“ Mindestens neunzig Prozent aller Frauen, die einen Psychoanalytiker benutzen, um einmal im Leben verstanden zu werden, entwickeln sexuelle Wünsche, oder die Frauen auch, die gegenüber dem Anwalt eine Scheidung anstreben, der sie vertritt. „Vorausgesetzt natürlich, die Frau ist attraktiv und stinkt nicht nach billigem Parfüm.“

Eher ein typischer, ganz allgemeiner Tick des weiblichen Geschlechts“, meinte Lisa schlussfolgernd.

Nach der sechsten oder siebten Sprechstunde möchten die verzweifelten Patienten alle 'nen Fieberthermometer unten rein haben“, erwiderte Clarisa und grinste.

Ja, ja“, sagte Andy, „Die armen Frauen verlieben sich in Ihren charmanten und verständnisvollen Psychoanalytiker.“

Ich habe nur ähnlich gesagt“, erwiderte Clarisa erklärend. „In ihre Scheidungsanwälte verlieben die Frauen sich nicht!“ „Von denen wollen Sie nur mal richtig kräftig gestoßen werden.“

Ja, sogar im Wörterbuch kommt „verteidigen“ vor „vögeln“, Clarisa“, erwiderte Andy ironisch. „Und das Wörterbuch muss es ja wissen.“

Kleiner Klugscheißer“, grinste Lisa.

Sie wusste haargenau, was Clarisa Zalis damit bezwecken wollte.

Clarisa war leichter für Lisa zu durchschauen, als Andy dachte.

Die Fassade war ein bisschen billig.

Aber was solls?

Die meisten Männer fielen auf Clarisas anmachenden Sprüche herein.

Allerdings auch Frauen.

Was Clarisa im Bett zu bieten hatte, das war echt.

Ob sonst noch irgendetwas echt war, wie ihre Silikonbrüste und ihre Silikonarsch, das war nicht ihre Sorge.

Andy Pala lehnte sich in seinem Sessel entspannend zurück.

Sein Lächeln ähnelte einer Hyäne, die sogar Lisa unheimlich war.

Im Bett wussten Clarisa und Lisa, ihn zu nehmen.

Da konnte den zwei Frauen sein Anflug von emotionaler Brutalität sogar höchst angenehm sein.

Ein zusätzlicher Reiz, der beide total verrückt machte.

Aber hier, ganz in Clarisas Element, zeigte diese Visage mehr, als sie eigentlich zu zeigen bereit war, mit einer leidenschaftlichen Gier, die daranging einen Kadaver zu zerfetzen.

Während Clarisa mit Andy beschäftigt war, hatte er zu Lisas Brüste hingelangt und ihre rechte Brust gefasst.

Andy musste fühlen, wie die Brustknospe sich sofort wieder aufrichtete.

Es war Zeit, sich wieder zu besinnen.

Drei Nächte lang: Seit der mondlosen Nacht hatte Lisa das erotische Treiben mitgemacht.

In jener Nacht wollte Lisa Clarisas sexuelles Verlangen zum Ersticken bringen.

Jede leidenschaftliche Glut in Clarisa musste ausgetreten werden.

Drei Tage und drei Nächte lang hatte Andy kein gebratenes Fleisch.

Aber Lisa stand allein in ihrem Vorhaben, Clarisa mit ihrer Sexglut zu löschen.

Drei Nächte hatten alle drei nicht mehr richtig durchgeschlafen.

Schaudernd legte Lisa ihren weißen, dünnen Morgenmantel um sich.

Es war die Sommernacht.

Der seichte Wind durchdrang salzig durch ihren Morgenmantel aus Seide.

Drei Tage hatte Andy nichts außer Obst und Gemüse zu sich genommen.

Denn Lisa und Clarisa waren nicht scharf auf ein gewürztes Steak.

Sein Magen knurrte laut.

Clarisa leckte sich in Erwartung auf Sex mit Andy die Lippen.

Ansonsten wurde die Stille der Nacht nur von einem gelegentlichen Schrei verschiedener Nachtvögel gestört.

Drei Nächte, eine vergangene Zeit, hatte Clarisa beschlossen, Lisa und Andy wieder zu verlassen.

Ein Gespenst war über sie gekommen und hatte ihr den Blick geöffnet.

Dies war auch ein Zeichen, dass ihr ein Signal gegeben hatte, weiterzuziehen.

Allmorgendlich, wenn Lisa die Sonne grüßte, pflegte sie mit den Händen ihre langen Haare zu richten und ihre Handflächen zur aufgehenden Sonne zu erheben, um positive Energie in sich hineinzuziehen.

Lisa Laubeta glaubte innig, dass Erde und Himmel eins waren.

Wie zwei Liebende in einer zärtlichen, immer währenden Umarmung.

Vielleicht waren sie zehnmal zehntausend Jahre vereint und liebten einander ohne Unterlassungssünde.

Ihre heißen Leiber umspannten alle Dinge, männlich, weiblich, hell, dunkel, Erde, Wind, Wasser, Feuer, Mensch, Tier, Gras und Bäume.

Aber Lisa erfuhr, dass ihre Nachkommen müde wurden, um ständig in den Eltern zu leben.

In Lisas Welt verlegte sich die Sonne von neuem aufs Bitten und versprach, dass die Nachkommen einen Teil ihrer selbst zurückgeben würden, damit die Kraft des männlichen Geschlechts wiederkehre.

Andy hatte ein Drei-Zimmer-Appartement in der Stadt.

Einen Drink?“, fragte Andy, als er mit Lisa dort eingetreten war.

Lisa nickte.

Clarisa hatte sich nicht geändert.“ „Wird sich wohl nie ändern, fürchte ich“, sagte Lisa besorgt.

Das interessierte Andy nicht die Bohne.

Denn Clarisa war eine selbstbewusste Frau, die wusste, was sie will, und ihr Leben genieße.

Lisa sah sich neugierig und gezielt um, entdeckte die Schlafzimmertür und startete zielbewusst in diese Richtung.

Schon im Gehen zog Lisa sich splitternackt aus.

Andy bemerkte es nicht, als er in der Küche sich und Lisa etwas zu trinken machte.

Plötzlich stand ganz nackt Lisa vor ihm, in Gedanken noch an Clarisa Zilas üppigen Körper.

Jetzt raste das Blut in seinen Adern.

Und wie es ihm geschah, war er auch splitternackt.

Seine steil aufgerichtete, mächtig angeschwollene Luststange bebte wie ein mühsam gezügelter wilder Hengst.

Nah, mein Hengst!“ „Dein wichtiges Stück zwischen den Beinen ist auch nicht gerade kleiner geworden“, stellte Lisa belächelnd fest.

Aber dann lachte Lisa mit sinnlich feuchten Schmolllippen.

Sie ging zum Bett und warf sich darauf.

Mit dem Gesicht nach unten.

Lisa spreizte die Beine weit, hob neckisch das Becken ein wenig und zeigte in einem buschigen Wald dunkler Haare ihre rosig hervorschauenden Liebeslippen.

Gefühlvoll langte sie langsam und streichelnd mit beiden Händen auch noch zwischen ihren Beinen hindurch, bis jede Hand eine von den delikaten Pobacken fest im Griff hatte.

So präsentierte sie Andy ihr hungriges Schneckentier freigelegt in seiner ganzen Pracht.

Lisa liefert sie sich Andy aus, in ihrer hypnotischen Sexualität, in wollüstiger Hingabe.

Andys pure sexuelle Aktivität offenbarte sich auch in voller Nacktheit.

Diese überschwemmte Geilheit beim Anblick einer nackten Frau, die sich an ihren Liebeslippen spielte, hatte er schon immer empfunden.

Aber das hatte sich von Jahr zu Jahr in Costa Rica gesteigert.

Die zahllosen plumpen und einfallslosen Frauen, seiner Lust betrunken zu geschaukelt, in Deutschland, hatten ihn nicht etwa abgestumpft.

Im Gegenteil, in Costa Rica waren die Frauen anders.

Sie haben die wahren Werte im Leben erkannt.

Noch niemals hatte er solche, fast teuflische Lust empfunden, wie heute, beim Anblick von Lisas nackter Schönheit.

Lisa hatte auch einen besonderen Spaß daran, es mit frechen Männern zu machen.

In rasanten Stellungen, die sie zu Hause nicht immer geboten kriegt.

Da konnte sie ihre unerschöpfliche Fantasie beim Sex so richtig nach Herzenslust austoben.

In diesem Punkt war Lisa mit Andy einer Meinung.

Wir sind das ideale Pärchen!“, hatte sie einmal belustigt festgestellt.

Das war eine ganz andere Art von Vergnügen, diese Unersättlichkeit von Lisa Laubeta.

Lisas Stimme brach plötzlich ab.

Andy war im Bett.

Sie stöhnte wohlig bei der ersten Berührung, als Andy dann vor stieß und tief hinein.

Oh, du lieber Himmel… Ohhhahhh… deine tolle Lust!“, schrie sie, denn das törnte sie an.

Die unersättliche Lust ging über sie hinweg in wilden, betäubenden Wellen.

Die tobten in ihrem Körper und schlugen wie eine stürmische Brandung über ihr zusammen, als Andy jetzt wieder und wieder nachstieß.

Drücke deine Schenkel zusammen, Lisa!“, sagte Andy. „Ganz eng zusammen!“ „Ich will dich spüren!“

Andy hatte nun seine Schenkel außen und harte Muskeln nahmen Lisas Hüften in die Zange.

Seine Hände krochen unter ihrem Körper nach oben.

Mit jeder Hand griff er sich eine von ihren reifen, vollen Brüsten.

Andy begann wiederholt langsam mit seiner süßen Lustarbeit.

Lisa genoss es, sich dem Rhythmus von Andy so hinzugeben, dass es manchmal vorkam, als sei sie eins geworden mit ihm.

Am Abend, als sich das Land mit der untergehenden Sonne abgekühlt hatte, gingen die Leute auf den Straßen noch ausgelassener und verschwenderischer mit ihren Kräften um.

Du abscheuliches kleines Mistvieh!“, zischte Lisa und stieß Andy mit der Hand weg. „Mach nur weiter so, dann landest du im Suppentopf.“ „Als zähes Stückchen Fleisch!“

Andy lachte und schnappte nach ihr.

Sie musste lächeln.

Dieser Kerl, dachte sie.

Sie bewegten sich lässig auf der Straße vorwärts, die von vielen fröhlichen Menschen besucht wurde. Sie tanzten und sangen ihre Lieder.

Lisa schien die Aufregung in der Menge nicht zu bemerken.

Mit zurückgeworfenem Kopf und geschlossenen Augen bewegte sie sich im Takt der Musik hin und her.

Zu ihrer Linken standen Männer, die Mitte Zwanzig waren und ungewöhnlich attraktiv aussahen.

Andy Pala griff nach Lisas Hand.

Sie schnappte nach Luft, denn an ihrer Narbe war der Schmerz aufgeflammt, als hätte man ihr ein brennendes Feuerzeug an die Haut gehalten.

Ist alles in Ordnung?“, fragte Andy.

Lisa nickte und rieb sich die empfindliche Stelle mit der freien Hand.

Sie lachte plötzlich, warf den Kopf zurück und löste ihren Zopf.

Lisa wollte sich selbst überrumpeln, sich so benehmen, wie sie sich selbst nicht kannte.

Bei Lisa in ihrer Villa wieder angekommen fragte Andy Lisa, ob sie sich vor nichts fürchtet.

Er beugte sich hinunter, um ihren Hals zu küssen.

Seine Hände bewegten sich sanft und vorsichtig über Lisas Körper.

Sie stellte sich vor, als forme er sie aus Ton.

Er zeichnete die Form ihrer Rippen nach, knetete ihre Hüftknochen zu steilen Dämmen und drückte ihren Bauch mit den Handflächen zu einer hohlen Mulde.

Lisa merkte, wie einsam ihr Körper bisher gewesen war.

Bevor sie Andy Pala kannte, war sie selten berührt worden, nicht einmal von ihren Eltern, die so scheu waren, dass Lisa sich fragte, wie sie mit ihr als Baby umgegangen waren.

Hatten Lisas Eltern sie wirklich im Arm gehalten?

Ich glaube vielleicht nicht an Gott“, sagte Lisa, „aber ich glaube an bestimmte Mächte und die sind neugierig.

Lisa küsste Andy, um wiedergutzumachen, dass sie sich so abrupt von ihm abgewandt hatte.

Die Narbe brannte immer noch, aber Lisa achtete nicht darauf und zog Andy an sich.

Ich lass dich nicht los“, hauchte Lisa Andy ins Ohr.

Er schaute sie an und dachte, sie könnte ein glücklicher Engel sein, der seine Arme wie Taue um seinen Körper geschlungen hatte und eine Haut so weich wie Federn besaß.

Andy nahm ihre weichen Hände und drückte sie auf sein Herz.

Ich kann dein Herz da drin fühlen“, flüsterte sie ihm zu, „es schlägt wie eine Uhr.“

Komm“, befahl sie sanft und drängte ihn, sich auf der weichen, weißen Wolldecke auszustrecken.

Lisa setzte sich rittlings auf seinen Rücken und drückte ihre Handballen auf seine angespannten Muskeln, um sie zu lockern.

Sie massierte seinen Nacken und kräftigen Schultern.

Ich habe viel Seele übrig“, sagte Lisa. Ich reibe sie gerade in dich tief hinein. Merkst du es schon? 

Ja, ja“, erwiderte Andy und genoss Lisas angenehme Massage.

Lisa war dabei, den unteren Teil seines Rückens mit den Fingerknöcheln zu kneten.

Du bist jetzt nicht mehr allein“, flüsterte Lisa leise. „Ich bin ein Teil von dir, ob du es willst oder nicht.“

Andy dachte, er würde Lisa in der kleinen Herzkammer verschlossen halten, in die sie mit den Fingern gelangt war, durch die breite Mauer seines Rückens hindurch.

Als Andy später wieder erwachte, hatte er das Gefühl, als sei sein Körper an den von Lisa geschweißt.

Er fuhr mit einem Ruck hoch und zog die Decke über Lisas nackten Schultern, so dass sie wie in einen Kokon gehüllt war.

Er machte die Knöpfe an seinem Hosenschlitz zu und bewegte sich an die nach Süden zeigende Wand.

Andy wandte den Kopf ab, weil er nicht in die aufgehende Sonne schauen wollte.

Ihr blassrotes Licht ergoss sich über sein Profil und färbte für kurze Zeit die abgestorbenen Bäume, die in einem Fluss aus vermodertem Schlamm standen.

Als Andy wieder zu Lisa blickte, sah er für einen Moment einen schlafenden Schutzengel vor sich.

Er hatte Lisa so in diesem Licht noch nie gesehen.

Andy blieb still stehen, um Lisa im Auge zu behalten, denn aus einem bestimmten Blickwinkel verschwand sie wieder.

In diesem Moment öffnete Lisa ihre verschlafenen Augen.

Weißt du, Andy“, flüsterte sie und wurde etwas lauter in ihrem Ton. „Welcher Gedanke mir kam?“ Es gibt einen männlichen Teufel, aber keinen weiblichen. „Und ich würde den alten Teufelskerl bei Laune halten.“

Da beschloss Andy, in die Stadt zu gehen und ein Paket Fertigkitt zu kaufen.

Spät am Abend im Kerzenschein formte er aus der fleischfarbenen Masse die rundliche Figur seiner Lisa.

Auf den kahlen Kopf der Figur drückte er eine Locke von Lisas Haar, die er von ihrem langen Haar abschneiden durfte.

Dann fing Andy an, den Hals auf den Schultern zu formen, und ihre Brüste waren eine wahre Kunst, die er bei der geduldigen Lisa beherrschen musste.

Das war vielleicht eine schlimme Nacht“, jammerte Andy. „Mir ist, als wäre ich bei einem verrückten Marathon mitgerannt.“

Lisa lachte und konnte es nicht glauben, was sie da von einem Künstler hören musste.

Lisa umfasste den Kopf von Andy und küsste ihn auf seine trockenen Lippen.

Dann berührte sie das Gesicht.

Lisa sah wieder Aengus, den Gott der Liebe.

Lisa und Andy traf der Blitz der Liebenden, wovon Andy noch nichts wusste.

Lisa nahm die Wurzel ihres Andys in die Hände.

Sie rieb an sie, bis sie dick und aufrecht war.

Lisa saugte an seiner Wurzel herzhaft.

Lisa gab ihm ihre Brust selbst, um daran mit seinen Lippen zu spielen.

Sie hatte Andys Körper warm in ihren Armen gespürt.

Lisa, sie wusste, wie man einen Mann behandelt.

Andy hatte ihren Hintern getätschelt, was ihr gefiel, wenn sie an ihm vorüberging.

Lisa glaubte daran, dass die Männer nicht dazu gemacht waren, allein zu schlafen.

Und Andy am Allerwenigsten.

Wenn die Götter gewollt hätten, so glaubte Lisa, dass Männer und einsame Frauen allein schlafen sollten. Dann hätten sie den Männern keine Schwänze vorne angemacht, die perfekt in den hingebungsvollen Höhlen der Frauen Platz fanden, wenn sie daran rieben.

Die Götter hätten den Männern nicht Hände gegeben, die sich warm um die Brüste einer Frau schlossen.

Lisa Laubeta ging an die Tür und hielt nach bekannten Leuten Ausschau.

Vor der Tür war nichts.

Da raffte sie ihren geblümten Rock bis über die Knie, damit sie schneller laufen konnte, und rannte einfach los, ohne eine Ziele zu verfolgen.

Bei Zara brauten Zauber- und Heiltränke.

So erzählten die Leute.

Zara durfte freilich ihre Kräuter nur anwenden, um Kranke zu heilen.

Die Zaubertränke für die Lieben, um Mädchen zur Reife zu bringen oder Männer mutig zu machen.

Eine Tränke, die Segen bringen sollte, durfte sie nicht zubereiten.

Die Leute tuschelten auch, da Zara über Zauberkräfte ganz spezieller Art verfügte.

Sie vermochte, nach dem Reden, sich mit einer einzigen Körperbewegung völlig zu verwandeln. Zara war eine derb gebaute Frau, dank ständiger Bewegung gestärkt.

Durch ihr dunkles Haar zogen sich graue Strähnen und ihre Brauen waren schwarz wie Krähenschnäbel.

Wenn Lisa in Zaras Nähe war, dann hielt Zara sich so, dass ihr Leib hervortrat und ihre Unterlippe schlaff bis aufs halbe Kinn hing.

Anstatt wieder zu gehen, stolperte Lisa ängstlich und ungeschickt dahin.

Schenkte Zara den schüchternen Männern ein Lächeln, dann achtete keiner auf die grauen Strähnen in ihrem Haar.

Wenn sie es darauf anlegte, dann konnte Zara schneller laufen als Frauen, die halb so alt waren.

Innerhalb der Umgebung standen Dutzend kleine Villen, die Lisas Villa in fast allem glichen.

Lisa hatte noch einen Swimmingpool am Haus.

Atemlos kam Lisa wieder auf ihrem Grundstück an, wo sie sich für ein paar Pferde zum Ausreiten hielt.

Lisa rief ein Pferd zu sich, es war Sonnenschein. Ihr Liebling.

Dann lächelte sie.

Risiko: Ein Pferdeflüsterer kümmerte sich liebevoll um Lisas Pferde.

Gleich darauf wandten die beiden Pferde ihren Blick auf Lisa zu.

Sie hatten Lisa gleich erkannt.

Sie wieherten laut miteinander.

Auch Silberstern, ein Schwarzer aus dem Gestüt, bemerkte Lisa an der Böschung.

Als Lisa ihm zulächelte, kam Silberstern auf sie zu galoppieren.

Aber auch Silberstern folgte den galoppierenden Schritten.

Lisa, was willst du?“, fragte Risko.

Sein Gesicht war groß, die Nase sah aus, als sei sie einmal gebrochen worden.

Lisa hörte aus seiner Stimme, dass sie willkommen war.

Lisa hatte bei vielen Männern diese Wirkung: Sie konnte tun, was sie wollte, sie wurde respektiert.

Risko sah Lisa mit gerunzelter Stirn an, wandte ihr den Rücken zu und entfernte sich einige Schritte von Lisa.

Lisa lächelte Risko zu.

Sie folgte ihm.

Zunächst gingen sie nach rechts, dann noch einmal nach links.

Dann hielt Risko inne.

Sein ungepflegter Bart, den er sich überraschender Weise stehen ließ, war korkfarben.

Risko lehnte eine schmale Holzlatte an der Wand eines Blockhauses, dann legte er plötzlich von hinten eine Hand auf Lisas Schultern, die ihm immer noch folgte.

Die andere landete auf ihrer Brust.

Risko war viel größer als Lisa, die ihn nur bis zum sportlichen Oberkörper reichte.

Lisa lehnte sich an die Wand.

Risko ließ die Hand von ihrer Brust zu ihrem Bauch gleiten.

Lisa griff in seine Hose und nahm seinen steifen, großen Schwanz in die Hand, die weich und glatt war.

Sie ließ die warme Hand hin und her gleiten, immer schneller, während er sich fester gegen die Wand drückte, so dass sie ein Astloch oder etwas Raues spürte, das ihre Kehrseite aufschürfte.

Sie verlagerte ihr Gewicht auf das andere Bein.

Risko brummte wie ein Bär, als er versuchte, in sie heftig einzudringen.

Lisa stellte sich auf die Zehenspitzen und mit den Händen auf seine Schultern gelegt versuchte sie, ihm entgegenzukommen.

Schließlich umfasste Risko Lisas Gesäß und hob sie auf seine Hüften.

Als Lisa spürte, wie er eindrang.

Sog sie tief den Atem ein.

Sie mochte Männer, die tief in sie eindringen konnten.

Nur ein Augenblick und alles war, wie ein Windzug, vorüber.

Lisa glitt hinunter, von einem Gefühl der Schwäche und Benommenheit erfasst, so dass sie sich kurz an die Wand lehnen musste.

Risko lächelte ihr entspannt zu, wischte sein Glied mit seiner rauen Hand ab und zog sein Hemd glatt in die Hose.

Ohne ein Wort zu verschenken folgte Lisa ihrem Irrweg weiter.

Sieh an“, dachte sie anerkennend beim Anblick der steifen und großen Menschenwurzel der Männer, „was könnte eine Frau damit nicht alles machen!“

Lisa schmunzelte vor sich hin und dachte an Bilder.

Dann warf sie einen Blick zu den Steinstufen hin, die zur Villa zurückführten.

Ach, wenn das nicht Karus ist, der mit dem Wagen hält“, rief Lisa erfreut.

Karus sah sie an und grinste.

Große, breite Zähne zeigten sich gelblich zwischen dem roten Bart und dem Schnauzer.

In der ganzen Umgebung von Costa Rica verfügte niemand über so viel Manneskraft wie er.

Karus zwinkerte Lisa zu.

Warst du bei deinen Pferden, Lisa?“, fragte er. „Soll ich dich mitnehmen?“

Ja.“, erwiderte Lisa.

Karus warf einen kurzen Blick auf Lisa.

Komm, ich bringe dich bis zur nächsten Kreuzung!“

Lisa setzte sich auf den Beifahrersitz seines kleinen Transporters.

Aus der Ferne drangen laute Männerstimmen heraus und es kamen auch Männer ihnen auf der Straße entgegen.

Im Inneren eines Grundstückes hing schwer der Geruch nach gesottenem Fleisch und Gänsebraten.

Lisa strich sich die Haare glatt, sah aus dem Fenster und beobachtete die Farbenpracht der Vögel.

Im Wagen roch es noch Speisen und Männerschweiß.

Karus saß auf seinem Sitz wie auf einem goldenen Thron, der mit roter Emaille, mit Rubinen und Perlen reich verziert sein könnte.

Karus drängte sich mit dem Wagen durch die Menge.

Einige Einwohner liefen der Straße entgegen und riefen laut irgendwelche Parolen, die keiner verstanden hatte.

Als wenn sie feierten, dann gerieten sie in ähnliche Raserei.

Lisa war nicht immer so wohlhabend gewesen und würde in einer Villa mit Swimmingpool leben.

Nein, sie war die Frau eines reichen Immobilienmaklers gewesen.

Hätte sie ihn nicht geheiratet, dann hätte Lisa jetzt einen so stattlichen Mann haben können, mit großen gelben Zähnen und roten Haaren.

Sie ließ sich auch vom Immobilienmakler scheiden, mit einem guten Scheidungsanwalt, dem sie heute noch für den hohen Unterhalt ihres Exmannes dankbar ist.

Karus fuhr langsam die Straße entlang.

Über der Kreuzung hielt er an und machte für Lisa Halt, damit sie ihren Weg fortsetzen konnte.

Karus' Körper bildete eine Gerade wie ein Lot.

Eine Hand streckte er neben dem Kopf aus und winkte mit der anderen Lisa zum Abschied zu.

Lisa hielt den Atem an.

Sie bemerkte auf ihrer linken Gesäßhälfte einen blauen Fleck von der Größe und Form eines Pfirsichs.

Ihr Fuß fing an zu Schmerzen.

Lisa blickte um sich, aber niemand war zu sehen.

Sie ging weiter.

Als Lisa die Haustür öffnete, sah sie Andy mit großen Augen überraschend an.

Er saß dort in einem Sessel und wartete schon seit Stunden auf Sie.

Aber Lisa dachte nur, dass dieser Froscharsch gar nicht das Recht hatte, sie zu kontrollieren und dort zu sitzen.

Er war ja nichts weiter als der Ficker von Lisa.

Dennoch, es war Andy, den Lisa sehr geliebt hatte und vermissen würde, wenn er nicht bei ihr wäre.

Lisa Runzelte genervt die Stirn.

Andy“, sagte Lisa, „da ich in milder Stimmung bin, sollst du unsere Zukunft voraussehen. Sag mir, was aus uns wird!“

Andy rieb sich belustigend die Hände.

Du wirst Schönheit besitzen. Viel Schönheit. Schönheit, die Männern den Atem raubt. „Mehr als jede andere Frau“, erwiderte Andy.

Andy dachte an Lisa, deren lustvollen Atem nachts keuchend kam und ihre feuchte Höhle an seine harte Manneskraft rieb, wenn er auf ihr lag.

Ein Mann braucht eine junge Frau, die ihm Kraft und Jugend wie positive Energie schenkt.

Am Sonntag blickten Andys Augen Lisa an.

Und sie erwiderte diesen Blick lange Zeit.

Andy hatte Lisa auf die Rückseite eines Blattes gemalt.

Lisa fragte sich, ob sie die Nacht in dem verlassenen, von Schlamm umgebenen Haus nur geträumt hatte.

Hatte Lisa wirklich ein Stück ihrer Seele gegeben?

Lisa wollte die merkwürdigen und unvermuteten Zusammenhänge herauskriegen.

Aber sie konnte sich schwer darauf konzentrieren.

In der Nähe der Villa wich die Ebene steilen Hügeln, an deren Hängen dunkle Streifen zu erkennen waren, die Lisa Laubeta an jene alten Zeiten erinnerten, in denen dieses Land immer noch über eine außergewöhnliche Vegetation und lange, tropische Strände verfügt.

Andy hatte von Muscheln gehört, die man im Gras finden konnte, wenn man suchte.

Lisa glaubte, das Meer zu schmecken.

Tatsächlich war es der Geruch von Regen, der draußen ans Fenster prallte.

Andy fuhr mit seinem Wagen in einen Regenschauer, der so heftig war, dass er fürchtete, er würde mit dem Wagen unterwegs im Schlamm stecken bleiben.

Aber der Wagen schoss über die glitschige Straße und fuhr immer schneller.

Zum ersten Mal in seinem Leben hatte Andy keine Angst, weil der Augenblick so schrecklich war, dass er Lisa in Hochstimmung versetzte.

Der Wagen schoss über den Felsrand, die Räder drehten sich wie Propeller und Andy flog schockierend im Wagen hinaus in den dichten Wald.

Der Wagen landete schließlich auf der verbeulten Kühlerhaube und schob sich wie eine Ziehharmonika langsam zusammen.

Aber Andy flog noch immer.

Er streifte seine Ängste und Unsicherheiten ab wie alte ausgeleierte Häute und verflüchtigte sich zu einem kühlen, weichen Dunst.

Andy Pala verschmolz mit dem Himmel.

Deshalb fiel Andy nie herunter.

Andy wurde von einem Fahrer gefunden und sofort ins Krankenhaus gebracht.

Es war zu spät.

Die Ärzte konnten nichts mehr tun für Andy.

Der Fahrer zitterte am ganzen Körper und er wollte in seinem Leben nie in so eine Situation kommen.

Aber es geschah, wie es kommen musste.

Der Fahrer stand noch unter Schock.

Lisas Zunge war wie gelähmt, als sie von dem Unfall hörte.

Drei Polizisten überbrachten Lisa die traurige Nachricht.

Die erschütternden Worte ließen Lisa felsenschwer werden.

Sie hatte das schmerzende Gefühl, dass Sand aus ihren Augenhöhlen strömte, sich in ihrem Körper ergoss und sie von oben bis unten abfüllte, so als wäre sie nichts weiter als ein nutzloser Sack.

Die Polizisten gingen wider und Lisa setzte sich verzweifelt und bedrückt auf die Couch und weinte bitterlich.

Als Lisa ein paar Stunden später in der glücklichen Lage war aufzustehen, hatte sie das Gefühl: Ihre Glieder trieben von ihr fort, nachdem der schwere Sand zwischen ihren Zehen herausgetreten und auf den Boden gerieselt war. Eine leise Stimme in ihrem Kopf flüsterte: „Ich bin ein Teil von dir, ob du es willst oder nicht.“

 

 

Kapitel 3

In der Nacht nach dem tragischen Unfall träumte Lisa Laubeta, dass sie und Andy in einer Kirche heirateten. Beide waren sehr glücklich und lachten viel. Lisas lange Haare waren zu einem kunstvollen Zopf geflochten. Ihre großen Augen sprühten Funken.

Die Hände waren schüchtern hinter dem Rücken verschränkt.

Obwohl sie versuchte, ihren Mund nicht zu bewegen, spielte immer wieder ein gezwungenes Lächeln um ihre Lippen.

Das ist zu leicht“, protestierte Maria Koralis, die über das tragische Geschehen informiert wurde. Lisa rief sie noch in der Nacht an.

Aber Lisa brachte Maria zum Schweigen.

Maria verzog ihr Gesicht zu einem Lächeln und hob verspannt ihre Hände.

Sie öffnete den Mund.

Aber kein Laut war zu hören.

Aber eine Frage, die Maria so tief ihrem Bauch entrann, dass ihr plötzlich ganz schlecht wurde, wusste sie noch: „Hat Andy Pala es mit Absicht getan und wollte sich das Leben nehmen?“ Hat er es für mich und die emanzipierte Frauenwelt getan?

Risko stand plötzlich vor der Haustür und wollte klingeln, als Maria die Tür öffnete und Lisa wieder verlassen wollte.

Lisa bat Risko mit Tränen im Gesicht, sie hoch zum Unfallort zu fahren.

Risko war verwirrt und wusste nicht, was er antworten sollte, aber er blieb ruhig und beruhigte Lisa erst einmal.

Ich möchte für Andy ein Gebet sprechen“, sagte sie zu Risko. „Seine Seele irrt vielleicht in den Wäldern umher und findet nicht mehr zu sich zurück.“

Unterwegs kamen sie erstaunt an Dutzenden von weißen Kreuzen vorbei, jedes davon zeigte die Anteilnahme an dem tödlichen und schrecklichen Geschehen.

Dass Andy Pala sein Leben auf der Straße ließ, war bekannt geworden, aber bei den meisten Unfällen in Costa Rica war Alkohol im Spiel.

Risko hatte nicht vorgehabt, auch noch Maria Koralis, die kleine Hexe, mitzunehmen, aber Lisa hatte darauf bestanden.

Die Sitzbank des Pickups war so voll, dass Maria auf Lisas Schoss sitzen musste.

Hier ist es“, sagte Risko, als sie in der Nähe vom Unfallort waren. Risko fuhr den Wagen an den Straßenrand und die Drei stiegen aus.

Kommst du jetzt?“, fragte Maria Lisa ungeduldig.

Lisa bewegte sich mit zitternden Knien und gesenktem Kopf vorwärts.

Schau doch!“, rief Risko und zeigte auf die verwüstete Stelle. „Das können nicht nur Rettungsleute gewesen sein.“

Lisa und Maria verstanden nicht.

Wieder deutete Risko auf die plattgewalzte Fläche, die sich über die Stelle des Aufpralls hinaus erstreckte.

Was willst du damit sagen?“, fragte Lisa. „Wer soll das denn gemacht haben?“ 

Dieser Mann.“ „Der Andy Pala.“, sagte Risko. „Jetzt ist er der wahre Tänzer.“ „Jetzt weiß er wirklich, wie man durchs Leben tanzen soll.“

Drei Tage später, kurz vor fünf Uhr, war Lisa wieder in ihrem Büro.

Eine kalte Pracht.

Im Büro war das Letzte an dekorativen, modischen Gags versammelt.

Was sich die Designer von Möbeln, Wandverkleidung und Raumgestaltung hatten einfallen lassen.

Lisa Laubeta musste Leute anlocken, zu deren Einkommensstufe sie noch nicht gehörte.

Aber eben dorthin wollte sie noch.

Wenn Lisa ein paar von ihnen konsultiert, wie Morgen den Multimillionär Jack Braun, dann würde ihr der Aufstieg auch noch gelingen.

Irgendwelche Nachrichten für mich in den letzten Tagen, Wochen?“, fragte Lisa ihre Sekretärin, die puppige Monique.

Seit Monique Lyer für Lisa Laubeta arbeitete, hatte Monique einen neuen Ehrgeiz entwickelt.

Monique will mit jedem Chef ins Bett gehen, auch wenn ihr Chef eine Frau ist.

Bei dem Lächeln von Lisa wurde sie schon feucht zwischen ihren bestrebenden Oberschenkeln.

Aber weiter kam sie nicht.

Noch nicht?

Lisa Laubeta war viel zu gewieft, als dass sie sich auf Bettgeschichten mit ihren Angestellten einließ.

Da war Lisa Laubeta eisern.

Aber sie brauchte trotzdem nichts zu entbehren.

Ihre charmanten und freizügigen Kunden waren wie immer lohnender.

Außerdem nicht nur in einer Beziehung.

Oh, Lisa, da waren mindestens ein Dutzend Anrufe“, sagte Monique und ließ dabei ihre langen schwarzen künstlichen Wimpern klimpern. „Ich sagte allen Anrufern, sie wären leider geschäftlich verhindert und könnten nicht vor morgen Früh auf diese Angelegenheit zurückkommen.“

Danke, Monique.“, sagte Lisa, grinste und dachte sich: „Nicht vor morgen früh?“

Monique trug ihr kurzes Sommerkleidchen und ihren hauchdünnen Minislip.

Was sie auch gern in jeder unpassenden Situation zum Ausdruck brachte.

Monique, du machst das ausgezeichnet.“, sagte Lisa, bevor sie die doppelte Polstertür öffnete und ins Arbeitszimmer ging.

Oh, Lisa, einen Moment, bitte!“, rief Monique, wobei sie sichtlich erkennen ließ, dass ihr Lächeln schon die bekannte feuchte Unruhe in der Nähe ihres zarten Sitzfleisches ausgelöst hatte und erregt auf ihren Stuhl hin und her rutschte. „Ein Jack Braun möchte dir unbedingt heute noch eine Mitteilung machen.“ Er sagte, Morgen wäre es bereits zu spät. „Es sei eine unaufschiebbare, wichtige Angelegenheit.“

Ist gut.“ In diesem Fall verständige diesen netten Herrn bitte. „Ich sei wieder zurück und er könne zu mir kommen.“, wurde dann erwidert.

Lisa Laubeta hatte für ihn die harten Nüsse zu knacken, in allen Fragen wie Recht, Wirtschaft und Soziales.

Situationen, die ihm zu mühsam waren.

Oder zu unwichtig für seinen persönlichen Einsatz?

Lisa Laubeta musste für ihre Kunden die Kleinarbeit leisten zu den großen Erfolgen.

Die dann allein als Jack Brauns Erfolge galten.

Lisa wurde nicht schlecht bezahlt von ihren Kunden.

Aber der Löwenanteil ging immer in die volle Kasse des originellen Auftraggebers.

Außerdem gehörte zu Lisas Arbeitsbedingungen, dass Lisa sich die Frauen und alle Affären für verschwiegene Sexabenteuer vorbehielt.

Lisa Laubeta genoss das besondere Vertrauen des Multimillionärs.

Sie hatte von Anfang an den angenehmen Eindruck gemacht, dass Lisa die Frau nach seinem Geschmack ist.

Und Lisa verstand es, diesen unvergesslichen und imponierenden Eindruck ständig bei ihren vermögenden Kunden zu verstärken, ohne dabei ihre eigene Meinung aufzugeben oder sich die Finger schmutzig zu machen, wenn Jack Braun mit seinen nicht ganz sauberen Methoden am Rande der Legalität oder ganz außerhalb des gesetzlich Erlaubten seine speziellen Dinge drehte.

So zog Jack Braun Lisa öfter bei streng vertraulichen Angelegenheiten hinzu.

Und Lisa hatte Einblick in das innerste Getriebe des Imperiums von Jack Braun.

Der Multimillionär Jäck Braun machte auf den ersten Blick den Eindruck eines kleinen Jungen.

Etwas naiv, beinah.

Aber er war klug genug, diesen ersten Eindruck bewusst zu pflegen.

Denn dahinter konnte er gut seinen scharfen Verstand, seinen gewieften Geschäftssinn verbergen.

Jack Braun konnte hart und clever sein und doch die unbeirrbare Ehrlichkeit seines Charakters bewahren.

Bewundernswert war seine menschliche Anständigkeit, die jeder Korruption widerstand.

Jack Braun vertraute Lisa Laubeta hundertprozentig auf ihre Menschenkenntnis.

Lisa saß schon an ihrem Schreibtisch und ging die Korrespondenz durch, die Monique ihr zur Unterschrift vorgelegt hatte, als Jack Braun höflich und grinsend eintrat.

Jack Braun war stahlblond, und bei den Frauen hingegen, die in diesen Dingen niemals unparteiisch urteilen, da hatte Jack Braun einen meilenweiten Vorsprung auf der Skala von eins bis zehn.

Jack Braun hatte heute jenen harten, zynischen Zug im Gesicht, den die Frauen sofort bemerkten.

Er weckte bei ihnen verborgene masochistische Gelüste.

Diese sadistische These bestätigte so schön seine Überlegenheit, seine besondere Qualität, seine Unwiderstehlichkeit.

Jack Braun wollte fremden Besitz erobern.

Bei den Frauen: Macht ausüben, wie sie es von ihm verlangen, über etwas, was ihm nicht gehörte.

Aber nur für Augenblicke.

Sein ungehorsames Kerlchen zwischen den Beinen war ein Machtinstrument, wie im zärtlichen und festen Griff einer feministischen, sexhungrigen Frau.

Jack Braun, der blonde Riese mit der lässigen Haltung, galt als gutmütig.

Und er konnte es sich ja leisten.

Die Frauen prägten sich immer wieder durch die blonde Tolle ein und den offenen, klaren Blick, den er hatte.

War denn schon mal jemandem eingefallen, dass ein offener Blick „Eintritt frei“ fürs Hinschauen bedeutet?

Dass dieser Blick auch für scharfe Beobachtungen offen ist?

Jack Braun war nach schlechten Erfahrungen mit Frauen, die er nicht haben wollte, Single.

Und er erkannte, dass es ganz andere attraktivere Frauen gibt.

An denen hatte er keinen Mangel, seitdem er sein eigenes Leben lebt.

In einer abgeschiedenen Gegend ritt Lisa Laubeta aus, an einem See, der einige Stunden zu Pferd vom Gestüt entfernt lag.

Ein junger Mann ritt durch den Wald.

Er hieß Domenik Janik, wie er sich mit Lisa bekannt machte.

Er besaß die kräftigen Hände, Arme und Beine eines Mannes.

Sein schwarzes Haar, dicht wie die Pferdemähne, wurde ihm beim Reiten aus dem Gesicht geweht.

Der Name seines schwarzen Hengstes war Sturm, was so viel wie Sturm bedeutet.

Domenik Janik war der einzige Sohn in der Familie, eines Geschäftsmannes aus Amerika.

Die Familie züchtete seit Generationen die edelsten Rösser in ganz Texas.

Domenik war verlobt mit einem hübschen Mädchen mit langen Haaren, die schwarz waren und blaue Augen hatten.

Ihre Schönheit wurde von den Männern bewundert. Sogar Frauen zeigten ihre eigene Bewunderung.

Er kaufte für sie eine Luxusvilla auf der Sonnenseite und ließ rundum honigreiche Blumen wachsen.

So lebten sie.

Lisa gelangte an einen flachen Hügel, über den ein Bach sprudelte. In dieser Gegend war sie noch nie gewesen.

Die Bäume, die hoch empor wuchsen, bildeten mit ihren Kronen ein Laubdach über ihrem Kopf.

Hier schien aber die Sonne nicht hell genug.

Sie huschte vielmehr träumerisch in gedämpften Strahlenbündeln hin und her.

Die Stille des Waldes wurde nur durch das weiche Hufgetrippel der Pferde unterbrochen, sowie durch das metallische Klirren des Zaumzeuges, wenn sie den Kopf schüttelten.

Plötzlich sah Lisa Domenik vor sich, der sie schon die ganze Zeit folgte.

Da hörte Lisa etwas… einen Pfeifton, einen dünnen, unsicheren Pfeifton… ein menschliches Pfeifen.

Lisa folgte neugierig der Richtung und Domenik schloss sich an, aus der dieser Ton kam, den Bach entlang.

Vor sich in einiger Entfernung blitzte etwas auf.

Das Pfeifen verstummte plötzlich.

Eine junge Frau stand am Bachufer.

Hatte sie gepfiffen?

Domenik Janik fiel eine Sprachweisheit ein, die er als kleiner Junge von seiner Mutter gehört hatte: „Eine Frau, die pfeift, und ein Huhn, das kräht, sind die unglücklichsten Dinge unter der Sonne.“

Das Gesicht hielt die Frau von Lisa und Domenik abgewendet und auf das Wasser gerichtet.

Die Frau hörte auf zu pfeifen und wandte den Kopf.

Noch nie hatte Lisa so etwas Herrliches gesehen.

Es war nicht ihre Schönheit allein, denn in Costa Rica gibt es viele schöne Frauen, die ein Mann zur Genüge genießen kann.

Und doch war für Lisa noch nie so etwas Vollendetes begegnet.

Ihr Gesicht war kühn, ihr Kopf in stolzer und selbstbewusster Pose zurückgeworfen.

Sie warf den Kopf in den Nacken und griff sich ins Haar.

Das Haar glitt ihr über die nackten Schultern.

Ihre großen Augen waren wie zwei kleine Sonnen in ihrem Gesicht, ihre Lippen rot wie schmackhafte Erdbeeren, die süßen Wangen rosig.

Ihr sonnig gebräunter Rücken war lang und schlank anzusehen.

Dann bückte sie sich und löste ihre Sandalen, so dass die Wölbung ihres Schenkels unter dem bunten Kleid sichtbar wurde.

Die Füße der unbekannten Frau glichen weißen Tauben schwingen.

Sie ging unbemerkt Ihnen nach.

Sie stand plötzlich vor ihnen, als sie sich erst des Kleides entledigte, dann ihres Tangas, bis sie splitternackt vor Lisa und Domenik stand.

Die Brüste der Frau wurden durch die feuerroten Haare verborgen.

Da erhob sich wie ein Zauber der Wind und streifte leicht die Haarsträhne von der rechten Brust.

Eine Brustspitze, hell wie eine blasse Himbeere, wurde sichtbar.

Domenik Janik glaubte, die süße Frucht zu schmecken.

Es war, als ob der Sonnenschein seine Zunge liebkoste.

Dann legte sich plötzlich der Wind.

Die Brust war wieder bedeckt.

Ach, sie war hinreißend“, flüsterte Lisa leise Domenik zu. „Sie ist wild und sanft, das Weib.“

Domeniks Lippen schlossen sich.

Doch dann hielt er den Atem an, als die junge Frau ihre prachtvollen Arme zum Nacken hob und das feuerrote Haar energisch von den Schultern strich.

Die Frau fing wieder gelassen und unbemerkt zu pfeifen an.

Domenik und Lisa wandten ihre Aufmerksamkeit, immer noch hinter einem dichten grünen Geäst hockend, erneut ihrer Schönheit zu.

Aber die Frau drehte den beiden den Rücken zu.

Ihre Flanken waren straff, und als sie sich bewegte, konnten sie das Muskelspiel unter der dunklen Haut sehen.

Sie ging ins Wasser.

Das Pfeifen verstummte.

Sie sahen, wie der Rücken der Frau unter dem Schock des kalten Wassers bebte.

Die Frau ging langsam weiter.

Erst bis zu den Knien, dann versanken die Schenkel im schimmernden, kühlen Nass.

Mit ausgestreckten Händen ging sie bis zum Hals ins Wasser, während ihr Haar wie ein rotes Wasserlilienfeld hinter ihr her trieb.

Die Frau tauchte unter und verschwand unter der Wasseroberfläche.

Die Sonne beschien das Wasser, so dass es glitzerte.

Das Wasser bildete Wellenkreise an der Stelle, wo sie eingetaucht war.

Große, gemächliche Kreise, als hätte jemand einen Stein geworfen.

Die nackte Frau kam an die Oberfläche.

Aber nur, um wieder unterzutauchen.

Lisa schlich an der Stelle, wo ihre Kleider lagen.

Als Lisa die Hand nach den Kleidern auf dem Boden ausstreckte, tauchte der Kopf der Frau auf.

Mach dich davon!“, rief sie.

Die Nässe ließ ihr Haar, das nun an ihrem Kopf zu kleben schien, dunkler erscheinen.

Kleine Wassertropfen glänzten auf ihrer Stirn, auch Nase und Schultern.

Dann auf ihren Brüsten und auf ihrem Bauch.

Sie stieg aus dem Bach so rasch, dass sich das Wasser heftig kräuselte.

Als sie ihre Kleider abgelegt hatte, war sie wunderschön gewesen.

Doch als sie nun aus dem Wasser kam, war sie die Schönheit einer Wassergöttin.

Die Sonnenstrahlen brachten Ihre feuchte Haut zum Funkeln.

Über ihre Schultern hing ein Regenbogen.

Ein Zweiter zwischen ihren Schenkeln.

Gib mir meine Kleider!“, sagte sie wütend und fasste nach den Sachen.

Wer bist du?“, fragte Lisa neugierig.

Der Frau fiel ein Wassertropfen aus dem Haar und lief die rechte Brust bis zur Spitze, wo er wie eine funkelnde Perle haften blieb.

Als Domenik auch aus dem Geäst erschien, bückte die Frau sich zur Erde, ergriff eine Handvoll Sand und schleuderte es ihm ins Gesicht.

Für einen Moment konnte er nicht sehen.

Dann hob sie einige mittelgroße Steine auf und warf sie den beiden so nach, dass sie ausweichen mussten.

Lisa und Domenik lachten, aber die Frau hatte Angst.

Wir wollten doch nur deinen Namen wissen“, sagte Lisa. »Hör bitte auf, mit den Steinen nach uns zu werfen!« »Wir tun dir nichts.«

Sie traf Domeniks Leib, da er allen Wurfattacken nicht schnell ausweichen konnte.

Er musste mit mehreren Schritten den Steinen ausweichen.

Wer auch diese Frau sein mochte: Sie war geübt im Steinewerfen.

Das ließen ihre gezielten Würfe erkennen.

Sie war ausdauernd und flink.

Lisa wich ihren Würfen seitlich aus und attackierte rasch, während die Frau noch in der Vorwärtsbewegung nach mehr Steinen griff.

Der harte Aufprall war Lisa schmerzhaft bis zur Schulter zu spüren, der die Frau überraschte.

Die gewaltige Wucht ließ die Frau auf die Knie sinken.

Mit einer raschen Wendung stieß Lisa mit dem Bein gegen die Schultern, so dass sie taumelten.

Jetzt stürzte Lisa auf sie und griff nach ihrem Handgelenk.

Sie verfehlte es und packte schnell erneut zu.

Lisa umklammerte ihren Arm und riss ihn abwärts, so dass sie über die Frau hinweg einen Purzelbaum schlug.

Jetzt lag die Frau unter Lisa, die sehr wütend war, und Lisa setzte sich auf sie und drückte die Knie gegen ihre Schultern.

Noch einmal bäumte sich die Frau auf, doch Lisa hatte sie im Griff.

Die Brüste der Frau schimmerten feucht wie das Gesicht.

Es war nicht mehr das Wasser, das auf ihrer Haut glänzte.

Es war Schweiß.

Ihr nackter Körper strömte einen warmen Geruch aus.

Wie der Wald, wenn die Sonne nach dem Regen zum Vorschein kommt.

Lass mich aufstehen!“, schrie die Frau und stieß wütend mit der Brust nach oben und versuchte, in Lisas Handgelenk zu beißen.

Beißen ist sinnlos!“, sagte Lisa. „Ich halte dich hier fest, bis du dich beruhigt hast und uns deinen Namen sagst.“

Die Pferde wurden unruhig und trampelten hin und her.

Domenik ging zu den Pferden und beruhigte sie wieder.

Frag doch den Wind!“ „Frag die Vögel!“, erwiderte die Frau und grinste.

Ihre Brüste hoben und senkten sich schwer.

Aber ihre großen Augen sprühten Feuer.

Lisa versetzte ihr mit der Hand einen Hieb.

Ich bin Ayla, aus dem Dorf“, sagte die Frau.

Plötzlich konnte Ayla sich mit einer Hand frei machen und flog auch gleich in Lisas Gesicht.

Ayla schlug wie eine Wilde um sich und kratzte wie eine Katze, bis Lisa sie wieder zu fassen bekam.

Schlage mich!“, schrie Ayla und bot Lisa die andere Wange. „Schlage mich noch einmal.“ Schlage mich tausendmal. „Schlage mich, bis mir das Blut aus dem Gesicht läuft und bis es aus den Knochen rinnt.“

Domenik erinnerte sich. Er erkannte wieder die masochistischen Waffen einer Frau, denn Worte einer Frau verwirren und haben ihn in der Vergangenheit zu Taten gezwungen, die er nicht wollte und nicht einmal glauben wollte, dass eine Frau ihn dazu bringen würde.

Auf Lisas rechter Wange zeigte sich ein roter Abdruck.

Domenik hatte sein Leben lang mit Pferden gearbeitet.

Dabei hatte er erfahren müssen, dass einem Pferd niemals mit Brutalität beizukommen war.

Lisa strich mit den Lippen über Aylas Nacken.

Die Haarsträhnen waren kühl und feucht.

Ihre salzige Haut warm und weich.

Lisa liebkoste Aylas Ohr und ließ die feuchten Lippen über ihr Ohr gleiten.

Ihr Atem aus so unmittelbarer Nähe zu spüren, war ein Gefühl, das Ayla geradezu lähmte.

Lisas leises Atemgeräusch umschmeichelte ihr Ohr, wie das Geräusch in einer Muschel, wie das Rascheln des Windes im Laub.

Ayla setzte sich von Neuem zur Wehr.

Sie versuchte Lisas Gesicht mit dem ihrem wegzudrücken.

Aber der leise Atem und die beharrliche Berührung ihrer Lippen auf Ohr und Nacken riefen bei Ayla ein Prickeln im Rücken hervor, als hätte sich dort ein flatternder Schmetterling verfangen.

Lisas Lippen ließen auch an anderen Stellen Schmetterlinge flattern, an Stellen, wo Ayla ähnliche Empfindungen noch nie verspürt hatte.

Ihre warmen Lippen wanderten vom Ohr ihr Kinn entlang.

Ayla drehte den Kopf zur Seite.

Domeniks Atem war weich, als er eben einen Apfel gegessen hatte und dem kämpferischen Geschehen der besessenen Frauen zusah.

Er roch nach den Pferden.

Lisas gezielter Griff um Aylas Mitte gab nach und jetzt kämpfte sie nicht mehr gegen ihn.

Lisas Lippen waren den Ihren nahe und kamen immer näher.

Ayla öffnete den Mund.

Die Schultern von Ayla wurden plötzlich steif und ihre Augen weiteten sich vor Angst.

Lass mich los!“, flüsterte Ayla.

Diesmal lag kein Zorn in ihrem Ton, sondern ein Flehen. „Bitte!“

Ayla wollte sich aufrichten.

Verblüfft warf Domenik einen Blick zu den Bäumen. Dann sah er wieder die Frauen an.

Lass mich aufstehen!“, flehte Ayla. „Bitte!“

Als Lisa sich erhob, sprang Ayla auf und raffte ihre Kleider an sich.

Ayla ließ in der Eile eine Sandale fallen und bückte sich hastig, um sie aufzuheben.

Dann lief sie schnell ihre Sachen über den Boden schleifend auf den dichten Wald zu.

Ayla drehte sich noch einmal ruckartig um und blickte ängstlich Domenik an.

Geh weg!“, drängte sie. „Bitte!“

Als Letztes sah Domenik die feine Wölbung ihres Gesäßes, das im Wald verschwand.

Lisa hörte das Geräusch von Ästen, die bewegt wurden.

Vor Lisa auf dem Boden war Blut.

Sie bückte sich danach.

Ihr Blut und Aylas mischten sich an ihren Händen.

Domenik saß auf einem harten Baumast, der ihn wie ein Folterinstrument festhielt.

Ein Tropenvogel mit buntem Schnabel saß in einer Baumkrone auf einem Ast und beobachtete Domenik, wie er sich auf dem Baummast hin und her rückte.

Der Tukan hatte ein lustiges Schauspiel.

Domeniks Ellbogen waren auf seine Oberschenkel gestützt.

Seine Augen waren auf Lisa gerichtet, die sich neben ihn setzte und ihre Beine übereinander geschlagen hatte.

Costa Rica nannte Christopher Kolumbus als eine reiche Küste, das Land in Mittelamerika.

An dem er 1502 anlegte.

Bestimmt gibt es hier Goldschätze zu holen, dachte der Weltentdecker.

Aber er irrte sich gewaltig.

Doch Costa Rica bietet mehr, als Gold wert sein kann.

Der Reichtum von Costa Rica ist die Natur.

Sie öffnet hier ihre üppig gefüllte Schatztruhe, wie nirgendwo sonst auf der Erde.

Lisa Laubeta lernte hier den tropischen Regen kennen.

Mystische Nebelwälder, Mangrovensümpfe und kilometerlange Strände bieten seltenen Tieren und Pflanzen einen paradiesischen Lebensraum.

Einheimische Bewohner von Costa Rica erzählten Lisa, dass mindestens 848 Vogel- und 237 Säugetierarten, rund 500 verschiedene Schmetterlinge und 12000 unterschiedliche Pflanzen zwischen dem Reich Atlantik und Pazifik zu Hause sind.

Domenik scharrte mit den Füßen und starrte auf Lisas nackte Füße.

Er fand Sie süß.

Lisa fragte sich, was sie mit Domenik in dieser abgelegenen Gegend hielt, wo sie befürchten musste, für Domenik immer eine Fremde zu bleiben.

Domenik hat in diesen Stunden erkannt, dass nichts so ist, wie es scheint.

Dabei dachte er an das Leben mit seiner Frau Anastasia Janik und an das schockierende Geschehen mit der Frau und Lisa.

Lisa Laubeta liebte ihr Singleleben abgöttisch.

Eines Tages, als Lisa einen langen Zeitungsartikel aus der Tageszeitung gelesen hatte und von ihrem Todesanzeigenblatt aufschaute, stand Domenik Janik plötzlich vor ihr.

Die Tür zur Terrasse stand offen.

Er leckte sich über die Lippen, grinste, entschuldigte sich für sein unangemeldetes Eindringen und überreichte ihr eine rote Stielrose.

Lisa sagte nichts und grinste zurück.

Sie schaute Domenik zum ersten Mal direkt in die Augen.

Von der Sekunde an gehörte Domenik zu den Hedonisten.

Er hatte ein Lustprinzip: Fun only.

Domenik wollte Trübsinn unter allen Umständen vermeiden, das war Lisa klar geworden.

Er strebte nach dem größtmöglichen Glück, das es geben sollte.

Domenik definierte später Sinnenlust als Selbstzweck, als das wirklich Gute im Leben und alles, was Spaß macht und der sexuellen Befriedigung dient.

Bei einem Bootstrip streikte der Motor.

Damit hatten Lisa und Domenik am nächsten Tag nicht gerechnet.

Während er das Boot wieder flottmachte, ließ sie ihre Blicke über einen düsteren Bau auf Costa Rica schweifen.

Ein Gefängnis?

Als sie dicht vor Costa Rica waren, fing der Außenmotor zu husten an und blieb stehen.

Domenik erhob sich, um ihn wieder anzulassen.

Lisa betrachtete das Gewirr von Gebäuden, die sich oben auf dem höchsten Teil der Pazifikküste zusammendrängten.

Was ist das für ein bemerkenswertes Schloss?“, fragte sie schließlich.

Er machte sich an, den Motor zu schaffen.

Lisa, das ist kein Schloss“, erwiderte er ohne den Blick zu heben, „das ist ein Gefängnis.“

Da bemerkte Lisa, dass über den schwindelnd hohen Stützpfeiler eine graue Wand in den Himmel ragte, deren drei Fensterreihen zugemauert schienen.

Die Fenster sind ja vermauert“, fragte Lisa interessiert, „warum denn?“

Das sind Wolfsdrachenfenster“, erwiderte er.

Was heißt das?“, fragte sie.

Das heißt“, antwortete Domenik mit einem hastigen Anflug von Ungeduld, „dass man in den Zellen nur ein Fleckchen vom blauen Himmel sieht, ganz weit oben.“

Und warum?“ fragte Lisa.

Domenik führte die Leine in den Motor ein und zog mit einem kräftigen Ruck, aber nach wenigen Umdrehungen starb der Motor wieder ab.

Warum?“ Wollte sie nun wissen.

Um zu verhüten“, erwiderte er, „dass die Strafgefangenen Signale geben, vermute ich.“

Lisa fragte weiter und es wurde für sie immer spannender. Der Motor wurde für Sie jetzt nur noch Nebensache.

Und wer ist in dem Gefängnis?“, fragte sie.

Diese Frage schien Domenik besonders auf die Nerven zu gehen.

Mit der Schnur in der Hand richtete er sich halb auf und sagte: „Biedere Bürger, zur Sommerfrische. „Originelle und verrückte Leute, die lieber im Knast wohnen wollen als in einem guten Sternhotel.“

Aha“, „sagte sie, „du willst mich wohl zum Narren halten.“

Aber Lisa, Kleines“, sagte er, „wer wird denn schon drin sein?“ „Skrupellose Mörder, kleine Diebe und Angst einflößende Schwerverbrecher.“

Lisa wandte sich der Küste zu und kauerte sich.

Sie war beleidigt und saß auf der Bank und hatte die Beine zwischen den Armen.

Die schwache Erinnerung an eine dramatische Begegnung im Jahr zuvor stieg in Lisa auf.

Als sie mit einem Freund auf einer Schiffsfähre an Land gekommen war.

Dort hatte Lisa gesehen, wie unter den anderen Passagieren ein junger Mann zwischen zwei Polizisten aus einer Kabine an Land ging.

Die verschmutzten Hände waren in Handschellen.

Sein schönes, wenn auch freches Gesicht, das an Stirn und Schläfen von blonden Locken umrahmt wurde, war sehr blass.

Lisa Laubeta hatte damals nicht gefragt, wer der junge Mann sei, obwohl sie es ahnte.

Jetzt, da Lisa wieder daran dachte, bereute sie es, dass sie sich nicht nach ihm erkundigt hatte.

Vielleicht war der junge Mann zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden?

Allerdings war sie überzeugt, dass er nicht wegen der einen oder anderen Schandtat verurteilt war, die nur Abscheu erregt, sondern eher wegen eines jener Verbrechen aus Leidenschaft, an denen, wie man spekulativ sagt, das Schicksal Schuld ist.

Domenik führte die Leine in den Motor zurück und riss aus Leibeskräften.

Der Motor sprang an.

Das Boot flog wieder über das ruhige Meer, gefolgt von einem dünnen Kielwasser, das wie eine weiße, duftige Spitze auf schillernder Seide wirkte.

Jetzt hatte das weiße Motorboot die Burg passiert und flitzte am Hafen der Küste vorüber.

Die Sonne war auf dieser Seite noch nicht zum Vorschein gekommen.

Das Boot ließ den kleinen Hafen hinter sich und bog um einen Vulkan, der zornig rauchte.

Sie fuhren ein Stück der Küste entlang, dann fing der Motor wieder zu husten an und setzte aus.

Lisa, von Domenik verärgert abgewandt, schaute zur Küste hinüber und überhörte seinen unterdrückten Fluch, als Domenik aufstand, um den streikenden Motor wieder in Gang zu bringen.

Er versuchte es mehrmals hintereinander, während Lisa ihm eigentlich den Rücken kehrte.

Schließlich ging die Fahrt überraschend weiter, in Richtung auf einen kleinen, von zwei hohen Felsen geschützten Strand, doch kurz vor dem Ufer blieb das Boot wieder stehen.

Es machte Lisa nichts aus, dass der Motor diesmal nicht funktionierte.

Diese Gleichgültigkeit, die an ihrem gebogenen, nackten Rücken abzulesen war, erboste Domenik.

Die ist es egal, wie?“, fragte Domenik zynisch. „Ich bin es ja, der den ganzen Weg zum Dorf laufen muss.“

Lisa hob leicht nichts sagend die Schultern, in der irrigen Annahme, Domenik würde es nicht bemerken.

Aber er ertappte sie dabei.

Zuck nicht so die Achseln!“, sagte er.

Ich hab nicht die Achseln gezuckt“, erwiderte sie.

Doch, das hast du, Lisa“, antwortete er.

Lass mich doch in Ruhe“, sagte sie zickig.

Lisa spürte, dass sie unerklärlicher Weise die Augen voller Tränen hatte.

Als sie sich der Küste zuwandte, sah sie einen Mann in blauer Hose und weißem Hemd, der eilig einen Pfad vom Teil der Küste zum Strand hinunterstieg.

Es schien, als ob es nur eine flüchtige Wahrnehmung war, denn kaum am Strand angelangt, war der Mann verschwunden.

Wie, wenn ihn der Erdboden verschluckt hätte.

Lisa überlegte, ob sie Domenik die seltsame Erscheinung mitteilen sollte.

Inzwischen hatte Domenik den Anker geworfen.

Lisa bemerkte es an seinem Hantieren und dem lauten Klatsch auf dem Wasser.

Steigen wir aus!“, sagte er.

Mechanisch beugte Lisa sich, die Beine aus dem Boot streckend, nach vorn und ließ sich ins knietiefe Wasser gleiten.

Der junge Mann, ein entflohener Sträfling, war vom Pfad aus in eine Höhle verschwunden und beobachtete sie heimlich.

Lisa sagte kein Wort.

Domenik fasste ihren Arm und murmelte: „Verzeih mir, bitte!“

Verzeih mir!“, antwortete Lisa, sich lebhaft ihrer Heuchelei bewusst.

Sie drehte sich um und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

Wenn er nur ins nächste Dorf ginge und mich allein ließe, dachte sie.

Plötzlich sagte Domenik: „Macht es die etwas aus, wenn du warten musst?“ „Ich bin gleich wieder zurück und es dauert vielleicht nur ein Stündchen.“

Aber ich bitte dich", antwortete Lisa, „es ist ja so schön hier.“

Domenik Janik ging und stieg den Pfad zur Küste hinauf.

Lisa setzte sich.

Sie betrachtete das Kordilleren-Gebirge, das sich durch ganz Costa Rica zieht und mit Vulkanen übersät.

Berühmt und berüchtigt ist der Arenal, der immer wieder zornig Feuer, Stein und Lava in die Luft spuckt.

Abenteuerer, die den Vulkanrand des Irazu bei klarer Sicht erklimmen, werden mit einem Blick auf beide Ozeane belohnt.

Irgendwann in ihrem Leben hat Lisa es auch vor, diesen Irazu zu besteigen.

Eine Weile saß sie regungslos auf dem Kies und schaute aufs Meer hinaus, dann wandte sie fast unmerklich den Kopf zu einer Höhle und wunderte sich.

Sie hatte richtig gesehen.

Dort war der Mann.

Er saß in der Höhle auf dem Boden, die Beine übereinander geschlagen, die Hände vor den Knien verschränkt.

Lisa konnte seinen Oberkörper und Kopf nicht erkennen.

Teils wegen der tiefen Dunkelheit, teils eines Felsen, der vor den Knien verschränkten Hände.

Lisa fragte sich, ob sie ihn ansprechen sollte.

Sie verneinte die Frage im Inneren ihrer Gefühle, mit einer Sicherheit, die sie selbst überraschte.

So vergingen Minuten, der Mann bewegte sich nicht.

Dennoch fühlte sie sich von der Reglosigkeit des Mannes erregt.

Plötzlich machte sie fast unwillkürlich eine Gebärde, die, wie ihr schien, ihrer Erregung näher kam.

Lisa wusste, dass sie kleine, hübsch gerundete Ohren hatte.

So hob sie die Hand und strich sich die Haare so zurück, dass der unbekannte Mann das eine Ohr sehen konnte.

Aber er rührte sich nicht.

Wieder schaute Lisa auf das Meer hinaus.

Sie war aufgewühlt, und jetzt mehr durch die eigenen Gefühle als durch die Gegenwart des Mannes.

Lisa war nun fest entschlossen, ihn aus der Höhle herauszulocken, koste es, was es wolle, selbst wenn er sie überfallen oder umbringen sollte.

Das Herz schlug ihr bis zum Hals.

Sie biss sich auf die Lippen.

Der Atem stockte und sie spürte, wie ihr tiefe Röte in Wellen in die Wangen schoss.

Lisa hob die Hand zur Schulter, faste mit zwei Fingern den Träger des weißen Badeanzuges und ließ ihn langsam am Arm herunter gleiten, bis die eine Brust so gut wie entblößt war.

Dann irrte Lisas Blick in Richtung Höhle.

Der Mann saß immer noch da.

Still und unbeweglich das Gesicht im Dunkeln.

Ihr Auge schweifte zunächst zum Horizont, glitt dann auf den Nahbereich zurück und sah in geringer Entfernung vom Ufer das Boot.

Träge und langsam erhob sie sich und reckte sich ein bisschen, wobei sie die Hände hinter dem Nacken verschränkte und den Kopf zurückbog.

Lisa ging nicht zum Boot, sondern watete auf dem sandigen Grund, während ihr das Wasser langsam mit einem unangenehmen Kribbeln am Körper hochkroch.

Als ihr das Wasser bis zum Hals reichte, schwamm sie los, immer weiter.

Sie schwamm um den Felsen herum.

Lisa richtete sich dann auf und sah sich schließlich um.

Nur wenige Minuten hatte sie nicht hingesehen, als der Mann schon im Boot war.

Er wandte seinen Rücken ihr zu und machte sich am Motor zu schaffen.

Dabei musste er etwas von Außenbordmotoren verstehen, denn im Nu sprang der Motor an.

Das Boot fuhr, einen Halbkreis beschreibend, davon.

Lisa hatte noch nicht einmal sein Gesicht sehen können.

War es Schicksal?

Sie blieb, wo sie war, bis zum Kinn im Wasser, stumm, mit dem erregenden Gefühl, dass ihr Schweigen der letzte spektakuläre Akt ihrer unlogischen Mittäterschaft war.

Doch dann beschloss sie, aus dem Wasser langsam zu steigen, und ging an den Platz zurück.

Lisa setzte sich ratlos in den Kies und folgte mit den Augen dem Boot, das geradewegs ins offene Meer hinauszusteuern schien.

Der Außenborder entfernte sich immer weiter, veränderte seine Form und wurde mit der Entfernung immer kleiner.

Trotzdem erkannte Lisa klar den Mann, wie er im Heck sitzend das Steuer in der Hand hielt.

Dann lag das Boot plötzlich still.

Es war stehen geblieben, der Mann war aufgestanden und beugte sich jetzt wieder über den Motor.

Unbemerkt aus der Ferne hielt ein Küstenfahrboot unbeirrt auf das Boot zu.

Lisa konnte sich im Voraus denken, was nun geschehen würde, und sah mutlos zu.

Eine Weile stand der Mann noch hoffnungslos im Boot und hantierte mit dem Motor, während sich der Abstand zwischen den beiden Booten zusehends verringerte.

Dann schien der Sträfling aufzugeben.

Er setzte sich wieder ins Heck und wartete in aller Ruhe.

Das Küstenfahrboot war jetzt hart an das Boot herangekommen und berührte es vorsichtig.

Lisa beobachtete immer noch.

Zwischen dem Sträfling und den drei Insassen des Küstenfahrbootes, inmitten des leer gefegten, im Sonnenlicht glänzenden Meeres, schien ein gemütliches und friedliches Geplauder in Gang zu kommen.

Die Sonne, die Entfernung, die Unendlichkeit des Meeres und des Himmels ließen diese Begegnung irgendwie bedeutungslos, rätselhaft und unwirklich erscheinen. Dann stand der gefasste Mann auf. Und Lisa sah, wie er vom Boot auf das Küstenfahrboot umstieg. Da senkte sie die Augenlider und schaute auf die Uhr am Handgelenk. Wie Das Schicksal es wollte, hatte Lisa Glück, dass diese Uhr wasserdicht war. Domenik würde jetzt bald zurück sein, denn es war eine Stunde vergangen.

 

 

Kapitel 4

Lisas Gedanken wanderten zu dem klaren See im Wald. Sie saß oben auf einer Böschung im frischen, grünen Gras. Dann erinnerte sie sich an eine abenteuerliche Wanderung durch den Regenwald.

Ein Tukan mit seinem bunten Schnabel flatterte neben Lisas und ihren witzigen Freunden her.

Ein Brüllaffe, der auf einer Baumkrone sein Revier verteidigte, schreite ihnen hinterher.

Dann sahen sie ein Faultier, das im Schatten der Guarumobäume den schönen Tag verpennte.

Aber das Faultier interessierte sich garantiert nicht für Lisa, wie ihre Freunde es bemerkten.

Dario Mensalis, ein Freund von Domenik, führte seine Handflächen und rieb sie gedankenverloren.

Clarisa hörte plötzlich ein Rascheln, was sie nicht erklären konnte, woher es kam.

Lisa ging an einem schmalen und flachen Fluss und sagte ein paar Worte.

Die waren aber so leise, dass die anderen sie nicht hören konnten, und sie ließ einen kleinen Stein in den Fluss fallen.

Maria hatte sich ein paar Schritte von den anderen entfernt, damit sie nur noch den Fluss sah.

Sie hielt Ausschau nach den lauten, bunten Vögeln, die in den Baumkronen saßen.

Das Wasser im Fluss strömte dahin.

Es ist Zeit, weiterzugehen, die Sonne geht schon langsam unter“, sagte Domenik.

Lisa stieß ihre weiche Faust in die Luft und zog sie mit einem Ruck wieder zurück.

Domenik fand, dass es aussah, als betätige sie die Toilettenspülung.

Lisa holte nachdenklich und verwirrt tief Luft.

Sie durchkämpften den Wald und gingen vorsichtig durch den Regenwald, damit sie nicht auf eine Schlange treten konnten, denn sie könnte giftig sein und sie hätten ein Problem.

Ein Basilisk, eine Echse, glotzte den Leuten unbemerkt hinterher. Sie stand im Dickicht, wie eine Mumie, auch gut getarnt als Leckerbissen für die anderen Tiere im Wald.

Verschiedene Typen und Farben von Orchideen waren zu bewundern.

Es war eine schöne Erinnerung aus ihrer Zeit, an eines der Zeit, als sie mit ihren Freunden etwas unternommen hatte.

Nun ist eine Woche lang her.

Es kam Lisa so vor, als wären schon Jahre vergangen.

Im Dorf sprach sich herum, dass irgendjemand systematisch Hunde tötete.

Ein Hund pro Woche.

Dieser hundehassende Mensch strangulierte sie und ließ die leblosen Körper im Hof der Besitzer zurück.

Der Mörder schoss auch auf andere Vierbeiner, die wie ein Hund oder eine Katze aussahen.

Die Einwohner Costa Ricas wollten den Täter so schnell wie möglich finden.

Am nächsten Morgen rief Lisa Domenik, der gerade am Swimmingpool stand.

Er war der Größte für sie, stand einfach nur da und überlegte sich, ob er ein frisches Morgenbad nehmen sollte.

Dann schaute er ins Wasser und versuchte, in seinem trockenen Mund Speichel zu sammeln.

Domenik wusste nicht, was er machen sollte.

Was er dann tat, überraschte ihn selbst.

Domenik beschloss, die Dusche im Badezimmer heute Morgen vorzuziehen.

Lisa beschloss, Domenik für die vielen angenehmen Stunden, die er ihr geschenkt hatte, zu danken.

Er rieb sich müde mit der Hand die Schulter. Schließlich entschloss er, sich ins Haus zurückzugehen.

Lisa lachte, als sie Domenik sah.

Du machst heute Morgen einen Rückzieher?“, fragte Lisa ihn zynisch und lachte, umarmte ihn und küsste ihn liebevoll auf den Mund.

Aber er blickte nicht gerade animierend auf Lisas Anmache.

Da ging er von Lisa weg und riss sich von ihr los, auch wenn Lisa dachte, dass er gelegentlich aus Sehnsucht nach einem Gespräch sucht.

Lisa ließ sich aus enttäuschter Zurückweisung im Sessel fallen.

Wie wundervoll, du heute Morgen zu mir bist“, seufzte Lisa, „und wie traurig das ist.“

Domenik kratzte an seinem Arm und erwiderte Lisa nicht, weil er sich in Wahrheit so leer fühlte, dass er glaubte, die Affäre müsse von Irgendjemandem, nicht von ihm selbst, gekommen sein.

Ich will dir was erzählen“, sagte Domenik zu Lisa. „Ich habe in letzter Zeit fast jeden Tag an meine Frau Aleksa denken müssen.“ „Wahrscheinlich ist Dario, mein bester Freund, es leid, darauf zu warten, dass ich mit ihr spreche, denn er will sie nicht andauernd belügen müssen, wenn sie ihn fragt, wo ich geschäftlich unterwegs bin.“

Lisa saß auf dem Boden, den Rücken zur Wand.

Sie nickte und glaubte, Domenik zu verstehen.

Domenik tat immer das Gegenteil von dem, was man normalerweise macht.

Und er sagte, was er nicht immer meinte.

Lisas Atem stockte bei den schrecklichen Gedanken an seine Frau Aleksa.

Er hustete in die Hand und erhob sich umständlich vom Boden.

Lisa, lass mich jetzt für einen Moment in Ruhe“, sagte er. „Ich werde mich jetzt duschen.“

Lisa fand, dass Domenik in diesem Augenblick unerträglich geworden war.

Sie ärgerte sich nicht nur über das seltsame Benehmen, sondern auch über die Tatsache, dass er vor keinem Respekt hatte, sondern so tat, als treibe er ein unmoralisches Spiel.

Wasch dich richtig!“, sagte Lisa ärgerlich. „Auch deine schmutzigen Gedanken!“

Aber Domenik schien nichts zu hören.

Als Domenik aus dem Badezimmer kam, holte Lisa wütend mit der Hand aus und gab ihm eine Ohrfeige.

Er war sehr überrascht.

Sie traf direkt auf seine linke Wange, die sich dann rot färbte.

Domenik kniff die Augen zusammen und schaute angestrengt ins Leere.

Hinter ihm folgte Lisa, die es leid tat und weinte.

Domenik suchte einen Ausweg aus seiner verrückten Situation.

Der Flügel, worauf Lisa lange nicht mehr gespielt hatte, mit Einlegearbeiten aus Perlmutt stand da.

Die Pedale glänzten in der Morgensonne.

Und die elfenbeinfarbenen Tasten erinnerten Domenik an harmonische Zeiten.

Er setzte sich an das Instrument und trat mehrmals in die Pedale, als wolle er sie prüfen.

Seine Finger hoben sich zu den Tasten und dann entlockte er dem Tisch aus Holz und Elfenbein mit geschlossenen Augen und leicht bewegtem Oberkörper verzauberte Musik.

Er bemerkte die Nähe von Lisa nicht.

So konzentriert war sein leidenschaftliches Spiel.

Aber Domenik wäre niemals auf die Idee gekommen, dass er in irgendeiner verräucherten Bar spielen würde.

Nichts von all dem ging Lisa durch den Sinn, als Domenik auf dem Flügel spielte.

Mein dummes Gefühl sagt mir gerade“, flüsterte Domenik, „du hast was recht Wichtiges auf Lager, Lisa. Willst du mit mir spielen?“

Sie setzte sich neben ihn an den Flügel und berührte mit ihm die Tasten.

Gewöhnlich spielte Lisa immer allein.

Langsam breitete sich ein zufriedenes Grinsen über Lisas Gesicht aus.

Plötzlich trommelte Lisa hart mit ihren Fingern auf die Tasten.

Verdammt, Domenik, du warst schon lange nicht mehr bei denen zu Hause.“ „Immer hattest du eine Ausrede“, sagte Lisa wieder besorgt und sie meinte es ernst. 

Was muss ich dir erklären?“, fragte er zornig. „Du kennst dich ja in solchen Fragen wunderbar aus, Lisa.“

Domenik erhob sich wütend vom Stuhl und ging verwirrt durch das Zimmer nach draußen, auf die Terrasse.

So erlebte Lisa den seltsamen, veränderten Tonfall in Domeniks Stimme.

Aber nicht seine ganz ungewöhnliche Härte, die für einen Sekundenbruchteil über sein Gesicht huschte.

Noch niemand ist so mit Domenik umgegangen.

Deshalb wird es höchste Zeit, dass es Lisa tut.

Glaubt sie.

Vielleicht entging Lisa deshalb wieder zwei Details, die sie vermutlich interessiert hätte, als Domenik noch auf der Terrasse auf einen Stuhl saß und nachdachte.

Der flüsternde Unterton in Domeniks Stimme und der hilflose Gesichtsausdruck, den er hinter dem nackten Rücken Lisas zu zeigen wagte.

Schnell lief sie ein bisschen verrückt und sehr vergnügt am nächsten Morgen durch den Morgentau auf der Wiese.

Maria Koralis hatte ihr beigebracht, beim Laufen ständig dieselben Worte vor sich hin zu sagen, um sich den bleibenden Rhythmus und die Schnelligkeit vorzugeben.

So übte Lisa morgens im Laufen.

Lauf schnell! Lauf schnell!“, sagte sie sich beim täglichen Lauftraining vor. „Lauf schnell!“

Die einzelnen Worte hämmerten sich mit jedem Schritt in ihrem Bewusstsein.

Aber mit einem Mal dröhnten andere Worte und andere Stimmen in ihrem Kopf.

Wer bist du Lisa?“, fragte die Stimme aus dem Unterbewusstsein. „Was machst du?“

Das hatte Lisa Laubeta Angst eingejagt.

Sie warf einen Blick hinter sich.

Niemand folgte ihr, zumindest konnte sie niemanden sehen.

Langsam kehrte sie zurück und ging langsam den steinigen Weg.

Lisa trug ihre Turnschuhe in der Hand, als wären sie eine schwere Last.

Doch nach einigen Schritten ging ihr unvermittelt durch den Sinn, dass sie doch lieber die Turnschuhe anbehalten sollte.

Beim letzten Mal, als sie barfuß nur über eine Holzbrücke gegangen war, hatte sie sich Splitter eingezogen.

Sie musste unter viel Gejammer und Schmerzen sich einen Splitter mit den Fingern aus einem Fuß ziehen.

Lisa Laubeta sah sich noch einmal um und lief ins Haus.

Später ging Lisa durch den Wald und dort klang der fröhliche Gesang der bunten Vögel.

In der Ferne stand die Sonne über den Hügeln.

Lisa hielt Ausschau nach Spuren im Sand und nach geknickten Halmen.

Sie suchte, als ob sie einen Lottoschein mit sechs Richtigen wiederfinden müsste.

Sie suchte hinter morschen Baumstämmen und unter dichten Palmensträuchern, ja sogar unter großen, schweren Steinen, die sie mit Gewalt und mit ganzer Körperkraft ruckartig bei Seite schob.

Aber Lisa fand nichts.

Sie musste ihre überflüssige Energie irgendwo lassen, Lisa stand neben sich.

Ein Bach machte eine scharfe Biegung, die sie überqueren musste, und floss in die entgegengesetzte Richtung.

Sie horte schon das Plätschern und ging vorsichtig näher.

In der Biegung des Flusses sah Lisa eine Holzhütte.

Die Hütte stand auf Pfählen, wo auch niemand da gewesen war.

Lisa kehrte zu der Stelle zurück, wo es zum Gestüt zu ihren Pferden ging.

In der Nähe hörte sie schon ein gedämpftes Wiehern.

Lisa rannte eilig zu Ihnen.

Liebevoll strich sie die Tiere über den stolzen, hohen Nacken.

Sonnenschein stampfte mit dem Huf und schlug dabei aus einem Stein einen kleinen Funken.

Alles an ihren Pferden kündete von ihrem edlen Geblüht.

Wie die kraftvollen Muskeln, die unter dem seidigen braunen Fell spielten, die heißblütigen Venen, in denen das feinste Blut floss, der fein geformte stolze Kopf, die von Mut kündenden Augen und nicht zuletzt die roten Nüstern. Silberstern scharrte ebenfalls mit dem Huf. „Gib Acht auf meine Füße“, sagte Lisa zu Silberstern und wieherte. Sonnenschein stieß ein Schnauben aus. Lisa hatte plötzlich in diesem Augenblick ihr Herz unter sich schlagen gespürt.

Jetzt empfand sie eine quälende Sehnsucht.

Lisa wollte zu Domenik.

Lisa hätte sonst Risko treffen müssen, wenn die Sonne über dem Hügel stand.

Sie sattelte Sonnenschein.

Löste die Zügel und sprang mit einem rasanten und originellen Satz in den Sattel.

Kaum dass dieses edle Tier ein winziges Gewicht von Lisa spürte, preschte Sonnenschein los.

Lisa ließ Sonnenschein die Zügel schießen und presste die Schenkel gegen die Flanken.

Die Gangart des Pferdes beschleunigte sich, sein Galopp wurde ausgreifender.

Jetzt trug Sonnenschein sein Haupt nicht mehr hoch, sondern hielt es so tief, dass die Vorderhufe im Lauf gegen die Nüstern zu schlagen drohten.

Die Bäume bleiben zurück.

Sonnenschein lief immer schneller.

Der Wind trieb Lisa Tränen in die Augen, so dass sie die grüne Landschaft nur verschwommen sah.

Ihre Gedanken waren bei Domenik, wie sie bei ihm in den Armen lag.

Lisa! Lisa!“ „Was ist denn?“, fragte Domenik erschrocken, denn er nahm sich gerade einen Drink auf der Terrasse, als Lisa in die Villa gelaufen kam und völlig verwirrt war.

Lisa streckte die Arme nach Domenik aus.

Sie vergrub ihr Gesicht an seine Brust, die sich wie ein weiches Kissen anfühlte.

Domenik drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.

Nichts.“, er widerte Lisa.

Du sagst mir nicht die Wahrheit, und ich spüre, wenn etwas nicht mit dir stimmt." „Also sag es mir!“, sagte Domenik.

Warum bist du nicht ganz bei mir?“, fragte verzweifelt Lisa. „Ich will nicht, dass du zu deiner Frau, Aleksa, zurückgehst.“

Domenik zog die Schultern hoch, weil er sich selbst keine Antwort darauf geben konnte.

Auf jeden Fall, in diesem Augenblick.

Ich hasse deine Frau“, sagte Lisa. Ihre Gefühle spielten verrückt und sie wusste nicht, was sie denken oder glauben sollte. „Eigentlich müsste ich dich auch hassen.“

Domenik schüttelte nicht verstanden den Kopf.

Lisa blickte ihre Hand an.

Sie fing an zu weinen an.

Aleksa sagte, sie würde sich nie von mir scheiden lassen“, versuchte Domenik Lisa zu erklären. „Ach, eines Tages, da wird Aleksa mich verstehen und zur Scheidung einwilligen.“

Lisa ballte die Hände zu Fäusten und blickte Domenik seufzend an.

Aleksa ist die Frau, die ich geheiratet habe, aber nicht mehr Liebe“, sagte Domenik. „Aber du, Lisa, bist wie eine Rose, die zum ersten Mal in meinem Leben blüht.“

Lisa seufzte wieder.

Lisa strich Domenik das Haar aus dem Gesicht.

Als ich damals Aleksa gesehen habe und kennen lernte!“ Ja ... sie ... war... wunderschön.", fing Domenik an zu erzählen. „Die schönste Frau, die ich traf und die ich je sah.“ Von dir, Lisa, abgesehen. „Du bist schöner als alle Blumen in ganz Costa Rica.“

Lisa senkte ihren Kopf, denn sie war verlegen geworden und bekam eine rote Gesichtsfarbe.

Sieh jetzt nicht weg, Lisa!“, sagte Domenik. „Schönheit ist ein wunderbares Geschenk der Götter.“ „Also schäme dich deshalb nicht!“

Während sich Lisa etwas zu trinken aus der Küche holte und vor sich hin plapperte, wovon Domenik nichts verstehen konnte, sprangen seine Gedanken unruhig hin und her.

Sie dachte aber an seine blitzenden Zähne, die er beim Lächeln gezeigt hatte.

Lisa bekam ein Kribbeln im Bauch, was sonst ihre Nacktheit bedeckt hatte.

Domenik bekam mit, wie sich Lisa an ihm erfreute.

Lisa“, sagte er schmeichelhaft, „bitte komm zu mir!“

Domenik fuhr mit einem Finger den Rand ihrer Halskette nach.

Dann glitt seine Hand langsam und gefühlvoll über ihre Brust.

Er hob eine Brust, sachte an und rieb ihre Brustspitze durch den dünnen Stoff hindurch.

Lisa erstarrte.

Sie hatte das Gefühl, dass Ameisen über ihren heißen Körper krochen.

Lisa, deine Haut ist weicher als alles, was ich bislang fühlte.“, sagte er.

Domenik streichelte sie leidenschaftlich und zärtlich, so dass sie sich ihn willenlos hingab.

Ich begehre dich“, sagte Domenik mit sanftem Ton, „siehst du, wie meine Begierde wächst?“

Lisa legte ihre Hand um seinen steifen, harten Luststab.

Fühle die Härte!“, wollte er von ihr spüren. „Fühle, wie mein Schwanz sich nach dir regt!“

Sie erhoben sich erregt, verbunden durch ihre Umarmung, in die Lüfte.

Domenik fing an, sich mit Lisa hin und her zu wiegen.

Ja, ja, ja“, immer wieder sagte er es und sie folgte ihm immer dahin, wo er sich wiegte.

Je fester sie ihre Fingernägel gegen seinen Rücken drückte, desto deutlicher fühlte sie sich selbst, wie sie sich umwandelte.

Plötzlich fing sie laut an zu lachen und drehte sich von Domenik ab.

Domenik hatte keine Möglichkeit zu reagieren und stürzte erst von Lisa, dann vom Bett schmerzhaft zu Boden.

Lisa konnte ihr nichts sagendes Lachen einfach nicht stoppen.

Sie amüsierte sich später, als sie aus dem Badezimmer kam, um Domenik im Bett schlafen zu sehen.

Ihr albernes Gelächter weckte ihn.

Da schau an“, neckte Lisa Domenik und stand splitternackt, frisch gebadet, im Türrahmen.

Bitte, verschone mich noch einen Augenblick“, bat Domenik und knurrte.

Oh, verzeih, dass ich lebe“, sagte sie. „Mir war entfallen, dass du ein gebrochener Mann bist.“

Das trieb Domenik wütend aus dem Bett.

Lisa lachte nur, sie wusste aber nicht warum, denn es überkam ihr einfach so.

Es machte ihr auch ein wenig Spaß, mit Domenik zu spielen, wie die Katze mit ihrer Maus.

So wie die Dinge im Augenblick in Lisas Villa standen, hatte sie keine Ahnung, was noch alles an diesem Tag passieren könnte.

Risko ist da“, murmelte Domenik.

Lisa nickte.

Ich geh mal und schau, was er will“, sagte Lisa.

Sie fand Risko vor der Tür wartend, den Rücken an der Wand gelehnt.

Unwillkürlich zuckte Lisa zusammen, als sie Risko betrachtete.

Risko neigte sich bedenklich nach rechts und sah aus, als wolle er gleich abstürzen.

Risko deutete mit dem Zeigefinger auf Sonnenschein, der auf der grünen Wiese graste.

War das Domeniks originelle Idee?“, fragte Risko verärgert und besorgt um Sonnenschein.

Lisa schüttelte den Kopf.

Nein, meine.“, erwiderte sie.

Ich nehme Sonnenschein mit aufs Gestüt, wo er hingehört, wenn er nicht ausgeritten wird“, sagte Risko.

Erst da wurde Lisa Laubeta klar, was Risko trotz seines Schweigens wollte.

Risko hatte eine verspiegelte Sonnenbrille auf, um sein kleineres rechtes Auge dahinter zu verbergen, das ihm beim Sehen etwas behinderte.

Er fuhr sich mit den Händen durch das Haar.

Lisa hielt ihr Gesicht in den warmen Wind.

Sie holte tief Luft.

Lisa konnte ihr Gesicht völlig ausdruckslos werden lassen.

Risko wartete dann still und respektvoll, in der Überzeugung, dass sie etwas sagte.

Lisa konnte Risko die gute Laune nicht verderben.

Während Risko wartete, kam interessiert Domenik zum Vorschein und Lisa stellte ihn Risko vor.

Domenik starrte Risko direkt ins Gesicht

Alles in Ordnung?“, fragte Lisa Domenik.

Er senkte den Kopf und lächelte.

Risko beschloss, wieder zurück zu reiten, und nahm Sonnenschein an den Zügeln.

Ist Risko verrückt?“, fragte Domenik Lisa später während des Abendessens.

Bring mich nicht in Fahrt“, warnte Lisa ihn. „Wenn hier jemand verrückt ist, dann bist du es.“

Ein ärgerliches Schweigen schob sich zwischen beiden und Lisa stocherte mit der Gabel im schmackhaften Essen herum.

Aber dann stand plötzlich Lisa vom Tisch auf, deckte den Tisch ab, wenn doch Domenik sich es schmecken ließ, und fing das Geschirr zu spülen an.

Lisa nahm Domenik und ihre Umgebung überhaupt nicht wahr, so wütend war sie über Domenik geworden.

Gute Nacht“, sagte Lisa, als sie mit dem Spülen fertig gewesen war.

Mmm“, war alles, was er herausbrachte.

Aber als Lisa im Bett war, kam sie nicht zur Ruhe.

Aleksa Janik, Domeniks Frau, stand im Mittelpunkt ihrer Probleme.

Aber sie hatte nicht immer einen schlechten Einfluss ausgeübt, denn Domenik war dann immer bei Lisa.

Aleksa veranstaltete Frauentreffen und setzte alle Hebel in Bewegung, damit Frauen mehr Rechte bekommen.

Lisa wusste, dass ihr einiges bevorstand, als sie eines Abends vom Büro nach Hause kam.

Ihr vertrautes Schlafzimmer war von Dutzend Kerzen erhellt und Domenik fand ein paar Schritte vor einem Bett mit duftenden Rosenblüten vor.

Er nahm sie an der Hand und führte sie zum Bett.

Ich will dich“, hauchte Lisa berauschend von den erhellten Kerzen und dem Duft der Rosenblüten.

Lisa war ziemlich direkt gewesen, was sonst nicht bei ihr passierte.

Ich möchte, dass wir zusammen den Höhepunkt erreichen“, flüsterte Lisa Domenik leise ins Ohr. „Was ist nur in dich gefahren?“, fragte Lisa Domenik, denn er hatte sie wirklich überrascht und küsste ihn vom Mund bis zum Bauchnabel.

Und dann?

Am nächsten Morgen wurden beide vom verzweifelten Gackern eines hartnäckigen Hahns geweckt.

Domenik wälzte sich im Bett und faste vorsichtig die Taille von Lisa um.

He, du Schlingel!“, sagte Lisa. „Beruhige dich doch, dann kannst du mich noch einmal so richtig rannehmen.“

Der Hahn wurde ruhiger.

Er plusterte seine Federn auf, bis er groß genug zu sein schien.

Der Hahn hüpfte von einem Fuß auf den anderen.

Dann krähte er seine Hühner an, die vom Nachbarn in der Gegend stolzierten.

Möchtest du Kaffee?“, fragte Lisa.

Er nickte und folgte ihr in die Küche, um sich eine kleine Flasche Orangensaft aus dem Kühlschrank zu holen.

Dann zog er sich erst einmal eine Jeans über, denn mit dem erotischen und fantasievollen Morgenstechen wurde es nichts mehr, und ging gemütlich nach draußen, auf die Straße, um den verrückten Hahn zu erspähen.

Lisa klapperte beim Frühstückmachen mit Tellern und Tassen.

Lisa war um zehn Uhr in ihrem Büro und rief gleich Jack Braun an.

Domenik war zwar etwas erstaunt, dass Lisa es heute Morgen so eilig hatte, ins Büro zu kommen.

Aber Lisa tat ein wenig geheimnisvoll.

Lisas Gründe für diese Verschwiegenheit erschienen ihm etwas an den Haaren herbeigezogen.

Sie war nicht recht überzeugend.

Aber Lisa kannte Domenik lange genug.

Vielleicht war es nur wieder so eine Wichtigtuerei von Domenik, um sich mal wieder hochzuspielen.

Eine wirkliche Offenheit gab es in Domenik Janiks Natur sowieso nicht.

Seine Frau, Aleksa, war eine überzeugte Freundin des Emanzen geworden.

Und dadurch verstand Domenik etwas anderes unter Vertrauen einer Frau.

Wenn Lisa Gesprächsweise diese Vokabelemanzipation anwandte, dann glaubte Domenik damit, auf eine krumme Tour rechnen zu müssen.

Auch Jack Brauns freundschaftlicher Ton hatte schon einen Beigeschmack von einem schmierigen Unterton.

Und bei diesem Anruf schien ihm dieser Ton noch besonders penetrant.

Na ja.

Jack Braun hatte trotzdem zugesagt, am Nachmittag um vier Uhr in Lisas Büro vorbeizukommen.

Wenige Minuten nach elf meldete Monique Lyer atemlos und völlig hingerissen, Kathrin Shey sei zum verabredeten Gespräch erschienen.

Sie ist einfach eine tolle Frau, Lisa“, plapperte Monique drauf los. „Warte nur, bis du sie gesehen hast.“

Ich warte bereits, Monique“, raunzte Lisa. „Vermutlich noch so lange, bis du die Güte hast, deinen originellen Redefluss zu bremsen und die Dame hereinführst.“

Monique Lyer errötete bis über die Ohren, stotterte etwas und lief grinsend hinaus.

Einen Augenblick später zwitscherte Monique, dass Kathrin Shey zu Lisa Laubeta, ins Büro gehen kann.

Heiliger Donnerschlag, dachte Monique, das ist ja Beauty in geballter Ladung.

Kathrin Shey, ein Sexsymbol?

Nix Sexsymbolik.

Aber eine Fuhre Sex in Fleisch und Blut.

Pech, rabenschwarzes Haar und Veilchenaugen, suppentellergroß, dachte sich Monique.

Und diese gewaltigen Portionen oder Proportionen, wie Monique sie sah.

Kathrin Shey hatte auch zwei Wunderwaffen mit Atomsprengkopf bei sich, die ihrem Schritt nachwippten.

Kathrin Shey trug ein figurbetontes und provokantes Kleid.

Lisa hatte sich erhoben und ging ihr zur Mitte ihres weitläufigen Arbeitssalons entgegen und mit allen Gesten eines Begrüßungszeremoniells erster Klasse.

Kathrin Shey verpasste Lisa Laubeta einen festen Händedruck und setzte sich in den weißen Ledersessel, den Lisa ihr höflich anbot.

Lisa musste Monique, die sich innerlich herzhaft über Kathrin Shey amüsierte, fast einen unauffälligen Rippenstoß geben, um sie aus dem Zimmer zu befördern.

Mit tranceverzücktem Blick trat sie einen taumelnden Rückzug an.

Endlich schloss Monique die Tür von draußen.

Ich schlage vor, wir besprechen eben mal das Geschäftliche?“, fragte Lisa und musste plötzlich ebenfalls innerlich, wie Monique, grinsen.

Mein Beruf hat da einige Regeln“, ließ Lisa vorab verlauten, „und gesetzliche Vorschriften.“ „Sie müssen sich größer Vorsicht befleißigen bei allem, was sie sagen und wie sie es sagen.“

Kathrin Shey musste respektlos lachen.

Besonders, bevor ich ihren ungewöhnlichen Auftrag offiziell übernommen habe, machte ich mir Gedanken.“, fügte Lisa ermahnend bei.

Ich habe sie hiermit engagiert“, erwiderte Kathrin Shey unbefangen, „Wollen Sie, Lisa, eine Unterschrift oder einen Scheck?“

Wahrscheinlich benötige ich beides“, sagte Lisa. „Sie haben mich gebeten, Ihren Auftrag zu übernehmen, und ich akzeptiere.“

Haben sie nichts zu trinken in ihrem piekfeinen Laden?“, fragte Kathrin Shey, arrogant.

Aber sicher doch!“, konterte Lisa und stand auf, ging an die Schiebewand, wo sich dahinter eine ausgewachsene Hotelbar befand.

Was darf es denn sein?“

Einen überdimensionalen Scotch on the rocks, bitte!“, erwiderte Kathrin Shey.

Lisa goss einen Drink ein, für sich selbst nahm sie ein Mineralwasser.

Kathrin Shey nahm sich ihren Drink und lächelte.

Dann trank sie, fast mit einem Zug, fast ihren ganzen Scotch hinunter.

Ist der Raum schalldicht? Ich meine, hundertprozentig?“, fragte Kathrin Shey interessiert.

Den Witz habe ich jetzt nicht ganz mitgekriegt, Kathrin“, sagte Lisa mit einem ironischen Tonfall.

Über Kathrin Sheys Auftrag wurde nicht gesprochen.

Sie hatte nur das Problem, dass sie geil ist und jetzt sofort ficken könnte.

Das war kein Witz“, erwiderte sie, „Wenn hier keiner was hören kann, muss ich mir nicht die Faust in den Mund stopfen.“

Sie atmete tief ein. „Wenn ich plötzlich einen gewaltigen Orgasmus habe.“ „Da bin ich unweigerlich, ziemlich lautstark und das gehört bei mir dazu.“

Kathrin Shey trank ihr Glas leer.

Habe auf den ersten Blick gesehen, dass du auf Frauen stehst“, sagte Kathrin Shey. „So einen hübschen Körper kannst du vor mir gar nicht verstecken“, kicherte sie.

Lisa konnte ihren erotischen Gesichtsausdruck jetzt wirklich nicht mehr verstecken.

Lisa war plötzlich heiß wie ein Feuer.

Sie wollte es nicht wahrnehmen und wehrte sich gegen das verbrennende Gefühl.

Und ihr Herz schlug gewaltig vor Erregung.

Lisa Laubeta schloss die Tür ab und ging ungewöhnlich zum Telefon.

Jetzt keine Anrufe, bitte, von niemandem, unter keinen Umständen, bis ich dir eine andere Anweisung gebe.“ „Monique, du kannst zum Essen gehen!“, sagte Lisa verwirrt und sehr aufgeregt.

Als Lisa sich umdrehte, stand Kathrin nackt vor ihr. Und was sie sah, ließ ihr alles andere vergessen.

Ein atemberaubender Körper.

Solche großen und natürlichen Titten, dachte Lisa, schnappte nach Luft und verdrehte ihre Kulleraugen, als sie Kathrin ausgezogen sah.

Los!“ Komm schon! „Lass deine Hand an meiner feuchten Muschi spüren!“, forderte Kathrin. Sie warf sich auf die Couch.

Kein Vorspiel! Bloß nicht!“, bettelte Kathrin. „Meine Fut ist heiß wie die Hölle.

Kathrin kam mit dem Becken stoßweise Lisas feuchter Grotte entgegen.

Ja, so und fester!“, sagte Kathrin erregt.

Kathrins Worte brachen ab.

Lisa stöhnte laut auf, extatisch, als Kathrin ihre Hüfte griff und mit aller Macht ihre erhitzte Klitoris an sie rieb.

Kaum hatte sie sich zwei, dreimal bewegt, krallte sich Kathrin von Sinnen in die Lederpolster.

Aaaah!“, schrie Kathrin laut heraus. „Nur weiter, Lisa!“, drängte sie.

Ooooh, Kathrin!“ „Was glaubst du, was ich tue!“, schrie Lisa. „Mir kommt es andauernd… Aaaah!" Aaaah!...Ohhh!"

Ein Höhepunkt überflutet den anderen.

Welle auf Welle.

Alle Teufel der Wollust waren in beiden losgelassen, führten mit den beiden einen Höllentanz auf und beutelten ihre reifen, prachtvollen Glieder, ihr willenloses Fleisch, wie alle Tollheiten der Lust ausgeliefert.

Schreie, tötende Schreie, wie Lisa sie noch niemals gehört hatte.

Das machte Lisa rasend, und so wollte Kathrin Shey es haben.

Omannnomann.“, flüsterte Kathrin überrascht, aber zufrieden. Das habe ich für jeden Preis gebraucht. Und wie. Du bist verdammt gut, Lisa. „Und das war aber auch nicht dein erstes Mal, mit einem teuflischen Weib.“

Und schon fiel Kathrin, wie eine hungrige Katze, über Lisa her.

Mit unbändigen Kräften verwickelte Kathrin ein verwickeltes Handgemenge und war mit ihrem Mund überall.

Eine Stellung überschlug sich in eine andere.

Und wieder eine andere.

Aaaah, so ist’s guuuut!“, flüsterte Lisa gefühlvoll.

Mit dem Mund schleckte Kathrin Lisas Fuß wie ein leckeres Himbeereis.

Lisa tobte sich an Kathrins Brüsten aus.

An diesen silikonfreien und unvorstellbaren Brüsten knetete sie, drückte die Spitzen und machte herrliche, hirnverbrannte Sachen.

Aus welcher Lust verstecken stiegen Lisa Laubeta diese Erfindungen in den Kopf?

Und da gab es nichts, was unmöglich war, mit Kathrin Shey, dieser Sexbombe, die pausenlos explodierte und auch Lisa Laubeta wieder in die Luft jagte.

Kathrin Shey verließ das Büro kurz nach drei Uhr und über den Auftrag haben sie nicht gesprochen.

Nah, ja.

Erwähnt wurden eine Unterschrift und ein gedeckter Scheck.

Sie machten einen neuen Termin.

Es war Lisas Erinnerung überhaupt.

Monique, die vom Essen Lisa entgegenkam, war ihr unerklärlicher Weise entgegengestolpert und beinahe hingefallen.

Sie hatte Lisa darauf hingewiesen, dass sie noch einen wichtigen Termin mit Herrn Jack Braun hatte.

Lisa hatte sich noch einmal schnell ihren Terminplaner angesehen, als die süße und lächelnde Monique ihr auch noch grinsend gegenüberstand.

Monique konnte sich an die arrogante Frau Shey erinnern, die darauf bestand, mit Lisa allein im Büro zu verweilen.

Lisas Gedanken und Gefühle waren noch ganz feucht gewesen.

Sie hatte selbst spüren können, wie der Schweiß in ihre Achselhöhle bei der Hitze und den gemischten Gefühlen getreten war.

Lisa Laubeta hatte inständig gehofft, dass Monique es nicht merken würde.

Plötzlich hatte Lisa gefroren und gleichzeitig wäre sie vor Hitze umgekommen.

Lisa hatte tausend Ängste ausgestanden, dass Monique nicht noch ein Kommentar über Frau Shey ablässt und einige zynische Worte über ihre Lippen bringt.

Lisas Herz schlägt bis zum Hals.

Sie hatte den Mund geöffnet und wollte etwas sagen.

Trotz größter Mühe war kein Laut über Lisas Lippen gedrungen.

Monique hatte die Hände zwischen die Beine gelegt.

Ihre Hände waren kühl und schweißtriefend.

Die warme Luft im Büro war immer noch vom Geruch der femininen Erotik.

Es hatte auch wie in einer Frauensauna nach einem triefenden Saunagang gerochen.

Monique hatte von Lisa eine genaue Anweisung bekommen für den Termin mit Jack Braun.

Monique hatte einen skeptischen und zickigen Blick auf Lisa geworfen.

Es sollte ein langes Gespräch sein, so lang wie Lisa es mit ihren Klienten noch nie getan hatte.

Na gut, wie bei Frau Kathrin Shey verläuft sonst kein Gespräch.

Aber hinter Jack Braun lagen volle und schwere Gründe, umgeben von einem Bach mit stinkender Jauche.

Monique Lyer hatte mit ihren Worten Lisas sensible Gefühle berührt, um sodann ihre warmen Geschlechtsteile, nur in Moniques Gedanken, sanft in die Hand zu nehmen.

Für Lisa gab es auch Tabus, mit einer Angestellten im Bett zu liegen.

Moniques heißer Blick blieb jetzt an den nackten Schultern Lisas hängen.

Sie betrachtete Lisa Stück für Stück.

So jung war Lisa nicht und alt war sie erst recht nicht, doch sie verfügte trotz ihres schlanken Leibesumfangs über die erotischen und femininen, wie rubensförmigen Körperformen.

Da Monique plötzlich Durst bekam, goss sie sich aus der angefangenen Flasche Mineralwasser halbvoll in ein Glas.

Sieh einer an!“, bemerkte Lisa, blätterte ihren Terminplaner und grinste. „In der Nähe der Reichen und Schönen erfährt man so Manches“, erklärte Lisa Monique. „Ein neuer Ball der Reichen mit ihren Schönen steht bevor, und die Presse ist auch da, wie das Fernsehen.“

 

 

Kapitel 5

Am Fuße des kleinen Sees sah Lisa einem heranreitenden jungen, sportlichen Mann lächelnd entgegen.

Lisa saß mit angezogenen Knien auf dem Boden und zupfte an den bunten Blumen.

Der Mann blickte vom Pferderücken auf Sie nieder. Es war Bruce Stone.

Sie pflückte eine Blume, hielt sie vorsichtig zwischen den Fingern und betrachtete sie bewundernswert.

Eine hübsche Blume“, sagte Bruce. „Sie sieht so wundervoll aus wie du.“ „Du Charmeur!“, erwiderte Lisa und lächelte. „Es ist eine lange Zeit vergangen, seit ich dich gesehen habe.“ Sie sah Bruce an.

Es gab Zeiten, da sprangst du vom Pferd, ehe es still stand, um mich in die Arme zu nehmen“, stellte sie fest. „Also, nimm mich endlich in deine Arme!“

Langsam saß er ab.

Lisa warf ihm einen schrägen Blick zu.

Bruce, du solltest mich liebkosen und küssen.“, sagte sie.

Bruce Stone war schon in der weiten Welt gereist und er war so weit gereist, dass er schon meinte, das Ende der Welt erreicht zu haben.

Aber es gab noch unendliche Länder zu entdecken.

Wie Deutschland?

Wo die Götter leben?

Und den Rest der Welt?

Als er nach Costa Rica zurückgekommen war, hatte er von Ländern erzählt, in denen die Frauen auf dem Rücken ihrer Männer ritten, anstatt sich Pferde zu nehmen.

Bruce scherzte, aber Lisa brachten seine Scherze zum Lachen.

Bruce Stone ließ Lisa Laubeta am Fuß des Hügels zurück und ritt allein weiter.

Eines Tages wollten Domenik und Lisa zu einem Fest in die Stadt aufbrechen.

Zu einem großen Essen mit Musik und unterhaltsamer Belustigung aller Art.

Doch Domenik bat erst Lisa, nicht zu gehen, aber sie ließ sich nicht beirren.

Versprich mir, Lisa, dich von den anderen Männern fern zu halten!“, flehte er inständig.

Ich darf also bei dir bleiben, solange von den Männern keiner spricht mit mir“, erwiderte Lisa zynisch und angestrengt.

Lisa versprach, sich daran zu halten, und ging mit Domenik zum Fest.

Sie nahmen den schwarzen Geländewagen von Domenik.

Hätte Bruce Stone geahnt, was auf dem Fest in dieser Nacht geschehen würde, er wäre nie gekommen.

Es war ein lustiges Fest, mit fröhlichen Leuten.

Man feierte und trank bis zum Sonnenaufgang.

Ein Feuer loderte zum Himmel.

Als er dann Lisa sah und lachte, mit einem Mann.

Es war Domenik, der Bruce unbekannt war und die Lisa in einer Beziehung steckte.

Bruce verweilte schützend längere Zeit unter einem Baum, in der Hoffnung, dass Lisa ihn sehen wird.

Eine junge Frau lief auf ihn zu und küsste ihn.

Die Götter mögen dich schützen“, sagte die Frau.

Da es die mondlose Nacht war, herrschte gedämpfte Stimmung beim Essen.

Aber es wurde laut gefeiert.

Das Feuer wurde wieder entfacht.

Jetzt brannten zwei Feuer auf dem Platz.

Eine vollschlanke Frau mit einer Rubensfigur stand angetrunken und splitternackt auf dem flachen Podest.

Eine Gruppe von betrunkenen Männern ebenfalls splitternackt.

Bruce warf einen kurzen Blick auf die nackte Menge.

Lisa Laubeta hockte in einer Ecke, den Kopf an einer Säule gelehnt und den Mund halb offen.

Domenik Janik dachte an die wilde Zeit, in der er keine Frau geheiratet hatte und sie nur zum Beischlaf mit nach Hause nahm, wenn sie noch so weit kamen.

Er schloss die Augen, um die Szenen lebhaft vor sich zu sehen.

Lisa bekam plötzlich miserable Laune.

Sie hatte mit einem Typen gesprochen und ihn aufgefordert, ihr einen Drink zu holen.

Nur dieser nette Typ kam nicht wieder und sie hatte ihn auch nicht mehr in der Menge der gut gelaunten Leute gesehen.

Lisa wartete schon fast zwei Stunden auf diese Typen, durstete, und sie war des Wartens herzlich überdrüssig.

Sie erhob ihren zarten Hintern und versetzte jedem Typen, der ihr im Weg stand, einen Tritt mit den Füßen.

Der Gedanke an, alle Männer zu verwirren, ließ Lisas Fraulichkeit aufstehen und pulsieren.

Sogar die ahnungslosen und überraschten Frauen gehorchten ihr.

Eine temperamentvolle und heißblütige Frau tauchte plötzlich mit ihrem Messer mit der goldenen Klinge auf.

Lisa warf einen nachdenklichen Blick auf das Messer.

Muss das jetzt sein, Kleines?“, fragte Lisa ironisch und grinste.

Die impulsive Frau überprüfte die Klinge mit einer Handbewegung.

Sie war nervös.

Einige andere sind hier der Meinung, dass du wirklich nicht bei Verstand bist“, schrie die Frau in die Menge der belustigenden und durstigen Leute. „Ich möchte nicht tun müssen, was ich tun muss.“

Darauf kann ich verzichten“, konterte Lisa zurück.

Blut ist Blut.“, sagte die Frau und grinste. „Du bist ein feines Weib. Du hast Beine, die kein Ende nehmen.“

Jetzt verlasse ich dich“, sagte Lisa und lächelte, und du kannst deinen spektakulären Auftritt woanders weiter dramatisieren.

Lisa war sicher, dass im Blick der Frau eine listige Falschheit lag.

Sie konnte es deutlich fühlen.

Die merkwürdigen Augen der Frau nahmen einen unerbittlichen Ausdruck an.

Lisa atmete tief durch.

Dann geh!“, sagte die vor Wut kochende Frau triumphierend.

Lisa ging lächelnd an sie vorbei.

Am liebsten hätte Lisa sie bei Seite gestoßen, aber sie unterdrückte die Regung und wandte den Blick ab.

Es trat absolute Stille ein.

Das Echo eines lallenden, betrunkenen Mannes und das Knistern des ersterbenden Feuers waren die einzigen Geräusche.

Lisa nahm am frühen Morgen eine eiskalte Dusche.

Das machte sie fit.

Lisa zog sich sorgfältig an und war auch sehr eitel in ihrem äußeren Aussehen gewesen.

Sie gab Domenik Bescheid, der heute vor sich dahin träumte und durch die Wohnung orientierungslos umherirrte.

Lisa dachte sich ihren Teil nach, strahlender noch als vorher, doch, wie nicht ganz zu übersehen war, noch etwas

angeschlagen, ins Badezimmer kam und an ihr wortlos vorbeigerauscht war.

Was Lisa sich dachte, war allerdings so harmlos.

Hin und wieder ging Lisa durch den Kopf, dass sie heute eigentlich schon ganz erstaunliche, enge Termine hatte.

Vielleicht waren solche Tage nicht nur dazu gut, einmal nicht an gemachte Probleme zu denken.

Lisas Fantasie musste aus der Erfinderkiste tolle Luftsprünge machen.

Wer weiß, ob sich nicht auch mal der richtige Mann für die wahre Lisa Laubeta interessierte?

Und wenn?

Dann würde sie sich vielleicht auch für ihn interessieren.

Aber, das war nur so ein Gedanke.

Wenige Minuten später meldete sich Domenik, ob Lisa irgendwelche Wünsche hätte.

Nein, Domenik“, sagte Lisa grinsend, „für den Rest des Tages bin ich total mit Arbeit eingedeckt.“

Das Übliche?“, fragte Domenik. Seine ironische Stimme verriet, was er damit meinte.

Aber die Frage war für Lisa harmlos, völlig uninteressant.

Ja. Das Übliche.“, konterte sie zurück.

Damit war das Gespräch beendet.

Lisa Laubeta ist dann später endlich im Büro angekommen, wo Monique schon auf sie wartete.

Jack Braun ist eben gekommen“, sagte Monique, „und wartet schon in ihrem Zimmer.“

Das ist der Mann im Grauen Flanell, wie er liebt und lebt“, dachte Lisa bei ihrem Eintreten.

Ja, das war jedes Mal ihr erster Gedanke, wenn sie Jack Braun sah.

Mit seinen vierzig Jahren war Jack Braun von Kopf bis Fuß ein Musterexemplar des cleveren, vornehmen und seriösen Mannes seines vermögenden Standes.

Lisa Laubeta hatte eine Schwäche für solche Männer, die wissen, was sie wollen.

Hey, Jack!“, begrüßte Lisa ihn.

Er schnupperte amüsiert Lisa hinterher.

Natürlich unauffällig.

Ein erstklassiges Parfüm.“, erwähnte Jack Braun bewundernswert.

Lisa war äußerst zufrieden mit dieser Bemerkung, denn sie platzte vor Selbstgefühl und Sicherheit förmlich aus allen Nähten.

Damit konnte Lisa ohne Umschweife sofort zum Kern der Sache kommen.

Jack Braun wünschte, dass alles glatt über die Bühne geht, mit den Geschäftsverträgen.

Er wünschte sich, dass Lisa alles so diskret wie möglich mit dem Geschäftspartner zu erledigen.

Mit dem allgemeinen Floskel der seelischen Grausamkeit im Modebusiness und nur wenigen, milden, angedeuteten Details.

Ebenso darf nicht der Versuch unternommen werden, Jack Brauns berechtigte Forderungen anzufechten.

Das musste Lisa Laubeta klar sein.

Eine Million.

Davon dreihundert Tausend werden von einem akzeptierten Treuhänder verwaltet.

Das wärs?“, fragte Lisa Jack Braun.

Er nickte mit dem Kopf bewundernswert intellektuell und achtungsvoll kompetent.

Alles in allem.“, sagte dann Lisa abschließend. „Kommt nur mein Honorar dazu, dass Sie zu zahlen haben.“ Da mache ich es glimpflich. „Mit Hunderttausend kommen Sie davon.“

Gut, Lisa, ich überweise die Summe noch heute auf ihr Konto.“, erwiderte er.

Lisa machte eine ihrer wirkungsvollen Pausen und beobachtete Jack Braun, wie er sich ein paar Aufzeichnungen in sein Notizbuch machte.

Er erhob sich aus dem gemütlichen Ledersessel und wandte sich um, zur Tür hinaus.

Kaum war er draußen, hing er schon am Telefon und rief seine Sekretärin an.

Lachend gab er ihr einige Nachrichten durch und dass er etwas später ins Büro kommt.

Der Geschäftstermin mit Lisa verlief für Jack Braun genau wie geplant.

Während er noch mit Lisa sprach, waren seine Gedanken schon ganz woanders.

Neue Erfolge, neue Millionen“, sagte Jack Braun zu Lisa und grinste.

Jack Braun war einer der reichen und gut aussehenden Männer der Welt.

Der besaß ein ungewöhnliches Vermögen.

Große Macht.

Sein Einfluss reichte überall und weltweit.

Da leistete Lisa Laubeta ihre Mitarbeit.

Drei Tage nachdem Lisa im Dorf das Mädchen Ayla wiedersah und Ayla ihr von ihrem unglaubwürdigen Traum erzählt hatte, machten sie sich auf, den Rucksack prall gefüllt mit Wasserflaschen und belegten Broten.

Ayla saß im Jeep neben Lisa auf dem Beifahrersitz.

Ein heißer Windhauch fuhr durch die Seiten des Buchs, das sie las.

Nebenbei beschattete sie mit ihrer kleinen Hand die Augen und beobachtete die bunten Vögel eingehend.

Sieht aus, als komme ein Gewitter.“, sagte Ayla.

Am Himmel ballten sich plötzlich graue Wolken zusammen.

Aber beide konnten es nicht über sich bringen, die Fahrt fortzusetzen.

Macht nichts“, sagte Lisa und küsste Ayla auf die Wange.

Sie war überrascht, wie glatt und voll sie sich anfühlte, wie eine reife Traube.

Ayla musterte misstrauisch Lisa von den Zehnspitzen bis zur Hutspitze.

He, du Träumerin!“, rief Lisa, „Wir sind angekommen.“

Die anderen auf dem Gestüt hatten die Pferde bestiegen und beobachteten neugierig Lisa und Ayla, als sie ankamen.

Auf geht’s!“, rief Lisa und zog Ayla schleppend hinter sich her.

Lisa setzte sich sorgsam zu Recht auf ihr Pferd Sonnenschein und steckte die Füße tief in die funkelnden Steigbügel, denn sie hatte heute das Gefühl, dass es nur eines Windstoßes bedurfte, um sie vom Pferd zu werfen.

Wie immer hatte Risko am Freitag schon für Lisa ihr Pferd gesattelt.

Lisa Laubeta war leer wie eine Strohpuppe.

Aller Lebenskraft beraubt.

Lisa bat Risko noch, Silberstern zu satteln, damit Ayla mit ihr reiten kann.

Abgesehen davon, dass Ayla noch ein unbekanntes und schüchternes Mädchen aus dem Dorf für Lisa war, hätte Ayla eine Indianerin aus der alten Zeit sein können.

So geschick ging sie mit ihrem Pferd Silberstern um.

Ayla und Lisa ritten schweigend.

Ihre Pferde suchten sich ihren Weg am Rand der Prärie entlang.

So dass nur Erdhügel und kurzes Gras zu sehen waren.

Als sie sich aus dem Tal näherten, das nur ein Dutzend Meilen von daheim entfernt war, bemerkte Ayla höhere Gräser.

Die Sonne schien hinter den dichten Wolken hervor.

Die leere Landschaft überzog sich mit erfrischenden Farben, mit Tupfen von Sonnenblumen, Blauglöckchen, Flammenblumen und lila Salbei.

Lisa lächelte und Ayla begann gerade, den Ritt zu genießen, als sie eine Meile vor ihrem Ziel an ein verlassenes Gehöft kamen.

Die eine Wand des alten Hauses war eingestürzt.

Wie Zucker zerfielen die Grundmauern aus Stein.

Der schmale Bach, der sich an einer Seite des Hauses vorbeiwand, war ausgetrocknet.

Das Haus, das eine Ruine war, stand jetzt mitten im stinkenden Schlamm, der sich zu Merkel verfestigt hatte.

Grauer Staub legte sich auf die Hufe der Pferde.

Ayla war schon eine Ewigkeit nicht mehr an dieser Stelle gewesen.

Sie hatte Sie vergessen.

Ayla brachte ihr Pferd neben Lisas.

Ist alles in Ordnung?“, fragte Lisa.

Ayla muss wohl ja gesagt haben, denn sie ritt weiter.

Ayla betrachtete das Haus und suchte nach etwas, was gar nicht da sein konnte.

Die Leute, die hier gelebt haben, waren schon lange tot.

Mit ihrer Kraft blendete die Sonne Lisa in die Augen.

Dort stand der alte und leere Hühnerstall, der repariert werden musste.

Das Werkzeug lag schon da.

Lisa stieg ab und wunderte sich.

Falls Ayla ihr etwas zurief, hörte sie es nicht.

Sie ging auf das zitternde Trugbild zu.

Als Lisa die Hände nach dem Hühnerstahl ausstreckte, brach das Bild plötzlich auseinander und zerschmolz im gleichen Augenblick in der glühenden Hitze.

Lass uns weiterreiten“, sagte Lisa.

Es widerstrebte Ayla, den Ort zu verlassen, jetzt, da sie ihn wieder entdeckt hatte.

Lisa sah besorgt um Ayla aus, als sie sich in den Sattel schwang und mit Ayla ins Tal zurückritt.

Sie hatten ihre Pferde abgezäunt, damit Sonnenschein und Silberstern in der Koppel grasen konnten.

Risko verdrehte die Augen.

Lisa hatte Riskos Gegenwart nicht bemerkt.

Aber jetzt stand er so nah bei ihr, dass sie ihn förmlich vor sich sah.

Er grollte.

Doch legte die Gemütsbewegung seine Stirn nicht in Falten, sondern spannte sich glatt unter dem verschwitzten Haar.

Lisa und Ayla machten sich auf dem Weg zu ihrem Jeep, als Blitze ihnen ins Gesicht zuckten.

Donner krachte, scharf wie Geschützfeuer.

Dunkle Wolken jagten über den Himmel.

Zuerst waren die Regentropfen groß und warm.

Rasch wurden sie aber zu scharfe, kalte Schrotkörner.

Lisa blickte zu den verschreckten Pferden zurück, die den Befehlen Riskos folgten und in Richtung des Reiterstahls galoppierten.

Was machen wir jetzt?“, schrie Ayla gegen den peitschenden Wind an.

Bäume suchen, bis wir beim Wagen sind!“, schrie Lisa zurück.

Aber in diesem Tal gab es keine Bäume.

Sie waren ungeschützte Ziele.

Wir können zu den Reitställen zurück!“, schrie Ayla.

Lisa schüttelte den Kopf.

Plötzlich wollte sie dort nicht hin.

Sie packten sich gegenseitig am Arm und zogen sich hinter sich her.

Zu zweit stolperten sie durch glitschiges Gras und fielen in der schlüpfrigen Erde immer wieder hin.

Einer nach dem anderen, bis sie von grauem Brei überzogen waren.

Als sie den Jeep erreichten, setzten sie sich gleich hinein.

Sie zündeten sich gleich eine Zigarette an, um sich erst einmal zu beruhigen und auf das Ende des Gewitters zu warten.

Doch Lisa startete den Wagen, mit Erfolg, ohne abzusaufen, und fuhr los.

Nachdem sie aus dem Sturm heraus waren, hätten sie sich einander gut verstehen können.

Aber sie hatten keine Lust zu reden.

Als es spät wurde, bei Lisa zu Hause angekommen, das Gewitter hielt noch an“, sagte Lisa zu Ayla, sie sollte versuchen zu schlafen.

Ich bringe dich Morgen nach Hause.“

Ayla legte sich auf die Seite und dann auf den Rücken.

Ayla dachte, sie würde überhaupt nicht zur Ruhe kommen.

Aber sie muss dann doch eingeschlafen sein, denn sie erinnerte sich am nächsten Morgen daran, wie sie aufwachte.

Ayla machte die Augen auf und erblickte Lisa.

Sie warf Ayla mit ihren Fingern eine Kusshand zu.

Die Zunge war Ayla an den Gaumen gekettet.

Ayla ging zur Terrasse und sah Lisa, wie sie sich ein Glas mit Orangensaft vollgoss.

Lisa lächelte Ayla an, mit fest geschlossenen Lippen.

In der Ferne, auf einem flachen Hügel, erblickte Ayla eine aufrecht stehende Gruppe.

Zunächst meinte sie, es seien Menschen, und glaubte sogar, Bewegung zu sehen.

Aber aus der Nähe sah Ayla, dass es kreisförmig angeordnete Steine waren, einige groß wie sie selbst.

Noch nie zuvor hatte Ayla einen Steinkreis gesehen.

Aber sie hatte davon schon gehört.

Ja, Ayla“, sagte Lisa, „das ist der Ort, an dem die Feen leben… – Erzählen die alten Frauen aus dem Dorf.“

Ayla war verwirrt und konnte es fast nicht glauben.

Sie nahm ein Glas voll mit Orangensaft und trank einen Schluck.

Sie waren einst so groß wie Berge“, erzählt Lisa weiter, „Aber jetzt sind sie klein.“ Dort halten sie die Wechselbälger, die sie in die Wiege ehrbarer Leute legen.

Sie stehlen die richtigen Kinder und hinterlassen Wechselbälger.

Das sind die Kinder, die dumm wie Ochsen und taub oder missgebildet sind.

Manchmal haben diese Klumpfüße wie ein Pferd oder haben Riesenköpfe mit winzigen Schlitzaugen.

Und in der geheimnisvollen Nacht, wenn kein Mond scheint… wenn er hinter Dunst und Nebel verborgen bleibt…, dann wachsen den Wechselbälgen Schlitzohren.

Sie stiften Verwirrung und tun in den Häusern der Menschen Böses.“

Ayla schauerte es in ihren Gliedern, und es lief kalter Angstschweiß auf ihrem Rücken hinter.

Lisa erzählte weiter und bemerkte nicht, wie Ayla zu Mute war: „Es gibt nur einen Weg, um herauszufinden, ob ein Kind ein Wechselbalg ist.“

Lisa schweigte plötzlich und hielt kurz den Atem an.

Ja, Ayla, diese Feenringe.“ Halt dich bitte nach Sonnenuntergang von denen fern. Ein so hübsches Mädchen erregt nur Neid. Ja, ein Mädchen wie du könnte dem Feenkönig gefallen. Ein Feenkönig ist der Hässlichste. Er hat einen Schweinerüssel und Wolfsohren. Er entführt dich in den Steinkreis und nimmt dich gegen deinen Willen. „Selbst ich würde nach Sonnenuntergang einen Feenring meiden.“

Ich weiß noch“, sagte Ayla. „Einmal erzählte mir meine Mutter, sie und ihre Schwester hätten gespielt." Man hatte sie gewarnt, wie du, Lisa, mich jetzt warnst. Aber wann hört ein Kind schon auf das, was man ihm sagt? Und sie spielten das Fadenspiel und bliesen die Löwenzahnsamen in die Luft.

Plötzlich hörten sie einen hellen Schrei.

Ein hässliches kleines Männchen, nicht größer als ein Daumen, sprang unter einem Stein hervor.

Vom Himmel schwebte eine große Wolke.

Die Götter sollen mich töten.“ Der Himmel möge mir auf den Kopf fallen, wenn meine Mutter je gelogen hat. Das merkwürdige Männchen wurde blitzschnell größer als ein Pferd. „Meine Mutter lief mit Ihrer Schwester davon“, sagte sie.

Wieder glaubte Ayla, aus dem Augenwinkel eine Bewegung zu sehen.

Sie drehte sich blitzschnell um.

Aber sie sah ihren eigenen Schatten.

Hinter Ayla war nichts.

Gleich darauf lächelte Ayla wieder.

Lisa schaute sie an.

Auch bei Tageslicht waren ihre Augen so dunkel, dass man nicht erkennen konnte, wo die Pupillen endeten.

Lisa stand von ihrer Sonnenliege auf und streckte Ayla die Hand entgegen.

Ich brauche deine Hilfe nicht“, sagte Ayla zu Lisa, „Ich wollte nur einen kurzen Ritt machen.“

Vergebens versuchte Ayla, Lisa ihren Arm zu entziehen.

Lisa hielt ihn mit festem Griff.

Na gut.“ Erwiderte Lisa.

Loslassen!“, schrie Ayla Lisa zu und versuchte sich aus dem Griff zu befreien.

Mit der freien Hand schlug Ayla auf Lisa ein.

Ayla leistete heftig Widerstand.

Ein Bein schob Lisa hinter Aylas und warf sie mit Leichtigkeit auf die andere Liege.

Im nächsten Moment war sie über ihr und hielt ihr die Hände fest.

Und jetzt wirst du mich ansehen!“, sagte Lisa mit ernstem Blick.

Ja, ich werde dich ansehen“, konterte Ayla widerspenstig zurück.

Lisa lächelte und hatte Spaß an der Sache.

Eine Haarsträhne war Ayla ins Gesicht geweht worden und kitzelte sie an der Nase, so dass sie ihre Nase krauszog.

Lisa hatte Mitleid und strich ihr die dunkle Strähne aus dem hübschen Gesicht und blickte Ayla an.

Du bist sehr schön.“, sagte Lisa.

Ayla schwieg.

Sie lag da, als wollte sie sterben.

Doch dann wurde Ayla ungeduldig, denn sie wollte gerne duschen gehen.

Lisa hatte im jetzigen Moment das Gefühl, dass ihr Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Ganz alltägliche Dinge nahmen hier ungeheuer viel Zeit in Anspruch, während alles entscheidende sich rasend schnell ereignete.

Lisa erbarmte sich und ließ Ayla ins Badezimmer gehen, die für den Augenblick sehr verärgert war.

Wo Domenik wohl hin ist“, überlegte Lisa. Er war am frühen Morgen schon wieder in dem verbeulten Jeep weggefahren. „Wahrscheinlich hat er einen Sixpack und ein paar nichtsnutzige Kumpels entdeckt.“

Einen Augenblick später, als Ayla immer noch im Badezimmer duschte und sich zu Recht machte, hörte Lisa draußen eine Autotür schlagen.

Domenik platzte überraschend und unerwartet mit Kaugummi im Mund, um seine Bierfahne zu überdecken, in die Küche.

Er schlang Lisa grinsend den kräftigen Arm um die Taille und rückte sie, als sei er durch ihre Gedanken magisch angezogen worden.

Später nahm Domenik Lisa und Ayla mit auf seine Tour.

Sie fuhren durch kleine Städte von Costa Rica und setzten Ayla in ihrem Dorf ab.

Das Dorf ist in absoluter Einsamkeit.

Domenik hatte eine Fahrt mit dem Geländewagen durch die tropischen Regenwälder und Vulkane geplant.

Lisa entdeckte das Paradies von unberührter Natur.

Etwas Abenteuer.

Sie ist bezaubert von der atemberaubenden Natur, dem Dschungel und Tukanen, wie eine einzigartige, bunte und artenreiche Vogelwelt.

Eine zweistündige Fahrt führte sie zum legendären Vulkan „El Arenal“.

Lisa genoss splitternackt ein entspannendes Bad mit Domenik in den heißen Quellen, in den „Tabacon Thermalquellen“.

Es war am nächsten Morgen, ein wundervoller Tag, als Lisa im Autoradio die neusten Meldungen hörte und viel Musik.

Costa Rica ist ein wahres Wunder“, hatte Lisa gesagt.

Sie hörte einen Werbesong von Bacardi und warf Domenik einen verliebten und fröhlichen Blick zu.

Er merkte es gar nicht.

Domenik steuerte den Wagen mit den Ellenbogen, damit er die Hände frei hatte, um sich den Schweiß von der Stirn und Oberlippe zu wischen.

Wenn wir bloß eine Klimaanlage im Wagen hätten, die funktionieren würde“, stöhnte er und streckte den Kopf aus dem Fenster, um sich Kühlung zu verschaffen.

Sein Haar war kurzgeschoren, weil er faul war und sich nicht gern kämmte.

Kurz, Domenik hatte Lisa angezogen, weil er genau dem Bild entsprach, das sie sich von ihrem Vater zusammen gesponnen hatte.

Das machte Lisa mit jedem ihrer Männer. Sie sollten alle etwas von Ihrem Vater gehabt haben.

Lisa Laubeta verwöhnte Domenik Janik.

Während der rasanten Fahrt hatte Lisa Zeit, sich spekulative Gedanken über ihre Männer zu machen.

Die endlosen Vergleiche, die sie früher angestellt hatte, hatten in den herzraubenden Jahren nachgelassen.

Aber während Lisa immer mehr die angestrengten kleinen Gehirnzellen ihrem gezielten Lauf gab, merkte sie, wie sie wieder in diese Gewohnheit verfiel.

Lisa war immer bei ihren Eltern zu Hause, schon als Kind, die brave Tochter gewesen.

Gutmütig und zurückhaltend.

Sie hatte nie davon geträumt, von zu Hause auf und davon zu gehen.

Lisas Schwester Eva, war keine außergewöhnliche Schönheit.

Ihre Nase war zu dünn und die Oberlippe so schmal, dass sie beim Lächeln fast verschwand.

Evas Haar war von den vielen Dauerwellen spröde und kraus. Sie trug eine Brille mit dünnem schwarzem Rand.

Eva hatte ihr Leben lang Lisa um ihre Schönheit und ihr ruhiges Wesen beneidet.

Bis zu dem Zeitpunkt, als sie mit einem Kumpel aus der Clique bei einem Motorradunfall umkam.

Die Leute sagten, Eva hatte eine Stimme wie ein Geist.

Wenn sie sang, trugen die Fans ihre Kassettenrecorder zu ihr, ganz nah, um ihren Gesang aufzunehmen.

Das Haus der Eltern – das war ein kleines Haus, weiß getüncht und sauber.

Aber schmucklos.

Als Lisa und ihre Schwester Eva klein waren, hatte es einen Lehmboden.

Heute waren dort Holzdielen mit rostbraun gesprenkeltem Linoleum ausgelegt.

Es gab zwei große Räume und immer noch einen nach Kloake stinkenden Abort im Hof.

Der immer von den Fliegen besetzt gewesen war.

Wenn Eva einmal heiraten würde, sollte sie die Hochzeitsschuhe ihrer Mutter haben, die nur das eine Mal getragen worden waren.

Eva sollte eine goldene Kette mit wertvollen Perlen bekommen, von deren Existenz sie nichts gewusst hatte.

Die nächsten Tage kümmerte Lisa sich um ihren treuen Freund Bruce Stone und verbrachte Stunden damit, am Küchenherd für ihn einmal zu kochen.

Sie wollte ihn überraschen und bewirten.

Domenik Janik hatte kurzfristig beschlossen, für ein paar Tage zu sich nach Hause zu fahren, um wieder einmal bei seiner Frau Aleksa nach dem Rechten zu sehen.

Das Spiel mit Domenik machte Lisa keinen Spaß mehr.

Aber Lisa spielte trotzdem diese Rolle der Geliebten weiter.

Lisa war zwar klar, dass die fehlende Zuneigung nun etwas anderes zu bedeuten hatte, sie fand sie aber dennoch aufregend.

So hatte Lisa immer mit den Männern gespielt.

Oder haben die Männer eher mit Lisa gespielt?

Am Morgen wartete Lisa darauf, dass die Sonne in ihr Zimmer schien, damit sie Bruces Gesicht im Wohnzimmer auf der Couch sehen konnte, der am Abend plötzlich beim Gerede vor Übermüdung einschlief.

Aber Bruces Gestalt war verschwunden.

Lisa hörte ein lautes Husten und schaute zum offenen Fenster.

Dort war er, um ihr Haus geschlichen und schaute interessiert zu Lisa herein.

Es ist schon ziemlich heiß, so früh am Morgen“, sagte Bruce.

Lisa nickte und grinste.

Lisa und Bruce brieten sich zum Frühstück Spiegeleier mit Schinkenspeck, während sie darauf warteten, dass der heiße Kaffee durch den Automaten lief.

Lisa saß auf dem Küchentisch und aß das krossige Endstück vom Brot und rauchte eine Zigarette dabei, kaum dass die frischen Eier in der Pfanne fertig waren.

Lisa hatte gute Laune.

Lisa, deine Eier sind fertig.“, sagte Bruce.

Ein wenig heißer Kaffee schwappte über und verbrühte ihr die Hand.

Mist.“, fluchte Lisa und stellte die Tasse auf dem Küchentisch ab. Sie kühlte ihre Hand mit der Zunge.

Lisa fühlte sich nackt und ängstlich.

Fühlst du mich, Bruce, wenn du bei mir bist?“, fragte sie aus heiterem Himmel.

Er konnte ihr diese Frage nicht beantworten, denn er hatte sie auch noch nie innig berührt.

Vielleicht sehe ich dich irgendwann nie wieder.“, stellte Lisa erschreckend fest.

Sie setzte sich neben Bruce und nahm seine weiche, aber männliche Hand.

Führte sie zu ihren erregten Brüsten.

Lisa küsste ihn auf seine Wange.

In diesem Moment fing Lisa an zu weinen, als sie ihn fest in die offenen Augen sah.

Sie sprang ruckartig auf und wischte sich die salzigen Tränen mit ihrem Finger vom Gesicht.

Bruce erkannte das leise Lächeln und die sanften Augen.

Es war Lisas Gesichtsausdruck, was er sich in diesen Situationen mit ihr nicht erklären konnte.

Bruce saß auf der Couch vor einer Tasse schwarzen Kaffee.

Lisa stand ihm gegenüber, sie hatte die Hände tief zwischen den Beinen vergraben und rieb sich leidenschaftlich im Schritt.

Ihm schien, als würde Lisa gleich anfangen, wieder zu weinen.

Er rührte mit dem Teelöffel nervös in seiner Tasse, obwohl er keinen Zucker genommen hatte.

Als Bruce dieser Situation nicht mehr gewachsen war, stand er auf.

Lisa musste lächeln, denn sie fragte ihn, ob sie auf ihn abstoßend wirkte.

Sie benutzte die Waffen einer Frau, bei denen kein Mann mehr ihr widerstehen kann.

Er erkannte ihren schlängelnden erotischen Tanz, mit allen Raffinessen einer Frau – nur das Wunderschöne hatte er noch nie bei Lisa gesehen.

Lisa ist jung und schön, sagte er leise vor sich hin.

Aber als sie ihn anlächelte, hatte sie ihn gefangen in ihrer schamlosen Leidenschaft.

Schließlich ging sie auf ihn zu und hielt ihren Atem an.

Bruce kam sich vor, als tanzte er mit ihr auf dem Mond.

Zuerst schien es, als würde sie lange brauchen, Bruce in sich aufzunehmen.

Und hier fühlte er Lisas erschreckende Gegenwart.

Aengus!“, rief Lisa Bruce im Geist. „Schau her zu mir!“

 

6

 

Zwei Nächte blieben Lisa Laubeta und Clarisa Zalis am Fluss. Clarisa baute einen Unterstand aus festen und stabilen Zweigen und Palmblättern. Lisa half ihr mit viel Spaß dabei. Immer, wenn sie Clarisa einen Ast reichte, berührte sie Lisas Hand und hielt sie einen Moment fest. Ging sie an ihm vorüber, strich sie über ihre Schulter oder ihren Arm. Manchmal umarmte Clarisa sie, zog sie an sich und küsste sie heftig.

Und immer wieder, während sie den Unterstand bauten, fielen sie laut lachend ins grüne Gras und liebten sich. Als das Lager fertig war, liebten sie sich auch, immer wieder.

Hat Clarisa ihre sexuellen Neigungen dem weiblichen Geschlecht angetan?

Hatte sie Gefallen daran, nicht schwanger zu werden?

Des Nachts erwachte Lisa von der beharrlichen Berührung Clarisas Lippen.

Sie liebten sich von Neuem.

Und sie schliefen ein, um sich beim Erwachen leidenschaftlich zu liebkosen.

Beide waren zu wund, als dass sie ihr sexhungriges Treiben weiterführen konnten.

Lisa ging hinaus und hob ihr Gesicht dem warmen Regen entgegen, öffnete den Mund und ließ den Regen hineinströmen.

Clarisa ging zu ihr.

Sie öffnete Lisas Schenkel.

Sie bückte sich und füllte sie mit dem angenehmen, warmen Regenwasser.

Am schönen Morgen der atemberaubenden zweiten Nacht erwachte Lisa zuerst.

Es war auch ein herrlicher Morgen.

Nur ein paar Wolkenfetzen waren am Horizont zu sehen.

Die Sonne fiel auf Clarisas Gesicht.

Ihr schlanker Arm lag auf der Decke.

Ihre Brust war entblößt.

Auf der Wölbung unmittelbar neben der Brustwarze trat auf der dunklen Haut ein kleines Muttermal von der Größe eines Apfelkerns hervor.

Die Brustspitze selbst war rosig wie eine unreife Himbeere.

Lisa küsste begehrend ihre Brust und umkreiste mit der feuchten und warmen Zunge die Spitze.

Clarisa stöhnte im Schlaf und öffnete die Augen, bevor sie wieder einschlief.

Lisa drehte sie behutsam auf die Seite und liebkoste sie.

Clarisa drehte sich zu Lisa und begrub ihr Gesicht an ihren Brüsten.

Eine feine Art, Lisa“, flüsterte Clarisa, „mich zu wecken.“ Clarisa lächelte. Ich genieße es, wenn du mich liebst. Früher verstand ich nie richtig, wie eine Frau mit einer anderen Frau leidenschaftlichen und schamlosen Sex haben kann. Na ja, irgendwie doch. »Ich verstand es irgendwann doch.«

Lisa lächelte.

Sie berührte Ihr Gesicht und spielte mit den langen Strähnen.

Dann küsste sie ihre Brustspitzen.

Du bist hinreißend“, stellte Lisa fest, ohne mit den Liebkosungen innezuhalten.

Lisa begehrte Clarisa von Neuem und nahm ihren Mund in Besitz.

Sie war wund von der häufigen Liebe, aber sie war sehr sanft, als sie sich zwischen ihr geschwollenes Fleisch presste.

Sie lagen dicht aneinander geschmiegt da.

Lisa, ich habe das merkwürdige Gefühl.“ „Dein heißer Atem hüllt mich ein, wie eine eklige Spinne ihre wehrlose Beute umspinnt.“ „Ich habe das Gefühl, als wären meine Arme, meine geschwollenen Brüste, meine wunden Schenkel, mein ganzer splitternackter, müder Körper in ein feines Gewebe der hemmungslosen Liebe gehüllt“, gab Clarisa Lisa zu verstehen.

Lisa küsste sie wieder, sehr zärtlich, dann versetzte sie ihr einen Klaps auf der Kehrseite.

Es wird Zeit“, sagte Lisa, „dass wir aufbrechen.“

Treib mich nicht an“, konterte Clarisa zurück, „als wäre ich dein Mann.“

Warum nicht?“, erwiderte Lisa mit einer charmanten Ironie.

Sie lächelte und kitzelte Clarisa.

Hör auf damit!“, bat flehend Clarisa und jammerte. „Hör auf, Lisa!“

Lisa hörte auf zu kitzeln und küsste sie kurz.

Dann stand sie auf und reichte Clarisa ihre Hand, um ihr aufzuhelfen.

Beim Anblick Ihrer Nacktheit schüttelte sie den Kopf.

Später gelangten Lisa und Clarisa an ein riesiges Gewässer.

Die tief stehende Sonne ließ das Wasser in allen bunten Tönen von Orange, Purpur und Rot erglühen.

Ach, Lisa!“, rief Clarisa.

Lisa lächelte.

So viel schönes Wasser habe ich noch nie gesehen“, sagte Clarisa erstaunt, „Was solche viele Farben hat?“

Die andere Seite vom Wasserfall ist zu sehen, wenn wir etwas weiter vorgehen“, sagte Lisa.

Scharfe kleine Steine ragten in Ufernähe auf, zu denen Lisa und Clarisa, die einander übermütig bespritzten, hinauswateten.

Clarisa ließ sich auf einem großen, abgestumpften, glatten Stein nieder und zog Lisa auf ihren Schoss. Ihre sandigen Füße reichten nicht ganz bis zum Wasser, aber hin und wieder erhoben sich kleine Wellen und benetzten ihre Zehen.

Clarisa fühlte sich als Teil dieses himmlischen Ortes.

Eine solche befriedigende Empfindung hatte sie noch nie gehabt.

Sie war Teil des Steins, auf dem sie saß, der Felsen, des Wasser und des Windes, der sich in ihrem Haar fing.

Der freundliche Mond stand als schmale Sichel in der wachsenden Dunkelheit hinter Lisas nackter Schulter.

Ach“, sagte Lisa, „sieh dort den Abendstern!“

Zwei Sterne zeigen den Abend an.

Drei die Nacht.

Als Clarisa das Wasser leicht gegen die herbe Schönheit des Ufers schlagen sah, stieß sie einen Ausruf des Staunens aus und lief zum Wasser.

Lisa wusste nicht, was geschehen war.

Sie sah nur, dass Clarisa mit wehendem Haar zum Wasser lief.

Lisa spürte das nahende Unwetter und Clarisa benahm sich widerspenstig und launisch.

Clarisa“, rief Lisa mahnend, „wir müssen Schutz suchen!“

Clarisa!“ rief Lisa immer wieder, doch ihre Stimme erreichte sie nicht.

Der leichte Wind heulte wie eine besorgte Mutter, der man ihre heiligen Söhne geraubt hat.

Dunkle Wolken jagten über den Himmel wie schwarze Stiere auf der Flucht vor blutgierigen und hungrigen Wölfen.

Lisa stand am Ufer und dachte an die Zeit, die sie hinter sich gelassen hatte.

Der Wind fächerte ihr Haar auf und schlug es ihr wie eine Peitsche ins Gesicht.

Aber mit hoch erhobenem Haupt trotzte sie dem Wind wie einem Widersacher.

Clarisa berührte schleichend Lisas Arm.

Ein gewaltiger Blitz setzte den dunklen Himmel in Brand und Lisa fuhr mit loderndem Blick herum.

Rasch, Lisa!“, rief Clarisa warnend. „Wir müssen Schutz suchen!“

Lisa wandte in Gedanken ihr Gesicht wieder dem See zu.

Die Wellenkämme waren weiß und brodelnd.

Jetzt tobte der Wind gegen die Erde.

Lisa ergriff Clarisas Arm, sie aber stieß ihre Hand fort und schüttelte den Kopf.

Am frühen, sonnigen Morgen war den beiden das seidenweiche Haar auf die nackte und kalte Schulter gefallen.

Lisas Antlitz war seltsam schön.

Wild und ungestüm wie der See.

Immer wieder veränderte Lisa sich, wenn der Wind ihr das Haar ins Gesicht wehte.

Lisa wandte sich ab und ging auf die steilen Felsen und ein Stück dem Ufer entlang.

Irgendwie schaffte Clarisa es, im Wind ein Feuer zu entfachen.

Die Windstöße fingen sich darin und es loderte auf.

Und dann begann Clarisa sich auszukleiden.

Der Wind blies ihr das Haar über ihren nackten Rücken und ihre schmalen Hüften.

Sie sprang in den See und wurde zu einem Teil des Wassers. Clarisa stieg mit Wogen hoch und versank kurz darauf in den Wellen.

Lisa schrie Clarisas Namen, als sie mit trockenem Holz zurückkam.

Clarisa tauchte auf und ihr nasses Haar sah aus wie das Seegras.

Sie kam ans Ufer und blickte über die Schulter wie ein gehetzter Wolf im Wald.

Dann legte sie sich lächelnd, splitternackt und ganz nass ans offene, warme Feuer.

So nah, dass ihre Brüste um eine Handbreit von den Flammen entfernt waren.

Lisa ging zum See.

Clarisa öffnete die Schenkel.

Sie spürte, wie der leichte Wind ihre nackten und feuchten Schenkel zart berührte.

Als Lisa später vor Clarisa stand, warf sie ihr lächelnd einen Blick zu.

Clarisa fühlte sich mit einem Mal unsicher.

Lisa beobachtete immer noch Clarisa, wie sie sich abmühte und mit den Zehen das Gras aus dem Boden zupfte.

Wir müssen sehen, Clarisa, dass wir weiterkommen!“, drängte Lisa. „Wir müssen die Pferde ein Stück des steilen Weges führen.“

Mit den Zügeln in den Händen ritten sie den schlammigen Weg weiter.

Der Weg zurück erschien Clarisa unendlich lang, obwohl sie erst zehn Minuten unterwegs waren.

Lisa blickte Clarisa an.

Eine Brust von ihr war unbedeckt.

Beide schwiegen und Clarisa senkte den Blick.

Dann straffte sie die Schulter und sah Lisa direkt an.

Lisa?“, fragte Clarisa. „Zeigst du mir Morgen deinen neuen Hengst?“

Lisa grinste und nickte den Kopf.

Früh am Morgen waren Lisa und Clarisa im Gestüt angekommen.

Es war eine kurze Nacht für beide, als sie wieder zu Hause erschöpft ankamen.

Der schwarze Hengst wieherte schrill und laut, als sie sich der Koppel und dem Pferdepflüsterer Risko näherten.

Der Hengst hob stolz und edel den Kopf.

Der Wind trug seinen Geruch zu den anderen Pferden, die ebenso lautstark antworteten.

Der Hengst warf den Kopf zurück und seine Nüstern blähten sich so, dass die feuchte Röte sichtbar wurde.

Der Wind wirbelte die Mähne wie eine stürmische, schwarze Welle auf.

Lisa spürte die Erregung der Pferde.

Sie spürte auch, wie ihr eigener Atem beschleunigte und ihre Brustspitzen heiß wurden.

Risko zerrte heftig am Zügel.

Lisa ergriff das Halfter und fasste das Pferd ganz eng.

Dennoch konnten sie es kaum halten.

Der Hengst schnaubte und warf den Kopf hin und her, wobei er wieder ein Wiehern ausstieß.

Diesmal leise.

Ein junger Stallknecht führte eine graue Apfelstute heran, die sehr nervös wirkte.

Sie war Sonnenschein, eines der schönsten Geschöpfe, die Lisa je in ihrem edlen Gestüt hatte.

Der Hengst senkte seine Wurzel, die pilzförmig und fast so dick wie Riskos Arm war.

Die nervöse Stute ließ ein Wiehern ertönen und der stolze Hengst antwortete in höchster Erregung.

Die im Stall verbliebenen Pferde wieherten und schnaubten, zerrten an ihren Halterungen und traten gegen die Wände, während der schwarze Hengst und die Stute sich loszumachen versuchten, um zueinander zu gelangen.

Der Knecht band die Stute an den Zaun. Dann befestigte er an jedem ihrer Beine ein Seil, das er ebenfalls am Zaun festmachte, damit sie nicht wild ausschlagen konnte.

Risko ging zur Stute, zog den Schweif zur Seite und legte den feuchten Eingang bloß.

Lisa konnte nun den Hengst nicht länger bändigen und das Pferd riss sich los.

Der Hengst sprang erregt auf die gefügige Stute und versenkte die lange rote Wurzel so weit in sie, dass die Stute erschauerte.

Clarisa sah am Zaun dem Geschehen interessiert zu.

Sie vermeinte, den Schauer zu spüren.

Dann wollte sie den Blick abwenden, konnte es aber nicht.

Wie gebannt beobachtete sie die Szene.

Der Leib des Hengstes war geschmeidig und gewölbt wie ein Bogen.

Als Clarisa glaubte, der Hengst könnte nicht mehr tiefer eindringen, stieß er erbebend wieder zu.

Er biss der Stute in den Nacken und sie wölbte den Rücken und spreizte ihre Beine weiter.

Der Hengst drang nach kurzem Zurückweichen abermals ein.

Lisa warf Clarisa einen begehrlichen Blick zu.

Lisa verspürte das Verlangen, auf der Stelle die Beine zu öffnen und sich hinzulegen.

Sie dachte nur an Risko: „Nimm mich, Risko, nimm mich!“

Aber Lisa sah Clarisa an.

Clarisa stand breitbeinig und mit bloßer Brust am Zaun und das Haar wehte wie eine Fahne im Wind.

Die Kühle neben Lisa im Bett weckte Domenik.

Beim Einschlafen hatte Lisa ihre Beine an Domeniks gelegt, als sie seine harte Männlichkeit an ihrem Körper gespürt hatte.

Die Nacht war schon fortgeschritten.

Durch das Fenster sah Lisa den Halbmond wie ein Auge hinter einem Lid aus dem Gewölk hervorblinzeln.

Neuerdings konnte Domenik keinen Schlaf finden, da ihm seine Frau und seine Probleme ständig durch den Kopf gingen.

Das sagte er Lisa.

Er wollte mit seiner Frau über ihre gemeinsamen Probleme sprechen.

Und jetzt?

Domenik war wieder mit Lisa zusammen.

Um den Hals trug er eine goldene Kette, die ihm seine Frau Aleksa geschenkt hatte.

Lisas Brüste waren bloß.

Sie waren größer als die von Aleksa, groß und voll.

Draußen gruben kleine Kinder mit Stöckchen den Boden auf oder rempelten sich an.

Die alten Weiber schalteten sie und packten dann zwei und stießen ihre Köpfe gegeneinander.

Reich mir deine Hand, Domenik!“, sagte Lisa leise.

Sie nahm seine Rechte und legte sie auf ihre linke Brust.

Dann griff sie von vorn in Domeniks Hose und faste nach seinem Stab.

Er lächelte frech und sie zog ihre Hand langsam zurück.

Aleksa hat keine Brüste.“, sagte Domenik. „Und Aleksa kann nicht wie du lächeln.“

Dann nahm Domenik Lisa in die Arme und liebte sie.

Eines Tages kam Bruce zu Lisa, umfasste ihre Taille, wirbelte sie durch die Luft und küsste sie überrascht.

Lisa bedachte Bruce mit ihrem gefährlichen, undeutbaren Blick.

Bruces Küsse machten Lisa sprachlos.

Und dann kam sein Atem so schnell, dass sie auch nicht mehr ein Wort sprechen konnte.

Im Augenblick des Höhepunktes schrie sie laut auf und das steigerte Lisas schamlose Erregung ins Unermessliche.

Sie taumelte ins Nichts, in dem alle unermüdlichen Sinne sich in einer einzigen und dunklen Wonne vereinten.

Das war Bruce seine bevorzugte Taktik.

Er analysiert nicht mit den Frauen das Thema „Sex“ und deren Leidenschaften, er ist ein Macher.

Bruce Stone tut es mit den ahnungslosen und sexhungrigen Frauen.

Ein guter Liebhaber muss über Verstand und Ausdauer verfügen.

Ist das Weibergeschwätz?

Aber Bruce kannte die Macken der emanzipierten Weiber und Frauen, die das Glück haben, wenn sie es gerne auch einmal von einem unerfahrenen Mann gemacht haben wollen.

Während Lisa nun wach da lag, musste sie immer intensiver daran denken, wie viel Zeit sie mit Bruce und Domenik verbrachte.

Sie dachte auch an die Auseinandersetzungen, die sie mit ihnen hatte.

Je länger Lisa darüber nachdachte, desto wütender wurde sie innerlich.

Die Decke war ihr zu schwer, unter der sie lag, und sie trat mit den Füßen danach.

Sie warf aber die Decke dann beiseite und sprang aus dem Bett.

Ein Windstoß fegte durchs offene Fenster.

Plötzlich brach Lisa in Tränen aus.

Sie wollte ja nur, dass Bruce sie festhielt und sie liebkoste.

Doch die Türen blieben geschlossen, als er ohne ein Wort des Abschieds und unbemerkt aus der Wohnung ging.

Nichts war zu hören.

Lisa spürte die warme Feuchtigkeit zwischen ihren Schenkeln.

Sie blickte nach unten.

Die Monatsblutung war wieder gekommen.

Das Gesicht von Domenik Janik war reizvoll.

Lisa gefiel es.

Fast scharf geschnitten, und wenn er lächelte, was in den letzten Wochen selten vorkam, entstand ein entzückendes Grübchen in seiner linken Wange.

Lisa bewunderte Domenik Janik aus der Ferne auf der Terrasse.

Sie hielt ihn auch für einen talentierten Künstler und war versessen auf die Skizzen, die er auf den losen Blättern kritzelte.

Aber er warf sie ständig in den Papierkorb, aus dem Lisa sie herausangelte, wenn er nicht hinsah.

Lisa gefiel, wie er auch Pferde zeichnete.

Wie er die überdrüssige, zynische Haltung stämmiger Gäule einfing. Ihre gesenkten Köpfe und angespannten Muskeln.

Nachdem Lisa diese Zeichnungen wochenlang gesammelt und glatt gestrichen hatte.

In der Cafeteria, wo sonst Domenik Janik sich ständig aufgehalten hatte, ging sie auf ihn zu.

Schmerzhaft wurde ihr bewusst, wie ihre kurzen Schritte in dem riesigen Raum hallten, der einmal ein Tanzsaal gewesen war.

Lisa schaute unverwandt zu der hohen Decke hinauf.

Entschlossen.

Domenik saß auf dem Stuhl, der am dichtesten bei den offenen Eimern stand.

Er war allein.

Wie üblich.

Domenik aß ein Stück Rührkuchen und starrte nachdenklich ins Leere.

Lisa verkleinerte den Abstand zwischen Ihnen.

Er lächelte für einen Augenblick, als er sie kurz ansah.

Da sah Domenik Lisa an.

Nicht starr.

Aber konzentriert, als überlegte er, wie er Lisas Gesicht am besten zeichnen könnte.

Hatte Lisa ein plattes Pfannkuchengesicht?

Aber funkelnde Augen.

Alles an Lisa war ein und dieselbe Farbe.

Braunes Haar.

Braune Augen.

Bräunliche Haut?

Der einzige Fleck war der Schönheitsfleck über ihrer Oberlippe.

Wenigstens hatte Lisa ihr glattes Haar in eine modische, schulterlange Frisur gedreht.

Vielleicht würde es Domenik Spaß machen, diese Linien zu zeichnen.

Lisa, der Platz ist frei.“, sagte er und deutete auf den nächsten Stuhl.

Lisa setzte sich.

Die gefällt also meine Arbeit?“, fragte er Lisa. „Ich spreche hier nicht viel mit Menschen. Ich denke auf mein Papier oder denke eher laut, wenn ich rede. „Ich weiß, da habe ich mir was Schlechtes angewöhnt, seitdem ich mit Aleksa verheiratet bin.“

Domenik zog ein Stück Kohle aus der Hosentasche und drehte eines der zerknitterten leeren Blätter um.

Halt still!“, sagte er betont zu Lisa.

Seine Augen bohrten sich in Lisa wie Nadeln und sie machte einmal oder zweimal den Mund auf.

Um sich von der erregten Spannung zu befreien, verdrehte sie die Augen und schielte auf den steilen Rücken ihrer Nase, der eine gänzlich aus Paaren bestehende Welt trennte.

Lisa, das solltest du nicht tun!“, schalt Domenik.

Lisa ließ es sein.

Sein analytischer Blick löste sich nicht ein einziges Mal von ihrem Gesicht.

Das wusste Lisa genau.

Und doch sah sie neugierig seine Hand über das Papier zucken.

Das kreative Werk seiner geschulten Finger folgte einer eigenen Vision.

Plötzlich war er fertig.

Er gab Lisa die Zeichnung.

Dann schob er schnell die Hände in die Hosentaschen und ging auf die Toilette.

Aber das konnte doch nicht mein Gesicht sein, dachte Lisa erschrocken und überrascht, von dem sie wusste, dass es rund wie ein Kuchenblech und fast so platt war.

Dieses originelle Gesicht war von wunderbarer Symmetrie.

Die Wangenknochen so klar wie gleichschenklige Dreiecke.

Ein festes, eckiges Kinn und ebenmäßig mandelförmige Augen, die wie ein geschliffener Edelstein glänzten.

Aber auch wenn Lisa neunzig Jahre werden sollte, würde sie sich selbst niemals verstehen.

All ihre Geheimnisse und ihre dramatischen Erinnerungen und geheimnisvollen Wünsche.

Ein paar Wochen später kaufte Domenik sich einen eleganten grauen Anzug vom angesagten Designer.

Der Erste, den ich hier in der Gegend sehe“, sagte er zu Lisa. „Fällt völlig aus dem Rahmen, wie im Schnitt und Stoff.“

Es stimmt“, erwiderte Lisa, „so einen Designeranzug hatte ich auch noch nicht gesehen.“

Was hast du bezahlt?“, fragte Lisa ihn.

Das musst du nicht wissen, Lisa“, antwortete er und grinste ihr schelmisch zu.

Lisa riskierte Domenik, einen Kuss auf den Mund zu geben, um eine Antwort zu bekommen.

Als ihre Lippen sich berührten, weiteten sich seine Augen, auf Zeichen der Abwehr gefasst.

Ist schon gut.“, murmelte sie beleidigt.

Sie fuhr ihm mit der Hand durch das Haar und hielt inne, um die gegen den Strich wachsenden Wirbel zu streicheln.

Sie hatten sich spontan vorgenommen, heute einen romantischen Ausflug, mit einem gemütlichen Picknick verbunden, mit dem Wagen zu machen.

Sie hatten auf der Landstraße geparkt, die eine flache Ebene voller unterschiedlicher Gräser durchschnitt.

Lisa hatte eine alte, dicke Wolldecke eingepackt.

Sie lagen dicht nebeneinander und entspannten sich mehr und mehr.

Der Himmel war eine weite Fläche aus Blau und Weiß.

Langsam zogen sie sich aus.

Sie legten ihre Kleider zusammen und steckten die Strümpfe in die miefigen Schuhe.

Während sie sich zusammen bewegten, sah Lisa in Domeniks offenen Augen ihr Gesicht.

Und das war kein Bisschen wie ein Blick in einen ungeputzten Spiegel.

Das schöne Mädchen seiner Zeichnung sah Lisa an und ihre Augen schimmerten und füllten sich mit Tränen.

Lisa wandte den Kopf zur Seite, damit Domenik sie nicht weinen sah.

Im Augenblick bekam Lisa es mit der Angst und sie klammerte sich fest an Domenik.

Lisa!“, stöhnte er, und sie hätte ihm gern den Finger auf den Mund gelegt.

Aber der leicht verärgerte Gesichtsausdruck von Domenik veränderte

sich nicht.

Lisa streckte die Hand aus und sie half Domenik auf.

Dann klopften beide den Staub von der bunt karierten Baumwolldecke.

Nach einem Weilchen begann Domenik zu lächeln.

Dann konnte er sogar wieder mit Lisa Lachen.

Domenik versuchte auch, Lisa zum Lachen zu bringen.

Ist das immer so bei den Frauen?

Aber das war nicht einfach.

Sein bester Trick war, wenn er den Papst nachmachte.

Domenik imitierte seine sitzende Körperhaltung bei der Kirchenmesse und sprach dazu in seinem originellen Tonfall.

Lisa hat sich jedes Mal fast in die Hose gepinkelt, wenn Domenik diese verrückte Nummer abzog.

Die Leute haben sich die Mäuler zerrissen.

Wie das so ist bei den Christen.

Weil der Papst auch katholisch war.

Aber das kümmerte beide nicht.

Lisa erinnerte sich, dass ihre Mutter immer meinte: Wir haben in Sünde gelebt. Aber sie war keine Katholikin. Sie hatte nicht in die katholische Schule gehen müssen, wo die alten Nonnen, die auch Krähen sein konnten, auf unseren Seelen herumhackten. Dein Vater ist eine Woche vor deiner Geburt an Lungenkrebs gestorben.

Das war alles, was sie erzählte.

Lisa stand auf und ging in die Küche und goss sich ein leeres Glas mit Mineralwasser halbvoll.

Ich lasse mich von Aleksa scheiden“, erzählte Domenik Lisa und wendete sich schüchtern mit seinem Blick von Lisa ab. „Am 24. August.“

In einem winzigen alten Amtszimmer in der Stadt.

Am Tag meiner Hochzeit zogen sich Wolken hinter uns zusammen, die den Himmel düster und grau aussehen ließen.

Die nicht alltägliche Fahrt zum Standesamt machte mir keinen Spaß und die Hochzeitsgäste, die uns unverblümt anstarrten, gingen mir echt auf die Nerven.

Unsere Trauzeugen waren unbekannt, die sich gerade den teuren Schampus in sich hineinschütteten.

Ein Sturm tobte durch meinen schmerzenden Kopf, so dass ich mich angestrengt um Konzentration bemühte, um die kurze Zeremonie durchzuhalten und genug zu verstehen und auf das Richtige antworten zu können.

Als dann die Zeremonie vorbei war, krachte der Donner in meinem Trommelfell und Nadeln von Licht blitzten durch meinen Schädel.

Den harten Regen spürte ich wie Hagelkörner auf meinem Kopf, ins Gehirn, prallen und schlugen mir die kuriosen Gedanken kaputt.

Lisa war fest entschlossen, Domenik glücklich zu machen.

Ihr Haar war wieder zu einer unnachgiebigen Außenrolle gedreht und ihr Gesicht verlieh Tiefe mit einem dunkelbraunen Augenbraunstift und knallrotem Lippenstift.

Maria Koralis tauchte den nächsten Tag überraschend, am frühen Morgen an ihrer Wohnungstür auf, als Lisa gerade gut gelaunt und mit einem Pfeifen zwischen den Lippen auf der Terrasse den abstreichen Frühstückstisch deckte.

Lisa hörte das laute Klopfen, da die Klingel abgestellt war.

Sie lief durch alle Zimmer nach vorn und riss die Tür so auf, dass Maria und Lisa selbst sich erschreckten.

Beide fuhren ruckartig und überrascht zurück.

Oh!“, sagte Lisa, lächelte und rang nach Atem. Maria? „Komm doch bitte herein!“

Schließlich trat Maria ein.

Trotz der Hitze trug Maria einen schwarzen Trenchcoat, den Lisa ihr auszuziehen half.

Darunter trug sie nur einen roten Stringtanga mit seidenen Spitzen und einen Büstenhalter der gleichen Qualität, schwere Designermode eben.

Als Maria den Kopf zur Seite legte, musste Lisa fast los husten.

Maria war das Abbild eines Vollblutweibes mit brauner Hautfarbe, was sich aber auch bei den Männern sehen lassen konnte.

Aber das wusste Maria genau, dass die Männer bei ihr schwach werden, wenn sie es darauf anlegte.

Sie benutzte eben geschickt die Waffen einer Frau, und das gezielt.

Domenik saß schon auf der Terrasse und trank seinen Kaffee.

Als Lisa mit Maria dazukam, hielt Maria gleich ihr Gesicht über die heiße Kaffeekanne, um den Duft, das Aroma, einzuatmen.

Duftet wunderbar“, sagte Maria.

Aber Domenik und Lisa kam es nicht so vor, als meinten sie es wirklich.

Ich hoffe…“, wollte Maria sagen, als Domenik vom Tisch aufstand und ins Badezimmer ging. „Mein Besuch kommt euch nicht ungelegen, Lisa?“, stellte Maria Lisa die Frage, weil sie ihren Satz beenden wollte.

Nein, nein“, erwiderte Lisa zögernd.

Plötzlich löste bei Maria eine Flut von Tränen aus. Ein Taifun fuhr über Sie hinweg.

Maria umarmte Lisa und ließ sie nur unwillig wieder los.

Es drohte ein ausgedehnter Besuch zu werden, und Lisa beschloss auf der Stelle, dass sie Marias unangekündigten und belanglosen Besuch ertragen würde.

Dominik kam aus dem Badezimmer.

Ist einer glücklich gestorben?“, fragte er zynisch. Ohne auf eine Antwort zu warten, schlich er sich auf Lisa und Maria zu. „Ist das toll, alle zusammen zu haben!“, sagte er mit köstlicher Ironie, denn es passte ihm gar nicht, dass Maria Koralis plötzlich vor der Tür stand und jetzt Lisa die Ohren voll heult und die gute Stimmung somit mies machte.

Strahlend ging er die Wohnung, genervt von Marias Geplapper, auf und ab.

Und zog sich dabei seine Klamotten an.

Er bemerkte die lüsternen Blicke von Maria nicht, die sie ihm zuwarf, als er mit seinem knackigen Hinterteil und sportlichen Oberkörper bei ihnen vorbei tänzelte.

Domenik küsste Lisa auf den Mund.

Lisa bekam ein wenig Farbe auf dem blassen Gesicht, denn sie war geschockt von Domeniks verwunderter Aktion.

Domenik entdeckte eine merkwürdige Reaktion bei Lisa.

Lisas Scheu?

Am liebsten war Lisa Domenik, wenn sie sich morgens das Haar für den Tag richtete.

Aber nicht, wenn Lisas Freundinnen schon am frühen Morgen kamen und den ganzen schönen Tag mit ihren fiktiven Männerproblemen herumnervten.

Zwanzig Minuten lang war Lisa still, aber Maria erzählte und erzählte.

Maria bekam nicht einmal mit, dass ihr niemand zuhörte, denn Lisa rauchte eine Zigarette und schaute zu den Wolken, die am Himmel vorüberzogen.

Ab und zu, nickte Lisa auch einmal mit dem Kopf.

Lisa glaubte, Maria wusste ihr masochistisches Bemühen zu würdigen, und strengte sich deshalb auch ihrerseits an und zwang sich dazu, nicht laut loszulachen.

Weil dieses Geplapper Lisa ebenfalls genervt hatte, und sie wollte heute noch in ihre Agentur fahren.

Dann legte Lisa ihre Hand auf Marias Hand und drückte sie.

Sie sahen sich beide in die Augen.

Hand in Hand atmeten sie in vollkommener Ruhe.

Marias Handfläche war rau, kratzte aber nicht bei der emotionalen Berührung.

Ich möchte dir etwas zeigen“, sagte Maria.

Sie zog eine kleine samtfarbene Schachtel aus ihrer kleinen Handtasche heraus und machte diese auf.

Dann nahm sie einen feinen goldenen Ring heraus.

Den hat mir Rodrigo geschenkt, als er mir einen Heiratsantrag machte.“, sagte Maria und fing an zu weinen. „Lisa! Ist der nicht entzückend und lieb von Rodrigo?“

Sie nahm den Ring aus der Schachtel und legte ihn in Lisas Hände.

Rodrigo muss dich wahnsinnig lieben, dass er dir so einen Ring schenkt, mit einem Brillanten.“, sagte Lisa erstaunt und mit vollem Respekt. „Nimm du ihn lieber wieder.“ »Der Ring ist so zart.«

Maria legte den Ring wieder in die Schachtel zurück, ließ aber den Deckel offen, so dass beide diese Brillanten aus sicherem Abstand bewundern konnten.

Maria hielt inne, strich sanft mit einem Finger über den Brillanten und bewunderte ihn immer wieder.

Plötzlich stand Maria auf und schloss den Deckel.

Ich habe jetzt noch zu tun“, sagte Maria und verabschiedete sich von Lisa mit einem Küsschen auf der Wange und ging.

Als Maria die Tür hinter sich schloss, erschien Domenik plötzlich aus dem Schlafzimmer und atmete tief ein und wieder aus.

Lisa verdrehte die Augen, denn sie wollte Maria irgendwie wieder loswerden.

Als Domenik Lisa fragte, was passiert sei, wusste Lisa genau, dass es ihn wirklich nicht interessieren würde.

Dann atmete Lisa auf vor Erleichterung.

Lisa nahm Domeniks Hände in ihre und ein kalter Schauer durchfuhr sie.

Denn sie musste im gleichen Augenblick an Maria denken.

Solange ich zurückdenken kann“, erzählte Lisa Domenik, „war Maria Koralis, die kleine Hexe, mit ihren Liebhabern beschäftigt.“ Sie hatte immer schon einen großen Hunger, der nie befriedigt wurde. Wie Marionetten marschierten die Männer ihre Treppe hinauf, mit leeren Augen. Wie ausgelaufene Tinte waren die Augen von Liebe und Hoffnung leer. Wenn sie überhaupt etwas widerspiegelten. „Heute habe ich erkannt, dass die Liebschaften bei Maria aus der Verzweiflung geboren waren.“ Domenik konnte Lisas Worten nicht entkommen. „Aber jetzt weiß ich“, sagte Lisa, „dass ich nicht wie Maria, die Hexe, bin.“ „Ich gehöre zu den Frauen, die vorsichtig ihre Keime ausstrecken, wo immer sie leidenschaftlich landen.“

 

 

Kapitel 7

Lisa Laubeta träumte – und träumte einen Traum. Domenik verfolgte sie mit einem großen, spitzen Messer in der blutigen Hand. Sie war hingefallen mit einem lauten Schrei und lag hilflos auf dem Boden. Sie konnte sich nicht bewegen, so starr wurde ihr ganzer Körper.

Sie wollte ihre Mutter rufen, konnte aber ihren Namen nicht aussprechen.

Domenik kam immer näher und holte mit dem Messer aus.

Lisa wurde schlagartig hellwach.

Sie fuhr auf und mit derselben Bewegung sprang sie wie der Blitz aus dem warmen Bett.

Die Tür vom Schlafzimmer war geschlossen.

Aya, Liebes, sei nicht so laut!“, murmelte Domenik. „Du kannst ja Tote aufwecken.“

Was weißt du schon, wie man Tote aufweckt?“, erwiderte Lisa ängstlich.

Domenik streckte die Arme aus.

Allein dein Anblick, Lisa, beglückt meine Augen!“, erwiderte er wie ein lebender Toter in einem rustikalen Sarg. „Als wärst du eine richtige Prinzessin, und lass dich anschauen!“

Du wirst mir nicht sagen, was ich tun und lassen soll.“, konterte Lisa verärgert zurück.

Wäre ich dein Mann“, sagte Domenik und grinste frech übers ganze Gesicht, „und du meine, liebe Frau, ich würde nicht von deiner süßen Seite weichen.“

Du bist so schön, dass die herrliche Sonne am schönen frühen Morgen beim Aufgehen lächelt.

Lisa sah zum Fenster.

Der Himmel war wolkenlos.

Domenik warf einen Blick zum Fenster, als Lisa es öffnete, dann zur Tür.

Er kratzte sich den knackigen, nackten Hintern, dann die harten Eier, die sich im Sack versteckten.

Domenik ging auf die Terrasse und polierte seine schwarzen Schuhe.

Lisa konnte hören, wie Domenik auf dem Schuh hin und her bürstete.

Domenik leckte sich die Lippen.

Wie wär's, wenn wir beide ein wenig Stier und Kuh spielen würden?“ „Oh“, fragte er Lisa und grinste.

Wenn du dieses Spiel willst, dann such dir eine Kuh.“ Erwiderte Lisa, denn im Augenblick hatte sie überhaupt keinen Humor für solche Spiele.

Launische Zicke…, aber wenn du spielen willst, dann habe ich keine Lust auf dich“, konterte Domenik zurück.

Sie warf ein Kissen von der Couch Domenik zu und brachte dabei eine Vase mit langen roten Stielrosen zum Kippen.

Entschuldige“, sagte Lisa, als sie sich bückte, um die Vase wieder aufzuheben. „Wenn du hier stehen bleibst, könntest du etwas abkriegen.“

Das nehme ich in Kauf“, erwiderte Domenik und provozierte Lisa damit.

Wieder nahm sie ein Kissen, aber sie schlug ihn damit.

Du hättest eigentlich Schauspielerin werden sollen.“ „Oder?“, sagte er im Gefecht.

Lisa schwieg und schlug mit dem Kissen immer weiter, bis sie plötzlich nicht mehr konnte.

Ihr fehlte die Luft zum Atmen.

Plötzlich kam es ihr so vor, als hätte sie sich in Domenik wieder neu verliebt.

Aber Lisa wurde traurig.

Sie wollte in die Arme genommen werden und sie wollte, dass das Domenik sie liebkoste.

Lisa wollte seine Arme um sich fühlen.

Sie wollte Domenik sagen: „Ich liebe dich!“

Domenik lächelte Lisa zu.

Domenik und Lisa ließen sich auf einem Sessel nieder.

Sie hockten verbunden sitzend aufeinander.

Lisa und Domenik waren nackt.

Sie war herrlich anzusehen.

Ihre Brüste waren bedeckt vom langen Haar.

Domenik beugte das Knie und küsste ihr die Hand.

Wie zwei Chaoten, die sich sehr lieben und begehren, so holte Lisa einen Malkasten aus dem Schubfach im Schreibtisch.

Sie bemalten ihre Körper Blau, Rot, Gelb, Grün – einfach bunt, bis die natürliche Hautfarbe am splitternackten Körper unsichtbar wurde.

Auf der Haut malten sie die Grimassen von verrückten Leuten, auch Tierfratzen.

Um die Arme ringelten sich giftige und gefürchtete Schlangen.

Sogar Domeniks Stamm zwischen den Beinen bekam einen grünen Anstrich, sodass er aussah wie eine Baumliane, an der sich Lisa mit den Händen festhielt.

Auch Lisas Lustschloss bekam das Antlitz einer wilden schwarzen Katze, die nach seinem gewissen strammen Teil schnurrte und dann fest zu biss.

Beide machten sich lustig über ihre gemalten und originellen Kunstwerke und verspotteten diese.

Lisas Arme schmerzten vom Malen.

Eine Zeit lang hatte sie ihre verspannten Muskeln bewusst gespürt, aber jetzt fühlte sie sich seltsam entrückt, als gehörten ihre Arme und Schultern einem anderen Weibsstück.

Domenik zeigte unbemerkt ein schiefes, finsteres Lächeln, während er sich eine Zigarette anzündete.

Dann streckte er die Hand nach Lisa aus und fiel auf die Knie.

Aber Lisa reichte ihm die Hand und half Domenik lächelnd und geschmeichelt wieder auf die Beine.

Auch Domenik musste für einen Moment lächeln.

Er hielt den Blick direkt auf Sie gerichtet.

Lisa sah, wie sich sein Mund bewegte.

Domenik wandte sich um und nahm zum ersten Mal den lieblichen, süßen Geruch von Lisa wahr.

Den ganzen Tag war er damit beschäftigt, auf andere Gedanken zu kommen, ohne auf ihre Anwesenheit bewusst zu achten.

Lisa wollte mit Domenik über die Begierde und die wunderbare Liebe sprechen.

Domenik, hast du jemals einen so prächtigen, aufrechten und zarten Rücken gesehen?“, fragte sie ihn prüfend. „Und das Haar, das sich um die Schultern ringelt?“

Ja, wunderschön ist sie“, erwiderte er. „Sie, wie schmal deine Taille ist! Und diese Hüften?"

Ich habe genügend viele Verehrer“, sagte Lisa ironisch und lächelte selbstbewusst, „und das weißt du so gut wie ich.“

Ihre Brüste waren bloß.

Domenik betrachtete Lisa mit einem offenen, abschätzenden Blick, der keine Böswilligkeit verriet.

Sie rückte merklich näher an ihn heran, ohne ihre nackten Füße zu bewegen.

Es war nur eine leichte Drehung der Schulter.

Lisa ließ den Blick von Domenik zum offenen Fenster wandern.

Und jetzt wurde sie von peinigendem Verlangen gequält.

Sie konnten es kaum erwarten, als sie seine Hüften umfasste und ihn an sich zog.

Domenik hob Lisa hoch und trug sie zu dem Bett, das sie sich geteilt hatten.

Lisa war in der Liebe wie im Zorn, stürmisch und voller Ungeduld.

Sein Mund kosierte leidenschaftlich mit Begehren ihre Brüste, so dass sie sich unter ihm aufbäumte.

Ihr heißer Körper forderte, dass er sie nahm.

Domenik ließ sich jedoch Zeit und strich zärtlich über ihren flachen, straffen Bauch.

Lisa spürte sein dichtes, weiches Haar an der Innenseite ihrer erregten Schenkel und seine feuchten, warmen Lippen an jenem Teil, der nach ihm verlangte.

Doch seine Lippen allein, sie genügten ihr nicht.

Seine Lippen waren weich, aber Lisa wollte Härte, obwohl ihr dieses weiche Tasten die tiefe Wonne bereitete.

Als Domenik mit der trockenen Zunge eindrang, schrie sie erregt auf vor unsterblicher Wollust.

Sie fasste in sein Haar und wollte seinen nackten Körper zu sich hochziehen, so dass die Härte seines Gliedes die Weichheit seiner Zunge ersetzte.

Aber sie wollte auch ebenso, dass seine geschickte Zunge weiter eindrang und ihr Inneres suchte.

Dann ließ er sie kommen.

Lisa wölbte sich ihm entgegen.

Ihr schwitzender Körper bog sich wie ein Regenbogen.

Bevor sie sich beruhigt hatte, bedeckte Domenik Lisa mit seinem schwitzenden und maskulinen Körper.

Er umfasste ihr Gesäß und drang in sie ein.

Ihre zuckenden, wonnespendenden Muskeln umschlossen ihn, während sie immer höher flog.

Ihr nackter Körper war ein reines, dunkles Ding, das durch das dunkle Nichts der unkontrollierten Lust flog.

Seine verzauberten Finger tasteten, als wolle er sie als Ganzes, als sei ihm kein Teil von ihr verborgen.

Lisa hatte Domenik verlassen, um sich zu den Stallungen zu begeben.

Die Leute aus dem Tal boten auf den Straßen Käse und meckernde Ziegen, Kühe und Pferde sowie Obst und Gemüse an.

Sie sprachen vom Vieh und von der Ernte.

In den Lärm und Tumult der aufgebrachten Menge mischten sich das Blöken der Schafe, Kindergeschrei und Pferdegewieher.

Das Bällen der Straßenköter war auch nicht zu überhören gewesen.

Gaukler und Akrobaten führten kleine Kunststücke vor.

Die Musikanten und Vagabunden ließen Flöten, Leiern und die selbst gebauten Trommeln erklingen.

Lisa hatte beobachtet, wie junge Musikanten ihre Trommeln herstellten.

Händler zeigten und erzählten, wie das Ziegen- oder Wildleder mit Löschkalk behandelt wird, und etlichen Geheim gehaltenen Ingredienzen, und beizten die Häute sieben bis zehn Nächte in einer Kalklösung, um sie geschmeidig zu machen und das Fett zu lösen.

Dann wurde die Haut auf einen Rahmen gespannt und Haare wie das Fett wurden abgekratzt.

Das gesäuberte Lederstück wurde auf einen Holzrahmen genagelt und mit Querstreben versehen.

Die benötigten Trommelschlegel schnitzte man aus hartem Holz.

Lisa bewegte sich durch die vielfältigen Gerüche und Geräusche des Marktes.

Sie roch geröstetes Getreide, frischen Kuhdung, Pferdeschweiß und verbrannte Federn, da Hähnchen gerupft und die Stoppelfedern abgesengt wurden.

Lisas Interesse indessen galt den Tuchhändlern.

Es gab in Costa Rica Tuchhändler, die über Land zogen, um ihre Waren selbst zum Markt zu bringen, und das Tuch verkauften.

Lisa hatte interessiert den Frauen beim Weben und Färben zugesehen und wusste, wie sie die unbehandelte Wolle reinigten und ihr das Fett entzogen, damit die bunten Farben besser greifen konnten.

Dann musste die gereinigte Wolle mit Beize behandelt und in Metallsalze, die diese Farbe dauerhaft werden ließen, getaucht werden.

Die Beize bestand aus Alaun, Schafdung und immer noch menschlichem Urin.

Die Farben, mit denen die gebeizte Wolle in Farbzubern behandelt wurde, gewann man aus Pflanzen und Wurzeln.

Schwarz gewonnen die Tuchmacher aus den Ablagerungen in Sumpflöchern, aus eisenhaltiger Erde oder aus der Rinde bestimmter Bäume.

Braun, aus Flechten, die die Kinder von Felsen kratzen, aus dem Rotalge genanntem Seegras oder aus Tofu, Wasserlilien oder Zwiebelschalen.

Blau und Schwarz?

Das lieferten Indigo, Blaubeeren, Schlehdorn oder Weißdorn.

Rot?

Das brachte die Wurzel der Färberröte, während Heidekraut, Herbstzeitlosen, Adlerfarn oder Gelbe Reseda den gelben Farbton lieferten.

Aber Lisas Interesse galt nicht den Wollstoffen oder Leinen.

Sie wollte Seide.

Den Stoff, den ihr einmal Andy Pala mitgebracht hatte, wenn er sie besuchte.

Der Schneider Ermenegildo hatte ihr daraus Kleider genäht.

Hast du auch Seide?“, fragte Lisa den Tuchhändler, der hinter seinem Stapel bunter Leinenstoffe fast verborgen war.

Den Kopf hatte er gebeugt, als suche er etwas hinter dem Tisch.

Lisa sprach deshalb nur mit seinem schmalen Rücken.

Seide? Seide?“ „Auf einem Markt neben den stinkenden Schweinen und Schafen?“, erwiderte er hochachtungsvoll.

Aber Händler müssen doch Seide haben“, zeigte Lisa sich beharrlich.

Händler verkaufen, was sie verkaufen können. „Unter der Menschenmenge hier wird man wenige Leute antreffen, die Seide brauchen können“, versuchte der Händler Lisa zu erklären.

Plötzlich änderte sich sein Ton.

Tja, nun…“, fing er an zu sagen und leckte sich dabei die spröden Lippen. „Du willst also Seide?“

Sein rundes Gesicht sah aus wie das eines ahnungslosen Meerschweinchens.

Ja, Seide.“, erwiderte Lisa.

Wieder ließ der Tuchhändler den Blick über sie wandern.

Lisa wurde verlegen.

Aber nur ein wenig.

Denn sie spürte, dass sein Blick weniger ihrer Kleidung galt als vielmehr dem, was darunter war.

Du trägst Seide?“, fragte der Händler.

Was ich trage“, konterte Lisa frech zurück, „geht dich nichts an.“

Sein Blick sprach Bände.

Mit einem Kopfnicken deutete er zu seinem Wagen.

Der Händler hatte einen kleinen Jungen bei sich, der, nach seinem abgezehrten und vernachlässigten Aussehen zu schließen, sein Sohn sein musste.

Der Händler brüllte den Jungen an: „He! Gib Acht!“ „Und fass nicht an, was dir nicht gehört!“

Zur Bekräftigung zog er den Jungen heftig an den Ohren.

Dann sagte er zu Lisa: „Hier drüben…!“ Und führte sie zu dem hinter seinem Verkaufsstand stehenden Wagen.

Als Lisa an ihm vorbeiging, ließ er seine Hand über ihre Hüfte gleiten und fasste dreist nach der Innenseite ihrer Schenkel.

Sofort war ihre Hand an seinem Hodensack und zog daran kräftig.

Erschrocken wich er schreiend zurück.

Rühr mich nicht an!“, warnte Lisa ihn.

Er strich über seinen Dreitagebart und kratzte sich das Kinn.

Dann griff er tief in die Wagenlade und fasste hinter den geblümten Stoffbarren, um eine Rolle grüne Seide eingehüllt hervorzuholen.

Geschickt drapierte der Händler eine Länge über seinen stark beharrten Arm.

Der zarte Seidenstoff schimmerte wie ein Blatt, das im Sonnenschein vom Wind bewegt – einmal grün, gleich darauf Silber, dann blau und anschließend golden ist.

Als Lisa den Stoff anfassen wollte, zog ihn der Händler weg.

Dieser Stoff ist schon für eine begehrenswerte Kundin bestimmt“, sagte er zynisch. „Ich wollte die bestellte Seide dort hinbringen, sobald ich meinen Stand schließe.“ »Sie wartet darauf.«

Er schürzte die Lippen, während sein Blick Lisa vielsagend musterte.

Ich könnte ja sagen“, erklärte er dann, aber mit einem lüsternen Hintergedanken, dass ich nichts Passendes gefunden habe. „Ja, das könnte ich ihr sagen, vorausgesetzt, jemand würde mir so viel geben, dass es sich lohnt.“ Er fasste leicht nach Ihrem Arm.

Sie machte sich los, ehe er richtig zupacken konnte.

Sein rundes Schweinegesicht verzog sich zu einem Lächeln.

Seide wie diese", sagte er, „bekommt man nicht bei jedem Tuchhändler.“

Wie viel möchtest du?“, fragte Lisa.

Es geht nicht um das Wie viel, sondern um das Was.“, erwiderte er mit einer selbstsicheren Ironie.

Wieder strich er sich über seine kurzen Stoppel am Kinn, schürzte die Lippen und sah Lisa an.

Er musterte sie abermals von Kopf bis Fuß.

Er wollte wieder nach ihr fassen.

Fang dir doch einen anderen Weiberarsch“, stieß sie hervor und schlug ihm so heftig ins Gesicht, dass er die Seide fallen ließ.

Lisa griff danach und warf ihm ein paar Geldscheine zu.

Das hier ist mehr als reichlich.“, sagte sie verärgert.

Lisa ließ die Hände über das schimmernde Grün gleiten.

Das fette Schwein wollte außer mein Geld auch noch mich ficken“, fluchte sie und lief, so schnell sie konnte.

Lisa war dickköpfig wie eine Kuh geblieben.

Zu viel Schönheit bei einer Frau – weckt sie Feindschaft unter den Männern?

Und zu wenig Schönheit bewirkt sie, dass die Männer sich anderen Frauen zuwenden?

Fragen, Fragen“, dachte sich Lisa.

Lisa wollte nur noch nach Hause, zu Domenik.

Mitunter kann sich Schweigen wie Lärm wellenförmig in einem Raum ausbreiten.

Wie bei einer Feier am Wochenende, erfüllt vom fröhlichen Lärm die Stimmung, mit Musik, Tanz und lautem fröhlichen Gelächter.

Als Lisa mit Domenik den Saal betrat, wandten sich alle Köpfe nach ihr um.

Alle Gespräche brachen mitten im Wort ab.

Ihr neues Kleid, aus grüner Seide genäht, umspannte ihre Hüften wie eine zweite Haut.

Es war im Rücken hochgeschlossen, während das Vorderteil nur aus einem Stoffstreifen bestand, der ihren Hals knapp umschloss.

Ihre Brüste waren ebenso knapp bedeckt wie ihre prachtvollen, nackten Schultern.

Nur ein breiter silberner Armreif schmückte die nackten, straffen Arme.

Im Saal brannte in der Mitte ein Feuer.

Die roten Flammen verwandelten das Grün des schimmernden Kleides in einen Goldton.

Scheu wichen die Menschen vor ihnen zurück und machten Platz.

Männer, die an ihren saftigen Hammelkeulen kauten, hielten inne und starrten sie mit offenem Mund an.

Ein leckeres Weib, dachten sich die Kerle, auch wenn sie neben ihren wohlgenährten Frauen saßen.

Freches und unverschämtes Weibsstück, hier so aufzutänzeln“, hörte Lisa, von der empörten und christlichen Ehefrau, aus dem Hintergrund.

Alte, mit dir spreche ich nicht.“, konterte Lisa spontan und schlagfertig zurück.

Gib Acht, wen du Alte nennst!“, meldete sich eine andere Frauenstimme. „Es gibt zwei Arten unter den Weibern.“ „Ein hübsches Mädchen ist wie eine Blume, eine Frau aber ist wie eine Eiche.“

Lisa hatte den Kopf in den Nacken gelegt und die Hände in die Hüften gestützt, während sie ihr Bein an Domeniks drückte.

Jeder aus dem Saal konnte ihre straffen Brüste sehen.

Auch wenn sie hängend, voll und prall gewesen wären, hätte sie kein Problem damit.

Provozierend für die Weiber nahm Lisa Domeniks Hand und führte sie an ihre linke Brustspitze.

Williges Weiberfleisch“, rief Lisa den Weibern zu, „ist immer köstlicher als unwilliges…“

Lisa setzte sich neben Domenik und er hatte einen Arm schützend um sie gelegt.

Unbeabsichtigt lag seine Hand auf ihrer Brust und ihr Arm war plötzlich hinter seinem Nacken.

Sie küsste ihn mit selbstsicherer Leidenschaft auf den Mund.

In diesem Moment drängte sich eine Gestalt durch die Menge, stolperte vor Lisa und Domenik und fiel hin.

Ganz langsam drehte er sich um, stützte sich auf die Hände und Knie und umfasste Lisas Bein.

Aa! Weißt du, dass du wunderschöne Beine hast?“, sagte er und drückte seine Lippen auf ihr Schienbein.

Eher er mit seinem Mund zu ihren Fesseln wanderte und weiter zum Fuß, stieß Domenik den Fremden um, so dass er wieder flach auf den Rücken fiel und sonderbar reglos liegen blieb.

Domenik schlug ihn ins Gesicht.

Er rührte sich nicht.

Lisa ließ ihre Verzweiflung erkennen.

Sie kramte in ihrer Tasche nach der kleinen Flasche Ammoniak.

Doch als sie sich über ihn beugte, umfasste er ihren Kopf und zog ihren Mund an sich, auf den er einen herzhaften Kuss drückte.

Domenik, der zwischen Lisa und den unbekannten Kerl getreten war, schlug dem Selbstsüchtigen mitten ins Gesicht, so dass seine Nase blutete.

Du verdienst keinen Mann, der dich so liebt wie ich“, schrie der Unbekannte wütend und versuchte wieder aufzustehen, um den Saal zu verlassen.

Domeniks Arm lag um Lisas Schulter, als er sie aus dem Saal führte.

Das zynische Gelächter der Männer und Frauen blieb gedämpft und verschwamm hinter ihnen.

Domenik setzte sich auf einen Baumstamm, als Lisa stehen blieb und sich an einen alten rustikalen Baum lehnte.

Sie musste immer noch an diesen Unbekannten denken.

Sein warmer Atem roch bitter nach Bier.

Sie versuchte auch nicht, ihm auszuweichen.

Es war einfacher, sich seine Küsse gefallen zu lassen.

Domeniks Zunge war größer und feuchter als die des Unbekannten.

Seine Hand tastete ihre Schenkel ab.

Sie nahm seine Hand und die Zunge im Augenblick gar nicht wahr.

Lisa fühlte sich so seltsam entrückt, als würde eine andere an diesem Baum lehnen und von Domenik geküsst.

War Lisa Laubeta in diesem Moment nur die Hülle einer verzweifelten und unglücklichen Frau?

Aber darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken.

Da war es besser, an gar nichts zu denken.

Oder an die Wolken, wie sie es schon als Kind getan hatte?

Aber man konnte die Zeit nicht aufhalten.

Ebenso wenig konnte man den Wind daran hindern, die Wolken umzuformen.

Lisa öffnete die Augen und sah Domenik neben ihr stehen.

Geh zurück zu deiner Frau, Aleksa!“, flüsterte Lisa und wandte sich von ihm ab. „Es liegt nicht an dir, das kannst du mir glauben.“

Lisa spürte für einen Augenblick die kalte Luft an ihren Brüsten.

Wie du es willst, Lisa.“, erwiderte er schockiert und verwirrt. „Lisa, hör zu, ich liebe dich!“

Ich will deine Liebe nicht“, sagte Lisa und weinte. „Geh und liebe Aleksa, so, wie du mich liebst!“

Domenik griff nach ihrem Arm und flehte sie an: „Komm, lass uns reden!“

Geh zu deiner Aleksa“, konterte sie zurück, „Ich will nichts mehr von dir.“

Ich liebe dich. „Du gehörst zu mir, ob du nun…“, schrie er, denn er fühlte sich wie ein ausgelesenes Buch, das man später wegwirft.

Doch Domenik hatte Lisa plötzlich von hinten gepackt und drückte sie fest an sich.

Im nächsten Augenblick rammte Lisa ihn die Ellbogen in den Leib.

Sie konnte ihn mit der Faust auf die Nase schlagen.

Domenik schrie auf und Lisa entglitt ihm.

Mit einer Hand hielt er sich die blutige Nase, die gebrochen war, und lief ihr nach.

Lisa hatte keine Möglichkeit, ihm zu entrinnen, denn er war schneller als sie, als sie über einen alten, wackligen Koppelzaun stolperte und schmerzhaft fiel.

Fass mich nicht an!“, schrie sie laut.

Ich sagte, komm!“, rief er und zitterte am ganzen Körper.

Er packte sie, hob sie hoch und trug sie bis zum Haus.

Ohne auf ihre Schreie und Tritte zu achten, die keiner hörte, weil jeder aus dem Dorf auf der Feier war, warf er sie auf das Bett.

Lisa, ich liebe dich“, beschwor er sie. „Ich habe mit Aleksa gesprochen.“ „Ich geh fort von hier… mit dir, Lisa.“

Sie hörte gar nicht zu.

Lisa wollte auch nicht hören, was er noch sagte.

Such die einen anderen Weiberarsch, den du bumsen kannst!“, schrie sie.

Lisa hatte sich einen Arm befreit und schlug ihn damit gegen seine Brust und sein Gesicht.

Er umklammerte ihre Hand und küsste sie auf den Mund.

In diesem Moment hasste sie ihn.

Lisa hasste ihn mehr, als sie jemanden oder etwas in ihrem Leben gehasst hatte.

Nein.

Lisa hasste ihn nicht.

Sie liebte ihn.

Gab es ein glaubwürdiges Wort, das die Begriffe Liebe und Hass in sich vereinte?

Lisa biss ihn.

Ganz fest in seine Lippe.

Er zuckte mit Schmerzen und blutiger Lippe zurück.

Geh und küsse deine Aleksa!“, sagte Lisa, „Ich kann sie auf deinen Lippen schmecken.“

Du bist eine berechnende und eiskalte Frau“, erwiderte Domenik, vom männlichen Stolz gekränkt.

Ja, ja. „Der Glaube macht Selig.“, konterte Lisa. Ich hasse dich. Ich verabscheue dich. »Lass mich endlich los!«

Hör mir zu…, ich liebe dich“, sagte er und kämpfte bei der Anstrengung mit seinem Atem.

Lisa spukte ihn an.

Als er ihren Arm losließ, um sich den ziehenden Speichel abzuwischen, kratzte sie ihn mit der freien Hand ins Gesicht.

Sein Gesicht trug mehrere tief blutende Kratzspuren.

Domenik packte sie grob.

Er packte ihre Haarflut und stieß ihren Kopf ruckartig auf die Matratze.

Lisa, ich liebe dich“, schrie er.

Wieder spuckte sie ihn an.

Sie amüsierte sich darüber und lachte spöttisch.

Du kommst nicht weg hier, wenn ich es nicht möchte“, machte er ihr klar.

Du kannst meinen schwachen Körper unterwerfen, aber nicht meine Seele.“, schrie sie ihm selbstbewusst ins Gesicht.

Du bist eine starke Frau, die weiß, was sie will“, sagte er, „du bist eine wilde, leidenschaftliche Frau mit Mut und Schönheit, als ich sie je bei einer Frau kennengelernt habe.“ Aber du bist auch eigensinnig und grausam. „In deiner Wut bist du gewalttätig, indem du andere seelisch vernichten willst.“

Das ist mir gleichgültig!“, erwiderte sie zynisch. Ich dachte, dass ich dich lieben könnte. „Aber das Gegenteil ist eingetroffen.“

Sieh mich an, Lisa!“, sagte er.

Sie wandte uninteressiert und gleichgültig den Kopf.

Sieh mich an!“, forderte er und fasste fest nach ihrer Wange. „Ich liebe dich, kapiere das doch!“

Lisas Hände konnten nichts tun, deshalb bäumte sie sich mit ihrem Unterleib auf und versuchte Domenik abzuschütteln.

Dabei landete sein Knie hart zwischen ihren Schenkeln und sie schrie mit quälenden Schmerzen laut auf.

Sofort gewann wieder ihr Zorn die Oberhand.

Deine dreckigen Hände sind auf meinen Brüsten.“, sagte sie abstoßend.

Sie setzte sich wieder zur Wehr.

Domenik drückte ihre Beine auseinander und versank in ihr.

Lisa fing zu weinen an.

Lisa, ich wollte ja nur, dass du mich liebst.“ Ich wollte, dass du mich berührst. Ich will, dass du für immer bei mir bist. „Ich liebe dich.“ Jammerte er ihr ins Ohr.

Sein fester Griff lockerte sich.

Ich liebe dich, ich liebe dich“, sagte sie spöttisch, „bla, bla, bla.“ Immer die gleiche Platte. »Ich kann das nicht mehr hören.«

Am nächsten Morgen standen Lisa und Domenik, der aufbrach und sich verabschieden wollte, auf den breiten Stufen der Villa.

Lisa war beharrlich anzusehen in ihrem bunten Kleid aus Seide, das die Brüste fast frei ließ.

Domenik stand vor ihr.

Lisa sah ihn an.

Und für einen Moment trafen sich ihre Blicke.

Domeniks Augen hielten den Lisas stand.

Zwischen Ihnen war nichts von Feindseligkeit.

Ein Leben ohne Liebe ist, als wäre man in einem Garten, in dem keine Sonne scheint und in dem alle Blumen tot sind.“, sagte Lisa leise zu ihm und war in sehnsüchtigen Gedanken.

Geh jetzt!“

Domenik setzte sich in seinen Geländewagen und ohne noch ein einziges Wort von der Zunge zu lösen, fuhr er los.

Vor ihm lag der stille Fluss, hinter ihm stand die Morgensonne.

Es war still über dem Land, sogar der Wind, der die Gräser bewegte, legte sich leicht.

Das leise Blöken der Schafe in den Hügeln war verstummt.

Von Weitem war nur der leise Ton der Weideglocke eines grasenden Schafes zu hören.

Domenik fuhr langsam durch ein gewaltiges und großes, offenes Tor, das auch schon wie eine zerfallene Ruine wirkte.

Er sah die neugierigen Blicken der Leute von gegenüber, als ob sie noch nie einen Fremden gesehen hätten.

Domenik hielt seinen Wagen auf dem leeren Marktplatz des Dorfes.

Er wurde von einem Mann beobachtet, der große, schwielige Hände hatte und Augen, von denen eine zum Himmel gerichtet war, während das andere zu Boden blickte.

Plötzlich sagte er grimmig: „Du bist doch einer aus der Stadt?“ Und was willst du hier? 

Domenik sah erst den Mann an, dann fragte er ihn: „Wer will das wissen?“

Der Mann rieb sich mit der schwielen Hand über die krumme Nase.

Der sonderbar feindselige Blick in den verzweifelten, schmerzgepeinigten Augen ängstigte plötzlich Domenik. Als eine alte Frau sich dem großen, kräftigen Mann zu wandte, glitten die Falten wieder von seiner Stirn.

Gastfreundschaftlichkeit ist die vornehmste Eigenart“, sagte die Alte zu dem Mann und beruhigte ihn.

Hör auf deine nette Alte!“, sagte Domenik und ging weiter.

Wieder warf der mutige und kräftige Mann Domenik einen kurzen Blick zu.

Auf einer Bank saßen drei Frauen und kicherten, wie die albernen Jungfrauen.

Sie warteten nur darauf, einem wohlhabenden Mann ihre weichen Schenkel zu öffnen.

Aber Domenik erfuhr später aus dem Gerede der Leute, dass jede reich ist.

Jede besitzt Land, wo das Gras den fröhlichen Rindern bis an die dicken Bäuche wächst.

Flüsse, in denen es so viele Fische gibt, dass sie in die Boote hüpfen sollen.

Eine junge Frau kam auf ihn zu und brachte ihm frisches Wasser zum Trinken, als Domenik sich auf eine Bank setzte, wo schon die Alten saßen.

Die Frau wischte ihm mit einem in kaltem Wasser getauchten Leintuch den salzigen Schweiß von Stirn und Nacken.

Hör auf einen alten Mann!“, sagte ein Alter aus der Reihe, der bemerkt hatte, wie die jungen Weiber Domenik zu zirpten: „Der viel länger gelebt hat als du… der mehr Frauen und mehr Konkubinen hatte, als du dir denken kannst.“ Liebe ist nichts weiter als das Begehren. „Seit ich zurückdenken kann, lebe ich mit derselben Frau zusammen.“

Begehren weicht der Gewohnheit“, sagte ein anderer Weise-Mann aus der Reihe, der auch schon viele Lebensjahre hinter sich hatte. „Wenn eine Frau aufrichtig ist, dann ist sie gut, wie jede andere.“

Diesmal meldete sich eine Alte zu Wort, die dem Alten seine Frau ist: „Ich habe euch, alte Männer, zugehört.“ Jetzt kann ich nicht länger schweigen. Was wisst ihr schon von Liebe? „Ihr habt so viele willige Frauen gehabt, dass keine euch etwas bedeutete.“

Die Alten schenkten dem Alten keine Bedeutung.

Zwei alte Männer verließen die Bank, um zurück zu ihren gutmütigen Weibern zu gehen.

Wenn Frauen vorbeigingen, ließen sie hin und wieder ein sparsames Lächeln sehen.

Die Alten saßen dem Rang nach im Uhrzeigersinn.

Domenik hatte unmittelbar nach seinem Zwischenstopp aufbrechen wollen, als eine Frau ihn an die Hand gefasst hatte und ihn zum lustigen und stimmungsvollen Tanz führte.

Das ist ein Heiratstanz“, hatte ein alter Mann Domenik über die Musik und den lauten Lärm zugerufen. Die anderen amüsierten sich und lachten voller Ironie. „Es wird dir nicht zusagen, was sich da abspielt.“

Doch die junge Frau hatte seine Lippen mit einem Kuss zum Schweigen gebracht.

Tanz mit mir!“, hatte sie gebettelt. „Tanz mit mir!“

Sie bewegte leidenschaftlich ihren Körper im Takt, als sei sie selbst ein Instrument, auf dem gespielt wurde. Sie wirbelte und drehte sich geschmeidig und war ein Teil der Musik.

Wenn sie sich im Kreis drehte, wirbelte ihr rotes Haar Flammen gleich um ihre Schultern.

Immer mehr Leute reihten sich im Tanz ein.

Der Lärm des Klatschens und der Gesang von Frauen und Männern und einer Gitarre waren wie betäubend.

Hand in Hand sprangen die Männer und Frauen.

Domenik wurden plötzlich die Augen verbunden, als die Frauen, die inzwischen fast alle nackt waren, sich von ihm abtasten ließen.

Ein bunter Blumenkranz wurde ihm auf den Kopf gesetzt.

Die Frauen knieten sich vor ihn hin.

Domenik schwieg.

Dann riss er sich die Augenbinde ab und schürzte die Lippen und bedachte den Frauen einen besonderen Blick.

Du kannst aus freien Stücken in mein Bett kommen.“ Wenn nicht? „Dann lasse ich dich von den anderen Frauen holen.“, sagte die Frau. Damit entzog sie sich mit einem Ruck und ging. Um den betrunkenen und übel riechenden, nackten Körpern auszuweichen, lief und sprang sie an denen vorbei.

Sie rieb sich plötzlich den Arm, als ein fetter Mann sie packte und in die nackte Brust kniff.

Die Frau versetzte ihm einen Fausthieb, der ihn leicht zurücktaumeln ließ.

Dann zog sich ein leichtes Lächeln wie im Traum seine Gesichtszüge und er sank zu Boden wie ein nasser Sack.

 

 

Kapitel 8

Clarisa Zalis Parfüms war nicht zu entkommen, als sie Lisa Laubeta einen Besuch machte und die breiten Treppen zur Eingangstür hinauf stolzierte. Es war ein Duft, den Lisa nie vergessen kann. Lisa musste es wissen, denn sie hatte einmal genug davon, um ihre Badewanne zu füllen. Zu diesem Zeitpunkt wusste Lisa Laubeta, dass sie etwas Besonderes war.

Lisa!“, rief sie mit heller und übertriebener fröhlicher Stimme.

Lisa sah zwei Hunde, wie zwei bissige Brüder immer dichter herankamen.

Ihr Knurren klang wie tief in der Kehle knirschender Kies.

Clarisas starker Parfüm-Duft drang in Lisas Haus ein, noch bevor sie selbst es tat.

Clarisa lachte über die kläffenden Hunde und blieb hinter der geschlossenen Haustür stehen, die ein kleines Guckfenster hatte, um sie anzusehen.

Ihr Mund war vor Erstaunen wie ein Ballon, aus dem man die Luft herausließ.

Lisa wusste gar nicht, dass sie so viel Sinn für Humor hatte.

Es war laut vor dem Haus, aber Lisa ging in die Küche und öffnete zwei Bierbüchsen.

Dann stellte sie diese auf den Tisch im Wohnzimmer.

Das ist genau das Richtige bei dieser Hitze“, seufzte Lisa und grinste.

Die nächsten Minuten saßen beide schweigend da, schlürften ihr Bier aus der Dose und rauchten eine Zigarette, danach eine zweite und noch eine dritte.

Clarisa Zalis ist groß und war dünn geworden, als hätte man lauter Lineale zu einer Holzfigur zusammengenagelt.

Ihr blondes Haar hing als schlaffer Pferdeschwanz herunter.

Ihre Augen hatten die Farbe von angelaufenen Fünfcentstücken.

Die Haut sah gelb und fleckig aus wie die Finger eines Rauchers, würde man sagen.

Nur auf ihren Wangen prangten kreisrunde, rosarote Flecken, die fröhlich leuchteten, als ob sie sich in die Wangen gekniffen hätte.

Lisa, du wirst dich fragen, was dieser Überfall eigentlich soll?“, fragte Clarisa.

Sie lachte wieder.

Was ist los?“, fragte Lisa.

Clarisa plapperte darauf los.

Sie ging dabei mit ihrem Kopf immer hin und her.

Ihre Hände hielt sie zwischen den Knien zusammengepresst.

Es gibt zu viele Großmäuler, die sich einbilden, die Welt zu verändern.“, fing Clarisa zu erzählen.

Na ja, vielleicht stimmt sogar“, entgegnete Lisa und grinste.

Hier machte Clarisa eine Pause und schaute Lisa an, als wollte sie Lisa fragen, was sie davon hielt.

Clarisa nahm einen Schluck aus ihrer Dose. Dabei schwappte das Bier so heftig, dass ihr etwas davon über die Lippen und auf ihren Schoss tropfte.

Lisa nippte lachend an ihrem Glas.

Ich dachte, dass mich hier eine depressive Frau, eine Freundin, erwarten würde“, sagte Clarisa. Ich bin sozusagen hergekommen, um zu sehen, wie es dir bis heute ergangen ist. Aber was finde ich vor? Eine Frau mit Elan, Tatkraft, eine lebendige Mythologie. „Es ist, als wäre ich auf ein Geheimnis gestoßen.“

Lisa interessierte sich nicht für Clarisas Neugier.

Das muss ich erst mal verdauen“, murmelte Clarisa. „Man hat mir so wahnsinnige Geschichten über dich erzählt und diese waren so lebendig.“

Clarisa streckte ihre Hand nach Lisas aus, aber sie hatte die Bewegung erahnt und ihre Hände fest miteinander verschränkt.

Sie griff stattdessen zu ihrer halbvollen Bierdose.

Lisa, ich möchte dich verstehen, wie du es immer wieder schaffst, wenn dich ein Mann verletzt hat.“ Flüsterte Clarisa ihr zu. „Kurz, ich bin hier, weil ich dich verehre.“

Lisa Laubeta ist weder eine Aphrodite, eine Liebesgöttin, noch hatte sie einen Keuschheitsgürtel getragen.

Sie war nicht der Typ Frau, die lange in den Spiegel schaute, außer um sich einen Mittelscheitel in der Schambehaarung zu ziehen.

Wenn Lisa sich einen Mann anschaute, konnte sie ihre Angel so geschickt auswerfen, dass sich sein Herz daran festhakte.

Lisa Laubeta sammelte schon so viele Herzen von Frauen und Männern, dass sie sich dachte, sie würde diese Herzen irgendwann satt haben.

Aber das war nicht der Fall.

Lisas Zauber pulsierte in Clarisa.

Er schoss durch ihre Adern.

Clarisa erstarrte zu einem Eisblock, als wenn sie daran zugrunde geht.

Es ist nicht möglich, Außenseiter im Leben zu sein“, flüsterte Clarisa, „ohne dass man die Konsequenzen zu spüren bekommt.“

Clarisa, du schätzt an mir gerade die Eigenschaften, die meine Liebhaber fürchteten.“, sagte Lisa und dachte noch einmal darüber nach.

Lisa erlaubte Clarisa, für unbestimmte Zeit in ihrer Villa zu wohnen.

Die Menschen von Costa Rica kommen aus den Schreckensmeldungen im Radio nicht mehr heraus.

Ein psychisch kranker Häftling ist aus der Heilanstalt entflohen.

Zara, die Heilkräuterhexe, klebte gerade im Zimmer beschriftete Schilder auf ihre Kräutergläser.

Sie unterbrach ihre Arbeit, um einen Augenblick aus dem Fenster zu schauen.

Zara seufzte und wischte sich die klebrigen Finger an ihrer faltenreichen Schürze ab.

Sie keuchte.

Zara war dick.

Sie trug ein formloses, bunt gestreiftes Kleid, das sie stets gerne trug.

Plötzlich ruckte es laut an ihrer Haustür und ein fremder Mann trat gewalttätig ein.

Ersetzte sich schnell auf die Sofakante und grinste frech Zara zu.

Zara war verängstigt und ihre verteidigenden Worte erstarrten.

Zara nahm zitternd im Schaukelstuhl Platz.

Sie faltete verängstigt ihre plumpen Hände im Schoss und wartete geduldig.

Alte“, begann er, „erinnern Sie sich an einen Namen wie Slesare?“

Slesare?“, erwiderte sie mit zitternder Stimme.

Sie legte ihr Gesicht nachdenklich in Falten.

Nein“, sagte sie dann, „der Name sagt mir nichts.“

Er runzelte die Stirn und blickte auf den alten, befleckten Teppich zu seinen nackten Füßen.

Zara kratzte sich leicht die Wange.

Ihr abgestandener Atem wurde kürzer.

Ja, jetzt erinnere ich mich schwach“, sagte Zara.

Ihr Atem wurde kürzer und sie legte eine mit Angstschweiß belegte, raue Hand auf ihren hängenden Busen.

Oh ja, Slesare, der aus den Bergen?“, fragte sie erschrocken. „Dieser grässliche Mann!“ „Wie konnte ich das nur vergessen?“

Der Bursche war mächtig durcheinander.

Zara richtete sich steif auf.

Der Mann war ein Narr.“ sagte er schroff. „Fragen Sie nach ihm, wen Sie wollen!“

Der Mann seufzte.

Ich bin Slesare“, sagte er. „Überrascht?“

Slesare schloss für einen Augenblick die Augen und ballte die Fäuste im Schoss.

Wie dem auch sei…“, fuhr Slesare fort und tupfte sich den stinkenden Schweiß aus dem Gesicht. „Wir reden nur, solange wir müssen, und keine Minute länger.“

Der dünne Mann hob eine knochige und schmutzige Hand.

Bitte, Alte!“, sagte Slesare. „Der tragische Verlust von meiner lieben Frau und dem Baby, dem sie das Leben schenken wollte, während der dramatischen Geburt hat mich völlig gebrochen.“ Ich bin aber nicht zu Ihnen gekommen, um die Vergangenheit noch einmal durchzukauen. „Was geschehen ist, ist geschehen und ich kann es nicht ungeschehen machen.“

Slesare fasste die Polizei später volltrunken mit einem Komplizen, als sie in einer alten Bank einbrach.

Außer ein paar Geldstücke und ein paar wertlose Aktien hatten sie nicht gestohlen.

Die Bank war leer.

Der Richter schickte Slesare für sieben Monate und drei Tage in den Knast.

Dort kam man zu dem Schluss, dass er geistig unzurechnungsfähig war.

So wurde er in eine geschlossene Heilanstalt überwiesen.

Seitdem ist er ununterbrochen ohne Freigang dort gewesen.

Seitdem sind jetzt neun Jahre vergangen.

Zara knüllte den Rand ihrer Schürze mit den Händen zusammen.

Jetzt bin ich frei gekommen“, sagte er stolz.

Frei gekommen?“ „Was meinen Sie damit?“, konterte sie mutig.

Ausgebrochen“, erwiderte er.

Zara stand auf, ihre glockenförmige Hülle schwankte ein wenig.

Ihre Stimme zitterte immer noch ein wenig, als sie sagte: „Wollen sie damit sagen, sie sind jetzt auf der Flucht und sie wollen jetzt hier für einen Moment untertauchen?“

Die Anstalt war ungefähr dreihundert Kilometer von Zaras Hütte entfernt.

Zara schlug die Hände vor das Gesicht.

Aber ich bin ganz allein hier draußen!“, rief sie ihn zu. „Sie können mich glatt im Schlaf ermorden und keiner bekommt es mit.“

Sie unterdrückte ein Schluchzen.

Es tut mir leid“, sagte er, „Aber das ist im Augenblick noch nicht möglich, sie zu ermorden.“ Nicht, solange ich keine sichere Information besitze. „So wie die Dinge im Augenblick liegen, ist es weiter nichts als eine fiktive Idee von Ihnen.“

Ja, ja“, antwortete sie wie betäubt.

Slesare lächelte.

Er stand auf.

Und jetzt hätte ich nichts gegen einen kühlen Schluck einzuwenden“, sagte er.

Zara blieb stumm vor Angst.

Alte?“, fragte Slesare. „Habe ich nicht einen alten Ford hinter der Hütte gesehen?“

Nein“, antwortete sie krächzend. „Du hast keine Wagen gesehen.“

Aber ich meine doch…, ich glaube…“, sagte er.

Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten!“, sagte Slesare wütend. „Wann werdet ihr alten Weiber endlich lernen, eure krummen Nasen nicht in andere Leute Dinge zu stecken?“ 

Als der Abend hereinbrach, waren Zaras Nerven doch beträchtlich ruhiger geworden.

Sie durfte für sich und den Mann ein Abendessen zubereiten, von den Resten des Vortages.

Einen Augenblick später hörten Sie einen Hund in der Nähe der Hütte bellen.

Als das laute Bellen andauerte, stand sie auf und trat ans geschlossene Fenster.

Bei der plötzlichen Erinnerung an die drohende Gefahr fuhr Zara schlagartig wieder die schreckliche Furcht in die Glieder.

Slesare ging zur Tür, schloss auf und blickte in eine Leere, die nichts preisgab.

Er schloss die Tür wieder, schob den Riegel vor und zurück zu Zara.

Unten, in ihrem Keller, gab es ein plumpes Geräusch, als ob etwas auf den feuchten, kalten Steinboden gefallen sei.

Zara lachte und sagte zynisch: „Eine Ratte.“

Bestimmt ist es eine Ratte, Alte“, sagte Slesare.

Nach ein paar Minuten sprang Slesare vom Sessel auf, ging leise aus der knarrenden und wackligen Tür und verschwand, ohne ein Wort zu verschwenden.

Tage später, als sie mit allen Mitteln jeglichen Kontakt nach außen verhindern will, ahnen die Leute aus dem Dorf, dass Zara ein schreckliches Geheimnis vor ihnen verbirgt.

Clarisa, dein Essen ist fertig.“, musste Lisa jeden Abend rufen und dann mit ansehen, wie sie es wie eine Kranke aß.

Einen Aufstand hätte Lisa gerne in Kauf genommen.

Aber dies war eine komplizierte Form von Kapitulation.

Wenn Lisa darauf bestand, dass Clarisa langsam essen möchte, stocherte sie nur lustlos im Essen herum.

Clarisas dunklen Augen wurden von Minute zu Minute größer, als würde sie jeden Moment über Lisas Gesicht schlittern.

In der Nacht konnte Lisa nicht schlafen, obwohl sie die platt gedrückten Federkissen aufgeschüttelt hatte.

Die bunt karierte Steppdecke, die für die milde Witterung zu schwer und erdrückend war, hatte sie ans Fußende geschoben.

Ihr Kopf war voll von unbefriedigten Ereignissen, die sich angestaut haben.

Sie wünschte sich einen Fingerschnipp, um diese jammernden und wehklagenden Gedanken zu ersticken.

Erst gegen Morgen fiel sie in einen leichten, quälenden Schlaf.

Angespannt und verkrampft war jeder Muskel an ihr in diesem Augenblick, ihre Fäuste würgten die weißen Laken und ihre Zähne bissen ins Kopfkissen.

Aber als sie aufwachte, waren ihre Gedanken in alle Richtungen zerstoßen, wie gesplittertes Glas.

Es war ein milder Morgen und Clarisa saß schon auf der Terrasse hinterm Haus, um die Morgenröte willkommen zu heißen.

Lisa war damit beschäftigt, im Pool ein paar Runden zu schwimmen.

Clarisa stolzierte durch die Küche und ihre nackten Füße klatschten über den glanzlosen Fußboden.

Sie holte sich ein Glas frische Milch.

Lisa, du hast dir Gedanken gemacht, nicht wahr“, sagte Clarisa. „Du ärgerst dich wohl immer noch über meinen plötzlichen Auftritt?“

Clarisa behielt die kalte Milch einen Augenblick im Mund und spürte den Kuhgeschmack auf der Zunge.

Kopfschüttelnd antwortete Lisa: „Ich denke an alte Geschichten.“

Erzähl sie, erzähl sie, bitte!“, bat Clarisa laut und emotional neugierig.

Wie eine Süchtige rückte sie mit ihrem Liegestuhl heran und verschüttete fast die Milch.

Das ist eine alte Geschichte, von vor fast zwölf Monaten oder mehr, ich weiß es auch nicht mehr so richtig“, sagte Lisa.

Lisa erzählte ihr von Andy Pala, den sie nur ein wenig kennengelernt hatte.

Clarisa hörte gespannt zu.

Sie zog die Knie an die Brust und wackelte mit den nackten Zehen.

Lisa erzählte von der Liebe zwischen Lisa und ihrem Andy.

Heute hat sie erkannt, dass sie immer das Gegenteil von dem tun mussten, was sie eigentlich wollten.

Meine Geschichten über die Männer haben nie ein leidenschaftliches Happyend, Clarisa“, warnte Lisa.

Lisa fuhr fort und erzählte, dass sie mit ihren Männern nie richtig zusammenkamen, wie manche erst glaubten.

Das ist wie bei mir“, warf Clarisa ein und drückte sich vor Neugier den spitzen Daumennagel ins Knie.

Aber Lisa wollte zu diesem Thema nichts mehr sagen.

Denn diesen steinigen Weg hatte sie hinter sich gelassen und sie will ihn nie wieder gehen, niemandem zuliebe.

Den ganzen Tag schlich Clarisa missmutig im Haus herum.

Lisa riet ihr, heiß zu duschen.

Sie lächelte nicht einmal.

Wir gehen auf den Marktplatz, ein paar Sachen kaufen“, sagte Lisa aufmunternd, „das wird dich aufheitern.“

Sie wusste, dass Clarisa zusammen gekauert auf ihrem Bett saß, von vielen bunten Modezeitschriften umgeben.

Komm mit!“, sagte Lisa durch die geschlossene Tür. „Wir wollen ein bisschen über die Stränge schlagen.“

Nein.“, war ihre Antwort.

Lisa hinderte sie nicht daran, sich im depressiven, schwarzen und selbst bemitleidenden Kästchen zu verschließen.

Der Markttag war schon in vollem Gange, als Lisa dort ankam.

Ein Kinderkarussell war hell erleuchtet und warf neonfarbene Streifen.

Leere Kerne von Sonnenblumen knackten unter ihren Füßen und magere Hunde streiften hinter den Buden umher.

Lisa sah zwei wild gewordene Kinder, die sich um die Zuckerwatte stritten.

Sie durchkämmte mit den Augen die Menge.

Plötzlich sah sie ihn.

Den einen Arm hatte er um eine junge Frau gelegt, der andere lag leicht auf der Schulter einer anderen Frau.

Die beiden Frauen waren Freundinnen, aber auch sehr verschieden in ihrer Ausstrahlung.

Die eine war fast ein Achtzig groß und bewegte sich anmutig.

Sie hatte lange Zöpfe, die sie wie eine kleine Schweizerin um die Ohren herum festgesteckt hatte.

Ihr Gesicht hatte eine frische Farbe, obwohl sie keinen Lippenstift und Make-up benutzte.

Domenik Janik schien von ihrem Schein magisch angezogen.

Immer wieder suchte er ihren Blick.

Die andere wirkte viel älter.

Sie war einen halben Kopf kleiner und ihr Körper schlaff vor Müdigkeit.

Die Wimpern, die ihre Augen umrandeten, waren wie kurze Borsten.

Ihre Haare?

Sie glichen einem Dickicht.

Lisa sah Sie dann auch nur selten zusammen.

Es gab Lisa einen Stich, wenn sie Domenik mit den beiden Frauen sah.

Und plötzlich ärgerte sie sich über die drei.

Ihren unbeschwerten Gang, ihre verschränkten Arme und ihre fröhlichen Stimmen.

Lisa sah, wie die eine Frau ihre schlanke Hand in Domeniks Gesäßtasche steckte.

Lisa war alles so leid und dabei so trübsinnig, dass sie sich die Mühe machte, Domenik mit den zwei Frauen nachzusehen.

Stellenweise sah Domenik immer noch gut aus.

Seine Gesichtszüge drängten sich in der Mitte zusammen.

Ich möchte Riesenrad fahren“, dachte sich Lisa. Sie kaufte sich eine Karte.

Als ihre Gondel die oberste Stelle erreichte und sie von oben auf das Land hinaussah, spürte Lisa einen plötzlichen Sog.

Die Schwerkraft zerrte an ihren nackten Füßen, als sie sich ihren Schuhen entblößte.

Sie fühlte sich schwer, wie ein von der Erde angezogener Magnet.

Es war für Lisa ein köstlicher Augenblick.

Mit ihrer Gondel ganz oben blieb plötzlich das Riesenrad stehen. Lisa glaubte, dass die Anziehung die Mechanik durcheinander brachte.

Die Betreiber des Riesenrades brüllten zu ihr und den anderen in den Gondeln herauf: „Wir kriegen das gleich wieder in Ordnung.“

Aber Lisa war überhaupt nicht besorgt.

Ein junger Mann erhob sich in seiner Gondel und verbeugte sich zu Lisa.

Führe mir was vor“, sagte Lisa mit ihrer feschen Ironie.

Er stützte sich mit der Hand auf den Sitz und mit der anderen auf die Metalllehne und hob seine Beine vorsichtig zum Handstand.

Vergnügt zog er auch noch an der Zigarette zwischen seinen Zähnen.

Bis auf die gewaltige Spannung in seinen kräftigen Armen sah er ganz friedlich aus.

Lisa hörte staunende Leute nach Luft schnappen.

Aber keiner schrie.

Lisa schmunzelte vor sich hin und versuchte, in der schattigen Ferne Domenik mit seinen zwei Frauen in den Armen zu erspähen.

Aus dir hätte ein Akrobat werden können“, sagte Lisa zu dem Mann.

Und dann, einfach um die verrückte Sache interessant und spektakulär zu machen, brachte er die Gondel sanft zum Schaukeln.

Am nächsten Morgen wachte Lisa in ihrem Bett voller Asche auf.

Das Schlafzimmer war grau vom Rauch.

Clarisa, deren Gleichgewichtssinn vom Whisky jetzt Legende war, hustete sich gerade wach.

Lisas Haar fiel nach vorne und bedeckte ihr Gesicht und sie zog sich schweigend ihren Morgenmantel an.

Wir sind starke Raucher.“, sagte Clarisa. „Lisa, das wird uns eines Tages zu schaffen machen.“

Lisa setzte sich kurz zu Clarisa auf die Bettkante, bevor sie das Schlafzimmerfenster öffnete.

Sie fuchtelte mit ihren Armen in der Luft herum.

Wie konnten wir hier nur im Zimmer atmen?“, beklagte Lisa sich.

Clarisa grinste nur.

Wenn Lisa nachts im Bett lag, dachte sie sich: Wer weiß, vielleicht streicht gerade in diesem Augenblick in Gedanken ein Märchenprinz mein Gesicht und er fährt mit der Zunge über die stumpfen Enden meiner Wimpern und kostet die salzigen Tränen, die aus meinen Augen sickern.

Lisa war davon überzeugt, dass sein Körper schwer war und sein Mund brannte.

Und die Pein in seinen Gliedern würde nicht enden, denn es gab keine Erlösung in alledem.

Das leidenschaftliche Verlangen entbrannte von Neuem, sobald sich unsere nackten Körper getrennt hatten.

Clarisa hatte mit der Zeit aufgehört, ihr Parfüm zu benutzen.

In den letzten Wochen war sie so dünn geworden, dass ihre Schulterblätter wie Flügelsätze hervorstanden.

Die Hitze war noch immer drückend und Clarisa hatte sich angewöhnt, ein Seidentuch um den dünnen Hals zu tragen.

Clarisa, deren Körpertemperatur mit dem schwindenden Gewicht gefallen sein musste, sah auch noch vollkommen frisch aus.

Lisa saß reglos und stumm in der Küche.

Die warme Luft stand im Raum.

Clarisa hielt Ausschau nach den Wolken am Himmel.

Lisa war völlig ruhig und im Augenblick hatte sie volles Vertrauen in die Zukunft.

Sie summte vor sich hin.

Lisa dachte, dass Clarisa in diesem verrückten Alter ist, wo alles ein bisschen überspannt ist, und in ein paar Jahren wird sie schon wieder zu Verstand kommen.

Clarisa würde sich irgendwann einen Liebhaber suchen und jeden Abend zu ihm sagen: „Ich gehe.“

Aber Clarisa würde nie weit kommen.

Lisa lachte noch in ihrer Küche.

Sie hörte schon die Frage, die Clarisas Lippen wieder und wieder formen sollten: „Warum kann ich nicht weggehen, wenn ich es mir doch so sehr wünsche?“

Lisa hatte die Antwort, die Clarisa nie hören würde.

Parat.

Aber sie schwieg.

Monique Lyer drückte eine Taste der Sprechanlage und rief Alfonso Zuckermann zu sich und schickte ihn dann zu Lisa Laubeta ins Büro.

Alfonso!“ Ich habe mir die Sache nach unserem Telefongespräch noch mal genau überlegt. „Mit der üblichen Sache, die Presse zu informieren, bringen wir nicht nur genug Material von wirklichem Kaliber zusammen, womit man so einen Mann in die Knie zwingen kann.“

Oh? „Meinen Sie, Lisa!“, sagte Zuckermann.

Zuckermann wartete, was da jetzt wohl noch käme.

Bei ihm in seinem klugen Kopf hinter der treuherzigen Fassade hatte eine Alarmglocke geschrillt.

Jetzt hieß es auch für Alfonso Zuckermann: Vorsicht!

Umsicht!

Wachsam sein!

Und immer schön behutsam, Alfonso, wenn die Presse um einen schleicht.

Alfonso Zuckermann lenkt das Thema zu seinen Gunsten.

Denn wenn erst die Presse von dem ganzen Geschehen einen Wink bekommt, dann ist er auch in Gefahr.

Und muss untertauchen.

Also, Lisa.“ „Der Pressekram taugt nichts“, sagte Zuckermann. „Wir brauchen diesmal was Lebendiges. Lebendiges Weiberfleisch, verstehen Sie? Ein paar atemberaubende Hühnchen. Von der allerbesten Qualität. Hardi Schmidt ein bisschen nuckeln und knabbern lassen. „Unseren deutschen Geschäftsmann Appetit machen, ihm einen kleinen Mord anhängen und das dann anschließend vor Gericht bezeugen.“

Also, ein klarer Fall von Manipulation“, erwiderte Lisa, „und selbst gebastelten Zeugenaussagen.“ Wenn Sie sich da bloß nicht in den Finger schneiden. Außerdem nicht ganz ungefährlich, würde ich meinen. „So ein Spielchen mit dem Gesetz und so.“

Aber!“, beruhigte Alfonso Lisa. „Wenn das einer hinkriegt, dann nur Sie, Lisa!“

Das Kompliment über die Einmaligkeit ihrer Fähigkeiten hatte Lisa sichtlich gut getan.

Das Fleisch beschaffe ich“, sagte Lisa, „Ich weiß schon, wo.“

Da beißt er sich mit der eigenen Zunge in die eigne Zunge“, sagte Alfonso. „Um es mal ganz geistreich zu sagen.“

Alfonso Zuckermann lachte und war seiner unmoralischen Sache sehr sicher.

Geistreich möchtest du ja auch noch sein, dachte er sich, und mit Lisa Laubeta dachte er sich, wie Bonnie und Clyde solche aufregenden Sachen machen.

Alfonso versuchte bei den Gedanken das Lachen nicht zu vergessen.

Noch einen Vorschlag, Lisa?“, fragte Alfonso.

Bitte, keine weiteren Details jetzt“, erwiderte Lisa ironisch und lachte.

Warum nicht, Lisa?“, fragte Alfonso. „Hast du Skrupel?“

Kaum.“, konterte Lisa.

Je weniger Mitwisser“, sagte Alfredo, „desto mehr Hände habe ich in der Firma, die ich brauche für den zugegebenermaßen unwahrscheinlichen Ernstfall.“

Ich muss diesmal auf Nummer Sicher gehen.“

Das kleinste Risiko muss auch ausgeschaltet werden“, gab Lisa zu.

Sie sind eine clevere Frau, Lisa.“, sagte Alfonso.

Halb so wild, Alfonso.“, grinste Lisa. „Ich bin nämlich noch ein bisschen cleverer, als Sie ahnen.“

Der Nachmittag war wolkenverhangen.

Was macht der Mann?“, dachte Lisa sich, aber noch, ehe sie die Frage ausgesprochen hatte, wusste sie die Antwort.

Sie fuhr mit dem Wagen zum Reitstall und ritt aus.

Lisa hatte wie immer nur wenig geschlafen.

Mitten in der Nacht legte sich Clarisa so nahe an Lisa, dass sie ihren Atem an ihrer Schulter spürte.

Ganz vorsichtig versuchte Lisa, sich umzudrehen, um Clarisa nicht zu stören.

Es war ein herrlicher Tag.

So hell und frisch wie ein duftendes Gänseblümchen.

Kurz nach der Mittagsstunde, als schon auf dem Boden der Terrasse keine grauen Schatten zu sehen waren, meldete sich Clarisa taumelnd und immer noch im Halbschlaf.

Lisa saß im Liegestuhl und die Tageszeitung rutschte ihr aus der Hand.

Clarisa stand im Türrahmen zur Terrasse und half mit einer Hand, ihren nackten Bauch warm zu machen.

Na?“, fragte Lisa, „es wird auch Zeit.“ „Ich dachte schon, du würdest für den Rest deines Lebens den Tag verschlafen.“

Ja, mein Liebes?“, erwiderte genervt und maulig Clarisa.

Sag mir nicht, was du kannst oder nicht kannst!“, sagte Lisa. „Nur weil du eine Frau bist, heißt das nicht, dass du es zu nichts bringen kannst.“

Blöde Zicke“, fuhr Clarisa Lisa an und holte zu einem leichten Schlag aus, um mitten in der Bewegung innezuhalten.

Sieh mal einer an“, entfuhr es Lisa. „Endlich einmal hast du etwas Nützliches und mit Verstand getan.“

Später war Lisa auf der Koppel mit ihrem Hengst beschäftigt.

Das Fell des Sonnenscheins schimmerte wie eine Sonne, harte Muskeln und fein gezeichnete Venen wurden sichtbar, als das Pferd nervös tänzelte.

Die prachtvolle Mähne flutete über den gewölbten Hals.

Bei jedem Geräusch spielten die wohlgeformten Ohren.

Der Kopf war edel, mit einer breiten Stirn, großen Augen und geweiteten, bebenden Nüstern.

Ruhig Sonnenschein“, redete Lisa dem verspielten Pferd zu. „Ganz ruhig..."

Als Risko bemerkte, dass Lisa auf der Koppel ist, lief er los.

Nun, was gibt es?“, rief er atemlos.

Als Risko nach den Zügeln fasste, bäumte sich das Pferd auf und schlug mit den schwarzen Hufen durch die Luft.

Ganz ruhig!“, sagte Lisa zu Risko ebenso wie zum Pferd.

Risko verzog das Gesicht mit dem Dreitagebart, als hätte er etwas Saures geschmeckt.

Das ist ein edles Prachtpferd und macht seinem stolzen Erzeuger alle Ehre.“, sagte Risko.

Lisa warf einen Blick zum Himmel, der ungewöhnlich klar war und nur über der Küste einen dünnen Wolkenstreifen zeigte.

Lisa übernahm das Halfter und tätschelte ihren Sonnenschein, während sie ihm ein Stück Apfel zwischen die weißen Samtlippen schob.

Lisa legte den Arm um die Schulter von Risko.

Risko verzog das Gesicht und schüttelte den Arm ab.

Lisa schwieg.

Lisa!“, sagte Risko. „Du bist eine gute Frau.“

Er nahm ihre Hand und drückte einen Kuss darauf.

Er hielt sie noch umklammert, als sich seine Augen nachdenklich schlossen.

Sein Griff wurde erst fester, dann lockerte er sich und Lisas Finger entglitten ihm.

Lisa fast nach seiner Hand.

Risko!“, sagte sie.

Sie drückte seine Hand an ihre Wange. Tränen erstickten ihre Worte.

Heute…, der Tag hatte es in sich“, dachte Lisa, als sie am Abend mit ihrem Wagen auf der Straße, gesät mit vielen Schlaglöchern, nach Hause fuhr.

Lisa war heute Nachmittag mit einer Bombenstimmung vom Grundstück ihrer Villa gebraust, den Kopf voll mit den scharfen Einzelheiten ihres Schlachtplanes für einen Mandanten.

Jetzt kehrte sie froh gelaunt und zufrieden als Siegerin heim.

Ha!“, flüsterte Lisa vor sich. „Das war wohl die tollste Reiterschlacht gewesen, die ich je geritten hatte.“

Lisa hatte ganze Arbeit geleistet.

Sie war selbst äußerst überrascht gewesen.

So hatte sie noch keiner beraten. Das hatte die Mandantin Donna Torn Lisa ausdrücklich bestätigt.

Donna Torn, mit wogenden Brüsten und schon wieder mit wollüstigen, hungrigen Augen, die nach mehr verlangten, wie vermögende und gut aussehende Männer.

Lisa Laubeta geht bei dieser schmackhaften Sache aufs Ganze.

Sie will alles auf eine Karte setzen.

Und wenn die Karte auch gezinkt war: Das Spiel war gefährlich.

Gerade die Gefahr reizte die verwegene Lisa, wie sie sich in manchen Situationen selbst titulierte.

Wenn ich nur noch verwegener bin als jeder Gegner“, dachte sich Lisa, „dann werde ich auch Tony B. und alle anderen Männer zur Strecke bringen.“

Dass Lisa auch mal über ihre, bei Licht besehen, etwas zweifelhafte Verwegenheit stolpern könnte, das kam Lisa im Augenblick nicht im Sinn.

Anderswo nannte man Lisa eher „die Gottesanbeterin“.

Doch damals, in Deutschland, war sie nie in der Kampflinie gewesen. Sie war immer weit genug hinten.

Hinter ihren Startanwälten.

Na ja, der Fall Donna Torn gegen Toni B. war eigentlich kaum der Rede wert, resümierte Lisa weiter die amüsanten Erfolge dieses Tages.

Toni Bakster, ein Unternehmer, ein Multimillionär, der überall in der Wirtschaft seine Finger, wo es nach Geld stank, hatte Lisa mit dem kleinen Finger zerquetscht.

Wie eine Fliege?

Eine fette Beute für Lisa.

Ansonsten?

Ein Kinderspiel für Lisa Laubeta.

Den Fall konnte Lisa als erledigt betrachten.

Der sollte sie nicht mehr kitzeln, denn Donna Torn bekommt jetzt

10 Millionen US-Dollar Unterhalt im Monat gezahlt.

Eine Menge Geld für ein Leben in Costa Rica.

Aber Donna Torn reichte es noch nicht ganz.

Sie wollte sein Leben, sie wollte seine Seele brechen.

Alles Andere war für Donna Torn bestens geregelt.

Der Richter hatte Recht.

Nur, wie recht er hatte bei diesem Plädoyer, das ahnte Lisa Laubeta bei Donna Torn noch nicht.

 

 

Kapitel 9

Der grandiose Blick auf den Ozean hinaus versetzte Lisa jedes Mal wieder in Hochstimmung. Und heute?

Mit dem Honorar in der letzten Woche fühlte sie sich wie ein lebensfroher Engel, der mit den Taschen voll heimkehrte. Auf einer menschenleeren Kreuzung bog sie in die private Zufahrtsstraße ein, die zu ihrer Villa führte.

Rund um ihr Grundstück hatte sie eine hohe Mauer errichten lassen und nur an der Einfahrt konnte man einen neugierigen Blick hineinwerfen. Das gewaltige weiße Tor, ein Prunkstück aus originellen Ornamenten, war ihr besonderer Stolz.

In den Ausmaßen hatte es gerade so rein gepasst.

Aber dieses faszinierende Spielzeug öffnete sich automatisch und völlig geräuschlos beim Heranfahren Ihres Wagens.

Vom Feinsten, selbstverständlich.

Doch Lisa hatte sich diesen Spaß immerhin viel Geld kosten lassen.

Konnte sie sich das leisten?

Ohne mit der Wimper zu zucken.

Und wenn sie einen ihrer Ex-Ehemänner angerufen hätte.

Lisa erinnerte sich immer wieder daran, wie weit sie es gebracht hatte.

Von ganz unten, herauf, bis zu dieser Villa am exklusiven Beach von Costa Rica.

Das magische Tor öffnete sich leise.

Lisa stieg aus ihrem Wagen und war mit wenigen beschwingten Schritten an der Haustür.

Lisa glaubte, ihr Leben würde einen so glücklichen Verlauf nehmen, wie sie sich es gerne gewünscht hätte.

Doch es sollte nicht immer sein.

Das Leben ist wie ein Drama?

Wie eine Baustelle?

Wie eine Ruine?

Wie ein Kunstwerk?

Oder.

Wie ein Witz?

Wie schon einmal gelebt?

Oder? Oder. Eine Illusion?

Wie ein Labyrinth mit stachligen Hindernissen, dachte sich Lisa.

Die Menschen planen ihr Leben, als bewegten sie Figuren auf dem Schachbrett mit Bedacht von Feld zu Feld.

Die intellektuellen Vollidioten unter ihnen aber zeigen sich wie launische und ahnungslose Spieler.

Als Lisa Laubeta ihr Leben durchschritt, bewegte sich die Finsternis auf die strahlende Sonne zu.

Lisa war ein fröhliches und strahlendes Kind.

Und das konnte auch keiner leugnen.

Ein paar Jahre waren erst vergangen und Lisa krabbelte schon herum. Sie kaute eifrig an dem hölzernen Armreifen ihrer Mutter.

Lisas Mutter nahm sie vorsichtig in die Arme und küsste das duftende Haar.

Lisa bot ihrer Mutter den vom Speichel feuchten Holzarmreifen an, aber ihre Mutter drückte den Mund an Lisas nackten Hals und plusterte sie an, so dass die kleine süße Lisa laut kicherte.

Lisas Mutter legte sie zurück ins Kinderbett, worauf auch gleich aus Protest ein lautes Klagegeschrei ertönte.

Lisa sah ihre Mutter mit einem herausfordernden Blick an.

Für einen Moment lächelte sie ihre Mutter an.

Plötzlich fing Lisa laut zu Brüllen an.

Tränen liefen ihr übers Gesicht.

Lisas Vater, der sich gerade eine Zigarre anzündete, ging zum Kinderbett und hob den weißen Schwan aus Plüsch, den Lisa in ihrem Protest aus dem Bett befördert hatte, auf.

Sofort verstummte das Geschrei und Lisa schenkte ihrem Vater ein liebevolles Lächeln.

Er hob sie hoch und küsste sie auf die Wange.

Die kleine Lisa fing zu plappern an.

Wie ihre Mutter“, sagte er und legte Lisa wieder ins Bett zurück.

Als er an Lisas Mutter vorbei zu seinem Sessel ging, versetzte er ihr einen Klaps auf den Hintern.

Toll, du schlägst mich auf den Arsch, als wäre ich deine Hure“, beklagte sie sich lächelnd und animierend im Scherz.

Er packte ihre Hände und drehte sie zu sich um.

Er griff dann unter ihren lockeren Faltenrock und kniff sie leicht in die nackten Hinterbacken.

Ein feuriges Weibsstück bist du.“, sagte er.

Ich will mit dir schlafen.“ Erwiderte sie.

Er drückte sie auf seinen Sessel und schob ihren Faltenrock über die Knie, ehe er sich auf ihrem Schoss niederließ.

Er küsste Sie leicht.

Sie erwiderte seinen Kuss wie ein Vampir mit voller, inbrünstiger Leidenschaft.

Auch nach so vielen gemeinsamen Jahren schaffte er es, ihr mit einem Kuss den Atem zu rauben und einen kalten Schauer in ihrem Körper zu verursachen.

Auch jetzt verspürte sie dieses Prickeln nach einem willenlosen Verlangen.

Ihre kalte, feuchte Zunge suchte seinen Mund, als wäre es das erste Mal, dass sie ihn küsste.

Ihre leidenschaftliche und hemmungslose Erregung entflammte ihn wie ein Inferno.

Er küsste sie leidenschaftlicher und hob sie hoch, so dass er sie auf seinen nackten, haarigen Schoss setzen konnte.

Er wölbte ihr sein Becken entgegen.

Auf seine harte Männlichkeit hob er sie dann und drang mit einer einzigen Bewegung ein.

Ein heller Wonneschauer überlief Sie.

Er zog sie näher und stieß zu.

Sie wiegte sich genussvoll und ließ ihn immer tiefer eindringen.

Zu Beginn ihrer Beziehung war sie in ihrer Wollust immer unersättlich und wollte schnell genommen werden.

Nachdem er ihrem verlangenden Drängen nachgekommen war, ging er behutsamer vor.

Er drang mit seinem steifen Glied in geheime Winkel ihres zarten, heißen Körpers vor, bis sie von neuem in Ekstase geriet und sich verzückt aufbäumte.

Immer wieder entdeckte er Neues an ihr, und jedes Mal, wenn er sich ihr der Liebe hingab, war sie überraschend anders.

Die Miene zeichnete sich immer in ihrer Leidenschaft mit einer gewissen Wildheit und der Zärtlichkeit folgte.

Sie stöhnte laut vor Wonne auf.

Den Kopf hatte sie zurückgeworfen und dabei den Mund geöffnet.

Seine warmen Hände lagen um ihre Taille und brachten sie dem himmlischen Augenblick näher, in dem alle Spannungen aus ihrem Gesicht weichen würden.

Als die kleine Lisa zu schreien anfing, reagierte die Mutter in ihr instinktiv.

Denn sie änderte ihre Haltung.

Die leidenschaftliche und himmlische Wonne erlosch, wie eine eiskalte Flut.

Doch er war schon zu weit gekommen, um ihr ruckartiges Zurückweichen zu akzeptieren.

Unsanft packte er sie und rückte sie zurecht.

Jetzt stieß er wilder zu.

Die Leidenschaft weckte in ihr erneut.

Die Lust überwand den Instinkt.

Als die kleine Lisa wieder aufschrie, hörte ihre Mutter es nicht.

Denn Sie wollte es nicht hören.

Ihr Körper war taub vor Wollust.

Er küsste sie auf die Stirn und Augenlider und seitlich auf den nackten, zierlichen Hals.

Lisa war plötzlich verstummt.

Lisas Vater kontrollierte den Blick und wanderte zu ihrem Bett. Seine Frau lächelte und er strich ihr das lange Haar zurück und küsste sie leidenschaftlich.

Als ich dich das erste Mal auf der Diskothek gesehen habe“, sagte er, „war ich überrascht, dass ich jemanden so lieben konnte wie dich.“ „Jetzt liebe ich dich noch mehr als damals.“

Wieder fing Lisa zu schreien an.

Die Kleine war kurz eingeschlafen und wieder erwacht.

Ihre Mutter drückte schnell ihrem Vater einen Kuss auf die Wange und richtete sich auf.

Ging zu Lisa ans Bett und nahm sie hoch.

Mit der schreienden Lisa an der Brust ließ ihre Mutter sich in einem Schaukelstuhl nieder und versuchte sie wieder zu beruhigen.

Ihr Vater ging ins Badezimmer und ließ die Badewanne mit heißem Wasser volllaufen.

Lisas Händchen lagen zusammengefaltet wie schlafende Blumen an der Brust der Mutter.

Als der Vater aus dem Badezimmer kam, lächelte er seiner Frau entgegen und deutete mit einer leisen Geste, dass er baden wollte.

Lisas Mutter nickte und folgte ihm später, als Lisa beschloss, wieder im Rhythmus des Schaukelstuhls einzuschlafen.

Es gibt Leute, die sagen, Lisa könne unglaubliche Erinnerungen an ihre Kindheit haben.

Aber Lisa Laubeta hatte welche.

Sie erinnerte sich daran, wie sie dicht mit ihrem Vater beim Mittagsschlaf beieinander lag.

Schon damals machte Lisa große Pläne.

Ich komme als Erste dran“, sagte sie zu ihren Freundinnen.

Und so war es.

Sie drängte sich an ihre Freundinnen vorbei.

Jeden Tag in der Schule ein Stückchen mehr.

In der schrecklichen Eile, die Welt zu erobern, steckte sie all ihre Kräfte.

Ihre geliebte und besorgte Mutter sagte oft zu Lisa, mit einem gezielten und ausgeprägten Willen: „Langsam kommt man auch ans Ziel.“

Aber Lisa wand sich jedes Mal ab und schüttelte den Kopf, weil sie es nicht anders haben wollte.

Ihre Mutter bewunderte Lisas glühende Energie.

Lisas laute Stimme, die bis ins nächste Zimmer drang und all ihre Geheimnisse verriet.

Es war auch eine große und erschreckende Überraschung für die Eltern, als Lisa eine Frau wurde.

Sie war zwölf Jahre alt und entsetzt über das Blut.

Lisa versteckte sich im Badezimmer und weigerte sich, für emotionale Stunden hinauszugehen.

In diesem Augenblick hörte Lisa zum ersten Mal ihre Mutter in ihrem Leben weinen.

Sie hatte nicht einmal geweint, als sie sich auf ihren Wellensittich, Kieki, in der Stube auf einen Sessel setzte.

Ihre Mutter hatte nicht einmal geweint, als zwei Tage nach Lisas Blinddarmoperation die frische Naht wieder aufplatzte.

Nur überrascht hatte sie ausgesehen, als hätte sie einen Pups gelassen.

Aber jetzt schluchzte sie wie eine jaulende Hündin, und ihr vollschlanker Körper ließ ihr Ehebett erzittern.

Ihr Vater faste sie besorgt an der Schulter, aber sie drehte sich mit einem heftigen Ruck weg.

Ihre Mutter jammerte laut und Lisas Vater versuchte erst gar nicht, ein beruhigendes Wort aus dem Mund entgleiten zu lassen.

Er legte vorsichtig den Arm um ihre Schulter und drückte sie tröstend an sich.

Über die Jahre hörte Lisa, was die anderen Mädchen flüsterten: „Lisa ist die Hübschere im Dorf.“

Lisa erwartete in ihrem Leben, dass sie als erste von zu Hause weggeht.

Sich in eine unmoralische Beziehung stürzt – mit einem wohlhabenden und amüsanten Mann?

Sich in der unbekannten und gefährlichen Welt herumzieht?

Oder jemand anderem beibringen wird, ihren zarten und sanften Körper freizügig, aber behutsam zu berühren?

Lisa Laubeta freute sich auf ihre aufregenden Abenteuer.

Aber dann?

Plötzlich kam unversehens Bewegung in ihr eintöniges und langweiliges Leben, als sie gar nicht darauf gefasst war.

Sie war schon ein Jahr aus der Schule und arbeitete als Hausdame in einer Adelsfamilie.

Genauer gesagt, Lisa war die Hausdame einer Grafschaft, die vor vierzig Jahren von England nach Deutschland eingeheiratet hatte und inzwischen mit ihren Enkeln und Urenkeln uralt geworden ist.

Diese Gesellschaft konnte offenbar immer noch nicht glauben, dass sie sich im Märchenland Deutschland befanden.

Lisa kam sonst mit der Gesellschaft gut aus, denn zu diesem Zeitpunkt war Lisa Laubeta ruhig und sie war fasziniert von den Geschichten der alten Dame, die ihr spannend erzählt wurden.

Lisa hatte den Abend vor dem Kamin bei einem Glas Rotwein verbracht und sich in eine weiche, kuschelige und bunte Decke eingmurmelt.

Aus einer spontanen Laune heraus tupfte sie sich ein paar Tropfen Rotwein hinter die Ohren und an die Handgelenke.

Überraschend lachte sie auf und schnupperte am Handgelenk.

Sie kam sich gerade so appetitlich vor.

Lisa grinste und dachte: „Gut, dass nur ich da bin.“

Das rustikale Holz im Kamin knisterte in den wärmenden Flammen.

Sie sah dem Treiben der hellen und bewegten Flammen nach und dachte an ihre erotischen Liebschaften zurück: „Wie viele Nächte, wie viele Morgen und wie viele Tage hatte ich ihre Gesichter nicht nur im Spiegel gesehen?“ Wie oft hatten Sie den Mond auf meiner zarten Haut gerochen? Wie oft haben die Geliebten meine Wange dort berührt, wo ich von der Sonne erwärmt war? Wie oft heben diese Liebschaften bei der unmoralischen Liebe das Haar aus dem Gesicht gestrichen? 

Lisas Atem ging schneller, wenn sie sich daran erinnerte und versuchte, ihre Fragen selbst zu beantworten.

Sie war so veränderlich, dennoch frisch wie jede Jahreszeit.

Ihr langes Haar hing ihr im Gesicht.

Lisa hatte bei dieser Sache keine Bedenken, wenn sie morgens einem ziemlich zerknautschten und unerkannten, wilden und ungezähmten Wesen ähnelte. Ihre Männer fanden diesen puren Look ganz besonders sexy.

Lisa hatte in ihrem sonderbaren Leben immer eine offene Lebenseinstellung und dachte sich auch, warum sie auf den Abend warten sollte, wenn schon der Morgen herrlich und amüsant swingen kann.

Sie fühlte sich immer und überall verführerisch.

Ein paar heiße Momente. Und danach? Ihre Frisur steht. Wilder und günstiger kriegt Lisa das nirgends.

Auch das Make-up kann sie sich dabei sparen, denn jetzt ist die Haut auch so rosig schön, da die Gesichtsmuskeln dank Knutschtraining restlos entspannt sind.

Lisa hatte immer den Gedanken bei einer wilden Orgie, dass nach einer halben Stunde Sex etwa dreihundert Kalorien weniger auf den Hüften sind.

Sie hatte festgestellt, dass die Männer morgens heiß sind. Ihr Testosteronspiegel ist dann höher als sonst, glaubt sie.

Bei Lisa Laubeta ging es immer um puren Sex.

Sie musste nie das ganze Verführungsprogramm, wie sich fett essen, reden, immer nur reden, das Ganze noch einmal langweilig abreden und dann noch langsam strippen oder abgespult haben.

Lisas Hände wurden kühl, doch in ihrem Mittelpunkt war sie heiß und weich, wie feucht.

Das Feuer im Kamin knisterte voller Romantik.

Sie hatte eine Art, sich im Mittelpunkt zu schließen und wieder zu öffnen, dass sie alles um sich vergaß.

Ihr Mittelfinger vergrub sich tiefer in die heiße Feuchtigkeit, als ob sie in ihren Gedanken ertrinken wollte.

Wenn der Tod kam, dachte sich Lisa, wollte sie in einem solchen Augenblick in den Armen eines Mannes sterben.

Und dann?

Ja, dann war sie da!

Die köstliche Ekstase des vulkanischen Höhepunktes.

Sie drückte ihr Gesicht in ein Kissen.

Unmittelbar nach dem Höhepunkt hatte Lisa das Gefühl: Ein großer, weißer und freier Vogel stieße vom Himmel herab und trüge sie an einen geheimnisvollen Ort der Träume.

Doch das schöne Gefühl verging nach einigen Atemzügen.

Sie berührte ihr Gesicht mit den Fingern, die mit dem Liebesduft ihrer feuchten Grotte befeuchtet waren.

Sie führte ihre Hände an der Nase und an den Mund, schnüffelte und leckte daran mehrmals, um den sich noch einmal zu spüren.

Lisa lächelte.

Am nächsten Morgen fuhr Lisa mit dem Wagen schon früh zum Ausritt in die Stallung, wo Risko Lisas Pferd bereits für sie sattelte.

Risko stieß einen einzigen Namen laut hervor: „Lisa!“

Doch ehe Lisa etwas äußern konnte, hatte sie die Zügel ihres Pferdes vom Sonnenschein erfasst und sprang in den Sattel.

Sie bohrte dem Pferd die Fersen in die Flanken und trieb es unbarmherzig in den Wald, wo sie schon von weiten die Brüllaffen hören konnte.

Fast undurchdringliches Grün prägt den Regenwald des mittelamerikanischen Landes und deshalb können sich die Brüllaffen untereinander nur mit lauten Rufen verständigen.

Aber Lisa konnte keinen einzigen Laut verstehen von diesem Gebrüll.

Aber sie brüllte immer mit, wie sie es konnte. Laut. Die Brüllaffen erwiderten natürlich auch ihr rätselhaftes Gebrüll und glotzten erstaunt über ihren neuen Bewohner des Regenwaldes.

Plötzlich war für sie alles verstummt.

War dies ein wahnwitziges Spiel des Regenwaldes?

Wollten die Bewohner des Waldes Lisa Angst einjagen, um sie glauben zu machen, der Regenwald würde mit seinen umher summenden Insekten und fauchenden, wie kreischenden Tieren Lisa auffressen?

Die Sonne schien auf Lisa, und sie bemerkte, dass sie in diesem Moment nicht allein ist.

Lisa war zu Tode erschrocken und dachte, der Geist des Waldes würde sie holen.

Wortlos ritt sie den Pfad weiter.

Lisa strich sich mit den Fingern durch das Haar, dann beugte sie sich über das Pferd und küsste es.

Sogar die Vögel waren verstummt, man könnte meinen, dass die Welt tot ist.

Trotzdem war für Lisa jeder Tag anders.

Eines Morgens rief ein Mädchen Lisa zu, dass die Knospen vor dem Aufbrechen stünden und dass die Blüte einiger Heilkräuter nahe sei.

An diesem Tag flog eine Biene in Lisas Zimmer.

Eine Biene im Haus kündigte immer einen Gast an, so sagten die alten Weiber im Dorf.

Unwillkürlich musste Lisa an diese Worte denken.

Lisa hatte schon lange nicht mehr geweint, als sie daran dachte, wie sie das letzte Mal in der Situation gewesen war.

Lisa hatte das beklemmende Gefühl, keine Tränen mehr zu haben.

Sonnige Tage und kühle Nächte vergingen.

Lisa dachte an Andy Pala und Domenik, Domenik Janik.

Sie hatte aber nicht mehr die Kraft, um zu weinen.

Zuweilen aber konnte es geschehen, dass die dramatische und gefühlvolle Erinnerung durch eine winzige Kleinigkeit umso deutlicher aufflammte.

Es weckte eine Flut von schmerzhaften Gefühlen und schöne Erinnerungen der leidenschaftlichen Liebe an Andy.

In diesen Momenten stiegen Lisa unweigerlich die Tränen in die Augen. Ihre Stimmungen wechselten so unvermittelt an diesem Tag.

Im Laufe ihres Lebens erfuhr Lisa Laubeta Leid, denn Schmerz ist Teil des zeitlosen Kreislaufes aller Dinge.

Lisas Schmerz würde irgendwann vergehen.

Sie beschloss, nur noch an die Zukunft zu denken und nicht an die Vergangenheit.

Und die Unbefangenheit stellte sich bei Lisa wieder ein.

Lisa frühstückte genussvoll Äpfel, Brot, Honig, Beerensaft und Schinken.

Nach dem Frühstück beschloss sie, etwas Ganz Verrücktes zu unternehmen.

Lisa war in guter Stimmung.

Sie hatte das Gefühl, dass das Gefühl von Schmerz über die Vergangenheit sich dem Ende zuneigte.

Denn sie hatte sofort damit angefangen, in die blühende Zukunft und nicht mehr in die Vergangenheit zu blicken.

Auf dem Weg zur Kirche bereitete sie sich darauf vor, Gott um Vergebung zu bitten.

Der katholische Priester mit dem schiefen Mund war der Allerletzte, den Lisa in der Kirche anzutreffen erwartet hätte.

Ich bin hier, um Gott um Vergebung zu beten“, sagte Lisa.

Der Priester spürte, wie Lisa die Tränen in die Augen stiegen, denn beim Anblick der Madonna wurden in ihr Erinnerungen an ihre Kindheit überflutet.

Der Priester war erstaunt, Lisa in so einer Verfassung zu sehen.

Kein Lächeln, kein Stirnrunzeln.

Lisa faste nach einer Banklehne.

Ich habe schon viel von der Schönheit, der Madonna, gehört“, sagte Lisa überrascht. „Die Leute hatten oft von ihr gesprochen und die Wahrheit gesagt.“

Sie ist das lieblichste Geschöpf, das jemals die Erde betreten hat.“

Schon zu lange war Lisa betrübt gewesen.

Nun wollte sie wieder glücklich sein.

Eines Tages kam Ayla zu Lisa ins Haus.

Sie kam eines Nachts wie ein Traumbild.

Ungeachtet Lisas Größe und ihrer Trunkenheit schaffte Ayla sie ins Bett.

Sie nahm sich Lisa an, kühlte ihr die Stirn, wenn der Wein in ihr tobte.

Lisa sah erst die Decke an, dann Ayla.

Letzte Nacht hatte ich einen merkwürdigen Traum“, flüsterte Lisa Ayla zu. „Ich träumte, ich wäre ein weißer Schwan, der sich in Eis verwandelte.“

Ayla sah Lisa so eindringlich an, als wolle sie ihre Gedanken lesen.

Du bist sehr schön“, sagte Ayla, und du trägst deinen Kummer in dir. „Öffne dich und lass deinen Kummer heraus!“

Lisa hörte draußen, wie ein altes Weib auf dem Weg vorüber humpelte und in einem Korb Pilze und abgebrannte Kerzenstummel sammelte.

Es war eine zahnlose Alte mit eingefallenem Mund, grauen, milchigen Augen und schütterem, weißem Haar.

Lisa musterte Ayla.

Ein junger Mann klopfte wie ein besessener Psychopath an die Haustür.

Es war Toni Bakster.

Er hätte ebenso gut klingeln können.

Aber er zog es vor, die Bewohner springen zu lassen.

Auch das war so eine arrogante Bestätigung seines Wohlstandes und seiner fiktiven Bedeutung.

Das konnte er sich gar nicht oft genug bestätigen lassen.

Ayla öffnete ihm die Tür, aber mit einer ungewohnten, ängstlichen Miene.

Auch ihre Stimme klang plötzlich anders als sonst.

Zurückhaltend und monoton?

N…' Tag, Schönheit“, sagte Toni Bakster, anmachend und grinst frech.

Was ist denn los?“, erwiderte Ayla unbeachtet auf seine schleimige Anmache.

Was soll schon passiert sein?“, konterte er zurück und lehnte sich in die Mitte des Türrahmens, so dass Ayla die Haustür nicht mehr schließen konnte.

Nach dieser Ankündigung, die auch nicht zur üblichen Begrüßung gehörte, fürchtete Ayla weitere Fragen.

Was zum Teufel ist denn hier los?“, rief Lisa.

Toni Bakster stellte fest, dass Lisa im Schlafzimmer ist, und da wollte er doch gleich mal nach dem Rechten sehen.

Er stieße Ayla mit einer leichten Handbewegung beiseite und ging gezielt ins Schlafzimmer.

Lisa lag angezogen auf dem Bett, das Gesicht immer noch in den Kissen vergraben, und wurde von Weinkrämpfen geschüttelt.

Na ja, dachte Toni, das gleiche Thema bei den Frauen.

Denn sie heulen bei jeder Gelegenheit.

Toni widerte es an und er wurde sauer.

Soll sie bloß nicht glauben, das wäre jetzt die neue Masche, mich rumzukriegen, dachte sich Toni.

Zu Ihrer Emanzen-Sex-Prozedur?

Um sich wieder in romantische Seelenstimmung zu versetzen?

Da bist du schiefgewickelt, dachte sich Toni und grinste.

Denn bei diesem Gejammere konnte Lisa in seiner Hose keinen Aufstand verursachen.

Und Ayla?

Toni Bakster hatte Durst und forderte Ayla auf, ihm ein Glas voll mit Whisky zu bringen.

Dieser dämliche Anblick von den trübsinnigen Frauen wirkte allein schon wie eine Hängematte. Toni trat ans Bett und legte seine Hand auf Lisas Schulter.

Er setzte zu einem freundlichen Tonfall und sagte: „Hey!“ Hey, Baby! „Nun dreh mal den Wasserhahn ab, sonst ersaufe ich noch in deiner salzigen Pfütze.“

Toni?“, stellte Lisa plötzlich fest, denn sie haben sich Jahre schon nicht mehr gesehen.

Sie hatte ihn ja auch nicht erkannt an seinem Tonfall und dieser Anmachmasche.

Sein äußeres Erscheinungsbild hatte sich auch dramatisch verändert.

Er trug saloppe Kleidung, denn im Anzug fühlte er sich einfach nicht mehr wohl.

Toni fing an, die Krawatten zu hassen, wobei Lisa diese bei ihm immer bewundert hatte.

Und sein gepflegter Umgangston?

War er nicht irgendwie anders?

Ach, du lieber Gott!“, dachte sich Toni überrumpelt.

Solche Wirkung auf Lisa passte ihm nun gar nicht in den Kram.

Lisa war bei der Berührung vom Bett aufgesprungen und hatte sich ihm an den Hals geworfen.

Sie hing an ihm wie eine Klette.

Sie heulte an seiner Brust.

Und noch heftiger als vorher.

Lisa weinte und weinte, ohne den Gedanken zu haben, einmal aufzuhören.

Sie klammerte sich mit lautem, stoßweisen Schluchzen an ihm fest.

Wie eine Klette.

O Toni!“, sagte genervt Ayla mit einem Glas Whisky in der Hand.

Mal wieder so eine ‚hysterische Sache mit den Frauen‘, überlegte Toni skeptisch und genervt.

Jetzt waren schon Ayla und Toni genervt, von Lisas Gejammer und Gejaule.

Am besten wäre eine gewaltige und kräftige Ohrfeige, um Lisa wieder zum Verstand zu bringen, dachten sich Ayla und Toni.

Doch bevor beide noch zu irgendeinem Entschluss kamen, hatte sich Lisa plötzlich von Toni überraschend losgerissen.

Sie starrte Toni an, als sei sie aus einem verrückten Traum erwacht.

War es ein schrecklicher Irrtum?

Der falsche Mann?

Umarmte Lisa ein abstoßender Fremdling?

Lisa blickte prüfend auf ihre Hände, als fürchtete sie, sich an ihm beschmutzt zu haben.

Verdammt noch mal!“, sagte Ayla zu Lisa wütend. „Schluss jetzt mit dieser hingebungsvollen Oper!“ „Reiß dich endlich zusammen und erkläre gefälligst das mysteriöse Geheimnis von Toni, was dich, Lisa, so total närrisch gemacht hat!“

Lisas Augen waren verschwollen.

Lisa hatte für sich beschlossen, mit dem Weinen aufzuhören.

Keine Träne mehr.

Sie war ganz ruhig geworden.

Zu plötzlich?

Und zu ruhig?

Unheimlich!

Lisas Augen wurden schmal und kalt.

Diese Kälte grenzte schon an offenen Hass.

Sie setzte sich nachdenklich auf die Bettkante.

Ayla, du setzt dich auch besser mal hin.“ „Da drüben auf den Hocker“, sagte Lisa.

In Lisas Stimme war eine Stimme, wie Ayla sie noch nie erlebt hatte.

Die Härte eines Befehls, die Ayla zwang, ihrer Aufforderung zu folgen.

Tonis Gehirn arbeitete in einem spektakulären Tempo, als Lisa ihn stechend ansah.

Denn er suchte hastig eine Erklärung, einen Grund, der

eine solche Wirkung rechtfertigen zu können, wie sein plötzlich skrupelloses Erscheinen.

Toni fand nur einen.

Und der krampfte ihm schmerzhaft den Magen zusammen.

Er nippte immer noch an seinem Whisky.

Lisa musste Ayla etwas von der Affäre mit Toni Bakster erklären, die sie mit ihm vor Jahren gehabt hatte.

Aber Ayla fand nichts Brauchbares, was sie jetzt noch erschüttern könnte.

Toni geriet plötzlich in Panik, denn die beiden Frauen machten ihm mit ihrem ironischen Gelächter und den absurden Gesten Angst.

Schweiß trat Toni auf die Stirn.

Der verdammte Bastard“, schrie Lisa.

Im gleichen Augenblick stand er als ein ganz armes, machohaftes Schwein auf der dunklen Straße.

Lisa und Ayla griffen an und setzten ihn vor die Tür.

Tonis Überlegenheit klang dabei hohl, unglaubwürdig und phrasenhaft.

Das war schwach, was er da lautstark produzierte, und das wusste Toni nur allzu genau.

Einen Moment war Lisa vorübergehend verwirrt.

Aylas Lippen hatten sich kaum bewegt.

Ihr Gesicht war nicht zu enträtseln.

Sie stöhnte theatralisch.

Eine schöne Scheiße!“, fluchte Lisa. „Die Kerle glauben, sie können mit uns machen, was sie wollen.“

Eine Masche, die mich langweilt“, erwiderte Ayla.

Lisas Augen hatten nicht einen Augenblick auf Aylas herzzerreißende Worte reagiert.

Es war darin nichts anderes zu lesen, wie eisige und verbissene Anklage bei den Männern.

Toni Bakster, die Saukerl, hat es sich nicht anders verdient, Ayla.“, kam es sehr deutlich und schneidend scharf von Lisas Lippen.

Ayla hörte draußen einen lauten Schrei, dennoch schienen sie und Lisa von diesem Geschrei keine Notiz zu nehmen.

Lisa und Ayla fingen sich allmählich.

Lisa war jetzt wieder in Form.

Wenn du schon die große Erinnerungstour bei Toni abgezogen hast, erinnerst du dich vielleicht auch an deine Kindheitsfreundschaften?“, fragte Ayla. „Toni konnte sich immerhin nicht mehr so genau daran erinnern.“ „Das hast du nämlich getan.“

Woher weißt du das so genau, he?“, konterte Lisa zurück.

Ayla zögerte einen Augenblick, dennoch sagte sie nichts.

Auch Lisa schwieg und ging ihren eigenen Gedanken nach. Jetzt nur noch schweigen, dachte sie.

Nur noch eine kleine Weile schweigen.

Aylas Gesicht entspannte sich.

Sie zeigte eine atemberaubende Schönheit, die man sonst kaum zu sehen bekam.

Oh ja“, stöhnte Ayla und grinste mit einem schrägen Blick Lisa zu.

Angezogen wie Lisa war, legte sie sich auf ihr Bett zurück.

Sie ließ das Licht brennen.

Lisa schloss die Augen.

Nicht, um zu schlafen.

Einen Augenblick?

Für einen Moment?

Nein!

Lisa wollte noch einmal alles durchdenken.

Wie sie es oft tat, denn jedes Mal gab es dabei noch etwas zu lernen.

Hatte Lisa nicht schon gelernt, sich selbst zu erkennen?

Hatte sie nicht schon hassen oder lieben gelernt?

Es war immer ein harter Weg für Lisa Laubeta gewesen.

Von damals.

Bis heute.

Von Anfang an!

 

 

Kapitel 10

Lisa Laubeta empfand keine Scham, als sie am nächsten Tag mit Ayla das Haus verließ.

Sie stiegen in den Wagen von Lisa und fuhren los.

Lisa stieg aus dem Auto, als auf der Straße eine Gruppe von neugierigen Einwohnern stand und die Straße blockierte.

Sie stand für einen Moment, so gerade sie konnte, und hielt einen Augenblick inne, um sich das Haar glattzustreichen.

Ayla wunderte sich einen Augenblick über Lisas Spontanität.

Wo ist der Tote geblieben?“, fragte eine alte Frau aus der Menge, die die anderen Glotzer zurück schubste.

Auf dem Weg in die Leichenhalle.“ hatte ein Polizist einfach gesagt, als habe der Fall nichts mit ihm zu tun.

Lisa streicht mit der Hand über den Stoff ihres mausgrauen Trenchcoats.

Sie bemerkte, dass sich jeder Gedanken machte, wer der Mann gewesen war, den ein Säufer aus dem Dorf entdeckt hatte.

Jeder erzählte eine Geschichte, eindringlich, von Mann zu Frau und von Frau zu Mann.

Aber damit hätten Lisa und Ayla nur den Rand eines dramatischen Erlebnisses.

Aber beide waren neugierig.

Der Säufer sagte die Wahrheit, allerdings nicht die ganze Wahrheit, denn er war immer noch durcheinander und ihm war nicht bewusst gewesen, dass dieser Mann tot war.

Er erzählte: „Ich habe gestern Abend auf dem Heimweg diesen Mann gefunden.“ Er lag auf der Straße und ich habe ihn beiseitegeschafft, damit man ihn nicht umfahren konnte. Ich habe ihn nicht umgebracht. Ich habe die Nacht über auf ihn aufgepasst. Am Morgen musste ich erschreckend feststellen, Er war tot. „Gibt mir was zu trinken!“

Wieder regte sich kein Verdacht auf den Säufer, denn die Polizei fand kein Messer.

Ich bin ein einsamer Mann“, erzählte der Säufer weiter, „der zurückgezogen lebt und nur noch seine Flasche zum Leben hat, um zu vergessen, der jeden Mittwoch zur Beichte und jeden Sonntag in die Kirche geht.“

War der Tote Toni Bakster?“, fragte Ayla.

Lisa ließ Ayla glauben, was sie wollte.

Denn es reichte, dass sie selbst so aufgeregt war.

Sie sagte nichts.

Es war das erste Mal, dass Lisa sah, wie wilde Hauskatzen das Blut eines Menschen auffleckten.

Der Tote selbst hatte 24 Messerstiche im Leib.

Mindestens.

Außer den Katzen und den neugierigen Bewohnern schien sich niemand für den Tatort mehr zu interessieren.

Er ist eine reine Wichtigtuerei bei den neugierigen Leuten.

Die glaubwürdige Wahrheit ist: Lisa und Ayla wissen nicht, was geschah.

Sie wissen nur, dass ein verwirrter Säufer mit einem Toten die Nacht gebracht hat.

Was Lisa sah, wirkte auf sie in der Umgebung, die so etwas wie die äußerste Gelassenheit der Natur und der Menschen zum Ausdruck brachte, durchaus verschroben und kapriziös.

Ihr geht zu viel durch den Kopf, um es in der augenblicklichen Lage ordnen zu können.

Ist es wirklich Toni gewesen, den man eiskalt abgestochen hatte?

Diese Frage beschäftigte Lisa.

Als Lisa nachfragte, behauptete ein Polizist, dass der Tote männlich ist, und auf die Frage, wer der Fremde gewesen sei, gab man ihr zur Antwort, dass es sich um ein Toni Bakster handelte – so stand es in seinen Papieren.

Kennen Sie die Toten, Toni Bakster?“, fragte der Polizist.

Lisa erwiderte: „Nein, dieser Mann ist mir unbekannt.“

Ayla holte tief Atem, um laut „Ja, wir kennen diesen Mann.“ loszurufen, um für Lisa zu antworten, aber sie stockte und blieb stumm.

Die Art, wie die Bewohner aus diesem Dorf selbst und miteinander umgingen, die seelische Mattigkeit oder Überdrehtheit, das Stumpfe in ihren Augen, die Lieblosigkeit ihrer gegenseitigen Berührung oder die vielen Ersatzhandlungen, ob es sich nun in Besäufnissen, Jammereien, Krankheiten oder in einem sich von jedweder Nähe Abschotten ausdrückte, redeten eine andere Sprache.

Die Moral christlicher Kirchen, die in vieler Hinsicht keinerlei Kenntnis von der Entwicklung eines Menschen von Costa Rica Rechnung tragen, ist eine der sprudelnden Quellen von Not und Zerstörung.

Ayla hatte es nicht weit, um nach Hause zu kommen. Sie ging zu Fuß, da Lisa mit dem Mord noch beschäftigt war.

Sie war auch nicht besonders überrascht über Aylas plötzlichen Aufbruch.

Das Leben von Ayla wurde von den Männern nicht gestaltet.

Es ergab sich von Tag zu Tag.

Männer interessierten Ayla.

Sie beobachtete sie gerne aus der Ferne und häufig, wenn sie am See Splitternackt badeten.

Aber diejenigen, die sich für sie interessierten oder mit ihr einließen, waren von gerade jener Farblosigkeit, die ihren Reizen erblasste.

Lisa hatte keine Lust mehr, weiter in die Stadt zu fahren, und fuhr nachdenklich nach Hause.

Am nächsten Morgen elektrisierte Lisa plötzlich die Erkenntnis, dass eine andere, aufregende und befriedigende Art des Daseins durchaus im Bereich des Möglichen lag.

Vorausgesetzt, sie würde zu einer handelnden Person.

Aber ein Wunsch ist eine Sache und seine Verwirklichung bekanntlich eine ganz andere.

Was kostet die Welt, glaubte Lisa.

Nämlich das Feld gehört den brillanten Draufgängern.

Bald aber lernte Lisa Laubeta die funkelnde Macht des Zuhörens kennen.

Jeder dritte oder vierte Kerl (das unterscheidet Frauen und Männern übrigens nicht, musste Lisa feststellen), sucht ein Ohr, dem er oder sie sich offenbaren kann.

Die Menschen sind so angefüllt mit unausgesprochenem Gelaber.

Dabei wird dem liebevollen Zuhörer das Vertrauen entgegengebracht.

Lisa trat plötzlich in die Rolle des Seelentrösters.

Sie könnte, wenn sie ein geduldiges Geschöpf der schwingenden Feder wäre, ein Buch darüber schreiben.

Welche Dummköpfe, die über schlauen Männern sind, und wie raffiniert die Frau ihre Männer bis auf das innige Entblößen.

So dass diese ohne etwas am Leib zum Schluss da stehen.

Betrogene Männer verheimlichen sich die Wahrheit.

Es hat Lisa später immer beunruhigt, in welch großer Anzahl Angehörige dieser Spezies gerade unter den Mächtigen und Erfolgreichen zu finden sind.

Wie auch ihre eigenen Männer es erfahren mussten.

So misstrauisch Männer auch im Beruflichen, bei Vertragsabschlüssen und politischen Abkommen, ja selbst bei Lektüre von Nachrichten oder der Beurteilung von Geheimberichten sind, so naiv wähnen sie ihre Frauen bei der Maniküre, wenn sie im kuscheligen Bett des leidenschaftlichen Liebhabers, dem Verlierer und Mittellosen im Leben, sind.

Oder angeblich bei der Fastenkur, wenn sie gerade mit dem anderen Liebhaber im Bett Urlaub machen.

Natürlich auf Kosten des naiven und lernenden Ehemannes.

Es gibt doch Kreditkarten für die lebendige und kostbare Frau, vom Girokonto des Mannes, dem Gewinner in seinem Job.

Lisa will allerdings nicht einmal ironisch bei den Leuten den Eindruck erwecken, dass sich ein vorwiegend wissenschaftliches Interesse zu ihrem sonderbaren Dasein lenkte.

Die Kraft der Sonne und die Schönheit der Natur im Zusammenspiel mit der Abwesenheit des Gewohnten erwecken logischerweise die Sehnsucht nach einer aktiveren Verbindung mit dem Glückseligen.

Für Lisa musste immer ein erfolgreicher Liebhaber auf sich achten.

Eben stets appetitlich, wohlriechend und gepflegt sein.

Lisa betet, dass Risko ihre Gedanken nicht wahrnehmen kann.

Risko?

Ein trauriger Zustand, zumindest ein guter Ficker.

Und er kann gut mit den Pferden umgehen.

Die Einheimischen wissen genau, dass Lisa Laubeta keine der ihren ist und sie selbst sich mit ihren modischen Klamotten ausstattet, um in ihr eine Einheimische sehen zu können und um sich solcherart selbst getäuscht und ungezwungen zu benehmen.

Lisa glaubte nicht, dass Perlhühner lachen, aber vieles an dieser durchaus anmutigen Person erinnerte sie an solch ein Tier.

Jene seltsame Dame, deren Name Lisa, da sie aus Deutschland stammt, Hannelore S., erfuhr, lernte sie am Strand von Costa Rica kennen.

Sie saß auf ihrem fetten Arsch da, der Schweiß lief ihr das Gesicht herunter und sie suchte vergebens Schatten, aber sie versuchte, eine Zeitung zu lesen, die eine englische Presse war, aber auch diese nicht lesen konnte.

Dafür war sie recht gut mit bunten Bildern ausgestattet.

Sie lachte immer wieder laut über das auf, was sie in der Zeitung stotternd las und sah.

Irgendwie und irgendwo mussten ein paar Brocken Englischwörter aus der Schule hängen geblieben sein.

Hannelores gewaltiger Körper besaß eine derart hohe Temperatur, dass Lisa aufschrie, als sie sich an einer einsamen Strandnische einander erstmals nackt umarmten.

Lisa, du gewöhnst dich daran.“, sagte sie besänftigend.

Aber es blieb wie das unangenehme Berühren einer glühenden Herdplatte.

Lisas Lust wurde, wie man sich vorstellen kann, in Fassungslosigkeit und Furcht verwandelt.

Was ist es?“, fragte sie Lisa.

Ich bin nicht das Wunderbare. „Nichts an mir ist wunderbar“, warf Hannelore empört ein.

An dieser Stelle endete die Begegnung, die Lisa mit einem ungewöhnlichen, miefigen und triefenden, quellenden deutschen Fettpolster machte.

Am nächsten Tag machte Lisa sich noch mal auf die Suche nach der deprimierten Hannelore, die sich ihren Kummer und ihren pseudonymen Stolz in Pudding und Schokolade steckte.

Aber alles, was sie entdeckte, war am gestampften Erdboden rechts neben der Haustür eine Melone.

Hannelore hat es endlich geschafft“, dachte sie selbst von sich.

Die Dicke aus Deutschland ist Fotoobjekt der teuren Werbekampagne für die neue Kollektion der Dicken.

Doch beim Fotoshooting mit einem bekannten Starfotografen kommt es zum Äußersten.

Er hält sie für eine absolute fette Niete und schikaniert sie in ihrer Umgebung auf das Übelste.

Hannelore ist verzweifelt auf der Suche nach Nähe und Wärme.

Sie wird sich der Kälte in dem Business endlich bewusst und rastet plötzlich aus, dass alle Fetzen fliegen, und reist früher als geplant nach Deutschland zurück.

Dann heiratest du ihn ja doch noch!“, neckte Eva Lisa einen Monat später, als ihre Schwester unangemeldet vor der Haustür stand.

Wen?“, fragte Lisa erschrocken.

Na, deinen Domenik.“, erwiderte Eva.

So hast du davon geträumt? Oder hast du es dir sehr gewünscht? „Konterte Lisa zynisch zurück.“

Lisas Schwester überraschte sie mit diesen nachdenklichen Worten.

Normalerweise hatte sie nichts als ihr Vergnügen im Sinn.

Dann fing Eva an zu zicken und Lisa rang ihre Schwester zu Boden.

Beide lachten laut los.

Lisa setzte sich rittlings auf Eva und kitzelte sie.

Bis Eva schluchzte.

Geh von mir runter!“, schrie Eva und lachte.

Du hast geträumt.“, sagte Lisa mit der beruhigenden Stimme.

Erzähl mir das Schlimmste“, drängte Eva Lisa. „Erzähl mir all die schlimmen Dinge, an die du dich erinnerst.“

Aber Lisa tat es nicht.

Sie meinte, dann würden die hingebungsvollen Bilder und schrecklichen Alpträume nie ein Ende geben.

Was war denn mit Domenik Janik?“, warf Eva Lisa ein neugieriges Stichwort hin. „Erzähl mir von ihm!“

Es heißt, Domenik hätte Costa Rica nicht verlassen.“, fuhr Lisa fort. „Wir haben uns getrennt.“

Eva nickte, um ihrer Schwester Mut zu machen, hielt aber den Blick auf den Tisch gesenkt.

Dieser Schuft!“, sagte Eva.

Jetzt sah Eva Lisa an.

Wir haben uns nicht auf böse Weise getrennt.“ „Ich glaube, es sollte so sein“, sagte Lisa. „Ich hatte meine Zweifel, was unsere Beziehung anging.“ „Wenn ich die Leute flüstern hörte, dass ich eine Hexe sei, die ihre Männer verzaubert und dann verschlingt, war ich erleichtert, im einundzwanzigsten Jahrhundert zu leben, wo diese Verdächtigung nicht automatisch zum Scheiterhaufen führt.“

Lisa stand auf und ging auf dem glänzenden Holzfußboden hin und her.

Sie erzählte Eva die unglaubliche Geschichte ihrer Vision, einer zutiefst persönlichen Erfahrung.

Eva empfand es als ein Privileg, die Worte zu hören.

Aber es machte Lisa ganz nervös, davon zu erzählen. Deshalb bewegte sie sich beim Sprechen um Eva herum, um von den Bildern im Kopf loszukommen.

Ihre Schwester spielte mit dem Feuerzeug in der Hand und rauchte dabei eine Zigarette.

Sie war von ihrer unverarbeiteten Erinnerung wie hypnotisiert.

Eva glaubte, dass sie in Gedanken in der Visionsgrube von Lisa stand.

Plötzlich merkte Eva, wie hungrig und durstig sie ist. Deshalb ging sie in die Küche und ging an den Kühlschrank, um sich zu bedienen.

Lisa ging hinüber zu dem großen Küchenfenster über ihre Spüle.

Sie schaute starr in die Ferne.

Eva lehnte sich gegen die Spüle.

Lisa ging zum Küchentisch und setzte sich.

In ihrem Kopf schwirrten Bilder, um sie zu beruhigen.

Eva sah sich in der Küche um.

Der wichtigste Platz einer gelangweilten Frau.

Mir tat Domenik leid.“, flüsterte Lisa. „Bevor er mich verlassen hat.“

Nicht so schlimm“, erwiderte Eva.

Sie griff über den Tisch und nahm Lisas Hände.

Das ist alles zu viel.“, flüsterte Lisa. „Ich habe das Gefühl ..."

Eva brachte Lisa zum Schweigen und zwickte sie an der Hand.

Lisas Schwester gefiel die Villa sehr, aber sie war mit ihrer eigenen Beziehung beschäftigt.

Ihr Freund war ein Weiberheld, der auch für seinen Job viel unterwegs war.

Er fährt einfach los.“, vertraute Eva Lisa an, sichtlich von dem Gedanken angetan.

Ich habe schon daran gedacht“, gab Lisa zu.

Manchmal tut Jam so, als sei das alles ganz normal.“, sagte Eva.

Dann kann ich mir schon vorstellen, wie es bei euch läuft.“, erwiderte verständnisvoll Lisa. „Du musst auf Dich aufpassen.“

Spät in dieser Nacht fiel Eva neben Lisa betäubt vor Erschöpfung ins Bett.

Eva war gleich eingeschlafen.

Lisa nahm ihre Schwester in die Arme.

Eva sah verstört Lisa an.

Am frühen Morgen saß Eva da, noch ganz verschlafen, und gähnte laut, dass man ihre Mandeln sehen konnte.

Ihre schlanken Beine hingen lässig über Lisas und ihre nackten Füße streiften den Boden.

Ihre Finger waren ineinander verschlungen.

Eva erhob sich von Lisas Schoss und tanzte nach der Popmusik, die im Radio spielt.

Sie nahm das Tanzen ernst und achtete auf ihre Haltung.

Lisa sah ihr zu.

Sie klatschte unermüdlich, als der Song zu Ende war.

Schwesterchen?“ Hast Du ein Kleid für mich? „Oh“, rief Eva über die Schulter.

Da müssen wir mal meinen Kleiderschrank fragen“, konterte Lisa und lachte, weil Eva so ungeduldig war, mit jedem Tag ungeduldiger, als würde sie irgendetwas im Leben verpassen.

Eva hielt im Schlafzimmer Lisa ein rotes Kleid hoch und lachte über den Schnitt. Sie strich über den Stoff.

Lisa winkte ab und tat so, als ob sie anderer Meinung wäre, wie Eva das Kleid stehen würde.

Aber Lisa hatte Recht, denn bei diesem Kleid würden die großen Brüste von Eva herausfallen, wenn sie sich bücken wird.

Eva hielt eine Hand hinter dem Rücken versteckt, damit Lisa sie besser bewundern konnte.

Sie lächelte Lisa zu, drückte einen Kuss auf ihre Wange und versetzte ihr gleichzeitig einen kleinen Puff auf den Arm.

Eva ließ den Türspalt offen und ging genervt ins Wohnzimmer, um ein bisschen in die Glotze zu sehen, um auf andere Gedanken zu kommen.

Lisa nahm alle Kleider aus dem Kleiderschrank und zog sogar noch das Kleid aus, das sie anhatte.

Splitternackt rannte sie laut lachend und mit viel Ironie zu Eva.

Hier!“, sagte Lisa und warf ihrer Schwester, die neugierig und gespannt auf dem Sofa saß, die Kleider hin. „Die wolltest du doch immer.“ Nimm die Kleider nur! „Nimm sie!“

Eva stand auf und rannte weg.

Sie fiel über eines der Kleider. Es war Lisas Lieblingskleid gewesen, an dem sie sehr hing.

Lisa sah, wie Eva ins Badezimmer lief und heulte. Sie hockte in der Ecke und vergrub ihren Kopf zwischen den Beinen.

Lisa hörte Eva immer noch durch die Badezimmertür weinen.

Eva, Schwesterchen, rief Lisa in Gedanken.

Eva.

Sie sprach ihren vollen Namen nicht aus, aber er dröhnte in ihrem Kopf.

Plötzlich öffnete sich leise die Badezimmertür und Eva kam direkt auf Lisa zu.

Wir müssen dir etwas anziehen, wenn wir noch etwas unternehmen wollen.“, sagte Lisa.

Ihre Augen waren glasig und geschwollen vom Weinen.

Dann kleidete sie sich an.

Sie streifte sich das bunte Kleid über.

Lisa Laubeta telefonierte mit Monique Lyer und sagte, dass sie alle Termine absagen soll, denn sie macht Urlaub.

Die Mandanten möchten sich von ihr einen neuen Termin geben lassen, zum 1. des folgenden Quartals.

Monique war von dieser Nachricht nicht gerade begeistert, denn Lisas Mandanten warteten schon mindestens eine Stunde auf sie und der Terminkalender war voll.

Dennoch war heute ein aufregender und schöner Tag.

Nicht nur für Lisa, sondern auch für Monique, nachdem sie allen Mandanten diese schmackhafte und erfreuliche Nachricht vermittelte und sie dann verärgert wieder gingen.

Monique sortierte alle Unterlagen vom Schreibtisch.

Damit hatte sie den Rekord erreicht, glaubte sie und fuhr mit dem Jeep an den Strand.

Lisas Praxis hatte sich äußerst erfolgreich entwickelt und ihr hohes Ansehen und ein beträchtliches Vermögen eingebracht.

Ihr berufliches Geschick war inzwischen in ganz Costa Rica fast schon legendär geworden.

Obwohl sie als Consultant für Recht und Wirtschaft der alten Schule nur ganz seriöse, saubere Fälle übernahm.

Aber sie verschmähte auch den schnellen Weg zum Erfolg nicht.

Das schnelle Geld kassierte sie schon vorher.

Dabei wurde viel schmutzige und stinkende Wäsche gewaschen.

Aber auch oft mit zwielichtigen Mitteln gearbeitet.

Die geschiedenen Frauen erleichterten ihre Männer häufig um Riesenbeträge.

Und die Anwälte.

Sie hatten dabei eine Schlüsselposition als Erleichterungsstratege.

Lisa erfüllte sich jeden Wunsch.

Sie zahlte manche überkandidelte Rechnung.

Lisa, Sonnengebräunt, sprudelte über von zahllosen Reiseerlebnissen.

Sie nannte ihren Aufstieg kometenhaft, worüber ihre Schwester wieder lachen musste.

Im Job ist Lisa exzellent, wirklich exzellent!

Als Mensch einfach ungewöhnlich!

Eva lächelte nur spöttisch.

Sie hütete sich, das Gegenteil zu behaupten.

Das wollte sie auf keinen Fall riskieren.

Lisa begann mit der grimmigen Feststellung, dass ihre Erfolge, auf denen sie ihre Zukunft aufbauen wollte, sie in eine doppelte Falle geführt hatten.

Sexuell?

Und geschäftlich?

Aus der sexuellen Falle, in die sie mit den krankhaft verkorksten Sexvorstellungen von den Männern geraten war, aber auch bei den Frauen gab es kein Ausweg.

Im vorigen Jahr war Lisa häufig bei dem Ehepaar Rita und Sam Konso zu Besuch gewesen.

Nun?

Lisa war wieder ganz in ihrem Element: als Sex in Person.

Mit allen Sinnen der ständig wachen, naiv unbekümmerten, unersättlichen, abenteuerhungrigen Sexualität ihres Wesens hingegeben.

Was der attraktive Sam und die liebe Rita schon auf einer Party bei Freunden mit geheimer Magnetkraft gegenseitig angezogen hatten, das trieb die beiden jetzt mit unwiderstehlicher Leidenschaft aufeinander zu.

Nach einer ersten gemeinsamen Nacht in einem Hotel war es ihnen klar, dass jeder beim anderen den Ausweg aus ehelicher Hungersnot fand, den er verzweifelt gesucht hatte.

Rita auch, nur sie redete nie darüber.

Wir sind das ideale Paar!“, lachte Rita, während sich einer beim anderen mit hungrigem Mund und kreisender Zunge austobte. „Wir brauchen es beide wild, verrückt und hemmungslos. Mit Fantasie. Mit dem tollen Kitzel der Gefahr! Wir wollen alles machen. Und überall.“

Und das Vergnügen an schmutzigen Worten?“, erwiderte Sam.

Die natürlichste Sache von der Welt.“ „Ein unverschämter Reiz!“, schreit Rita vor Lust nach hemmungsloser Liebe und schnappt sich dabei Lisa.

Auf geht's, Lisa!“ „Irgendwelche Spezialwünsche?“, fragte Rita.

Sam! Küss mich, leck mich!“ „Überall!“, erwiderte Lisa mit Genuss.

Guuuuuuut! Aaaaahhh! ..."

Sam und Rita spielten mit frechen Worten ihr wildes Sexspiel, das die beständige Gefahr mitten im Trubel, so herrlich aufregend machte.

Jetzt komm ich hinten rein, Baby.“ „Aber wie!“, sagte Sam.

Rita und Lisa knabbern sich gegenseitig an ihre Klitoris und Sam stößt abwechselnd von hinten, ein bisschen dazwischen.“

Sie mussten aufhören, denn unten herum trieb es sie schon einem allzu gefährlichen Höhepunkt zu.

Rita und Sam sind immer noch hungrig nach neuen verrückten Aufregungen.

Alle drei bebten vor kaum zu bändigender Geilheit am ganzen verschwitzten Körper.

Sie machten es stehend.

Ja.

Vor dem Spiegel.

Sie betrachteten sich dabei, wie ihre saftigen Körper in ein wildes Stakkato hämmerten und ihre Gesichter sich vor Wollust verzerrten.

Der Abend war schon fortgeschritten und kühl.

Dunkle Wolken wurden von einem heftigen Wind vom Meer nordwärts getrieben.

In entgegengesetzter Richtung war der Mond voll und weiß über den grünen Hügeln aufgegangen, während die Abendsonne die Welt in rotes Gold rauchte.

Eva Miene entlockte Lisas ein Lächeln.

Willkommen in der Wirklichkeit!“, sagte Eva.

Den Anblick dieser Hügel kann man niemals vergessen“, erwiderte Lisa verträumt.

Komm, wir wollen weiter, ehe der Regen kommt“, sagte Eva, denn sie mochte keinen Regen.

Morgen wird wieder die Sonne scheinen.“, sagte Lisa.

Eva blieb stumm, aber sie trieb ihr Pferd als erste den Hang hinunter.

Sie konnte es kaum erwarten, das Pferd in den Stahl zu bringen und wieder zu Hause gemütlich an den Kamin zu sitzen.

Lisa galoppierte ihr nach.

Innerhalb der Stallungen waren Lisas Blicke unablässig in Bewegung, auf der Suche nach einem bekannten Gesicht.

Nach Risiko.

Plötzlich rief Risko von weitem: „Bringt eure Pferde in den Stall!“

Eva sah Riskos rauen und fleischigen Hände.

Die Andeutung eines Lächelns hob einen Winkel seines schiefen Mundes an.

In diesem Augenblick sank die Sonne unter den Horizont.

Die Rottöne vertieften sich zu Purpur.

Über alles senkte sich die Stille des Sonnenunterganges, in einem großen Atemholen der Erde und aller ihrer respektvollen Geschöpfe.

Eva konnte vor Freude nicht an sich halten.

Lächelnd deutete sie auf dieses und jenes.

Sie hörte nicht auf zu reden.

Risko sah Lisa an, die ihm leidenschaftlich und ohne Scham zulächelte.

Ihr Antlitz erschien ihm wie die lebensfrohe Pracht eines blühenden Wiesenhanges.

Für Risko hatte Lisa nie aufgehört, schön zu sein.

Er sah die Lebensfreude in ihr.

Lisas Rücken war gerade.

Und ihr Haupt aufrecht.

Im Halbdunkel des Stalles wirkte ihr Haar wie Seide und ihre Wangenknochen schimmerten.

Er zog sie an sich, als Eva schon im Wagen auf Lisa wartete, und küsste sie.

Risko legte den Arm um ihre Schultern.

Als sie sich leidenschaftlich und heftig küssten, spürte Lisa den harten Rammelstab zwischen seinen Beinen, der in den Himmel ragte.

Es sah aus, als würde der gewaltige Stab den Mond berühren wollen.

Lisa wollte eben Risko fragen, was der dicke Schwanz darstellte, als er auf sie zukam.

Risko schweigte und lächelte.

Er fasste nach seinem Schädel, als enthielte dieser unsichtbare Erinnerungsstücke, die er erst zusammensetzen müsste.

Jetzt schaltete sich Eva ein.

Ich bin seit heute Morgen von meinem Bett getrennt“, sagte Eva, „jetzt ist es mein einziger Wunsch, es wiederzusehen und mich in eine Badewanne mit heißem Wasser zu legen.“

Lisa drehte sich zu Eva um, ohne sich von Risko zu verabschieden, und beide fuhren los.

Risko schüttelte unverstanden den Kopf.

Komm!“, sagte Eva.

Es wurde noch ein schöner und gemütlicher Abend unter wilden und egozentrischen Schwestern.

Das Ehepaar Rita und Sam Konso war nach anderthalb Jahren Ehe doch auch ins Nachdenken gekommen.

Äußerlich, auch unter Freunden war ihnen nichts anzusehen.

Rita Konso war viel zu stolz, um etwas zuzugeben.

Das Ergebnis einer missglückten Ehe?

Der Mann nicht der richtige Mann, ein Gott oder ein Märchenprinz?

Die Frau, nicht die richtige Frau, Hure oder Mutter?

Aber in ihren Köpfen arbeiteten sie immer noch in ihren alten, festgefahrenen Begriffen.

Damit drehten sie sich nur ewig im teuflischen Kreis herum.

Wenn etwas nicht in Ordnung war, dann musste der Fehler bei Sam liegen.

Oder bei Rita?

Immerhin.

War Sam ein Versager?

Rita konnte auch nicht sagen, wo und wieso.

Nah, komm schon, Sam!“, sagte Rita, denn sie hatte eine fiktive Idee. „Schön tief in mir hinein.“ „Sam, mach mir ein Kind!“

Rita spreizte ihre vollschlanken Beine.

Sam stieß zu und arbeitete wie ein lauter und rasanter Presslufthammer vom Straßenbau.

Rita hatte ihre schwarz lackierten Fingernägel wie Katzenklauen in sein muskulöses Fleisch geschlagen und nahm ihn in ihren gewaltigen Unterschenkeln in eine eiserne Zange.

Das war Ritas verrückteste Idee, um eine Beziehung in ihrem turbulenten Leben retten zu wollen.

Aber es hatte Rita an verrückten Einfällen nie gemangelt.

Sam hatte zuerst verblüfft gezögert.

Aber jetzt?

Er hämmerte wie ein ausgehungerter Teufel.

Auch sein Gehirn hatte etwas Teuflisches.

War das ein Liebesakt von unsterblich Verliebten?

Nein?

Ein Geschäft mit der unmoralischen Liebe, was Rita nutzen will und somit Sam ein Kind unterjubelt?

Eine prächtige Idee von Rita?

Ein Racheakt?

Bei Sam war es Kinderzuwachs.

Oha! Und bei Rita war das Machtzuwachs.

Rita ließ die Idee, schwanger zu werden, einschlafen, verhütete und sie nahm weiter die Pille.

Brauchte Rita eine Abwechslung?

Sie zog sich bald völlig von ihrem Sam zurück.

Sam grinste nur noch teuflischer.

Rita war leider in manchen Dingen ein harter Klotz.

Sie suchte einen Psychotherapeuten auf und überwand endlich ihre inneren Hürden.

Mit immer kühneren Sprüngen nahm sie nun eine Hürde nach der anderen, denn so vieles wurde ihr klar.

Wahre Wunder, meinte sie, brachte mit aller Macht über sie herein.

Dabei wurde sie überhaupt, wie man sagt, erst normal.

Erst nach diesen Stunden beim vertrauensvollen und sympathischen Psychotherapeuten kamen die Entdeckungen des eigenen Wesens und der eigenen Wünsche.

Die erotische Fantasie begann zu arbeiten.

So hält die Erotik eines jeden Menschen ihre eigenen Wunder bereit.

Bei manchen prüden und Spaß bremsenden Menschen aber nicht, weil sie Erotik schmutzig und als eine Sünde halten.

Aber dahin wollte Rita nicht gelangen.

Sie war schon auf dem Wege.

Es war zu spät.

Zu spät für einen neuen Anfang mit Sam.

Wollte Rita denn mit diesem Mann, den sie jetzt zum ersten Mal wirklich liebte und sah, überhaupt noch einmal anfangen?

Sie hatte jede Chance verloren, Sam zurückzugewinnen.

Fehlte bei beiden das innige Vertrauen?

In wenigen Tagen hatte Rita auch die letzten Zweifel ausgeräumt.

Sam, das Urbild des Lumpen und Schmarotzers?

Ein Charakterschwein?

Ritas Entschluss stand fest und sie wollte ihn ohne Zögern in die Tat umsetzen.

Sie wollte sich von Sam scheiden lassen.

Da starb plötzlich Sam an einem zweiten Herzinfarkt.

Sam machten das Drama und die angehende Scheidung mit Rita sehr zu schaffen.

Er verstand die Welt nicht mehr.

Denn mit den Frauen hatte er nie das große Glück gehabt.

Sam sollte immer die Frauen verstehen, mit denen er zusammen war.

Und das tat er auch.

Wollten die Frauen Romantik?

Aber er verstand nie eine Frau.

Denn das interessierte auch keine von denen.

Sie wollten alle nur seinen Sex und einen Seelentröster, der ihnen nur zuhört, wenn sie ihre Beruhigungstabletten vergessen haben, aber seine Liebe wollten sie nie.

Mit Rita sollte es etwas ganz Besonderes sein und er wollte mit ihr sein Leben gestalten, weil sie Sam den Glauben gab, dass sie ihn versteht und liebt.

Natürlich gefiel ihr auch der Sex mit ihm.

Sam hinterließ ein Testament, das es in sich hatte!

Denn es war alles zum Guten für Rita, für die Zukunft seiner Firma gedacht.

Er wandte sich doch verhängnisvoll gegen beide.

Ausgeklügelte Paragrafen machten eine Scheidung praktisch unmöglich.

Rita hätte auf ihre Beute verzichten müssen.

Sie wollte niemals verzichten auf das Vermögen von Sam.

Rita wusste aber nie, wie viel es genau war auf seiner Bank.

Höhnisch grinste Rita jetzt auf ihrem Ehering das lebenslänglich eingravierte „Bis der Tot uns scheidet“.

Dass es so schnell ging, damit hatte Rita ja nun auch nicht gerechnet, und dann mit einem sehr großen Vermögen.

Kann das Leben nicht wundervoll sein, dachte sich Rita.

Als juristisches Dokument war dieser letzte Wille ein Meisterstück von fast unheimlicher Perfektion.

Tausende von Ahnungen mussten Sam Konso durch den Kopf gegangen sein.

Denn Tausende von Schlupflöchern und Ab- und Seitenpfaden hatte er sorgfältig verbaut und versperrt.

Rita hatte zwar jetzt fünfundfünfzig Prozent des Firmeneinkommens eines Textilunternehmens in der Hand, und das genügte ihr für eine diktatorische Alleinherrschaft.

Aber einen großen Teil, die Mehrheit, hatte man einem Gremium von Treuhändern übergeben.

Ebenso seine Villa und das ganze Vermögen.

Darüber wachten alte, zuverlässige Freunde von Sam Konso, wie ehrenwerte Bankiers und Anwälte, denen er absolut vertrauen konnte.

Aber Rita konnte nur zähneknirschend feststellen: „Das Testament ist absolut Luft- und wasserdicht!“

Ihr erwachter Körper verlangte so gebieterisch nach einem Mann, als Sam noch nicht einmal unter der Erde war.

War es denn so unmöglich?

Es konnte für Rita nicht unmöglich sein.

Nein.

Er hieß Alfonso Zuckermann, ein Staranwalt, wie man es in den Zeitungen gelesen hatte.

Sie hatten sich gesucht und gefunden.

Gehörten zusammen?

Sie verstanden sich.

Beide begehrten sich mit einer Leidenschaft, die alles verzauberte. Sie liebten sich. „Oh – aah – hah!“, stöhnte Rita, während die Stöße mit sanfter Gewalt immer heftiger, schneller, tiefer in sie eindrangen.

Das war wunderbar.

Das raubte ihr die Sinne.

Das war Sex mit allen seinen herrlichen Tollheiten.

Oh, Lieber...ooohah...haaahh! „Ich komme gleich!“, stöhnte Rita vor Wollust. „Ja...ah...ah...ah...ja...ich komme!", wohlig ließ sich Rita auf den himmlischen Wogen ihres Orgasmus davontragen.

Sie schlug ihren Kopf wie rasend in den Kissen hin und her.

Ihr Mund öffnete sich wie zu einem Schrei.

Aber nein, ihre Zunge stieß zuckend in die Luft.

Selbst die Luft schmeckte für Rita noch nach unersättlicher Liebe.

Alfonso Zuckermann lächelt.

Ich will mehr!“, forderte Rita.

In der gleichen Stellung?“, fragte unwissend Alfonso.

O ja!“ flehte Rita. „Mehr!“, schrie dann Rita ungeduldig. „Immer noch mehr, Alfonso.“ Jede Stellung, die du willst ..."

 

 

Kapitel 11

Willkommen, Monique!“, rief Lisa ihr zu, als sie das Büro betrat.

Gut gemacht!“

Ach, wenn der Feierabend nur bald käme, so dass ich mein Lover wiedersehen könnte.“, sagte Monique und rieb sich die Schenkel mit den Handflächen.

Monique, du hast sehr gut gearbeitet während meiner Abwesenheit. „Komm jetzt und trink mit mir eine Tasse Kaffee, bevor wir heute Morgen loslegen!“, sagte Lisa. „Komm, Monique, trinken wir auch ein Glas Schampus auf die Männer, die uns immer zum Lachen bringen.“

Monique seufzte.

Ihre Gedanken machten einen Sprung in die Vergangenheit, in ihre Jugend.

Sie konnte sich noch an den Raum erinnern, wo sie das erst Mal geküsst wurde.

Von einem Mädchen.

Ihrer besten Freundin.

Monique wusste noch, dass an der Stelle, an der das witzige Bild, ein Picasso, an der Wand hing.

Lisa grinste und sah Monique an.

Wir alle spielen Spiele.“, sagte Lisa. „Und die müssen gut sein!“ Daran darfst du jetzt nicht denken, was du alles in der Vergangenheit falsch gemacht hast. Wir dürfen nicht an das denken, was hinter uns liegt. Wir müssen vielmehr an die Zukunft denken.

Ich würde gerne wissen, was aus den Jungs geworden ist, mit denen ich geschlafen habe.“, sagte Monique.

Mit zunehmendem Alter wird ein Mann müde. „Seine leidenschaftliche Begierde lässt nach“, sagte Lisa.

Lässt dein unersättliches Begehren auch mit dem Alter nach?“, fragte zynisch Monique, Lisa.

Monique lachte laut.

Lisa musste ihr die Antwort schuldig bleiben.

Nur die Zeit heilt manchmal“, sagte Monique.

Aber Manches wird mit der Zeit auch schlimmer“, erwiderte Lisa. „Hure der Männer zu sein ist wahrlich keine Wonne.“

Monique und Lisa schwiegen eine Weile und zündeten sich eine Zigarette an.

Ich empfand nur reine Lust.“, sagte Lisa weiter, „Es muss anregenden Schmerz verursachen, um meine Lust zu befriedigen.“ Ich schmeichelte dem Mann, tat ihm schön und öffnete ihm willig meine Schenkel. „Ich ließ ihn alles tun, was ihm Freude bereitete.“

Lisa! Die Macht eines jungen, willenlosen Mädchens über einen hungrigen Mann ist größer als die betäubende Magie der Alten“, gab Monique Lisa zu verstehen.

Eine Frau hat betäubende Mittel und unbeschreibliche Wege“, konterte Lisa, „in einem Mann Liebe zu erregen, auch wenn er einer anderen gehört.“

Lisa, wir müssen jetzt zu einem Termin, zu einem Kunden, Nasar Gollo, der Immobilienhai.“, erwähnte Monique. „Ich konnte noch einen neuen Termin machen, als du plötzlich in den Urlaub gingst.“

Wie lange brauchen wir?“, fragte Lisa.

Wir müssen uns beeilen!“, drängte Monique.

Lisa Laubeta nahm sich die Unterlagen, die Monique schon zu Recht gelegt hatte, und ging mit Monique Lyer aus dem Raum.

Auf der Fahrt verstummten beide und sahen auf die Straße, die sehr mit Schlaglöchern gepflastert war.

Aengus, der Gott der Liebe, schützt die Liebenden“, sagte Lisa.

Monique stutzte über Lisas Bemerkung.

Lisa!“, flüsterte Monique.

Nasar Gollo war ein energischer alter Mann von lebhafter Gesichtsfarbe.

Seine Wangen waren hochrot, als habe ihn jemand geohrfeigt.

Seine Augen waren von einer dunklen Nacht himmelblau, das sich in Augenblicken des Ärgers gelegentlich zu Schwarz verfinsterte.

Er bestach Lisa und Monique mit einem Glas Schampus.

Als das nichts nützte, bestach er Lisa mit einem Blankoscheck.

Als Nasar Gollo nichts sagte, wusste Lisa, dass das nicht das Ende war.

Der Mann reiste allein durch die Welt, in einem Privatjet.

Vielleicht hätte Lisa dem Mann offen heraus sagen sollen: „Ich werde nie zu der Bekehrten werden, die sie sich wünschen.“

Aber Lisa wusste, dass er diese Erklärung für töricht gehalten hätte.

Sie hätte ihren Auftrag verloren, der ihr viel Geld eingebracht hätte.

Deshalb lauschte Lisa zwar schweigend seinen Geschichten, die Monique mit Eifer aufs weiße Blatt Papier notierte.

Lisa nickte interessiert.

Darauf redete er eine Stunde über die Notwendigkeit, Lisas Dienste zu benötigen.

Nasar Gollo mangelte es an Takt, aber er war Lisa schon wie ein Freund gewesen.

Interesse war es, das Lisa dazu führte, über seine unziemlichen Bemerkungen hinwegzusehen.

Dann nahm sich der Mann eine kubanische Zigarre und zündete sie gemütlich und genussvoll an.

Er stolzierte vor Lisa und Monique auf und ab.

Komisch anzusehen, schwang er die Zigarre hin und her, dann dramatisch in einem vollen Kreis.

Der unangenehme Rauch der brennenden Zigarre trieb Lisa und Monique ins Gesicht.

Nasar Gollo marschierte vor und hinter ihnen vorbei und hüllte sie mit Rauch ein.

Monique konnte das Gesicht des egozentrischen und sturen Mannes nicht mehr sehen, aber sie hörte seine Zunge scharf in seinem Mund schnalzen.

Dann wurde er ruhiger und setzte sich in seinem großen schwarzen Ledersessel.

Sein Verhalten war grotesk.

Lisa spürte, dass er einsam war.

Monique war lange Zeit still.

Dann flüsterte sie zu Lisa: „Ich versteh alles.“

Seine Geschichten, wie sein Anliegen, ergaben für Lisa keinen Sinn.

Also fragte Herr Gollo: „Warum hat Kain seinen Bruder Abel erschlagen?"

Lisa und Monique blieben stumm und dachten: »Vielleicht war es auch andersherum.«

Es war für beide Frauen, dann auch nicht mehr so wichtig gewesen.

Es waren Männergeschichten, um Neid, Gier und Macht.

Der Mund des Mannes ging auf.

Seine Zunge schnellte heraus, und dann?

Dann schnellte sie wieder hinein, wie bei einem Frosch.

Er schluckte die Worte hinunter, die er fast ausgesprochen hätte.

Was soll als Nächstes geschehen?“, fragte Nasar Gollo Lisa Laubeta, als sie endlich verstand, dass seine habgierige Verwandtschaft an sein bemerkenswertes Vermögen wollte.

Eins nach dem anderen!“, bemerkte Lisa energisch.

Er schaute Lisa an und vertraute darauf, dass Lisa verstand, was sie hierher gebracht hatte.

Monique lächelte Lisa zu.

Er fuhr sich mit der Hand über die Augen und Lisa fielen drei parallele Narben an seinem Kinn auf.

Nasar Gollo beobachtete Lisa und Monique, wenn sie sich Notizen machten.

Lisa hielt die Augen auf das Papier vor sich gerichtet.

Sie spürte seinen starren Blick.

Lisa und Monique waren froh, als sie das antike Anwesen wie das Grundstück von Herrn Nasar Gollo wieder verlassen hatten.

Sie verlagerten das Gespräch für später, in einer Woche, im Büro.

Im Wagen stießen sie vergnügte Schreie aus, die sie wieder zum spaßigen Leben erleichterten.

Wie hältst du das nur ständig aus, die Termine mit deinen verrückten und neurotischen Kunden?“, fragte noch etwas genervt von Herrn Gollo, Monique.

Lisa erzählte ihr, dass sie sich schon früh eine dicke Mauer für solche Kunden aufgebaut hat.

Später brachte Lisa Monique zur Agentur, damit sie mit ihrem Jeep nach Hause fahren kann.

Lisa sagte noch schnell, dass sie morgen erst eine Stunde später kommen brauche.

Aber es war nicht ihre Art, viel Gewese zu machen.

Lisas knappes Lob reichte.

Sie freute sich auf den Schlaf in dieser Nacht, allein zu Hause und im Bett, denn Eva hatte ihren Aufenthalt bei Lisa überstürzt und, wie sie so ist, abgebrochen.

Lisa wachte mit einem gewaltigen Widerstand am nächsten Morgen auf und tastete sich ins Badezimmer.

Sie wusste noch, dass sie ihr Shirt ausziehen musste, bevor sie unter die Dusche geht.

Aber sieh, vergaß es.

In solchen blöden Sachen war Lisa abgehärtet.

Lisa war in dem Glauben erzogen, dass Disziplin und Selbstbeherrschung Zeichen der Reife seien, die es erforderlich machten, persönliches Verlangen zu unterdrücken.

Ganz klar, wie sein Shirt unter der Dusche anbehalten, dachte sich grinsend Lisa.

Jetzt wehten ihre Gefühle, noch voll im Halbschlaf, über sie hinweg.

Sie ruhte im Schoss ihrer Gemütsbewegungen unter dem warmen Wasserstrahl.

Die Zeit dehnt sich von Lisa aus und fließt in viele Richtungen, trifft sich auf den Horizont und bewegt sich dann darüber hinaus, der Rundung der Erde folgend.

Die Hoffnung flackerte in ihrem Herzen, wie ein empfindlicher Puls.

Seit drei Monaten waren Lisa Laubeta und Sean Grazia glücklich miteinander.

Meist konnten sie sich nur zweimal, dreimal in der Woche bei Lisa treffen.

Diese Stunden beflügelte sie innig, immer mehr und unzertrennlich.

Diese Gemeinsamkeiten, die Sie damals wie ein Wunder überfallen und überwältigt hatten, wuchsen wie ein kräftiger Baum auf einer blumigen Wiese.

Dieser Baum der Bewunderung trug immer wunderbare und schmackhafte Früchte.

Längst hatte Sean Grazia Lisa gebeten, sich doch von ihrer deprimierten Vergangenheit zu trennen und ihn zu heiraten.

Ja, Sean, ja.“, sagte Lisa erdrückend. „Wenn es ging, dann würde ich dich noch heute heiraten.“ „Aber, ich bin noch nicht so weit, Sean.“

Lisa und Sean klammerten sich an einen winzigen Strohhalm der Liebe und machten aufregende Pläne für eine gemeinsame Zukunft.

Sie war skeptisch, denn wie sollte sie nach all den schrecklichen Jahren noch an eine Wahrheit glauben?

Sean Grazia hatte gewusst, was er wollte und was er tat.

Lisa hatte in ihrem Leben schon viele Scheidungsprozesse miterleben können.

Das hat schon leicht gestunken.

Trag mich in dein Bett, Sean!“, sagte Lisa. Liebe mich! „Ganz verrückt!“, sagte Lisa grinsend.

Die Hoffnung, Sean zu heiraten, machte Lisas Tage seitdem erträglicher.

Mit größter Selbstbeherrschung zwang sie sich, weiter die optimistische Rolle zu spielen, die Sean von ihr erwartete.

Lisa ließ alles über sich ergehen.

Sie erhob sich entspannt von ihrem Bett.

Wischte die letzten alten Erinnerungen fort und stand jetzt auf beiden Beinen fest in der Gegenwart.

Lisa lächelte.

Sean! Ich werde die ganze Nacht bei dir bleiben können“, sagte Lisa.

Lisa lag splitternackt in Seans Armen.

Er küsste sie und spielte zärtlich mit ihrem warmen Körper.

Liebling!“, sagte Lisa, „du hast mich gleich wieder so weit.“

Lisas Körper durchfuhr vor Erregung ein Zittern.

Sean Gracia hatte sich mit Lisa eine Zigarette angezündet und qualmte bedächtig und genüsslich vor sich hin.

Lisa setzte sich auf und starrte ihren splitternackten Sean an.

Sie schmunzelte.

Sean drückte seine Zigarette aus.

Diese verdammten Weiber hatten es manchmal faustdick hinter den Ohren, dachte sich Sean.

Ein gleichgültiges Achselzucken von Lisa.

Sie schwieg

Lisa rief nachmittags an.

Denn sie hatte das Gefühl, jemanden anzurufen.

Es war ihre Schwester Eva.

Für ein paar verständnisvolle Worte.

So war es offensichtlich auch, denn Eva bat Lisa, doch einmal zu ihr nach Deutschland zu kommen. Nach Düsseldorf, wo sie sich zurzeit in ihrer Wohnung, auf dem Sofa, eingehüllt in einer pinkfarbenen, kuscheligen Decke, mit einem Glas Rotwein gemütlich gemacht hatte.

Wenn man bedenkt“, sagte Lisa so vor sich hin, dass schon eine lange Zeit vergangen ist, dass ich das letzte Mal in Deutschland war. »Mir kommt es vor, als wäre es mein ganzes Leben.«

Lange Zeit – ein ganzes Leben“, philosophierte Eva achselzuckend, während sie sich das Glas mit mundigem Rotwein nachgoss. „Lisa, so kenn ich dich ja überhaupt nicht!“

Lisa war gleichzeitig erschrocken und erfreut. Sie lächelte jetzt.

Ein Lächeln, das beklemmende Erinnerungen fortwischte von ihrem Gesicht.

Siehst du, Lisa“, sagte Eva, „wir können jetzt wieder miteinander reden, wie Freundinnen.“

Eva!“, sagte Lisa schließlich und betrachtete sie mit Staunen und Verwunderung. „Ich spüre es, und du meinst, was du sagst.“ „Du bist absolut ehrlich.“

Lisa!“, rief Eva plötzlich und fiel ihrer alten und neuen Freundin und Schwester in Gedanken und in Telepathie um den Hals und flüsterte Lisa die nächsten Worte grinsend ins Ohr: „Du bist verliebt!“ Die große Liebe! Stimmt's?"

Lisa nickte am Telefon.

Du Glückliche, du!“ „Lass dich beneiden!“, erwiderte Eva.

Und dann legten sie langsam den Hörer auf.

Sean Gracia war großzügig mit Geschenken.

Lisa Laubeta war nicht weniger zungenfertig als er.

Im gegenseitigen Erfahrungsaustausch?

Das war ein offenes Geheimnis.

Sean Gracias hatte einen ungeheuren Einfluss in den oberen Klassen der Gesellschaft.

Seinen langen, ja, sehr langen Arm.

Wie zum Beispiel: Ein Wort von ihm genügte, um Leute in den sichersten Jobs wurden plötzlich gefeuert, Verträge annulliert.

Mit Milliarden lässt sich allerlei machen.

Die Lieblingsbeschäftigung der sündhaften Lisa und des Milliardärs Sean war es, pudelnackt sich auf der weißen Couch, von Sean Grazia, zu wälzen.

Champagner?“, fragte Sean neugierig, als sie beide stürmisch miteinander rangelten.

Was gibt's denn zu feiern?“, fragte sie.

Champagner mit Bett oder Bett mit Champagner, das ist immer eine gute Zusammensetzung!“, erwiderte lächelnd und gut gelaunt Sean.

Lisa lag ja schon nackt im Bett, räkelte sich wohlig und genoss ihre Nacktheit.

Aaaaah!“, stöhnte sie.

Und da war Sean auch schon da, mit der Flasche Champagner.

Ihr splitternackter und knackiger Sean, Ihr Gott.

Die Flasche Champagner stellte er notdürftig, mit zwei Gläsern, auf einen Tisch neben dem Bett.

Vor dem Champagner wollte Sean allerdings Lisas nackten Körper kosten.

Er beugte sich geheimnisvoll über sie.

Er küsste ihre Lippen, die lächelten.

Er küsste genussvoll ihre Brüste.

Er küsste den honigblonden, dichten Wald.

Auf Wald im Tal der Lüste hatte Sean nicht die Ahnung.

Sie hatte verstanden, ging ins Bad und rasierte ihre vollen Lippen zwischen den Beinen.

Seitdem Sean seinen schweren Weg dorthin gefunden hatte, war jetzt ständig der Frühling da und Lisa spürte Dinge, die sie noch nie so tief empfand.

Sie leerten ihre Gläser in einem Zug, denn Lisa hatte beim Nachschenken der leeren Gläser heftig nachgeholfen.

Sie hielten sich umschlungen.

Ihre Hände vertrieben sich leidenschaftlich die wertvolle Zeit.

Dann trafen sich zufällig ihre trockenen Zungen, die nach prickelndem Champagner schmeckten.

Seine Hände liebkosten ihren schlanken, mädchenhaften Körper und sie spürte an ihren Hüften sein hartes, heißes und pochendes Monster.

Komm jetzt!“ „Komm, bitte!“, flüsterte sie ungeduldig mit ihren kussgefangenen Lippen.

Lisa nahm den dicken und steifen Riesen ihres Liebsten zärtlich in die Hand und führte ihn ein Stück durch die dunkle, feuchte Grotte.

Oohhhhh!“ „Och jaaaaah…“, stöhnte sie, als sich der Zauberstab energisch weiter seinen flutschigen Weg bahnte.

Mach es mir!“ Ganz wild. – Ganz, ganz wild und hart – Ja!

Er ließ sich das nicht zweimal oder dreimal sagen und lachte laut ihr zu.

Sean kannte den recht gesunden Appetit seiner Lisa.

Ihr Sexbedarf hatte sich nie in konventionellen Grenzen bewegt oder an konventionelle Formen gehalten.

Lisa holte sich, was sie gerade brauchte.

Ohne Umstände?

Sie fackelte nicht lange und war nicht im Geringsten wählerisch, wenn sie dabei manchmal einen billigen Kerl in Kauf nehmen musste.

Lisa Laubeta war immer auf der Suche nach dem prickelnden Reiz des Sensationellen, Riskanten und Gefährlichen.

Sie hatte schon öfter den handfesten Zweifel gehabt und selbst kritisch überlegt: „Ist das nun das Wahre?“, wie bei Risko, dem Pferdepflüsterer, Domenik, der mit seiner Frau verheiratet war, oder ihre Affären mit den lesbischen Frauen.

Verdammt noch mal, was bin ich doch für ein Miststück!“, sie wetterte gegen sich selbst.

Lisa hasste sich, war wütend über ihre eigene Schwäche.

Sean Grazia war für Lisa ein Mann mit Fantasie, ohne Hemmungen und ohne Prüderie, wie sie es sich immer im Leben vorstellte.

Lisa hatte einen Mann.

Einen Gott.

Sie war versorgt.

Sie hatte sogar einen Mann, den sie liebte.

Sie wurde wieder geliebt. Von Sean Grazia.

Wie sie es wollte?

Wenn die Wurzel im Walde steht, ist der Grips der Frauen am Arsch der Welt!“, das war die Entschuldigung, die die prüden, fantasielosen und gehemmten Frauen in solchen Situationen immer gleich zur Hand hatten.

Lisa Laubeta kam am nächsten Tag erst gegen achtzehn Uhr, am späten Nachmittag, von Einkäufen nach Hause.

Aufgeregt vom Einkauf stürzte Lisa ins Schlafzimmer und legte salopp ihre vollen Einkaufstaschen ab.

Es hatte am Abend eine erhebliche Party werden sollen.

Das große offizielle Treffen der Schönen und Reichen, wie die Presseleute in der Boulevardzeitung spekulierten.

Und Sean Grazia war mit Lisa Laubeta auch auf dieser ungewöhnlichen, wie gewöhnlichen Party.

Es waren sieben alte Herren, die nicht darauf vorbereitet waren, dass Lisa Laubeta auch eine eigene Meinung haben könnte.

Sean Gracia ergriff die Gelegenheit und war sichtlich froh, einen guten Anknüpfungspunkt für ein Thema gefunden zu haben: „Greifen wir jetzt nach den Leckerbissen am Buffet…“

Ich fliege nächste Woche nach Deutschland, zur Modemesse nach Leipzig“, warf ein Mann ein.

Nach Leipzig?“, fragte Lisa nach.

Es gab bei den anderen vornehmen Herren keinen Herzschlag, wie auch die Leute im Westen Deutschland den Osten immer so schlecht machen. Auch fiel vor Erstaunen keiner der würdigen Herren von seinem Stuhl.

Der Kellner brachte zwei Flaschen Champagner.

Echten Französischen, im Eiskübel.

Wenn ich splitternackt bin“, flüsterte leise Sean Lisa ins Ohr, „kann ich einfach besser einschenken.“

Sie wurde vor Scham und überraschend ganz rot im Gesicht.

Wenn es nun von den anderen noblen Herren und kandierten Damen jemand gehört hat?

Im Bett getrunken, dachte sich Lisa. Entfaltet dieser edle Tropfen bestimmt erst so richtig seine einzigartigen Qualitäten.

Und nicht nur seine!

Für Lisa Laubeta war es wie ein Traum, wie sie am frühen Morgen erwachte und Sean beim ersten Sonnenstrahl beobachtete, wie er splitternackt auf der Terrasse stand.

Lisa sah seinen knackigen Arsch.

Jetzt fing ihr Leben erst an.

Lisa war eine erwachte, lebenslustige und lebenshungrige Frau.

Hey, Liebes“, flüsterte Lisa, als sie sich zu Sean herangeschlichen hatte. „Was gibt denn Aufregendes?“

Oh, das wird nicht verraten!“, erwiderte Sean. „Ich habe einen ganz verrückten Appetit nach dir.“

Jetzt hatte sie ihren Kopf sanft auf seine Hüfte gelegt und griff mit den schlängelnden Fingern einer Hand nach dem kleinen, schwachen Riesen.

Der hatte sich gerade ein wenig zur Seite gelegt, aber minutenschnell war er bei der Sache.

Mit einem Satz sprang der Kleine auf und stand in seiner ganzen Pracht steil aufgerichtet da.

Lisa warf Sean einen strahlenden Blick aus ihren lachenden Augen zu.

Du! „Ich wette, du schmeckst besonders lecker!“, flüsterte sie zu ihrem entzückenden Riesen und ihre Lippen hatten schon zugepackt.

Seine gereizte süße Wurzel zuckte in der unsagbar zarten, leidenschaftlich festen, stürmisch bewegten Liebesfalle, die ihn mit Lippen und Zähnen einer Raubkatze gefangen hielt.

Ein warmes Zittern lief durch ihren ganzen erregten Körper.

War das schon ein erster Orgasmus?

Trieb sie die erfüllte Sehnsucht – und wurde er ausgelöst von einer gestillten Ungeduld?

Sean spürte, wie sich sein plötzliches Wonnegewitter mit aller Macht zusammenzog.

Er versuchte freizukommen, aber Lisa ließ ich nicht los.

Sie hielt Sean noch mehr, bis seine Lenden alles hergaben, was Lisa von ihnen haben wollte.

Sean zog Lisa zu sich herauf.

Sie lächelte zufrieden und küsste Sean mit heißen Lippen. „Du bist eine schmackhafte Delikatesse – du!“, flüsterte sie, mit ihren lebhaften Lippen dicht auf seinen.

Lisa presste sich enger, noch enger an ihren Sean Grazia, ihrem Gott der leidenschaftlichen Liebe.

 

ENDE?

ENDE?

ENDE?

 

Nein!

Nein!

Nein!

Nein!

Nein!

 

Für Lisa Laubeta war das noch lange nicht das Ende.

Das war erst der Anfang Ihres neuen Lebensabschnittes.

Bis zum Tod liebe ich dich“, flüsterte Lisa eines Morgens zu Sean.

Sean tat so, als ob er noch schliefe.

Lisa beschloss, am heutigen Tag früher ins Büro zu fahren, um sich auf einen Klienten vorzubereiten.

Aber als sie dort war, entdeckte sie, dass Monique sich über die Akten hergemacht hatte.

Monique nahm sich ihren Stift und bekritzelte die Ränder der Seiten.

Sie schrieb Tag, Ort und Uhrzeit mit großen Buchstaben und dann in winziger Druckschrift darauf.

Lisa ging zum offenen Fenster und sah hinaus, wo die Leute sich auf der Straße laut unterhielten.

Der Himmel war von schmalen Wolkenbändern durchzogen und geradlinig wie frische Kondensstreifen von Flugzeugen.

Die Luft war ungewöhnlich warm.

Lisa sah ein Hausschwein zwischen den Leuten wackeln.

Es nahm sich Zeit und schaukelte von einem Bein auf das andere, wie ein Betrunkener.

Lisa konnte nicht verstehen, warum sich Monique die Mühe machte, die Aktenordner des Klienten durchzusehen.

Der Termin, zu dem sie fahren wollten, war wie jeder andere ein zwangloser Auftrag, eine Art des fröhlichen Spielens.

Ist das alles?“, fragte Lisa Monique, bevor Lisa den Wagen starten wollte.

Monique nickte und schaute nach vorn durch die Windschutzscheibe.

Lisa setzte sich auf den Fahrersitz und startete den Motor mit ein paar unsanften Tritten aufs Gaspedal.

Die nächsten paar Tage hielt das Spätsommerwetter an, aber Lisa nahm es gar nicht wahr.

Sie war zu sehr beschäftigt mit sich selbst.

Den ganzen Tag über spürte Sean, wie die Spannung wuchs.

Lass uns irgendwo hingehen!“, sagte Lisa zu Sean, der freudig nickte.

Lisa und Sean stiegen in den Wagen.

Sie fuhren los.

Ohne ein Ziel zu haben.

Als Lisa es bemerkte, begann sie an zu weinen.

Lisa verlor den Überblick über ihre Glieder und konnte ihre Zehen nicht mehr von den Ohren unterscheiden.

Lisa kam plötzlich wieder zu sich.

Zwei alte Frauen am Straßenrand beobachten Sean und Lisa mit unverhohlenem Interesse.

Sie schüttelten empörend ihre Köpfe.

Lisa nahm die beiden Alten nicht ganz wahr, denn sie war zu erschöpft, um ein neues Gefühl wie Spott vor den alten Weibern entwickeln zu können.

Am nächsten sonnigen Tag: „Wie wär's mit einem deftigen Frühstück, heute Morgen?“, fragte Sean, aber bevor Lisa antworten konnte, lief sie schon zu ihm in die Küche, um Frühstück zu machen.

Ich könnte am liebsten hundert Jahre schlafen“, sagte Lisa.

Sean Grazia war ein Mensch der raschen Gesten und abrupten Aufbrüche geworden.

Sein Gefühl bestimmte, Dinge hinter sich zu lassen.

Am meisten Angst aber machte ihm die Erkenntnis, dass selbst ein Mensch, in dessen Seele, Träume und Ziele verschmolzen. Sean seufzte. Lisa sah Sean an und trat an ihn heran.

Ich möchte, dass du glücklich bist“, flüsterte Lisa ihm zu. „Denn ich weiß, wie es ist, traurig zu sein.“

Sean wandte sich von Lisa ab, um sich von ihr zu entfernen.

Lisa!“, sagte Sean, „Jetzt habe ich noch eine Frage.“ „Wenn du die Wahl hättest, was würdest du in deinem verkorksten Leben anders machen?“

Sie antwortete ihm nicht und starrte genervt mit verdrehten Augen an die Decke.

 

Sean Grazia dachte sich manchmal: „Ich müsste ein grausames Monster sein, dann hätte ich ein schönes Leben.“

 

 

 

Anhang

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